Bringt sie zum Schweigen von Ramon Maria Winter

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bookcover-1-1-238x300Erschienen als Broschur
im Scylla -Verlag
insgesamt 544 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3945287002
Kategorie: Thriller

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Eventuelle Spoilergefahr! Ich verrate ein bisschen mehr als der Klappentext …

Im kleinen beschaulichen Ort Whispertal kommt es plötzlich zu einigen blutigen Zwischenfällen. Die Hunde scheinen von der Tollwut befallen und Menschen und Bewohner anzugreifen und zu verletzten.

Der Landarzt Dr. Nordström wird zu einigen Familien gerufen und erlebt furchtbare Szenen. Als die brutalen Angriffe immer öfter auftreten, stößt Betty Jäger als ermittelnde Polizistin hinzu.


Auch der Pfarrer des Ortes, Gordon Shooter, zusätzlich auch der beste Freund des Arztes Nordström, versucht zu helfen und gemeinsam bemühen sie sich zum einen, der Lage Herr zu werden und zum anderen, dem Hintergrund für diese Ausbrüche auf die Spur zu kommen.


Dies gestaltet sich nicht nur als sehr schwer, sondern zusätzlich auch als lebensgefährlich für alle Beteiligten …..

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Der Roman des neuen und jungen Verlages gefällt mir eigentlich und grundsätzlich gut. Die Storyline ist spannend und fesselnd, die Charaktere sind gut gezeichnet und die Handlung gut geführt, der Bogen meist straff gespannt.

Das klingt schon nach einem Aber und das gibt es auch. Denn ich habe mich mit diesen 544 Seiten Roman/Thriller so schwer getan, dass ich volle zwei Monate brauchte, um durch zu sein. Ich komme nicht mehr so oft zum lesen wie früher und wenn ich dann Buchseiten in einer gefühlten Schriftgröße 8 und ca. 46 Zeilen vor mir habe, dann komme ich einfach nicht vorwärts. Ich habe es auch oft so empfunden, als sei der Handlungsstrang künstlich in die Länge gezogen, ich finde es zog sich stellenweise doch sehr.


Die beiden Protagonisten Nordström und Shooter sind mir während der Handlung schon ans Herz gewachsen und näher gekommen, mit Betty Jäger wurde ich bis zuletzt nicht so wirklich warm.

Der Verlag liefert ein schönes Cover und ich muss sagen, den Geschäftsslogan „Wir lesen Independant“ finde ich ziemlich gut! http://www.scylla-verlag.de/

Mein Fazit: Eine Geschichte, die eine gute Idee liefert, stark beginnt, sich nachher aber für mein Empfinden sehr zieht. Leider war für mich die Lektüre sehr anstrengend, weil die Seiten einfach zu eng, voll und klein beschrieben waren. Etwas kürzer, knackiger vom Text und luftiger und großzügiger vom Druck wäre mir sehr lieb gewesen.

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© Buchwelten 2016

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Nur über deine Leiche von Dan Wells – Serienkiller IV

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Dan Wells
Erschienen als
broschierte Ausgabe
im Rough Cut bei
PIPER
384 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-492-28024-2

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John Cleaver, 18 Jahre alt, kann Dämonen sehen. Zwischenzeitlich hat er auch bereits einige von Ihnen erfolgreich vernichtet. Inzwischen arbeitet er eigentlich für das FBI, das längst weiss, dass uralte böse Mächte unter den Menschen weilen und immer wieder morden. Doch nach dem Desaster vor Fort Bruce, bei dem John zwar erfolgreich, aber unter etwas widrigen und sehr extremen Umständen, den Dämonen Rack ausgeschaltet hat, befindet er sich auf der Flucht.

Gemeinsam mit Brooke (und Niemand und den vielen tausend anderen Seelen, die ihr Körper beherbergt) ist er unterwegs, um weitere Verwelkte aufzuspüren und auszuschalten. Hilfreich sind hierbei die Erinnerungen der verstorbenen Mädchen in Brookes Körper. Hier finden sich immer wieder Hinweise oder zumindest Bruchstücke darauf, wo sie den nächsten Verwelkten aufspüren können.

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Ich bin oder war Fan der Serienkiller-Reihe von Dan Wells vom ersten Moment an. Dieser junge und eigentlich total irre und verkorkste Protagonist John war mir vom ersten Moment an ans Herz gewachsen. Jedoch war ich vom vierten Teil eher enttäuscht als erfreut. Der Schauplatz hat gewechselt von Clayton, dem kleinen Ort, wo John über dem Bestattungsinstitut seiner Mutter gelebt hat und was eigentlich für mich den besonderen Flair dieser Romane mit ausgemacht hat. Im vierten Teil war John dann bereits für das FBI tätig und die vielen Namen der Verwelkten und unendlichen Persönlichkeiten, die Brooke innewohnen, haben mich oft mehr genervt als begeistert. Dennoch war ich natürlich neugierig auf den fünften Teil der Reihe. Ob es nun der letzte ist, bleibt abzuwarten. Ich denke es eher nicht, auch wenn die Romane ursprünglich als Trilogie geplant waren.

Die erste Hälfte des Buches gefiel mir erneut nicht so besonders gut. Das Roadmovie mit lustigen Buchstabensuchspielen und dem dauernd wechselnden Selbst von Brooke hat mich auch hier eher nicht begeistert. Ein bisschen rausgerissen hat es dann für mich, dass eine wichtige und bekannte Figur in Brookes Körper zum Vorschein kam und letztlich auch wieder zeitweise die Handlung aktiv bereichert hat.

Ab der zweiten Hälfte des Buches gefiel es mir dann wieder viel besser und es kam sogar wieder an die drei sehr guten ersten Teile heran. Vielleicht lag es daran, dass die Handlung sich wieder auf einen kleinen Ort beschränkt hat, in dem ein Dämon sein Unwesen treibt und kaltblütig mordet. John befindet sich plötzlich in einem Umfeld ähnlich dem von Clayton wieder und die beiden kommen auch wieder mit Gleichaltrigen in Kontakt. Die Stimmung des verschlafenen Nestes, welches von Gräueltaten heimgesucht wird hat mir dann wieder sehr gut gefallen. Auch die Idee, nach welcher Art und Weise der Dämon handelt, hat mich überzeugt. Eine gute Idee – hier hat das Lesen mir wieder richtig Spaß gemacht.

Alles in allem denke ich jedoch, dass man es bei der Trilogie hätte lassen sollen. Denn man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist und da ist schon was wahres dran. Ja, die Leser wollten natürlich mehr, ich selbst hatte mich ja auch gefreut, als ich hörte, dass es weitergeht. Aber Fortsetzungen sind nicht immer gut oder sinnvoll. Wie gesagt, ich denke schon es geht weiter um John Cleaver. Ob ich selbst noch einmal Lust auf einen weiteren Teil habe kann ich noch nicht sagen. Derzeit tendiere ich zu einem Nein.

Optisch bleibt der Verlag seiner Linie treu und liefert den Roman wieder im ausgefallenen und optisch total ansprechenden Rough Cut. Das finde ich sehr gut, denn es kommt ja auch vor, dass Verlage selbst innerhalb einer Reihe einfach mal so das Design ändern.

Mein Fazit: Der fünfte Teil der Serienkiller-Reihe hat sich für mich in der ersten Hälfte sehr gezogen und ab und an leider beinahe genervt. In der zweiten Hälfte konnte er mich wieder fesseln und hat zurückgefunden zur Stimmung der ersten drei Teile.

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2016

Finderlohn von Stephen King

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King
Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Heyne
insgesamt 544 Seiten
Preis:  22,99  €
ISBN: 78-3-453-27009-1
Kategorie: Thriller

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1978 – John Rothstein, Autor der erfolgreichen Jimmy Gold-Trilogie lebt seit vielen Jahren zurückgezogen und hat lange nichts veröffentlicht. Eines ruhigen Abends dringen drei junge Männer in sein Haus ein und der berühmte Schriftsteller wird brutal ermordet. Kopf der drei Verbrecher ist Morris Bellamy, ein mehr als fanatischer Anhänger des Autors. Und eben der begeht den Mord nicht etwa aus Habgier, sondern einzig und allein aus Rache und Wut darüber, wie der Autor die Trilogie hat enden lassen. Den Wandel, den der Protagonist der Reihe durchlebt hat, konnte und wollte Bellamy nicht akzeptieren, er sah ihn als Verrat an. Als Beute nehmen die Eindringlinge nicht nur eine große Menge Bargeld mit, sondern auch einen kompletten Tresor voller Notizbücher, die Rothstein über Jahre hinweg Seite um Seite von Hand beschrieben hat. Für Bellamy ist dieser Teil der Beute der einzig wichtige. Morris Bellamy vergräbt die gesamte Beute zunächst, weil die Umstände es erforderlich machen und kommt dann, einige Monate später, dummerweise für ein ganz anderes Verbrechen ins Gefängnis. Und dort bleibt er auch die nächsten 28 Jahre.

2009 – Pete Saubers ist ein Junge aus einem eigentlich völlig normalen Elternhaus. Einzig der Umstand, dass sein Vater durch einen Unfall schwer verletzt wurde, bereitet der Familie große Schwierigkeiten. Sie kommen finanziell kaum noch über die Runden und Pete und seine Schwester müssen die Streitigkeiten der Eltern leider immer öfter ertragen. Da kommt Pete sein zufälliger Fund wie ein wahrer Segen vor. Denn Pete findet Bellamys vergrabene Beute durch puren Zufall. Er nutzt zunächst das Geld seines „Schatzes“ dafür, um seine notleidende Familie über die Runden zu bringen.

Nach 35 Jahren wird Morris Bellamy auf Bewährung aus der Haft entlassen. Natürlich will er als erstes nach seiner vergrabenen Beute sehen, denn all die Jahre im Knast hat ihn einzig und allein die Freude auf die ungelesenen Notizbücher aufrecht gehalten. Als er bemerkt, das seine Beute verschwunden ist, macht sich Bellamy auf die Suche. Und natürlich kommt er Pete Saubers auf die Spur. Nun ist Detective Hodges gefragt. Kann der Cop im Ruhestand, der bei Mr. Mercedes schon sehr erfolgreich „ermittelt“ hat, Pete helfen und den irren, fanatischen Anhänger des ermordeten Autors aufhalten ….?

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Der „neue“ King. Man mag ihn oder nicht. Ich mag ihn. Ein mir bekannter King-Fan sagte mal, dass man bei ihm die ersten 100 Seiten getrost überlesen kann, weil er immer erst dann in die Handlung gefunden hat. Bei Mr. Mercedes war das schon ganz und gar nicht der Fall. Da wurde der Leser gleich zu Anfang mit Drama und Chaos, Action und Tod konfrontiert. Auch hier ist das der Fall. King geht es überhaupt nicht ruhig an, sondern kommt direkt zur Sache. Und die ist nicht unbedingt seicht.

Finderlohn ist der zweite Teil um den alternden Detective Hodges, der schon in Mr. Mercedes so brillante Arbeit geleistet hat, nachdem er damals durch den Killer selbst aus seiner Lethargie gerissen wurde. Auch hier spielt Hodges wieder eine große Rolle und wir treffen neben ihm auch weitere Personen wieder, die wir noch aus Mr. Mercedes kennen. Allerdings spielt er erst recht spät eine Rolle.

King beginnt seine Erzählung mit zwei Handlungssträngen in der Vergangenheit. Einmal im Jahre 1978 ff den Strang um Bellamy und dann im Jahre 2009 den Strang um den Jungen Pete Saubers. Wir verfolgen die beiden einige Jahre dann, bevor King dann in die Gegenwart wechselt. Und dies nicht nur in seiner Erzählung, sondern auch in der Zeitform.

Wie die Vorgänger liefert King hier einen Roman, der eher von einer ruhigen, aber sehr dichten und komplexen Stimmung getragen wird. Dennoch gibt es sehr heftige Szenen, die an Blut, Dramatik und Nervenzerren ganz und gar nicht sparen. Ich mag diesen neuen Stil von Stephen King sehr. So hat er bereits „Joyland“ und „Der Anschlag“ geschrieben und nun eben auch „Mr. Mercedes“. Viele mögen dies zu langatmig und zäh finden, mir geht es gar nicht so. Ich tauche in die Geschichte ein, begleite die Protagonisten über viele Jahre, bekomme Einblicke in deren Charaktere, ihr Umfeld und genieße es, mich durch die Geschichte treiben zu lassen. Und ich finde es sehr positiv, dass mir seitdem auch endlich die Enden von Kings Romanen gefallen. Denn die fand ich bei den älteren Werken oft leider mäßig, missglückt oder zu kurz abgefertigt. An ganz vielen Stellen des Romans finden sich sehr gute Aussagen, bezogen auf die Arbeit eines Schriftsteller und die Liebe der Leser. Mich haben diese Stellen immer an sein Buch „Das Leben und Schreiben“ erinnert (ich fand es toll). Ich muss eine kleine Stelle zitieren:

„Eine der beglückendsten Erfahrungen, die man als Leser im Leben machte, war die ein Leser zu sein – also nicht nur lesen zu können ……, sondern in die Tätigkeit als solche vernarrt zu sein. Hoffnungslos. Hals über Kopf. Das erste Buch, das dies zustande brachte, vergaß man nie, und jede einzelne Seite schien eine neue Offenbarung mit sich zu bringen, eine die brannte und begeisterte …“

Eine Kleinigkeit noch: Ich habe bei einer Figur das Gefühl nicht losbekommen, dass Stephen King die Serie Twin Peaks gesehen und gemocht hat. Denn der flippige Englisch Lehrer von Pete Saubers, namens „Ricky the Hippie“ erinnert mich sehr stark an Dr. Jacoby :-). Bauschige Hemden, Schlaghosen und sonstiges Hippie-Outfit haben mich immer genau diese Person sehen lassen …

Mein Fazit: Eine absolut gelungene Fortsetzung von Mr. Mercedes, die mich in einer ruhigen, stimmungsvollen Atmosphäre gefesselt hat. Einerseits kommt der Roman gemächlich daher und andererseits ist er voller dramatischer, heftiger, brutaler und sehr erschreckender Szenen. Die Figuren bieten alles zwischen liebenswert und total irre, sind jedoch charakteristisch alle sehr echt und glaubhaft gezeichnet. Ich freue mich sehr auf den dritten Teil!

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© Buchwelten 2015

Vollendet – Der Aufstand von Neal Shusterman (Teil II)

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Vollendet
Erschienen als Hardcover
bei S. Fischer Verlage
insgesamt  Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: ISBN: 978-3-7373-6718-9
Kategorie: Young Adult

Nachdem der Admiral die Führung des Friedhofs an Connor abgegeben hat, muss dieser sich täglich beweisen. Risa, die nach dem Unglück im Camp im Rollstuhl sitzt, versucht ihm zu helfen wo sie kann. Sie leitet die Sanitätsabteilung, dennoch fürchtet sie ständig Connor eher eine Last zu sein.

Lev versucht ein neues Leben zu beginnen, wird in ein Haus ehemaliger Zehntopfer gebracht und durch die Leiter dort als eine Art Gott hochgejubelt. Als ehemaliges Zehntopfer und DER Klatscher, der nicht geklatscht hat, betet ihn dort jeder regelrecht an. Damit kommt Lev allerdings gar nicht zurecht. Als dort das Mädchen Miracolina auftaucht, findet Lev endlich eine Ansprechpartnerin, die ihm gefällt. Allerdings hat er es nicht leicht, sich ihr überhaupt zu nähern. Denn Miracolina ist mit ihrer Rettung kurz vor dem Zehntopfergang gar nicht einverstanden und reagiert aggressiv und wütend.

Als ein gestorchter Junge namens Starkey kurz vor der Umwandlung durch Connor und seine Leute gerettet und zum Friedhof gebracht wird, ist für ihn sofort klar, dass er ganz langsam, still und heimlich Connor den Rang ablaufen will. Er sieht sich als den neuen Anführer des Friedhofs und wird alles tun, dieses Ziel zu erreichen …..

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Der zweite Teil der Vollendet-Reihe schließt nahtlos an den ersten Teil an und der Leser trifft alle bekannten Personen wieder und lernt neue kennen. Ich hatte keine Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden und die Stimmung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen.

Der Spannungsbogen ist gut gesponnen und durch die verschiedenen Handlungsorte wird die Geschichte nicht langatmig oder zäh.

Mir hat die Erschaffung einer weiteren, sehr besonderen Person, absolut gefallen, auf die ich aber gar nicht näher eingehen möchte, denn dass würde einen Teil der Handlung verraten, der die Geschichte wirklich bereichert. Das Problem, was ist richtig, was ist falsch, was ist ethisch tragbar und was nicht, all dies kommt durch diese Figur sehr gut heraus und sorgt für Brisanz.

Neal Shusterman hat mit seiner Vollendet-Reihe ja eine sehr gute Grundidee umgesetzt, nämlich: Ein Mensch darf rückwirkend bis zu seinem 16 Lebensjahr abgetrieben werden. Das bedeutet, Eltern können z.B. schwierige pubertierende Teenager loswerden, indem sie sie umwandeln lassen. Das bedeutet, der Körper des Umzuwandelnden wird zerlegt und sämtliche Teile werden transplantiert und somit am Leben erhalten. Doch die große Frage ist ja: Was passiert mit der Seele?

Wenn das Leser meiner Rezension neugierig gemacht hat, können sie gerne die Rezension zum ersten Teil einmal lesen und dann vielleicht entscheiden, ob sie Lust haben, sich der Reihe mal zu widmen?

Mein Fazit: Ein sehr gut gelungener Teil II der Vollendet-Trilogie, der die Geschichte weitererzählt und sie um weitere Figuren bereichert, die sicher im dritten und letzten Band eine große Rolle spielen. Ich freue mich darauf!

Buchtrailer zu Vollendet – Der Aufstand

Trailer zum Making of des Hörbuchs:

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© Buchwelten 2015

EXIT von Hugh Howey

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exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

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Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

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Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

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© Buchwelten 2015

Gesetz der Rache von Kristen Simmons

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Erschienen als Klappenbroschur
bei ivi (Piper Verlag)
insgesamt 448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70305-5
Kategorie: Jugendbuch

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Ember und Chase haben es geschafft sich dem Widerstand anzuschließen. Offiziell für tot erklärt, setzen sie sich nun gemeinsam mit den Rebellen, der großen „Familie,“ für „die Sache“ ein.

Als plötzlich von einem Heckenschützen, dem Sniper, die Rede ist, verbreitet sich Unruhe in der Gemeinschaft. Dieser Schütze erschießt Soldaten der MM – der Moralmiliz – auf öffentlichen Plätzen, unter den Augen der Zivilisten. Die Kämpfer des Widerstandes vermuten natürlich, dass der Sniper einer von Ihnen ist, doch dessen Identität kennen auch sie nicht.

Dann erscheint plötzlich ein aktuelles Fahndungsplakat des FBR – Federal Bureau of Reformation – auf dem unter den Hauptverdächtigen in Bezug auf die Anschläge Ember Miller aufgeführt ist:

Ember Miller, verhaftet wegen Artikel 5

 Bekannt als „Heckenschütze“. Gesucht wegen Mords und vielfachen Hochverrats.

Die Verdächtige ist bewaffnet und äußerst gefährlich.

 Code 1: Bei Sichtkontakt sofortige Eliminierung.

 Ember und Chase sind geschockt. Wer hat sie verraten? Warum soll Ember die Heckenschützin sein? Sie, die nicht einmal eine Waffe halten kann und das Wayland Inn, die Zentrale des Widerstandes, seit ihrer Ankunft nicht einmal verlassen hat?

Dennoch, die beiden sind wieder auf sich allein gestellt. Sie müssen den Schutz der Gruppe verlassen und selbständig um ihre Freiheit kämpfen …

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Da es sich hier um die Fortsetzung von „Artikel 5“ handelt (ich hatte keine Ahnung, dass es eine Fortsetzung geben wird), habe ich auch diesmal in meiner Zusammenfassung des Inhalts eigentlich gar nichts verraten. Zumindest nicht ein Detail, welches die Handlung des ersten Teils ausmacht. Denn ich gehe einfach mal davon aus, dass es viele Leser dieser Rezension gibt, die Artikel 5 noch nicht gelesen haben. Daher möchte ich doch keinem die Spannung nehmen.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den ersten Roman an und auch hier schreibt Kristen Simmons wieder in einem angenehmen guten und schön lesbaren Schreibstil. Die Verzweiflung, der Mut, die Hoffnung, der ewige Kampf um die Freiheit, all dies wurde wieder sehr gut rübergebracht. In der Handlung sind zwischen den Büchern nur einige Wochen vergangen, dennoch ist die Protagonistin Ember sehr gereift. Sie wirkt selbstsicherer, ist tougher und wirkt längst nicht mehr wie ein Teenager.

Ember und Chase durchleben auf ihrem Weg Unmengen an Gefahren, dennoch gibt es auch viele ruhige, angenehme und schöne Momente in der Handlung, die sehr zart, liebe- und gefühlvoll beschrieben sind. Also eine gelungene Mischung aus rasanten und dramatischen Szenen sowie ruhigen Momenten, die den Leser zwischendurch zur Ruhe kommen lassen.

Das Cover wird vom Verlag eigentlich fast identisch wie zu „Artikel 5“ präsentiert. Gedeckte Farben, ein blauer Schriftzug, wieder ist das Mädchen mit den strahlend blauen Augen zu sehen. Mir gefällt es gut, zumal sich die beiden Bücher nun optisch hervorragend nebeneinander im Regal blicken lassen können.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die gelungene Fortsetzung von „Artikel 5“. Die Autorin liefert eine gute Mischung aus Dramatik, Freundschaft, Hoffnung und Mut, geschrieben in einem guten Schreibstil. Der Leser trifft auf bekannte und interessante Charaktere und wird sich ganz gewiss von der Handlung fesseln lassen.

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Ich danke dem Piper Verlag / ivi für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Das Haus der verlorenen Düfte von Melisse J. Rose

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Erschienen als Klappenbroschur
bei Rütten & Loening (Aufbau)
insgesamt 496 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-352-00840-5
Kategorie: Erzählung

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Die Geschwister Jac und Robert L’Etoile versuchen die Parfümerie, die sich seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindet, zu retten. Ihr Vater ist schwer an Alzheimer erkrankt und hat in den letzten Jahren mehr Chaos und Durcheinander verursacht, als Parfüm zu kreieren.

Robert ist der diejenige, der die Arbeit in der Parfümerie weiterführen will und während er versucht, das Chaos in der Werkstatt zu beseitigen, findet Robert ein zerbrochenes Tongefäß, von dem ein betörender Duft ausgeht. Es scheint sich hier um ein uraltes Artefakt aus Ägypten zu handeln, dass der Vorfahr Giles L’Etoile im Jahre 1799 bei einer Grabexpedition gefunden hat. Dieses Gefäß lag im Grab zweier Liebender, die gemeinsam mumifiziert waren. Der Duft sollte ihnen offensichtlich helfen, einander im nächsten Leben wiederzufinden.

Robert will das Rätsel nicht nur lösen, sondern auch versuchen, den Duft zu entschlüsseln, denn der scheint beim Einatmen eine besondere Wirkung zu entfalten: Die Person verfällt in eine Art Trance und sieht Erinnerungen an sein vorheriges Leben.

Jac, Roberts Schwester, glaubt nicht an diesen Hokuspokus. Auch wenn sie immer schon die feinfühligere der beiden war und die besonders feine Nase der Parfümeure geerbt hat, will sie von diesen Dingen nichts wissen. Sie lebt mittlerweile in den USA und ihr Beruf ist es, Mythen aufzudecken und logisch zu erklären. Jac will unbedingt zwei der Klassiker aus dem Hause L’Etoile verkaufen, um die Parfümerie vor dem Bankrott zu retten.

Offensichtlich haben auch andere Personen Interesse an dem uralten Artefakt. Denn plötzlich verschwindet Robbie aus der Werkstatt der Parfümerie und ein toter Mann liegt darin. Jac reist aus Amerika zurück in ihre Heimat Paris. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Griffin, der vor dem Verschwinden Robbies mit der Übersetzung der Hieroglyphen auf dem Tongefäß beschäftigt war, versucht Jac ihren Bruder zu finden. 

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Das Buch habe ich zum Indiebookday gekauft und wurde positiv überrascht. Die Geschichte um die Parfümerie L’Etoile hat mich nicht nur in die Welt der Düfte und Rezepturen von Parfüms entführt, sondern mich ins alte Ägypten reisen lassen und mir einiges über die buddhistische Religion und deren alte Riten beigebracht.

Die Autorin beginnt mit Giles L’Etoile, der im Jahre 1799 in einer Grabkammer in Alexandria, in der der Urahn besagtes Tongefäß mit dem betörenden Duft entdeckt. An seiner Seite war niemand geringerer als Napoleon.

Dann springt sie innerhalb mehrerer Handlungsstränge hin und her (Peking, USA, Paris), die sich im Laufe des Romans jedoch immer mehr zusammenfügen und auch logisch er- und aufgeklärt werden.

In einem guten Schreibstil entführt Melisse J. Rose die Leser in die Welt der Düfte und lehrt sie vieles über die Herstellung von Parfüms. Im angehängten Glossar gibt es gute und ausführliche Erklärungen zu spezifischen Begriffen, die sich nicht nur auf Düfte beziehen, sondern auch auf Reinkarnation, Karma, u.v.m.

Auch wenn der Roman eine Liebesgeschichte beinhaltet, ist diese eigentlich eher nebensächlich. Vielmehr geht es um Rätsel und Geheimnisse der Vergangenheit. Um die Jagd nach einer Rezeptur, die Flucht vor unerbittlichen Verfolgern, den Zusammenhalt zwischen Geschwistern und natürlich immer wieder um Düfte.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Roman, der, rasant und spannend geschrieben, in eine besondere Welt der Düfte entführt und den Leser auf eine Reise ins alte Ägypten und  heutige Paris mitnimmt. 

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© Buchwelten 2013

Die Unvergängllichen von Kyle Mills

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Erschienen als Taschenbuch
bei Amazon Crossing
insgesamt 340 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-1611097863
Katergorie: Thriller

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Dr. Richard Draman ist Mikribiologie und versucht verzweifelt ein Heilmittel für die Krankheit Progerie zu finden. Diese Krankheit lässt Kinder extrem schnell altern, die Kindern sterben jung an frühzeitiger Vergreisung. Seine Tochter Susie ist mit diesem Gendefekt geboren und 8 Jahre alt. Die Zeit drängt und das Geld für die Forschung ist knapp. Immer wieder muss Draman Gelder von Stiftungen zur Unterstützung seiner Arbeit erbetteln.

Als ihm der Witwer seiner kürzlich verstorbenen ehemaligen Kollegin Dateien mit den Forschungsergebnisses seiner Frau übergibt, keimt in Draman Hoffnung auf. Die Kollegin scheint der Entschlüsselung des Gendefektes, der für die Progerie Erkrankung verantwortlich ist, erstaunlich nahe gewesen zu sein.

Richard Draman sieht auf Grund dieser Dateien endlich die Möglichkeit ein Heilmittel zu entwickeln und seine Tochter zu retten. Doch offensichtlich gibt es Gegner, die ihn zum Schweigen bringen wollen. Unbekannte beginnen, ihn und seine Familie zu verfolgen. Sogar ein Mordanschlag auf seine kranke Tochter wird verübt. Menschen, mit denen Dr. Draman in Kontakt getreten ist, nachdem er die Dateien erhielt, kommen auf mysteriöse Weise ums Leben.

Der Biologe und seine Familie finden sich plötzlich aus ihrem Alltag herausgerissen und auf einer Flucht um Leben und Tod ….

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Die Inhaltsangabe klang spannend und hat mich neugierig gemacht. Außerdem war ich zugegebenermaßen neugierig auf das Werk, welches im Amazon eigenen Verlag publiziert wurde.

Was die Qualität und das Erscheinungsbild des Taschenbuches angeht, bin ich absolut enttäuscht. Wenn ich den Roman gekauft hätte, dann wäre er umgehend zurückgegangen. Der Schnitt ist schräg und sieht aus, wie von Hand mit der Schneidemaschine gekappt. Somit ist das Buch nicht nur schief, wenn es im Regal steht, auch der Text ist innerhalb der Buchdeckel schief gedruckt und sieht somit stümperhaft aus. Ich habe ein Foto gemacht, auf dem der Anblick hoffentlich gut rüberkommt.

Die Handlung ist nicht schlecht, auf jeden Fall spannend und flott zu lesen. Der Schreibstil ist nicht besonders gehoben, die Charaktere der Protagonisten fand ich jedoch gut ausgearbeitet. Mich erinnerte der Roman an den Film „Auf der Flucht“ des Dr. Kimball mit Harrison Ford. Stellenweise empfand ich die dramatischen, sich ständig überschlagenden Ereignisse ein wenig überzogen und zu viel des Guten.

Dennoch hat mir die Geschichte gefallen und ich war natürlich immer gespannt, ob Dr. Dramen am Ende der Sieg gegen die Bösen gelingt. Auf jeden Fall hat die Handlung eine hübschere Verpackung verdient.

Das Cover zeigt einen Schatten auf einem Krankenhausgang, was zur Handlung passt und mich auch anspricht. Allerdings ist der Einband so weich, dass sich das Buch nach dem Lesen nicht mehr schließen lässt und der Buchdeckel nun eher im 90 Grad Winkel absteht.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen guten und spannenden Medizinthriller, der zwar in einem einfachen Schreibstil verfasst ist, aber dennoch fesselt. Der Roman ist durch die kurzen, knappen Kapitel sehr schnell durchgelesen. Allerdings ist die Qualität des Buches aus dem Hause Amazon Crossing sehr schlecht. Wenn alle Bücher des Verlages so aussehen und nicht nur die freien Leseexemplare – was ich natürlich nicht beurteilen kann – dann sind sie das Geld nicht wert und ich wäre als Käufer mehr als nur enttäuscht.  

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Wer die Bilder grösser sehen möchte, einfach draufklicken…

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© Buchwelten 2013

Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei cbj
insgesamt 544 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-570-13835-9
Kategorie: Jugendbuch ab 12 Jahre

Erscheinungstermin: 18. März 2013

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Der 17 jährige Arian Pratt ist Seiltänzer und ein begnadeter Puppenspieler in London im Jahre 1973. Der ansehnliche junge Mann hat ein Seil zwischen zwei Bäumen auf dem Rasen vor der Westminster Abbey gespannt um Publikum für die abendliche Zirkusvorstellung zu locken, als ein seltsamer alter Mann auf ihn zukommt und ihn anspricht. Arian ist dieser Kerl nicht geheuer und versucht höflich auf Distanz zu gehen. Doch leider lässt der sich nicht abwimmeln und bei einer plötzliche Berührung der Hände geschieht etwas, dass Arians Leben von diesem Moment an völlig auf den Kopf stellt: Arian findet sich urplötzlich in dem Körper des alten Mannes wieder und der andere flieht mit seiner fleischlichen Hülle.

Arian versucht natürlich sofort dem zwielichtigen Kerl zu folgen, will er doch seinen Körper zurück. Aber ehe er Zeit hat, all das Geschehene in der Schnelle zu verarbeiten, wird er auch schon von dunklen Gestalten verfolgt, die offenbar für den bekanntesten Verbrecher Londons arbeiten.
Während seiner Jagd, die ja nun zeitgleich eine Flucht ist, lernt Arian die schöne Mira kennen. Nach anfänglichem Misstrauen freunden sich die beiden an. Mira ist es, die Arian darüber aufklärt was mit ihm geschehen ist. Er ist ein Swapper, ein Körpertauscher, er kann also durch Berührungen nackter Haut die Körper mit anderen Menschen wechseln. Mira ist ebenfalls eine Swapperin, sie bringt Arian bei mit dieser Gabe umzugehen und erklärt ihm außerdem eine Reihe wichtiger Hintergründe.

Mira ist Französin, im gleichen Alter wie Arian und derzeit in London, weil sie die Mörder ihrer Eltern aufspüren will. Auch Arian hat seine Eltern als Säugling durch einen Mord verloren, der Leiter des bekannten Zirkus von London ist lediglich sein Adoptivvater.
Gemeinsam mit Mira macht sich Arian auf die Suche: natürlich nach seinem eigenen Körper, den er unbedingt zurückhaben will, aber auch um herauszufinden, wer er eigentlich ist und was genau mit seinen Eltern geschah. Dazu müssen sie Mister M. finden, den mächtigsten Seelendieb überhaupt. Sein wirklicher Name ist Morpheus und er trägt viele Masken, nein, Körper und das macht die Sache beinahe unmöglich ….

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Mit seinem neusten fantastischen Roman für jugendliche Leser hat Ralf Isau erneut eine spannende, fesselnde und abenteuerliche Geschichte geliefert. Sehr kurzweilig und rasant erzählt der Autor die Suche von Arian und Mira und lässt sie sich mutig von einer Gefahr in die nächste begeben. Hierbei wechselt er örtlich nicht nur zwischen London und Frankreich zur Zeit der gefährlichen französischen Revolution. Auch nach Deutschland führt ihre Reise, auf der Suche nach Morpheus.
Hier hat Ralf Isau die Sage um die Loreley, den bekannten schwarzen Fels am Rhein, sehr gut in die Handlung verbaut und die erwähnten Festungen/Burgen sind real. Auch ich bin an Burg Katz und Maus auf dem Fußweg zur Loreley schon vorbeigelaufen. Die Idee, wirkliche historische Ereignisse und Bauwerke in die Geschichte mit einzubauen, wertet die Handlung auf und läßt den Leser dadurch nicht dass Gefühl haben, sich eigentlich in einer fantastischen Geschichte zu befinden.

Ich war während des Romans hautnah bei den brutalen Hinrichtungen durch die Guillotine in Frankreich dabei, fand mich in stinkenden Kerkern wieder und lernte sogar die Gründerin von Madame Toussauds Wachsfigurenkabinett kennen. Dies sind nur einige wirkliche historische Figuren, die Ralf Isau in seiner Handlung verknüpft hat. Eine Auflistung dieser Personen liefert der Autor im Anhang des Romans.

Der Schreibstil ist der typische Isau, angenehm lesbar, gut ausformuliert, rasant und wie immer sehr bildhaft. Aber durch die vielen Kämpfe und dramatischen Situationen geht es mitunter auch recht grob und brutal zu. Natürlich spreche ich hier nicht von Splatterelementen, dennoch sollte der Leser schon Blut „sehen“ können.

Das Buch wird vom Verlag in einer schönen gebundenen Ausgabe präsentiert, leider wurde ein Lesebändchen eingespart :). Das geprägte Cover finde ich gut gelungen und der ausgefallene Ballon springt ins Auge. Ja, er hat auch mit der Handlung zu tun. Die große gelbe Fläche, in der der Titel des Romans erscheint, hat mich auf den ersten Blick jedoch eher an ein Ortseingangsschild erinnert. Der Titel „Die Masken des Morpheus“ ist zwar ein wenig länger, als der ursprünglich angedachte, gefällt mir aber gut.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den neuen Jugendroman von Ralf Isau. Erneut liefert der Autor eine einfallsreiche, spannende Geschichte. Ein großes, dramatisches Abenteuer, gespickt mit vielen wahren Begebenheiten, die wie immer gut recherchiert sind. Ich habe mit den sehr sympathischen Protagonisten mitgefiebert und hatte den Roman innerhalb kurzer Zeit verschlungen.

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Ich danke cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2013

Vollendet von Neil Shusterman (5/5)

.Vollendet 1

Erschienen als
gebundene Ausgabe
im sauerländer Verlag
432 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN:  978-3-411-80992-9
Kategorie: Jugendbuch

.Das Buch beginnt mit den Worten der „Charta des Lebens“. Verfasst nach dem zweiten Bürgerkrieg, dessen Ursache das Thema der Abtreibung war:

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Nach der Charta des Lebens ist das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum dem Zeitpunkt, an dem ein Kind dreizehn Jahre alt wird, unantastbar .

Im Alter zwischen dreizehn und achtzehn Jahren können Eltern ein Kind „rückwirkend“ abtreiben.

… unter der Bedingung, dass das Leben des Kindes „streng genommen“ nicht endet. 

Der Vorgang, mit dem das Leben eines Kindes abgeschlossen wird, das Kind aber dennoch am Leben bleibt, wird Umwandlung genannt.

Die Umwandlung ist inzwischen eine gängige Praxis in der Gesellschaft.

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Sie sagen, die Umwandlung sei schmerzfrei und jeder Teil des Körpers lebt weiter. Aber was passiert mit deiner Seele? Wo geht sie hin? Wird sie auch aufgeteilt?

Connor, Risa und Lev sind drei absolut unterschiedliche Jugendliche, die eher zufällig auf einander treffen.
Connor ein nicht einfacher 16-jähriger soll umgewandelt werden, weil seine Eltern nicht mehr mit ihm zurechtkommen.
Risa ist ein „Mündel des Staates“ und im Waisenhaus aufgewachsen. Sie ist eine begnadete Klavierspielerin, doch die staatlichen Einrichtungen benötigen den Platz für die nächsten Waisenkinder.
Lev ist ein sogenanntes Zehntopfer. Das 10. Kind einer religiös-fanatischen Familie, dem von Geburt an eingepredigt wird, dass er einzig dafür existiert um als Opfer umgewandelt zu werden.

Die drei begeben sich gemeinsam auf die Flucht und die ist absolut nicht ungefährlich. Doch trotz aller Gefahren und Ängste denen sie ausgesetzt sind: Sie finden auf diesem Weg auch zu sich selbst. Ob ihnen das allerdings etwas nützt bleibt fraglich. Denn sollte man sie schnappen und sie umgewandelt werden, sind sie nicht mehr existent. Zumindest nicht „an einem Stück“ ….

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Die Kurzbeschreibung des Romans hat mich auf Anhieb absolut neugierig gemacht. Und dieses Buch hat meine Erwartungen absolut erfüllt. Ein spannendes, kurzweiliges und – vor allem – sehr hintergründiges Buch hat Neil Shustermann abgeliefert. Fragen wie: Wann ist ein Mensch ein Mensch? Ab wann beginnt die Seele zu existieren? Dürfen Erwachsene über das Leben eines Kindes entscheiden? werden behandelt.

Der Autor hat in seiner Handlung ein heftiges und umstrittenes Thema aufgegriffen. Wie er dies in die Handlung um die Jugendlichen eingebaut hat, hat mich vollkommen überzeugt.

Ängste, Hoffnung, Neid, Machthunger, dies und noch viel mehr Zwischenmenschliches hat er beschrieben und er hat seinen Protagonisten nicht nur vollkommen verschiedene, sondern auch reale und glaubhafte Charaktere gegeben.

Dieses Buch wurde mir von der ersten bis zur letzten Seite nicht langweilig, was wohl auch an dem kurzen, knappen Schreibstil liegt. Shustermann erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive, wobei er immer zwischen seinen drei Hauptfiguren wechselt. Die Sätze sind kurz und leicht verständlich. Es gibt viele Dialoge, die – natürlich – auch ein einer umgangsprachlichen Weise formuliert sind. Doch sie wirken nicht flach oder gestelzt.
Es war sehr interessant, an den Meinungen, Einstellungen und tiefgründigen Gedanken der „Wandler“ teilzuhaben.

Und der Autor hat es gut hinbekommen, dass man den auftauchenden „Guten“ nicht so recht glauben und trauen will. Das Ende des Buches fand ich nicht enttäuschend, sondern gut gelungen.

Und mehr möchte ich an dieser Stelle einfach nicht erzählen. Denn auch wenn es sich hier um die Kategorie „Jugendbuch“ handelt, es ist ein All-Age Buch, wie man heute so schön sagt. Ein Buch mit einem ernsten Thema und tiefem Hintergrund, das lange nachwirkt.

Präsentiert wird der Roman in einer gebundenen Ausgabe mit einem klasse mattsilbernen Cover. Der Einband ist ein Hingucker. Die Kapitel sind recht kurz gefasst, die Seiten in lockeren Zeilenabständen verfasst und die Buchseiten sind sehr dick.
Das Buch ist im Endeffekt sicherlich kürzer als es auf den ersten Blick wirkt. Also, nicht von der Dicke des Buches abschrecken lassen!

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen (Jugend)Roman der die ernsten Thema Leben, Tod, Abtreibung und einiges mehr aufgreift. Dies verpackt in einer spannenden, flotten Handlung mit guten Ideen und interessanten Schauplätzen (auch reale!). Für mich absolut lesenswert und sehr zu empfehlen!

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Ich danke Amazon Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Und wer noch mehr erfahren  möchte:

Ein sehenswerter Trailer zum Buch —> *** KLICK ***