Das Fünfzig-Jahr-Schwert von Mark Z. Danielewsky

Erschienen als Taschenbuch
im btb Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-4427-1438-4
Kategorie: Belletristik, Gegenwartsliteratur

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Die Näherin Chintana folgt einer Einladung von Mose Dettledown zu einer Halloween-Party. Dort trifft sie auf Belinda, die ihr einst den Mann ausgespannt hat. Fünf Waisenkinder und deren Sozialbetreuerin sind ebenfalls zu Gast. Und dann beginnt ein geheimnisvoller Geschichtenerzähler von seinem Leben und einem mysteriösen Schwert zu erzählen, dass gefährlicher nicht sein könnte und alle Anwesenden auf erschreckende Weise mit einbezieht.

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Der US-amerikanische Schriftsteller Mark Z. Danielewsky polnischer Abstammung ist zweifelsohne ein Ausnahmetalent und Kultautor. Egal, ob man seine Bücher mag oder versteht, Fakt ist, dass Danielewsky Sprache beherrscht. Und wie.
In jedem seiner Werke bediente sich der Schriftsteller mehr als außergewöhnlicher Ausdrucksformen, um seine Geschichten auf unglaublich intensive Weise zu erzählen. Es ist absolut nicht leicht, Zugang zu Danielewskys Protagonisten und Gedankengängen zu bekommen und nur, wer sich zum einen darauf einlassen kann und zum anderen genügend Geduld aufbringt, die teils wirren, aber dennoch präzisen, Schilderungen zu verstehen, wird mit einem bombastischen Leseerlebnis belohnt, das einem buchstäblich den Atem raubt.
Es dauert ein Weilchen, bis man die Struktur seines neuen Buches erfasst. Die verschiedenen Erzähler (Chintana, Belinda, die Waisenkinder …) werden lediglich durch unterschiedlich farbige Anführungszeichen gekennzeichnet und, selbst wenn nur wenige Worte auf einer Seite stehen, muss man höllisch aufpassen, damit man die gesamte Komplexität dieses Romans begreift.

Mark Z. Danielewsky fordert seine Leser heraus, bricht mit sämtlichen Konventionen und lässt das Mainstream-Publikum schonungslos verlieren. „Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ ist, wie seine beiden Vorgänger „Das Haus“ und „Only Revolution“ ein literarisches Feuerwerk, das sowohl textlich als auch typographisch eine Herausforderung darstellt, die, egal ob man das Buch in seiner Gesamtheit versteht oder nicht, schlichtweg beeindruckt. Wer mit so wenigen Worten ein derart bombastisches, episches Bild im Kopf des Lesers entstehen lassen kann, kann eigentlich nur als Genie bezeichnet werden. Michael Ende hätte seine wahre Freude an diesen tiefgründigen Wortspielereien und der ausgeklügelten Textakrobatik gehabt, war er doch der Meinung, jeder Autor sollte sich intensiv mit Sprache beschäftigen. Mark Z. Danielewsky tut das auf jeden Fall. Text und Bild verbinden sich zu einer verspielten, philosophischen Reise, der man sich nicht entziehen kann. Danielewsky bringt Dinge auf den Punkt, die andere nicht mit seitenlangen Beschreibungen derart exakt hinbekommen. Es ist schon fast unheimlich, wie flüssig sich das Ganze liest, obwohl in und zwischen den Zeilen ganze Geschichten versteckt sind.

Das Schöne ist, dass Danielewsky dem Leser nicht nur eine Geschichte, oder Geschichten, vorsetzt, sondern ihn auch noch aktiv mit daran beteiligt. Die Gedanken fahren während des Lesens Karussell, man  schweift ab, verliert sich in eigenen Interpretationen und beginnt zu träumen. Ein einziger Satz Danielewskys öffnet Dimensionen. Und so kann man jedem, der dieses Buch sein eigen nennt, empfehlen, das Werk mindestens zweimal zu lesen. Man begreift immer mehr, taucht immer intensiver in die Gedankenwelt des Autors ein und beginnt irgendwann zu verstehen …
Danielewsky ist für mich das literarische Pendant zu David Lynch, der mit seinen Filmen ebenfalls so viel zu sagen vermag, obwohl man es nie direkt sieht.
Mark Z. Danielewsky orientiert sich an manchen Stellen am großartigen Lewis Caroll oder James Joyce, denn er jongliert mit Worten und erfindet dabei neue Wortverbindungen wie zum Beispiel „akzepatiert“ oder „februarfahl“.

„Das Fünfzig-Jahr-Schwert“ ist definitiv kein Buch für zwischendurch. Es ist ein Roman, der sich dem Leser auch nicht unbedingt nach einmaligem Lesen erschließt. Es ist ein Buch, mit dem man zusammen lebt, das einen lange Zeit begleitet, wie es auch „Das Haus“ und „Only Revolution“ tun. Danielewskys Romane sind Kultbücher, die enorm lange nachwirken und zeigen, wie gewaltig Sprache sein kann. Und sie zeigen durch ihre aufwändige und künstlerisch anspruchsvolle Art und Weise, dass das Printbuch noch lange nicht ausgestorben ist. Danielewskys Bücher könnten als ebook niemals solch eine Sogwirkung erzeugen, wie sie das in gebundener, greifbarer Form tun. Danielewsky spielt mit unterschiedlichen Erzählebenen wie kein anderer und zählt für mich neben Samuel R. Delany, J.J. Abrams und Reif Larsen zu einem der innovativsten und progressivsten Schriftstellern aller Zeiten.

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Fazit: Ein minimalistisches und dennoch episch-bombastisches Meisterwerk sprachlicher Kunst.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Diva von Chuck Palahniuk

DIVA

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Manhattan Verlag
insgesamt 221 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-442-54685-5
Kategorie: Zeitgenössische Literatur

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Katherine Kenton ist ein Hollywood-Star der alten Garde. Sie ist eine alternde Diva und lässt sich auf eine Beziehung mit einem jüngeren, charmanten Mann ein. Hazie Coogan, Kentons Haushälterin und Freundin aus alten Tagen, verrät der Diva eines Tages ein Geheimnis: Der Liebhaber hat es nicht auf die Liebe der alternden Frau abgesehen, sondern auf Ruhm. Denn er hat bereits die Memoiren  des Stars niedergeschrieben und wartet nur noch auf deren Tod, um das Werk an die Öffentlichkeit bringen und damit eine Menge Geld verdienen zu können. Doch der charmante Liebesschwindler hat nicht mit Hazie Coogan gerechnet …

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Wer schon einmal Bücher von Chuck Palahniuk gelesen hat, weiß, was einen erwartet. Es dauert immer ein paar Seiten, bis man sich in den eigenwilligen Stil des amerikanischen Bestseller-Autors eingelesen hat. Aber schon bald wird man, wie so oft bei Palahniuk, mit einem genialen Wortsalat belohnt, der durch ein Dressing namens „Intelligente Handlung“ verfeinert wird. Palahniuk hat es einfach drauf, wenn es darum geht, eine im Grunde genommen unspannende Geschichte mit ausgefallenem und handwerklichem Geschick derart hypnotisch fesselnd zu erzählen, dass man sich nicht mehr losreissen kann.
Da wird mit Markennamen, bekannten und weniger bekannten Filmschauspielern um sich geworfen, dass es eine wahre Freude ist. Einiges erkennt man, einiges wiederum nicht. Aber in all dem Wust aus fettgedruckten Namen (denn die Eigennamen sind in Palahniuks „Diva“ alle fett gedruckt) verbirgt sich eine wunderbare Geschichte um das Altwerden, um Freundschaft, Liebe und Verrat.
Es dauert nicht lange und man ist bei dem ganzen Durcheinander aus Emotionen mit dabei, fiebert, leidet, lacht und weint mit den Protagonisten und fühlt sich zugehörig.

Bei „Diva“ kommt noch hinzu, dass der Autor unerwartete Wendungen einbaut, die so richtig Spaß machen und des Leser bis zum Ende hin in Unwissenheit lassen. Der Schreibstil ist, wie auch bei den anderen Büchern, sehr exzentrisch und gewöhnungsbedürftig. Palahniuk findet bei jedem seiner Bücher immer wieder einen anderen, neuen Stil, der zwar unzweifelhaft erkennen lässt, wer der Verfasser des Romans ist, aber dennoch etwas Innovatives zeigt. Solche Bücher sind ein Abenteuer und eine Herausforderung für den Leser, der sich so manches Mal vielleicht durch die Handlung bzw. Wortzaubereien beissen muss, dafür aber am Ende mit einem beeindruckenden Gesamt(kunst)werk belohnt wird, das meistens erst im Hirn des Lesers ein logisches Konzept entstehen lässt. Das gerade ist die Kunst, die nur wenige Autoren ihr Eigen nennen können: Chuck Palahniuk ist einer von ihnen.

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Fazit: Eigenwillig, exzentrisch, spannend, amüsant und hypnotisch. „Diva“ zeigt den literarischen Wortzauberer Palahniuk in gewohnt hoher Qualität.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten