Böses Blut von Robert Galbraith (C.S. IV)

Erschienen als gebundene Ausgabe mit Leseband
bei blanvalet
insgesamt 1200 Seiten
Preis: 26,00€
ISBN: 978-3-7645-0768-8
Kategorie: Krimi

Während eines Besuchs bei seiner Familie in St. Mawes, Cornwall wird Cormoran Strike im dortigen Pub von einer jungen Frau angesprochen. Ihre Mutter, die Ärztin Margot Bamborough, verschwand im Jahr 1974 und weder sie noch ihre Leiche wurden je gefunden. Es ist Strike und Robin Ellacotts erster Cold Case Fall und weckt beider Neugier und Interesse, darum nehmen sie den Fall an. Das damalige Verschwinden geschah unter mysteriösen Bedingungen und der erste ermittelnde Kommissar wurde offensichtlich wahnsinnig. Dessen Nachfolger rollte damals den Fall zwar nochmal auf, jedoch eher mit dem Hintergrund seinen Vorgänger bloßzustellen.

Robin Ellacott hängt gerade inmitten eines hässlichen Scheidungsverfahrens. Matthew scheint nach wie vor so gekränkt und in seiner Ehre verletzt, dass er Robin ziemlich alle Knüppel zwischen die Beine wirft, die er nur finden kann.

Strikes Tante, die ihm die einzige echte Mutter war, leidet an Krebst und liegt im Sterben. Seine Ex Charlotte stalkt ihn, weil sie in ihrer Ehe und Mutterrolle unglücklich ist und darauf hofft, dass sie Strike wieder erweichen kann.

Aber auch wenn sowohl Strike, als auch Robin es in privater Hinsicht wieder einmal alles andere als leicht haben, so geben sie beide doch ihr Bestes; um Licht in diesen alten, dunklen, undurchsichtigen Fall zu bringen…

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Was ist für mich ein gutes Buch? Z.B. eines; das 1200 Seiten hat und ich dennoch nicht möchte, dass es aufhört. Genau so war es hier auch schon wieder. Bisher sind alle Teile der Reihe um Cormoran Strike recht dicke Schmöker, ist weiß nicht, ob dieser hier der dickste ist. Aber eines weiß ich genau. Ich wäre zu gerne noch dort geblieben: zwischen den Buchdeckeln in London in der Denmark Street. Hätte gerne noch einige weitere Tage an der Seite von Strike und Robin verbracht. Ich liebe diese London-Krimis mit ihrem britischen Charme, ihren tollen Charakteren, mit den verzwickten Fällen, die so gut durchdacht sind.

Ich mochte J.K. Rowling ja schon zu Potter-Zeiten sehr. Ich bin der Meinung, dass sie mit jedem Roman „gewachsen“ ist. Man konnte es quasi fühlen, wie ihr Schreibstil immer besser wurde. Die Autorin hat ein Händchen für Figuren, Personen, tolle Charakter und schöne Orte. Sie liebt London und sie liebt England. Sie nimmt uns z.B. mit an die Küste, in alte und urige Pubs, lässt uns den dortigen Flair sehen und spüren. Ich kann überhaupt gar nicht nachvollziehen, warum Leute Ihre Werke, die unter diesem Pseudonym entstanden, niedermachen. Kapier ich einfach nicht. Sie liefert als Robert Galbraith erstklassige Krimis ab, die sowas von spannend, logisch und gut ausgearbeitet sind, dass mein Leserherz voll auf seine Kosten kommt.

Mir sind die beiden Protagonisten sehr ans Herz gewachsen, die ja eigentlich beide absolute Anti-Mainstream-Helden sind. Aber gerade das macht die beiden aus. Galbraith wechselt in ihren Kapiteln immer die Sichtweise ab. Es gibt immer ein Robin-Kapitel, gefolgt von einem Strike-Kapitel. Natürlich kommunizieren die beiden in den jeweiligen Kapiteln miteinander. Das erhöht die Spannung ungemein, denn wenn ein Robin-Kapitel mit einem Cliffhanger endet, muss ich ja wissen, wie es weitergeht und man will schnell wieder dorthin. Umgekehrt ist das genauso.

In diesem Teil der Reihe wird der Leser auch wieder mit auf eine Reise zurück in die 70er Jahre genommen. Wir ermitteln mit den Protagonisten im alten London und werden zurückversetzt in die damalige Zeit. Astrologie spielt in diesem Teil ebenso eine Rolle wie Bandenkriminalität á la „Der Pate“.

Neben dem Hauptfall, in dem die beiden ermitteln, gibt es immer noch weitere Fälle, die ebenso durch die Detektei bearbeitet werden müssen und nicht minder spannend, oft sogar herrlich skurril sind. Nicht zu vergessen, die (auch) privaten Angelegenheit von Robin und Cormoran, die auch immer einen wichtigen Teil der Handlung ausmachen. Man merkt schon, ich komme ins Schwärmen und das zu Recht. Dieser Teil hat mir wirklich richtig tolle Lesestunden bereitet und ich bin sehr traurig, dass es vorbei ist und ich wieder warten muss, bis ich den beiden wieder begegne.

Ich würde so gerne von einer Stelle erzählen, bei der ich laut lachen musste, aber dass würde leider ein Spoiler sein. Also, lasst euch nicht von dicken Büchern abschrecken! Geschichten sind immer so lang, wie es braucht, sie zu erzählen. Und ich verspreche in diesem fall, dass es zu keiner Zeit langweilig oder zäh wird.

Wer Lust hat meine anderen Rezension der Reihe zu lesen, der kann ja HIER mal reinschauen.

© Buchwelten 2021

Die Lieferung von Andreas Winkelmann

Die Lieferung

Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag
insgesamt  400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-499-27517-3
Kategorie: Thriller

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Die junge Altenpflegerin Viola lebt in ständiger Angst. Unentwegt hat sie das Gefühl, verfolgt zu werden. Sie fühlt sich nur noch sicher, wenn sie an ihrem Arbeitsplatz  ist oder sich ihre Freundin Sabine in ihrer Nähe befindet. Sabine ist lustig, tough, mutig und sie glaubt Viola. Doch eines Abends meldet sich sich nicht mehr. Viola ist verunsichert, bleibt daheim.

Jens Kerners aktueller Fall ist seltsam. Im Hamburger Wald lief einer Jägerin plötzlich eine Frau vor die Flinte. Bleich, fast haarlos und wirr. Wie ein Albino wirkte diese seltsame Gestalt. Wo kam sie her? Was trieb sie in den Wäldern? Leider kommt Jens Kerner nicht mehr dazu sie zu befragen, denn sie stirbt.

Jens Kerners Arbeitskollegin Rebecca sitzt im Rollstuhl. Während einer Reha erzählt ihr eine Pflegerin, dass ihre Tochter seit 2 Jahren vermisst ist. Sie hofft auf Rebeccas Hilfe.

Jens Kerner und Rebecca Owald haben eine Menge Ermittlungsarbeit zu leisten. Zuviele lose Fäden, die zusammengeführt werden müssen.

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Andreas Winkelmann liefert einen guten und spannenden Thriller ab, in dem er viele verschiedene Fäden auswirft und jede Menge Fährten legt, um dem Leser einen langen Nervenkitzel zu bescheren.

Er erzählt die Geschichte in verschiedenen Handlungssträngen: Da gibt es den um Viola, die Altenpflegerin in ständiger Angst. Dann geht es um Rebecca Oswald und Jens Kerner, das ungleiche Ermittlerduo. Und es gibt zwei Rückblenden-Stränge. Einmal den um die gefangene Frau, die im Wald auftaucht. Und den letzten schließlich um den Täter, den wir in seine Kindheit begleiten.

Wie erwähnt ist die Spannung da und die Lektüre ist auch fesselnd. Ich selber finde jedoch, dass es bessere Romane von Andreas Winkelmann gibt (z.B. „Die Zucht“).

Das ungleiche Ermittlerpaar erinnert mich ein wenig an das Team von Robert Galbraith (das Pseudonym von J.K. Rowling). Ihrem Detektiv Cormoran Strike (Veteran mit Beinprothese) steht die bezaubernde Robin Ellacott zur Seite. Also ein ähnlich ungleiches Paar, nur umgekehrt. Ein anderer, immer wiederkehrender Bestandteil der Handlung erinnerte mich an den Film „Hereditary“. Leser werden wissen, was genau ich meine.

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Fazit: Ein spannender Thriller, der fesselt. Für mich ein bisschen überzogen in den (falschen) Fährten und ständigen Wendungen, aber das ist Geschmackssache.
Bei einer 5 Sterne Skala erhält „Die Lieferung“ eine 4.

©2020 Marion Brunner – Buchwelten

 

 

Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

Die Ernte des Boesen von Robert Galbraith
Erschienen als gebundene Ausgabe (mit Leseband)
bei blanvalet
insgesamt 672 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-7645-0574-5
Kategorie: Kriminalroman

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Robin Ellacot bekommt auf ihrer Arbeitsstelle, der Detektei von Cormoran Strike, ein Paket zustellt, das schockierend und brutal ist. Es ist ein abgetrenntes Frauenbein. Natürlich ist auch Ihr Chef, Cormoran Strike, nicht begeistert. Ihm fallen jedoch auf Anhieb gleich drei Personen ein, denen er diese Art der Zustellung zutraut. Und alle drei sind sie gefährlich und zu derartigen Grausamkeiten fähig.

Die Polizei, mit der Strike in Kontakt steht, fixiert ihre Ermittlungen stur in eine Richtung. Cormoran ist aber der Meinung, dass man alle von ihm benannten Verdächtigen überprüfen sollte.


Darum geht Strike und Robin Ellacot, die ja seit langem mehr als seine einfache Sekretärin ist, neben ihren eigentlich Aufträgen selbständig ihren Ermittlungen nach. Immer tiefer dringen sie ein in die dunklen und gefährlichen Umfelder der drei Männer und dabei ziehen die zwei nicht nur den Unmut der Polizei auf sich, sondern bringen sich selbst auch mehr und mehr in missliche Umstände …

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Das ist der dritte Teil der Cormoran Strike-Reihe, den die Autorin J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Auch wenn ihre Tarnung ja relativ schnell aufgeflogen ist, schreibt sie nach wie vor unter dem männlichen Deckmantel weiter, den sie, wie sie selbst sagt, als „ihre persönliche Spielwiese“ bezeichnet.

Und wieder einmal kann ich nur sagen: Glückwunsch, sehr gut gemacht. Die beiden Charaktere Cormoran Strike und Robin Ellacot machen so unglaublichen Spaß, dass die knapp 700 Seiten mit einem Fingerschnipser durchgelesen sind. Galbraith hat hier zwei so unterschiedliche, liebenswerte und sich wunderbar ergänzende Figuren geschaffen. In ihrem dritten Teil gehen die beiden natürlich ganz anders miteinander um als im ersten Band. Sie sind sich nähergekommen, so gut das eben bei dem Brummbär Strike so geht und die Stimmung unter diesem Duo der besonderen Art ist einfach toll. Nein, nicht immer friedlich und lieb. Bei weitem nicht. Aber auf das Zwischenmenschliche möchte ich auch nicht näher eingehen, denn dass macht die Romane zum Großteil mit aus, darum einfach selbst lesen ☺. Und es gibt auch immer wieder neue und schräge Vögel als Nebenfiguren, die Galbraith sehr gut darzustellen vermag.

Die Handlung ist wunderbar verzwickt und gut erdacht und der Leser grübelt fleißig mit, kommt aber doch nicht drauf. Zu geschickt legt die Autorin hier ihre Spuren und Fäden aus. Und es ist wieder stellenweise heftig und unschön, also nicht immer was für zarte Nerven. Wobei die letzten Potters ja auch recht heftige Szenen zu bieten hatten. Dennoch, Leser, die es nicht gerne blutig und etwas heftiger mögen, sollen gewarnt sein.

Die Ermittlung des Mordes ist der eine Strang, der zweite sind natürlich die private Seiten der beiden Protagonisten, die außerhalb der Ermittlungsarbeit ihre eigenen Leben mit sämtlichen Problemen und Glücksmomenten zu bieten haben. Auch diese Teile der Geschichte machen Freude und sind sehr gut und auch emotional geschrieben.

Austoben konnte sich Robert Galbraith wieder im Hinblick auf „sein London“. Da kennt er sich aus und das merkt man an den deutlichen liebevollen und detaillierten Beschreibungen auch hier wieder.

Auch wenn die Romane hier in London spielen, habe ich immer irgendwie ein Stimmungsgefühl wie in den Mr. Mercedes Romanen von Stephen King. Ich kann nicht einmal genau erklären warum, doch es ist so. Leser die beides kennen, können mir ja mal sagen, ob es ihnen auch so ergeht.

Mein Fazit: Ein großartiger dritter Teil der Reihe um den Detektiv mit der Beinprothese und seiner rotblonden, schlagfertigen und liebenswerten Assistentin Robin Ellacot. Spannend, mitreißend und in einem tollen Stil wird der Leser auf knappen 700 Seiten in einem stimmungsvollen Krimi gefangen und erfährt zudem noch vieles über die Vergangenheiten der beiden Hauptpersonen. Daumen hoch!

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Rezension zu  Teil 1 – „Der Ruf des Kuckucks“

Rezension zu Teil 2 – „Der Seidenspinner“