Fireman von Joe Hill

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 958 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-453-31834-2
Kategorie: Dystopie, Science Fiction

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Eine Seuche namens „Dragonscale“ droht, die gesamte Menschheit zu vernichten. Anfangs bemerken die Infizierten eine seltsame Hautkrankheit, die wie Tätowierungen gleichen. Doch schon wenig später entzünden sich die von der Krankheit Befallenen selbst und verbrennen. Das Ende der Welt scheint angebrochen zu sein. Harper Grayson ist Krankenschwester und wird ebenfalls von dem Virus befallen. Sie findet Schutz in einer Gemeinschaft, die die Feuerkrankheit zumindest soweit in den Griff bekommen haben, dass sie sich nicht selbst entzünden. Dort lernt Harper den sogenannten „Fireman“ kennen, ein Mann, der innerhalb kürzester Zeit zu einer Legende geworden ist, weil er „Dragonscale“ vollkommen unter Kontrolle halten kann. Ist jener „Fireman“ die letzte Hoffnung der Menschheit?

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Als Stephen King-Anhänger und auch ebensolcher seines sehr talentierten Sohnes war ich natürlich unheimlich gespannt darauf, was Joe Hill nach „Christmasland“ und seinem hervorragenden Debüt „Blind“ abgeliefert hat. Ich bin gespalten, was das Dystopie-Epos angeht, das gebe ich unumwunden zu, denn „Fireman“ hat durchaus einige beeindruckende Höhen, aber leider auch einige anstrengende Längen.
Der Beginn des Plots ist allerdings filmreif und man kann nach den ersten Seiten kaum abwarten, wie das Ende der Menschheit bei Joe Hill ablaufen wird. Allerdings wird man leider aus dieser grundsoliden, absolut stimmungsvollen Endzeitatmosphäre herausgerissen, als Harper auf die Gemeinschaft stößt. In einer Mischung aus „Walking Dead“, „Postman“ und „Tribute von Panem“, gewürzt mit einem Schuss „The Road“ von Cormac McCarthy, erzählt Joe Hill im Prinzip den (Leidens-)Weg einer Frau, nämlich Harper Grayson. Hill versteckt viele Anspielungen auf seine eigenen Romane, die seines Vaters und auch weitere Bestseller, die wohl jede Leseratte kennen dürfte, aber er geht eindeutig seinen eigenen Weg.

Dennoch funktioniert „Fireman“ trotz seines bombastischen Ausmaßes und der wirklich tollen Ausgangssituation nur bedingt. Vielleicht liegt es sogar am Umfang des Werkes, das bei vielen Lesern oftmals Langeweile aufkommen lässt. Ich genoss die Geschichte, mir war sie auch niemals zu langatmig, wenn ich ehrlich bin, aber trotzdem zündete der Funke, der am Anfang verbreitet wurde, im Verlauf der Geschichte nicht. Schade, denn das Ausgangsszenario hätte, wie gesagt, Potential zu einem epischen Dystopie-Road-Movie ausgebaut werden können. Hill übt Gesellschaftskritik (was keinesfalls schlecht ist), aber er konzentriert sich zu sehr auf die Vorfälle, die in der Gemeinschaft passieren (und das erinnert in der Tat an einige Folgen von „Walking Dead“ – vielleicht auch beabsichtigt). Aber hätte Hill mehr Augenmerk auf die Welt gerichtet, die dem Untergang geweiht ist, und seine Protagonisten durch diese Hölle geschickt, wäre bestimmt ein weitaus beeindruckenderes Werk entstanden. Aber Joe Hill hat einen anderen Weg gewählt und sich, wie gesagt, auf das Leben in einer Gemeinschaft konzentriert, die sich in Sicherheit wähnt.

Die Charaktere sind durchaus glaubwürdig und mit Seele ausgearbeitet. Joe Hill bewegt sich mit seinem Schreibstil oftmals auf hohem Niveau, gerät aber an einigen Stellen auch ins Umgangssprachliche, so dass ich mir ein paar Mal gedacht habe, das Buch wäre von zwei Autoren geschrieben worden. Auch wirkten manche Ereignisse ein wenig zu weit hergeholt und an der Grenze zur Unglaubwürdigkeit.
Doch trotz all meiner Kritikpunkte ist Joe Hill aus meiner Sicht eine beeindruckende Endzeitvision gelungen, die vor allem durch seine bildhafte Sprache zu einem Kopfkino-Blockbuster wird. Im Nachwort wird erwähnt, dass die Filmrechte bereits verkauft sind. Ich könnte mir ohne weiteres vorstellen, dass im Falle von „Fireman“ die Filmumsetzung durchaus ansprechender ausfallen könnte als die Buchvorlage. „Fireman“ ist für die große Leinwand gemacht und könnte von der Atmosphäre her wie seinerzeit die Buchadaption von David Brins „Postman“ von Kevin Costner wirken.

Joe Hill beschreibt stimmungsvolle  Bilder. Am Anfang schreibt er über die Liebe zu einem Menschen. Diese Beschreibung, gerade auch noch von einem Mann geschrieben, ist wunderschön und wahr. Und eben genau solche Beschreibungen, hochwertige literarische Sätze, fehlten mir dann oftmals im Verlaufe des weiteren Buches. Das hätte Joe Hill bestimmt besser gekonnt. „Fireman“ ist ein über 900 Seiten starkes Mammutwerk, das letztendlich aber dann doch keines ist. Im Nachhinein denkt man nämlich, der Plot hätte auf nur 400 Seiten stattgefunden. Dennoch möchte ich das Leseerlebnis nicht missen, denn „Fireman“ hat wirklich auch viele gute Seiten.

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Fazit: Groß angelegte Endzeitvision, die durchaus auch auf halb so vielen Seiten funktioniert hätte. Wer es ausführlich mag, wird „Fireman“ genießen, Ungeduldige könnten Probleme damit haben.

©2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-06022-6
Kategorie: Endzeitdrama

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Die Welt wird von einer Pandemie, der Georgischen Grippe, heimgesucht. Innerhalb kürzester Zeit erkranken und sterben die Menschen. Einige wenige scheinen immun zu sein und überleben das Fiasko. Sie finden sich zusammen, leben in kleinen Siedlungen und bewahren das Erbe an die „alte“ Welt so gut es geht.

Eine Gruppe von Schauspielern und Musikern, die sogenannte „Fahrende Symphonie“, reist durch Amerika und begeistert die verbliebenen Menschen mit ihren Auftritten. Unter Ihnen ist die junge Kristin. Sie ist eine der Schauspielerinnen der Symphonie und sie stand bereits als Kind auf der Bühne. Kristin war als kleines Mädchen dabei, als der berühmte Schauspieler Arthur Leander während seiner Darbietung als König Lear im 4. Akt verstirbt. Ihm ist der Untergang der Welt knapp erspart geblieben.

Und auch wenn dieser Roman die Geschichte des Ende der Welts wie wir sie kennen erzählt, so dreht sich doch eigentlich alles um ihn, Arthur Leander.

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Das Licht der letzten Tage ist ein Endzeitdrama oder eine Dystopie, obwohl es irgendwie auch eigentlich keines von beidem ist. Anders kann man diesen Roman nicht beschreiben.

Die Autorin hält sich während der Handlung mehr in der Vergangenheit auf und erzählt das Leben des Schauspielers Arthur Leander in seinen unterschiedlichsten Lebensstationen. Wir lernen Freunde, Ehefrauen und Kinder kennen. Treffen auf Weggefährten und Bekannte. Erleben seinen Tod direkt zu Beginn des Romans und schlittern durch diese schnelle, bösartige Pandemie in die Jetztzeit. Und ganz langsam aber sicher verknüpfen sich die Fäden, finden sich die Figuren der unterschiedlichsten Zeiten zusammen und ergeben ein gesamtes Bild.

Emily St. John Mandel hat hier einen wunderbar ruhigen, liebevollen und poetischen Roman erschaffen, der vergessen lässt, dass die Welt ja eigentlich komplett zerstört ist.

Die Autorin gibt ihren Figuren eine Echtheit und Tiefe, dass sie dem Leser während der Handlung ans Herz wachsen und man fühlt sich einfach wohl mit ihnen.

Mir hat dieser stille Roman sehr gut gefallen, die Sprache ist sehr schön und gehoben. Die Beschreibungen der Orte und einzelnen Szenen erfolgt detailgenau, sodass ich alles „gesehen“ habe. Genauso soll Lesen sein, Buchstaben sollen einen Film erzeugen und das hat die Autorin hier wunderbar geschafft. Interessant ist auch, dass die Endzeitstimmung eigentlich gar keine Rolle spielt. Ja, es hat eine Pandemie beinahe alles Leben ausgelöscht, dennoch ist das eher nebensächlich.

Was mich ein bisschen enttäuscht ist lediglich auf die Qualität des Buches zurückzuführen. Das Buch ist trotz vorsichtigem Lesen bei mir völlig schief und verbogen. Der Buchrücken ist durchgebogen und das sieht im Regal absolut unschön aus. Es wundert mich ein bisschen, denn ich habe eine Menge Bücher des Verlages zu Hause und die sind eigentlich von besserer Qualität.

Mein Fazit: Eine wunderschöne, ruhige und stimmungsvolle Geschichte, die durch liebevoll gestaltete Charaktere getragen wird. Eine Dystopie eben, die keine ist 🙂

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© Buchwelten 2015

Pandemic – Die Seuche von Scott Sigler

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 768 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-381-5
Kategorie: Horror, Thriller

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Am Grund des Lake Michigan liegt eine außerirdische Sonde, die ein tödliches Virus beherbergt.
Eines Tages bricht die Seuche aus und ganze Kontinente stehen vor der Auslöschung. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, ein Gegenmittel zu entwickeln, bevor sich die Seuche über die ganze Erde ausbreitet.

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Scott Sigler schreibt Bücher wie Achterbahnfahrten. Man steigt ein und kommt nicht mehr raus, so rasant ist die Fahrt, auf der uns der Autor mitnimmt. „Pandemic“ hat einen Einstieg, als lese man ein Buch von Michael Crichton. Die erste Hälfte des Romans spielt auf und unter dem Wasser am Lake Michigan und ist an Spannung kaum zu überbieten. Der knappe Schreibstil reißt den Leser von Anfang an mit und lässt ihn nicht mehr los. Sigler schafft es sogar, trotz des anhaltenden Spannungsniveaus auch eine ganz anständige Charakterzeichnung seiner Protagonisten zu vermitteln. In gewohnter Manier erzählt Scott Sigler von einer Bedrohung, die die gesamte Menschheit dahinrafft, wenn nicht schnellstens ein Gegenmittel gefunden wird.

„Pandemic“ ist der abschließende Teil einer Trilogie, deren ersten beide Teile im Heyne Verlag erschienen sind: „Infiziert“ ist der erste und „Virulent“ der zweite Teil. Man muss nicht zwingend die Vorgänger-Romane lesen, um „Pandemic“ zu verstehen, aber um sich ein Bild über die gesamte Geschichte machen zu können, ist es schon hilfreich.

Während die erste Hälfte des Romans mit stimmungsvollen, gruseligen Bildern unterhält, geht es in der zweiten Hälfte dann in die Vollen: Da wird geballert und gesplattert, das es eine wahre Freude ist. Und auch die Spannung kommt nie zu kurz. Dennoch hätte mir es besser gefallen, wäre die stimmungsvolle Atmosphäre der ersten Hälfte auch weiterhin präsent gewesen. Sigler inszeniert gegen Ende hin eine Ballerorgie ersten Grades, die zwar hervorragend unterhält, aber ab einem gewissen Punkt zu langweilen anfängt. Das ist nicht wirklich negativ von mir gemeint, denn, wie gesagt, das Spannungsniveau ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger hätte dem Plot schon gut getan. Das Abenteuer-Feeling der ersten Hälfte wandelt sich einfach zu schnell in ein Action-Feuerwerk, bei dem es keine Verschnaufpause gibt.

Sigler hält seine Kapitel kurz, was unweigerlich dazu führt, dass man das Buch „verschlingt“, als hätte es nur die Hälfte der ansehnlichen Seitenzahl. Man fliegt durch die Geschehnisse und will wissen, wie es weitergeht. Das Szenario, das Sigler hier beschreibt, ist absolut nachvollziehbar und vermittelt auch eine gewisse wissenschaftliche Authentizität. Das macht den Roman tatsächlich zu einer Art Mischung aus Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child. Für Fans von „schnellen“ Plots uneingeschränkt zu empfehlen.

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Fazit: Anfangs sehr stimmungsvoll und abenteuerlich entwickelt Scott Sigler seine Handlung gegen Ende hin zu einem wahren Bombast-Action-Feuerwerk, bei dem auch ein gehöriger Gore-Anteil zu Buche schlägt. Spannungsgeladenes Weltuntergangsszenario und atemberaubender Pageturner.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ruinen von Dan Wells – Partials III

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei ivi / Piper
insgesamt 480 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-70284-3
Kategorie: All Age Fantasy

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Kira Walker hat es geschafft, sowohl ein Heilmittel gegen die Seuche RM, als auch den Schlüssel zur Aufhebung des Verfallsdatums der Partials zu finden. Das Problem ist jedoch, dass jede Seite für sich zum finalen Krieg aufrüsten und somit das Ende beider Parteien nicht verhindert werden kann. Nun hat sie endlich eine Möglichkeit, beide Seiten zu retten, und jetzt soll es zu spät sein? Getrennt von all ihren Freunden geht Kira dennoch ihren Weg und setzt ihr eigenes Leben mal wieder aufs Spiel, um die Menschheit und die Partials zu retten, denn sie kann und will sich nicht zwischen einer Seite entscheiden ….

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Ich bin ja seit seinem Debüt Fan von Dan Wells und war von den beiden ersten Teilen seiner Partials-Reihe auch sehr angetan. Was ursprünglich als Jugendbuch startete, ist nun in die Kategorie All Age Fantasy übergesiedelt und hat auch den Erwachsenen Lesern (wie eben auch mir) gut gefallen.

Natürlich habe ich mich sehr auf das Finale gefreut, muss jedoch sagen, dass ich mich wirklich schwer getan habe. Ich bin gleich zu Anfang sehr schwerfällig in die Handlung gekommen, der Biss hat irgendwie gefehlt. Ich kann nicht einmal gut erklären, woran es liegt, denn der Schreibstil ist wie bei den ersten beiden Teilen gut. Jedoch sind irgendwie alle wichtigen Personen getrennt, der eine ist hier unterwegs, die anderen mit diesem und jenem dort und ich wusste teilweise nicht mehr wirklich, wo ich bin :). Dann gibt es in diesem Band so viele Untergruppen, die Rebellengruppen bilden oder Ableger von Partialarmeen, dass ich manchmal echt den Überblick verloren habe. Und das „traurige“ an der Sache: mir war es eigentlich relativ egal. Mein Bauchgefühl hat mir ein Ende vorausgesagt und so ist es dann letztendlich auch gekommen. Wobei es gegen Ende dann immerhin ein bisschen Schwung gab, dort haben sich dann einige Fäden verwoben.

Optisch passt der dritte Teil der Reihe perfekt. Die Trilogie macht sich sehr gut im Regal.

Mein Fazit: Für mich leider ein schwacher letzter Teil der Partials-Reihe, die gut und spannend begonnen hat, mit diesem Teil aber zäher und schwächer geworden ist. Ich möchte nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, meine Erwartungen wurden jedoch leider nicht erfüllt. Aber auch im vierten Serienkiller-Roman von Dan Wells (ich hatte die drei ersten Bände verschlungen!) habe ich schon festgestellt, dass die Handlung nachgelassen hat. Aber es soll sich jeder seine eigene Meinung bilden, denn alles ist Geschmackssache. Und ich werde weiterhin die nachfolgenden Romane von Dan Wells lesen 🙂

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Ich danke dem ivi/Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat, meine anderen Rezensionen zu den Dan Wells-Roman zu lesen, der braucht oben rechts in der Suchleiste nur den Autorennamen eingeben und „entern“.

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© Buchwelten 2015

Die Verdammten von Brett McBean

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Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA
insgesamt 586 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-292-4
Kategorie: Dystopie, Horror

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Während eines Einkaufstrips geschieht das Unglaubliche: Beth ist gerade mit ihrer Tochter auf dem Weg zum Auto, das sie in einem der Parkdecks des Einkaufszentrums geparkt hat, als Bäume aus dem Boden schiessen und die Umgebung in einen undurchdringlichen Urwald verwandeln. Noch ahnt niemand, dass diese rätselhafte Naturkatastrophe über den ganzen Erdball hereingebrochen ist.

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„Die Verdammten“ vereint McBeans Dschungeltrilogie („Der Dschungel aus Beton“, „Der Dschungel von nebenan“ und „Der Dschungel der Großstadt“) in einem Band. Die drei Geschichten haben, bis auf das Ende, nichts miteinander zu tun. Sie spielen lediglich im gleichen Szenario und der Leser muss sich bei jeder Geschichte auf neue Charaktere einlassen. Was als ziemlich atmosphärisches Endzeitdrama beginnt, wird in der Mitte sehr seicht und beginnt erst zum Ende hin wieder, einigermaßen stimmungsvoll zu werden. Aber eines nach dem anderen.

Zuerst einmal: Brett McBean kann es eindeutig besser, das hat er unter anderem mit seinen Romanen „Die Mutter“, „Das Motel“ und „Buk und Jimmy ziehen nach Westen“ bewiesen. Mit „Die Verdammten“ hat er zwar eine im Grunde genommen interessante Idee vorgelegt, die sich aber leider im Handlungsverlauf immer mehr in unlogische und teilweise nicht nachvollziehbare Ereignisse verstrickt. Hätte McBean die Hauptpersonen des ersten Teils in den weiteren beiden Teilen mitagieren lassen, wäre mit Sicherheit ein weitaus besseres Ergebnis herausgekommen. So muss man sich in jedem Teil leider auf eine neue Geschichte und neue Personen einlassen.

Der Schreibstil ist ungewohnt einfach gestrickt, da bin ich von McBean eindeutig Besseres gewöhnt. Aber nichtsdestotrotz fliegt man durch die drei Geschichten und kann sich schwer davon losreißen, denn das beschriebene Szenario hat durchaus seinen Reiz. Doch gerade die erste Geschichte ist es, die mich am meisten in den Bann gezogen hat, denn die Ausgangssituation war fast schon filmreif. Und auch die Chararakterzeichnung war hier noch am besten.
Die zweite Story flacht sehr ab und war für mich die absolut uninteressanteste. Bei der letzten Geschichte trat McBean dann wieder mehr aufs Gas und schilderte wieder Geschehnisse, die ich mir ohne weiteres als Film vorstellen könnte.

Ich persönlich hatte keine Probleme mit den vielen Ungereimtheiten, die im Verlauf der Geschichte auftraten, denn die Grundaussage der Trilogie, dass sich die Natur an der Menschheit rächt, hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ähnelt in allen drei Büchern der Schreibstil dem von Richard Laymon, obwohl natürlich McBeans eigener Stil deutlich herauszulesen ist. Durch die verschiedenen Hauptpersonen in den drei Geschichten wirkt „Die Verdammten“ leider nicht ganz ausgegoren, schon aus diesem Grund hätte ich mir gewünscht, dass die Personen der ersten Geschichte auch die Abenteuer der beiden nachfolgenden bestritten hätten.

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Fazit: McBean hätte aus der interessanten Grundidee mehr machen können. Nichtsdestotrotz liefert er einen sich wohltuend von anderen Endzeitszenarien abhebenden, teils brutalen Thriller ab, der, obwohl relativ einfach geschrieben, sehr bildreich eine Welt darstellt, in der die Natur die Herrschaft über die Erde übernimmt. Für McBean-Fans ein Muss, für Einsteiger in die literarische Welt des Autors eignen sich seine anderen Werke auf jeden Fall besser.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

One Second After von William R. Forstchen

One Second

Erschienen als Taschenbuch
im Deltus Verlag
512 Seiten
13,80 €
ISBN: 9783-940626-17-2

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Von einer Sekunde auf die andere ist die Welt nicht mehr die, die sie vorher war. John Matherson, Ex-Colonel und Geschichtsprofessor, lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf mitten in den Bergen von North Carolina. Aus heiterem Himmel bricht das komplette Stromnetz zusammen und sämtliche elektrischen Geräte funktionieren nicht mehr: keine Autos, keine Computer, keine Flugzeuge. Sämtliche Radios, Kühlanlagen und medizinischen Versorgungsgeräte sind lahmgelegt. Matherson entdeckt bereits nach wenigen Tagen, dass die USA anscheinend von einem EMP-Angriff (Elektromagnetischer Impuls) betroffen ist, der die Welt weiter als ins Mittelalter zurückwirft. Ein Kampf ums nackte Überleben beginnt …

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Ich bin durch Zufall auf diesen Endzeitroman gestossen und muss sagen, dass ich mehr als angenehm überrascht war. Das Szenario, das sich Forstchen ausgedacht hat, ist dermaßen eindringlich, realitätsnah und erschreckend geschildert, dass man tatsächlich meint, man wäre mit dabei und betroffen.
Das Buch ist außerordentlich gut recherchiert. Da wird wirklich an jedes Problem gedacht, dass ohne Strom auftritt und die Menschheit lebensbedrohlich gefährdet. Oft wird man als Leser auf Zusammenhänge gebracht, bei denen man nicht im Traum daran dachte, dass so eine Möglichkeit in Verbindung mit einem Stromausfall in Betracht käme. Diese hervorragenden Hintergrund-Recherchen über ein mögliches Szenario in dieser Art, war für mich ein ganz großer Pluspunkt dieses Romans, denn dadurch wurde die Geschichte mehr als realistisch.

Forstchens Schreibstil ist in der Regel sehr gehoben und hat mich an manchen Stellen sogar an Stephen King erinnert. Nur hin und wieder kamen ein paar sehr pathetische Stellen vor, die mir dann nicht so zugesagt haben. Vor allem am Ende wurde es sehr patriotisch und „Amerika“-lastig, was schon nahe an der Grenze des Nervens war. Aber nichtsdestotrotz (und wenn man das aus meiner Sicht übertrieben heldenhafte Ende außer Acht lässt), ist Forstchen ein absolut spannender, faszinierender und erschreckender Roman gelungen, der nachhaltig im Gedächtnis bleibt, zumal die Möglichkeit eines solchen EMP-Angriffs wahrscheinlicher ist, als so manch einer wohl denkt.

Die Charaktere, die Forstchen geschaffen hat, wirken sehr glaubhaft und in vielen Dingen fühlt man ihre Verzweiflung und Angst, aber auch die Entschlossenheit und den Mut, die sie niemals aufgeben lassen. Die Stimmung gleicht vielen Endzeitfilmen („Mad Max“ oder „The Day After“), hat mich aber auch auf gewisse Art und Weise immer wieder an Stephen Kings „Die Arena“ denken lassen. Wahrscheinlich lag es an den Charakterisierungen der Menschen und der Abgeschiedenheit des Ortes.

Da hat Deltus.de, ein Imprint des Festa-Verlages, einen wirklich guten Endzeit-Thriller veröffentlicht.

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Fazit: Sehr realistisches Endzeit-Szenario, das durch einen EMP-Angriff hervorgerufen wird. Die Welt ohne Strom ist schlimmer, als sich so manch einer vorstellen kann. Forstchen hat hervorragend recherchiert und eine erschreckende, aber auch traurige Geschichte geschrieben. Ein Buch, das man unbedingt einmal lesen sollte!

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Auserwählten (Maze Runner) – Trilogie von James Dashner

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Erschienen als Broschur
(alle drei Teile im Schuber)
im Chicken House Verlag (Carlsen)
1520 Seiten
29,99 €
ISBN: 978-3-551-52068-5

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Thomas erwacht in einem Aufzug, der ihn inmitten von einer Gruppe Jugendlicher bringt, die sich in einem überdimensionalen Labyrinth befinden. Über Jahre hinweg suchen die Kinder bereits nach einem Ausweg. Immer wieder blitzen Erinnerungen in ihren Gedanken auf, in denen sie eine Welt sehen, auf der die Menschen durch eine schreckliche Krankheit nahezu ausgestorben sind. Bald schon sind die Jugendlichen davon überzeugt, Teil eines Plans zu sein, der die Menschheit vor dem endgültigen Untergang bewahren soll.

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Durch den Trailer zur Kinoverflmung des ersten Teils „Maze Runner“ bin ich auf diese Jugendbuch-Reihe gestossen. Nachdem ich in der Regel zuerst immer das Buch / die Bücher lese, bevor ich mir einen Film ansehe, habe ich mir den Schuber mit allen drei Teilen der Buchreihe von James Dashner gekauft.
Anfangs war ich auch noch richtiggehend von der Story begeistert, was mir aber im Laufe der Folgebände immer mehr abhanden kam. Aber der Reihe nach:

Was mir an der Trilogie gefallen hat: Der erste Teil :), der Plot an sich (also die Grundidee) und die Darstellung der von einer Krankheit heimgesuchten Erde.

Was mir an der Trilogie nicht gefallen hat: Der Spannungsbogen fiel leider mit jedem Teil der Trilogie ab. Die oft kindischen, fast schon babyhaften, Ausdrücke und Gespräche der Jugendlichen, die eigentlich zu den schlauesten Kindern der Menschheit gehören sollen. Der sehr einfache Schreibstil. Eine viel zu oft verwendete Umgangssprache, die äußerst störend zu den teils spannenden Szenen passte. Die Logikfehler. Die Auflösung.

Während der erste Teil „Im Labyrinth“ noch weitestgehend spannend und vor allem mystisch war, weil man wirklich nicht wusste, um was es überhaupt geht, fielen Teil 2 und 3 dann immer mehr ab und wurden sogar -zumindest für mich- langweilig. Sicherlich waren ein paar gute Beschreibungen dabei, z.B. wie die Erde nach so einer Epidemie aussehen könnte. Aber die Grundhandlung, die sich Dashner ausgedacht hatte, wurde gegen Ende hin immer unlogischer, langweiliger und konstruierter. Was besonders störend auf mich wirkte, war die oben bereits erwähnte kindliche Sprache, in der sich die Jugendlichen miteinander unterhielten. Vor allem dann, wenn solche Dialoge von blutspritzenden, brutalen Zombieangriffen abgelöst wurden und aus einem Kinderbuch (diese Sprache war für mich eines Jugendbuches nicht würdig) einen Splatter-Horror machten. Das passte irgendwie nicht zusammen und machte die Stimmung total kaputt. Entweder Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenroman. Alles zusammen funktioniert nicht, Herr Dashner.

Dass ich alle drei Teile bis zu Ende gelesen habe, heißt aber auch, dass die Trilogie jetzt so schlecht auch nicht war. Aber ein zweites Mal werde ich die Bücher definitiv nicht lesen, dazu war mir der Plot dann doch zu konstruiert und unglaubwürdig. Als Film wird die Handlung wahrscheinlich „funzen“, denn visuell kann man die Atmosphäre der Bücher durchaus ansprechend in Szene setzen, da bin ich überzeugt.
Alles in allem bedient sich Dashner irgendwie an Filmen wie „Cube“, „Saw“, „Battle Royal“ oder eben Büchern wie zum Beispiel „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins, die sich aber auch so ein paar Dinge von „Battle Royal“ abgeschaut hat. 😉

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Fazit: Für abenteuerlustige und nicht anspruchsvolle Kids, die kein Problem mit etwas härteren und blutigeren Sequenzen haben (aber wer von den Kindern heutzutage hat damit Probleme?), mag die „Maze Runner“-Trilogie wohl seine Reize haben. Für das anspruchsvollere Publikum sind die Bücher aber dann wohl eher nicht geeignet. Da haben mir die Jugendbücher „Die Tribute von Panem“ oder die „Biss“-Reihe bedeutend besser gefallen, vor allem die letztgenannte. Alleine schon vom Schreibstil lässt sich Dashners Trilogie leider mit keiner der genannten vergleichen.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

White Horse von Alex Adams (4/5)

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Erschienen als
Klappenbroschur
im PIPER Verlag
448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-4927-0252-2
Kategorie: Endzeitdrama/Fantasy

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Zoe ist Putzfrau – oder auch Reinigungskraft – bei einem großen Medizinkonzern. Sie schrubbt die Böden, kümmert sich um die Versuchstiere und mag ihren Job. Zoe ist bei weitem nicht dumm, sondern hat diese Arbeit nur angenommen um sich bei einem sicheren Einkommen in Ruhe Gedanken zu machen, ob und was sie evtl. später einmal studieren möchte.

Außerdem ist Zoe aber auch eine geliebte Tochter, Schwester und sie hat Freunde in ihrer Umgebung. Einen kleinen Sicherheitswahn hat sie auch. Ihre Wohnung ist durch extreme Alarmsysteme gesichert, die gut ausgeklügelt sind. So ein bisschen wie Fort Knox.

Um so erstaunlicher ist, dass eines Tages mitten in ihrem Wohnzimmer ein seltsames Gefäß auf dem Boden steht. Einfach so. Nichts ist gestohlen, nichts ist zerstört worden. Da steht nun plötzlich dieses versiegelte Teil zwischen Sofa und Fernseher auf dem Teppich.

Zoe ist verwirrt und neugierig, macht aber keine Anstalten, sich das Gefäß näher anzusehen.

Stattdessen sucht sie sich einen Therapeuten. Sie möchte über dieses aufgetauchte Problem mit einem Fachmann sprechen, ist jedoch nicht ganz ehrlich. Sie sagt bereits in ihrer erster Sitzung, dass sie von diesem Gefäß träumt und dieser Traum sie nicht loslässt.

Die Sitzungen tun Zoe gut, sie baut ein angenehmes Verhältnis zu dem Therapeuten auf, das Gefäß rührt sie dennoch nicht an. Sie lebt weiterhin ihren Alltag, geht zur Arbeit, trifft ihre Freunde und Nachbarn.

Doch dann beginnen sich die Dinge zu ändern: Die Menschen in ihrer Umgebung werden krank, ein üblicher Brech-Durchfall befällt sie und noch etwas ist seltsam. Sämtliche Katzen, die im Appartementblock leben, verschwinden.

Zoe fragt sich, was passiert ist und ob evtl. dieses unscheinbare aber störende Gefäß in Ihrer Wohnung damit zu tun hat?

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Zunächst war ich ein wenig skeptisch, das gebe ich zu. Der Text auf dem Buchrücken hat an Inhalt nicht viel hergegeben, aber dennoch neugierig gemacht. Mir war klar, dass mich in etwa ein Endzeitdrama erwartet und das trifft auch zu.

Die Kapitel springen immer zwischen „Damals“ (vor der Katastrophe) und „Jetzt“ (die Zeit, in der Zoe um ihr Überleben kämpft). Das gestaltet das Lesen als sehr kurzweilig und rasant. Wobei diese beiden Zeitspannen innerhalb des Romans immer mehr zusammenrücken.

Der Schreibstil war gut, stellenweise sehr gehoben, ausführlich und bildhaft. Hier eine kleine Textstelle (S.330)

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Flammen lecken über einen Lastwagen auf der anderen Seite des Lagers, küssen das Metall mit der Zärtlichkeit eines Liebhabers. Höher und höher züngeln sie, bis die Nacht explodiert. Das Licht hinterlässt grelle Flecken auf meiner Netzhaut, als sich der Feuerball entfaltet, eine Blume, deren Blütenblätter sich aufspreizen, weiter … immer weiter … und dann zurücksinken an den Ort ihrer Entstehung.“

Eine Stelle, die hängengeblieben ist, denn die gefiel mir sehr gut.

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Natürlich sind die Erwartungen bei Aussagen auf dem Buchrücken, die u.a. mit Stephen King vergleichen, entsprechend hoch. Hier muss ich sagen, an die Stimmung von Kings „The Stand“ kommt das Buch für mich nicht ran.

Hierzu wurde ich bis zuletzt mit der Protagonistin nicht wirklich warm, auch wenn sie sympathisch war und ein herzensguter Mensch, der letzte Kick kam für mich nicht ganz rüber.

Für mich hat sich die Story aber ab der Hälfte verbessert, die Auflösung des Ganzen und auch das Ende sind Geschmackssache. Ich fand den Schluss an sich nicht so brillant. Aber das empfindet nun mal jeder Leser anders. Es gibt auch viele geniale Kings – um bei dem Vergleich zu bleiben – die ein eher schwaches Ende haben.

Trotzdem hat mir der Roman gut gefallen und ich habe Zoe gerne begleitet auf ihrem schweren Weg. Eine düstere Stimmung kommt sehr wohl auf schlimmerweise kann so eine Katastrophe in unserer heutigen Zeit sicherlich wirklich – in ähnlicher Weise – eintreffen.

Das Cover ist sehr gut gelungen. Ein verlassener Ort, mitten darin steht Zoe erschöpft im Regen. Die Farben sind dunkel und düster gehalten. Es passt sehr gut zur Geschichte und ist ansprechend.

Alex Adams ist übrigens eine Frau und dieser Roman ist ihr Debüt und „White Horse“ der Auftakt einer Trilogie.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein dunkles Endzeitdrama, in dem dennoch die Gefühle und Menschlichkeit eine große Rolle spielen, das rasant geschrieben und abwechslungsreich ist. Ein uralter Hintergrund dient als Ursprung der Story und die Umsetzung ist gelungen und nicht mal abwegig. Der Schluss für mich eher weniger überzeugend, aber sicherlich Ansichtssache.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Buchwelten im Gespräch mit Thomas Elbel

Im Spätsommer diesen Jahres erschien der Debüt-Roman ASYLON von Thomas Elbel im Piper Verlag. Er hat mit seinem Werk ein postapokalyptisches Endzeitdrama geschaffen, dass ich in meiner Rezension bereits besprochen habe und das absolut lesenswert ist.

Ich freue mich, dass Thomas Elbel sich die Zeit für ein Gespräch genommen hat.

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Dein Debüt ASYLON ist ein postapokalyptisches Endzeitdrama, sog. Dystopie, wurde aber mittlerweile in das Genre „Science Fiction“ eingeordnet. Warum hast Du gerade einen Roman in diesem Bereich geschrieben? Bist Du selbst ein großer Fan dieser Stories und wolltest daher solch ein Werk erschaffen?

Oh, ja. Ich bin tatsächlich ein großer SciFi-Fan, von Space Opera (Dune) bis zu Crossoverleckerbissen wie Pandorum. Vor den „Tributen von Panem“ wurden Dystopien – mit Ausnahme von einigen Zirkeln Eingeweihter – ohnehin dem Bereich SciFi zugeschlagen. Von der normalen SciFi unterscheiden sich Dystopien meist dadurch, dass sie näher an der Jetztzeit sind und bereits absehbare, tendenziell negative Entwicklungen aufgreifen und extrapolieren. Ich mag ihre Lebensnähe. An unseren schlechteren Tagen scheint unsere Welt ohnehin schon heute dystopische Züge haben. Innerlich setzen wir alle uns permanent mit Fragen auseinander wie z.B.: „Was wäre wenn die Wirtschaftskrise das Finanzsystem des ganzen Planeten zu Fall bringt?“, „Was wäre wenn Antibiotika nicht mehr wirken?“, „Was wäre wenn das Klima noch schneller ansteigt, als wir jetzt schon vermuten?“ etc. In unseren pessimistischen Momenten sind wir also alle Dystopisten. Ich greife diese Gedanken auf und verarbeite sie literarisch. Vielleicht ist das eine Art lustvoller Angstexorzismus.

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Du liest selber – soweit es Deine Zeit erlaubt – gerne Bücher. Welche Schriftsteller sind Deine Liebsten und gibt es für Dich als Autor Vorbilder?

E.T.A. Hoffmann, Franz Kafka, Philip K. Dick, Stephen King. Allgemein: Autoren die es schaffen, eine Atmosphäre zu kreieren, in der das Surreale zur Selbstverständlichkeit wird.

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Du bist ein relativ junger Professor der Jura. Wie lässt sich für Dich diese Arbeit mit der Schreiberei abstimmen?

Da die Professur selbst viel Schreibarbeit beinhaltet, ist die Kluft vielleicht gar nicht so groß, wie man denkt. Es gibt ja das Phänomen der schreibenden Juristen, also eine statistisch auffällige Anzahl literarisch produktiver Rechtswissenschaftler. Oben stehen schon zwei Beispiele. Offensichtlich passt das gut zusammen, ohne dass ich genau sagen könnte, warum.

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Du hast während Deines Studiums in den Staaten gelebt. Wolltest Du jemals dort bleiben oder kam das für Dich nie in Frage?

Nachdem ich da war, kann ich guten Gewissens sagen, dass es für mich immer ein Sehnsuchtspunkt sein wird, ich es aber dort lebenslang nicht aushalten könnte. Ich lebe lieber da, wo es mehr Vollkornbrot und weniger Waffen gibt.

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Du lebst nun in Berlin. Was bedeutet die Hauptstadt für Dich? Liefert Sie Dir nur einen schönen Wohnsitz oder durch ihre bunte Vielfalt auch Inspiration für Deine Arbeit als Autor?

Berlin ist sicherlich eine tolle Inspirationsquelle. Es ist so gegensätzlich. Wenn es – wie jetzt – kalt und regnerisch ist, lebt man in einer kräftesaugenden Steinwüste und im Sommer ist es dann Montmartre an der Spree.

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Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Wechselst Du rasant zwischen Uni und Arbeitszimmer oder schreibst Du nur an „professorfreien“ Tagen?

Eine Professur besteht neben den Vorlesungen und Gremiensitzungen zu 60 bis 70 Prozent aus Schreibtischarbeit. Während des laufenden Semesters komme ich dann allerdings nicht zur Arbeit an Buchprojekten. Das muss also bis zur vorlesungsfreien Zeit warten.

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Wie viele Tage schaffst Du es ohne das Schreiben? Geht das überhaupt oder lassen Dir deine Ideen so wenig Ruhe, dass sie danach ’schreien‘ niedergeschrieben zu werden?

Meine Ideen schreien Gottseidank nicht. Wenn ich an ihre WG-Tür klopfe, bitten sie mich meist freundlich zum Tee hinein. An manchen Tagen wollen sie allerdings auch mal unter sich sein. Nein, im Ernst: Ich bin ein recht systematischer Schreiber. Das ist eben durch die Wechsel zwischen Brot- und Nebenberuf bedingt. Tatsächlich muss ich mich dann zum Beginn der Arbeit an einem Projekt auch erst mal wieder in meinen Kreativmodus einfinden. Das sind immer ein paar quälende Tage des Übergangs. Aber irgendwann fließt es dann wieder. Es wäre schon ein Traum, dass irgendwann besser kombinieren zu können. Aber ich stehe halt in beiden Berufen erst am Anfang. Da muss sich sicherlich vieles noch zurechtrütteln.

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Aus Deinem Nachwort weiß ich, dass Du zu ASYLON von Filmen wie z.B. „Die Klapperschlange“ mit Kurt Russel inspiriert wurdest. Bezeichnest Du Dich als Filmfreak? Ist das eines Deiner Hobbies, dem Du gerne und regelmäßig nachgehst?

Ich bin eher jemand, der sich hier und da mal in einen Film verliebt, den er dann wieder und wieder sieht. Dafür verliebe ich mich eher selten. Letztes Wochenende habe ich mir mal wieder „Die neun Pforten“ angeguckt, zum etwa halbdutzendsten Mal; diesmal auf Englisch, mit beiden Katern auf dem Schoß, während mein drei Monate alter Sohn an seinem Spielreck rumwerkelte. Das war herrlich. Polanski ist ein begnadeter Regisseur. Vielleicht das filmweltliche Pendant zu Kafka. Das Skurrile wächst aus der Normalität, als hätte es schon immer hinter der nächsten Ecke gelauert. Ich muss unbedingt mal die Romanvorlage lesen. Von Pérez-Reverte stammt ja auch die Alatriste-Reihe, die auch sehr ansprechend verfilmt wurde.

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Meine Standard- und Ritualfrage in meinen Interviews wurde bereits in einem anderen Gespräch gestellt, daher weiß ich bereits, dass Du am liebsten mit leisen Hintergrundgeräuschen Deiner Familie schreibst. Arbeitest Du dann an einem Laptop auf der Couch oder hast Du ein separates Arbeitszimmer?

In unserem familiären Wohnzimmer ist für mich eine Arbeitsecke reserviert. Auf der Couch schreiben könnte ich gar nicht. Dafür kann ich sogar dann schreiben, wenn meine Gattin auf dem Sofa „Dr. House“ guckt. Ich bin der perfekte Realitätsausblender.

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Hast Du Dir den Titel ASYLON selber ausgedacht? Wenn ja, ist es eine Ableitung von „Asyl“ oder dem englischen Asylum – Anstalt? Wenn nein, was ist die Bedeutung, die Du im Sinn hattest?

Asylon ist altgriechisch für Zuflucht. Ich weiß noch, dass ich mit allen möglichen anderen Symbolnamen für einen letzten Ort der Erde gespielt habe: „Ultima Thule“, „Vineta“, „Armageddon“, etc. War mir aber alles zu pathetisch und abgeschmackt. Ich hatte dann zwar noch weitere Titelideen, die eben andere Aspekte des Buches hervorhoben, aber Asylon war die, die Piper am besten gefiel. Ich und Cheflektor Carsten Polzin haben uns dann in der Vorbereitungsphase einen Spaß draus gemacht, unsere Emailbetreffe immer daran anzulehnen. In der Vorphase zur Leipziger Buchmesse gab es da einen Emailstreak „Messylon“. Eine Mail zu meinem Buchentstehungsblog bei Piper titelte „Diarylon“. Ziemlich albern. Ich war immer ein bisschen ängstlich, die Leute könnten Asylon mit einem Fachschmöker für Integrationspolitik verwechseln. Bis jetzt hat sich allerdings noch niemand in dieser Hinsicht geäußert.

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Eigentlich stelle ich nur 10 Fragen aber da Du ein so ausführliches Nachwort geschrieben hast und ich ein Fan eben dieser bin: Liest Du selbst auch sehr gerne Nachworte und … liest Du sie– so wie ich – auch immer zu Beginn des Buches?

Ja, mache ich in der Tat. Schön zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der dieser schlechten Angewohnheit frönt.

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Lieber Thomas, ich danke Dir für die Beantwortung meiner Fragen und die Zeit die Du Dir genommen hast.

Ich wünsche Dir für Deinen Debüt-Roman ASYLON viel Erfolg und ich bin bereits sehr gespannt auf das, was wir in der Zukunft noch von Dir lesen dürfen…

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Zu Internetpräsenz von ASYLON

ASYLON bei Piper-Fantasy

ASYLON bei Facebook

Rezension zu ASYLON bei BUCHWELTEN

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© Buchwelten 19.11.2011

ASYLON von Thomas Elbel (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch im
PIPER Verlag
448 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-492-26792-2

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Asylon ist der Name jener Stadt, die inmitten einer Wüste liegt und von einem Festungsgürtel umgeben ist. Selbstschussanlagen, Minenstreifen und eine Blendmauer sollen die letzte Stadt der Zivilisation vor unerwünschten Eindringlingen schützen. Denn angeblich herrschen dort – in den sogenannten Offlands – nur Hunger und Elend, vor dem die Menschen nach Asylon flüchten wollen.

Nach der dramatischen Klimakatastrophe, dem sogenannten ‚Surge‘ leben die Menschen in dieser beengten Stadt, deren Bauwerke absolut verwinkelt sind und Gassen eng, düster und dunkel.
Den Himmel sehen nur die Bewohner, die besondere Stellungen im System der Stadt innehaben. Alle anderen leben z.B. in Appartementklötzen, die sich meist unterirdisch befinden.

Torn ist in der Stadt als Masterleveller eingesetzt, das ist eine Art Sheriff, der das Gleichgewicht zwischen den herrschenden Clans halten und die Gewaltakte unter eben diesen unter Kontrolle bringen soll.

Als er eines Tages gemeinsam mit seinem Partner Scooter die zerfetzte Leiche einer Frau im Minenfeld findet ist er verwundert. Der Position der Leiche nach, wollte diese eindeutig die Stadt verlassen. Doch warum? Als Torn neben der Leiche einen seltsamen Talisman in Form eines Auges findet, steckt Torn ihn ein. Warum weiß er selber nicht, er geht einfach seinem Bauchgefühl nach.

Am selben Abend erfährt Torn, dass sein Sohn bei der Geburt ums Leben kam. Seine Frau sagt ihm noch im Krankenhaus, ihr Kind sei ihr gestohlen worden. Er glaubt ihr nicht. Am nächsten Tag wird ihm die Nachricht überbracht, seine Frau sei ebenfalls verstorben. Gestorben durch das posttraumatische Ereignis ihr Kind bei der Geburt verloren zu haben.
Immer mehr fragt sich Torn was in Asylon vor sich geht. Er beginnt seine Suche und versucht herauszufinden was mit seiner Frau und seinem Kind geschehen ist.

Dann lernt Torn die schöne Saïna kennen, sie ist die beste Freundin des Opfers aus dem Minenfeld und arbeitet in dem Krankenhaus, in welchem seine Frau und Kind ums Leben kamen, als Hausmeisterin. Sie selber hat Nachforschungen angestellt, weil sie Aufschluss über den Tod ihrer Freundin haben will und stieß dabei auf geheimnisvolle Aufzeichnungen. Sie erzählt Torn von diesen seltsamen Dingen und so taucht er immer tiefer ab in die Verwirrungen und Machenschaften von Asylon und bringt sich dadurch in immer größere Gefahr …

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Man hat mich eher zufällig auf dieses Debüt von Thomas Elbel gebracht und ich muss gestehen, von diesem neuen Genre „Dystopie“ hatte ich bislang noch nichts gehört. Aber mit postapokalyptischem Endzeitdrama konnte ich dann schon etwas anfangen. Ich dachte sofort an Filme wie „Klapperschlange“ oder auch „Fortress“.

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Die Handlung von Asylon hat mir sehr gut gefallen. Der Aufbau der Spannung und die Ausarbeitung der Charaktere finde ich gut gelungen. Hier spreche ich vor allem von dem Protagonisten Torn und auch seiner Gefährtin Saïna. Hier hat der Autor interessante Persönlichkeiten geschaffen.

Dem Autor ist es gelungen dem Leser „häppchenweise“ und langsam aber sicher immer ein bisschen mehr Durchblick zu verschaffen. Hier geht er nicht zu schnell vor, was ich ziemlich gut fand. Die Aufklärung, was sich hinter Asylon nun letztendlich verbirgt, erfolgt erst relativ spät.

Während der Handlung gibt es viele spannende, brutale, blutige aber auch einfach gute Actionszenen (die Kletterklauen-Szenen waren toll!). Sicherlich nichts für ganz so schwache Lesernerven aber auch nicht übermäßig widerlich. So habe ich es zumindest empfunden.

Die Auflösung und der Schluss gefielen mit gut, wobei ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte.

Die Beschreibung der Bauweise und dem optischen Asylon ist dem Autor sehr gut gelungen aber der ergänzende „Surftipp“ den Elbel im Nachwort erwähnt, war sehr interessant anzuschauen. Überhaupt hat der Autor ein sehr ausführliches Nachwort geschrieben, was mir immer sehr gut gefällt.
Ich bin eine Leserin, die Nachworte meist zu Anfang des Buches – oder manchmal auch währenddessen – liest, dadurch kam ich vorab in den Genuss der Einblicke in die Bauweise dieser Endzeitkulisse.


Das Cover ist schlicht in grau, weiß und rot gehalten und sieht eigentlich aus wie derzeit alle „Spannungscover“. Wobei Asylon ja nun offiziell in die Kategorie Science Fiction eingeordnet wurde.

Der Schreibstil ist nicht anspruchsvoll und recht einfach gehalten und hier komme ich dann zu dem Grund, warum ich letztendlich nur 4 von 5 Punkten vergebe: mir ist der Text einfach zu umgangssprachlich. Sicherlich passt in diese Szenerie nicht unbedingt die geschwollenste Ausdrucksweise der Figuren, dennoch war mir der Stil hier leider einfach zu extrem in eben dieser Ausdrucksweise geschrieben.

Als kleines Beispiel kann ich anbringen, dass Saïna nach einem Hustenanfall auf die Straße schaute um „zu sehen, ob ihre Lunge vor ihr auf der Straße lag“. Solche Formulierungen finde ich nicht lustig, sie tun mir „weh“ aber das ist Geschmackssache. Mich hat es nunmal gestört und in dieser Art ist der Großteil des Romans formuliert.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen Science Fiction oder „Dystopie“ Roman, der rasant und spannend ist. Die Handlung ist wirklich gut gelungen und der Leser hat bis zum Schluss das Vergnügen zu rätseln, was genau in Asylon vor sich geht.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011