Abschalten von Martin Suter

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Erschienen als Taschenbuch
bei Diogenes
insgesamt 192 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-257-30009-3
Katergorie: Satire

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Die Business Class macht Ferien. Die Manager und Führungskräfte sind alle so ausgelaugt und erschöpft von ihrer anstrengenden Arbeit, den vollen Terminplanern, den Kämpfen um Macht und Hierarchie, dass sie unbedingt auch mal Urlaub brauchen. Pause, abschalten, Erholung, Zeit mit der Familie.

Doch wollen Sie das auch? Können sie es überhaupt? Halten sie das aus? Nicht in der Firma sein? Nicht gebraucht werden? Keinen Stress zu haben? Nichts zu tun, was unheimlich wichtig ist?

Was dabei herauskommt sind Führungskräfte, die später zur Familie am Urlaubsort dazustoßen, früher wieder abfahren, weil sie ja eben nicht länger entbehrlich sind. Und in der Zeit dazwischen, in der sie mit ihren Lieben Urlaub machen gehen sie eben diesen sowas von auf die Nerven, dass die froh sind, dass Mann/Papa „leider“ nicht die gesamten Ferien mit ihren verbringen kann.

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Ich mag Martins Suters Schreibstil sehr gerne. Er hat einen wunderbaren Humor und er schafft es, den Leser zu fesseln, zu begeistern und sehr oft zum Schmunzeln zu bringen. So war es hier in diesem kleinen Buch auch.

Das Buch ist recht dünn, aufgebaut in kurzen Kapiteln, die eher Kurzgeschichten sind. Die Schrift ist sehr groß gehalten, sodass das Buch sehr schnell gelesen ist. Es ist wohl als Urlaubslektüre angelegt. Und die nicht nur für Führungskräfte. Ich als „niederes Fußvolk“ hatte meinen Spaß dabei zu lesen, was die Großen und Mächtigen eigentlich für „Probleme“ haben.

Es geht los mit der Wahl des Urlaubsortes, der nicht zu hochtrabend und auch nicht zu einfach sein darf. Das führt alles zu Gerede in der Firma. Weiter geht es mit den Familien, denen es eigentlich davor graust, wenn Vater/Ehemann nicht arbeitet und ihnen allen eigentlich nur auf die Nerven fällt, weil sie nämlich zum einen versuchen die Familie zu managen, wozu sie im Alltag aber auch keine Zeit haben und zum anderen, dass sie glauben, die verlorene Zeit mit den Liebsten nun aufholen zu müssen.
Ich habe als Leser jede Menge Begriffe der Business Class gelernt, die ich vorher niemals gehört habe. Da gibt es z.B. für Manager „Family Quality Time“ oder die „Work Life Balance“. Klingt wichtig, oder?

Die Texte wurden zum Teil den Büchern Business Class I und II entnommen und in diesem Werk um einige noch nicht veröffentlichte ergänzt.

Ich für mich habe aus dem Buch den Schluss gezogen, dass es mir als einfache, arbeitende Bevölkerung absolut prima geht und ich diese Sorgen der Chefetage im Leben nicht  haben möchte. Wobei hier Sorgen ein Begriff der Ironie ist, da diese Herren sich eben diese nur allzu gerne einbilden.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für eine kurzweilige, humoristische Lektüre über das Urlaubs- und Entspannungsverhalten der Führungskräfte. Martin Suter bringt den Leser zum Schmunzeln und zeigt auf, dass wahrscheinlich eine Menge davon genauso abläuft, so unglaublich es sich auch liest  🙂

.:mr

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© Buchwelten 2013

Rubinrot, Saphirblau & Smaragdgrün (Edelstein-Trilogie) von Kerstin Gier

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Erschienen als Schuber
mit 3 gebundenen Ausgaben (mit Lesebändchen)
im Arena Verlag
insgesamt 1248 Seiten
Preis: 39,99 €
ISBN: 978-3-401-06763-6
Katergorie: Jugendbuch ab 12 Jahre

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Gwendolyn ist 16 Jahre alt und lebt in einem uralten Haus mitten in der gehobenen Gegend von London. Ihre Familie darf sich wohl als reich bezeichnen und Gwendolyn ist nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter und zwei Geschwistern in die dritte Etage dieses herrschaftlichen Kastens gezogen.

Dort gibt es einen Ballsaal (in dem man prima Fahrradfahren lernen kann), ein Musikzimmer (in dem kein Mensch musiziert), die stocksteife Großmutter Lady Arista, eine schräge mit Visionen gesegnete Großtante Maddy, einen Butler, der sich anschleichen kann wie eine Katze, eine extrem unangenehme Tante Glenda und eine noch viel nervtötendere Cousine Charlotte. Und um all das herum gibt es ein großes Geheimnis, von dem Gwendolyn nicht den blassesten Schimmer hat.

Sie weiß nur, dass es mit ihrer Cousine Charlotte zu tun hat, die ihr Leben lang auf etwas vorbereitet wird, in dem man unbedingt Menuett tanzen, im Damensattel reiten, fechten und Fächer halten können muss.

Und das dieses ganze Brimborium mit Zeitreisen zu tun hat, soviel hat Gwendolyn auch schon mitbekommen. Und selbst wenn Charlotte sich auf all das furchtbar viel einbildet und meint etwas besseres zu sein, ist Gwenny doch glücklich und zufrieden mit ihrem „normalen“ Leben. Charlotte ist einen Tag älter als Gwendolyn und der große Moment ihres ersten Zeitsprungs sollte unmittelbar bevorstehen. Alle warten mit Spannung auf die typischen Schwindelgefühle der Cousine, die diesen Moment ankündigen sollen.

Tja, das dumme ist nur, dass die Familie das jahrelange Theater völlig umsonst um die falsche Person gemacht hat. Denn absolut unangekündigt springt Gwendolyn in ihrem ersten Zeitsprung ins London am Ende des 18. Jahrhunderts. Weder in irgendeiner Art und Weise vorbereitet, noch entsprechend gekleidet.

Das ganze passiert ihr dreimal innerhalb kurzer Zeit und die einzige Person, der Gwendolyn davon erzählt, ist ihre Freundin Leslie. Denn sie glaubt ihr und ist nicht der Meinung, wie z.B. ihre Tante und Cousine, dass sie sich nur wichtig machen will. Leslie weiß auch, dass Gwendolyn Geister sehen und mit ihnen sprechen kann. Doch nach dem dritten unkontrollierten Sprung zwingt Leslie ihre Freundin praktisch dazu, dass sie endlich ihrer Mutter von dem Drama erzählt. Denn diese Sprünge sind extrem gefährlich, wenn man zu den unmöglichsten Zeiten an den unpassendsten Orten auftaucht.

Mit dieser Offenbarung ändert sich Gwendolyns Leben von jetzt auf gleich. Die Krise innerhalb der Familie ist vorprogrammiert, Tante Glenda und Charlotte sind natürlich nicht angetan davon, dass ausgerechnet Gwendolyn das Zeitsprung-Gen geerbt haben soll. Gwendolyn selbst versteht überhaupt nichts mehr. Sie wird von nun an täglich zu den Wächtern in Temple chauffiert, wo sie mithilfe eines Chronografen gezielt durch die Zeit springen muss/soll. Und an ihrer Seite ist ein erschreckend gut aussehender junger Mann, Gideon de Villiers. Der zweite Zeitreisende ihrer Generation.

Gemeinsam reisen die beiden durch die Zeiten, versuchen DAS Geheimnis zu lüften. Dabei erleben die beiden nicht nur die aufregendsten Abenteuer in wundervollen Gewändern, lernen ihre Urururahnen kennen und müssten gehörig aufpassen wem sie überhaupt trauen können. Nein, natürlich muss auch noch die bescheuerte Liebe ins Spiel kommen, die das ganze Chaos nur noch viel komplizierter macht …

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Kerstin Gier hat im Nachwort zum zweiten Band (Saphirblau) geschrieben, dass ihr klar ist, dass viele das Buch auf Grund des wunderbaren Covers kaufen. Wegen diesen Covern hatte ich auch schon oft (es ist lange her) die Bücher in der Hand aber ich wusste es ist eine Reihe, daher habe ich dann doch nie zugegriffen. Ich verlor die Bücher dann aus den Augen, bis eine liebe Bloggerfreundin mich wieder darauf gestupst hat. Denn auch sie hat nach langem Zögern dann doch begonnen die Reihe zu lesen und sie hat mich mit ihrer Begeisterung nicht nur sehr neugierig gemacht, sondern total mitgerissen. Umso größer war dann meine Freude, dass ich den sehr schönen Schuber mit allen drei Bänden (gebundene Ausgaben MIT Lesebändchen in der jeweiligen Farbe!) von meinem Lebensgefährten zu Nikolaus geschenkt bekam.

Ich hatte alle drei Bände innerhalb von 7 Tagen gelesen, Smaragdgrün habe ich gestern Nachmittag (nach zwei Tagen) durchgehabt. Und ich war doch traurig, dass es nicht noch einen vierten Teil, vllt. „Diamantweiss“ gibt.

Diese Reihe hat soviel Spaß gemacht, dass ich die Bücher verschlungen habe. Die Handlung kommt komplett ohne Elfen, Vampire oder Zauberer aus. Stattdessen gibt es Reisen durch die Jahrhunderte, schillernde Bälle, düstere Personen, alte Häuser, Geheimgänge, zwielichtige Gestalten und jede Menge Rätsel.

Ich schreibe diese Rezension über alle drei Bände, weil die Bücher für mich einfach zusammengehören (wobei die Autorin in Saphirblau und Smaragdgrün die jeweiligen Geschehnisse der vorangegangenen Bände gut zusammengefasst hat). Die Handlungen gehen nahtlos ineinander über und ich kann nicht einmal sagen, dass mir eines davon besser oder schlechter gefällt, wie es z.B. bei den Potters doch der Fall war. Die drei Teile halten für mich alle das gleiche Level, der Schreibstil ist durchgehend angenehm, sehr geheimnisvoll und voller Witz. Oft musste ich laut lachen, was passiert, wenn ein kleiner Wasserdämongeist (Xemerius ist schon wirklich gut!) seine qualifizierten Kommentare abgibt oder Menschen verschiedener Epochen aufeinandertreffen und die Aussagen dann nicht unbedingt in die jeweilige Zeit passen.

Kerstin Gier hat ihre Charaktere so tief und liebevoll ausgearbeitet, dass mir sehr viele während des Lesens ans Herz gewachsen sind und ich sie gar nicht verlassen mochte. Hier meine ich nicht nur die Protagonisten Gwendolyn und Gideon. Auch die Familienmitglieder Tante Maddy oder der Butler Mr. Bernhard sind tolle Figuren. Sehr gerne mag ich auch Gwendolyns Freundin Leslie, die an Einsatz und Fürsorge kaum zu übertreffen ist. Aber auch die Schneiderin der Wächter, Madame Rossini (Schwanen’älsschen) oder der Schulgeist James sind so gut dargestellt und ausgearbeitet, dass sie einfach nur Spaß machen und Freude bereiten.

Im Anhang aller drei Bände gibt es zusätzlich noch eine Auflistung der wichtigsten Personen der Handlung, die mitunter hilfreich sein können, wenn man Gefahr sieht bei den ständig wechselnden Jahreszeiten den Überblick zu verlieren. Teil 2 und 3 haben schöne Nachwörter, die ich – ich gestehe – immer zuerst lese.

Die Kapitel sind nicht einmal so kurz, dennoch flog ich nur durch die Geschichte. Was zeigt, wie abwechslungsreich und kurzweilig die Handlung der Romane ist (Es gibt sogar das Haus am Eaton Place, sollte sich ausser mir noch jemand daran erinnern 😉 )
Die Cover sind alle drei fast identisch und ein absoluter Blickfang. Sie zeigen Figuren der Handlung in Kleidern unterschiedlichster Epochen und sind sehr verspielt und liebevoll gestaltet.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Edelsteintrilogie, die mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert hat und absolute Freude bereitet. Ich hatte das Buch gerade zugeklappt als ich sagte, dass ich sie garantiert noch einmal lesen werde. Die Bücher ist sicherlich als Jugendbücher einzustufen, doch auch ich als erwachsene Frau hatte großen Spaß und man merkt, dass genau den die Autorin auch beim Schreiben hatte. Und sie ist schließlich auch Erwachsen, wobei dass ja immer Ansichtssache ist 🙂 .

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Ich danke Karin Fiedler von Literatur und mehr für die Leseempfehlung und Wolfgang Brunner für den schönen Schuber!

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© Buchwelten 2013

Schattengrund von Elisabeth Herrmann

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Erschienen als Klappenbroschur
bei cbt
416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-570-16126-5
Katergorie: Thriller (ab 14 Jahre)

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Nico ist 17 Jahre alt, eigentlich in ca. 2 Wochen schon 18, und gemeinsam mit ihren Eltern hat sie einen Notartermin. Ihre kürzlich verstorbene Tante hat ihren letzten Willen verfügt und der hat offensichtlich mit Nico zu tun. Sie weiß überhaupt nicht, was sie bei diesem Termin erwartet, hat sie doch kaum noch Erinnerungen an ihre Tante, in deren Haus im Harz sie in ihrer Kindheit sehr oft zu Besuch war. Denn plötzlich brach der Kontakt zu der Tante ab, sie wurde von ihren Eltern als „krank im Kopf“ beschrieben und somit hat Nico sie bereits seit 12 Jahren nicht mehr besucht.

Nico staunt nicht schlecht, als sie ihr „Erbe“ erhält:  Einen Reisigbesen, der fast auseinanderfällt, eine halbe Postkarte und einen glitzernden Stein, offensichtlich ein Stück Erz aus dem Harz. Nico will diese Dinge dennoch annehmen, sie meint, dass ihre Tante sich wohl etwas dabei dachte, dass sie diese Dinge bekommen soll. Nachdem sie zugestimmt hat, offenbart der Notar den zweiten Teil des Testaments. Nico soll Schattengrund erben. Das ist das Haus der Tante, welches in einem kleinen Kaff namens Siebenlehen im Harz liegt. Genau das Haus, in dem Nico früher ihre Ferien verbracht hat.

Nico ist sofort angetan, doch ihre Eltern machen ihr da, als ihre gesetzlichen Vertreter – denn noch ist sie ja nicht volljährig – einen Strich durch die Rechnung. Sie lehnen das Erbe ab. Punkt. Ende. Aus. Keine Diskussion mehr möglich! Nico versteht das natürlich nicht und will diese Ablehnung nicht auf sich beruhen lassen. Zumindest möchte sie wissen, was sie hätte erben können und ob sie herausfindet, warum ihre Elten so sehr dagegen sind.

Gemeinsam mit ihrer einzigen Freundin heckt sie einen Plan aus. Sie will nach Siebenlehen fahren und sich Schattengrund ansehen. Möchte noch einmal das Haus ihrer Tante besuchen, in der Hoffnung das vielleicht ihre Kindheitserinnerungen wieder aufleben oder sie wenigstens erfährt, was an dem Haus so schrecklich sein soll.

Es ist mitten im Dezember, der Winter ist bitterkalt und schneereich, doch Nico macht sich mit dem Zug auf in den Harz. Offiziell übernachtet sie bei ihrer Freundin, die natürlich im Zweifelsfall für Nico deren Eltern gegenüber lügen wird.

Doch als Nico dann endlich Siebenlehen erreicht, kommt alles anders als sie denkt. Das Schneechaos ist da eher das kleinere Übel. Viel schlimmer ist, dass das gesamte Dorf sie zu erkennen scheint und ihr von allen Bewohnern der pure Hass entgegengebracht wird …

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Als ich vom Verlag die Leseprobe erhielt, war ich sogleich von der schönen, düsteren und leicht gruseligen Stimmung angetan. Ein kleines verschneites Dorf, eingeschneit, von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Teenager, der ein dunkles Geheimnis zu haben scheint. Ein altes Haus, das Geschichten erzählen könnte, wäre es in der Lage zu sprechen. Geheimnisse und Rätsel, die nach Aufklärung schreien. Als dies ist Schattengrund.

Elisabeth Herrmann hat in diesem Thriller eine wunderbare Stimmung geschaffen, die sie die gesamte Handlung über aufrecht erhält.

Es knistert vor Kälte und Spannung und ich war absolut gefesselt. Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut und trotz aller spannenden und auch heftigen Momente lässt die Autorin den Leser immer wieder (genauso wie Nico) zwischendurch zur Ruhe kommen und durchatmen.

Das dunkle Geheimnis wird nach und nach gelüftet, das ist sehr spannend zu lesen, da ja die Protagonistin selbst keinerlei Erinnerungen mehr hat und nicht weiß, wem sie was glauben kann. Doch die mutige 17-jährige gibt nicht auf, lässt sich nicht abschrecken, nicht einmal von der eigenen Angst.

Elisabeth Herrmann hat selbst kurz vor dem Finale noch mehrere Fährten ausgelegt, die mich als Leser nahezu haben verzweifeln lassen, denn jede für sich wirkte sehr logisch. Ich habe das Buch schwer aus der Hand legen können, ich wollte schnell wieder zurück nach Schattengrund und wissen, was denn nun das schreckliche Geheimnis dieses Ortes ist.

Der Thriller fällt in die Kategorie Jugendbuch, wo die zarte Liebesbeziehung, die Nico im Laufe der Handlung erfährt, sehr gut zu passt. Wobei ich hier nicht von Teenager Kitsch reden möchte, das ist ganz und gar nicht der Fall. Ich würde das Buch aber wieder einmal als All-Age Buch bezeichnen, denn auch erwachsene Leser kann und wird der Roman packen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut, fesselt vom ersten Moment und die Stimmung der Geschichte ist sehr gut gelungen. Die Charaktere, sowohl der der Protagonistin Nico, als auch die der Nebenrollen sind gut und glaubwürdig ausgearbeitet. Ein schreckliches Thema ist in märchenhafter Art und Umgebung erzählt und zieht absolut in seinen Bann.

Das Cover ist in schwarz, weiß, rot gehalten und gefällt mir eigentlich ganz gut. Das Haus im Hintergrund mag Schattengrund darstellen, wobei ich mir das besser als eingeschneites Hexenhäuschen vorstellen könnte, es würde besser zur Handlung passen. Was die rote Schaukel im Vordergrund eher nicht tut.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen Thriller, der Leser anspricht, die eine spannende, düstere aber auch märchenhafte, knisternde Stimmung mögen.

 

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Ich danke cbj / cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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© Buchwelten 2012

Weltendämmerung – Die zerbrochene Welt – Berith Trilogie III von Ralf Isau (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
im PIPER Verlag
480 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783492702355
Kategorie: Fantasy

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Taramis ist im Kreise seiner Familie und engsten Freunde auf seiner Heimatscholle Barnea. Genauer gesagt steht Taramis mit seinem Freund dem Kirrie Jagur vor dem Haus, während seine Frau Shúria im Inneren unter Schmerzen und lauten Schreien ihr zweites Kind auf die Welt bringt.

Doch Taramis ist nicht einmal in diesem wichtigen Moment Ruhe vergönnt, denn es erfolgt urplötzlich ein Angriff auf Taramis Anwesen. Durch den Nebel greifen die Wesen an, die Taramis als das Volk der Kesalonier erkennt.

Dem Nebelwächter ist es sofort klar, dass hinter diesem Angriff niemand anderer stecken kann, als sein ärgster Feind der Antischkönig Gaal.

Taramis hatte es bereits vermutet, dass er ihn im letzten Kampf auf der Insel Peor nicht endgültig besiegt hat, denn die Leiche Gaals wurde schließlich niemals gefunden. Und da Taramis ein vorausschauender Mann ist, hat er sein Haus und das umliegende Land natürlich durch Fallen und diverse andere Schutzmaßnahmen geschützt. Somit gelingt es Taramis zunächst den überraschenden Angriff abzuwenden.

Doch kaum hat seine Tochter Aïschah das Licht der Welt erblickt, muss Taramis seine Familie erneut verlassen. Gaal, der König von Dagonis hat wieder einen großen Plan geschmiedet, um die Gesamtherrschaft über die Scherbenwelt im Äther endgültig an sich zu reißen. Dass er hierbei über Leichen geht, ist bereits bekannt. Doch Gaal schreckt nicht einmal vor den Göttern zurück.

Eine dunkle Wolke breitet sich über die Schollen Beriths aus, niemand weiß woher sie kommt, niemand weiß was genau sie bewirkt. Fest steht jedoch, sie ist gefährlich und Taramis muss gemeinsam mit seinen Gefährten erneut in den Krieg ziehen.

Er muss für seine Familie und ganz Berith kämpfen. Er muss endlich der drohenden Gefahr durch Gaal ein Ende setzen und zwar endgültig. Also begibt sich Taramis mit seinem Feuerstab Ez auf eine weitere, hoffentlich letzte gefährliche Reise um den machtgierigen Fischkopf zu töten ….

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Nachdem ich die ersten zwei Teile der „zerbrochenen Welt“ bereits gelesen hatte, habe ich mich natürlich sehr auf den finalen Band um den Krieger Taramis gefreut.

Ralf Isau hat mit dieser Trilogie wieder eine bunte, wesensreiche Fantasywelt geschaffen, die alles bietet, was ein spannendes Buch ausmacht. Sehr ideenreiche Geschöpfe hat er zum Leben erweckt, unterschiedliche Charaktere, die sehr gut ausgearbeitet sind. Seien es die Guten oder auch die Bösen.

Natürlich trifft man in diesem letzten Teil auf alte Bekannte die bereits in den ersten zwei Bänden zu Taramis Gefährten gehörten. Doch es kamen in diesem letzten Teil noch einmal neue, sehr wichtige Figuren hinzu. Auch Inselbewohner, die bislang keine Rolle spielten, sind in diesem Finalteil der Handlung hinzugewachsen.

Der Autor schafft es wunderbar, dramatische und kriegerische Szenen dennoch auch immer mit viel Gefühl auszuarbeiten. Auch lustige Augenblicke kommen innerhalb dieser eigentlich schrecklichen Momente vor, sei es nur durch eine kleine „typische“ Aussage des Zwergs (NEIN – Kirrie!) Jagur. Übrigens eine Figur, die mir im Laufe der drei Teile sehr ans Herz gewachsen ist.

Was mir an der „zerbrochen Welt“ so gut gefällt, ist nicht nur die Vielfältigkeit der Bewohner der Scherbenwelt (Menschen, Wesen, Tiere, Pflanzen Fortbewegungsschwaller, etc.), sondern auch der Zusammenhalt derer untereinander.

Bewohner verschiedener Schollen sind da genauso geachtet und gleichberechtigt, wie auch männliche und weibliche KriegerInnen. Innerhalb der Geschichte hat jeder einen wichtigen Teil inne und es wird kein Unterschied gemacht zwischen dem angeblich starken und schwachen Geschlecht. Das hier alle miteinander nur etwas ausrichten können ist in dieser Trilogie sehr gut beschrieben. Und dazu gehört dann zusätzlich noch das Zusammenspiel zwischen Menschen und den Tieren.

In diesem Teil gibt es wieder im hinteren Teil das sehr ausführliche Register über alle Bewohner und Wesen der Scherbenwelt, das sehr hilfreich ist und das ich auch immer wieder zur Hilfe genommen habe. Denn es gehört schon aufmerksames Lesen und Konzentration dazu, die vielen verschiedenen und oft ähnlich klingenden Namen auseinanderzuhalten. Auch dann, wenn man die beiden ersten Bücher der Trilogie gelesen hat. Allein dieses Lexikon ist der Wahnsinn, so etwas muss man sich erst einmal ausdenken. Denn es liest sich so, als würden tatsächlich existierende Lebewesen und Personen beschrieben. Es ist sehr professionell gestaltet.

In diesem letzten Teil kommt dann noch eine von Ralf Isau selbst gestaltete Weltenkarte hinzu, die bei der langen Reise von Taramis und seinen Begleitern eine gute Übersicht bietet.

Der Schreibstil ist – wie gewohnt – gehoben und sehr gut formuliert. Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Ich werde nicht daran denken auch nur den kleinsten Hinweis zu geben.

Eine kleine Anmerkung noch an Ralf Isau selbst: Meine liebste, neue Figur in diesem Band war/ist Kaya. Ein wunderbares Wesen, von seiner Erscheinung und vom Charakter her.

Das war sie dann, meine Reise durch die zerbrochene Welt von Berith. Mit diesem Teil ist die Trilogie zu Ende gegangen und somit werde ich nicht mehr durch den Äther schwallen, was eigentlich sehr schade ist. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und Taramis gerne auf seinen Abenteuern begleitet.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen gelungenen Abschluss der Trilogie um die zerbrochene Welt. Trotz drohender Finsternis, heftigen Kämpfen und Gefahr, hat Ralf Isau erneut eine bunte, wesensreiche Geschichte voller Abenteuer, Liebe, Freundschaft und Gefühl geliefert. Ich kann die Berith-Trilogie allen Liebhabern von ausgefallener Fantasy nur sehr empfehlen. Die Scherbenwelt ist unbedingt eine Reise wert. Allerdings braucht ihr Schwaller mit Luftkapseln … wenn ihr nicht zufällig zusätzlich mit Kiemen ausgestattet seid … 🙂

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

 

Wer Interesse hat meine Rezensionen zu den ersten beiden Teilen der Berith Reihe zu lesen:

Rezension zu „Die zerbrochene Welt – Berith I“

Rezension zu „Feueropfer – Die zerbrochene Welt – Berith II“

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© Buchwelten 2012

Der letzte Engel von Zoran Drvenkar (5/5)

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Erscheint am 01.10.2012
als gebundene Ausgabe
bei cbj
432 Seiten
Preis: 16,99  €
ISBN 978-3-570-15459-5
Kategorie: Jugend Fantasy-Thriller
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Motte ist 16 Jahre alt und lebt gemeinsam mit seinem Vater in Berlin. Seine Mutter hat ihn im Alter von 9 Jahren mitten in einer gemeinsamen Urlaubsreise in Dänemark verlassen.

Er hat einen besten Freund namens Lars und ist verliebt in Rike. Also eigentlich ein ganz normaler Typ mit einem Leben wie es andere Jungs in seinem Alter auch führen.

Alles ändert sich mit einer Email, die er plötzlich abends auf seinem Monitor liest:

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sorry für die schlechte nachricht

aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein

wir wollten nur, dass du das weißt“

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Motte hält diese Nachricht für einen echt saublöden Scherz, denkt sich aber trotzdem, dass es sicher sei, die Nacht durchzumachen. Es klappt … fast …! Gegen fünf Uhr morgens schläft Motte trotzdem ein und als er am nächsten Mittag aufwacht fühlt er sich ganz normal.

Er ist froh und erleichtert, dass es sich bei der seltsamen Mail offensichtlich doch um einen makabren Witz von irgendeinem Kumpel gehandelt hat.

Aber als Motte dann zur Toilette geht und in den Badezimmerspiegel schaut, entdeckt er auf seinem Rücken zwei Flügel und das ist gar nicht gut …

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Ich kannte bislang kein Buch dieses Autors, leider, wie ich im Nachhinein sagen möchte. Denn Zoran Drvenkar ist ein Schriftsteller, von dem ich unbedingt mehr lesen will.

Dieser Roman ist für Jugendliche ab 14 Jahre gedacht, somit als Jugendbuch eingestuft. Ich möchte ihn aber unbedingt auch Erwachsenen ans Herz legen, die gerne düstere Fantasy mit viel Hintergrund, Verwicklungen sowie Spannung und Dramatik lesen.

Der Autor schreibt in einem sehr guten Schreibstil, springt in der Handlung nicht nur zwischen den Erlebnissen seiner Protagonisten hin und her, sondern macht auch immer wieder Zeitsprünge, u.a. von einigen Jahrhunderten. Dies gestaltet das Lesen als sehr kurzweilig und abwechslungsreich.

Die Handlung hat viel mit Erinnerungen zu tun, der Leser bewegt sich in den Erinnerungen der Figuren und erlebt Dinge, die anfangs erst einmal verwirrend erscheinen können.

Es gibt in dem Roman z.B. nicht die klassischen „Guten“ und „Bösen“, denn die „gute“ Familie ist gar nicht so gut und die „böse“ Bruderschaft hat sehr gute Gründe für ihr Handeln. 

Wie diese ganzen Handlungsstränge miteinander verwoben sind löst sich nach und nach logisch auf und ist sehr stimmig und verständlich.

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Ja, die Geschichte handelt von Engeln. Nein, das Buch ist nicht religiös! Der Autor hat hier komplett andere Hintergründe geschaffen und sehr geschickt reale Figuren der Vergangenheit (die Brüder Grimm) in die Geschichte eingebaut.

Drvenkar hat in diesem Roman eine Reihe von Protagonisten und sie alle sind charakterlich sehr gut ausgearbeitet. Es gibt sowohl lustige, als auch dramatische, traurige und nachdenkliche Momente.

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Das Cover finde ich sehr ansprechend, eine Hand, die Federn festhält. Für mich passt sie sehr gut zur Handlung und die schlichten Farben gefallen mir. 

Mehr kann ich zur Ausgestaltung des Buches nicht sagen, denn ich habe ein Vorableseexemplar gelesen und das Buch erscheint letztendlich als gebundene Ausgabe.

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Der Roman scheint ein erster Teil einer Reihe zu sein und ich bin mehr als gespannt auf die Fortsetzung.

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Mein Fazit: Volle Punktzahl! 5 von 5 Sternen für diesen Roman, der absolut nicht nur für Jugendliche geschrieben ist. Eine sehr vielseitige, verzwickte Handlung, bei deren Lektüre man schon aufmerksam sein sollte. Engel sind keine religiösen Himmelswesen. Nein, hinter ihrer Geschichte steckt viel viel mehr und ich war so sehr gefesselt, dass ich den Roman verschlungen habe!

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Ich danke dem cbj Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars..

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Wer einige Worte des Autors Zoran Drvenkar zu diesem Roman hören möchte, der sollte hier vorbeischauen:

Werkstattbericht mit Video und Interview des Autors

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© Buchwelten 2012

vergissdeinnicht von Cat Clarke (3/5)

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Erschienen als
Paperback
bei  Luebbe
288 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  978-3785760611

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Grace Carlyle, 17 Jahre jung, erwacht in einem schneeweißen Raum. Ein weißes Bett (das gemütlichste, dass sie je erlebt hat), ein weißer Tisch mit Stuhl in derselben Farbe, weißes Papier und ein tolles Bad, natürlich auch weiß. Sie selbst ist in ein weißes Nachthemd gekleidet.

Grace hat keine Ahnung, wie sie in diesen Raum gekommen ist und warum sie dort ist, ist ihr auch nicht klar. Sie überlegt sich, dass sie vielleicht entführt wurde, von diesem wunderschönen jungen Kerl namens Ethan. Aber für einen Entführer ist er viel zu gut zu ihr. Er tut ihr nichts, er spricht wenig mit ihr, schaut sie eher bemitleidenswert an. Er bringt ihr dreimal täglich ein richtig gutes Essen (und zwar ausschließlich Dinge, die sie gerne mag!). Das einzige was er von Grace möchte ist, dass sie schreibt. Sie soll sich erinnern und alles aufschreiben. Er sagt, es sei wichtig für sie die Wahrheit zu finden. Nur das sei der Grund, warum sie dort sei.

Nun, Grace beginnt zu schreiben, jedoch nicht um Ethan den Gefallen zu tun, sondern eher für sich. Damit sie nicht verrückt wird in diesem „Überall-Weiß“. Sie beginnt zu notieren, was sie erlebt hat bevor sie in diesem Raum aufwachte, Satz für Satz, Seite für Seite. Und dann geschieht das seltsame: Grace gefällt es dort in „ihrem“ Raum. Sie genießt das Schreiben und die Besuche und kurzen Gespräche mit Ethan, auch wenn er ihr immer wieder neue Rätsel aufgibt.

Grace schreibt ihre Erinnerungen weiter auf und ganz langsam, Stück für Stück fügen sich die Bruchstücke in ihrem Kopf zusammen …

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Ich habe mich schwer getan in diesen Roman hineinzukommen, denn der Schreibstil gefiel mir gar nicht. Die Protagonistin ist eine 17-jährige, Tennager sprechen umgangssprachlich, dass kenne ich aus dem realen Leben von meinen Kindern. Doch dieser Schreibstil war mir zu flach, flapsig und er wirkte mir zu übertrieben. Als wollte die Autorin mit aller Gewalt eine lässige, lockere Jugendsprache präsentieren. Dies war bei der Protagonistin Grace extrem, ihre Freunde konnten sich da schon besser artikulieren. Hier kommen dann sogar gute Gespräche auf, in denen wertvolle, ehrliche Dinge gesagt werden und das sogar normal ausformuliert.

Auch mit Grace selber wurde ich bis zum Schluss nicht richtig warm, auch wenn ich gegen Ende des Buches schon Mitleid empfand. Sie hat viel schlechtes erlebt und sicher gab es daher Gründe dafür, dass sie war wie sie war und tat was sie tat. Aber meist kam sie für mich rüber wie eine nymphomanische 17-jährige, die am allerliebsten „im Suff“ oder „total dicht“ war. Es ging extrem viel um das saufen, kotzen, Sex und Jungs verführen. Sicher sind Teenager keine Unschuldslämmer, sollen sie auch gar nicht sein, doch das schien mir ein wenig zu überfrachtet.

Den eigentlichen Hintergrund des Buches fand ich dann dennoch gut, darum wollte ich auch wissen, wie es sich auflöst. Es werden auch heikle Themen angesprochen, z.B. eines, dass es in der heutigen Zeit leider immer öfter bei den Jugendlichen gibt: Ritzen. Die Hintergründe und die Erklärung der Gefühle, die Grace dazu veranlasst haben, fand ich gut beschrieben. Auch der Punkt Schwangerschaft wurde behandelt  sowie Liebe, Angst, Mutlosigkeit, Hoffnung und vieles mehr.

Einiges innerhalb Graces Notizen/Erinnerungen war für mich absehbar und ich empfand es als künstlich hinausgezögert. Die Auflösung am Ende des Romans hat mir dann wiederum sehr gut gefallen. Hier war ich dann auch positiv überrascht und ich empfand den Schluss als gelungen.

Das Cover ist natürlich weiß und nur durch einige violette Buchstaben aufgelockert. Eigentlich ein schönes Cover, doch leider sehr schlecht erkennbar. Die Kapitel waren in angenehme Längen verfasst und die Sprünge zwischen Graces Notizen/Erinnerungen und den Momenten im Raum haben waren gut gewählt und ließen mich angenehm flott lesen.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen Roman mit einem eigentlich guten Hintergrund, der Einblicke in eine Teenager-Seele gibt. Für mich allerdings durch den extremen Schreibstil leider etwas abgewertet.

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Ich danke Amazon und Luebbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

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Mund zu Mund von Michael Kimball (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
Diana Verlag
494Seiten
ISBN:  978-3828400368

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Ellen Chambers, eine attraktive Mittdreißigerin ist hauptberuflich Lehrerin und züchtet in ihrer Freizeit Schafe. Gemeinsam mit ihrem Mann Scott lebt sie auf einer großen Farm etwas außerhalb des Ortes. Scott, mit dem sie seit ihrer Jugend zusammen ist, führt ein Haushaltswarengeschäft, das leider kurz vor der Pleite steht. Von dem dynamischen Jungunternehmer, der er zur Zeit ihres Kennenlernens war, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Immer öfter ist er früh angetrunken, Scott denkt der Alkohol würde seine Probleme lösen.

Die gemeinsame Tochter, Maureen, ist gerade einmal 17 Jahre alt und schwanger von Randy. Einem undurchsichtigen, arroganten, aufbrausenden Typen, der Ellen mehr als nur missfällt. Aber Maureen liebt ihn über alles und in die bevorstehende Hochzeit lässt sie sich nicht hereinreden, zumal Scott eine recht positive Einstellung zu dem zu seinem zukünftigen Schwiegersohn hat.

Während der Hochzeitsfeier von Maureen und Randy, die auf der elterlichen Farm stattfindet, taucht auf einmal ein junger Mann auf. Es stellt sich heraus, dass es Neal ist, der Neffe von Scott. Sohn seines verstorbenen Bruders.

Ellen kommen plötzlich lang vergrabene Erinnerungen wieder in ihr Bewusstsein. Denn vor vielen, vielen Jahren hat Ellen ihren Mann gemeinsam mit ihrer Schwägerin (Neals Mutter) im Schafzimmer erwischt. Ellen war wegen eines Sturms früher nach Hause gekommen um sich um die Schafe zu kümmern. Dieser Seitensprung hatte damals verheerende Folgen.

Auch wenn Ellen damals glaubte ihrem Mann verzeihen zu können, vergessen konnte sie ihm diesen Betrug nie.

Da Maureen nach der Hochzeit nicht mehr auf der elterlichen Farm lebt, sondern mit ihrem Ehemann in ein gemeinsames Haus eingezogen ist, überlegen Scott und Ellen nicht lange, als Neal ihnen anbietet einige Tage auf der Farm zu wohnen um die verfallene Scheune wieder aufzubauen. Er zeigt ihnen ein Foto, auf dem eine wunderbare, große Scheune zu sehen ist. Eben diese will er für seine Tante und Onkel auch bauen und zwar innerhalb von 12 Tagen.

In diesen 12 Tagen entwickelt sich zwischen Ellen und Neal eine Beziehung, die über die familiären Gefühle hinausgeht. Ellen fühlt sich immer mehr zu Neal hingezogen und auch ihr Neffe scheint dasselbe zu empfinden. Was in nächtlichen Fantasien beginnt wird nach und nach immer realer und greifbarer und schließlich können beide, trotz des Altersunterschiedes, nicht mehr widerstehen. Es gelingt ihnen nicht, die offensichtliche Anziehungskraft zu unterdrücken.

Als es während Reparaturarbeiten am Damm auf der Farm zu einem schrecklichen Unfall kommt, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Familienmitglieder werden zu Verdächtigen, die Polizei ermittelt und die Gefahr, die wie eine dunkle Wolke über der Farm schwebt, wird immer größer …

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Bestellt habe ich dieses Buch auf Empfehlung meines Lebensgefährten, da er während des Lesens immer wieder sagte „Das wäre ein Buch für dich“, „Das würde dir gefallen“ und „Die erotischen Szenen sind wahnsinnig gut geschrieben!“.
Nun er kennt mich und das was ich gerne lese sehr gut und daher hatte er meine Neugierde geweckt und ich habe das Buch relativ schnell nachdem es eingetroffen war gelesen. Es lag nicht mal mehrere Wochen in meinem SUB, wo manch anderes Buch auch schon einmal Jahre darauf wartet gelesen zu werden.

Ich konnte mit dem Titel „Mund zu Mund“ und den beiden sich liebkosenden Steinfiguren auf dem Cover nicht viel anfangen und wusste mir nichts Wirkliches von der Handlung vorzustellen.

Die Bedeutung des Titels hat sich mir auch jetzt noch nicht eröffnet, ich denke mir natürlich was es bedeuten könnte, aber sicher bin ich mir nicht.

Die Geschichte beginnt ruhig und leise aber dennoch ist ein ständig greifbares Knistern spürbar. Im Laufe der Handlung entwickelt sich der Roman allerdings zu einem extrem spannenden Thriller mit sich immer wieder auftuenden Situationen und Erkenntnissen, die es mir sehr schwer gemacht haben, das Buch aus der Hand zu legen.
Als kleiner Vergleich passt eventuell: Das Buch beginnt in einer Stimmung wie bei „Die Farm“ von John Grisham und entwickelt sich zu so etwas wie „Feind in meinem Bett“. Der Vergleich mag ein wenig hinken aber ich denke, er trifft es ganz gut.

Der Autor schreibt in einem sehr guten Schreibstil, wobei der nicht einmal extrem gehoben oder in besonders verschachtelten Sätzen geschrieben ist. Er hat es eher geschafft eine Atmosphäre zu schaffen, die das Buch wie einen Film erleben lässt. Ich habe den Wasserfall gehört, die Schafe und das frische Holz der Scheune gerochen und die Farm gesehen.

Die erotischen Szenen, die ich eben angesprochen habe, sind wirklich fantastisch geschrieben. Nicht extrem oder gar pornografisch. Einfach nur schön, leidenschaftlich, voller Gefühl und Elektrizität. Es ist erstaunlich wie ein Mann es schafft, die Gefühle, Wünsche und Gedanken einer Frau so zu Papier zu bringen.

Ich bin kein Mensch, der sich speziell erotische Literatur kauft, es aber natürlich auch mag solche Szenen zu lesen, wenn sie denn schön und sinnlich sind. Und das waren sie.


Gleichseitig steigt der Spannungsbogen immer wieder ein Stückchen weiter und die drohende Gefahr wächst immer mehr heran.

Wie Kimball die Charaktere ausgearbeitet hat, hier meine ich nicht nur die Protagonisten Ellen und Neal, sondern auch Scott oder die Tochter Maureen, war sehr gute Arbeit. Die dunklen Geheimnisse eines jeden, die nach und nach unerwartet ans Tageslicht kommen hätte ich nicht erwartet.

Überhaupt war die Handlung des Buches bis zum Schluss nicht vorhersehbar und eben dieser hatte es dann auch in sich. Der ist dann vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack geschrieben aber für mich passte er in die Handlung und hat ein verdientes Finale geboten.

Für mich ist dieses Buch in die Abteilung meiner Lieblingsbücher gewandert. Ich werde es ganz bestimmt noch einmal lesen und ich kann ohne schlechtes Gewissen eine Leseempfehlung aussprechen.

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Mein Fazit: Volle 5 von 5 Punkten für einen Roman, voller Gefühl, Spannung, Gefahr und Dramatik, die eigentlich „nur“ eine leise, ruhige und farbenfrohe Familientragödie ist, für mich aber ganz klare Thrillerqualitäten besitzt.

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© Buchwelten 18.02.2012

Sommerhaus mit Swimmingpool von Herman Koch (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Kiepenheuer & Witsch
352 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-462-04344-0

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Marc Schlosser ist ein sympathischer niederländischer Hausarzt der dafür bekannt und beliebt ist, sich für seine (meist aus der Kunstrichtung stammenden) Patienten viel Zeit zu nehmen. Zwanzig Minuten ist eine ganze Menge und dass der Arzt davon nur 5 Minuten auf die medizinischen Diagnosen vergibt und den Rest der Zeit mit unauffälligem, seinen Patienten aber schmeichelnden Smalltalk füllt, fällt seiner Kundschaft nicht auf. Zumindest nicht im negativen Sinne.

So gelangt auch der bekannte Schauspieler Ralph Meier in seinen Patientenstamm, der über Müdigkeit und Überarbeitung klagt. Die Männer freunden sich an, auch wenn Ralf Meier irgendetwas an sich hat, dass Dr. Schlosser beinahe schon abstößt.

So kommt es schließlich dazu, dass Marc Schlosser gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Sommerurlaub in Frankreich einige Wochen im Sommerhaus mit Swimmingpool bei Ralph Meier, seiner Frau, seinem Sohn, einem befreundeten amerikanischen Regisseur und dessen jugendlicher Freundin verbringt.

Nach der Rückkehr in die Niederlande wird der Schauspieler plötzlich und sehr schwer krank. Es geht soweit, dass Marc Schlosser als Arzt Sterbehilfe leistet. Nach seinem Tod entsteht dann der Verdacht, dass der Arzt anscheinend nicht unschuldig an dem schnellen und dramatischen Verlauf der Krankheit ist. Ursache für diese Aufdeckung ist die Obduktion, die in den Niederlanden nach dem Tod in Folge von Sterbehilfe routinemäßig durchgeführt wird.

Hat Marc Schlosser wirklich etwas zu verbergen? Und wenn, was ist der Grund? Ist in jenem Sommer am Sommerhaus mit Swimmingpool irgendetwas schreckliches vorgefallen, dass ihn zu dieser Tat verleitet hat … ?

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Der niederländische Autor Herman Koch hat mit diesem Roman eine Geschichte geschrieben, die nicht nur Spass macht, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Seinen Protagonisten Marc Schlosser hat er sehr greifbar und real dargestellt. Wie er seine Einstellung zu seiner ärztlichen Tätigkeit, der Medizin, seinen Patienten und vor allen Dingen als Vater von zwei pubertierenden Töchtern und Ehemann dargestellt hat, war sehr gut geschrieben. Dass mir diese Seiten nicht immer sympathisch waren, macht die Person nur um so „echter“.

Ein Vater der sich Gedanken um seine Kinder macht, gefiel mir sehr gut. Es ist schön, von solch fürsorglichen und liebevollen Vätern zu lesen. Er hat einerseits eine lockere Einstellung ihnen gegenüber, wacht aber andererseits  mit Argusaugen über sie.

Auch die Art der Gespräche und Konfliktbewältigung zwischen Marc und seiner Frau hat der Autor sehr gut zu Papier gebracht. Dabei ist der Schreibstil nicht einmal besonders gehoben oder außergewöhnlich ausformuliert, sondern eher einfach und schlicht. Es schreibt relativ viel in der wörtlichen Rede, was dem Dabei-Sein-Gefühl in der Geschichte sehr zu Gute kommt.

Auch die Verhaltensweisen und Reaktionen der beiden Mädchen, der Töchter von Marc Schlosser, gefielen mir gut. Wie die grosse Tochter sich immer mehr in sich selber zurückzieht, niemanden mehr an sich heran lässt und vor allem der Versuch der Eltern damit umzugehen, hat mich absolut angesprochen.

Andere Figuren waren mir dagegen ein wenig zu flach und oberflächlich. Einige hiervon belegen in der Geschichte nur eine Nebenrolle, aber auch der Schauspieler Ralf Meier und dessen  Ehefrau , die an der Handlung einen großen Anteil haben, waren mir in ihren Charaktereigenschaften nicht tief genug dargestellt.

Sehr gut gefallen haben mir die Passagen, in denen Marc Schlosser in Gedanken die Worte seines damaligen Professors Aaron Herzl Revue passieren lässt. Diese Textstellen haben mich oft zum Schmunzeln gebracht oder einfach einen guten Einblick in unsere menschliche Anatomie gegeben.

In jedem Fall nimmt man dem Autor Herman Koch die Figur des Hausarztes tatsächlich ab. Man könnte meinen, er sei in seiner vorherigen Laufbahn selber medizinisch tätig gewesen. War er aber nicht. Herman Koch, geboren 1953 in den Niederlanden ist Komiker, Kolumnist, Fernsehmacher und vieles mehr. Es scheint, als sei er in seiner Heimat sehr bekannt. Mir hat sein Roman in jedem Fall so gefallen, dass ich weiteres von ihm lesen möchte und werde.

Das Buch präsentiert der Verlag als gebundene Ausgabe mit einem knallroten Schutzumschlag, der eigentlich relativ schlicht ist aber dennoch absolut passend zur Geschichte ist.
Die Kapitel sind relativ kurz gehalten, sodass man doch oft verführt ist eines mehr zu lesen als vorher geplant.
Die Handlung beginnt in der Gegenwart und macht dann Zeitsprünge zurück in jenen Sommer in Frankreich. Diese Sprünge zwischen den Zeiten gestalten die Lektüre ebenso sehr kurzweilig.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen niederländischen Medizinerkrimi mit viel Gefühl, Spannung und Kitzel.

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Ich danke

  

   und dem Verlag

 

für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Wer sich die Videoportäts zu Hermann Koch – Sommerhaus mit Swimmingpool

ansehen möchte, sollte einmal auf der Verlagsseite vobeischauen.

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© Buchwelten 10.02.2012

Jeder Tag endet mit dem Tod von Michael Schröder (4/5)

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Erhältlich als Taschenbuch im EPIDU Verlag
Preis: 14,90 €
ISBN-Nr.: 978-3942 584081

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Der Roman erzählt die Geschichte des Kriminalkommissars Elmar Kreuzer, der seinen Dienst in Karlsruhe leistet und eines Tages von der 13-jährigen Lisa König in seinem Büro aufgesucht wird. Dabei hat sie einen Zeitungsartikel ( in dem er selber als der Polizist hochgelobt wird, der niemals aufgibt) und eine Ermittlungsakte. Diese hat sie der Polizei aus Ihrer Heimatstadt entwendet, weil sie mit deren Arbeit nicht einverstanden ist und darum die Hilfe von Kreuzer erbittet. Lisas Vater ist drei Monate zuvor – angeblich bei einem Einbruch in seinem Hause – zu Tode gekommen. Doch Lisa glaubt nicht daran. Für sie ist dieser Fall nicht „rund“, wie sie selber es nennt. Es wurde nicht richtig ermittelt, Spuren nicht berücksichtigt, etc. Sie hat das Gefühl, dass ihr Vater ermordet wurde und die Polizei und der Verwaltungsapparat aus Eisenheim dies unter den Teppich kehren.
Darum ist sie auf eigene Initiative bis nach Karlsruhe gefahren um Kreuzer zu überzeugen und auf ihre Seite zu ziehen. Dies schafft sie erstaunlich schnell. Kreuzer ist dem traurigen, mutigen Charme des Mädchens sofort erlegen und ein schneller Blick in die Ermittlungsakte, während Lisa die Toilette besucht, reicht aus um seine Ermittlerneugier zu wecken.
Er begleitet Lisa in seine Heimatstadt und nimmt sich vor, den dortigen Beamten ein wenig auf den Zahn zu fühlen um Lisas Vermutungen nachzugehen und evtl. sogar zu bestätigen.
Dort angekommen endet dieser Tag für ihn mit dem Tod und das von diesem Moment an täglich. Denn er erwacht immer wieder am Morgen des 06.10.2006 in seinem Hotelzimmer, er ist in einer Zeitschleife gefangen. Wie kommt er da heraus…. ?

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Ich beginne mit dem Erscheinungsbild des Buches. Das Cover ist mit den Farben schwarz, rot und weiss nicht zu bunt gehalten. Die Spirale und die Uhr auf der Vorderseite passen gut zum Thema des Romanes. Die Inhaltsangabe ist zentriert geschrieben und somit wirkt das Erscheinungsbild aufgeräumt, was mir gut gefällt.
Die Folie des Taschenbuches löst sich leider auch hier nach Ende der Lektüre bereits an den Rändern ab, der Buchrücken weist leichte Knicke auf. Wobei ich sehr pfleglich mit Büchern umgehe und diese nicht auseinanderbiege, während ich lese.
Die Seiten sind schön und übersichtlich aufgebaut. Eine Seite umfasst 33 Zeilen in einer ziemlich kleinen Schrift. Die etwas grösseren Zeilenabstände und angenehmen Ränder lockern allerdings angenehm auf und machen das Lesen somit  nicht zu anstrengend. Die Kapitel sind recht lang gehalten aber nicht zu lang. Ich habe nie die Lust verloren und mich auch dabei erwischt, ein Kapitel mehr zu lesen als ich es vorher geplant hatte.

Etwas schade finde ich, dass es weder ein Nachwort des Autors, noch eine kleine Information über diesen im Buch gibt. Ein kleiner Abschnitt „Über den Autor“, evtl. mit einem Foto und Hinweise auf weitere Werke hätten mir sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist angenehm, die Handlung liest sich locker. Die Sätze sind meist recht kurz gehalten. Sie gibt es öfters als verschachtelte Kommasätze, was bei Krimis aber nicht unüblich ist. Teilweise sind die Sätze sehr schön und auch gehoben formuliert und dann wieder sehr umgangssprachlich. Mit gezogener Pistole in der Luft „rumfuchteln“ finde ich z.B. ein bisschen zu locker. Genauso wie dauernd „Scheisse“ o.ä. zu lesen. Dann gibt es aber – wie gesagt – wieder Sätze, die sehr schön sind:

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„Verrückt hin und verrückt her, am Ende blieb die Neugierde, erhob sich als Sieger über Zweifel, Angst und besseres Wissen.“

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Solche Sätze mag ich und davon gibt es auch einige. Also gleichen solche Formulierungen die umgangssprachlichen „Ausrutscher“ für mich wieder aus.

Der Spannungsbogen ist gut gelungen, auch wenn man ständig den selben Tag erlebt, es ist keiner wie der vorherige und man fiebert mit dem Protagonisten wahrlich mit. Die Figur des Elmar Kreuzer ist mir von Anfang an sympathisch, lässt er sich doch oft von Gefühlen leiten, hört auf sein Bauchgefühl, kombiniert aber gleichzeitig auch haarscharf. Mit der Figur der Lisa wurde ich erst im letzten Drittel richtig warm, was eigentlich nicht ausbleibt. Denn Anfangs tritt sich immer nur kurz auf und erst später wird der Kontakt zu ihr intensiver. Dann wächst aber auch sie dem Leser ans Herz.
Das Ende hat mir einerseits richtig gut gefallen aber andererseits hätte ich mir doch noch einen klitzekleinen Epilog gewünscht… ;-).

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Fazit: Ein wirklich lesenswerter Krimi, der Spaß macht und durch die EPIDU-Community zu Recht gewählt wurde.
Der Roman erhät von mir 4 von 5 Punkten. Die Handlung ist gut, der Schreibstil angenehm, die Qualität des Buches ist jedoch noch verbesserungswürdig.

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Mein Dank geht an die Bloggerseite Blogg-dein-Buch.de und dem EPIDU – Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011