Grappa sieht rosa von Gabriella Wollenhaupt

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
insgesamt 190 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN ISBN 978-3-89425-436-0
Kategorie: Krimi

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Bierstadt steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, als der russische Ex-Agrarminister seinen deutschen Lebensgefährten ehelichen will. Dieses Ereignis wirbelt nicht nur die örtliche Schwulenszene auf und natürlich soll Grappas „Blatt“ darüber berichten.

Doch damit nicht genug Aufregung in Bierstadt. Der umstrittene Journalist Felix Mohr wird brutal ermordet aufgefunden. Mohr war bekannt für seine bissigen schwulenfeindlichen Artikel und es finden sich in seiner Wohnung Hinweise, dass er von einem Anschlag auf die geplante Hochzeit wusste. Als Maria Grappa erfährt, dass Mohr selbst schwul war, ist sie natürlich überrascht.

Grappa lässt sich in die Schwulenszene Bierstadts einschleusen und erfährt erstaunliches. Natürlich beginnt Grappa der Sache auf den Grund zu gehen und die Ermittlungen gehen Hand in Hand mit ihrem Lebensgefährten Kleist, der bekanntlich als Kommissar tätig ist …

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Dies ist der 24. Grappa-Roman, für mich selbst der zweite. Ich habe bislang nur „Grappa und die Toten vom See“ gelesen, der mir sehr gut gefallen hat.

Nun habe ich bereits bekannte Personen wiedergetroffen und auch dieser Roman hat mir wieder Spaß gemacht. Zunächst dachte ich, dass in dem Krimi alle Homosexuelle als brave, weichliche und weiblich angehauchte Tucken dargestellt werden, was mir überhaupt nicht gefiel. Denn ich kenne selbst schwule Männer, die männlicher sind als so mancher Hetero. Doch diese Darstellung hat sich nicht fortgeführt. Vielmehr war das Gegenteil der Fall. Und darum hat mich dann auch die Darstellung der schwulen Szene und der homosexuellen Personen eher überzeugt. Es wurden im Laufe der Handlung gute und kritische Hintergründe aufgezeigt und behandelt.

Grappa selbst lebt weiter mit ihrem humorvollen, schlagfertigen und sehr angenehm, unkomplizierten Charakter. Sie zu begleiten macht wirklich Spaß. Die Dialoge sind oft witzig, jedoch auch mal gefühlvoll. Die Geschichte liest sich wieder sehr flott und rasant.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen kurzweiligen und rasanten neuen Grappa-Fall. Leser, die einen Krimifall gerne mit flotten Dialogen und schlagfertigen Charakteren kombiniert sehen, kommen hier auf ihre Kosten.

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© Buchwelten 2014

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winterfest von Jørn Lier Horst (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im grafit Verlag
346 Seiten
Preis: 22,99  €
ISBN 978-3-89425-669-2
Kategorie: Kriminalroman

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In Norwegen steht der Herbst vor der Tür und die Ferienhäuser direkt am Meer sind größtenteils bereits winterfest gemacht.

Dies nutzt eine Einbrecherbande aus, und räumt mehrere Hütten leer. Teure Gegenstände wie Fernseher, Stereoanlagen o.ä. nehmen die Räuber auf ihren Zügen mit sich.

Als ein Bewohner in einer Nachbarhütte eine übel zugerichtete Leiche entdeckt, tritt Kommissar William Wistig auf den Plan. Er ist einer der ersten am Tatort, kann allerdings nicht viel tun, da die Spurensicherung noch mitten in ihrer Arbeit ist. Als er vom Tatort zurück nach Hause fährt, wird er überfallen und sein Auto geraubt.

Im Laufe der Ermittlungsarbeit stößt Wisting auf die Erkenntnis, dass der PKW seiner Tochter zur Mordnacht in Richtung der Feriensiedlung unterwegs war. Sie arbeitet als Journalistin und Wisting kann sich nicht erklären, wie seine Tochter in den Fall verwickelt sein könnte.

Als ihm seine Tochter mitteilt, dass sie für eine Weile in der familieneigenen Ferienhütte wohnen will ist Wisting nicht wirklich begeistert. Die Gegend ist unsicher, die geerbte Hütte befindet sich in genau der Feriensiedlung, in der der Mord und die Überfälle geschehen sind. Doch Line (seine Tochter) lässt sich nicht beirren. Sie will nach der Trennung ihres Freundes dort wieder zu sich selber finden, sich sammeln, ausspannen und schreiben.

Auch das immer mehr tote, schwarze Vögel vom Himmel fallen verunsichert Line nicht.

Doch Wisting hat nun zusätzlich zur schweren,umfangreichen Ermittlungsarbeit ein weiteres Problem: Die Sorge um seine eigene Tochter …

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Jørn Lier Horst veröffentlichte den ersten Krimi um seinen Kommissar William Wisting bereits im Jahre 2004. Für mich ist es der erste Roman des Autors, doch dies hatte für auf das Verständnis der Handlung keinen negativen Einfluss.

Es gab sicherlich viele Namen von Kollegen, die Leser der vorherigen Bücher besser verstanden haben, doch folgen konnte auch ich. Auch wenn es bei den norwegischen Namen nicht immer ganz einfach war.

Da Jørn Lier Horst selber als leitender Ermittler bei der norwegischen Polizei arbeitet schafft der Autor es, diese Arbeit sehr professionell und real rüberzubringen. Er ist sehr gut auf die verschiedenen Methoden der Polizei eingegangen und bei dieser Arbeit dabeizusein hat mir gut gefallen.

Ich muss aber sagen, auch Autoren die selber keine Polizisten sind, können diese Arbeiten sehr gut beschreiben (siehe Horst Eckert!).

Was mir an dem Protagonisten William Wisting sehr gut gefallen hat war, dass er ein ganz normaler Mann war. Er ist kein schöner Machotyp, der im Anzug versucht junge Kolleginnen anzumachen oder Kollegen auszustechen. Er ist auch kein verklemmter, verkorkster Einzelgänger, der ein Alkohol oder Tablettenproblem hat.

Nein! Er ist einfach ein Ermittler, der seinen Job gerne macht, der eine erwachsene Tochter hat und der in einer Beziehung zu einer gleichaltrigen Frau lebt, mit der er sich abends bei einem Glas Wein einfach gut unterhält und zum Beispiel über ihre Träume spricht. Er hört auf sein inneres Gespür, arbeitet ehrlich und gerne mit seinen Kollegen zusammen. Das hat ihn mir sehr sympathisch gemacht. Denn diese anderen „typischen“ Ermittler, die ich oben erwähnt habe, sind ja eigentlich eher die Regel mittlerweile.

Die Handlung ist kompliziert, verstrickt und hochinteressant. Wie verschiedene Ereignisse ineinandergreifen und die Puzzleteile nach und nach ineinander fallen ist stimmig und gut ausgearbeitet.

Das Mysterium um die toten Vögel zieht sich durch die gesamte Handlung und die Auflösung ist nicht abgedreht, sondern logisch und gut.

Der Schreibstil ist angenehm, die Ausdrucksweise nicht flach, sondern gehoben und die Stimmung des herbstlichen Norwegen hat der Autor wunderbar eingefangen. Auch die Beschreibung der Metropole des Nachbarlandes hat mich angesprochen, er sieht schöne Dinge und beschreibt auch negatives sehr einfühlsam.

Das Buch präsentiert der Verlag in einer gebundenen Ausgabe, mit einem Cover das anspricht. Der Betrachter schaut durch ein zerbrochenes Fenster einer Ferienhütte auf das Nachbarhaus. Das Thema des Buches ist durch diesen Einband gut dargestellt und mich spricht er an.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen spannenden, einfühlsamen, ruhigen, stimmigen aber dennoch verzwickten und komplizierten Kriminalroman. Er wirkt sehr echt durch seine so „normalen“ Charaktere, keine ausgeflippten Sonderlinge, die die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich ziehen. Ein fesselndes Lesevergnügen für gemütliche Leseabende, wenn es draußen dunkler und kälter wird!!

Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

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Die Festung von Horst Eckert (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im grafit Verlag
512 Seiten
Preis: 12,99  €
ISBN 978-3-89425-408-7
Kategorie: Krimi

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Teil 1 – Annas Erbe

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Ein entlassener, vermeintlicher Mörder wird nach Verbüßung seiner Haftstrafe ermordet und auf einer Mülldeponie wird seine Leiche entdeckt. Er hat bis zu seiner Rehabilitation seine Unschuld beteuert und auch direkt nach seiner Entlassung gilt für ihn, dies zu beweisen. Dazu kommt es leider nicht mehr. Karl Thann, leitender Ermittler der Mordkommission steht vor einem Rätsel.

Zwangsläufig führen ihn seine Ermittlungen zurück zu dem Mord an der Frau, weswegen der Getötete damals verurteilt wurde.

Er trifft dabei auf alte Bekannte des Ermordeten und auch die Tochter, der damaligen Toten, diese versucht sogar ihm bei seiner Aufklärung behilflich zu sein.


Thann stößt bei seiner Arbeit auf erheblichen, sogar gefährlichen Widerstand und der kommt ausgerechnet aus den eigenen Reihen, aus dem Apparat der Polizei ….

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Teil 2 – Bittere Delikatessen

Der einflussreiche Delikatessenkönig Fabian wird in seiner Wohnung niedergestochen. Es gibt keine Hinweise auf ein gewaltsames Eindringen. Rasch fällt der Verdacht auf die Stieftochter des Opfers. Eine Schauspielerin, die kurz zuvor einen bösen Streit mit Fabian hatte, als dieser sie bei den Dreharbeiten zu ihrer neuen Serie aufgesucht hat.

Doch zu leicht sieht der ermittelnde Kommissar Engel die Sache nicht. Er ermittelt ausgiebig in der Schauspieler- und Schickeria Szene um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Allerdings hat auch er es nicht leicht. Denn erstens gibt es da den konkurrierenden Kollegen Swoboda, der unbedingt den Sprung in die Mordkommission schaffen will und zweitens ist sein Chef auf einem eigenen Rachefeldzug unterwegs, in den er Engel mit hineinzieht. Dies ist nicht ungefährlich …

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Die beiden ersten Krimis von Horst Eckert haben mir ausgesprochen gut gefallen. Ich finde, der heutige Eckert ist schon erkennbar.

Heute schreibt der Autor viel längere Sätze und ist weit mehr politisch angehaucht, als er es in diesen beiden Romane war. Sie Sätze sind kurz und knapp gehalten aber dennoch ist hier der Schreibstil schon gut. Der Autor hat auch in diesen Krimis seinen Charakteren schon sehr viel Tiefe mitgegeben.

Die Verknüpfungen, Ver- und Entwicklungen sind in beiden Romanen sehr geschickt ausgearbeitet.

Auch wenn seine Ermittler Anfang der 90er noch ohne Handys und Computer ermittelt haben, die Dienstwagen Opel Vectras oder Kadetts waren ;-), mich hat Horst Eckert mit beiden Krimis absolut gefesselt, denn sie beinhalten so ziemlich alles was einen spannenden Kriminalroman ausmacht.

Der zweite Roman hat von der Handlung her grob an den ersten angeknüpft, einige Geschehnisse wurden aufgegriffen, diverse Figuren kamen wieder vor. Mich hatte etwas verwundert, dass im zweiten Teil ein völlig anderer Kommissar am Start war. Im Laufe des Romans gibt es aber einen kleinen Hinweis, warum das so ist. Also hat Horst Eckert von seinen Anfängen an, immer die leitenden Ermittler wechseln lassen. 

Von der Brutalität und/oder den Gewaltszenen kommt der Autor schon fast an Thriller Niveau, hier gibt es schon recht heftige Szenen.

Der zweite Roman wird in zwei Handlungssträngen erzählt, da es ja anfangs zwei Ermittler gibt, die in unterschiedlichen Kommissariaten an irgendwie dem gleichen Fall ermitteln. Nachher verbinden sich die Handlungsstränge.

Die Festung“ (hier handelt es sich einfach um die Bezeichnung des Polizeipräsidiums) präsentiert der grafit Verlag in einem Taschenbuch, mit einem ansprechenden Cover und angenehmer Seitengestaltung. Auch wenn die Schrift relativ klein ist, die kurzen Kapitel erleichtern das Lesen und haben mich nur so durch beide Romane „fliegen“ lassen.

Alle regelmässigen Leser von Horst Eckers Krimis wissen, dass seine Romane immer in Düsseldorf handeln. Hier wurde der Name der Stadt jedoch nicht erwähnt. Aber gewisse Beschreibungen und Hinweise haben sehr wohl darauf hingedeutet. Ausserdem fiel mir och auf, dass Horst Eckert (oder war es damals noch) offensichtlichein großer Jazzliebhaber ist. Auf diesem musikalischen Einfluss hat er in beiden Romanen nicht verzichtet.

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Mein Fazit: Die ersten beiden Eckerts neu aufgelegt, sorgen für ein spannendes, fesselndes Lesevergnügen. Auch wenn der Autor seinerzeit noch nicht soviel an aktuellen (auch internationalen) politischen Ereignissen hat einfließen lassen, haben diese zwei Krimis alles zu bieten, was wir Leser von diesem Genre erwarten!

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Einige Worte von Horst Eckert zur „Festung“ kann man sich in der RP-Online ansehen/anhören
(ein bisschen runterscrollen, dann kommt nach dem Text noch ein Video):   … klick …

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

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Tödliche Fortsetzung von Marc-Oliver Bischoff (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im grafit Verlag
352 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-89425-398-1
Kategorie: Kriminalroman

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Martin Kanther ist Schriftsteller. Zumindest war er mal einer, einen Bestseller hat er geschrieben und damit viel Geld verdient. Bekannt war er auch in seiner Heimatstadt Frankfurt. Er war der Autor, der sogar kurzzeitig unter Mordverdacht stand. Denn in seinem Thriller hatte Kanther Morde beschrieben, die ein realer Serienmörder zu dieser Zeit an Prostituierten verübte.

Kanther konnten die Taten nicht nachgewiesen werden, der Mörder wurde nie gefasst.

20 Jahre ist das her und Kanther schaltet seinen Arbeitscomputer eigentlich nur noch aus Gewohnheit an. Der Cursor blinkt Tag für Tag einsam auf einer leeren Seite. Geschrieben hat der Schriftsteller seither nichts mehr. Er schafft es einfach nicht, sich eine neue Geschichte auszudenken.

Er säuft, lange schon und er lässt sich gehen. Lebt in seiner Altbau-Eigentumswohnung vor sich hin, hat kaum noch Geld, die Tantiemen aus dem Bucherlös gehen zur Neige. Damals hatte Kanther den Mordverdacht ausgenutzt und durch die Teilnahme an Talkshows auf sich aufmerksam gemacht, das trieb die Verkaufszahlen in die Höhe. Hätte er damals nicht wenigstens die Wohnung gekauft, wäre er inzwischen sicher auch noch obdachlos. Eine ganze Weile hat er sich mit Schreibseminaren über Wasser gehalten, hat Möchte-Gern-Autoren gute Tipps gegeben, wie man aus Ideen einen brauchbaren Text baut.

Doch auch das hat er mittlerweile aufgegeben, nicht einmal dazu hat er mehr Lust.

Als ihn überraschender Weise eine Email erreicht, in der ein Fan und offensichtlicher Nachwuchsautor um seine Mithilfe bittet, empfindet der Schriftsteller doch tatsächlich so etwas wie Euphorie. Der Schreiber des Manuskripts bittet ihn sein Werk gegenzulesen und zu redigieren. Kanther müsste dazu nicht einmal das Haus verlassen, er würde das Manuskript Kapitelweise per Email erhalten und eine entsprechende Entlohnung für seine Arbeit verspricht ihm der Unbekannte ebenso.

Als Kanther die ersten Seiten des Manuskriptes liest staunt er nicht schlecht, als er merkt, dass der unbekannte Autor eine Fortsetzung zu seinem eigenen Bestseller „Drachentöter“ geschrieben hat. Er knüpft nahtlos an seine eigene Handlung an und plötzlich werden auch in Frankfurt wieder ermordete Prostituierte aufgefunden.

Was geht da vor? Wird er nun erneut verdächtigt werden? Als einige Tage nach den ersten Morden die Frankfurter Polizei vor seiner Tür steht, scheinen sich die Ereignisse von vor 20 Jahren tatsächlich zu wiederholen. Ja, Kanther hat durch seine extreme Trinkerei immer öfter Black Outs. Aber einen Mord begehen …

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Die kurze Inhaltsangabe klingt viel versprechend und enttäuscht hat mich der Krimi auch nicht. Für mich war die Handlung jedoch eher Durchschnitt und nichts besonders außergewöhnliches.

Die Ermittlerin ist keine einfache Kommissarin, sondern Polizeipsychologin. An ihre Seite bekommt sie einen neuen Partner. Einen arroganten, gut aussehenden Ermittler. Die kleinen Seitenhiebe und Boshaftigkeiten innerhalb der Ermittlerpaare gibt es auch fast in jedem Krimi zu erleben. Einiges andere ist auch absolut Krimitypisch, erzähle ich aber nicht, aufgrund evtl. Spoilergefahren

Der Autor wechselt innerhalb unterschiedlicher Handlungsstränge. Mal wechselt er kurzzeitig in die Vergangenheit, dann erzählt er aus Ermittlersicht und dann wieder aus der Sicht des Schriftstellers. Langeweile kam für mich während des Lesens keine auf.

Einige Szenen hat Marc-Oliver Bischoff schon recht krass beschrieben, vor allem wenn Kinder dabei eine Rolle spielen, kann das schon mitnehmen.

Das Ende war für mich auch nicht überraschend aber gefallen hat es mir dennoch, der kleine Epilog war ein guter absoluter Schluss.

Was mir an „Tödliche Fortsetzung“ allerdings sehr gut gefallen hat, war der Schreibstil des Autors. Der war im Gegenteil zur eher alt bekannten Krimi Handlung gut und gehoben. Bei Bischoff lebt sein saufender Protagonist z.B. nicht einfach nur in einer verwahrlosten Wohnung, sondern in einer „deren Stuckverzierung durch jahrelanges Nikotin bräunlich verfärbt sind“. Er hat sehr viel in dieser ausführlichen Art der Umgebung geschrieben, die gut gelungen ist.

Seine Protagonistin war mir nicht unsympathisch, doch so richtig ans Herz gewachsen ist sie mir nicht. Sie war vielleicht ein bisschen zu übertrieben die „toughe“ Powerermittlerin, die nichts an sich heranlässt.

Das Cover ist im klassischen grafit Taschenbuch Design, das mir immer gut gefällt und der Neon-Schriftzug passt zum Buch.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für einen guten Krimi der aber nichts wirklich Neues an Handlung aufweist. Jedoch bereitet der gute Schreibstil des Autors Spaß und es kommt keine Langeweile auf.

Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Neben der Spur von Ella Theiss (3,5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Grafit Verlag
256 Seiten
Preis: 8,99 €
ISBN:  978-3-89425-402-5

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Karo Rosenkranz ist eine junge Journalistin, die bei einem Lokalblatt arbeitet und ihr wird die Berichterstattung über den 100sten Geburtstag des Senior Chefs der Biosuppenfirma Hepp, Hermann Hepp, übertragen. Klingt nicht besonders aufregend, doch da Karo als freie Mitarbeiterin arbeitet, ist sie natürlich finanziell auf jeden Artikel angewiesen und macht sich auf den Weg.

Als sie am Stammsitz der Firma Hepp ankommt, erwartet sie ein Aufgebot an Polizei, Rettungswagen und ein komplett abgesperrtes Firmengelände. Durch einen kleinen Trick, vermischt mit weiblichem Charme gelingt es Karo doch auf das Betriebsgelände zu gelangen. Nun wird es spannend, denn dort ist ein Sprengsatz explodiert, zu Schaden kamen allerdings nur eine Anzahl von Suppenhühnern. Hühner in einer vegetarischen Biosuppenfirma? Wie passt denn das zusammen fragt sich Karo und ihre Neugierde ist geweckt. Durch den ganzen Trubel auf dem Gelände gelingt es Karo sich in das Wohnhaus zu schleichen und dort kurz auf den Senior zu treffen. Der liegt dösend im Bett und faselt von Kriegserlebnissen.

Zu Hause angekommen recherchiert Karo im Internet über die Firma Hepp, besonders über den 100-jährigen Hermann (denn der soll angeblich nie im Krieg gewesen sein). Dabei stolpert sie eher zufällig über eine Stellenausschreibung. Gesucht wird eine Medienvertreterin und Karo bewirbt sich, eigentlich zum Spaß. Denkt sich, dass es sicher mehr zu erfahren gibt, wenn sie intern im Konzern arbeiten kann und das Gehalt kann sie auch gut gebrauchen.
Sie bekommt die Stelle und ist somit für ihre Recherchearbeiten über die Ungereimtheiten des alten Hepp an der Quelle und erfährt noch einiges mehr. Nämlich das der junge Valentin Hepp, der Firmenerbe des Konzerns, angeblich verreist ist, dieser aber dennoch unter Verdacht steht, den Anschlag angezettelt zu haben. Denn Valentin ist ein überzeugter Tierschützer.

Karo wittert natürlich eine tolle Story, steckt ihre neugierige Nase in so ziemlich jede Ecke des Betriebs und auch als es plötzlich beginnt gefährlich zu werden, sieht sie dies nicht … oder will es nicht sehen …

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Ein locker, flockiger Krimi ist „Neben der Spur“. Der Schreibstil von Ella Theiss ist sehr umgangssprachlich, frech und hat mich eher an Frauenromane á la Hera Lind erinnert. Dies ist eigentlich nicht wirklich mein Fall, denn ist lese eigentlich eher lieber gehobene und anspruchsvollere Schreibstile. Doch die Handlung des Romans war recht interessant gestrickt und die Hintergründe, die im Laufe der Geschichte zu Tage rückten, haben dies dann wieder wettgemacht.

Die Einblicke in einen Lebensmittelkonzern und die Herstellung von Suppenwürze waren gut und auch fundiert beschrieben. Die Protagonistin Karo war jung, frech aber dennoch schlau und sehr aufmerksam. Wie sie mit dem alten Hepp umgegangen ist, war mir sehr sympathisch. Dessen Figur war übrigens auch sehr nett und gut ausgearbeitet.

Was die kriminalistische Handlung des Romans angeht, war diese eher einfach gestrickt und nicht besonders anspruchsvoll. Dennoch hat der Roman ein amüsantes, flottes Lesevergnügen bereitet.

Das Erscheinungsbild des Werkes ist im typischen, schlichten Stil der Taschenbücher des Grafit-Verlages gehalten, den ich mag. Kapitel gibt es eigentlich nicht, dafür mehrere Teile die in sich mit Absätzen unterteilt sind, sodass Lesepausen problemlos möglich waren, ohne aus der Handlung zu rutschen.

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Mein Fazit: 3,5 von 5 Sternen für diesen netten, einfachen Krimi. Nicht schwierig und eher in umgangssprachlichem Text geschrieben. Eine angenehme Sommerlektüre, die nicht zuviel an Anspruch abverlangt.

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Ich danke dem Grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Bücherneuzugänge im März …

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Diese 6 Bücher sind alles Schnäppchen vom Sonderpostentisch im KODI, ausgesucht einzing und allein auf Grund der Klappentexte. Die Autoren sagen mir – bis auf Harlen Coban – alle gar nichts. Was ja nichts heißt, ich lasse mich überraschen. Der Klappentext vom Buch unten rechts „Ich habe gesündigt“ beschreibt einen „Kruzifx-Killer“, den es ja nun bereits von Chris Carter gibt. Doch ich dachte mir, dass ich einfach mal unvoreingenommen bin:

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Auch diese zwei Bücher vom „Grabbeltisch“, diesmal im REAL 🙂 und auch diese zwei TB habe ich nur auf Grund der Inhaltsangaben in den Einkaufwagen gelegt:

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Ganz bewusst bestellt und zwar gleich nachdem ich „Mein Böses Herz“ von Wulf Dorn beendet hatte. Dies war mein erstes Buch von ihm und es hat mir so gut gefallen, dass ich „Trigger“ haben wollte …

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Und hier noch zwei Rezensionsexemplare. Die anderen, die ich schon rezensiert habe, lasse ich weg, die sind ja auch kein SUB mehr ;-). „Sommerfalle“ lese ich gerade und es gefällt mir bisher gut. Es ist aus dem Erstprogramm des neuen PIPER-Imprint „IVI“:

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Liebe Grüsse

Marion

Die Veschwundenen von Marko Kilpi (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im
grafit – Verlag
335 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89425-666-1

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Olli Repo arbeitet als Streifenpolizist/Ausbildungsbetreuer und betreut junge Polizeianwärter. Er selber ist als ehemaliger Werbefachmann spät zur Polizei gekommen und geht voll in diesem Beruf auf. Der Streifendienst genügt ihm vollends, er hat nicht die Ambitionen ins Kriminalkommisariat aufzusteigen. Der direkte Umgang mit den Menschen in akuten, oft extremen Situationen, das Wissen zu helfen und Gutes zu tun, füllen ihn voll aus.
Dies hat leider schlechte Auswirkungen auf seine Ehe, diese scheint zu zerbrechen. Seine Frau trennt sich von ihm, sie sagt, Olli ziehe sich immer mehr in sich selber zurück und sei nicht fähig zu lieben.

Mit seinem derzeitigen Anwärter und Streifenbegleiter Heikki hat Olli ein schweres Los gezogen. Heikki ist sehr gewaltbereit und scheint nur bei der Polizei arbeiten zu wollen um dies ausnutzen zu können. Als sie in einer Garage einen Sexualstraftäter stellen, der auf abartigste Weise Teenager bei seinem Lustgewinn zusehen lässt, schlägt und tritt Heikki den Täter zusammen, was natürlich Folgen hat.

Dann verschwindet in etwa zur gleichen Zeit der B-Promi Sami spurlos aus der elterlichen Ferienhütte. Sami hat nach seinem vorzeitigen Rauswurf aus dem Big Brother Container dort mit seinem Bruder feiern wollen. Als er kurz die Hütte verlässt um sich zu erleichtern, kehrt er nicht zurück. Er ist spurlos veschwunden. Betrunken ist er nicht, Drogen hat er ebenfalls keine genommen, was ist geschehen … ?

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Die Verschwunden ist der zweite Roman von Marko Kilpi, sein Debüt Erfrorene Rosen, habe ich (leider) nicht gelesen, denn auf den Autor bin ich kürzlich zufällig durch den Newsletter des grafit-Verlags gestossen. Dem Verständnis der Handlung zu diesem Roman tat dies allerdings keinen Abbruch.
Ich habe gleich einen sehr guten Einstieg in das Buch gefunden, denn die Charaktere wurden gut beschrieben und mir nahe gebracht. Der Protagonist Olli war mir gleich sehr sympathisch. Dies lag nicht nur an seiner Arbeit, sondern auch daran, dass kein zu grosses Aufhebens um sein privates Leben gemacht wird. Er trinkt nicht,  hat kein Medikamentenproblem, er hat keine chronischen Schlafstörungen.
Nur seine Ehe geht leider in die Brüche. Dies wird auch immer wieder aufgegriffen aber nicht unnötig in die Länge gezogen.

Was mir an diesem Krimi sehr gut gefallen hat ist, dass die Hauptperson mal kein Kommissar ist, sondern einfach nur ein Streifenpolizist. Dennoch ermittelt er an den Fällen mit, da er gute (platonische) Kontakte zu der Ermittlerin Boman pflegt und sie auf seine Meinung und sein Bauchgefühl grossen Wert legt. Es wird Hand in Hand gearbeitet, ungeachtet der eigentlichen Hirarchien.

Der Spannungsbogen war gut gehalten, die Verfolgungsjagden haben mir u.a. richtig Spass gemacht. Sie waren sehr real und rasant beschrieben und die Arbeitsweisen der Polizei waren interessant zu lesen (z.B. das Auswerfen von Nagelteppichen in der allerletzten Sekunde).

Kilpi hat auch die übrigen Charaktere gut ausgearbeitet. Sei es Ollis Vorgesetzter Tolonen, der in seinem Inneren gar nicht so der harte Kerl  ist, der von ihm als Ermittlungsleiter erwartet wird oder auch die Täter.
Was bewegt Menschen, derart böse Dinge zu tun? Was gibt den Anlass, dass sie sich auf derart schreckliche Art und Weise in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit schieben wollen/müssen? Auf diese Dinge geht der Autor ein und schildert sie sehr gut.

Das Trash-TV schneidet bei Marko Kilpi gar nicht gut ab, produziert es doch reihenweise angebliche Superstars und Sternchen, die als Vorbilder gelten, obwohl sie eigentlich nichts anderes tun als Mist von sich preiszugeben oder vor den Kameras dummes Zeug zu reden. Diese Einstellung fand ich sehr interessant. Ebenso geht er darauf ein, wie sich (oft auch sehr junge) Menschen im Internet hinter falschen Identitäten verstecken um sich aufzuplustern und Anerkennung zu finden.

Zum Anlaß für diesen Roman hat der Autor die Amokläufe an finnischen Schulen genommen und versucht dem „Warum“ auf den Grund zu kommen. Dies ist ihm sehr gut gelungen und ich hatte ein absolutes Lesevergnügen.

Das Ende hat mir auch sehr zugesagt. Immer wenn ich dachte, dass müsste es nun gewesen sein und es nähert sich nun ruhig und beschaulich dem Ende, wurde ich eines besseren belehrt. Immer wieder ging es noch weiter und es geschahen unvorhergesehene Dinge.

Das Buch präsentiert der grafit-Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Schutzumschlag. Das Cover ist in dezenten Farben gewählt, wass genau es darstellen soll, ist nicht erkennbar, machte mir persönlich aber nichts aus :-). Der Klappentext ist ordentlich im Blocksatz dargestellt, verrät nicht zuviel und macht neugierig.

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Mein Fazit: Ich vergebe die volle Punktzahl 5 von 5 Sternen für dieser Krimi mit einem Ermittler, der keiner ist. Spannend und fesselnd geschrieben und mit einem Hintergrund, der nachdenklich macht.

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Ich danke dem grafit-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011