Die Sphären von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
443 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-453-31848-9

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In der Nähe eines kleinen Ortes in Frankreich erscheint eines Tages eine riesige Kugel, die von den Menschen „Sphäre“ oder „Weiße Dame“ genannt wird. Wenig später erscheinen auf der ganzen Welt solche Kugeln, bis die Erde nahezu übersät mit ihnen ist. Und dann beginnen die ersten Kinder zu verschwinden. Auf geheimnisvolle Art und Weise werden Kinder, die maximal 4 Jahre alt sind, von den „Sphären“ verschluckt. Das Militär versucht, die riesigen Kugel  mit Bomben zu zerstören, aber erfolglos. Während immer mehr Kinder verschwinden, rätseln Wissenschaftler und Menschen, ob es sich um eine Invasion von Außerirdischen handelt und suchen nach einer Lösung, um weitere Kinder nicht länger in Gefahr zu bringen.

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Es ist schon eine sehr stimmungsvolle Ausgangssituation, die Pierre Bordage in seinem neuen Roman bereits auf den ersten Seiten schafft. Man erinnert sich unwillkürlich an „Arrival“ oder auch „Unglaubliche Begegnung der dritten Art“, und wenn man zwischen den Zeilen liest, verheimlicht Bordage diese Anleihen auch gar nicht, sondern verneigt sich mit seiner Story eher vor diesen Vorbildern. „Die Sphären“ ist eine Mischung aus Science Fiction und Dystopie, deren Handlung sich über viele Jahre hin erstreckt. Aufgrund der relativ wenigen Seiten erhält der Plot allerdings nicht das epische Ausmaß, das man sich davon erwartet. Bordage überspringt Jahre, geht nicht näher auf die Weiterentwicklung der Bedrohung durch die „Feinde“ oder der Charaktere ein, sondern widmet sich schlicht und ergreifend der konstanten Fortführung der Story.
Bordage widmet sich aber nicht nur einer Person und erzählt deren Geschichte, sondern „kümmert“ sich gleich um mehrere. Das mag den ein oder anderen Leser überfordern, der eine geradlinige Erzählweise erwartet, bildet aber in der Endkonsequenz ein sehr rundes Bild der gesamten Ereignisse.

Schnelleser (und auch unaufmerksame Leser) werden definitiv Schwierigkeiten mit den ganzen Personen, Namen und Zeitsprüngen haben. Aufmerksame Leser hingegen, die sich auch noch auf die Jahre dauernde Handlung einlassen können, werden mit einem wirklich guten Plot belohnt, der auch sehr viele Emotionen enthält. Bordages Szenario regt zum Nachdenken an, gerade was die „Behandlung“ ungeborenen Lebens und das von kleinen Kindern betrifft. Wenn man selbst in so einer Lage ist (oder einmal war) und ein Elternteil ist, kann man die Zwiespältigkeit dieser Überlegungen, wenn es um das Wohl der ganzen Menschheit geht, durchaus nachvollziehen. Der Dystopie-Charakter der Geschichte wird vom SF-Anteil zwar überdeckt, schwelt aber permanent im Hintergrund, so dass sich eine stimmungsvolle, bedrohliche und düstere Stimmung über das gesamte Werk legt. Ich persönlich mochte den Plot und das ganze Drumherum, das an manchen Stellen auch schon einmal philosophisch und esoterisch wurde.

Pierre Bordages Schreibstil ist einfach, aber keineswegs niveaulos. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen Bordage seine Protagonisten sehr naiv handeln (und auch reden lässt), werden in einer bildhaften Sprache die beschriebenen Situationen oftmals zu einem hervorragenden Kopfkino für den Leser. „Die Sphären“ ist ein ruhiges Buch, das in erster Linie von seinen vielen magischen Momenten lebt und nicht unbedingt von den Tiefen der Charaktere. Bordage beschreibt ein episches Geschehen, das mich in seiner Gesamtheit oftmals an Stephen Baxters Visionen erinnerte, von Bordage aber in seiner Tiefgründigkeit, bombastischen Wucht und erzählerischen Finesse nicht erreicht wird. Doch es ist schließlich kein Buch von Baxter, also kann man „Die Sphären“ durchaus als gelungene, düstere Zukunftsvision ansehen, die mit einem wunderbaren, für mich zufriedenstellenden Ende aufwartet.
Pierre Bordage widmet sich in „Die Sphären“ eindeutig weniger den technischen und wissenschaftlichen Seiten eines SF-Romans, sondern behandelt in erster Linie menschliche Themen wie Spiritualität oder politische und religiöse Machtspiele, die das „Fußvolk“ unterdrücken und ungerecht behandeln. Ein Buch, das mir mit Sicherheit trotz einiger Schwächen aufgrund seiner spannenden Handlungsstruktur im Gedächtnis bleiben wird.

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Fazit: Spannend und stimmungsvoller Genremix aus Science Fiction, Dystopie und menschlichem Drama.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Kontrolle von Robert Charles Wilson

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 398 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31658-4
Kategorie: Science Fiction

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Cassie wohnt in einer Gegenwart, die wir nicht kennen: Seit 100 Jahren lebt die Menschheit in Frieden, den Vietnamkrieg und das Attentat am 11. September 2001 auf das World Trade Center zum Beispiel gab es nie. Doch eines Tages kommt Cassie hinter das Geheimnis dieses Weltfriedens, denn eine außerirdische Macht kontrolliert die Entwicklung der Erde. Zusammen mit ihrem Bruder Thomas, ihrer Tante Nerissa und ein paar Freunden versucht sie, das Rätsel zu entschlüsseln und entdeckt, dass das Wohl aller Menschen auf dem Spiel steht.

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Robert Charles Wilson Erzählstil ist immer wieder faszinierend. Einfach und absolut flüssig nimmt der Autor, der mit seiner SPIN-Trilogie weltweiten Erfolg feierte, in seinem Roman „Kontrolle“ den Leser mit auf eine lange Reise. „Kontrolle“ erscheint oftmals wie ein literarischer Roadmovie durch die Welt. Gerade durch die jugendlichen Protagonisten wird die Story zu einem erfrischenden Science Fiction-Abenteuer, das einen von der ersten Seite an in den Bann zieht. Zumindest mir ging es so, dass ich mich der rasanten Geschichte nicht entziehen konnte und immer weiter lesen wollte. Wilson erklärt den Plot sehr gut und kann auch mit ein paar überraschenden Wendungen aufwarten, die den Leser definitiv bei Laune halten.

Wer allerdings einen Roman im Stil von Wilsons Spin-Trilogie oder „Quarantäne“ erwartet, könnte unter Umständen enttäuscht sein. Denn wie bereits in „Netzwerk“ entfernt sich Wilson vom Weltall und widmet sich zukunftsorientierten Themen, die auf der Erde stattfinden. Aber auch das kann gute Science Fiction sein. Viele mögen aber diese Entwicklung an Robert Charles Wilson nicht, ich hingegen empfinde es als willkommene Abwechslung im Schaffen des Autors. Sicherlich besitzt „Kontrolle“ keine Hightech-Hintergründe oder einen bis ins letzte Detail wissenschaftlich durchdachten Plot, aber das kennt man doch aus der Science Fiction. Wichtiger ist doch, mit welchen Fragen sich der Autor beschäftigt und diese dann in seine Handlung verbaut. Aus dieser Sicht hat mir „Kontrolle“ gefallen, denn es beinhaltet eine mögliche, parasitäre Inbesitznahme der Erde, die durchaus glaubwürdig geschildert wird. Mir hat sich während des gesamten Buches niemals die Frage gestellt, ob das tatsächlich auch so möglich wäre oder nicht. „Kontrolle“ war für mich ein Roman, der mich schlichtweg unterhalten soll, was er auch getan hat.

Sicherlich waren die Charaktere nicht besonders tiefgründig, aber ich konnte zumindest mit ihnen mitfiebern und ihr Handeln nachvollziehen. Wilson folgt mit „Kontrolle“ dem klassischen Plot eines Roadmovie: Feind in Sicht, Flucht über das Land. Gefährten trennen sich und finden wieder zueinander.
Dennoch fühlte ich auf keiner Seite jemals Langeweile aufkommen, wie ich es so oft in anderen Rezensionen gelesen habe. Die Geschichte war durchweg schlüssig und baute auch einen konstanten Spannungsbogen auf, der mit einem, aus meiner Sicht wieder zu stark übertriebenem Finale, endete. Ich weiß nicht, warum es mir in letzter Zeit so oft passiert, dass ich die Enden mancher Romane als zu aufgesetzt finde, weil sie mit aller Macht spektakulär sein wollen. Liegt es an den momentanen Kinofilmen, die versuchen, sich selbst immer bombastischer zu übertrumpfen? Ich hätte ein ruhigeres Ende bedeutend besser empfunden wie Explosionen. Aber gut, das ist nun einmal Geschmackssache und wird dem ein oder anderen besser gefallen als die bis dahin dahinplätschernde Flucht vor den außerirdischen Lebensformen.

Wer allerdings solcherart Handlungsgerüste (eine Radiosphäre, die den gesamten Erdball umhüllt und aus einer Schwarmintelligenz  besteht, die die Menschheit manipuliert) auf jeder Seite hinterfragt, wird mit „Kontrolle“ definitiv keine Freude haben. Zu vieles wirkt nämlich bei näherer Untersuchung als zu unausgegoren oder gar unlogisch. Doch eine Hinterfragung stand, zumindest bei mir, irgendwie nie zur Debatte, weil ich mich einfach auf den Plot eingelassen habe und die Geschichte auf mich wirken ließ. Und, wie gesagt, auch wenn es sich um kein Weltraumabenteuer handelt, so hinterließ „Kontrolle“ von Robert Charles Wilson bei mir dennoch den Eindruck, einfach einen guten und unterhaltsamen SF-Roman gelesen zu haben. Mehr habe ich nicht erwartet …

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Fazit: Interessanter Ausgangsplot, der in ein Abenteuer führt, das an einen Roadmovie erinnert. Kurzweilig und unterhaltsam.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die neunte Stadt von J. Patrick Black

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 792 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31788-8
Kategorie: Science Fiction

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Vor unzähligen Jahren wurde die Erde von kriegerischen Aliens angegriffen. Die Menschen verteidigen sich mittels einer geheimnisvollen Begabung, die sie erstaunlicherweise durch die Außerirdischen bekamen. Es handelt sich dabei um eine geistige Kraft, die es ihnen ermöglicht, auf einer höheren Ebene gegen die Feinde zu kämpfen. Als die entscheidende Schlacht bevorsteht, sind es nur ein paar junge Heldinnen und Helden, die das Schicksal der gesamten Menschheit in die Hände nehmen.

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Eines vorweg: Man sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben, denn es dauert tatsächlich etwa 200 Seiten, bis sich die Story einem so richtig erschließt. Der Klappentext trifft zwar die Geschichte auf den Punkt, aber erst nach gut einem Drittel des Romans erreicht man die Stelle, an der die Aliens und der Krieg zwischen ihnen und der Menschheit zum Tragen kommt. Ich will damit sagen, dass man die ersten 200 Seiten einfach durchhalten sollte, denn dann nimmt „Die neunte Stadt“ so richtig Fahrt auf und wird (zumindest weitestgehend) zu jenem Science Fiction-Epos, das man anhand der Inhaltsangabe erwartet hat.
Leider verhält es sich genauso bei den Charakteren. Auch hier musste erst eine Weile verstreichen, bis ich mich mit den verschiedenartigen Protagonisten „anfreunden“ konnte. Doch genug gemeckert: „Die neunte Stadt“ sprüht oftmals vor tollen Ideen, die einfach unglaublich Spaß machen. In der zweiten Hälfte kommt, wie gesagt, auch der Krieg zwischen der Menschheit und den Aliens zur Geltung und macht die Anfangsschwierigkeiten wett. Vor allem das mittlere Drittel des Romans ist das aus meiner Sicht interessanteste. Denn dort wird von den Kampfmaschinen der Menschen erzählt, die eine geistige Verbindung mit ihren Bedienern eingehen. So manches Mal hat mich das an Guillermo del Torros fantastischen SF-Film „Pacific Rim“ erinnert. Es war eine wirkliche Freude, diesen Mittelteil zu lesen.

Im letzten Drittel widmet sich Black dann dem eigentlichen Kriegsgeschehen und lässt die Leser hautnah an verschiedenartigen Auseinandersetzungen teilnehmen. Der Autor schildert diese Kriegsattacken sehr detailliert und bildhaft, dennoch hatte ich an manchen Stellen den Überblick verloren, wo genau sich diese Scharmützel abspielten: auf dem Boden oder im All. Diese Aufteilung in drei „Bücher“ lässt das Gesamtwerk letztendlich auch irgendwie „unfertig“ oder unausgereift wirken. Was wie eine Fantasy-Saga auf anderen Welten anfängt, wird in der Schilderung von Kampfvorbereitungen fortgeführt, um schließlich in einem epischen Krieg im Weltall zu enden. Der Plot hätte auf jeden Fall mehr Wirkung gehabt, wären diese drei Teile von Anfang an miteinander verschmolzen worden. So aber wirkt die Story durchkonstruiert und wie eine Abarbeitung vorgefertigter Plots. Fast könnte man meinen, es handle sich um drei Romane, die alle zufällig im gleichen Universum und zur gleichen Zeit spielen. Was für den ein oder anderen ebenfalls als störend empfunden werden könnte, ist die Schilderung ALLER Protagonisten in der Ich-Form. Das wirkt an manchen Stellen verwirrend, was wiederum zum Resultat hat, dass man sich mit den Protagonisten nicht besonders gut identifizieren kann, weil ja alle „Ich“ sind. Aber ich will den Roman keineswegs schlecht machen, denn das ist er definitiv nicht. Aber er hätte eben durchaus besser werden können. Blacks Schreibstil ist angenehm und sehr flüssig zu lesen. An manchen Stellen kommen sehr schöne philosophische Gedanken zum Tragen, die das Werk eindringlicher wirken lassen.

Insgesamt hat J. Patrick Black einen durchaus annehmbaren, erfrischenden Science Fiction-Roman mit seinem Debütroman abgeliefert. Sein bildhafter Schreibstil lässt den Leser unmittelbar in die Handlung eintauchen und auch im Kopfkino fantastische Bilder entstehen. Nach einem eher trägen, aber nicht unbedingt uninteressanten Einstieg im ersten Drittel wird man mit einem fast schon filmreifen Mittelteil belohnt, der auf eine fulminante Weiterentwicklung hoffen lässt. Anfangs klappt das auch noch ganz gut mit den dramatischen und durchaus einfallsreichen Kriegsschilderungen, doch leider beginnen diese sich diese oftmals in die Länge gezogenen Szenen irgendwann zu langweilen, so dass man wirklich das Ende des Buches  fast schon herbeisehnt. Insgesamt 200 Seiten weniger hätten dem Buch wahrscheinlich gut getan. Nichtsdestotrotz spannende und gut geschriebene Unterhaltung, die an manchen Stellen auch episch und bombastisch wirkt.

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Fazit: Alien-Invasion mit epischen Ausmaßen, aber leider auch einigen Schwächen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Enceladus von Brandon Q. Morris

Erschienen als Taschenbuch
bei CreateSpace Independent Publishing Platform
444 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-1542629195

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Eine Sonde entdeckt im Jahr 2031 auf dem Saturnmond Enceladus Spuren, die eventuell auf eine außerirdische Lebensform hinweisen. Fünfzehn Jahre später macht sich ein bemanntes Raumschiff auf den Weg durch das All, um den Hinweisen nachzugehen. Doch schon kurz nach dem Start scheint das Unternehmen zum Scheitern verurteilt zu sein. Doch die Crew gibt nicht auf und hält an ihrer Mission fest …

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Ich stieß durch Zufall auf „Enceladus“ und wurde aufgrund der Inhaltsangabe neugierig. Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mir das Buch gefallen würde. Morris (hinter diesem Pseudonym verbirgt sich übrigens der Schriftsteller, Physiker und Weltraumspezialist Matthias Matting) geht sofort in die Vollen und wirft den Leser in eine unglaublich authentische Welt der Forschung und Raumfahrt. Die Dialoge sind unglaublich gut gelungen und vermitteln das Gefühl, man wäre direkt mit dabei. An manchen Stellen fühlte ich mich bei den Gesprächen an Science Fiction-Klassiker wie unter anderem  „Dark Star“ von John Carpenter, „Mission To Mars“ von Brian dePalma oder auch „Apollo 13“ von Ron Howard erinnert. Durch diese wissenschaftlichen Dialoge schafft Morris innerhalb weniger Augenblicke eine sehr intensive und vor allem glaubwürdige Atmosphäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kurzweilig.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt: Zum einen begleiten wir die Crew auf ihrer Reise durchs Weltall und zum anderen nehmen wir an der Erforschung des Saturnmondes Enceladus teil. Sowohl im ersten wie auch im zweiten Teil kann Morris mit seinem Schreibstil absolut überzeugen und lässt einen beeindruckenden Film im Kopfkino des Lesers ablaufen. Sicherlich fühlt man sich oftmals an Werke von Arthur C. Clarke, Alistair Reynolds, Stephen Baxter oder zuletzt Andy Weirs „Der Marsianer“ erinnert, aber aus meiner Sicht hat Morris einen ganz eigenen Stil gefunden, der für mich „Enceladus“ zu einem echten Pageturner gemacht hat. Ich wollte das Buch an keiner Stelle so richtig aus der Hand legen, so hat mich der Plot und die Beschreibungen fasziniert. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen, den Hauptprotagonisten einmal ausgenommen, so wirkt sich das keinesfalls störend auf die Geschichte aus. Ich konnte zumindest zu allen Personen eine halbwegs vernünftige Verbindung aufbauen, was mir auch völlig gereicht hat.

Anfangs dachte ich, Morris verzettelt sich in zu vielen wissenschaftlichen Details. Aber das passierte wirklich nur an einigen Stellen und erledigte sich später von selbst. 😉 Die Vorgänge werden teils sehr detailliert geschildert, wirkten aber niemals langweilig (oder sogar besserwisserisch) auf mich, sondern fügen sich einfach perfekt in den Handlungsablauf ein, so dass ein glaubwürdiges Szenario entstand, dem ich mich wirklich schwer entziehen konnte. Ich war sozusagen auf dieser Mission mit dabei.
Vielen wird dieser wissenschaftliche Roman zu ruhig und langweilig sein. Ich persönlich verliere mich gerne in solchen „ruhigen“ Szenarien, die auf engem Raum im Weltall spielen. Morris hat einen „Film“ geschrieben, der fesselt. Ich freue mich schon sehr auf den zweiten Teil und die Fortführung dieser sehr interessanten Geschichte.

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Fazit: Spannend, kurzweilig und wissenschaftlich authentische Science Fiction aus Deutschland mit einem filmreifen Plot. Daumen hoch!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tripods – Die dreibeinigen Herrscher von John Christopher

Tripods

Erschienen als Broschur
im Piper Verlag
insgesamt 736 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70349-9
Kategorie: Science Fiction, Jugendbuch, All Age

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Sie sind plötzlich da: die Tripods! Riesig, dreibeinige Maschinen aus dem All, die sich die gesamte Menschheit mit Hilfe von Kappen gefügig machen wollen, die ihre Träger zu willenlosen Marionetten machen. Will wehrt sich gegen diese Maßnahme und findet Verbündete, die sich ebenfalls nicht der Herrschaft der Außerirdischen beugen wollen. Gemeinsam versuchen sie, die Tripods zu bekämpfen …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass es sich bei dem Tripods-Zyklus von John Christopher um einen Vorläufer der heutigen, sogenannten All Age-Romane und beliebten Dystopien handelt. Christopher schreibt zwar für Jugendliche, das merkt man an dem meistens sehr einfachen Schreibstil, vermag aber mit seinem Endzeit-Szenario auch Erwachsene zu faszinieren. Es macht wirklich Spaß, den Hauptprotagonisten Will und seine Freunde bei der Rettung der Welt zu begleiten.
Die Alien-Invasion, die beschrieben wird, ruft oftmals Bilder aus H.G. Wells „Krieg der Welten“ in Erinnerung, wirkt aber an keiner Stelle nachgemacht. Es ist die Ausgangssituation, in die der Leser hineingeworfen wird, die an Wells SF-Klassiker denken lässt.

Manchmal hätte ich mir schon einen etwas hochwertigeren Schreibstil gewünscht, denn gerade die Kontaktaufnahme mit den Aliens im zweiten Band hätte dadurch durchaus einen höheren Reiz gehabt. Aber nichtsdestotrotz stach der zweite Teil des Zyklus in meinen Augen aus den anderen Bänden heraus, weil er beim Leser fast schon menschliche Gefühle für die „Feinde“ aufkommen ließ. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Die Story wird flott vorangetrieben und nie langweilig. Christopher hat einen astreinen Abenteuer-Roman geschrieben, der Jugendliche vor fünfzig Jahren wahrscheinlich um einiges mehr begeistert hat wie heute. Die ersten drei Bände wurden in den Jahren 1966 und 1967 geschrieben und waren eigentlich eine Auftragsarbeit, was man aber an keiner Stelle herausliest. Über zwanzig Jahre später hat Christopher dann eine Vorgeschichte geschrieben, die sich hervorragend in das bestehende Bild der Trilogie einfügt.

„Die Tripods“ sind unterhaltsam und verbreiten eine sehr schöne Abenteueratmosphäre, in der man sich als Leser sofort wohlfühlt. Auch schafft das Buch, dass man sich wieder an seine eigene Kindheit voller knisternder Spannung und Abenteuer zurückerinnert.
Interessant ist, dass sich Christopher nie auf spektakuläre Kampfszenen einlässt, sondern den Plot geradlinig und ohne große Schnörkel erzählt. Das mag für den ein oder anderen Leser langweilig wirken, für mich gab es aber ein stimmiges und vor allem authenthisches Bild einer Welt, wie sie nach einer solchen Invasion durch Außerirdische durchaus aussehen könnte. Christophers Epos ist nicht nur reine Science Fiction, sondern auch ein typisches „altes“ Abenteuerbuch aus einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche noch auf Bilder in ihrer Fantasie angewiesen waren und nicht alles durch Spezialeffekte in Kinofilmen vorgesetzt bekamen.
Sciencer Fiction Fans meines Alters (Jahrgang 1964) werden einige Anleihen von damaligen SF-Filmen erkennen (wie schon erwähnt „Kampf der Welten“, aber auch zum Beispiel „Logan’s Run“), aber das erhöht das Vergnügen für ältere Leser ungemein, denn auch hier fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt.
Insgesamt ist John Christophers Alien-Invasion ein absolut unterhaltsames Lesevergnügen, das ohne Verluste die vielen Jahre seit ihrem Entstehen überstanden hat. Umso erfreulicher, dass der Piper Verlag nun eine Gesamtausgabe, in der Trilogie und Vorgeschichte vereint sind, auf den Markt gebracht hat.

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Fazit: Vorläufer der heute beliebten All Age-Romane und Dystopie-Szenarien. In einfachem Schreibstil wird eine geradlinige Abenteuergeschichte für Jugendliche und Erwachsene erzählt, die absolut unterhält.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ikarus von Andreas Brandhorst

ikarus

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 576 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-453-31545-7
Kategorie: Science Fiction

Der Regierungsrat Takeder wird ermordet. Als er in einem sogenannten Kopiat, einer Hülle, die seine Erinnerungen gespeichert hat, erwacht, macht er sich auf die Suche nach seinem Mörder. Immer tiefer dringt das zweite Ich Takedes in sein vergangenes Leben ein und entdeckt ein Geheimprojekt namens „Ikarus“, bei dem er mitgewirkt hat. Und plötzlich macht man erneut Jagd auf Takeder …

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Brandhorst neigt so manches Mal dazu, zu übertreiben. Zumindest hat man bei einigen seiner Werke anfangs diesen Eindruck, bis man eines besseren belehrt wird und in eine Welt eintaucht, die man zwar gelesen nicht versteht, die aber im Kopf ein relativ klares Bild zeichnet. „Ikarus“ gehört zu jener Sorte Bücher.
Die Grundidee ist phänomenal und sofort kommt eine Art Abenteuerstimmung auf, die einen in den Bann zieht. Dann kommt der Zeitpunkt, an dem Brandhorst wild mit erfundenen (oder vielleicht auch sogar tatsächlich existierenden) Begriffen um sich schmeißt und beim Leser erst einmal eine Galaxie von Fragezeichen um dessen Kopf schwirren lässt. Aber wenn man weiter liest und sich auf die Geschichte einlässt, kristallisieren sich immer mehr Zusammenhänge heraus und man „versteht“, was Brandhorst meint. Ich habe das in einer anderen Rezension schon einmal erwähnt, aber auch auf dieses Buch trifft es wieder zu: Brandhorsts Worte erinnern an Iain Banks, der es ebenfalls verstand, seine Leser zu verwirren, bis man an einen Punkt kam und die Handlung ganz klar vor sich sah und „verstand“.

„Ikarus“ ist ein Epos, das in seiner Bildsprache wieder einmal sehr faszinierend ist und erst nach einer Weile sein gesamtes Spektrum beim Leser entfaltet. Man muss sich in Geduld üben, bestimmte Dinge erst einmal hinnehmen, um sie später entweder zu begreifen oder eben nicht, damit man diesen epischen Science Fiction-Thriller genießen kann. Ich für meinen Teil hatte wieder meine helle Freude daran, fremde Welten zu entdecken und in Paralleluniversen a la „Inception“ einzutauchen. Vor allem der sehr interessante Charakter des Holders, der als Kopie seiner selbst, seinen eigenen Mörder sucht, hat es mir angetan. Brandhorst hat die Eigenschaften und Gedanken dieses Mannes sehr gut und nachvollziehbar herausgearbeitet.

„Ikarus“ ist keine Alltagskost (das sind allerdings die anderen Bücher von Andreas Brandhorst auch nicht), das volle Aufmerksamkeit fordert, denn sonst hat man bereits nach den ersten Seiten verloren. Brandhorsts Geschichten lassen zwischen den Zeilen jede Menge Platz zu Selbstinterpretationen. Und, wie bei seinen anderen Romanen, erzeugt der Autor durch seinen bildhaften und intelligenten Schreibstil dafür, dass sich im Kopf des Lesers nicht nur die Bilder seiner Geschichte zeigen, sondern auch eigene, die sich der Leser selbst ausmalt. Das ist schon eine Meisterleistung.

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Fazit: Bildhaft und mit einer innovativen Idee entführt uns Andreas Brandhorst wieder in eine seiner unglaublich komplexen Abenteuerwelten. Intelligente Science Fiction zum Träumen.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Pandemic – Die Seuche von Scott Sigler

pandemic

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 768 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-381-5
Kategorie: Horror, Thriller

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Am Grund des Lake Michigan liegt eine außerirdische Sonde, die ein tödliches Virus beherbergt.
Eines Tages bricht die Seuche aus und ganze Kontinente stehen vor der Auslöschung. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, ein Gegenmittel zu entwickeln, bevor sich die Seuche über die ganze Erde ausbreitet.

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Scott Sigler schreibt Bücher wie Achterbahnfahrten. Man steigt ein und kommt nicht mehr raus, so rasant ist die Fahrt, auf der uns der Autor mitnimmt. „Pandemic“ hat einen Einstieg, als lese man ein Buch von Michael Crichton. Die erste Hälfte des Romans spielt auf und unter dem Wasser am Lake Michigan und ist an Spannung kaum zu überbieten. Der knappe Schreibstil reißt den Leser von Anfang an mit und lässt ihn nicht mehr los. Sigler schafft es sogar, trotz des anhaltenden Spannungsniveaus auch eine ganz anständige Charakterzeichnung seiner Protagonisten zu vermitteln. In gewohnter Manier erzählt Scott Sigler von einer Bedrohung, die die gesamte Menschheit dahinrafft, wenn nicht schnellstens ein Gegenmittel gefunden wird.

„Pandemic“ ist der abschließende Teil einer Trilogie, deren ersten beide Teile im Heyne Verlag erschienen sind: „Infiziert“ ist der erste und „Virulent“ der zweite Teil. Man muss nicht zwingend die Vorgänger-Romane lesen, um „Pandemic“ zu verstehen, aber um sich ein Bild über die gesamte Geschichte machen zu können, ist es schon hilfreich.

Während die erste Hälfte des Romans mit stimmungsvollen, gruseligen Bildern unterhält, geht es in der zweiten Hälfte dann in die Vollen: Da wird geballert und gesplattert, das es eine wahre Freude ist. Und auch die Spannung kommt nie zu kurz. Dennoch hätte mir es besser gefallen, wäre die stimmungsvolle Atmosphäre der ersten Hälfte auch weiterhin präsent gewesen. Sigler inszeniert gegen Ende hin eine Ballerorgie ersten Grades, die zwar hervorragend unterhält, aber ab einem gewissen Punkt zu langweilen anfängt. Das ist nicht wirklich negativ von mir gemeint, denn, wie gesagt, das Spannungsniveau ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger hätte dem Plot schon gut getan. Das Abenteuer-Feeling der ersten Hälfte wandelt sich einfach zu schnell in ein Action-Feuerwerk, bei dem es keine Verschnaufpause gibt.

Sigler hält seine Kapitel kurz, was unweigerlich dazu führt, dass man das Buch „verschlingt“, als hätte es nur die Hälfte der ansehnlichen Seitenzahl. Man fliegt durch die Geschehnisse und will wissen, wie es weitergeht. Das Szenario, das Sigler hier beschreibt, ist absolut nachvollziehbar und vermittelt auch eine gewisse wissenschaftliche Authentizität. Das macht den Roman tatsächlich zu einer Art Mischung aus Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child. Für Fans von „schnellen“ Plots uneingeschränkt zu empfehlen.

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Fazit: Anfangs sehr stimmungsvoll und abenteuerlich entwickelt Scott Sigler seine Handlung gegen Ende hin zu einem wahren Bombast-Action-Feuerwerk, bei dem auch ein gehöriger Gore-Anteil zu Buche schlägt. Spannungsgeladenes Weltuntergangsszenario und atemberaubender Pageturner.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Gegen die Welt von Jan Brandt (3/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
mit Leseband im
Dumont Buchverlag
928 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-8321-8566-4

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„Gegen die Welt“ erzählt die Geschichte von Daniel Kuper, der in der kleinen Ortschaft Jericho in Ostfriesland aufwächst. Daniel (Sohn des nicht wenig einflussreichen Drogisten Hard Kuper) gilt schon immer als seltsames Kind, mit einer extremen Fantasie.
Als im Dorf seltsame Dinge geschehen, werden sie zum grossen Teil Daniel zugeschrieben. Da gibt es beispielsweise Schneefall im Spätsommer oder einen plötzlich auftauchenden Kornkreis im Maisfeld. Als Daniel dort schwer verletzt wird, sollen ihn angeblich Außerirdische entführt, untersucht und wieder abgesetzt haben.
Dann werden die Häuserfassaden des Dorfes mit Hakenkreuzen verunstaltet und als Daniel diese entfernen will, weil er sie einfach unmöglich findet, wird er erwischt und auch dies wird ihm in die Schuhe geschoben.
Ist es Daniel möglich unter diesen Voraussetzungen eine normale Kindheit und Jugend zu verbringen? Daniel versucht sein Bestes um normale Freunde zu haben und später ein einfacher, stinknormaler Teenager zu sein. Ob das gelingt …

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Dieser Roman war eine nette Erzählung, ich würde ihn einen Generationsroman nennen, der mich irgendwie bis zuletzt nicht packen konnte.

Der Autor schreibt in einem angenehmen Schreibstil, mit einigen ausgefallenen Varianten. Er beginnt das Buch z.B. mit einem Brief an den Bundeskanzler im Jahre 1999. Dieser ist geschrieben von einer Person, die der Leser noch nicht kennt und zuordnen kann und der Schreiber warnt den Kanzler vor außerirdischen Wesen, die die Herrschaft übernehmen wollen und uns beobachten und dann in ihren Bann ziehen. Erst dann springt er zurück in die 70er Jahre und beginnt die eigentliche Geschichte zu erzählen. Diese Briefe gibt es mehrmals und es dauert eine ganze Weile, bis der Leser erfährt, wer sich hinter dieser Person verbirgt.
Dann erzählt der Autor über eine ganze Zeit hinweg zwei Handlungen, d.h. die Seiten sind zweigeteilt und es bleibt dem Leser überlassen, wie er dieses „Leseproblem“ löst 🙂 .

Dennoch hat das Buch mich nicht wirklich packen können. Sicherlich ist es nett und ich habe vieles aus meiner eigenen Zeit wieder erkannt, bin ich doch in etwa den gleichen Jahren aufgewachsen und ein lebenshungriger Teenager gewesen :-).

Auf die Charaktere ist Jan Brandt gut eingegangen, ich habe Daniel Kuper gut kennengelernt und ich mag ihn auch gut leiden. Auch seine oft extrem durchgeknallten Freunde kamen gut rüber und deren – zum Teil extrem ausgefallenes – Ableben waren für mich dann mal Stellen, die mich in der Tat schmunzeln liessen.

Der Roman erzählt nicht nur von Daniel und seinen Kumpels, auch die ältere Generation in Jericho spielt eine wichtige Rolle. Das Leben der Eltern Daniels miteinander, heute und damals. Viele Vergangenheiten anderer Dorfbewohner der vorherigen Generation werden beschrieben. Alles nett, oft auch krass und extrem oder erschreckend real aber leider hat es mich einfach nicht mitgerissen. Oft gab es Längen, so dass ich mich selber überreden musste, meine Freizeit mit Lesen zu verbringen.

Einige zunächst ausgefallene Ideen wurden später nicht mehr aufgegriffen, was ich ein wenig schade fand. Doch am Ende gab es noch eine Offenbarung mit der ich nicht gerechnet hatte und die mir einen Charakter des Buches zum Schluß noch mal viel sympathischer machte, als er es sowieso schon war.

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Das Erscheinungsbild des Buches ist sehr schön. Der Schutzumschlag ist sehr schlicht gehalten, dafür sieht das Buch ohne Schutzhülle um so besser aus. Eine sehr ausgefallene Idee. Ich werde gleich ein Foto einstellen.
Das Buch ist mit einem Leseband ausgestattet, was mir persönlich immer sehr gefällt. Die Seiten sind sehr dünn, ein angenehmes, weiches Papier, dass sich sehr gut anfühlt.

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Mein Fazit: Insgesamt erhält dieses Debüt von mir 3 von 5 Sternen. „Ein Buch kann nicht enttäuschen, es kann nur Erwartungen nicht erfüllen…“, das hat mir ein Bekannter einmal gesagt. Für mich war dies hier der Fall. Ich hatte irgendwie mehr erwartet. Es war nett aber nicht umwerfend.

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Ich danke       und dem  DUMONT BUCHVERLAG für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Weiteres über den Autor und den Roman gibt es nachzulesen unter:

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Autorenwebseite „Gegen die Welt“ <—- *klick*

Facebook Fanpage „Gegen die Welt“ <—- *klick*

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