Dunkelfall – Die Verlorenen von Robert & Sarah Glas

dunkelfall

 

Erschienen als Taschenbuch
im Buchheim Verlag
464 Seiten
14,95 €
ISBN: 978-3-946330-02-8
Kategorie: Urban Fantasy, Mystery

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Liam Weston findet in einer stürmischen Nacht die völlig verängstigte Cara auf einem regenumtosten Felsen. Das Mädchen erinnert sich an fast nichts und murmelt immer wieder etwas von einem Ort namens Fallen Mountain, zu dem sie unbedingt gelangen muss, weil sie vor einem mysteriösen Mann in Blau flüchtet. Liam kennt einen Ort mit diesem Namen, allerdings sind auch seine Erinnerungen daran umnebelt. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg nach Fallen Mountain. Und schon bald erkennen sie, dass ihrer beider Schicksale näher miteinander verknüpft sind, als sie dachten …

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Schon der Einstieg in „Dunkelfall“ macht Lust auf das düstere Abenteuer, das einen erwartet. Robert & Sarah Glas entführen den Leser mit einem sehr hochwertigen und bildhaften Schreibstil in eine unglaublich intensive Welt, die einen sofort in ihren Bann zieht und auch bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit die beiden Autoren sowohl den niveauvollen Schreibstil als auch den Spannungsbogen von Anfang bis zum fulminanten Ende aufrecht erhalten, ohne dass ein Durchhänger oder etwa Längen im Plot erscheinen. „Dunkelfall“ ist astreine Urban Fantasy, wie sie eindrucksvoller und schöner nicht geschrieben werden könnte. Das Autorenduo bedient sich zwar einiger filmischer und literarischer Vorbilder, die sich aber geschickt in ihre eigenständige Handlung einweben, so dass man auch durchaus meinen könnte, es wäre eine Art Hommage an jene Werke, die als Inspiration dienten. Es macht absolut nicht den Eindruck, als hätten die Autoren einfallslos Ideen kopiert, sondern wirkt eher  wie eine liebevolle Verneigung vor anderen Genregrößen und/oder Kinoblockbustern.

„Dunkelfall – Die Verlorenen“ hatte auf mich eine hypnotische Wirkung und es fühlte sich des Öfteren an, als befände ich mich direkt in einem Traum. Oder auch Albtraum, je nachdem, welche Situation man nimmt. Der Roman behandelt sehr viele mysteriöse Dinge, die einen wie ein Sog ergreifen. Durch den, wie oben schon erwähnt, sehr bildlichen Schreibstil, durch den die Autoren auch unmöglich erscheinendes plausibel darstellen vermögen, fühlt man sich immer mittendrin im Geschehen. Die Welten, sowohl die reale als auch die „geträumte“, sind unglaublich authentisch beschrieben und vermischen sich derart gekonnt, dass man sich selbst nicht mehr sicher ist, welche der beiden Realitäten nun die wirkliche ist. Dem Autorenduo Glas ist ein sehr außergewöhnlicher Roman gelungen, der mit nur wenig anderen zu vergleichen ist. Am ehesten fällt mir da vielleicht noch Stephen R. Donaldson grandiose Chroniken um Thomas Covenant ein, der ebenfalls ein Wanderer zwischen zwei Welten ist.

Eines steht auf jeden Fall fest: Man muss sich auf eine Geschichte wie diese einlassen können, sonst verfehlt der Plot seine Wirkung. Gerade das erste Drittel des Buches, das viele Leser wohl als sehr langatmig, verwirrend und anstrengend empfanden, hat es mir angetan. Diese mystische, manchmal schon fast an „Twin Peaks“ erinnernde Atmosphäre, hat mir unglaublich gut gefallen und mich sofort angesprochen. Die zweite Hälfte des Buches hatte dann für mich eher den Charakter, für Verwirrung zu sorgen, weil einfach zu viele Fäden (und Ideen?) aufgegriffen wurden, die so manch einen Leser vielleicht überfordern könnten. Viele offene Fragen wurden nicht wirklich gelöst und auch die Aussagen, die zwischen den Zeilen stecken, hätten weitaus mehr Sinn ergeben, hätte man sich ihnen ein wenig ausführlicher gewidmet. Ich möchte fast sagen, dass in den relativ wenigen Seiten fast zuviel drin steckt. Insgesamt aber hat mir der Roman richtig gut gefallen, trotz der vorgenannten Kritikpunkte, die genau genommen keine „echte“ Kritik sind, denn wer sich Zeit nimmt, versteht die Botschaft, die sich in der Geschichte versteckt. Vor allem aber die durchgängig düstere Stimmung hat es mir angetan und mich richtiggehend verzaubert. „Dunkelfall- Die Verlorenen“ ist eine abgeschlossene Geschichte, die jedoch ein offenes Ende hat, das förmlich nach einer Fortsetzung schreit. Unter Umständen könnte es den Autoren dann sogar gelingen, den kompletten Plot für den Leser „durchsichtiger“ und verständlicher zu machen. Ich bin sehr gespannt, ob und vor allem wie das Abenteuer um Liam und Cara weitergeht.

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Fazit: Mystischer und spannender Urban Fantasy-Roman, der sich durch einen hervorragenden Schreibstil auszeichnet.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Midnight, Texas von Charlaine Harris

Midnight Texas von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 409 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31910-3
Kategorie: Thriller, Horror

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Als der junge Hellseher Manfred in das beschauliche Städtchen Midnight zieht, ahnt er nicht, was ihn erwartet. Hexen, Vampire und andere unheimliche Kreaturen bewohnen den Ort und als dann auch noch ein Mord geschieht, ist sich Manfred sicher, dass noch weitaus mehr Geheimnisse in Midnight schlummern …

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Midnight in Texas ist also das neue Bon Temps in Louisanna. Charlaine Harris hat uns Leser mit ihrer Serie „True Blood“ um die Kellnerin Sookie Stackhouse in eine abgefahrene Welt entführt, wie sie schriller nicht sein könnte. Ihre darin erschaffenen Charaktere konnten mich sowohl in Buch-, als auch in Filmform absolut überzeugen und sie wuchsen mir so ziemlich alle sehr ans Herz. Umso neugieriger war ich, was sich Harris mit ihrer neuen Serie wohl ausgedacht hat.
Nun denn, der Einstieg mag vielen Lesern langweilig erscheinen, mir aber hat er gefallen, weil sich Harris einfach Zeit lässt, um den Leser in ihren neuen Plot einzuführen. Leider hat es aber, zumindest im ersten Band ihrer Midnight-Reihe, nicht so ganz mit der Tiefe bezüglich der Charaktere gereicht. Die Figuren wirken bis zum Ende des Romans hin unausgegoren und blass. Man findet nicht wirklich Zugang zu den Personen und hat, obwohl Charlaine Harris ihre Gefühlswelten beschreibt, kein „Mitgefühl“ mit ihnen.

Ich hatte lange Zeit auch bedeutend ältere Menschen vor Augen, als ich mich auf das neue Abenteuer einließ, und war dann etwas überrascht, dass ich es eigentlich mit jüngeren Protagonisten zu tun hatte. Denn die beschriebenen Charakterzüge deuteten eher auf schon etwas reifere Menschen hin. Auch wenn sich meine Zeilen bisher nicht besonders gut anhören, so kann man dem Einstieg in die neue Reihe durchaus auch gewisse Reize nicht absprechen. Harris bemüht sich, eine ähnliche Atmosphäre wie in ihren „True Blood“-Romanen zu schaffen, aber dennoch eine neue Richtung einzuschlagen. Das gelingt ihr auch ohne weiteres, jedoch wirkt manches ein wenig an den Haaren herbeigezogen, als stünde die Autorin unter Erfolgsdruck, um einen würdigen „True Blood“-Nachfolger zu erschaffen. Insgesamt geht Harris die Geschichte langsam an, was ich persönlich absolut nicht störend und sehr unterhaltend fand, und führt die „übersinnlichen“ Charaktere behutsam ein. Die Kleinstadtatmosphäre hat Harris aus meiner Sicht sehr gut und überzeugend geschildert, wobei auch hier einige Sachverhalte schlichtweg unglaubwürdig wirken. An manchen Stellen spürt man förmlich, wie sich die Autorin zwanghaft Erklärungen ausgedacht hat, die auf den Leser aber letztendlich keinen Eindruck machen.

„Midnight, Texas“ ist aber dennoch ein schöner Einstieg für mich gewesen, der sich auch schnell und flüssig lesen ließ. Vor allem die Kombination von Realität und übernatürlichen Kreaturen hat mir, wie auch schon in „True Blood“ gefallen. Charlaine Harris hat es wieder geschafft, Vampire, Hexen und andere Wesen in eine reale Welt einzubauen, dass man es als selbstverständlich hinnimmt, auch wenn es noch so abgedreht wirkt. Auch der mysteriöse Mord an einer Frau hat mich angesprochen, vermischte er doch ein weiteres Genre, nämlich das des Krimis, in die ohnehin schon irreale Handlung. Eine unheimliche, verlassene Kleinstadt, in der übernatürliche Kreaturen leben … ? Das klingt wirklich sehr interessant (und ist es auch), aber leider entpuppt sich diese faszinierende Grundidee lediglich als Vorwand, um plötzlich eine Gruppe Rechtsradikaler in den Vordergrund zu stellen, die auf der Suche nach Waffen sind. Das Mystische und die Aufklärung des Mordfalls bleiben irgendwie auf der Strecke. Harris hat es aber dennoch geschafft, mich mit ihrem Plot zu „infizieren“, so dass ich wirklich wissen will, wie es mit den Protagonisten (auch wenn sie mir noch nicht besonders viel bedeuten) und der Story in Midnight weitergeht, und das ist für mich ein gutes Zeichen. Eine Rückkehr in das Städtchen wird bestimmt auch den ersten Teil dieser Serie wieder aufwerten, davon bin ich überzeugt. Und wer weiß schon, wie viel Tiefe die Charaktere in den Folgebänden noch bekommen?  Vor allem bin ich auf die Verfilmung dieser Bücher sehr gespannt, denn, wie schon erwähnt, ein wenig von der „True Blood“-Atmosphäre ist auf jeden Fall zu erkennen und als Serie könnte der Plot durchaus funktionieren. Der Einstiegsband konnte bei mir zwar „nur“ 3,5 Sterne erreichen, erscheint mir aber definitiv ausbaufähig und hat mich unabhängig von meinen Kritikpunkten absolut gut unterhalten. Der Unterhaltungswert ist nämlich auch etwas, das für mich als Leser zählt. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Fortsetzung.

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Fazit: Eher mittelmäßiger und liebloser Einstieg in eine neue Serie. Aber Potential und Unterhaltunsgwert ist definitiv da.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Dämonenkriege von Michael Hamannt

Die Daemonenkriege von Michael Hamannt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  752 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31838-0
Kategorie: Fantasy

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Vor tausend Jahren wurden sie von Magiern in eine Gegenwelt verbannt: die Dämonen. Doch nun kehren sie zurück und bedrohen die Menschheit erneut. Ein Dämonenjäger, ein Prinz, eine Halbdämonin und eine Assassine stellen sich dem Kampf und setzen alles daran, die Menschen zu retten und die Dämonen wieder zu vertreiben …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass mir „Die Dämonenkriege“ von Michael Hamannt gefallen würde. Es war zum einen der Schreibstil, der mich sofort überzeugt hatte, aber auch die feinfühlige Art, wie der Plot aufgebaut wurde. Hamannt geht nicht gleich aufs Ganze, sondern führt den Leser auf Tolkien’sche Art in seine Welt ein und stellt die Protagonisten der Reihe nach vor. Das empfand ich als ungeheuer angenehm, wenn man als Leser eine Person nach der anderen ausführlich präsentiert bekommt, bevor sie sich zu einer Gemeinschaft vereinigen und sich auf einen epischen Kampf vorbereiten. Sicherlich erinnert das an manchen Stellen an den großen Wegbereiter der Fantasy J.R.R. Tolkien, wirkt aber niemals so plump und inspirationsarm kopiert wie einst „Eragon“, sondern vermittelt im Gegenteil einen sehr eigenständigen Ideen-Pool, aus dem der Autor mit vollen Händen schöpft. Man merkt Hamannt den Spaß an, den er beim Schreiben und Ausdenken seiner Welt gehabt hat und den er mit seinen Worten hervorragend auf den Leser übertragen kann. Stimmungsvoll, ruhig, aber auch episch wie J.R.R. Tolkien, Tad Williams und David Eddings konstruiert Hamannt vor den Augen des Lesers eine sorgfältig ausgearbeitete, glaubwürdige Welt und lässt sie von Seite zu Seite an Details wachsen.

Michael Hamannt zieht seine Leser in den Bann und lässt sie nicht mehr los. Geschickt verbindet er politische Intrigen und Machtrangeleien a la „Game Of Thrones“ mit epischer Fantasy und löst im Leser ein Suchtgefühl aus, das in jeder freien Minute zum Griff nach dem Buch verleitet. Besser kann man Fantasy fast nicht schreiben. Erfreulicherweise lässt Hamannt auch die Finger von Zwergen, Orks und Elfen, die man mittlerweile schon zur Genüge kennt und oftmals gar nicht mehr lesen mag, und richtet sein Augenmerk auf eine vollkommen andere Spezies, nämlich die Dämonen. Genau diese Mischung aus High Fantasy und leichten Horrorelementen macht „Die Dämonenkriege“ in meinen Augen zu einem besonderen Buch in der Vielfalt der Fantasy-Literatur. Hamannt bringt frischen Wind in das Genre und bedient dennoch die klassischen Elemente der Fantasy, was seinen Roman zu einem wunderbaren Genremix macht, der unglaublich Spaß macht.

Was ich ebenfalls sehr erfrischend empfand, war die sehr authentische Sprache bei den Dialogen der Protagonisten. Da fallen auch schon mal umgangssprachliche Ausdrücke, die aber wirklich perfekt zu den Charakteren und Situationen passen und dem Ganzen nochmals eine sympathische Glaubwürdigkeit verpassen. Der Schreibstil des Autors ist sehr niveauvoll und gehoben und wird lediglich durch die erwähnten saloppen wörtlichen Reden aufgelockert, was ich als unwahrscheinlich angenehm und ermunternd empfand. Von Längen kann aufgrund der Dicke des Buches absolut keine Rede sein. Michael Hamannt packt den Leser und zerrt ihn förmlich durch die Vielzahl an Seiten bis zum fulminanten Ende, das die Erwartungshaltung auf die Fortsetzung in die Höhe schraubt. Es ist ein Pageturner, den Michael Hamannt da vorgelegt hat und der Freunde epischer und (absolut im positiven Sinne gemeinten) langatmiger High Fantasy begeistern wird.
Auch mit den Charakterzeichnungen der Protagonisten kam ich hervorragend zurecht und die Personen wuchsen mir alle im Verlaufe der Geschichte immer mehr ans Herz. Durch den bildhaften Schreibstil habe ich oft die Welt um mich herum vergessen und befand mich zusammen mit den Helden in den Schwebenden  Reichen. Hamannt hat eine sehr stimmige Welt und eine atmosphärische, düstere Handlung erschaffen, die mich wirklich begeistert hat.

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Fazit: Düster, innovativ und stimmungsvoll. Epische High Fantasy, die absolut gefällt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Kanon mechanischer Seelen von Michael Marrak

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Amrun Verlag
insgesamt  722 Seiten
Preis: 24,90 €
ISBN: 978-3-95869/257-2
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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Ninive lebt in einer faszinierenden Welt, in der die außergewöhnlichsten Geschöpfe leben. Eine uralte Legende berichtet von einem Land hinter der unüberwindlichen Mauer, deren Nutzen heutzutage keiner mehr kennt. Als ein Gesandter den Auftrag erhält, das Geheimnis hinter der Mauer zu lüften, begibt sich Ninive mit auf eine Reise, hinter der sich weitaus mehr Rätsel verbergen, als sie bislang dachte …

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Schon mit seinen ersten Werken (damals noch im Bastei Lübbe-Verlag erschienen) hat mich Michael Marrak mit seinem Ideenreichtum in den Bann gezogen. Und auch sein neuester Roman mit dem Titel „Der Kanon mechanischer Seelen“ trifft wieder voll ins Schwarze. Schon auf den ersten Seiten, weiß man, was einen erwartet: Ein schrilles Abenteuer, das sich irgendwo auf der Grenze zwischen Science Fiction und Fantasy tummelt, mal auf die eine und dann wieder auf die andere Seite schlittert, und dabei fast schon ein eigenständiges Genre kreiert. Marraks Hommage an diverse Werke von Stanislav Lem, aber auch an Klassiker wie Lewis Carrolls Alice-Bücher, ist perfekte Unterhaltung, die süchtig macht. Die Ideen, die in dieser Geschichte untergebracht wurden, sind unermesslich. Auf jeder Seite wird man (im positiven Sinne) von Innovationen bombardiert, die den Roman zu einem wirklich außergewöhnlichen Ereignis machen. Eine Prise Walter Moers, eine Handvoll Lewis Carroll und ein unglaublich guter Schuss Michael Marrak lassen für mich „Der Kanon mechanischer Seelen“ aus dem Stand heraus zu einem Kultbuch avancieren.

Der Roman wirkt auf mich, als hätten sich David Lynch, Tim Burton und James Cameron zusammengesetzt, um einen filmreifen Plot zu erarbeiten, der die Vorstellungskraft der Zuschauer sprengt. Genau das hat Michael Marrak mit seinem Werk geschafft: ein abgedrehtes Abenteuer, das sich bildhaft in die Gedanken des Lesers hineinfrisst und ihn nicht mehr loslässt. Liebevoll ausgearbeitete Charaktere bewegen sich in einer fantasievollen Welt voller Wunder und unglaublicher Wesen. Und auch der Spaß kommt niemals zu kurz. Michael Marrak besitzt einen außergewöhnlichen Humor, der mir, während ich diese Zeilen schreibe, schon wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Die siebenhundert Seiten fliegen nur so an einem vorbei, so unterhaltsam, spannend und visionär ist die Geschichte, die erzählt wird. „Der Kanon mechanischer Seelen“ besitzt einen unglaublichen und unwiderstehlichen Reiz. Zu der epischen Geschichte gesellen sich noch vom Autor selbst kreierte Illustrationen, die den Plot teilweise wirklich genial ergänzen. Marraks neuester Roman ist ein kleines Wunder, das sich erst nach der Lektüre vollends im Kopf des Lesers breitmacht und entfaltet. Die Mischung aus Science Fiction-, Fantasy- und klassischen Abenteuerroman mit einem Hauch Kinderbuch hat es wirklich in sich, denn erstaunlicherweise gibt es zwei Versionen dieses Buches, nämlich zuerst einmal diejenige, die man direkt während des Lesens erlebt und danach gesellt sich noch eine Fassung hinzu, die man als eine Art „Nachgeburt“ betrachten könnte. Zu viel steckt in den Zeilen, als dass man es so ohne weiteres verstehen und in sich aufsaugen  könnte. Ich bin sicher, dass sich beim zweiten Lesedurchgang eine Unmenge an neuen Eindrücken auftun werden, die man beim ersten Mal schlichtweg aufgrund der Fülle an inspirierenden Gedankengängen „überlesen“ hat.

Man muss sich auf solcherart Abenteuer einlassen können, um die epische Bandbreite der Geschichte auffassen zu können. Marrak wirft mit vielen Fantasiewörtern um sich, die den einen oder anderen Leser auf Dauer abschrecken könnten. Aber wenn man sich die Zeit nimmt, um sie zu „verstehen“, macht das Buch fast doppelt so viel Spaß, wie es ohnehin schon macht. Ich fühlte mich oft an „alte“ SF- und Abenteuerromane aus meiner Kindheit und Jugend erinnert, so dass „Der Kanon mechanischer Seelen“ für manch einen sogar eine kurze nostalgische Reise in die eigene (Lese-)Vergangenheit darstellen könnte.
Die Aufmachung des gebundenen Buches ist dem Amrun-Verlag sehr gut gelungen und sieht auch im Buchregal äußerst ansprechend aus. „Der Kanon mechanischer Seelen“ ist also, abgesehen vom genialen Inhalt, auch ein toller Blickfang fürs Regal.
Unverständlich ist für mich, dass Michael Marraks Epos nicht bei einem Verlag wie Heyne, Bastei Lübbe, Fischer TOR oder Piper erschienen ist, zeigt es doch, dass großartige, fantastische Unterhaltungsliteratur auch aus Deutschland kommen kann und sogar mehr Existenzberechtigung als so mancher internationale, (angebliche) Bestseller hat.  Wie schon erwähnt: Für mich besitzt „Der Kanon mechanischer Seelen“ schon jetzt Kultcharakter und vielleicht landen ja die Taschenbuchrechte bei einem Verlag, der es schafft, dem Werk die große Aufmerksamkeit, die es verdient, zu verschaffen.

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Fazit: Innovativ, spannend und witzig. Michael Marraks SF-Fantasy-Epos besitzt Kultcharakter.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Talisman von Stephen King und Peter Straub

Der Talisman

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  960 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-453-87760-3
Kategorie: Horror/Fantasy

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Jack Sawyer ist 12 Jahre alt und lebt allein mit seiner sterbenskranken Mutter Lily mehr oder weniger auf der Flucht. Jacks Vater ist von einigen Jahren verstorben und Jacks Mom, schwer an Krebs erkrankt, reist mit Jack von Ort zu Ort, um „Onkel Morgan“ zu entkommen. Morgen Sloat ist der ehemalige Partner von Jacks Vater und Freund der Familie. Er will Jacks Mom ständig dazu nötigen, irgendwelche Geschäftspapiere zu unterzeichnen, die ihm von Nutzen sind.

Nun sind sie angekommen im fast leeren Hotel Alhambra Inn and Gardens (die Saison ist vorbei, das Hotel gleicht einer Gruft) in New Hampshire. In diesem Hotel hat Lily, einst gefeierter Filmstar der B-Movies, wundervolle Zeiten verbracht. Und offensichtlich möchte sie hier nun sterben.

Jack lernt im nahegelegenen Freizeitpark am Arcadia Beach den alten Mann Speedy Parker kennen. Er ist ein schwarzer, ehemaliger Musiker, der Jack ein wahrer Freund wird. Und Speedy ist es, der Jack auf eine weite, abenteuerliche und gefährliche Reise schickt.

Er schickt ihn nach Westen, um den Talisman zu holen. Denn der würde seine Mom Lily vor dem Tod retten. Doch dazu muss sich Jack auch in die Welt begeben, von der er immer glaubte, es handele sich um Tagträume, die ihn seit seiner frühen Kindheit begleiten. Doch von Speedy erfährt er, dass es sich nicht um Tagträume handelt. Es gibt sie wirklich: die Welt der Territorien …

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Spoilergefahr ist eventuell vorhanden!


Stephen King und Peter Straub haben hier gemeinsam ein sehr umfangreiches Fantasy/Horror Abenteuer geliefert, das die Geschichte des Jungen Jack in bunten Farben und sogar Gerüchen schildert. Es ist dramatisch, gefährlich, sehr brutal und grob, teilweise aber auch sehr leise, absolut emotional und mitfühlend. Es werden sehr viele Themen in dieser Geschichte berührt: Liebe, Familie, Mut, Vertrauen, Freundschaft, Machthunger und Neid, Gier und Angst vor dem Versagen, nicht aufgeben und bedingungsloser Zusammenhalt unter Freunden. Ich könnte noch unzählige weitere Worte finden.

Anfangs zog sich alles etwas in die Länge und ich hatte leichte Anlaufschwierigkeiten, auch wenn die Geschichte mich von Anfang an gefesselt hat (das geht mir übrigens bei Teil 2 gerade genau so: die ersten 100 Seiten sind noch anstrengender). Doch ab dem Moment, in dem Wolf in die Handlung tritt, war ich völlig in den Bann gezogen.

Die Welten der Handlung wechseln und die Ideen sind einfach toll. Ich fühlte mich von der Stimmung und Umgebung oft an den Dunklen Turm erinnert, manches verursachte bei mir sogar ein gewisses „Potter-Feeling“.

Unterm Strich ein absolut gelungener Fantasy Roman, der durch seine krassen und teilweise sehr brutalen und heftigen Szenen durchaus Horror-Charakter hat. Teilweise meine ich zu erkennen, welche Passagen von King und welche von Straub geschrieben wurden, jedoch nicht immer.

Mein Fazit: ein ausführliches und umfangreiches Fantasy/Horror-Abenteuer mit Road-Movie-Charakter, das sicher nichts für schwache Nerven ist, aber immer wieder auch mit sehr ruhigen und intensiven Momenten belohnt.

© Buchwelten 2018

 

 

Am Fluss der Sterne von Guy Gavriel Kay

Fluss

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 720 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-03572-4
Kategorie: Fantasy

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In Kitai herrscht Krieg.
Ren Daiyan fühlt seit seiner Geburt, dass er dazu auserkoren ist, Kitai wieder zu neuer Macht zu verhelfen. Er wird zum Geächteten, bis er schließlich zu, Führer einer mächtigen Armee aufsteigt, um dem Land Frieden zu bescheren. Doch nicht alles verläuft nach Plan, wie Daiyan es sich vorgestellt hat.

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Es fällt beileibe nicht leicht, Zugang zu Kays neuem Roman zu finden. Zu viele gleich klingende Namen erschweren den Einstieg, der noch durch eine Unmenge an Fremdwörtern und Begebenheiten überlastet wirkt und dem ein oder anderen Leser von „Normalkost“ das Weiterlesen verleiden könnte. „Am Fluss der Sterne“ ist definitiv kein Fantasyroman, wie man ihn kennt. Es handelt sich hier vielmehr fast schon um einen historisch angehauchten Roman, der zwar in einer erfundenen Welt spielt, aber ansonsten wie eine Geschichte aus der Vergangenheit Chinas wirkt. Vieles erscheint dem Leser (zumindest verhielt es sich bei mir so) anfangs sehr verwirrend und überfrachtet, so dass man der Handlung sehr schwer folgen kann, zumal man hin und wieder schon ein paar Personen, die sich, wie schon erwähnt, namentlich gleichen, verwechseln kann.  Aber durchhalten lohnt sich, denn Kay entwirft ein sehr glaubwürdiges Weltbild, in dem man sich schließlich irgendwann doch zurecht findet.

Die Charakterzeichnungen in diesem Roman sind sehr gelungen und vermitteln auf jeden Fall gewisse Tiefen, die aber durchaus noch eigenständige Interpretationen des Lesers zulassen. Die Beschreibungen der Welt Kitai ist so detailliert und glaubwürdig beschrieben, dass man des öfteren vergisst, einen Fantasy-Roman zu lesen und meint, es handele sich um einen historischen Roman nach wahren Begebenheiten. Kay entwirft eine authentische Welt, in der man sich heimisch fühlt, wenn man die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat. Es zieht sich eine melancholische Grundstimmung durch den gesamten Roman, die süchtig macht und der man sich schlecht entziehen kann. Hinzu kommt der sehr gehobene, niveauvolle Schreibstil des Autors, der dieses Gesamtbild noch unterstreicht. An manchen Stellen setzt der Autor allerdings meiner Empfindung nach voraus, dass man die Gepflogenheiten der chinesischen Kulturen besser kennt, als es tatsächlich ist. Denn einerseits zu detailverliebt, andererseits aber irgendwie zu selbstverständlich geht Kay an gewisse kulturelle Gepflogenheiten heran, als wären sie für uns Europäer so ohne weiteres zu verstehen. Das macht die Protagonisten an manchen Stellen etwas unnahbar (zumindest für uns Europäer) und lässt sie fremd wirken.

„Am Fluss der Sterne“ ist dennoch ein episches Werk, das hervorragend zu unterhalten vermag, sich aber eher auf sehr ruhige Weise fortbewegt und entwickelt. Wer klassische Fantasy im Stil von „Der Herr der Ringe“ und Konsorten erwartet, wird hier aufgrund der Parallelen mit unserer realen Welt eher enttäuscht werden, denn Kays Kitai ist definitiv nicht Mittelerde oder ein anderer ähnlicher Kontinent. Wer sich darauf einstellt, dass er eher ein klassischer Abenteuerroman mit historischen Verweisen zur wirklichen Welt geboten bekommt, wird mit einem bombastischen Szenario und authentischen Akteuren belohnt. „Am Fluss der Sterne“ bietet Abenteuer, Kriege (die allerdings nicht ausufernd beschrieben, sondern nur kurz geschildert werden), eine unkitschige Liebesgeschichte, Intrigen und jede Menge Politik und Strategie. Wer knackige, kurzweilige Fantasy mag, wird hier Schwierigkeiten haben und den größten Teil dieses Romans langatmig und auch langweilig finden. Alle anderen, die eine gut recherchierte und hervorragend geschriebene Geschichte mögen, werden sich dem Sog dieses Buches nicht entziehen können. Vor allem China-Begeisterte werden ihr helle Freude  an diesem Roman haben.
Ich persönlich fand mich anfangs, wie schon oben erwähnt, nicht wirklich in dieser Welt und aufgrund der vielen gleich klingenden Personen- und Ortsnamen überhaupt nicht zurecht. Doch das Durchhalten hat sich definitiv gelohnt. Also wenn es jemandem genauso ergehen sollte: Nicht verzagen und weitermachen … der Knoten platzt. 😉

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Fazit: Nach Anfangsschwierigkeiten wird man mit einem epischen, historischen und äußerst bildhaft verfassten Fantasyroman belohnt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Overworld von Dan Wells

overworld

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt  430 Seiten
Preis: 13,00 €
ISBN: 978-3-492-28022-8
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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„Overworld“ ist das beliebteste Virtual-Reality-Spiel der Welt. Marisa Carneseca, die wir schon aus „Bluescreen“ kennen, bekommt zusammen mit ihren Freunden eine Einladung, um an einem Overworld-Turnier teilzunehmen. Sollte Marisas Team gewinnen, könnte sie ihre Familie endlich finanziell unterstützen. Doch schon bald wird Marisa klar, dass sich hinter „Overworld“ nicht nur ein Spiel versteckt, sondern eine profitgierige Machenschaft, die die Existenz mittelständischer Menschen, wie Marisas Eltern, bedroht  …

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„Overworld“ setzt Abenteuer von Marisa Carneseca und ihren Freunden nahtlos fort. Auch wenn man zwischen dem ersten Teil „Bluescreen“ als Leser viele Monate hat verstreichen lassen, so findet man doch sehr schnell wieder Zugang zu den Jugendlichen und dem Stadtteil Mirador. Dinge, die man vergessen hat, werden kurz von Dan Wells angesprochen und sofort hat man den Anschluss wieder. Wells hat sehr geschickt die Abenteuer des ersten Teils eingebaut, ohne dessen Handlung nochmals zu wiederholen. Aber davon abgesehen, könnte man „Overworld“ auch durchaus als eigenständigen, unabhängigen Roman lesen und würde die Zusammenhänge dennoch verstehen.
Dan Wells hat mit seinen Mirador-Romanen eine wirklich beeindruckende Zukunftsvision erschaffen, die wirklichkeitsnäher nicht sein könnte. Auf erschreckende Weise stellt man während des Lesens fest, dass die geschilderte Zukunft in manchen Dingen näher ist, als man denkt. Die Ansätze (Internetzugang wird zum Beispiel als Lebensgrundlage bezeichnet) jener Zukunftswelt sind dystopisch und real zugleich.

Im vorliegenden zweiten Teil des Mirador-Zyklus richtet Dan Wells sein Hauptaugenmerk auf Videospiele und wird so manch einen Leser an Tad Williams‘ fantastische „Otherland“-Reihe erinnern. Doch Wells geht einen anderen Weg, der nicht minder spannend und faszinierend ist. Was mir vor allem (wieder, wie schon im ersten Teil) gefallen hat, waren die Aktionen der Teenager untereinander. Die Sticheleien und Beleidigungen sind sehr authentisch und witzig dargestellt und zaubern einem während des Lesens oftmals ein Lächeln auf die Lippen. Dieses Lebensgefühl, das Jugendliche bei Videospielen, Internetforen und Chatrooms spüren, wird sehr gut und glaubhaft beschrieben, auch wie sie miteinander sprechen. Die Dialoge sind flüssig und Wells‘ Schreibstil gewohnt hochwertig, aber leicht lesbar, so dass der Roman sehr schnell gelesen werden kann. Dass man sich sehr schwer von der Handlung trennen und das Buch zur Seite legen kann, liegt auch daran, dass Dan Wells sehr kurzweilig und fesselnd schreibt und den Leser förmlich selbst in die Handlung mit eintauchen lässt. Das konnte er schon bei seinen „Serienkiller“-Büchern, aber bei den Mirador-Romanen wirkte es zumindest auf mich noch spannender.

„Overworld“ mutet manchmal wie ein Film an, manchmal aber auch wie ein Videospiel. wobei Dan Wells gut und gerne mehr von dem eigentlichen Game hätte beschreiben können. In diesem Fall kann Tad Williams eindeutig mehr auftrumpfen. Nichtsdestotrotz fliegt man nur so durch die Seiten, um zu erfahren, wie es den Mädchen ergeht. Und auch wenn man, wie ich, kein Gamer ist und nicht über entsprechendes Wissen verfügt, kann man den Spielverläufen und den Fachausdrücken ohne weiteres folgen, denn die meisten Dinge werden innerhalb des Romans erklärt und am Ende des Buches ist auch noch ein Glossar abgedruckt, mittels dem man sich schlau machen kann. Mir persönlich hat dieser zweite Teil „Overworld“ ein klein wenig besser gefallen als „Bluescreen“, was mich vermuten lässt, dass Dan Wells selbst tiefer in seine Charaktere und Szenarien eingedrungen ist. Dies wiederum lässt meine Erwartungshaltung gegenüber dem dritten Teil höher steigen, wobei ich allerdings auch ziemlich sicher bin, dass Dan Wells diese Erwartungen erfüllen wird. „Overworld“ ist ein absolut unterhaltsames Science Fiction-Abenteuer mit sozialkritischem Anteil, in dem auf wirtschaftliche Auswirkungen des Internets eingegangen wird. Gerade diese Mischung aus intelligenter Zukkunftsvision und spannendem Actionabenteuer funktioniert hervorragend und wird Fans des ersten Teils uneingeschränkt gefallen.

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Fazit: Spannender, intelligenter zweiter Teil der Mirador-Saga, der hervorragend unterhält.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Stadt der Träumenden Bücher – Band 1: Buchhaim (Graphic Novel) von Walter Moers und Florian Biege

Die Stadt der Traeumenden Buecher Comic von Walter Moers

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Knaus Verlag
insgesamt 110 Seiten
Preis: 25,00 €
ISBN: 978-3-8135-0501-6
Kategorie: Graphic Novel, Fantasy

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Hildegunst von Mythennetz macht sich nach dem Tod seines Dichterpaten auf den Weg nach Buchhaim. Der Verstorbene hat Hildegunst nämlich ein Manuskript hinterlassen, das alles, was Hildegunst bisher gelesen hatte, in den Schatten stellt. Er macht sich auf den Weg nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher, um herauszufinden, wer jenes geheimnisvolle Manuskript verfasst hat. Doch es warten weitaus mehr Mysterien in dieser Stadt auf ihn, als er dachte.

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Wer die Romane von Walter Moers kennt, weiß, zumindest im Ansatz, was ihn bei diesem exzellenten Graphic Novel erwartet: ein ideenreicher Plot und jede Menge Spaß. Wer den gleichnamigen Roman bereits kennt, wird von der kongenialen Umsetzung in diesen stark verkürzten Graphic Novel begeistert sein, wer die Vorlage noch nicht kennt, wird nach Lektüre dieses Werkes förmlich danach lechzen. 😉
Walter Moers ist zusammen mit Florian Biege ein Meisterwerk gelungen. Die literarische Vorlage bot sich schließlich geradezu an, in einen „literarischen Comic“ verwandelt zu werden. Schon nach den ersten Seiten taucht man in die fantastische Welt von Walter Moers und seinen Figuren nebst Ideen ein und kann sich dem Wort- und Bilderrausch, den dieser Graphic Novel bietet, einfach nicht mehr entziehen.

Was Moers‘ Bücher im Kopfkino des Lesers anrichten, macht dieses Buch auf andere Weise. Wie in einem Film begleitet der Leser den Protagonisten Hildegunst von Mythennetz auf seiner Reise nach Buchhaim und die Texte werden durch die wirklich grandiosen Bilder von Florian Biegel zu einer wahren Augenweide. Erstaunlicherweise stellt man fest (sofern man den Roman vorher gelesen hat), dass sich die persönlichen Vorstellungen der Geschehnisse sehr oft in  Biegels Zeichnungen wiederspiegeln und sich mit den eigenen Bildern decken, die man beim Lesen des Romans in Gedanken sah. Diese illustrierte Version von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist ein Traum für alle Buchliebhaber im Allgemeinen und Walter Moers-Fans im Besonderen. Mit vielen Details versehen, kann man in den Bildern von Florian Biegel vielfache Anspielungen auf das Zamonien-Universum entdecken, die eigentlich gar nichts mit der Romanvorlage zu tun haben, sondern auf andere Moers-Bücher, die  in Zamonien angesiedelt sind, hinweisen. Dieser Graphic Novel-Umsetzung ist ein textlicher und visueller ein Augenschmaus sondergleichen, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Selbst wer bei dem relativ hoch wirkenden Preis zögern sollte, wird sich schnell eines besseren belehren lassen, wenn er das Buch erst einmal aufgeschlagen hat und in die fantastische Welt eintauchen kann.

Man mag es gar nicht so richtig glauben, dass es sich bei dieser Umsetzung von einem seitenstarken Roman in einen eher kurzen Graphic Novel dennoch um ein bildgewaltiges und episches Werk handelt. Aber Walter Moers und Florian Biegel haben es eindeutig geschafft, der Geschichte eine beeindruckende neue Seite hinzuzufügen, die selbst Kenner der Romanvorlage noch überraschen und überwältigen werden. Man vergisst die Zeit und auch die Umgebung, wenn man in diesem wunderbaren Buch liest, staunt und sich darin verliert.
Das Buch ist wirklich jeden Cent wert, vor allem fühlt man sich schon einen Tag, nachdem man das Abenteuer zu Ende gelesen hat, wieder „genötigt“ nochmals die Seiten durchzublättern und die Ereignisse in Text- und Bildform Revue passieren zu lassen. Die Ausstattung dieses Buches lässt wirklich keine Wünsche offen. Von einem festen, edel glänzenden Papier über den robusten Einband bis hin zu einer Panorama-Klapptafel am Ende des Buches hat man permanent das Gefühl, einen Bücherschatz in den Händen zu halten.
Die Graphic Novel-Umsetzung von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ ist also aus meiner Sicht uneingeschränkt und ohne Makel perfekt gelungen und lässt das Herz des Fans bereits jetzt schon höher schlagen, wenn er nur an die kommende Veröffentlichung des zweiten Teils mit dem Untertitel „Die Katakomben“ denkt, in dem die Geschichte weitererzählt wird.

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Fazit: Bombastisch, bildgewaltig, episch und in der Kürze noch beeindruckend auf den Punkt gebracht.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Sleeping Beauties von Stephen King und Owen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 960 Seiten
Preis: 28,00 €
ISBN: 978-3-453-27144-9
Kategorie: Fantasy / Horror-Fiction

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In der Kleinstadt Dooling gibt es eigentlich nichts anderes, als in anderen Städten auch: Schulen, eine Polizeistation, Supermärkte, Kneipen und ein Frauengefängnis. Okay, letzteres ist nicht in jeder Stadt zu finden.

Eines schönen Tages bricht eine Epidemie aus, die einschlafende Frauen betrifft. Und zwar nur Frauen, egal welchen Alters und egal auf welchem Teil der Welt. Sobald die Frauen einschlafen, bildet sich ein faseriger, spinnenartiger Kokon um sie herum und hüllt sie ein. Doch sie atmen ruhig und scheinen tatsächlich einfach nur zu schlafen. Entfernen sollte man das Gewebe jedoch auf keinen Fall. Überhaupt sollte man nicht versuchen die Frauen zu wecken. Denn sobald sie erwachen werden sie zu mordenden, brutalen Killermaschinen.

Jedoch taucht eine Frau in Dooling auf, die gegen die Schlafkrankheit – inzwischen Aurora genannt – immun zu sein scheint. Sheriff Lila Norcross bringt die Frau ins Frauengefängnis des Ortes und hält sie dort fest (auch zu ihrem eigenen Schutz). Denn die Männer des Ortes hören von dem Gerücht der Immunität der seltsamen Frau und wollen ihre Frauen und Kinder zurück. Um jeden Preis …..

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Ich warne zur Sicherheit einfach mal vorab vor eventuellen Spoilern !

Eine Horrorfantasie mit Realitätsbezug“ lautet ein Zitat auf der Buchrückseite.

Für mich ist der neue Roman von Stephen und Owen King aber eigentlich viel mehr Fantasy oder Fantasy Fiction (wenn es dieses Genre gibt), vermischt mit dystopischen Elementen. Der Horror in diesem Roman ist viel eher auf die teilweise extrem brutalen und extrem blutigen Szenen zu beziehen.

Die beiden Autoren liefern hier eine Geschichte, die fantastisch ist und sehr zum Nachdenken anregt. Denn so traurig es ist, soviel Wahrheit steckt darin. Was braucht es zum Leben, was wird wertgeschätzt, wie schnell kann sich eine offensichtliche Idylle in das totale Chaos umwandeln. Die Natur spielt eine sehr große Rolle und auch die Zwischenmenschlichkeit, egal in welchen Kombinationen, ist sehr großer Bestandteil (Väter und Söhne, Mütter und Söhne, Väter und Töchter, Mütter und Töchter, (Ehe)männer und (Ehe)frauen etc.).

Zu Beginn der Geschichte ist ein Register, in denen alle Figuren aufgeführt sind. Das war für mich sehr hilfreich, denn ich habe oft noch einmal zurückgeblättert, weil es einfach sehr viele Personen gibt, die zur Handlung beitragen und eben auch wichtig sind.

Stephen und Owen King füllen ihren Roman mit einer großen Anzahl von Figuren und den unterschiedlichsten Charakteren. Erzählt er ja über knappe 1000 Seiten die Geschichte einer Stadt im Ausnahmezustand. Ich lernte in der ausführlichen Erzählung alle sehr gut kennen und natürlich baute ich eine Bindung zu den Personen auf.

Der Roman ist außerdem ein gesellschaftskritischer Roman, der mich an die Gemeinschaft von „The Stand“ erinnerte. Allerdings kam mir auch immer wieder „Der dunkle Turm“ in den Sinn, wenn die dystopischen Szenen beschädigte Gebäude beinhalteten oder auch wenn fabelartige Wesen durch die Handlung spazierten.

Die Grundidee der beiden war schlicht und einfach: Was mag wohl passieren, wenn urplötzlich alle Frauen einfach einschlafen und insoweit nicht mehr „vorhanden“ sind. Die Umsetzung dieser Idee ist den beiden gemeinsam sehr gut gelungen. Ich war gefesselt bis zur letzten Seite und hätte gut und gerne noch länger lesen können. Ich fühlte mich sehr wohl in Dooling. Aber das Wichtigste an der Geschichte ist die Botschaft, die sie rüber bringt und die ist erschreckend wahr und gut. Ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, welche Passagen Stephen und welche Owen King geschrieben hat. Ich habe wirklich sehr sehr viel von King gelesen und ich meine seinen Stil zu erkennen. Für mich war der Roman einfach ein Stephen King.

Ich füge unten ein kleines Interview der beiden ein, auf das ich beim Stöbern auf der Website von Stephen King gestoßen bin. Da war ich nämlich unterwegs, um einen Blick auf das Originalcover zu werfen. Denn die sind in der Regel immer um einiges besser, als die der deutschen Ausgabe. So auch hier ☺. Aber ich muss sagen, dass in diesem Fall das Cover der deutschen Ausgabe auch sehr schön und vor allem zur Handlung passend ist.

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Mein Fazit: Ein großartiges Fantasy-Fiction Abenteuer, dass sehr gesellschaftskritisch ist und zum Nachdenken anregt. Bestückt mit teils wundervollen Bildern, teils extrem brutalen Szenen und sehr gut ausgearbeiteten/agierenden  (nicht nur netten) Charakteren. Knappe 900 Seiten, die wie im Fluge vergehen. King(s) in Bestform!

Wer das Originalcover sehen mag, der klicke –> hier

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Splitterwelten von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
560 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26960-5

Die Welt ist in unzählige Teile zersprungen. Eine Gilde von Meisterinnen wacht über diese Weltensplitter und deren vielfältigen Bewohner, unter denen sich Menschen, aber auch geheimnisvolle Tier- und Mischwesen befinden. Als eine der Meisterinnen auf einem der Eeltensplitter ermordet wird, macht sich die Gildenschülerin Kalliope zusammen mit ihrer Meisterin Cedara auf den Weg, um das Verbrechen zu untersuchen. Schon bald müssen sie feststellen, dass hinter dem Mord weitaus mehr steckt, als bisher angenommen wurde. Je mehr Kalliope in Erfahrung bringt, desto erschreckender sind die Geheimnisse, die sie aufdeckt. Es scheint, als wäre die Existenz sämtlicher Weltensplitter in großer Gefahr …

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Wenn ich ehrlich sein soll, fiel es mir extrem schwer, in die Geschichte einzutauchen. Es dauerte wirklich eine Weile, bis ich mich zurechtfand. Aber dann plötzlich gab es einen Punkt, nach dessen Erreichen mich der Plot nicht mehr losließ und so in seinen Bann zog, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Man spürt, dass Michael Peinkofer hinter der Geschichte steht, denn man kann im Schreibstil durchaus Parallelen zu seinen „Königen“ und auch den „Orks“ erkennen. Mit einer unglaublich bildhaften Sprache werden die Abenteuer verschiedener Protagonisten geschildert, bei der man denkt, man sähe einen Film. Sehr stimmungsvolle Bilder wechseln sich mit pointierten Dialogen ab und machen den ersten Teil der „Splitterwelten“-Trilogie zu einem kurzweiligen Abenteuer, das süchtig macht.

Vielleser werden die zahlreichen „Anspielungen“ auf verschiedene Klassiker der Fantasy- und Science Fiction-Literatur bemerken, was aber der, zwar verschachtelten, aber durchaus stimmigen Handlung absolut keinen Abbruch tut. Peinkofer und sein Co-Autor Dittert schaffen sehr schnell eine interessante, abwechslungsreiche und fantastische Welt inmitten eines märchenhaften Universums. Die Geschichte der Gildenschwestern erinnerte mich desöfteren an den Sonea-Zyklus von Trudi Canavan, denn auch hier faszinieren die Schilderungen in hohem Maße, obwohl oftmals gar nicht besonders viel passiert. Es sind wohl die realistischen und glaubwürdigen Gespräche zwischen den Protagonisten, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Aber auch die Tatsache, dass die unterschiedlichsten Lebewesen aufeinandertreffen, macht „Splitterwelten“ zu einem wirklich soliden Fantasyroman, der sich konsequent auf eine epische Ebene hocharbeitet. Sicherlich kennt man vieles aus anderen Romanen oder weltweiten Legenden, aber dennoch entwickelt sich eine eigenständige Geschichte aus diesen ganzen Zutaten, die schlichtweg immer mehr Lust auf mehr macht, je länger man mit den Protagonisten unterwegs ist. Schön ist auch, dass Peinkofer (und Dittert) eine Welt jenseits der allbekannten Zwerge, Drachen und Elfen zu erschaffen. Das Universum wirkt fast wie das eines Tad Williams.

Wie schon anfangs erwähnt, dauert es ein wenig, bis man sich zum einen in der Geschichte zurecht findet und zum anderen Emotionen zu den verschiedenen Figuren (und auch der Handlung) aufbaut. Und wenn es dann soweit ist, spürt man, dass der Plot von vorneherein groß angelegt ist und vielleicht auch gerade deswegen ein wenig Anlaufschwierigkeiten hat, die im Nachhinein nämlich gar keine mehr sind.  Trotz aller Versatzstücke, die man aus anderen Romanen. Filmen und Legenden kennt, hat Michael Peinkofer ein intelligentes und in sich stimmiges Handlungsgerüst aufgebaut, das neugierig auf den weiteren Verlauf macht. Gerade gegen Ende hin spitzen sich die Ereignisse zu und offenbaren eine tolle Wendung, die, wenngleich auch nicht unbedingt neu, ein vollkommen andere Dimension für den Plot eröffnet. Die Überraschung ist auf jeden Fall gelungen und lässt die Spannung auf den zweiten Teil enorm wachsen. Ich für meinen Teil mochte sowohl die Geschichte wie auch die Figuren und fühlte mich ab einem gewissen Zeitpunkt sehr wohl in der Story, zumal man wirklich aufgrund der flüssigen Schreibweise mittendrin und hautnah dabei ist. Die Charaktere sind sehr gelungen und wirken, auch bei den Tierwesen, sehr glaubhaft und sympathisch oder eben unsympathisch. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, wie es weitergeht.

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Fazit: Ein mit diversen Anleihen aus anderen Büchern und Filmen versehenes Fantasy-Epos, das einen absolut in seinen Bann schlägt.

Meine Meinung zum zweiten Teil kann man hier nachlesen: Splitterwelten 2 – Nachtsturm

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten