Smoke von Dan Vyleta

Erschienen als Taschenbuch
bei carl’s books
620 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-570-58568-9

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Thomas und Charlie sind Internatsschüler, die den Rauch hinterfragen. Der Rauch: Ein Phänomen, das fast die gesamte Bevölkerung betrifft und wie eine Krankheit alle bösen, unaufrichtigen und dunklen Gedanken als Rauchwolke, die den Körperöffnungen entschweben, sichtbar macht. Die beiden Jungen treffen auf Livia, die Tochter einer undurchsichtigen Lady, die von einem Geheimnis umgeben ist, das ebenjenen Rauch betrifft. Die drei Jugendlichen decken bald eine Verschwörung auf, die lebensgefährlich für sie werden könnte.

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Was wie eine Art „Harry Potter“ anfängt, endet in einer Parabel über das Gute und Böse im Menschen, über die Menschlichkeit an sich. Es dauert anfangs eine Weile, bis man sich in der Welt von Dan Vyleta zurechtfindet. Aber schon bald spürt man den Sog des Buches, was vor allem an der ungeheuren Sprachgewalt des Autors liegt. Einerseits schreibt Vyleta in einem wunderbar verständlichen Ton, andererseits werden dem Leser faszinierende Wortspielereien serviert, die zum Nachdenken anregen. An manchen Stellen wird die Gedankenwelt der Protagonisten auf unglaublich intensive Art geschildert, die das eigene Kopfkino ebenfalls zum Laufen bringt. Es ist keine leichte Kost, die Dan Vyleta da verfasst hat. Geschickt in ein jugendliches Abenteuer verpackt, spricht der Roman allerdings eher die Erwachsenen an, denn der Plot fordert den Leser.

„Smoke“ wirkt auf den ersten Blick wie eine Fantasy-Abenteuer-Geschichte, fast schon wie eine Dystopie, ist aber im Grunde genommen ein literarischer Wurf vom Format eines Charles Dickens. Genau von Dickens stammt auch das Zitat, das dem Werk vorangestellt ist, und den Autor zu seiner Geschichte inspiriert hat. Mir persönlich hat vor allem die sprachliche Gewandtheit Vyletas gefallen, der an einigen Stellen fast schon visionär wie seinerzeit Samuel R. Delany oder Iain Banks wirkt. Man versteht nichts und dennoch irgendwie alles. Diese Stellen sind eine kleine Meisterleistung, die mich absolut beeindruckt hat. Vyleta lässt Bilder (und Gedanken) in den Köpfen der Leser aufleben, die faszinieren. „Smoke“ mutet an einigen Stellen wie ein Steampunk-Projekt an, an anderen wieder wie ein Jugendbuch. Geschickt lässt Vyleta verschiedene Stilrichtungen verschmelzen, spricht Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen an, und verführt zum Nachdenken. Ein Hauch Mystery wechselt sich ab mit alt anmutenden Gesprächen im viktorianischen England, um kurz darauf in ein episches, düsteres Weltuntergangsszenario abzudriften, das aber keineswegs hoffnungslos erscheint. „Smoke“ steckt voller Überraschungen und eigenwilliger Ideen.

Hin und wieder wird auf unsere reale Welt angespielt, so dass sich das England in „Smoke“ bald wie ein Paralleluniversum „anfühlt“. Das Szenario wirkt einfach absolut echt und reißt einen unweigerlich mit. Erfreulicherweise erklärte sich ein Verlag bereit, dieses nicht am Mainstream orientierte Werk in Deutschland zu verlegen. Gerade solche Genremixe, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen, haben es beim Publikum immer sehr schwer, da viele einfach nicht für solche abgedrehten Geschichten offen sind. Alleine aus diesem Grund ist „Smoke“ ein Lichtblick in der Welt der Literatur, die immer mehr von standardisierten Thriller und Krimis heimgesucht wird. Aus meiner Sicht ist „Smoke“ ein sehr eigenwilliges, mutiges und inspirierendes Buch.

Einziger kleiner Wermutstropfen sind die teils lieb- und farblosen Charaktere, mit denen man schwer bis gar nicht richtig warm wird. Aber der Plot und der Ideenreichtum wiegen dieses bedauerliche Manko auf.

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Fazit: Spannend, innovativ und hervorragend geschrieben. Interessanter Genremix, der zum Nachdenken auffordert. Die Personen leiden allerdings unter einer teilweise schwachen Charakterdarstellung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Mädchenjäger von Paul Finch

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Mädchenjäger
Erschienen als Taschenbuch
bei PIPER
insgesamt 464 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-492-30462-7
Kategorie: Thriller

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Detective Mark „Heck“ Heckenburg ist Sergant der Abteilung Serienmorde und hat die letzten zwei Jahre daran gearbeitet, die Verschwinden und wahrscheinlichen Morde an 38 Frauen aufzuklären. Alle standen mitten im Leben, hatten Familie und gute Jobs. Und sie alle verschwanden während „normalen“ Alltagsabläufen spurlos. Heck ist sicher, dass diese Fälle zusammenhängen. Seine Vorgesetzten sehen das (natürlich auch aus finanziellen Gründen) anders. Sie legen den Fall/die Fälle auf Eis, sehen ihn/sie als derzeit abschlossen. Heck ist damit alles andere als einverstanden. Offiziell lässt er sich für gute vier Wochen beurlauben, um natürlich in seiner Freizeit weiter zu ermitteln. Mit seiner Vorgesetzten Gemma Piper spricht er darüber und sie gibt ihm mehr oder weniger seinen Segen. Während Heck eine wichtige Spur verfolgt, bekommt er unerwartete Hilfe von der Schwester einer der vermissten Frauen. Lauren Wraxford, Soldatin, lässt sich nicht abwimmeln und will gemeinsam mit Heckenburg herausfinden, was mit ihrer Schwester geschah. Dies hat sie ihrer Mutter versprochen. Eine Suche beginnt, die mit jedem Teil des Puzzles, welches die beiden mühselig ineinanderfügen, immer gefährlicher wird …

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Dies ist er der erste Roman von Paul Finch um seinen Ermittler Mark Heckenburg, den ich jedoch als zweiten lese. Denn da mir der Nachfolger „Rattenfänger“ so gut gefallen hat, wollte ich unbedingt die erste Geschichte um „Heck“ lesen.

Und wie sein Nachfolger war der Roman fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite. Die Handlung ist sehr gut aufgebaut, der Leser rätselt und fiebert mit, blickt nicht durch, ahnt, hofft und leidet. Zwischenzeitlich sind die Szenen wirklich heftig und brutal. Also sollte man nicht so ganz zartbesaitet sein, wenn man zu diesem Thriller greift. Für mich passen diese Stellen sehr gut in die Story und werden ja auch nicht als sinnloses Gemetzel dargestellt.

Die Charaktere, die ich ja nun schon aus dem zweiten Fall kannte, habe ich hier nicht besser kennengelernt, als hätte ich diesen Teil zuerst gelesen. Das finde ich immer gut, denn sollten Leser zufällig auf den aktuellen Roman stoßen, blicken sie trotzdem durch und wissen wie die Personen zusammenhängen.

Paul Finch schreibt hoffentlich noch mehr Thriller um seinen Ermittler Mark Heckenburg, der mir mit seiner Art sehr sympathisch ist. Er überschreitet gerne mal die ein oder andere Grenze und ich finde, dass man es der Story auf jeden Fall anmerkt, dass der Autor sowohl als Polizist, als auch als Journalist gearbeitet hat. Er schreibt realistisch, spannend, fesselnd, krass aber dennoch sehr menschlich und auch gefühlvoll. Dies alles liefert Paul Finch in einem angenehmen, schön lesbaren, gut formulierten Schreibstil, der nie flach oder flapsig daherkommt.

Hier lautet der Originaltitel „Stalkers“, der viel besser zur Handlung passt, jedoch gibt in dem Fall der deutsche Titel zumindest Sinn. Ein schöner optischer Hingucker ist der knallgelbe Schnitt, im zweiten Teil ist er Orange. Gefällt mir sehr.

Mein Fazit: Für Leser, die gerne spannende, dramatische und rasante Thriller, bestückt mit krassen, heftigen Szenen, die auch blutig und brutal beschrieben werden, lesen, eine sehr sehr gute Wahl! Paul Finch liefert hier einen sehr guten Thriller, dem sein Nachfolger „Rattenfänger“ in nichts nachsteht.

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Hier gibt zu einem Interview mit Paul Finch:

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© Buchwelten 2015

Phil Rickman – Sündenflut und mehr über die Merrily Watkins Mystery ….

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Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag / rororo
insgesamt 576 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-25339-3
Kategorie: Mystery / Krimi

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Weihnachten steht vor der Tür und in Ledwardine steigt der Fluss stetig weiter an. Immer mehr Straßen werden gesperrt und bald wird der Ort eine Insel sein.

Nach wie vor brennt der Streit um die archäologische Grabung, die den geplanten Neubau von Luxusvillen auf einem historischen Hügel gefährden könnte.

In Hereford gibt es einen prominenten Todesfall und Hinweise dafür, dass der Mord in Zusammenhang mit weiteren historischen Funden der Umgebung zu tun hat.

Derweil hat ein Schriftsteller gemeinsam mit seiner Frau in Ledwardine eine Scheune gemietet, denn er hält es für sicherer nach Erscheinen seines Romans zunächst einmal unter anderem Namen in dem kleinen Ort unterzutauchen. Als der Schriftsteller, der überzeugter Atheist ist, feststellen muss, dass etwas Übersinnliches offensichtlich gegen seinen Aufenthalt in Ledwardine ist, wäre dies eigentich ein klassischer Fall, der nach Merrily Watkins ruft. Nur, dass dieser nichts mit Pfarrern zu tun haben will. Wieder einmal überschlagen sich die Ereignisse und Merrily, die immer allem und allen gerecht werden möchte, steckt natürlich mittendrin …

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Alle Leser, die die Merrily Watkins Mystery Reihe kennen, können eigentlich direkt nach unten, bis zu meinem „Fazit“ scrollen. Allen anderen möchte ich an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung (Spoilerfrei) der 10 Bände liefern, die mich sehr begeistert haben.

Ich bin nur durch Zufall auf diese Reihe gestoßen. Den ersten Teil „Frucht der Sünde“ habe ich auf einem Büchermarkt von einer Verkäuferin geschenkt bekommen, mit den Worten „ich habe es als Leseexemplar bekommen, war ganz gut“. Als ich dann vor geraumer Zeit mein Buchregal nach Lesestoff durchstöbert habe, griff ich nach dem Roman, weil ich derzeit die krassen Thriller nicht lesen mag und ich die Mischung Krimi/Mystery sehr ansprechend fand. Mir hat dann dieser erste Band so gut gefallen, dass ich mir nach und nach alle bisher erhältlichen deutschen Veröffentlichungen besorgen musste.

Bereits im ersten Roman lernt der Leser Charaktere kennen, die ihn die gesamten Bücher lang begleiten.

Merrily Watkins, weibliche Pfarrerin der englischen Kirche, kommt mit 34 Jahren in den kleinen Ort Ledwardine, das Dorf der Apfelgärten. Sie bringt ihre – damals noch 15-jährige – Tochter Jane mit, mit der sie das viel zu große Pfarrhaus bezieht. Merrily ist Witwe. Ihr Ehemann, ein korrupter Anwalt, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, mit im Auto seine Sekretärin/Geliebte. Merrily ist aber nicht „nur“ eine weibliche Pfarrerin, sondern auch die Diözesanexorzistin, modern genannt: Beraterin für spirituelle Grenzfragen! Außerdem hat sie das leidige Laster zu rauchen und völlig unchristilich zu fluchen.

Jane, Merrilys Tochter, ein pubertierender Teenager, dem der Job ihrer Mum mehr als peinlich ist. Sie ist schlau, neugierig und allem spirituellem gegenüber offen. Sie ist ein besonderer, nicht einfacher aber herzensguter, Helfercharakter, der sich im Laufe der folgenden Romane weiterentwickelt.

Dann sind da unter anderem noch der Musiker Laurence (Lol) Robinson, der als junger Mann fälschlich der Vergewaltigung an einer Minderjährigen beschuldigt wurde, eine Weile in der Psychiatrie war und nach und nach seinen Weg zurück ins Leben findet.

Gomer Parry, der raue „Alte“, der ohne seine Bagger, denen er Namen gegeben hat, nicht leben kann. Gomer Parrys Landwirtschaftsdienste: Das ist sein Leben. Ein Mann, der herzensgut ist, immer gerade heraus und trotz seines Alters im Leben nicht ans Altwerden oder den Ruhestand denkt.

Francis (Frannie) Bliss, Detective. Immer wieder kreuzen sich seine und Merrilys Wege. Der eine nimmt immer wieder die Hilfe des anderen in Anspruch, es entwickelt sich beinahe so etwas wie eine Freundschaft

Dann kommen mit jedem Band neue Figuren hinzu, die uns dann wiederum in den Folgebänden wiederholt begegnen. z.B. Der Roma-Charmeur Al Bosswell, der göttliche Gitarren baut. Oder Prof Levin, der Musikproduzent aus Knights Frome, der grossen Anteil daran hat, dass Lol wieder Songs schreibt und sogar Livegigs spielt. Dann ist da noch die Nebenrolle der Athena White. Eine alte, sehr wache, absolut belesene und schräge Lady, die im Altenheim „The Glades“ lebt. Sie tut, als wäre sie eine senile alte Damen, hat aber hinter ihren Türen Unmengen an interessanter Lektüre gebunkert, die sich mit der Geisterweilt, spirituellen Dingen und Hexerei befassen. Sie ist immer mal wieder eine große und sehr amüsante Unterstützung bei der Auflösung gewisser Rätsel.


Neben den Charakteren macht diese Reihe die wunderbare, mystische, landschaftlich sehr geheimnissvolle Umgebung Herefordshires aus. Die Stimmung, die Phil Rickman immer wieder erschafft, fesselt von Anfang an. Er vermischt übersinnliche Elemente mit einer kriminalistischen Handlung, die eher schleichend daher kommt und dann verknüpfen sich, ohne dass der Leser es eigentlich merkt, plötzlich alle losen Enden. Er erschafft Gruselmomente, verbaut immer viel wahres historisches und vermischt all dies sehr geschickt. Edward Elgar, Thomas Traherne, Sir Arthur Connan Doyle und Alfred Watkins: Dies sind einige der realen historischen Figuren, die in der Reihe aufgegriffen werden.

Für mich ist diese Reihe absolut lesenswert und daher musste ich mir in diesem Fall ein wenig mehr von der Seele schreiben, als bei einer einfachen Rezension.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den 10. Merrily Watkins Mystery. Der Roman hat mich wieder gefesselt, binnen zwei Tagen durch die Handlung fliegen lassen und in einer Szene sogar zum Heulen gebracht. Mir sind die Figuren und die Umgebung so sehr ans Herz gewachsen, dass ich die 10 Bände hintereinander weggelesen habe und nun ungeduldig auf April 2014 warte. Denn dann wird der nächste Band im Rowohlt/rororo Verlag erscheinen!

Die Reihenfolge der Merrily Watkins Reihe:

1.  Frucht der Sünde
2.  Mittwinternacht
3.  Die fünfte Kirche
4.  Der Turm der Seelen
5.  Der Himmel über dem Bösen
6.  Die Nacht der Jägerin
7.  Das Lächeln der Toten
8.  Ein dunkler Gesang
9.  Das Gespinst des Bösen
10. Sündenflut

Links:

Phil Rickmann bei Rowohlt

Phil Rickman UK

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© Buchwelten 2013

Der Mann, der nichts vergessen konnte von Ralf Isau (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im PIPER Verlag
464 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  9783492267151
Kategorie: Thriller

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Tim Labin, gesegnet mit mehreren Doktortiteln und frisch gebackener Schachweltmeister ist der Mann, der nichts vergessen kann. Alles was er jemals gelesen, gesehen oder gehört hat, bleibt in seinem außergewöhnlichen Gehirn auf alle Ewigkeit abgespeichert.

Er liest Bücher mit einer Stärke von ca. 500 Seiten in etwa einer Stunde. Wobei der Ausdruck Lesen hier eigentlich falsch ist, er saugt sie auf, gierig nach Wissen.

Nur an eines kann sich Tim nicht mehr erinnern. An die Ereignisse jener Nacht, in der seine Eltern ums Leben kamen. Tim war damals gerade 9 Jahre alt und wurde in dieser Nacht schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Seither klafft diese dunkle Lücke in seinem Hirn und der ständige Drang nach neuem Wissen, ist nichts anderes, als sein Versuch diese Erinnerungen wieder zu finden.

Doch sein großes, umfängliches Wissen macht Tim lange nicht zu einem glücklichen, zufriedenen Mann. Er hat große Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen. Er kann es nicht ertragen die Hand geschüttelt oder überhaupt von Menschen (auch zufällig) berührt zu werden. Wenn er in einer größeren Menschenmenge ist, gerät er in Panik. Tritt er eine Flugreise an, dann muss beispielsweise gewährleistet sein, dass in den Reihen vor, hinter und neben ihm kein weiterer Passagier sitzt.

Als die Historikerin und Computerspezialistin JJ mit einem Anliegen an Tim herantritt, nimmt er die Herausforderung nicht allein wegen seinem unstillbaren Durst nach Wissen an. Vom ersten Augenblick fühlt er sich zu JJ hingezogen, was für Tim ein völlig neues Gefühl ist und auf Grund seiner sozialen Schwierigkeiten auch kein kleines Problem für ihn darstellt.

JJ bittet Tim uralte verschlüsselte Dokumente zu enträtseln. Sie ist sicher, dass Tim, der Mann, der nichts vergessen kann genau der richtige Mann ist, der helfen kann. Dieser begibt sich gemeinsam mit JJ nach Cambridge, in die alte Bibliothek. Dort sind sie auf der Suche nach dem Text, der zur Verschlüsselung der alten Schriften gedient hat.

Tim macht sich voller Eifer an die Arbeit, natürlich auch um der schönen Historikerin zu imponieren. Doch auch wenn die beiden sich geschäftlich gut verstehen und JJ auch mit den diversen Macken Tims gut zurechtkommt: sie lässt den Mann nicht an sich heran. Wenn es ihr zu persönlich wird, dann blockt sie sofort ab. 

Doch Tim hat keine Eile, er liest sich durch die umfangreiche Bibliothek in Cambridge und dabei stößt er so nach und nach auch auf Wege, die zurück in seine eigene Vergangenheit führen.

Es gibt jedoch Personen, denen ist ebenso an der Entschlüsselung der alten Texte gelegen, jedoch wollen diese nicht, dass Tim zuviel erfährt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, begibt sich Tim mit jedem Schritt, den er näher an die Entschlüsselung herankommt in größere Gefahr ….

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Dies war mein erster Thriller, den ich von Ralf Isau gelesen habe. Habe ich zu Beginn des Buches noch bei Facebook geschrieben, dass es sicherlich unblutiger wird, als mein vorheriges Buch von Chris Carter, so hat mich Ralf Isau prompt eines besseren belehrt.

Denn die erste Szene war gleich relativ blutig, denn das Buch startet genau mit der Nacht des Todes von Tims Eltern, an die er sich nicht mehr erinnern kann.

Ich muss sagen, Ralf Isau hat bewiesen, dass er auch außerhalb der Fantasy für Erwachsene und Jugendliche gute Ideen zu Papier bringen kann. Der Schreibstil ist gewohnt gehoben. Sicherlich geht es auch umgangssprachlich zu, was aber hauptsächlich in der Natur des von Isau erschaffenen, verkorksten Charakters des Protagonisten begründet ist. Denn durch seine sozialen Schwächen kontert er ständig recht schlagfertig in Gesprächsmomenten und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Mit seinem Mann, der nichts vergessen kann, hat der Autor einen sehr sympathischen Charakter erschaffen und die Beschreibungen der Ursache für sein besonderes Gehirn, sind wie gewohnt gut recherchiert.

Die Entwicklung der Handlung ist gut aufgebaut, die Handlungsorte wechseln und spannende, düstere Momente werden von ruhigeren Szenen abgelöst. Für mich war dieser Roman ein Abenteuerroman mit Thrillereinfluss.

Uralte Logenverbindungen, alte Dokumente, Gruften voller Geheimnisse, Beschreibungen wunderbarer Bibliotheken in Washington und Cambridge, aber auch Computer High-Tech & Internet, all dies hat dieser Roman zu bieten.

Ab und zu waren mir die Hintergründe und Verbindungen der Personen und die Sprünge durch die Zeiten und historischen Verknüpfungen zu verworren und überfrachtet. Wer hat was gegründet, wer kannte wen und hat wem, wann was zugeschustert. Es gab Momente, da kam ich da nicht ganz mit und mir war es einfach zuviel des Guten. Solche Verschwörungen, mit komplizierten Spionagecharakter sind nicht so mein Fall.


Dennoch hat mir der Roman Spaß gemacht und ich werde mit Sicherheit einen weiteren Isau-Thriller lesen. Denn ich finde es gut, wenn Autoren in verschiedenen Genres unterwegs sind und sich nicht festlegen lassen (wollen).

Auch wenn ich mich bereits jetzt auf die nächsten Fantasy und Jugendromane von Ralf Isau freue, für mich kann der Autor eindeutig auch spannendes und fesselndes schreiben.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Isau-Thriller. Fesselnd, spannend, interessant und abwechslungsreich. Für alle Leser, die gerne über Verschwörungen, Schatzsuche, kryptisches und Abenteuerrätsel lesen ist er absolut zu empfehlen. 

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© Buchwelten 2012

Diana Gabaldon – Die Fackeln der Freiheit (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im blanvalet Verlag
576 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-7645-0177-8
Kategorie: Belletristik

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London im Jahre 1760. Lord John erhält ein höchst brisantes Dokumentenpaket seines verstorbenen Freundes Charles Carruthers. Es beschreibt die diversen Vergehen des Majors Gerald Siverly innerhalb der britischen Armee. Diese Vorwürfe beginnen bei Diebstahl und Korruption, gehen weiter über das Versagen zur Verhinderung einer Meuterei, bis hin zu Mord und zuletzt Hochverrat.

Desweiteren findet sich in den Unterlagen ein Gedicht, das in dem irischen Gälisch Gaeilge verfasst ist. Dieses Gedicht kann weder Lord John, noch sein Bruder Hal übersetzen. Doch Hals Frau Minnie, die sich mit derart Dokumenten ein wenig auskennt und einen Blick darauf wirft, kann wenigstens den Hinweis auf die Sprache geben.

Lord John zeigt diese Unterlagen seinem Bruder Hal, dem Herzog von Pardloe und der ist alles andere als begeistert von diesen Dokumenten. Er will den sich derzeit in Irland befindlichen Major nach England zurückholen lassen, damit er vor ein ordentliches Kriegsgericht gestellt wird. Der Major soll für seine üblen Vergehen gegen die englische Krone büßen.

Ohne seinen Bruder im Vorfeld darüber zu informieren, beschließt Hal, Jamie Fraser aus Helwater holen zu lassen. Dort verbüßt der wegen Hochverrat verurteilte Schotte Fraser seine Strafe unter dem Eid des Ehrenwortes. Dafür hatte seiner seinerzeit Lord John selbst gesorgt, denn als Verwalter des Gefängnisses Ardsmuir hatte er eine Beziehung zu Fraser aufgebaut, die einer Freundschaft doch recht nahe kam.

Jamie fühlt sich in Helwater eigentlich recht wohl. Kann er doch seine Arbeit bei den Pferden verrichten und außerdem seinem unehelichen Sohn William immerhin ab und zu nahe sein. Natürlich weiß niemand, dass Jamie der wahre Vater des zukünftigen Grafen von Ellesmere ist. Der kleine William ist nun beinahe drei Jahre alt und hat seine Begeisterung für Pferde entdeckt, so kommt es, dass er sich immer öfter bei den Tieren und somit in Frasers Nähe aufhält.

Als zwei englische Soldaten Jamie in Helwater abholen und nach London bringen, weiß er nicht was ihn dort erwartet. Man klärt ihn über das Ziel dieser Reise nicht auf. Das ändert sich, kurz nach seinem Eintreffen in London. Lord John und der Herzog von Pardloe legen ihm das irische Gedicht vor, welches er übersetzen soll. Er kann es nicht hundertprozentig, doch das irische Gälisch ist dem schottischen recht ähnlich, so kann er es immerhin sinngemäß.

Und natürlich versteht Jamie Fraser auch sofort den Inhalt dieses Gedichts. „Die wilde Jagd“ ist nichts anderes als eine verschlüsselte Note, die die jakobitischen Verschwörer zu einem erneuten Aufstand gegen die englische Krone aufruft.

Als Lord John Jamie darüber informiert, dass dieser mit ihm nach Irland reisen wird um den korrupten Major Siverly zu stellen und mit dem Wissen über das Gedicht der „Wilden Jagd“ zu konfrontieren, gerät er in ein heftiges Dilemma. Wenn er sich weigert, kann es passieren, dass er nicht wieder nach Helwater zurückkehren kann, um dort seinem Sohn William Nahe zu sein. Wenn er Lord John unterstützt, dann verrät er seine alten Kameraden.

Es führt kein Weg daran vorbei. Jamie und Lord John begeben sich auf die Reise nach Irland und es scheint plötzlich, als könne diese das angerissene Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern die einst bestand, vielleicht wieder festigen.

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Ich bin ein absolut geständiger Fan der Romane von Diana Gabaldon. Hier spreche ich nicht nur von den „großen“ Romanen der Highland-Saga, sondern auch von den bisherigen Romanen um den smarten englischen Soldaten Lord John.

Die Romane der Autorin haben absolut nichts mit einer kitschigen, triefigen Liebesgeschichte gemein, wie es eventuelle Autoren liefern, die auf den „Schottland-Zug“ aufgesprungen sind. Wie viele „Küss-Mich-Highlander“ Cover habe ich den Buchläden gesehen, die sicherlich nichts mit den ausführlichen Werken von Diana Gabaldon gemeinsam haben.

Lord John war ursprünglich nur eine Nebenfigur der Highland-Saga, die aber auf Grund ihrer Tiefe und Liebenswürdigkeit die eigene Reihe absolut verdient hat. Und ich empfinde diese dünneren Werke um Lord John auch keinesfalls als Lückenfüller, sondern genieße es ungemein dessen Abenteuern und Erlebnissen beizuwohnen.

Das interessante und brisante an dieser Figur ist sicherlich ihre sexuelle Neigung. Lord John ist nicht nur ein treuer Diener der englischen Krone und ein Soldat mit Leib und Seele aus gutem Hause. Er ist homosexuell und fühlt sich zudem noch sehr zu dem Schotten James Fraser hingezogen.

Ich hatte es bereits in meiner Rezension zu „Die Sünde der Brüder“ geschrieben. Es ist einfach fantastisch zu lesen wie die Autorin es (als Frau) schafft  diese Figur zu beleben. Es gibt auch in diesem Roman wieder sehr erotische Szenen und Momente. Und diese sind demnach folglich homosexueller Natur. Die Autorin beschreibt sie in einer so sinnlichen, stillen Art, dass die Buchseiten knistern. Ich spreche hier nicht von ausufernden Sexszenen, die abartig oder abstoßend sind, sondern von schöner Sinnlichkeit.

Aber diese Momente machen natürlich nicht das gesamte Buch aus. Es ist wieder einmal sehr politisch und historisch gut recherchiert. Es geht um Ehre, Glaube, Kampf und Verrat. Die Autorin hat fiktive Figuren mit realen kombiniert. Hierzu gibt es im Anhang noch interessante Zusatzinformationen.

Zu Beginn des Buches musste ich mich kurz in der Zeit orientieren. Denn dieser Lord John Roman handelt vom Jahr her im dritten Teil der Highland-Saga (Ferne Ufer).

Also waren wir Leser bei der Lektüre des letzten Bandes der Highland-Saga (Echo der Hoffnung) bereits viele Jahre im Voraus. Doch es fiel mir nicht schwer, mich zurechtzufinden und ich hatte ein Gefühl des „Nach-Hause-Kommens“.

Dieser Roman beschreibt einen Zeitraum, der in der Highland Saga nicht vorkommt, man erfährt viel zusätzliches über das, was Jamie erlebt und mich hat es in keiner Weise gestört, dass Claire nicht dabei ist.

Der Schreibstil war wie gewohnt besonders gut und gehoben. Die Autorin schreibt sehr ausführlich, in langen, verschachtelten Sätzen. Schauplätze und Orte sind so detailgetreu und ausgiebig beschrieben, dass es mir als Leser nicht schwerfällt, sich komplett in der Handlung fallen zu lassen. An dieser Stelle noch einmal ein Lob an die Übersetzerin Barbara Schnell, die bis auf die ersten zwei Teile alle Bücher von Diana Gabaldon übersetzt hat und mit Sicherheit Mammutarbeit leistet.

Dieser Roman ist für einen Lord-John Roman relativ dick, doch ich war – je näher ich zum Ende kam – doch traurig, dass es schon wieder vorbei ist. Ich wäre gerne noch ein bisschen länger bei den Menschen zwischen den Buchdeckeln geblieben.

Doch als kleines Trostpflaster gibt es neben der ausführlichen Danksagung der Autorin und ihren zusätzlichen Anmerkungen noch einen Vorgeschmack auf den neuen Band der Highland-Saga.

Das Buch wird vom blanvalet-Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband präsentiert und ist im typischen, schlichten Design den anderen Roman der Autorin angepasst. Ein orangefarbenes Cover, dass von einem alten Symbol geziert wird. So sehen alle Bücher nebeneinander im Buchregal absolut stimmig aus.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Lord-John Roman, der alles andere als ein Lückenfüller ist. Spannung, Humor und auch Sinnlichkeit hat er zu bieten. Auf knappen 500 Seiten kann der Leser Lord John und James Fraser begleiten und es ist mir nicht annähernd langweilig geworden.

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Ich danke dem blanvalet-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Sa(r)g niemals nie von Dan Wells (3/5)

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Sarg niemals nie …

Erschienen als
Paperback in Rough Cut
bei  Piper
320 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  9783492268837

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Frederick Whithers – nicht wie im Klappentext beschrieben Oliver Beard, denn als diesen will Frederick sich nur ausgeben – sitzt wegen Fälschung im Gefängnis. Das  hat er er seiner Freundin Gwen zu verdanken, denn sie hat ihn verraten, weil sie das gleiche will wie er: das Erbe des verstorbenen alten Beard. Um an ihn zu gelangen muss Frederick seinen Plan umsetzen und das geht nur, wenn er es irgendwie schafft, aus dem Gefängnis zu entkommen. Als sein Mitinsasse an Schwindsucht stirbt, überlegt sich Frederick blitzschnell einen klugen Schachzug: er überzeugt den Totengräber, gegen spätere entsprechende Entlohnung, ihn in den Sarg zu legen, aus dem Gefängnis zu schaffen und anschließend zu beerdigen. Dann soll der Totengräber Frederick wieder ausbuddeln und er kann sich endlich darum kümmern sein angestrebtes Erbe anzutreten.

Frederick wird auf dem Friedhof ausgebuddelt, jedoch nicht von dem Totengräber, sondern von fünf seltsamen Vampiren, die in Frederick ihren Erhabenen sehen. Sie lassen sich absolut nicht überzeugen, dass Frederick weder ein Vampir, noch überhaupt ein Toter ist.

Sie hängen ihm wie ein Klotz am Bein und Frederick hat nun gleich mehrere Probleme am Hals. Gwen, seine gierige Freundin will immer noch das Erbe für sich, die Vampire lassen nicht locker und der wahre Vampirgraf ist ebenso hinter ihm her. Wie soll es Frederick nun in all dem Chaos nur nach London schaffen, um an das heiss ersehnte Erbe zu gelangen?

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Wieder einmal hatte ich mich sehr auf den neuen Dan Wells gefreut, doch für mich kommt er mit den beiden letzten Büchern nicht mehr an die Serienkiller-Trilogie ran. Vorneweg: ich finde es wirklich gut, dass der Autor etwas anderes schreiben will, sich in verschiedenen Genres versuchen möchte und sich in keine Schublade stecken lässt. Ich mag es sehr, wenn Autoren so denken, handeln und schreiben.

Doch aus den drei ersten Roman weiss ich, dass Dan Wells schreiben kann und er hatte einen guten Schreibstil, der mich gefesselt hat. Von diesem Schreibstil ist hier nichts zu spüren. Er schreibt fast von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend in der wörtlichen Rede. Ein (komischer) Wortwechsel jagt den nächsten und für mich ist diese Handlung eine pausenlose Aneinanderreihung von Situationskomik. Ich empfand diesen Roman als geschriebenen Slapstick-Film, der mir dann letztendlich zu Comedy überfrachtet war.

Sicher, der Autor hat das Vampirgenre ein bisschen auf die Schippe nehmen wollen, dass ist sicherlich auch gelungen, doch ich empfand es als etwas übertrieben. Was mir hingegen gut gefiel war, dass er bekannte Figuren aus der Literatur um die Zeit der Handlung (das Jahr 1817) aktiv in seinem Roman verwoben hat. Seine Nebenfiguren sind Mary Shelly, der Dichter John Keats und Jane Austen.

Gelesen hatte ich das Buch wieder in 2 halben Tagen, denn die Seiten im Rough-Cut – dieses Design behält der Verlag bei – sind nicht wirklich voll geschrieben, sodass die 320 Seiten wohl nur ca. 160 „echte“ Buchseiten sind.

Leser die beim neuen Dan Wells ein Spannungsbuch, Thriller oder Krimi erwarten, werden vielleicht enttäuscht sein. Denn von den Serienkiller Werken hat der Autor mehr als nur Abstand genommen. Wer gerne absolut Lustiges, Humorvolles liest der ist hier gut bedient.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für den neuen Dan Wells, ein Roman voller Slapstick und sicherlich auch an manchen Stellen lustig zu lesen. Mir persönlich zu übertrieben und kein erkennbarer Dan Wells mehr. Doch der Autor hat er einige literarische Grössen verbaut, was ihm tatsächlich gut gelungen ist.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

OLYMPIA 1936 – Danach kam alles anders von Karl Hemeyer (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ACABUS  Verlag
336 Seiten
Preis: 15,90 €
ISBN: 978-3-941404-50-2

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Die Brüder David und Harro Stern arbeiten beide im Verlag ihres Vaters in Wesermünde (das ist das heutige Bremerhaven). Der Verlag läuft gut, neben Kalendern druckt dieser auch das „Nordsee – Blatt“. Und für „ihr Blatt“ reisen sie im Jahre 1936 als Journalisten gemeinsam nach Berlin, um über die Olympischen Spiele Bericht zu erstatten.
David, der ältere, ist für die Interviews und das Verfassen der Berichte zuständig. Harro, der jüngere, ist als Fotograf unterwegs.

Sie beziehen eine gemütliche Pension in Charlottenburg und fühlen sich von Anfang sehr wohl in der Großstadt, die so völlig anders ist als ihr Heimatort. Schnell knüpfen Sie Kontakte. Zu dem amerikanischen Sprinter Ralf, zu Henri Nannen, der im Olympiastadion der Sprecher ist. Sie verbringen eine aufregende Zeit in Berlin und bescheren dem Nordsee-Blatt durch ihre ausführlichen Berichte und den fantastischen Fotos extrem grosse Auflagen. Vadder Stern ist sehr stolz auf seine Jungens.

Harro lernt während dieser Zeit u.a. die Regiseurin Leni Riefenstahl kennen und entdeckt seine Leidenschaft für die Filmerei. Er möchte nicht mehr mit in den väterlichen Verlag, er möchte in Berlin bleiben und das Filmen beruflich weiterverfolgen.

Die Nazis übernehmen immer mehr die Macht, zunächst macht sich das nur in der Hauptstadt bemerkbar aber bald gibt es auch in Wesermünde Schwierigkeiten. Die Nazis verlangen von den Sterns ihren Ariernachweis. Sie ziehen aus dem Nachnamen den Schluß, dass es sich um Juden handelt.
Vadder Stern entscheidet sich, seinen eigentlichen Namen ‚Steen‘ wieder anzunehmen. Aber David weigert sich stur und trotzig. Er sieht sich als den evangelischen David Stern, der er sein Leben lang war und will daran auch wegen der Nazis nicht ändern.
Doch dann kommen Mannschaftswagen der Gestapo auf den Hof und sie wollen ihn holen. David muss fliehen … und somit reisst es die Familie auseinander….

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Die Geschichte erzählt das Leben der zwei Söhne Harro und David und Vadder Stern während der schweren Kriegsjahre im dritten Reich. Auch wenn es sehr viele, wichtige und gut dargestellte Nebenfiguren gibt, so sind diese drei die Hauptprotagonisten. Diese hat Hemeyer sehr lebensnah, echt und mit allen Ecken und Kanten dargestellt.

Der Autor schreibt in der Gegenwart, so dass ich als Leser das Gefühl bekam, tatsächlich die Abenteuer dieser Zeit hautnah mitzuerleben. Er schreibt in einem flüssigen, angenehmen aber nicht übermässig anspruchsvollen Schreibstil, der die Lektüre des Romans sehr kurzweilig gestaltet hat. Innerhalb der Kapitel gibt es Szenenwechsel, so dass man in jedem Handlungsstrang „dran bleibt“.

Teilweise schreibt Hemeyer in plattdeutsch oder im berlinerischen Dialekt, was mir teilweise aber irgendwie falsch oder unnatürlich vorkam. Ich habe sowohl in Norddeutschland Plattdeutsch gehört, als auch original Berlinerisch und das klang für mich anders als das, was ich teilweise gelesen habe. Ab und an hat es mich genervt aber da habe ich dann einfach „drübergelesen“. Dies brachte mich jedoch zu einem kleinen Punkteabzug.

Was mir sehr gut gefallen hat war, wie der Autor es geschafft hat in dem Roman deutlich zu machen, dass die Familie und Freundschaft sehr wichtig sind und es mit Hilfe beider immer irgendwie gelingt, wieder auf die Füsse zu kommen und selbst schwere Probleme zu lösen. Der Zusammenhalt der Protagonisten untereinander ist wirklich sehr schön rübergebracht und auch wenn alle drei männlich sind, dennoch überaus gefühlvoll.

Ich als bekennender Berlin Fan habe mich im alten Berlin sehr wohl gefühlt und die Beschreibungen des Anhalter Bahnhofs und des Adolf-Hitler Platzes haben mich dazu gebracht, mir im Internet alte Originalaufnahmen aus dieser Zeit anzusehen…

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Das Buch wird als Taschenbuch präsentiert und das Cover gefällt mir ganz gut. Die Bilder passen alle ganz genau in die Geschichte, allerdings sieht die Fotomontage leider etwas lieblos aus.
Der Klappentext ist vom Text her aussagekräftig und macht durchaus neugierig. Allerdings ist er weder zentriert, noch im Blocksatz geschrieben, was ich immer als unschön und unordentlich empfinde. Die Inhaltsangabe hätte man doch viel mehr „aufhübschen“ können.

Was ich noch festhalten möchte, ein Werk aus dem Hause ACABUS und die Folie an den Kanten löst sich nicht mehr ab. Das freut mich sehr.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Roman über drei Männer, die versuchen ihren Weg in Zeiten des Krieges zu gehen und trotz aller Schwierigkeiten einander nicht aus den Augen verlieren wollen..

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Ich danke dem ACABUS Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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