Overworld von Dan Wells

overworld

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt  430 Seiten
Preis: 13,00 €
ISBN: 978-3-492-28022-8
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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„Overworld“ ist das beliebteste Virtual-Reality-Spiel der Welt. Marisa Carneseca, die wir schon aus „Bluescreen“ kennen, bekommt zusammen mit ihren Freunden eine Einladung, um an einem Overworld-Turnier teilzunehmen. Sollte Marisas Team gewinnen, könnte sie ihre Familie endlich finanziell unterstützen. Doch schon bald wird Marisa klar, dass sich hinter „Overworld“ nicht nur ein Spiel versteckt, sondern eine profitgierige Machenschaft, die die Existenz mittelständischer Menschen, wie Marisas Eltern, bedroht  …

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„Overworld“ setzt Abenteuer von Marisa Carneseca und ihren Freunden nahtlos fort. Auch wenn man zwischen dem ersten Teil „Bluescreen“ als Leser viele Monate hat verstreichen lassen, so findet man doch sehr schnell wieder Zugang zu den Jugendlichen und dem Stadtteil Mirador. Dinge, die man vergessen hat, werden kurz von Dan Wells angesprochen und sofort hat man den Anschluss wieder. Wells hat sehr geschickt die Abenteuer des ersten Teils eingebaut, ohne dessen Handlung nochmals zu wiederholen. Aber davon abgesehen, könnte man „Overworld“ auch durchaus als eigenständigen, unabhängigen Roman lesen und würde die Zusammenhänge dennoch verstehen.
Dan Wells hat mit seinen Mirador-Romanen eine wirklich beeindruckende Zukunftsvision erschaffen, die wirklichkeitsnäher nicht sein könnte. Auf erschreckende Weise stellt man während des Lesens fest, dass die geschilderte Zukunft in manchen Dingen näher ist, als man denkt. Die Ansätze (Internetzugang wird zum Beispiel als Lebensgrundlage bezeichnet) jener Zukunftswelt sind dystopisch und real zugleich.

Im vorliegenden zweiten Teil des Mirador-Zyklus richtet Dan Wells sein Hauptaugenmerk auf Videospiele und wird so manch einen Leser an Tad Williams‘ fantastische „Otherland“-Reihe erinnern. Doch Wells geht einen anderen Weg, der nicht minder spannend und faszinierend ist. Was mir vor allem (wieder, wie schon im ersten Teil) gefallen hat, waren die Aktionen der Teenager untereinander. Die Sticheleien und Beleidigungen sind sehr authentisch und witzig dargestellt und zaubern einem während des Lesens oftmals ein Lächeln auf die Lippen. Dieses Lebensgefühl, das Jugendliche bei Videospielen, Internetforen und Chatrooms spüren, wird sehr gut und glaubhaft beschrieben, auch wie sie miteinander sprechen. Die Dialoge sind flüssig und Wells‘ Schreibstil gewohnt hochwertig, aber leicht lesbar, so dass der Roman sehr schnell gelesen werden kann. Dass man sich sehr schwer von der Handlung trennen und das Buch zur Seite legen kann, liegt auch daran, dass Dan Wells sehr kurzweilig und fesselnd schreibt und den Leser förmlich selbst in die Handlung mit eintauchen lässt. Das konnte er schon bei seinen „Serienkiller“-Büchern, aber bei den Mirador-Romanen wirkte es zumindest auf mich noch spannender.

„Overworld“ mutet manchmal wie ein Film an, manchmal aber auch wie ein Videospiel. wobei Dan Wells gut und gerne mehr von dem eigentlichen Game hätte beschreiben können. In diesem Fall kann Tad Williams eindeutig mehr auftrumpfen. Nichtsdestotrotz fliegt man nur so durch die Seiten, um zu erfahren, wie es den Mädchen ergeht. Und auch wenn man, wie ich, kein Gamer ist und nicht über entsprechendes Wissen verfügt, kann man den Spielverläufen und den Fachausdrücken ohne weiteres folgen, denn die meisten Dinge werden innerhalb des Romans erklärt und am Ende des Buches ist auch noch ein Glossar abgedruckt, mittels dem man sich schlau machen kann. Mir persönlich hat dieser zweite Teil „Overworld“ ein klein wenig besser gefallen als „Bluescreen“, was mich vermuten lässt, dass Dan Wells selbst tiefer in seine Charaktere und Szenarien eingedrungen ist. Dies wiederum lässt meine Erwartungshaltung gegenüber dem dritten Teil höher steigen, wobei ich allerdings auch ziemlich sicher bin, dass Dan Wells diese Erwartungen erfüllen wird. „Overworld“ ist ein absolut unterhaltsames Science Fiction-Abenteuer mit sozialkritischem Anteil, in dem auf wirtschaftliche Auswirkungen des Internets eingegangen wird. Gerade diese Mischung aus intelligenter Zukkunftsvision und spannendem Actionabenteuer funktioniert hervorragend und wird Fans des ersten Teils uneingeschränkt gefallen.

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Fazit: Spannender, intelligenter zweiter Teil der Mirador-Saga, der hervorragend unterhält.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Stadt der Träumenden Bücher – Band 1: Buchhaim (Graphic Novel) von Walter Moers und Florian Biege

Die Stadt der Traeumenden Buecher Comic von Walter Moers

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Knaus Verlag
insgesamt 110 Seiten
Preis: 25,00 €
ISBN: 978-3-8135-0501-6
Kategorie: Graphic Novel, Fantasy

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Hildegunst von Mythennetz macht sich nach dem Tod seines Dichterpaten auf den Weg nach Buchhaim. Der Verstorbene hat Hildegunst nämlich ein Manuskript hinterlassen, das alles, was Hildegunst bisher gelesen hatte, in den Schatten stellt. Er macht sich auf den Weg nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher, um herauszufinden, wer jenes geheimnisvolle Manuskript verfasst hat. Doch es warten weitaus mehr Mysterien in dieser Stadt auf ihn, als er dachte.

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Wer die Romane von Walter Moers kennt, weiß, zumindest im Ansatz, was ihn bei diesem exzellenten Graphic Novel erwartet: ein ideenreicher Plot und jede Menge Spaß. Wer den gleichnamigen Roman bereits kennt, wird von der kongenialen Umsetzung in diesen stark verkürzten Graphic Novel begeistert sein, wer die Vorlage noch nicht kennt, wird nach Lektüre dieses Werkes förmlich danach lechzen. 😉
Walter Moers ist zusammen mit Florian Biege ein Meisterwerk gelungen. Die literarische Vorlage bot sich schließlich geradezu an, in einen „literarischen Comic“ verwandelt zu werden. Schon nach den ersten Seiten taucht man in die fantastische Welt von Walter Moers und seinen Figuren nebst Ideen ein und kann sich dem Wort- und Bilderrausch, den dieser Graphic Novel bietet, einfach nicht mehr entziehen.

Was Moers‘ Bücher im Kopfkino des Lesers anrichten, macht dieses Buch auf andere Weise. Wie in einem Film begleitet der Leser den Protagonisten Hildegunst von Mythennetz auf seiner Reise nach Buchhaim und die Texte werden durch die wirklich grandiosen Bilder von Florian Biegel zu einer wahren Augenweide. Erstaunlicherweise stellt man fest (sofern man den Roman vorher gelesen hat), dass sich die persönlichen Vorstellungen der Geschehnisse sehr oft in  Biegels Zeichnungen wiederspiegeln und sich mit den eigenen Bildern decken, die man beim Lesen des Romans in Gedanken sah. Diese illustrierte Version von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist ein Traum für alle Buchliebhaber im Allgemeinen und Walter Moers-Fans im Besonderen. Mit vielen Details versehen, kann man in den Bildern von Florian Biegel vielfache Anspielungen auf das Zamonien-Universum entdecken, die eigentlich gar nichts mit der Romanvorlage zu tun haben, sondern auf andere Moers-Bücher, die  in Zamonien angesiedelt sind, hinweisen. Dieser Graphic Novel-Umsetzung ist ein textlicher und visueller ein Augenschmaus sondergleichen, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Selbst wer bei dem relativ hoch wirkenden Preis zögern sollte, wird sich schnell eines besseren belehren lassen, wenn er das Buch erst einmal aufgeschlagen hat und in die fantastische Welt eintauchen kann.

Man mag es gar nicht so richtig glauben, dass es sich bei dieser Umsetzung von einem seitenstarken Roman in einen eher kurzen Graphic Novel dennoch um ein bildgewaltiges und episches Werk handelt. Aber Walter Moers und Florian Biegel haben es eindeutig geschafft, der Geschichte eine beeindruckende neue Seite hinzuzufügen, die selbst Kenner der Romanvorlage noch überraschen und überwältigen werden. Man vergisst die Zeit und auch die Umgebung, wenn man in diesem wunderbaren Buch liest, staunt und sich darin verliert.
Das Buch ist wirklich jeden Cent wert, vor allem fühlt man sich schon einen Tag, nachdem man das Abenteuer zu Ende gelesen hat, wieder „genötigt“ nochmals die Seiten durchzublättern und die Ereignisse in Text- und Bildform Revue passieren zu lassen. Die Ausstattung dieses Buches lässt wirklich keine Wünsche offen. Von einem festen, edel glänzenden Papier über den robusten Einband bis hin zu einer Panorama-Klapptafel am Ende des Buches hat man permanent das Gefühl, einen Bücherschatz in den Händen zu halten.
Die Graphic Novel-Umsetzung von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist also aus meiner Sicht uneingeschränkt und ohne Makel perfekt gelungen und lässt das Herz des Fans bereits jetzt schon höher schlagen, wenn er nur an die kommende Veröffentlichung des zweiten Teils mit dem Untertitel „Die Katakomben“ denkt, in dem die Geschichte weitererzählt wird.

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Fazit: Bombastisch, bildgewaltig, episch und in der Kürze noch beeindruckend auf den Punkt gebracht.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Sleeping Beauties von Stephen King und Owen King

Sleeping Beauties.jpg
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 960 Seiten
Preis: 28,00 €
ISBN: 978-3-453-27144-9
Kategorie: Fantasy / Horror-Fiction

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In der Kleinstadt Dooling gibt es eigentlich nichts anderes, als in anderen Städten auch: Schulen, eine Polizeistation, Supermärkte, Kneipen und ein Frauengefängnis. Okay, letzteres ist nicht in jeder Stadt zu finden.

Eines schönen Tages bricht eine Epidemie aus, die einschlafende Frauen betrifft. Und zwar nur Frauen, egal welchen Alters und egal auf welchem Teil der Welt. Sobald die Frauen einschlafen, bildet sich ein faseriger, spinnenartiger Kokon um sie herum und hüllt sie ein. Doch sie atmen ruhig und scheinen tatsächlich einfach nur zu schlafen. Entfernen sollte man das Gewebe jedoch auf keinen Fall. Überhaupt sollte man nicht versuchen die Frauen zu wecken. Denn sobald sie erwachen werden sie zu mordenden, brutalen Killermaschinen.

Jedoch taucht eine Frau in Dooling auf, die gegen die Schlafkrankheit – inzwischen Aurora genannt – immun zu sein scheint. Sheriff Lila Norcross bringt die Frau ins Frauengefängnis des Ortes und hält sie dort fest (auch zu ihrem eigenen Schutz). Denn die Männer des Ortes hören von dem Gerücht der Immunität der seltsamen Frau und wollen ihre Frauen und Kinder zurück. Um jeden Preis …..

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Ich warne zur Sicherheit einfach mal vorab vor eventuellen Spoilern !

Eine Horrorfantasie mit Realitätsbezug“ lautet ein Zitat auf der Buchrückseite.

Für mich ist der neue Roman von Stephen und Owen King aber eigentlich viel mehr Fantasy oder Fantasy Fiction (wenn es dieses Genre gibt), vermischt mit dystopischen Elementen. Der Horror in diesem Roman ist viel eher auf die teilweise extrem brutalen und extrem blutigen Szenen zu beziehen.

Die beiden Autoren liefern hier eine Geschichte, die fantastisch ist und sehr zum Nachdenken anregt. Denn so traurig es ist, soviel Wahrheit steckt darin. Was braucht es zum Leben, was wird wertgeschätzt, wie schnell kann sich eine offensichtliche Idylle in das totale Chaos umwandeln. Die Natur spielt eine sehr große Rolle und auch die Zwischenmenschlichkeit, egal in welchen Kombinationen, ist sehr großer Bestandteil (Väter und Söhne, Mütter und Söhne, Väter und Töchter, Mütter und Töchter, (Ehe)männer und (Ehe)frauen etc.).

Zu Beginn der Geschichte ist ein Register, in denen alle Figuren aufgeführt sind. Das war für mich sehr hilfreich, denn ich habe oft noch einmal zurückgeblättert, weil es einfach sehr viele Personen gibt, die zur Handlung beitragen und eben auch wichtig sind.

Stephen und Owen King füllen ihren Roman mit einer großen Anzahl von Figuren und den unterschiedlichsten Charakteren. Erzählt er ja über knappe 1000 Seiten die Geschichte einer Stadt im Ausnahmezustand. Ich lernte in der ausführlichen Erzählung alle sehr gut kennen und natürlich baute ich eine Bindung zu den Personen auf.

Der Roman ist außerdem ein gesellschaftskritischer Roman, der mich an die Gemeinschaft von „The Stand“ erinnerte. Allerdings kam mir auch immer wieder „Der dunkle Turm“ in den Sinn, wenn die dystopischen Szenen beschädigte Gebäude beinhalteten oder auch wenn fabelartige Wesen durch die Handlung spazierten.

Die Grundidee der beiden war schlicht und einfach: Was mag wohl passieren, wenn urplötzlich alle Frauen einfach einschlafen und insoweit nicht mehr „vorhanden“ sind. Die Umsetzung dieser Idee ist den beiden gemeinsam sehr gut gelungen. Ich war gefesselt bis zur letzten Seite und hätte gut und gerne noch länger lesen können. Ich fühlte mich sehr wohl in Dooling. Aber das Wichtigste an der Geschichte ist die Botschaft, die sie rüber bringt und die ist erschreckend wahr und gut. Ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, welche Passagen Stephen und welche Owen King geschrieben hat. Ich habe wirklich sehr sehr viel von King gelesen und ich meine seinen Stil zu erkennen. Für mich war der Roman einfach ein Stephen King.

Ich füge unten ein kleines Interview der beiden ein, auf das ich beim Stöbern auf der Website von Stephen King gestoßen bin. Da war ich nämlich unterwegs, um einen Blick auf das Originalcover zu werfen. Denn die sind in der Regel immer um einiges besser, als die der deutschen Ausgabe. So auch hier ☺. Aber ich muss sagen, dass in diesem Fall das Cover der deutschen Ausgabe auch sehr schön und vor allem zur Handlung passend ist.

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Mein Fazit: Ein großartiges Fantasy-Fiction Abenteuer, dass sehr gesellschaftskritisch ist und zum Nachdenken anregt. Bestückt mit teils wundervollen Bildern, teils extrem brutalen Szenen und sehr gut ausgearbeiteten/agierenden  (nicht nur netten) Charakteren. Knappe 900 Seiten, die wie im Fluge vergehen. King(s) in Bestform!

Wer das Originalcover sehen mag, der klicke –> hier

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Splitterwelten von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
560 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26960-5

Die Welt ist in unzählige Teile zersprungen. Eine Gilde von Meisterinnen wacht über diese Weltensplitter und deren vielfältigen Bewohner, unter denen sich Menschen, aber auch geheimnisvolle Tier- und Mischwesen befinden. Als eine der Meisterinnen auf einem der Eeltensplitter ermordet wird, macht sich die Gildenschülerin Kalliope zusammen mit ihrer Meisterin Cedara auf den Weg, um das Verbrechen zu untersuchen. Schon bald müssen sie feststellen, dass hinter dem Mord weitaus mehr steckt, als bisher angenommen wurde. Je mehr Kalliope in Erfahrung bringt, desto erschreckender sind die Geheimnisse, die sie aufdeckt. Es scheint, als wäre die Existenz sämtlicher Weltensplitter in großer Gefahr …

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Wenn ich ehrlich sein soll, fiel es mir extrem schwer, in die Geschichte einzutauchen. Es dauerte wirklich eine Weile, bis ich mich zurechtfand. Aber dann plötzlich gab es einen Punkt, nach dessen Erreichen mich der Plot nicht mehr losließ und so in seinen Bann zog, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Man spürt, dass Michael Peinkofer hinter der Geschichte steht, denn man kann im Schreibstil durchaus Parallelen zu seinen „Königen“ und auch den „Orks“ erkennen. Mit einer unglaublich bildhaften Sprache werden die Abenteuer verschiedener Protagonisten geschildert, bei der man denkt, man sähe einen Film. Sehr stimmungsvolle Bilder wechseln sich mit pointierten Dialogen ab und machen den ersten Teil der „Splitterwelten“-Trilogie zu einem kurzweiligen Abenteuer, das süchtig macht.

Vielleser werden die zahlreichen „Anspielungen“ auf verschiedene Klassiker der Fantasy- und Science Fiction-Literatur bemerken, was aber der, zwar verschachtelten, aber durchaus stimmigen Handlung absolut keinen Abbruch tut. Peinkofer und sein Co-Autor Dittert schaffen sehr schnell eine interessante, abwechslungsreiche und fantastische Welt inmitten eines märchenhaften Universums. Die Geschichte der Gildenschwestern erinnerte mich desöfteren an den Sonea-Zyklus von Trudi Canavan, denn auch hier faszinieren die Schilderungen in hohem Maße, obwohl oftmals gar nicht besonders viel passiert. Es sind wohl die realistischen und glaubwürdigen Gespräche zwischen den Protagonisten, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Aber auch die Tatsache, dass die unterschiedlichsten Lebewesen aufeinandertreffen, macht „Splitterwelten“ zu einem wirklich soliden Fantasyroman, der sich konsequent auf eine epische Ebene hocharbeitet. Sicherlich kennt man vieles aus anderen Romanen oder weltweiten Legenden, aber dennoch entwickelt sich eine eigenständige Geschichte aus diesen ganzen Zutaten, die schlichtweg immer mehr Lust auf mehr macht, je länger man mit den Protagonisten unterwegs ist. Schön ist auch, dass Peinkofer (und Dittert) eine Welt jenseits der allbekannten Zwerge, Drachen und Elfen zu erschaffen. Das Universum wirkt fast wie das eines Tad Williams.

Wie schon anfangs erwähnt, dauert es ein wenig, bis man sich zum einen in der Geschichte zurecht findet und zum anderen Emotionen zu den verschiedenen Figuren (und auch der Handlung) aufbaut. Und wenn es dann soweit ist, spürt man, dass der Plot von vorneherein groß angelegt ist und vielleicht auch gerade deswegen ein wenig Anlaufschwierigkeiten hat, die im Nachhinein nämlich gar keine mehr sind.  Trotz aller Versatzstücke, die man aus anderen Romanen. Filmen und Legenden kennt, hat Michael Peinkofer ein intelligentes und in sich stimmiges Handlungsgerüst aufgebaut, das neugierig auf den weiteren Verlauf macht. Gerade gegen Ende hin spitzen sich die Ereignisse zu und offenbaren eine tolle Wendung, die, wenngleich auch nicht unbedingt neu, ein vollkommen andere Dimension für den Plot eröffnet. Die Überraschung ist auf jeden Fall gelungen und lässt die Spannung auf den zweiten Teil enorm wachsen. Ich für meinen Teil mochte sowohl die Geschichte wie auch die Figuren und fühlte mich ab einem gewissen Zeitpunkt sehr wohl in der Story, zumal man wirklich aufgrund der flüssigen Schreibweise mittendrin und hautnah dabei ist. Die Charaktere sind sehr gelungen und wirken, auch bei den Tierwesen, sehr glaubhaft und sympathisch oder eben unsympathisch. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, wie es weitergeht.

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Fazit: Ein mit diversen Anleihen aus anderen Büchern und Filmen versehenes Fantasy-Epos, das einen absolut in seinen Bann schlägt.

Meine Meinung zum zweiten Teil kann man hier nachlesen: Splitterwelten 2 – Nachtsturm

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ulldart – Die komplette Saga 1 von Markus Heitz

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1424 Seiten
20,00 €
ISBN: 978-3-492-28131-7

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Kurz vor seinem Tod äußert ein Mönch eine schreckliche Prophezeiung, in der es heißt, dass die Dunkle Zeit auf den Kontinent Ulldart zurückkehren wird. Lodrik, Sohn des Herrschers von Tarpol, ist Bestandteil dieser Weissagung, ohne dass er anfangs davon weiß. Im Alter von 15 Jahren wird er zusamen mit seinem Vertrauten Stoiko und seinem Leibwächter Waljakov von seinem Vater in die Provinz Granburg geschickt, wo er der neue Gouverneur werden und Erfahrungen in der Politik sammeln soll. Schon bald muss sich Lodrik gegen Verschwörungen, Intrigen und Betrug behaupten. Doch dann mehren sich die Zeichen, dass sich die Prophezeiung erfüllt. Als Lodrik nach dem Tod seines Vaters ins Königreich Tarpol zurückkehrt um die Herrschaft zu übernehmen, gerät Ulldart aus den Fugen. Ein Krieg zwischen den Völkern scheint plötzlich unausweichlich …

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Es dauert nicht lange, bis man sich in Markus Heitz‘ Mammutwerk, das gleichzeitig sein Romandebüt war. heimelig fühlt. Heitz schafft wunderbare Charaktere, die einem, egal ob gut oder böse, ans Herz wachsen. Zudem beschreibt der Autor seine Welt so detailliert und glaubhaft, dass man tatsächlich manchmal vergisst, dass es sich um einen Fantasyroman handelt. „Ulldart – Die komplette Saga 1“ ist ein High Fantasy-Abenteuer, wie es besser nicht sein könnte. Der erste Sammelband dieser Reihe aus dem Piper Verlag umfasst die ersten drei Bände „Schatten über Ulldart“, „Der Orden der Schwerter“ und „Das Zeichen des Dunklen Gottes“. Besonders gut gefallen hat mir, das Markus Heitz sich Zeit lässt und ganz gelassen an die bombastische Handlung herangeht. Mit jedem Band steigert er die Geschehnisse und baut eine unglaublich intensive Stimmung auf, die tatsächlich an Tolkien aber auch an Tad Williams erinnert. Heitz kann ausnehmend gut schreiben und gerade der extrem flüssige Schreibstil lässt die über 1.400 Seiten nur so dahinfliegen.

Heitz schafft es hervorragend, den Leser mit seinen Protagonisten mitleiden, -fiebern und -intrigieren zu lassen. Trotz der oftmals scheinbar wirren Entwicklungen verliert man niemals den Überblick über die Vorfälle und kann der Handlung folgen. Die Intrigen, die sich um Lodrik manifestieren, sind absolut gut durchdacht und haben zur Folge, dass man das Buch, obwohl es ziemlich schwer und unhandlich ist 😉 ) kaum aus der Hand legen will. Die Ulldart-Saga hat eindeutig enormes Suchtpotential und man mag es kaum glauben, dass es sich bei diesem Mammutwerk um Markus Heitz‘ Debüt handelt. Der Schreibstil bewegt sich, wie schon erwähnt, auf hohem Niveau und die bildhaften Beschreibungen lassen  aus dem Buch in den Gedanken des Lesers ein phantastisches Kopfkino entstehen. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass immer wieder ein klein wenig Humor angewandt wird, der aber nie aufdringlich oder gar peinlich wirkt, sondern sich optimal in die Story einfügt. Auch für Menschen wie mich, die eigentlich politische Machtrangeleien nicht so gerne lesen, ist „Ulldart“ uneingeschränkt empfehlenswert. Das liegt einfach daran, dass Heitz, wie eben auch Tad Williams, den Leser nicht mit unnötigen Details langweilt, sondern mit seinen Erklärungen genau auf den Punkt kommt, so dass man die Sachlage verstehen „muss“.

Die ersten drei Bände, und ich gehe stark davon aus, dass es sich bei den Folgebänden genauso verhält, gehen nahtlos ineinander über, so dass man keine eigenständigen Geschichten innerhalb eines Universums zu lesen bekommt, sondern eine durchgehende Storyline. Das macht „Ulldart“ zu einem epischen Werk, wenn man davon ausgeht, dass es sich insgesamt um neun Bände handelt. Die Entwicklung der Protagonisten ist durchwegs nachvollziehbar, wenngleich mir Lodrik ab einem gewissen Punkt nicht mehr als jugendlich vorkam, sondern eher wie ein heranreifender Mann. Beeindruckt war ich davon, wie sich der Spannungsgbogen während der drei Bücher konstant in die Höhe schraubt und die Geschichte immer epischer und bombastischer wird. Das hat schon eine Wirkung, der man sich nicht entziehen kann. Wie ein Strudel wird man von der Geschichte erfasst. „Ulldart“ erinnert mich ein bisschen an „Shadowmarch“ von Tad Williams oder entfernt sogar an „Game Of Thrones“.
Doch Markus Heitz hat einen eigenen Stil und eine eigene Geschichte zu erzählen. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn es endlich wieder weitergeht und ich zu Lodrik und seinen Freunden nach Ulldart zurückkehren darf.

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Fazit: Ganz klare Leseempfehlung für Freunde niveauvoller High Fantasy. Einfühlsam, durchdacht, spannend und extrem kurzweilig.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Könige von Michael Peinkofer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
510 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-492-28001-3

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Der Krieg unter den Völkern von Erdwelt ist vorbei. Menschen und Orks sind besiegt und die Zwerge sind an der Macht. Doch es gibt sowohl bei den Zwergen als auch bei den Menschen Rebellen, die sich ihrem Schicksal nicht ergeben wollen. Daghan von Ansun, Sohn des Königs von Ansun, und Aryanwen, seine Geliebte, die gegen ihren Willen mit dem König von Tirgaslan vermählt wurde, sind auf der Seite der Rebellen. Doch es sind nicht nur die Zwerge, die die Völker von Erdwelt tyrannisieren. Eine weitaus bedrohlichere Macht erscheint und will die Herrschaft über Erdwelt an sich reißen …

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Nach dem erfolgreichen „Orks“-Zyklus kehrt Michael Peinkofer nach Erdwelt zurück. Im vorliegenden ersten Band der neuen „Könige“Trilogie wendet er sich allerdings mehr den Menschen und Zwergen, als den Orks zu. Man trifft dennoch auf die beiden trotteligen, aber sympathischen Orks Rammar und Balbock, die zwar nicht die Hauptrolle, aber dennoch eine wichtige Rolle spielen.
Hauptprotagonisten sind das Liebespaar Daghan von Ansun, kurz Dag genannt, und Aryanwen. Es dauert eine Weile, bis sie sich wieder in den Armen liegen, aber bis dahin kommt auf keiner Sekunde Langeweile auf.

Michael Peinkofers Schreibstil ist derart flüssig zu lesen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Es ist ein sehr niveauvoller Schreibstil, in dem die Geschichte erzählt wird, der aber nie kompliziert, sondern eher einfach wirkt. Das hat zur Folge, dass man sich gezwungen fühlt, in einem fort weiterzulesen.
„Die Könige“ ist gegenüber den Ork-Romanen ein wenig düsterer geworden, was mir persönlich aber sehr gut gefallen hat. Peinkofers Trilogie bietet so ziemlich alles, was man von einem guten High Fantasy-Roman erwarten kann: Böse Intrigen, sympathische, tapfere Helden, atemberaubende Landschaften und Orte, Liebe und Emotionen. An manchen Stellen kam für mich ein „Herr der Ringe“-Gefühl auf, ohne dass ich Peinkofer unterstellen muss, er hätte plump kopiert. Peinkofer hat seinen eigenen Stil, der unglaublich bildhaft und unterhaltend wirkt. Oft fühlte ich mich auch an die fantastischen Romane von David Eddings erinnert, aber auch hier hat Michael Peinkofer absolut einen eigenen Weg gefunden.

Unerwartete Wendungen wechseln sich mit emotionalen Szenen ab. Politische Intrigen, die durchaus nachvollziehbar und durchdacht sind, enden in dramatischen Kämpfen, die darauf hindeuten, dass da noch etwas weitaus Größeres und Bombastischeres in den Folgebänden auf die Leser zukommt. Peinkofer baut einen sehr komplexen Plot auf, was mir außerordentlich gut gefallen hat. Auch die immer wiederkehrenden Szenenwechsel, die das Buch zu einem regelrechten Pageturner machen,  fand ich geschickt eingesetzt. Erwähnenswert ist auch die sehr schönen Charakterzeichnungen der Figuren, was zur Folge hat, dass einem die Personen sehr ans Herz wachsen. Oder im Falle der Bösen eben nicht 😉
Wie oben erwähnt, wird die düstere Grundstimmung aber immer wieder durch einen sehr eigenwilligen, aber extrem guten, Humor der Orks durchbrochen. Mann sieht die beiden Ork-Tollpatsche förmlich vor sich und kann sich des öfteren ein Grinsen während des Lesens nicht verkneifen. Das macht das Buch noch sympathischer, als es ohnehin schon ist.
Obwohl „Die Könige“ auf den Zyklus um die Orks aufbaut, kann man sich als „Erdwelt-Neuling“ getrost an das Buch heranwagen, denn alles, was erklärungsbedürftig ist, wird auch erklärt, so dass man wirklich alles versteht. Erdwelt-Fans werden von einem neuen Kapitel entzückt sein, Neulinge werden sich dem Bann dieser Welt nicht entziehen können und gierig auf die noch ungelesenen Werke von Michael Peinkofer sein. Das neue Erdwelt-Abenteuer besitzt großes Suchtpotential und man möchte am Ende des ersten Teils sofort zum zweiten Teil greifen. Und das soll schon was heißen, oder?

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Fazit: Spannendes und komplexes High Fantasy-Abenteuer, das süchtig macht. Die Bücher im Erdwelt-Universum sind jetzt schon Klassiker.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Smoke von Dan Vyleta

Erschienen als Taschenbuch
bei carl’s books
620 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-570-58568-9

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Thomas und Charlie sind Internatsschüler, die den Rauch hinterfragen. Der Rauch: Ein Phänomen, das fast die gesamte Bevölkerung betrifft und wie eine Krankheit alle bösen, unaufrichtigen und dunklen Gedanken als Rauchwolke, die den Körperöffnungen entschweben, sichtbar macht. Die beiden Jungen treffen auf Livia, die Tochter einer undurchsichtigen Lady, die von einem Geheimnis umgeben ist, das ebenjenen Rauch betrifft. Die drei Jugendlichen decken bald eine Verschwörung auf, die lebensgefährlich für sie werden könnte.

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Was wie eine Art „Harry Potter“ anfängt, endet in einer Parabel über das Gute und Böse im Menschen, über die Menschlichkeit an sich. Es dauert anfangs eine Weile, bis man sich in der Welt von Dan Vyleta zurechtfindet. Aber schon bald spürt man den Sog des Buches, was vor allem an der ungeheuren Sprachgewalt des Autors liegt. Einerseits schreibt Vyleta in einem wunderbar verständlichen Ton, andererseits werden dem Leser faszinierende Wortspielereien serviert, die zum Nachdenken anregen. An manchen Stellen wird die Gedankenwelt der Protagonisten auf unglaublich intensive Art geschildert, die das eigene Kopfkino ebenfalls zum Laufen bringt. Es ist keine leichte Kost, die Dan Vyleta da verfasst hat. Geschickt in ein jugendliches Abenteuer verpackt, spricht der Roman allerdings eher die Erwachsenen an, denn der Plot fordert den Leser.

„Smoke“ wirkt auf den ersten Blick wie eine Fantasy-Abenteuer-Geschichte, fast schon wie eine Dystopie, ist aber im Grunde genommen ein literarischer Wurf vom Format eines Charles Dickens. Genau von Dickens stammt auch das Zitat, das dem Werk vorangestellt ist, und den Autor zu seiner Geschichte inspiriert hat. Mir persönlich hat vor allem die sprachliche Gewandtheit Vyletas gefallen, der an einigen Stellen fast schon visionär wie seinerzeit Samuel R. Delany oder Iain Banks wirkt. Man versteht nichts und dennoch irgendwie alles. Diese Stellen sind eine kleine Meisterleistung, die mich absolut beeindruckt hat. Vyleta lässt Bilder (und Gedanken) in den Köpfen der Leser aufleben, die faszinieren. „Smoke“ mutet an einigen Stellen wie ein Steampunk-Projekt an, an anderen wieder wie ein Jugendbuch. Geschickt lässt Vyleta verschiedene Stilrichtungen verschmelzen, spricht Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen an, und verführt zum Nachdenken. Ein Hauch Mystery wechselt sich ab mit alt anmutenden Gesprächen im viktorianischen England, um kurz darauf in ein episches, düsteres Weltuntergangsszenario abzudriften, das aber keineswegs hoffnungslos erscheint. „Smoke“ steckt voller Überraschungen und eigenwilliger Ideen.

Hin und wieder wird auf unsere reale Welt angespielt, so dass sich das England in „Smoke“ bald wie ein Paralleluniversum „anfühlt“. Das Szenario wirkt einfach absolut echt und reißt einen unweigerlich mit. Erfreulicherweise erklärte sich ein Verlag bereit, dieses nicht am Mainstream orientierte Werk in Deutschland zu verlegen. Gerade solche Genremixe, die sich nicht in eine Schublade stecken lassen, haben es beim Publikum immer sehr schwer, da viele einfach nicht für solche abgedrehten Geschichten offen sind. Alleine aus diesem Grund ist „Smoke“ ein Lichtblick in der Welt der Literatur, die immer mehr von standardisierten Thriller und Krimis heimgesucht wird. Aus meiner Sicht ist „Smoke“ ein sehr eigenwilliges, mutiges und inspirierendes Buch.

Einziger kleiner Wermutstropfen sind die teils lieb- und farblosen Charaktere, mit denen man schwer bis gar nicht richtig warm wird. Aber der Plot und der Ideenreichtum wiegen dieses bedauerliche Manko auf.

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Fazit: Spannend, innovativ und hervorragend geschrieben. Interessanter Genremix, der zum Nachdenken auffordert. Die Personen leiden allerdings unter einer teilweise schwachen Charakterdarstellung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Harry Potter und das verwunschene Kind von J.K. Rowling, John Tiffany und Jack Thorne

potter

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Carlsen
insgesamt 336 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-551-55900-5
Kategorie: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy

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Der berühmte Harry Potter ist mittlerweile Vater zweier Söhne und versucht, seine Vergangenheit zu vergessen. Doch ausgerechnet einer seiner Söhne, Albus, erfährt, dass sich das Böse aus der Vergangenheit wieder versucht zu erheben. Zusammen mit Draco Malfoys Sohn Scorpius versucht Albus das Unheil abzuwenden und gerät dabei in einen gefährlichen Strudel aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

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Man hat irgendwie darauf gehofft, aber eigentlich nicht wirklich damit gerechnet, dass Harry Potters Abenteuer weitergehen. Und nun ist es tatsächlich soweit.
Rowling geht einen überaus interessanten und aus meiner Sicht ungemein geschickten Weg, die Serie wieder aufleben zu lassen: Sie hat nämlich keinen Roman geschrieben, sondern ein Theaterstück verfasst. Wer jetzt denkt, dass macht die ganze Stimmung und die Reihe kaputt, der hat sich gründlich getäuscht. Denn was die Autorin zusammen mit John Tiffany und Jack Thorne auf die Beine gestellt hat, ist ein unglaublich tolles, spannendes und vor allem ideenreiches Abenteuer geworden, das auf faszinierende Art eine eigene Geschichte erzählt, aber dennoch auch in gewisser Art und Weise Prequel und Sequel der „Ursprungsgeschichte“ in einem ist. Das ist absolut genial überlegt und in Szene gesetzt worden.

Wer sich das erste Mal einer Geschichte in Form eines Theaterstücks widmet, könnte anfangs Schwierigkeiten damit haben. Mir hat es nicht viel ausgemacht, weil ich auch schon mal das ein oder andere Drehbuch oder eben auch Theaterstück lese. Wenn man sich dann aber erst einmal darauf eingelassen hat, wird man mit einem mitreißenden Plot belohnt, der einem durch den knappen Schreibstil  und die vielen Dialoge jede der Szenen bildlich vor Augen entstehen lässt. Ich konnte mich wirklich sehr schwer von der Geschichte losreißen und war immer wieder erstaunt, und das an nicht wenigen Stellen, wie geschickt alte Bekannte in die Story eingebaut wurden, von denen man gar nicht mehr geglaubt hat, sie jemals wieder zu treffen.
Es gibt unglaublich viele Wendungen und Überraschungen, so dass man nur so von Szene zu Szene hüpft, um zu erfahren, wie es weitergeht. Mir persönlich hat diese Art einer „Fortsetzung“ absolut gut gefallen und ich bin schon sehr gespannt, wie das Ganze dann letztendlich auf der Bühne, für die es ja schließlich geschrieben wurde, aussehen wird.

Romanleser werden „Harry Potter und das verwunschene Kind“ nicht mögen, ebenso wie die unflexible Generation an Lesern, die in ihrem Leben nicht viel mehr als die Potter-Reihe gelesen haben. Kulturell aufgeschlossene LeserInnen werden an diesem neuen Stil ihre Freude haben, da bin ich ziemlich sicher. Rowling hat frischen Wind in die Potter-Reihe gebracht, die neugierige Fans auf alle Fälle mit ihrer Geschichte befriedigt, denn wir erfahren tatsächlich, wie es einem erwachsenen Harry Potter ergeht, wenngleich das Hauptaugenmerk eher auf die Nachkommen von Potter und Malfoy gerichtet ist. Was aber auch völlig in Ordnung ist.
Für mich war das achte Abenteuer der Reihe eine außergewöhnliche Reise, die zurück in eine der erfolgreichsten Buchserien aller Zeiten führt. Ich bin begeistert und habe jede Szene absolut genossen.

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Fazit: Für den ein oder anderen mag das fürs Theater verfasste Skript befremdlich erscheinen. Ich mochte diese außergewöhnliche Art und bin absolut begeistert vom Ideenreichtum der achten Geschichte.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Schloss der Skelette von Florian C. Booktian

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Schloss der SkeletteErschienen als Taschenbuch
bei Create Space / Amazon
insgesamt 170 Seiten
Preis:  7,14  €
ISBN: 978-1518869525
Kategorie: Kinder- Jugendbuch

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Percy Meercat ist Detective und ein Erdmännchen. Sein Chef stellt ihm einen „Partner“ an die Seite: Milten Greenbutton, der überhaupt kein Polizist, sondern eigentlich ein Erfinder ist. Milten ist ein grosser Fan des bekannten Percy und total begeistert. Obwohl ihnen eigentlich ein Fall zugeteilt wurde, will Percy Urlaub machen. Ausspannen, Auftanken und die Seele baumeln lassen. Er landet gemeinsam mit Milten in der kleinen Stadt namens Sharpytown, die berühmt ist für ihre Buntstiftproduktion. Just am Tage ihrer Ankunft findet dort ein Stadtfest statt und natürlich will Percy mitfeiern und sich mal so richtig betrinken. Nach der Feier bekommen die beiden in der Pension der schönen und zudem sehr netten und hilfsbereiten Rachel noch eine Unterkunft. Für Percy sogar die Luxusvariante: nämlich im Bett der Besitzerin.

Am Tag darauf verschwinden nach und nach die Bewohner der Stadt und immer wieder tauchen Skelette auf. Was hat es damit auf sich …?

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Die Geschichte beginnt mit einem kleinen Prolog, der erzählt, dass der Ort der Handlung nicht die klassische Erde ist, sondern eine Planetenkombination. Vor vielen Jahre wurde an die halbe Erdkugel der halbe Planet Gnaa angedockt. Ein Planet auf dem Fabelwesen leben. Diese Idee ist eigentlich nett und ausgefallen, darauf wird aber leider im Laufe der Handlung nicht wirklich eingegangen. Denn ausser das der Detective ein Erdmännchen ist (was für mich nicht zu Fabelwesen zählt), kommen im Laufe der Geschichte eigentlich nur noch Menschen (oder ihre „abgespeckte“ Form) vor.

Die Handlung ist nett, für mich jedoch nicht sonderlich reichhaltig oder fundiert. Der Schreibstil ist gut, auch wenn er sehr kindlich, locker und umgangssprachlich ist. Ich fühlte mich die ganze Lektüre über, als läse ich ein Comic ohne Bilder :-).

Für größere Kinder und Jugendliche ist die Geschichte mit Sicherheit lustig und spaßig. In den All Age Bereicht würde ich den Roman jedoch nicht einstufen, denn mit Werken wie z.B. „Harry Potter“, „Die zerbrochene Welt“ von Ralf Isau oder auch die „Stein“-Reihe von Kerstin Gier kann der Roman nicht verglichen werden.

Was ich interessant fand war, dass der Titel „Das Schloss der Skelette“ lautet und innerhalb der Handlung immer nur von einer Burg und der Burgruine gesprochen wird. Das Wort „Schloss“ fiel nur ein einziges Mal.


Ein weiterer Stolperstein war für mich eine Szene, in der Percy und Milton Mrs. Trunks aufsuchen. Sie wird vorgestellt als die Großmutter von Rachel (der Pensionsbesitzerin) und deren verschwundenen Tochter Elaine. Warum man dann Mrs. Trunks nach Ihrer Tochter und ihrer verschwundenen Nichte fragt ist dann etwas verwirrend. Dieser Fehler folgt einige Seiten darauf noch einmal.

Veröffentlich wurde das Buch bei Create Space und optisch gefällt es mir gut. Der Einband und das Cover erinnern ein bisschen an die Gespenster Bücher der Gänsehaut-Reihe.

Der Name des Autors und das anhängende „Über den Autor“ ist sicher Geschmackssache. Ich fand es nicht so lustig, wie es wohl rüberkommen soll. Mir hätten wirkliche Hintergründe über die Idee und die Entstehung der Geschichte und den Autor besser gefallen.

Mein Fazit: Ich lese gerne und oft Jugendbücher, da sich hier wirklich oft richtige Schätze finden. Das vorliegende Buch ist nett, lustig und amüsant und lässt sich schnell lesen. Eine gute Grundsatzidee wird jedoch nicht wirklich vertieft und die Handlung ist nicht sonderlich anspruchsvoll. Und das können auch Jugenbücher sehr wohl sein. Dennoch, wer gerne Comics ohne Bilder liest, kann hier gerne zugreifen.

P.S. Ich stelle mein Leseexemplar gerne zur Verfügung. Wer sich bis Ende Januar bei mir meldet bekommt es zugeschickt! Danach würde ich es dann dem KARO für seine Bücherecke spenden.

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© Buchwelten 2016

Ruinen von Dan Wells – Partials III

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partials

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei ivi / Piper
insgesamt 480 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-70284-3
Kategorie: All Age Fantasy

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Kira Walker hat es geschafft, sowohl ein Heilmittel gegen die Seuche RM, als auch den Schlüssel zur Aufhebung des Verfallsdatums der Partials zu finden. Das Problem ist jedoch, dass jede Seite für sich zum finalen Krieg aufrüsten und somit das Ende beider Parteien nicht verhindert werden kann. Nun hat sie endlich eine Möglichkeit, beide Seiten zu retten, und jetzt soll es zu spät sein? Getrennt von all ihren Freunden geht Kira dennoch ihren Weg und setzt ihr eigenes Leben mal wieder aufs Spiel, um die Menschheit und die Partials zu retten, denn sie kann und will sich nicht zwischen einer Seite entscheiden ….

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Ich bin ja seit seinem Debüt Fan von Dan Wells und war von den beiden ersten Teilen seiner Partials-Reihe auch sehr angetan. Was ursprünglich als Jugendbuch startete, ist nun in die Kategorie All Age Fantasy übergesiedelt und hat auch den Erwachsenen Lesern (wie eben auch mir) gut gefallen.

Natürlich habe ich mich sehr auf das Finale gefreut, muss jedoch sagen, dass ich mich wirklich schwer getan habe. Ich bin gleich zu Anfang sehr schwerfällig in die Handlung gekommen, der Biss hat irgendwie gefehlt. Ich kann nicht einmal gut erklären, woran es liegt, denn der Schreibstil ist wie bei den ersten beiden Teilen gut. Jedoch sind irgendwie alle wichtigen Personen getrennt, der eine ist hier unterwegs, die anderen mit diesem und jenem dort und ich wusste teilweise nicht mehr wirklich, wo ich bin :). Dann gibt es in diesem Band so viele Untergruppen, die Rebellengruppen bilden oder Ableger von Partialarmeen, dass ich manchmal echt den Überblick verloren habe. Und das „traurige“ an der Sache: mir war es eigentlich relativ egal. Mein Bauchgefühl hat mir ein Ende vorausgesagt und so ist es dann letztendlich auch gekommen. Wobei es gegen Ende dann immerhin ein bisschen Schwung gab, dort haben sich dann einige Fäden verwoben.

Optisch passt der dritte Teil der Reihe perfekt. Die Trilogie macht sich sehr gut im Regal.

Mein Fazit: Für mich leider ein schwacher letzter Teil der Partials-Reihe, die gut und spannend begonnen hat, mit diesem Teil aber zäher und schwächer geworden ist. Ich möchte nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, meine Erwartungen wurden jedoch leider nicht erfüllt. Aber auch im vierten Serienkiller-Roman von Dan Wells (ich hatte die drei ersten Bände verschlungen!) habe ich schon festgestellt, dass die Handlung nachgelassen hat. Aber es soll sich jeder seine eigene Meinung bilden, denn alles ist Geschmackssache. Und ich werde weiterhin die nachfolgenden Romane von Dan Wells lesen 🙂

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Ich danke dem ivi/Piper Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat, meine anderen Rezensionen zu den Dan Wells-Roman zu lesen, der braucht oben rechts in der Suchleiste nur den Autorennamen eingeben und „entern“.

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