Die sieben Farben des Blutes von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 479 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0344-5
Kategorie: Krimi, Thriller

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Drei Frauen wurden in Berlin bereits ermordet, als die Staatsanwältin Helena Faber auf den Fall angesetzt wird. Der Täter nennt sich selbst „Dionysos“ und möchte die Frauen, die er umbringt, „heilen“. Als Helena ins Visier des Mörders gerät, spitzt sich die Situation immer mehr zu …

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Es dauert keine fünf Seiten und man ist von Uwe Wilhelms Thriller infiziert. In einem sehr schönen, absolut flüssigen Schreibstil wirft der Autor den Leser mitten ins Geschehen, so dass man sofort die Welt um sich herum vergisst. Wilhelms Beschreibungen sind filmreif (kein Wunder, denn der Mann schreibt Drehbücher und hat auch bereits sehr viele geschrieben) und sehr stimmungsvoll. Die Charakterisierung der Protagonistin ist sehr detailliert, was mich wirklich sehr begeistert hat. Helena Faber wird so erfrischend und echt in Szene gesetzt, dass es eine wahre Freude ist, nicht nur den Kriminalfall, sondern auch ihr Privatleben mit zwei zickenden, pubertierenden Töchtern, zu verfolgen.

Der Plot ist sehr gut und stimmig aufgebaut. Wilhelm scheut sich auch nicht davor, einige Szenen auch einmal etwas brutaler zu gestalten, wobei er meiner Meinung nach nie die Grenze übertritt und in unnötige Trash-Brutalität abdriftet. Während des ganzen Romans wird durchgehend ein hohes Niveau eingehalten. Erstaunlicherweise nimmt auch die vorzeitige Entlarvung des Täters im letzten Drittel dem Werk nichts von seiner Spannung. Einige LeserInnen werden eine bestimmte Entwicklung der Protagonistin mit Sicherheit unglaubwürdig empfinden. Doch selbst wenn es so wäre und die „Erkrankung“ an den Haaren herbeigezogen wirkt, sollte man sich dennoch unbedingt darauf einlassen, denn auch dieser Handlungsstrang ist sehr effektiv und unterhaltsam. Ich fand diesen „Werdegang“ jedenfalls aus emotionaler Sicht oftmals sehr gut gelungen.

Ein großes Plus des Romans sind die wörtlichen Reden. Sie wirken einfach so natürlich und echt, dass es einem, wie oben schon erwähnt, wie ein Film vorkommt. Die Dialoge sind schlichtweg grandios und man kann sich diesem Lesefluss deshalb nur sehr schwer entziehen, weshalb ich „Die sieben Farben des Blutes“ durchaus als echten Pageturner bezeichnen möchte. Selten beginnt man, die Motive des Täters ein wenig zu hinterfragen, weil sie irgendwie dann doch nicht ganz „rund“ wirken, aber das tut der Spannung und dem hohen Unterhaltungswert dieses Thrillers absolut keinen Abbruch.
Viele sind anscheinend vom Ende enttäuscht, ich nicht. Es ist ein erschreckendes Ende, über das man sich Gedanken macht. Was passiert da? Geht die Geschichte tatsächlich weiter? Oder ist dieses Ende unausweichlich grausam? Uwe Wilhelm lässt den Leser einfach hängen und genau das mögen viele nicht. Mir jagten die letzten Sätze, vor allem der letzte, einen Schauer über den Rücken. Ich las den letzten Absatz ein paar Mal, weil ich es nicht glauben konnte und vielleicht auch nicht begreifen wollte, was da angedeutet wird. Wilhelm ist ein packender Thriller mit sehr glaubwürdigen und authentischen Charakteren gelungen, der förmlich nach einer Verfilmung schreit. In diesem Falle sollte der Autor auch das Drehbuch verfassen, um die sehr schöne Atmosphäre der eigenen Vorlage einzufangen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Roman dieses Schriftstellers. Auf der Homepage von Uwe Wilhelm heißt es auf jeden Fall: „Mit „Die sieben Farben des Blutes“ beginnt meine erste Trilogie um die heldenhafte Helena Faber.“
Wer ebenso begeistert wie ich von „Die sieben Farben des Blutes“ ist, sollte sich auch den Namen Lucas Grimm merken, denn unter diesem Pseudonym schreibt Uwe Wilhelm ebenfalls spannende Thriller.
Infos über den Autor und seine Werke findet man auf seiner Homepage.

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Fazit: Spannend, extrem rasant und mit einer unglaublich authentischen Protagonistin.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Jagdtrip von Jack Ketchum

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 364 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67706-7
Kategorie: Thriller

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Lee Moravian ist Vietnam-Veteran. Durch den Krieg hat er ein Trauma, wird von quälenden Erinnerungen heimgesucht und ist sofort auf Abwehrstellung, wenn eine Auseinandersetzung droht. Aus diesem Grund zieht er es vor, alleine in einer Hütte im Wald zu leben, denn er weiß, was er anrichten kann, wenn es mit ihm durchgeht.
Als eine Gruppe Camper in sein Revier eindringen, kann Lee nicht lange zurückhalten, was tief in ihm schlummert. Denn er sieht nicht die realen Menschen,  die in „seinem“ Wald sind, sondern Vietnamesen, die ihm nach dem Leben trachten. Lee beginnt, sich gegen die Eindringlinge zu wehren.

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Jack Ketchums Romane gelten als blutig, brutal und schonungslos. Seine Kannibalen-Reihe wurde sogar als pornographisch bezeichnet, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann, aber na gut. Nichtsdestotrotz sind Ketchums Romane tatsächlich beängstigend und wirken vor allem so brutal, weil sie sehr nahe an der Wirklichkeit sind.
Manch einer von Ketchums Fans wird „Jagdtrip“ daher eher als ruhig und nicht blutig (hart) genug ansehen. Doch hinter der einfachen Story verbirgt sich mehr als man denkt. Ketchum hat einen einsamen, verängstigten und dennoch kaltblütigen „Rambo“ erschaffen, der an seiner Vergangenheit so sehr zu nagen hat, dass er die Realität fast vergisst.

Auf gewisse Art und Weise einfühlsam erzählt Ketchum Lees Geschichte, wie er sich in einer Welt außerhalb des Vietnamkrieges fühlt und welche (Verfolgungs-) Ängste ihn plagen. Sicherlich ist „Jagdtrip“ ein etwas anderer Ketchum, wie übrigens „Scar“ auch, aber er funktioniert einwandfrei. Jack Ketchums Schreibstil ist knapp, aber präzise. Man ist mittendrin im Geschehen und das macht dieses Buch auch, zumindest war es bei mir so, zu einem echten Pageturner. Die Story ist simpel und im Prinzip auch vorhersehbar. Aber das macht gar nichts, denn die Atmosphäre und die Charakterzeichnungen zählen in diesem Fall.  Auch wenn es nicht Jack Ketchums bestes Buch ist, so wird aber das schwierige Thema von Vietnam-Veteranen mit Kriegstrauma sehr gut und, wie oben schon erwähnt, auch sehr einfühlsam und glaubwürdig behandelt.

Gerade weil Jack Ketchum mit diesem Roman beweist, dass er nicht nur blutige, brutale Horrorgeschichten schreiben kann, sondern auch einen Thriller mit Drama-Touch, macht mir diesen Roman sympathisch. Das Ende geht dann zwar sehr schnell, aber nicht unbedingt zu schnell und wirkt in seiner Konsequenz, die mich übrigens ein wenig an das Lebensende von Ernest Hemingway erinnerte, nach. Vielleicht handelt es sich bei dieser Anspielung auf Hemingway sogar um Absicht. 😉
Der Plot zeigt auf jeden Fall, wie brutal und unsinnig Krieg ist und vor allem, was er später aus den Menschen macht, die sich gezwungenermaßen daran beteiligen mussten. Nicht nur die Soldaten selbst, sondern auch ihre Ehen zerbrechen an den Kriegen. Mir persönlich hat dieses Kriegsdrama wirklich gut gefallen und zeigt vor allem durch den stimmungsvollen Handlungsort (der Wald) eine nachhaltige Wirkung. Ketchum zeigt in etwa ähnlicher Weise Kritik am Vietnamkrieg wie Filme á la „Jacob’s Ladder“ oder „Geboren am 04. Juli“.
Jack Ketchums „Jagdtrip“ konnte mich auf jeden Fall durch seine klare und wirkungsvolle Sprache und die tiefergehenden Charakterzeichnungen der Protagonisten überzeugen.
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Fazit: Eindringlich in seiner Aussage, spannend geschrieben und erschütternd in der Konsequenz.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schänderblut von Wrath James White

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Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
336 Seiten
13,95 €
ISBN: 978-3-86552-219-1

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Joseph Miles wurde vor 15 Jahren von einem Kinderschänder entführt und im Keller gefangengehalten, wo er gefoltert und sexuell missbraucht wurde. Aber er hat überlebt.
Schleichend überkommt ihn immer mehr das Verlangen nach menschlichem Fleisch. Joseph sucht den Grund für diese Neigung, die Hand in Hand mit einer perversen sexuellen Lust einhergeht, in seiner Vergangenheit. Er studiert die Leben von Serienkillern und beschäftigt sich mit den Mythen, die sich um Vampire, Werwölfe und Kannibalen ranken. Joseph ist felsenfest davon überzeugt, dass er damals durch seinen Peiniger von einem Virus infiziert worden ist, dass nun ebenfalls eine solch kannibalische Bestie aus ihm macht. Und so macht sich Joseph auf die Suche nach dem Kindesentführer, um ihn zu töten. Denn, wie bei Vampiren und Werwölfen, soll der Infizierte mit dem Tod seines „Meisters“ Erlösung finden. Joseph ist überzeugt davon, dass er wieder ein normaler Mensch werden kann, wenn er den Mann tötet, der ihn in einen sexsüchtigen Kannibalen verwandelt hat.

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Ich hatte bei „Schänderblut“ nicht das erwartet, was drin steckt. Ich dachte, ich würde mich durch eine brutale, blutige und schockierend harte Geschichte lesen, die aber, wie bei so vielen Büchern  dieser Art, nicht weiter in die Tiefe geht. Weit gefehlt. Wrath James White schildert die Gedanken eines Serienkillers. Er lässt uns auf der einen Seite an seinen abartigen Morden und Sexabenteuern und auf der anderen Seite an seinen Zweifeln und Ängsten teilhaben. White faltet die Psyche dieses gestörten Mörders wie eine Landkarte vor uns auf und versucht, Lösungen aus der gewalttätigen Misere zu finden.
White schafft es meist auf relativ hohem Niveau, die morbiden Gedankengänge des Protagonisten zu schildern. Nur hin und wieder gleitet er in eine einfache Umgangssprache ab, die aber erfreulicherweise den Lesefluss der Geschichte nicht stört. Im Großen und Ganzen bewegt sich White aber auf einem sprachlichen Niveau, das leider allzu selten in Büchern dieser Art vorkommt. Das war auch schon der erste Punkt, der mich bei „Schänderblut“ begeistert hat.

White spart nicht mit ekelhaften, brutalen Blutbädern, die meistens unter die Haut gehen und den Leser schlucken lassen. Aber … (und das ist wieder ein großer Pluspunkt an Wrath James White) er lässt niemals die Handlung aus den Augen, soll heißen die blutigen Splattereinlagen haben Sinn und wurden nicht einfach nur des Ekelfaktors Willen geschrieben. Das alles wirkt sehr stimmig, vor allem die Person des Joseph Miles ist hervorragend charakterisiert, so dass man an manchen Stellen tatsächlich so etwas wie Mitleid und Verständnis für den Kannibalen empfindet, obwohl er mit äußerster Brutalität vorgeht. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie genial White diese Stimmung einfängt und den Leser dadurch richtig packt. Ich konnte das Buch schwer aus der Hand legen, weil ich einfach wissen wollte, wie Joseph sich aus dieser „Krankheit“, wie er meint, befreit. Seine Versuche, Menschen nichts anzutun und letztendlich doch seiner blutigen Mordlust zu erliegen, ist realistisch und glaubwürdig dargestellt.
Wrath James White erreicht durch die „gute“ Sprache mit seinem Roman, was andere Autoren, die sich bei den Lesern in der gleichen Liga tummeln, nicht schaffen: Nämlich wirklich zu schockieren!

Man merkt, dass White recherchiert hat und nicht nur einfach eine brutale, blutige Story erzählt. Viele Hintergrundinformationen, die das Handeln des Mörders begreifbar machen, runden das spannende Gesamtwerk ab, so dass ein „handfester“ Plot entsteht, der stimmig ist. Insgesamt konnte mich Whites Schreibstil und vor allem die Art seiner Geschichtenerzählung vollkommen überzeugen, so dass ich jetzt schon weiß, dass ich mich der Bibliografie dieses Schriftsteller widmen werde. 😉

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Fazit: Schockierend, blutig, brutal und mit einem glaubwürdigen Plot, der nicht nur des Blutes und der Brutalität willen verfasst wurde. Der Hauptcharakter überzeugt und geht in die Tiefe. Für Fans härterer, aber auch schreibtechnisch hochwertigerer Kost absolut zu empfehlen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Nacht der Rache von Tim Miller

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
160 Seiten
Preis:  12,80  €
ISBN: ohne ISBN (nur über die Verlagsseite zu beziehen)
Kategorie: Horror / Thriller
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Colt Stilman musste zwanzig Jahre ins Gefängnis, um eine Tat abzubüßen, die er nie begangen hatte. Nach seiner Entlassung plant er einen Rachefeldzug gegen die gesamte Stadt, die im zwanzig Jahre seines Lebens genommen hat.

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Tim Millers Rachethriller liest sich wie eine wilde Achterbahnfahrt. Da wird nicht lange mit tiefgehenden Charakteren herumgefackelt, sondern Miller geht gleich aufs Ganze. Einzig die Protagonisten namens Melissa und Andy erfahren eine Entwicklung während der relativ kurz gehaltenen Geschichte. Ansonsten lernt man die Personen zwar kennen, aber das war es auch schon.
Miller hält sich auch nicht lange mit Erklärungen auf, sondern widmet sich sofort seinem Massaker. Wie ein Tornado bricht Mord, Vergewaltigung und Chaos über die Kleinstadt herein.Auf der einen Seite mordet und schändet jeder, was das Zeug hält, auf der anderen Seite kämpft man ums nackte Überleben. 

Ein wenig erinnert die Ausgangssituation an den Film „The Purge“, wobei Miller einen etwas einfallsloseren Weg geht. Aber das macht gar nichts, denn man blättert die Seiten trotzdem in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit um, weil man einfach wissen will, was noch alles passiert. Tim Miller schreibt brutal, aber nicht zu brutal, dass es unglaubwürdig wirkt. Sicherlich passieren einige Dinge, die etwas übertrieben sind, aber das erwartet man auch bei solch einem Buch. Millers rasanter Rachefeldzug ist absolut kurzweilig und actionreich. 

Tim Millers Schreibstil ist nicht besonders anspruchsvoll und, wie schon erwähnt, fehlen auch Charakterzeichnungen. Das hätte dem harten Thriller vielleicht sogar noch einen Pluspunkt verschafft, hätte man mehr über die Beweggründe von Colt Stilman erfahren, wieso er eine ganze Stadt massakrieren lässt, obwohl sie doch mit seiner unrechtmäßigen Verurteilung gar nichts zu tun haben. Hätte Miller einen vor Rachegelüsten Wahnsinnigen charakterisiert, wäre der Schockeffekt, mit welcher Härte da vorgegangen wird, wahrscheinlich bedeutend größer gewesen. Aber dennoch macht „Nacht der Rache“ unglaublich Spaß, weil es sich dabei um eine kurzweilige, spannende und sehr flüssig geschriebene Story handelt, die man erst gar nicht aus der Hand legen will.

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Fazit: Mit „Nacht der Rache“ legt Tim Miller ein actionreiches, blutiges Spektakel vor, das sich als minimalistischer Pageturner herausstellt. Das Buch ist nicht tiefgründig, sondern schlichtweg gute Unterhaltung aus dem Hause „Festa Extrem“.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Stirb, Du B a s t a r d! Stirb! von Jan Kozlowski

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 187 Seiten
Preis: 12,80 €
ISBN: ohne ISBN
Kategorie: Horror, Thriller

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Claire  wurde jahrelang von ihrem Vater missbraucht. Irgendwann schafft sie den Absprung und zieht in eine andere Stadt, um sich dort als Krankenschwester um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. Sie kann dadurch die schrecklichen Erlebnisse ihrer Kindheit verdrängen, allerdings nur so lange, bis sie von einer damaligen Freundin angerufen wird und erfährt, dass ihr Vater einen schweren Unfall hatte. Sie springt über ihren eigenen Schatten und besucht den Mann, der ihr als Kind grausame Dinge angetan hat, um mit ihm Frieden zu schließen. Doch als sie ankommt, muss sie feststellen, das sie von ihrer Freundin belogen wurde.

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Wer die Festa Extrem-Reihe kennt, wird von diesem Roman wahrscheinlich mehr, und vor allem Heftigeres, erwarten. Kozlowski geht aber einen anderen, für mich durchaus angenehmen Weg. Sie setzt nicht auf eklige Sexszenen und Splattereinlagen, sondern widmet sich in erster Linie der Geschichte und den Personen. Gerade in der ersten Hälfte des Buches erzeugt sie dadurch eine tolle Atmosphäre, die mich sofort in den Bann gezogen hat.

Kozlowskis Schreibstil ist knapp und präzise, aber bewegt sich meist auf einem höheren Niveau, als man es bei dieser Art von Roman gewöhnt ist. Das ist auch der Grund, warum sich dieser Roman aus meiner Sicht so wohltuend aus den Extrem-Horror-Romanen abhebt. Da werden keine übertriebenen Gewalt- und Sexszenen beschrieben, sondern immer ein gewisses Maß an Niveau eingehalten. So soll es sein, und so schockiert eine solche Story oft mehr als mit expliziten Beschreibungen. Kozlowski tritt eigentlich nie über die Grenze des guten (oder schlechten) Geschmacks, sondern lässt den Leser größtenteils selbst entscheiden, was er in seinem Kopfkino sehen will und was nicht.
Außerdem lesen sich die Dialoge so flüssig, dass es unglaublichen Spaß macht.

Es gibt einige unerwartete Wendungen, die dem Plot äußerst gut tun. An manchen Stellen kann man die Handlungsweise der Protagonistin nicht hundertprozentig nachvollziehen, aber das nimmt dem Rache-Thriller auf keinen Fall den Charme. Leider ist das Buch relativ kurz geraten, denn ich hätte gut und gerne den doppelten Umfang lesen können. Ich bin sicher, dass bei einer intensiveren Ausarbeitung der Charaktere ein noch ansprechenderes Buch herausgekommen wäre. Aber nichtsdestotrotz hat mich Jan Kozlowskis „Stirb, du B a s t a r d ! Stirb!“ hervorragend und vor allem äußerst kurzweilig unterhalten. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wenn ja, was sich die Autorin für ihr nächstes Werk ausdenkt. Einen Fan mehr hat sie mit mir auf jeden Fall.

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Fazit: Kurzweiliger Rache-Thriller, der nicht auf reine Gewalt setzt, sondern sich in erster Linie auf die Geschichte und die Charaktere konzentriert. Für Extrem-Leser wahrscheinlich eher enttäuschend, ich hingegen war angenehm überrascht und begeistert.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Candygirl von Michael Merhi

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Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
430 Seiten
Preis:  16,54  €
ISBN: 978-3-95957010-7
Kategorie: Thriller / Horror
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Bobby hatte eine schlechte Kindheit, genauso wie Candis. Zwei Menschen, die schon als Kind von schlechten Lebenserfahrungen durch ihre Eltern und Mitmenschen negativ geprägt werden, treffen aufeinander: Bobby, auch Schweineschwarte Bob genannt, ist mittlerweile erwachsen und Zuhälter. Candis hingegen, auch Candygirl genannt, ist noch ein Mädchen im Alter von 12 Jahren und gerät in seine Fänge.
Für Candygirl beginnt ein Leidensweg, der sie durch sämtliche sadistischen Arten von Gewalt und Sex führt …

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Michael Merhi hätte sich für seinen Debütroman kein krasseres Thema aussuchen können: Kinderprostitution und Kindesmisshandlung – eine Kombination, die unweigerlich nur hart, brutal und schockierend sein kann. Wer zartbesaitet ist (und das meine ich im wahrsten Sinne des Wortes), der sollte die Finger von diesem Roman lassen, der an einigen Stellen tatsächlich Grenzen überschreitet. Aber eines nach dem anderen …

Merhis Schocker ist ein Hardcore-Buch, das ich eher im Thriller-, als im Horrorgenre ansiedeln würde. Schon schnell kristallisiert sich heraus, was Merhis Markenzeichen ist: schonungslose, explizite Gewalt- und Sexdarstellungen, die dem Leser einen gewissen Ekelfaktor zu ertragen abfordern. Da muss man schon einiges über sich ergehen lassen. Wo andere aufhören, macht Merhi (erst recht) weiter.
Aber in „Candygirl“ werden nicht nur brutale Gewalt- und pervers-masochistische Sexszenen aneinandergereiht, sondern der Autor geht auch auf die Vergangenheit seiner Protagonisten ein. Und das ist einer der großen Pluspunkte an Merhis Debüt, denn er legt, außer den bereits erwähnten, detailliert beschriebenen und teilweise abstoßenden Szenen, Wert auf eine Handlung. Das ist an sich nichts Neues, wenn ein Leser Einblick in die Psyche und die Vergangenheit der Protagonisten erhält, die zu menschlichem Abschaum werden. Aber in diesem Genre (Hardcore, Rape & Revenge, Splatter) möchte ich behaupten, dass es doch irgendwie „fast“ ein Novum ist, was Merhi da gemacht hat. Auch wenn die Charaktere nicht hundertprozentig in die Tiefe gehen und manche Handlungsweise nicht ganz nachvollziehbar sind, so wachsen einem die beiden Hautpersonen (sowohl das Opfer wie auch der Täter) auf gewisse Art und Weise ans Herz, denn man weiß, wieso sie so geworden sind.

Michael Merhi ist Filmfan und Büchernarr. Das liest man anhand vieler, versteckter Anspielungen in seiner Geschichte heraus. Sein Schreibstil ist flüssig und wahnsinnig schnell zu lesen, wobei ich an dieser Stelle meinen einzigen Kritikpunkt an „Candygirl“ anbringen muss: Merhi benutzt aus meiner Sicht zu oft umgangssprachliche Ausdrücke und Phrasen, die an einigen Stellen den schockierenden Aspekt schlichtweg kaputt machen. Da wäre eine ausdrucksstärkere Wortwahl (und eben nicht eine saloppe) die klügere Wahl gewesen. Andererseits entstand durch Merhis Schreibstil ein kleines Wunder in meinem Kopf. Was mich während des Lesens störte, verwandelte sich nach dem Lesen in einen filmreifen Plot. Ich will damit sagen, dass „Candygirl“ eigentlich erst zu wirken beginnt, wenn man das Buch geschlossen hat. Denn erst dann zeigt sich wohl Merhis Talent, seine Geschichte dermaßen bildlich verfasst zu haben, dass man am Ende meint, nicht ein Buch gelesen, sondern einen Film gesehen zu haben.

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Fazit: Michael Merhi zeigt Talent und sogar Potential nach oben und mit „Candygirl“ hat er eindeutig bewiesen, dass auch harter, ultrabrutaler und abgedrehter Hardcore-Horror (oder eben Thriller) definitiv aus Deutschland kommen kann. Freunde des Festa Extrem-Programms (oder auch Heyne Hardcore) kommen hier voll auf ihre Kosten. Ich hätte mir so manches Mal eine etwas „literarischere“ Ausdrucksform gewünscht, aber das ist immer Geschmackssache. Und dreckig ist nun mal dreckig, oder? 😉

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tag des Zorns von William R. Forstchen

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa Verlag
insgesamt 224Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-373-0
Kategorie: Thriller

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Islamistische Terroristen greifen die USA an.  Sie atttackieren landesweit Schulen und verursachen zeitgleich schwere Unfälle auf den Highways. Unter der Bevölkerung bricht Panik aus, als der religiöse Fanatismus der Angreifer immer schrecklichere Formen annimmt …

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Forstchen hat mich schon mit seinem Weltuntergangs-Szenario „One Second After“ begeistert. Nun legt er ein zweihundert Seiten starkes Buch vor, das dem Leser von Anfang bis Ende den Atem raubt. Der Militärhistoriker entwirft einen terroristischen Angriff, wie er realer gar nicht sein könnte und lässt uns an grausigen Ereignissen teilhaben, die man in seinem eigenen Kopfkino sieht, als wäre es ein Fernsehbericht. Es ist erschreckend, wie Forstchen diese Anschläge beschreibt, als wären sie tatsächlich geschehen.
Der Roman polarisiert, denn man könnte durchaus meinen, Forstchen zieht eine gerade Linie zwischen Gut und Böse, ALLE Amerikaner wären gut und ALLE Islamisten schlecht. Aber der Schriftsteller hat dieses Schwarz/Weiß-Denken nicht, sondert liefert einfach nur ein absolut realistisches Bild, wie solch ein schrecklicher Tag ablaufen könnte. Forstchen beschreibt einfach nur die (fiktiven) Vorgänge, entwickelt aber keine Lösungsvorschläge oder versucht, Beweggründe genauer zu differenzieren. Herausgekommen ist ein rasanter Pageturner, der zwar für den ein oder anderen rassistisch wirken mag, aber dennoch eine grauenhafte Realität aufzeigt, die unsere derzeitige weltpolitische Situation aufzeigt.

Extrem spannend und mit einem hohen Gewaltfaktor schildert Forstchen einen amerikanischen Alptraum, der entfernt an die Ereignisse am 11. September 2001 erinnert. Beklemmend und verstörend nimmt man Anteil an der Angst der Menschen, schleicht durch die Korridore einer besetzten Schule und bangt um das Leben der Kinder. Aber „Tag des Zorns“ ist kein lapidarer politischer Action-Roman, wie es vielleicht klingen mag. Auch wenn die Vorgänge fiktiv sind, könnten sie genau so ablaufen. Und dass Forstchen das momentan typisch amerikanische Feindbild in seinem Roman verarbeitet, ist völlig legitim und handlungsdienlich, zumal er nicht alle „Feinde“ über einen Kamm schert, sondern nur die terroristischen Gruppen als gegnerische Handlungsträger benutzt.

„Tag des Zorns“ ist schockierend und hinterlässt nach dem Lesen einen bleibenden Eindruck, zumal man sich eben solch ein Szenario in der Tat vorstellen kann (aber nicht mag). Kurz, knapp und ohne große Umschweife schleudert Forstchen seine Leser in diesen Alptraum und lässt ihn bis zum Schluss nicht mehr los. Da gibt es keine Sekunde zum Atemholen, denn die Handlung wird schonungslos vorangetrieben. Man darf gar nicht darüber nachdenken, dass solch ein Szeanrio tatsächlich möglich sein könnte …

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Fazit: Atemlos spannend und erschreckend realistisch. William R. Forstchen entwirft einen grauenvollen Terroranschlag, der von der ersten bis zur letzten Seite unterhält, aber auch schockiert.

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Zucht von Andreas Winkelmann

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Die Zucht
Erschienen als Broschur
bei Rowohlt
insgesamt 512 Seiten
Preis:  16,95  €
ISBN: 978-3805250382
Kategorie: Thriller

Der kleine Oleg wird vom abgelegenen Hof seiner Eltern entführt. Er spielte – wie jeden Tag – im Sandkasten des Gartens, der direkt an ein großes Maisfeld grenzt, und verschwand spurlos. Die Mutter war nur einige Minuten in der Küche, um Kartoffeln zu schälen.

Henry Conroy übernimmt den Fall und hat es nicht leicht, denn nichts scheint zusammenzupassen. Was hat ein entführter Junge, der friedlich mit seinen Eltern auf einem Hof lebt und bei denen es nichts zu holen gibt, mit einem ermordeten Hund an der Grundstücksgrenze zu tun?

Manuela Sperling, Conroys neue Kollegin, geht ihm mit ihrer vorlauten Klappe gehörig auf die Nerven. Immer dreist und geradeheraus, damit kommt er überhaupt nicht klar. Hat er sich doch die letzten Jahre so sorgfältig eine Mauer errichtet, über die er niemanden blicken lassen will.

Manuela Sperling hat allerdings auch einen verdammt guten Riecher, denn sie findet eine Spur, die zu illegal gezüchteten und billig verkauften Rassehunden führt. Sperling ist bissig, stur und hartnäckig und so kommt sie dahinter, dass der Fall um die illegalen Züchtungen und den entführten Oleg irgendwie zusammenhängen ….

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Die Zucht ist ein Buch, dass mir der Wunderlich (Rowohlt) Verlag ungefragt einfach mal so zugeschickt hat, mit freundlicher Leseempfehlung des Autors Andreas Winkelmann. Ich hatte dann gelesen, dass Winkelmann bereits eine Reihe von Thrillern um seinen Ermittler Henry Conroy geschrieben hatte. Da dachte ich mir dann natürlich, es sei nicht so sinnig, dann einfach mittendrin einen Teil zu lesen. Aber ich griff dann trotzdem zu und bin begeistert. Der Hauptprotagonist wird gut beschrieben und erklärt, im Laufe der Handlung habe ich Einiges aus der Vergangenheit mitbekommen und weiß nun auch, wo dessen Macken herrühren.

Ab und an wird durch die Figur der Manuela Sperling auf einen kürzlich abgeschlossenen „Wassermann-Fall“ hingewiesen, womit ich nun nichts anfangen konnte. Dass hatte jedoch auf das Verständnis dieser Handlung überhaupt keine Auswirkung.

Winkelmann schreibt spannend und gut, er wirft immer wieder neue Leinen aus, die er aber zuletzt gut und sinnvoll miteinander verknüpft. Ich hatte angenehme Lesestunden mit Conroy und Sperling und habe mitgefiebert und gerätselt. Das erwartet der Leser von einem guten Thriller. Winkelmann scheut nicht vor krassen und blutigen Szenen, etwas zart besaitete Leser sollten somit ein bisschen vorgewarnt werden.

Mein Fazit: Das Lächeln der Samojeden, nein, die Zucht 😉 hat mir sehr gut gefallen, ich war absolut positiv überrascht und danke dem Verlag für die Vorstellung eines – für mich – neuen Autors. Ich werde sicherlich weiteres von ihm lesen.

Ich danke dem Wunderlich/Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

© Buchwelten 2015

Ritualmord von Mo Hayder

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Erschienen als Taschenbuch
im Goldmann Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-442-47285-7
Kategorie: Krimi, Thriller

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Eine Leiche im Wasser, abgehackte Hände und ein geheimnisvolles Wesen, das in Bristol sein Unwesen treibt. Jack Caffery hat London verlassen, um ein neues Leben zu beginnen und sowohl die Polizeiarbeit als auch sein Liebesleben zu vergessen. In Bristol erwartet ihn aber sogleich ein unheimlicher Fall, den er zusammen mit der Polizeitaucherin Flea Marley zu lösen hat.

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Mo Hayders dritter Band der Jack Caffery-Reihe spaltet ja irgendwie die Gemüter der Fangemeinschaft und Leser. In einem Punkt gebe ich den Negativ-Bewertern Recht: „Ritualmord“ ist bei weitem nicht so brutal wie die beiden Vorgänger. Aber muss denn eine Reihe (sei es nun Buch oder Film) immer im gleichen Fahrwasser schwimmen? Sind nicht auch die Fälle der Polizei immer unterschiedlich schrecklich oder gewaltsam?

Anfangs  hat mich der Ortswechsel irritiert, denn ich fand die Nebenhandlung von Cafferys Privatleben in den ersten beiden Romanen sehr ansprechend und wollte natürlich wissen, wie es weitergeht. Dementsprechend „enttäuscht“ war ich dann erst einmal,  als ich erfuhr, dass der Ermittler einen Ortswechsel vorgenommen hat. Doch die Enttäuschung hielt nicht lange an, denn geschickt, und vor allem sehr gemächlich, hat Mo Hayder eine neue Frau an Jack Cafferys Seite gestellt: die Polizeitaucherin Flea Marley, die es mit Sicherheit bisher nicht leicht in ihrem Leben hatte. Fleas Lebens- und Familiengeschichte hat mich total begeistert und ich vergaß schon bald die Seitenhandlung der ersten beiden Romane, denn Fleas Einstieg ist unglaublich gut.

„Ritualmord“ ist ruhiger als seine Vorgänger, aber genauso stimmungsvoll. Unheimliche Orte und abgefahrene Drogenhalluzinationen  schmücken den aus meiner Sicht gut aufgebauten Plot aus. Mo Hayders Detailreichtum in Sachen Ermittlungstechnik und Forensik ist immer wieder erstaunlich und trägt dazu bei, die Geschichte äußerst realistisch wirken zu lassen. Auch wenn ich persönlich afrikanische Rituale, Opferungen und dergleichen nicht mag, so hat mich „Ritualmord“ dennoch überzeugt. „Ritualmord“ ist für mich nicht besser oder schlechter als „Der Vogelmann“ oder „Die Behandlung“, sondern einfach nur anders. Mo Hayder hält konsequent ihren gehobenen Schreibstil und die Richtung, die sie mit ihren Caffery-Romanen von Anfang an eingeschlagen hat. ich freue mich schon auf die nächsten Bände.

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Fazit: Weniger brutal als die Vorgänger, aber dennoch konsequent die Caffery-Linie fortsetzend, wird im dritten Band eine neue Frau an Cafferys Seite gestellt, deren Lebensgeschichte absolut interessant ist. Mo Hayder bleibt ihrem Weg treu und liefert erneut ein absolut empfehlenswertes Stück Thrillerliteratur ab.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Flußfahrt von James Dickey

flußfahrt

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Rowohlt
insgesamt 268 Seiten
Preis: ???
ISBN: vergriffen
Kategorie: Thriller

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Vier Großstädter planen, einen unberechenbaren Fluss mit dem Kanu zu bezwingen und eine abenteuerliche „Männerzeit“ zu verbringen. Doch der harmlose Ausflug wird bald zu einem schrecklichen Alptraum, bei dem es nur noch ums Überleben geht.

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Bereits in den 70er Jahren schuf James Dickey diesen beeindruckenden Roman über ein Abenteuer jenseits der Zivilisation, Männerfreundschaften und den Kampf ums Überleben. Dieser Horrortrip inmitten düsterer Wälder und reißender Flüße gräbt sich dem Leser unweigerlich ins Gedächtnis. Hinter dieser an sich einfachen Geschichte könnte sich so mancher Thriller von heute eine Scheibe abschneiden, denn hier geht es um menschliche Abgründe, Hoffnungen und reinen Überlebensinstinkt.  Man macht diese Reise von der ersten Seite an mit und spürt sämtliche Gefühle des Ich-Erzählers. Und während in der heutigen Zeit krampfhaft bei Thrillern versucht wird, ein bombastisches Finale hinzuzaubern, versickert Dickeys Parabel in den letzten Seiten auf den ersten Blick mit einem ruhigen, fast schon melancholischen Ausklang, der dennoch beim Leser auf all die unbeantworteten Fragen des Plots hinweist und dadurch eindeutig mehr Tiefgang und vor allem Magenkribbeln verursacht als so mancher zeitgenössische Roman dieser Art. Die Gegenüberstellung zwischen Arbeits- und Alltagswelt und purem Abenteuer könnte besser nicht geschehen. Und wie Dickey den Grat meistert, wie aus einem „simplen“ Abenteuer ein Höllentrip ums nackte Überleben wird, ist schon grandios. „Flußfahrt“ ist Abenteuerroman, melancholische Hinterfragung des Lebenssinns, Erklärung des instinktiven Lebenserhaltungstriebs und brutale, schockierende Geschichte über menschliche Verhaltensweisen in einem.

Dickeys Schreibstil ist gehoben, aber dennoch einfach, so dass man sich ohne viel Zutun in die Geschichte fallenlassen kann und mitgerissen wird. Man hört das Rauschen des wilden Flußes und riecht den Wald, fiebert mit den Protagonisten mit und erlebt hautnah die Veränderungen, die in den Menschen vorgehen, als ein unvorhergesehenes Ereignis in ihren Abenteuertrip eindringt und die Idylle roh zerstört. Der Roman vermittelt Abenteuer und Spannung im besten Sinne und man kann sich schwerlich dem Sog dieser Geschichte entziehen. Obwohl alles aufs Wesentliche reduziert wird, läuft in den Gedanken des Lesers ein wuchtiger Film ab, der so manches Mal an David Osbornes „Jagdzeit“ erinnert.

Kongenial in Szene gesetzt wurde dieser Roman im Jahr 1972 von John Borrman unter dem Titel „Beim Sterben ist jeder der Erste“. Doch sich nur den Film anzusehen, bringt nicht das ganze Ausmaß des Geschehens ans Tageslicht wie es in Dickeys Romanvorlage der Fall ist. Buch und Film haben für mich eindeutigen Kultcharakter.

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Fazit: Spannend, dramatisch, poetisch, menschlich, unmenschlich und brutal. James Dickeys Wildwasserabenteuer in einer einsamen Natur ist Kult.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten