Und du kommst auch drin vor von Alina Bronsky

Erschienen als
gebundene Ausgabe
im DTV Verlag
192 Seiten
Preis: 17,50 €
ISBN 978-3-423-76181-9
Kategorie: Jungendbuch ab 12. Jahre

Kim ist 15 Jahre alt und besucht gemeinsam mit ihrer Schulklasse eine Lesung. Das artet dann aber eher aus, denn die Klasse benimmt sich furchtbar, die Referendarin hat Angst und die Autorin liest leise, desinteressiert und hinter ihrem fettigen Pony versteckt, aus ihrem Buch.

Aber Kim ist wie elektrisiert. Denn das, was die Autorin da liest, kann eigentlich nicht sein. Die Geschichte handelt nämlich von ihr. Gut, die Namen lauten anders, aber die Handlung, das ist ihr Leben! Sie will das Buch noch an Ort und Stelle kaufen, da macht ihr die Autorin aber glatt einen Strich durch die Rechnung. „Sie solle gefälligst in einen Buchladen gehen“, wird Kim eiskalt abserviert.

Das tut sie. Kim kauft das Buch und ist gleichzeitig schockiert, ängstlich, total neugierig und gefesselt. Sie liest immer nur einige Seiten und immer trifft dann genau das dann auch ein. Sie liest z.B. dass die Mutter der Protagonistin in der Küche Haferflocken abwiegt, geht dann in die Küche und sieht exakt dasselbe dann vor sich.

Kim vertraut sich ihrer besten Freundin Petrowna an. Zunächst glaubt sie ihr nicht. Nachdem sie das Buch gelesen hat, hilft sie Kim das unschöne Ende des Buches abzuwandeln. Denn dort stirbt ein Klassenkamerad der beiden. Sie versuchen Kontakt mit der Autorin aufzunehmen und ihr von ihrem Problem zu erzählen, die aber hat überhaupt kein Interesse an ihnen.

***

Ich lese Alina Bronskis Bücher unheimlich gerne. Sie hat eine ganz tolle Art, Geschichten zu erzählen. Immer aus dem Leben, aus dem Bauch raus und immer einfach echt. Sei es ihr Debütroman „Scherbenpark“ (immer noch wöchentlich die meistgelesene Rezension auf meinem Blog), „Die schärfsten Gerichte der tartarischen Küche“ oder zuletzt „Baba Dunjas letzte Liebe“. Sie alle sind einfach wunderbar und lesenswert.

Dies hier ist ein Jugendbuch, empfohlen ab 12 Jahre, so schreibt der Verlag.
Und das passt genau. Der Leser erhält einen vollen Einblick in den Alltag und die Gefühlswelt von Teenagern, erhält einen Blick durch ihre Augen. Ich als ältere Leserin habe eine Zeitreise in meine Schulzeit erlebt. Oh ja, wir waren selbst als Klasse oft, denke ich, genauso unerträglich.

Diese Geschichte hat aber auch viel tiefgründiges in den 190 Seiten voller Witz und Humor. Ein bisschen erste Liebe, die Freundschaft zwischen Kim und Petrowna. Kim als gutsituiertes Kind aus einer „normalen“ Familie, die zum Scheidungskind wird und damit leben muss, dass ihre Mutter völlig abdreht. Ein Vater, der in seiner Midlife Crisis eine jüngere Frau hat und dann Vater wird.

Auf der anderen Seite Petrowna, ein Mädchen mit Migrationshintergrund, die einerseits der Leitwolf der Klasse ist, weil ihr durch ihre rigorose Art jeder gehorcht durch ihre rigorose Art und sie andererseits die Klassenbeste ist. Ein Mädchen das mit man-weiss-nicht-genau wie vielen Familienmitgliedern in einer Wohnung zusammenlebt, die aber 100 x schlauer und klüger ist als Kim.
Diese Charaktere zeigen auf, dass man nie voreilige Schlüsse aus irgendetwas ziehen und man Menschen nicht „abstempeln“ sollte. Kim, die Protagonistin, hat immer an ihrer Freundschaft festgehalten, obwohl ihre Eltern Petrowna in der ersten Klasse bereits Hausverbot erteilt hatten ☺

Es gibt noch einiges mehr in dieser Geschichte, was ich nicht verraten möchte. Ich gebe hier gerne eine Leseempfehlung.

Und wer ein bisschen in den Rezensionen zu Alina Bronski hier auf meinem Blog stöbern möchte, der kann –> HIER <– klicken.

Werbung

Geschichten hinter der Liebe von Gigi Louisoder

.

Gigi

Erschienen als Taschenbuch
im Edition Paashaas Verlag EPV
insgesamt 160 Seiten
Preis:  9,90  €
ISBN: 978-3945725436
Kategorie: Kurzgeschichten Liebe/Erotik

.

Zunächst vorab: Nein, ich mag keine Kurzgeschichten, aber genau solchen Lesern empfiehlt Gigi Louisoder ja diesen Kurzgeschichtenband auf ihrem Buchrücken. Von daher musste ich zugreifen.

Nein, der wahre Grund ist, dass ich Gigi Louisoder mittlerweile mehrmals auf der Mülheimer Lesebühne gesehen habe, wo sie aus ihren Werken vorlas, und sie mich einfach total begeistert hat.

Gigi Louisoder kann sehr gut vortragen, bringt ihre Texte mit einer tollen Betonung, Mimik und in einer ganz tollen Stimmung rüber. Darum konnte ich nicht anders, als mir einen Band zu kaufen.

Bei diesen Geschichten geht es um die „Geschichten hinter der Liebe“ oder vielleicht besser gesagt, nach der Liebe oder sogar um Sex ohne die Liebe? Wie auch immer, die Autorin beschreibt in einem tollen, immer leicht bösartigen (aber stets mit einem Lächeln im Mundwinkel) Schreibstil, wie die Liebe den Bach runter gehen kann und solche Beziehungen dann enden können. Und dies im Wechsel aus Sicht eines Mannes oder einer Frau.

Gigi Louisoder nimmt in ihren Texten niemals ein Blatt vor dem Mund, schreckt nicht annähernd vor der Beschreibung von sexuellen Praktiken zurück. Sie schreibt einfach wie es ist und das macht sie sehr gut.

Zwei Texte heben sich für mich aus allen anderen hervor. In einer Geschichte geht es um den Besuch einer Mutter bei ihrem Sohn, genau diesen Vortrag habe ich live erlebt, und in der zweiten spricht eine Mutter zu ihrem (zunächst ungeborenen) Kind. Letztere ist für mich die beste Story des gesamten Bandes. Sie rührt sehr an und verursachte mir einen Kloß im Hals.

Die übrigen Geschichten sind humorvoll, bösartig, kurzweilig und amüsant. Mir persönlich sind diese Beziehungsgeschichten allerdings immer ein bisschen zu negativ behaftet, lediglich eine einzige Geschichte erfährt dann doch noch eine gute Wendung 😉

Dennoch bin ich sehr angetan von diesem Band, denn er zeigt mir schließlich, dass ich glücklicherweise keine dieser beschriebenen Beziehungen führe und auch nicht vorhabe, meine in eine solche abdriften zu lassen.

Natürlich bin ich auch in der Lage, die Kurzgeschichten mit dem zwinkernden Auge der Autorin zu lesen und zu verstehen.


Von daher als Fazit: Tolle Kurzgeschichten, richtig gut geschrieben und absolut empfehlenswert. Und wer die Möglichkeit hat, die Autorin auf einer Lesung zu erleben, sollte unbedingt hingehen! Es lohnt sich.

© Buchwelten 2016

LEONA – Die Würfel sind gefallen von Jenny Rogneby

.

LEONAErschienen als Broschur
im Atrium Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-85535-627-0
Kategorie: Krimi
Erscheint im August 2015

.

Ein kleines Mädchen – blutüberströmt und nackt – betritt eine Bank in Stockholm. Sie stellt einen Kassettenrekorder auf den Boden und schaltet ihn ein. Eine Stimme fordert die Herausgabe von Bargeld. Die Angestellten der Bank und auch die Kunden sind so geschockt, dass sie sich nicht wagen, sich dem Kind zu nähern und sie erhält das Geld. Das Kind verschwindet spurlos, hinterlässt keine Spuren. Weder Fingerabdrücke, noch irgendeine Witterung, die Spürhunde aufnehmen könnten.

Leona Lindberg, eine etwas eigenwillige Ermittlerin, 34 Jahre alt und selber Mutter zweier Kinder wird mit der Ermittlung beauftragt. Der Fall entwickelt sich spektakulär, denn kurze Zeit später geschieht ein weiterer Bankraub, exakt auf die gleiche Art. Leona ermittelt in ihrer ganz persönlichen Art und Weise und im Laufe der Fahndung stellt sich heraus, dass sogar die Ermittlerin selbst etwas zu verbergen hat …

***

Jenny Rogneby ist eine junge Nachwuchsautorin aus Schweden. Als Adoptivkind aus Äthiopien war sie zunächst in der Musikbranche unterwegs, wo sie unter anderem mit Größen wie Michael Jackson auf der Bühne stand. Nach einem Studium in der Kriminologie arbeitete sie als Ermittlerin bei der schwedischen Polizei. Und genau bei dieser Arbeit kam ihr die Idee zu Ihrer Protagonistin Leona Lindberg. Der vorliegende Roman ist der erste Teil eine geplanten Trilogie.

Der Klappentext machte mich sofort neugierig und Werke von jungen Autoren interessieren mich natürlich, außerdem wird dieses Buch in Schweden bereits als Bestseller  gelobt. Nun, diese Begeisterung kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Der Schreibstil der Autorin ist sprachlich eher sparsam. Die Sätze und auch die Dialoge sind immer in sehr kurzen und knappen Sätzen gehalten. Lediglich die Rückblenden, die immer wieder in die Handlung gestreut werden, sind in etwas ausführlicheren Sätzen geschrieben.

Rogneby schreibt einmal aus Sicht ihrer Protagonistin in der Ich-Form und springt zwischendurch in einen zweiten Handlungsstrang, der dann in der Erzählerrolle geschrieben ist. Ich möchte ungern spoilern, von daher kann ich von der eigentlichen Handlung nicht zuviel preisgeben. Darum möchte ich von meiner Seite hier nur mitteilen, dass ich bis zum Schluß nicht mit Leona „warmgeworden“ bin. Ich mochte ihre Art und Weise nicht, konnte vieles menschlich nicht nachvollziehen und mir war sie einfach unsympathisch, u.a. viel zu kühl und egoistisch. Die Entwicklung der Handlung empfand ich relativ früh als absehbar und am Schluß dachte ich mir: …. Nein, ich kanns nicht schreiben 🙂

Der Verlag präsentiert den Roman in einer optisch schönen Broschur. Jedoch weist der Buchrücken trotz sehr vorsichtigem Lesen recht deutliche Knitterfalten auf, schade.

 

Mein Fazit: Ein Krimi, der von der Grundidee sicher sehr gut ist. Allerdings fand ich die Umsetzung zu einfach und mit Figuren bestückt, die mir nicht annähernd nahe gekommen sind. Einzig die Stellen, die sich mit dem Mädchen befassten, hatten eine gewisse emotionale Stärke.

*** Sollte jemand Interesse an dem Buch haben, kann er/sie gerne über meinen Blog Kontakt mit mir aufnehmen. Ich gebe es gerne weiter ***.

© Buchwelten 2015

Messerscharf von Silvia Kaffke (4,5 von 5)

.

Erschienen als
Taschenbuch
bei rororo
304 Seiten
Preis: 8,99 €
ISBN:  978-3-499-25679-0

.

Barbara Pross ist ein perfektes Beispiel für Menschen, die von ganz oben nach ganz unten abstürzen.

Sie war eine sehr erfolgsbesaitete BKA Ermittlerin, die als (in den Staaten geschulte) Profilerin in vielen Mordermittlungen absolut erfolgreich und von Kollegen und Vorgesetzten für ihren Instinkt und ihre Fähigkeiten sehr geschätzt war.

Doch die letzte Ermittlung hat sie zu einem seelischen Wrack gemacht, hat sie gefühlsmäßig zu sehr mitgenommen und sie hat sich für ein Jahr beurlauben lassen, in der Hoffnung sich zu erholen und wieder zu sich selbst zu finden.

Doch ihr Plan geht nicht auf. Sie lässt sich gehen und ihre Wohnung verwahrlost zusehends. Dreckige Wäsche, nicht gespültes Geschirr und Barbara Pross kann sich nicht aufraffen irgendetwas an ihrer Situation zu ändern.

Das einzige was ihr noch zu gefallen scheint ist, draußen zu sein. Sie lebt in Frankfurt und es zieht sie immer wieder hinaus in die Strassen und vor allem zum Bahnhof, wo sie sitzt und die Menschen beobachtet: Obdachlose, Drogenabhängige und Stricher.

Als sie wieder einmal am Hauptbahnhof rumhängt fällt ihr Blick zufällig auf eine Zeitung und die Schlagzeile „Mord in Düsseldorf“ zieht sie an. Einer spontanen Eingebung folgend kauft sie sich eine Zugfahrkarte nach Düsseldorf. Sie hat nichts dabei, nur die Klamotten die sie am Leibe trägt und ihr Portemonnaie mit ein wenig Geld darin.

In Düsseldorf angekommen weiß Barbara nun nicht, was sie eigentlich dort soll und natürlich auch nicht wo sie hin soll. Sie trifft die Obdachlose Doris, einst sorgende Mutter von zwei Kindern, die nun dem Suff erlegen ein Pennerdasein lebt. Doris nimmt Barbara mit in ihre Unterkunft. Sie ist sehr stolz darauf und Barbara darf niemandem davon erzählen. Nun, Barbara kennt sich in Düsseldorf nicht aus und es gibt auch niemanden dem sie etwas verraten könnte. Doris führt Barbara nach einem etwa einstündigen Fußmarsch in den Keller eines alten Bürogebäudes. Dort liegen Pappkartons auf dem Boden und es gibt Decken. Zumindest ist es trocken und halbwegs warm und da Barbara todmüde ist, schläft sie auch schnell ein. Als sie am nächsten Morgen aufwacht ist Doris verschwunden und ihr Portemonnaie dummerweise ebenfalls. Fein säuberlich aus der aufgetrennten hinteren Jeanstasche entwendet.

Barbara macht sich wieder auf den Weg und streift ziellos durch die Strassen, bis sie von einem plötzlichen Regenschauer überrascht wird. Nass bis auf die Knochen betritt sie eine Düsseldorfer Kneipe um sich aufzuwärmen. Der Zehnmarkschein reicht gerade noch für ein, zwei Tassen heißen Tee.

Die billige Anmache eines Typen in ihrem Alter blockt sie ab, doch als der ruhige, ernste Mann einige Tische weiter ihr eine heiße Gulaschsuppe anbietet sagt sie nicht nein. Warum nicht? Sie weiß es nicht, der seltsame Mann, mit seiner stillen, ruhigen aber dennoch aufmerksamen und beobachtenden Art ist ihr sympathisch. Irgendetwas hat er an sich, dass ihr ein gutes, geborgenes Gefühl vermittelt.

Während des Gespräches in der Kneipe stellt er sich ihr als Thomas Hielmann vor. Als er ihr anbietet mit zu ihr nach Hause zu gehen und dort zu übernachten, weil er ein Gästezimmer, Gästebett und vor allem eine heiße Dusche anzubieten hat, geht sie mit ihm. Warum tut sie das, sie weiß das in der Stadt ein Frauenmörder zugeschlagen hat und eigentlich müsste ihr Ermittlerinstinkt Alarm schlagen, doch das tut er nicht ….

.

****

.

Ich habe bislang ein Buch von Silvia Kaffke gelesen und das war ihr historischer Ruhrort-Krimi „Im roten Licht des Mondes“ und der hatte mir so gut gefallen, dass ich nun den Debütroman der Autorin zur Hand genommen habe.

Und auch wenn einige böse Zungen behaupten mögen, es handle sich hierbei auch um einen historischen Krimi (es wird in DM bezahlt und es gibt keine Handys) bin ich der Meinung, dass dieses Werk die Neuauflage verdient hat und dennoch absolut zeitgemäß ist.

Es wird zwar noch auf die herkömmliche Art ermittelt, z.B. mit kopierten Ermittlungsakten aber es gibt sehr wohl schon einen Laptop, auch wenn der noch mit einem Modem im Internet unterwegs ist . Es ist mir während des Lesens nicht aufgefallen, das die mordernen technischen Hilfsmittel nicht vorhanden sind.

Mir gefällt der Schreibstil der Autorin, der zwar einfach aber dennoch gut ausgearbeitet ist. Sie schafft es ihre Figuren lebensecht und greifbar zu charakterisieren. Da meine ich natürlich zuerst einmal die Protagonistin Barbara, deren Absturz und Leben als verwahrloste Ex-Ermittlerin gut beschrieben ist. Die Gedanken, Gefühle von Barbara und die Entwicklung ihrer Beziehung zu Thomas Hielmann hat Silvia Kaffke gut beschrieben. Ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, nach einem wieder geregelten Leben und der Rückkehr in ihren Job. Auch wenn dies eher unbeabsichtigt geschieht, stellt sich heraus, dass Barbara ohne ihre Arbeit doch nicht leben kann und die Idee der Beurlaubung nicht so gut war, wie sie es dachte.

Die Figur des Thomas Hielmann, der als zwielichtiger Mann mittleren Alters auftaucht und es sich angewöhnt hat, hilfsbedürftige Frauen mit nach Hause zu nehmen und ihnen eine gewisse Zeit ein ruhiges, angenehmes Leben bietet hat mir ebenso sehr gut gefallen. Die Hintergründe für sein Handeln, seine stille, unaufdringliche, angenehme aber exzentrische Art hat die Autorin auch sehr gut dargelegt.

Nebenfiguren waren auch nicht oberflächlich oder zu wenig beschrieben, sondern wurden ihren Rollen in der Handlung absolut gerecht. Ich kann nicht von einer absoluten, knisternden, dramatischen Spannung sprechen, eher gab es das gesamte Buch hindurch eine ruhige, angenehme Stimmung. Auch wenn es natürlich einmal dramatische Szenen gab, doch diese haben mich während des Lesens nicht außer Atem gebracht. Vielmehr war mein Leser-Ermittler-Hirn wieder in vollem Einsatz und das hat wiederum großen Spaß gemacht. Bin ich auf der richtigen Fährte? Oder ist diese Lösung zu einfach? Habe ich etwas übersehen? Wenn ich mitgrüble und rätsle und in Lesepausen davon erzähle ist das ein Zeichen, dass mir ein Buch gefällt.

Für mich war es zusätzlich noch schon Teile der Orte zu kenne, ähnlich wie bei den Roman von Horst Eckert. Ich kenne den Kalkumer Wald zwischen Ratingen und Kaiserswerth und auch die Bezeichnung „Mörsenbroicher Ei“ kennt nicht jeder.

Eine Figur im Roman hat Düsseldorfer Platt gesprochen und ich finde, es ist der Autorin gut gelungen. Hier hat sie sicherlich ein wenig recherchiert. Es war sicherlich ein bisschen anstrengend zu lesen, das Düsseldorfer Platt ist schon recht extrem aber es wirkte nicht künstlich oder völlig doof, wie ich es in einem anderen Roman bei vermeintlichem norddeutschen Platt einmal gelesen hatte.

Das Cover des neu aufgelegten Taschenbuches ist relativ schlicht aber ansprechend und es ist nicht in weiß-rot gehalten, was mir gut gefällt.

Und die Figur Barbara Pross und ihre Arbeitsweise haben mir so gut gefallen, dass ich mir ihre weiteren Fälle bereits besorgt habe.

.

Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für diesen Debüt Krimi aus den 90er Jahren, der trotz seiner fehlenden technischen Mittel und forensischen Beschreibungen dennoch Spaß gemacht hat und eher von den Protagonisten lebt, die nicht die typischen Ermittler sind.

.

Ich danke dem Rowohlt Verlag (rororo) für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

© Buchwelten 2012

.

Buchwelten im Gespräch mit Silvia Kaffke

.

Silvia Kaffke, geboren 1962 und wohnhaft in Duisburg-Ruhrort, hat bereits mehrere Kriminalromane veröffentlicht.

Ich bin zufällig auf die Autorin gestossen, als ich zur Vorbereitung des Interviews mit Horst Eckert auf seiner Facebook-Seite über den Begriff „Ruhrort-Krimi“ gestolpert bin.

Mir hat der Roman „Im Roten Licht des Mondes“ so gut gefallen, dass ich erstens unbedingt mehr von Silvia Kaffke lesen will und zweitens einen Ausflug in meine alte Heimat Ruhrort unternommen habe, um mir die Originalschauplätze noch einmal anzusehen.

Ich freue mich sehr, dass sich die absolut sympathische Autorin die Zeit für dieses Interview genommen hat.

.

..

.

Bislang sind vier Krimis zur BKA Profilerin Barbara Pross sowie mittlerweile zwei historische Kriminalromane um deine Protagonisten Lina Kaufmeister und Commissar Borghoff erschienen. Hast Du irgendwelche Ambitionen, Dich einmal einem anderen Genre zu widmen?

Ich spiele im Moment mit dem Gedanken, Steampunk zu schreiben. Aber auch da würde ich immer Krimielemente einfließen lassen.

Du bist gebürtige Duisburgerin, allerdings im Stadtteil Meiderich aufgewachsen. Als Du 2005 nach Ruhrort gezogen bist, hast Du Dich nach eigener Aussage sofort in den Hafenstadtteil verliebt. Welchen besonderen „Flair“ hat Ruhrort für Dich?

Zwischenzeitlich habe ich auch in Wanheimerort, also in einem südlichen Stadtteil gewohnt, aber es zieht mich immer in den Norden mit seinen starken Kontrasten. Ruhrort ist neben der Innenstadt sicher der geschichtsträchtigste Teil von Duisburg. Hier sind sich Vergangenheit und Gegenwart in einer Weise nah, die einfach die Phantasie anregt. Der Hafen (der echte, nicht die Flaniermeile am Innenhafen), daneben alte Bausubstanz, viele klassizistische Häuser, von denen es nicht mehr viele in Duisburg gibt – Ruhrort ist so eine besondere Mischung aus St. Pauli und Ruhrpott, auch wenn es die legendäre Altstadt, früher das Vergnügungsviertel in Duisburg, seit Ende der 60er Jahre nicht mehr gibt. Aber in den Herzen der Ruhrorter lebt das noch. Deshalb hat auch der Bürgerverein die erste Stadtteil-Partnerschaft Deutschlands initiiert – mit St. Pauli.

Waren es die alten Häuser und die Geschichte von Ruhrort, die dich auf die Idee brachten, einen historischen Krimi ausgerechnet dort handeln zu lassen?

Ganz klar: ja. Speziell die Fabrikstraße, wo eine ganze Häuserzeile aus den 1820ern unter Denkmalschutz steht und ein alter Brunnen rekonstruiert wurde, war sehr inspirierend. Das habe ich oft erzählt und das hat dazu geführt, dass es viele Pressefotos von mir auf der Fabrikstraße gibt.

Ich habe gelesen, dass die Recherchearbeiten zum ersten Roman um Lina Kaufmeister (Das rote Licht des Mondes) sehr langwierig um umfangreich waren. Wie genau bist du hier vorgegangen. Ich habe von einer Führung im Haniel-Museum gelesen. Was hast du weiterhin unternommen, bist du z.B. regelmäßig an Originalschauplätzen gewesen?

Das Hanielmuseum war Inspiration pur. Hier steht zum Beispiel der Nachtstuhl, der im „Roten Licht“ keine geringe Rolle spielt. Es war auch nicht schwierig an Ruhrorter Fakten zu kommen – wer war Bürgermeister, wer waren die damaligen Pfarrer, gab es schon Straßenbeleuchtung, wo war das Rathaus usw. Wirklich schwierig war es, etwas über das Alltagsleben, besonders das der Frauen zu erfahren. Hier war meine Hauptquelle die Rhein- und Ruhrzeitung im Stadtarchiv. Es gab noch nicht viele Lokalnachrichten, aber bereits viele Anzeigen. Aus denen konnte man erfahren, was die Leute gegessen haben, welche Stoffe es gab, welche Bücher, wann der Zug vom Ruhrorter Bahnhof abfuhr. Die zweite Hauptquelle war ein Henriette-Davidis-Kochbuch. Kochbücher sind wahre Schätze der Kulturgeschichte, denn hier wird z.B. viel über Haushaltsführung geschrieben.

Im Jahr 2000 ist dein erster Roman erschienen. Du hast Germanistik und Publizistik studiert. Hast Du bereits in jungen Jahren geschrieben und wie kam es zu der Entscheidung eine Veröffentlichung anzustreben?

Gerade ist mir beim Aufräumen eine Schülerzeitung aus dem Jahr 1976 in die Hände gefallen. Ich habe mich gar nicht mehr daran erinnert, aber damals, mit knapp 14 Jahren, hatte ich für die Zeitung den Beginn eines Fortsetzungskrimis geschrieben. Inzwischen kam mir wieder in den Sinn, dass es keine weiteren Fortsetzungen mehr gegeben hatte. Wenn ich mein Machwerk lese, denke ich auch, dass das gut so ist. 😉 Aber dieser Krimiversuch war ganz sicher nicht mein erster Schreibversuch. So um 1979 habe ich dann begonnen, Gedichte zu schreiben, bin in die Duisburger Szene eingetaucht und hatte auch einzelne Veröffentlichungen. Prosa habe ich erst wieder geschrieben, als ich einen Computer bekam, Fantasy, Science Fiction. Erst als ich Jacques Berndorfs ersten Eifel-Krimi „Eifel Blues“ entdeckte, kam mir die Idee, dass ich es auch mit einem Krimi versuchen könnte. Aber zunächst schrieb ich eine Weile unter Pseudonym abgeschlossene Romane für die Yellow Press. 1998 schrieb ich ein Buch, das bereits viele Krimielemente hatte und schickte es an meinen heutigen Agenten. Der fand es unverkäuflich, aber gut geschrieben und regte an, dass ich einen richtigen Krimi mit einer weiblichen Hauptfigur schreiben sollte und das war dann „Messerscharf“. Er brachte es bei Fischer in der renommierten Reihe „Die Frau in der Gesellschaft“ unter, in deren Unterhaltungszweig u.a. Eva Heller, Hera Lind und im Krimibereich Sabine Deitmer veröffentlicht wurden. Ich bin heute noch unheimlich stolz darauf, dass ich von der legendären Lektorin Ingeborg Mues ausgewählt worden bin – und glücklicherweise kann man das Buch nach der Neuveröffentlichung bei rororo ja jetzt auch wieder lesen.

Was sind deine Hobbys? Was macht Silvia Kaffke privat? Liest du selber gerne? Wenn ja, welche Autoren oder Genres bevorzugst du? Nähst Du vielleicht auch? 😉

Ich habe lange Zeit fast nur Sachbücher gelesen, aber seit ich meinen e-Book-Reader habe, lese ich auch wieder zum Vergnügen. Dann aber nicht unbedingt Krimis, sondern sehr gern Fantasy, obwohl ich immer auf der Suche nach etwas bin, dass nicht von Elfen und Orks wimmelt und in dem nicht gerade der tumbe Junge ein großer Zauberer wird (Tolkien und Tad Williams haben zu den Themen eigentlich alles gesagt). Deshalb Steampunk, Gordon Dahlquists „Die Glasbücher der Traumfresser“ zum Beispiel. In den letzten paar Wochen habe ich meine Lieblings-Karl-May-Bücher neu gelesen, für den Kindle gibt es die Original-Versionen gratis, das war sehr interessant, man konnte manch Neues entdecken.

Ansonsten singe ich in einer 60ties Girl Group, spiele gern mal Spielchen am PC und koche leidenschaftlich gern. Und dann ist da noch mein Engagement für Ruhrort, das seit Ruhr 2010 offizielles Kreativquartier ist und wo ganz viel Kultur „von unten“ gemacht wird. Ich bin im Verein Beathafen e.V., wir wollen mit eigenen Musikveranstaltungen ein bisschen an die große Zeit der Clubs in Ruhrort erinnern. Da gibt es 60ties Partys, aber auch Barockkonzerte, Klangperformances oder einen Vortrag über Geigenbau.

Wie wichtig sind Dir Lesungen. Findest du den persönlichen Kontakt und die Nähe zu Deinen Lesern wichtig oder stehst Du nicht so gerne in der Öffentlichkeit?

Ich bin eine kleine Rampensau. Bei Gesangsauftritten habe ich durchaus noch Lampenfieber, bei Lesungen nicht. Der Kontakt zum Publikum macht mir viel Spaß – vielleicht abgesehen von denen, die mir ein Manuskript zum Lesen aufdrängen möchten.

Was sicher viele Fans interessiert ist, wie dein Autorinnenalltag aussieht. Schreibst Du mittlerweile hauptberuflich oder arbeitest Du abends nach Feierabend und am Wochenende?

Vom Schreiben kann ich nicht leben, gewöhnlich habe ich einen Brotjob, meist als Sekretärin. Im Moment bin ich allerdings arbeitslos und auf Jobsuche.

Eine Frage zum Thema Redigieren/Überarbeiten: wie lange wartest Du, bis Du ein Manuskript zur Überarbeitung wieder zur Hand nimmst und … gefällt Dir diese Arbeit?

Ich redigiere relativ wenig. Ich gehe immer kurz über die letzten paar Seiten, die ich geschrieben habe, bevor es weitergeht. Zwischendurch arbeite ich die Korrekturen meiner Freundin Martina Peters ein. Und wenn das Buch fertig ist, gibt es noch einen Durchgang, bei dem ich den Text laut lese, dann fallen Wortwiederholungen, holprige Konstruktionen oder misslungene Dialoge am besten auf. Danach arbeite ich natürlich noch die Anmerkungen der Lektorin ein.

Eine Frage die ich allen meinen Gesprächspartnern stelle: gibt es bei deiner Arbeit besondere Rituale und/oder ein Maskottchen, dass du während der Schreibarbeit in deiner Nähe brauchst?

Nein, keine Rituale. Wenn ich mich disziplinieren möchte, versuche ich, mindestens drei von „meinen“ Seiten – die sind etwas länger als Normseiten -, zu schaffen.

Verrätst Du den Lesern Deine Einstellung zu Ebooks, Kindle & Co? Hast du selber solch einen E-Reader oder bevorzugst Du noch das gute, alte Buch?

Vom Autorenstandpunkt ist da natürlich das Problem der gehackten Bücher. Es gibt ja leider eine ganze Gruppe von „kreativen“ Leuten, die Content im Web nicht für schützenswert halten und gern auf Kosten anderer kreativ sind. Schreiben ist harte Arbeit und dafür steht mir eine Entlohnung zu.

Als Leserin besitze ich neben dem Kindle noch ein zweites eBook, um etwas unabhängiger von Amazon zu sein. Ich habe mich auch schon gegen ein Buch entschieden, weil es nicht als eBook erhältlich war. Ich schätze es ungemein, dass bei meiner neu erwachten Leselust sich jetzt nicht schon an die zwanzig neue Bücher bei mir stapeln und vermisse das „Buchgefühl“ überhaupt nicht, besonders nicht beim Kindle mit seiner brillanten e-Ink-Technik.

.

Zuletzt möchte ich noch wissen: schreibst Du derzeit an einem neuen Roman? Wann können wir mit einem weiteren Werk von Dir rechnen und darfst Du schon ein bisschen darüber erzählen?

Ich schreibe derzeit noch nicht, denke aber, dass es bald losgeht und dass es höchstwahrscheinlich Steampunk sein wird.

.

Nähe Informationen zur Autorin finden sich auf:

    kaffkescrimes.blogg.de

.

Die Rezension zu

„Das Rote Licht des Mondes“

.

Liebe Silvia, ich bedanke mich noch einmal für das Interview und die ausführlichen und ehrlichen Antworten Deinerseits. Ich wünsche Dir für deine Zukunft alles Gute und vor allem viele Ideen zu neuen Geschichten …

.

.

© Buchwelten 06.02.2012