Armada von Ernest Cline

armada

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-596-29660-6
Kategorie: Science Fiction

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Zack Lightman ist einer der besten Spieler im Computerspiel „Armada“. Dort wird die Erde von einer außerirdischen Spezies angegriffen und Lightmann muss zusammen mit anderen Spielern unsere Welt retten. Doch dann taucht eines Tages plötzlich ein echtes Raumschiff über seiner Heimatstadt auf und aus dem Computerspiel wird Ernst. Denn es stellt sich heraus, dass „Armada“ lediglich als Spiel getarnt ist und die Spieler in Wahrheit eine Armee bilden, die die Hoffnung der gesamten Menschheit darstellen.

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Ernest Cline geht mit seinem zweiten Roman nach „Ready Player One“ kein Risiko ein und bewegt sich auf den gleichen Pfaden wie bei seinem Debüt. Was sich aber im ersten Moment wie eine uninspirierte und gar kopierte Geschichte nach Schema F des Vorgängers anhört, entpuppt sich dann aber doch sehr schnell zu einem zweiten Volltreffer im Bereich der Science Fiction, der wieder auf unzähligen Anspielungen auf Filme der 80er und 90er Jahre aufbaut. Der Lesegenuss von „Armada“ gestaltet sich ähnlich flott wie der von „Ready Player One“. Man fliegt nur so durch die Seiten, weil man von dem flüssigen, humorvollen Schreibstil schlichtweg mitgerissen wird. Ernest Cline schafft es hervorragend, seine Leser grandios und kurzweilig zu unterhalten. Und wenn man ein „Kind der 80er“ ist und / oder sich für Filme und Musik aus dieser Zeit interessiert, kann man sich dem Sog von Clines‘ Romanen sowieso nicht entziehen.

Ernest Cline zeichnet seine Charaktere ähnlich „menschlich“ und glaubhaft wie in „Ready Player One“, so dass man wirklich sehr nahe  am Protagonisten die Handlung miterlebt. Es sind vor allem die Gedankengänge seiner Hauptperson, die den Leser direkt ansprechen und damit äußerst sympathisch machen. Cline versäumt es auch nicht, in seinem neuen Roman hin und wieder Gesellschaftskritik einzubauen, die durchaus nachvollziehbar ist. „Armada“ ist erneut ein wilder Trip durch die Welt von Computerspiel-, Film- und Musiknerds, der unheimlich Spaß macht. Man sollte „Ready Player One“ aber nie als Vergleich heranziehen und diesen Roman einfach als eigenständiges Werk ansehen, denn zu viele Parallelen im Storyaufbau sind zu verzeichnen, die schnell ein nicht allzu gutes Licht und ein daraus resultierendes Urteil im Kopf des Lesers erscheinen lassen. Viele der unterhaltsamen Anspielungen auf die Welt der 80er Jahre wirken „kopiert“ und lediglich auf eine andere Handlung als „Ready Player One“umgeschrieben, so dass man leicht meinen könnte, „Armada“ wäre als Nachfolgeroman lediglich schnell heruntergeschrieben worden. Ich für meine Person empfinde das überhaupt nicht so, sondern halte „Armada“ für einen völlig legitimen Nachfolger des Erfolges „Ready Player One“, der einfach nur im selben Stil verfasst wurde.

Ähnlich wie beim Vorgängerroman sieht man während des Lesens die Handlung als eine Art Film vor sich. Und es ist in der Tat so, dass sich auch „Armada“ für eine Verfilmung anbieten würde und als Film womöglich sogar besser als die Romanvorlage funktionieren würde. So ähnlich ging es mir übrigens auch bei den Büchern und Filmen von „Maze Runner“, die mir als Buch nur bedingt und als Film sehr gut gefallen haben. Ernest Cline bleibt auf alle Fälle seinem Konzept treu und liefert mit seinem zweiten Buch genau das ab, was seine Fans erwartet haben: kurzweilige Popkorn-Literatur, die schon als Buch einen Kinoblockbuster auf der Gedankenleinwand des Lesers erscheinen lassen. Seine Bücher sind Pageturner erster Klasse, die durch den im Moment auch noch absolut in Mode gekommenen 80er Jahre-Flair einfach nur magisch verzaubern. Clines‘ Bücher könnten es sogar schaffen, nichtlesende Jugendliche endlich wieder zum Lesen zu bringen, denn er behandelt Themen, die diese Zielgruppe begeistern: Videospiele und Filme. Und diese Zutaten, vermischt mit einem lockeren, flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil, ergeben fantastische Unterhaltungsliteratur, die nicht nur Jugendliche, sondern auch (junggebliebene) Erwachsene in ihren Bann zu ziehen vermag. Ich freu mich schon auf das dritte Werk des vielversprechenden „Nerds“.

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Fazit: Kurzweilig und genauso unterhaltsam wie der Vorgänger „Ready Player One“.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ready Player One von Ernest Cline

reday player

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 540 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-596-29659-0
Kategorie: Science Fiction

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James Halliday hat das größte Computer-Online-Spiel der Welt erschaffen. Als er stirbt, hinterlässt er eines der größten Erben, die es je gab, aber keinen Erben. Halliday, großer Fan der 80er Jahre, vermacht sein Vermögen demjenigen, der die versteckten Hinweise in seiner kreierten Computerwelt findet und den „Schatz“ findet. Eine Jagd auf das sogenannte „Easter Egg“ beginnt. Wade Watts, ein junger Gamer und großer Fan von Halliday, ist einer von vielen Jägern, die sich auf den Weg durch die Computerwelt machen, um das Geheimnis von James Hallidays Erbe zu lüften.

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Dieses Buch ist einfach der Wahnsinn. Jeder, der ein Kind der 80er Jahre ist, Videospiele, Filme und Musik dieser Zeit mag, wird sich aus dem Sog dieses Romans nicht mehr losreißen können. Mit unglaublicher Genauigkeit baut Ernest Cline unzählige Anspielungen auf diese Zeit in seine Geschichte ein, dass man auf fast jeder Seite ein Schmunzeln auf den Lippen hat, weil man eben so ziemlich alles kennt. Faszinierend ist vor allem, dass diese ganzen Zitate, Verweise und Verbeugungen aus jener Zeit absolut perfekt in die Handlung passen. Es macht so unglaublich Spaß, den Protagonisten bei ihrer Reise durch eine Zukunft zu begleiten, die im Grunde genommen aus einer tollen Vergangenheit besteht. Jeder, der die 80er Jahre miterlebt hat, weiß, wovon ich spreche und er wird seine helle Freude daran haben, diese Zeit in einer fantastischen Geschichte wieder aufleben zu lassen.

Ernest Cline ist absoluter Nerd, das merkt man auf jeder Seite seines Debütromans. Virtuos wirft er mit Zitaten um sich, entführt den Leser in mehr oder weniger bekannte Kultfilme jener Zeit und erschafft dabei eine unglaubliche Atmosphäre. Mit „Ready Player One“ ist Cline ein ganz großer Wurf gelungen, der sämtliche 80er Jahre Anhänger auf dieser Welt in Verzückung geraten lässt. Wie in einem Film von Steven Spielberg (der übrigens tatsächlich die Filmrechte erworben und den Streifen bereits abgedreht hat – Start 2018) breitet sich eine Flut an Popkultur-Verweisen vor dem inneren Auge des Lesers aus, die einen manchmal sogar überfordert, so geballt kommt sie daher. „Der Gigant aus dem All“, „Blade Runner“, Wargames“ und „Der Tag des Falken“ sind nur einige der Filme, die in „Ready Player One“ eine Rolle spielen. Die Musik der kanadischen Kultband „Rush“ wird ebenfalls in den Vordergrund gestellt wie unzählige Computerspiele der 80er Jahre-Ära. Es ist wirklich eine wahre Freude, den Plot mitzuverfolgen und dabei in eigenen Erinnerungen zu schwelgen. Ernest Clines Debütroman wird definitiv ein Kultbuch für 80er Jahre-Nerds werden, daran besteht kein Zweifel.

Aber es sind nicht nur die erwähnten Anspielungen an die Kultur eines vergangenen Jahrzehnts, die diesen Science Fiction-Roman ausmachen, es ist auch der flüssige Schreibstil des Autors, der einen die Seiten nur so verschlingen lässt. Als hätte Joe Dante einen Roman geschrieben. 🙂
Ähnlich wie in Tad Williams‘ grandioser „Otherland“-Sage spielt der größte Teil der Handlung in einer computergenerierten Welt, in der nichts unmöglich ist. Und genau das nutzt der Autor fulminant aus und entführt den Leser in unglaubliche Welten und spannende Abenteuer, dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Der Roman hätte gut und gerne das doppelte, wenn nicht das dreifache an Seitenanzahl haben können und wäre mit Sicherheit an keiner Stelle langweilig geworden.  Ernest Cline tobt sich in seiner Geschichte aus, wie es nur ein echter Fan / Nerd tun kann, und verbindet die verschiedenen Hommagen an unterschiedliche Künstler intelligent zu einem logischen Ganzen. „Ready Player One“ ist ein erfrischendes Feuerwerk an Ideen, die es meines Wissens so geballt in dieser Art noch nie gegeben hat. Ich bin sehr gespannt auf die filmische Umsetzung von Steven Spielberg (der Trailer ist schon mal richtig gut gelungen) und freue mich schon auf den zweiten, ebenfalls im Fischer Tor Verlag erschienenen, Roman von Ernest Cline mit dem Titel „Armada“.
Für mich ist „Ready Player One“ auf jeden Fall eine der ganz großen SF-Entdeckungen des Jahres.

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Fazit: Science Fiction-Dystopie mit unzähligen 80er Jahre-Anspielungen und unglaublichem Flair. Unbedingt lesen!

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Overworld von Dan Wells

overworld

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt  430 Seiten
Preis: 13,00 €
ISBN: 978-3-492-28022-8
Kategorie: Science Fiction, Fantasy

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„Overworld“ ist das beliebteste Virtual-Reality-Spiel der Welt. Marisa Carneseca, die wir schon aus „Bluescreen“ kennen, bekommt zusammen mit ihren Freunden eine Einladung, um an einem Overworld-Turnier teilzunehmen. Sollte Marisas Team gewinnen, könnte sie ihre Familie endlich finanziell unterstützen. Doch schon bald wird Marisa klar, dass sich hinter „Overworld“ nicht nur ein Spiel versteckt, sondern eine profitgierige Machenschaft, die die Existenz mittelständischer Menschen, wie Marisas Eltern, bedroht  …

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„Overworld“ setzt Abenteuer von Marisa Carneseca und ihren Freunden nahtlos fort. Auch wenn man zwischen dem ersten Teil „Bluescreen“ als Leser viele Monate hat verstreichen lassen, so findet man doch sehr schnell wieder Zugang zu den Jugendlichen und dem Stadtteil Mirador. Dinge, die man vergessen hat, werden kurz von Dan Wells angesprochen und sofort hat man den Anschluss wieder. Wells hat sehr geschickt die Abenteuer des ersten Teils eingebaut, ohne dessen Handlung nochmals zu wiederholen. Aber davon abgesehen, könnte man „Overworld“ auch durchaus als eigenständigen, unabhängigen Roman lesen und würde die Zusammenhänge dennoch verstehen.
Dan Wells hat mit seinen Mirador-Romanen eine wirklich beeindruckende Zukunftsvision erschaffen, die wirklichkeitsnäher nicht sein könnte. Auf erschreckende Weise stellt man während des Lesens fest, dass die geschilderte Zukunft in manchen Dingen näher ist, als man denkt. Die Ansätze (Internetzugang wird zum Beispiel als Lebensgrundlage bezeichnet) jener Zukunftswelt sind dystopisch und real zugleich.

Im vorliegenden zweiten Teil des Mirador-Zyklus richtet Dan Wells sein Hauptaugenmerk auf Videospiele und wird so manch einen Leser an Tad Williams‘ fantastische „Otherland“-Reihe erinnern. Doch Wells geht einen anderen Weg, der nicht minder spannend und faszinierend ist. Was mir vor allem (wieder, wie schon im ersten Teil) gefallen hat, waren die Aktionen der Teenager untereinander. Die Sticheleien und Beleidigungen sind sehr authentisch und witzig dargestellt und zaubern einem während des Lesens oftmals ein Lächeln auf die Lippen. Dieses Lebensgefühl, das Jugendliche bei Videospielen, Internetforen und Chatrooms spüren, wird sehr gut und glaubhaft beschrieben, auch wie sie miteinander sprechen. Die Dialoge sind flüssig und Wells‘ Schreibstil gewohnt hochwertig, aber leicht lesbar, so dass der Roman sehr schnell gelesen werden kann. Dass man sich sehr schwer von der Handlung trennen und das Buch zur Seite legen kann, liegt auch daran, dass Dan Wells sehr kurzweilig und fesselnd schreibt und den Leser förmlich selbst in die Handlung mit eintauchen lässt. Das konnte er schon bei seinen „Serienkiller“-Büchern, aber bei den Mirador-Romanen wirkte es zumindest auf mich noch spannender.

„Overworld“ mutet manchmal wie ein Film an, manchmal aber auch wie ein Videospiel. wobei Dan Wells gut und gerne mehr von dem eigentlichen Game hätte beschreiben können. In diesem Fall kann Tad Williams eindeutig mehr auftrumpfen. Nichtsdestotrotz fliegt man nur so durch die Seiten, um zu erfahren, wie es den Mädchen ergeht. Und auch wenn man, wie ich, kein Gamer ist und nicht über entsprechendes Wissen verfügt, kann man den Spielverläufen und den Fachausdrücken ohne weiteres folgen, denn die meisten Dinge werden innerhalb des Romans erklärt und am Ende des Buches ist auch noch ein Glossar abgedruckt, mittels dem man sich schlau machen kann. Mir persönlich hat dieser zweite Teil „Overworld“ ein klein wenig besser gefallen als „Bluescreen“, was mich vermuten lässt, dass Dan Wells selbst tiefer in seine Charaktere und Szenarien eingedrungen ist. Dies wiederum lässt meine Erwartungshaltung gegenüber dem dritten Teil höher steigen, wobei ich allerdings auch ziemlich sicher bin, dass Dan Wells diese Erwartungen erfüllen wird. „Overworld“ ist ein absolut unterhaltsames Science Fiction-Abenteuer mit sozialkritischem Anteil, in dem auf wirtschaftliche Auswirkungen des Internets eingegangen wird. Gerade diese Mischung aus intelligenter Zukkunftsvision und spannendem Actionabenteuer funktioniert hervorragend und wird Fans des ersten Teils uneingeschränkt gefallen.

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Fazit: Spannender, intelligenter zweiter Teil der Mirador-Saga, der hervorragend unterhält.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten