Nie zu alt für Casablanca – V.I.E.R. auf Kreuzfahrt von Elisabeth Frank und Christian Homma

.

583_Frank_Homma_Casablanca_rgb_01_990f54dfb5_13f955c8cc
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
347 Seiten
12,00 €
ISBN: 978-3-89425-583-1
Kategorie: Krimi

.

V.I.E.R., so nannte sich die Gruppe der Freunde, als sie Kinder waren. Sie waren sehr eng befreundet und haben Detektiv gespielt, so richtig gut vorbereitet, mit Equipment und körperlich durchtrainiert.

V (Gero Valerius), I (Ina-Marie), E (Eleonora) und R (Rüdiger), das waren die vier unterschiedlichsten Kinder, die dennoch immer zusammenhingen.

Zwei aus der Gruppe haben bis in ihr fortgeschrittenes Erwachsenenalter ihre Freundschaft aufrechterhalten und gepflegt. Ina und Rüdiger sind bis heute in regem Kontakt. Und als Rüdiger in ein tiefes Loch der Trauer fällt, weil seine Frau nach langer Krankheit verstirbt, da regt sich in Ina eine Idee.

Sie arbeitet als freie Journalistin und ist sich ziemlich sicher, einen Skandal aufdecken zu können: Nämlich, dass unter dem Deckmäntelchen einer Kreuzfahrt illegal Elfenbein geschmuggelt wird. Ina-Marie macht sich daran, ihre Bande aus Kindertagen wieder zusammenzubringen. Sie will die V.I.E.R. reaktivieren. Ina ist sicher, dass sie damit zum einen Rüdiger aus seinem Loch herausziehen und zweitens den Elfenbeinschmuggel aufdecken kann.

Doch funktioniert das? Wie wird das sein, wenn man die Menschen wieder trifft, die nun Mitte 40 sind und die man zuletzt beim Abitur gesehen hat? Haben sie sich verändert? Werden sie sich noch verstehen oder Fremde sein ….?

***

V.I.E.R. Auf Kreuzfahrt ist ein Urlaubskrimi, ein Krimi á la TKKG oder auch ??? für Erwachsene.

Hier hat das Autorenduo sich 4 Protagonisten ausgedacht, die bewusst entsprechende Charaktereigenschaften aufweisen sollen: die toughe Ina, die damals schon die Anführerin war. Gero Valerius, das Raubein/der Soldierboy, minimalistisch, streng, pedantisch und nervtötend. Die liebe Eleonora, die mittlerweile brave Ehefrau und treusorgende Mama ist und der sanfte Rüdiger, lieb, traurig, hochempfindlich und ein Emo.

Die 4 müssen sich natürlich erst einmal wieder zusammenraufen, was humorvoll und auch kurzweilig ist. Die Reise auf dem Kreuzfahrtschiff ist abwechslungsreich und voller kriminaltechnischer Aktionen. Die Gruppe strotzt voller Ideen und Einfallsreichtum und gibt nicht auf. Der ganze Plot ist sicher gut durchdacht und ich fand die Geschichte auch nicht schlecht.

Viele Leser werden diese Art der Urlaubslektüre toll finden und ihren Spaß daran haben. Ich fand die Grundidee auch gar nicht so schlecht, richtig umgehauen hat mich der Krimi aber leider trotzdem nicht.
Er war nett, aber nicht sonderlich herausragend. Mir waren die Charaktere, wie oben erwähnt, zu „vorgefertigt“, ein bisschen zu wenig „sie selbst“. Ich kann es schlecht erklären, aber oft machen sich Figuren im Laufe einer Handlung selbständig, verändern sich in Richtungen oder tun Dinge, die auch vom Autor nicht geplant waren. Das war hier nicht so und irgendwie hat das gewisse Etwas für mich gefehlt.

Leser, die den Roman wirklich im Urlaub auf Reisen lesen, werden sicher auf Ihre Kosten kommen. Es gibt auch schöne touristische Stellen und Erklärungen zu den Orten, die besucht werden.

Ein netter Krimi um eine groß gewordene Kinderbande, sie sich nach langer Zeit in ihren Vierzigern wieder trifft und ein Abenteuer erlebt. Eine kurzweilige Urlaubslektüre um ein privates Ermittlerteam in schöner Umgebung, aber für mich eben kein Krimi, der mich wirklich mitgerissen hat.

.

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

 

.

Advertisements

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson (4,5 von 5)

.

Erschienen als
Paperback/Klappenbroschur bei
carl’s books (randomhouse)
416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-570-58501-6

.

Der Roman erzählt die Geschichte des 100-jährigen Allan Karlsson. Er lebt in einem Altersheim in Malmköpping/Schweden und ist für sein stolzes Alter nicht nur erstaunlich rüstig und klar im Kopf, er hat es zudem noch faustdick hinter den Ohren. Er denkt gar nicht daran seinen Ehrentag mit den gesamten Bewohnern des Heims, der nervtötenden und ihm sämtliches Vergnügen raubenden Schwester Alice, dem Bürgermeister und der Presse zu verbringen.

Ohne genauer nachzudenken steigt er aus dem Fenster seines Zimmers und marschiert in Richtung Busbahnhof. Leider hat er vergessen Schuhe und einen Hut anzuziehen, er ist in Pantoffeln aus dem Fenster geklettert (war ja auch eine spontane Idee), Geld hat er aber immerhin dabei. In seinem Portemonnaie hat er einige Hunderter. Somit geht er schnurstracks auf den Fahrkahrtenverkäufer zu und fragt, wie weit er mit einem 50 Kronen Schein fahren kann. Denn er hat ja kein bestimmtes Ziel, er will einfach nur weg, weit fort von diesem langweiligen Altersheim, das ihn womöglich noch in den Tod treibt. Zu sterben hat Allan nämlich eigentlich noch gar keine Lust.

Während Allan in der Bahnhofshalle steht, kommt ein „schmächtiger junger Mann mit langen, fettigen blonden Haaren, struppigem Bart und einer Jeansjacke mt der Aufschrift Never Again auf dem Rücken“ auf ihn zu und bittet ihn um einen Gefallen: Er muss dringend zur Toilette und der wuchtige Trolly-Koffer passt leider nicht mit in die sanitären Anlagen. Er fragt Allan, ob er nicht einen Moment den Koffer im Auge halten kann, damit er in Ruhe zur Toilette gehen kann.

Natürlich kann er das. Er kann sogar noch mehr. Er kann die zweite spontane Entscheidung des Tages treffen und einfach mit dem Koffer aus dem Bahnhofsgebäude spazieren (sind ja Rollen dran!) und in den nächsten Bus steigen. Allan weiß selber nicht, warum er einfach den Koffer stiehlt. Ihm war einfach danach? Hat er ein Abenteuer gewittert? Vielleicht, denn genau das kommt nach diesen zwei spontanen Handlungen auf ihn zu.

Ein Abenteuer voller Gefahren aber auch großer Freuden. Denn Allan lernt auf seine alten Tage noch neue Menschen kennen, begeht Morde (nur aus Notwehr!), knüpft Freundschaften, bringt seine erhebliche Lebenserfahrung in das Geschehen ein und hat einfach nur jede Menge Spaß und Lebensfreude …

.

*****

Relativ schnell nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, musste ich schon mehrmals laut lachen. Dies hat sich das ganze Buch hindurch gezogen.

Dieser Roman ist einfach nur locker, flockig und leicht geschrieben und macht richtig Spaß. Ein komischer Zufall oder Umstand jagt den nächsten und der Protagonist Allan gelangt von einer dramatischen Situation in die nächste. Erstaunlich wie es ihm immer wieder gelingt, sich ihm stellende Probleme auf seine ganz besondere Art und Weise zu lösen und in diesem ganzen Chaos das Leben in vollen Zügen zu geniessen.

Ich möchte den sehr angenehmen Schreibstil vielleicht mit einer Mischung aus John Irving und Martin Suter vergleichen. Das mag ein wenig hinken, doch die Leser die den trockenen oder schwarzen Humor dieser Schriftsteller kennen und mögen, wissen was ich sagen möchte.

Der Roman beginnt mit dem Ausstieg aus dem Fenster und erzählt dann das nachfolgende Abenteuer, das Allan erlebt. Wir begleiten ihn etwa sechs Wochen in seinem Leben „nach dem Altersheim“ und das Ende verrate ich natürlich nicht. Es ist anders als ich es erwartet habe und das war gut so!

Die Erzählung wechselt aber auch immer wieder in Rückblenden in die Vergangenheit. Beginnend mit der Kindheit Allans, erfahren wir alles über sein Leben, seine Erlebnisse und das waren wirklich viele.

Langweilig wurde es mir nie, lediglich die o.g. Erinnerung waren mir ab und an ein bisschen zuviel des Guten. Zu überzogen und weit hergeholt. Es kann nicht sein, dass eine Person in so ziemlich jedes geschichtliche Ereignis persönlich verwickelt war. Das war für mich der Grund einen halben Punkt in Abzug zu bringen. Denn da hätte ein bisschen weniger es auch getan um ein ereignisreiches Leben zu erzählen.

Dennoch hat dies dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan. Wer gerne humorvolles liest, bei dem es trotzdem auch mal zur Sache gehen kann, der ist hier sehr gut aufgehoben.

Der Roman von Jonas Jonasson erzählt keinesfalls die langweilige Lebensgeschichte eines senilen Tattergreises, sondern ist absolut flott, modern und zu oft urkomisch.

Auf der Verlagsseite habe ich die Bezeichnung „Schelmenroman“ gelesen und das trifft auf den Protagonisten absolut zu. Aber auch die sehr gut dargestellten Nebencharaktere haben mehr als den Schalk in den Augen.

Das Cover ist ein Paperback und in schönen Farben präsentiert. Hellblau und Braun wirken auf mich schlicht und ansprechend. Der abgebildete Elefant mit dem Kofferanhänger trifft die Geschichte sehr gut. Ja, den Elefanten gibt es wirklich und er ist eine „sie“ und heißt Sonja.

Die Schriftart ist relativ klein gehalten, doch die Kapitel sind nicht so extrem lang, dass mir die Augen müde wurden.

Übersetzt wurde der Roman aus dem schwedischen von Wibke Kuhn, die sehr gute Arbeit geleistet hat (sie hat u.a. auch die  Stieg Larsson Trilogie übersetzt). Ein deutsche Übersetzung steht und fällt mit den Übersetzern und den Humor so gut ins Deutsche zu übersetzen war sicherlich eine Herausforderung.

.

Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für diesen humorvollen, rasanten und absolut kurzweiligen Roman, made in Schweden.

 .

Dieser Roman ist das Debüt des Autors Jonas Jonasson und ich freue mich bereits auf sein zweites Werk.

.

Auf der Verlagsseite gibt es noch interessante Zusatzinformationen über die Reise, die Allan im Laufe seines Lebens unternommen hat —>  Hier

Ich danke Ada Mitsou für ihren schönen Beitrag über diesen Roman, wodurch ich erst darauf neugierig wurde und ich danke Wolfgang Brunner für das wunderbare Geburtstaggeschenk (wo ich ihn die letzten Tage davor dann auch noch erheblichem Stress ausgesetzt habe 🙂 ).


© Buchwelten 2012

Jeder Tag endet mit dem Tod von Michael Schröder (4/5)

.

Erhältlich als Taschenbuch im EPIDU Verlag
Preis: 14,90 €
ISBN-Nr.: 978-3942 584081

.

Der Roman erzählt die Geschichte des Kriminalkommissars Elmar Kreuzer, der seinen Dienst in Karlsruhe leistet und eines Tages von der 13-jährigen Lisa König in seinem Büro aufgesucht wird. Dabei hat sie einen Zeitungsartikel ( in dem er selber als der Polizist hochgelobt wird, der niemals aufgibt) und eine Ermittlungsakte. Diese hat sie der Polizei aus Ihrer Heimatstadt entwendet, weil sie mit deren Arbeit nicht einverstanden ist und darum die Hilfe von Kreuzer erbittet. Lisas Vater ist drei Monate zuvor – angeblich bei einem Einbruch in seinem Hause – zu Tode gekommen. Doch Lisa glaubt nicht daran. Für sie ist dieser Fall nicht „rund“, wie sie selber es nennt. Es wurde nicht richtig ermittelt, Spuren nicht berücksichtigt, etc. Sie hat das Gefühl, dass ihr Vater ermordet wurde und die Polizei und der Verwaltungsapparat aus Eisenheim dies unter den Teppich kehren.
Darum ist sie auf eigene Initiative bis nach Karlsruhe gefahren um Kreuzer zu überzeugen und auf ihre Seite zu ziehen. Dies schafft sie erstaunlich schnell. Kreuzer ist dem traurigen, mutigen Charme des Mädchens sofort erlegen und ein schneller Blick in die Ermittlungsakte, während Lisa die Toilette besucht, reicht aus um seine Ermittlerneugier zu wecken.
Er begleitet Lisa in seine Heimatstadt und nimmt sich vor, den dortigen Beamten ein wenig auf den Zahn zu fühlen um Lisas Vermutungen nachzugehen und evtl. sogar zu bestätigen.
Dort angekommen endet dieser Tag für ihn mit dem Tod und das von diesem Moment an täglich. Denn er erwacht immer wieder am Morgen des 06.10.2006 in seinem Hotelzimmer, er ist in einer Zeitschleife gefangen. Wie kommt er da heraus…. ?

.

Ich beginne mit dem Erscheinungsbild des Buches. Das Cover ist mit den Farben schwarz, rot und weiss nicht zu bunt gehalten. Die Spirale und die Uhr auf der Vorderseite passen gut zum Thema des Romanes. Die Inhaltsangabe ist zentriert geschrieben und somit wirkt das Erscheinungsbild aufgeräumt, was mir gut gefällt.
Die Folie des Taschenbuches löst sich leider auch hier nach Ende der Lektüre bereits an den Rändern ab, der Buchrücken weist leichte Knicke auf. Wobei ich sehr pfleglich mit Büchern umgehe und diese nicht auseinanderbiege, während ich lese.
Die Seiten sind schön und übersichtlich aufgebaut. Eine Seite umfasst 33 Zeilen in einer ziemlich kleinen Schrift. Die etwas grösseren Zeilenabstände und angenehmen Ränder lockern allerdings angenehm auf und machen das Lesen somit  nicht zu anstrengend. Die Kapitel sind recht lang gehalten aber nicht zu lang. Ich habe nie die Lust verloren und mich auch dabei erwischt, ein Kapitel mehr zu lesen als ich es vorher geplant hatte.

Etwas schade finde ich, dass es weder ein Nachwort des Autors, noch eine kleine Information über diesen im Buch gibt. Ein kleiner Abschnitt „Über den Autor“, evtl. mit einem Foto und Hinweise auf weitere Werke hätten mir sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist angenehm, die Handlung liest sich locker. Die Sätze sind meist recht kurz gehalten. Sie gibt es öfters als verschachtelte Kommasätze, was bei Krimis aber nicht unüblich ist. Teilweise sind die Sätze sehr schön und auch gehoben formuliert und dann wieder sehr umgangssprachlich. Mit gezogener Pistole in der Luft „rumfuchteln“ finde ich z.B. ein bisschen zu locker. Genauso wie dauernd „Scheisse“ o.ä. zu lesen. Dann gibt es aber – wie gesagt – wieder Sätze, die sehr schön sind:

.
„Verrückt hin und verrückt her, am Ende blieb die Neugierde, erhob sich als Sieger über Zweifel, Angst und besseres Wissen.“

.
Solche Sätze mag ich und davon gibt es auch einige. Also gleichen solche Formulierungen die umgangssprachlichen „Ausrutscher“ für mich wieder aus.

Der Spannungsbogen ist gut gelungen, auch wenn man ständig den selben Tag erlebt, es ist keiner wie der vorherige und man fiebert mit dem Protagonisten wahrlich mit. Die Figur des Elmar Kreuzer ist mir von Anfang an sympathisch, lässt er sich doch oft von Gefühlen leiten, hört auf sein Bauchgefühl, kombiniert aber gleichzeitig auch haarscharf. Mit der Figur der Lisa wurde ich erst im letzten Drittel richtig warm, was eigentlich nicht ausbleibt. Denn Anfangs tritt sich immer nur kurz auf und erst später wird der Kontakt zu ihr intensiver. Dann wächst aber auch sie dem Leser ans Herz.
Das Ende hat mir einerseits richtig gut gefallen aber andererseits hätte ich mir doch noch einen klitzekleinen Epilog gewünscht… ;-).

.

Fazit: Ein wirklich lesenswerter Krimi, der Spaß macht und durch die EPIDU-Community zu Recht gewählt wurde.
Der Roman erhät von mir 4 von 5 Punkten. Die Handlung ist gut, der Schreibstil angenehm, die Qualität des Buches ist jedoch noch verbesserungswürdig.

.

Mein Dank geht an die Bloggerseite Blogg-dein-Buch.de und dem EPIDU – Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

.

© Buchwelten 2011