Schattenschläfer von Paul Finch (Mark Heckenburg IV)

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Schattenschläfer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-492-30687-4
Kategorie: Thriller

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Mark Heckenburg hat es in ein verschlafenes Nest verschlagen. In der Nähe des Lake District verrichtet er nun seinen Dienst. Nach seinem letzten Fall hat er sich freiwillig dorthin versetzen lassen, er wollte raus aus der Stadt.

Der Winter hält Einzug und ein schwerer, dichter Nebel verschluckt den kleinen Ort, der von Bergen und Seen umgeben ist, beinahe vollständig.

Zwei junge Wanderinnen verschwinden und es weist einiges darauf hin, dass ein bekannter Killer, der vor über 10 Jahren die Ermittler beschäftigt hat, zurückgekehrt ist. Schließlich wurde damals nie die Leiche des Mörders gefunden. Nun scheint er tatsächlich wieder zuzuschlagen und er tötet seine Opfer brutal. Heck beginnt seine Suche und jagt den Killer und dabei bringt er nicht nur sich, sondern auch Menschen, die im nahestehen, in Gefahr.

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Dies ist der vierte Fall des Detective Mark Heckenburg, für mich ist er der dritte. Ein Roman der Reihe fehlt(e) mir. Zwischenzeitlich liegt er jedoch auch in meinem SUB. Danke Wolfgang ☺. Diesen Roman habe ich überraschend vom PIPER-Verlag erhalten, was mich wirklich gefreut hat. Denn die ersten zwei Roman von Paul Finch haben mir sehr gut gefallen. Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen und auch wenn mir der Vorgänger zu diesem Fall noch fehlt, konnte ich der Handlung problemlos folgen.


Finch erzeugt eine unheimlich düstere, bedrückende Stimmung. Die Idee mit dem dichten Nebel in den Bergen ist sehr gut umgesetzt. Die Spannung ist durchgehend gegeben und der Leser verfolgt gespannt, was es mit dem seltsamen Fremden wohl auf sich hat. Die Auflösung ist gut geschrieben und nicht absehbar. Der Autor schreibt die Mordszenen sehr ausführlich und doch recht brutal. Für sehr zartbesaitete Leser sollte dies eine kleine Warnung sein. Ich war gefesselt von der Handlung und hatte wirklich Spaß, mal wieder durch einen Thriller zu „fliegen“.

Ein kleines Lob an den Verlag: Er bleibt seiner Linie treu und liefert die Taschenbücher weiterhin im gleichen Design. Der Schnitt ist farbig gestaltet, bei jedem Teil in einer anderen. Dieses mal ist es giftgrün. Ich finde es optisch sehr gut gelungen. Zu oft wechseln Verlage innerhalb einer Reihe die Optik, was ich nicht nachvollziehen kann und es dann im Regal auch noch blöd aussieht.

Mein Fazit: Ein toller weiterer Fall um Mark Heckenburg (und ja, auch Gemma Piper). In einem völlig anderen Umfeld verliert die Geschichte um den Detective nichts von seiner Spannung, ganz im Gegenteil. Hier gebe ich gerne eine Leseempfehlung für Fans von rasanten und fesselnden Thrillern.

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© Buchwelten 2016

Das Schloss der Skelette von Florian C. Booktian

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Schloss der SkeletteErschienen als Taschenbuch
bei Create Space / Amazon
insgesamt 170 Seiten
Preis:  7,14  €
ISBN: 978-1518869525
Kategorie: Kinder- Jugendbuch

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Percy Meercat ist Detective und ein Erdmännchen. Sein Chef stellt ihm einen „Partner“ an die Seite: Milten Greenbutton, der überhaupt kein Polizist, sondern eigentlich ein Erfinder ist. Milten ist ein grosser Fan des bekannten Percy und total begeistert. Obwohl ihnen eigentlich ein Fall zugeteilt wurde, will Percy Urlaub machen. Ausspannen, Auftanken und die Seele baumeln lassen. Er landet gemeinsam mit Milten in der kleinen Stadt namens Sharpytown, die berühmt ist für ihre Buntstiftproduktion. Just am Tage ihrer Ankunft findet dort ein Stadtfest statt und natürlich will Percy mitfeiern und sich mal so richtig betrinken. Nach der Feier bekommen die beiden in der Pension der schönen und zudem sehr netten und hilfsbereiten Rachel noch eine Unterkunft. Für Percy sogar die Luxusvariante: nämlich im Bett der Besitzerin.

Am Tag darauf verschwinden nach und nach die Bewohner der Stadt und immer wieder tauchen Skelette auf. Was hat es damit auf sich …?

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Die Geschichte beginnt mit einem kleinen Prolog, der erzählt, dass der Ort der Handlung nicht die klassische Erde ist, sondern eine Planetenkombination. Vor vielen Jahre wurde an die halbe Erdkugel der halbe Planet Gnaa angedockt. Ein Planet auf dem Fabelwesen leben. Diese Idee ist eigentlich nett und ausgefallen, darauf wird aber leider im Laufe der Handlung nicht wirklich eingegangen. Denn ausser das der Detective ein Erdmännchen ist (was für mich nicht zu Fabelwesen zählt), kommen im Laufe der Geschichte eigentlich nur noch Menschen (oder ihre „abgespeckte“ Form) vor.

Die Handlung ist nett, für mich jedoch nicht sonderlich reichhaltig oder fundiert. Der Schreibstil ist gut, auch wenn er sehr kindlich, locker und umgangssprachlich ist. Ich fühlte mich die ganze Lektüre über, als läse ich ein Comic ohne Bilder :-).

Für größere Kinder und Jugendliche ist die Geschichte mit Sicherheit lustig und spaßig. In den All Age Bereicht würde ich den Roman jedoch nicht einstufen, denn mit Werken wie z.B. „Harry Potter“, „Die zerbrochene Welt“ von Ralf Isau oder auch die „Stein“-Reihe von Kerstin Gier kann der Roman nicht verglichen werden.

Was ich interessant fand war, dass der Titel „Das Schloss der Skelette“ lautet und innerhalb der Handlung immer nur von einer Burg und der Burgruine gesprochen wird. Das Wort „Schloss“ fiel nur ein einziges Mal.


Ein weiterer Stolperstein war für mich eine Szene, in der Percy und Milton Mrs. Trunks aufsuchen. Sie wird vorgestellt als die Großmutter von Rachel (der Pensionsbesitzerin) und deren verschwundenen Tochter Elaine. Warum man dann Mrs. Trunks nach Ihrer Tochter und ihrer verschwundenen Nichte fragt ist dann etwas verwirrend. Dieser Fehler folgt einige Seiten darauf noch einmal.

Veröffentlich wurde das Buch bei Create Space und optisch gefällt es mir gut. Der Einband und das Cover erinnern ein bisschen an die Gespenster Bücher der Gänsehaut-Reihe.

Der Name des Autors und das anhängende „Über den Autor“ ist sicher Geschmackssache. Ich fand es nicht so lustig, wie es wohl rüberkommen soll. Mir hätten wirkliche Hintergründe über die Idee und die Entstehung der Geschichte und den Autor besser gefallen.

Mein Fazit: Ich lese gerne und oft Jugendbücher, da sich hier wirklich oft richtige Schätze finden. Das vorliegende Buch ist nett, lustig und amüsant und lässt sich schnell lesen. Eine gute Grundsatzidee wird jedoch nicht wirklich vertieft und die Handlung ist nicht sonderlich anspruchsvoll. Und das können auch Jugenbücher sehr wohl sein. Dennoch, wer gerne Comics ohne Bilder liest, kann hier gerne zugreifen.

P.S. Ich stelle mein Leseexemplar gerne zur Verfügung. Wer sich bis Ende Januar bei mir meldet bekommt es zugeschickt! Danach würde ich es dann dem KARO für seine Bücherecke spenden.

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© Buchwelten 2016

Totengabe von Chelsea Cain (Gretchen Teil VI)

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GretchenErschienen als Taschenbuch
bei blanvalet
insgesamt 480 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-442-38386-3
Kategorie: Thriller

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Archie ist gerade bei seiner geschiedenen Frau und den Kindern zu Gast, wo er  seinen Geburtstag feiert, als er die Mitteilung bekommt, dass einer seiner verdeckten Ermittler tot aufgefunden wurde. Die Spur führt relativ schnell zum bekannten Drogenboss Jack Reynolds, den Archie persönlich kennt. Denn Archie hat vor Jahren nach seiner vermissten Tochter gesucht und Archies „Freundin“, die Journalistin Susan Ward ist mittlerweile mit dessen Sohn Leo zusammen.
Archie soll bei einer Party von Reynolds teilnehmen, die dieser auf seiner Privatinsel veranstaltet, um Beweise zu suchen, die bei der Aufklärung des Mordes helfen sollen. Die Nacht endet in einem Desaster. Archie wird betäubt, wacht Stunden später verdreckt und total benebelt am Ufer auf, um zu erfahren, dass es einen weiteren Mord gegeben hat. Diesmal wurde eine junge Frau ermordet und der Mord trägt eine eindeutige Handschrift, nämlich die von Gretchen Lowell. Gretchen, nach wie vor auf der Flucht nach ihrem Ausbruch aus dem Gefängnis, scheint erneut in Archies Leben aufzukreuzen …

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Ich als bekennender Gretchen-Fan habe mich natürlich sehr auf diesen weiteren Teil gefreut und ich  kann nur sagen: Klasse! Ich kam erneut voll und ganz auf meine Kosten. Archie und Gretchen pur. Eine absolut spannende und fesselnde Handlung, die nahtlos an die Vorgänger anschließt und keinen Deut nachlässt. Der Leser trifft auf alte Bekannte, allen voran natürlich den Ermittler Archie Sheridan und Gretchen Lowell, die wunderschöne Serienkillerin, die Archie trotz aller Qualen immer noch in ihren Bann zieht. Dieses unsichtbare Band, welches diese zwei Menschen miteinander verbindet, war von Anfang an unheimlich gut gesponnen und hält nach wie vor eine absolut straffe Spannung. Auch längst ans Herz gewachsene Nebencharaktere wie die quirlige und wache Journalistin Susan Ward, ihre leicht schräge Hippie-Mom und Archies Partner Henry, alle sind sie wieder da und tragen zu diesem sehr gut gelungenen weiteren Teil bei.

Die Handlung wirft unvorhersehbare Wendungen auf, die sehr gut durchdacht sind und mich durch die Geschichte haben fliegen lassen. Wobei ich es, ehrlich gesagt, gar nicht eilig hatte fertig zu werden. Denn trotz aller Dramatik und bekannter Grausamkeiten möchte man die Protagonisten und die anderen Akteure, die so perfekt miteinander agieren, nicht wieder verlassen. Denn wer weiss, wann es weitergeht?

Mein Fazit: Auch dieser sechste Teil der Gretchen – oder eigentlich Archie-Sheridan-Reihe – hat mich gefesselt, mir spannende Lesestunden beschert und einfach nur Spaß gemacht. Chelsea Cain liefert einfach  Thriller vom Feinsten und hat mir ihrer weiblichen Serienmörderin eine Figur geschaffen, die nicht nur Archie Sheridan in ihren Bann zieht.

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Sollte es Leser meines Blogs geben, die noch keinen Roman der Reihe gelesen haben, die können sich hier einmal durchlesen, wenn sie mögen und sollten einfach mal den Griff zum ersten Teil der Reihe wagen: FURIE – damit geht die Serie los :-).

© Buchwelten 2015

Jeder Mord braucht einen Täter von Andreas Behm

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Behm_4Erschienen als Taschenbuch
im Acabus Verlag
220 Seiten
13,90 €
ISBN: 9783862823314

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Harald Hansen ist pensioniert, lebt endlich mit seiner Lebensgefährtin Nadja zusammen und hat die Vaterrolle für Mareike übernommen. Klingt eigentlich nach einem sehr entspannten und vorallem lang herbeigesehnten Alltag. Tja, dem ist aber ganz und gar nicht so. Hansen ist unzufrieden, ihm fehlt die Arbeit – auch wenn er das nicht einsehen will – und er wird von Tag zu Tag unerträglicher. Nadja fädelt es schlau ein, dass ein alter Kollege, Peters, dem Harald doch recht nahe stand, am Weihnachtsabend zu Besuch kommt. Er ist einer der wenigen, der Hansen direkt ins Gesicht sagen kann und darf, was er denkt. Was Harry zu hören bekommt, gefällt ihm zunächst nicht, doch er muss zugeben, dass es stimmt.

Nach einigen Tagen der Überlegung entschliesst sich Harry dafür, ein Büro anzumieten und eine Detektei zu eröffnen. Er übernimmt eigentlich nur Fälle für eine Versicherung, ermittelt hier und da in abzurechnenden Fällen nach eventuellem Versicherungsbetrug.

Als plötzlich eine schöne Unbekannte in seinem Büro auftaucht und ihn mit einer Ermittlung beauftragt, klingt dies nicht so aufwendig, sodass Hansen den Fall annimmt. Er beschattet den vermeintlichen Ehemann seiner Auftraggeberin, fertigt einige Fotos. Doch als in seinem Büro die Leiche des Journalisten Konradi aufgefunden wird, schlingt sich rasant eine böse Schlinge um Hansens Hals. Denn Hansen ist zur Tatzeit ebenfalls in seinen Büroräumen und wird umgehend verhaftet. Als er innerhalb der U-Haft Drohungen erhält, die das Leben seiner Lieben betrifft, legt er ein Geständnis ab.

Doch Harry Hansen, wäre nicht der, der er ist, wenn er nicht auf eigene Faust versuchen würde, den Fall zu lösen und seine Unschuld zu beweisen. Hierzu nimmt er nicht nur eine gefährliche Flucht in Kauf, er bringt auch andere Menschen in Gefahr. Mitunter die Mutter des Opfers, die Hansen mit Rat und Tat zur Seite steht ….

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Als großer Fan der Harald Hansen Romane war ich natürlich sehr erfreut, dass der Autor Andreas Behm nun doch noch einen abschließenden vierten Teil um den grummeligen aber herzensguten Ermittler geschrieben hat. Behm knüpft in der Handlung an den dritten Roman an, alle Bekannten Figuren sind wieder mit dabei. Nadja, Harrys Lebensgefährtin mit ihrer Tochter, seine ehemaligen Partner und „Untergebenen“ Vera Becker (bissig wie eh und jeh) und auch Thomas Bernstein (nach wie vor homosexuell und in einer glücklichen Beziehung). Schön war es alle diese Personen wiederzutreffen und sie auf ca. 220 Seiten in ihrem letzten Fall zu begleiten.

Die Grundidee der Handlung, nämlich das der ehrwürdige Harry Hansen im Ruhestand prompt unter Mordverdacht gerät, gefällt mir gut. Auch die Art, wie Hansen damit umgeht, nämlich auf eigene Faust ermittelt, seine ehemaligen Leute an seiner Seite wissend, ist sehr gut gemacht.

Der Spannungsbogen ist gut gespannt, der Schreibstil gewohnt angenehm. Die Geschichte liest sich sehr rasant und flott und ist absolut kurzweilig. Teilweise sind wieder sehr gefühlvolle Momente in der Handlung verbaut, die den rauen Harry sentimentale Züge zeigen lassen.

Insgesamt ein würdiger Abschluss für die Reihe um Harald Hansen. Ich finde es schon schade, dass es nun nichts mehr von ihm zu lesen gibt, aber Andreas Behm möchte sich in seiner Schreiberei nun einmal anderen Dingen widmen. Absolut verständlich und auch nachvollziehbar. Ich werde den Stoffel Harry Hansen dennoch vermissen aber natürlich in liebevoller Erinnerung behalten.

Mein Fazit: Ein gut gesponnener Krimi, der eine Reihe angemessen zum Abschluß bringt. Eine gute Idee für den letzten Teil, die fast so gut ist, wie die Idee zum ersten Roman war 🙂

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Wer mehr über Harald „Harry“ Hansen wissen/lesen möchte, hier geht es zu den Rezensionen der ersten drei Romane sowie zu einem Interview mit dem Autor Andreas Behm:

Andreas Behm – Die Moral eines Killers – Harald Hansens 1. Fall
Andreas Behm – Der Lippennäher – Harald Hansens 2. Fall
Der Spion ohne Vaterland – Harald Hansens 3. Fall
Buchwelten im Gespräch mit Andreas Behm

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Ich danke dem Acabus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Mr. Mercedes von Stephen King

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Mr. Mercedes

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 592 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN 978-3-453-26941-5
Kategorie: Thriller

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Ein nebliger Frühmorgen irgendwo in den USA. Viele hundert Menschen warten seit Stunden vor der Stadthalle des Ortes, wo bald die jährliche Jobbörse ihre Türen öffnen wird. Mitten in der Nacht sind die Arbeitssuchenden aufgestanden und haben sich dort eingefunden, um endlich eine Arbeit zu finden. Männer, Frauen, Junge und Alte. Alle warten sie geduldig auf Einlass.

Doch dazu wird es nicht kommen. Urplötzlich blenden Scheinwerfer im Nebel auf und bevor die Wartenden registrieren, dass es ein PKW, ein schwerer Mercedes ist, der dort mitten auf die Menge zusteuert, ist es bereits zu spät. Der Fahrer hält nicht an, ganz im Gegenteil. Bewusst und voller Absicht rast er in die Menschenmenge und bringt viele der Menschen um, andere haben etwas mehr Glück, werden „nur“ schwer verletzt und bleiben als Krüppel zurück. Der Mörder flieht und der Fall ist nach über einem Jahr noch immer nicht aufgeklärt.

Detective Kermit William Hodges ist in den Ruhestand gegangen, ohne dass es ihm gelungen ist, seinen letzten Fall aufzuklären. Er hat im Fall Mr. Mercedes ermittelt, konnte den Killer jedoch nicht aufspüren. Nun fristet er in seinem Rentnerdasein dahin. Lebt in den Tag hinein, sieht zu viel fern, isst zuviel Ungesundes und langweilt sich zu Tode. Im wahrsten Sinne des Wortes: Beinahe täglich spielt er mit seinem Revolver herum und überlegt, ob nicht einfach dem öden Dasein ein Ende setzen soll.

Nun, dabei hat Mr. Mercedes Hodges offensichtlich beobachtet, denn er schreibt ihm einen Brief, der ihm klarmachen soll, wer ihm schreibt. Außerdem soll er Hodges provozieren. Mr. Mercedes würde nichts lieber sehen, als dass der Rentnercop sich endlich das Leben nimmt. Das wäre ein großer Spaß. Doch da hat Mr. Mercedes sich schwer geirrt. Denn mit seinem langen Brief erreicht er genau das Gegenteil: er reißt Hodges aus seiner Lethargie, weckt erneut das Feuer der Jagd in ihm und gibt ihm eine Aufgabe! Hodges macht weiter. Auf eigene Faust stellt er unauffällige Ermittlungen an und versucht alles, um diesen irren Mr. Mercedes endlich zu schnappen ….

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Ein lieber Facebook-Freund sagte kürzlich: Die ersten 100 Seiten könnte man bei Stephen King getrost überblättern, denn solang braucht er immer, um in seine Handlung hineinzufinden. Nun, hier ist es definitiv nicht so. Es geht einige Seiten ruhig an, dann wird man jedoch sofort mit Grausamkeit und Unglück konfrontiert. Leser, die sich auf der Homepage des Verlages die Leseprobe durchlesen, bekommen bereits das geboten, wovon ich hier gerade schreibe, ohne etwas zu verraten.

King schreibt in seinem gewohnten Stil des „neuen“ King, also vergleichbar mit Joyland oder eher noch Der Anschlag. Die alten Horror-Schocker Momente gibt es so nicht mehr. Was aber nicht heißt, dass King seicht geworden ist. Die Grundstimmung des Romans ist eher ruhig, was mir gut gefällt. Dennoch wurde ich absolut gefesselt und empfand die Handlung als sehr spannend und teilweise auch wirklich schlimm! Aber es wechseln sich dramatische Szenen mit ruhigeren ab, damit der Leser auch zur Ruhe kommt, mir gefällt das. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Und jeder einzelne von ihnen war sehr gut ausgearbeitet und dargestellt. Sehr glaubhafte, nette und auch böse, irre Charaktere habe ich während meiner Lektüre getroffen.

Stephen King hat einige nette Anspielungen auf seine alten Bücher und auch alt bekannte Filme verbaut, diese Hinweise erkennen Fans sogleich.

Selbst das Ende, die bei King ja oft, nennen wir es mal Geschmackssache sind, gefällt mir in diesem Falle sehr gut und ich empfinde es als gelungen und passend. Es gibt doch einige Kings, wo ich die Handlung total klasse fand und beim Ende dann eher unzufrieden war, z.B. bei Wahn oder damals ES. Den dunklen Turm nehme ich jetzt mal raus, denn da ist das Ende auch seltsam, dennoch könnte ich die komplette Reihe sofort wieder lesen, weil sie mich nicht los lässt :).

Zum Cover gibt es hier von mir ein Lob an den Verlag, es ist identisch mit dem Original. Eins zu Eins übernommen, dass finde ich sehr gut. Bei den Stephen King Romanen gehe ich nämlich immer hin, und schaue mir die Originalausgaben an. Da fällt mir gleich Wind ein, wo mir das deutsche Cover zwar auch gefällt, dass Original aber viel schöner ausgearbeitet ist.

King wäre nicht King, würde er nicht zum Roman handlungswichtige Spielereien auf seiner Homepage anbieten. So etwas macht dem Leser Freude und gibt ihm immer das Gefühl, diese Handlung sei mehr als nur eine Idee des Autors.

Mein Fazit: Volle 5 Punkte für Mr. Mercedes, der mich absolut gefesselt und mir sowohl Freude als auch Schockmomente beschert hat. In einem guten Schreibstil lässt King in das Hirn eines Killers blicken und einen dahinvegetierenden Ex-Cop wieder aufleben und ungeahnte Kräfte mobilisieren.

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Ich danke dem Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Die Videos kann ich in dem Falle leider nur als Links anbieten 🙂

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stephenking.com/promo/mr_mercedes/video/

http://stephenking.com/promo/mr_mercedes/book-trailer.html

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© Buchwelten 2014

Frauen hassen von Michael Herzig

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im grafit Verlag
insgesamt 347  Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89425-671-5
Kategorie: Thriller
Erscheinungstermin: März 2014

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Johanna di Napoli, Züricher Stadtpolizistin, vollzieht gerade einen extremen Lebenswandel. Sie versucht ernsthaft die Zigaretten sein zu lassen, klebt stattdessen Nikotinpflaster und sie trinkt keinen Alkohol mehr. „Schuld“ ist Max, eine Bekanntschaft, die zunächst nichts weiter war als ein One-Night-Stand, sich jedoch so langsam aber sicher in eine ernsthafte Beziehung zu entwickeln scheint. Soweit zur privaten Seite der bereits bekannten Polizistin, die ihre eigenen Ecken, Kanten und Macken hat.

Beruflich bekommt Johanna, kurz: Jo, einen Einsatz der ausgefalleneren Art. Sie wird als verdeckte Ermittlerin nach Deutschland geschickt, wo sie eine Rockerbraut mimen soll, um die Glaubwürdigkeit eines deutschen Kollegen innerhalb einer Rockerbande zu untermauern.

Leider geht der Einsatz gründlich daneben, er endet in einem dramatischen Chaos und Jo wird beschuldigt ein Verhältnis mit einem der Verbrecher zu haben. Sie versucht diese Vorwürfe zu widerlegen, spielt immer mit offenen Karten und stösst bei ihren weiteren Nachforschungen auf eine Spur, die zurück in die Schweiz führt. Jo würde ihrem Ruf als Quotenfrau nicht gerecht werden, würde sie nicht alles versuchen, den vertrackten und extrem brutalen Fall zu lösen …

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Frauen hassen, lautet der Titel, der gleich etwas zweideutig zu verstehen ist. Geht es um Frauen, die hassen oder um Männer (die Rocker vielleicht?), die Frauen hassen? Eine geschickte Wahl des Titels, wie ich zugeben muss, im Laufe der Handlung erklärt sich auch die Bedeutung dessen.

Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Folgeroman von „Töte deinen Nächsten“ (die Rezension ist hier bei Interesse gerne nachzulesen) zunächst recht schwer getan habe. Ich habe keinen Einstieg in die Handlung gefunden, die Handlungsstränge, die neben dem um Johanna di Napoli begonnen wurden, habe ich zunächst nicht wirklich kapiert. Ich wusste nicht, welche Figuren zu wem gehören, welcher Strang nun in Deutschland und welcher vllt. in der Schweiz spielt. Ein weiterer Strang wurde in der Gegenwart und aus der Ich-Perspektive geschrieben und auch hier wusste ich zunächst nichts mit anzufangen. Ich habe mir dann gedacht: lies einfach, die Handlung wird sich sicherlich selbst erklären. Und so war es dann auch. Circa ab Seite 100 hatte ich mich in die Handlung eingelesen, habe die Zusammenhänge begriffen und wusste nun auch die Figuren und Charaktere zuzuordnen.

Auch mit der Sprache hatte ich zunächst meine Probleme. Der Ausdruck war mir zu umgangssprachlich, zu prollig, was sicherlich mit den Figuren zu tun hatte, mir gefiel es dennoch nicht. Im Laufe der Handlung hatte ich mich jedoch eingewöhnt und der Schreibstil wurde auch besser, der Handlungsstrang um Johanna war ausserdem in dem bekannten, flotten aber guten Stil geschrieben.

Richtig gefallen hat mir die Handlung so ab Seite 160, da wurde es für mich endlich richtig interessant und ich habe ab dem Zeitpunkt auch mit mehr Spass und Neugier gelesen. Die Spannung stieg, die Bogen wurde straffer gespannt. Das Ende gefiel mir gut, hat mich nicht enttäuscht, wobei eine „Enthüllung“ im Finale für mich alles andere als überraschend war, ich hatte dieses „Highlight“ auf Grund vieler kleiner Hinweise schon lange durchschaut. Gut war es trotzdem. 🙂

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für diesen neuen Thriller von Michael Herzig, in den ich mit etwas Mühe eingestiegen bin und der für mich erst relativ spät wirklich fesselnd wurde. Die Idee und Umsetzung ist gut, mir persönlich war der erste Teil jedoch etwas zu wirr und flapsig. In der zweiten Häflte  habe ich mich wohler gefühlt.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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@ Buchwelten 2014

Messias von Ralf Isau

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-492-26777-9
Kategorie: Thriller / Krimi

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In dem kleinen irischen Dorf Graiguenamanagh erscheint ein greller Blitz und plötzlich liegt vor dem silbernen Kruzifix ein nackter Mann auf dem Boden, der blutende Wundmale an Händen und Füssen hat. Neben ihm eine blutige Dornenkrone. Der Mann erwacht benommen und spricht hebräisch.

Der Pfarrer der Duiske Abbey und der 104-jährige Seamus werden Zeuge dieses offensichtlichen Wunders. Der wiedergeborene Gottessohn wird zunächst einmal in das nächste Krankenhaus gebracht.

Der Vatikan sendet seinen Sonderermittler in das irische Dorf. Hester McAteer ist für die Aufklärung und den Nachweis angeblicher Wunder zuständig. Zufällig ist das Dorf Graiguenamanagh, kurz Graig, McAteers Heimatdorf und er reist mit mehr als zwiespältigen Gefühlen dorthin zurück. Denn dort wird er nicht nur auf seinen Vater treffen, sondern auch auf seine große Liebe, die er vor vielen Jahren für die Kirche verlassen hat.

Neben dem angeblichen Wunder geschehen in dem kleinen Ort mysteriöse Todesfälle und McAteer steht vor keiner leichten Aufgabe. Denn offensichtlich scheint der vom Kreuz gestiegene Jeschua nicht so leicht als Betrüger oder Schauspieler zu entlarven zu sein. Hester McAteer ist sehr skeptisch, doch es lassen sich keine Beweise finden. Außerdem ist da noch sein rüstiger Vater Seamus. Auch der scheint immer wieder Wunder zu vollbringen. Weitaus weniger spektakulär zwar, doch zu denken geben Sie McAteer allemal.

Der kirchliche Sonderermittler ist für seinen „Biss“ bekannt und gibt so leicht nicht auf. Als dann auch die alte Liebe im Laufe seiner Ermittlungen wieder aufflammt, kommen zu den geschäftlichen Problemen nun auch noch private, welche seine Einstellung zur Kirche ein wenig ins Wanken bringt ….

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Dies ist mein zweiter „Thriller“ von Ralf Isau. Hauptsächlich schreibt der Autor fantastische Geschichten, sowohl für Erwachsene, als auch für Jugendliche. Doch wieder muss ich sagen, Ralf Isau kann sehr wohl auch nicht-fantastische Romane schreiben.

Mit „Messias“ hat der Autor einen fesselnden, spannenden und rasanten Roman geliefert, der auf den ersten Blick eher als Krimi zu bezeichnen ist. Wobei die Grenzen zwischen den Genres Krimi und Thriller sicher schwer zu ziehen sind. Und da hier sehr wohl relativ heftige Morde geschehen und es teilweise brutal zur Sache geht, ist die Bezeichnung Thriller gerechtfertigt.

Für die Namenswahl des kleinen Ortes hätte der Autor zunächst eine Abmahnung verdient, denn hier ist definitive Knotengefahr der Zunge beim Lesen gegeben 🙂 . Aber wenn man sich im Kopf immer nur die Kurzform denkt, dann geht es. Außerdem liefert ein Protagonist zu Anfang des Romans die Aussprache in Lautschrift.

Der Schreibstil ist gewohnt gehoben und gut ausformuliert. Der Spannungsbogen ist sehr gut gespannt und immer wieder auftauchende Verwicklungen sorgen für eine schöne verzwickte Handlung.

Sehr gut gefallen hat mir der (zum Teil schöne schwarze) Humor in diesem Buch, oft musste ich schmunzeln oder besonders gute amüsante Szenen sogar laut vorlesen. Diese Gratwanderung zwischen den dramatischen, auch gewalttätigen Szenen und den humorvollen Momenten ist wirklich gut gelungen.

Die Charaktere der Personen sind gut ausgearbeitet und mir ist im Laufe der Geschichte nicht nur der Protagonist McAteer sehr ans Herz gewachsen, sondern auch der alte Seamus, mit seiner besonderen Gabe und liebenswerten und schlagfertigen Art.

Was sind Wunder? Gibt es Wunder? Glauben wir Menschen heute noch daran oder verschließen wir unsere Augen vor Dingen, die einfach nicht sein können? Hierzu schreibt Ralf Isau noch ein gutes und ausführliches Nachwort.

Eine kleine Anmerkung noch zu den „Crossovers“, die der Autor immer wieder gerne verwendet. Auch hier hat Ralf Isau eine Figur aus einem anderen Roman aufgegriffen. Diesmal hat diese Person sogar aktiv an der Handlung teilgenommen. Es passte sehr gut zur Geschichte und mir hat es gefallen, wobei ich gerade diesen eigenen Roman des Charakters noch gar nicht gelesen habe, erkannt habe ich ihn trotzdem sofort.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für Messias, einen spannenden und fesselnden Roman über Wunder, Mord, Liebe, Glauben, Hass und vieles mehr. Wieder einmal beweist Ralf Isau, dass Autoren sich keinesfalls in eine Schublade stecken lassen sollten, weil sie nämlich sehr vielseitig sind!

Auf der Homepage von Ralf Isau gibt es interessantes zur Entstehung, Hintergründen und Recherche zu Messias nachzulesen (einfach auf das Logo klicken):

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© Buchwelten 2013

Der Spion ohne Vaterland von Andreas Behm – Harald Hansens 3. Fall (5/5)

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Der Spion ohne Vaterland Erschienen als Taschenbuch
im ACABUS Verlag
356 Seiten
Preis: 13,90 €
ISBN: 978-3-86282-195-2

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Hauptkommissar Harald Hansen steht kurz vor seiner Pensionierung. In knappen zwei Wochen ist die jahrelange, harte Ermittlerarbeit Geschichte und er steckt bereits mitten in den Vorbereitungen für sein neues Leben. Hansen hat seinen Resturlaub genommen und befindet sich in den Umzugsvorbereitungen.

Der Kommissar wird mit seiner Lebensgefährtin Nadja und deren 8-jähriger Tochter zusammenziehen. Nadja hat Hansen während seines ersten Falls als Zeugin kennen und lieben gelernt. Solange er aber noch aktiv im Dienst tätig ist, hatten Nadja und er die Abmachung, dass er seine eigene Wohnung behält. Denn Harald Hansen ist ein eigenwilliger Kerl, der während laufender Ermittlungen einen Rückzugsort braucht, um in Ruhe denken zu können. Nun sind die Umzugskisten gepackt, Nadja wohnt bereits in der neuen Wohnung, Hansen hat sich sogar ein Familienauto zugelegt und im Großen und Ganzen freut er sich auf die nahe Zukunft.

Natürlich kommt es anders als der der stoffelige, grummlige Kommissar sich das vorgestellt hatte. Zunächst wird ein alter Mann in einer noblen Hamburger Wohngegend ermordet aufgefunden. Im Vorfeld wurde er über mehrere Stunden brutal gefoltert. Fest steht, dass der ältere Herr am gleichen Abend einen Besucher in der Wohnung hatte, doch wer dieser Mann war, muss noch herausgefunden werden.

Als dann genau dieser Mann als wichtiger Zeuge auftaucht und ein Treffen an einem unauffälligen Ort in Hamburg mit der Polizei arrangiert wird, gibt es ein Unglück. Es kommt bei diesem Treffen zu einer Schießerei im Stadtpark, bei dem ein offensichtliches Killerpärchen eine Person tötet, was alles verändert.

Umgehend erhält Hansen einen Anruf von seinem Vorgesetzen Thorwald und wird reaktiviert. Er soll in diesem Fall ermitteln, was sein Team trotz der schlimmen Ereignisse mit Wohlwollen aufnimmt. Vera Becker und auch Thomas Bernstein, die beiden Ermittler aus Hansens engstem Team, haben im Laufe der Zeit ein inniges Verhältnis zu dem Kommissar aufgebaut und ihn in einen fast umgänglichen Menschen „verwandelt“.

So schnell kann es gehen. „Dirty Harry“ ist wieder im Revier und nun gilt es mittlerweile zwei Morde aufzuklären …

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Dies ist der dritte – und wohl auch letzte – Fall des Kommissars Harald Hansen. Mir ist der Ermittler mit seiner grummeligen, stoffeligen aber im inneren dennoch herzensguten Art direkt ans Herz gewachsen. Er übergeht während seiner Arbeit auch gerne einmal die ein oder andere Vorschrift, doch es dient ja immer der guten Sache.

Alte Bekannte aus den beiden ersten Fällen sind wieder an seiner Seite, Vera Becker, die weibliche „Harry“ genauso wie der Homosexuelle – und voll akzeptierte – Thomas Bernstein.

Ich habe sofort in die Handlung hineingefunden, der Aufbau des Krimis war dieses mal auch wieder der klassische, doch dennoch gefiel er mir wieder besser als der zweite Teil. Die Hintergründe sind sehr verwickelt, reichen weit in die Vergangenheit in die Zeit des geteilten Deutschlands.

Hier hat Andreas Behm offensichtlich sehr gut recherchiert, es liest sich alles sehr stimmig und scheint geschichtlich belegt. Die vielen Abkürzungen aus der Zeit der DDR sind glücklicherweise im Anhang ausführlich aufgeschlüsselt, sodass man immer nachschlagen kann.

Die Ermittlungsmethoden und die teilweisen verdeckten Einsätze waren typisch Harald Hansen und auch (oder erst Recht) so kurz vor der Pensionierung lässt sich der Kommissar von Vorgesetzten und Dienstvorschriften nicht wirklich abschrecken.

Ich mag eigentlich keine Spionagegeschichten, doch die Geschichte Deutschlands und hier vor allem die Zeit der Teilung interessieren mich sehr. Dies wurde behandelt, jedoch nicht politisch und trocken, sondern spannend und fesselnd.

Auch die ruhigen und privaten Momente kommen nicht zu kurz. Oft haben wir Teil wenn Harald Hansen, mittlerweile als Familienmensch, zur Ruhe kommt, er sich mit Nadja unterhält, Pflichten wie einkaufen oder das Kind aus der Schule holen, übernimmt. Die Zwischenmenschlichkeit ist innerhalb der drei Bände stetig mehr geworden, was den Charakter des Protagonisten positiv aufwertet.

Gegen Ende gab es zwei sehr rührende Szenen. In einer kommt Hansen nach einem missglückten Einsatz nach Hause Er trifft seine Lebensgefährtin Nadja im Bad unter der Dusche an. Angezogen steigt er zu ihr in die Dusche, stellt sich vor sie und sie nimmt ihn stumm in den Arm. Sie drücken sich einfach und das Wasser rauscht über sie. Diese kleine Szene fand ich sehr intim, traurig und still-schön. Das hat mir einen kleinen Kloß im Hals verursacht.

Die zweite rührende Szene werde ich nicht näher erläutern, weil sie irgendwie mit dem Fall zu tun hat, wenn auch eigentlich nicht ….

Der Verlag präsentiert den Roman wieder als Taschenbuch und hat diesmal ein Cover gewählt, dass mir persönlich besser gefällt als das weiße des zweiten Teils. Es zeigt ein kahles Verhörzimmer mit lediglich einem Holzstuhl.
Und obwohl dieser 3. Fall der längste ist und somit dicker als die zwei ersten Krimis, hat der Verlag den Preis von 13,90 € beibehalten.

Zum Abschluss noch einmal der Hinweis, dass die Reihe zwar „Hamburg – deine Morde“ heißt, auf das Verständnis für den Leser aber keinen Einfluss hat. Ich war nur einmal kurz in Hamburg, verstehe daher auch die kleinen Anspielungen auf bekannte Orte oder Straßen nicht, wie es die Leser tun, die dort wohnen. Das tut der Handlung aber keinen Abbruch.

Ich finde die Bezeichnung „Regionalkrimi“ sowieso unsinnig. Also, Krimi Fans sollte es egal sein, wo die Handlung spielt. Bei einem Film interessiert es uns doch auch nicht, ob sich die Protagonisten in London, München oder New York aufhalten.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen guten dritten und letzten Teil um einen eigenwilligen Ermittler, der seinen eigenen Weg geht und sich nicht um Vorschriften oder Vorgesetzte schert. Eine interessante und gut aufgebaute Handlung, die spannend erzählt ist und einen Einblick in die Vergangenheit Deutschlands gibt. Mich persönlich würde es ja freuen, wenn es noch einen weiteren Teil um Harald Hansen gibt, auch wenn er nun schon 62 ist und zu viele Zigaretten raucht :-).

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Ich danke dem Acabus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Der Knochenbrecher von Chris Carter (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ullstein Verlag
416 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  9783548284217
Kategorie: Thriller

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Ein neuer Fall für den Polizisten Hunter und seinen Partner Garcia. Der dritte, um genau zu sein.

Wieder mordet ein brutaler Killer in L.A. Die Opfer stammen allesamt aus der Kunstszene. Sie alle sind außer ihren künstlerischen Fähigkeiten und einer äußerlichen Ähnlichkeit jedoch nicht miteinander in Verbindung zu bringen. Weder waren sie Konkurrentinnen, noch kannten sie sich untereinander.

Was besonders auffällig ist: die Toten weisen alle keine offensichtlichen Verletzungen auf. Jedoch wurden ihnen allen  Körperöffnungen vom Mörder zugenäht und das extreme: In allen Leichen wurde ein Objekt platziert.

Hunter und Garcia haben eine schwere Ermittlungsarbeit vor sich, denn die Hinweise sind mehr als dünn. Dann kreuzt auch noch eine Privatermittlerin Hunters Weg. Die gleichzeitig sehr fleißige und attraktive Whitney Myers, die an einem Fall arbeitet, der Hunter noch nicht bekannt ist. Es dauert nicht lange bis Hunter erkennt, dass es es nicht nur hilfreich, sondern für den Fortschritt der Ermittlungen wichtig ist, enger mit Myers zusammenzuarbeiten und die bisherigen Erkenntnisse auszutauschen.

Die Mordserie muss aufgeklärt werden, denn der Killer ist nicht nur extrem brutal, sondern auch sehr klug und scheint keine Fehler zu begehen. Er scheint die Eigenschaft „Geduld“ absolut zu beherrschen. Aber die Abstände zwischen den aufgefundenen Opfern werden immer kürzer und die Zeit drängt …

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Chris Carter hat wieder einen rasanten, sehr schnell zu lesenden Thriller abgeliefert. Durch die kurzen Kapitel, die übrigens alle mit einem Cliffhanger enden, um dann im übernächsten Kapitel aufgegriffen zu werden, ließen mich als Leser nur so durch die Handlung fliegen.

Sicher liefert Carter auch hier wieder eine spannende Handlung, doch für mich ist der dritte Teil um den Ermittler Hunter nicht mehr so hochwertig wie die Vorgänger „Kruzifix-Killer“ und „Der Vollstrecker“.

Die Opfer, deren Lebenswege und die Fundorte der Toten werden ausführlich beschrieben, doch die haarkleinen forensischen Beschreibungen, die mir sehr gut gefielen, gibt es in dem Maße nicht mehr.

Für mich wurde die Handlung zunächst sehr in die Länge gezogen um dann gegen Ende des Buches viel zu schnell aufgelöst zu werden.

Zunächst tappen die Ermittler lange im Dunklen, was ja gerade auch die Spannung ausmacht, bei einem guten Thriller.

Doch wenn der Autor dann beginnt, den Wechsel in Richtung Aufklärung des Falles vorzunehmen, dann liest es sich für mich so, als wollte er nur noch zum Ende kommen.

Das Problem ist, auf gewisse Dinge hinzuweisen, ohne die Handlung zu verraten. Ein Störfaktor war für mich, die klassische dramatische Situation, die es gegen Ende eines Thriller wohl immer geben muss? Dann gab es noch einen Moment, wo die Ruhe und Offenheit nicht so recht zur Dramatik der Szene passte.

Der dritte Teil der Hunter-Reihe ist nicht schlecht, er ist wieder ein gut lesbarer und auch spannender Thriller, der aber diesmal für mich nicht über einen Durchschnittsthriller hinausgeht.

Was für mich zuletzt noch zu völligem Unverständnis führt, ist der deutsche Titel. Hier würde ich gerne wissen, wer den Originaltitel „The Night Stalker“ (der es übrigens auf den Punkt trifft) ins Deutsche gebracht hat.

In der gesamten Handlung wird nicht einer Person auch nur ein einziger, winzig kleiner Knochen gebrochen! Ich habe noch lange nachgedacht und die Handlung Revue passieren lassen, ob ich evtl. was vergessen habe. Doch nein: Kein Knochenbruch, weder bei Opfern, noch bei Ermittlern, noch sonst wo.

Da kann ich nicht verstehen, warum man einen Titel nicht einfach im Original belässt oder ihn zumindest annähernd ins Deutsche bringt?

Der Thriller wird als Taschenbuch präsentiert, diesmal jedoch wieder ohne Leseband. Das Cover ist rot-weiß und daher nicht sonderlich ausgefallen, denn so sehen ja momentan fast alle Thriller aus. Das blutende Seil ist übrigens genauso fehlgeschlagen wie der deutsche Titel :-).

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für Hunters dritten Fall. Immer noch ein guter Thriller, der sich flott lesen lässt und auch spannende Stunden verspricht. Jedoch bietet er nicht mehr die besonderen Feinheiten, die mir bei den ersten beiden Carter so gefallen haben. Daher wird er von mir diesesmal „nur“ als Durchschnitt bewertet.

Ich danke dem ullstein Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Der siebte Tod von Paul Cleave (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei HEYNE
432 Seiten
Preis: 8,95 €
ISBN:  978-3-453-43247-5

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Joe ist Anfang dreissig, alleinstehend, ziemlich gutaussehend und Putzhilfe bei der Polizei. Zu diesem Job kam er auf Umwegen. Während der Arbeitszeit stellt Joe eine perfekte Maskerade zur Schau: Er mimt den etwas geistig zurückgebliebenen Putzmann, der immer ein bisschen zu breit grinst und ein wenig zu dümmlich und einfach spricht. Dies verschafft ihm allerdings – neben der ohnehin schon sehr praktischen Putzstelle – viele Vorteile. Die Cops „plaudern“ mit ihm über die aktuellen Ermittlungen und es stört sie überhaupt nicht, wenn Joe – der Dumme – mit seinem Wischmop durch das Besprechungszimmer wienert an dem nicht nur sämtliche Tatortfotos an die Wand gepint sind, sondern auch alle Ermittlungsakten offen auf dem Sideboard liegen.

Somit ist Joe immer auf dem laufenden in seinem eigenen Fall. Die Polizei sucht fieberhaft den „Schlächter von Christchurch“, der er selber ist. Alles läuft für Joe nach Plan, bis ein siebter Mord geschieht, doch den hat ER nicht begangen! Das geht ihm natürlich völlig gegen den Strich. Dass es einen weiteren Killer gibt, der ihm einen Mord unterjubeln will. Das es Auffälligkeiten gibt die zeigen, dass der „Schlächter“ diesen Mord nicht begangen haben kann, merken die Cops und Ermittler nicht. Und Joe selbst kann sie wohl kaum selber darauf aufmerksam machen.

Also beginnt er auf seine eigene Art und Weise in dem Fall zu ermitteln und den Mörder des 7. Opfers zu suchen. Dem will Joe dann wiederum alle Morde zuschreiben lassen.

Zunächst läuft alles nach Plan. Joe hat einen Recorder im Besprechungszimmer angebracht, er kopiert Fotos und notwendige Listen. Kopien der Ermittlungsakten nimmt er mit nach Hause, etc. Die Ermittler merken das nicht, sie haben erstens keinen Blick und Kopf dafür und zweitens würde niemals jemand Joe in Verdacht haben, irgendwelche Unterlagen mitgehen zu lassen.

So ist Joe in seiner Freizeit damit beschäftigt einen Killer zu suchen, seine eigenen weiteren Taten zu planen, seine nervtötende Mutter zu besuchen, seine Fische zu versorgen und einer sehr anhänglichen Kollegin aus dem Weg zu gehen. Wobei letztere ihm immer leckere Lunchbrote bringt, denn Joe erinnert sie an ihren verstorbenen, behinderten Bruder.

Eigentlich sehen die Erfolge in Joes Ermittlungen recht positiv aus, bis er auf einmal Melissa über den Weg läuft. Eigentlich hatte Joe sie sich als nächstes Opfer ausgewählt, doch es kommt alles anderes. Melissa ist selber hochgradig gewaltbereit und sie quält Joe in einem Park auf brutalste Art und Weise …

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Diesen Roman hat mir der Autor Andreas Behm empfohlen. In seinem eigenen Debüt „Die Moral eines Killers“ war ich so begeistert von der Ermittlungsmethode des Kommissars, dass er mir von der aussergewöhnlichen Handlung von Paul Cleave erzählt hat.

Der Thriller hat mir gefallen, die Story war gut ausgedacht und umgesetzt. Die Idee eines Mörders, der durch seine Putzarbeit an der Quelle der Ermittlungen sitzt, war wirklich gut. Und dass der Protagonist als absolut unterbelichtet gilt, wobei er eigentlich ein sehr brilliant und klar denkender Mörder ist ebenso.

Obwohl Joe mordet, ist er eine Figur, die mir sehr sympathisch war. Schließlich hat er sich hingebungsvoll um seine Fische und Mutter gekümmert. Ausserdem hat er einen überfahrenen Kater vor dem Tod gerettet, indem er ihn schwerverletzt in die Tierklinik bringt.

In den Moment, wo Joe als der eigentliche Mörder von Melissa misshandelt und gequält wird, tat er mir wirklich leid! Und das, wo er es ja eigentlich mehr als verdient hat!

Der Schreibstil war normal und nicht gehoben, was ja nun auch nicht zum meist dargestellten „schlichten“ Gemüt des Protagonisten gepasst hätte. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut und der Roman las sich sehr flüssig.

Ab und an hat sich die Handlung dennoch für mich ein bisschen gezogen und die ein oder andere Nebenfigur war mir zu langatmig und/oder einfältig dargestellt.

Unter dem Strich ist „Der siebte Tod“ für mich ein spannender, guter und empfehlenswerter Thriller. Das Buch ist als Taschenbuch bei Heyne erschienen, das Cover ist schlicht aber nett.

Mein Fazit: Ich gebe 4 von 5 Sternen für diesen Thriller von Paul Cleave. Auf jeden Fall hat er mich so gefesselt, dass ich weiteres von ihm lesen möchte.

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© Buchwelten 17.01.2012

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