Das Haus der Monster von Danny King

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 324 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-95835-183-7
Kategorie: Horror

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In jeder Stadt gibt es wohl einen älteren Einsiedler, der von den jungen Menschen gehänselt wird. Im englischen Thetfort ist es John Coal, dem immer wieder Streiche gespielt werden. Eines Abends lockt er die jungen Übeltäter ins ein Haus und schließt sie in seinen Keller ein. Aber nicht, um ihnen etwas anzutun, sondern um ihnen seine Lebensgeschichte zu erzählen, damit sie wissen, mit wem sie sich angelegt haben.

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„Das Haus der Monster“ ist das erste ins Deutsche übersetzte Buch von Danny King. Luzifer Verlag sei Dank, dass es dieser Roman ins Deutschsprachige geschafft hat, denn es handelt sich hierbei wahrhaftig um ein Kleinod unter den Horrorromanen. Danny King hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der mich des öfteren sogar tatsächlich an alte Klassiker von Robert Louis Stevenson, Bram Stoker oder Jules Verne erinnert hat. Mit einer unglaublich dichten Atmosphäre entführt uns King in verschiedene Lebensabschnitte des Protagonisten, die sich tatsächlich (zumindest die ersten drei der vier Episoden) immer noch steigern. Es macht wirklich unheimlich Spaß, zu lesen, wie sich John Coal mit Monstern aus seiner Vergangenheit herumschlägt.

Die erste Geschichte geht auf die Kindheit und Jugend des Protagonisten ein und beschäftigt sich mit einem Serienkiller á la Jack, the Ripper. Flüssig erzählt King von einer Vater-Sohn-Beziehung und einem generationenübergreifenden Fluch. Die zweite Episode spielt auf hoher See und handelt von einem Werwolf. Alleine der Handlungsort verbreitet eine gewisse Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Und gerade in dieser Story kommt ein Abenteuergefühl auf, das an alte Klassiker der Abenteuerliteratur erinnert. Die dritte Geschichte stellt meiner Meinung nach den absoluten Höhepunkt dieser, in eine Rahmenhandlung geschickt verpackte Storysammlung, dar. Mysteriös und geheimnisvoll, gruselig und atmosphärisch wird von einer unheimlichen Erfahrung des Protagonisten erzählt, die mich an den fantastischen Film „Reeker“ erinnert hat. Mit dieser Erzählung hat sich Danny King absolut in mein Leserherz geschrieben. Mit „Der schwarze Fleck“ hat der Autor dann seine Meßlatte selbst so hoch gesetzt, dass er sie mit der letzten Episode nicht mehr übertrumpfen konnte. 😉
Aber das macht gar nichts, denn auch die Geschichte um ein altes Vampirmädchen kann vollkommen überzeugen und reiht sich letztendlich nahtlos in die Storysammlung ein.

Danny King schreibt nicht nur flüssig, sondern besitzt auch einen sehr angenehmen Humor, der den Leser an vielen Stellen schmunzeln lässt. Was aber nicht heißen soll, dass „Das Haus der Monster“ ein witziges Buch ist. Da geht es schon auch mal zur Sache und es wird Blut verspritzt. Und nicht nur Blut, sondern auch Gedärme.
Im Grunde genommen ist aber das im Original bereits im Jahr 2011 erschienene Buch ein ruhiger Roman, der sich ei wenig in die Ecke der „Coming Of Age“- Romane drängt, obwohl die Hauptperson ein älterer Mann ist. Aber der erzählt nun mal ein paar Jungs seine Geschichten. Ein wenig hat mich das Ganze an Brett McBeans Meisterwerk „Der Schmerz des Erwachens“ erinnert.
„Das Haus der Monster“ ist sehr stimmungsvoll und zieht schon nach den ersten Seiten den Leser (zumindest war das bei mir so) vollkommen in seinen Bann. Man nimmt an den geschilderten Abenteuern durch die bildhafte Sprache hautnah teil und schließt John Coal ins Herz, obwohl er nicht immer sehr nett zu seinen Mitmenschen ist. 😉

Unbedingt erwähnen möchte ich auch die hervorragende Typografie dieses Buches. Im Gegensatz zu manch anderem großen Verlagshaus ist in diesem Buch kein einziger Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu entdecken. Ein großes Lob am Lektorat und Korrektorat des Luzifer Verlages. Ich habe selten ein so fehlerfreies Buch gelesen.
Das Coverbild drückt perfekt die Grundstimmung des Romans aus. Man fühlt sich während des Lesens immer wieder mal versucht, sich das Bild nochmals anzuschauen. Es passt absolut zu der Story und man sieht sich selbst förmlich im Keller dieses Hauses sitzen und den Erzählungen John Coals lauschen.
Für mich ist Danny King und „Das Haus der Monster“ eine tolle Neuentdeckung und deswegen hoffe ich, dass uns der Luzifer Verlag noch weitere Werke dieses Autors beschert. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen, denn in mir hat Danny King einen neuen Fan gefunden.

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Fazit: Atmosphärische, teils heftige, teils ruhige Gruselgeschichten, die sich enorm flüssig lesen lassen. Für mich ein Buch mit Pageturnergarantie, das mich oftmals an zeitlose Abenteuerklassiker der Literatur erinnert hat.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Erntemond von Rudolf Marko

erntemond

Erschienen als Taschenbuch
bei S. Fischer Verlag846 Seiten
Preis:  26,99  €
ISBN: 978-3-596-31262-7
Kategorie: Belletristik, Dystopie
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Chas Meary reist nach Megumaage, ein Land am nördlichen Ende der Welt. Dort lebte einst seine früh verstorbene Frau und Chas erhofft sich, ihr noch einmal nahe zu sein, wenn er ihre Vergangenheit kennt. Ein Jahr lang lebt und arbeitet er in der abgeschiedenen Siedlung und lernt die Menschen dort kennen und lieben. Schon nach kurzer Zeit bemerkt er, dass die wichtigen Dinge im Leben nicht in der zivilisierten Welt der Großstädte, sondern in der Natur und im Spirituellen existieren.

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Es beginnt alles wie ein ruhiger Abenteuerroman, der einen sofort in den Bann zieht. Rudolf Markos Sprache und Schreibstil ist unglaublich intensiv, faszinierend und bildhaft. Es dauert nicht lange und man identifiziert sich mit dem Ich-Erzähler, erlebt all die Geschehnisse hautnah mit und lernt die unterschiedlichsten Personen des Ortes kennen. „Erntemond“ liest sich in der ersten Hälfte wie ein nostalgischer Rückblick in eine Vergangenheit, in der alles noch gut und schön war, und in der sich die Menschen aufs Wesentliche in ihrem Leben konzentrierten: Glück, Liebe, Arbeit und Zufriedenheit.
Markos Buch ist, wenn man sich darauf einlassen kann, wie ein Sog, der einen ergreift und nicht mehr loslässt. Man „lebt“ förmlich in jener fast heilen Welt, in der aber schreckliche Dinge geschehen. Der Schreibstil des Autors lässt keine Wünsche offen, erinnerte mich in seinen oftmals sehr detailgetreuen Beschreibungen an Diana Gabaldons Highlandsaga.

In der zweiten Hälfte des Romans wird es dann immer mystischer und auch dystopischer. Es stellt sich heraus, dass Marko seine Leser an der Nase herumgeführt hat.  Schleichend nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung an, die sämtliche vorangegangenen Geschehnisse plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich habe noch nie solch einen genialen Genremix gelesen, der eine quasi Science Fiction-Geschichte in Form eines wunderschönen Heimat-, Abenteuer- und Liebesromans erzählt. Hinzu kommt, dass Marko noch einen Schuss Mystery in die Handlung einbaut, der das Gesamtwerk zu einem philosophischen Ausflug in die Menschlichkeit macht.

Man fühlt sich daheim, wenn man dem Protagonisten und seinen neuen Freunden bei seinen alltäglichen Arbeiten und den außergewöhnlichen Gesprächen beiwohnt. Man besinnt sich während des Lesens auf sein eigenes Leben und die Wertigkeit von materiellen Dingen, geht in sich und denkt darüber nach, sein Leben nicht mit Unwichtigem zu verschwenden. Rudolf Marko ist ein unglaublich intensives, hypnotisierendes und nachdenkliches Porträt eines Mannes und unserer Zivilisation gelungen, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt und einem erscheint, als hätte man alles am eigenen Leib erfahren. Kaum hat man das Buch wieder aufgeschlagen, verlässt man die Realität und kehrt in eine Welt zurück, von der man sich so manches Mal wünschen würde, sie wäre unsere Wirklichkeit.
Rudolf Marko hat mich mit seinem Debüt-Roman vollkommen überzeugt und dadurch einen neuen Fan gewonnen, der die weiteren Romane des Autors auf jeden Fall lesen wird.

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei „Erntemond“ um eines der außergewöhnlichsten Bücher, die ich kenne. Das liegt höchstwahrscheinlich zum einen an dem undurchsichtigen Genre, in dem es angesiedelt ist, und zum anderen an der wunderbaren Sprache, mit der es erzählt wird. Nostalgischer Heimatroman mit Abenteuerflair und einigen Tropfen Mystik á la „Twin Peaks“. „Erntemond“ macht süchtig.

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Fazit: Unglaublich stimmungsvolles, melancholisches Abenteuer in einer Zukunft, die mehr denn je den Ursprüngen der Menschheit gleicht. Vorsicht: Suchtgefahr!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Abgrundtief von Dean Koontz (Odd Thomas 6)

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Oddie 6
Erschienen als Taschenbuch
bei HEYNE
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43765-4
Kategorie: Thriller

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Das Glöckchen um Odd Thomas Hals, das er von Annamaria geschenkt bekommen hat, bimmelt. Dies bedeutet „Gefahr“ und Odd weiß sofort, es ist Zeit für ihn aufzubrechen um seiner – nicht immer geliebten – Berufung zu folgen.

Schnell findet Odd heraus, dass das Böse von dem seltsam aufgetakelten Cowboy mit dem hochglanzpolierten Hightech-Truck ausgeht. Bereits bei der ersten Begegnung kommt Odd nur knapp mit dem Leben davon. Aber Odd hat eine dramatische Vision, die ihn umgehend veranlasst, die Verfolgung des Cowboys aufzunehmen. Auf seiner Reise, diesmal mit einer hinreißenden alten Lady, die eine riesige Stretchlimousine steuert, kommt Odd einer gefährlichen Sekte auf die Spur, die grausame Taten plant. Dies will Odd natürlich unbedingt verhindern …

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An einem Grill stand der sympathische Grillkoch Odd Thomas schon lange nicht mehr. Seine Heimatstadt Pico Mundo, in der er vor 19 Monaten seine große Liebe Stormy Lewellyn verloren hat, hat er bereits vor 3 Bänden verlassen. Seitdem zieht Odd durch das Land. Angezogen von seinem Magnetismus, spürt er das Böse auf, welches er verhindern will – oder besser gesagt: muss. Mittlerweile wird Odd schon zum dritten Mal von der sonderbaren Annamaria begleitet, welche in diesem Band allerdings eher eine passive Rolle spielt.

In diesem sechsten Odd Thomas Roman hat Odd eine neue Begleitung. Eine alte Lady, Mrs. Fischer, Besitzerin einer riesigen Stretchlimousine, die gerade ihren ca. 90-jährigen Chauffeuer der Ewigkeit übergeben musste, ist dieses mal an Oddies Seite. Diese Kombination hat mir riesigen Spaß gemacht. Irgendwie war es ein Roadmovie mit dem Flair von Miss Daisy und ihr Chauffeur, wobei hier die Lady meist selber fährt. Diese alte Dame ist so fit, schlagfertig, lieb und geheimnisvoll wissend, dass sie mir – und auch Odd – umgehend ans Herz gewachsen ist. Ich bin auch eigentlich sicher, dass die Leser sie im siebten Band „Saint Odd“ wieder treffen.

Odd Thomas Fans wissen, dass der nette Grillkoch die Toten sehen kann, sie ihn oft um Hilfe bitten, in den letzten Bänden aber auch oft hilfreich zur Seite standen. Im letzten Roman war es Frank Sinatra, der wunderbare Poltergeist-Einsätze hatte. Bereits am Ende des Vorgängers tauchte der „neue „Geist auf, der in diesem Teil eine große Rolle spielt. Hier komme ich dann sogleich zu Änderung/Neuheit Nr. 1. Achtung! Mögliche Spoiler-Gefahr! Der Geist (ein bekannter  Filmregisseur) spricht! Odd hat das genauso überrascht wie mich, es hat die Handlung aber keineswegs ab- sondern vielmehr sehr aufgewertet. Denn das Leben des Mannes hat Dean Koontz  offenbar gut recherchiert. Die zweite Änderung gegenüber den Vorgängern (Achtung! Kleine Spoiler-Gefahr!): Keine Bodachs! Bodachs sind die schwarzen fliessenden Wesen, die Odd sehen kann und die immer dann versammelt auftreten, wenn ein Unglück mit vielen Toten bevorsteht. Auch diese Seltsamkeit ist nicht nur mir, sondern auch dem Protagonisten aufgefallen.

Wie bereits im fünften Teil hat Dean Koontz physikalische Feinheiten verbaut, die mir wieder einmal sehr gut gefallen haben. Spannend, unheimlich und verwirrend fesselnd würde ich diese Stellen der Handlung beschreiben. Mir hat es gut gefallen.

Odd Thomas 4 „Meer der Finsternis“ war für mich bislang der schlechteste der Reihe, der fünfte Roman „Schwarze Fluten“ gefiel mir dann wieder um einiges besser und dieser sechste Teil der Reihe ist für mich der beste Odd Thomas seit den Anfängen. Ich hatte meine wahre Freude an der Lektüre, konnte es nicht erwarten weiterzulesen und diese Kombination zwischen Odd, Mrs. Fischer und besagtem Geist war einfach richtig gut gelungen!

Diesesmal präsentiert der Verlag den Roman direkt und nur als Taschenbuch, was ich etwas schade finde. Denn ich habe die bisherige Reihe als gebundene Ausgaben im Regal stehen. Hier habe ich keine Möglichkeit etwas mehr zu investieren, um meine Sammlung optisch gleichzuhalten. Schade. Allerdings fällt auf dem Cover dieses mal das hässliche Krabbeltier weg, was ich in meiner letzten Rezension noch angemäkelt habe (fast alle Koontz haben diese Insekten auf dem Buchdeckel). Das aktuelle Cover zeigt eine Wüstenstraße, einige verlassene Häuser und einen Mann, der offensichtlich Odd Thomas ist. Das wiederum gefällt mir sehr gut!

Mein Fazit: Volle Sternenzahl für den besten Odd Thomas seit langem. Fesselnd, spannend, flott und frech wie eh und je. Koontz liefert einige Änderungen, die allerdings die Story aufwerten. Der sechste Odd Thomas ist eine Mischung aus Roadmovie, Miss Daisy und ihr Chauffeur, Grusel, Horror und Mystery. Sehr gerne gebe ich eine Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2015

Doctor Sleep von Stephen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 704 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26855-5
Kategorie: Mystery / Horror, King halt 🙂

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Daniel Torrance, früher genannt Danny, hat das Grauen, welches er im Overlook Hotel in Colorado erlebt hat, überlebt. Er ist zwischenzeitlich erwachsen geworden und er ist ein Trinker, alkoholkrank wie sein Vater. Zum einen hat er das „Säufer-Gen“ wohl offensichtlich von Jack Torrance geerbt, zum anderen trinkt er um sein Shining ruhig zu stellen, es quasi zu ersäufen.

Aber Dan will nicht mehr trinken, ein für ihn einschneidendes Erlebnis bringt ihn endlich zur Vernunft. Und er will endlich zur Ruhe kommen. Nach Jahren der ruhelosen Wanderschaft kommt er an einen Ort, an dem er sich wohl fühlt. Er beginnt an den Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen, gewinnt Freunde und arbeitet in einem Hospiz, wo seine Anwesenheit sehr geschätzt wird. Dort nennt man ihn Doctor Sleep, denn Dan Torrance hat irgendetwas an sich, dass den Sterbenden hilft, ihre letzte Reise anzutreten. Dieses „etwas“ hat mit seinem Shining zu tun, dass nun, wo er nicht mehr trinkt, wieder aktiver wird.

Auf den amerikanischen Highways reist die Sekte „Der Wahre Knoten“ durch die Lande. Sie sind stets auf der Suche nach dem, was sie ihr Lebenselixier nennen. Dem Steam. Dieser Steam wird gewonnen aus dem letzten Lebenshauch von Kindern, die das Shining besitzen. Die Mitglieder der Sekte sehen aus wie Rentner, die mit ihren Mobilheimen auf Reisen sind, sie erwecken keinerlei Aufsehen. Das macht sie so gefährlich. Und, sie sind nahezu unsterblich.

Das kleine Mädchen Abra Stone wird mit einem übermäßigen Shining geboren, bereits als Säugling und Kleinkind hat es Kräfte, die ihre Eltern oft beunruhigen. Natürlich wird „Der Wahre Knoten“ auf das Mädchen aufmerksam. Sie müssen dieses Kind mit der unendlichen Menge an Steam haben. Eine gnadenlose Jagd beginnt. Doch erstens ist Abra sehr mutig und stark und zweitens ist sie nicht allein. Sie verbündet sich mit Dan Torrance, mit dem sie bereits im Alter von zwei Monaten Kontakt aufgenommen hat. Gemeinsam versuchen sie Abra zu retten und außerdem den „wahren Knoten“ auszurotten …

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Ich hatte das Buch begonnen und nach knappen 20 Seiten wieder zur Seite gelegt um noch einmal Shining zu lesen. Ich hatte es zwar Ende der 80er gelesen, doch ich hatte zuviel vergessen. Und ich habe mich richtig entschieden. Denn Doctor Sleep knüpft eigentlich nahtlos an Shining an und zu Beginn ist der Protagonist sogar noch ein Junge. Auch während der Handlung kommt Shining immer wieder ins Spiel, seien es Personen, Wesen oder Orte, bzw. bestimmte Situationen. Vorab noch einmal Shining zu lesen, kann ich jedem nur empfehlen. Hierzu möchte ich ein kleines Zitat von Stephen King aus dem Nachwort bringen:

„Falls ihr den (Kubrik)-Film gesehen, den Roman jedoch nicht gelesen habt, denkt bitte daran, dass Doctor Sleep auf Letzterem fußt, der meiner Meinung nach die wahre Geschichte der Familie Torrance erzählt.“

Und aus dem Grund war ich bereits sehr kritisch, als ich auch nur den ersten Satz des inneren Klappentextes gelesen habe. Da steht „Nur mühevoll kann Dan Torrance die Schrecken verarbeiten, die er als Dreirad fahrendes Kleinkind im Hotel Overlook erlitten hat“. Denn: im Roman ist Danny nicht ein einziges Mal auf einem Dreirad gefahren. Das war einzig und allein eine filmische Umsetzung von Stanley Kubrik (sicher eine sehr gute) hat mit dem Roman aber nichts zu tun. Ich habe mir nach Shining die dreiteilige Fernsehverfilmung von Shining angesehen, bei der Stephen King selber das Drehbuch geschrieben hat. Bei weitem weniger superlative Effekte, doch sehr viel näher an der Romanvorlage. Doch das nur nebenbei :).

Ebenso hat mich die Gewinnung des Steam von sterbenden Kindern im ersten Moment sehr an die Dementoren der Potter-Romane erinnert. Dann war ich nicht sicher, ob Stephen King es schafft, diese besondere Stimmung, die im Overlook Hotel geherrscht hat, wieder aufleben zu lassen.

Ich habe recht schnell gemerkt, dass all diese Punkte nicht relevant sind. Die Geschichte, mit der Stephen King hier die Fortsetzung von Shining geschaffen hat, ist absolut fesselnd, in einem sehr guten Schreibstil geschrieben und steht Shining in nichts nach. Es sind viele Jahre vergangen und der Mann, der die Fortsetzung geschrieben hat, ist ein anderer als der, der Shining schrieb. King hat damals selber noch getrunken. Für mich hat das Buch Suchtfaktor und ich konnte es sehr schwer aus der Hand legen. Er verknüpft sehr viele Dinge in der Handlung: z.B. den Zusammenhalt/das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung, Mut, Kraft, Übersinnliches und auch sehr viel Gefühl. Dramatische Momente werden immer wieder von ruhigen Phasen abgewechselt, es gibt Momente, da hatte ich einen dicken Kloß im Hals.

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch, wenn ich am Ende angelangt bin, gleich noch einmal von vorne beginnen könnte. Doch hier war es so. Der erwachsene Dan(ny) ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auch die Figur der Abra ist sehr gut und charakterstark ausgearbeitet. Und ebenso die Nebenfiguren, die allesamt eine wichtige Rolle spielen, sind einfach tolle Menschen.

Sogar das Ende, die bei Stephen King für mich immer so eine Sache sind, hat mir gut gefallen. Es war stimmig und hat nicht das „was-war- das-jetzt-Gefühl“ ausgelöst, wie ich es beispielsweise bei ES oder WAHN empfunden habe.

Das Cover zeigt eine rote Metallflasche, aus der Steam austritt. Es ist dem Original Cover sehr ähnlich, wobei mir das noch viel besser gefällt, weil man hier auf den zweiten Blick noch etwas sieht, dass zur Handlung gehört.

Hier war ich dann gleich zu Besuch auf Stephen Kings Website, denn ein Blick auf die Original Cover sind bei ihm immer lohnenswert.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Fortsetzung von Shining, die absolut gelungen ist, wieder eine klasse Stimmung erzeugt und absolut fesselnd ist. Der Autor ist mit „Bangigkeit“ an die Arbeit gegangen, denn der Maßstab war sehr hoch. Es ist ihm gelungen, diesen zu erfüllen. Vom Anfang bis zum Ende. Unbedingt lesen! Am besten lest vorher noch einmal Shining, auch ein klasse Buch! Hatte ich beinahe vergessen. 

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Ich danke dem HEYNE-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Originalcover.

© Buchwelten 2013

Schwarze Fluten von Dean Koontz

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei HEYNE
insgesamt 400 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-453-26795-4
Katergorie: Thriller

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In diesem fünften Abenteuer hat Odd Thomas gerade den Küstenort Magic Beach hinter sich gelassen und ist nun gemeinsam mit der hochschwangeren Annamaria auf dem Landsitz eines bekannten und steinreichen Filmmogul zu Gast. Annamaria hat er in Magic Beach kennengelernt und da sie Odd als ihren Beschützer auserkoren hat, ist sie nun gemeinsam mit ihm unterwegs.

Auf Roseland wohnen Odd und Annamaria im Gästeturm, einem großen, aus dickem Mauerwerk erbauten Koloss. Nicht lange nach ihrer Ankunft trifft Odd bei einem seiner (nicht gern gesehenen Streifzüge) über den Landsitz auf den Geist einer Frau.
Das ist an sich nichts ungewöhnliches. Odd Thomas ist ja eigentlich nur ein begnadeter Grillkoch, kann allerdings die Toten sehen und es ist recht oft der Fall, dass sie ihn aufsuchen und seine Hilfe erbitten. Auf Roseland ist dieser Geist eine Frau, die in einem seidigen Nachthemd auf ihrem schwarzen Hengst nach wie vor verweilt. Es ist offensichtlich, dass sie erschossen wurde und sie fleht Odd an, ihr Kind zu retten. Wo sich dieses aufhalten soll, wie es heißt oder wie alt es ist, dass weiß Odd nicht. Da die Geister nicht sprechen, muss er es selber herausfinden.

Odd macht sich auf die Suche, doch der Aufenthalt auf Roseland ist gefährlich. Irgendetwas scheint dort ganz und gar nicht zu stimmen. Am helllichten Tag bricht urplötzlich die Nacht herein und dann tauchen seltsame, mutierte Kreaturen auf, die Odd angreifen. Zusätzlich stößt er auf ein Mausoleum, dass etwas Schreckliches verbirgt.

Odd will das Geheimnis von Roseland lüften, das verschwundene Kind finden, der Geisterfrau auf dem schwarzen Hengst zu ihrer letzten Ruhe verhelfen und vor allem eines: all dies so schnell schaffen, damit Annamaria und er diesen gefährlichen, düsteren Ort schnellstmöglich (lebend!) verlassen können ….

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Dies ist der fünfte Roman des Autors um die absolut sympathische Figur des Grillkochs Odd Thomas. Ich habe alle gelesen, denn ich mag diesen Protagonisten sehr gerne. Er stapelt immer bewusst tief, obwohl er immer wieder rettet, auflöst und Gutes tut. Bereits im dritten Teil hat Odd seine Heimatstadt Pico Mundo verlassen und ist seitdem immer wieder an einem anderen Ort. Denn Odd hat ja nicht nur die Gabe die Toten zu sehen. Er ist auch mit einem seltsamen Magnetismus gesegnet, der ihn immer genau dorthin zieht, wo man ihn braucht. In seinem dritten Abenteuer ‘Schattennacht’ war er in einem Kloster mit behinderten Kindern und hinreißenden Nonnen, wo er das Böse besiegt hat.

Direkt vor diesem neuesten Roman habe ich sein viertes Abenteuer ‘Meer der Finsternis’ gelesen, was für mich bislang der schlechteste der Reihe war. Auch hier gab es natürlich den typischen Odd und auch nette Momente, jedoch kam er für mich an die ersten Teile nicht heran. Die wenigen wörtlichen Reden waren oft so überzogen, dass sie genervt haben. Den Kern der Handlung fand ich außerdem eher mäßig. Hätte ich den vierten Teil rezensiert, hätte ich nur 3 von 5 Sternen vergeben.

Dieser neue Roman hat mir aber wieder viel besser gefallen, auch wenn Odd nach wie vor nicht mehr in Pico Mundo unterwegs ist und somit einige gute Figuren der früheren Handlungen aktiv nicht dabei sind.

In diesem neuesten Abenteuer hat es der Autor wieder geschafft zu fesseln, zu begeistern und er hat gute physikalische Elemente in der Handlung verwoben. Was genau werde ich nicht verraten. Odd ist liebenswert wie eh und je, zuweilen nervtötend und aufdringlich, vor allem für die, die etwas zu verbergen haben :)

Mir hat die Ursache, was Roseland zu dem macht was es ist, Spaß gemacht und ich fand die Idee spannend. Die Hintergründe hierzu sind sehr gut recherchiert, lehrreich und interessant.

Odd hatte in seinen ersten Abenteuern ja außerdem immer einen prominenten Geist an seiner Seite, der ihn – zuweilen über Jahre – begleitet hat. In den ersten Romanen war es Elvis Presley, der Odd erst sehr spät verlassen hat um endlich die Seiten zu wechseln, in ‘Schattennacht’ war es Frank Sinatra, dessen Momente die Handlung absolut aufgewertet haben. In diesem neuesten Abenteuer taucht ein neuer, sehr bekannter Geist auf, der sicherlich im nächsten Teil eine größere Rolle zugewiesen bekommt.

Das Buch ist vom Verlag als gebundene Ausgabe erschienen, was ich immer einem Taschenbuch vorziehe, sicherlich aber Geschmackssache ist.
Das Cover sieht aus wie bei allen Dean Koontz Romanen und ich kann dieses auch nicht nachvollziehen. Immer wieder müssen Viecher (Insekten meist oder hier ein Skorpion) darauf abgebildet sein, was mit den Handlungen aber nie etwas zu tun hat. Das ist nur ein optisches Ding, aber warum es immer diese Krabbler sein müssen? Ich habe keinen Schimmer. Wahrscheinlich soll dieser Eyecatcher schick sein. Ich persönlich finde das ganz und gar nicht. Wäre ich kein Koontz Fan und wüsste nicht wie er schreibt, würde es mich nicht zum Kauf verleiten.
Das einzige was ich an diesem Cover ansprechend finde, ist der Schriftzug des Nachnamens, der für mich im Retrostyle wirklich mal etwas anderes für das Auge ist.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für das fünfte Abenteuer von Odd Thomas, dem netten Grillkoch mit besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten. Spannend, fesselnd und einfallsreich. Der Autor hat gut recherchiert und seinen liebenswerten Protagonisten wieder von seiner besten Seite gezeigt: Herzensgut, mutig, eigentlich sehr normal aber dennoch Besonders. :)

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Ich danke dem HEYNE-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Anna und die flüsternden Stimmen von Sabine Städing (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Boje (Bastei Lübbe)
255 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-414-82114-0
Kategorie: Kinder ab 12 Jahre

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Die 15-jährige Anna kann sich vor „Freude“ auf den bevorstehenden Urlaub kaum halten. Könnten sich ihre Eltern finanziell locker einen Urlaub in teureren Gegenden wie Miami oder St. Tropez leisten, haben sie den Familienurlaub dieses Jahr in einem Kaff mit dem verlockenden Namen Qual gebucht. Ein Ferienhaus direkt am Meer mit Aussicht soll angeblich ihr Domizil sein, immerhin schon 90 Minuten von ihrem zu Hause in Hamburg entfernt. Tja, was die Entspannung der Familie angeht, da sind Annas Eltern nunmal sehr bescheiden. Sie sind der Ansicht, guten und angenehmen Urlaub kann man auch in der Heimat verbringen.

Als die Familie den Schlüssel für das Ferienhaus abholt und Anna dabei auf den verdammt gut aussehenden Tjark trifft, ist ihre ablehnende und miese Stimmung immerhin ein bisschen beschwichtigt. Dies behält sie allerdings für sich.

Den Run auf das beste Zimmer im Haus gewinnt Anna problemlos gegen ihren nervtötenden, 10-jährigen kleinen Bruder Joshua (Spitzname Joshi). Sie ergattert den Raum mit dem Ausblick auf das Meer und die verlassene ehemalige Lungenklinik, die sich auf dem Grundstück direkt neben dem „Strandkorb“ (ja, solch einen hübschen Namen trägt das Ferienhaus!) befindet.

Anna wird in diesem Urlaub ihren Segelschein machen und als sie am nächsten Tag ihren Segellehrer kennenlernt, macht ihr Herz einen kleinen Luftsprung. Da empfängt sie niemand anderer, als der hübsche gutaussehende Junge namens Tjark vom Vortag. Anna findet plötzlich, dass sie es in diesem Urlaub doch bei weitem schlechter hätte treffen können, auch wenn sie sich das gegenüber ihren Eltern natürlich nicht anmerken lässt.

Bereits in der ersten Nacht kann Anna nicht schlafen. Sie hört Geräusche, die sich anhören als würde das Haus um sie herum atmen. Und … sind da nicht flüsternde Stimmen in ihrem Zimmer? Als Anna aufsteht und aus dem Fenster blickt sieht sie dort einen alten, ausgezehrten Mann stehen, der sie zu sich ranwinkt. Sicherlich hat Anna einerseits Angst, doch andererseits ist umgehend ihre Neugier und Abenteuerlust geweckt. Was geht dort in Qual vor sich? Spukt es dort? Wer sind diese flüsternden Stimmen und wer dieser fiese, alte Mann? Anna beschließt der Sache auf den Grund zu gehen.

Zum Glück ist sie nicht allein, Tjark ist an ihrer Seite. Doch ehe sich die beiden versehen, befinden sie sich auch schon in Gefahr ….

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Sabine Städing hat hier einen guten, rasanten und auch spannenden Gruselroman für Kinder ab 12 Jahren, die lt. Verlagsseite die Zielgruppe ist, geschaffen.

Sie schreibt in einem einfachen, flotten und recht umgangssprachlichen Schreibstil, der nicht besonders gehoben aber dennoch angenehm und gut lesbar ist.

In der Handlung hat sie alles verarbeitet, was ein gutes Kinder- oder Teenagerbuch ausmacht. Es gibt eine Menge Grusel, die erste Liebe spielt eine Rolle, Stress mit kleineren Geschwistern und nervige Eltern.

Die Stimmung in den Gruselmomenten hat die Autorin sehr gut rübergebracht und die Charaktere waren sympathisch und gut ausgearbeitet.

Die Romanhandlung ist sehr modern gestaltet, Internet und Smartphones gehören heutzutage bei Teenagern nun einmal zum Alltag. Dennoch stöbern Anna und Tjark auch in staubigen Kirchenbüchern und Stadtarchiven um einem uralten Fluch auf die Spur zu kommen. 

Allerdings ist dieser Roman für mich eben ein klassisches Jugend- oder Kinderbuch und passt nicht in die Rubrik All-Age. Dafür ist die Handlung dann doch zu „einfach“ gehalten und nicht vergleichbar mit anspruchsvolleren Werken von  Autoren wie z.B. Wulf DornW. BrunnerZoran Drvenkar, Ralf Isau, oder auch Neil Shustermann.

Die Autorin lässt ihre Protagonistin aus der Ich-Perspektive erzählen, schreibt jedoch in der Gegenwart. Das Ende hat mich nicht enttäuscht, war aber dennoch absehbar.

Das Buch präsentiert der Verlag in einer gebundenen Ausgabe, mit einem hübschen, sehr ansprechenden Cover. Gehalten in verschiedenen rauchigen Blautönen zeigt es ein altes schmiedeeisernes Tor und eine Pusteblume. Wobei ich letztere nicht unbedingt mit der Handlung verbinden kann, gefällt mir der Buchdeckel sehr gut.

Der Klappentext ist sehr ausführlich und auch übersichtlich gehalten. Die Kapitel sind in einer angenehmen Länge gehalten, sodass auch die Kinder/Jugendlichen keine endlosen Buchseiten vor sich haben, was einige junge LeserInnen ja eher abschreckt.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein gutes Kinder- und Jugendbuch, dass der Zielgruppe mit einer gruseligen Geschichte und einem Hauch Liebe spannende und fesselnde Lesemomente verschafft. Geschrieben in einem guten Stil, der vom Anspruch allerdings nicht so hoch anzusiedeln ist, wie die All-Age Romane der Autoren Dorn, Drvenkar u.a.

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Ich danke Amazon Vine für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012

Die leere Wiege von Ruth Dugdall (4,5/5 )

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Erschienen als
Taschenbuch
bei PIPER
368 Seiten
Preis: 9,99  €
ISBN 978-3492272827
Kategorie: Belletristik

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Rose Wilks, eine eher unscheinbare Frau wird nach einem heftigen Sturz ins Krankenhaus eingeliefert. Ihr Baby überlebt als Frühgeburt, und wird in einem Brutkasten auf der Intensivstation am Leben erhalten und langsam aufgepäppelt.

Als die Beatmungsmaschine des Babys dann nach einigen Tagen abgeschaltet ist und Rose beginnt, den kleinen Joel zu stillen, geschieht das Schreckliche: Der Junge stirbt und die Ärzte können nichts mehr für Joel tun. Jegliche Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos.

Für Rose bricht eine Welt zusammen und sie verfällt in eine tiefe Depression. Auch ihr Lebenspartner Jason schafft es nicht, sie dort raus zu holen.

Erst als Rose zufällig Emma Hatcher (eine schöne Frau, die Rose im Krankenhaus kennengelernt hat, weil sie ihren Sohn zur gleichen Zeit entbunden hat) wieder trifft, beginnt Rose wieder einen Sinn in ihrem Leben zu entdecken.

Emma ist überfordert mit dem kleine Luke und so kommt es, dass Rose immer öfter bei Emma zu Besuch ist und sie unterstützt. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine enge Freundschaft und Rose wird zu Lukes regelmäßiger Babysitterin. Sie liebt den kleinen Luke wie einen eigenen Sohn, abgöttisch, fast schon krankhaft.

Als im Haus der Hatchers ein Feuer ausbricht, kommt der kleine Luke ums Leben. Emma kann aus dem Haus gerettet werden, der Ehemann war zu dem Zeitpunkt gar nicht zu Hause. Das Feuer wurde durch eine brennende Zigarette ausgelöst. Dieselbe Marke, die Rose auch raucht: Silk Cut.

Durch ihre extreme Bindung zu dem kleinen Luke fällt der Verdacht sofort auf Rose. Diese bestreitet immer wieder, etwas mit dem Brand zu tun zu haben, liebte sie den kleinen Luke doch wie ihren eigenen Sohn. Doch keiner glaubt Rose und sie geht ins Gefängnis ….

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Der Roman beginnt mit der Nacht des Feuers und schwenkt dann aber in die Gegenwart.

Die Autorin erzählt den Roman in mehreren Handlungssträngen. Da ist einmal Rose und ihre Zeit im Gefängnis. Dann kommt die neue Bewährungshelferin Cate hinzu, selber Mutter und noch ein Greenhorn in der Knastszene. Sie ist damit beauftragt, ein Gutachten über Rose Wilks zu verfassen.

Dann gibt es noch den Erzählstrang, in dem Rose in ihr „schwarzes Buch“ schreibt. Sie beginnt hier mit ihrer Kindheit und erzählt ihr Leben bis in die heutige Zeit, nach dem Feuer.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen und die verschiedenen Handlungsstränge haben die Lektüre auch sehr kurzweilig werden lassen.

Die Figur der Rose Wilks hat die Autorin sehr gut beschrieben und auch intensiv ausgearbeitet. Die Einflüsse ihrer Kindheit und Verbundenheit zu geliebten Menschen war gut erzählt.

Der Roman ist kein Thriller á la „Die Hand an der Wiege“. Eher ein spannender Gefängnisroman, der neben den groben Knastmomenten aber auch sehr viel mit Gefühl zu tun hat und dies auch toll rüberbringt. Psychologisches gibt es genauso, wie kleine erotische Momente und auch die Toten aus der Geisterwelt spielen keine unwichtige Rolle.

Das Ende war für mich einerseits recht früh absehbar, aber andererseits gab es eine „Auflösung“, die ein gut gelungener Überraschungsmoment war. Damit hatte ich dann doch nicht gerechnet.

Der Roman wird vom Verlag als Taschenbuch präsentiert, mit einem Cover, dass mich eben genau an o.g. Film erinnert hat.

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Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für das Debüt der Autorin, die einen sehr spannenden, dunklen aber auch anrührenden Roman geschaffen hat, der kurzweiliges Lesevergnügen bietet. Geschrieben in unterschiedlichen Schreibstilen und gut ausformuliert. Der halbe Punkt Abzug beruht lediglich auf die relativ schnelle Vorhersehbarkeit. Das können andere Leser allerdings vollkommen anders sehen als ich.

Ich danke Amazon-Vine und dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares

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