Hex von Thomas Olde Heuvelt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 429 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31906-6
Kategorie: Thriller, Horror

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Nach außen hin ist Black Spring ein nettes, kleines und idyllisches Städtchen, umgeben von Wäldern und purer Natur, gäbe es nicht Katherine, eine dreihundert Jahre alte Hexe, die den Bewohnern hin und wieder einen kleinen Schrecken einjagt. Der Stadtrat von Black Spring will diesen „Makel“ nicht an die Öffentlichkeit bringen und hat deswegen strenge Regeln aufgestellt, an die sich jeder Einwohner halten muss: kein Internet und kein Besuch von außerhalb. Doch die Teenager des Ortes sehen die Sache anders und machen sich einen Spaß daraus, die Hexe zu ärgern. Eines Tages stellen sie ein Video der Hexe ins Internet. Und postwendend bricht das Chaos in Black Spring aus …

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Wenn man die ersten Seiten von Thomas Olde Heuvelts „Hex“ zu lesen beginnt, fragt man sich, ob man etwa bereits am Anfang eines Buches schon unaufmerksam war und etwas überlesen hat, denn die Geschichte beginnt vollkommen abgedreht und wirr. Es dauert tatsächlich eine Weile, bis einem ein Licht aufgeht und dann … hat es einen aber auch schon gepackt. „Hex“ ist innovativ und originell, abgedreht und verrückt. Als hätte David Lynch zusammen mit Lars von Trier und Stephen King ein Buch geschrieben. Permanent hatte ich beim Lesen im Kopf, dass sich diese Story absolut für eine Verfilmung eignen würde. Der Sog, den Heuvelt mit seinem hochwertigen und extrem bildhaften Schreibstil entstehen lässt, nimmt einen ab einem gewissen Zeitpunkt derart gefangen, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen mag und auch kann. Eine wilde Mischung aus gruseligen, japanischen Horrorfilmen, abgefahrenen Ideen und einer Portion Humor machen „Hex“ zu einem echten Erlebnis, wie man es in letzter Zeit, zumindest im Horrorgenre, selten zu lesen bekommen hat.

Manche Szenen wirken im ersten Moment sogar amüsant und witzig, bevor man darüber nachdenkt, wie man sich selbst in dieser Situation fühlen würde. Und nach genaueren Überlegungen spürt man plötzlich die unheimliche Atmosphäre der Geschehnisse, fühlt sich unbehaglich bei dem Gedanken, was passiert.  Denn so harmlos die Szenarien im ersten Moment wirken, die der niederländische Autor da beschreibt, so mystisch und vor allem unheimlich werden sie, wenn man sich darauf einlässt. „Hex“ kommt eher ruhig daher und arbeitet mit der gespenstischen Atmosphäre des Ortes und den seltsamen Verhaltensweisen der Einwohner. Wenn man sich in deren Situation versetzt, spürt man das Grauen und die Bedrohung, fiebert mit ihnen mit und beginnt, sich vor der Hexenerscheinung, die vollkommen ohne Vorwarnung an den verschiedensten Stellen des Ortes aus dem Nichts auftaucht, tatsächlich zu fürchten. Es ist eine besondere Art von Horror, die Heuvelt dem Leser da beschert und man muss sich unbedingt darauf einlassen können, um die Tragweite der Ereignisse zu erfassen. Schleichend entwickelt sich das anfangs eher harmlos wirkende Grauen in einen blutigen und apokalyptischen Alptraum, den der Autor in teilweise außergewöhnlichen und philosophischen Sätzen schildert.

„Hex“ ist in sich von Anfang bis Ende aus meiner Sicht stimmig. Da passt einfach alles: Von den Charakterzeichnungen über die Entwicklung des Plots bis hin zu einem dystopischen, apokalyptischen Ende, das filmreif ist. Sprachlich auf hohem Niveau nimmt Heuvelt den Leser auf einen Horrortrip mit, den man vor allem aufgrund seiner erfrischenden Originalität und dem innovativen Plot nicht so schnell vergißt. Ich langweilte mich keine Sekunde und konnte gar nicht genug davon kriegen, wie sich die Einwohner mit ihrem Hexenproblem auseinandersetzten. Schön war auch, dass der Autor die heutigen technischen Errungenschaften wie Internet und Handy-Apps in eine an sich altmodische Gruselgeschichte einbaute. Und das Finale übertraf meine Erwartungen vollends. Nie hätte ich mit diesen düsteren, apokalyptischen Auswirkungen gerechnet, die sich über das Dorf legten und visionären Bilder eines Hieronymus Bosch glichen. Ich kann das Buch wirklich jedem Horrorfan, der Wert auf Atmosphäre und eine ideenreiche Geschichte legt, empfehlen. Und, wie gesagt, selbst die witzigen Einschübe zwischendurch beherbergen bei genauerem Hinsehen ein unheimliches Grauen in sich, dem man sich nicht entziehen kann. Interessierte Leser sollten sich auf jeden Fall das Nachwort zu Gemüte führen, denn dort erfährt man nämlich interessante Details zur Entstehung und Entwicklung des Romans. Für mich ist „Hex“ eine absolut erfreuliche Neuentdeckung im Bereich Horrorliteratur. Ich bin schon sehr gespannt, was Thomas Olde Heuvelt als nächstes abliefern wird.

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Fazit: Abgedreht, innovativ und extrem gruselig. Als hätte Stephen King zusammen mit David Lynch und Lars von Trier einen Roman geschrieben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Sphären von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
443 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-453-31848-9

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In der Nähe eines kleinen Ortes in Frankreich erscheint eines Tages eine riesige Kugel, die von den Menschen „Sphäre“ oder „Weiße Dame“ genannt wird. Wenig später erscheinen auf der ganzen Welt solche Kugeln, bis die Erde nahezu übersät mit ihnen ist. Und dann beginnen die ersten Kinder zu verschwinden. Auf geheimnisvolle Art und Weise werden Kinder, die maximal 4 Jahre alt sind, von den „Sphären“ verschluckt. Das Militär versucht, die riesigen Kugel  mit Bomben zu zerstören, aber erfolglos. Während immer mehr Kinder verschwinden, rätseln Wissenschaftler und Menschen, ob es sich um eine Invasion von Außerirdischen handelt und suchen nach einer Lösung, um weitere Kinder nicht länger in Gefahr zu bringen.

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Es ist schon eine sehr stimmungsvolle Ausgangssituation, die Pierre Bordage in seinem neuen Roman bereits auf den ersten Seiten schafft. Man erinnert sich unwillkürlich an „Arrival“ oder auch „Unglaubliche Begegnung der dritten Art“, und wenn man zwischen den Zeilen liest, verheimlicht Bordage diese Anleihen auch gar nicht, sondern verneigt sich mit seiner Story eher vor diesen Vorbildern. „Die Sphären“ ist eine Mischung aus Science Fiction und Dystopie, deren Handlung sich über viele Jahre hin erstreckt. Aufgrund der relativ wenigen Seiten erhält der Plot allerdings nicht das epische Ausmaß, das man sich davon erwartet. Bordage überspringt Jahre, geht nicht näher auf die Weiterentwicklung der Bedrohung durch die „Feinde“ oder der Charaktere ein, sondern widmet sich schlicht und ergreifend der konstanten Fortführung der Story.
Bordage widmet sich aber nicht nur einer Person und erzählt deren Geschichte, sondern „kümmert“ sich gleich um mehrere. Das mag den ein oder anderen Leser überfordern, der eine geradlinige Erzählweise erwartet, bildet aber in der Endkonsequenz ein sehr rundes Bild der gesamten Ereignisse.

Schnelleser (und auch unaufmerksame Leser) werden definitiv Schwierigkeiten mit den ganzen Personen, Namen und Zeitsprüngen haben. Aufmerksame Leser hingegen, die sich auch noch auf die Jahre dauernde Handlung einlassen können, werden mit einem wirklich guten Plot belohnt, der auch sehr viele Emotionen enthält. Bordages Szenario regt zum Nachdenken an, gerade was die „Behandlung“ ungeborenen Lebens und das von kleinen Kindern betrifft. Wenn man selbst in so einer Lage ist (oder einmal war) und ein Elternteil ist, kann man die Zwiespältigkeit dieser Überlegungen, wenn es um das Wohl der ganzen Menschheit geht, durchaus nachvollziehen. Der Dystopie-Charakter der Geschichte wird vom SF-Anteil zwar überdeckt, schwelt aber permanent im Hintergrund, so dass sich eine stimmungsvolle, bedrohliche und düstere Stimmung über das gesamte Werk legt. Ich persönlich mochte den Plot und das ganze Drumherum, das an manchen Stellen auch schon einmal philosophisch und esoterisch wurde.

Pierre Bordages Schreibstil ist einfach, aber keineswegs niveaulos. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen Bordage seine Protagonisten sehr naiv handeln (und auch reden lässt), werden in einer bildhaften Sprache die beschriebenen Situationen oftmals zu einem hervorragenden Kopfkino für den Leser. „Die Sphären“ ist ein ruhiges Buch, das in erster Linie von seinen vielen magischen Momenten lebt und nicht unbedingt von den Tiefen der Charaktere. Bordage beschreibt ein episches Geschehen, das mich in seiner Gesamtheit oftmals an Stephen Baxters Visionen erinnerte, von Bordage aber in seiner Tiefgründigkeit, bombastischen Wucht und erzählerischen Finesse nicht erreicht wird. Doch es ist schließlich kein Buch von Baxter, also kann man „Die Sphären“ durchaus als gelungene, düstere Zukunftsvision ansehen, die mit einem wunderbaren, für mich zufriedenstellenden Ende aufwartet.
Pierre Bordage widmet sich in „Die Sphären“ eindeutig weniger den technischen und wissenschaftlichen Seiten eines SF-Romans, sondern behandelt in erster Linie menschliche Themen wie Spiritualität oder politische und religiöse Machtspiele, die das „Fußvolk“ unterdrücken und ungerecht behandeln. Ein Buch, das mir mit Sicherheit trotz einiger Schwächen aufgrund seiner spannenden Handlungsstruktur im Gedächtnis bleiben wird.

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Fazit: Spannend und stimmungsvoller Genremix aus Science Fiction, Dystopie und menschlichem Drama.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Erwachen von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
736 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-492-06080-6

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Versehentlich gerät durch das Mitwirken des Hackers Axel Krohn ein Computervirus in den Hauptrechner einer großen Firma. Von dort aus vernetzt der Rechner sich weltweit mit anderen Rechnern, um die digitale Welt der Menschheit zu kontrollieren. Stromausfälle, Wassernot und das Zusammenbrechen der Internetverbindungen und Handynetze sind die Folgen. Die Geheimdienste aus aller Welt sind plötzlich hinter Axel her, während eine Künstliche Intelligenz in den Computern erwacht und versucht, eine gewisse Macht zu erlangen. Und schon bald wird Alex klar, dass es das Ende der Welt, wie wir sie kennen, bedeuten würde, wenn die Menschen die Kontrolle an die Superintelligenz  verlieren …

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Andreas Brandhorst nimmt sich in seinem neuen Buch einem hochbrisanten und vor allem sehr aktuellen Thema an: Künstliche Intelligenz. Aber er spricht nicht von Maschinen, die Menschen ähnlich sehen, wie zum Beispiel in den Filmen „I, Robot“ oder „Der 200 Jahre Mann“, sondern behandelt die Bedrohung durch Computer und deren Programme. Vorlagen könnten die Robotermaschinen HAL 9000 aus Arthur C. Clarkes „2001“ oder die intelligente Bombe aus John Carpenters 2001-Hommage „Dark Star“ sein. Brandhorst entwirft ein Worst Case Scenario, das einen nachdenklich macht und auch ein wenig Angst einjagt. Denn alles, was Brandhorst beschreibt, ist bereits eingetreten oder könnte zumindest in sehr naher Zukunft zur Realität werden. Mit einer unglaublichen Informationsfülle wirft der Autor den Leser in eine computer- und internetabhängige Welt, wie wir sie im Endeffekt schon seit einiger Zeit haben. Aufgrund der äußerst guten Recherche werden einem während des Lesens aber einige Tatsachen bewusst, die man entweder noch nicht gewusst hat oder sie aber im Zuge des alltäglichen Alltagswahnsinns, den man bereits täglich um sich findet, schlichtweg verdrängt hat. Das Szenario, in das uns Andreas Brandhorst mit seinem erschreckenden Thriller wirft, lässt immer wieder die Frage aufkommen, ob es schon längst nicht mehr nur 5 vor 12 ist, sondern bereits zu spät. Mit akribischer Genauigkeit wird in „Das Erwachen“ eine Abfolge von Ereignissen geschildert, bei denen eins zum anderen führt, bis schließlich die Maschinen beziehungsweise ein intelligentes Programm die Macht übernimmt und die Menschheit alt aussehen lässt.

Andreas Brandhorst muss für diesen Roman eine unglaublich intensive und langwierige Recherchen geführt haben, denn es dreht sich nicht alles nur ums Internet, wie die meisten Menschen bei diesem Thema vermuten würden, sondern es geht auch um das Dark Net und das Deep Web. Unbekannte Welten tun sich auf, wenn man „Das Erwachen“ liest. Der Leser erfährt Hintergrundinformationen über jene Netze oder auch zum Beispiel über Google, Messengerdienste oder soziale Netzwerke. Brandhorst erklärt, strapaziert aber niemals die Geduld des Lesers und verwickelt sich in ausufernde, komplizierte Vorgänge. Alles ist verständlich und nachvollziehbar geschildert. Und da es sich bei diesen Begebenheiten um Realität handelt, schleicht sich beim Leser schnell ein unbehagliches Gefühl in Sachen Internet ein. Neben diesen höchst interessanten Informationen baut Andreas Brandhorst auch innen- und weltpolitische Verstrickungen, Auswirkungen und Gefahren mit ein, die in fast gleicher Weise erschrecken und faszinieren.

Mit rasantem Tempo widmet sich Brandhorst dem Überlebenskampf der Menschheit und zeigt mit diesem Thriller, dass er auch anders kann als man von ihm gewohnt ist, nämlich visionäre Science Fiction. Fast meint man an einigen Stellen, man lese den neuen Thriller von Dan Brown. Aber bei „Das Erwachen“ handelt es sich nicht nur um einen „normalen“ Thriller, sondern um einen genial konstruierten Genremix aus Thriller, Science Fiction und Dystopie. Doch wer jetzt meint, der Autor hätte sich nicht entscheiden können, welches Genre er mit seinem neuen Buch bedienen möchte, muss sich definitiv eines besseren belehren lassen. Denn Andreas Brandhorst geht einen konsequenten Weg, der die genannten Genres so gekonnt durcheinander wirbelt, dass man es im Grunde genommen überhaupt nicht bemerkt. Und es wäre kein Brandhorst, wären auch in seinem Thriller nicht philosophische Elemente versteckt, die man aus seinen Weltraum-Abenteuern kennt. Während sich im Mittelteil des Romans die Handlung eher actionlastig entwickelt, gestaltet sich das Ende zu einer für Andreas Brandhorst typischen Anschauungsweise über das Leben, den Tod und die Unsterblichkeit. Gerade dieses Finale ist es auch, dass mich das Gesamtwerk bereits jetzt schon als Klassiker empfinden ließ. Und auch hier, wie bei allen Werken des Autors, drängt sich im Kopf des Lesers eine Verfilmung förmlich auf. Zu detailliert und bildhaft sind die Beschreibungen, die Brandhorst in seinem dystopischen Thriller entwirft.
„Das Erwachen“ ist ein außergewöhnliches Buch von einem außergewöhnlichen Autor, das jeder lesen sollte, der sich vom Internet und seinem Handy abhängig fühlt. Der Physiker Stephen Hawking hat bereits Anfang 2016 davor gewarnt, dass vom Menschen erschaffene Maschinen eines Tages klüger werden könnten als ihre Schöpfer und dass sie unter Umständen dann eine Gefahr für den Fortbestand der Menschheit darstellen würden. Unter diesem Aspekt kann man nur hoffen, dass Andreas Brandhorsts Zukunftsvision niemals Wirklichkeit wird.

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Fazit: Brisanter, hochaktueller und erschreckender Wissenschaftsthriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Zeitkurier von Wesley Chu

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 490 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31733-8
Kategorie: Science Fiction

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Zeitkurier James Griffin-Mars hat die Aufgabe, Ressourcen und Antworten auf die Frage zu finden, warum die Welt sich in eine verseuchte Wildnis verwandelt hat. Höchste Priorität bei diesen Einsätzen ist die Einhaltung bestimmter Zeitgesetze, damit keine Zerwürfnisse im Zeitstrang entstehen. James ist einer der besten, bis er eines Tages einen fatalen Fehler begeht und eine Frau aus der Vergangenheit in die Gegenwart mitnimmt. Doch schon bald beginnt James zu zweifeln, ob es denn tatsächlich ein so großer Fehler war, obwohl er vom Staat gejagt wird.

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Der Einstieg in seine Zeitreise-Geschichte ist Wesley Chu außerordentlich gut gelungen. Vor allem merkt man sofort, dass sich hier jemand dieser Thematik auf eine andere Weise als bisher annähert. Sicherlich definiert Wu die Zeitreisen, und alles, was damit zusammenhängt, nicht neu. Aber es sind Ansätze vorhanden, die mittelschwere Begeisterung bei mir ausgelöst hat. In erster Linie haben mich die Erklärungen, was die Logik solcher Zeitreisen mit sich bringt, angenehm überrascht. Vieles wirkt in diesem Roman nicht ganz so verwirrend und unlogisch wie es oft bei Zeitreise-Romanen der Fall ist. Welsey Chu hat hier ein ganz eigenes Universum entworfen, das mir außerordentlich gut gefallen hat. Die stimmungsvollen Bilder, die uns der aus Taiwan stammende Autor sehr detailliert schenkt, bleiben im Gedächtnis haften und sind an einigen Stellen filmreif ausgearbeitet.

Wesley Chu hat seinen Protagonisten allesamt glaubwürdige Charaktere verschafft, denen man gerne in ihren Handlungen folgt. Leider schafft es Chu aber nicht, den spektakulären Einstieg in seine Story bis zum Schluss aufrecht zu erhalten. Der Plot driftet in eine Weltrettungsmission ab, was zwar nicht unbedingt schlecht ist, aber die anfangs herrschende, tolle und dystopische Stimmung irgendwie zunichte macht. Die Zeitreisen sind zwar immer präsent, geraten aber handlungstechnisch irgendwie immer mehr in den Hintergrund. Da hätte ich mir durchaus mehr detaillierte Schilderungen gewünscht, die in der Vergangenheit spielen. Dennoch ist Wesley Chu ein wirklich außergewöhnlicher Zeitreise-Roman gelungen, der sehr viele schöne und stimmungsvolle Momente hat. Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich das Buch schwer aus der Hand legen, weil es in bester Pageturner-Manier geschrieben war und man wirklich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Dann kam aber ein Punkt, an dem die Handlung eine Wendung nahm, die mir zwar gefallen hat, die aber die Erwartungen an den Roman, die durch die ersten zweihundert Seiten entstanden waren, nicht erfüllen konnte. Wie gesagt, das heißt nicht, dass das Buch plötzlich schlecht wurde, aber der Plot entwickelte sich anders, als ich es erwartet hätte.

Durch den offenen Schluss leicht verwirrt, entdeckte ich dann bei Recherchen im Internet, dass es sich bei „Zeitkurier“ um den ersten Band einer geplanten Trilogie handelt. Band 2 ist bereits fertiggestellt und der abschließende dritte Band muss wohl erst noch geschrieben werden. Wenn man „Zeitkurier“ nun unter dem Aspekt sieht, dass sich damit eine eventuell epischere Geschichte erst einmal aufgebaut hat, gewinnt besagte Entwicklung, die mich wie oben erwähnt, ein wenig gestört hat, eine ganz neue Bedeutung und lässt auf eine große Geschichte im Gesamten hoffen.
Wesley Chu hat auf jeden Fall einen sehr schönen und flüssigen Schreibstil, der angenehm und schnell zu lesen ist. Leicht komplizierte Vorgänge werden von ihm problemlos so beschrieben, dass man sie versteht. „Zeitkurier“ ist eine Mischung aus Dystopie, Science Fiction und sozialkritischer Menschheitsgeschichte, die absolut zu begeistern vermag. Vor allem der Hauptcharakter James Griffin-Mars wird sehr interessant dargestellt. Faszinierend war für mich die Schilderungen, wenn sich bei ihm Vergangenheit und Gegenwart einer Halluzination gleich vermischten. Das ergab ein sehr stimmiges und stimmungsvolles Bild in meinem Kopfkino.
Die Liebesgeschichte, die letztendlich eigentlich gar keine ist, wirkt sehr hölzern und zwanghaft konzipiert, um den Vorgaben eines erfolgreichen Plots zu entsprechen. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn sich der Autor nicht für einen Mittelweg, sondern für eine geradlinige Richtung entschieden hätte: entweder eine richtige Liebesgeschichte oder komplett darauf verzichten. Momentan ist es weder das eine noch das andere. Aber das kann sich ja noch im Verlaufe der beiden  Folgebände ändern. Bleibt nur zu hoffen, dass die Trilogie komplett im Heyne Verlag erscheint und nicht, wie leider bei vielen anderen Serien, aufgrund ausbleibenden Erfolgs einfach eingestellt wird und zahllose, neugierige Fans enttäuscht zurücklässt.

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Fazit: Gelungener, ideenreicher Auftakt einer Zeitreise-Trilogie, die logisch gut durchkonzipiert wirkt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Fireman von Joe Hill

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 958 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-453-31834-2
Kategorie: Dystopie, Science Fiction

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Eine Seuche namens „Dragonscale“ droht, die gesamte Menschheit zu vernichten. Anfangs bemerken die Infizierten eine seltsame Hautkrankheit, die wie Tätowierungen gleichen. Doch schon wenig später entzünden sich die von der Krankheit Befallenen selbst und verbrennen. Das Ende der Welt scheint angebrochen zu sein. Harper Grayson ist Krankenschwester und wird ebenfalls von dem Virus befallen. Sie findet Schutz in einer Gemeinschaft, die die Feuerkrankheit zumindest soweit in den Griff bekommen haben, dass sie sich nicht selbst entzünden. Dort lernt Harper den sogenannten „Fireman“ kennen, ein Mann, der innerhalb kürzester Zeit zu einer Legende geworden ist, weil er „Dragonscale“ vollkommen unter Kontrolle halten kann. Ist jener „Fireman“ die letzte Hoffnung der Menschheit?

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Als Stephen King-Anhänger und auch ebensolcher seines sehr talentierten Sohnes war ich natürlich unheimlich gespannt darauf, was Joe Hill nach „Christmasland“ und seinem hervorragenden Debüt „Blind“ abgeliefert hat. Ich bin gespalten, was das Dystopie-Epos angeht, das gebe ich unumwunden zu, denn „Fireman“ hat durchaus einige beeindruckende Höhen, aber leider auch einige anstrengende Längen.
Der Beginn des Plots ist allerdings filmreif und man kann nach den ersten Seiten kaum abwarten, wie das Ende der Menschheit bei Joe Hill ablaufen wird. Allerdings wird man leider aus dieser grundsoliden, absolut stimmungsvollen Endzeitatmosphäre herausgerissen, als Harper auf die Gemeinschaft stößt. In einer Mischung aus „Walking Dead“, „Postman“ und „Tribute von Panem“, gewürzt mit einem Schuss „The Road“ von Cormac McCarthy, erzählt Joe Hill im Prinzip den (Leidens-)Weg einer Frau, nämlich Harper Grayson. Hill versteckt viele Anspielungen auf seine eigenen Romane, die seines Vaters und auch weitere Bestseller, die wohl jede Leseratte kennen dürfte, aber er geht eindeutig seinen eigenen Weg.

Dennoch funktioniert „Fireman“ trotz seines bombastischen Ausmaßes und der wirklich tollen Ausgangssituation nur bedingt. Vielleicht liegt es sogar am Umfang des Werkes, das bei vielen Lesern oftmals Langeweile aufkommen lässt. Ich genoss die Geschichte, mir war sie auch niemals zu langatmig, wenn ich ehrlich bin, aber trotzdem zündete der Funke, der am Anfang verbreitet wurde, im Verlauf der Geschichte nicht. Schade, denn das Ausgangsszenario hätte, wie gesagt, Potential zu einem epischen Dystopie-Road-Movie ausgebaut werden können. Hill übt Gesellschaftskritik (was keinesfalls schlecht ist), aber er konzentriert sich zu sehr auf die Vorfälle, die in der Gemeinschaft passieren (und das erinnert in der Tat an einige Folgen von „Walking Dead“ – vielleicht auch beabsichtigt). Aber hätte Hill mehr Augenmerk auf die Welt gerichtet, die dem Untergang geweiht ist, und seine Protagonisten durch diese Hölle geschickt, wäre bestimmt ein weitaus beeindruckenderes Werk entstanden. Aber Joe Hill hat einen anderen Weg gewählt und sich, wie gesagt, auf das Leben in einer Gemeinschaft konzentriert, die sich in Sicherheit wähnt.

Die Charaktere sind durchaus glaubwürdig und mit Seele ausgearbeitet. Joe Hill bewegt sich mit seinem Schreibstil oftmals auf hohem Niveau, gerät aber an einigen Stellen auch ins Umgangssprachliche, so dass ich mir ein paar Mal gedacht habe, das Buch wäre von zwei Autoren geschrieben worden. Auch wirkten manche Ereignisse ein wenig zu weit hergeholt und an der Grenze zur Unglaubwürdigkeit.
Doch trotz all meiner Kritikpunkte ist Joe Hill aus meiner Sicht eine beeindruckende Endzeitvision gelungen, die vor allem durch seine bildhafte Sprache zu einem Kopfkino-Blockbuster wird. Im Nachwort wird erwähnt, dass die Filmrechte bereits verkauft sind. Ich könnte mir ohne weiteres vorstellen, dass im Falle von „Fireman“ die Filmumsetzung durchaus ansprechender ausfallen könnte als die Buchvorlage. „Fireman“ ist für die große Leinwand gemacht und könnte von der Atmosphäre her wie seinerzeit die Buchadaption von David Brins „Postman“ von Kevin Costner wirken.

Joe Hill beschreibt stimmungsvolle  Bilder. Am Anfang schreibt er über die Liebe zu einem Menschen. Diese Beschreibung, gerade auch noch von einem Mann geschrieben, ist wunderschön und wahr. Und eben genau solche Beschreibungen, hochwertige literarische Sätze, fehlten mir dann oftmals im Verlaufe des weiteren Buches. Das hätte Joe Hill bestimmt besser gekonnt. „Fireman“ ist ein über 900 Seiten starkes Mammutwerk, das letztendlich aber dann doch keines ist. Im Nachhinein denkt man nämlich, der Plot hätte auf nur 400 Seiten stattgefunden. Dennoch möchte ich das Leseerlebnis nicht missen, denn „Fireman“ hat wirklich auch viele gute Seiten.

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Fazit: Groß angelegte Endzeitvision, die durchaus auch auf halb so vielen Seiten funktioniert hätte. Wer es ausführlich mag, wird „Fireman“ genießen, Ungeduldige könnten Probleme damit haben.

©2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Erntemond von Rudolf Marko

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Erschienen als Taschenbuch
bei S. Fischer Verlag846 Seiten
Preis:  26,99  €
ISBN: 978-3-596-31262-7
Kategorie: Belletristik, Dystopie
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Chas Meary reist nach Megumaage, ein Land am nördlichen Ende der Welt. Dort lebte einst seine früh verstorbene Frau und Chas erhofft sich, ihr noch einmal nahe zu sein, wenn er ihre Vergangenheit kennt. Ein Jahr lang lebt und arbeitet er in der abgeschiedenen Siedlung und lernt die Menschen dort kennen und lieben. Schon nach kurzer Zeit bemerkt er, dass die wichtigen Dinge im Leben nicht in der zivilisierten Welt der Großstädte, sondern in der Natur und im Spirituellen existieren.

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Es beginnt alles wie ein ruhiger Abenteuerroman, der einen sofort in den Bann zieht. Rudolf Markos Sprache und Schreibstil ist unglaublich intensiv, faszinierend und bildhaft. Es dauert nicht lange und man identifiziert sich mit dem Ich-Erzähler, erlebt all die Geschehnisse hautnah mit und lernt die unterschiedlichsten Personen des Ortes kennen. „Erntemond“ liest sich in der ersten Hälfte wie ein nostalgischer Rückblick in eine Vergangenheit, in der alles noch gut und schön war, und in der sich die Menschen aufs Wesentliche in ihrem Leben konzentrierten: Glück, Liebe, Arbeit und Zufriedenheit.
Markos Buch ist, wenn man sich darauf einlassen kann, wie ein Sog, der einen ergreift und nicht mehr loslässt. Man „lebt“ förmlich in jener fast heilen Welt, in der aber schreckliche Dinge geschehen. Der Schreibstil des Autors lässt keine Wünsche offen, erinnerte mich in seinen oftmals sehr detailgetreuen Beschreibungen an Diana Gabaldons Highlandsaga.

In der zweiten Hälfte des Romans wird es dann immer mystischer und auch dystopischer. Es stellt sich heraus, dass Marko seine Leser an der Nase herumgeführt hat.  Schleichend nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung an, die sämtliche vorangegangenen Geschehnisse plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich habe noch nie solch einen genialen Genremix gelesen, der eine quasi Science Fiction-Geschichte in Form eines wunderschönen Heimat-, Abenteuer- und Liebesromans erzählt. Hinzu kommt, dass Marko noch einen Schuss Mystery in die Handlung einbaut, der das Gesamtwerk zu einem philosophischen Ausflug in die Menschlichkeit macht.

Man fühlt sich daheim, wenn man dem Protagonisten und seinen neuen Freunden bei seinen alltäglichen Arbeiten und den außergewöhnlichen Gesprächen beiwohnt. Man besinnt sich während des Lesens auf sein eigenes Leben und die Wertigkeit von materiellen Dingen, geht in sich und denkt darüber nach, sein Leben nicht mit Unwichtigem zu verschwenden. Rudolf Marko ist ein unglaublich intensives, hypnotisierendes und nachdenkliches Porträt eines Mannes und unserer Zivilisation gelungen, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt und einem erscheint, als hätte man alles am eigenen Leib erfahren. Kaum hat man das Buch wieder aufgeschlagen, verlässt man die Realität und kehrt in eine Welt zurück, von der man sich so manches Mal wünschen würde, sie wäre unsere Wirklichkeit.
Rudolf Marko hat mich mit seinem Debüt-Roman vollkommen überzeugt und dadurch einen neuen Fan gewonnen, der die weiteren Romane des Autors auf jeden Fall lesen wird.

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei „Erntemond“ um eines der außergewöhnlichsten Bücher, die ich kenne. Das liegt höchstwahrscheinlich zum einen an dem undurchsichtigen Genre, in dem es angesiedelt ist, und zum anderen an der wunderbaren Sprache, mit der es erzählt wird. Nostalgischer Heimatroman mit Abenteuerflair und einigen Tropfen Mystik á la „Twin Peaks“. „Erntemond“ macht süchtig.

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Fazit: Unglaublich stimmungsvolles, melancholisches Abenteuer in einer Zukunft, die mehr denn je den Ursprüngen der Menschheit gleicht. Vorsicht: Suchtgefahr!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-06022-6
Kategorie: Endzeitdrama

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Die Welt wird von einer Pandemie, der Georgischen Grippe, heimgesucht. Innerhalb kürzester Zeit erkranken und sterben die Menschen. Einige wenige scheinen immun zu sein und überleben das Fiasko. Sie finden sich zusammen, leben in kleinen Siedlungen und bewahren das Erbe an die „alte“ Welt so gut es geht.

Eine Gruppe von Schauspielern und Musikern, die sogenannte „Fahrende Symphonie“, reist durch Amerika und begeistert die verbliebenen Menschen mit ihren Auftritten. Unter Ihnen ist die junge Kristin. Sie ist eine der Schauspielerinnen der Symphonie und sie stand bereits als Kind auf der Bühne. Kristin war als kleines Mädchen dabei, als der berühmte Schauspieler Arthur Leander während seiner Darbietung als König Lear im 4. Akt verstirbt. Ihm ist der Untergang der Welt knapp erspart geblieben.

Und auch wenn dieser Roman die Geschichte des Ende der Welts wie wir sie kennen erzählt, so dreht sich doch eigentlich alles um ihn, Arthur Leander.

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Das Licht der letzten Tage ist ein Endzeitdrama oder eine Dystopie, obwohl es irgendwie auch eigentlich keines von beidem ist. Anders kann man diesen Roman nicht beschreiben.

Die Autorin hält sich während der Handlung mehr in der Vergangenheit auf und erzählt das Leben des Schauspielers Arthur Leander in seinen unterschiedlichsten Lebensstationen. Wir lernen Freunde, Ehefrauen und Kinder kennen. Treffen auf Weggefährten und Bekannte. Erleben seinen Tod direkt zu Beginn des Romans und schlittern durch diese schnelle, bösartige Pandemie in die Jetztzeit. Und ganz langsam aber sicher verknüpfen sich die Fäden, finden sich die Figuren der unterschiedlichsten Zeiten zusammen und ergeben ein gesamtes Bild.

Emily St. John Mandel hat hier einen wunderbar ruhigen, liebevollen und poetischen Roman erschaffen, der vergessen lässt, dass die Welt ja eigentlich komplett zerstört ist.

Die Autorin gibt ihren Figuren eine Echtheit und Tiefe, dass sie dem Leser während der Handlung ans Herz wachsen und man fühlt sich einfach wohl mit ihnen.

Mir hat dieser stille Roman sehr gut gefallen, die Sprache ist sehr schön und gehoben. Die Beschreibungen der Orte und einzelnen Szenen erfolgt detailgenau, sodass ich alles „gesehen“ habe. Genauso soll Lesen sein, Buchstaben sollen einen Film erzeugen und das hat die Autorin hier wunderbar geschafft. Interessant ist auch, dass die Endzeitstimmung eigentlich gar keine Rolle spielt. Ja, es hat eine Pandemie beinahe alles Leben ausgelöscht, dennoch ist das eher nebensächlich.

Was mich ein bisschen enttäuscht ist lediglich auf die Qualität des Buches zurückzuführen. Das Buch ist trotz vorsichtigem Lesen bei mir völlig schief und verbogen. Der Buchrücken ist durchgebogen und das sieht im Regal absolut unschön aus. Es wundert mich ein bisschen, denn ich habe eine Menge Bücher des Verlages zu Hause und die sind eigentlich von besserer Qualität.

Mein Fazit: Eine wunderschöne, ruhige und stimmungsvolle Geschichte, die durch liebevoll gestaltete Charaktere getragen wird. Eine Dystopie eben, die keine ist 🙂

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© Buchwelten 2015

Pandemic – Die Seuche von Scott Sigler

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 768 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-381-5
Kategorie: Horror, Thriller

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Am Grund des Lake Michigan liegt eine außerirdische Sonde, die ein tödliches Virus beherbergt.
Eines Tages bricht die Seuche aus und ganze Kontinente stehen vor der Auslöschung. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, ein Gegenmittel zu entwickeln, bevor sich die Seuche über die ganze Erde ausbreitet.

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Scott Sigler schreibt Bücher wie Achterbahnfahrten. Man steigt ein und kommt nicht mehr raus, so rasant ist die Fahrt, auf der uns der Autor mitnimmt. „Pandemic“ hat einen Einstieg, als lese man ein Buch von Michael Crichton. Die erste Hälfte des Romans spielt auf und unter dem Wasser am Lake Michigan und ist an Spannung kaum zu überbieten. Der knappe Schreibstil reißt den Leser von Anfang an mit und lässt ihn nicht mehr los. Sigler schafft es sogar, trotz des anhaltenden Spannungsniveaus auch eine ganz anständige Charakterzeichnung seiner Protagonisten zu vermitteln. In gewohnter Manier erzählt Scott Sigler von einer Bedrohung, die die gesamte Menschheit dahinrafft, wenn nicht schnellstens ein Gegenmittel gefunden wird.

„Pandemic“ ist der abschließende Teil einer Trilogie, deren ersten beide Teile im Heyne Verlag erschienen sind: „Infiziert“ ist der erste und „Virulent“ der zweite Teil. Man muss nicht zwingend die Vorgänger-Romane lesen, um „Pandemic“ zu verstehen, aber um sich ein Bild über die gesamte Geschichte machen zu können, ist es schon hilfreich.

Während die erste Hälfte des Romans mit stimmungsvollen, gruseligen Bildern unterhält, geht es in der zweiten Hälfte dann in die Vollen: Da wird geballert und gesplattert, das es eine wahre Freude ist. Und auch die Spannung kommt nie zu kurz. Dennoch hätte mir es besser gefallen, wäre die stimmungsvolle Atmosphäre der ersten Hälfte auch weiterhin präsent gewesen. Sigler inszeniert gegen Ende hin eine Ballerorgie ersten Grades, die zwar hervorragend unterhält, aber ab einem gewissen Punkt zu langweilen anfängt. Das ist nicht wirklich negativ von mir gemeint, denn, wie gesagt, das Spannungsniveau ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger hätte dem Plot schon gut getan. Das Abenteuer-Feeling der ersten Hälfte wandelt sich einfach zu schnell in ein Action-Feuerwerk, bei dem es keine Verschnaufpause gibt.

Sigler hält seine Kapitel kurz, was unweigerlich dazu führt, dass man das Buch „verschlingt“, als hätte es nur die Hälfte der ansehnlichen Seitenzahl. Man fliegt durch die Geschehnisse und will wissen, wie es weitergeht. Das Szenario, das Sigler hier beschreibt, ist absolut nachvollziehbar und vermittelt auch eine gewisse wissenschaftliche Authentizität. Das macht den Roman tatsächlich zu einer Art Mischung aus Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child. Für Fans von „schnellen“ Plots uneingeschränkt zu empfehlen.

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Fazit: Anfangs sehr stimmungsvoll und abenteuerlich entwickelt Scott Sigler seine Handlung gegen Ende hin zu einem wahren Bombast-Action-Feuerwerk, bei dem auch ein gehöriger Gore-Anteil zu Buche schlägt. Spannungsgeladenes Weltuntergangsszenario und atemberaubender Pageturner.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

EXIT von Hugh Howey

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exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

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Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

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Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

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© Buchwelten 2015

Die Verdammten von Brett McBean

die verdammten

Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA
insgesamt 586 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-292-4
Kategorie: Dystopie, Horror

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Während eines Einkaufstrips geschieht das Unglaubliche: Beth ist gerade mit ihrer Tochter auf dem Weg zum Auto, das sie in einem der Parkdecks des Einkaufszentrums geparkt hat, als Bäume aus dem Boden schiessen und die Umgebung in einen undurchdringlichen Urwald verwandeln. Noch ahnt niemand, dass diese rätselhafte Naturkatastrophe über den ganzen Erdball hereingebrochen ist.

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„Die Verdammten“ vereint McBeans Dschungeltrilogie („Der Dschungel aus Beton“, „Der Dschungel von nebenan“ und „Der Dschungel der Großstadt“) in einem Band. Die drei Geschichten haben, bis auf das Ende, nichts miteinander zu tun. Sie spielen lediglich im gleichen Szenario und der Leser muss sich bei jeder Geschichte auf neue Charaktere einlassen. Was als ziemlich atmosphärisches Endzeitdrama beginnt, wird in der Mitte sehr seicht und beginnt erst zum Ende hin wieder, einigermaßen stimmungsvoll zu werden. Aber eines nach dem anderen.

Zuerst einmal: Brett McBean kann es eindeutig besser, das hat er unter anderem mit seinen Romanen „Die Mutter“, „Das Motel“ und „Buk und Jimmy ziehen nach Westen“ bewiesen. Mit „Die Verdammten“ hat er zwar eine im Grunde genommen interessante Idee vorgelegt, die sich aber leider im Handlungsverlauf immer mehr in unlogische und teilweise nicht nachvollziehbare Ereignisse verstrickt. Hätte McBean die Hauptpersonen des ersten Teils in den weiteren beiden Teilen mitagieren lassen, wäre mit Sicherheit ein weitaus besseres Ergebnis herausgekommen. So muss man sich in jedem Teil leider auf eine neue Geschichte und neue Personen einlassen.

Der Schreibstil ist ungewohnt einfach gestrickt, da bin ich von McBean eindeutig Besseres gewöhnt. Aber nichtsdestotrotz fliegt man durch die drei Geschichten und kann sich schwer davon losreißen, denn das beschriebene Szenario hat durchaus seinen Reiz. Doch gerade die erste Geschichte ist es, die mich am meisten in den Bann gezogen hat, denn die Ausgangssituation war fast schon filmreif. Und auch die Chararakterzeichnung war hier noch am besten.
Die zweite Story flacht sehr ab und war für mich die absolut uninteressanteste. Bei der letzten Geschichte trat McBean dann wieder mehr aufs Gas und schilderte wieder Geschehnisse, die ich mir ohne weiteres als Film vorstellen könnte.

Ich persönlich hatte keine Probleme mit den vielen Ungereimtheiten, die im Verlauf der Geschichte auftraten, denn die Grundaussage der Trilogie, dass sich die Natur an der Menschheit rächt, hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ähnelt in allen drei Büchern der Schreibstil dem von Richard Laymon, obwohl natürlich McBeans eigener Stil deutlich herauszulesen ist. Durch die verschiedenen Hauptpersonen in den drei Geschichten wirkt „Die Verdammten“ leider nicht ganz ausgegoren, schon aus diesem Grund hätte ich mir gewünscht, dass die Personen der ersten Geschichte auch die Abenteuer der beiden nachfolgenden bestritten hätten.

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Fazit: McBean hätte aus der interessanten Grundidee mehr machen können. Nichtsdestotrotz liefert er einen sich wohltuend von anderen Endzeitszenarien abhebenden, teils brutalen Thriller ab, der, obwohl relativ einfach geschrieben, sehr bildreich eine Welt darstellt, in der die Natur die Herrschaft über die Erde übernimmt. Für McBean-Fans ein Muss, für Einsteiger in die literarische Welt des Autors eignen sich seine anderen Werke auf jeden Fall besser.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten