Ewig schön von Jeff Strand

Erschienen als Taschenbuch
bei Savages Types
insgesamt 266 Seiten
Preis: 16,66 €
ISBN: 978-3-9819621-0-9
Kategorie: Thriller

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Ein Frauenentführer geht in der Stadt um. Immer wieder verschwinden Frauen des gleichen Typs, darunter auch Gerties Cousine. Gertie entschließt sich zusammen mit einer Arbeitskollegin, den Täter in eine Falle zu locken. Dich ihr Plan geht nicht so auf, wie sie sich das erhofft haben, und das Aufeinandertreffen mit dem Entführer erweist sich als weitaus gefährlicher und schrecklicher …

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Mittlerweile hat Jeff Strand einen Fan mit mir gefunden, weil er mich mit seinem subtil eingestreuten, oftmals schwarzen Humor anspricht. So auch im vorliegenden „Ewig schön“, der in einer optisch sehr ansprechenden Taschenbuchausgabe im Verlag Savage Types erschienen ist. Die Story erfindet das Rad eines Thrillers oder Horror-Romans nicht unbedingt neu und erinnert immer wieder mal an Filme wie beispielsweise „The Cell“ oder auch diverse Bücher, die eine ähnlich gelagerte Thematik und Handlung aufweisen, aber dennoch hebt sich Strand wieder einmal ein wenig ab. Und zwar in genau dem Punkt, den er anderen Autoren und eben auch Filmemachern voraus hat: Er nimmt sich nicht immer selbst ernst, sondern packt seine blutigen und teilweise auch brutalen Geschichten in einen skurrilen Mantel, bei dem man mit einem Lächeln auf den Lippen nach Atem holt, weil man trotz der abartigen Szenen ein Grinsen nicht verhindern kann. Das ist typisch Jeff Strand, und sein Stil gefällt mir immer mehr, woran der vorliegende Roman wieder einmal einen Teil der „Schuld“ auf sich nehmen muss.

Auch wenn „Ewig schön“, wie bereits erwähnt, nichts wirklich Neues bietet, so kann der Roman dennoch mit ein paar unvorhergesehene Wendungen aufwarten, die einen mehr als unterhaltsamen Lesegenuss bieten. Die Charakterzeichnungen ähneln manchmal denen eines Richard Laymons und man sieht sowohl die Protagonisten als auch die Antagonisten in jeder Szene bildhaft vor sich. Strands Schreibstil ist absolut flüssig, so dass die Seiten nur so dahinfliegen und man Kapitel um Kapitel verschlingt. „Ewig schön“ versprüht einen Hauch – und das meine ich jetzt absolut im positiven Sinn – von alten Gruselheftchen, die man als Kind mit der Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen hat. Genau so fühlte ich mich, als ich diesen Roman las. Die Handlung, die Personen, der Schreibstil … das alles hätte zu solch einer Veröffentlichung gepasst, nur eben länger. Und, wie gesagt, das meine ich äußerst positiv. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und war am Ende sogar ein wenig traurig, denn ich hätte den Personen gut und gerne noch einmal so lange dabei „zugesehen“, wie sie gegeneinander kämpfen. „Ewig schön“ bietet ein filmreifes Szenario, weil es innerhalb kurzer Zeit auf den Punkt kommt und die Entwicklung konsequent nach vorne treibt. Von meiner Seite aus gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.

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Fazit: Kurzweiliger Horrorthriller, der hervorragend brutale Action mit Humor verbindet.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Rote Tränen von Mike Landin

Erschienen als
Taschenbuch als
Selfpublisher bei BOD
342 Seiten
Preis: 10,99
ISBN: 978-3751934961

Der Teenager Jacob zieht gemeinsam mit seinen Eltern und seiner 13-jährigen Schwester Lena auf einen alten, verlassenen Hof in den Berchtesgadener Alpen. Jacobs Eltern sind in dem Ort aufgewachsen, haben ihn aber vor ca. 20 Jahren verlassen.
Jacob kam im Spreewald zur Welt und wäre dort eigentlich gerne geblieben. Aber es gab Anschuldigungen gegen seinen Vater, die der Grund für die Rückkehr nach Lennsberg waren. Abstand gewinnen und einen Neuanfang wollten Jacobs Eltern dort. Aber Jacob will dort nur das letzte Schuljahr schnell hinter sich bringen und dann nach Hause zurückkehren. Er sieht dieses eine Jahr als kurzes Intermezzo.

Die Probleme beginnen quasi schon auf der Fahrt zum Hallerhof, als ein proletenhafter Dorfbewohner einen Unfall provoziert und die Situation zu eskalieren droht. Dumm nur, dass es sich um einen sehr einflussreichen, wenn auch sehr unangenehmen Typen aus dem Ort handelt, der als Bürgermeisterkandidat großen Einfluss hat.

Dann beginnen Jacobs Eltern sich immer komischer zu verhalten. Die Tageszeitungen verschwinden umgehend, die beiden werden abwesender und schweigsamer. Jacob vermutet, dass es etwas mit dem in der Nähe verschwundenen jungen Mädchen zu tun hat und beginnt ein wenig nachzuforschen. Denn diese Fälle gab es schon vor 20 Jahren, als seine Eltern noch dort lebten. Die meisten Mädchen kamen nach einigen Tagen zurück, bis auf eines. Das wurde nie gefunden.

Hilfe und Unterstützungen bei seinen Nachforschungen und Recherchen bekommt Jacob von Hannah. Sie ist etwa gleich alt wie er und lebt allein mit ihrem Vater auf dem Nachbarhof. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut. Aber irgendwie scheinen die beiden Familien untereinander auch zusammenzuhängen.

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Die Inhaltsangabe hat mich neugierig gemacht. Sie hat mich ein wenig an die Stimmung und Handlung von „Tannöd“ erinnert, darum habe ich das Buch ausgewählt. Dass der Autor Mike Landin den Roman als Selfpublisher bei BOD (Book on Demand) veröffentlich hat, störte mich dabei nicht. Viele Autoren machen das und ich habe darunter schon einige Schätze entdeckt.

Die Idee und die Handlung des Romans gefallen mir sehr gut, eine düstere oder extrem spannende Stimmung oder Atmosphäre zu schaffen ist dem Autor allerdings nur teilweise gelungen. Für mich hat der Roman sicherlich Potenzial, liest sich aber leider wie eine Rohfassung. Es gibt u.a. viele nicht gut ausgearbeitete Formulierungen.
Jeder Autor schreibt seine Geschichte erstmal runter, alles raus aus dem Kopf. Sortieren und am Feinschliff arbeiten machen sie später. Dann kann auch entschieden werden, ob es sich z.B. um eine Baumgruppe oder eine Ansammlung von Büschen handelt.
Ein professionelles Lektorat möchte ich dem Autor gerne ans Herz legen, denn dann wird der Roman garantiert richtig gut.
Auch hatte ich das Gefühl, dass Landin alles an Dramaturgie und schlimmen Dingen in dem Roman verbauen wollte. Immer wieder eins draufgesetzt.

Achtung, jetzt Spoileralarm: Jacobs Vater wurde des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, darum der Umzug. Der angebliche Selbstmordversuch, der anschließende Mord. Jacobs Mutter erfährt, dass ihr Vater nicht ihr Vater war, sondern eigentlich ihr Onkel. Der Onkel lebt, der Vater kam bei einem dramatisch beschriebenen Autounfall ums Leben. Es werden viele Fährten geworfen und später irgendwie aufgelöst. Ich denke einfach, dass manchmal weniger ein bisschen mehr ist.

Der Schreibstil ist einfach und schlicht. Jacob erzählt die Geschichte in der Ich-Form. Die Charaktere sind recht gut gezeichnet und mir auch während der Lektüre nahe geworden.

Mein Fazit: Ein Thriller, der von der Idee wirklich gut ist und mit einem richtigen Lektorat ein wirklich tolles Buch sein kann. In dieser Form für mich „nur“ 3 Sterne.

© Marion Brunner_Buchwelten

Die Lieferung von Andreas Winkelmann

Die Lieferung

Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-27517-3
Kategorie: Thriller

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Die junge Altenpflegerin Viola lebt in ständiger Angst. Unentwegt hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. Sie fühlt sich nur noch sicher, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz  ist oder sich ihre Freundin Sabine in ihrer Nähe befindet. Sabine ist lustig, tough, mutig und sie glaubt Viola. Doch eines Abends meldet sich sich nicht mehr. Viola ist verunsichert, bleibt daheim.

Jens Kerners aktueller Fall ist seltsam. Im Hamburger Wald lief einer Jägerin plötzlich eine Frau vor die Flinte. Bleich, fast haarlos und wirr. Wie ein Albino wirkte diese seltsame Gestalt. Wo kam sie her? Was trieb sie in den Wäldern? Leider kommt Jens Kerner nicht mehr dazu sie zu befragen, denn sie stirbt.

Jens Kerners Arbeitskollegin Rebecca sitzt im Rollstuhl. Während einer Reha erzählt ihr eine Pflegerin, dass ihre Tochter seit 2 Jahren vermisst ist. Sie hofft auf Rebeccas Hilfe.

Jens Kerner und Rebecca Owald haben eine Menge Ermittlungsarbeit zu leisten. Zuviele lose Fäden, die zusammengeführt werden müssen.

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Andreas Winkelmann liefert einen guten und spannenden Thriller ab, in dem er viele verschiedene Fäden auswirft und jede Menge Fährten legt, um dem Leser einen langen Nervenkitzel zu bescheren.

Er erzählt die Geschichte in verschiedenen Handlungssträngen: Da gibt es den um Viola, die Altenpflegerin in ständiger Angst. Dann geht es um Rebecca Oswald und Jens Kerner, das ungleiche Ermittlerduo. Und es gibt zwei Rückblenden-Stränge. Einmal den um die gefangene Frau, die im Wald auftaucht. Und den letzten schließlich um den Täter, den wir in seine Kindheit begleiten.

Wie erwähnt ist die Spannung da und die Lektüre ist auch fesselnd. Ich selber finde jedoch, dass es bessere Romane von Andreas Winkelmann gibt (z.B. „Die Zucht“).

Das ungleiche Ermittlerpaar erinnert mich ein wenig an das Team von Robert Galbraith (das Pseudonym von J.K. Rowling). Ihrem Detektiv Cormoran Strike (Veteran mit Beinprothese) steht die bezaubernde Robin Ellacott zur Seite. Also ein ähnlich ungleiches Paar, nur umgekehrt. Ein anderer, immer wiederkehrender Bestandteil der Handlung erinnerte mich an den Film „Hereditary“. Leser werden wissen, was genau ich meine.

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Fazit: Ein spannender Thriller, der fesselt. Für mich ein bisschen überzogen in den (falschen) Fährten und ständigen Wendungen, aber das ist Geschmackssache.
Bei einer 5 Sterne Skala erhält „Die Lieferung“ eine 4.

©2020 Marion Brunner – Buchwelten

 

 

Das Institut von Stephen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
insgesamt  768 Seiten
Preis: 26,00 €
ISBN: 978-3-453-27237-8
Kategorie: Roman

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Mitten in der Nacht kommt der dunkle SUV in den kleinen Vorort von Minneapolis. Die Insassen schlüpfen lautlos in das Haus von Luke Ellis und dessen Eltern. Alle schlafen nichtsahnend in ihren Betten. Luke wird betäubt und entführt. Seine Eltern brutal ermordet.

Als Luke erwacht befindet er sich in einem Zimmer, das aussieht wie seines. Alles ist identisch, bis auf eines: Das Fenster fehlt. Wo ist er? Was ist geschehen?

Luke befindet sich im „Institut“, welches versteckt in Maine liegt. Dort leben weitere Kinder verschiedenster Herkunft, Hautfarbe und Alter. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Sie besitzen telepathische oder telekinetische Fähigkeiten. Die einen mehr, die anderen weniger. Die einen haben das eine, die anderen das andere oder sogar beides. Jedenfalls sind sie alle auf irgendeine Weise paranormal veranlagt und dies macht sich das „Institut“ zunutze. Aber wozu? Luke lernt seine Mitinsassen kennen: Kalisha, den rebellischen Nick, und den schüchternen und ängstlichen 10-jährigen Avery. Derzeit leben sie alle noch im „Vorderbau“, wo sie Untersuchungen und Test unterzogen werden, ansonsten aber eigentlich einen den Umständen entsprechend angenehmen Aufenthalt haben. Man munkelt, dass es im „Hinterbau“, dem Teil des Instituts, wohin sie nach einer Weile verlegt werden, richtig übel zugeht. Aber so genau weiß es keines der Kinder, denn es kam noch nie jemand von dort zurück. Luke will fliehen und versucht alles, um dem Institut zu entkommen, damit er Hilfe holen und seine Freunde retten kann …

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Stephen King steigt in die Handlung des Romans ein, indem der Leser zunächst den ehemaligen Cop Tim Jamieson kennenlernen lässt, der aus einem Bauchgefühl heraus seinen gebuchten Sitzplatz im Flugzeug gegen Bargeld einem Regierungsmitarbeiter überlässt. Tim trampt los und landet schließlich in einem kleinen Ort namens DuPray, wo er als „Nachtklopfer“ anheuert und dort irgendwie hängenbleibt. Er fühlt sich  einfach wohl in dem kleinen Örtchen … und bleibt dort.

Erst nach diesem Teil lernen wir den eigentlich Hauptcharakter Luke Ellis kennen, den Jungen, der mit 12 Jahren einen so hohen IQ hat, dass er sich gleich in zwei Colleges einschreiben kann und will. Doch dazu kommt es leider nicht mehr.

Stephen King hat bereits mehrfach über das Thema übersinnliche Kräfte bei Kindern und Teenagern  geschrieben  (z.B. „Carrie“ oder „Der dunkle Turm“). Es reizt ihn offenbar nach wie vor. Zusätzlich hat den Autor wohl auch die Serie „Stranger Things“ inspiriert, deren großer Fan er bekanntlich ist.

Der Roman hat mich sehr gefesselt, nachdem ich „warmgelaufen“ war. Ich muss gestehen, dass die ersten Seite um Tim Jamieson mir zunächst etwas langweilig vorkamen, was aber rückblickend dann aber nicht mehr stimmt. Denn genau diese Einleitung, dieses Kennenlernen, ist sehr wichtig.

Sehr schnell sind mir die Charaktere der Kinder ans Herz gewachsen und ich habe mit ihnen gelitten. Das Schlimme ist, dass die eigentlichen Absichten des Instituts  vermeintlich gut sein sollen. Dennoch werden Kinder gequält, benutzt und kaputt gemacht. Es ist wirklich alles sehr erschreckend und real dargestellt, sodass die Existenz eines solchen Instituts gar nicht abwegig erscheint. Eine wirkliche Ähnlichkeit zu „Stranger Things“ sehe ich allerdings gar nicht so sehr, da sich die Story der Serie doch vollkommen anderes entwickelt. Eines jedoch haben beide gemeinsam: Die unheimliche Kraft, die die Kinder erzeugen. Und die ist so stark, dass sie hörbar, spürbar und auch sichtbar wird.

Mehr will ich gar nicht verraten, denn es wäre zu schade, der Handlung des Romans vorzugreifen. Dieses Buch ist wieder komplett anders als zum Beispiel die „Mr. Mercedes“-Reihe, „Sleeping Beauties“ oder „The Outsider“, aber doch irgendwie wieder typisch der „neue“ King. Einfach nur spannend, fesselnd, traurig und dramatisch. Zum Leben erweckt mit wunderbaren Charakteren (auch den bösen!) und einem Schreibstil, der die Bilder zum Geschehen und den Handlungsorten einfach perfekt ins Gedächtnis teleportiert ☺.

© Buchwelten 2019

 

 

 

Schmerzensgeld von Michael Opoczynski

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SchmerzensgeldErschienen als gebundene Ausgabe
mit Lesebändchen!
im Benevento Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 13 9783710900440
Kategorie: Krimi

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Die Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen? Was ist das? Wer ist das? Es ist eine Gruppe von Männern und einer Frau, ganz normale Leute in ganz normalen Jobs. Die einen haben mehr Geld, die anderen weniger. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Einen besonderen Sinn für die Gerechtigkeit. Und den setzen sie auch ein. Unauffällig „residieren“ sie in einem unscheinbaren Büro mitten in Berlin.

Wenn jemand sie aufsucht, der ihre Hilfe benötigt und die Gesellschaft der Meinung ist, dort ist Ungerechtigkeit aufzudecken, dann treten sie auf den Plan. Unsichtbar, unscheinbar, im Hintergrund, nicht nachzuverfolgen, aber perfekt organisiert und vorbereitet.

Dies ist ihr erster Fall: Über viele Jahre wurden unzählige einfache Leute durch eine Privatbank betrogen und um ihr Geld gebracht. Sichere Geldanlagen wurden versprochen, mit hohen Zinsen gelockt. Nicht einmal die Mitarbeiter wussten, dass sie Lügen verkaufen. Der ehemalige Oberste dieser Privatbank ruht sich auf seinem „erarbeiteten“ Vermögen aus und lebt einen gediegenen Lebensstil. Als er mal wieder in Deutschland verweilt, klingelt es an der Tür seines Luxusappartements. Er öffnet die Türe, nicht ahnend, dass er seine Entführer hereinbittet, die ihn für seine Schandtaten zur Rechenschaft ziehen werden ….

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Michael Opoczynski, ein Gesicht, dass selbst ich noch aus meinen Fernsehzeiten kenne. Lange Jahre hat er das Wirtschaftsmagazin WISO moderiert und geleitet. Ein sympathischer Fernsehmensch, der gutes und solides Programm gemacht hat, sich mit aktuellen und brisanten Themen beschäftigte. Er schreibt schon länger, hat einige Sachbücher und Ratgeber veröffentlicht und liefert nun mit „Schmerzensgeld“ seinen ersten Roman ab. Einen Krimi um genau zu sein. Als ich die Inhaltsangabe las, dachte ich zuerst an einen Politthriller. Die mag ich ja nun eigentlich nicht, oder mochte sie nicht, bis mich Horst Eckert eines besseren belehrte. Dennoch bin ich bei solchen Themen skeptisch und misstrauisch.

Ich wurde hier sehr positiv überrascht. Michael Opoczynski hat einen wunderbaren ersten Fall um seine „Gesellschaft für unkonventionelle Maßnahmen“ geliefert. Ich hatte großen Spaß bei meiner Lektüre und nicht nur einmal ein Schmunzeln auf den Lippen. Opoczynski hat hier so reale und sympathische Protagonisten erschaffen, die wunderbar normal und sehr liebenswert sind. Die aus den verschiedensten Schichten kommen und die unterschiedlichsten Jobs ausüben. Aber eben eines gemein haben: Ihren Sinn für Gerechtigkeit. Und wie sie planen, überlegen, ausfeilen, vorbereiten, dann ausführen, sich selbst motivieren und einfach Spaß haben, an dem was sie tun, ist einfach ganz toll zu lesen.

Wenn man in das seriöse Gesicht des Autors schaut, dann erwartet man doch irgendwie einen trockenen, eher einfallslosen, sachlichen Schreibstil. Weit gefehlt. Sein Schreibstil ist absolut hochwertig und sorgt dennoch für einen sehr angenehmen, gar nicht trockenen Lesefluss. Mir sind die Charaktere sehr ans Herz gewachsen und ich habe mich mit ihnen gefreut und gefiebert.

Opoczynski beschreibt den Hauptstrang sowie eine kleine Nebengeschichte, die auch die Gesellschaft beansprucht. Aber auch Einblicke in das Privatleben seiner Protagonisten liefert der Autor ausreichend.

Man liest wohl aus meinen Zeilen heraus, dass ich sehr begeistert bin von diesem Buch und viel mehr bekommen habe, als ich erwartet hatte.

Den Benevento Verlag kannte ich selbst vorher gar nicht. Er präsentiert den Erstling von Michael Opoczynski als schöne gebundene Ausgabe sogar mit einem Lesebändchen. Das Cover ist düster in grau, schwarz und ein bisschen weiß gehalten, spricht mich aber sehr an. Vor allem die offensichtliche Handschrift des Autorennamens finde ich auch sehr gelungen.


Fazit: Ein sprachlich sehr guter, rasanter und liebenswerter (Polit)Krimi, der eine besondere Gesellschaft vorstellt, die aus ganz großartigen Protagonisten besteht. Eine tolle Idee, eine genial überlegte Handlung mit Sinn, Verstand und ganz viel Gerechtigkeit. Ich freue mich schon sehr auf einen weiteren Fall der Gesellschaft.

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© Marion Brunner__Buchwelten 2018

Der Todesmeister von Thomas Elbel

Der Todesmeister von Thomas Elbel
Erschienen als Taschenbuch
bei blanvalet
insgesamt 512 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0414-5
Kategorie: Thriller

Er fängt sie. Er filmt sie. Er foltert sie. Er ist der Meister des Todes.

An der Berliner Oberbaumbrücke wird die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens aus dem Wasser geholt. Lange kann sie nicht im Wasser gewesen sein, dafür ist die Leiche noch zu „frisch“. Und das Mädchen ist nicht irgendein Mädchen. Sie ist die Nichte des Berliner Justizsenators. Die Ermittlungen führen ins Internet, wo grausame Foltervideos auftauchen, die zeigen, dass das Mädchen nicht das einzige Opfer sein kann.

Viktor (von) Puppe, auf eigenen Wunsch frisch versetzt vom LKA ins Kriminalkommissariat, wird sofort in die Ermittlungsarbeit mit einbezogen. Gemeinsam mit seinen Kollegen ermittelt er auf Hochtouren, doch von weiter oben werden die Kommissare ausgebremst. Da soll wohl das ein oder andere gar nicht aufgedeckt werden ….


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Vor ziemlich exakt 6 Jahren habe ich meine erste Rezension zum Debütroman von Thomas Elbel geschrieben. ASYLON war als Erstling in der Science Fiction angesiedelt und bei Piper erschienen. Auch der Nachfolger ELYSION erschien noch dort. Danach wollte man ihn bei Piper wohl nicht mehr. Warum? SciFi verkauft sich nicht? Die Zielgruppe fehlt? Keine Ahnung, ist auch Quatsch aber egal. Denn Thomas Elbel hat deshalb nicht aufgehört zu schreiben. Seinen dritten Roman MEGAPOLIS hat er dann als Selfpublisher auf den Markt gebracht. Ich habe sie alle gelesen und rezensiert und ich mochte Elbels Schreibe immer gern. Auch wenn sie ab und an im Sprachgebrauch nicht so mein Fall war.

Nun hat er hier seinen ersten Thriller, wohl auf dringendes Anraten seines Agenten, geliefert und bei blanvalet ein neues Zuhause gefunden.

Ich habe eine zwar lektorierte, aber unkorrigierte, Fassung als Leseexemplar bekommen und ich hoffe nur, dass die unzähligen, teilweise sehr amüsanten Fehler noch alle vom Korrektorat gefunden und verbessert werden. ☺

Die Handlung ist sehr gut erdacht, der Spannungsfaden gut und straff gespannt und auch wenn es heftig und grausam ist, richtig gut! Leider ist unsere Welt so schrecklich und alles das gibt es im wahren Leben (leider) mittlerweile viel zu oft. Ich kam dem Täter nicht auf die Spur, obwohl ich natürlich kräftig mitgegrübelt und ermittelt habe. Der Schauplatz Berlin ist natürlich toll und die Beschreibungen sehr gut. Man merkt schon auch, dass der Autor dort lebt, und das gern.

Achtung – Eventuelle Spoilergefahr!:

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die teilweise wieder sehr überzogene, flapsige und extrem umgangssprachliche Sprache einiger Figuren. Es soll alles so unbedingt lustig, modern, cool und multikulti sein, dass es mir zuviel ist. (Ich meine nicht die Jugendsprache der entsprechenden Figuren, sondern die Sprache der erwachsenen Protagonisten).

Da ist auf der einen Seiten der gut erzogene Viktor (von) Puppe, der (natürlich) eine düstere Vergangenheit hat. Der trifft bei der Polizei auf zwei Kollegen, die beide unterschiedlicher, ausländischer Herkunft sind. Wenn der männliche Part den Mund aufmacht, kommen nur dumme und saucoole Sprüche heraus. Der weibliche Part ist eine alleinerziehende Türkin, die die Männer „gefressen“ hat und wenn sie dann auch noch deutsch und zu hilfsbereit sind, geht ihr ständig die Hutschnur hoch.

Dann gibt es natürlich noch den bösen Chef, der immer kurz angebunden und streng ist, obwohl er ja angeblich ganz anders ist. Auch die Rolle der schönen Nymphomanin ist vergeben. Hier wurden für meinen Geschmack zu viele Klischees zwingend zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Und das schmälert meine Begeisterung unterm Strich dann auch um einen Stern.

Insgesamt aber dennoch ein sehr gelungener Thriller, der spannend und rasant ist. Wie bereits erwähnt, stellenweise grausam und brutal, also nichts für zartbesaitete Leser. Lieber Thomas Elbel, der Genrewechsel ist gelungen ;-). Mehr davon.

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

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Das Phantom der Oper von Gaston Leroux

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Mysterienroman / Klassiker
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Im Pariser Opernhaus scheint ein Phantom auf die übelste Art und Weise sein Unwesen zu treiben. Es erpresst die neuen Leiter des Opernhauses auf heimtückische Art und sorgt für großen Aufruhr unter dem kompletten Stamm des Hauses. Auch Tote gibt es.

Die Sängerin Christine Daaé scheint dem Phantom sehr am Herzen zu liegen. Er setzt alles daran, die schöne Sängerin zu umwerben und sie zum großen Star zu machen. Er unterrichtet Daaé in ihrer Garderobe und sie feiert große Erfolge auf der Bühne des Hauses.

Doch dann trifft Christina Daaé den Freund ihrer Kindheit, den Vincomte de Chagny wieder und sie verliebt sich in ihn. Raoul, der Vincomte, ist oft verwirrt über die flatterhafte Art und Weise seiner Jugendfreundin und als sie ihm die Geschichte ihres „Engels der Musik“ (so nennt sie das Phantom) erzählt, versteht er ihr Handeln. Die beiden hecken einen Plan aus und wollen so dem Einfluss des seltsamen Wesens entkommen. Doch das Phantom will sich Christine Daaé nicht nehmen lassen ….

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Als ich in der Musicalaufführung des Phantom der Oper war, war ich total begeistert, kannte aber (logischerweise) die Handlung überhaupt nicht. Sicherlich versteht man eine ganze Menge, wenn man der Aufführung beiwohnt, jedoch wollte ich die gesamte Geschichte kennen. Darum habe ich mir das Buch aus unserer Bibliothek genommen und den Roman gelesen.

Für mich ist diese Art Roman, nämlich ein echter Klassiker, eher eine seltenere Lektüre. Bislang habe ich in dieser Art nur Bram Stokers „Dracula“ gelesen und der Schreibstil ist natürlich ein anderer als heute. Daran musste ich mich zunächst einmal gewöhnen.

Mir hat die Geschichte aber sehr gut gefallen. Der Autor lässt seine Handlung fast komplett unter dem Dach des Pariser Opernhauses spielen. Und zwar ca. 16 Stockwerke in die Höhe und 6 Stockwerke in die Tiefe. In dieser Art und Weise hat auch Victor Hugo seinen Roman in Notre Dame geschrieben. Hier fand auch die gesamte Handlung in der Kirche statt.

Ich habe vieles erfahren, was im Musical nicht vorkam, was mich doch um einiges schlauer gemacht und mir einige Szenen im Nachhinein besser verständlich gemacht hat. Im Deutschen heißt ein Lied „Engel der Muse“, im Original jedoch „Engel der Musik“, was absoluten Sinn ergibt, wenn man den Roman gelesen hat.

Die Figuren waren sehr gut beschrieben und die Charaktere stark ausgearbeitet. Es geht stellenweise sehr mystisch und dramatisch zu, was für die damalige Zeit schon eher selten war.

Mit hat der Roman großen Spaß gemacht und ich werde demnächst bestimmt noch weitere Klassiker lesen (u.a. Frankenstein oder endlich einen Roman von Wilkie Collins).

** Ich habe eine alte gebundene Ausgabe aus dem Jahre 1968, erschienen im Carl Hanser Verlag München, gelesen. 
Autorisierte Übersetzung aus dem Französischen von Johannes Piron.
Die Überschriften sind in schöner altdeutscher Schrift verfasst **

Die Zucht von Andreas Winkelmann

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Die Zucht
Erschienen als Broschur
bei Rowohlt
insgesamt 512 Seiten
Preis:  16,95  €
ISBN: 978-3805250382
Kategorie: Thriller

Der kleine Oleg wird vom abgelegenen Hof seiner Eltern entführt. Er spielte – wie jeden Tag – im Sandkasten des Gartens, der direkt an ein großes Maisfeld grenzt, und verschwand spurlos. Die Mutter war nur einige Minuten in der Küche, um Kartoffeln zu schälen.

Henry Conroy übernimmt den Fall und hat es nicht leicht, denn nichts scheint zusammenzupassen. Was hat ein entführter Junge, der friedlich mit seinen Eltern auf einem Hof lebt und bei denen es nichts zu holen gibt, mit einem ermordeten Hund an der Grundstücksgrenze zu tun?

Manuela Sperling, Conroys neue Kollegin, geht ihm mit ihrer vorlauten Klappe gehörig auf die Nerven. Immer dreist und geradeheraus, damit kommt er überhaupt nicht klar. Hat er sich doch die letzten Jahre so sorgfältig eine Mauer errichtet, über die er niemanden blicken lassen will.

Manuela Sperling hat allerdings auch einen verdammt guten Riecher, denn sie findet eine Spur, die zu illegal gezüchteten und billig verkauften Rassehunden führt. Sperling ist bissig, stur und hartnäckig und so kommt sie dahinter, dass der Fall um die illegalen Züchtungen und den entführten Oleg irgendwie zusammenhängen ….

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Die Zucht ist ein Buch, dass mir der Wunderlich (Rowohlt) Verlag ungefragt einfach mal so zugeschickt hat, mit freundlicher Leseempfehlung des Autors Andreas Winkelmann. Ich hatte dann gelesen, dass Winkelmann bereits eine Reihe von Thrillern um seinen Ermittler Henry Conroy geschrieben hatte. Da dachte ich mir dann natürlich, es sei nicht so sinnig, dann einfach mittendrin einen Teil zu lesen. Aber ich griff dann trotzdem zu und bin begeistert. Der Hauptprotagonist wird gut beschrieben und erklärt, im Laufe der Handlung habe ich Einiges aus der Vergangenheit mitbekommen und weiß nun auch, wo dessen Macken herrühren.

Ab und an wird durch die Figur der Manuela Sperling auf einen kürzlich abgeschlossenen „Wassermann-Fall“ hingewiesen, womit ich nun nichts anfangen konnte. Dass hatte jedoch auf das Verständnis dieser Handlung überhaupt keine Auswirkung.

Winkelmann schreibt spannend und gut, er wirft immer wieder neue Leinen aus, die er aber zuletzt gut und sinnvoll miteinander verknüpft. Ich hatte angenehme Lesestunden mit Conroy und Sperling und habe mitgefiebert und gerätselt. Das erwartet der Leser von einem guten Thriller. Winkelmann scheut nicht vor krassen und blutigen Szenen, etwas zart besaitete Leser sollten somit ein bisschen vorgewarnt werden.

Mein Fazit: Das Lächeln der Samojeden, nein, die Zucht 😉 hat mir sehr gut gefallen, ich war absolut positiv überrascht und danke dem Verlag für die Vorstellung eines – für mich – neuen Autors. Ich werde sicherlich weiteres von ihm lesen.

Ich danke dem Wunderlich/Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

© Buchwelten 2015

LEONA – Die Würfel sind gefallen von Jenny Rogneby

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LEONAErschienen als Broschur
im Atrium Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-85535-627-0
Kategorie: Krimi
Erscheint im August 2015

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Ein kleines Mädchen – blutüberströmt und nackt – betritt eine Bank in Stockholm. Sie stellt einen Kassettenrekorder auf den Boden und schaltet ihn ein. Eine Stimme fordert die Herausgabe von Bargeld. Die Angestellten der Bank und auch die Kunden sind so geschockt, dass sie sich nicht wagen, sich dem Kind zu nähern und sie erhält das Geld. Das Kind verschwindet spurlos, hinterlässt keine Spuren. Weder Fingerabdrücke, noch irgendeine Witterung, die Spürhunde aufnehmen könnten.

Leona Lindberg, eine etwas eigenwillige Ermittlerin, 34 Jahre alt und selber Mutter zweier Kinder wird mit der Ermittlung beauftragt. Der Fall entwickelt sich spektakulär, denn kurze Zeit später geschieht ein weiterer Bankraub, exakt auf die gleiche Art. Leona ermittelt in ihrer ganz persönlichen Art und Weise und im Laufe der Fahndung stellt sich heraus, dass sogar die Ermittlerin selbst etwas zu verbergen hat …

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Jenny Rogneby ist eine junge Nachwuchsautorin aus Schweden. Als Adoptivkind aus Äthiopien war sie zunächst in der Musikbranche unterwegs, wo sie unter anderem mit Größen wie Michael Jackson auf der Bühne stand. Nach einem Studium in der Kriminologie arbeitete sie als Ermittlerin bei der schwedischen Polizei. Und genau bei dieser Arbeit kam ihr die Idee zu Ihrer Protagonistin Leona Lindberg. Der vorliegende Roman ist der erste Teil eine geplanten Trilogie.

Der Klappentext machte mich sofort neugierig und Werke von jungen Autoren interessieren mich natürlich, außerdem wird dieses Buch in Schweden bereits als Bestseller  gelobt. Nun, diese Begeisterung kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Der Schreibstil der Autorin ist sprachlich eher sparsam. Die Sätze und auch die Dialoge sind immer in sehr kurzen und knappen Sätzen gehalten. Lediglich die Rückblenden, die immer wieder in die Handlung gestreut werden, sind in etwas ausführlicheren Sätzen geschrieben.

Rogneby schreibt einmal aus Sicht ihrer Protagonistin in der Ich-Form und springt zwischendurch in einen zweiten Handlungsstrang, der dann in der Erzählerrolle geschrieben ist. Ich möchte ungern spoilern, von daher kann ich von der eigentlichen Handlung nicht zuviel preisgeben. Darum möchte ich von meiner Seite hier nur mitteilen, dass ich bis zum Schluß nicht mit Leona „warmgeworden“ bin. Ich mochte ihre Art und Weise nicht, konnte vieles menschlich nicht nachvollziehen und mir war sie einfach unsympathisch, u.a. viel zu kühl und egoistisch. Die Entwicklung der Handlung empfand ich relativ früh als absehbar und am Schluß dachte ich mir: …. Nein, ich kanns nicht schreiben 🙂

Der Verlag präsentiert den Roman in einer optisch schönen Broschur. Jedoch weist der Buchrücken trotz sehr vorsichtigem Lesen recht deutliche Knitterfalten auf, schade.

 

Mein Fazit: Ein Krimi, der von der Grundidee sicher sehr gut ist. Allerdings fand ich die Umsetzung zu einfach und mit Figuren bestückt, die mir nicht annähernd nahe gekommen sind. Einzig die Stellen, die sich mit dem Mädchen befassten, hatten eine gewisse emotionale Stärke.

*** Sollte jemand Interesse an dem Buch haben, kann er/sie gerne über meinen Blog Kontakt mit mir aufnehmen. Ich gebe es gerne weiter ***.

© Buchwelten 2015

Grappa und die stille Glut von Gabriella Wollenhaupt

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Grappa und die stille Glut
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 224 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-89425-455-1
Kategorie: Krimi

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Sommerloch in Bierstadt. Das Tageblatt muss irgendwie die Seiten füllen, also wird u.a. eine Serie über Stalking-Opfer ins Leben gerufen und Grappa ist die richtige Journalistin hierfür. Es meldet sich ein Pfarrer, der sich hoffnungsvoll an Grappa wendet. Er wird von einer 72-jährigen Dame gestalkt. Was mit Blumen und selbstgebackenen Plätzchen begann, ufert nun in erotischen Schleiertänzen in seinem Vorgarten aus. Grappa rät dem armen Mann, sich an die Polizei zu wenden, doch da fühlt er sich nicht ernst genommen. Grappa beginnt (eher halbherzig) zu recherchieren und auf einen Anruf am späten Abend des Pfarrers reagiert sie nicht, auch wenn sie ihm ihre Karte gegeben hat. Sie hört am nächsten Morgen die Mailbox ab und versucht zurückzurufen. Doch da ist es bereits zu spät: Der Mann wurde grausamst ermordet in seinem Haus aufgefunden. Grappa, die leider auf die ermittlerischen internen Hinweise ihres Irgendwie-Lebensgefährten Friedemann Kleist verzichten muss, lässt nicht locker.

Nun verbeisst sich Grappa in die Nachforschungen und findet heraus, dass eine Spur des Pfarrers zurückführt auf eine Jugendgruppenreise, die vor zwanzig Jahren in ein Ferienlager geführt hat. Dort verschwand ein junges Mädchen, das in der Gruppe als Küchenhilfe arbeitete, spurlos. Der ermordete Pfarrer war damals als Betreuer dabei. Hat diese Spur etwas mit seiner Ermordung zu tun? Doch wie passt die alte Dame, die das Opfer gestalkt hat, in diese Vergangenheit? Wie Grappa herausfindet ist diese Stalkerin nämlich keinesfalls eine irre, ausgeflippte Alte, sondern eine Frau, deren Tochter vor 50 Jahren als kleines Mädchen verschwand. Grappa deckt immer mehr interessante Hintergründe auf und begibt sich nun vollends verbissen auf die Suche nach der Wahrheit ….

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Dies ist bereits der 25. Grappa-Roman, den die 1952 geborene Autorin Gabriella Wollenhaupt aus der Feder zaubert. Zaubert darum, weil sich diese Krimis so lesen, als flössen die Ideen nur so aus ihr heraus. Ich selbst lese mit diesem Roman erst den dritten Roman dieser Reihe und irgendwie gefiel er mir bislang am besten. Komischerweise fehlt eine wichtige, mir auch sehr sympathische Figur, da Dr. Friedemann Kleist sich eben derzeit im Ausland anderen beruflichen Herausforderungen widmet. Dennoch, die Handlung finde ich diesmal nicht nur locker, flockig, rasant und humorvoll. Der Plot ist sehr verwoben und verzwickt, liefert viele neue Wendungen und somit dem Leser eine richtig gute kriminalistische Handlung. Nicht, dass die Vorgänger das nicht täten. Nur, dass ich diese Story wirklich gut gelungen finde. Grappa lernt Menschen kennen, lebend oder tot, blickt hinter die Fassade, schaut „in“ die Charaktere und forscht tief. Hierbei kommen wirklich interessante, traurige und natürlich auch schlimme Dinge zu Tage.

Wollenhaupt hat mit ihrer Journalistin eine wirklich gute Figur geschaffen. Eine Frau wie du und ich, mit Schwächen und Stärken. Sie ist locker, schlagfertig, direkt, humorvoll aber auch nachdenklich und ganz und gar nicht oberflächlich. Die Dialoge zwischen ihr und z.B. dem Fotografen Wayne und auch der Bäckerin (die ja irgendwie auch eine Freundin ist) Frau Schmitz, machen einfach nur Spaß. Nicht zu vergessen die kleine Nebenhandlung um Mäggi Wurbel-Simonis nach dem Kenia-Urlaub (sehr gut!).

Nachdem ich mich zuvor über vier Wochen durch einen Roman gekaut habe, hatte ich absolutes Lesevergnügen mit dem neuen Grappa. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und war viel zu schnell durch.

Mein Fazit: Knappe 200 Seiten kriminelles Lesevergnügen, dass nicht nur humorvoll, flott und rasant ist, sondern ebenso anspruchsvoll, hintergründig und gut ausgeklügelt. Für mich bisher der beste „Grappa“. Darum gebe ich diesmal auch gerne eine volle 5 – Sterne Punktzahl!

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Ich danke dem Grafit-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat meine weiteren Rezensionen zu den Romanen von Gabriella Wollenhaupt zu lesen, der kann ja HIER mal schauen!

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