Die Sippe von Marc-Oliver Bischoff

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
317 Seiten

Preis:  12,00  €
ISBN: 978-3-89425-478-0
Kategorie: Krimi / Thriller
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Katharina Hoffmann, Krankenschwester, in länger andauernder Affäre mit einem Arzt, bekommt an einem Abend nach Jahren einen Anruf ihrer Schwester Sara, den sie jedoch nicht annimmt. Seit einigen Jahren ist die Beziehung der beiden untereinander ein wenig unterkühlt und zum Zeitpunkt des Anrufs ist Katharina gerade mit „ihrem Arzt“ anderweitig beschäftigt.

Kurze Zeit später wird Katharina beinahe Opfer eines Überfalls, kommt aber glücklicherweise noch heile davon. Als sie die Nachricht ihrer Schwester abhört, bekommt sie eine Gänsehaut. Als sie Sara zurückrufen will, kann sie sie nicht erreichen. Nicht mobil, nicht auf dem Festnetz, die Mutter hat auch nichts von ihrer zweiten Tochter gehört.

Katharina fährt nach Rostock, wo ihre Schwester lebt und als Gerichtsvollzieherin arbeitet. Ihre Wohnung ist verlassen, es sieht aber nicht aus, als wäre Sara verreist. Katharina sucht und fragt und dann führt ein Hinweis auf ihren letzten beruflichen Einsatz nach Grantzow. Ein kleiner Ort unweit von Rostock. Katharina fährt los und macht sich auf die Suche …..

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Dies ist der vierte Roman von Marc-Oliver Bischoff. Mir gefiel sein Debüt „Tödliche Fortsetzung“ gut. Der zweite Roman „Die Voliére“ gefiel mir besser, der dritte Roman „Golanhöhen“ stand dem in nichts nach. Sein Debüt war recht krass und blutig, dies wurde in den weiteren Roman bereits etwas entschärft. Hier in diesem vorliegenden Roman geht es in dieser Hinsicht sanft zu. Marc-Oliver Bischoff schrieb selbst in einem Facebook-Kommentar, dass er findet, er sei hier wirklich unblutig gewesen. Stimmt völlig, nimmt der Spannung und Dramatik allerdings überhaupt nichts.

Bischoff führt uns Leser in ein kleines, beschauliches Dorf. Die Idylle ist zu perfekt. Nett hergerichtete alte Häuser und Höfe, Bewohner die untereinander sehr hilfsbereit sind und überhaupt nichts mit der Moderne am Hut haben. Die Höfe produzieren ihre Nahrung selbst, es gibt eine Papiermanufaktur und eine Dorfschmiede. Katharina stutzt jedoch ein wenig, als sie die Schulkinder sieht, die aus der Dorfschule treten. Die Jungs in Hemd und Kniebundhosen, die Mädchen im Kleid und mit geflochtenen Zöpfen.

Katharina versucht dort etwas über ihre Schwester zu erfahren, doch immer wenn sie darauf zu sprechen kommt, machen die Bewohner dicht. Durch einen Vorfall scheint sie jedoch dort festgehalten zu werden und sie kommt nicht weg. Unwohl fühlt sie sich aber auch nicht, was ich als Leser sogar irgendwie total nachvollziehen konnte. Diese Reise in die alte Zeit hatte schon was und ich glaube, dass hier in der Realität die Gefahr liegt.

Der Verlag sagt, dies sei der politischste Roman des Autors, was zutrifft, auch wenn die Idylle der Handlung dies zunächst überhaupt nicht spüren lässt. Die Handlung ist spannend, teilweise sehr schön und angenehm, stellenweise dann doch wieder erschreckend und dramatisch. Ein kleiner Teil der Handlung hat mich immer etwas genervt, eine Figur, die aber dennoch wichtig war und reingeschrieben werden musste, trotzdem. Das hat dem Gesamtbild des Krimis aber keinen Abbruch getan.

In diesem Roman sind die bisherigen Protagonisten des Autors nicht mit dabei, sein Ermittlerteam Gideon Richter und Nora Winter haben hier Pause, dies noch als Hinweis für Fans dieses Duos.

Ich fand es wirklich interessant und auch erschreckend, was sich in den kleinen Dörfern der ehemaligen DDR so abspielt. Auch wenn ich kein fernsehe, so bekomme ich natürlich mit, was in der Welt geschieht. Ich lese über die AFD und auch von sogenannten Reichsbürgern, die Regeln und Gesetze unserer Republik nicht akzeptieren. Das sich jedoch nach und nach immer mehr solcher Gemeinschaften (Sippen) bilden und ansiedeln und klammheimlich die aussterbenden kleinen Orte besiedeln, das habe ich so nicht mitbekommen und das löst doch leichte Beklemmungen aus.

Mein Fazit: Ein ruhiger Krimi, der idyllisch, malerisch und hübsch auf der einen Seite und gefährlich, brutal und erschreckend auf der anderen ist. Der hübsche Schein kann mehr als trügen und politische Hintergründe finden sich offensichtlich vermehrt und extrem in schönen Dörfern, die Heimatfilmgefühle auslösen. Meine klare Leseempfehlung.

P.S.
Marc-Oliver Bischoff hat nicht in der Anthologie „Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII mitgewirkt 🙂 *räusper*

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 © Buchwelten 2017

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Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII

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Erschienen als Taschenbusch
im Grafit Verlag
insgesamt 349  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-474-2
Kategorie: Kriminalanthologie

Der bereits achte Teil der Mord am Hellweg-Reihe lautet Glaube.Liebe.Leichenschau.

Insgesamt 23 Schrifstteller liefern ihre Kurzgeschichte ab, die jeweils in der Region des Hellwegs handeln. Der Verlag verspricht eine abwechslungsreiche Unterhaltung mit Mord und Totschlag, Schuld und Sühne ….

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Als Stammleserin vieler Krimis des Grafit Verlages habe ich diesmal auch die Anthologie Mord am Hellweg VIII ausgesucht. Bekannte, namhafte Autoren wie Horst Eckert, Sebastiak Fitzek, Arno Strobel, Elisabeth Herrmann und Rainer Wittkamp haben hier mitgewirkt. Aber außerdem noch eine ganze Reihe an Schreibern, die mir persönlich noch nichts sagten. Gerade das hat mich neugierig gemacht.

Zwischen 15 und 20 Seiten sind die Geschichten lang und so fliegt man natürlich als Leser relativ flott durch dieses Buch. Der Vorteil einer Anthologie und Kurzgeschichten ist, dass man immer mal wieder eine Geschichte lesen kann, wenn die Lesezeit nicht so ergiebig ausfällt. Der Nachteil ist, dass, wenn man eben doch mehr Zeit hat und einige Geschichten hintereinander wegliest, man schnell wieder die ein oder andere Handlung aus seinem Hirn radiert. So ging es mir ab und an auch. Geschichten, die mir zwar ganz gut gefielen, aber dennoch irgendwie nicht haften geblieben sind.

Andere wiederum schon. Hier einige kleine Beispiele und Stichpunkte:

Rainer Wittkamps „Das Iserlohner Reinheitsgelübde“ nahm eine Wendung, die unvorhersehbar war und gut rüberkam.

In „Als Allah nach Herdecke kam“ von Christa von Bernutz kommen sowohl die tragische Aktualität der Handlung sowie ein guter Spritzer herrlicher Humor nicht zu kurz. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich musste nicht selten schmunzeln. Eine Autorin, die ich mir merke.

Der österreichische Humor in „Danke Kamen – und sorry für den Toten“ von Georg Haderer hat auch wirklich Spaß gemacht.

Das Mädchen vom Wittener Kreuz“ von Matthias Wittekindt hat mich berührt und betroffen gemacht. Eine Geschichte, die einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat.

In „Kein Fall für Hunter“ hat Judith Merchant den Hauptprotagonisten eines bekannten Autorenkollegen zum Leben erwachen lassen. Da ich diese Reihe nicht kenne, hat es bei mir ein bisschen gebraucht, bis ich es kapiert hatte. Gelungen ist diese Geschichte aber sehr.

Sehr gefühlvoll und sanft, ja, teilweise erotisch liest sich die Geschichte „Atmen in Bad Sassendorf“ von Christian Sebastian Henn. Trotz Krimihandlung bringt der Autor hier eine wundervolle Stimmung in seinen Zeilen unter.

Auch die Geschichten der bekannten Herren wie Horst Eckert und Sebstian Fitzek gefielen mir gut. Bei der Story „UNNAtürlich“ von Sebastian Fitzek liefert der Autor seine altbekannten Wendungen, mit denen ich nie rechne, obwohl es sie doch immer wieder gibt. Diese kleinen Verzwickungen haben aber auch großen Spaß gemacht. WhatsApp hat bekanntlich so seine Tücken ….

Horst Eckert war für mich sehr interessant, weil er hier mit „Der Heiler von Hagen“ eine irgendwie so ganz andere Art von Geschichte liefert, als ich sie sonst von ihm kenne. Hat er gut gemacht. Er kann auch ohne Vincent Veih spannendes erzählen.

Elisabeth Herrmann präsentiert in „Letzer Ausstieg Ahlen“ zwei ganz entzückende, alte Damen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Eine spritzige Handlung mit Witz.

Ich könnte noch seitenlang weitermachen, ich denke, dass meine Begeisterung ganz gut herauszulesen ist …

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Mein Fazit: Eine tolle, rasante, böse und humorvolle Anthologie bestückt mit kleinen aber sehr feinen Kriminalgeschichten von bekannten und weniger bekannten Autoren. Hier gebe ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2016

Grappa greift durch von Gabriella Wollenhaupt

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Grappa greift durchErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 220 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-89425-468-1
Kategorie: Krimi

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Mitten in der Nacht wird Maria Grappa telefonisch von ihrer Lieblingsbäckerin Frau Schmitz aus dem Bett geworfen. Sie hat eine unheimliche Entdeckung gemacht. Auf einem Spielplatz in ihrer Zechensiedlung sitzt eine Muslima und schaukelt ihr totes Kind.

Offensichtlich ist es keines natürlichen Tod gestorben und Grappa beginnt sofort zu recherchieren. Sie knüpft Kontakte und versucht Hintergründe zu erfahren. Doch erstens schweigt die unter Schock stehende Mutter beharrlich und zweitens legt Grappas Chef ihr schonungslos einen Maulkorb an. Denn er wird von Stadtoberen und dem Integrationsrat unter Druck gesetzt. Als Grund wird der religiöse Frieden genannt.

Doch Grappa wäre nicht Grappa, würde sie nicht rebellieren und diesen Maulkorb einfach so hinnehmen. Und dann wird die muslimische Mutter des toten Kinder Opfer eines Selbstmordattentäters ….

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Einige Grappa-Romane habe ich mittlerweile gelesen (lange nicht alle, die die Autorin vorgelegt hat) und ich mag sie einfach. Diese toughe Reporterin mit ihrem speziellen Biss und schwarzem Humor, ihrer Neugier, der zielstrebigen und furchtlosen Art. Grappa ist direkt, frech und vorlaut, sie macht sich aber dennoch eine Menge Gedanken und ist ein herzensguter Mensch. Die Romane von Gabriella Wollenhaupt sind einfach knackig, rasant, machen Spaß und bieten einfach kurzweiligen Lesespaß.

Ich finde es hochinteressant, wie Gabriella Wollenhaupt es in diesem Band geschafft hat, die Eigenschaften ihrer Protagonistin und auch die der Nebencharaktere mit diesem leider brandaktuellen und hochbrisanten Thema in Einklang zu bringen. Sie hat hier eine perfekt gelungene Gratwanderung geschafft, die mich beeindruckt hat.

Mein Fazit: Ein (leider) topaktuelles und brisantes Thema wird hier in der typischen Grappa-Manier behandelt. Die Gratwanderung zwischen Dramatik, Gefahr und kurzweiligem Lesevergnügen hat mich vollkommen überzeugt.

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© Buchwelten 2016

Am Ende die Nacht von Michael Herzig

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Herzig
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Grafit Verlag
insgesamt 207 Seiten
Preis:  20,00 €
ISBN: 978-3-89425-674-6
Kategorie: Gesellschaftkrimi

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Kurzgeschichten? Ja .. oder nein? Ein Roman? Ja … oder nein?
„Am Ende die Nacht“ verbindet Kurzgeschichten zu einem Roman. Eine Reise durch eine Nacht, bei der der Leser die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt und sie begleitet. Alles fügt sich zusammen, die Geschichten verweben sich zu einem Ganzen ….

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Ich mag überhaupt keine Kurzgeschichten. Ich lese viel lieber längere Geschichten, in denen ich mich fallen lassen und verlieren kann. In denen ich die Protagonisten richtig kennenlerne und nicht wieder „verlassen“ muss, wenn ich ihnen gerade nahegekommen bin.

Michael Herzig liefert hier jedoch keine typische Kurzgeschichtensammlung, sondern verbindet seine Geschichten zu einer kompletten Handlung. Das war auch der Grund, warum ich diesen Roman ausgewählt habe. Zum einen habe ich die bisherigen Bücher des Autors gemocht und zum anderen kenne ich diese Art der Erzählung, jedoch ein wenig anders. Bei dem anderen Buch lieferten verschiedene Autoren jeweils eine Geschichte, die zusammen eine Rahmenhandlung um die unterschiedlichsten Mietparteien eines Mehrfamilienhauses ergab.

Ich muss zugeben, zu Anfang hatte ich meine leichten Probleme, diese vielen Personen und Charaktere auseinanderzuhalten, mit denen ich in relativ kurzer Zeit bekannt gemacht wurde. Doch ich habe das einfach mal so hingenommen und weiter gelesen. Und nach und nach traf ich dann Person A drei Geschichten weiter auf einmal wieder in einer völlig anderen Situation mit Person F und erkannte diese dann auch sofort. Dann habe ich auch den Zusammenhängen folgen, bzw. mich auf die weitere(n) Geschichte(n) einlassen können.

Der Autor liefert hier eine bunte Vielfalt an Menschen und Charakteren. Gut situierte Bürger in höheren Positionen, kleine Drogendealer, Journalistinnen, total nerdige Söhne, reiche Modedesignerinnen und viele mehr. Alle hängen sie irgendwie zusammen und viele bieten einen völlig gegensätzlichen Charakter und Geist, als man von ihnen zu erwarten vermag.

Mein Fazit: Eine Reise durch die Nacht begleitet von den unterschiedlichsten Menschen. Mal böse, mal brutal, mal lustig oder total abgedreht. Langeweile kommt keine auf, Verwirrung evtl. ab und zu schon. Doch da gilt: Weiterlesen, denn es klärt sich schon … so wie die Nacht am Ende eben zum Morgen wird!

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© Buchwelten 2016

Das Recht des Geldes von Olaf R. Dahlmann

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Das Recht des Geldes

Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis:  12,00  €
ISBN: 978-3-89425-467-4
Kategorie: Krimi

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Die Referendarin Katharina Tenzer beginnt gerade ihr Referendariat in einer renommierten Hamburger Kanzlei. Ihr Chef, der Rechtsanwalt Friedemann Hausner, ist Steueranwalt und betreut einige ausgewählte und sehr gut gestellte Mandanten.

In Liechtenstein wird Hausners Anwaltskollege, ebenso ein Steuerfachmann, ermordet und aus dessen Büro sämtliche Daten seiner Mandantschaft gestohlen. Hausner und das Opfer hatten gemeinsame Kunden, die Hamburger Unternehmerfamilie Koppersberg zählt dazu. Hausner soll nun schnell die Familie gegenüber der Steuerfahndung vertreten, denn sonst könnte es für die Unternehmerfamilie unangenehme Folgen haben.

Dummerweise hat Friedemann Hausner einen Unfall und ist somit außer Gefecht gesetzt. Er beauftragt somit Katharina Tenzer, seine fleißige und pfiffige Referendarin, sich dem Fall anzunehmen. Aber der Rechtsanwalt sagt Tenzer nicht alles und ehe sie sich versieht hängt sie mittendrin in einem Gewirr aus Wissen, Gefahr, Angst, Verrat und viel viel Geld ….

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Olaf R. Dahlmann hat hier sein Debüt geliefert, wie es passender nicht sein kann. Ich hatte gerade einige Tage in dem Roman gelesen, als ich morgens im Radio in den Nachrichten von den Panama-Papers hörte. Tja, sehr aktuell, auch heute wieder.

Wir alle haben schon von gestohlenen Steuerdaten, die von Finanzämtern gekauft werden, gehört. Aus lauter Panik geben die Steuersünder dann Selbstanzeigen ab, die die Staatskasse um einige viele Euros auffüllen. Dass dieses gesamte Steuerding viel weitere Kreise zieht und was sich dahinter alles verbirgt war hochinteressant und spannend. Und nebenbei bemerkt, überhaupt nicht kompliziert und unverständlich.

Denn: politische Romane mag ich eigentlich gar nicht, aber Horst Eckerts Romane zum Beispiel liebe ich, weil er die Kunst beherrscht politische Themen eben nicht hochkompliziert und dröge zu beschreiben. Steuerstrafen interessieren mich auch nicht, allerdings arbeite ich beim Rechtsanwalt, darum war ich neugierig ☺

Und ich muss ja gestehen, als ich das Cover sah und die Referendarin im Roman auftrat, musste ich ja schon schmunzeln. Denn das hatte so gar nichts mit der Referendarin in meiner Arbeit zu tun. Weder optisch, noch von den Aufgaben her. Aber erstens handelt es sich hier um eine Großstadt und einen Fachanwalt und zweitens um einen Roman.

Man merk das Olaf R. Dahlmann selbst Jurist ist, er liefert die Hintergründe sehr gut. Aber so wie er es im Nachwort erwähnt, seine „Anwaltschreibe“ hat er perfekt in der Kanzlei gelassen. Er schreibt seinen Debütroman überhaupt nicht trocken und juristisch, sondern flott, spannend und mit guten Charakteren. Die wörtlichen Reden sind flüssig und nicht gestelzt.

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, ja sogar begeistert! Ein richtig guter Krimi, der ja zufällig wieder total aktuell ist. Ich hoffe, dass Olaf R. Dahlmann weiterschreibt, denn ich würde gerne mehr von ihm lesen.

Noch steht die Homepage seiner Kanzlei an ersten Stelle, wenn man ihn „googelt“ und an Platz zwei kommt der Roman auf der Grafit-Seite. Mal sehen wie lange noch.

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© Buchwelten 2016

Der Zahlenmörder von Andreas Hoppert

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-453-7
Kategorie: Krimi

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Die Kanzlei des Anwalts Marc Hagen läuft nicht mehr ganz so gut. Die Mandate sind rückläufig. Der spannendste Fall, den er derzeit bearbeitet, ist die Vertretung eines älteren Herrn, der den Hersteller einer Eierkocherfirma auf Schadenersatz verklagt, weil beim Anschlagen des Signaltons seine beiden Wellensittiche (gleichzeitig) tot von der Stange gekippt sind. Es wäre insgeheim sogar lustig, wäre der Mandant nicht so verbohrt und hartnäckig und der Fall existenzsichernd wichtig.

Als das Gesuch des inhaftierten Jürgen Sobotta ihn erreicht, ist Marc Hagen aus den o.g. Gründen gar nicht abgeneigt diesen Fall zu übernehmen. Auch wenn seine Kollegen ihn alle warnen, denn Sobotta hat so ziemlich jeden Anwalt im Umkreis angeschrieben.


Seit 28 Jahren sitzt Jürgen Sobotta im Knast. Zu Unrecht, wie dieser behauptet. Ende der 80er Jahre wurde er als sogenannter „Zahlenmörder“ für die Morde an 5 Frauen verurteilt, die alle innerhalb einiger Monate aufgefunden wurden. Sobotta hat schon damals immer wieder seine Unschuld beteuert. Er hat bereits mehrere Anträge für ein Wiederaufnahmeverfahren gestellt. Immer wieder wurden sie abgelehnt. Der vermeintliche Mörder verblieb hinter Gittern.

Marc Hagen besucht Sobotta in der JVA und, auch wenn der Inhaftierte Hagen nicht wirklich sympathisch ist, so ist er dennoch nach dem ausführlichen Gespräch von dessen Unschuld überzeugt und nimmt das Mandat an. Natürlich wittert Hagen Publicity und somit einen kleinen „Schubser“ für seine schlecht laufende Kanzlei. Hagen ist aber auch ein Anwalt mit Leib und Seele, der sehr gewissenhaft arbeitet und somit beginnt er ausführlich zu recherchieren, liest sämtliche Ermittlungsakten der damaligen Ermittlungen und gräbt so tief und hartnäckig, wie er nur kann.


Hagen hat Erfolgt mit seiner Arbeit: Dem Wiederaufnahmeantrag wird stattgegeben, Sobotta kommt frei. Sein Mandant wird durch die Medien gereicht und schlägt einen Riesenerfolg aus seiner Story. Doch kurz nachdem Sobotta wieder aus dem Knast ist, wird eine weitere Frau tot aufgefunden. Die Spur führt zu niemand geringerem als dem frisch entlassenen Sobotta. Denn der Toten wurde die Zahl 6 auf die Stirn geritzt. Das typische Zeichen des Zahlenmörders ….

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Dies ist der neunte Fall um den Anwalt Marc Hagen. Für mich ist es erst der zweite Roman des Autors, den ich lese. Ich kenne ansonsten bisher nur „Schwanengesang“. Schon damals war mir der Protagonist sehr sympathisch, der gewissenhaft aber auch eigenwillig seine Arbeit erledigt.

In diesem Roman wird das Thema Justizirrtümer behandelt. Dies ist natürlich immer spannend und hochbrisant.

Andreas Hoppert ist selbst Jurist und arbeitet als Richter am Sozialgericht Detmold. Das juristische Wissen merkt man ihm an, wobei er sich ins Strafrecht ganz sicher intensiv einlesen musste. Dies ist ihm aber sehr gut gelungen. Hoppert bringt das Thema sehr glaubwürdig, spannend und fesselnd rüber. Glaubt man jemandem, der vor 28 Jahren wegen Mordes verurteilt wurde? Geht der Mensch nur nach Indizien und Beweisen oder hört er auch auf sein Bauchgefühl?

Für mich war die Handlung vielleicht deshalb so interessant, weil ich selbst bei Anwälten arbeite und auch mit Strafrecht konfrontiert werde. Wie steht man dazu? Wie fühlt sich ein Anwalt, der diese Menschen vertritt? Glaubt er ihnen? Ist er von ihrer Unschuld überzeugt? Oder ist es ihm letztendlich egal, weil er nur sein Honorar verdienen möchte?

Die Hintergründe und auch die Verbindungen zwischen Anwalt, Staatsanwaltschaft und Gericht habe mich sehr gefesselt. Hoppert hat viele Fäden gelegt, die sich nach und nach verknüpft haben. Immer wieder gab es unerwartete Wendungen.

Eine Szene, die eigentlich eher kurz und vielleicht unbedeutend war, möchte ich hier kurz positiv erwähnen, auch wenn sie eigentlich nichts mit der eigentlich Handlung zu tun hat: Die Traumszene. Absolut toll geschrieben und „Inception“ ist nicht zu überlesen. Sehr gut!

Ob ich mit dem Ende zufrieden bin, mag ich gar nicht sagen. Der Schluss war gut, passend aber irgendwie… Schade, glaube ich 🙂

Mein Fazit: Andreas Hoppert hat hier einen sehr gut ausgearbeiteten Krimi um ein brisantes Thema geliefert. Spannend, rasant und kurzweilig. Gut ausgearbeitet und recherchiert, hat mich der Roman vom Anfang bis zum Schluss gefesselt. Habe ich für Schwanengesang „nur“ 4 Sterne vergeben, gebe ich hier nun gerne eine unbedingte Leseempfehlung und werde selbst die fehlenden sieben Romane noch nachholen!

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Ich danke dem Grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Meine Rezension zu Schwanengesang

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© Buchwelten 2015

Golanhöhen von Marc-Oliver Bischoff

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Golanhöhen
Erschienen als Taschenbuch
im grafit-Verlag
insgesamt 412 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-450-6
Kategorie: Krimi

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Gideon Richter, Ermittler der Frankfurter Kripo ist gerade zum ersten Mal Vater geworden. Gemeinsam mit Polizeipsychologin Nora Winter haben Sie einen kleinen Sohn, der beider Nerven sehr strapaziert. Während sich Nora Winter derzeit in Elternzeit befindet, muss Gideon sich trotz dem ganzen Stress auch nach wie vor auf seine Arbeit konzentrieren. Das fällt ihm in diesem Fall erst Recht nicht leicht, da die Leiche eines frisch entbundenen Säuglings in einer Müllverwertungsanlage auf einem Fließband gefunden wird.

Unmittelbar danach wird er zu einem weiteren Todesfall gerufen. Auf den ersten Blick hat sich die Tote selbst getötet. Ist vom Dach eines Hochhauses in den Golanhöhen gesprungen. Doch Jennifer Baur hatte bereits 10 Jahre wegen Kindstötung im Gefängnis verbracht und so liegt für Gideon der Verdacht nahe, dass diese beiden Morde miteinander in Verbindung stehen. Die Golanhöhen sind ein sozialer Brennpunkt in Frankfurt, hier leben die Menschen der untersten sozialen Kategorie und während seiner Ermittlungen findet Gideon Richter Hinweise darauf, dass Jennifer Baur keinen Suizid begonnen hat, sondern Opfer eines Mordes ist.

Gideon wird die Ermittlung an dem toten Säugling aus der Hand genommen, Befangenheit ist der Grund. Und zu viele emotionale Hindernisse. Das ist sicherlich absolut korrekt, Gideon passt das allerdings überhaupt nicht. Er ermittelt in seine Richtung weiter ….

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Marc-Oliver Bischoffs „Tödliche Fortsetzung“ war für mich ein gutes Debüt, „Die Voliere“ gefiel mir besser und die „Golanhöhen“ halten dieses Niveau unbedingt. Der Schreibstil ist nach wie vor gut und gehoben. Der Handlungsstrang ist geschickt aufgebaut und die Wendungen innerhalb der Story halten den Spannungsbogen straff. In diesem dritten Teil sind die extremen Szenen, wie ich sie im ersten und zweiten Teil erwähnt hatte, etwas entschärft worden. Das ändert aber nichts an der Spannung der Geschichte.  Der Autor verflechtet in seiner Handlung kleine Hinweise auf die beiden ersten Romane, die der Leser natürlich erkennt, wenn er diese gelesen hat. Es tut aber nichts zum Verständnis der Handlung wenn man die zwei ersten Bände nicht kennt oder im Anschluss liest, so wie ich es bei anderen Autoren auch schon gehandhabt habe.

Gideon Richter ist sehr menschlich und gefühlvoll, ängstlich aber auch stur, eigensinnig und mutig. Das sein Protagonist z.B. so offen mit den Schwierigkeiten in einer jungen Familie umgeht, macht ihn mir sehr sympathisch. Und Nora Winter ist für mich in diesem dritten Teil durch ihre Mutterrolle viel liebenswürdiger geworden. Sie wirkt auf mich längst nicht mehr so unnahbar, wie in den Vorgängerbänden. Sie ist offen müde, k.o., auch eifersüchtig, aber besorgt und dennoch versucht sie nicht nur mit ihrem beruflichen Wissen Gideon zur Seite zu stehen, sie will auch gemeinsam das „Problem“ mit dem etwas schwierigen Baby lösen. Liebe Leser, denkt nicht, Nora und Gideon jammern nur sie hätten ein „schreckliches“ Baby, nein, sie genießen es  auch und freuen sich an ihm. Allerdings hat mir eine gewisse Stelle sehr gut gefallen, die wahrscheinlich einige frisch gebackene Eltern sehr gut nachvollziehen können … 🙂

Ich mag es immer sehr gerne, wenn die Parallelhandlungen der eigentlich Krimilinie mindestens genauso interessant wie die Ermittlungen am jeweiligen Mordfall sind. Man lernt die Ermittler kennen, begleitet sie ein Stück weit und möchte auch miterleben wie sich ihr Privatleben entwickelt. Hier hat der Protagonist nicht nur mit einer anstrengenden Gegenwart zu kämpfen, sondern wird auch mit einem Trauma aus seiner Jugend konfrontiert. Mehr verrate ich nicht, lest es selbst.

Mein Fazit: Ein sehr guter dritter Teil um Nora Winter und Gideon Richter. Die Ermittlungen führen in ein sozial mehr als kritisches Viertel. Privat erleben die beiden einige Neuerungen und dienstlich zeigt sich, dass Dinge nicht immer so sind, wie sie scheinen. Spannend, fesselnd und wieder einmal richtig gut geschrieben kann ich diesen Krimi gern empfehlen.

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Ich danke dem Grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Rezension zu „Tödliche Fortsetzung“

Rezension „Die Voliere“

Homepage des Autors

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© Buchwelten 2015

Kalter Hund von Rainer Wittkamp

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Erschienen als Taschenbuch

im grafit Verlag

insgesamt 251 Seiten

Preis: 9,99 €

ISBN 978-3-89425-430-8

Kategorie: Krimi

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Sommerhitze in Berlin und LKA-Ermittler Martin Nettelbeck ist keine Abkühlung vergönnt, denn die Ereignisse überschlagen sich:

Seine Chefin ordnet eine Razzia in der Berliner Unterwelt an und befördert sich damit selbst auf die Abschußliste. Stellt er sich hinter seine Vorgesetzte?

Bilal Gösemann, Bote und Mädchen für alles des Sharif Clans sowie sonstiger Kleinkrimineller, ordert für seinen herzallerliebsten Dahingeschiedenen eine Bestattung der Extraklasse zu einer fünfstelligen Summe, obwohl er nicht einen Cent besitzt.

Hasso Rohloff, ein stark in die Jahre gekommener Multimillionär mit extrem schlaffem Problem, erträgt es nicht, dass seine um Jahre jüngere Ehefrau eine Affäre hat und sogar die Scheidung will. Er setzt der Situationen mit einem treffsicheren Stoß ein jähres Ende.

Und dann ist da noch der Clanchef Walid Sharif, der für seine unhübsche, dafür aber umso clevere Tochter, eine Ehe arrangiert, die dem Familienunternehmen sehr von Nutzen ist.

Dies alles bringt den Ermittler Nettelbeck mehr als ins Schwitzen  …

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Noch schneller, saucool, ein Buch wie ein Film von Quentin Tarantino, so bewirbt der Verlag den neuen Roman von Autor Rainer Wittkamp.

Bekanntlich ist alles Geschmackssache, meiner war die Art des Krimis offensichtlich nicht. Hat mich die Inhaltsangabe neugierig auf den zweiten Fall von Martin Nettelbeck gemacht, so war mir der Krimi dann eher zu cool.  Die Sprache und Wortwahl der Figuren, die auf diese Handlung bezogen sind, war mir zu flapsig, zu trivial, zu cool. Mir haben die eher flachen Aussagen dieser Personen so gar nicht gefallen.

Die Protagonisten, die der Leser bereits aus dem ersten Roman kennt: Martin Nettelbeck, sein Partner sowie die Vorgesetzte Jutta Koschke waren mir nach wie vor mit allen ihren Ecken und Macken sympathisch. In diesen Passagen fühlte ich mich wohl.

Sehr gut hat mir auch wieder gefallen, wie der Autor sein Wissen über Posaunen, Posaunisten und die Jazzmusik in die Handlung verwoben hat, weil er diese Leidenschaft nämlich seinem Ermittler mitgegeben hat. Sehr interessant, auch für Leser wie mich, die Jazz nicht hören.

Das dieser Krimi schnell und flott ist, trifft jedoch zu. Ich war in zwei Tagen durch die Handlung geflogen. Langeweile und zähe Momente kommen in den 251 Seiten nicht auf. Der Schreibstil ist – bis auf die erwähnten Unterhaltungen sowie Ausdrucksweisen gewisser Personen – die mir nicht gefallen haben, wieder gut.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen Krimi der sicher flott und rasant, in der Sprache jedoch eindeutig Geschmackssache ist. Mein Fall war es eher nicht. Den Gag zu Beginn des Romans um die besagte Bestattung finde ich dafür jedoch sehr gelungen 🙂

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Frauen hassen von Michael Herzig

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im grafit Verlag
insgesamt 347  Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89425-671-5
Kategorie: Thriller
Erscheinungstermin: März 2014

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Johanna di Napoli, Züricher Stadtpolizistin, vollzieht gerade einen extremen Lebenswandel. Sie versucht ernsthaft die Zigaretten sein zu lassen, klebt stattdessen Nikotinpflaster und sie trinkt keinen Alkohol mehr. „Schuld“ ist Max, eine Bekanntschaft, die zunächst nichts weiter war als ein One-Night-Stand, sich jedoch so langsam aber sicher in eine ernsthafte Beziehung zu entwickeln scheint. Soweit zur privaten Seite der bereits bekannten Polizistin, die ihre eigenen Ecken, Kanten und Macken hat.

Beruflich bekommt Johanna, kurz: Jo, einen Einsatz der ausgefalleneren Art. Sie wird als verdeckte Ermittlerin nach Deutschland geschickt, wo sie eine Rockerbraut mimen soll, um die Glaubwürdigkeit eines deutschen Kollegen innerhalb einer Rockerbande zu untermauern.

Leider geht der Einsatz gründlich daneben, er endet in einem dramatischen Chaos und Jo wird beschuldigt ein Verhältnis mit einem der Verbrecher zu haben. Sie versucht diese Vorwürfe zu widerlegen, spielt immer mit offenen Karten und stösst bei ihren weiteren Nachforschungen auf eine Spur, die zurück in die Schweiz führt. Jo würde ihrem Ruf als Quotenfrau nicht gerecht werden, würde sie nicht alles versuchen, den vertrackten und extrem brutalen Fall zu lösen …

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Frauen hassen, lautet der Titel, der gleich etwas zweideutig zu verstehen ist. Geht es um Frauen, die hassen oder um Männer (die Rocker vielleicht?), die Frauen hassen? Eine geschickte Wahl des Titels, wie ich zugeben muss, im Laufe der Handlung erklärt sich auch die Bedeutung dessen.

Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Folgeroman von „Töte deinen Nächsten“ (die Rezension ist hier bei Interesse gerne nachzulesen) zunächst recht schwer getan habe. Ich habe keinen Einstieg in die Handlung gefunden, die Handlungsstränge, die neben dem um Johanna di Napoli begonnen wurden, habe ich zunächst nicht wirklich kapiert. Ich wusste nicht, welche Figuren zu wem gehören, welcher Strang nun in Deutschland und welcher vllt. in der Schweiz spielt. Ein weiterer Strang wurde in der Gegenwart und aus der Ich-Perspektive geschrieben und auch hier wusste ich zunächst nichts mit anzufangen. Ich habe mir dann gedacht: lies einfach, die Handlung wird sich sicherlich selbst erklären. Und so war es dann auch. Circa ab Seite 100 hatte ich mich in die Handlung eingelesen, habe die Zusammenhänge begriffen und wusste nun auch die Figuren und Charaktere zuzuordnen.

Auch mit der Sprache hatte ich zunächst meine Probleme. Der Ausdruck war mir zu umgangssprachlich, zu prollig, was sicherlich mit den Figuren zu tun hatte, mir gefiel es dennoch nicht. Im Laufe der Handlung hatte ich mich jedoch eingewöhnt und der Schreibstil wurde auch besser, der Handlungsstrang um Johanna war ausserdem in dem bekannten, flotten aber guten Stil geschrieben.

Richtig gefallen hat mir die Handlung so ab Seite 160, da wurde es für mich endlich richtig interessant und ich habe ab dem Zeitpunkt auch mit mehr Spass und Neugier gelesen. Die Spannung stieg, die Bogen wurde straffer gespannt. Das Ende gefiel mir gut, hat mich nicht enttäuscht, wobei eine „Enthüllung“ im Finale für mich alles andere als überraschend war, ich hatte dieses „Highlight“ auf Grund vieler kleiner Hinweise schon lange durchschaut. Gut war es trotzdem. 🙂

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für diesen neuen Thriller von Michael Herzig, in den ich mit etwas Mühe eingestiegen bin und der für mich erst relativ spät wirklich fesselnd wurde. Die Idee und Umsetzung ist gut, mir persönlich war der erste Teil jedoch etwas zu wirr und flapsig. In der zweiten Häflte  habe ich mich wohler gefühlt.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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@ Buchwelten 2014

Die Voliere von Marc Oliver Bischoff

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit-Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-420-9
Kategorie: Krimi

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Die Polizeipsychologin Nora Winter hat gerade erst ihren neuen Job angetreten, als schon eine schwerwiegende Aufgabe auf sie zukommt. Frisch von der Mordkommission zum ZPD (Zentraler Polizeipsychologischer Dienst) soll sie drei Schwerverbrecher begutachten, damit diese in das staatliche Programm der Resozialisierung aufgenommen werden.

Nora Winter besucht alle drei Kandidaten in der JVA um sie persönlich kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen, bevor Sie ihr Gutachten verfasst (was nicht die Regel ist, viele Gutachten werden erstellt, ohne dass die Personen überhaupt angehört werden).
Winter lernt die unterschiedlichsten Typen Mensch kennen: Einen ehemaligen Lehrer, der zwei junge Schüler entführt, gequält und getötet hat. Einen Naturfreak, dessen erklärtes Ziel der Regenwald ist und der auf Grund dessen, ein berüchtigter Heiratsschwindler ist und zuletzt, den Mann, der so groß ist, wie ein Riese und der Mittäter einer Entführung war, der allerdings heute alles dafür tun möchte, um ja nicht aus der JVA entlassen zu werden.

Keine leichte Aufgabe, denn einerseits sollte jeder Straftäter eine zweite Chance erhalten, zeigen dürfen, dass er bereut und er seine Schuld eingesteht und gewillt ist, sich zu ändern. Aber andererseits hat fast jeder ein verständliches Problem damit, einen brutalen Mörder wieder in die Gesellschaft zu entlassen, ohne Angst zu haben, dass dieser erneut straftätig wird und somit eine Gefahr für die Bürger darstellt.

Die Männer werden entlassen, werden in einem alten Gutshof mitten im Wald einquartiert, wo sie versuchen (sollen) ihren Alltag in Freiheit selber zu organisieren und sich langsam wieder an ein Leben außerhalb der JVA-Mauern zu gewöhnen. Doch die Emotionen der Bewohner des kleinen Dorfes kochen schnell hoch, sie wollen diese Männer in keinem Fall in ihrer Nähe haben. Die Situation eskaliert und Nora Winter ist mittendrin, denn sie hat zu den Männern Vertrauen gefasst und versucht ihnen in ihrer Freizeit gesondert mit Rat und Tat zur Seite zu stehen …

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Entgegen zum ersten Roman des Autors „Tödliche Fortsetzung“, hat mir dieser zweite Roman um die Psychologin Nora Winter, der KEINE Fortsetzung ist, eindeutig besser gefallen.

Für mich war der erste Roman trotz des gehobenen Schreibstils des Autoren eher „nur“ guter Durchschnitt, was die Handlung angeht. Auch die Protagonistin war mir während der gesamten Handlung nicht so 100%ig ans Herz gewachsen.

In diesem Roman hat Marc Oliver Bischoff sich nicht nur ein heikles Thema ausgewählt, er hat auch eine sehr gute, vielschichtige und verwobene Handlung darum gesponnen, die den Spannungsbogen durchgehend hält.

Die Figuren hat er gut und vor allem interessant dargestellt, sowohl die Charaktere und Eigenschaften der Straftäter, als auch die der Dorfbewohner, deren Reaktionen der Leser auf der einen Seite sicher versteht, auf der anderen Seite jedoch nur den Kopf schüttelt. Auch die Figur der Nora Winter ist mit diesem zweiten Teil gewachsen, sie war für mich hier weitaus menschlicher und greifbarer als noch im ersten Roman.

Wie auch in „Tödliche Fortsetzung“ schreckt der Autor vor heftigen, blutigen Szenen nicht zurück. In der Beschreibung derer erreicht er locker Thrillerniveau. Diese Textstellen sind nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete Leser.

Das Buch präsentiert der Verlag wieder als Taschenbuch, mit einem schlichten Cover, wie es eigentlich alle grafit-Cover sind. Sie passen zum Thema, sind aber nie reißerisch. Dieser zweite Roman ist um knappe 100 Seiten stärker als der erste Krimi des Autors

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen spannenden, fesselnden Krimi, der ein heikles und sicher schwieriges Thema aufgreift. Er ist ausgefüllt mit guten Charakteren und liefert einen guten Spannungsbogen. Für mich ein gutes Stück besser als der erste Roman des Autors.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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