Stille Sünden von Silke Ziegler – Sina Engel II

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 315 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-389425-588-6
Kategorie: Krimi

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Sina Engel ist mittlerweile stolze Mama, bekanntlich leider alleinerziehend und wieder voll berufstätig. Dennoch genießt sie ihre Mutterrolle sehr und darum geht ihr der neue Fall auch sehr an die Nieren.

Ein 11-jähriger Junge ist verschwunden. Offensichtlich ist er von zu Hause weggelaufen, jedoch kann sich keiner erklären, warum er das getan hat. Keine Probleme in der Schule oder mit seiner Mutter. Der Winter steht vor der Tür und das ist natürlich für einen kleine Jungen sehr gefährlich.

Als wären diese Ermittlungen nicht genug, wird auch noch ein Flüchtling direkt vor der Asylunterkunft erschossen. Grundlos wie es scheint. Der Schütze entkommt, die Suche beginnt.

Wieder einmal bekommt Sina Engel Unterstützung aus Heidelberg. Und zwar wird ihr kein anderer zugeteilt als Matthias Sommer. Genau der Kollege, mit dem sie schon einmal ermittelt hat und der ihr, als sie hochschwanger war, zur Seite stand. Damals hatte es schon geknistert zwischen den beiden. Doch nicht nur die Schwangerschaft und Carlos Tod hatten Sina damals vorsichtig sein lassen. Matthias war der Partner von ihrem verstorbenen Lebensgefährten und der hat leider einen Ruf als Schürzenjäger. Nach der Geburt von Sinas Kind hatten die beiden erst Kontakt gehalten, doch Sina hat ihn im Sande verlaufen lassen. Aus Angst … vor was? Einer neuen Liebe, einer neuen Beziehung ….

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Der zweite Fall um Sina Engel gefällt mir noch viel besser als der erste Teil. Das Thema ist schon heftig und ich weiß, wie schwer es ist, dieses Thema anzupacken und in einem Roman zu behandeln. Die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Gefühl ist nicht leicht (mein Mann hat selbst einen Roman zu diesem Thema verfasst). Silke Ziegler ist hier nicht seicht und hält mit der krassen Realität nicht hinterm Berg, also nichts für zu schwache Lesernerven.

Denn zweiten Handlungsstrang um den erschossenen Flüchtling lässt sie parallel laufen und wie sich die Stränge verbinden, bleibt abzuwarten und wird an dieser Stelle nicht verraten.

Auch der private Einblick in Sina Engels Leben kommt nicht zu kurz und, auch wenn sie nach wie vor sehr emotional ist, gefällt sie mir hier besser als im ersten Teil. Dort war sie mir ab und an zu weinerlich, das gibt sich in diesem Teil hier. Mir war sie viel sympathischer, wobei die Hormone und der Alltag ihr nach wie vor oft ein Schnippchen schlagen. Das liegt aber in der Natur einer jungen Mutter, die Arbeit und Baby handeln muss und dazu immer  noch den Vater ihrer Tochter betrauert. Dies alles macht aber richtig Spaß und nimmt den grausamen Momenten immer wieder ein wenig den Schrecken. Der Leser kommt zur Ruhe, kann mal durchatmen und sich erholen.

Fazit: Ein sehr guter und spannender Krimi, der mich überzeugt und gefesselt hat. Stellenweise sehr schlimm und krass, aber dennoch sehr real. Das hat Silke Ziegler wirklich gut gemacht. Weiter so!

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

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Nie zu alt für Casablanca – V.I.E.R. auf Kreuzfahrt von Elisabeth Frank und Christian Homma

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
347 Seiten
12,00 €
ISBN: 978-3-89425-583-1
Kategorie: Krimi

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V.I.E.R., so nannte sich die Gruppe der Freunde, als sie Kinder waren. Sie waren sehr eng befreundet und haben Detektiv gespielt, so richtig gut vorbereitet, mit Equipment und körperlich durchtrainiert.

V (Gero Valerius), I (Ina-Marie), E (Eleonora) und R (Rüdiger), das waren die vier unterschiedlichsten Kinder, die dennoch immer zusammenhingen.

Zwei aus der Gruppe haben bis in ihr fortgeschrittenes Erwachsenenalter ihre Freundschaft aufrechterhalten und gepflegt. Ina und Rüdiger sind bis heute in regem Kontakt. Und als Rüdiger in ein tiefes Loch der Trauer fällt, weil seine Frau nach langer Krankheit verstirbt, da regt sich in Ina eine Idee.

Sie arbeitet als freie Journalistin und ist sich ziemlich sicher, einen Skandal aufdecken zu können: Nämlich, dass unter dem Deckmäntelchen einer Kreuzfahrt illegal Elfenbein geschmuggelt wird. Ina-Marie macht sich daran, ihre Bande aus Kindertagen wieder zusammenzubringen. Sie will die V.I.E.R. reaktivieren. Ina ist sicher, dass sie damit zum einen Rüdiger aus seinem Loch herausziehen und zweitens den Elfenbeinschmuggel aufdecken kann.

Doch funktioniert das? Wie wird das sein, wenn man die Menschen wieder trifft, die nun Mitte 40 sind und die man zuletzt beim Abitur gesehen hat? Haben sie sich verändert? Werden sie sich noch verstehen oder Fremde sein ….?

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V.I.E.R. Auf Kreuzfahrt ist ein Urlaubskrimi, ein Krimi á la TKKG oder auch ??? für Erwachsene.

Hier hat das Autorenduo sich 4 Protagonisten ausgedacht, die bewusst entsprechende Charaktereigenschaften aufweisen sollen: die toughe Ina, die damals schon die Anführerin war. Gero Valerius, das Raubein/der Soldierboy, minimalistisch, streng, pedantisch und nervtötend. Die liebe Eleonora, die mittlerweile brave Ehefrau und treusorgende Mama ist und der sanfte Rüdiger, lieb, traurig, hochempfindlich und ein Emo.

Die 4 müssen sich natürlich erst einmal wieder zusammenraufen, was humorvoll und auch kurzweilig ist. Die Reise auf dem Kreuzfahrtschiff ist abwechslungsreich und voller kriminaltechnischer Aktionen. Die Gruppe strotzt voller Ideen und Einfallsreichtum und gibt nicht auf. Der ganze Plot ist sicher gut durchdacht und ich fand die Geschichte auch nicht schlecht.

Viele Leser werden diese Art der Urlaubslektüre toll finden und ihren Spaß daran haben. Ich fand die Grundidee auch gar nicht so schlecht, richtig umgehauen hat mich der Krimi aber leider trotzdem nicht.
Er war nett, aber nicht sonderlich herausragend. Mir waren die Charaktere, wie oben erwähnt, zu „vorgefertigt“, ein bisschen zu wenig „sie selbst“. Ich kann es schlecht erklären, aber oft machen sich Figuren im Laufe einer Handlung selbständig, verändern sich in Richtungen oder tun Dinge, die auch vom Autor nicht geplant waren. Das war hier nicht so und irgendwie hat das gewisse Etwas für mich gefehlt.

Leser, die den Roman wirklich im Urlaub auf Reisen lesen, werden sicher auf Ihre Kosten kommen. Es gibt auch schöne touristische Stellen und Erklärungen zu den Orten, die besucht werden.

Ein netter Krimi um eine groß gewordene Kinderbande, sie sich nach langer Zeit in ihren Vierzigern wieder trifft und ein Abenteuer erlebt. Eine kurzweilige Urlaubslektüre um ein privates Ermittlerteam in schöner Umgebung, aber für mich eben kein Krimi, der mich wirklich mitgerissen hat.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

 

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Killt Grappa! von Gabriella Wollenhaupt

Killt Grappa!
Erschienen als Taschenbuch 1996
im Grafit Verlag
insgesamt 212 Seiten
Preis: 7,99 € Ebook (neu nur noch als Ebook verfügbar)
ISBN: 978-3-89425-066-9
Kategorie: Krimi

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Maria Grappa, Journalistin und Polizeireporterin, berichtet – natürlich – wieder als eine der ersten, als der bekannte Bierstädter Schönheitschirurg Dr. Oktavio Grid Opfer eines brutalen Mordes wird. Er wird tot im heimischen Ehebett aufgefunden und wurde auf fieseste Weise abgeschlachtet.

Die Ehefrau des Toten gesteht den Mord relativ schnell. Ein Racheakt einer gedemütigten Ehefrau? Ganz so sieht die Sache aus. Doch Grappa sieht die Sache ganz und gar nicht so einfach und klar. Zu unkompliziert scheint sich der Fall aufgelöst zu haben.

Gemeinsam mit Kommissar Nikolaus Kodil, den Grappa auch ein kleines bisschen näher kennt, und dem Fotografen „Turkey“ bohrt sie tiefer und landet in einem Knoten aus Schönheitschirurgie, Satanismus, Rache und Körpertherapie …

* * *

Ich lese ja bekanntlich sehr gerne die „Grappa“-Romane, weil sie immer rasant, bissig und voll von (oft schwarzem) Humor sind. Grappa ist so eine „Marke“ für sich. Die Journalistin mit der lockeren Klappe, die immer schlagfertig, aber auch ein ganz kluges Mädchen ist, die Männer, gutes Essen und guten Wein mag und für eine gute Story so ziemlich jeden – auch gefährlichen Weg – einschlägt.

Ich habe mich sehr gefreut, als mein Mann mir 2 der älteren Roman geschenkt hat. Hier ist der 7. Band, der geschrieben und veröffentlicht wurde. Grappa war damals charakteristisch schon genauso drauf wie heute. Die Vorgesetzten und die Kollegen sind noch andere, die Fotografen scheinen im „Bierstädter Tageblatt“ auch mal öfter zu wechseln. Die Bäckersfrau heißt noch Scholz, statt Schulz, scheint mir aber irgendwie schon dieselbe zu sein … und der Grafit-Verlag hat noch auf rein weißem Papier gedruckt.

Die Handlung ist auch hier wieder sehr spannend, rasant und auch nicht immer leichte Kost. Denn es geht auch schon einmal heftig zur Sache. Aber Gabriella Wollenhaupt hat hier ja ein unheimliches Händchen, diese schrecklichen Themen in eben dieser herrlichen „Grappa-Manier“ zu schreiben. So ist es auch hier mit den Themen Satanismus, Opferung, Kindesmisshandlung und schwarzen Messen. Immer wieder bringt die Autorin den Leser runter mit ihren entweder klassischen Grappa-Sprüchen oder einfach einem guten Essen oder einem ruhigen, ernsten Gespräch. Denn auch das kann diese vielseitige Protagonistin sehr gut.

Und sorry, eventueller Spoiler: Aber als Grappa in der Schwarzen Messe spioniert und mit „Hadschi Alef Omar“ antwortet, da habe ich mich fast nass gemacht vor Lachen. Das war so eine geniale Situationskomik, einfach spitzenmässig.

Mir gefallen auch die älteren „Grappa“-Romane sehr gut, sodass ich sie mir nach und nach alle noch zulegen werde. Derzeit lese ich einen weiteren Roman aus der Reihe, diesmal aus dem Jahre 2002. Ich bin also etwas gesprungen. Ich werde natürlich berichten ☺

Der Grafit Verlag verlegt diesen Roman (leider) nur noch als Ebook. Ich selbst bin ja gar kein Freund eben solcher und ich habe auch keinen Reader. Aber für solch – Zitat #joachimkörber – „Komplettistenraubtiere“, gibt es sehr schöne Plattformen, auf denen man gelesene Bücher für kleines Geld in tollem Zustand ergattern kann (z.B. rebuy) und natürlich nicht zu vergessen die vielen Buchmärkte, die immer wieder stattfinden.

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Grappa in der Schlangengrube von Gabriella Wollenhaupt

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Grappa
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
11,00 €
ISBN:  978-3-89425-579-4
Kategorie: Krimi
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Im Rahmen eines Resozialisierungsprojekts wird der zweifache Mörder Mischa Ashley nach 17 Jahren Haft entlassen und soll im Verlagshaus des „Bierstädter Tageblatts“ eine Stelle erhalten. Titel des Projektes Wiedereingliederung: „Die zweite Chance“.

In der Haft hat Mischa Ashley nicht nur sein Abitur nachgeholt, er hat auch das Schreiben begonnen. Hat Texte und einen Roman geschrieben und alle finden das total toll. Der charismatische Typ sieht gut aus, hat offensichtlich Charme und ist mittlerweile sanft wie ein Lamm.

Nun, in der Redaktion kommt er nicht überall so gut an, die „Geister“ scheiden sich enorm. Die weiblichen Kolleginnen sind fast alle hin und weg und seiner Ausstrahlung erlegen. Nicht so die männlichen Kollegen, die sind eher bissig und mehr als skeptisch. Und dann ist da noch Grappa. Sie wird Ashley als Mentorin an die Seite gegeben, soll ihm helfen und eine schützende Hand über ihm haben.

Doch Grappa ist alles andere als begeistert. Ihr ist der Typ mit seinem extremen Narzissmus mehr als suspekt. Und das bekommt er auch zu spüren. Nicht nur von Grappa. Auch in der Öffentlichkeit reagieren sehr viele Bürgen negativ auf das Projekt. Ganz nach dem Motto: Einmal Mörder, immer Mörder. Punkt.

Dann geschieht ein Mord in der Stadt. Und das Opfer ist eine reiche Dame mittleren Alters, die Mischa Ashley finanziell enorm unterstützt hat …

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Das ist Grappa Nr. 28, ich kenne die spezielle Protagonistin erst seit Nr. 22 aber ich finde sie einfach klasse. Ich lese diese Krimis von Gabriella Wollenhaupt so gerne. Sie sind flott, rasant, mit viel (schwarzem Humor) und jeder Menge Biss.

Das schöne an diesen Krimis ist, dass wir hier keine klassischen Ermittler haben, sondern eine Journalistin, die ihre Kontakte hat, weil sie u.a. in einer privaten Beziehung zu „ihrem Polizisten“ Friedemann Kleist steht. Aber auch das ist keine klassische Beziehung, nicht mal eine typische Fern- oder Teilzeitbeziehung. Auch das macht den Charme dieser Krimireihe aus.

Für mich ist es immer ein bisschen wie „nach Hause kommen“, wenn ich einen neuen Grappa lese. Man trifft Bekannte wieder, liebgewonnene Charaktere wie die Bäckerin Frau Anneliese Schmitz, „Bärchen“ Biber, den Fotografen Wayne Pöppelbaum oder auch Kollegin Wurbel-Simonis.

Ich schlage das Buch auf und denke, okay, dann beginnt mal eine neue Woche im Tageblatt und schon ist man auch reingeplumpst in die Handlung.

Die Themen, die Wollenhaupt behandelt sind aber alles andere als humorvoll, sondern (leider) immer brandaktuell und auch sehr ernst und absolut real. Hier wird das Thema Resozialisierung behandelt, ein Thema, dass natürlich nicht leicht ist. Jeder Mensch hat ein Problem damit, einem Menschen eine zweite Chance zu geben, wenn man weiss, dass der einen Menschen brutal ermordet hat. Wie soll man dem in die Augen schauen oder gar vertrauen? Geht das? Kann ein ehemaliger Mörder wirklich komplett „geheilt“ werden und danach einer Arbeit nachgehen, mit Kollegen, die ihn einfach akzeptieren, ja, sogar mögen?

Wie man sieht, kein leichtes Thema und auch keine leichte Kost, die hier in diese flotte Handlung verpackt und behandelt wird. Ich habe auch einiges gelernt in Bezug auf den Verkauf von Werken aus gewissen Genres und das Phänomen, warum sich manche Frauen zu besonderen Männern hingezogen fühlen.

Durch die kurzen Kapitel liest sich das Buch wieder unheimlich schnell. Szene auf Szene fliegt der Leser durch die Handlung, ist mittendrin im Geschehen und fiebert mit.

Leider ist es so, wie Maria Grappa sagt: Wenn ich was schreibe, dann wird das aber kurz. Ich würde gerne viel längere Grappa-Krimis lesen. Denn ehe man sich versieht, ist der Spaß vorbei und man muss ein Jahr warten.

Mein Fazit: Wieder absolut gelungen. Ein aktuelles und wichtiges Thema wird hier in klassischer Grappa-Manier behandelt. Mit Biss, Grips, (bösem) Humor und jeder Menge Gegenwind geht Grappa auch hier wieder ihren Weg.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Blutmöwen von H. Dieter Neumann

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Blutmöwen
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 220 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-577-0
Kategorie: Krimi

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Der Bauer Enno Brodersen wird neben seinem Kornfeld mit einem Loch in der Brust tot aufgefunden. Sein Jagdgewehr liegt neben ihm. Nun, beliebt war der Alte im Dorf nicht. Ganz im Gegenteil. Keiner mochte ihn, er hat sich mit allen angelegt und auch seine Kinder scheinen einfach nur froh und erleichtert, dass der Alte endlich fort  ist.

Helene Christ übernimmt gemeinsam mit ihrem deutsch-türkischen Kollegen Nuri Önal die Ermittlungen und hat es nicht einfach. Bereits in ersten Gesprächen mit den Angehörigen stößt sie auf große Mauern, die sie nicht zu durchbrechen vermag.

Was geschah dort in dieser Familie, welche Geheimnisse birgt sie. Wer hatte Nutzen vom Tod des Alten?

Fragen über Fragen, die Christ versucht zu beantworten …


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Dies ist der fünfte Fall um die Ermittlerin Helene Christ und ich habe keinen einzigen davor gelesen. Denn ich lese eigentlich keine Küsten-Krimis, wahrscheinlich weil ich am Niederrhein lebe ☺. Und genau aus dem Grund hatte ich das Buch auch im Frühjahrsprogramm des Verlages gar nicht ausgewählt. Nun, da ich es dennoch erhalten habe, habe ich dann natürlich auch gelesen.

Für das Verständnis der Handlung war es kein Nachteil, dass ich die ersten Bände nicht kenne. Immer wieder wurden kleine Hinweise eingestreut und auf die Vorgänger hingewiesen. Außerdem gibt es im Anhang einer Übersicht der Bücher des Autors, wo mir die kurzen Inhaltsangaben dann einen kleinen Einblick gegeben haben.


Für mich ist „Blutmöwen“ von H. Dieter Neumann ein klassischer Krimi. Ein Toter, verschiedene Verdächtige, erst einmal kein Durchblick, immer mehr Fäden die ausgeworfen werden und gegen Ende löst sich alles nach und nach auf und immer mehr „aha-Effekte“ stellen sich ein.

Ich fand es manchmal ein wenig zu offensichtlich, wie der Autor sein Wissen über Segelschiffe einbringen wollte und die vielen Fachbegriffe, die mir dann unterkamen, war mir einerseits nicht nur zu hoch und völlig fremd, sondern auch egal. Ich wollte einen Krimi lesen und kein Sachbuch über alte Segelschiffe und deren Benutzung. Aber da habe ich mal einfach drüber weggelesen.

Was mich dann jedoch neugierig gemacht hat, der Hinweis auf die (dunkle) Geschichte der Flensburger Polizeidirektion. Da habe ich dann gleich eine Suchmaschine dazu befragt und der Text des Online Lexikons entsprach dann leider ziemlich exakt dem des Buches. Aber die Bilder waren sehr interessant.

Fazit: Ein solider Krimi, der sich flott liest und auch sicherlich gut geschrieben ist. Einiges hat mich persönlich gestört, ich komme aber – wie gesagt – auch nicht von der Küste ☺

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Ein eindeutiger Fall von Andreas Hoppert

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 316 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-575-6
Kategorie: Krimi

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Marc Hagen, zwar Rechtsanwalt, jedoch ohne Kanzlei, Anstellung oder gar Mandanten, überlegt nicht lange, als er gefragt wird, ob er eine Pflichtverteidigung übernehmen möchte, da der eigentliche Strafverteidiger kurzfristig verstarb. Natürlich sagt er zu. Er ist froh, mal wieder einen Fall zu übernehmen, denn seine Kanzlei hatte er ja nun nicht freiwillig geschlossen. Und die Tagesbetreuung seiner Ziehtochter im Teenageralter erfüllt ihn einerseits überhaupt nicht und ist anderseits auch überflüssig. Denn wie erwähnt ist Lizzy ja kein kleines Mädchen mehr.

Der Fall, den Marc Hagen übernehmen soll, scheint eindeutig und absolut klar. Der Angeklagte soll seine Tochter Monja ermordet haben. Die Indizien sprechen alle dafür. Dass die Mutter des verstorbenen Mädchens ausgerechnet Marcs Jugendliebe ist, ist natürlich ein Zufall der besonderen Art.

Marc bekommt die Ermittlungsakten und liest sich ein. Doch je weiter Marc Hagen gräbt und mit dem vermeintlichen Täter spricht, desto größer werden die Zweifel des Anwalts. Denn so klar und eindeutig scheint dieser Fall auf den zweiten Blick absolut nicht zu sein.

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Dies ist mein dritter Roman von Andreas Hoppert und ich lese ihn sehr gerne. Dass er Jurist ist und als Richter arbeitet, liest man unbedingt heraus. Okay, er arbeitet als Richter am Sozialgericht und nicht als Richter in Strafprozessen, doch Spaß hat er an diesem Bereich alle mal.

Hoppert hat mit seinem Marc Hagen einen sehr netten, charakterstarken Protagonisten geschaffen, der nicht aufgibt und sehr echt rüberkommt. Sei es in seinem Umgang mit der Ziehtochter, seiner Lebensgefährtin, die „die Kohle nach Hause bringt“ (und ihn das auch spüren lässt) oder mit seinem Mandanten.

Ich hatte meinen größten Spaß jedoch vor Gericht, als Marc Hagen einen Zeugen komplett zerlegt hat. Ich saß während dieser ausgesprochen langen Szene mit einem staunenden Dauergrinsen hinter meinem Buch. Denn Hoppert beschert seine Überraschungen nicht nur den Figuren im Buch, sondern auch dem Leser in diesem Moment.

Er hält den Spannungsbogen stramm und wirft immer wieder neue Wendungen ein, was die Handlung auch sehr kurzweilig hält. Die Menschlichkeit des Rechtsanwalts macht viel aus, zum Beispiel sein Umgang mit Lizzy, der Mutter des Opfers, der so echt und natürlich rüberkommt. Dann anderseits der ausgebuffte, sehr starke Jurist, als der er, vor allem vor Gericht, auftritt. Diese sehr gute Mischung sorgt für ein absolutes Lesevergnügen.

Fazit: „Ein eindeutiger Fall“ ist ein besonderer Fall mit vielen Wendungen, tollen Überraschungen und macht einfach nur Spaß.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Starkstrom von Jan Zweyer

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 282 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN:  978-3-89425-576-3
Kategorie: Kriminalroman

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Um den Flüchtlingsstrom einzudämmen hat sich Zentraleuropa hinter einem Zaun verschanzt. Der soll es Flüchtenden unmöglich machen, in die „gelobten Länder“ einzureisen. Denn Europa will diese Flüchtlinge nicht. Die Menschen warten geballt in Transitzentren auf ihr Schicksal. Die, die offiziell einreisen und einen Asylantrag stellen dürfen, werden durch ein Lotterieverfahren ausgewählt.

Die Firma, die den Zaun unterhält und bewacht (von der Regierung beauftragt) soll es schaffen, den Zaun noch undurchdringlicher zu machen, denn immer noch versuchen Flüchtlinge auf illegalem Weg einzureisen. Die einfachste und günstigste Lösung scheint ein Bluff: Es wird behauptet, dass der Zaun nun unter Starkstrom stehe. Als es dann aber genau dadurch ein Todesopfer gibt, wird die Regierung natürlich erheblichem Druck und Erklärungsnöten ausgesetzt.

Unterdessen begeben sich 2 junge Männer aus dem Senegal auf ihre Reise/Flucht nach Europa. Sie haben den Schritt gewagt und sich für teures Geld in die Hände einer Schlepperbande begeben …

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Ganz klar, ein Thema, das neugierig macht, kann es doch aktueller gar nicht sein. Genau aus diesem Grund habe ich das Buch ausgewählt. Der Flüchtlingsstrom hält nicht an, immer mehr Menschen fliehen nach Europa. Ob aus Kriegsgebieten oder wie oben erwähnt aus Afrika, wo die Dürre die Menschen nach und nach dahinsiechen lässt.

Alle haben wir in den Medien von Schlepperbanden gehört und Bilder von Flüchtlingen gesehen, die neben zerborstenen Booten im Mittelmeer treiben und mit Glück lebend geborgen werden.

Der Roman „Starkstrom“ spielt in der Zukunft, jedoch nur einige Jahre. Der Autor Jan Zweyer beschreibt hier schon „unsere Welt“, in der wir hier und jetzt leben.

Und auch wenn mir der Roman zu großen Teilen gefallen hat, so hat er mich nicht zu 100 % überzeugt. Die Passagen, die im Senegal spielen, in denen der Leser die beiden Flüchtlinge begleitet, die auf die Schlepper hoffen, die haben mir sehr gut gefallen. Auch die Hintergründe und Verwicklungen waren interessant, erschreckend und leider auch sehr überzeugend.

Dennoch, sobald die Handlung sich in der Politik und dem Großkonzern abspielte, haben mich die Charaktere nicht wirklich überzeugt und ich kam teilweise mit den Namen bis zuletzt oft durcheinander. Die Figuren erschienen alle so gleich und durchsichtig, ich kann es gar nicht genau erklären. Dann waren wiederum Personen miteinander verbunden, wo ich dann schon dachte: dieser Zufall ist etwas an den Haaren herbeigezogen.

Unterm Strich war der Roman auf der einen Seite sicher gut recherchiert und auch erschreckend real. Auf der anderen Seite war er etwas wirr und machte auf mich den Eindruck, als wollte der Autor einem bekannten deutschen Politthriller- Autor nacheifern. Das ist ihm aber leider nicht gelungen.

Fazit: Ich bin ein wenig zweigeteilt, aber lest selbst und macht euch euer eigenes Bild. Für mich hat der Roman leider nicht ganz meine Erwartungen erfüllt.

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Yasemins Kiosk – Zwei Kaffee und eine Leiche – von Christiane Antons

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt  192 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN 978-3-89425-582-4
Kategorie: Krimi
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Nina Gruber, Polizistin, derzeit außer Dienst, bezieht eine Wohnung in einem schönen Mehrfamilienhaus in Bielefeld, nachdem sie bei ihrer Mutter geflüchtet ist. Sie war bei ihrer kranken Mutter wieder eingezogen, damit sie sich um diese kümmern kann, was jedoch in der Praxis einfach nicht funktioniert. Isso!

Ninas Vermieterin Doro ist herzensgut, hat jedoch auch so ihre Probleme. Dann gibt es da noch Yasemin Nowak, astreine Deutsch-Türkin, die den Kiosk im Erdgeschoss betreibt, nebenbei ein bisschen Haare schneidet, Männer datet und ein absolut lebenslustiger Wirbelwind ist. Wäre da nicht der Stalker, der versucht Yasemin das Leben schwerzumachen.

Und als Nina und Yasemin beim Entsorgen des Altpapiers eine Leiche im Altpapiercontainer finden, kennt Yasemin den Toten auch noch. Die Polizei ist damit recht schnell fertig, unsere drei Frauen aber noch lange nicht ….

 

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Dieser Roman ist das Debüt der Autorin Christiane Antons, und hat mir einfach nur von vorne bis hinten Spaß gemacht. Ich hatte darauf gehofft, dass mich hier eine locker-leichte Krimihandlung erwartet, die mich durch die Seiten fliegen lässt und einfach einige entspannte, recht unkomplizierte Lesestunden beschert.

Das hat der relativ kurze Krimi sehr gut geschafft. Die Autorin hat hier sehr sympathische Figuren erschaffen, die mit Herz und „Schnauze“ unterwegs sind, sich nichts gefallen lassen und wirklich mutig sind. Der Verlag wirbt damit, dass es keinen Ermittler gibt, jedoch eine Leiche am Anfang und eine Lösung des Falles am Schluss. Nun, ein bisschen geschummelt ist das ja schon, denn Nina Gruber ist ja eigentlich schon Polizistin. Zwar derzeit nicht im Einsatz, dennoch hat sie natürlich ihre Erfahrungen in petto und ihre Vitamin-B(eziehungen) nutzt sie auch schamlos aus.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass ich einen „Grappa“- Roman von Gabriella Wollenhaupt lese. Der Stil ist doch sehr ähnlich. Ein weibliches Rauhbein, dass ist die dortige Hauptprotagonistin ja auch. Vielleicht kennt und mag die Autorin selbst die „Grappa“ gerne und hat sich ein bisschen inspirieren lassen.

Der Stil ist auf jeden Fall locker und sehr flüssig. Ja, es geht auch mal umgangssprachlich zur Sache, was jedoch in Dialogen völlig in Ordnung und auch lebensecht ist. Der Plot ist gut überlegt und auch wenn es jetzt nicht die Überraschung gab am Ende, waren die Fäden schon gut gesponnen.

Mein Fazit: Ein flotter, spritziger Krimi, der mit tollen weiblichen Figuren als Protagonistinnen echt Freude macht. Empfehle ich gerne weiter.

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© Buchwelten 2018

P.S. Als kleine Anekdote am Rande: Als ich das Cover von der Verlagsseite runterspeicherte nannte sich die Datei ‚Antons….Kiosk…‘. Ich habe bei #grafit nachgefragt, ob denn der Kiosk ursprünglich einem Anton statt einer Yasemin gehören sollte? Nein, das Antons beziehe sich auf die Autorin 😊. Okay, soweit zu denken hatte ich dann nicht geschafft *peinlich*

Soviel neuer Lesestoff, darum …

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… macht „Das schwarze Haus“ von Stephen King / Peter Straub derzeit Pause.

Schon „Der Talisman“ war anfangs sehr zäh, ich habe mich regelrecht durchgebissen. Jetzt, bei der Fortsetzung „Das schwarze Haus“ finde ich es noch viel anstrengender, da es so ganz anders ist als Teil I und sich unheimlich zieht.

Und da ich in der letzten Woche einige Neuerscheinungen / Rezensionsexemplare bekommen habe, die mir „in den Fingern jucken“, habe ich entschieden, diese einzuschieben.

Den Anfang macht ein Buch, das ich bei Amazon als Belegexemplar ausgewählt habe: „Fahrräder für Utrecht“ von Jochen Baier. Darin geht es um Wiedergutmachung von Untaten im 2. Weltkrieg.

Liebe Grüße
Marion ☺

Die Nacht der tausend Lichter von Silke Ziegler

.Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
insgesamt 285 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-89425-488-9
Kategorie: Kriminalroman

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Sina Engel arbeitet als Kommissarin in ihrer Heimatstadt Weinheim an der Bergstraße. Derzeit hat sie es alles andere als leicht. Sie ist hochschwanger und hat kurz vor Bekanntwerden der Schwangerschaft ihren Verlobten und Kollegen Carlo verloren. Nun wird Sina das gemeinsame Kind, das seinen Vater niemals kennenlernen wird, alleine großziehen.

Als hätte Sina mit diesem privaten Umstand nicht genug zu tun, muss sie ihre letzten Arbeitswochen bei knappen 40 Grad Sommerhitze damit zubringen, den „Kerweschlitzer“ aufzuspüren. Ein Mörder hat in den vergangen 2 Jahren auf dem großen Volksfest in Weinheim, genannt „Kerwe“, 2 Frauen brutal abgeschlachtet. Natürlich hat die Bevölkerung Angst, dass dies in diesem Jahr wieder geschieht und Sina will dies zum einen unbedingt verhindern und zum anderen natürlich die Ermittlungen vor ihrem Mutterschutz beenden.

Ihr Vorgesetzter stellt Sina als Unterstützung einen Partner zur Seite, der niemand geringerer ist, als der ehemalige Partner ihres verstorbenen/ermordeten Verlobten. Sina ist natürlich alles andere als begeistert und ob sich die beiden zusammenraufen muss sich wohl zeigen ….

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Es ist nicht der erste Roman der Autorin Silke Ziegler, jedoch der erste den ich von ihr gelesen habe. Da ich eigentlich in diesem Jahr nichts angefordert hatte beim Grafit Verlag, wurde mir der Roman überraschenderweise geschickt und ich hatte den Eindruck, dass ich der Handlung auch folgen könne, wenn ich die Vorgänger nicht kenne.

Mir hat der Roman gut gefallen, er war spannend und hat mich auch gefesselt und ich war sehr flott durch die Geschichte geflogen. Der Verlauf der Handlung war eigentlich nicht absehbar und das Finale ist Silke Ziegler gut gelungen. Für mich hatte es zwar ein wenig von einer gewollten, hochdramatischen Schlussszene eines Films. Aber trotzdem war der Schluss okay.

Ab und an war mir Sina Engel ein bisschen zu jammerig und naiv, auch im Hinblick auf ihre Ermittlungstaktiken, was mir dann nicht so gefiel. Denn sie sollte ja trotz Babybauch und Schwangerschaft als bissige und toughe Kommissarin rüberkommen, die sich nicht in die Quere kommen lassen will.

Ab und an kamen dann auch leicht kitschige Momente zustande, die mir persönlich zu seicht und übertrieben waren. Aber das ist immer Geschmackssache und kann natürlich mit den Hormonen in der Schwangerschaft zusammenhängen :-). Auch wurden viele Hintergrundinformationen zum offenbar sehr schönen Weinheim verbaut, was natürlich dann immer im Zuge einer wörtlichen Rede geschah und manchmal ein bisschen zu viel war, da es wirkte, als wolle die erbrachte Recherche unbedingt untergebracht werden.

Aber dennoch: Ich hatte großes Vergnügen bei der Lektüre und die Autorin hat es gut hinbekommen, bis zum Schluss nicht zu viel preiszugeben. Der Schreibstil ist gut und sauber ausformuliert und die Charaktere waren gut beschrieben und dargestellt.

Mein Fazit: Ein guter Krimi, spannend und brutal auf der einen Seite. Auf der anderen manchmal (für mich) zu seicht und kitschig, was aber anderen gut gefallen mag.

© Buchwelten 2017

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Mehr über die Autorin gibt es auf Ihrer Homepage: Die Autorin Silke Ziegler

oder bei Facebook:  Silke Ziegler (Autorin)