Liliths Töchter, Adams Sohne von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
insgesamt 372 Seiten
Preis: 14,97 €
ISBN: 978-3-959-57030-5
Kategorie: Belletristik, Thriller, Drama

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Georg verlässt seine Frau, um eine Affäre mit Susanna fortzusetzen. Seine Ehe war ohnehin auf dem Weg zum Scheitern, so dass Georg ein neues, schöneres Leben in Angriff nehmen wollte. Doch schon bald wird er von Susanna verlassen. Auf der Suche nach Liebe nimmt er viele Liebes- und Sexaffären in Kauf, obwohl er im Grunde genommen von Susanna nie loslassen kann.

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Schon nach dem Prolog wusste ich, dass Georg Adamahs „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ein Buch für mich ist. Alleine die stilistischen Mittel, die Adamah in seinem Roman anwendet, packten mich vom ersten Moment an. Ich kann gar nicht erklären, warum ich seine wilden, im ersten Moment kompliziert wirkenden, Schachtelsätze so faszinierend fand. Dieser Schreibstil ist innovativ, progressiv und einfach nur genial. Dadurch wird man im Verlaufe der Geschichte immer mehr zum Protagonisten und durchlebt seine Ängste, Hoffnungen und Leidenschaften. Man ist irgendwie hautnah dabei, wenn „Dschordsch“ sich Gedanken über die Frauen in seinem Leben macht. Alleine die Idee, die Gedankengänge des Protagonisten in die Schachtelsätze mit einzubauen, erinnerte mich an einen meiner Lieblingsschriftsteller, nämlich Samuel R. Delany. Man spürt, wie Georg hin und her gerissen und von seinen Gefühlen erdrückt wird.

Georg Adamah kann sehr gut schreiben und schafft es hervorragend, die Gefühlswelt eines Mannes zu schildern. Auch wenn es immer wieder um Oralsex geht (was ich persönlich etwas übertrieben fand, aber nicht unbedingt störend), so entlarvt Adamah doch im Verlauf der Geschichte gewisse Grundzüge des männlichen Denkens 😉
An manchen Stellen musste ich wirklich schmunzeln, wenn ich den Gedankengängen des „abservierten“, gekränkten Liebhabers folgte. Es wirkte so herrlich echt und realistisch, unverfälscht und ehrlich. Adamah würfelt die Emotionen des Protagonisten wild durcheinander. Mal leidenschaftlich, mal traurig, mal depressiv, mal zügellos … alles ist dabei. Und erfreulicherweise sind die „harten“ Sexszenen niemals übertrieben dargestellt, sondern bewegen sich immer auf einem gewissen Niveau, was eindeutig an der bildlichen Sprache des Autors liegt. Selbst eklige Szenen werden mit wunderbaren Umschreibungen „entschärft“ und wirken an keiner Stelle vulgär. Das ist ein sehr großer Pluspunkt dieses Buches, der zwar unter anderem teils extremen Sex behandelt, diesen aber niemals in einen provozierenden Vordergrund stellt, um durch Ekelmomente zu schocken. Adamah hält sich dabei immer an glaubwürdig wirkende Beschreibungen.

Gerade durch die sehr emotionale, eindringliche Beschreibung, wie sich ein Mann fühlt beziehungsweise fühlen kann, wenn er einsam und auf der Suche nach einer Partnerin ist, machten diesen Roman für mich zu einem unwiderstehlichen Pageturner, den ich in jeder freien Minute weiterlesen musste. Adamah hat ein realistisches Märchen geschrieben, das voller Poesie und kleinen Wahrheiten steckt, die im Leben eines Liebespaares geschehen. Doch es werden auch die traurigen, hinterhältigen Seiten einer solchen Beziehung dargestellt. Alles ist nachvollziehbar. Und egal, welche Szene Adamah gerade beschreibt, zwischen den Zeilen liest man Melancholie heraus, die unser aller Leben bestimmt (auch das von Frauen). Das ist dem Autor wirklich grandios gelungen.

Obwohl Adamahs außergewöhnlicher Schreibstil durch die langen Sätze kompliziert erscheinen mag, so lässt er sich dennoch absolut flüssig lesen und hinterlässt am Ende ein unvergessliches Gesamtbild im Gehirn des Lesers. „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ist wie eine Achterbahnfahrt durch die Gefühlswelt eines Mannes. Fast möchte man das Buch als „Californication“ zwischen zwei Buchdeckeln bezeichnen, denn auch hier geschieht vieles (wie in der genannten Serie übrigens auch) nicht nur immer oberflächlich unter der Gürtellinie, sondern zeigt im Endeffekt die dramatische Tragödie eines einzelnen Menschen, der an der Liebe und dem damit verbundenen Sex zerbricht.
Ich hoffe nur, dass Georg Adamah bereits an einem neuen Roman arbeitet, denn in mir hat er definitiv einen neuen Anhänger gefunden.

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Fazit: „Californication“ in Buchform. Realistisch, wütend, traurig, erotisch, eklig, melancholisch und beeindruckend – reales Leben eines nach Liebe Suchenden eben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Fay von Larry Brown

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne-Verlag
insgesamt 652 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-27096-1
Kategorie: Belletristik, Thriller, Drama

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Fay ist siebzehn. Ihr Vater ist gewalttätig und so beschließt Fay eines Tages, einfach abzuhauen. Eine halbe Packung Zigaretten und ein paar Dollar sind die einzigen Begleiter, die sie hat. Das Mädchen lernt nette, aber auch eigennützige Menschen kennen. Vor allem die Männer sind es, die an Fay interessiert sind und sie begehren. Doch Fay kann sich wehren und ergibt sich nicht kampflos ihrem Schicksal. Ein steiniger Weg voller denkwürdiger Begegnungen erwartet die Ausreißerin …

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„Fay“ ist Larry Browns erster Roman, der in deutscher Sprache erscheint. Man fragt sich bereits nach den ersten Seiten unwillkürlich, warum noch kein deutscher Verlag darauf gekommen ist, diesen fantastischen Schriftsteller zu entdecken und vor allem zu verlegen. Brown ist seit 2004 leider verstorben und genießt seitdem immer mehr den Status eines Kultautors. Ganz zu Recht, wie ich meine.
Larry Brown schafft es mühelos, den Leser mit seiner Geschichte mitzureißen. Sein klarer Schreibstil wirkt eindringlich und vor allem sehr authentisch. Der Roman liest sich wie ein Tatsachenbericht, voller verlorener, einsamer Existenzen, in denen aber dennoch Hoffnungen verborgen sind. Der Leser begleitet Fay auf ihrem Weg durch eine Welt, die vollkommen kaputt zu sein scheint. Sex, Alkohol und Drogen bestimmen das Leben der Menschen, denen sie begegnet. Und Skrupellosigkeit. Aber auch Liebe.

„Fay“ ist dreckig und brutal, laut und blutig, leise und melancholisch. Liebe, Rache und Unglück … Es ist eine eigenartige Mischung, die Brown vorlegt: Die Flucht einer verzweifelten, jungen Frau, die auf der Suche nach Liebe und einer besseren Welt ist. Doch genau, wenn sie beides findet, entscheidet sie sich wieder für den schlechteren Weg. Larry Brown schafft es hervorragend, die Verzweiflung und Unschlüssigkeit einer Siebzehnjährigen einzufangen, die nicht genau weiß, was wirklich gut für sie ist. Die Charaktere in diesem Roman sind sehr tief und glaubwürdig. Es menschelt ungemein in dieser rohen Welt, in der sich die Protagonistin ihren eigenen Weg sucht. Man wird süchtig nach dieser Geschichte, fühlt sich irgendwie wohl im dreckigen, staubigen Hinterland von Mississippi. Selbst die „bösen“ Charaktere in Browns Drama besitzen eine Tiefe, die sie in gewisser Weise und in bestimmten Situationen sogar wieder sympathisch machen. Fays Charakter vergisst man nicht mehr so schnell. Sie ist mir ans Herz gewachsen mit ihren Fehlentscheidungen, die dramatische Ereignisse nach sich zogen. Aber Fay wusste es in ihrem Alter einfach nicht besser und hat Wege eingeschlagen, die sie für die besten hielt. Es ist aus der Sicht der jungen Frau fast immer nachvollziehbar, was sie tut. Und genau diese realitätsnahe Lebensgeschichte ist ein großer Glücksfall für den Leser, der sich dem Bann von „Fay“ wirklich sehr schwer entziehen kann.

„Fay“ von Larry Brown ist sehr bildhaft und emotional geschrieben. Der Roman ist das Porträt einer selbstbewussten jungen Frau, die aber noch zu wenig Lebenserfahrung hat, um ein selbständiges Leben zu meistern. Daher ist es nicht verwunderlich, welch schicksalhaften Entscheidungen sie aus dem Bauch heraus trifft und damit unbeabsichtigt Unheil heraufbeschwört. Doch der Charakter der Protagonistin durchlebt während der über 600 Seiten auch eine Entwicklung, die absolut nachvollziehbar ist.
Die Geschichte ist einfach unglaublich intensiv und aufwühlend. Selten schafft es ein männlicher Autor, eine weibliche Heldin derart glaubwürdig und ergreifend darzustellen. Larry Brown ist es uneingeschränkt gelungen und ich bin noch immer beeindruckt von dem Plot.
„Fay“ wirkt wie eine Story von John Irving, die von Corman McCarthy geschrieben wurde. Larry Brown ist ein Kultroman gelungen, der förmlich nach einer Verfilmung schreit. Bleibt nur zu hoffen, dass der Heyne Verlag die anderen Werke diese außergewöhnlich talentierten Autors auch noch veröffentlicht.

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Fazit: Dreckig und brutal, laut und blutig, leise und melancholisch. Larry Brown hat mit Fay einen unvergesslichen weiblichen Charakter erschaffen. Volle Punktzahl.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Scar von Jack Ketchum und Lucky McKee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 334 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-67717-3
Kategorie: Thriller, Drama

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Delia ist schon in jungen Jahren ein kleiner Filmstar. Ihre Eltern, vor allem die Mutter, schert sich nicht viel um die Kindheit ihrer Tochter, sondern hat nur Reichtum, das sie mit ihr verdient, im Kopf. Die beste Freundin von Delia ist ihr Hund Caity. Als Delia nach einem Unfall entstellt wird, gibt die Familie nicht auf, sie weiter zu vermarkten und mit ihr Geld zu machen. Doch keiner von ihnen ahnt, wie tief die Freundschaft zwischen dem Mädchen und ihrem Hund in Wirklichkeit ist.

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie wandelbar manche Autoren sind. Jack Ketchum zeigt in Zusammenarbeit mit Co-Autor Lucky McKee (mit dem er auch bereits auch den letzten Teil seiner „Beute“-Trilogie mit dem Titel „Beuterausch“verfasst hat), dass Horror auch anders funktioniert. „Scar“ ist kein Jugendbuch, aber auch kein richtiges Erwachsenenbuch, sondern bewegt sich irgendwo dazwischen, daher für mich auch nicht nachvollziehbar, warum der Roman in der Edition „Heyne Hardcore“ erschienen ist. Genausowenig wie ich wieder einmal nicht begreife, warum der im Original betiltete „The Secret Life Of Souls“ in einen „deutschen“ Titel „Scar“ umbenannt wurde. Wer kein Englisch versteht, weiß auch nicht, was „Scar“ bedeutet. Aber gut, diese Dinge haben mit dem Roman an sich nichts zu tun, stoßen mir nur immer wieder sauer auf, weil wir uns ja schließlich in Deutschland befinden und Romantitel „Das geheime Leben der Seelen“ oder „Die Narbe“ doch auch gut klingen und von den Deutschen verstanden werden.

Zurück zum Buch: „Scar“ schlägt einen sehr ruhigen, aber nichtsdestoweniger unheimlich spannenden Weg ein, der das zerrüttete Leben einer Familie, die Einsamkeit einer Kinder-Schauspielerin und eine tiefe Verbundenheit zwischen Mensch und Tier erzählt. Mit kurzen Sätzen wird eine Story erzählt, die man neugierig verfolgt. Es ist eigentlich ein Drama, das Ketchum und McKee da in einem Thrillergewand mit Horroransätzen präsentiert. Und das funktioniert außerordentlich gut. Der Roman ist in drei Teile eingeteilt, die verschiedene Entwicklungen im Berufs- und Geschäftsleben des schauspielernden Kindes behandeln. In einer Mischung aus sozialkritischen Anspielungen auf die heutige Medienbranche und einem (zwar nicht sehr tiefgehenden, aber dennoch unmissverständlichen) Familienzerfalls, wird eine Geschichte geschildert, die zum Nachdenken anregt. Denn letztendlich wird ein menschliches Leben (und noch dazu ein Kind der eigenen Familie) schlichtweg nur dazu benutzt, um eigene finanzielle Bedürfnisse zu stillen. Allein das ist schon realer Horror pur. Aber Ketchum und McKee lassen es sich nicht nehmen und streuen noch ein wenig Grusel und Mystery in ihren Plot, um in einem dramatischen und effektvollen Finale zu enden, das einem Stephen King würdig ist. Obwohl sich die Geschichte in eine esoterische Richtung bewegt, wirken die Ereignisse niemals gekünstelt, sondern auf faszinierende Weise dennoch glaubwürdig.

Wer Jack Ketchums Klassiker wie „Evil“ oder eben die „Beute“-Trilogie kennt, könnte von „Scar“ leicht enttäuscht werden, denn hier wird eindeutig ein anderer, weitaus weniger brutale Weg eingeschlagen, der aber auf andere Weise zu schockieren vermag. Manches Mal fühlte ich mich an „Blutrot“ erinnert, das für mich immer noch neben „Evil“ eines der besten Bücher von Jack Ketchum darstellt.
Die Dialoge in „Scar“ wirken oft filmreif, was wahrscheinlich daran liegt, dass Co-Autor Lucky McKee neben seiner Autorentätigkeit auch noch Drehbuchschreiber und auch Regisseur („May“, „The Woman“) ist.  Gerade diese lebendigen Dialoge machen neben den kurzen, knackigen Kapiteln „Scar“ zu einem Pageturner, den man schwer aus der Hand legen möchte. Ich fühlte mich auf jeden Fall richtig wohl in der Handlung und Delia, ihr Bruder Robbie und natürlich die Hündin Caity sind mir in der kurzen Lesezeit ans Herz gewachsen. Aber auch die Antipathie gegenüber den Eltern wurde treffend geschildert. Mal ein etwas anderer Jack Ketchum.

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Fazit: Eine andere Seite von Jack Ketchum. Ruhiges Familiendrama mit Mystery-Einlagen und einem gelungenen, etwas härteren Finale.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Flammenbrut von Simon Becket

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Erschienen als Taschenbuch
bei Rowohlt
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499249167
Kategorie: Thriller

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Kate Powell möchte Single bleiben, aber auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches nicht verzichten. Zuerst entscheidet sie sich für eine künstliche Befruchtung, ohne den Spender kennenzulernen. Später gibt sie aber eine Anzeige auf, in der sie nach einem Spender sucht, um ihn zumindest einmal kennenzulernen. Alex Turner meldet sich auf die Annonce und obwohl sich Kate lange Zeit dagegen wehrt, verliebt sie sich in den Mann. Als sie dann tatsächlich schwanger wird, stellt sich heraus, dass Alex Turner nicht der ist, für den er sich die ganze Zeit ausgegeben hat …

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„Flammenbrut“ ist mein erster Roman von Simon Beckett. Und ich muss schon sagen, die Geschichte, die er sich da ausgedacht und niedergeschrieben hat, hat mich schon ziemlich beeindruckt. Vor allem die Gedanken seiner Protagonistin, ihre Unsicherheiten und Wünsche, hat er hervorragend getroffen. Becketts Roman erzählt, bis auf das Ende, eigentlich eher die Lebensgeschichte einer Frau, die sich nichts sehnlicher als ein Kind wünscht, aber kein Vertrauen in einen Partner setzt. Absolut nachvollziehbar werden alle Möglichkeiten und deren Vor- und Nachteile beleuchtet. Sicher ist Becketts Roman kein Thriller im herkömmlichen Sinne, aber seine Schilderungen haben mich zumindest vollkommen in seinen Bann gezogen.
Ich konnte die Hoffnungen, aber auch die Zweifel und Ängste dieser Frau förmlich spüren, so intensiv und authentisch wurden sie beschrieben. Das hat mich ungemein beeindruckt.

Viele werden den Thriller und die Rasanz eines „echten“ Thrillers vermissen. Action und brutale Morde spielen hier keinerlei Rolle, sondern Beckett entwirft zum einen ein Psychogramm einer Frau und zum anderen ein düsteres Verwirrspiel um falsche Identitäten und Stalking. Wer sich auf diese ruhige Art einlassen kann, wird mit einem hypnotischen Drama belohnt, das sich gegen Ende hin in einen spannenden Thriller a la Hitchcock entwickelt und für reichlich Aufregung sorgt, die der ein oder andere Leser bis dahin wohl vermisst.

In anderen Rezensionen wird dieses Buch immer wieder mit Becketts Hunter-reihe verglichen. Wieso? Warum muss ein Autor zwingend immer das gleiche schreiben? Rowlings hat gezeigt, dass man als SchriftstellerIn auch in verschiedenen Genres und auf unterschiedliche Arten Geschichten erzählen kann. Und Beckett tut dies wohl auch. Ich finde „Flammenbrut“ einen  außergewöhnlichen und sehr gut geschriebenen Roman, der mich nachhaltig beschäftigt hat. Und ich schätze, mir werden seine Hunter-Romane trotzdem gefallen, denn ich werde sie nicht mit diesem Buch hier vergleichen.

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Fazit: Gut recherchiert und ruhig erzählt. Ein Drama, das sich erst ganz am Schluss zu einem Thriller a la Hitchcock entwickelt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Titanic – Die Katzenoper von Rodolfo Panetta

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Edition Katzenoper
mit Bildern von Roland Bilger
insgesamt 104 Seiten
Preis:  12,68  €
ISBN: 978-3980714907
Kategorie: Bilderbuch, Musik

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Der junge Kater Renato begegnet der Katzendame Manon, die dem Millionär Benjamin Guggenheim gehört, der schon wenige Tage später die „Titanic“ betritt.
Renato verliebt sich unsterblich in Manon und verschafft sich über Kapitän Smith ebenfalls Zutritt auf das große Schiff. Renato und Manon treten gemeinsam die Reise nach New York an, ohne zu wissen, dass ihnen ein großes Unglück bevorsteht.

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Mal was ganz anderes. 🙂
Und, ich muss gestehen, die Kombination zwischen „Titanic“, Puccinis grandioser Oper „Manon Lescaut“ und Katzengeschichte funktioniert hervorragend. Rodolfo Panetta, nach eigenen Angaben Anhänger dieser drei Dinge, mixt eine wunderbare Geschichte, die Katzen-, Opern- und Titanic-Liebhaber gleichermaßen zufriedenstellt. Und das will schon was heißen, denn Panetta nimmt der Schiffstragödie durch seinen lockeren Schreibstil und die kindlich-naiv-kitschige (<— absolut positiv gemeint) Katzengeschichte keineswegs die Dramatik, sondern lässt uns hautnah den Untergang noch einmal miterleben. Das ist schon wirklich sehr faszinierend gemacht und hat mir außerordentlich gefallen.
Auch ich bin Liebhaber dieser drei Dinge, wobei die Katzen das Schlusslicht bilden, und hatte während des gesamten Buches meinen Spaß. Aber nicht nur die geschriebenen Worte, sondern auch die wirklich hervorragend gezeichneten Illustrationen des Reutlinger Künstlers Roland Bilger erwecken die Schiffskatastrophe in unserem Kopfkino wieder zum Leben.

Als kleines „Schmankerl“ erlebt der Leser auch noch Puccinis „Manon Lescaut“ auf völlig neue Art und Weise und der Opernfreund wird auch hier seine Freude haben. Wer das Musikwerk jedoch nicht kennt, verliert aber keineswegs etwas vom Charme des Buches. In einer Mischung aus Kinder- und Erwachsenengeschichte erzählt Panetta auf einfache Art eine Katzenoperschiffsuntergangsliebestragödie, die zwar schnell gelesen ist, aber im Kopf hängenbleibt.

Puccini, Titanic und Katzenbuch einmal völlig anders als gewohnt. Der Kulturmix macht ungemein Spaß und für Titanic-Fans ist dieses Buch ohnehin ein Muß.

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Fazit: Kurzweilig, lustig, dramatisch und mit einem Augenzwinkern wird der Untergang der Titanic aus Sicht eines Katzenpaares geschildert. Hat schon fast etwas Kultverdächtiges an sich.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-06022-6
Kategorie: Endzeitdrama

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Die Welt wird von einer Pandemie, der Georgischen Grippe, heimgesucht. Innerhalb kürzester Zeit erkranken und sterben die Menschen. Einige wenige scheinen immun zu sein und überleben das Fiasko. Sie finden sich zusammen, leben in kleinen Siedlungen und bewahren das Erbe an die „alte“ Welt so gut es geht.

Eine Gruppe von Schauspielern und Musikern, die sogenannte „Fahrende Symphonie“, reist durch Amerika und begeistert die verbliebenen Menschen mit ihren Auftritten. Unter Ihnen ist die junge Kristin. Sie ist eine der Schauspielerinnen der Symphonie und sie stand bereits als Kind auf der Bühne. Kristin war als kleines Mädchen dabei, als der berühmte Schauspieler Arthur Leander während seiner Darbietung als König Lear im 4. Akt verstirbt. Ihm ist der Untergang der Welt knapp erspart geblieben.

Und auch wenn dieser Roman die Geschichte des Ende der Welts wie wir sie kennen erzählt, so dreht sich doch eigentlich alles um ihn, Arthur Leander.

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Das Licht der letzten Tage ist ein Endzeitdrama oder eine Dystopie, obwohl es irgendwie auch eigentlich keines von beidem ist. Anders kann man diesen Roman nicht beschreiben.

Die Autorin hält sich während der Handlung mehr in der Vergangenheit auf und erzählt das Leben des Schauspielers Arthur Leander in seinen unterschiedlichsten Lebensstationen. Wir lernen Freunde, Ehefrauen und Kinder kennen. Treffen auf Weggefährten und Bekannte. Erleben seinen Tod direkt zu Beginn des Romans und schlittern durch diese schnelle, bösartige Pandemie in die Jetztzeit. Und ganz langsam aber sicher verknüpfen sich die Fäden, finden sich die Figuren der unterschiedlichsten Zeiten zusammen und ergeben ein gesamtes Bild.

Emily St. John Mandel hat hier einen wunderbar ruhigen, liebevollen und poetischen Roman erschaffen, der vergessen lässt, dass die Welt ja eigentlich komplett zerstört ist.

Die Autorin gibt ihren Figuren eine Echtheit und Tiefe, dass sie dem Leser während der Handlung ans Herz wachsen und man fühlt sich einfach wohl mit ihnen.

Mir hat dieser stille Roman sehr gut gefallen, die Sprache ist sehr schön und gehoben. Die Beschreibungen der Orte und einzelnen Szenen erfolgt detailgenau, sodass ich alles „gesehen“ habe. Genauso soll Lesen sein, Buchstaben sollen einen Film erzeugen und das hat die Autorin hier wunderbar geschafft. Interessant ist auch, dass die Endzeitstimmung eigentlich gar keine Rolle spielt. Ja, es hat eine Pandemie beinahe alles Leben ausgelöscht, dennoch ist das eher nebensächlich.

Was mich ein bisschen enttäuscht ist lediglich auf die Qualität des Buches zurückzuführen. Das Buch ist trotz vorsichtigem Lesen bei mir völlig schief und verbogen. Der Buchrücken ist durchgebogen und das sieht im Regal absolut unschön aus. Es wundert mich ein bisschen, denn ich habe eine Menge Bücher des Verlages zu Hause und die sind eigentlich von besserer Qualität.

Mein Fazit: Eine wunderschöne, ruhige und stimmungsvolle Geschichte, die durch liebevoll gestaltete Charaktere getragen wird. Eine Dystopie eben, die keine ist 🙂

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© Buchwelten 2015

Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger

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Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Verlag
insgesamt 543 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-596-16390-8
Kategorie: Drama, Liebesroman

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Durch einen Gendefekt ist Henry dazu verdammt, von der Gegenwart in die Zukunft und Vergangenheit zu reisen. Er lernt Clare kennen und lieben, muss sich aber immer wieder eine Zeitlang von ihr verabschieden, wenn er zwischen den Zeiten umhergeschleudert wird. Das Liebespaar trifft sich immer wieder, sei es in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Auch als sie in der Gegenwart heiraten, wird Henry seine Zeitreisen nicht los. Und Clare wartet geduldig in ihrer Zeit, bis er wieder zurückkommt …

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Niffeneggers bezaubernde, aber teils verwirrende Liebesgeschichte, lässt sich schwer aus der Hand legen. Liebe und Zeitreise sind Zutaten, die eine dramatische Entwicklungen erahnen lassen. Und genauso verhält es sich auch, wenn Henry chaotisch durch die Zeiten hüpft, um seine Liebe Clare in verschiedenen Altersstufen zu treffen. Mal amüsant, mal traurig und melancholisch und oft auch anzüglich erzählt die Autorin in einem schönen Schreibstil von einer Liebe, die über alle Zeiten hinweg andauert.
Dieses Konzept hat mich anfangs argwöhnisch gemacht, besteht doch für die Autorin die Gefahr, in die Falle der widersprüchlichen und unlogischen Paradoxen zu tappen. Und, was soll ich sagen? Sie tappt natürlich hinein und zieht in ihrer Geschichte einen Rattenschwanz von Logik-Fehlern hinter sich her. Aber … Niffenegger nimmt diese „Fehler“ einfach als gegeben hin und ignoriert sie, schreibt munter weiter und lässt dadurch den Leser ebenfalls vergessen, was möglich sein kann und was nicht. Der Protagonist trifft sich zum Beispiel immer wieder selbst. Und das macht einen so unglaublichen Spaß, dass man gerne das dazugehörige Paradoxon zur Seite schiebt und die Treffen der beiden Ichs einfach nur genießt.

Die Mischung aus Humor, nicht wirklich kitschiger Liebesgeschichte und einem Schuss Science Fiction funktioniert und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Gerade die Einfachheit der Geschichte ist es, die mir gefallen hat, denn es passiert nichts Weltbewegendes während der Jahrzehnte währenden Treffen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Leser nimmt einfach nur am Leben zweier Menschen teil, die sich lieben.

Die Charaktere hätten durchaus noch besser ausgearbeitet werden können, denn an manchen Stellen kommen sie einem dann doch relativ leer voll. Aber das macht Niffenegger in ihrem herzerweichenden und hochemotionalen Ende wieder wett. Da kamen schon ein paar Tränchen, als ich die letzten Seiten des Buches las. Das war einfach nur wunderschön, traurig und melancholisch – einfach Klasse.
Wer wissen will, wie mir die Verfilmung gefallen hat, kann das auf „Film-Besprechungen“ nachlesen —> KLICK MICH!

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Fazit: Niffenegger setzte sich über die gängigen Paradoxen von Zeitreise-Romanen hinweg und zaubert eine emotionale und unterhaltsame Liebesgeschichte mit Kultcharakter.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Hilflos von Barbara Gowdy

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Kunstmann
insgesamt 336 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-88897-462-5
Kategorie: Drama, Thriller

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Bei einem Stromausfall verschwindet die neunjährige Rachel spurlos. Die Mutter und Freunde helfen der Polizei bei der Suche, nichtsahnend, dass sich das Mädchen gar nicht einmal so weit entfernt von ihnen befindet. Rachel wurde von Ron und Nancy entführt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein eigenes Kind. Und Ron verspürt manchmal eine wahnsinnige Sehnsucht und Liebe gegenüber dem Mädchen, dass er sie nicht mehr hergeben möchte …

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Barbara Gowdy hat ein intensives Drama geschrieben, das sehr mitnimmt und emotional aufwühlt. Alleine die Tatsache, dass Gowdy versucht, eine Kindesentführung aus Sicht des Entführers, der Entführten und der betroffenen Mutter zu schildern, macht diesen Roman lesenswert. Denn die Autorin schafft es tatsächlich, jede Seite „verständlich“  und nachvollziehbar zu machen. Auf sehr ruhige Art wird eine Geschichte erzählt, die im Grunde genommen nur von einer Sache erzählt, nämlich der Macht der Liebe. Es ist eine Gratwanderung, die Gowdy hier entlang geht, ohne dabei auf eine Seite abzustürzen.
So schrecklich die Thematik auch ist, so einfühlsam und empathisch wird die Geschichte erzählt, dass sie so manches Mal sogar den Schrecken vergessen lässt und Hoffnung auf eine bessere Welt aussät. Immer wieder hofft man, dass der Entführer seinen Gelüsten nicht nachgibt. Wie diese innere Zerrissenheit des Mannes beschrieben wird, ist schon sehr realistisch und sensibel.

Eindringlich, nachvollziehbar und tiefgründig beschreibt Gowdy, was in einem Mann vorgeht, der Liebe und Begehren zu einem Mädchen nicht ganz unterscheiden kann. Andererseits spürt man die Verzweiflung der Mutter und die Anspannung, die solch ein Vorfall im Freundeskreis auslöst. Die Unsicherheit des entführten Mädchens wird so grandios in Szene gesetzt , als erhielte man tatsächlich Einblick in die Gefühlswelt eines solchen Opfers.
Barbara Gowdy hat sich in ihrem sechsten Roman einem schwierigen Thema gewidmet und hat dies aus meiner Sicht mit Bravour gemeistert. Ich konnte mich schwer von der Geschichte losreißen. Das Ende hat mich nachdenklich gemacht.
Gowdy versucht, sich in die Psychologie eines solchen Straftäters einzudenken und ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen. Ihr geht es in ihrem Roman weniger um eine effektgeladene Krimigeschichte, als vielmehr um ein Psychogramm von Entführer und Entführter.
Wer sich auf das Thema einlassen kann, wird mit einer spannenden, aber dennoch sehr ruhigen Geschichte belohnt, die es in sich hat.

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Fazit: Einfühlsam und ruhig erzählt Barbara Gowdy die Geschichte einer Kindesentführung und versucht dabei, die Psychologie des Täters zu durchleuchten.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wenn Engel fallen von Tracy Chevalier

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei List
insgesamt 384 Seiten
Preis: ? € – vergriffen
ISBN: 3-471-77253-7
Kategorie: Historischer Roman

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Maude und Lavinia werden beste Freundinnen, als sie sich auf dem Friedhof bei den nebeneinanderliegenden Familiengräbern begegnen. Die Eltern der Mädchen sind nicht sehr begeistert von der Freundschaft, noch dazu, wo sich die beiden Mädchen mit dem Sohn des Friedhofswärters anfreunden. Als dann Maudes Mutter aus ihren gesellschaftlichen Zwängen ausbricht, eine Affähre beginnt und sich mit Frauenrechtlerinnen anfreundet, beginnen die Fassaden beider Familien plötzlich zu bröckeln. Ihre Wege und Schiscksale verflechten sich immer mehr …

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Tracy Chevaliers historisches Familiendrama wird von einer melancholischen Grundstimmung getragen, die sich durch den ganzen Roman zieht. Man taucht bereits in den ersten Seiten in die Geschichte ein und fühlt sich selbst, als wäre man mit den beiden Mädchen befreundet. Chevalier beschreibt herrlich, wie sich die Freundschaft der beiden entwickelt, obwohl deren Familien nicht wirklich begeistert davon sind.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und bildhaft. Da sieht man dann schon so manches Mal einen echten Film vor seinem inneren Auge, wenn sich die Mädchen auf dem Friedhof treffen. Fast schon nostalgisch erzählt Chevalier die ergreifende Geschichte um eine Mädchenfreundschaft und das Erwachsenenwerden und vermittelt den Eindruck, als wäre sie selbst in jener Zeit mit dabei gewesen. Die düstere Atmosphäre, die diese Geschichte verströmt, und das dramatische Ende hat mich so manches Mal an Ricky Moodys Drama „Der Eissturm“ denken lassen. Einfühlsam und wunderbar leise nimmt uns die Autorin mit auf eine Reise in ein London des angehenden zwanzigsten Jahrhunderts, in der noch andere Probleme als heutzutage von den Menschen zu bewältigen waren.

Tracy Chaveliers Milieustudie geht einem nahe. Man freut sich mit den Protagonisten, leidet und trauert aber auch mit ihnen. Die Tragödie, die hinter den Familiengeschichten steckt, ist vollkommen glaubhaft und nachvollziehbar und es gibt keine Handlungen seitens der Personen, die konstruiert wirken.
Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass sämtliche Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert wurde. Jeder Protagonist hatte ein eigenes Kapitel und erzählte seine Version der Geschehnisse. Das war für mich unglaublich glaubwürdig und abwechslungsreich. Ich konnte mich tatsächlich in die Gedanken der verschiedenen Charaktere hineinversetzen. Und alle Kapitel ergaben dann am Ende ein Gesamtbild. Das fand ich persönlich hervorragend gemacht.

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Fazit: Melancholisch und leise wird eine Tragödie erzählt, die im London Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts spielt. Chevaliers bildhafter Schreibstil lässt den Leser tief in die Geschichte eintauchen. Absolute Empfehlung.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die erfundene Geliebte von Didier Decoin

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Erschienen als Taschenbuch
im Droemer Knaur Verlag
insgesamt 303 Seiten
Preis: — € / vergriffen
ISBN: 978-3426600252
Kategorie: Drama, Liebesroman

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Im Jahr 1912 gewinnt der Werftarbeiter Horty bei einem Sportwettbewerb die Teilnahme am Stapellauf der Titanic. Dort trifft er auf das schöne Zimmermädchen Marie, in die er sich hoffnungslos verliebt, und die am nächsten Tag auf der Titanic ihre Arbeitsstelle antritt. Sie verbringen einen Abend gemeinsam in einem Hotelzimmer. Obwohl nichts zwischen ihnen passiert ist, erfindet Horty eine feurige Liebesgeschichte, die er in seiner Stammkneipe jeden Abend zum Besten gibt. Hortys Liebesromanze wird über die Grenzen seiner Heimat bekannt und bald geht er mit seiner erfundenen Geschichte auf Tour. Als dann die Titanic sinkt, gewinnt seine Liebesgeschichte eine völlig neue Bedeutung …

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Didier Decoins Geschichte ist ein Gesellschaftsroman, der den Leser ins Zeitalter des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts entführt. Ausschlaggebend für mich, den Roman zu kaufen, war die Tatsache, dass in dem Roman der Stapellauf und Untergang der Titanic eine Rolle spielt. Als Titanic-Begeisterter kam ich also nicht umhin, dieses Buch zu lesen.

Decoin hat eine wirklich schöne Liebesgeschichte erfunden, in die sich das historische Ereignis des Titanic-Unglücks hervorragend einfügt. Ohne aufdringlich zu wirken, erzählt der Autor, was er über das gigantische Schiff recherchiert hat, richtet aber sein Hauptaugenmerk auf seine Protagonisten. Die Mischung aus historischer Richtigkeit und erfundener Fiktion ist Decoin absolut gut gelungen und es war nicht nur die fast permanente „Anwesenheit“ der Titanic, die mich begeisterte, sondern auch die tragische Liebesgeschichte, die darum herumgesponnen wurde.

Kein einziges Mal kam Langeweile auf, denn die dichte Atmosphäre um den tragischen Helden Horty nahm mich in Besitz und ich wollte wissen, wie es mit ihm weitergeht beziehungsweise endet. Und da wäre ich dann auch schon beim einzigen klitzekleinen Manko des Romans: Das Ende war ab einer gewissen Zeit einfach absehbar. Aber das war an sich gar nicht weiter schlimm, denn im Grunde genommen habe ich es eigentlich ja auch erwartet und wäre enttäuscht gewesen, wenn es nicht so passiert wäre.

Für Titanic-Fans absolut empfehlenswert, wenngleich sich die Geschichte des Ozeanriesen im Hintergrund abspielt. Dennoch ist die Titanic irgendwie immer allgegenwärtig. Und die außergewöhnliche Liebesgeschichte, die man dazu serviert bekommt, ist auch nicht ohne.

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Fazit: Außergewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Titanicstapellaufs und -unglücks. Schöne Darstellung jener Epoche.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten