Schänderblut von Wrath James White

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Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
336 Seiten
13,95 €
ISBN: 978-3-86552-219-1

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Joseph Miles wurde vor 15 Jahren von einem Kinderschänder entführt und im Keller gefangengehalten, wo er gefoltert und sexuell missbraucht wurde. Aber er hat überlebt.
Schleichend überkommt ihn immer mehr das Verlangen nach menschlichem Fleisch. Joseph sucht den Grund für diese Neigung, die Hand in Hand mit einer perversen sexuellen Lust einhergeht, in seiner Vergangenheit. Er studiert die Leben von Serienkillern und beschäftigt sich mit den Mythen, die sich um Vampire, Werwölfe und Kannibalen ranken. Joseph ist felsenfest davon überzeugt, dass er damals durch seinen Peiniger von einem Virus infiziert worden ist, dass nun ebenfalls eine solch kannibalische Bestie aus ihm macht. Und so macht sich Joseph auf die Suche nach dem Kindesentführer, um ihn zu töten. Denn, wie bei Vampiren und Werwölfen, soll der Infizierte mit dem Tod seines „Meisters“ Erlösung finden. Joseph ist überzeugt davon, dass er wieder ein normaler Mensch werden kann, wenn er den Mann tötet, der ihn in einen sexsüchtigen Kannibalen verwandelt hat.

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Ich hatte bei „Schänderblut“ nicht das erwartet, was drin steckt. Ich dachte, ich würde mich durch eine brutale, blutige und schockierend harte Geschichte lesen, die aber, wie bei so vielen Büchern  dieser Art, nicht weiter in die Tiefe geht. Weit gefehlt. Wrath James White schildert die Gedanken eines Serienkillers. Er lässt uns auf der einen Seite an seinen abartigen Morden und Sexabenteuern und auf der anderen Seite an seinen Zweifeln und Ängsten teilhaben. White faltet die Psyche dieses gestörten Mörders wie eine Landkarte vor uns auf und versucht, Lösungen aus der gewalttätigen Misere zu finden.
White schafft es meist auf relativ hohem Niveau, die morbiden Gedankengänge des Protagonisten zu schildern. Nur hin und wieder gleitet er in eine einfache Umgangssprache ab, die aber erfreulicherweise den Lesefluss der Geschichte nicht stört. Im Großen und Ganzen bewegt sich White aber auf einem sprachlichen Niveau, das leider allzu selten in Büchern dieser Art vorkommt. Das war auch schon der erste Punkt, der mich bei „Schänderblut“ begeistert hat.

White spart nicht mit ekelhaften, brutalen Blutbädern, die meistens unter die Haut gehen und den Leser schlucken lassen. Aber … (und das ist wieder ein großer Pluspunkt an Wrath James White) er lässt niemals die Handlung aus den Augen, soll heißen die blutigen Splattereinlagen haben Sinn und wurden nicht einfach nur des Ekelfaktors Willen geschrieben. Das alles wirkt sehr stimmig, vor allem die Person des Joseph Miles ist hervorragend charakterisiert, so dass man an manchen Stellen tatsächlich so etwas wie Mitleid und Verständnis für den Kannibalen empfindet, obwohl er mit äußerster Brutalität vorgeht. Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie genial White diese Stimmung einfängt und den Leser dadurch richtig packt. Ich konnte das Buch schwer aus der Hand legen, weil ich einfach wissen wollte, wie Joseph sich aus dieser „Krankheit“, wie er meint, befreit. Seine Versuche, Menschen nichts anzutun und letztendlich doch seiner blutigen Mordlust zu erliegen, ist realistisch und glaubwürdig dargestellt.
Wrath James White erreicht durch die „gute“ Sprache mit seinem Roman, was andere Autoren, die sich bei den Lesern in der gleichen Liga tummeln, nicht schaffen: Nämlich wirklich zu schockieren!

Man merkt, dass White recherchiert hat und nicht nur einfach eine brutale, blutige Story erzählt. Viele Hintergrundinformationen, die das Handeln des Mörders begreifbar machen, runden das spannende Gesamtwerk ab, so dass ein „handfester“ Plot entsteht, der stimmig ist. Insgesamt konnte mich Whites Schreibstil und vor allem die Art seiner Geschichtenerzählung vollkommen überzeugen, so dass ich jetzt schon weiß, dass ich mich der Bibliografie dieses Schriftsteller widmen werde. 😉

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Fazit: Schockierend, blutig, brutal und mit einem glaubwürdigen Plot, der nicht nur des Blutes und der Brutalität willen verfasst wurde. Der Hauptcharakter überzeugt und geht in die Tiefe. Für Fans härterer, aber auch schreibtechnisch hochwertigerer Kost absolut zu empfehlen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Nacht der Rache von Tim Miller

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
160 Seiten
Preis:  12,80  €
ISBN: ohne ISBN (nur über die Verlagsseite zu beziehen)
Kategorie: Horror / Thriller
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Colt Stilman musste zwanzig Jahre ins Gefängnis, um eine Tat abzubüßen, die er nie begangen hatte. Nach seiner Entlassung plant er einen Rachefeldzug gegen die gesamte Stadt, die im zwanzig Jahre seines Lebens genommen hat.

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Tim Millers Rachethriller liest sich wie eine wilde Achterbahnfahrt. Da wird nicht lange mit tiefgehenden Charakteren herumgefackelt, sondern Miller geht gleich aufs Ganze. Einzig die Protagonisten namens Melissa und Andy erfahren eine Entwicklung während der relativ kurz gehaltenen Geschichte. Ansonsten lernt man die Personen zwar kennen, aber das war es auch schon.
Miller hält sich auch nicht lange mit Erklärungen auf, sondern widmet sich sofort seinem Massaker. Wie ein Tornado bricht Mord, Vergewaltigung und Chaos über die Kleinstadt herein.Auf der einen Seite mordet und schändet jeder, was das Zeug hält, auf der anderen Seite kämpft man ums nackte Überleben. 

Ein wenig erinnert die Ausgangssituation an den Film „The Purge“, wobei Miller einen etwas einfallsloseren Weg geht. Aber das macht gar nichts, denn man blättert die Seiten trotzdem in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit um, weil man einfach wissen will, was noch alles passiert. Tim Miller schreibt brutal, aber nicht zu brutal, dass es unglaubwürdig wirkt. Sicherlich passieren einige Dinge, die etwas übertrieben sind, aber das erwartet man auch bei solch einem Buch. Millers rasanter Rachefeldzug ist absolut kurzweilig und actionreich. 

Tim Millers Schreibstil ist nicht besonders anspruchsvoll und, wie schon erwähnt, fehlen auch Charakterzeichnungen. Das hätte dem harten Thriller vielleicht sogar noch einen Pluspunkt verschafft, hätte man mehr über die Beweggründe von Colt Stilman erfahren, wieso er eine ganze Stadt massakrieren lässt, obwohl sie doch mit seiner unrechtmäßigen Verurteilung gar nichts zu tun haben. Hätte Miller einen vor Rachegelüsten Wahnsinnigen charakterisiert, wäre der Schockeffekt, mit welcher Härte da vorgegangen wird, wahrscheinlich bedeutend größer gewesen. Aber dennoch macht „Nacht der Rache“ unglaublich Spaß, weil es sich dabei um eine kurzweilige, spannende und sehr flüssig geschriebene Story handelt, die man erst gar nicht aus der Hand legen will.

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Fazit: Mit „Nacht der Rache“ legt Tim Miller ein actionreiches, blutiges Spektakel vor, das sich als minimalistischer Pageturner herausstellt. Das Buch ist nicht tiefgründig, sondern schlichtweg gute Unterhaltung aus dem Hause „Festa Extrem“.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Stirb, Du B a s t a r d! Stirb! von Jan Kozlowski

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 187 Seiten
Preis: 12,80 €
ISBN: ohne ISBN
Kategorie: Horror, Thriller

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Claire  wurde jahrelang von ihrem Vater missbraucht. Irgendwann schafft sie den Absprung und zieht in eine andere Stadt, um sich dort als Krankenschwester um hilfsbedürftige Menschen zu kümmern. Sie kann dadurch die schrecklichen Erlebnisse ihrer Kindheit verdrängen, allerdings nur so lange, bis sie von einer damaligen Freundin angerufen wird und erfährt, dass ihr Vater einen schweren Unfall hatte. Sie springt über ihren eigenen Schatten und besucht den Mann, der ihr als Kind grausame Dinge angetan hat, um mit ihm Frieden zu schließen. Doch als sie ankommt, muss sie feststellen, das sie von ihrer Freundin belogen wurde.

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Wer die Festa Extrem-Reihe kennt, wird von diesem Roman wahrscheinlich mehr, und vor allem Heftigeres, erwarten. Kozlowski geht aber einen anderen, für mich durchaus angenehmen Weg. Sie setzt nicht auf eklige Sexszenen und Splattereinlagen, sondern widmet sich in erster Linie der Geschichte und den Personen. Gerade in der ersten Hälfte des Buches erzeugt sie dadurch eine tolle Atmosphäre, die mich sofort in den Bann gezogen hat.

Kozlowskis Schreibstil ist knapp und präzise, aber bewegt sich meist auf einem höheren Niveau, als man es bei dieser Art von Roman gewöhnt ist. Das ist auch der Grund, warum sich dieser Roman aus meiner Sicht so wohltuend aus den Extrem-Horror-Romanen abhebt. Da werden keine übertriebenen Gewalt- und Sexszenen beschrieben, sondern immer ein gewisses Maß an Niveau eingehalten. So soll es sein, und so schockiert eine solche Story oft mehr als mit expliziten Beschreibungen. Kozlowski tritt eigentlich nie über die Grenze des guten (oder schlechten) Geschmacks, sondern lässt den Leser größtenteils selbst entscheiden, was er in seinem Kopfkino sehen will und was nicht.
Außerdem lesen sich die Dialoge so flüssig, dass es unglaublichen Spaß macht.

Es gibt einige unerwartete Wendungen, die dem Plot äußerst gut tun. An manchen Stellen kann man die Handlungsweise der Protagonistin nicht hundertprozentig nachvollziehen, aber das nimmt dem Rache-Thriller auf keinen Fall den Charme. Leider ist das Buch relativ kurz geraten, denn ich hätte gut und gerne den doppelten Umfang lesen können. Ich bin sicher, dass bei einer intensiveren Ausarbeitung der Charaktere ein noch ansprechenderes Buch herausgekommen wäre. Aber nichtsdestotrotz hat mich Jan Kozlowskis „Stirb, du B a s t a r d ! Stirb!“ hervorragend und vor allem äußerst kurzweilig unterhalten. Ich bin schon sehr gespannt, ob und wenn ja, was sich die Autorin für ihr nächstes Werk ausdenkt. Einen Fan mehr hat sie mit mir auf jeden Fall.

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Fazit: Kurzweiliger Rache-Thriller, der nicht auf reine Gewalt setzt, sondern sich in erster Linie auf die Geschichte und die Charaktere konzentriert. Für Extrem-Leser wahrscheinlich eher enttäuschend, ich hingegen war angenehm überrascht und begeistert.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Schmerz des Erwachens von Brett McBean

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Festa-Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis:  39,90  €
ISBN: Privatdruck, nur über den Verlag erhältliche limitierte Sonderausgabe
Kategorie: Horror

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Toby ist vierzehn und der letzte Sommer vor der Highschool ist angebrochen. Er verbringt die Tage und Abende mit seinen Freunden und genießt das Leben. In der Nachbarschaft wohnt ein alter Herr, dem alle Menschen in der Stadt misstrauisch begegnen. Die Jugendlichen spielen ihm Streiche und ärgern ihn. Eines Tages wird Toby Zeuge eines solchen Streiches. Der alte Mann tut ihm leid und er sucht ihn auf. Die beiden schließen Freundschaft und schon bald erzählt der Mann Toby eine unglaubliche Geschichte …

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Ich mochte Brett McBeans Bücher ja schon immer. Aber was er hier mit „Der Schmerz des Erwachens“ abgeliefert hat, ist eindeutig sein bisher bestes Buch. Es dauert nicht lange und man ist von der einfühlsam erzählten Geschichte gefangen und kann sich nicht mehr losreissen. McBeans Roman über das Erwachsenwerden ist ungalublich mittreissend und autenthisch erzählt. Die Charaktere sind voller Details und liebens- oder auch hassenswert. Man begleitet Toby bei seinem Abenteuer und fühlt sich an Stephen Kings Kurzgeschichte „Die Leiche“ (als Film „Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers“) erinnert. McBean entwirft eine Welt, in der man sich selbst als Kind und Jugendlicher wiederfindet und in der man Geheimnisse und Verbotenes geliebt hat.
Es geht um Freundschaften, Geheimnisse, Unheimliches und Tragisches. Man spürt, wie der Protagonist erwachsen wird, aber vom Kindsein eigentlich gar nicht loslassen will.

Man wird mit Rassismus und Familienproblemen konfrontiert, lernt etwas über Mut und darüber Courage zu zeigen. Der Leser nimmt Teil an Unsicherheiten und ersten sexuellen Erfahrungen eines heranwachsenden Jungen und fühlt mit ihm, so wunderbar ist das alles beschrieben. Daneben breitet McBean eine geheimnisvolle Welt voller mystischer Rätsel und Voodoo-Ritualen aus, die in der Vergangenheit spielt, und schlägt dadurch einen Bogen in eine Erwachsenenwelt, von der Toby für sein eigenes Leben lernt.
Melancholisch beschreibt der Autor das Leben eines jungen Menschen, das erst am Anfang ist und dennoch schon Erfahrungen vorzeigen kann. Man riecht den Alkohol, den die Jungs verbotenerweise trinken, man spürt das Herz klopfen, wenn das sehnsüchtig begehrte Mädchen in der Nähe ist und fühlt den Zorn auf die Eltern, wenn sie Verbote aussprechen. Und man erliegt dem Zauber einer Welt, in der Voodoo praktiziert wird und das Leben ungerechte Wege einschlägt.

Oft fühlte ich mich von der Erzählstruktur und den nostalgischen Momenten, die beschrieben werden, an die Bücher von Greg F. Gifune erinnert. McBean ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das in seiner fast schon perfekten Geradlinigkeit enorm beeindruckt. Man möchte einfach nur weiterlesen und auch wenn das Ende schön und stimmig ist, fällt es einem schwer, die Personen zu verlassen. Vor allem Toby und der alte Herr wachsen einem ans Herz. Und ihre Freundschaft zeigt, dass sich verschiedene Generationen ohne weiteres verstehen können. Und dass der alte Herr dann auch noch ein Schwarzer ist,  vermittelt auf wunderschöne Weise, dass Alter und Rasse für eine Freundschaft völlig unerheblich sind. Brett McBean hat mit „Der Schmerz des Erwachens“ mein Lieblingsbuch von ihm geschrieben. Ich bin sicher, dass ich in diese schöne, aber auch ungerechte und manchmal brutale Welt, zurückkehren und die beiden Freunde Toby und Mr. Joseph, den alten Nachbarn, noch einmal besuchen werde.

Ich werde diesen düsteren Roman über eine wunderbare Freundschaft, ein Geheimnis und das Erwachsenwerden nicht so schnell vergessen.  Anders als in seinen weiteren Büchern verzichtet McBean weitestgehend auf brutale Splattereinlagen, sondern konzentriert sich darauf, die Story aus der Sicht eines Vierzehnjährigen zu erzählen. Und das ist ihm absolut gelungen.
Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch die wirklich wunderschöne Ausgabe, in der diese spannende Geschichte präsentiert wird: ein tolles Cover, ein Lesebändchen und eine Seite, die von Autor Greg McBean und Illustrator Fabian Frölich signiert wurde.

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Fazit: Nostalgisch wird das Leben eines vierzehnjährigen Jungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden geschildert. Stimmungsvoll, spannend und ein wenig unheimlich entführt uns McBean in eine Kindheit zurück, die man am liebsten selbst erlebt hätte. Sein bislang bester  Roman.

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© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Sternenturm von William R. Forstchen

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 573 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-375-4
Kategorie: Science Fiction

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Mit einer 36.000 Kilometer hohen Säule ins Weltall  Die Wissenschaftler Gary und Eva Morgan wollen eine 36.000 Kilometer hohe Säule ins Weltall bauen. Damit könnte die Menschheit die weltweite Energieknappheit und das Problem der globalen Erwärmung in den Griff bekommen.  Die Morgans halten trotz Schwierigkeiten an ihrem Traum fest und schaffen es mit Hilfe eines Milliardärs, das gewaltige Projekt in Angriff zu nehmen. Doch die Politik ist nicht begeistert über diesen wichtigen Schritt der Menschheit …

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In gewohnter, anspruchsvoller Qualität entführt Forstchen mit seinem neuen Roman in eine Zukunftswelt, die vielleicht morgen schon Wirklichkeit sein könnte. Als Verbeugung vor dem großartigen Arthutr C. Clarke, der die Idee eines Sternenturms bereits 1979 in seinem Roman „Fahrstuhl zu den Sternen“ aufgriff, beschreibt Forstchen dieses Abenteuer auf seine persönliche Art und Weise. Wie bei jedem seiner Bücher schafft es der amerikanische Historiker und Schriftsteller von der ersten Seite an, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Es fällt wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen, weil man so tief in der realitätsnahen Story drinsteckt, dass man unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Auf populär-wissenschaftliche Weise erklärt Forstchen, wie so ein Projekt vonstatten gehen könnte und kreiert Personen und Charaktere, die man schon bald für echt hält.

Forstchen weiß, wie man wissenschaftlich fundierte Geschichten schreibt und dabei unterhält. An manchen Stellen erinnert das Ganze an Michael Crichton, aber Forstchen hat seinen ganz eigenen Stil. Ähnlich wie Stephen Baxter, Arthur C. Clarke, Gregory Benford, David Brin oder Larry Niven bringt uns der Autor an Orte, die noch nie eines Menschen Auge erblickt hat. Der Leser nimmt teil an einem gigantischen, die menschliche Vorstellungskraft sprengenden Projekt teil. Es hat schon fast Kultcharakter, was Forstchen mit „Der Sternenturm“ geschaffen hat. Die viele Jahre umfassende Vorbereitung, die auftretenden Probleme, die weltumspannenden Auswirkungen eines solchen Unternehmens werden von Forstchen derart glaubhaft dargestellt und beschrieben, dass man manchmal vergisst, einen fiktiven Roman zu lesen. Das nenne ich „echte“ Science Fiction, fernab von Raumschiffschlachten und Aliens (was ich allerdings auch mag 😉 ), sondern eine Geschichte, die auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert. Ich habe „Der Sternenturm“ genossen und hoffe, dass der Festa-Verlag noch weitere Bücher dieses tollen Schriftstellers auf den Markt bringt.

Die Charaktere sind sehr emotional und detailverliebt beschrieben, so dass man meint, sie persönlich zu kennen. Der lange Weg, den man mit diesen Protagonisten geht, findet in einem durchaus logischen Finale ein würdiges Ende. Es fällt schwer, die Familie Morgan, ihre Freunde und den Turm zu den Sternen am Ende zu verlassen. Zu wohl hat man sich in der Geschichte gefühlt und mit den Protagonisten mitgefiebert.  Auch wenn es dem ein oder anderen Leser mit Sicherheit zu ruhig ist, so empfand ich Forstchens literarische Verbeugung vor Arthur C. Clarke extrem spannend. Hinzu kommt der angenehme und  äußerst flüssige Schreibstil des Autors. Auch seine Dialoge sind wirklichkeitsnah und erwecken niemals einen übertriebenen Eindruck. Forstchen beweist mit diesem Roman wieder einmal, dass er ein richtig guter Geschichtenerzähler ist.

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Fazit: Durchdachter und wissenschaftlich fundierter (und vor allem nachvollziehbarer) Blick in eine vielleicht gar nicht mehr so weit entfernte Zukunft. Forstchens spannender Wissenschafts-Science Fiction-Roman ist Unterhaltung auf hohem Niveau.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Pandemic – Die Seuche von Scott Sigler

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
insgesamt 768 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-381-5
Kategorie: Horror, Thriller

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Am Grund des Lake Michigan liegt eine außerirdische Sonde, die ein tödliches Virus beherbergt.
Eines Tages bricht die Seuche aus und ganze Kontinente stehen vor der Auslöschung. Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern versucht, ein Gegenmittel zu entwickeln, bevor sich die Seuche über die ganze Erde ausbreitet.

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Scott Sigler schreibt Bücher wie Achterbahnfahrten. Man steigt ein und kommt nicht mehr raus, so rasant ist die Fahrt, auf der uns der Autor mitnimmt. „Pandemic“ hat einen Einstieg, als lese man ein Buch von Michael Crichton. Die erste Hälfte des Romans spielt auf und unter dem Wasser am Lake Michigan und ist an Spannung kaum zu überbieten. Der knappe Schreibstil reißt den Leser von Anfang an mit und lässt ihn nicht mehr los. Sigler schafft es sogar, trotz des anhaltenden Spannungsniveaus auch eine ganz anständige Charakterzeichnung seiner Protagonisten zu vermitteln. In gewohnter Manier erzählt Scott Sigler von einer Bedrohung, die die gesamte Menschheit dahinrafft, wenn nicht schnellstens ein Gegenmittel gefunden wird.

„Pandemic“ ist der abschließende Teil einer Trilogie, deren ersten beide Teile im Heyne Verlag erschienen sind: „Infiziert“ ist der erste und „Virulent“ der zweite Teil. Man muss nicht zwingend die Vorgänger-Romane lesen, um „Pandemic“ zu verstehen, aber um sich ein Bild über die gesamte Geschichte machen zu können, ist es schon hilfreich.

Während die erste Hälfte des Romans mit stimmungsvollen, gruseligen Bildern unterhält, geht es in der zweiten Hälfte dann in die Vollen: Da wird geballert und gesplattert, das es eine wahre Freude ist. Und auch die Spannung kommt nie zu kurz. Dennoch hätte mir es besser gefallen, wäre die stimmungsvolle Atmosphäre der ersten Hälfte auch weiterhin präsent gewesen. Sigler inszeniert gegen Ende hin eine Ballerorgie ersten Grades, die zwar hervorragend unterhält, aber ab einem gewissen Punkt zu langweilen anfängt. Das ist nicht wirklich negativ von mir gemeint, denn, wie gesagt, das Spannungsniveau ist der Hammer. Aber ein bisschen weniger hätte dem Plot schon gut getan. Das Abenteuer-Feeling der ersten Hälfte wandelt sich einfach zu schnell in ein Action-Feuerwerk, bei dem es keine Verschnaufpause gibt.

Sigler hält seine Kapitel kurz, was unweigerlich dazu führt, dass man das Buch „verschlingt“, als hätte es nur die Hälfte der ansehnlichen Seitenzahl. Man fliegt durch die Geschehnisse und will wissen, wie es weitergeht. Das Szenario, das Sigler hier beschreibt, ist absolut nachvollziehbar und vermittelt auch eine gewisse wissenschaftliche Authentizität. Das macht den Roman tatsächlich zu einer Art Mischung aus Michael Crichton, Douglas Preston und Lincoln Child. Für Fans von „schnellen“ Plots uneingeschränkt zu empfehlen.

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Fazit: Anfangs sehr stimmungsvoll und abenteuerlich entwickelt Scott Sigler seine Handlung gegen Ende hin zu einem wahren Bombast-Action-Feuerwerk, bei dem auch ein gehöriger Gore-Anteil zu Buche schlägt. Spannungsgeladenes Weltuntergangsszenario und atemberaubender Pageturner.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Grauer Teufel von Graham Masterton

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Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: € 13,95
ISBN: 978-3-86552-409-6
Kategorie: Horror

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Ein unsichtbarer Killer geht in der Stadt um und hält die Polizei in Atem. Decker Martin nimmt die Ermittlungen auf und findet Spuren, die in die Vergangenheit führen. Die Opfer scheinen eine Verbindung zu den Wirren des Bürgerkrieges vor 150 Jahren zu haben und Martin entdeckt bald, dass auch eine afrikanische Religion eine Rolle zu spielen scheint, ebenso wie seine eigene Person …

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Graham Masterton schreibt qualitativ unterschiedliche Romane. „Grauer Teufel“ gehört wieder zu jenen, die mich literarisch zwar nur bedingt überzeugen, aber dafür ziemlich grandios unterhalten haben. Mastertons Mystery-Krimi erinnerte mich in den ersten beiden Dritteln stark an die harten Thriller von Michael Slade (ebenfalls im Festa-Verlag erschienen). Der Hauptprotagonist ist sympathisch und man begleitet ihn gerne bei seinen Ermittlungen. Die anfangs unheimlichen Szenen mit dem unsichtbaren Killer waren sehr spannend und gruselig beschrieben. Das hat mir ausnehmend gut gefallen. Dass sich die Handlung dann aber eher in religiöse Kreise beziehungsweise Woodoo-Rituale begeben hat, war meiner Meinung nach ein nicht so guter Schachzug. Aber na gut, da sind die Geschmäcker einfach verschieden. Mir hätte es besser gefallen, wenn es mehr bei Mystery und Horror geblieben wäre.
Aber nichtsdestotrotz hat Masterton eine sehr spannende Geschichte abgeliefert, die erst gegen Ende hin immer umgangssprachlicher und daher unglaubwürdiger wirkt.

Recherchetechnisch hat sich der Autor ins Zeig gelegt, das merkt man. Auch wenn er sich einige Freiheiten erlaubt hat, wird die dargestellte religiöse Szene sehr glaubhaft geschildert. Das Fortschreiten der Ermittlungen bis hin zu der Erkenntnis, dass der Protagonist selbst in die Sache verwickelt ist, ging sehr geschickt und unterhaltsam vonstatten. „Grauer Teufel“ geht zwar anfangs in die Richtung des „alten Masterton“, entwickelt sich aber dann doch eher wieder zu einer Story, die vom „neuen Masterton“ stammt. Seine ersten Bücher waren eher Old School Horror von der unheimlichen Sorte, mittlerweile benutzt Masterton immer mehr Thriller- und Krimi-Elemente.

Graham Masterton erzählt seinen Horror-Krimi schnörkellos und ohne große Ansprüche, dafür versteht er es, den Leser sofort in seinen Bann zu ziehen. Wenn man einmal von den am Ende leider zu oft eingestreuten umgangssprachlichen Patzern absieht, legt „Englands Großmeister der Angst“ und der, laut San Francisco Chronicle, „würdige Erbe Edgar Allan Poes“ einen soliden Roman vor, der auf ganzer Linie unterhält und sorgfältig recherchiert wurde. Manchmal blutig und manchmal witzig: Diese Mischung funktioniert die meiste Zeit und sorgt für Abwechslung. Der Charakter Decker Martin wäre es durchaus wert, noch einmal in einem Roman von Graham Masterton aufzutreten.

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Fazit: Spannender Thriller mit Mystery-Elementen. Solider Roman mit historischem Hintergrund, der gegen Ende hin leider etwas nachlässt.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das scharlachrote Evangelium von Clive Barker

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa Verlag
insgesamt 464Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-379-2
Kategorie: Horror

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Als der Geisterjäger Harry D’Amour das Haus eines Verstorbenen betritt, um dessen Seele Ruhe zu verschaffen, entdeckt er einen dämonischen Würfel, der das Tor zur Hölle öffnet. Kein geringerer als Pinhead erscheint. Und der hat vor, den Satan persönlich zu bekämpfen, um an die Macht über die Hölle zu kommen.

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Als eingeschworener Clive Barker-Fan und begeisterter Leser seiner Novelle „Hellraiser“ (im Original „The Hellbound Heart“) war ich natürlich absolut gespannt, wie dieser Mythos fortgeführt wird.
Der Einstieg in die Geschichte funktionierte hervorragend und das Gefühl einer Rückkehr zu den Zenobiten kam sofort auf. Auch wie Harry D’Amour, der Held aus Barkers „Stadt des Bösen“, die Bühne betritt, begann äußerst reizvoll und war sehr bildhaft dargestellt. Es dauert nicht lange und man wird wie gewohnt, von Barkers ideenreichen Visionen belohnt, denen man sich schwer entziehen kann. Der Beginn der Story ist durchaus gelungen und als der Würfel auftaucht, fährt dem Fan ein leichter Schauer über den Rücken. Aber dann …

Wo fange ich nur an? Zum einen entwickelte sich die Geschichte in eine Richtung, die mir nicht besonders gefiel. Obwohl da Potential gewesen wäre, hätte man sie epischer und bombastischer gestaltet, wie Barker es eigentlich kann und mit Werken wie zum Beispiel dem grandiosen „Imagica“ oder „Gyre“ bewiesen hat. Aber aus unerklärlichen Gründen geht Barker einen anderen, leider schlechteren Weg als in seinen bisherigen Büchern. Barker entmystifiert den Charakter Pinhead und verwandelt ihn in einen machtbesessenen Höllen-Macho. Hmmm, das hat er doch nicht verdient, nachdem er in „Hellraiser“ als blutrünstiger, brutaler, geheimnisvoller und visionär-apokalyptischer Höllendiener dargestellt wurde. Barker macht aus meiner Sicht einen entscheidenden Fehler, wenn er Pinhead zu einer nahezu dummen Hohlbirne degradiert und ihm damit all seine mystischen Eigenschaften nimmt, die ihn zu dem gemacht haben, was er bis dahin war: Kult!

Nun muss ich leider noch zu einem Punkt kommen, der mich so manches Mal daran zweifeln ließ, ob tatsächlich der Clive Barker diesen Roman verfasst hat oder ein Ghostwriter. Barkers Schreibstil war in den meisten seiner Bücher angenehm und manches Mal sogar literarisch hochwertig. Sicherlich zeigte er keine Hemmungen, wenn es darum ging, eklige Sachen explizit darzustellen. Das war aber bis dato nie ein Problem. Was jedoch in „Das scharlachrote Evangelium“ dialogmäßig passiert, ist teilweise grottiger als ein John Sinclair-Heftchen. Da werden den Protagonisten Worte in den Mund gelegt, während sie gerade eine hochdramatische Situation hinter sich gebracht haben, die mehr als unpassend sind: „Ich glaube, wir haben verschissen“, sagt da einer, als sie in eine aussichtslose Situation geraten. Die permanenten sexuellen Anspielungen und Witzeleien gehen einem bald schon auf den Wecker. Sex fand in Barkers Büchern immer schon eine Berechtigung, aber hier wird auf sehr plumpem, einfachem Niveau gearbeitet.
Pinhead findet Dinge „zum Kotzen“ und äußert schon das ein oder andere Mal „Arschloch“.  Für eine Horror-Kultfigur ziemlich unangebracht, finde ich. Aber nun gut, Barker wird schon seine Gründe haben, um seinen Charakter so lächerlich wirken zu lassen.

Aber nichtsdestotrotz steckt „Das scharlachrote Evangelium“ wieder voller visionärer Ideen, die einem den Atem rauben, wenn man sie sich bildlich vorstellt. Der Kampf zwischen Pinhead und Satan hat sicherlich etwas Großes, aber Barker hätte es um ein Vielfaches besser gekonnt, wenn er diese Szenen besser beschrieben hätte. Warum er es nicht gemacht hat, bleibt wohl ein Rätsel. Für Barker-Fans dennoch unverzichtbar, gerade weil zwei seiner Kultfiguren aufeinandertreffen. Und wenn man sich einmal an die Asi-Sprache der Protagonisten gewöhnt hat, kann man der Geschichte auch durchaus einige Reize abgewinnen. Für mich dennoch das schlechteste Buch des Autors, den Stephen King einmal als „Zukunft des Horrors“ bezeichnet hat.

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Fazit: Barker entmystifiziert seine Kultfigur Pinhead und schickt seine Protagonisten auf eine zwar visionär ideenreiche Höllentour, die aber durch sehr umgangssprachliche Dialoge fast schon zu einer Farce wird. Schade, denn im Plot hätte eine weitaus epischere Geschichte gesteckt. Für Barker Fans dennoch ein Muss!

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tag des Zorns von William R. Forstchen

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Erschienen als Taschenbuch
im Festa Verlag
insgesamt 224Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-373-0
Kategorie: Thriller

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Islamistische Terroristen greifen die USA an.  Sie atttackieren landesweit Schulen und verursachen zeitgleich schwere Unfälle auf den Highways. Unter der Bevölkerung bricht Panik aus, als der religiöse Fanatismus der Angreifer immer schrecklichere Formen annimmt …

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Forstchen hat mich schon mit seinem Weltuntergangs-Szenario „One Second After“ begeistert. Nun legt er ein zweihundert Seiten starkes Buch vor, das dem Leser von Anfang bis Ende den Atem raubt. Der Militärhistoriker entwirft einen terroristischen Angriff, wie er realer gar nicht sein könnte und lässt uns an grausigen Ereignissen teilhaben, die man in seinem eigenen Kopfkino sieht, als wäre es ein Fernsehbericht. Es ist erschreckend, wie Forstchen diese Anschläge beschreibt, als wären sie tatsächlich geschehen.
Der Roman polarisiert, denn man könnte durchaus meinen, Forstchen zieht eine gerade Linie zwischen Gut und Böse, ALLE Amerikaner wären gut und ALLE Islamisten schlecht. Aber der Schriftsteller hat dieses Schwarz/Weiß-Denken nicht, sondert liefert einfach nur ein absolut realistisches Bild, wie solch ein schrecklicher Tag ablaufen könnte. Forstchen beschreibt einfach nur die (fiktiven) Vorgänge, entwickelt aber keine Lösungsvorschläge oder versucht, Beweggründe genauer zu differenzieren. Herausgekommen ist ein rasanter Pageturner, der zwar für den ein oder anderen rassistisch wirken mag, aber dennoch eine grauenhafte Realität aufzeigt, die unsere derzeitige weltpolitische Situation aufzeigt.

Extrem spannend und mit einem hohen Gewaltfaktor schildert Forstchen einen amerikanischen Alptraum, der entfernt an die Ereignisse am 11. September 2001 erinnert. Beklemmend und verstörend nimmt man Anteil an der Angst der Menschen, schleicht durch die Korridore einer besetzten Schule und bangt um das Leben der Kinder. Aber „Tag des Zorns“ ist kein lapidarer politischer Action-Roman, wie es vielleicht klingen mag. Auch wenn die Vorgänge fiktiv sind, könnten sie genau so ablaufen. Und dass Forstchen das momentan typisch amerikanische Feindbild in seinem Roman verarbeitet, ist völlig legitim und handlungsdienlich, zumal er nicht alle „Feinde“ über einen Kamm schert, sondern nur die terroristischen Gruppen als gegnerische Handlungsträger benutzt.

„Tag des Zorns“ ist schockierend und hinterlässt nach dem Lesen einen bleibenden Eindruck, zumal man sich eben solch ein Szenario in der Tat vorstellen kann (aber nicht mag). Kurz, knapp und ohne große Umschweife schleudert Forstchen seine Leser in diesen Alptraum und lässt ihn bis zum Schluss nicht mehr los. Da gibt es keine Sekunde zum Atemholen, denn die Handlung wird schonungslos vorangetrieben. Man darf gar nicht darüber nachdenken, dass solch ein Szeanrio tatsächlich möglich sein könnte …

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Fazit: Atemlos spannend und erschreckend realistisch. William R. Forstchen entwirft einen grauenvollen Terroranschlag, der von der ersten bis zur letzten Seite unterhält, aber auch schockiert.

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Verdammten von Brett McBean

die verdammten

Erschienen als Taschenbuch
bei FESTA
insgesamt 586 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-292-4
Kategorie: Dystopie, Horror

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Während eines Einkaufstrips geschieht das Unglaubliche: Beth ist gerade mit ihrer Tochter auf dem Weg zum Auto, das sie in einem der Parkdecks des Einkaufszentrums geparkt hat, als Bäume aus dem Boden schiessen und die Umgebung in einen undurchdringlichen Urwald verwandeln. Noch ahnt niemand, dass diese rätselhafte Naturkatastrophe über den ganzen Erdball hereingebrochen ist.

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„Die Verdammten“ vereint McBeans Dschungeltrilogie („Der Dschungel aus Beton“, „Der Dschungel von nebenan“ und „Der Dschungel der Großstadt“) in einem Band. Die drei Geschichten haben, bis auf das Ende, nichts miteinander zu tun. Sie spielen lediglich im gleichen Szenario und der Leser muss sich bei jeder Geschichte auf neue Charaktere einlassen. Was als ziemlich atmosphärisches Endzeitdrama beginnt, wird in der Mitte sehr seicht und beginnt erst zum Ende hin wieder, einigermaßen stimmungsvoll zu werden. Aber eines nach dem anderen.

Zuerst einmal: Brett McBean kann es eindeutig besser, das hat er unter anderem mit seinen Romanen „Die Mutter“, „Das Motel“ und „Buk und Jimmy ziehen nach Westen“ bewiesen. Mit „Die Verdammten“ hat er zwar eine im Grunde genommen interessante Idee vorgelegt, die sich aber leider im Handlungsverlauf immer mehr in unlogische und teilweise nicht nachvollziehbare Ereignisse verstrickt. Hätte McBean die Hauptpersonen des ersten Teils in den weiteren beiden Teilen mitagieren lassen, wäre mit Sicherheit ein weitaus besseres Ergebnis herausgekommen. So muss man sich in jedem Teil leider auf eine neue Geschichte und neue Personen einlassen.

Der Schreibstil ist ungewohnt einfach gestrickt, da bin ich von McBean eindeutig Besseres gewöhnt. Aber nichtsdestotrotz fliegt man durch die drei Geschichten und kann sich schwer davon losreißen, denn das beschriebene Szenario hat durchaus seinen Reiz. Doch gerade die erste Geschichte ist es, die mich am meisten in den Bann gezogen hat, denn die Ausgangssituation war fast schon filmreif. Und auch die Chararakterzeichnung war hier noch am besten.
Die zweite Story flacht sehr ab und war für mich die absolut uninteressanteste. Bei der letzten Geschichte trat McBean dann wieder mehr aufs Gas und schilderte wieder Geschehnisse, die ich mir ohne weiteres als Film vorstellen könnte.

Ich persönlich hatte keine Probleme mit den vielen Ungereimtheiten, die im Verlauf der Geschichte auftraten, denn die Grundaussage der Trilogie, dass sich die Natur an der Menschheit rächt, hat mir sehr gut gefallen. Insgesamt ähnelt in allen drei Büchern der Schreibstil dem von Richard Laymon, obwohl natürlich McBeans eigener Stil deutlich herauszulesen ist. Durch die verschiedenen Hauptpersonen in den drei Geschichten wirkt „Die Verdammten“ leider nicht ganz ausgegoren, schon aus diesem Grund hätte ich mir gewünscht, dass die Personen der ersten Geschichte auch die Abenteuer der beiden nachfolgenden bestritten hätten.

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Fazit: McBean hätte aus der interessanten Grundidee mehr machen können. Nichtsdestotrotz liefert er einen sich wohltuend von anderen Endzeitszenarien abhebenden, teils brutalen Thriller ab, der, obwohl relativ einfach geschrieben, sehr bildreich eine Welt darstellt, in der die Natur die Herrschaft über die Erde übernimmt. Für McBean-Fans ein Muss, für Einsteiger in die literarische Welt des Autors eignen sich seine anderen Werke auf jeden Fall besser.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten