Schicksal von Michael Schröder

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Schicksal
Erschienen als Taschenbuch
bei Create Space / Amazon
insgesamt 496 Seiten
Preis:  13,90  €
ISBN: 978-1516971916
Kategorie: Drama / Belletristik

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Vincent Randani ist ein Journalist (kein Reporter!), der sich durch seine gut recherchierten und gehaltvollen Geschichten einen Namen gemacht hat. Nun möchte er die Geschichte der bekannten Stararchitektin Cora Schwarz erzählen, doch an die kommt seit Monaten keiner ran. Schwarz liegt, perfekt von der Außenwelt abgeschottet, in einer Klinik. Viele seiner „Kollegen“ haben es bereits versucht, zu ihr vorzudringen und ihr eine Story zu entlocken. Randani schafft es. Durch einen eigentlich relativ simplen Schachzug gelingt es ihm, mit ihr zu sprechen und sie sogar davon zu überzeugen, dass sie ihm das gewünschte Interview gibt.

Randani besucht Cora Schwarz nun täglich und sie beginnt ihm ihre Geschichte zu erzählen. Und das von Anfang an. Cora fesselt Randani mit ihren Erzählungen, beginnend in ihrer Kindheit, und zwischen den beiden entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft. Für Randani ist dies genauso aufregend, spannend, wie auch verwirrend. Denn eigentlich hatte er etwas völlig anderes erwartet und auch geplant …..


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Dies ist mein dritter Roman des Autors Michael Schröder. Der erste „Jeder Tag endet mit dem Tod“ ist im Epidu-Verlag erschienen. Der zweite Roman, den ich von ihm las war „131 Briefe“, erschienen im Titus-Verlag, der diesem hier vorgelegten Werk entfernt ähnelt. Diesen Roman hat Schröder nun als Self-Publisher im Amazon Verlag Create Space veröffentlicht. Was habe ich kürzlich gelesen: Create Space sagt „Ja“, wenn andere Verlage „Nein“ sagen. Ich kenne einige Autoren, die mittlerweile diesen Weg der Veröffentlichung wählen. Und die Print-Ausgaben von Create Space können sich sehr wohl sehen lassen. Schröder hat als Einband die „matte“ Version gewählt, die durch das irgendwie gummierte Cover sehr gut in der Hand liegt. Die Ränder und Kapitelabschnitte sind sehr gut gelungen. Lediglich einige Zeilen wurden durch den Blocksatz etwas gezerrt und es sind doch einige Rechtschreibfehler vorhanden. Aber das tut der Qualität der Handlung und des Lesevergnügens absolut keinen Abbruch.

Schröder erzählt in einem guten und sehr flüssigen Stil die Geschichte einer Kindheit. Sie handelt von Freundschaft, Mut, Abenteuern, Zivilcourage und Aufopferung. Da der Autor und ich offensichtlich in etwa gleich alt sind, habe ich mich direkt in meiner eigenen Kindheit wiedergefunden. Draußen auf Spielplätzen, mit dem Rad wilde Ausflüge unternehmend und gemeinsam mit der „Bande“ einfach unterwegs sein, Spaß haben und auch mal Blödsinn machen. Dies ist der erste Strang der Handlung, der zweite spielt meist im Krankenzimmer, in dem die erwachsene Cora gemeinsam mit Randani sitzt.

Schröder hat mich mit seiner Geschichte sehr gefesselt und ich habe mich jeden Tag gefreut, weiterzulesen und wieder auf Cora und ihre Freunde zu treffen, wieder bei ihnen zu sein und zu erfahren: was geschah dann? Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, denn das würde unweigerlich zu Spoilern führen und das wäre zu schade. Denn die Wendungen, die die Geschichte bis ganz zum Schluss mit sich bringt, sind überraschend und nicht absehbar. Eines kann ich verraten. Es dauert sehr lange, bis der Leser erfährt, warum Cora Schwarz sich überhaupt in diesem Krankenhaus befindet. Was hat sie? Welche Krankheit ist die Ursache? War es überhaupt eine Krankheit? Eine gute Idee, die Michael Schröder auch wirklich gut umgesetzt hat.

Seine Protagonisten sind sehr gut dargestellt und wachsen einem allesamt sehr ans Herz. Ich habe mich mit ihnen gefreut und mit ihnen gelitten. Für sie gehofft und um sie gebangt. So soll es sein, nicht wahr?

Zwei kleine Anmerkungen habe ich jedoch noch ☺ In unserer Kindheit in den 70ern haben wir, zumindest hier in NRW, (noch) nicht „abgefahren“ und/oder „Alter“ gesagt. Da war es eher „astrein“ und „Blödmann“. Und zweitens habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass hier das Schicksal eines Protagonisten einfach zu überfrachtet dargestellt wurde. Klar, schlimme Dinge passieren, dem einen mehr und dem anderen weniger. Dies war hier jedoch manchmal so extrem, dass es beinahe unglaubwürdig wirkte. .

Fazit: Mich hat der Roman um den Journalisten Randani und Cora Schwarz sehr gefesselt. Ich hatte große Freude an der Reise in (m)eine Kindheit und gebe gerne eine Leseempfehlung für diesen kurzweiligen Roman um das Schicksal eines – oder eher mehrerer – Leben.

© Buchwelten 2015

Wenn Engel fallen von Tracy Chevalier

engel fallen

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei List
insgesamt 384 Seiten
Preis: ? € – vergriffen
ISBN: 3-471-77253-7
Kategorie: Historischer Roman

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Maude und Lavinia werden beste Freundinnen, als sie sich auf dem Friedhof bei den nebeneinanderliegenden Familiengräbern begegnen. Die Eltern der Mädchen sind nicht sehr begeistert von der Freundschaft, noch dazu, wo sich die beiden Mädchen mit dem Sohn des Friedhofswärters anfreunden. Als dann Maudes Mutter aus ihren gesellschaftlichen Zwängen ausbricht, eine Affähre beginnt und sich mit Frauenrechtlerinnen anfreundet, beginnen die Fassaden beider Familien plötzlich zu bröckeln. Ihre Wege und Schiscksale verflechten sich immer mehr …

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Tracy Chevaliers historisches Familiendrama wird von einer melancholischen Grundstimmung getragen, die sich durch den ganzen Roman zieht. Man taucht bereits in den ersten Seiten in die Geschichte ein und fühlt sich selbst, als wäre man mit den beiden Mädchen befreundet. Chevalier beschreibt herrlich, wie sich die Freundschaft der beiden entwickelt, obwohl deren Familien nicht wirklich begeistert davon sind.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und bildhaft. Da sieht man dann schon so manches Mal einen echten Film vor seinem inneren Auge, wenn sich die Mädchen auf dem Friedhof treffen. Fast schon nostalgisch erzählt Chevalier die ergreifende Geschichte um eine Mädchenfreundschaft und das Erwachsenenwerden und vermittelt den Eindruck, als wäre sie selbst in jener Zeit mit dabei gewesen. Die düstere Atmosphäre, die diese Geschichte verströmt, und das dramatische Ende hat mich so manches Mal an Ricky Moodys Drama „Der Eissturm“ denken lassen. Einfühlsam und wunderbar leise nimmt uns die Autorin mit auf eine Reise in ein London des angehenden zwanzigsten Jahrhunderts, in der noch andere Probleme als heutzutage von den Menschen zu bewältigen waren.

Tracy Chaveliers Milieustudie geht einem nahe. Man freut sich mit den Protagonisten, leidet und trauert aber auch mit ihnen. Die Tragödie, die hinter den Familiengeschichten steckt, ist vollkommen glaubhaft und nachvollziehbar und es gibt keine Handlungen seitens der Personen, die konstruiert wirken.
Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass sämtliche Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert wurde. Jeder Protagonist hatte ein eigenes Kapitel und erzählte seine Version der Geschehnisse. Das war für mich unglaublich glaubwürdig und abwechslungsreich. Ich konnte mich tatsächlich in die Gedanken der verschiedenen Charaktere hineinversetzen. Und alle Kapitel ergaben dann am Ende ein Gesamtbild. Das fand ich persönlich hervorragend gemacht.

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Fazit: Melancholisch und leise wird eine Tragödie erzählt, die im London Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts spielt. Chevaliers bildhafter Schreibstil lässt den Leser tief in die Geschichte eintauchen. Absolute Empfehlung.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Geheimer Ort von Tana French

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frenchErschienen als Klappenbroschur
bei Scherz / Fischer Verlage
insgesamt 400 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-651-00051-3
Kategorie: Krimi

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Der Tod von Chris Harper hat für viel Wirbel im Mädcheninternat St. Kilda gesorgt. Der Sechzehnjährige wurde im Park der Schule aufgefunden. Auf seiner Brust vier frisch gepflückte Hyazinthen. Was wollte der Junge aus dem benachbarten Jungeninternat mitten in der Nacht dort? Wie ist es ihm gelungen, nachts die Schule zu verlassen?

Chris Harpers Tod wirft viele Fragen auf, die jedoch auch durch die Polizei nicht aufgeklärt werden. Ein Jahr laufen die Ermittlungen bereits, von einer Lösung des Falls kann jedoch keine Rede sein. Eigentlich liegen die Ermittlungen mittlerweile sogar auf Eis. Die Wogen haben sich geglättet, die Eltern sind wieder ruhiger. Also kann alles seinen gewohnten, traditionellen und gesitteten Gang gehen.

Doch dann taucht plötzlich eine Karte am „Geheimen Ort“ auf. Einem schwarzen Brett, an dem die Mädchen anonym Nachrichten, Karten, Fotos oder andere Mitteilungen anbringen können. Auf dieser Karte steht „ICH WEISS, WER IHN GETÖTET HAT“. Gefunden wird die Karte von Holly Mackey, die sie abnimmt und Stephen Moran bringt. Einem Detective, der den Fall zwar nicht bearbeitet, jedoch vor Jahren Hollys Vertrauen erlangt hat. Holly, damals war sie gerade 10 Jahre alt, ist die Tochter von Frank Mackey, dem bekannten Leiter der Abteilung „verdeckte Ermittlung“. Seinerzeit war sie Zeugin in einem Mordfall in Mackeys Familie. Nun ist sie ein Teenager und Schülerin am Internat St. Kilda. Durch ihren Hinweis werden die Ermittlungen wieder aufgenommen und da Stephen Morans positive „Bindung“ zu Holly hilfreich sein kann, darf er die leitende Ermittlerin im Mordfall Chris Harper, Antoinette Conway, begleiten. Eine gehörige Herausforderung für Stephen, der natürlich gerne den Sprung von den „ungelösten Fällen“ in die Mordkommission schaffen würde. Doch Conway, bissige, toughe Einzelkämpferin, macht es ihm alles andere als leicht …

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Das ist der fünfte Roman der irischen Krimiautorin Tana French. Gelesen habe ich sie alle, rezensiert leider bislang keinen. Daher muss ich nun kurz ein bisschen ausholen: Tana French schreibt Krimis, ja. Allerdings schreibt sie die grundsätzlich eher so, dass die eigentliche Handlung des Krimis in den Hintergrund tritt, weil es vielmehr um die Menschen in ihren Geschichten geht. Tana French hat eine Gabe, ihre Figuren psychologisch detailliert darzustellen, ihnen eine Tiefe zu geben, dabei die vielfältigsten Charaktere zu vermischen, so dass man die Bücher sehr schwer aus der Hand legen kann. Desweiteren ist ihr Schreibstil sehr poetisch, voller Farben und Gerüche, einfach wunderschön. Wer nach der Rezension noch Lust auf zwei Zitate hat, der scrollt einfach ein wenig runter. Vielleicht bekommt man so einen Eindruck, was ich zu vermitteln versuche.

Eine weitere Besonderheit der Autorin ist, dass sie jeweils ihrer Nebenfigur aus einem Roman im nachfolgenden Band die Hauptrolle zuteil werden lässt. So kommt es, dass wir im aktuellen Titel auf bekannte Figuren treffen, die im dritten Roman „Sterbenskalt“ wichtige Rollen inne hatten. Hatte Frank Mackey dort die Hauptrolle übernommen, und seine Tochter Holly und Stephen Moran waren Nebenfiguren, so ist es in diesem Roman genau umgekehrt. Ich mag diese Idee sehr gerne, dadurch bringt die Autorin sowohl frischen Wind in ihre Handlungen, lässt aber auch bekannte Figuren, die dem Leser nahe kamen, weiter agieren.

Diesen Roman, der übrigens sehr ruhig, still und anmutig ist, erzählt Tana French in zwei Handlungssträngen. Einmal die Gegenwart, in der Stephen Moran und Antoinette Conway in St. Kilda die Ermittlungen wieder aufnehmen und desweiteren in der Zeit vor dem Mordfall an Chris Harper. Der Gegenwartsstrang wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Stephen Moran erzählt, den Teil der Vergangenheit übernimmt ein Erzähler in der dritten Person.

Weiterhin lassen die Gespräche der Schülerinnen untereinander zur Zeit vor dem Mord, die einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt von jungen Leuten geben, einen glauben, die Autorin habe Verhaltensforschung und Psychologie studiert. Die Beschreibung, wie wichtig für die Clique rund um Holly die Freundschaft ist, dieses Gefühl der Geborgenheit, die ewig andauern soll, der Versuch niemanden dort einbrechen zu lassen, nicht einmal die Jungen, die natürlich in diesem Alter dennoch eine Rolle spielen, ist einfach genial geschrieben.

Es gäbe noch sehr viel mehr über die gegensätzliche Clique auf St. Kilda oder über das Auskommen zwischen Moran und Conway zu erzählen. Aber das würde ausarten, daher lest das Buch/die Bücher einfach selbst.

Der Scherz Verlag präsentiert alle Bücher von Tana French in neuem Design. Als Klappenbroschur mit neuen Covern. Die finde ich auch gut gelungen, allerdings ist schade, dass dieses aktuelle Werk nicht als gebundene Ausgabe erhältlich ist. Ich mag lieber Regelmäßigkeit im Bücherregal. Die deutsche Titelwahl hingegen passt dieses mal sehr gut: aus „The Secret Place“ wurde „Geheimer Ort“.

Fazit: Ein Kriminalroman, dessen poetische Sprache eine reine Wucht ist, geschrieben von einer Autorin, die es versteht die Gefühls- und Gedankenwelt (besonders der jungen) Menschen zu beschreiben, als sei sie Psychologin oder Verhaltensforscherin. Erschreckend echt und real beschreibt Tana French vor einer außergewöhnlichen Kulisse und in einer ruhigen Stimmung eine verworrene, spannende und dramatische Krimigeschichte, für die der Leser getrost sein Mittagsschläfchen ausfallen lassen wird!

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Zitat 1: Stephen Moran betritt das St. Kilda zum ersten Mal. Ein Mann, der die schönen Dinge mag:

Ich folgte ihr (Detective Conway) die Treppe hinauf. Mädchen strömten um mich herum, fliegende Haare und fliegendes Lachen. Die Luft fühlte sich voll und glänzend an, high, durchsetzt mit Sonne aus allen möglichen Winkeln; Sonnenlicht wirbelte wie Wasser auf dem Geländer, fing Farben ein und schleuderte sie in die Luft, hob mich hoch, umfing mich überall und stieg höher. Ich fühlte mich anders, veränderte mich. Als wäre heute mein Tag, wenn ich nur herausfinden könnte, in welcher Weise. Wie Gefahr, aber meine Gefahr, von einem Zauberer im hohen Turm speziell für mich herbeigehext; wie mein Glück, herrliches, trügerisches, drängendes Glück, das durch die Luft trudelte, Kopf oder Zahl?”

Zitat 2: Die Cliquen der Mädels hängen in ihrer Freizeit oft im Einkaufscenter “Court” rum oder auf einem dahinter angrenzenden Feld, auf dem sie die Jungen treffen. Es ist einfach ein verlassener Bauplatz:

Julie kann James Gillen nicht leiden, aber das spielt keine Rolle, nicht hier draußen. Im Court, drüben im Court könnte jeder Blick, den du auffängst, Liebe sein, glockenklingelnde, feuerwerkzündende Liebe, im weichen Schleier der Musik und den Regenbogenprismen des Lichts könnte es das eine gewaltige Geheimnis sein, das in jedem Buch und Film und Song vibriert; es könnte deine Ein-und-alles-Schulter sein, an die du den Kopf lehnen darfst, Finger mit deinen verschränkt und Lippen sanft auf deinem Haar, während euer Lied aus jedem Lautsprecher strömt. Es könnte das eine Herz sein, das sich unter deiner Berührung öffnet, um seine ungesagten Geheimnisse preiszugeben, das eine Herz, dessen Räume die vollkommene Form haben, um all deine Geheimnisse zu umschließen.”

Wenn euch diese Sprachgewalt genauso mitreißt wie mich, dann kann ich euch die Krimis von Tana French unbedingt ans Herz legen!

© Buchwelten 2015

Mr. Mercedes von Stephen King

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Mr. Mercedes

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 592 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN 978-3-453-26941-5
Kategorie: Thriller

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Ein nebliger Frühmorgen irgendwo in den USA. Viele hundert Menschen warten seit Stunden vor der Stadthalle des Ortes, wo bald die jährliche Jobbörse ihre Türen öffnen wird. Mitten in der Nacht sind die Arbeitssuchenden aufgestanden und haben sich dort eingefunden, um endlich eine Arbeit zu finden. Männer, Frauen, Junge und Alte. Alle warten sie geduldig auf Einlass.

Doch dazu wird es nicht kommen. Urplötzlich blenden Scheinwerfer im Nebel auf und bevor die Wartenden registrieren, dass es ein PKW, ein schwerer Mercedes ist, der dort mitten auf die Menge zusteuert, ist es bereits zu spät. Der Fahrer hält nicht an, ganz im Gegenteil. Bewusst und voller Absicht rast er in die Menschenmenge und bringt viele der Menschen um, andere haben etwas mehr Glück, werden „nur“ schwer verletzt und bleiben als Krüppel zurück. Der Mörder flieht und der Fall ist nach über einem Jahr noch immer nicht aufgeklärt.

Detective Kermit William Hodges ist in den Ruhestand gegangen, ohne dass es ihm gelungen ist, seinen letzten Fall aufzuklären. Er hat im Fall Mr. Mercedes ermittelt, konnte den Killer jedoch nicht aufspüren. Nun fristet er in seinem Rentnerdasein dahin. Lebt in den Tag hinein, sieht zu viel fern, isst zuviel Ungesundes und langweilt sich zu Tode. Im wahrsten Sinne des Wortes: Beinahe täglich spielt er mit seinem Revolver herum und überlegt, ob nicht einfach dem öden Dasein ein Ende setzen soll.

Nun, dabei hat Mr. Mercedes Hodges offensichtlich beobachtet, denn er schreibt ihm einen Brief, der ihm klarmachen soll, wer ihm schreibt. Außerdem soll er Hodges provozieren. Mr. Mercedes würde nichts lieber sehen, als dass der Rentnercop sich endlich das Leben nimmt. Das wäre ein großer Spaß. Doch da hat Mr. Mercedes sich schwer geirrt. Denn mit seinem langen Brief erreicht er genau das Gegenteil: er reißt Hodges aus seiner Lethargie, weckt erneut das Feuer der Jagd in ihm und gibt ihm eine Aufgabe! Hodges macht weiter. Auf eigene Faust stellt er unauffällige Ermittlungen an und versucht alles, um diesen irren Mr. Mercedes endlich zu schnappen ….

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Ein lieber Facebook-Freund sagte kürzlich: Die ersten 100 Seiten könnte man bei Stephen King getrost überblättern, denn solang braucht er immer, um in seine Handlung hineinzufinden. Nun, hier ist es definitiv nicht so. Es geht einige Seiten ruhig an, dann wird man jedoch sofort mit Grausamkeit und Unglück konfrontiert. Leser, die sich auf der Homepage des Verlages die Leseprobe durchlesen, bekommen bereits das geboten, wovon ich hier gerade schreibe, ohne etwas zu verraten.

King schreibt in seinem gewohnten Stil des „neuen“ King, also vergleichbar mit Joyland oder eher noch Der Anschlag. Die alten Horror-Schocker Momente gibt es so nicht mehr. Was aber nicht heißt, dass King seicht geworden ist. Die Grundstimmung des Romans ist eher ruhig, was mir gut gefällt. Dennoch wurde ich absolut gefesselt und empfand die Handlung als sehr spannend und teilweise auch wirklich schlimm! Aber es wechseln sich dramatische Szenen mit ruhigeren ab, damit der Leser auch zur Ruhe kommt, mir gefällt das. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Und jeder einzelne von ihnen war sehr gut ausgearbeitet und dargestellt. Sehr glaubhafte, nette und auch böse, irre Charaktere habe ich während meiner Lektüre getroffen.

Stephen King hat einige nette Anspielungen auf seine alten Bücher und auch alt bekannte Filme verbaut, diese Hinweise erkennen Fans sogleich.

Selbst das Ende, die bei King ja oft, nennen wir es mal Geschmackssache sind, gefällt mir in diesem Falle sehr gut und ich empfinde es als gelungen und passend. Es gibt doch einige Kings, wo ich die Handlung total klasse fand und beim Ende dann eher unzufrieden war, z.B. bei Wahn oder damals ES. Den dunklen Turm nehme ich jetzt mal raus, denn da ist das Ende auch seltsam, dennoch könnte ich die komplette Reihe sofort wieder lesen, weil sie mich nicht los lässt :).

Zum Cover gibt es hier von mir ein Lob an den Verlag, es ist identisch mit dem Original. Eins zu Eins übernommen, dass finde ich sehr gut. Bei den Stephen King Romanen gehe ich nämlich immer hin, und schaue mir die Originalausgaben an. Da fällt mir gleich Wind ein, wo mir das deutsche Cover zwar auch gefällt, dass Original aber viel schöner ausgearbeitet ist.

King wäre nicht King, würde er nicht zum Roman handlungswichtige Spielereien auf seiner Homepage anbieten. So etwas macht dem Leser Freude und gibt ihm immer das Gefühl, diese Handlung sei mehr als nur eine Idee des Autors.

Mein Fazit: Volle 5 Punkte für Mr. Mercedes, der mich absolut gefesselt und mir sowohl Freude als auch Schockmomente beschert hat. In einem guten Schreibstil lässt King in das Hirn eines Killers blicken und einen dahinvegetierenden Ex-Cop wieder aufleben und ungeahnte Kräfte mobilisieren.

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Ich danke dem Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Die Videos kann ich in dem Falle leider nur als Links anbieten 🙂

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stephenking.com/promo/mr_mercedes/video/

http://stephenking.com/promo/mr_mercedes/book-trailer.html

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© Buchwelten 2014

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte von Peter Heller

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im
Eichborn Verlag
320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-8479-0519-6

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Zuerst kam die tödliche Grippe, dann kam die Blutkrankheit. Einige wenige haben diese Todeswelle überlebt, Big Hig ist einer von ihnen. Und sein Hund Jaspar, der hat es auch geschafft. Hig, einfach nur Hig, lebt nicht mehr in seinem ehemaligen Haus, dort würden ihn die Erinnerungen an sein altes Leben nur quälen. Er lebt in einem verlassenen Flugzeughangar, gemeinsam mit seinem Hund und seiner geliebten Cessna. Zum schlafen geht er – Sommer wie Winter – unter den freien Himmel, weiß man doch nie, ob noch irgendwelche Plünderer auftauchen.

Hig hat lediglich eine weitere menschliche Person in seiner Nachbarschaft: Bangley. Ein eigensinniger Waffennarr, der Hig eigentlich die meiste Zeit unheimlich ist, jedoch sind sie ein eingespieltes Team und da sie nur einander haben, arrangieren sie sich. 

Hig fliegt täglich mit seiner Cessna raus und macht seine Kontrollflüge. Flugzeugbenzin gibt es unendlich viel und er braucht diese Flüge einfach. Immer noch, nach 9 Jahren, hört er den Funkverkehr ab, in der Hoffnung, irgendwann eine menschliche Stimme zu vernehmen. In etwas weiterer Umgeben leben einige weitere Überlebende, allerdings sind diese Familien mit der Blutkrankheit infiziert. Hig fliegt dennoch regelmäßig zu ihnen rüber und schaut, ob sie Lebensmittel oder ähnliches benötigen. Wenn nötig, fliegt er zu ihnen. Dass sie dabei einen gewissen Sicherheitsabstand wahren, haben sie sehr gut organisiert. Big Hig hat keine Angst, sich anzustecken. Bangley hat für diese Hilfsbereitschaft seines Nachbarn keinerlei Verständnis, doch Hig lässt sich nicht reinreden. Er zieht seinen kleinen Beitrag der letzten Menschlichkeit stur durch!

Als Hig auf einmal ein Funksignal empfängt, ist Higs Abenteuergeist und Neugier so sehr geweckt, so dass er sich auf eine Reise begibt …

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Hig ist ein sehr gefühlvoller, nachdenklicher Mann, der mit Mitte 40 von sich sagt, dass er alt ist. Seine geliebte Frau hat er durch die Grippe verloren. Er ist einsam, viel in seinen Gedanken verloren und versucht mit seinem Leben zurechtzukommen. Dieser Charakter ist ein sehr angenehmer, der mir gleich sympathisch war. Auch Bangley, der unter seiner harten Schale einen weichen Kern hat, gefällt mir.

Der Autor erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und in der Gegenwart. Eine Erzählweise, die mir persönlich nicht wirklich gefällt. Immer wieder springt er jedoch in die Vergangenheit, wenn er zurückdenkt an vergangene Tage.

Auch gibt es in dem Roman keine wörtlichen Rede, wenn die Personen miteinander „sprechen“, sind diese Stellen indirekt.

Peter Heller hat hier eine gefühlvolle und abenteuerliche Geschichte erzählt, die für mich aber eher schleppend und anstrengend zu lesen war, was vermutlich an dem besonderen, außergewöhnlichen Erzählstil gelegen hat. Mir hat er nicht so ganz zugesagt, so dass ich mich einfach etwas schwer tat und nicht entspannt durch die Handlung „fliegen“ konnte.

Das Buch präsentiert der Eichborn Verlag als schöne gebundene Ausgabe, welches ein schönes, ansprechendes Cover ziert. Mir gefällt es sehr gut.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für „Big Hig“, eine schöne, ruhige, abenteuerliche Geschichte über Freundschaft, dass Überleben und das Vermissen und die Sehnsucht. Geschrieben in einem eigenwilligen, außergewöhnlichen Schreibstil, der mir persönlich leider nicht so liegt.

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© Buchwelten 2013

Schattengrund von Elisabeth Herrmann

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Erschienen als Klappenbroschur
bei cbt
416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-570-16126-5
Katergorie: Thriller (ab 14 Jahre)

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Nico ist 17 Jahre alt, eigentlich in ca. 2 Wochen schon 18, und gemeinsam mit ihren Eltern hat sie einen Notartermin. Ihre kürzlich verstorbene Tante hat ihren letzten Willen verfügt und der hat offensichtlich mit Nico zu tun. Sie weiß überhaupt nicht, was sie bei diesem Termin erwartet, hat sie doch kaum noch Erinnerungen an ihre Tante, in deren Haus im Harz sie in ihrer Kindheit sehr oft zu Besuch war. Denn plötzlich brach der Kontakt zu der Tante ab, sie wurde von ihren Eltern als „krank im Kopf“ beschrieben und somit hat Nico sie bereits seit 12 Jahren nicht mehr besucht.

Nico staunt nicht schlecht, als sie ihr „Erbe“ erhält:  Einen Reisigbesen, der fast auseinanderfällt, eine halbe Postkarte und einen glitzernden Stein, offensichtlich ein Stück Erz aus dem Harz. Nico will diese Dinge dennoch annehmen, sie meint, dass ihre Tante sich wohl etwas dabei dachte, dass sie diese Dinge bekommen soll. Nachdem sie zugestimmt hat, offenbart der Notar den zweiten Teil des Testaments. Nico soll Schattengrund erben. Das ist das Haus der Tante, welches in einem kleinen Kaff namens Siebenlehen im Harz liegt. Genau das Haus, in dem Nico früher ihre Ferien verbracht hat.

Nico ist sofort angetan, doch ihre Eltern machen ihr da, als ihre gesetzlichen Vertreter – denn noch ist sie ja nicht volljährig – einen Strich durch die Rechnung. Sie lehnen das Erbe ab. Punkt. Ende. Aus. Keine Diskussion mehr möglich! Nico versteht das natürlich nicht und will diese Ablehnung nicht auf sich beruhen lassen. Zumindest möchte sie wissen, was sie hätte erben können und ob sie herausfindet, warum ihre Elten so sehr dagegen sind.

Gemeinsam mit ihrer einzigen Freundin heckt sie einen Plan aus. Sie will nach Siebenlehen fahren und sich Schattengrund ansehen. Möchte noch einmal das Haus ihrer Tante besuchen, in der Hoffnung das vielleicht ihre Kindheitserinnerungen wieder aufleben oder sie wenigstens erfährt, was an dem Haus so schrecklich sein soll.

Es ist mitten im Dezember, der Winter ist bitterkalt und schneereich, doch Nico macht sich mit dem Zug auf in den Harz. Offiziell übernachtet sie bei ihrer Freundin, die natürlich im Zweifelsfall für Nico deren Eltern gegenüber lügen wird.

Doch als Nico dann endlich Siebenlehen erreicht, kommt alles anders als sie denkt. Das Schneechaos ist da eher das kleinere Übel. Viel schlimmer ist, dass das gesamte Dorf sie zu erkennen scheint und ihr von allen Bewohnern der pure Hass entgegengebracht wird …

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Als ich vom Verlag die Leseprobe erhielt, war ich sogleich von der schönen, düsteren und leicht gruseligen Stimmung angetan. Ein kleines verschneites Dorf, eingeschneit, von der Außenwelt abgeschnitten. Ein Teenager, der ein dunkles Geheimnis zu haben scheint. Ein altes Haus, das Geschichten erzählen könnte, wäre es in der Lage zu sprechen. Geheimnisse und Rätsel, die nach Aufklärung schreien. Als dies ist Schattengrund.

Elisabeth Herrmann hat in diesem Thriller eine wunderbare Stimmung geschaffen, die sie die gesamte Handlung über aufrecht erhält.

Es knistert vor Kälte und Spannung und ich war absolut gefesselt. Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut und trotz aller spannenden und auch heftigen Momente lässt die Autorin den Leser immer wieder (genauso wie Nico) zwischendurch zur Ruhe kommen und durchatmen.

Das dunkle Geheimnis wird nach und nach gelüftet, das ist sehr spannend zu lesen, da ja die Protagonistin selbst keinerlei Erinnerungen mehr hat und nicht weiß, wem sie was glauben kann. Doch die mutige 17-jährige gibt nicht auf, lässt sich nicht abschrecken, nicht einmal von der eigenen Angst.

Elisabeth Herrmann hat selbst kurz vor dem Finale noch mehrere Fährten ausgelegt, die mich als Leser nahezu haben verzweifeln lassen, denn jede für sich wirkte sehr logisch. Ich habe das Buch schwer aus der Hand legen können, ich wollte schnell wieder zurück nach Schattengrund und wissen, was denn nun das schreckliche Geheimnis dieses Ortes ist.

Der Thriller fällt in die Kategorie Jugendbuch, wo die zarte Liebesbeziehung, die Nico im Laufe der Handlung erfährt, sehr gut zu passt. Wobei ich hier nicht von Teenager Kitsch reden möchte, das ist ganz und gar nicht der Fall. Ich würde das Buch aber wieder einmal als All-Age Buch bezeichnen, denn auch erwachsene Leser kann und wird der Roman packen.

Der Schreibstil der Autorin ist gut, fesselt vom ersten Moment und die Stimmung der Geschichte ist sehr gut gelungen. Die Charaktere, sowohl der der Protagonistin Nico, als auch die der Nebenrollen sind gut und glaubwürdig ausgearbeitet. Ein schreckliches Thema ist in märchenhafter Art und Umgebung erzählt und zieht absolut in seinen Bann.

Das Cover ist in schwarz, weiß, rot gehalten und gefällt mir eigentlich ganz gut. Das Haus im Hintergrund mag Schattengrund darstellen, wobei ich mir das besser als eingeschneites Hexenhäuschen vorstellen könnte, es würde besser zur Handlung passen. Was die rote Schaukel im Vordergrund eher nicht tut.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen Thriller, der Leser anspricht, die eine spannende, düstere aber auch märchenhafte, knisternde Stimmung mögen.

 

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Ich danke cbj / cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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© Buchwelten 2012

Ich.darf.nicht.schlafen. von S.J. Watson (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Scherz (Fischer Verlage)
400  Seiten
Preis: 14,95 €
ISBN  978-3-651-00008-7
Kategorie: (Psycho)Thriller

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Christine erwacht am Morgen in einem Schlafzimmer, dass sie nicht kennt. Neben ihr liegt ein schlafender Mann, auch ihn kennt sie nicht. Sie hat ihn noch nie in ihrem Leben gesehen.

Sie steht auf und schaut im Badezimmer in den Spiegel und die Frau, die ihr dort entgegenblickt, die kennt sie auch nicht. Denn diese Frau ist etwa 20 Jahre älter als sie. Lediglich an ihren Augen erkennt sie sich selber wieder.


Rund um den Spiegel herum sind Fotos angebracht, auf die Fliesen geklebt. Auf all diesen Bildern ist Christine zu sehen. Sie allein und gemeinsam mit dem fremden Mann der neben ihr im Bett lag.

Dieser Mann ist Ben, wie er ihr später erklärt. Ihr Ehemann, mit dem sie bereits sehr lange verheiratet ist und er erzählt ihr, dass sie seit vielen Jahren an einer außergewöhnlichen Amnesie leidet. Über den Tag hinweg kann sie sich die Dinge merken, die sie erlebt und die Ben ihr berichtet. Dinge über die versäumten Jahre, ihr Leben.


Doch wenn sie sich abends zu Bett legt, dann werden diese Erinnerungen über Nacht nicht abgespeichert. Ihr Gehirn löscht während ihres Schlafes alles wieder aus. Am nächsten Morgen steht Christine wieder auf und weiß nicht wer sie ist und wo sie sich befindet.

Nachdem Ben zur Arbeit gefahren ist, erhält Christine einen Anruf von einem Arzt. Dr. Nash ist sein Name und er sagt ihr, sie solle das Tagebuch holen, dass sie seit einiger Zeit führt. Sie kennt diesen Mann natürlich genauso wenig, wie ihren Mann. Doch sie findet das Tagebuch an der von ihm beschriebenen Stelle und Christine beginnt zu lesen.

Das Tagebuch ist in ihrer Handschrift verfasst und sie liest von erlebten Tagen und den Dingen, die sie während ihres „Alltags“ erlebt und erfahren hat.

Christine ist völlig verunsichert. Sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann und das Schlimmste: Sie kann sich leider nicht einmal auf sich selber verlassen ….

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Ich war direkt nach Erscheinen sehr neugierig auf diesen Thriller, der Klappentext und die Inhaltsangabe haben mich sogleich gefesselt.

Ich wurde nicht enttäuscht. Ich habe diesen Thriller „gefressen“, der für mich ein absoluter Psychothriller ist. Wenn diese Handlung kein Psycho ist, dann weiß ich es auch nicht.

Das tolle an diesem Roman ist, wie der Autor es geschafft hat, die Handlung nicht langweilig werden zu lassen.

Denn schließlich hat diese gesamte Story ja etwas von „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Jeden Tag erwacht seine ProtagonistIn, immer geschieht das gleiche und immer wieder vergisst sie alles.

Die Idee mit dem Tagebuch war nicht nur für das „sich etwas merken“ für seine Hauptfigur eine gute, sondern hat auch dazu geführt, dass die Geschichte doch immer wieder anders ist, auch wenn sich alles wiederholt.

Watson hat seine amnäsiekranke Christine sehr gut ausgearbeitet, ich als Leserin habe jeden Tag miterlebt und mit ihr gelitten, mich geängstigt, viel gerätselt und gehofft.

Bis zuletzt wusste ich als Leserin nicht, was ich von den Personen im Roman halten soll. Ob sie denn nun vertrauenswürdig sind oder nicht? Was nun wahr ist und/oder nicht?

Der Roman ist nicht einmal in einem besonders gehobenen Schreibstil geschrieben, dennoch fesselt er absolut und ich habe dieses Buch schwer aus der Hand legen können. Ich könnte nicht aufhören zu lesen und wollte immer wissen wie es weitergeht.

Auf das Ende war ich sehr gespannt aber ich habe mich in Geduld geübt und nicht vor geblättert :-). Das Ende hat mich nicht enttäuscht, auch wenn es für mich grob ca. 100 Seiten vorher absehbar war. Das tat der Spannung aber keinen Abbruch.

Der Verlag präsentiert den Roman als Taschenbuch in einem kräftigen Blau. Der satte schwarze, geschwungene Schriftzug mit den Punkten nach jedem Wort ist ein Blickfang und macht neugierig. Der Inhalt auf der Rückseite des Buches ist sehr knapp weckt das Interesse noch mehr.

Die Kapitel wechseln immer zwischen den realen Erlebnissen und den Momenten in denen Christine in ihr Tagebuch schreibt, bzw. sie ihre Einträge liest. Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge gehalten. Die Schrift ist relativ klein, doch durch breite Ränder und Absätze gestalten sich die Seiten doch als übersichtlich und leicht lesbar.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen sehr gelungenen Psychothriller, der fesselnd und spannend geschrieben ist. Er ließ mich als Leserin miträseln und hat mich gefangen, sodass ich diesen Roman in fast einem Rutsch weggelesen habe.

Wer Lust hat, die Rezension zum Film zu diesem Thriller zu lesen, der kann man auf dem Blog meines Ehemannes vorbeischauen: Film-Besprechungen

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© Buchwelten 2012

vergissdeinnicht von Cat Clarke (3/5)

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Erschienen als
Paperback
bei  Luebbe
288 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  978-3785760611

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Grace Carlyle, 17 Jahre jung, erwacht in einem schneeweißen Raum. Ein weißes Bett (das gemütlichste, dass sie je erlebt hat), ein weißer Tisch mit Stuhl in derselben Farbe, weißes Papier und ein tolles Bad, natürlich auch weiß. Sie selbst ist in ein weißes Nachthemd gekleidet.

Grace hat keine Ahnung, wie sie in diesen Raum gekommen ist und warum sie dort ist, ist ihr auch nicht klar. Sie überlegt sich, dass sie vielleicht entführt wurde, von diesem wunderschönen jungen Kerl namens Ethan. Aber für einen Entführer ist er viel zu gut zu ihr. Er tut ihr nichts, er spricht wenig mit ihr, schaut sie eher bemitleidenswert an. Er bringt ihr dreimal täglich ein richtig gutes Essen (und zwar ausschließlich Dinge, die sie gerne mag!). Das einzige was er von Grace möchte ist, dass sie schreibt. Sie soll sich erinnern und alles aufschreiben. Er sagt, es sei wichtig für sie die Wahrheit zu finden. Nur das sei der Grund, warum sie dort sei.

Nun, Grace beginnt zu schreiben, jedoch nicht um Ethan den Gefallen zu tun, sondern eher für sich. Damit sie nicht verrückt wird in diesem „Überall-Weiß“. Sie beginnt zu notieren, was sie erlebt hat bevor sie in diesem Raum aufwachte, Satz für Satz, Seite für Seite. Und dann geschieht das seltsame: Grace gefällt es dort in „ihrem“ Raum. Sie genießt das Schreiben und die Besuche und kurzen Gespräche mit Ethan, auch wenn er ihr immer wieder neue Rätsel aufgibt.

Grace schreibt ihre Erinnerungen weiter auf und ganz langsam, Stück für Stück fügen sich die Bruchstücke in ihrem Kopf zusammen …

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Ich habe mich schwer getan in diesen Roman hineinzukommen, denn der Schreibstil gefiel mir gar nicht. Die Protagonistin ist eine 17-jährige, Tennager sprechen umgangssprachlich, dass kenne ich aus dem realen Leben von meinen Kindern. Doch dieser Schreibstil war mir zu flach, flapsig und er wirkte mir zu übertrieben. Als wollte die Autorin mit aller Gewalt eine lässige, lockere Jugendsprache präsentieren. Dies war bei der Protagonistin Grace extrem, ihre Freunde konnten sich da schon besser artikulieren. Hier kommen dann sogar gute Gespräche auf, in denen wertvolle, ehrliche Dinge gesagt werden und das sogar normal ausformuliert.

Auch mit Grace selber wurde ich bis zum Schluss nicht richtig warm, auch wenn ich gegen Ende des Buches schon Mitleid empfand. Sie hat viel schlechtes erlebt und sicher gab es daher Gründe dafür, dass sie war wie sie war und tat was sie tat. Aber meist kam sie für mich rüber wie eine nymphomanische 17-jährige, die am allerliebsten „im Suff“ oder „total dicht“ war. Es ging extrem viel um das saufen, kotzen, Sex und Jungs verführen. Sicher sind Teenager keine Unschuldslämmer, sollen sie auch gar nicht sein, doch das schien mir ein wenig zu überfrachtet.

Den eigentlichen Hintergrund des Buches fand ich dann dennoch gut, darum wollte ich auch wissen, wie es sich auflöst. Es werden auch heikle Themen angesprochen, z.B. eines, dass es in der heutigen Zeit leider immer öfter bei den Jugendlichen gibt: Ritzen. Die Hintergründe und die Erklärung der Gefühle, die Grace dazu veranlasst haben, fand ich gut beschrieben. Auch der Punkt Schwangerschaft wurde behandelt  sowie Liebe, Angst, Mutlosigkeit, Hoffnung und vieles mehr.

Einiges innerhalb Graces Notizen/Erinnerungen war für mich absehbar und ich empfand es als künstlich hinausgezögert. Die Auflösung am Ende des Romans hat mir dann wiederum sehr gut gefallen. Hier war ich dann auch positiv überrascht und ich empfand den Schluss als gelungen.

Das Cover ist natürlich weiß und nur durch einige violette Buchstaben aufgelockert. Eigentlich ein schönes Cover, doch leider sehr schlecht erkennbar. Die Kapitel waren in angenehme Längen verfasst und die Sprünge zwischen Graces Notizen/Erinnerungen und den Momenten im Raum haben waren gut gewählt und ließen mich angenehm flott lesen.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen Roman mit einem eigentlich guten Hintergrund, der Einblicke in eine Teenager-Seele gibt. Für mich allerdings durch den extremen Schreibstil leider etwas abgewertet.

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Ich danke Amazon und Luebbe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

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Sommerhaus mit Swimmingpool von Herman Koch (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Kiepenheuer & Witsch
352 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-462-04344-0

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Marc Schlosser ist ein sympathischer niederländischer Hausarzt der dafür bekannt und beliebt ist, sich für seine (meist aus der Kunstrichtung stammenden) Patienten viel Zeit zu nehmen. Zwanzig Minuten ist eine ganze Menge und dass der Arzt davon nur 5 Minuten auf die medizinischen Diagnosen vergibt und den Rest der Zeit mit unauffälligem, seinen Patienten aber schmeichelnden Smalltalk füllt, fällt seiner Kundschaft nicht auf. Zumindest nicht im negativen Sinne.

So gelangt auch der bekannte Schauspieler Ralph Meier in seinen Patientenstamm, der über Müdigkeit und Überarbeitung klagt. Die Männer freunden sich an, auch wenn Ralf Meier irgendetwas an sich hat, dass Dr. Schlosser beinahe schon abstößt.

So kommt es schließlich dazu, dass Marc Schlosser gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Sommerurlaub in Frankreich einige Wochen im Sommerhaus mit Swimmingpool bei Ralph Meier, seiner Frau, seinem Sohn, einem befreundeten amerikanischen Regisseur und dessen jugendlicher Freundin verbringt.

Nach der Rückkehr in die Niederlande wird der Schauspieler plötzlich und sehr schwer krank. Es geht soweit, dass Marc Schlosser als Arzt Sterbehilfe leistet. Nach seinem Tod entsteht dann der Verdacht, dass der Arzt anscheinend nicht unschuldig an dem schnellen und dramatischen Verlauf der Krankheit ist. Ursache für diese Aufdeckung ist die Obduktion, die in den Niederlanden nach dem Tod in Folge von Sterbehilfe routinemäßig durchgeführt wird.

Hat Marc Schlosser wirklich etwas zu verbergen? Und wenn, was ist der Grund? Ist in jenem Sommer am Sommerhaus mit Swimmingpool irgendetwas schreckliches vorgefallen, dass ihn zu dieser Tat verleitet hat … ?

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Der niederländische Autor Herman Koch hat mit diesem Roman eine Geschichte geschrieben, die nicht nur Spass macht, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Seinen Protagonisten Marc Schlosser hat er sehr greifbar und real dargestellt. Wie er seine Einstellung zu seiner ärztlichen Tätigkeit, der Medizin, seinen Patienten und vor allen Dingen als Vater von zwei pubertierenden Töchtern und Ehemann dargestellt hat, war sehr gut geschrieben. Dass mir diese Seiten nicht immer sympathisch waren, macht die Person nur um so „echter“.

Ein Vater der sich Gedanken um seine Kinder macht, gefiel mir sehr gut. Es ist schön, von solch fürsorglichen und liebevollen Vätern zu lesen. Er hat einerseits eine lockere Einstellung ihnen gegenüber, wacht aber andererseits  mit Argusaugen über sie.

Auch die Art der Gespräche und Konfliktbewältigung zwischen Marc und seiner Frau hat der Autor sehr gut zu Papier gebracht. Dabei ist der Schreibstil nicht einmal besonders gehoben oder außergewöhnlich ausformuliert, sondern eher einfach und schlicht. Es schreibt relativ viel in der wörtlichen Rede, was dem Dabei-Sein-Gefühl in der Geschichte sehr zu Gute kommt.

Auch die Verhaltensweisen und Reaktionen der beiden Mädchen, der Töchter von Marc Schlosser, gefielen mir gut. Wie die grosse Tochter sich immer mehr in sich selber zurückzieht, niemanden mehr an sich heran lässt und vor allem der Versuch der Eltern damit umzugehen, hat mich absolut angesprochen.

Andere Figuren waren mir dagegen ein wenig zu flach und oberflächlich. Einige hiervon belegen in der Geschichte nur eine Nebenrolle, aber auch der Schauspieler Ralf Meier und dessen  Ehefrau , die an der Handlung einen großen Anteil haben, waren mir in ihren Charaktereigenschaften nicht tief genug dargestellt.

Sehr gut gefallen haben mir die Passagen, in denen Marc Schlosser in Gedanken die Worte seines damaligen Professors Aaron Herzl Revue passieren lässt. Diese Textstellen haben mich oft zum Schmunzeln gebracht oder einfach einen guten Einblick in unsere menschliche Anatomie gegeben.

In jedem Fall nimmt man dem Autor Herman Koch die Figur des Hausarztes tatsächlich ab. Man könnte meinen, er sei in seiner vorherigen Laufbahn selber medizinisch tätig gewesen. War er aber nicht. Herman Koch, geboren 1953 in den Niederlanden ist Komiker, Kolumnist, Fernsehmacher und vieles mehr. Es scheint, als sei er in seiner Heimat sehr bekannt. Mir hat sein Roman in jedem Fall so gefallen, dass ich weiteres von ihm lesen möchte und werde.

Das Buch präsentiert der Verlag als gebundene Ausgabe mit einem knallroten Schutzumschlag, der eigentlich relativ schlicht ist aber dennoch absolut passend zur Geschichte ist.
Die Kapitel sind relativ kurz gehalten, sodass man doch oft verführt ist eines mehr zu lesen als vorher geplant.
Die Handlung beginnt in der Gegenwart und macht dann Zeitsprünge zurück in jenen Sommer in Frankreich. Diese Sprünge zwischen den Zeiten gestalten die Lektüre ebenso sehr kurzweilig.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen niederländischen Medizinerkrimi mit viel Gefühl, Spannung und Kitzel.

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Ich danke

  

   und dem Verlag

 

für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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Wer sich die Videoportäts zu Hermann Koch – Sommerhaus mit Swimmingpool

ansehen möchte, sollte einmal auf der Verlagsseite vobeischauen.

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© Buchwelten 10.02.2012

HAPU Teufel im Leib von Michael Zandt (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch  im
Candela Verlag
273 Seiten
Preis: 11,80 €
ISBN: 978-3-942635-19-6

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Hapu ist eine grazile, attraktive junge Frau von Anfang zwanzig. Eigentlich anderen Frauen in ihrem Alter nicht unähnlich. Sie hat einen Job, der ihr Spaß macht und mit dem sie sich identifiziert, liebt es Motorrad zu fahren, ist Fan der Stuttgarter Kickers und lebt mit ihrer besten Freundin Hati zusammen in einer Wohnung. Sie quatschen, hören Musik, lesen gemeinsam, trinken mal gerne einen über den Durst. Aber Hapu ist kein Mensch, sie ist eine Asartu.

Die Asartu sind Nachfahren Luzifers, geschaffen nach seinem Ebenbild. Sie leben unter uns Menschen und unterscheiden sich eigentlich nicht sonderlich von uns. Von der verlängerten Wirbelsäule (Asartu haben einen Schwanz, den sie allerdings nicht offensichtlich zur Schau stellen), den Fangzähnen im sonst schneeweißen Gebiss einmal abgesehen. Und ab und an benötigen die Asartu Menschenfleisch um ihren Enzymhaushalt im Gleichgewicht zu halten.

Dies bekommen sie im Krankenhaus zugewiesen, von Menschen die sich als Spender bereit erklären und den Asartu kurz vor ihrem Tode unter Narkose als Mahlzeit dargeboten werden.

Doch in unserer Welt leben nicht nur Menschen und Asartu, auch Dämonen sind unter uns und wir können sie nicht erkennen, sie sehen aus wie du und ich, doch ab und an zeigen sie ihr Wahres Ich und das nicht ohne Grund.

Als Hapu gegen diese Dämonen kämpft (der Gewalt war sie nie abgeneigt und sie versteht es ihre körperlichen Kräfte zum Einsatz zu bringen) spürt Hapu das dort mehr in ihr ist, ein zweites Wesen lebt in ihrem Körper. Diese Seele beschert Hapu nicht nur zusätzliche Kräfte, die magisch wirken. Hapu erfährt, dass sie eine Sepuku ist. Sie ist eine der 12 Töchter der Angrubar. Mit dieser Göttin hat Luzifer diese 12 weiblichen Nachfahren gezeugt. 


Doch was soll Hapu mit dieser Erkenntnis nun anfangen und wer lehrt sie ihre Kräfte zu nutzen und vor allem, was ist ihre Aufgabe?

Sie wird es erfahren und einen Weg einschlagen, der ihr bisheriges Leben völlig aus der Bahn wirft …

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Zunächst einmal wusste ich nicht wirklich was mit erwartet. Der Autor selber hat mich kontaktiert und mir eine erste Leseprobe zukommen lassen. Mit der konnte ihr ehrlich gesagt nicht viel anfangen (wie ich heute las, war es eine Stelle kurz vor dem Ende, die ich nur im Zusammenhang der Handlung verstehen konnte).

Dann bekam ich eine weitere Leseprobe und die sprach mit dann mehr an. Ich konnte kurz die Protagonistin Hapu kennenlernen und ich wurde neugierig.

Der Roman beginnt auf einem Schiff und schwenkt dann aber um und erzählt Hapus Geschichte in einer Rückblende.

Der Schreibstil war nicht außergewöhnlich gehoben und nicht sonderlich anspruchsvoll, dennoch aber sehr angenehm zu lesen und flüssig ausformuliert.

Hapu selber ist ein sehr direkter, frecher, dreister Charakter, der sehr umgangssprachlich und auch oft schroff spricht. Dennoch war sie mir sehr sympathisch. Mir ist dieses grazile Wesen doch recht schnell ans Herz gewachsen, zeigt sie oft auch sehr weiche und warmherzige Seiten.

Die Geschichte siedle ich im Fantasy Bereich an, wobei es nicht wirklich in dieses Genre passt. Es waren oft sehr blutige, heftige und krasse Szenen dabei, die nicht für allzu schwache Lesernerven geeignet sein mögen. Für mich passten sie aber gut in die Handlung.

Oft musste ich auch schmunzeln, wenn z.B. ein uralter Priester, der sich selber verstümmelt hat um seine Entbehrungen zu unterstreichen erklärt, dass sein Sinn des weiterlebens darin besteht, die letzten zwei Pokémon noch fangen zu wollen und aus seiner Kutte einen Nintendo DS befördert 😉

Ab und zu haben mich die vielen, sehr komplizierten Namen etwas verwirrt aber das habe ich dann einfach zu hingenommen und dem Verständnis der Handlung hat es keinen Abbruch getan. Auch wer nun gerade der Ur-Urahn von welcher Gottheit o.ä. war, empfand ich manches mal als etwas undurchsichtig. Hier fühlte ich manchmal etwas überfrachtet.

Mir hat die Geschichte dennoch sehr gefallen, ich war positiv überrascht und die Idee die Nachfahren des Teufels offensichtlich unter uns Menschen hier in der Jetztzeit leben zu lassen war schon eine gute, die der Autor auch interessant und spannend umgesetzt hat.

Es gab neben brutalen Kampfszenen auch sehr schöne ruhige und auch mal erotische Passagen. Die Mischung hat Michael Zandt hier gut hinbekommen.

Zuletzt noch einige Worte zum Buch an sich. Es ist als Taschenbuch veröffentlicht und das schlichte Cover gefällt mir gut. Es ist in einem warmen (blut)roten Ton gehalten und weist nicht viel Schnickschnack auf. Der Klappentext ist kurz, knapp und zentriert geschrieben. Er reicht völlig aus um neugierig zu machen und sieht ordentlich aus.

Leider sind der Buchdeckel und Rücken aus einer sehr weichen, wabbeligen Pappe, dass gefällt mir nicht sehr gut. Weiße Seiten mag ich persönlich auch nicht. Dann empfand ich es als störend und überflüssig, dass auf jeder Seite am unteren Rand: „Michael Zandt – Hapu Teufel im Leib“ eingedruckt ist.

Ich weiß doch auch so, welches Buch ich gerade lese … Die Kapitel waren innerhalb derer durch Sternchen unterteilt, was das Lesen angenehm gestaltet aber die Sterne hätten etwas kleiner ausgereicht und sicherlich dezenter gewirkt.


Das erste Kapitel beginnt auf einer linken Seite, dass hat für mich leider immer den Eindruck von „Seiten sparen“. Die Illustrationen gefallen mir relativ gut, sind aber eigentlich überflüssig. Da hätte man besser die Seitenaufteilung etwas großzügiger gestalten können.

Fehler habe ich nur einen kleinen gefunden (S. 219 – 1. Absatz). Dafür fehlt sehr oft das Leerzeichen hinter einem Punkt. Also wenn der nächste Satz beginnt. Und ein letztes habe ich noch bemerkt: zum Ende hin ist es öfter vorgekommen, dass die Schriftgröße innerhalb der Seite um eine Größe kleiner wurde. War z.B. die Schrift in 12, ging es dann auf einmal in 11 weiter.

Dies sind alles keine dramatischen und schlimmen Dinge, ich finde aber solche Hinweise (vor allem auch an die Verlage) nicht unwichtig. Denn ich denke, es gibt einige Leser, die ebenso auf diese Dinge achten.

Hierin begründet sich auch mein Punktabzug.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein Debüt, dass absolut keine klassische Fantasy ist. Ein „anderer“ Roman, oft „laut“ aber auch mal leise und durchaus lesenswert.

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Ich danke dem Candela Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares und wünsche Michael Zandt alles Gute für seine schriftstellerische Zukunft :-).

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© Buchwelten 08.01.2012