Die sieben Farben des Blutes von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 479 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0344-5
Kategorie: Krimi, Thriller

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Drei Frauen wurden in Berlin bereits ermordet, als die Staatsanwältin Helena Faber auf den Fall angesetzt wird. Der Täter nennt sich selbst „Dionysos“ und möchte die Frauen, die er umbringt, „heilen“. Als Helena ins Visier des Mörders gerät, spitzt sich die Situation immer mehr zu …

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Es dauert keine fünf Seiten und man ist von Uwe Wilhelms Thriller infiziert. In einem sehr schönen, absolut flüssigen Schreibstil wirft der Autor den Leser mitten ins Geschehen, so dass man sofort die Welt um sich herum vergisst. Wilhelms Beschreibungen sind filmreif (kein Wunder, denn der Mann schreibt Drehbücher und hat auch bereits sehr viele geschrieben) und sehr stimmungsvoll. Die Charakterisierung der Protagonistin ist sehr detailliert, was mich wirklich sehr begeistert hat. Helena Faber wird so erfrischend und echt in Szene gesetzt, dass es eine wahre Freude ist, nicht nur den Kriminalfall, sondern auch ihr Privatleben mit zwei zickenden, pubertierenden Töchtern, zu verfolgen.

Der Plot ist sehr gut und stimmig aufgebaut. Wilhelm scheut sich auch nicht davor, einige Szenen auch einmal etwas brutaler zu gestalten, wobei er meiner Meinung nach nie die Grenze übertritt und in unnötige Trash-Brutalität abdriftet. Während des ganzen Romans wird durchgehend ein hohes Niveau eingehalten. Erstaunlicherweise nimmt auch die vorzeitige Entlarvung des Täters im letzten Drittel dem Werk nichts von seiner Spannung. Einige LeserInnen werden eine bestimmte Entwicklung der Protagonistin mit Sicherheit unglaubwürdig empfinden. Doch selbst wenn es so wäre und die „Erkrankung“ an den Haaren herbeigezogen wirkt, sollte man sich dennoch unbedingt darauf einlassen, denn auch dieser Handlungsstrang ist sehr effektiv und unterhaltsam. Ich fand diesen „Werdegang“ jedenfalls aus emotionaler Sicht oftmals sehr gut gelungen.

Ein großes Plus des Romans sind die wörtlichen Reden. Sie wirken einfach so natürlich und echt, dass es einem, wie oben schon erwähnt, wie ein Film vorkommt. Die Dialoge sind schlichtweg grandios und man kann sich diesem Lesefluss deshalb nur sehr schwer entziehen, weshalb ich „Die sieben Farben des Blutes“ durchaus als echten Pageturner bezeichnen möchte. Selten beginnt man, die Motive des Täters ein wenig zu hinterfragen, weil sie irgendwie dann doch nicht ganz „rund“ wirken, aber das tut der Spannung und dem hohen Unterhaltungswert dieses Thrillers absolut keinen Abbruch.
Viele sind anscheinend vom Ende enttäuscht, ich nicht. Es ist ein erschreckendes Ende, über das man sich Gedanken macht. Was passiert da? Geht die Geschichte tatsächlich weiter? Oder ist dieses Ende unausweichlich grausam? Uwe Wilhelm lässt den Leser einfach hängen und genau das mögen viele nicht. Mir jagten die letzten Sätze, vor allem der letzte, einen Schauer über den Rücken. Ich las den letzten Absatz ein paar Mal, weil ich es nicht glauben konnte und vielleicht auch nicht begreifen wollte, was da angedeutet wird. Wilhelm ist ein packender Thriller mit sehr glaubwürdigen und authentischen Charakteren gelungen, der förmlich nach einer Verfilmung schreit. In diesem Falle sollte der Autor auch das Drehbuch verfassen, um die sehr schöne Atmosphäre der eigenen Vorlage einzufangen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Roman dieses Schriftstellers. Auf der Homepage von Uwe Wilhelm heißt es auf jeden Fall: „Mit „Die sieben Farben des Blutes“ beginnt meine erste Trilogie um die heldenhafte Helena Faber.“
Wer ebenso begeistert wie ich von „Die sieben Farben des Blutes“ ist, sollte sich auch den Namen Lucas Grimm merken, denn unter diesem Pseudonym schreibt Uwe Wilhelm ebenfalls spannende Thriller.
Infos über den Autor und seine Werke findet man auf seiner Homepage.

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Fazit: Spannend, extrem rasant und mit einer unglaublich authentischen Protagonistin.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wurdilak von Robert Sigl

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Erschienen als Taschenbuch
im Goldfisch Verlag
ISBN: 9783906158075
Kategorie: Märchen

In einem kleinen Hafenort wird sich erzählt, dass ein geheimnisvoller weißer Wolf Jagd auf Kinderseelen macht. Die Eltern von Kara und Rupert beachten derartige Warnungen des Dorfpfarrers aber nicht und tun sie als dummes Gerede ab.
Auf einem Jahrmarkt bekommen die beiden Kinder von einer Wahrsagerin eine Puppe, den sogenannten Tupilak, geschenkt, der sie vor dem Wolf schützen soll. Dieser, so die Wahrsagerin, sei ein Gesandter des Wurdilak, einem Gehilfen des Teufels, der die Seelen kleiner Kinder sammle.
Als die Mutter von Kara und Rupert die Tupilak-Puppe entdeckt, wirft sie diese voller Zorn ins Feuer und löst damit ein Unheil nach dem anderen aus …

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„Wurdilak“ ist der erste Roman des deutschen Drehbuchautors und Regisseurs Robert Sigl.
Im Gegensatz zu seinen Filmen „Laurin“, „School’s Out“ und „Hepzibah“ (um nur die bekanntesten zu nennen) entführt Sigl den Leser mit seinem Debütroman in eine märchenhafte, aber auch -im Stil von Roald Dahl- schreckliche Märchenwelt. Da geht ein geheimnisvoller weißer Wolf um, Kinder werden in einem Heim festgehalten und benehmen sich wie Roboter und eine Vogelpuppe mit drei Köpfen steht als Helfer zur Seite.
An Ideen mangelt es Sigl nicht und aus diesem Grund erwartet den Leser auch ein extrem kurzweiliges Abenteuer voller magischer Momente und spannender Szenarien.
Am oftmals knappen Schreibstil erkennt man, dass Sigl versiert im Schreiben von Drehbüchern ist. Dies hat zur Folge, dass man „Wurdilak“ förmlich als gedrehten Film vor sich sieht. Die relativ einfache Schreibweise hat den angenehmen Effekt, dass das Buch für die Zielgruppe (nämlich Kinder) problemlos zu lesen ist und den Erwachsenen einen zügigen Lesegenuss verschafft, der einen nur so durch die Seiten fliegen lässt.

„Wurdilak“ fällt aus meiner Sicht in die Kategorie „All Age“, denn die Handlung spricht meiner Meinung nach definitiv Kinder und Erwachsene an.
Der Spannungsbogen baut sich bis zum Schluss hin konstant auf, bis er  in einem zufriedenstellenden Finale endet.

Eindeutig am besten gefallen hat mir die Figur des Tupilak, der dreiköpfigen und sprechenden Vogelpuppe. Wie liebevoll Sigl den drei Köpfen Worte in den Mund gelegt hat, das macht schon ungemein Spaß und lockert die manchmal düstere Handlung erfrischend auf.

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Fazit: „Wurdilak“, der erste Roman des deutschen Regisseurs Robert Sigl, ist ein rasantes Märchen für kleine und große „Kinder“, das mich vom Szenario manchmal ein wenig an Roald Dahl erinnerte. Das Buch ist ein Film für LeserInnen, da Sigl einen sehr bildlichen Schreibstil benutzt. Ich vergeb 4 von 5 Sterne für ein kurzweiliges Lesevergnügen in einer märchenhaften, verzauberten und gelegentlich düsteren Welt.

© Buchwelten 2014