Junktown von Matthias Oden

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 400 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31821-2
Kategorie: Science Fiction, Krimi

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In einer Welt, in der der Konsum von Drogen gesetzlich vorgeschrieben ist, wird Inspektor Solomon Cain in Junktown zu einem Mord-Tatort gerufen. Das Opfer ist ein höheres Maschinenwesen mit Gefühlen, eine sogenannte Gebärmutter, die für den Staat Geburten austrägt. Während Cains Ermittlungen stellt sich heraus, dass es nicht nur ein „einfacher“ Mord war, sondern eine Tat, die sich aus Vertuschungen zu einem sensationellen Skandal entwickelt. Bald ist Cain ein einsamer Kämpfer gegen einen mächtigen Gegner …

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Zugegebenermaßen dauerte es etwas, bis ich mich in den Debütroman von Matthias Oden eingefunden hatte. Obwohl sein Schreibstil klar und flüssig ist, musste ich mich dennoch irgendwie daran gewöhnen und mich mit ihm vertraut machen. Jede Menge Fremdbegriffe, mit denen man zuerst einmal nichts anfangen kann, werden einem auf jeder Seite präsentiert und verunsichern etwas. Da mag der ein oder andere ungeduldige Leser vielleicht sogar resigniert aufgeben, weil er zu wenig von dem Ganzen versteht. Doch wenn man die ersten Seiten hinter sich gelassen hat, wird man mit einem tollen, ideenreichen Krimi-Plot in Science Fiction-Atmosphäre belohnt. Odens Roman wirkt wie eine Mischung aus Philip K. Dicks „Blade Runner“ , George Orwells „1984“ und einem Schuss Film Noir. Eine wirklich außergewöhnliche und stimmungsvolle Atmosphäre zieht sich durch den kompletten Roman und verleitet oft zum Weiterlesen, obwohl man schon längst hätte aufhören wollen.

Am faszinierendsten an „Junktown“ fand ich allerdings den originellen und unersättlichen Einfallsreichtum, der sich auf fast jeder Seite eröffnet. Alleine die Ideen zu erfassen gleicht einem unglaublichen Abenteuer, das Oden dann noch geschickt in eine äußerst glaubwürdige und nachvollziehbare Handlung verwebt. Die Maschinenwesen erinnerten mich, wie gesagt, ein wenig an „Blade Runner“, aber Matthias Oden geht definitiv einen eigenen Weg und erschafft eine Zukunftsvision, in der man sich verlieren kann, wenn man sich darauf einlässt beziehungsweise einlassen kann.  „Junktown“ ist auch definitiv politisch, vieles ist offensichtlich, anderes zwischen der Zeilen versteckt. Wer sich mit Politik auskennt, wird einiges entdecken. Erfreulicherweise ist aber die Geschichte auch  für diejenigen Leser, die sich nicht besonders für Politik interessieren, absolut spannend und nachvollziehbar.

Mathias Oden hat eine zukünftige Welt entworfen, die gar nicht so sehr abwegig wirkt. Drogenkonsum als Pflicht mag unwahrscheinlich klingen, aber durch solch eine Vorgehensweise hätte die Regierung absolute Kontrolle über ihre Bürger. Das wäre doch selbst für die heutigen Politiker mehr als erstrebenswert, oder? Es macht einfach unglaublich Spaß, den Ermittlungen des Inspektors zu folgen und sich in dem detailliert entworfenen Weltbild einer Zukunft zurechtzufinden. Der Plot hätte durchaus noch ein wenig mehr Gesellschaftskritik vertragen, aber letztendlich hätte der Autor dann den Kreis einer interessierten Leserschaft massiv eingeschränkt. So verträgt sich ein spannender Plot aber mit sarkastischen, politischen Beanstandungen hervorragend.

Was dem Autor auch absolut gut gelungen ist, ist die Charakterzeichnung und die Gefühlswelt einer Mensch-Maschine. Neben der Krimihandlung webt Oden auch eine Liebesgeschichte mit ein, die mir persönlich absolut gefallen hat, so dass ich mir in der Tat mehr davon gewünscht hätte. Zum einen hat dieser Beziehungsstrang die Handlung ein wenig aufgelockert, zum anderen hat er der erfundenen Zukunftswelt auch die nötige Authentizität verliehen, denn Sex mit Maschinen könnte in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft tatsächlich zur Realität werden.
Viele der außergewöhnlichen Ideen werden nur mit einem einzigen Satz angesprochen und regen den Leser dazu an, darüber nachzudenken, was sich denn  dahinter verbirgt. Für den ein oder anderen mag das zu wenig sein, für mich brachten genau diese Stellen  meine Fantasie und mein Kopfkino zum Einsatz. Da wird nicht lange erklärt, sondern zum Beispiel einfach nur der Begriff „Spermabad“ in den Raum geworfen und der Leser kann sich selbst ein Bild davon machen, wie so eine Institution aussieht. Ich finde, man muss nicht alles vorgesetzt und detailliert beschrieben haben, sondern kann auch mal selbst seine Fantasie spielen lassen. In dieser Hinsicht hat Matthias Oden es aus meiner Sicht richtig gemacht.

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Fazit: Matthias Oden entwirft mit „Junktown“ ein fast trostloses Zukunftsbild. Düster, dreckig und innovativ wird ein spektakulärer Mordfall beschrieben, dessen Atmosphäre im Kopf haften bleibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Maschine von Andrew Bannister

maschine

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 414 Seiten
Preis:  16,99  €
ISBN: 978-3-492-70409-0
Kategorie: Science Fiction

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Vor Millionen von Jahren wurde die Spin-Galaxie von gottgleichen Erbauern erschaffen, eine gigantische Ansammlung aus Planeten und Sternen. Ein Krieg hat fast alle Welten des Spin zerstört.
Viklun Haas, Oberbefehlshaber der Hegemonie, will seine Herrschaft ausbauen und sämtliche Rebellen vernichten. Unter ihnen befindet sich auch seine Tochter Fleare, die auf einem Planeten ein uraltes Artefakt entdeckt, das eine Maschine der Schöpfer des Universums ist. Ein Kampf um dieses Artefakt entbrennt …

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Es dauerte, ehrlich gesagt, eine Weile, bis ich mich in Bannisters Debütroman eingefunden hatte. In erster Linie lag das wohl am gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der ein episches Science Fiction-Abenteuer in eher flapsiger Tonart erzählt. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Freund von solch humoristisch angehauchten Geschichten, die eigentlich ernst und bombastisch sein sollten. Aber Bannister hat es zumindest in der ersten Hälfte seines Romans geschafft, mich durch innovative und gut durchdachte Ideen zu überzeugen.
Leider habe ich in den ersten beiden Dritteln keine wirkliche Beziehung zur Hauptprotagonistin und den Nebendarstellern aufbauen können. Die Charaktere wurden irgendwie zu wenig beschrieben und konnten dadurch an Liebenswertigkeit nicht punkten. Dennoch ließ sich das Buch irgendwie schwer aus der Hand legen, weil man doch immer wissen wollte, wie es weitergeht.

Bannisters Weltentwurf stellt nichts Neues dar, macht aber durch teils eigenwillige Beschreibungen neugierig und kann durchaus überzeugen, im Gegensatz zur bereits erwähnten Ausarbeitung der Charaktere. In seinen besten Momenten, vor allem im letzten Drittel, nähert sich „Die Maschine“ ein wenig den Aussagen, die auf dem Buchrücken zu lesen ist: „“Eines der zehn wichtigsten Bücher des Jahres 2016!“, geschrieben von SFX oder „Eine Space Opera mit einem finsteren Gegner, der Darth Vader wie ein Anfänger aussehen lässt!“, geschrieben von SFFWorld.
Den Feind in Bannisters Buch mit Darth Vader zu vergleichen ist allerdings mehr als weit hergeholt, dazu reichen die epischen Ausmaße im ersten Teil der geplanten Trilogie bei weitem nicht. Allerdings hat Bannister eine sehr liebenswürdige „Kreatur“, sozusagen einen Geist, namens Muz erschaffen, der mich von allen Beteiligten am meisten überzeugt hat und den ich bereits nach wenigen Seiten ins Herz geschlossen hatte.

Andrew Bannister wollte mit „Die Maschine“ etwas großes erschaffen, kann aber die Spitzenautoren der Science Fiction nicht erreichen, was aber keinesfalls heißen soll, dass sein Debütroman schlecht ist. Ganz im Gegenteil: „Die Maschine“ geht auf gewisse Art und Weise sogar neue Wege und kann, sofern man sich auf den Stil des Autors einlassen kann, durchaus unterhalten.
Gerade im letzten Drittel läuft Bannister zu einer Hochform auf, die man aufgrund der ersten beiden Drittel gar nicht mehr erwartet hätte. Wären die ersten beiden Drittel in genau jenem Stil und Tempo verfasst, hätte Andrew Bannister mich begeistern können. So aber teilt sich der Roman in mittelmäßige und über dem Durchschnitt liegende Teile auf.  Eines steht auf jeden Fall fest: Sowohl die Story als auch die entworfene Galaxie lassen den Leser nicht los und bleiben im Gedächtnis haften.
Größter Kritikpunkt ist für mich auf jeden Fall die oft benutzte flapsige und manchmal auch vulgäre Sprache, die für eine Space Opera diesen Ausmaßes schlichtweg unpassend und störend ist. Da wäre weniger auf alle Fälle mehr gewesen und hätte dem Roman einen höheren Platz in meiner Science Fiction-Rangliste verschafft. Gespannt bin ich trotzdem, wie es weitergeht und ich bin vor allem sicher, dass sich das Handwerk des Autors in der Fortsetzung verbessern wird. Denn bereits im letzten Drittel seines Debüts hat er bewiesen, dass er durchaus das Potential dazu hat, handfeste, gute Science Fiction zu schreiben.

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Fazit: Interessanter Debütroman mit einem gut durchdachten Weltentwurf, der allerdings von der Presse mehr Lob erhalten hat, als er eigentlich verdient hätte.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

White Horse von Alex Adams (4/5)

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Erschienen als
Klappenbroschur
im PIPER Verlag
448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-4927-0252-2
Kategorie: Endzeitdrama/Fantasy

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Zoe ist Putzfrau – oder auch Reinigungskraft – bei einem großen Medizinkonzern. Sie schrubbt die Böden, kümmert sich um die Versuchstiere und mag ihren Job. Zoe ist bei weitem nicht dumm, sondern hat diese Arbeit nur angenommen um sich bei einem sicheren Einkommen in Ruhe Gedanken zu machen, ob und was sie evtl. später einmal studieren möchte.

Außerdem ist Zoe aber auch eine geliebte Tochter, Schwester und sie hat Freunde in ihrer Umgebung. Einen kleinen Sicherheitswahn hat sie auch. Ihre Wohnung ist durch extreme Alarmsysteme gesichert, die gut ausgeklügelt sind. So ein bisschen wie Fort Knox.

Um so erstaunlicher ist, dass eines Tages mitten in ihrem Wohnzimmer ein seltsames Gefäß auf dem Boden steht. Einfach so. Nichts ist gestohlen, nichts ist zerstört worden. Da steht nun plötzlich dieses versiegelte Teil zwischen Sofa und Fernseher auf dem Teppich.

Zoe ist verwirrt und neugierig, macht aber keine Anstalten, sich das Gefäß näher anzusehen.

Stattdessen sucht sie sich einen Therapeuten. Sie möchte über dieses aufgetauchte Problem mit einem Fachmann sprechen, ist jedoch nicht ganz ehrlich. Sie sagt bereits in ihrer erster Sitzung, dass sie von diesem Gefäß träumt und dieser Traum sie nicht loslässt.

Die Sitzungen tun Zoe gut, sie baut ein angenehmes Verhältnis zu dem Therapeuten auf, das Gefäß rührt sie dennoch nicht an. Sie lebt weiterhin ihren Alltag, geht zur Arbeit, trifft ihre Freunde und Nachbarn.

Doch dann beginnen sich die Dinge zu ändern: Die Menschen in ihrer Umgebung werden krank, ein üblicher Brech-Durchfall befällt sie und noch etwas ist seltsam. Sämtliche Katzen, die im Appartementblock leben, verschwinden.

Zoe fragt sich, was passiert ist und ob evtl. dieses unscheinbare aber störende Gefäß in Ihrer Wohnung damit zu tun hat?

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Zunächst war ich ein wenig skeptisch, das gebe ich zu. Der Text auf dem Buchrücken hat an Inhalt nicht viel hergegeben, aber dennoch neugierig gemacht. Mir war klar, dass mich in etwa ein Endzeitdrama erwartet und das trifft auch zu.

Die Kapitel springen immer zwischen „Damals“ (vor der Katastrophe) und „Jetzt“ (die Zeit, in der Zoe um ihr Überleben kämpft). Das gestaltet das Lesen als sehr kurzweilig und rasant. Wobei diese beiden Zeitspannen innerhalb des Romans immer mehr zusammenrücken.

Der Schreibstil war gut, stellenweise sehr gehoben, ausführlich und bildhaft. Hier eine kleine Textstelle (S.330)

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Flammen lecken über einen Lastwagen auf der anderen Seite des Lagers, küssen das Metall mit der Zärtlichkeit eines Liebhabers. Höher und höher züngeln sie, bis die Nacht explodiert. Das Licht hinterlässt grelle Flecken auf meiner Netzhaut, als sich der Feuerball entfaltet, eine Blume, deren Blütenblätter sich aufspreizen, weiter … immer weiter … und dann zurücksinken an den Ort ihrer Entstehung.“

Eine Stelle, die hängengeblieben ist, denn die gefiel mir sehr gut.

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Natürlich sind die Erwartungen bei Aussagen auf dem Buchrücken, die u.a. mit Stephen King vergleichen, entsprechend hoch. Hier muss ich sagen, an die Stimmung von Kings „The Stand“ kommt das Buch für mich nicht ran.

Hierzu wurde ich bis zuletzt mit der Protagonistin nicht wirklich warm, auch wenn sie sympathisch war und ein herzensguter Mensch, der letzte Kick kam für mich nicht ganz rüber.

Für mich hat sich die Story aber ab der Hälfte verbessert, die Auflösung des Ganzen und auch das Ende sind Geschmackssache. Ich fand den Schluss an sich nicht so brillant. Aber das empfindet nun mal jeder Leser anders. Es gibt auch viele geniale Kings – um bei dem Vergleich zu bleiben – die ein eher schwaches Ende haben.

Trotzdem hat mir der Roman gut gefallen und ich habe Zoe gerne begleitet auf ihrem schweren Weg. Eine düstere Stimmung kommt sehr wohl auf schlimmerweise kann so eine Katastrophe in unserer heutigen Zeit sicherlich wirklich – in ähnlicher Weise – eintreffen.

Das Cover ist sehr gut gelungen. Ein verlassener Ort, mitten darin steht Zoe erschöpft im Regen. Die Farben sind dunkel und düster gehalten. Es passt sehr gut zur Geschichte und ist ansprechend.

Alex Adams ist übrigens eine Frau und dieser Roman ist ihr Debüt und „White Horse“ der Auftakt einer Trilogie.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein dunkles Endzeitdrama, in dem dennoch die Gefühle und Menschlichkeit eine große Rolle spielen, das rasant geschrieben und abwechslungsreich ist. Ein uralter Hintergrund dient als Ursprung der Story und die Umsetzung ist gelungen und nicht mal abwegig. Der Schluss für mich eher weniger überzeugend, aber sicherlich Ansichtssache.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Stadt aus Trug und Schatten von Mechthild Gläser (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
im LOEWE Verlag
416 Seiten
Preis: 17,95  €
ISBN 978-3-7855-7402-7
Kategorie: Fantasy/All Age

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Die 17-jährige Flora lebt mitten im Ruhrgebiet, in Essen um genau zu sein und eigentlich ist sie ein Teenager wie jeder andere auch.

Sie geht zur Schule, ab und an mit ihrer besten Freundin shoppen und sie tanzt Ballett, zumindest versucht sie es. Sie selber behauptet, sie sei eine sehr schlechte Tänzerin.

Flora lebt gemeinsam mit ihrem Vater und der Haushälterin in einer Wohnung, die so alarmgesichert ist wie der Buckingham Palace. Floras Vater ist etwas eigensinnig in Vorstellung, jemand könne einbrechen und seine wertvollen Fische stehlen, die in der gesamten Wohnung in diversen Aquarien gehalten werden.

Umso überraschter ist Flora, als ihr plötzlich der finnische Austauschschüler Marian vorgestellt wird, der ab sofort im Arbeitszimmer des Vaters schlafen wird. Seit 8 Jahren ist Flora mit Wiebke befreundet und sie durfte nicht ein einziges Mal zu Flora zu Besuch kommen und nun? Urplötzlich nimmt ihr Vater einen fremden Jungen auf. Flora ist sich sicher, dass da etwas nicht stimmt und mehr dahinter steckt.

Floras Welt gerät etwas aus den Fugen als sie – die NIE träumt – urplötzlich in ihrem Traum in einer Stadt namens Eisenheim erwacht. Eine gesamte Stadt, mit so realen Menschen und Wesen, dass Flora diesen Traum als erschreckend lebendig erlebt.

Als sie dann auch noch tagsüber Schattenwesen sieht, die außer ihr niemand erkennen kann, die z.B. neben der U-Bahn herlaufen, da glaubt Flora zwischenzeitlich völlig geisteskrank zu sein.

Doch als Flora in der zweiten Nacht erneut in Eisenheim erwacht, da erfährt sie, dass sie keinesfalls dabei ist, den Verstand zu verlieren, sondern dass sie eine Wandernde ist und von nun an jeden Tag und jede Nacht zwei Leben leben wird. Und Flora erkennt, dass ihr bisheriges Familien- und Alltagsleben nicht das gewesen ist, was es zu sein schien …

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Am 22.04.2012 hatte ich das Vergnügen einer kleinen Lesung von Mechthild Gläser zu lauschen, als sie als Überraschungsgast von Ralf Isau auf dessen Lesung im Ruhrgebiet vorgestellt wurde. Mir war die scheinbar stille und ruhige Autorin sofort sympathisch und das Vorgelesene hat mich auf Ihr Werk gleich neugierig gemacht.

Mechthild Gläser hat einige Seiten zum Besten gegeben und im Nachhinein noch von Ralf Isau gestellte Fragen beantwortet. Sie war nicht offensichtlich nervös und hat interessante Auskünfte erteilt.

Sicher stecke auch ein kleiner Teil „Flora“ in ihr, sie selber tanzt z.B. auch Ballett und behauptet von sich, sie sei richtig schlecht darin.

Schon früh hat Mechthild Gläser das Schreiben begonnen und für sie geht mit der Veröffentlichung ein Traum in Erfüllung. Aber ich denke, Mechthild muss selber auch eine sehr große Leserin sein. Denn sonst hätte sie nicht bereits jetzt, im zarten Alter von 26 Jahren 😉 einen solch guten, gehoben ausformulierten Schreibstil entwickeln können.

Die Protagonistin der Autorin ist gerade 17 Jahre alt, in diesem Alter sprechen viele Jugendliche nun mal flapsig und umgangssprachlich. Sicher hat auch ihre Flora diese Eigenschaften, dennoch hat die Autorin einen gehobenen Stil das gesamte Werk über beibehalten.

Die Szenen wechseln immer zwischen der realen Welt und der Schattenwelt Eisenheims, nicht immer kapitelweise, manchmal erfolgen die Sprünge auch innerhalb eines Kapitels. Das gestaltet das Lesen zunächst einmal sehr kurzweilig. Dann ist die Welt, die die Autorin geschaffen hat, eine hochinteressante, spannende, düstere aber auch sehr schöne Welt. Ich würde sie glatt als farbenfroh bezeichnen, würden in Eisenheim nicht die Farben fehlen und alles nur in schwarz/weiß/grau-Tönen erscheinen.

In Eisenheim tummeln sich u.a. sämtliche bekannten internationalen Bauwerke, die jedoch völlig andere Funktionen haben. Dann gibt es noch wunderbare Erfindungen, wie kleine Lichtplaneten, die die Bewohner begleiten oder ausgefallene Transportmittel.

Immer wieder habe ich während des Lesens darauf geachtet, etwas nachgemachtes oder abgekupfertes zu entdecken. Vielleicht ein kleiner Einfluss der Reihe um einen Zauberlehrling oder Angleichungen zu Vampir-Teenagern. Ich habe nichts finden können. Hier scheint die Autorin wirklich ihrer eigenen Fantasie freien Lauf gelassen zu haben und wenn sie durch andere Werke inspiriert wurde, dann hat sie dies so gut verwoben, dass es nicht auffällt und als Eigen durchgeht.

Ich hatte großen Spaß bei diesem Roman und war auch gar nicht scharf darauf, dass die Geschichte zu Ende geht. Denn mir sind die Figuren sehr ans Herz gewachsen und hier sind nicht nur die Hauptfiguren gemeint.

Auch die Nebenrollen habe alle eine wichtige Funktion inne und sind somit charakterlich gut ausgearbeitet und interessant.

Das Buch präsentiert der Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband (schön!) mit einem weißen Cover, das eine pinkfarbene Schrift und Bild ziert. Dies mag vllt. die/den ein oder andere(n) abschrecken, weil es wie ein „Mädchen-Ding“ wirkt. Nicht irre leiten lassen, dass ist nicht der Fall. Ich denke eher, der Verlag wollte einen Gegensatz zum farblosen Eisenheim der Schattenwelt schaffen und das ist gut gelungen. Mir gefällt das Cover gut.

Es scheint, dass die Geschichte um Flora weiter geht, denn auf der Verlagsseite ist der Roman mit „Band 1“ beschrieben. Ich würde mich freuen, denn gerne werde ich mit Flora und ihren Wegbegleitern weiter durch Essen am Tag und Eisenheim bei Nacht streifen.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein Buch, dass mich sehr positiv überrascht hat. Mit soviel durchgehender Qualität und guten Ideen, geschrieben in einem sehr schönen Stil, hatte ich nicht gerechnet. Spannung, Düsternis, Verrücktes, Fantastisches uvm. hat dieses Debüt von Mechthild Gläser zu bieten. Auf nach Eisenheim!

Ich danke dem LOEWE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer sich noch ein kleines Video anschauen möchte,

der sollte mach hier vorbeisehen:

Buchtrailer bei Youtube 

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© Buchwelten 2012

Sommerfalle von Debra Chapoton (4/5)

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Erschienen als
Klappenbroschur
im  IVI Verlag
388 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  978-3-492-70265-2

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Rebecca, das ist ein hübscher amerikanischer Teenager mit fast 18 Jahren, blond, sportlich, lieb und beliebt. Sie hat einen tollen Freund, Freundinnen und die Highschool beendet. Ein Mädchen eben, wie man es aus vielen amerikanischen Filmen kennt.

Als sie gemeinsam mit ihrer Freundin Sarah im Einkaufscenter shoppen geht, fällt ihrer Begleiterin ein recht ansehnlicher Junge auf, der Rebecca anstarrt. Die beiden denken sich jedoch nichts weiter dabei, Jungs starren die beiden Mädels schon mal öfters an. Dann geht sie zur Toilette und kehrt nicht zurück.

Rebecca erwacht in einem dunkeln, fensterlosen Raum mit niedriger Decke. Sie ist mit Handschellen an ein Bett gefesselt. Neben ihr baumelt ein Eimer von der Decke, der dazu dienen soll ihre Notdurft zu verrichten.

Nach dem ersten Schock beginnt die aufgeweckte Rebecca sofort sich eine mögliche Flucht zu überlegen. Denn auch wenn sie Angst hat, weil ihr bewusst ist, dass sie entführt worden sein muss, hindert es sie nicht daran dringend etwas an ihrer Situation ändern zu wollen. Sie schafft es tatsächlich sich aus den Handschellen zu befreien und aus ihrem Verlies zu fliehen.

Sie läuft geradewegs in den Wald – ohne die geringste Ahnung wo sie ist oder wo sie hinsoll – doch all dies hat der Entführer vorhergesehen und dementsprechend seine Pläne geschmiedet ….

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Dieser Roman ist ein Jugend-Thriller aus dem neuen Imprint IVI des Piper Verlages. Diese neue Sparte soll nun die jugendlichen Leser ansprechen und dieser Roman hat mich aus zwei Gründen neugierig gemacht:
Erstens war da natürlich das wunderschöne Cover mit dem Schmetterling, dass mich zugegebenermaßen sofort ansprang. Nicht nur weil ich diese Flatterlinge sehr mag und sie mich eigentlich täglich begleiten, sondern auch weil das Jugendcover mal keine schrägen Augen, Vampire oder Elfenwesen darstellt. 
Zusätzlich hat mich der Klappentext direkt angesprochen und diese zwei Faktoren sollten ausreichen.

Die Autorin hat diesen Roman in Amerika in Eigenregie veröffentlicht und dieser wurde dort zum Ebook Besteller. So ist er dann letztendlich wohl in Deutschland angekommen und das zu Recht.

Der Stil von Debra Chapoton ist nicht übertrieben anspruchsvoll, aber auch nicht schlicht und einfach nur für Jugendliche geschrieben. Sie erzählt in einem angenehmen Schreibstil, der es schafft sowohl Umgebung der Handlung als auch Spannung und Gefühle der Figuren rüberzubringen.

Die Kapitel sind recht kurz gehalten und innerhalb dieser immer noch in verschiedene Abschnitte unterteilt (und diese sind immer mit einem hübschen Schmetterling versehen 🙂 ).

Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Zeit- und Ortssprünge innerhalb der Handlung. Gegen Ende des Buches hat sich die Erzählung auf weniger Handlungsstränge beschränkt, doch die Wechsel gab es bis zum Schluss.

Die Autorin wechselt nicht nur die Erzählung aus den verschiedenen Sichten der Protagonisten. Sie wechselt auch immer wieder zwischen naher und ferner Vergangenheit der verschiedenen Charaktere, was einen guten Einblick in deren vergangenes Leben und die entsprechenden Vorgehensweisen im Roman gibt.

Das Buch ließ sich durch diese erwähnten Punkte sehr rasant lesen und hat Spaß gemacht.

Allerdings ist der Roman für mich nicht wirklich ein Thriller, dafür ist er eher zu ruhig. Aber wahrscheinlich müssen Verlage ein Werk einfach in irgendeine Schublade packen und die Kategorie Spannungsbuch gibt’s in Deutschland ja nicht.

Spannend war der Roman, aber eher eine ruhige Variante und dennoch gelungen.
Mich hat die Erzählung ein wenig an eine Mischung aus „Das Mädchen“ von Stephen King und „Selbstauslöser“ von Marko Kilpi erinnert. Zumindest was die Handlung und Dramatik in der Natur angeht. Mein Vergleich mag vielleicht hinken, ist auch nur ein Eindruck meinerseits.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein gutes Spannungsbuch, das rasant, angenehm und flott geschrieben ist. Versehen mit interessanten, gut dargestellten Charakteren und sicherlich nicht nur für Jugendliche interessant. Die Autorin ist Lehrerin, man merkt es ihrem Buch an, im Positiven Sinne.

Ich danke dem IVI – Verlag für die Bereistellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Der Sog von Stephen M. Irwin (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Blanvalet
544 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN:  978-3-442-37575-2

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Nicholas (Nick) Close ist gebürtiger Australier, lebt aber jedoch die letzten Jahren in London. Dort hat er gemeinsam mit seiner jungen Ehefrau Cate ein alte Wohnung angemietet, die sie gemeinsam zu einem kleinen Kuschelnest gestalten wollen. Doch während der Renovierungsarbeiten geschieht ein Unglück, dass Nicks Leben völlig verändert.
Eigentlich geht nur das Schleifpapier aus und Nick will in den nächsten Baumarkt fahren um Nachschub zu besorgen. Dummerweise nimmt er das Motorrad, weil der PKW extrem zugeparkt ist.

Als Nick auf der Fahrt einen Unfall hat und Cate per Telefon benachrichtigen möchte, stürzt sie in den Moment in welchem sie das Telefon erreichen will von der Leiter und schlägt auf dem Wannenrand auf. Sie bricht sich das Genick und stirbt.

Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es war. Nicholas leidet unter Selbstvorwürfen, extremen Kopfschmerzen und zieht sich immer mehr zurück. Das schlimmste jedoch ist, dass er plötzlich Geister sieht. Besser gesagt, er sieht ihren Tod, sieht sie sterben. Und das immer und immer wieder. In einer Endlosschleife sieht er Menschen, die z.B. auf der Straße überfahren werden und auch seine geliebte Cate immer wieder von der Leiter stürzen.

Nick sieht den einzigen Ausweg darin, zurück nach Hause zu gehen. Wieder nach Australien in seine Heimatstadt Tullong. Doch auch dort warten schlimme Erinnerungen auf ihn. Im Alter von 10 Jahren hat er dort seinen besten Freund Tristam verloren. Damals wurden sie von einem Mann in den unheimlichen Wald gedrängt und nach dem die Jungen sich trennten, hat Nick Tristam nie wieder lebend gesehen.

Der Wald ist auch nach so vielen Jahren noch genauso düster und vor allem unangetastet wie in seiner Kindheit. Nie wurde er gerodet und als Bauland verwendet und auch heute noch strahlt der Wald die seltsame, ungreifbare Gefahr aus. Dieser Ort scheint ein schreckliches Geheimnis zu wahren und Nick wird magisch von ihm angezogen.

Als Nick kurz nach seiner Heimkehr Zeuge wird, wie ein weiteres Kind in dem Wald verschwindet und einige Tage später seine Leiche gefunden wird kann Nick nicht anders. Er muss dem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen, er wird von diesem dunklen Wald angezogen, wie von einem Sog …

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Ich habe mir das Buch mit einem Gutschein gekauft. Der Klappentext machte mich neugierig und da es sich um ein Debüt handelte, habe ich zugegriffen.

Kurz und knapp: ein fantastisches Buch. Fesselnd und spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, er war sehr detailgetreu und bildlich. Hier möchte ich einfach ein kleines Beispiel bringen:

„Seine Beine stießen an dicht mit Moos bewachsene Wurzeln. Krakelige Zweige zerkratzten sein Gesicht, und dunkle, stechende Blätter klatschten ihm an den Kopf. Parasitenranken, dick wie Handgelenke und mit grauem Pilz gesprenkelt, ringelten sich wie gestürzte Fragezeichen, lauernd und würgebereit. Die breiten, gestreiften Stämme einheimischer Ulmen und alter Feigen waren nur eine Armspanne entfernt, und das Blätterdach darüber wurde immer dichter, bis es fast wie ein Festkörper war und nur winzige Himmelssaphire in die smaragdgrüne Düsternis darunter blinkten.“

In dieser Art und Weise zieht sich der Stil des Autors durch das ganze Buch. Die Ausarbeitung der Charaktere war sehr greifbar und genau. Nick, den Protagonisten, zeichnet eine traurige Einsamkeit, ein verbissener Ehrgeiz und ein ehrliches Wesen aus.

Seine Mutter ist eine sehr misstrauische, skeptische Person. Sie ist in sich gekehrt, kann nicht aus ihrer Haut heraus und kämpft täglich mit und gegen ihre eigenen Emotionen.

Suzette, Nicks Schwester, ist eine offene, lebenslustige Person, die die Sorgen und Vermutungen ihres Bruders sehr ernst nimmt und ihn in seinen Nachforschungen voll und ganz unterstützt. Etwas das der Protagonist selber von seiner Schwester niemals erwartet hätte.

Der Autor hat den Spannungs- und Auflösungsbogen der Handlung gut gesponnen und die Recherchen, die zur Aufklärung beitragen waren sehr interessant und geschickt miteinander verwoben.

Dieser Roman ist für mich ein Mystery-Thriller, den ich kaum aus der Hand legen konnte und daher ein absolut gelungener Debüt Roman. Ich kann ihn sehr empfehlen, möchte aber eine Kleinigkeit anmerken:

Leser mit einer Spinnenphobie, die diese haarigen Krabbeltiere auch gelesen nicht ertragen können, sollten sich überlegen das Buch zur Hand zu nehmen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein sehr gutes geschriebenes, fesselndes und spannendes Thriller-Werk der anderen, düsteren Art.

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© Buchwelten 2012

ENDE von David Monteagudo (4,5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
bei rowohlt
352 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN:  978-3-498-04520-3

Erscheint am 16.01.2012

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Nach einem viertel Jahrhundert treffen sich neun Freunde einer ehemaligen Clique wieder. Genau 25 Jahre zuvor, an exakt dem gleichen Datum, haben sie sich das in einer Herberge in den Bergen beim nächtlichen Betrachten des Sternenhimmels versprochen und fest vorgenommen. Nieves, mittlerweile Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hat die Organisation übernommen und schafft es auch tatsächlich, die ehemaligen Freunde alle zu überzeugen an der Wiedersehensparty teilzunehmen.

Sie kommen wieder zu der alten Herberge, für abends ist eine Party vorgesehen. In der Nacht wollen sie wieder gemeinsam den fantastischen Sternenhimmel bewundern und für nächsten Tag ist eine gemeinsame Wanderung durch die Schlucht geplant.

Einige der Freunde kommen allein, andere mit ihrem neuen/derzeitigen Partner. Ein Pärchen hat sich innerhalb der ehemaligen Clique gebildet. Die Anreise gestaltet sich etwas umständlich, denn sie müssen alle ihre Autos etwa einen Kilometer vor der Herberge parken und den restlichen Weg zu Fuss zurücklegen. Dann kann der gemeinsame Abend endlich beginnen

Es wird gegessen, geredet, getrunken, Musik gehört (eine speziell für diesen Abend erstellte CD mit allen Lieblingssongs der einzelnen Freunde zur damaligen Zeit) und auch diskutiert.

Plötzlich fällt der Strom aus, die Handys funktionieren nicht mehr und auch die Autos lassen sich nicht mehr starten. Zunächst macht sich die Gruppe nicht allzu große Gedanken, denn der Himmel ist aufgerissen und ein phänomenaler Sternenhimmel präsentiert sich. Sie sind überwältigt von diesem Anblick, kein blinkendes Flugzeug stört das Firmament,  lediglich so viele Sterne sind zu sehen, dass es beinahe unheimlich auf die Freunde wirkt. Plötzlich bemerken sie, dass einer fehlt. Rafa ist verschwunden. Sie vermuten er wäre nach der heftigen Debatte (noch vor dem Stromausfall) vor Wut nach Hause gefahren.

Am nächsten Morgen macht sich die Gruppe auf den Weg durch die Schlucht ins nächstgelegene Dorf um zu sehen, ob dort der Strom funktioniert. Auf dem Weg durch die Schlucht ist Cova auf einmal verschwunden. Von einer Sekunde auf die nächste hat sie sich einfach in Luft aufgelöst. Was geschieht hier? Die Angst nimmt überhand, soll das hier das Ende sein … ?

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Der Roman ist in der Gegenwart geschrieben, jedoch in der dritten Person. Zunächst erfahren wir kapitelweise etwas über die jeweiligen Charaktere, die teilweise gemeinsam mit ihren neuen Partnern die Einladung zum Wiedersehen in der Herberge erhalten.

Es sind die unterschiedlichsten Menschen und ihre Reaktionen auf diese Einladung sind sehr interessant. Auch die Charaktere selber hat der Autor in ihren jeweiligen Persönlichkeiten sehr gut dargestellt. Einige haben sich überhaupt nicht verändert, sind noch genauso ungehalten und „unmöglich“ wie als Teenager. Andere wiederum haben sich entwickelt und sind tatsächlich reifer und erwachsener geworden. Die Situation des Wiedersehens hat der Autor ebenso sehr gut beschrieben, wie auch die Ängste und Vorahnungen der Personen im Laufe ihrer Wanderung.

Mein erster Gedanke nach dem Buch war: Und das soll es jetzt gewesen sein? 3 Sterne wollte ich spontan vergeben. Ich muss sagen, ich habe das Buch (im ersten Moment) sehr unzufrieden beendet, denn ich hätte mir am Schluß einfach ein bisschen mehr gewünscht. Irgendetwas, egal in welche Richtung. Aber genau das wollte Monteagudo den Lesern eben nicht geben.

Der Autor hat es geschafft mich zum Nachdenken zu bringen: Habe ich was verpasst? Muss ich eine Stelle nochmal lesen (was ich in der Tat gemacht habe)? Und das ist für mich der Grund warum ich diesem Debüt nun doch 4 Sterne gebe. Es beschäftigt mich auch nachdem ich das Buch beendet habe immer noch. Ich denke immer wieder darüber nach und das werde ich wohl auch in einigen Wochen noch …

Mich haben die spanischen Namen etwas verwirrt, denn aus ihrem Klang konnte ich nicht erkennen, ob es ein Mann oder eine Frau ist und ich hatte etwas Mühe mich an sie zu gewöhnen.

Der Schreibstil ist nicht extrem hochwertig, er ist gut und einfach. Der Autor schreibt sehr viel in der wörtlichen Rede und da einige der Freunde in ihrem Charakter und der Ausdrucksweise in den 80ern stehen geblieben sind, reden einige Figuren auch dementsprechend umgangssprachlich und blödes Zeug daher.

Die Ängste, die im Laufe der Handlung und Wanderung immer stärker werden, aber auch den Spannungsbogen hat der Autor gut zu Papier gebracht. Es war sehr interessant wie die jeweiligen Personen in den entsprechenden Situationen reagiert oder auch nicht reagiert haben.

Das Buch erscheint als gebundene Ausgabe mit einem Leseband, was ich sehr gerne mag. Das Cover ist schlicht und einer gedeckten Farbe gehalten und zeigt alles was es braucht. Einsamkeit und Einöde. Optisch ist es sehr schön geworden. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und auch die Schriftgröße ist sehr angenehm.

Ich hätte mir noch ein Nachwort gewünscht, dass ein bisschen Aufschluß über die Idee und etwas Einblick die Entstehung des Romans gibt, aber ein solches gibt es leider nicht.

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Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für einen spannenden Roman um eine Clique, die sich nach Ewigkeiten wiedersieht. Ein Mystery Erlebnis mit nachhaltiger Wirkung, dass absolut zum Nachdenken anregt.

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© Buchwelten 16.01.2012

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Judaswiege von Ben Berkeley (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch  bei
PIPER
448 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-492272-91-9

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Adrian von Bingen verbringt im Jahre 2004 die Flitterwochen mit seiner jungen Frau Jessica auf Maui, Hawaii. Von einem Schwimmausflug kehrt sie nicht zurück. Jessica ist spurlos verschwunden, lediglich ihr Geländewagen wird gefunden. Explodiert durch eine Autobombe. Ihre Leiche jedoch bleibt verschwunden.

Im Jahre 2011 tauchen plötzlich Fotos von Jessica im Internet auf. Sie zeigen unter anderem eine gefolterte aber noch lebende Jessica und dann die tote Frau. Adrian von Bingens Anwalt, Thibault Godfrey Stein, ein fast siebzigjähriger Haudegen und der beste seines Fachs, nimmt sich des Falls an und will den Mörder Jessicas finden. Dazu braucht er eine wichtige Person zur Hilfe. Die ehemalige FBI Agentin Klara „Sissi“ Swell. Sie ist vom Dienst suspendiert und arbeitet derzeit als Kellnerin in einem Diner. An ihrem Fuss befindet sich eine Fußfessel mit GPS Sender, da sie auf Bewährung frei ist. Klara Swell war berühmt-berüchtigt für ihre eigenwillige Art und Weise an Hinweise und Spuren für das FBI zu gelangen. Leider nicht auf legale Weise. Und letztendlich wurde sie verurteilt und auch ihr Ex-Partner in privater und geschäftlicher Hinsicht, der FBI Ermittler und Psychologe Sam Burke konnte ihre Haut nicht mehr retten. Sam fühlt sich schuldig und schreibt nach wie vor täglich Briefe an Klara, doch sie ist stinksauer auf ihn und will nichts mehr von ihm wissen.

Der Anwalt Stein schafft es Klara Swell für seine Dienste zu gewinnen und die Bewährungsstrafe auszusetzen. Durch die aufgetauchten Fotos ermittelt auch das FBI wieder an dem Fall „Jessica von Bingen“ und als dann weitere Morde geschehen und Filme darüber – als Pornographie getarnt – in gewissen Internetforen auftauchen ist es unvermeidlich, dass sich Sam und Klara über den Weg laufen.

Können die beiden sich arrangieren? Werden sie es gemeinsam schaffen den Serienmörder zu stellen? Den Killer, der über Jahre hinweg Frauen aus den verschiedensten Staaten Amerikas entführt und sie mit einer mittelalterlichen Methode foltert: der Judaswiege …

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Ich habe das Buch auf Grund des Klappentextes ausgesucht und muss gestehen, ich hatte ja schon ein bisschen „Muffe“, dass es mir zu krass wird. Ich wusste mit „Judaswiege“ nichts anzufangen und habe auch nicht vor Beginn des Buches im Internet recherchiert. Ich wollte mich dann doch einfach überraschen lassen.

Der Thriller ist absolut spannend und fesselnd geschrieben. Ich hatte den Roman – trotz Urlaubsende – nach zwei Tagen durch. Sicher war es auch mal krass und schlimm, doch hauptsächlich lebt der Roman von der Spannung und den fantastischen Figuren. Die Methoden, die Psyche des Mörders zu verstehen und die daraus folgenden Ermittlungsmethoden waren sehr modern und fesselnd ausgeführt. Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich flüssig lesen. Die rasanten und echt wirkenden Gespräche der Charaktere ließen mich komplett in der Handlung versinken und ich fühlte mich mitten drin.

Die Hauptcharaktere sind für mich eigentlich vier: Sam Burke – der Ermittler, Klara „Sissi“ Swell – die Einbrecherkönigin und superschlaue Ex Agentin, Anwalt Stein und seine Assistentin Pia Lindt. Alle vier sind grundverschieden und kommen sehr real rüber. Ben Berkeley hat sie wirklich gut ausgearbeitet und ich mochte sie gerne lesen. Aber auch die vielen Nebencharaktere wirken sehr gelungen und echt.

Die pedantische Psyche des Mörders mit der 3-Fach Persönlichkeit hat der Autor auch absolut tiefgründig und greifbar dargestellt. Man merkt hier, dass Ben Berkeley selber als psychologischer Berater für das FBI tätig war. Dies ist in seinen Roman eingeflossen und gerade das macht es hier wohl aus (ähnlich wie bei Chris Carter, der studierter Forensiker ist, was auch in seinen Roman spürbar ist).

Die Story macht in der ersten Phase immer wieder Zeitsprünge zwischen der Jetztzeit und den Jahren in denen die Morde/Entführungen geschehen. Gegen Ende handelt die Geschichte ausschließlich in der Gegenwart. Zu guter letzt möchte ich noch sagen: Sehr gelungener Schluss 🙂 .

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Wer gerne spannendes liest, der ist mit „Judaswiege“ gut bedient. Ich möchte den Roman nicht als klassischen Thriller einordnen, sondern eher als eine sehr gute Mischung aus Krimi/Thriller/Psychothriller.

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Das Buch ist als Taschenbuch veröffentlicht und das Cover ist absolut treffend und wirkt auch durch die geprägten Pfähle sehr gut. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und -wie gesagt – ich bin durch das Buch gerast.

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Mein Fazit: Volle Punktzahl 5 von 5 für einen fesselnden, spannenden, sehr modernen Krimi/ Thriller mit sehr guten Figuren, klasse Wortwechseln und sehr interessanten Ermittlungsmethoden. Meine ganz klare Leseempfehlung!

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Wer mehr über den Autor erfahren möchte, den verweise ich auf seine Homepage —> benberkeley.com

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Ausserdem gibt es noch einen Buchtrailer, kurz und knapp aber gut:

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© Buchwelten 11.01.2012

Und plus 4 für den SUB – eine Trilogie und ein Rezensionsexemplar …

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Heute ist sie angekommen. Die Neshan Trilogie von Ralf Isau, die ich mir gebraucht bestellt habe und die in einem sehr guten Zustand ist. An den Büchern ist nichts dran. Alle drei sind gebundene Ausgaben vom Thienemann Verlag. Nachdem ich auf dem letzten Buchmarkt solange gezögert hatte, dass die Bücher letztendlich verkauft waren, habe ich nun meine Sammlung auf dieser Weise angefüllt ;-).

Ich freue mich total und somit hat Ralf Isau nun ein eigenes Fach bekommen, dass somit auch gleich voll ist:

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Kurz zum Inhalt des ersten Teils:

Der 13-jährige Jonathan Jabbok ist an den Rollstuhl gefesselt. Nur in seinen Träumen geht er auf  Wanderschaft. Dort ist er der springlebendige Yonathan, der eines Tages den geheimnisvollen Stab Haschevet findet. Nur wenn dieser Stab vor den Mächten des Bösen bewahrt und in den fernen Garten der Weisheit gebracht werden kann, wird der siebte Richter von Neschan mit ihm zur Rettung der Welt antreten können. Weil kein anderer als Yonathan den Stab berühren kann, ohne sofort zu Asche zu zerfallen, muss er die weite und gefahrvolle Reise selbst antreten. Der schottische Knabe Jonathan Jabbok taucht immer tiefer in die Welt seiner Träume ein, bis er sich fragt, welches die wirkliche Welt für ihn ist: jene, die ihn nur im Rollstuhl kennt oder die andere, wo alles von ihm abhängt … (Quelle: Ralf Isau.de)

Mehr Infos direkt auf der Seite von Ralf Isau 

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Dann habe ich noch ein Rezensionsexemplar vom Rowohlt Verlag erhalten, ein Debüt aus Spanien. Ich habe schon einen Blick in die Druckfahnen werfen dürfen, nun ist das Buch fertig und steht in meinem SUB:

NEUN FREUNDINNEN UND FREUNDE VERBRINGEN EIN WOCHENENDE IN DEN BERGEN. DOCH EINER NACH DEM ANDEREN VERSCHWINDET. WAS GESCHIEHT MIT IHNEN?

DIESER ROMAN GRÄBT SICH SEINEN LESERN IN EINEM UNAUSWEICHLICHEN SOG TIEF INS GEDÄCHTNIS EIN.

«‹FIN› IST DER AUSSERGEWÖHNLICHSTE ROMAN, DEN SIE JE GELESEN HABEN.» (Quelle: rowohlt.de)

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© Buchwelten 09.01.2011

Gegen die Welt von Jan Brandt (3/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
mit Leseband im
Dumont Buchverlag
928 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-8321-8566-4

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„Gegen die Welt“ erzählt die Geschichte von Daniel Kuper, der in der kleinen Ortschaft Jericho in Ostfriesland aufwächst. Daniel (Sohn des nicht wenig einflussreichen Drogisten Hard Kuper) gilt schon immer als seltsames Kind, mit einer extremen Fantasie.
Als im Dorf seltsame Dinge geschehen, werden sie zum grossen Teil Daniel zugeschrieben. Da gibt es beispielsweise Schneefall im Spätsommer oder einen plötzlich auftauchenden Kornkreis im Maisfeld. Als Daniel dort schwer verletzt wird, sollen ihn angeblich Außerirdische entführt, untersucht und wieder abgesetzt haben.
Dann werden die Häuserfassaden des Dorfes mit Hakenkreuzen verunstaltet und als Daniel diese entfernen will, weil er sie einfach unmöglich findet, wird er erwischt und auch dies wird ihm in die Schuhe geschoben.
Ist es Daniel möglich unter diesen Voraussetzungen eine normale Kindheit und Jugend zu verbringen? Daniel versucht sein Bestes um normale Freunde zu haben und später ein einfacher, stinknormaler Teenager zu sein. Ob das gelingt …

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Dieser Roman war eine nette Erzählung, ich würde ihn einen Generationsroman nennen, der mich irgendwie bis zuletzt nicht packen konnte.

Der Autor schreibt in einem angenehmen Schreibstil, mit einigen ausgefallenen Varianten. Er beginnt das Buch z.B. mit einem Brief an den Bundeskanzler im Jahre 1999. Dieser ist geschrieben von einer Person, die der Leser noch nicht kennt und zuordnen kann und der Schreiber warnt den Kanzler vor außerirdischen Wesen, die die Herrschaft übernehmen wollen und uns beobachten und dann in ihren Bann ziehen. Erst dann springt er zurück in die 70er Jahre und beginnt die eigentliche Geschichte zu erzählen. Diese Briefe gibt es mehrmals und es dauert eine ganze Weile, bis der Leser erfährt, wer sich hinter dieser Person verbirgt.
Dann erzählt der Autor über eine ganze Zeit hinweg zwei Handlungen, d.h. die Seiten sind zweigeteilt und es bleibt dem Leser überlassen, wie er dieses „Leseproblem“ löst 🙂 .

Dennoch hat das Buch mich nicht wirklich packen können. Sicherlich ist es nett und ich habe vieles aus meiner eigenen Zeit wieder erkannt, bin ich doch in etwa den gleichen Jahren aufgewachsen und ein lebenshungriger Teenager gewesen :-).

Auf die Charaktere ist Jan Brandt gut eingegangen, ich habe Daniel Kuper gut kennengelernt und ich mag ihn auch gut leiden. Auch seine oft extrem durchgeknallten Freunde kamen gut rüber und deren – zum Teil extrem ausgefallenes – Ableben waren für mich dann mal Stellen, die mich in der Tat schmunzeln liessen.

Der Roman erzählt nicht nur von Daniel und seinen Kumpels, auch die ältere Generation in Jericho spielt eine wichtige Rolle. Das Leben der Eltern Daniels miteinander, heute und damals. Viele Vergangenheiten anderer Dorfbewohner der vorherigen Generation werden beschrieben. Alles nett, oft auch krass und extrem oder erschreckend real aber leider hat es mich einfach nicht mitgerissen. Oft gab es Längen, so dass ich mich selber überreden musste, meine Freizeit mit Lesen zu verbringen.

Einige zunächst ausgefallene Ideen wurden später nicht mehr aufgegriffen, was ich ein wenig schade fand. Doch am Ende gab es noch eine Offenbarung mit der ich nicht gerechnet hatte und die mir einen Charakter des Buches zum Schluß noch mal viel sympathischer machte, als er es sowieso schon war.

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Das Erscheinungsbild des Buches ist sehr schön. Der Schutzumschlag ist sehr schlicht gehalten, dafür sieht das Buch ohne Schutzhülle um so besser aus. Eine sehr ausgefallene Idee. Ich werde gleich ein Foto einstellen.
Das Buch ist mit einem Leseband ausgestattet, was mir persönlich immer sehr gefällt. Die Seiten sind sehr dünn, ein angenehmes, weiches Papier, dass sich sehr gut anfühlt.

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Mein Fazit: Insgesamt erhält dieses Debüt von mir 3 von 5 Sternen. „Ein Buch kann nicht enttäuschen, es kann nur Erwartungen nicht erfüllen…“, das hat mir ein Bekannter einmal gesagt. Für mich war dies hier der Fall. Ich hatte irgendwie mehr erwartet. Es war nett aber nicht umwerfend.

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Ich danke       und dem  DUMONT BUCHVERLAG für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Weiteres über den Autor und den Roman gibt es nachzulesen unter:

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Autorenwebseite „Gegen die Welt“ <—- *klick*

Facebook Fanpage „Gegen die Welt“ <—- *klick*

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© Buchwelten 2011