Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers

Moers

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Penguin Verlag
insgesamt 112 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-328-60071-8
Kategorie: Fantasy, Gegenwartsliteratur

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Wie feiert man Weihnachten in Zamonien? Gibt es überhaupt ein Weihnachtsfest in Zamonien?
Hildegunst von Mythennetz klärt uns auf und erzählt von einem Fest, das in der Tat viele Ähnlichkeiten mit unserem Weihnachtsbrauch hat, dort aber „Hamoulimepp“ genannt wird.

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Auf gewohnte Art und Weise entführt Walter Moers den Leser (und vor allem auch seine Fans) erneut in die zauberhafte Welt Zamoniens. Dieses Mal bringt er uns ein Fest nahe, das dem unsrigen Weihnachten sehr ähnelt. Witzig und auch sehr hintergründig rechnet Moers förmlich mit diesem Brauchtum ab, deckt Unstimmigkeiten und allerlei andere Dinge auf, die uns zum Nachdenken bringen (sofern man das nicht selbst schon seit Jahren tut 😉 ). „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ ist ein Buch, wie man es von Walter Moers erwartet, obwohl es weniger einen Abenteuercharakter vorweisen kann, wie es bei seinen anderen Werken der Fall ist, sondern eher dokumentarisch, ja, fast schon wie ein Sachbuch, wirkt. Das tut aber dem Unterhaltungswert absolut keinen Abbruch, zumal man zusätzlich zum Text auch noch mit wunderbaren Illustrationen von Lydia Rode belohnt wird. Rode war übrigens auch für die Zeichnungen in „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ verantwortlich. Die vorliegende, gebundene Ausgabe ist von der Ausstattung und seinem Erscheinungsbild ein wahres Schmuckstück. Aber auch das ist man von Walter Moers-Büchern schon gewohnt.

Wie könnte es auch anders sein, lässt Moers den Lindwurm Hildegunst von Mythennetz zu Wort kommen. Dieses Mal in Briefform, was dem Ganzen einen schönen Ausdruck verleiht. Jeder, der bei diesem Buch eine ausschweifende Abenteuergeschichte erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich aber auf einen solchen Briefwechsel, der zwischen den Zeilen übrigens viel mehr beinhaltet, als man auf den ersten Blick meinen mag, wird seine Freude an den sarkastischen Bemerkungen über das Hamoulimepp-Fest haben. Es ist absolut nicht zu überlesen, dass Walter Moers wohl ein Weihnachtsmuffel ist. Seine Darlegungen, geschickt hinter dem Mantel eines zamonischen Festes versteckt :), lassen den Leser an unglaublich vielen Stellen schmunzeln, weil man genau weiß, was gemeint ist. Alleine deswegen ist das Buch schon sein Geld wert. Walter Moers geht mit seinen letzten Büchern manchmal neue Wege, was ich persönlich absolut gut und auch in Ordnung finde, die eingefahrene Fangemeinde allerdings eher nicht. Moers versucht sich an neuen Dingen, bleibt aber seinem Stil doch immer treu und kehrt auch wieder mal zu seinen Wurzeln zurück. Was will man eigentlich mehr?

Die Werke von Walter Moers sprühen nur geradezu vor innovativen Ideen, so dass man diesem Buch / Briefwechsel vorwerfen mag, es sei ideenlos. Aber ist es das wirklich? Sind die Gegenüberstellungen zwischen unserem Weihnachten und dem zamonischen Hamoulimepp wirklich so lieblos und einfach gestrickt? Ich finde, dass es der besondere Schreibstil von Moers ausmacht, der die vielleicht tatsächlich einfache Grundidee dennoch zu etwas besonderem macht. Und, wie oben schon erwähnt, Moers‘ Worte und Sätze sollte man nicht immer nur oberflächlich lesen, sondern auch einmal zwischen den Zeilen nach Anspielungen auf andere Literatur suchen. Oftmals entdeckt und findet man nämlich was. Ich habe „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ genossen, vor allem auch die wirklich tolle und ansprechende Ausstattung, die das Buch zu einem ganz besonderen Leseerlebnis macht. Dennoch freue ich mich, wenn Walter Moers wieder einmal einen dicken, fetten Roman veröffentlicht, in den man sich über Tage einfach hineinfallen lassen kann. Das ist wahrscheinlich genau das, was viele LeserInnen bei den letzten Werken vermissen. Das bedeutet aber nicht, dass die letzten Veröffentlichungen von Walter Moers schlecht sind, sie sind einfach nur anders, und das ist gut so.

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Fazit: Walter Moers einmal anders. Für Fans ein Muss. Die Ausstattung ist zudem unglaublich ansprechend.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit von Michael Marrak

Marrak

Erschienen als Taschenbuch
im Amrun Verlag
insgesamt 110 Seiten
Preis: 8,00 €
ISBN: 978-3-95869-377-7
Kategorie: Science Fiction

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Ninive macht sich zusammen mit Aris auf den Weg, den Mond der Erde zu suchen, der seit einiger Zeit verschollen ist. Dazu muss sie sich zum Mittelpunkt der Zeit begeben, an der sich der gesuchte Himmelskörper anscheinend befindet. Eine Reise in unbekannte Gefilde eines faszinierenden Universum erwartet die beiden Wanderer.

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Schon auf der ersten Seite ist man zurück in Marraks genialem Roman „Der Kanon der mechanischen Seelen„. Die vorliegende Novelle führt den genannten Roman weiter, kann aber ohne weiteres auch als eigenständige Erzählung existieren. Erneut wird man mit den unmöglichsten Wortkreationen, was die Beschreibung verschiedener Wesen betrifft, konfrontiert und kann den Ideenreichtum des Autors schon während des Lesens nur mit einem ungläubigen Kopfschütteln bewundern. Ich kann gar nicht genug betonen, wie sehr ich Marraks „Rotorschnitzer“, „Wolkenschieber“ und „Gegenschaller“ liebe. Ich könnte mich unentwegt an diesen Schöpfungen satt lesen und bekäme wahrscheinlich nie genug davon. Ähnlich wie Walter Moers, aber dennoch wieder anders, kann Michael Marrak seine Leser in eine unglaubliche Welt entführen, die man schlichtweg nicht mehr verlassen möchte. Wie schon bei „Der Kanon mechanischer Seelen“ hatte ich bei dieser Kurzgeschichte, die im gleichen Universum spielt, während des Lesens ein Lächeln auf den Lippen. Mehr kann man von einer guten Geschichte nicht erwarten, oder?

Man trifft wieder auf Ninive und Aris, die im Hauptwerk dieses grandiosen Marrak-Universums ebenfalls die Hauptrolle innehat, und begleitet sie auf eine philosophische, abgedrehte und vollkommen verrückte Reise ins Zentrum der Zeit. Wie kein anderer beherrscht Michael Marrak es, solch eine fremde Welt derart detailliert zu beschreiben, dass sie vor dem inneren Auge des Lesers absolut realistisch zum Leben erweckt wird, obgleich man ganz genau weiß, dass es solche Universen nicht gibt. Schade eigentlich. 😉
Verfasst zur Wiedereröffnung der Bibliothek des Goethe-Instituts in Dublin, widmet sich diese Novelle natürlich auch der Thematik Buch und Bücherei. Auch hier erschuf Marrak trotz der geringen Seitenzahl der Geschichte unglaublich skurrile Begebenheiten, in denen Bücher angekettet in einem Kerker für brisante Schriften gefangen gehalten werden oder eine Wächterin, die mit ihrem literarischen Substrat verwachsen ist. Wie schon erwähnt, man möchte dieses Universum gar nicht mehr verlassen und hofft unweigerlich darauf, dass Marrak die Abenteuer von Ninive fortführt. Da komme ich dann auch schon auf einen klitzekleinen Kritikpunkt, der allerdings nicht überbewertet werden sollte ;), denn ich habe eindeutig ein paar Protagonisten in „Die Reise zum Mittelpunkt der Zeit“ vermisst. Es handelt sich dabei um Küchengeräte, die Ninive im Hauptroman begleitet haben. Wie gerne hätte ich auch sie wieder mit ihrem unvergleichlichen Humor wieder getroffen, aber das kann ja noch werden …

Hochwertige Science Fiction, gepaart mit Fantasy und einem gehörigen Schuß philosophischer Melancholie erwartet den Leser bei der vorliegenden Novelle. Und wem das Büchlein zu kurz ist, weil er der Sucht nach der fantastischen Welt ebenfalls verfallen ist, kann anschließend zum epischen Roman greifen (soweit er ihn noch nicht kennt), der weitaus ergiebiger Marrraks phänomenalen Ideen über einen ergießt. Michael Marrak verwebt geschickt unendlich viele Anspielungen anderer Meisterwerke und Klassiker zu einem selbständigen Epos, das seinesgleichen sucht. Zu Recht wurde das Hauptwerk „Der Kanon mechanischer Seelen“ im Jahr 2018 mit dem „Seraph“ und auch dem „Kurd Laßwitz-Preis“ als bester Roman  ausgezeichnet. Die vorliegende Novelle reiht sich qualitativ uneingeschränkt in die Geschichten des Hauptromans ein. Ich bin, wie immer, begeistert. Michael Marraks Werke schreien nach einem größeren Publikum.

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Fazit: Eine Novelle wie ein märchenhafter Traum. Gelungene Rückkehr ins Kanon-Universum.

© 2018  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Anansi Boys von Neil Gaiman

Anansi

Erschienen als Broschur
im Eichborn Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 14,00 €
ISBN: 978-3-8479-0650-6
Kategorie: Fantasy, Mystery, Belletristik

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Fat Charlie Nancy führt ein ruhiges, unscheinbares Leben.
Bis sein Bruder Spider wie aus dem Nichts auftaucht, der das genaue Gegenteil zu Charlie darstellt. Er ist gutaussehend, witzig, charmant und auch ein wenig selbstverliebt. Und er offenbart seinem Bruder, dass sie von einem Gott  namens Anansi abstammen. Ab diesem Zeitpunkt verläuft Charlys Leben alles andere als langweilig …

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Wo Neil Gaiman draufsteht, ist auch definitiv Neil Gaiman drin. So auch in seinem neuesten, im Eichborn Verlag erschienen „Anansi Boys“. Als Fortsetzung zum grandiosen „American Gods“ angepriesen, offenbarte sich mir die geniale Geschichte um zwei Brüder allerdings eher wie ein Prequel. Der Roman stellt sozusagen den „Werdegang“ von Charles Nancy dar, der eigentlich eine Nebenrolle in „American Gods“ innehatte. Doch egal ob Prequel, Sequel oder Spin-Off – „Anansi Boys“ macht unglaublichen Spaß. Sicherlich fühlt man sich beim Namen Nancy an Gaimans Götterkrieg erinnert, aber die Geschichte könnte durchaus auch als eigenständige Story bestehen. Mit einem wunderbaren Humor und innovativen Ideen lässt uns Gaiman an der Wiederbegegnung zweier Brüder teilnehmen, die schriller nicht sein könnte. Der Ideenreichtum, der „Anansi Boys“ durchströmt, ist in gewohnter Neil Gaiman-Qualität und lässt einen das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr versinkt man im Plot.

Gaimans teils philosophische, teils skurrile Erzählweise macht diesen Roman zu einem aberwitzigen Abenteuer. Das Buch ist zwar nicht so vielschichtig wie sein „großer Bruder American Gods“, kümmert sich aber dafür mehr um die Charaktere. Man muss sich allerdings auf Gaimans Stil und Ideen einlassen können, um die Geschichte vollends genießen zu können. Wer einen „einfachen“ Roman erwartete, wird mit der Komplexität der  Handlung und auch der Protagonisten überfordert sein und schnell die Lust am Weiterlesen verlieren. „Anansi Boys“ wirkt wie ein Märchen für Erwachsene oder wie eine Parabel auf das eigene Leben, in dem auch nicht immer alles so läuft, wie man sich das gewünscht hätte. Humorvoll erzählt Gaimann eine Geschichte über Bruderliebe und auch Bruderhass, über die Liebe und die Anstrengungen, sein Leben unter Kontrolle zu bringen. Es steckt viel zwischen den Zeilen, wenn man sich die Zeit nimmt und den Roman genauer liest. Und wenn man dann an die Stelle kommt, in der die Protagonisten ein Lied singen (ein Lied, das die Welt und die eigene Persönlichkeit erschafft), dann sollte man sich fallen und treiben lassen können. Denn diese Szene ist in höchstem Maße philosophisch und einfach nur wunderschön.

Neil Gaiman ist und bleibt ein Ausnahmetalent in der Literaturszene und ich bin immer wieder hocherfreut, dass sich Verlage an solche Werke herantrauen. Denn in einer Welt, in der oftmals nur oberflächliche Romane zu Bestsellern werden, haben Geschichten wie die von Neil Gaiman eigentlich keine Chance. Umso schöner, dass sich der Eichborn Verlag Gaimans „American Gods“ und nun auch den „Anansi Boys“ angenommen hat. Das ist große Literatur, die einem hier geboten wird. Voller Ideen, die einen zum Nachdenken bringen, voller skurriler Einfälle, die einen zum Lachen bringen und voller philosophischer Gedankengänge, die einen melancholisch machen. Perfekte Unterhaltung, wie sie besser nicht sein könnte. Fast möchte man sagen, dass es sich bei Neil Gaiman um einen seiner Götter handelt, die er so glaubwürdig beschreibt. Dann wäre er wohl der Gott der literarischen Vielfalt. Gaiman beherrscht die Sprache, zumindest seine eigene Erzählsprache ;), und konstruiert bisweilen geniale Wortgebilde, die man schon auch mal zweimal lesen muss, bis sie sich einem erschließen. Ich freue mich schon sehr auf neue Werke dieses Schriftstellers, der mich noch mit keinem einzigen seiner Bücher enttäuscht hat. So verdient auch „Anansi Boys“ aus meiner Sicht die volle Punktzahl.

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Fazit: Grandios erzähltes und mit allerlei verrückten Ideen gespicktes Märchen für Erwachsene.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ulldart – Die komplette Saga 3 von Markus Heitz

ulldart

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1360 Seiten
20,00 €
ISBN: 978-3-492-28133-1

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Nach einer gewaltigen Schlacht ist nun doch endlich Frieden auf Ulldart eingekehrt. Doch Lodriks erste Frau Aljascha will die Herrschaft über das Reich Tarpol an sich reißen. Plötzlich scheint der Frieden gefährdet, denn an der Westküste erscheint eine mysteriöse Kriegsflotte. Und dann versucht sich auch noch Lodriks Tochter in der nekromantischen Magie und plant, ein Heer aus Seelen um sich zu versammeln. Es ist ein Amulett, das über Sieg oder Niederlage der dunklen Mächte entscheidet …
Der Sammelband beinhaltet die Bände der Trilogie „Zeit des Neuen“
Band 1: Trügerischer Friede
Band 2: Brennende Kontinente
Band 3: Fatales Vermächtnis

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Nach dem sechsten Band war eigentlich Schluss mit der Geschichte um den Kekskönig Lodric. Doch der Erfolg dieser Serie verschaffte Markus Heitz die Möglichkeit, eine anschließende (und abschließende) Trilogie um Ulldart zu verfassen, die nun im vorliegenden Sammelband komplett vorliegt. Nach einer kurzen Zusammenfassung, durch die man sich wieder sehr schnell in die Ereignisse der vorangegangenen Bände einfindet, beginnt dann also das neue Abenteuer. Und wie … 🙂
Die Stimmung und das Niveau sind genauso wie in den ersten sechs Bänden. Heitz treibt die Handlung geschickt voran, so dass man schnell vergisst, dass nach dem sechsten Buch eigentlich Schluss sein sollte.

Man sollte sich nicht von dem Titel „Zeit des Neuen“ irritieren lassen, denn Markus Heitz lässt in diesen drei neuen Folgebänden die Handlung sogar noch düsterer erscheinen als in den Bänden 4 bis 6. Viele mochten diese Entwicklung nicht, weil sie aufgrund des Titels damit gerechnet hatten, dass sich Ulldart wieder zu einer strahlenden Welt entwickelt. Aber weit gefehlt … Doch mir persönlich hat gerade diese Entwicklung gefallen, diese trostlose Atmosphäre, die sich über die Handlung legt und eine ganz eigene Stimmung erschafft. Heitz lässt sich viel Neues einfallen, kehrt aber immer wieder zu seinen Ursprüngen zurück, so dass sich diese ’neue‘ Trilogie aus meiner Sicht nahtlos an die Vorgängerbücher anschließt und die Geschichte um den Kontinent gelungen abschließt und auch abrundet. Man sieht am Ende staunend auf Tausende von Seiten zurück und fragt sich, wie Markus Heitz auf diese Unmengen an Ideen und Charakterzeichnungen kommt. Insgesamt gesehen ist die Ulldart-Saga schlichtweg episch und atemberaubend.

Aufgrund des wirklich sehr angenehmen und flüssigen Schreibstils passiert im dritten Sammelband der Saga letztendlich genau das gleiche wie bei den beiden vorherigen: Man liest die Seiten trotz des gigantischen Umfangs relativ schnell weg, weil man sich von der Handlung äußerst schlecht lösen kann. Markus Heitz schafft auch hier wieder das kleine Wunder, dass man sich in den umfangreichen Handlungssträngen und verzwickten Entwicklungen letztendlich doch nicht verstrickt und die Übersicht (und respektive dann die Lust zum Weiterlesen) verliert. Man möchte wissen, was den einzelnen Charakteren widerfährt und ertappt sich des Öfteren dabei, dass man „nur noch ein paar Seiten“ liest. Heitz kann wunderbare Welten erschaffen und vermag auch mit den abschließenden drei Bänden des Ulldart-Epos seine Leser in den Bann zu ziehen. Und erstaunlich ist, dass man nach knapp 4.700 Seiten (wenn man den gesamten Zyklus sieht) im Grunde genommen eigentlich doch nicht genug von Ulldart hat. Alleine das ist ein Zeichen von hohem Unterhaltungswert, wie ich finde.

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Fazit: Düstere Fortsetzung des Ulldart-Zyklus. Einfach magisch.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ulldart – Die komplette Saga 2 von Markus Heitz

ulldart

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1888 Seiten
22,00 €
ISBN: 978-3-492-28132-4

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Nach der Schlacht von Telmaran rechnet man in Ulldart, dass sich die alte Prophezeiung nun endgültig erfüllt. Lodrik ist weiterhin unter dem Einfluss dämonischer Kräfte und seine Verbündeten sitzen in den Gefängnissen von Tarpol. Da taucht plötzlich ein Junge auf, der allem Anschein nach Lodriks Sohn Lorin ist. Doch Lodrik seht sich nach Frieden, während die Rogogarder und Kensustrianer noch weiterhin Widerstand leisten. Eine Vereinigung der Königreiche rückt zwar in greifbare Nähe, doch im Hintergrund werden Intrigen gegen Lodrik geschmiedet.
Doch dann taucht Goran auf, Lodriks Erstgeborener, und setzt alles daran, dass sich die Prophezeiung einer Dunklen Zeit doch noch erfüllt …

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In gewohnt hohem Niveau geht die Saga um Ulldart von Markus Heitz weiter. Schon nach wenigen Seiten fühlt man sich in die Stimmung der ersten drei Bände zurückversetzt, wenngleich man anfangs leichte Schwierigkeiten hat, sich an einzelne Personen zu erinnern oder ihre Stellung in der Gesamthandlung zu finden. Aber, wie gesagt, es dauerte nicht lange und man findet sich in der Geschichte wieder zurecht und durch ein paar verstreute Rückblicke auf vergangene Ereignisse erkennt man auch schon bald wieder die Zusammenhänge. Sicherlich drängt sich da an manchen Stellen der Vergleich mit George R.R. Martins „Das Lied von Feuer und Eis“ („Game Of Thrones“) auf, aber Heitz geht einen anderen, eigenständigen Weg in seiner Welt voller Krieg und Intrigen. Auch in den vorliegenden Bänden 4 bis 6 spürt man, dass der Autor seine Geschichte durchdacht hat.

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch, dass Markus Heitz sich selbst treu bleibt und in der Ulldart-Saga keine Elfen, Zwerge, Orks oder Drachen erscheinen lässt. Es ist ein Fanatsy–Roman, der von Menschen handelt, von ihrer Suche nach Weltfrieden, aber auch ihrem Streben nach Macht, bei dem sie über Leichen gehen. Vielleicht sind es gerade die fehlenden Fantasiegeschöpfe, die dieser Reihe eine gewisse Authentizität verleiht, die man als Fan von Fantasyliteratur genießt, weil sie schlichtweg mal etwas anderes serviert. Die Charakterisierung der Protagonisten geht auch in den mittleren drei Bänden der Saga konstant weiter und man erfährt wieder einiges über die liebenswerten, aber auch hassenswerten Personen. Wie schon bei den ersten Bänden widmet Heitz seine Kapitel immer wieder einem anderen Protagonisten, so dass man schon bald in einen angenehmen Lesefluss der Geschichte gerät. Hin und wieder ertappte ich mich dabei, wie ich an die ersten beiden Teile der Geschichte zurückdachte und mir immer wieder in Erinnerung rief, welch epischen Ausmaße die eigentlich sanft beginnende Geschichte angenommen hat. Das zeigt, das Markus Heitz den Spannungsbogen langsam Band für Band höher schraubt und der Story immer gewaltigere Ausmaße verleiht. Das schafft nicht jeder Autor so konsequent.

Markus Heitz schlägt bei den mittleren drei Bänden der Saga (insgesamt neun Teil) einen weitaus düstereren Weg ein als bei den Einstiegsbüchern. Gerade das macht dem Leser aber immer wieder deutlich, wie sich die Ereignisse in Ulldart überschlagen und in Zukunft noch entwickeln werden. Denn vieles deutet immer mehr auf ein unheilvolles, episches Finale hin. Diese konsequente Schaffung einer düsteren, fast schon aussichtslosen Atmosphäre machen den vorliegenden Sammelband zu einem wahren Erlebnis für Freunde von epischer High Fantasy, den man schlecht aus der Hand legen mag, wenn man mal von dem fast zweitausend Seiten umfassenden, und daher leicht unhandlichen Wälzer absieht. 😉
Immer wieder dachte ich mir beim Lesen, dass eine solche Sammlerausgaben, wie Piper sie nun vorlegt (jeweils drei Bände in einem Sammelband) als gebundene Ausgaben eventuell besser funktioniert hätten, weil sie mehr „her gemacht“ hätten. Aber auch als broschierte Ausgabe kann man diesen zweiten Sammelband, wie schon den ersten, uneingeschränkt empfehlen.

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Fazit: Band 3 bis 6 der Ulldart-Saga in einem Band. Niveauvolle und spannende High Fantasy.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Fall von Gondolin von J.R.R. Tolkien – herausgegeben von Christopher Tolkien

gondolin

Erschienen als gebundene Ausgabe
in der Hobbit Presse (Klett-Cotta)
insgesamt 352 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-608-96378-6
Kategorie: Fantasy

Die größten Gegner Mittelerdes stehen sich gegenüber: Morgoth, die Personifizierung des Bösen und Ulmo, der Herr der Meere, Seen und Flüsse. Morgoth ist auf der Suche nach der verborgenen Elben-Stadt Gondolin, denn Turgon, König dieser Stadt, wird von Morgoth gehasst, weshalb er versucht, Gondolin zu finden und zu zerstören. Ulmo sendet den jungen Tuor nach Gondolin, um zum einen die Stadt und ihren König zu retten und zum anderen, zusammen mit den Bewohnern gegen das Böse in den Krieg zu ziehen.

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Der mittlerweile 94 Jahre (!!!) alte Christopher Tolkien hat ein neues Kapitel im Mittelerde-Epos aufgeschlagen und entschlüsselt. Mit einer unglaublichen Akribie und Kenntnis über die Arbeit seines Vaters präsentiert Christopher Tolkien die Geschichte um den Fall Gondolins in sämtlichen existierenden Fassungen und gibt in detailliert geschilderten Kapiteln Aufschluss über die Entstehung und Zusammenhänge. Es ist atemberaubend, wie sich für den interessierten Tolkien-Leser und -Fan Lücken im Gesamtwerk um Mittelerde schließen und man fasziniert erkennt, wie viele Geschichten (auch „Der Herr der Ringe“) miteinander verbunden sind. Sicherlich sind diese Zusammenhänge für den wahren Tolkien-Fan nichts Neues, aber Christopher Tolkien schafft eine sehr hypnotische Stimmung, wenn er die titelgebende Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht und Textfragmente aus dem Erbe seines Vaters wie ein Puzzle zusammensetzt, um ein ganzes Bild zu bekommen.

Fast mutet das Buch wie eine Detektivarbeit an, bei der der Leser aktiv teilnimmt, weil der Autor ihn an seinen Überlegungen hautnah dabei sein lässt. Ich konnte mich sehr schlecht von den „Ermittlungen“ losreißen und war neugierig, wie sich die verschiedenen Geschichten, die Tolkien um die selben Begebenheiten verfasst hat, letztendlich doch wieder zusammenfügen. Christopher Tolkien hat, wie schon bei „Die Kinder Húrins“ und „Beren und Lúthien“, wieder hervorragende Arbeit geleistet und konnte mich mit seinen Überlegungen und Schlussfolgerungen vollends überzeugen. Am Ende war ich traurig, dass die Recherchen nicht noch weitergingen, so sehr hat mich der Sohn in das Werk seines Vaters versinken lassen.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte, nämlich dem „Fall von Gondolin“:
J.R.R. Tolkien hat, wie bei all seinen Geschichten, eine Welt erschaffen, der man sich schlichtweg nicht entziehen kann. So auch bei der vorliegenden Geschichte, die sich liest wie eine wahre Begebenheit, die über Jahrtausende von Mund zu Mund weitererzählt wurde. „Der Fall von Gondolin“ klingt wie ein Märchen, wie eine Fabel, aber auch wie eine Legende. Interessant ist auch, wie einerseits unschlüssig und andererseits detailliert Tolkien an diesen Zeitabschnitt von Mittelerde heranging. Die verschiedenen Versionen der Geschichte zeigen, dass er permanent an der Entwicklung der Begebenheiten gearbeitet hat, sie von vielen Seiten aus beleuchtet hat und (wahrscheinlich) unsicher war, welche der Versionen seiner Vision am nähesten kam. Letztendlich fügen sich die verschiedenen Herangehenswesen an den „Fall von Gondolin“ beim Leser am Ende zu einer einzigen, allumfassenden Geschichte zusammen, die von der Atmosphäre auch schon mal an sein Magnus Opus „Der Herr der Ringe“ erinnert. Absolut gelungen sind die unterstützenden Illustrationen von Alan Lee, die das Abenteuer auch noch visuell optimal unterstreichen. Wenn man das Buch zuschlägt, meint man tatsächlich, man hätte eine Art Film gesehen, der, unterstützend durch die Kommentare Christopher Tolkiens, eine Art Dokumentation geworden ist. Fans von J.R.R. Tolkien sollten keine Sekunde überlegen, sich dieses tolle Werk anzuschaffen. Alle anderen, die einmal einen Einblick in Tolkiens Schaffen außerhalb „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ riskieren möchten, lege ich dieses Buch ebenfalls nahe. Vor allem durch die erklärenden Worte des Sohnes erhält die Geschichte eine ganz besondere Tiefe, die man nicht so schnell vergisst.

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Fazit: Wunderbarer Ausflug nach Mittelerde mit dokumentarischem Touch. Volle Punktzahl!

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Splitterwelten 3 – Flammenwind von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
364 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26990-2

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Kalliope und ihre Gefährten versuchen, das Geheimnis der Magierin Harona zu ergründen. Was steckt hinter ihrer Macht und was hat sie vor? Kalliope und ihre Freunde reisen nach Ethera und finden dort eine Antwort, die die Existenz sämtlicher Weltensplitter bedroht …

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Es geht weiter mit Kalliope … und selbst wenn einige Zeit zwischen dem vorliegenden, abschließenden Band und seinen beiden Vorgängern verstrichen ist, so fällt der Einstieg nicht wirklich schwer. Man findet sich schnell wieder im Splitterwelten-Universum zurecht und schließt sofort wieder Freundschaft mit den liebenswerten Protagonisten. Geschickt werden auch vergangene Geschehnisse in die aktuelle Handlung eingebaut, so dass man auch den Überblick über das Gesamtgeschehen nicht verliert und sich schnell wieder auf einem guten Kenntnisstand befindet. Die Splitterwelten-Saga von Christoph Dittert und Michael Peinkofer macht, wie schon die ersten beiden Bände, unglaublich Spaß. Erstaunlicherweise verhält es sich auch wieder hier so, dass sich der Schreibstil der beiden Autoren perfekt vermischt, so dass man meint, nur ein einzelner Autor hätte den Roman geschrieben. Ich muss sagen, die Symbiose der beiden Schriftsteller passt perfekt. 😉

Das Abenteuer geht also weiter. Und es geht sehr rasant weiter. Nach einem Einstieg, der NICHT das Cliffhanger-Ende des zweiten Bandes fortführt :), kehrt der Leser dann endlich zurück in den Handlungsstrang von Kalliope und ihren Gefährten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist man wieder von der Handlung vollkommen gefangen und denkt, man hätte Teil 2 nicht vor einem Jahr, sondern vor einem Monat zur Seite gelegt. Wie erwartet, entwickelt sich der abschließende Band der Trilogie zu einem epischen Kampf, der sehr bildhaft im Kopfkino des Lesers abläuft und keine Wünsche offen lässt. Drama, Humor, Action und Fantasy vermischen sich perfekt zu einem Szenario, das man schon während des Lesens nicht verlassen möchte und schon gar nicht, wenn man das Buch am Ende zuschlägt. Die drei „Splitterwelten“-Romane sind ein intensives Lesevergnügen, das man gerne noch einmal lesen möchte. Die Entwicklung der Charaktere im letzten Band fand ich sehr schön und plausibel dargestellt, vor allem auch die Beziehung zwischen Kalliope und ihrer Jugendfreundin Prisca. Die Freundschaft, die die beiden verbindet, wurde trotz diverser Differenten sehr gut beschrieben. „Flammenwind“ war, wie von Peinkofer (und Dittert) gewohnt, ein echter Pageturner, der sich innerhalb kürzester Zeit einfach so weglesen lässt. Manchmal gibt es einfach Bücher, die lesen sich sozusagen von selbst 😉 – und genau so eines ist auch „Splitterwelten 3 – Flammenwind“.

Freunde von High Fantasy und klassischer Fantasy kommen auch hier wieder auf ihre Kosten. Und die Animalen (die Tier-Protagonisten dieser Reihe) sind wieder dermaßen erfrischend, dass es eine wahre Freude ist, ihnen bei ihren Dialogen und Monologen „zuzuhören“. Ich habe mich immer wieder gefreut, wenn die Autoren wieder auf den Handlungsstrang mit dem Pantheriden und Chamäleoniden schwenkten. Und, genau so, wie ich es erwartet habe, führen die beiden Autoren die Geschichte um die Zukunft der Splitterwelten mit einem sehr rasanten Spannungsbogen fort, dem man sich einfach nicht entziehen kann. Ich könnte mir eine Verfilmung der drei Bände sehr gut vorstellen. Das Finale würde als Film wahrscheinlich sogar noch besser funktionieren als im Buch. Die lebendigen Charaktere und die komplexe, originelle Handlung machen aus dem abschließenden Splitterwelten-Roman ein Highlight, das aber nur in Verbindung mit den vorherigen Bänden funktioniert. Insgesamt rundet der finale Teil die spannenden Abenteuer mit jeder Menge überraschender Wendungen das Gesamtbild optimal ab und hinterlässt beim Leser (zumindest bei mir) einen bleibenden Eindruck. Und auch wenn die Ideen nicht alle unbedingt neu sind, so haben Dittert und Peinkofer ein wunderbares, fantastisches Universum erschaffen, an das man immer wieder gerne zurückdenkt. Mehr kann man doch von einem Fantasy-Roman gar nicht erwarten, oder? 😉

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Fazit: Gelungener Abschluß einer fantastischen Trilogie mit starken Charakteren und einer stimmungsvollen Geschichte.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Gork – Der Schreckliche von Gabe Hudson

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Erschienen als gebundene Ausgabe
in der Hobbit Presse (Klett-Cotta)
insgesamt 432 Seiten
Preis: 20,00 €
ISBN: 978-3-608-96268-0
Kategorie: Fantasy, Humor

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Gork ist ein Teenager-Drache, der auf der Suche nach einer Partnerin für die EierLege, einem Fortpflanzungsfest, ist. Runcita heißt die Auserwählte, die aber erst einmal kein Interesse an Gork zeigt. Hinzu kommt, dass Gork nicht nur um das Herz seiner Angebeteten kämpfen, sondern sich auch gegen gemeine Rivalen behaupten muss. Keine leichte Aufgabe für einen Drachen in der Pubertät …

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Hmmm, ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, zumal es mit Werken von Terry Pratchett und /oder Douglas Adams verglichen wurde. Okay, am Anfang hat das Konzept bei mir auch noch funktioniert und ich habe mich unterhalten und auch manchmal amüsiert. „Gork“ mit Pratchett oder Adams gleichzusetzen ist allerdings sehr weit hergeholt und trifft meiner Meinung nach definitiv nicht zu. Hudson geht einen anderen Weg und besitzt einen anderen Humor als die beiden genannten, der mir persönlich nicht besonders zusagte. Wie schon gesagt, anfangs sprang eine Art Funke über, der aber mit jeder Seite, die ich mehr las, immer mehr verglühte und schließlich ganz verschwand. Letztendlich nervten mich die immer wiederkehrenden Witze um den „grünen, geschuppten Arsch“ und ich konnte einfach nicht mehr darüber lachen. Und auch wenn es lustig sein soll, Tolkien als Tolkien-Trottel oder minderbemittelten Mistkerl zu beschreiben finde ich schon irgendwie grenzwertig, Spaß hin oder her, „Der Hobbit“ als sinnfreies Geschreibsel zu bezeichnen finde ich nicht wirklich witzig. Humor ist für mich schon etwas anders. Aber da sind die Geschmäcker wohl verschieden.

Gabe Hudsons Schreibstil würde ich nicht als niveauvoll bezeichnen, sondern eher als flapsig jugendlich, was für mich nach einer gewissen Seitenzahl auch ein leichtes Ärgernis darstellte. Manchmal fühlte ich mich an Walter Moers erinnert, der allerdings bedeutend niveauvoller und literarischer arbeitet, so dass es mir bisweilen vorkam, als wolle Hudson den genannten Autoren (womöglich Hudsons literarische Vorbilder) nacheifern, was ihm allerdings leider nicht gelang. „Gork“ hat sicherlich einige, wenngleich wenige, Lichtblicke, die Spaß machen und immer wieder hoffen lassen, dass sich der Plot (und der Humor) ändert. Aber zumindest ich wurde leider immer wieder aufs Neue enttäuscht. „Gork“ vermischt einen niedlichen „Tabaluga“-Drachen mit herbem Humor und macht sich selbst zu einem Roman-Hybriden, der nicht genau weiß, ob er in die Sparte „Jugend- / Kinderbuch“ oder „Erwachsenenmärchen“ a la Walter Moers gehört. Um mit letzterem konkurrieren zu können, fehlt „Gork“ allerdings jeglicher Tiefgang.

Ganz so schlimm, wie meine Worte klingen mögen, ist „Gork“ nun doch auch wieder nicht. Und für jemanden, der humorige Fantasy mag, dürfte das Buch zumindest einen Blick wert sein. Unterhaltung ist gegeben und der relativ einfach gestrickte Plot um den niedlichen, tollpatschigen Drachen hat einen gewissen Reiz, das will ich nicht abstreiten. Mein Fall war es leider nicht, zumal ich bei einem Buch, das in der Hobbit Presse erscheint, einfach mehr Niveau oder literarische Ausgefeiltheit erwartet habe. Mich hat „Gork – Der Schreckliche“ leider nicht überzeugt, obwohl ich mir gewünscht hätte, er hätte es getan.

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Fazit: Einfach konstruiert und mit einem gewöhnungsbedürftigen Humor ausgestattet. Mein Fall war es leider nicht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Im Turm von Josiah Bancroft

Im Turm von Josiah Bancroft

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31950-9
Kategorie: Fantasy

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Der Lehrer Thomas Senlin wollte zusammen mit seiner Frau das Weltwunder, den Turm zu Babel, besuchen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft, wird das Paar getrennt. Senlin macht sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Frau und muss feststellen, dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als den Turm zu betreten. Im Inneren des gewaltigen Bauwerks erwarten ihn außergewöhnliche Welten, die sich mit jeder Etage verändern und neue Wunder hervorbringen. Mit jedem Stockwerk, das sich Senlin emporarbeitet, erwarten ihn neue Abenteuer. Und er hat keine Ahnung, wie hoch er gehen muss, um seine Frau zu finden, denn niemand weiß, wie hoch dieser Turm ist …

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„Im Turm“ fängt sehr stimmungsvoll an und lässt die Erwartungshaltung des Lesers schon nach den ersten Seiten in die Höhe schnellen. Bancroft schreibt sehr bildhaft und man ist sofort mittendrin im Geschehen. Alleine schon die Ausgangssituation, in die der Autor den Leser wirft, lässt Großes und Episches ahnen. Und in der Tat, je mehr Seiten man von diesem beeindruckenden Debüt liest, desto epischer wird die Geschichte – zumindest im Kopf des Lesers, denn leider versäumt Bancroft des öfteren, etwas genauer auf die verschiedenen Stockwerke / Welten einzugehen, so dass vieles dem Kopfkino des Lesers überlassen bleibt. Was eigentlich nicht schlimm ist, sondern für die Fähigkeiten des Autors spricht, wenn es sich so verhält. Aber bei manchen Begebenheiten hätte ich mir mehr Details gewünscht. Das tut aber dem Unterhaltungswert des Romans dennoch keinen Abbruch.

Manchmal fühlte ich mich tatsächlich an den Film „Snowpiercer“ erinnert, wo ein Zug durch eine apokalypische Welt rast und sich in jedem Waggon sozusagen eine eigene, kleine Welt befindet. „Im Turm“ arbeitet mit der gleichen Grundidee und entführt sowohl den Protagonisten wie auch den Leser in eine Fülle verschiedener Welten, die jeweils ein Stockwerk des gigantischen Bauwerks einnehmen. Da es sich um einen Debütroman handelt, muss auf jeden Fall der sehr angenehme und niveauvolle Schreibstil erwähnt werden, der alleine schon das Buch lesenswert macht. Hinzu kommen die außergewöhnliche Ideen, mit denen Bancroft aufwarten kann. „Im Turm“ ist der erste Teil einer Trilogie und man merkt während des Lesens, dass der Autor seine Handlung gemächlich (was nicht negativ zu werten ist) aufbaut. Der Roman hat eindeutig Potential nach oben und ich bin mir ziemlich sicher, dass Josiah Bancroft seinen Plot genau geplant hat, um mit jedem Band eine Steigerung in der Story zu schaffen.

„Im Turm“ mit Tolkiens „Der Hobbit“ zu vergleichen finde ich etwas unpassend. Außer dem Abenteuercharakter der Geschichte haben die beiden Handlungen herzlich wenig zu tun. Bancrofts Debüt spielt in einem völlig anderen Universum, das in vielen Belangen sogar unserer Realität gleicht und definitiv nicht an eine „Mittelerde“-Stimmung heranreicht. Aber das ist es auch, was den Fantasyroman in meinen Augen so außergewöhnlich macht, denn Bancroft geht einen eigenen, neuen Weg. Er hat zwar einen Fantasyroman geschrieben, aber dennoch in einigen Belangen Bezüge zu unserer wirklichen Welt geschaffen. Wie anfangs schon erwähnt, denke (und hoffe) ich, dass in dem manchmal zäh wirkenden Aufbau Absicht steckt, um in den Folgebänden das verfügbare Potential dieser Story weiter auszuschöpfen. „Im Turm“ wird ein Roman sein, der erst nach dem Lesen seine volle Wirkung im Gehirn bei manchen Lesern entfalten wird, weil die Bilder einfach hängenbleiben. Ich fand den Einstieg der Trilogie auf jeden Fall sehr erfrischend und freue mich schon auf die letzten Teile. Man spürt schon ein leichtes, erwartungsvolles Kitzeln im Bauch, wenn man die Karte des Turms im Buch ansieht und sich vorstellt, was in den weiteren Stockwerken noch alles auf den Protagonisten zukommt. Das Cover ist absolut toll gelungen und ein echter Hingucker. Schade finde ich, dass (wieder einmal, wie leider mittlerweile im Verlagswesen üblich) keinerlei Hinweis vermerkt ist, dass es sich um keinen eigenständigen, abgeschlossenen Roman handelt, sondern um den ersten Teil einer Trilogie. Wahrscheinlich will man damit erreichen, dass das Buch schon jetzt gekauft wird und die Leser nicht so lange warten, bis der komplette Zyklus erschienen ist (was für mich schon auch nachvollziehbar wäre). Aber ein Hinweis wäre dennoch schön gewesen, damit der Leser weiß, auf was er sich da einlässt.

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Fazit: Beeindruckendes und noch ausbaufähiges Erstlingswerk, das den Beginn eines großen Abenteuers darstellt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Arkane – Das Haus der Drachen von Pierre Bordage

Arkane von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 608 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31914-1
Kategorie: Fantasy

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Bei einem brutalen Anschlag werden Oziels Eltern, die eine der sieben Machthaber der Stadt darstellen, getötet. Das Land droht durch dunkle Mächte zu zerfallen. Während sich Oziel auf die Suche nach ihrem verschollenen Bruder macht, von dem sie erwartet, dass er Arkane vor dem Untergang bewahren kann, macht sich der Zauberlehrling Renn ebenfalls auf die Reise, um das Schlimmste zu verhindern.

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Ich kenne und schätze Pierre Bordage nur als Verfasser von spannenden und interessanten Science Fiction-Geschichten, so das sich sehr gespannt war, was er im Sektor des Fantasy-Romans auf die Beine stellen würde. Bordage hat mich keinesfalls enttäuscht und hat eine sehr authentische Welt erschaffen, bei der man allerdings gerade am Anfang der Geschichte etwas Schwierigkeiten hat, sich zurechtzufinden. Eine Karte wäre vielleicht ein wenig hilfreich gewesen, um sich die Welt besser vorstellen zu können. Aber im Laufe der Geschichte findet man sich dann letztendlich doch zurecht und begleitet die beiden Haupt-Protagonisten Oziel und Renn gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise. Bordage geht allerdings keinen neuen Weg, sondern bedient sich bereits bekannten Mitteln des Fantasyromans, wie man sie von anderen Werken kennt. Was ich damit sagen will, ist, dass es sich bei „Arkane“ um einen von vielen Fantasy-Romanen handelt, die machtpolitische Intrigen a la „Game of Thrones“ behandeln. Das bedeutet nichts schlechtes, hebt aber den Roman schlichtweg nicht aus der Masse heraus.

Bordage hat seine Welt sehr detailreich und glaubwürdig gestaltet, keine Frage. Auch die Charaktere handeln stets nachvollziehbar und werden einem im Laufe des Buches immer sympathischer. Der Aufbau der Handlung verläuft langsam, was ich als positiv empfinde, weil sich Bordage einfach Zeit lässt, was viele Leser aber unter Umständen als langatmig empfinden könnten. Irgendwann bemerkt man, dass es sich bei „Arkane – Das Haus der Drachen“ um den Einstieg eines mehrteiligen Werkes handelt, denn zu komplex ist die Handlung, die sich mittels mehrere Stränge spannungstechnisch stetig nach oben schraubt. Schade finde ich allerdings, dass nirgends darauf hingewiesen wird, dass es sich bei diesem Buch um den Auftakt einer Serie handelt, denn mit diesem Vorwissen wäre ich mit Sicherheit ganz anders an die Story herangegangen. So aber wird einem gegen Ende hin immer mehr bewusst, dass man mit einem offenen Ende in die Realität entlassen wird, was mich persönlich etwas gestört hat. Aber zurück zum Plot und der Geschichte an sich.

Pierre Bordage geht sehr sorgfältig mit seiner Geschichte und den Handlungsorten um. Man spürt, dass er sich große Gedanken gemacht hat, als er Arkane und seine Bewohner entworfen hat, denn es hat alles Hand und Fuß. Trotz einer Vielzahl an Geschehnissen, Charakteren und politischen Intrigen verliert man interessanterweise niemals den Überblick über die Ereignisse. „Arkane – Das Haus der Drachen“ ist eine typische High Fantasy-Geschichte, die, wie gesagt, langsam aufgebaut wird. Das Finale deutet auf eine epische Entwicklung hin, die mir sehr gut gefallen hat. Hätte ich vorher gewusst, dass noch weitere Bücher folgen, hätte ich den langsamen Aufbau sicherlich noch mehr genossen, weil ich dann im Hinterkopf gewusst hätte, dass dieser auf eine Steigerung im Laufe der nächsten Teile hinarbeitet. Nun bin ich natürlich enorm gespannt, wie sie Abenteuer von Oziel und Renn weitergehen und kann es kaum erwarten, dass der zweite Teil der Reihe erscheint.
Pierre Bordage schreibt gewohnt flüssig und niveauvoll. Die Kapitel enden meist mit Cliffhangern, so dass man der Versuchung schwer widerstehen kann, immer noch ein Kapitel weiterzulesen. Insgesamt beweist Pierre Bordage mit „Arkane – Das Haus der Drachen“, dass er nicht nur SF-Romane, sondern auch packende High-Fantasy schreiben kann.

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Fazit: Gelungener Einstieg, der auf eine weitaus epischere Fortführung der Story hinarbeitet.

© 2018  Wolfgang Brunner für Buchwelten