Nano – Jede Sekunde zählt von Phillip P. Peterson

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 702 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-596-70764-5
Kategorie: Science Fiction, Belletristik

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Durch einen Terroranschlag geraten winzige Nanopartikel in unsere Umwelt und „fressen“ Menschen und Umgebung sprichwörtlich auf.
eine ungeheure Katastrophe bahnt sich an, die die ganze Welt bedroht. Ein erbarmungsloser Wettlauf gegen die Zeit bricht aus, der die Welt für immer verändern wird.

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Die Bücher von Phillip P. Peterson waren schon immer ein Garant für interessante, spannende und unterhaltsame Geschichten. Wie hätte es daher bei „Nano – Jede Sekunde zählt“ auch anders sein können? Es ist sogar vielmehr so, dass Peterson hier sogar einen Roman vorgelegt hat, der selbst ein Publikum begeistern wird, das normalerweise Science-Fiction nichts abgewinnen kann.
Auf ähnliche Art und Weise wie Andreas Brandhorst oder Michael Crichton wirft uns Peterson in ein Szenario, wie es durchaus geschehen könnte. Seine fundierten Aussagen beziehungsweise Zukunftsvisionen lassen die erschreckenden Geschehnisse so real wirken, dass man trotz aller Spannung dem Wissen, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, während mancher Passagen Angst bekommt. Peterson geht einen so konsequenten Weg mit seinem Roman, dass man mehr als ehrfürchtig über die Nanotechnologie nachdenkt.
Es ist wirklich ein Wahnsinn, mit welcher Rasanz der Autor seine Leser mitreißt und im Grunde genommen keine Zeit zum Luftholen lässt.

„Nano – Jede Sekunde zählt“ ist ein Pageturner erster Klasse. Doch nicht nur die Handlung ist extrem spannend erzählt, sondern auch die Personen besitzen tolle Charaktere, die man gerne begleitet. Wie Peterson aus einer „kleinen“ Katastrophe ein Szenario entwirft, das weltweite Ausmaße annimmt, ist wirklich beeindruckend. Und das Schlimme, Erschreckende ist, dass diese Entwicklungen authentisch und nachvollziehbar sind. Obwohl „Nano – Jede Sekunde zählt“ sehr dick ist, könnte man am Ende gut und gerne nochmal die gleiche Seitenanzahl verschlingen, ohne sich auch nur auf einer einzigen davon zu langweilen. Peterson spielt mit diesem Roman definitiv in der gleichen Liga wie der bereits erwähne Michael Crichton oder der deutsche Uwe Laub. Auch sprachtechnisch ist an diesem Buch nichts auszusetzen. Es lässt sich ungemein flüssig und einfach lesen, sodass man es kaum aus der Hand legen möchte. Mit „Nano – Jede Sekunde zählt“ beweist Phillip P. Peterson erneut, dass er zu den wirklich guten Schriftstellern aus Deutschland gehört.

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Fazit: Ein ungemein rasanter und spannender Wissenschaftsthriller.

©2023 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ruf der Unendlichkeit von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 540 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-596-70575-7
Kategorie: Science Fiction

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Aron ist der letzte Mensch in der Milchstraße. Im Auftrag einer Superzivilisation versucht er alte Kulturgüter vor den sogenannten Blendern zu schützen. Was er dabei allerdings entdeckt, übersteigt sein Vorstellungsvermögen.

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Wie nicht anders zu erwarten, so hat mich auch das neue Buch von Andreas Brandhorst bereits auf den ersten Seiten gepackt. Es ist wieder einmal der besondere Schreibstil, der fasziniert und begeistert. Auf philosophische, melancholische und epische Weise nimmt uns einer der besten deutschen Science-Fiction-Autoren mit auf eine unvergessliche Reise in die Weiten des Alls, auf der Zeit und Raum ungeahnte Dimensionen annehmen und in ihrem Ideenreichtum an Werke von Stephen Baxter erinnern. Brandhorst schafft es, seine Leser zu fesseln, ja, geradezu zu hypnotisieren, wenn er Geschichten aus seinem Universum erzählt, in dem verschiedene Wesen existieren. Brandhorst siedelt die Story innerhalb seines „Omniversums“ an, aber der vorliegende Roman kann, wie die Bücher „Omni“ und „Das Arkonadia-Rätsel“, unabhängig voneinander gelesen werden. Man versteht die Geschichte auch ohne Vorwissen, denn es liegen Millionen von Jahren zwischen den Handlungen der Bücher. Wer die beiden anderen Romane kennt, wird jedoch Zusammenhänge erkennen und seinen Horizont bezüglich des „Omniversums“ erweitern können.

Brandhorst behandelt Themen wie Multiversum, Unsterblichkeit, die Macht von Erinnerungen und Religion. Das alles wirkt sehr authentisch, weil solche Dinge bei Brandhorst eben Hand und Fuß haben. Sein Worldbuilding fasziniert und man kann, einmal in diese Welt voller unendlicher Weiten und philosophischer Weisheiten eingetaucht, das Buch kaum mehr aus der Hand legen.
Man ist versucht, jedes neue Buch von Andreas Brandhorst als Meisterwerk zu bezeichnen und ihm eine entsprechende Steigerung sowohl in Ausdrucksform als auch Handlung zuzusprechen, aber im Grunde genommen weiß man, dass das nicht stimmt, denn JEDES Buch von Brandhorst ist ein Meisterwerk für sich. Er schafft es, Welten im Kopf der Leser sichtbar und Gedanken fühlbar zu machen. Wenn man sich darauf einlassen kann, fühlt man sich wohl in diesem Universum und wird mit einer Geschichte belohnt, die zudem auch noch an vielen Stellen zum Nachdenken anregt.
Wie immer bin ich absolut begeistert und kann es kaum erwarten, zusammen mit Andreas Brandhorst erneut in eine Welt voller Mysterien einzutauchen.

Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar mit allen relevanten Begriffen, die im Roman vorkommen. Ich persönlich habe nur selten nachgeschlagen, da ich die Handlung auch ohne derartige „Hilfestellung verstanden habe. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Vorgängerromane aus dem „Omniversum“ kenne, aber die Dinge werden meiner Meinung nach ausführlich und verständlich erklärt. „Ruf der Unendlichkeit“ ist Brandhorst at his best: episch, melancholisch und philosophisch. Eine Space Opera, die vollkommen überzeugt und süchtig macht.

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Fazit: Ein weiteres Meisterwerk deutscher Science Fiction.

©2022 Wolfgang Brunner

Das Heim von Mats Strandberg

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 426 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN: 978-3-596-70377-7
Kategorie: Thriller, Horror

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Joel muss seine demenzkranke Mutter Monika schweren Herzens in ein Pflegeheim bringen. Als sich Monikas Zustand immer mehr verschlechtert, denkt er natürlich zuerst, es würde an der hinterhältigen Krankheit liegen. Doch es ist etwas Böses, das von Monika Besitz ergriffen hat …

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Mit „Das Heim“ hat sich Mats Strandberg aus meiner Sicht selbst übertroffen und einem modernen Klassiker des Horrors erschaffen. Sein Ausflug in ein Alten-und Pflegeheim ist wirklich unheimlich und steckt gleichzeitig auch voller Wahrheiten. Bei diesem Roman hinkt der Vergleich, Mats Strandberg wäre der schwedische Stephen King, nicht so sehr wie bei seinen anderen Büchern. In „Das Heim“ entwickelt sich das Grauen und der Horror aus einer Alltagssituation und macht das Geschehen dadurch umso erschreckender und auch authentischer. Die Beschreibungen der Arbeitsabläufe in einem Altenheim gleichen denen meiner Schwester, die in einem solchen Heim arbeitet, in jeder Hinsicht. Auch diese Realitätsnahe tragt dazu bei, dass man den Schrecken, der sich in die Institution und bei den Bewohnern einnistet, deutlich spürt. Hinzu kommen die Gedankengänge des Protagonisten, die seine Figur lebendig, glaubhaft und sympathisch machen. Bei all diesen Aspekten hat Strandberg ganze Arbeit geleistet und konnte mich absolut überzeugen.

Strandbergs Schreibstil ist einfach, aber flüssig zu lesen und äußerst effektiv. Er schafft es, eine unglaublich bedrohliche und unheimliche Stimmung aufzubauen, die sich durch den ganzen Roman bis zum erschreckenden Finale hinzieht. Ein wenig erinnert „Das Heim“ an den Kinoerfolg „Der Exorzist“, bewegt sich aber niemals auf den Pfaden eines Plagiats, sondern besitzt eine eigene Geschichte, in der es ebenfalls um Liebe, Zuwendung, Hilflosigkeit und natürlich Gut und Böse geht. Während des Lesens dachte ich unentwegt, was für einen genialen, stimmungsvollen Film man aus dieser literarischen Vorlage machen könnte. Und ich hoffe, dass es eines Tages vielleicht dazu kommen wird.
Geschickt vermischt Strandberg grusligen Horror mit einer alltäglichen Tragik, die uns allen drohen könnte: Ein Familienmitglied leidet an Demenz und muss in ein Pflegeheim. Ist die Krankheit schon ein Albtraum, so setzt Strandberg der Bedrohung noch einen Aspekt hinzu, nämlich eine dämonische Entität.

Mit sich langsam immer stärker aufbauender Spannung zieht Strandberg seine Leser von der ersten Seite an in seinen Bann. Im Verlaufe der Handlung wird die Geschichte immer beklemmender und unheimlicher. Auch wenn man „Das Heim“ nicht mit Strandbergs Debüt „Die Überfahrt“ vergleichen kann, so hat mich der vorliegende Roman weitaus mehr gepackt. Mats Strandberg ist nach „Die Überfahrt“, dem hier besprochenen „Das Heim“ und seinem neuesten Werk „Die Konferenz“ für mich einer der Autoren, deren nächsten Romane ich kaum erwarten kann. Seine Bücher sind ganz großes Kopfkino, „Das Heim“ insbesondere.

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Fazit: Unheimlich, atmosphärisch und extrem gut geschrieben.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Konferenz von Mats Strandberg

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-59670686-0
Kategorie: Thriller, Horror

Ein Einkaufszentrum soll in Kolarängen gebaut werden. Das Team, das den Bau geplant hat, trifft sich für eine letzte Konferenz in einem idyllischen Hotel am See. Doch die geplante entspannte Atmosphäre wirft schnell Konflikte und Intrigen auf. Als es dann den ersten Toten gibt, spüren die Anwesenden, dass jemand hinter ihnen her ist, der den Bau des Einkaufszentrums verhindern will.

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Mats Strandberg als skandinavischen Stephen King zu bezeichnen, finde ich einen etwas hinkenden Vergleich, was aber absolut nicht heißt, dass er nicht genauso gut wäre wie der Erfolgsautor. Strandberg hat einen eigenen Schreibstil und erschafft mit seinen Geschichten eine ganz eigene Atmosphäre, die meiner Meinung nach mit King überhaupt nichts zu tun hat.
„Die Konferenz“ wirft den Leser, wie Strandbergs andere Bücher, von der ersten Seite an in eine tolle Stimmung, die sich bis zum Ende gleichbleibend hält. Man fühlt sich so manches Mal an Horrorfilme der 80er-Jahre erinnert, vor allem irgendwie an den Kultklassiker „Freitag, der 13.“. Aber, wie gesagt, Mats Strandberg besitzt ein Händchen dafür, zwar eine ähnliche Stimmung aufzubauen, aber dennoch niemals nur plump zu kopieren, sondern einen eigenen (und zwar sehr guten) Weg zu gehen.

In der ersten Hälfte stellt Strandberg die Charaktere vor, lässt uns an ihren Gedanken und ihrem Leben teilhaben, und wird dabei auf keiner einzigen Seite langweilig oder langatmig. Man inhaliert förmlich eine Seite nach der anderen und spürt einen sich langsam aufbauenden Spannungsbogen, der sich dann in der zweiten Hälfte voll entfaltet und einen fast schon zwingt, weiterzulesen. Auch wenn die Handlung beziehungsweise Auflösung irgendwann durchschaubar wird (zumindest war das bei mir so), so mangelt es dem Roman niemals an Spannung. Ähnlich wie in Horrorfilmen findet immer wieder einer der Protagonisten den Tod, wobei Strandberg hier blutig und manchmal auch sehr explizit beschreibt, was passiert. Allerdings benutzt er Brutalität und blutige Morde niemals als Mittel zum Zweck, sondern erschafft auch damit eine bedrohliche Atmosphäre, die die Geschichte noch zusätzlich unterstützt.

Eines ist jedenfalls sicher: Mats Strandberg kann mit seinen Geschichten überzeugen und liefert perfekte Unterhaltungsliteratur. Egal, welchen seiner Thriller man nimmt, das Ergebnis ist dasselbe: Am Ende freut man sich schon auf das neue Werk des Autors. „Die Konferenz“ wirkte auf mich wie eine Hommage an die Horrorfilme der 1980er-Jahre mit einer Prise Gegenwart, was geschäftliche Machenschaften angeht. Strandbergs neuester Roman ist wieder einmal ein Pageturner, wie man sie von ihm gewohnt ist. Und, ja, ich freue mich schon, wenn es wieder etwas Neues von ihm gibt. 😉

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Fazit: Spannender Thriller, der wie eine Hommage an die Horrorfilme der 80er-Jahre wirkt.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Universum von Phillip P. Peterson

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 442 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-70086-8
Kategorie: Science Fiction

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Mike Warnock will sich nach einer Karriere beim Militär mit seiner Familie zur Ruhe setzen. Er bucht einen Überlichtflug zu einem fernen Planeten, um dort ein neues Leben zu beginnen. Doch bei dem Sprung in eine Lichtjahre entfernte Welt geht es etwas schief und das Schiff rast Milliarden von Jahren in die Zukunft. Verzweifelt versucht die Crew des Raumschiffs zusammen mit den Zivilisten, einen Ausweg aus diesem Dilemma zu finden. Eine spannende Reise bis ans Ende des bekannten Universums beginnt …

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Wie nicht anders erwartet, legt Phillip P. Peterson nach „Vakuum“ erneut einen Pageturner vor, der es in sich hat. Da kann man über eventuelle wissenschaftliche Ungereimtheit jammern wie man will (ja, manche tun das wohl – ich hingegen bin kein Wissenschaftler und kann das nicht beurteilen), Fakt ist, dass „Universum“ eine unglaublich intensive Reise ist, die man nicht mehr so schnell vergisst. Immer wieder musste ich an einen meiner Lieblingsautoren im Science-Fiction-Bereich denken, nämlich Stephen Baxter, Ähnlich wie Baxter schafft es Peterson eigentlich Unmögliches derart schlüssig und verständlich zu beschreiben, dass man es absolut versteht (und auch nachvollziehen kann). Mit seinem neuen Roman nimmt Peterson seine Leser mit auf eine Reise bis ans Ende des bekannten Universums und noch weit darüber hinaus. Ich mochte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so spannend war es für mich, den Versuchen der Protagonisten beizuwohnen, um sich aus diesem Dilemma zu retten.

Die flüssige Schreibweise tat, zusätzlich zur Handlung, noch das ihrige dazu, um nur so durch die Seiten zu fliegen, weil man unbedingt wissen wollte, wie es weiter ging. Hinzu kommen noch einige unerwartete Wendungen, die dieses Leseerlebnis perfekt für mich abrundeten. Ja, dieser Roman war wirklich ein Erlebnis. Immer wieder fühlte ich mich trotz der aussichtslosen, manches Mal sogar düsteren Situationen irgendwie heimelig auf dem Raumschiff. Es war jedes Mal, wie ein Nachhause-Kommen, wenn ich das Buch wieder aufschlug, um weiterzulesen. Peterson versteht es hervorragend, seine Leser zu faszinieren und in Bann zu schlagen. Es ist ein klassisches Science-Fiction-Abenteuer, das nostalgische Gefühle in mir hervorruft, weil es sich nicht zwanghaft um Weltraumschlachten und spektakuläre Monster bemüht, sondern eine „einfache“ Geschichte erzählt. Wobei „einfach“ nicht ganz stimmt, denn das Szenario und die geschilderten Örtlichkeiten könnten im Grunde genommen gar nicht spektakulärer sein. Peterson hat sich erneut ganz nach oben in meine persönliche Liste von Science-Fiction-Lieblingsschriftstellern geschrieben.

Die Charaktere werden gut und glaubwürdig beschrieben, sodass ich mit jedem von ihnen mitfühlen konnte. Auch die Handlungsweisen waren für mich nachvollziehbar.
Was mir noch besonders aufgefallen ist (und auch sehr gut gefallen hat) sind die emotionalen Aspekte, die Peterson sehr gut mit Worten ausdrücken kann. Vor allem die Gefühle des Protagonisten gegenüber seiner Frau und insbesondere dem Sohn sind ihm eindrucksvoll gelungen. Ich konnte wirklich jeden Gedankengang diesbezüglich nachvollziehen. Diese Szenen gingen mir sehr nahe.
Insgesamt bleibt mir nur zu sagen, dass Phillip P. Peterson sein Niveau von Roman zu Roman aufrechterhalten und an manchen Stellen sogar noch toppen kann. Seine Bücher machen süchtig und ich kann es schon jetzt kaum erwarten, bis ich wieder eine neue Geschichte von ihm lesen kann.

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Fazit: Ein unglaublich beeindruckendes Abenteuer, das über den Rand des Universums hinausführt.

© 2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ready Player Two von Ernest Cline

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-70654-9
Kategorie: Science Fiction

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Es ist noch nicht lange her, dass Wade Watts das Easter Egg von James Halliday in der virtuellen Welt OASIS gefunden und das Imperium geerbt hat, als er eine Technologie entdeckt, die OASIS noch wundervoller macht und die Welt verändern könnte.
Doch erneut wird Watts vor ein Rätsel gestellt und muss ein weiteres Easter Egg finden, das Halliday in der OASIS versteckt hat.
Zusammen mit seinen Freunden begibt sich Watts erneut auf ein Abenteuer. Doch dieses Mal geht es nicht nur um sein Leben und das seiner Mitspieler, sondern auch um das von Millionen Menschen, die in der OASIS eingeloggt sind.

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Irgendwie hat man gehofft, dass die Geschichte von „Ready Player One“ weitergeht (zumal es eine furiose Verfilmung von Steven Spielberg gab) und dennoch hat man eigentlich gar nicht damit gerechnet, nachdem Cline nach „Ready Player One“ erst einmal den Roman „Aramada“ veröffentlich hat. Umso überraschter war ich, als plötzlich doch wieder von einer Weiterführung der Story die rede war. Vielleicht hatte diese Entscheidung etwas mit der spektakulären Verfilmung zu tun, wer weiß das schon?
Aber, es sei wie es ist, Ernest Cline hat die Geschichte aus meiner Sicht sehr gut fortgeführt und man fühlte sich bereits nach der ersten Seite schon wieder voll im Thema. Sicherlich ist das Grundgerüst der Handlung ähnlich aufgebaut, aber irgendwie erwartet man das als Fan ja auch. Auch wenn einige Zeit seit dem Erscheinen des ersten Romans vergangen ist, so kann man sich erstaunlicherweise an die Charaktere und die Vorfälle des ersten Bandes sofort wieder erinnern, wenn man in die neue Geschichte eintaucht.

Dieses Mal geht Ernest Cline in seiner Eigenschaft als Nerd sogar noch einen Schritt weiter als in „Ready Player One“. An manchen Stellen (Stichwort John Hughes) übertreibt er fast schon, so dass man während des Lesens in seinen Gedanken des Öfteren eine Stimme vernimmt, die sagt „Ich hab’s jetzt kapiert, um was es geht. Es ist jetzt genug“. Aber dennoch macht es unglaublichen Spaß, wenn der Autor sein Nerdwissen mit dem Leser teilt und ihm Dinge um die Ohren haut, von denen man selbst als eigefleischter Filmfan, wie ich einer bin, noch nichts gewusst hat. Vor allem die Einbindung dieser Details in die Handlung ist Cline wirklich hervorragend gelungen, da ergibt wirklich alles einen Sinn. „Ready Player Two“ erreicht vielleicht nicht ganz die Qualitäten des Originals, aber ich wage dennoch zu behaupten, dass dem Roman nicht viel dazu fehlt, um ein gleichwertiges Niveau zu erreichen. Die Charaktere sind wieder sehr glaubwürdig beschrieben und man begleitet sie gerne auf ihrer Reise durch die virtuelle Welt von OASIS. Neben Anspielungen auf diverse Filme widmet sich Cline dieses Mal auch einem bekannten Sänger der Pop- und Rockwelt, der Fans desselben mit Sicherheit in Verzückung geraten lässt. 😉

Schreibtechnisch bleibt sich Ernest Cline treu, in dem er flüssig eine Geschichte erzählt, deren Rasanz und Sogwirkung man sich nicht entziehen kann. Man kann nicht aufhören zu lesen und möchte einfach nur wissen, wie es weitergeht. In Gedanken sieht man natürlich auch immer wieder eine Art Film vor sich ablaufen, so dass man sich oftmals wünscht, Steven Spielberg würde sich erneut dieses Abenteuers annehmen und es auf die große Leinwand bringen. „Ready Player Two“, wie auch der Vorgänger, erinnert auch manches Mal an Tad Williams Saga „Otherland“, die ebenfalls in einer virtuellen Welt spielt, erreicht jedoch das epische Ausmaß nicht ganz. Während des Lesens dachte ich immer wieder, dass Cline die Abenteuer um Wade Watts und seine Freunde durchaus als Romanserie anlegen und noch viele ähnliche Geschichten schreiben könnte, denn gerade die zahlreich eingeflochtenen Hommagen an Filme und Musik der 1980er- und 1990er-Jahre machen geradezu süchtig. Für mich war die vorliegende Fortsetzung auf jeden Fall eine fulminante Rückkehr in dieses Universum und ich würde mich tatsächlich freuen, Wade Watts noch einmal zu begegnen (sowohl filmisch auch als literarisch).

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Fazit: Würdige Fortsetzung mit noch mehr Hommagen und Nerdwissen.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Störung von Brandon Q. Morris

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-70047-9
Kategorie: Science Fiction

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Die Shephard-1 dringt ins All vor, um die Entstehung des Kosmos zu erforschen. Die Crew versucht mittels Sonden den Moment des Urknalls sichtbar zu machen. Doch dann taucht plötzlich eine Störung auf, die das Unternehmen gefährdet und Dinge an die Oberfläche bringt, die besser verborgen geblieben wären.

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Wer schon einmal einen Roman von Brandon Q. Morris gelesen hat, weiß, was einen erwartet. Auf gewohnt hohem Niveau (sowohl aus literarischer als auch wissenschaftlicher Sicht) erzählt der Autor eine Zukunftsgeschichte, die sich liest wie ein spannender (wenngleich auch ruhig inszenierter) Weltraumfilm. An vielen Stellen musste ich an „Gravity“ denken, obwohl Morris natürlich einen ganz anderen und auch eigenständigen Weg geht. Ich verliere mich in seinen Geschichten immer, weil sie sehr detailliert, bildhaft und vor allem faszinierend geschrieben sind, so dass man sich in die Story förmlich hineinfallen lassen und mit dabei sein kann. So erging es mir nun auch wieder bei dem vorliegenden Roman „Die Störung“.
Schon alleine der Schauplatz auf einer riesigen Weltraumanlage nahm mich bereits von der ersten Seite an gefangen und ließ mich auch bis zum Ende nicht mehr los. Die technischen Details, die Morris in seine Geschichten verpackt, sind zwar nicht immer unbedingt unkompliziert, aber der Autor schafft es dennoch, sie zumindest so zu erklären, dass man auch versteht, um was es geht.

Was mir bei Brandon Q. Morris immer auffällt, sind die schönen Charakterzeichnungen, die die jeweiligen Personen vor dem inneren Auge des Leser zum Leben erwecken. Das ist auch hier wieder der Fall und ich konnte mir alle Beteiligten absolut gut vorstellen. Im Nachhinein kommt es mir tatsächlich immer noch so vor, als hätte ich die Geschichte gar nicht gelesen sondern als Film gesehen. Ich denke, ein größeres Kompliment kann man einem Schriftsteller gar nicht machen.
Es gibt hier auch ein paar Wendungen, die ich für äußerst gelungen halte und mit denen ich nicht gerechnet habe, großes Kino für den Kopf.
„Die Störung“ ist Science-Fiction, wie ich sie mag. Um den Roman mit Filmen zu vergleichen, fallen mir spontan ein: Ruhig wie „2001 – Odyssee im Weltraum“, atmosphärisch wie „Gravity“ und auf unspektakuläre Art und Weise spannend wie „Outland“ oder „Der Marsianer“. Im Science-Fiction-Bereich sind die Romane von Brandon Q. Morris für mich immer ähnliche Highlights wie die von Andreas Brandhorst, Phillip P. Peterson oder Stephen Baxter. Da stimmt einfach alles, von der Handlung bis über die Charaktere hin zur Atmosphäre.

Morris gibt am Ende des Romans für den interessierten Leser noch eine kleine Lehrstunde in Sachen Quantenphysik. Es lohnt sich, an diesem kleinen Ausflug in die Wissenschaft und Physik teilzunehmen, denn der Autor erklärt hier komplexe Vorgänge auf verständliche Art, so dass einem die Handlung des Romans noch ein Stück nähergebracht wird. Auch wenn es anfangs kompliziert erscheint, so sollte man sich dennoch die Zeit für dieses spezielle „Nachwort“ nehmen, um „Die Störung“ auch noch unter diesem weitaus wissenschaftlicheren Aspekt zu verstehen.
Ich für meinen Teil freue mich auf jeden Fall schon wieder auf das nächste Abenteuer aus der Feder von Brandon Q. Morris und kann es kaum erwarten, wieder mit ihm ins All zu fliegen.

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Fazit: Stimmungsvoller und ruhiger Science-Fiction-Wissenschafts-Thriller, der absolut überzeugt.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Vakuum von Phillip P. Peterson



Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 494 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-596-70074-5
Kategorie: Science Fiction

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Als die Menschheit ein außerirdisches Raumschiff entdeckt, geht man erst einmal von einem ersten Kontakt aus. Aber das Schiff ist vor einer Bedrohung auf der Flucht, die mit Lichtgeschwindigkeit auf die Galaxis zukommt und auch die Erde in Gefahr bringt. Mit der Physikerin Susan Boyle und dem Astronauten Colin Curtis startet die Menschheit eine Rettungsaktion sondergleichen …

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Phillip P. Peterson hat ein kleines Wunder in meinen Augen geschafft: Er hat die „alten“ Science-Fiction-Abenteuerromane von Larry Niven und Stephen Baxter wieder zurückgebracht und mich mit „Vakuum“ in eine andere Zeit zurückgeschleudert. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich in dieser Geschichte „wohlgefühlt“ habe, weil sie einen so angenehmen „Old School“-Effekt auf mich hatte, dass ich mich des Öfteren an meine Jugendzeit erinnert habe, in der ich ähnliche Romane der obengenannten Autoren verschlungen habe. Peterson hat zudem ein Szenario entworfen, das äußert realistisch, und dadurch auch unheimlich spannend ist.

Der Autor hat einen sehr flüssigen und vor allem bildhaften Schreibstil, so dass an gar nicht mehr zu lesen aufhören möchte. Ich persönlich fand ich die Charakterzeichnungen, obwohl nicht übertrieben detailliert, sehr gut und man konnte sich die einzelnen Protagonisten und ihre Handlungsweisen wirklich sehr gut vorstellen. Das Weltuntergangsszenario hat mir außerordentlich gut gefallen und ich könnte mir das Ganze absolut als Film vorstellen. Zeitweise haben mich die Vorbereitungen der Menschheit, diese Katastrophe zu überleben, an Roland Emmerichs Blockbuster „2012“ erinnert, wobei Petersons Handlung um ein Vielfaches ausgeklügelter und nachvollziehbarer ist. Es verhält sich tatsächlich sogar so, dass mir dieses apokalyptische Bild einer Bedrohung für die Erde gar nicht mehr richtig aus dem Kopf geht, so eindringlich beschreibt Peterson das Ganze.

Eines ist für mich ganz klar: Phillip P. Peterson reiht sich mit diesem ersten Roman, den ich von ihm gelesen habe, postwendend in die Riege meiner Science-Fiction-Lieblingsautoren wie Stephen Baxter, Larry Niven, Arthur C. Clarke, Peter F. Hamilton, Gregory Benford und Greg Bear ein. Ich werde definitiv seine anderen Werke, allen voran die Transport-Reihe, lesen. „Vakuum“ beeindruckt aber nicht nur mit einer tollen Handlung, sondern ist auch in sämtlichen wissenschaftlichen Beschreibungen fundiert und großartig. Der Roman ist ein unvergleichliches Abenteuer für die Menschheit (und daraus resultierend auch für den Leser), das man sich nicht entgehen lassen sollte. Wer klassische Science-Fiction mag, sollte „Vakuum“ unbedingt lesen, denn besser kann ein Buch aus diesem Genre gar nicht sein.

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Fazit: Beeindruckender und spannender Pageturner um die Rettung der Menschheit.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Perry Rhodan – Das grösste Abenteuer von Andreas Eschbach

perry

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 848 Seiten
Preis: 25,00 €
ISBN: 978-3-596-70145-2
Kategorie: Science Fiction

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Perry Rhodan erfährt eine Kindheit, die sich fast ausschließlich um den Weltraum dreht. Auch als Erwachsener begleitet ihn das All und die Versuche der NASA, eben diesen zu erobern. Rhodan verfolgt hartnäckig während seines ganzen Lebens das Ziel, einmal selbst in den Weltraum zu fliegen, bis es eines Tages im Jahr 1971 soweit ist. Perry Rhodan verlässt die Erde und bricht auf zur größten Reise, die ein Mensch je angetreten hat.

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Ich war wirklich sehr gespannt auf dieses Buch, da ich alle Werke dieses Autors sehr schätze und gerne lese. Denn, hätte Andreas Eschbach diesen Roman nicht verfasst, so wäre ich wahrscheinlich niemals in den Genuss gekommen, diese wunderbare Vorgeschichte von Perry Rhodans Abenteuern zu erleben. Eschbach hat einen faszinierenden Schreibstil, der einen von Anfang an absolut in seinen Bann zieht. Schon die ersten Seiten waren in einem Rutsch gelesen, weil ich mich nicht mehr von der Geschichte lösen konnte. Ich habe, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, noch nie ein Perry Rhodan Heft gelesen und trotzdem war ich von dieser Lebensgeschichte derart fasziniert, dass mir während des Lesens immer wieder durch den Kopf ging, mir die Hefte – zumindest die ersten 100 – zu besorgen.

Es ist absolut faszinierend, wie Andreas Eschbach Zeitgeschehnisse in die fiktive Lebensgeschichte Rhodans einbaut. Die Biografie von Perry Rhodan liest sich manchmal wie die von Neil Armstrong. Vielleicht ist dies sogar ein wenig beabsichtigt, denn die Umstände beziehungsweise die Handlungsorte gleichen sich ja ein wenig. Eschbachs Roman dreht sich hauptsächlich um die Entwicklung der Raumfahrt. Der vorliegende Roman ist aber nicht nur etwas für Perry Rhodan Fans, sondern durchaus auch für all diejenigen, die, wie ich, noch nie ein Heft dieser gigantischen SF-Reihe gelesen haben und sich für die Raumfahrt und deren Anfänge begeistern. Man bekommt nicht nur einen Einblick in die damalige (reale) Zeit, sondern Eschbach vermittelt auch grandios das Feeling der Heft-Serie, wie ich im Nachhinein feststellen konnte, nachdem ich neugierig in eines der Heftchen reingelesen habe. Eschbach ist ein Kenner des Rhodan-Universums und spielt geschickt mit historischen Fakten und erfundenen Begebenheiten. „Perry Rhodan –  Das größte Abenteuer“ ist ein Buch, das man gut und gerne trotz seiner beeindruckenden Dicke noch einmal lesen möchte.

Auf den letzten Seiten schlägt Eschbach dann einen geschickten Bogen, um von seiner bis dahin sehr realistisch wirkenden Vita von Rhodan in das fantastische Science Fiction-Genre der Heftchenserie einzutauchen. Man spürt den Übergang kaum, der den Leser von der wirklichen Welt in die Abenteuer jenseits unserer Vorstellungskraft führt. Ich bin sehr begeistert, wie Eschbach die Vorgeschichte der größten deutschen SF-Serie zu Papier gebracht hat. Vor allem mit welcher Detailgenauigkeit, seien es nun die tatsächlich passierten Ereignisse, die im Roman vorkommen, als auch die erfundenen Aspekte der SF-Serie. Man hat nach der Lektüre tatsächlich das Gefühl, dem Beginn einer Legende beigewohnt zu haben, so episch geht Andreas Eschbach die Sache an. Dem Autor gilt mein höchster Respekt in Bezug auf die perfekte Verquickung der Vorgeschichte und dem Übergang zur Heftchenromanreihe. Volle Punktzahl meinerseits.

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Fazit: Nicht nur für Fans der größten SF-Serie ein Muss, sondern auch für Neueinsteiger.

©2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Armada von Ernest Cline

armada

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-596-29660-6
Kategorie: Science Fiction

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Zack Lightman ist einer der besten Spieler im Computerspiel „Armada“. Dort wird die Erde von einer außerirdischen Spezies angegriffen und Lightmann muss zusammen mit anderen Spielern unsere Welt retten. Doch dann taucht eines Tages plötzlich ein echtes Raumschiff über seiner Heimatstadt auf und aus dem Computerspiel wird Ernst. Denn es stellt sich heraus, dass „Armada“ lediglich als Spiel getarnt ist und die Spieler in Wahrheit eine Armee bilden, die die Hoffnung der gesamten Menschheit darstellen.

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Ernest Cline geht mit seinem zweiten Roman nach „Ready Player One“ kein Risiko ein und bewegt sich auf den gleichen Pfaden wie bei seinem Debüt. Was sich aber im ersten Moment wie eine uninspirierte und gar kopierte Geschichte nach Schema F des Vorgängers anhört, entpuppt sich dann aber doch sehr schnell zu einem zweiten Volltreffer im Bereich der Science Fiction, der wieder auf unzähligen Anspielungen auf Filme der 80er und 90er Jahre aufbaut. Der Lesegenuss von „Armada“ gestaltet sich ähnlich flott wie der von „Ready Player One“. Man fliegt nur so durch die Seiten, weil man von dem flüssigen, humorvollen Schreibstil schlichtweg mitgerissen wird. Ernest Cline schafft es hervorragend, seine Leser grandios und kurzweilig zu unterhalten. Und wenn man ein „Kind der 80er“ ist und / oder sich für Filme und Musik aus dieser Zeit interessiert, kann man sich dem Sog von Clines‘ Romanen sowieso nicht entziehen.

Ernest Cline zeichnet seine Charaktere ähnlich „menschlich“ und glaubhaft wie in „Ready Player One“, so dass man wirklich sehr nahe  am Protagonisten die Handlung miterlebt. Es sind vor allem die Gedankengänge seiner Hauptperson, die den Leser direkt ansprechen und damit äußerst sympathisch machen. Cline versäumt es auch nicht, in seinem neuen Roman hin und wieder Gesellschaftskritik einzubauen, die durchaus nachvollziehbar ist. „Armada“ ist erneut ein wilder Trip durch die Welt von Computerspiel-, Film- und Musiknerds, der unheimlich Spaß macht. Man sollte „Ready Player One“ aber nie als Vergleich heranziehen und diesen Roman einfach als eigenständiges Werk ansehen, denn zu viele Parallelen im Storyaufbau sind zu verzeichnen, die schnell ein nicht allzu gutes Licht und ein daraus resultierendes Urteil im Kopf des Lesers erscheinen lassen. Viele der unterhaltsamen Anspielungen auf die Welt der 80er Jahre wirken „kopiert“ und lediglich auf eine andere Handlung als „Ready Player One“umgeschrieben, so dass man leicht meinen könnte, „Armada“ wäre als Nachfolgeroman lediglich schnell heruntergeschrieben worden. Ich für meine Person empfinde das überhaupt nicht so, sondern halte „Armada“ für einen völlig legitimen Nachfolger des Erfolges „Ready Player One“, der einfach nur im selben Stil verfasst wurde.

Ähnlich wie beim Vorgängerroman sieht man während des Lesens die Handlung als eine Art Film vor sich. Und es ist in der Tat so, dass sich auch „Armada“ für eine Verfilmung anbieten würde und als Film womöglich sogar besser als die Romanvorlage funktionieren würde. So ähnlich ging es mir übrigens auch bei den Büchern und Filmen von „Maze Runner“, die mir als Buch nur bedingt und als Film sehr gut gefallen haben. Ernest Cline bleibt auf alle Fälle seinem Konzept treu und liefert mit seinem zweiten Buch genau das ab, was seine Fans erwartet haben: kurzweilige Popkorn-Literatur, die schon als Buch einen Kinoblockbuster auf der Gedankenleinwand des Lesers erscheinen lassen. Seine Bücher sind Pageturner erster Klasse, die durch den im Moment auch noch absolut in Mode gekommenen 80er Jahre-Flair einfach nur magisch verzaubern. Clines‘ Bücher könnten es sogar schaffen, nichtlesende Jugendliche endlich wieder zum Lesen zu bringen, denn er behandelt Themen, die diese Zielgruppe begeistern: Videospiele und Filme. Und diese Zutaten, vermischt mit einem lockeren, flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil, ergeben fantastische Unterhaltungsliteratur, die nicht nur Jugendliche, sondern auch (junggebliebene) Erwachsene in ihren Bann zu ziehen vermag. Ich freu mich schon auf das dritte Werk des vielversprechenden „Nerds“.

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Fazit: Kurzweilig und genauso unterhaltsam wie der Vorgänger „Ready Player One“.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten