Das Dunkel der Sterne von Peter F. Hamilton

haMILTON

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 928 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70392-5
Kategorie: Science Fiction

Der Planet Bienvenido konnte zwar endlich aus der Leere ins Universum zurückkehren; doch er ist Millionen Lichtjahre vom Commenwealth entfernt. Die Bewohner kämpfen immer noch gegen die Faller.  Doch plötzlich erscheint eine mysteriöse Gestalt auf, die sich „Kriegerengel“ nennt und den Menschen Hilfe anbietet.

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Der zweite Roman aus der „Chronik der Faller“ setzt unbedingt voraus, dass man den ersten Teil kennt, denn die komplexe Handlung wird fortgeführt. Ohne Vorwissen gerät der dicke Schmöker schnell zu einem äußerst unübersichtlichen Plot, dem man schon bald nicht mehr folgen kann. Wer aber noch ungefähr weiß, was sich im ersten Teil abgespielt hat, darf erfreut in das „neue“ Universum von Peter F. Hamilton zurückkehren.  Man muss allerdings diese Art von (Science Fiction-) Bücher mögen, denn es verlangt auch einem eingeschworenen Fan an gewissen Stellen Durchhaltevermögen ab. Hamilton geht in die Länge, wo er nur kann (außer hier am Ende) und fordert vom Leser Aufmerksamkeit und Konzentration, denn nur zu schnell kann man nämlich die Übersicht bei der Komplexität der Handlung verlieren. „Das Dunkel der Sterne“ wirkt durch die Antagonisten, die „Faller“, herrlich unverbraucht und erfrischend, die mir in dem vorliegenden zweiten Teil sogar noch besser als im ersten gefallen haben.

Peter F. Hamilton schreibt Space Operas, wie sie sich der eingefleischte Science Fiction-Fan wünscht. Da ist wirklich alles dabei, von politischen Intrigen über Weltraumschlachten und Aliens bis hin zu polizeilichen Ermittlungen und Verschwörungen. Hamilton erschafft eine bis ins letzte Detail glaubwürdige Zukunftswelt. Das mittlere Drittel dieses zweiten Teils hat mir besonders gut gefallen. Hier treffen die verschiedenen Handlungsstränge aufeinander, vermischen sich und ergeben plötzlich einen Sinn. Das war hervorragend gemacht und hat mich eher an einen „alten“ Abenteuerroman als an eine moderne Science Fiction-Geschichte erinnert. In diesem Abschnitt des sehr umfangreichen Romans kam eine sehr angenehme Atmosphäre auf,  wegen der ich unentwegt weiterlesen wollte. Gegen Ende hin wird Hamilton dann wieder etwas langatmiger und widmet sich ausgiebigen Beschreibungen von zum Beispiel technischen Details, die für den ein oder anderen (ungeduldigen) Leser etwas ermüdende Auswirkungen haben könnten. Da ich die anderen Commonwealth-Romane (noch nicht) kenne, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich mit diesem Wissen hier auch noch ein komplett anderes Gesamtbild ergeben könnte. Aber der Lesegenuss funktioniert auch ohne die vorhergehenden Romane aus dem Commonwealth-Zyklus, „Der Abgrund jenseits der Träume“ einmal ausgenommen.

Die Charakterzeichnungen fand ich ebenfalls sehr gelungen, allen voran der „normale“ Florian. Die Szenen, in denen er sich um ein schnell heranwachsendes Baby kümmert, sind einfach nur göttlich und machen dermaßen viel Spaß, dass man sich am Ende wünscht, es hätte noch länger gedauert. Aber auch die anderen Personen agieren glaubwürdig und wachsen einem ans Herz, oder auch nicht. „Die Chronik der Faller“ ist episch angelegt und umfasst einen riesigen Zeitraum, der unendlich viele Möglichkeiten und eigene Gedankengänge zulässt. Denn obwohl Hamilton sehr vieles genau erklärt, rotieren die Gedanken des Lesers (zumindest ging es mir so) permanent und bilden erstaunlicherweise irgendwie zusätzliche Details in dem ganzen Universum. Was ich damit sagen will, ist, dass Hamilton es bei mir geschafft hat, dass ich seine erschaffene Welt über seine Erklärungen hinaus in meiner Vorstellung weiter ausgebaut habe. Erwähnen möchte ich noch unbedingt die Verfolgungsszene mit den Polarbären, die so bildhaft beschrieben wurde, dass ich förmlich einen Film vor meinem inneren Auge sah. Dieses Geschehen wirkte sehr beeindruckend auf mich und ich denke, dass ich es nicht so schnell vergessen werdew. Peter F. Hamiltons Abschlussband der „Faller-Chronik“ schließt nahtlos an den ersten Band an. Beide Bücher ergeben ein Science Fiction-Abenteuer der Extraklasse, dessen Gesamteindruck im Nachhinein noch mehr nachwirkt als während des Lesens. So muss gute Science Fiction sein.

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Fazit: Würdige Fortsetzung von „Die Träume jenseits des Abgrunds“. Genialer Science Fiction-Pageturner.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Tür von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 256 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67673-2
Kategorie: Thriller, Horror

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Es ist schon eine Weile her, dass sich die schrecklichen Morde im Horrorhaus zugetragen haben. Mittlerweile ist der originale Schauplatz der grausigen Verbrechen zu einem Museum, in dem die Morde nachgestellt werden, geworden, das sich großer Beliebtheit bei den Touristen erfreut.
Mark ist in Alison verliebt und würde sich gerne mit ihr treffen. Völlig überraschend erklärt sich das Mädchen bereit, sich mit ihm zu treffen. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Mark soll sich Zutritt zum Horrorhaus verschaffen und gemeinsam mit Alison eine Nacht darin verbringen. Vollkommen alleine und ohne Touristenrummel. Natürlich setzt Mark alles daran, den Wunsch von Alison zu erfüllen. Es gelingt ihm tatsächlich, in das Horrorhaus zu kommen. Doch die Nacht verläuft völlig anders als erwartet …

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich in letzter Zeit die Meinungen sind, wenn ein „neuer“ (also ein altes, ausgegrabenes, noch nicht in Deutschland veröffentlichtes) Buch von Richard Laymon auf den Markt kommt. Die meisten mögen seine bis dato in deutscher Sprache unveröffentlichten Bücher wohl nicht und empfinden sie zum größten Teil langweilig und unspannend. Interessanterweise verhält es sich bei mir genau andersherum, was aber nicht heißt, dass ich die „alten“ und blutigen Storys von Laymon nicht mag. Ich sehe es vielmehr immer als gelungene Überraschung, wenn ich jetzt nach und nach auch die „ruhigeren“ Werke dieses einzigartigen Autors zu lesen bekomme. „Die Tür“, der vierte Roman aus dem Keller-Zyklus, zählt für mich wieder einmal zu jenen Werken, die ich gerade aufgrund ihrer unspektakulären „Inszenierung“ mag. Durch das wirklich unterhaltsame Vorwort von Jack Ketchum, der mit Laymon befreundet war, sieht man dessen Romane auch einmal aus einer anderen Sichtweise.
Der vorliegende Roman „Die Tür“, der für mich eher unter die Kategorie Kurzgeschichte fällt, hätte durchaus auch als eigenständiger Roman außerhalb der Keller-Reihe angesiedelt werden können, denn echten Bezug zur Trilogie gibt es nicht wirklich. Einzig der Schauplatz ist der gleiche und vermittelt ein wenig das Gefühl von Rückkehr und es werden zugegebenermaßen einige Dinge aus den ersten Büchern erwähnt.

Mir hat der flüssige und enorm unterhaltsame Schreibstil total Spaß gemacht und ich hatte mit dem Protagonisten wirklich mitgefiebert. Und auch wenn der Laymon-typische Blutfaktor in dieser Geschichte fast vollständig gefehlt hat, so wirkte der Plot für mich vielleicht gerade deswegen sehr glaubwürdig. Im Grunde genommen fehlt hier nämlich der oftmals übertriebene Laymon-Touch, den man sonst aus seinen Geschichten kennt. Sicherlich ist „Die Tür“aber dennoch wiederum ein typischer Laymon, wenn man auf die Feinheiten achtet. Horror- und Splatterfans werden vergeblich auf blutige Vorfälle warten, denn es geht in erster Linie um einen „Liebesbeweis“ und einen Jungenstreich, der an alte Horrorfilme der 80er Jahre erinnert.  Für mich stellte der knapp 130 Seiten lange Roman in seiner bildhaften Schreibweise einen Kurzfilm dar, an den ich mich aufgrund seiner minimalistischen Handlung noch lange erinnern werde. Für mich also wieder einmal eine Überraschung, was den bis dato „unbekannten ruhigen Laymon“, betrifft.

Da „Die Tür“ äußerst kurz ausgefallen ist, packte der Heyne Verlag noch eine Novelle des Meisters in das Buch, das optisch übrigens wieder, wie alle anderen Heyne Hardcore-Ausgaben, hervorragend in die Richard Laymon-Sammlung passt. „Die Wildnis“ heißt die Kurzgeschichte, die etwa die zweite Hälfte des Taschenbuchs einnimt und auf ähnliche Weise die Abenteuer eines jugendlichen Abenteurers schildert, der alleine durch die Wälder streift und dabei Bekanntschaft mit anderen Campern macht. Auch hier zeigt sich Laymon von seiner eher stillen Seite und schildert die Gedanken eines jungen Mannes in Form eines Reiseberichts. Doch hier werden, im Gegensatz zu „Die Tür“, die Blutfanatiker zumindest gegen Ende der Story ein wenig belohnt. Denn der Naturausflug gerät immer mehr außer Kontrolle, bis er auf den letzten Seiten … aber lest selbst 🙂

Mir haben beide Geschichten super gefallen und ich freue mich schon jetzt, wenn Heyne die Reihe der unentdeckten Laymon-Werke fortsetzt, denn so wie es aussieht, gefallen mir die besser als die spektakulären, schockierenden Bücher von ihm. Aber eines ist dennoch gewiss: Laymon ist eben Laymon, ob gut oder weniger gut. Seine Romane sind wie Achterbahnfahrten. Und wenn man einmal drinsitzt, gibt es kein Entkommen mehr, auch wenn die Geschichten mal etwas ruhiger ausfallen. 😉

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Fazit: Eher ruhiger Roman von Richard Laymon, der durch seine bildhafte Erzählweise lebt. Ich mochte die unspektakuläre Story.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Phantom von Manhattan von Frederick Forsyth

PhantomErschienen als Taschenbuch
im Goldmann Verlag
240 Seiten
gebraucht auf diversen Plattformen erhältlich
ISBN: 978-3-442-45003-9

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Was wurde aus dem Phantom der Oper, welches in den Gewölben unter der l’Operà lebte und die junge Opernsängerin Christine Daaé entführte, da es sich unsterblich in die junge Frau verliebte?

Als Madame Antoinette Giry im Jahre 1906 im Sterben liegt und nach einem Notar verlangt, erzählt sie ihm, wie sie seinerzeit den Jungen Erik Mühlheim aus einem Kurisiositätenkabinett befreite und ihn zunächst in ihrem Heim aufpäppelte und dann an ihrer Arbeitsstätte, unter der Pariser Oper, versteckte. Nach dem skandalösen Vorfall um Christine Daaé verhalf sie ihm dann zur Flucht nach Amerika.

Und ihr letzter Wille ist es nun, dass der Notar Dufour einen Brief an Erik für sie zustellen soll. Und das persönlich und zwar in New York. Erik ist in New York zu großem Reichtum gekommen, ist einer der mächtigsten Männer Amerikas. Zu Gesicht bekommen hat das „Phantom von Manhattan“ jedoch bislang niemand ….

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Als ich damals Anfang 2016 das Musical „Das Phantom der Oper“ gesehen hatte, war ich so begeistert, dass ich die Geschichte lesen wollte. Ich habe dann den Roman von Gaston Leroux gelesen, der sicherlich gu,t aber doch irgendwie auch ein bisschen komisch war. Stichworte: der Perser, Stromausfall …

Mein Onkel erzählte mir dann, dass er mit meiner Tante im Musical „Das Phantom von Manhattan“ war, das einfach fantastisch sei und ihn absolut begeisterte. Ich wusste seinerzeit gar nicht, dass es eine „Fortsetzung“ des Romans gibt. Mein Mann schenkte ihn mir und ich habe ihn innerhalb der letzten 2 Tage verschlungen.

Zu allererst gibt es ein sehr ausführliches Vorwort von Frederick Forsyth, das so gut, interessant und informativ ist, das es sich allein dafür lohnt, das Buch in die Hand zu nehmen. Er zerlegt den Roman von Leroux in einer liebevollen aber klaren Art und Weise und er erzählt sehr viel über die Hintergründe der damaligen Gerüchte (die den Stoff für den Roman lieferten) den Bau und die Architektur des Opernhauses in Paris, uvm. Sehr spannend!

Wie oben im „Klappentext“ bereits erwähnt, beginnt die eigentliche Geschichte dann mit der Erzählung von Antoinette Giry, der Frau, die wir alle aus dem ersten Roman (und auch natürlich aus dem Musical) kennen. Im Roman war sie eher eine unterbelichtete „Schließerin“ der Logen im Operngebäude. Im Musical war sie die Leiterin des Corps des Ballet (der Tanztruppe) und Mutter der Tänzerin Meg.

Wir begleiten dann den Notar auf seinem Weg nach New York, erfahren wie es Erik nach seiner Ausreise nach Amerika ergangen ist. Auch hier verbaut Forsyth sehr viel Interessantes und historisch Belegtes. Ich habe alles nachgelesen und mir alte Bilder angeschaut, da ich zum einen prüfen wollte, ob er wirklich die wahre Geschichte mit seiner Fiktion verknüpft und es zum anderen einfach so spannend war, dass ich mehr wissen wollte.

Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Person erzählt, die in die Handlung involviert ist, und so sind wir immer sehr nah dabei und es geht bisweilen recht dramatisch zu. Mehr verrate ich von der Handlung nicht, denn ich kann jedem, der „Das Phantom der Oper“ gesehen / gelesen hat nur empfehlen, diesen Roman ebenfalls zu lesen.

Die Idee zum Buch kam (natürlich) durch ein Gespräch mit Andrew Lloyd Webber auf, der dann gemeinsam mit Frederick Forsyth an dieser Handlung herumgefeilt hat.

Und eines weiß ich ganz gewiss: Dieser Roman wird ein fantastisches Musical geworden sein! Ich möchte es unbedingt ansehen. Aber zuerst: lest dieses Buch ☺

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© Marion Brunner für Buchwelten 2017

 

Das Ende der Menschheit von Stephen Baxter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
588 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-453-31845-8

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Vierzehn Jahre sind vergangen, seit die Erde von den Marsianern angegriffen wurde. Die Menschheit wiegt sich in Sicherheit, nur der Schriftsteller und Kriegsveteran Walter Jenkins rechnet mit einer erneuten Invasion vom Mars. Leider behält er recht. Doch dieses Mal scheint der Angriff der Außerirdischen weitaus geplanter zu verlaufen, als beim ersten Mal.

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Als großer Fan des Originalromans von H.G. Wells und auch Stephen Baxter war ich natürlich gespannt, wie die Fortsetzung des Kultromans ausfallen würde. Baxter scheint ja selbst ein großer Anhänger von H.G. Wells zu sein, denn bereits 1995 wagte er sich an eine Fortsetzung eines Werkes desselbigen heran: „Zeitschiffe“, die Weiterführung der „Zeitmaschine“.
Entgegen anderer Meinungen bin ich alles andere als enttäuscht über „Das Ende der Menschheit“, wenngleich Baxters „Zeitschiffe“ meiner Erinnerung nach bedeutend besser gelungen ist. Stephen Baxter hat aber auch in diesem Fall von Anfang an die Grundstimmung des originalen Romans eingefangen und setzt die Geschichte durchaus plausibel und vor allem sehr unterhaltsam fort. Der Leser trifft auf Personen, die er noch aus dem ersten Teil kennt und fühlt sich (zumindest ging es mir so) sofort wieder wohl in der Handlung. Baxter macht aus dem zweiten Angriff der Marsianer ein bombastisches Event, das ich mir schon während des Lesens permanent als Kinofilm vorstellen konnte. Da werden alte Versatzstücke von H.G. Wells mit neuen, erfrischenden Ideen vermischt, dass es eine wahre Freude ist. Baxter lässt sich mit seinem Schreibstil auf den von H.G. Wells ein und vermittelt daher eine ähnliche Stimmung wie im  Original.

Der ein oder andere wird die militärischen Vorgehensweisen ermüdend und langweilig finden, ich konnte die Handlungsweisen durchaus nachvollziehen und fand sie insgesamt auch recht spannend. Sicherlich wurde Baxter an einigen Stellen etwas ausschweifend und ging vielleicht zu sehr ins Detail, was für mich aber immer noch im vertretbaren Rahmen und vor allem stimmig war. Gerade die oftmals dokumentarische Art und Weise, in der Baxter die zweite Attacke der Marsbewohner schildert, hat mich persönlich gefesselt und auch begeistert. Denn genau diese Erzählweise brachte eine tolle Atmosphäre in den Plot, die dadurch nicht spektakulär sondern eher ruhig und zurückhaltend auf mich wirkte. Stephen Baxter versucht niemals, an das Original heranzukommen, sondern erzählt auf geradezu schlichte Weise, wie die Geschichte hätte weitergehen können. An manchen Stellen interpretiert er unaufdringlich Dinge aus der Originalgeschichte auf seine eigene Art und Weise, was ich aber nie als unangenehm empfunden habe. Einziger Kritikpunkt auf politischer Ebene war für mich die oftmals sehr negative Darstellung der Deutschen, die mir an manchen Stellen ein wenig bitter aufgestoßen ist. Ansonsten wirkte der Plot von „Das Ende der Menschheit“ für mich stimmig konstruiert und zum größten Teil im Sinne von H.G. Wells weitergeführt. Sicherlich bricht immer wieder mal Baxters eigener Stil durch, wie könnte es auch anders sein, aber er hält sich schon sehr zurück, um die Stimmung des Originals wiederzugeben.

„Das Ende der Menschheit“ ist mit Sicherheit nicht Stephen Baxters bestes Buch. Dazu musste er sich wohl einfach zu sehr zurückhalten, um nicht in seinen für ihn typischen „Weltraum-Bombast“ zu verfallen. Baxter ist es aus meiner Sicht gelungen, eine würdige Hommage an Wells‘ Klassiker zu verfassen, obwohl er sich des Öfteren in unwichtigen Details verliert. Mir persönlich hat es dennoch gefallen. Vor allem die geschickte Einbindung bekannter Personen aus dem ersten Teil und die wirklich gut konstruierte andere Entwicklung der Weltgeschichte, hervorgerufen durch den ersten Angriff der Marsianer, werteten diese Fortsetzung für mich auf. Das Ende rief bei vielen wohl Verärgerung hervor, was ich gar nicht nachvollziehen kann. Baxter wollte einfach etwas Neues erschaffen, was ihm auch gelungen ist. Und so absurd, wie viele Leser meinen, kam das Finale bei mir keineswegs an. Man sollte sich darauf einlassen, denn „Das Ende der Menschheit“ hat durchaus einige Höhepunkte und vor allem eine sehr schöne Atmosphäre, die, wie bereits erwähnt, an H.G. Wells Kultklassiker erinnert. Für mich war die Fortsetzung eine schöne Hommage an das Original, vermischt mit den gewohnten Innovationen eines Stephen Baxter, der aus meiner Sicht niemals die Intention hatte, das Original zu toppen, sondern einfach nur fortsetzen wollte. Ich fand es gut. 🙂

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Fazit: Gelungene, gut konstruierte Fortsetzung, die die Atmosphäre des Originals wiedergibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Harry Potter und das verwunschene Kind von J.K. Rowling u.a.

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Carlsen
insgesamt 336 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-551-55900-5
Kategorie: Jugendbuch, Abenteuer, Fantasy

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19 Jahre sind nach dem finalen Kampf in Hogwarts vergangen und Harry Potter und seine Gefährten sind erwachsen und haben längst eigene Kinder.

Natürlich besuchen auch die Kinder Hogwarts, die Schule für Hexerei und Zauberei. Aber logischerweise haben die Kinder ihre eigenen Charakter und kommen nicht unbedingt so nach ihren Eltern wie die es sich wünschen ….

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Ich denke, dass sich so ziemlich jeder Potter-Fan gewünscht hat, dass J.K. Rowling doch noch einen 8. Teil der Reihe schreibt, eben irgendeine Fortsetzung liefert. Nun, irgendwie hat sie das getan, jedoch so ganz anders, als die Fans das erwartet hatten.

Sie hat keinen weiteren Roman, sondern ein Theaterstück geschrieben, und wir als Leser bekommen hier das Drehbuch dazu als „Fortsetzung“ geliefert.

Ich für mich finde das eine großartige Idee und ich hatte großen Spaß an der Lektüre. Direkt nach den ersten Sätzen der 1. Szene im 1. Akt war alles wieder da: die besondere Stimmung, die Zaubersprüche, die Zauberer, Hexen, Lehrer und Wesen, die man über so viele Jahre liebgewonnen hatte.

Durch die besondere Art des Textes fliegt man nur so durch das Buch und man vergisst sehr schnell, dass man eigentlich ein Drehbuch liest. Denn die Namen, wer gerade was sagt, das überliest man sehr schnell. Man kann den Gesprächen nämlich ohne weiteres folgen und verliert nie den Überblick. Ganz geschickt werden Rückblenden verbaut, die die Erinnerung wieder ein wenig auffrischen, sollte doch etwas in Vergessenheit geraten sein.

Ich fand es großartig, u.a. Scorpius Malfoy und Albus Severus Potter kennenzulernen, sie zu begleiten und mit Ihnen Abenteuer zu erleben. Aber auch die „alten“ kommen in keinster Weise zu kurz. Rowling und ihre Mitschreiber (John Tiffany und Jack Thorne) haben hier eine richtig tolle Story geliefert.

Ich würde das Theaterstück sehr gerne sehen und finde es schade, dass es nicht in Deutschland aufgeführt wird. Aber vielleicht ändert sich das ja noch oder es gibt sogar irgendwann eine Verfilmung?
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Das ist hier übrigens die 2. Rezension auf Buchwelten zu diesem Buch. Mein Mann, Wolfgang Brunner, hat hier bereits seine Meinung niedergeschrieben:

Rezension zu „Harry Potter und das verwunschene Kind“ von Wolfgang Brunner.

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© Marion Brunner für Buchwelten

Vollendet – Der Aufstand von Neal Shusterman (Teil II)

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Vollendet
Erschienen als Hardcover
bei S. Fischer Verlage
insgesamt  Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: ISBN: 978-3-7373-6718-9
Kategorie: Young Adult

Nachdem der Admiral die Führung des Friedhofs an Connor abgegeben hat, muss dieser sich täglich beweisen. Risa, die nach dem Unglück im Camp im Rollstuhl sitzt, versucht ihm zu helfen wo sie kann. Sie leitet die Sanitätsabteilung, dennoch fürchtet sie ständig Connor eher eine Last zu sein.

Lev versucht ein neues Leben zu beginnen, wird in ein Haus ehemaliger Zehntopfer gebracht und durch die Leiter dort als eine Art Gott hochgejubelt. Als ehemaliges Zehntopfer und DER Klatscher, der nicht geklatscht hat, betet ihn dort jeder regelrecht an. Damit kommt Lev allerdings gar nicht zurecht. Als dort das Mädchen Miracolina auftaucht, findet Lev endlich eine Ansprechpartnerin, die ihm gefällt. Allerdings hat er es nicht leicht, sich ihr überhaupt zu nähern. Denn Miracolina ist mit ihrer Rettung kurz vor dem Zehntopfergang gar nicht einverstanden und reagiert aggressiv und wütend.

Als ein gestorchter Junge namens Starkey kurz vor der Umwandlung durch Connor und seine Leute gerettet und zum Friedhof gebracht wird, ist für ihn sofort klar, dass er ganz langsam, still und heimlich Connor den Rang ablaufen will. Er sieht sich als den neuen Anführer des Friedhofs und wird alles tun, dieses Ziel zu erreichen …..

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Der zweite Teil der Vollendet-Reihe schließt nahtlos an den ersten Teil an und der Leser trifft alle bekannten Personen wieder und lernt neue kennen. Ich hatte keine Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden und die Stimmung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen.

Der Spannungsbogen ist gut gesponnen und durch die verschiedenen Handlungsorte wird die Geschichte nicht langatmig oder zäh.

Mir hat die Erschaffung einer weiteren, sehr besonderen Person, absolut gefallen, auf die ich aber gar nicht näher eingehen möchte, denn dass würde einen Teil der Handlung verraten, der die Geschichte wirklich bereichert. Das Problem, was ist richtig, was ist falsch, was ist ethisch tragbar und was nicht, all dies kommt durch diese Figur sehr gut heraus und sorgt für Brisanz.

Neal Shusterman hat mit seiner Vollendet-Reihe ja eine sehr gute Grundidee umgesetzt, nämlich: Ein Mensch darf rückwirkend bis zu seinem 16 Lebensjahr abgetrieben werden. Das bedeutet, Eltern können z.B. schwierige pubertierende Teenager loswerden, indem sie sie umwandeln lassen. Das bedeutet, der Körper des Umzuwandelnden wird zerlegt und sämtliche Teile werden transplantiert und somit am Leben erhalten. Doch die große Frage ist ja: Was passiert mit der Seele?

Wenn das Leser meiner Rezension neugierig gemacht hat, können sie gerne die Rezension zum ersten Teil einmal lesen und dann vielleicht entscheiden, ob sie Lust haben, sich der Reihe mal zu widmen?

Mein Fazit: Ein sehr gut gelungener Teil II der Vollendet-Trilogie, der die Geschichte weitererzählt und sie um weitere Figuren bereichert, die sicher im dritten und letzten Band eine große Rolle spielen. Ich freue mich darauf!

Buchtrailer zu Vollendet – Der Aufstand

Trailer zum Making of des Hörbuchs:

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© Buchwelten 2015

Tödliche Fortsetzung von Marc-Oliver Bischoff (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im grafit Verlag
352 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-89425-398-1
Kategorie: Kriminalroman

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Martin Kanther ist Schriftsteller. Zumindest war er mal einer, einen Bestseller hat er geschrieben und damit viel Geld verdient. Bekannt war er auch in seiner Heimatstadt Frankfurt. Er war der Autor, der sogar kurzzeitig unter Mordverdacht stand. Denn in seinem Thriller hatte Kanther Morde beschrieben, die ein realer Serienmörder zu dieser Zeit an Prostituierten verübte.

Kanther konnten die Taten nicht nachgewiesen werden, der Mörder wurde nie gefasst.

20 Jahre ist das her und Kanther schaltet seinen Arbeitscomputer eigentlich nur noch aus Gewohnheit an. Der Cursor blinkt Tag für Tag einsam auf einer leeren Seite. Geschrieben hat der Schriftsteller seither nichts mehr. Er schafft es einfach nicht, sich eine neue Geschichte auszudenken.

Er säuft, lange schon und er lässt sich gehen. Lebt in seiner Altbau-Eigentumswohnung vor sich hin, hat kaum noch Geld, die Tantiemen aus dem Bucherlös gehen zur Neige. Damals hatte Kanther den Mordverdacht ausgenutzt und durch die Teilnahme an Talkshows auf sich aufmerksam gemacht, das trieb die Verkaufszahlen in die Höhe. Hätte er damals nicht wenigstens die Wohnung gekauft, wäre er inzwischen sicher auch noch obdachlos. Eine ganze Weile hat er sich mit Schreibseminaren über Wasser gehalten, hat Möchte-Gern-Autoren gute Tipps gegeben, wie man aus Ideen einen brauchbaren Text baut.

Doch auch das hat er mittlerweile aufgegeben, nicht einmal dazu hat er mehr Lust.

Als ihn überraschender Weise eine Email erreicht, in der ein Fan und offensichtlicher Nachwuchsautor um seine Mithilfe bittet, empfindet der Schriftsteller doch tatsächlich so etwas wie Euphorie. Der Schreiber des Manuskripts bittet ihn sein Werk gegenzulesen und zu redigieren. Kanther müsste dazu nicht einmal das Haus verlassen, er würde das Manuskript Kapitelweise per Email erhalten und eine entsprechende Entlohnung für seine Arbeit verspricht ihm der Unbekannte ebenso.

Als Kanther die ersten Seiten des Manuskriptes liest staunt er nicht schlecht, als er merkt, dass der unbekannte Autor eine Fortsetzung zu seinem eigenen Bestseller „Drachentöter“ geschrieben hat. Er knüpft nahtlos an seine eigene Handlung an und plötzlich werden auch in Frankfurt wieder ermordete Prostituierte aufgefunden.

Was geht da vor? Wird er nun erneut verdächtigt werden? Als einige Tage nach den ersten Morden die Frankfurter Polizei vor seiner Tür steht, scheinen sich die Ereignisse von vor 20 Jahren tatsächlich zu wiederholen. Ja, Kanther hat durch seine extreme Trinkerei immer öfter Black Outs. Aber einen Mord begehen …

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Die kurze Inhaltsangabe klingt viel versprechend und enttäuscht hat mich der Krimi auch nicht. Für mich war die Handlung jedoch eher Durchschnitt und nichts besonders außergewöhnliches.

Die Ermittlerin ist keine einfache Kommissarin, sondern Polizeipsychologin. An ihre Seite bekommt sie einen neuen Partner. Einen arroganten, gut aussehenden Ermittler. Die kleinen Seitenhiebe und Boshaftigkeiten innerhalb der Ermittlerpaare gibt es auch fast in jedem Krimi zu erleben. Einiges andere ist auch absolut Krimitypisch, erzähle ich aber nicht, aufgrund evtl. Spoilergefahren

Der Autor wechselt innerhalb unterschiedlicher Handlungsstränge. Mal wechselt er kurzzeitig in die Vergangenheit, dann erzählt er aus Ermittlersicht und dann wieder aus der Sicht des Schriftstellers. Langeweile kam für mich während des Lesens keine auf.

Einige Szenen hat Marc-Oliver Bischoff schon recht krass beschrieben, vor allem wenn Kinder dabei eine Rolle spielen, kann das schon mitnehmen.

Das Ende war für mich auch nicht überraschend aber gefallen hat es mir dennoch, der kleine Epilog war ein guter absoluter Schluss.

Was mir an „Tödliche Fortsetzung“ allerdings sehr gut gefallen hat, war der Schreibstil des Autors. Der war im Gegenteil zur eher alt bekannten Krimi Handlung gut und gehoben. Bei Bischoff lebt sein saufender Protagonist z.B. nicht einfach nur in einer verwahrlosten Wohnung, sondern in einer „deren Stuckverzierung durch jahrelanges Nikotin bräunlich verfärbt sind“. Er hat sehr viel in dieser ausführlichen Art der Umgebung geschrieben, die gut gelungen ist.

Seine Protagonistin war mir nicht unsympathisch, doch so richtig ans Herz gewachsen ist sie mir nicht. Sie war vielleicht ein bisschen zu übertrieben die „toughe“ Powerermittlerin, die nichts an sich heranlässt.

Das Cover ist im klassischen grafit Taschenbuch Design, das mir immer gut gefällt und der Neon-Schriftzug passt zum Buch.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen guten Krimi der aber nichts wirklich Neues an Handlung aufweist. Jedoch bereitet der gute Schreibstil des Autors Spaß und es kommt keine Langeweile auf.

Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Blade Runner – Die Rückkehr von K.W. Jeter (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei HEYNE
687 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  978-3-453-87918-8

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Teil I – Deckards Weg

Der erste Roman des Doppelbandes knüpft unmittelbar an die Handlung des Romans von Philip K. Dick an, und/oder an das Ende des bekannten Films. Zur Erinnerung: Rick Deckard ist mit der Replikantin Rachel Rosen(Nachname im Buch)/Tyrell (Nachname im Film) aus Los Angeles geflohen. Zwischen ihnen hat sich eine Liebe entwickelt, die beide trotz der begrenzten Lebensdauer der Replikantin von 4 Jahren, nicht gewillt sind aufzugeben.

Deckard flüchtet mit Rachel in die nördliche Einöde und lebt dort mit ihr in einem einfachen Blockhaus, wobei leben eher übertrieben ist. Denn Rachel befindet sich die meiste Zeit in einem gläsernen Sarg. Eigentlich ist dies eine Transportbox der Fa. Tyrell, in der die Replikanten in die Kolonien geliefert werden. Doch mit Hilfe dieses Schlafmoduls erhofft sich Deckard Rachels begrenztes Leben zu verlängern.

Doch auch in dieser Einöde spüren die Agenten der Fa. Tyrell den ehemaligen Blade Runner auf. Sarah Tyrell, die Erbin des Imperiums von Eldon Tyrell will das Deckard erneut für sie als Blade Runner arbeitet. Angeblich ist bei seinem letzten Einsatz ein Replikant nicht gefasst worden und diesen Job soll er nun nachholen.

Für Deckard ist es schlimm der Erbin Sarah Tyrell gegenüber zu treten, denn sie ist quasi das Spiegelbild Rachels. Sie ist der Templant für die Replikantin, dass heisst sie hat als menschliches Vorbild für dieses Unikat gedient.

Deckard bleibt nichts anderes übrig als diesen Auftrag anzunehmen, will er Rachels Leben retten. Natürlich überschlagen sich die Ereignisse wieder einmal. Totgeglaubte Kollegen tauchen wieder auf, lebend geglaubte Personen sind inzwischen beerdigt und erledigte „Aufträge“ stehen plötzlich aus Fleisch und Blut vor dem Blade Runner.

Rätsel, Geheimnisse, Verschwörungen und eine Menge Verwirrung kommen auf Rick Deckard zu …

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Teil II – Die Nacht der Replikanten

Der zweiten Teil des Doppelbandes handelt zum ersten Mal nicht (nur) auf der Erde, sondern auf der Transitstation zum Mars u.a.. Deckard hat es geschafft – mit einer Begleitung – die Erde zu verlassen. Er wollte sich unter einem Decknamen (sehr einfallsreich: Mr. und Mrs. Niemand) die Auswanderung in die äußeren Kolonien ermöglichen. Bis zur Transitstation hat er es geschafft, wie viele andere Auswanderer auch und … dort hängt er fest.

Denn die Ausreisen sind seit bereits zwei Jahren aus gewissen Gründen eingestellt, diese Informationen werden aber durch die UN gepflegt unter den Teppich gekehrt, so dass sie nicht zur Erde gelangen.

Die Handlung beginnt in diesem Band in den Outer Hollywood Studios, wo Deckards letzter Einsatz als Blade Runner in L.A. verfilmt wird. Die Stadt und sämtliche Handlungsplätze sind originalgetreu nachgebaut und Deckards Double spielt die Rolle des Blade Runners mehr als perfekt. Als dieser jedoch in einer Szene einen  Kowalksi-Replikanten tatsächlich erschiesst, schmeisst Rick den Job. Denn das irgendwer zu Schaden kommt, sei auch „nur“ ein Replikant war absolut gegen die Vereinbarung. Da reagiert er aus persönlichen Gründen mehr als empfindlich.

Kurz bevor er das Set verlassen will, gelangt ein seltsamer Koffer in seine Hände. Und das besondere an diesem Koffer: Er  spricht. Nicht nur das, ihm scheint eine Seele inne zu wohnen. Diese denkt, fühlt, existiert also. Und was das extreme ist: Rick Deckard kennt diese „Person“, die dort körperlos innerhalb des Koffers aus Lederimitat verweilt nur zu gut. Und die dürfte eigentlich nicht mehr existent sein. Und was der Koffer ihm erzählt und offenbart ist wieder einmal mehr als verwirrend und unfassbar für den Blade Runner …

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Mehr Einblick in die Handlungen der beiden Romane möchte ich an dieser Stelle nicht geben, denn dieser Doppelband ist für alle Blade Runner Fans ein „MUSS“. Für mich hat Mr. Jeter hier eine absolut gelungene Fortsetzung des Romans von Philiip K. Dick und/oder des Films Blade Runner geschaffen. Eigentlich knüpft der Autor eher nahtlos an die Filmhandlung an, denn die war dem Buch gegenüber ja in einigen Kleinigkeiten etwas abweichend.

Daher empfand ich dieses Buch auch als relativ anstrengend zu lesen, wobei ich nicht den Schreibstil meine. Man muss diese Romane sehr aufmerksam lesen um die Verbindungen zu erkennen, den Verschwörungen und Rätseln folgen zu können. Auch sind die Namen hier abgeändert. Im Original hieß das Replikanten Imperium noch ‚Rosen‘, der Autor hat hier den Filmnamen ‚Tyrell‘ übernommen.

Und da viele Personen/Figuren wieder auftauchen, die nicht mehr da sein sollten; andere wiederum verschwinden und dann doch wieder da sind, braucht es eine gewisse Konzentration um den Handlungen folgen zu können und nicht komplett verwirrt zu sein. Denn eigentlich ist die Handlung logisch aufgebaut, der Leser wird lediglich – wie auch Deckard selbst – immer wieder mit neuen Theorien konfrontiet, denen es zu folgen gilt.

Der Schreibstil von K.W. Jeter hat mir noch viel besser gefallen, als der von Philip K. Dick. Er schreibt sehr bildhaft und ausführlich. Formuliert lange, verschachtelte Sätze die mir ein Filmerlebnis präsentiert haben. Ich habe das Buch nicht gelesen, ich war in einem Film als unbeteiligter Zuschauer im Universum unterwegs. Und das war schon ziemlich cool :-). Natürlich war die Technik Anfang der 90er, als diese Fortsetzung entstand, schon wieder um Längen weiter als zu der Zeit als Philip K. Dick den Erstling schrieb. Aber auch noch lange nicht so weit wie heute. Doch für den damaligen Stand hat sich Mr. Jeter eine Menge technischer Finessen ausgedacht, die einfach nur Spass machen.

Die Auflösung des Buches, also das Ende, war noch einmal eine Herausforderung an das Verständnis, hat mir aber sehr gut gefallen. Und … ich wünsche mir sehr, diese Fortsetzung als Film zu sehen. Ich habe gehört, dies sei angedacht. Die Handlung die diese beiden Romane hergeben, bietet fantastischen Filmstoff und ich sehe einzelne Szenen bereits vor meinem geistigen Auge. Zu guter Letzt noch ein Wort zum Protagisten Deckard. Das Wesen des Blade Runners, seine eigenwillige Art die ihn ausmacht, hat der Autor perfekt übernommen und die Figur weiterleben lassen, als hätte es keinen Schöpferwechsel gegeben.

Ich glaube man liest raus, dass ich wirklich begeistert bin. Und ich möchte mich nicht als Science-Fiction Fan bezeichnen. Doch Blade Runner – Die Rückkehr hat mir wirklich großen Spaß gemacht, auch wenn ich recht lange gelesen habe. Aber ich wollte ja nun auch alles verstehen und nicht schwierige Dinge einfach überlesen.

Nun habe ich noch eine der vielen Stellen ausgesucht, um den tollen Schreibstil mal vorstellen zu können:

„Der Feuerball schlug zuerst ein – vom Druck befreiter Wasserstoff in der explosiven Umarmung von Sauerstoff. Eine Flammenwoge in Gestalt einer peitschenden Kugel, das kollabierende UN-Luftschiff kaum sichtbar hinter dem Gleißen, das die Augen versengte. Die gewaltige Hand des Feuers ebnete die Straße ein. Hitzewogen und sich ausdehnender Druck schleuderten schreiende Menschen aufs Pflaster, wirbelten sie mit lichterloh brennenden Haaren oder eingeäscherten Seidenschleiern vor keuchenden Atemstößen durcheinander, die Wimpern verschmort.“

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Mein Fazit: 5 von 5 Punkten für diese absolut gelungene Fortsetzung eines Klassikers, trotz (oder gerade wegen?) eines anderen Autors. Man sollte sich jedoch Zeit nehmen und aufmerksam lesen, damit man der Handlung folgen kann und nicht völlig verwirrt zurückbleibt. Ausserdem kann man dann auch den Schreibstil geniessen und abtauchen in einen Film: Blade Runner Returns …

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Wer meine Rezension zu „Blade Runner – Träumen Roboter von elektrischen Schafen“ von Philip K. Dick lesen mag: —> Klick

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Neuerscheinung Crytpanus Teil II von Wolfgang Brunner

18.11.2010:

Der zweite Teil des Cryptanus-Zyklus von Wolfgang Brunner mit dem Titel „Das Geheimnis von Griphus Nix“ wird voraussichtlich Anfang Februar 2011 im NOEL-Verlag erscheinen.