Der Rabe von Lionel Davidson

Der Rabe von Lionel Davidson

Erschienen als Taschenbuch
im Penguin Verlag
insgesamt 670 Seiten
Preis: 10,00 €
ISBN: 978-3-328-10002-7
Kategorie: Thriller

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Durch einen verschlüsselten Hilferuf wird der Mikrobiologie und Agent  Dr. Johnny Porter nach Sibirien gerufen. Dort existiert ein unterirdisches russisches Forschungslabor, in dem ein tödliches Geheimnis ruht, das nicht verborgen bleiben sollte. Dr. Porter macht sich auf den Weg nach Russland, um das Rätsel zu lösen. Eine gefährliche Odyssee erwartet den Mann …

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Wer hier einen Wissenschaftsthriller und Abenteuerroman á la Michael Crichton erwartet, wie ich es aufgrund des Klappentextes getan habe, könnte unter Umständen enttäuscht sein. Denn „Der Rabe“ ist die Odyssee eines Mannes, der die Welt umrundet und sich zahlreichen Gefahren durch Verfolger zur Wehr setzen muss, um eine geheime Forschungsstation in Sibirien zu erreichen. Es ist ein Agentenroman, aber wiederum auch nicht so, wie man sich das vorstellt. Da gibt es keine Action wie in einem James Bond-Film, sondern die Handlung geht sehr langsam und bedächtig vonstatten, was aber wiederum nicht heißt, dass es langweilig ist. Wahrscheinlich hört man schon aus diesen letzten Sätzen heraus, dass man (oder zumindest ich) nicht unbedingt leicht mit diesem Werk warm wird. Es fühlt sich letztendlich alles ein wenig unausgegoren an, zumindest auf den ersten Blick. Sicherlich steckt hinter dem Roman ein großartig geschriebenes Abenteuer, das durchaus zu unterhalten vermag, was mit Sicherheit auch an dem wirklich tollen Schreibstil des Autors liegt. Aber irgendetwas fehlt dem Ganzen, das ich leider nicht wirklich detailliert erklären kann.

„Der Rabe“ fängt genau so an, wie man aufgrund des Klappentextes vermutet. Man wird sofort neugierig auf den geheimnisvollen Fund und die einsame Forschungsstation im ewigen Eis. Lionel Davidson ist der Einstieg auf jeden Fall gut gelungen und auch hier wird einem noch vorgegaukelt, sich bald mit einem spannenden Wissenschaftsthriller zu unterhalten. Doch kaum ist der Hauptprotagonist im Spiel, wechselt der Plot in ein völlig anderes Genre. Wie schon vorhin gesagt, das heißt keineswegs, dass es dem Roman an Spannung oder gelungenen Sätzen fehlt. „Der Rabe“ bewegt sich, ebenso wie Davidsons  „Die Rose von Tibet“ auf einem hohen Niveau, was die Seiten wirklich nur so dahinfliegen lässt, obwohl nichts wirklich erwähnenswertes passiert. Aber man ertappt sich selbst immer wieder dabei, dass man darauf wartet, dass die Forschungsstation ins Spiel kommt. Leider kommt und kommt sie aber nicht ins Spiel – erst auf Seite 400 geschieht endlich das, auf das man sich als Leser gefreut hat: Der Protagonist erreicht die geheimnisvolle Station und nimmt Kontakt mit einem Wissenschaftler auf. Doch kaum ist man mit der Situation „warm“ geworden, verlässt „der Rabe“ den Schauplatz wieder und macht sich auf den Weg zurück. Erneut werden wir Zeuge, wie sich der Mann vor Verfolgern verstecken muss und um sein Leben kämpft.

Lionel Davidsons Roman ist absolut toll geschrieben und kann auch auf über 600 Seiten unterhalten, erfüllt aber eben die Erwartungshaltung nicht. Erst im Nachhinein, wenn man das Buch also zu Ende gelesen und zugeschlagen hat, bemerkt man, dass sich die bildhaften Beschreibungen ins Gedächtnis eingeprägt haben und eine Art Film hinterlassen haben. Mir haben die detaillierten Schilderungen sämtlicher Unternehmungen des Protagonisten wirklich gut gefallen und ich hatte auch bis zum Ende, das übrigens dann doch wieder ein wenig versöhnt hat, ein großes Lesevergnügen. Aber ich hatte zum einen etwas anderes erwartet und zum anderen auch mit einer weitaus längeren Zeitspanne gerechnet, in der die Handlung auf den Schauplatz des abgelegenen Forschungsinstituts verlegt wurde. Ingesamt hat Lionel Davidson einen sehr atmosphärischen Thriller abgeliefert, der ruhig und besonnen den Weg beziehungsweise die Wege eines einsamen Mannes beschreibt und mit vielen Details aufwartet.

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Fazit: Ruhiger Thriller, der sich mehr auf die beschwerliche Odyssee eines Mannes als auf eine wissenschaftliche Basis, wie vom Klappentext suggeriert wird, beschränkt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Der letzte Engel von Zoran Drvenkar (5/5)

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Erscheint am 01.10.2012
als gebundene Ausgabe
bei cbj
432 Seiten
Preis: 16,99  €
ISBN 978-3-570-15459-5
Kategorie: Jugend Fantasy-Thriller
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Motte ist 16 Jahre alt und lebt gemeinsam mit seinem Vater in Berlin. Seine Mutter hat ihn im Alter von 9 Jahren mitten in einer gemeinsamen Urlaubsreise in Dänemark verlassen.

Er hat einen besten Freund namens Lars und ist verliebt in Rike. Also eigentlich ein ganz normaler Typ mit einem Leben wie es andere Jungs in seinem Alter auch führen.

Alles ändert sich mit einer Email, die er plötzlich abends auf seinem Monitor liest:

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sorry für die schlechte nachricht

aber wenn du aufwachst, wirst du tot sein

wir wollten nur, dass du das weißt“

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Motte hält diese Nachricht für einen echt saublöden Scherz, denkt sich aber trotzdem, dass es sicher sei, die Nacht durchzumachen. Es klappt … fast …! Gegen fünf Uhr morgens schläft Motte trotzdem ein und als er am nächsten Mittag aufwacht fühlt er sich ganz normal.

Er ist froh und erleichtert, dass es sich bei der seltsamen Mail offensichtlich doch um einen makabren Witz von irgendeinem Kumpel gehandelt hat.

Aber als Motte dann zur Toilette geht und in den Badezimmerspiegel schaut, entdeckt er auf seinem Rücken zwei Flügel und das ist gar nicht gut …

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Ich kannte bislang kein Buch dieses Autors, leider, wie ich im Nachhinein sagen möchte. Denn Zoran Drvenkar ist ein Schriftsteller, von dem ich unbedingt mehr lesen will.

Dieser Roman ist für Jugendliche ab 14 Jahre gedacht, somit als Jugendbuch eingestuft. Ich möchte ihn aber unbedingt auch Erwachsenen ans Herz legen, die gerne düstere Fantasy mit viel Hintergrund, Verwicklungen sowie Spannung und Dramatik lesen.

Der Autor schreibt in einem sehr guten Schreibstil, springt in der Handlung nicht nur zwischen den Erlebnissen seiner Protagonisten hin und her, sondern macht auch immer wieder Zeitsprünge, u.a. von einigen Jahrhunderten. Dies gestaltet das Lesen als sehr kurzweilig und abwechslungsreich.

Die Handlung hat viel mit Erinnerungen zu tun, der Leser bewegt sich in den Erinnerungen der Figuren und erlebt Dinge, die anfangs erst einmal verwirrend erscheinen können.

Es gibt in dem Roman z.B. nicht die klassischen „Guten“ und „Bösen“, denn die „gute“ Familie ist gar nicht so gut und die „böse“ Bruderschaft hat sehr gute Gründe für ihr Handeln. 

Wie diese ganzen Handlungsstränge miteinander verwoben sind löst sich nach und nach logisch auf und ist sehr stimmig und verständlich.

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Ja, die Geschichte handelt von Engeln. Nein, das Buch ist nicht religiös! Der Autor hat hier komplett andere Hintergründe geschaffen und sehr geschickt reale Figuren der Vergangenheit (die Brüder Grimm) in die Geschichte eingebaut.

Drvenkar hat in diesem Roman eine Reihe von Protagonisten und sie alle sind charakterlich sehr gut ausgearbeitet. Es gibt sowohl lustige, als auch dramatische, traurige und nachdenkliche Momente.

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Das Cover finde ich sehr ansprechend, eine Hand, die Federn festhält. Für mich passt sie sehr gut zur Handlung und die schlichten Farben gefallen mir. 

Mehr kann ich zur Ausgestaltung des Buches nicht sagen, denn ich habe ein Vorableseexemplar gelesen und das Buch erscheint letztendlich als gebundene Ausgabe.

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Der Roman scheint ein erster Teil einer Reihe zu sein und ich bin mehr als gespannt auf die Fortsetzung.

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Mein Fazit: Volle Punktzahl! 5 von 5 Sternen für diesen Roman, der absolut nicht nur für Jugendliche geschrieben ist. Eine sehr vielseitige, verzwickte Handlung, bei deren Lektüre man schon aufmerksam sein sollte. Engel sind keine religiösen Himmelswesen. Nein, hinter ihrer Geschichte steckt viel viel mehr und ich war so sehr gefesselt, dass ich den Roman verschlungen habe!

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Ich danke dem cbj Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars..

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Wer einige Worte des Autors Zoran Drvenkar zu diesem Roman hören möchte, der sollte hier vorbeischauen:

Werkstattbericht mit Video und Interview des Autors

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© Buchwelten 2012

Der Mann, der nichts vergessen konnte von Ralf Isau (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im PIPER Verlag
464 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  9783492267151
Kategorie: Thriller

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Tim Labin, gesegnet mit mehreren Doktortiteln und frisch gebackener Schachweltmeister ist der Mann, der nichts vergessen kann. Alles was er jemals gelesen, gesehen oder gehört hat, bleibt in seinem außergewöhnlichen Gehirn auf alle Ewigkeit abgespeichert.

Er liest Bücher mit einer Stärke von ca. 500 Seiten in etwa einer Stunde. Wobei der Ausdruck Lesen hier eigentlich falsch ist, er saugt sie auf, gierig nach Wissen.

Nur an eines kann sich Tim nicht mehr erinnern. An die Ereignisse jener Nacht, in der seine Eltern ums Leben kamen. Tim war damals gerade 9 Jahre alt und wurde in dieser Nacht schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Seither klafft diese dunkle Lücke in seinem Hirn und der ständige Drang nach neuem Wissen, ist nichts anderes, als sein Versuch diese Erinnerungen wieder zu finden.

Doch sein großes, umfängliches Wissen macht Tim lange nicht zu einem glücklichen, zufriedenen Mann. Er hat große Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen. Er kann es nicht ertragen die Hand geschüttelt oder überhaupt von Menschen (auch zufällig) berührt zu werden. Wenn er in einer größeren Menschenmenge ist, gerät er in Panik. Tritt er eine Flugreise an, dann muss beispielsweise gewährleistet sein, dass in den Reihen vor, hinter und neben ihm kein weiterer Passagier sitzt.

Als die Historikerin und Computerspezialistin JJ mit einem Anliegen an Tim herantritt, nimmt er die Herausforderung nicht allein wegen seinem unstillbaren Durst nach Wissen an. Vom ersten Augenblick fühlt er sich zu JJ hingezogen, was für Tim ein völlig neues Gefühl ist und auf Grund seiner sozialen Schwierigkeiten auch kein kleines Problem für ihn darstellt.

JJ bittet Tim uralte verschlüsselte Dokumente zu enträtseln. Sie ist sicher, dass Tim, der Mann, der nichts vergessen kann genau der richtige Mann ist, der helfen kann. Dieser begibt sich gemeinsam mit JJ nach Cambridge, in die alte Bibliothek. Dort sind sie auf der Suche nach dem Text, der zur Verschlüsselung der alten Schriften gedient hat.

Tim macht sich voller Eifer an die Arbeit, natürlich auch um der schönen Historikerin zu imponieren. Doch auch wenn die beiden sich geschäftlich gut verstehen und JJ auch mit den diversen Macken Tims gut zurechtkommt: sie lässt den Mann nicht an sich heran. Wenn es ihr zu persönlich wird, dann blockt sie sofort ab. 

Doch Tim hat keine Eile, er liest sich durch die umfangreiche Bibliothek in Cambridge und dabei stößt er so nach und nach auch auf Wege, die zurück in seine eigene Vergangenheit führen.

Es gibt jedoch Personen, denen ist ebenso an der Entschlüsselung der alten Texte gelegen, jedoch wollen diese nicht, dass Tim zuviel erfährt. Ohne sich dessen bewusst zu sein, begibt sich Tim mit jedem Schritt, den er näher an die Entschlüsselung herankommt in größere Gefahr ….

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Dies war mein erster Thriller, den ich von Ralf Isau gelesen habe. Habe ich zu Beginn des Buches noch bei Facebook geschrieben, dass es sicherlich unblutiger wird, als mein vorheriges Buch von Chris Carter, so hat mich Ralf Isau prompt eines besseren belehrt.

Denn die erste Szene war gleich relativ blutig, denn das Buch startet genau mit der Nacht des Todes von Tims Eltern, an die er sich nicht mehr erinnern kann.

Ich muss sagen, Ralf Isau hat bewiesen, dass er auch außerhalb der Fantasy für Erwachsene und Jugendliche gute Ideen zu Papier bringen kann. Der Schreibstil ist gewohnt gehoben. Sicherlich geht es auch umgangssprachlich zu, was aber hauptsächlich in der Natur des von Isau erschaffenen, verkorksten Charakters des Protagonisten begründet ist. Denn durch seine sozialen Schwächen kontert er ständig recht schlagfertig in Gesprächsmomenten und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Mit seinem Mann, der nichts vergessen kann, hat der Autor einen sehr sympathischen Charakter erschaffen und die Beschreibungen der Ursache für sein besonderes Gehirn, sind wie gewohnt gut recherchiert.

Die Entwicklung der Handlung ist gut aufgebaut, die Handlungsorte wechseln und spannende, düstere Momente werden von ruhigeren Szenen abgelöst. Für mich war dieser Roman ein Abenteuerroman mit Thrillereinfluss.

Uralte Logenverbindungen, alte Dokumente, Gruften voller Geheimnisse, Beschreibungen wunderbarer Bibliotheken in Washington und Cambridge, aber auch Computer High-Tech & Internet, all dies hat dieser Roman zu bieten.

Ab und zu waren mir die Hintergründe und Verbindungen der Personen und die Sprünge durch die Zeiten und historischen Verknüpfungen zu verworren und überfrachtet. Wer hat was gegründet, wer kannte wen und hat wem, wann was zugeschustert. Es gab Momente, da kam ich da nicht ganz mit und mir war es einfach zuviel des Guten. Solche Verschwörungen, mit komplizierten Spionagecharakter sind nicht so mein Fall.


Dennoch hat mir der Roman Spaß gemacht und ich werde mit Sicherheit einen weiteren Isau-Thriller lesen. Denn ich finde es gut, wenn Autoren in verschiedenen Genres unterwegs sind und sich nicht festlegen lassen (wollen).

Auch wenn ich mich bereits jetzt auf die nächsten Fantasy und Jugendromane von Ralf Isau freue, für mich kann der Autor eindeutig auch spannendes und fesselndes schreiben.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Isau-Thriller. Fesselnd, spannend, interessant und abwechslungsreich. Für alle Leser, die gerne über Verschwörungen, Schatzsuche, kryptisches und Abenteuerrätsel lesen ist er absolut zu empfehlen. 

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© Buchwelten 2012

Die Schmetterlingsinsel von Corina Boman (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ullstein Verlag
560 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  9783548284385

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Die Rechtsanwältin Diana Wagenbach ist gerade erst in ihrem verwüsteten Wohnzimmer erwacht, als sie ein Anruf aus England erreicht. Am anderen Ende der Leitung ist Mr. Green, der Butler ihrer Großtante Emmely, die in England auf dem alten Familiensitz, dem „Tremany-House“ lebt. Der Butler erzählt Diana, dass ihre Großtante einen Schlaganfall erlitten hat und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Da Diana eine sehr enge Beziehung zu ihrer Großtante in England hat, überlegt sie nicht lange und entscheidet dann, sich mit dem nächsten erreichbaren Flugzeug nach England zu begeben. Als Kind hat Diana alle ihre Ferien im „Tremany House“ verbracht und die Großtante Emmely war für Diana immer ein Ersatz der Großmutter. Dianas Großmutter verstarb bei der Geburt ihrer Tochter (Dianas Mutter) und Emmely hat sich ihr angenommen, denn sie selbst konnte nach einer Fehlgeburt keine eigenen Kinder mehr bekommen.

Dass Diana das Wohnzimmer in einem Wutausbruch verwüstet hat, weil sie ihren Ehemann beim Fremdgehen erwischt hat, interessiert sie in diesem Moment recht wenig. Soll er sich um das Aufräumen kümmern. Sie klärt in der Kanzlei mit ihrer Partnerin die Abwesenheit ab und begibt sich dann recht zügig, ohne eine Information an Ihren Mann, zum Flughafen.

In England angekommen nimmt der herzensgute Butler Mr. Green Diana in Empfang und sie fahren zunächst einmal ins „Tremany-House“. Dort fühlt sie sich sofort wieder heimelig, auch wenn der Grund der Anreise nach langer Zeit ein trauriger ist.

Als Diana ihre Großtante Emmely im Krankenhaus besucht, macht diese Andeutungen über ein altes, dunkles und bislang perfekt gehütetes Familiengeheimnis. Dianas Neugier ist natürlich schnell geweckt, doch als Tante Emmely stirbt, hat Diana viel zu wenig Hinweise um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch genau diese Hinweise hat Mr. Green von Emmely erhalten, die er ihr nun, nach Anweisung seiner alten Herrin, in klein dosierten Dosen nach und nach zuspielen soll.

Diese Hinweise führen Diana weg aus England, bis nach Sri Lanka, wo Ihre Vorfahren während der Kolonialzeit viele Jahre gelebt haben. Für Diana beginnt eine Reise in die Vergangenheit und langsam aber sicher entwirrt sie das Rätsel um ihre Urahnen …

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Dieser Roman hat mich vom Anfang bis zum Ende gefesselt und hat mir so gut gefallen, dass ich mir noch viel mehr Seiten gewünscht hätte. Denn die Figuren der Geschichte waren mir während des Lesens so ans Herz gewachsen, dass ich sie nicht verlassen mochte.

Corina Boman hat hier eine wunderbar verschlungene Familiengeschichte gestrickt und es geschafft mich als Leserin an der Auflösung des Rätsels teilhaben zu lassen. Sie erzählt in einem sehr schön formulierten und absolut bildhaften Schreibstil, der mich durch ein Zeitfenster den Blick in die Vergangenheit ermöglichte. Sei es das „Tremany- House“ zu seinen Hoch-Zeiten und dann während des Krieges oder die wunderbaren Eindrücke auf der Insel Sri Lanka. Hier beschreibt die Autorin die Tier- und Pflanzenwelt sehr lebensecht und farbenfroh, dass ich die einheimischen Papageien über die Protagonistinnen im Jahre 1887 habe flattern sehen.

Die Handlung war  anspruchsvoll, denn um die vielen Verknüpfungen wirklich zu verstehen, musste man schon aufmerksam lesen. Wie oft saß ich auf dem Sofa und habe mir laut Namen vorgesprochen: Grace, Helena, Beatrix … Ur, Ur, noch ein Ur? Oft meinte ich die Autorin habe ein Ur vergessen, doch dann habe ich durchgerechnet und es stimmte 🙂

Dieser Roman gibt einen wunderbaren Einblick in die Vergangenheit und fremde Länder. Die Engländer hatten Kolonien auf der Insel und haben auf Sri Lanka Teeplantagen geführt, der Ceylon Tee wurde „entdeckt“ und zum Weltprodukt. Diese geschichtlich sehr interessanten Informationen vermittelt der Roman genauso wie z. B. eine alte tamilische Kampfkunst, das Geheimnis um die Palmblattbibliotheken und natürlich der Kampf der damaligen Frauen sich und ihren Willen durchzusetzen.

Natürlich spielt auch die Liebe eine Rolle im Roman „Die Schmetterlingsinsel“ (Die Insel Sri Lanka hat auf dem Globus die Form eines Schmetterlingsflügels, daher der Name) aber die Geschichte wird an keiner Stelle schmalzig oder kitschig, wie ich es bei anderen Autoren erlebt habe.
Was mir hier auch sehr gut gefallen hat war, dass die Autorin auf die Trennung der Protagonistin Diana kaum eingegangen ist. Diese und ihre Folgen spielten immer nur am Rande eine Rolle, aufgehalten hat sie sich damit aber nicht wirklich. Corina Boman hat sich bei ihrer Erzählung auf das wichtigere beschränkt: Den Blick in die Vergangenheit und die Auflösung des dunklen Geheimnisses der Vorfahren (einer) ihrer Protagonistin(en).

Das Buch präsentiert der Verlag als Taschenbuch, dass ein alte Steintreppe, einen Blütenzweig und Schmetterlinge zeigt. Was besonders schön gemacht ist: Auf dem Buchschnitt sind Schmetterlinge und Blütenzweige abgedurckt, was das Buch zu einem besonderen Hingucker machen.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diese Familiengeschichte voller verschlungener Wege und Rätsel, die dem Leser ein Fenster in die Vergangenheit öffnet und ausserdem noch in eine bunte, fremde Welt entführt sowie einiges an geschichtlichen Infos zu bieten hat. Die   Auflösung des Familiengeheimnisses macht mit den geschaffenen Charakteren Spaß und der Liebeseinfluß des Romans ist angenehm und nicht kitschig. Eine wunderbare Abwechslung für die, die gerne einmal etwas anderes als Krimi, Thriller oder Fantasy lesen mögen.

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Ich danke Amazon und ullstein für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Hier noch der Link zu einem kleinen Buchtrailer: —-> klick

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© Buchwelten 2012

Die Rose von Angelâme von Carmen Mayer (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch im Verlag
edition oberkassel
600 Seiten
Preis: € 16,99 €
ISBN:  978-3-943121-02-5

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Simon Rössler ist Mitarbeiter einer großen Versicherungsagentur und in seinen Arbeitsbereich fällt es, Fälle zu durchleuchten, die die Auszahlung großer Versicherungssummen betrifft. Bevor die Versicherung die Ihren Versicherungsnehmern zustehenden Summen an diese weiterleitet, ist Simon damit beauftragt, die zur Auszahlung führenden Gegebenheiten zu untersuchen und ggfs. zu hinterfragen.


Nun hat er einen seltsamen Fall auf dem Tisch. Er soll eine große Versicherungssumme an ein Kind auszahlen, dass plötzlich Waise geworden ist. Der Betrag bezieht sich auf eine Police, die für ein Bild – ein Gemälde – abgeschlossen wurde. Der Besitzer kam durch einen Autounfall ums Leben und nun starb seine Frau, Sarah Martin, ebenso. Sie wurde bei einem Adventsbasar vor dem Kindergarten ihrer Tochter durch einen vermutlich Verrückten erschossen.

Nun soll das Kind, noch ein Baby, den Betrag aus der Police erhalten. Simon ist neugierig. Was soll das für ein Gemälde sein, für das so eine hohe Versicherungssumme angesetzt wurde? Er sucht die Frau auf, bei der sich das Bild befindet und bei der auch die Tochter des verunglückten Ehepaars lebt. Ihr Name ist Christina Weiß.

Gemeinsam mit ihr, sie ist die Freundin der verstorbenen Sarah Martin und gleichzeitig Vormund der kleinen Waise Marie, versucht er das Rätsel des besagten Bildes zu lösen. Das Porträt der Rose von Angelâme, gemalt im Jahre 1305.

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Diese kurze Inhaltsangabe ist eigentlich sogar nur die Hälfte des Klappentextes, der auf dem Buch abgedruckt ist.

Der Roman ist in vier Teile aufgeteilt, macht jeweils Sprünge in vollkommen andere Zeiten und den Teil der Handlung, den ich oben erzählt habe, bezieht sich auf den ersten Teil und somit den Anfang des Romans.

Mehr möchte ich auch gar nicht verraten, denn erstens reicht es meiner Meinung nach völlig, um den Leser neugierig zu machen und zweitens ist der Roman so komplex, dass ich einfach nicht mehr verraten will.

Wie bereits erwähnt ist der Roman in vier Teile aufgebaut:

Der erste Teil erzählt die Romanhandlung im Jahre 2000. Der zweite Teil erzählt die Geschichte Anfang des 14. Jahrhunderts, der Dritte macht einen Zeitsprung in das 19. Jahrhundert und zum Abschluss wechselt der Roman wieder in die „Jetztzeit“.

Gerade diesen Aufbau fand ich sehr gut. Es gibt viele Romane, die innerhalb der Handlung die Zeit wechseln. Dort ist es aber oft so, dass die Zeitwechsel Kapitelweise stattfinden.

Carmen Mayer hat jeweils sehr lange Passagen des Romans in der entsprechenden Periode handeln lassen. Das hatte für mich als Leserin den Vorteil, dass ich mich nicht immer wieder umstellen musste, sondern über viele Seiten komplett in der Handlung und Erzählung der jeweiligen Zeit versunken war.

Das Thema ist sehr komplex und die Handlung beinhaltet viel an Geheimnisvollem. Es geht um Hexenverbrennung, die ist aber nicht das Hauptthema. Es geht um eine Familie, die ein Geheimnis über Hunderte von Jahren und viele Generationen für eine große Gemeinschaft wahrt, es geht um Kirche, Hass, Verrat, Mut, Liebe und eigentlich doch um etwas ganz anderes ….

Wie gesagt, der Roman ist sehr geschickt und absolut spannend und fesselnd aufgebaut.

Da ich den Roman per Überraschungspost vom Verlag edition oberkassel erhalten habe, wusste ich selber nicht was mich erwartet und war mehr als positiv überrascht.

Hier ist wieder einmal ein Buch erschienen, dass leider wahrscheinlich in keinem Buchladen ausliegen wird und somit nicht die Leser erreicht, die gerne durch Buchhandlungen stöbern und sich einfach inspirieren lassen, welches Buch sie kaufen möchten. Ich hoffe, dass Werk findet dennoch seine Leser, verdient hat es das allemal.

Carmen Mayer schreibt in einem Schreibstil, der gut und angenehm lesbar ist und sich perfekt an die jeweilige Zeit anpasst, in der die Handlung sich gerade abspielt. Sie hat es geschafft den Teil des 2000er Zeitalters so zu schreiben, wie wir heutzutage sprechen, auch mal locker und frech, aber nicht flach umgangssprachlich.

In den Teilen des 14. und auch 19. Jahrhunderts hat sie sich dann auf die damalige Sprache eingelassen und die auch gut zu Papier gebracht. Ich fühlte mich im „Damals“ und es las sich angenehm und flüssig, wie die Menschen seinerzeit wohl geredet haben.

Den Spannungs- und vor allem Rätselbogen hat sie erfolgreich gespannt und die wirkliche Auflösung geschickt bis zum Ende hinausgeschoben. Das Rätsel um das Porträt ist sehr groß und das zu entschlüsseln, hat in der Tat nicht nur Jahrhunderte gedauert, sondern auch über diese hinweg immer wieder Personen scheitern lassen.

Ihre Protagonisten hat die Autorin gut ausgearbeitet. Simon und Christina im 21. Jahrhundert waren mir sehr sympathisch, mit ihrer ehrlichen und verbissenen Art.

Rose von Angelâme und ihr Ehemann im 14. Jahrhundert waren auch absolut real dargestellt und sind mir sehr schnell ans Herz gewachsen.

Auch die Comtesse von Angelâme, Roses Nachfahrin im 19. Jahrhundert war ein sehr nettes, vorwitziges Persönchen, die es den Menschen in ihrer Umgebung nicht gerade leicht gemacht hat.

Aber nicht nur die „Guten“ hat Carmen Mayer gut dargestellt, auch den negativen oder bösen Charakteren hat die Autorin ein Leben eingehaucht, dass glaubwürdig und lebensecht wirkte.

Der eine Punkt den ich in Abzug gebracht habe, bezieht sich für mich in keiner Weise auf die Handlung oder den Schreibstil des Romans, darauf möchte ich ausdrücklich hinweisen.

Hier die Gründe für meinen Punktabzug:

Das Cover ist für mich sehr einfach gestaltet und spricht mich nicht wirklich an. Das Auge, das in das rote Kreuz eingebaut wurde, wirkt für mich leider etwas unprofessionell. Die Schrift des Titels ist eigentlich ganz nett, doch das „â“ ist in einer anderen Schriftart gedruckt, was nicht dramatisch ist, aber auffällt.


Die Buchseiten sind weiß, was für mich immer einen Sachbuchcharakter hat. Für mich gehören Seiten eines Romans nicht weiß, sondern in creme. Vielleicht ist das auch eine Eigenart meinerseits, hinweisen möchte ich dennoch darauf. Außerdem ist das Buch für ein Taschenbuch sehr schwer. Es hat ca. 530 sehr eng beschriebene Seiten und es war für mich einfach in langen Lesephasen zu schwer in der Hand.

Der Klappentext ist inhaltlich gut und macht auch neugierig. Außerdem ist er zentriert gedruckt und wirkt somit aufgeräumt.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen absolut spannenden Roman, geschrieben in einem guten Schreibstil, der jeweiligen Zeit sehr gut angepasst. Spannung und Rätsel sind garantiert und ich kann ein absolutes Lesevergnügen versprechen, wenn ihr euch gerne in der Vergangenheit aufhaltet …

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Ich danke dem Verlag edition oberkassel für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

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