Der Schmerz des Erwachens von Brett McBean

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Festa-Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis:  39,90  €
ISBN: Privatdruck, nur über den Verlag erhältliche limitierte Sonderausgabe
Kategorie: Horror

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Toby ist vierzehn und der letzte Sommer vor der Highschool ist angebrochen. Er verbringt die Tage und Abende mit seinen Freunden und genießt das Leben. In der Nachbarschaft wohnt ein alter Herr, dem alle Menschen in der Stadt misstrauisch begegnen. Die Jugendlichen spielen ihm Streiche und ärgern ihn. Eines Tages wird Toby Zeuge eines solchen Streiches. Der alte Mann tut ihm leid und er sucht ihn auf. Die beiden schließen Freundschaft und schon bald erzählt der Mann Toby eine unglaubliche Geschichte …

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Ich mochte Brett McBeans Bücher ja schon immer. Aber was er hier mit „Der Schmerz des Erwachens“ abgeliefert hat, ist eindeutig sein bisher bestes Buch. Es dauert nicht lange und man ist von der einfühlsam erzählten Geschichte gefangen und kann sich nicht mehr losreissen. McBeans Roman über das Erwachsenwerden ist ungalublich mittreissend und autenthisch erzählt. Die Charaktere sind voller Details und liebens- oder auch hassenswert. Man begleitet Toby bei seinem Abenteuer und fühlt sich an Stephen Kings Kurzgeschichte „Die Leiche“ (als Film „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“) erinnert. McBean entwirft eine Welt, in der man sich selbst als Kind und Jugendlicher wiederfindet und in der man Geheimnisse und Verbotenes geliebt hat.
Es geht um Freundschaften, Geheimnisse, Unheimliches und Tragisches. Man spürt, wie der Protagonist erwachsen wird, aber vom Kindsein eigentlich gar nicht loslassen will.

Man wird mit Rassismus und Familienproblemen konfrontiert, lernt etwas über Mut und darüber Courage zu zeigen. Der Leser nimmt Teil an Unsicherheiten und ersten sexuellen Erfahrungen eines heranwachsenden Jungen und fühlt mit ihm, so wunderbar ist das alles beschrieben. Daneben breitet McBean eine geheimnisvolle Welt voller mystischer Rätsel und Voodoo-Ritualen aus, die in der Vergangenheit spielt, und schlägt dadurch einen Bogen in eine Erwachsenenwelt, von der Toby für sein eigenes Leben lernt.
Melancholisch beschreibt der Autor das Leben eines jungen Menschen, das erst am Anfang ist und dennoch schon Erfahrungen vorzeigen kann. Man riecht den Alkohol, den die Jungs verbotenerweise trinken, man spürt das Herz klopfen, wenn das sehnsüchtig begehrte Mädchen in der Nähe ist und fühlt den Zorn auf die Eltern, wenn sie Verbote aussprechen. Und man erliegt dem Zauber einer Welt, in der Voodoo praktiziert wird und das Leben ungerechte Wege einschlägt.

Oft fühlte ich mich von der Erzählstruktur und den nostalgischen Momenten, die beschrieben werden, an die Bücher von Greg F. Gifune erinnert. McBean ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das in seiner fast schon perfekten Geradlinigkeit enorm beeindruckt. Man möchte einfach nur weiterlesen und auch wenn das Ende schön und stimmig ist, fällt es einem schwer, die Personen zu verlassen. Vor allem Toby und der alte Herr wachsen einem ans Herz. Und ihre Freundschaft zeigt, dass sich verschiedene Generationen ohne weiteres verstehen können. Und dass der alte Herr dann auch noch ein Schwarzer ist,  vermittelt auf wunderschöne Weise, dass Alter und Rasse für eine Freundschaft völlig unerheblich sind. Brett McBean hat mit „Der Schmerz des Erwachens“ mein Lieblingsbuch von ihm geschrieben. Ich bin sicher, dass ich in diese schöne, aber auch ungerechte und manchmal brutale Welt, zurückkehren und die beiden Freunde Toby und Mr. Joseph, den alten Nachbarn, noch einmal besuchen werde.

Ich werde diesen düsteren Roman über eine wunderbare Freundschaft, ein Geheimnis und das Erwachsenwerden nicht so schnell vergessen.  Anders als in seinen weiteren Büchern verzichtet McBean weitestgehend auf brutale Splattereinlagen, sondern konzentriert sich darauf, die Story aus der Sicht eines Vierzehnjährigen zu erzählen. Und das ist ihm absolut gelungen.
Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch die wirklich wunderschöne Ausgabe, in der diese spannende Geschichte präsentiert wird: ein tolles Cover, ein Lesebändchen und eine Seite, die von Autor Greg McBean und Illustrator Fabian Frölich signiert wurde.

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Fazit: Nostalgisch wird das Leben eines vierzehnjährigen Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden geschildert. Stimmungsvoll, spannend und ein wenig unheimlich entführt uns McBean in eine Kindheit zurück, die man am liebsten selbst erlebt hätte. Sein bislang bester  Roman.

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© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Verdammten von Brett McBean

die verdammten

Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA
insgesamt 586 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-292-4
Kategorie: Dystopie, Horror

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Während eines Einkaufstrips geschieht das Unglaubliche: Beth ist gerade mit ihrer Tochter auf dem Weg zum Auto, das sie in einem der Parkdecks des Einkaufszentrums geparkt hat, als Bäume aus dem Boden schiessen und die Umgebung in einen undurchdringlichen Urwald verwandeln. Noch ahnt niemand, dass diese rätselhafte Naturkatastrophe über den ganzen Erdball hereingebrochen ist.

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„Die Verdammten“ vereint McBeans Dschungeltrilogie („Der Dschungel aus Beton“, „Der Dschungel von nebenan“ und „Der Dschungel der Großstadt“) in einem Band. Die drei Geschichten haben, bis auf das Ende, nichts miteinander zu tun. Sie spielen lediglich im gleichen Szenario und der Leser muss sich bei jeder Geschichte auf neue Charaktere einlassen. Was als ziemlich atmosphärisches Endzeitdrama beginnt, wird in der Mitte sehr seicht und beginnt erst zum Ende hin wieder, einigermaßen stimmungsvoll zu werden. Aber eines nach dem anderen.

Zuerst einmal: Brett McBean kann es eindeutig besser, das hat er unter anderem mit seinen Romanen „Die Mutter“, „Das Motel“ und „Buk und Jimmy ziehen nach Westen“ bewiesen. Mit „Die Verdammten“ hat er zwar eine im Grunde genommen interessante Idee vorgelegt, die sich aber leider im Handlungsverlauf immer mehr in unlogische und teilweise nicht nachvollziehbare Ereignisse verstrickt. Hätte McBean die Hauptpersonen des ersten Teils in den weiteren beiden Teilen mitagieren lassen, wäre mit Sicherheit ein weitaus besseres Ergebnis herausgekommen. So muss man sich in jedem Teil leider auf eine neue Geschichte und neue Personen einlassen.

Der Schreibstil ist ungewohnt einfach gestrickt, da bin ich von McBean eindeutig Besseres gewöhnt. Aber nichtsdestotrotz fliegt man durch die drei Geschichten und kann sich schwer davon losreißen, denn das beschriebene Szenario hat durchaus seinen Reiz. Doch gerade die erste Geschichte ist es, die mich am meisten in den Bann gezogen hat, denn die Ausgangssituation war fast schon filmreif. Und auch die Chararakterzeichnung war hier noch am besten.
Die zweite Story flacht sehr ab und war für mich die absolut uninteressanteste. Bei der letzten Geschichte trat McBean dann wieder mehr aufs Gas und schilderte wieder Geschehnisse, die ich mir ohne weiteres als Film vorstellen könnte.

Ich persönlich hatte keine Probleme mit den vielen Ungereimtheiten, die im Verlauf der Geschichte auftraten, denn die Grundaussage der Trilogie, dass sich die Natur an der Menschheit rächt, hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ähnelt in allen drei Büchern der Schreibstil dem von Richard Laymon, obwohl natürlich McBeans eigener Stil deutlich herauszulesen ist. Durch die verschiedenen Hauptpersonen in den drei Geschichten wirkt „Die Verdammten“ leider nicht ganz ausgegoren, schon aus diesem Grund hätte ich mir gewünscht, dass die Personen der ersten Geschichte auch die Abenteuer der beiden nachfolgenden bestritten hätten.

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Fazit: McBean hätte aus der interessanten Grundidee mehr machen können. Nichtsdestotrotz liefert er einen sich wohltuend von anderen Endzeitszenarien abhebenden, teils brutalen Thriller ab, der, obwohl relativ einfach geschrieben, sehr bildreich eine Welt darstellt, in der die Natur die Herrschaft über die Erde übernimmt. Für McBean-Fans ein Muss, für Einsteiger in die literarische Welt des Autors eignen sich seine anderen Werke auf jeden Fall besser.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Mutter von Brett McBean

Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA
insgesamt 368 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-093-7
Kategorie: Psycho-Thriller, Horror

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Monatelang steht „Die Mutter“ am Rand des australischen Highways, der Sydney und Melbourne verbindet. Sie ist auf der Suche nach dem Mörder ihrer Tochter Rebecca, die auf dem Weg zu ihrem Vater war und nie dort ankam.

Ein letzter Anruf vom Handy gibt der „Mutter“ den einzigen Hinweis, der auf den Mörder hindeuten könnte: Auf dem linken Arm trägt er ein Tattoo mit dem Schriftzug „Stirb Mutter“.

Die Mutter“ gibt alles auf (ihren Job, ihre Wohnung – ja fast schon ihr Leben) und macht sich auf die Suche nach dem Mann, der das Leben ihrer Tochter auf dem Gewissen hat.

Ihre Odyssee dauert Jahre.

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Die Mutter“ von Brett McBean aus dem Hause FESTA ist ein Psycho-Thriller, der atmosphärisch dicht eine Geschichte erzählt, die nachdenklich macht. Zum einen ist da die zur Obsession gewordene Jagd nach einem Mörder, zum anderen begegnet uns im Laufe des Romans eine Vielzahl an menschlichen Schicksalen.

McBeans Schreibstil ist gehoben, wenngleich immer wieder mal Umgangssprachliches fällt, das aber in jenen Momenten hervorragend zur Handlung und den Charakteren passt. Die Odyssee durch Australien macht Spaß, sofern man von den teils unschönen Dingen, die da passieren, einmal absieht. Für mich war »Die Mutter« sogar noch etwas Besonderes, weil ich den Highway vor einigen Jahren selbst entlanggefahren bin.

Die Menschen, die wir zusammen mit der Protagonistin kennenlernen, sind mal sympathisch, mal verachtungswürdig und undurchschaubar. Die Reise wird von Kapitel zu Kapitel interessanter, bis man mitzufiebern beginnt. An manchen Stellen ertappte ich mich selbst dabei, wie ich überlegte, ob sich der Gesuchte hinter dem freundlichen Trucker verbirgt, der die »Mutter« gerade mitnimmt.

Die körperliche und sexuelle Gewalt, die McBean in seinem Buch beschreibt, stört keinesfalls, denn sie passt zu der Szenerie, in der sich die Handlung abspielt.

»Die Mutter« ist ein, in meinen Augen, außergewöhnlicher Thriller. Hier geht es zwar auch um das Aufspüren eines Mörders, jedoch ist die Geschichte gespickt mit Schicksalen und der unerschütterlichen Liebe einer Mutter, die den Mord an ihrer Tochter retten will.

Das Ende hat mir persönlich sehr gut gefallen, wobei ich den Verdacht hege, dass der ein oder andere Leser enttäuscht davon ist. Ich fand ihn passend.

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Fazit: 4 von 5 Sternen für einen außergewöhnlichen Thriller, der brutal und gefühlvoll gleichzeitig ist. McBeans Schreibstil ist spannend und flüssig. »Hitcher – Der Highwaykiller« mit Rutger Hauer lässt grüßen, dennoch ist »Die Mutter« ein vollkommen eigenständiges Werk, das mich von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann gezogen hat.

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© Cryptanus für Buchwelten 2013