Geschichten hinter der Liebe von Gigi Louisoder

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Gigi

Erschienen als Taschenbuch
im Edition Paashaas Verlag EPV
insgesamt 160 Seiten
Preis:  9,90  €
ISBN: 978-3945725436
Kategorie: Kurzgeschichten Liebe/Erotik

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Zunächst vorab: Nein, ich mag keine Kurzgeschichten, aber genau solchen Lesern empfiehlt Gigi Louisoder ja diesen Kurzgeschichtenband auf ihrem Buchrücken. Von daher musste ich zugreifen.

Nein, der wahre Grund ist, dass ich Gigi Louisoder mittlerweile mehrmals auf der Mülheimer Lesebühne gesehen habe, wo sie aus ihren Werken vorlas, und sie mich einfach total begeistert hat.

Gigi Louisoder kann sehr gut vortragen, bringt ihre Texte mit einer tollen Betonung, Mimik und in einer ganz tollen Stimmung rüber. Darum konnte ich nicht anders, als mir einen Band zu kaufen.

Bei diesen Geschichten geht es um die „Geschichten hinter der Liebe“ oder vielleicht besser gesagt, nach der Liebe oder sogar um Sex ohne die Liebe? Wie auch immer, die Autorin beschreibt in einem tollen, immer leicht bösartigen (aber stets mit einem Lächeln im Mundwinkel) Schreibstil, wie die Liebe den Bach runter gehen kann und solche Beziehungen dann enden können. Und dies im Wechsel aus Sicht eines Mannes oder einer Frau.

Gigi Louisoder nimmt in ihren Texten niemals ein Blatt vor dem Mund, schreckt nicht annähernd vor der Beschreibung von sexuellen Praktiken zurück. Sie schreibt einfach wie es ist und das macht sie sehr gut.

Zwei Texte heben sich für mich aus allen anderen hervor. In einer Geschichte geht es um den Besuch einer Mutter bei ihrem Sohn, genau diesen Vortrag habe ich live erlebt, und in der zweiten spricht eine Mutter zu ihrem (zunächst ungeborenen) Kind. Letztere ist für mich die beste Story des gesamten Bandes. Sie rührt sehr an und verursachte mir einen Kloß im Hals.

Die übrigen Geschichten sind humorvoll, bösartig, kurzweilig und amüsant. Mir persönlich sind diese Beziehungsgeschichten allerdings immer ein bisschen zu negativ behaftet, lediglich eine einzige Geschichte erfährt dann doch noch eine gute Wendung 😉

Dennoch bin ich sehr angetan von diesem Band, denn er zeigt mir schließlich, dass ich glücklicherweise keine dieser beschriebenen Beziehungen führe und auch nicht vorhabe, meine in eine solche abdriften zu lassen.

Natürlich bin ich auch in der Lage, die Kurzgeschichten mit dem zwinkernden Auge der Autorin zu lesen und zu verstehen.


Von daher als Fazit: Tolle Kurzgeschichten, richtig gut geschrieben und absolut empfehlenswert. Und wer die Möglichkeit hat, die Autorin auf einer Lesung zu erleben, sollte unbedingt hingehen! Es lohnt sich.

© Buchwelten 2016

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Die Kirche der toten Mädchen von Stephen Dobyns

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Die Kiche der toten Mädchen
Erschienen als Taschenbuch
im fischer Verlag
462 Seiten
ISBN: 9783596144044

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Aurelius, die typische amerikanische Kleinstadt erlebt einen Schock, als die 14-jährige Shannon, Tochter des örtlichen Arztes, spurlos verschwindet. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Ermittler von außerhalb werden hinzugezogen, doch wirklich weiter kommen auch diese mit ihren Nachforschungen nicht.

Natürlich richtet sich der Verdacht der Bewohner zunächst auf die Menschen, die von außerhalb kommen. Z.B. der aus Algerien stammende Lehrer Houari Chihani, der mit seiner Einstellung zum Marxismus eine Reihe von Teenagern in einer Lese- und Diskussionsgruppe versammelt und daher schon nicht gern gesehen wird.

Plötzlich verschwindet das zweite Mädchen, sie musste an Halloween nur einige Häuser weiter nach Hause und kam dort nie an. Leider sind die dramatischen Ereignisse noch nicht vorbei. Denn nicht nur ein drittes Mädchen verschwindet, es gibt weitere Todesfälle, die die gesamte Stadt in Angst und Schrecken versetzen.

Jeder scheint auf einmal verdächtig zu sein. Der nette Nachbar mit seinem Spaniel genauso wie der immer freundliche Biologielehrer …. Jugendliche genauso wie Erwachsene …

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Jahrelang hat mich der Roman von Stephen Dobyns in unserer Bibliothek Abend für Abend „angelacht“. Nun habe ich ihn endlich zur Hand genommen und verschlungen.

Wer hier einen rasanten, modernen Hightechthriller (á la Chris Carter o.a.) erwartet, der wird enttäuscht sein und sich oftmals über viele Seiten hinweg sogar langweilen. Wer jedoch gerne tiefgründige, weit in die menschliche Psyche blickende, ruhige und stimmungsvolle Thriller mag, die fesseln und zum Nachdenken anregen, der ist hier gewiss richtig.

Dobyns lässt sich sehr viel Zeit mit der Beschreibung seiner Charaktere, stellt jeden ausführlich vor, holt weit aus und lässt uns die Figuren tatsächlich kennenlernen. Sicher mag das für viele langatmig wirken und ungeduldig werden lassen. Mir hat es sehr gut gefallen. Er hat eine gute Stimmung erschaffen, hat mich in die Handlung eintauchen lassen und durch die ausführliche Erzählweise sehr gute Hintergrundinformationen geliefert.

Erzählt wird die Geschichte von einem sehr netten Biologielehrer, der natürlich – wie eigentlich fast jeder Bewohner von Aurelius – so seine Geheimnisse hat.

Ich finde den Roman nicht gruselig oder mystisch. Ich empfand ihn als fesselnd und als sehr durchdacht. Der Autor legt viele Fährten, denen der Leser natürlich versucht nachzugehen und teilweise auch erliegt.

Der Schreibstil ist sehr gehoben, der Autor schreibt ausdrucksstark und bildhaft, sodass ich als Leserin wirklich mitten im Geschehen war und es nicht erwarten konnte, weiterzulesen. Es gab sicherlich auch krasse, heftige und blutige Szenen, die ich aber nicht als blutrünstig empfunden habe. Mich hat der Roman in etwa an eine Mischung aus „Ein plötzlicher Todesfall“ von J.K. Rowling und „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ von Reginhald Hill erinnert, wenn ich den Versuch wagen sollte, Vergleiche zu tätigen. In unserer Bibliothek befindet sich ein weiterer Roman von Stephen Dobyns „Der Junge im Pool“, den ich ganz bestimmt auch lesen werde.

Mein Fazit: Volle Punktzahl für einen sehr tiefgründigen, in die menschliche Psyche leuchtenden Thriller, der zwar ruhig, aber dennoch fesselnd und absolut stimmungsvoll geschrieben ist.

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Meine Rezension bezieht sich auf die gebundene Originalausgabe, erschienen 1998 im Wolfgang Krüger Verlag.

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© Buchwelten 2014

Lost Land – Der Aufbruch (II) von Jonathan Maberry

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Thienemann Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-522-20176-6
Kategorie: Jugendbuch

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Benny Imura ist bei seinem großen Bruder Tom in die Lehre gegangen und bekommt alles beigebracht, um ein guter Zombiejäger/Zombiebefrieder zu werden. Die Brüder sind sich näher gekommen, Benny hat seinen Hass Tom gegenüber abgelegt und gemeinsam mit Nix und Lilah (DEM verlorenen Mädchen) bereiten sie sich gemeinsam auf den Aufbruch vor.

Sie werden die Sicherheit des Ortes Mountainside hinter sich lassen und durch das Leichenland wandern, um sich auf die Suche nach dem Jet zu begeben, den sie alle am Himmel gesehen haben. Sie werden nicht nur besagte Sicherheit hinter sich lassen, sondern auch ihre Freunde. Nix kann es kaum erwarten, sie hält nichts mehr in der Stadt, in der sie zuletzt ihre geliebte Mutter verloren hat.

Doch bereits kurz nach dem Aufbruch wird die Gruppe auf harte Proben gestellt. Benny, Nix und Chong, Bennys bester Freund, der eigentlich nur für eine Nacht mitgeht, um sich den Abschied zu erleichtern, werden von den grausamen Kopfgeldjägern gefangen genommen, die ein neues Gameland im Leichenland errichtet haben. Dort sollen die Jugendlichen in Zombiegruben wie Gladiatoren gegen die Untoten kämpfen.

Alte Weggefährten, auf die Tom und seine Begleiter im Leichenland gebaut haben, sind verschwunden, fielen den Untoten zum Opfer und die Gruppe muss all ihr erlerntes Kriegerpotential anwenden, um mit dem Leben davon zu kommen ….

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Jonathan Maberry knüpft in seiner Handlung nahtlos an den ersten Teil seiner Lost Land Reihe an. Sofort fühlte ich mich in der Handlung wieder zu Hause, waren mir die bekannten Charaktere vertraut. Benny und seine Freunde sind innerhalb der letzten Monate gereift, wirken erwachsener, überlegter, auch wenn sie sich natürlich immer noch wie Teenager benehmen können, wenn sie „dürfen“. Trotz aller Gefahren und Kämpfe lachen und albern sie gemeinsam herum, machen sich Gedanken über die Gefühle einer ersten Liebe, mit allen Höhen und Tiefen.

Auch hier in diesem zweiten Teil geht es wieder um die Menschlichkeit, die Handlung beschreibt nicht nur ein wildes Untotengemetzel, sondern zeigt immer wieder auf, dass es sich bei den umherwandernden Wesen einst um Menschen aus Fleisch und Blut gehandelt hat. Die Gruppe empfindet oft Mitleid mit den Wesen, die sie endgültig ausschalten müssen, um ihr eigenes Leben zu retten.

Die Gespräche der Jugendlichen untereinander oder zwischen Tom und seinem Bruder sind sehr tiefgründig. Der Schreibstil ist erneut sehr gehoben und hat mich angesprochen. Ich habe die Landschaften vor meinem geistigen Auge gesehen, war bei der Geschichte dabei. Der Autor beschreibt zum Beispiel einen Blick von Benny und Nix auf ein abgebranntes Feld voller Zombieleichen und schafft es dennoch, diesem Anblick etwas schönes abzugewinnen, den schrecklichen Anblick des Schauplatzes weichen zu lassen.

Der Spannungsbogen ist gut gespannt und hat mich durch die Handlung fliegen lassen, Langeweile und zähe Momente kamen nicht auf. Dennoch lässt der Autor den Leser bei allem Chaos und zwischen den gefährlichen Momenten auch zur Ruhe kommen.

Ich würde mir nach wie vor keinen Zombiefilm anschauen, weil es mich da zu sehr gruselt, gelesen gefällt mir die Story allerdings sehr gut, auch wenn der Autor gerne ausführlich und genau beschreibt, wie diese Wesen aussehen. Romero Fans werden auf Ihre Kosten kommen!

Der Verlag präsentiert diesen zweiten Teil wieder als gebundene Ausgabe, hat allerdings bei diesem Buch daran gespart, dass das Cover unter dem Schutzumschlag wieder farblich bedruckt ist. Schade eigentlich, denn es gibt sicherlich viele Leser, die die Bücher gerne ohne die schützende Hülle ins Regal stellen. Hier hat der erste Teil eindeutig optisch mehr her gemacht.

Innerhalb der Buchdeckel sind die Kapitel in einer guten Länge aufgeteilt, zu Beginn eines jeden Kapitels ist Stacheldraht zu sehen. Diese kleine Spielerei wurde übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diese gelungene Fortsetzung eines Jugendbuches mit Anspruch, dass sicherlich erneut vielen Erwachsene gefällt. Geschrieben in einem guten, fesselnden Schreibstil, bestückt mit charakterstarken Figuren, liefert die Handlung einen sehr menschlichen, kritischen Blick auf das Verhalten von Menschen, sei es im positiven oder auch negativen Sinne. Und ja, es gibt jede Menge untoter Wesen, die mich aber auch nicht abschrecken, wobei ich Zombies eigentlich gar nicht mag 🙂 Ich freue mich schon jetzt auf den Folgeroman. 

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© Buchwelten 2014

Die Voliere von Marc Oliver Bischoff

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit-Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-89425-420-9
Kategorie: Krimi

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Die Polizeipsychologin Nora Winter hat gerade erst ihren neuen Job angetreten, als schon eine schwerwiegende Aufgabe auf sie zukommt. Frisch von der Mordkommission zum ZPD (Zentraler Polizeipsychologischer Dienst) soll sie drei Schwerverbrecher begutachten, damit diese in das staatliche Programm der Resozialisierung aufgenommen werden.

Nora Winter besucht alle drei Kandidaten in der JVA um sie persönlich kennenzulernen, mit ihnen zu sprechen, bevor Sie ihr Gutachten verfasst (was nicht die Regel ist, viele Gutachten werden erstellt, ohne dass die Personen überhaupt angehört werden).
Winter lernt die unterschiedlichsten Typen Mensch kennen: Einen ehemaligen Lehrer, der zwei junge Schüler entführt, gequält und getötet hat. Einen Naturfreak, dessen erklärtes Ziel der Regenwald ist und der auf Grund dessen, ein berüchtigter Heiratsschwindler ist und zuletzt, den Mann, der so groß ist, wie ein Riese und der Mittäter einer Entführung war, der allerdings heute alles dafür tun möchte, um ja nicht aus der JVA entlassen zu werden.

Keine leichte Aufgabe, denn einerseits sollte jeder Straftäter eine zweite Chance erhalten, zeigen dürfen, dass er bereut und er seine Schuld eingesteht und gewillt ist, sich zu ändern. Aber andererseits hat fast jeder ein verständliches Problem damit, einen brutalen Mörder wieder in die Gesellschaft zu entlassen, ohne Angst zu haben, dass dieser erneut straftätig wird und somit eine Gefahr für die Bürger darstellt.

Die Männer werden entlassen, werden in einem alten Gutshof mitten im Wald einquartiert, wo sie versuchen (sollen) ihren Alltag in Freiheit selber zu organisieren und sich langsam wieder an ein Leben außerhalb der JVA-Mauern zu gewöhnen. Doch die Emotionen der Bewohner des kleinen Dorfes kochen schnell hoch, sie wollen diese Männer in keinem Fall in ihrer Nähe haben. Die Situation eskaliert und Nora Winter ist mittendrin, denn sie hat zu den Männern Vertrauen gefasst und versucht ihnen in ihrer Freizeit gesondert mit Rat und Tat zur Seite zu stehen …

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Entgegen zum ersten Roman des Autors „Tödliche Fortsetzung“, hat mir dieser zweite Roman um die Psychologin Nora Winter, der KEINE Fortsetzung ist, eindeutig besser gefallen.

Für mich war der erste Roman trotz des gehobenen Schreibstils des Autoren eher „nur“ guter Durchschnitt, was die Handlung angeht. Auch die Protagonistin war mir während der gesamten Handlung nicht so 100%ig ans Herz gewachsen.

In diesem Roman hat Marc Oliver Bischoff sich nicht nur ein heikles Thema ausgewählt, er hat auch eine sehr gute, vielschichtige und verwobene Handlung darum gesponnen, die den Spannungsbogen durchgehend hält.

Die Figuren hat er gut und vor allem interessant dargestellt, sowohl die Charaktere und Eigenschaften der Straftäter, als auch die der Dorfbewohner, deren Reaktionen der Leser auf der einen Seite sicher versteht, auf der anderen Seite jedoch nur den Kopf schüttelt. Auch die Figur der Nora Winter ist mit diesem zweiten Teil gewachsen, sie war für mich hier weitaus menschlicher und greifbarer als noch im ersten Roman.

Wie auch in „Tödliche Fortsetzung“ schreckt der Autor vor heftigen, blutigen Szenen nicht zurück. In der Beschreibung derer erreicht er locker Thrillerniveau. Diese Textstellen sind nicht unbedingt etwas für Zartbesaitete Leser.

Das Buch präsentiert der Verlag wieder als Taschenbuch, mit einem schlichten Cover, wie es eigentlich alle grafit-Cover sind. Sie passen zum Thema, sind aber nie reißerisch. Dieser zweite Roman ist um knappe 100 Seiten stärker als der erste Krimi des Autors

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen spannenden, fesselnden Krimi, der ein heikles und sicher schwieriges Thema aufgreift. Er ist ausgefüllt mit guten Charakteren und liefert einen guten Spannungsbogen. Für mich ein gutes Stück besser als der erste Roman des Autors.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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© Buchwelten 2013

Der Libellenfänger von Katja Brandis

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Libellenfänger
Erschienen als Klappenbroschur
im IVI Verlag
368 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-70276-8
Katergorie: Jugendthriller

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Auf den ersten Blick ist die 17-järige Ricky (Ricarda) Mayer ein normaler Teenie, wie ihre übrigen Mitschüler am Arnold Gymnasium auch. Sie ist eine der Moderatorinnen beim Schülerfernsehen nec.tv (das übrigens so professionell ist, dass das Regionalfernsehen die Studioräume ebenso nutzt), sie betreibt als Hobby Taekwondo und die geht am Wochenende mit ihren Freunden und Mitschülern in die Disco. Warum Ricky allerdings bei ihren Großeltern lebt und nicht bei ihrer Mutter, die immerhin in der gleichen Stadt lebt, dass weiß nicht einmal Rickys beste Freundin Kriss.

Ricky hat ihre ersten Lebensjahre im Gefängnis verbracht, in der Mutter-Kind-Abteilung der JVA Aichach, wo ihre Mutter eine Haftstrafe verbüßt hat. Und da Ricky in der Grundschule bereits als „Knastkind“ gehänselt wurde, trägt sie dieses Geheimnis mit sich herum. Ein dunkles Geheimnis kann man es nicht einmal unbedingt nennen, denn Ricky verbindet nunmal ihre Kindheitserinnerungen mit dem Gefängnis und sie hat dort neben einem sehr innigen Verhältnis zu ihrer Mutter auch ansonsten keine schreckliche Zeit verbracht. Ricky hatte Freunde in der JVA, denn es waren mehrere Mütter mit ihren Kindern dort inhaftiert.

Aus dieser Zeit kennt Ricky auch die Russin Valentina, sie ist im Alter ihrer Mutter und ihr Sohn im gleichen wie Ricky selbst. Und auch wenn ihre Mutter nach der Entlassung den Kontakt zu Valentina hat abbrechen lassen, Ricky trifft sie nach wie vor oft und gerne und sie kann diese mütterliche Freundin mit Akzent zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen. Valentina ist immer für sie da und das tut Ricky gut, zumal sie mit ihr über Dinge sprechen kann, die ihre Mutter nicht gewillt ist zu bereden.

An einem normalen Freitag, nach einigen Arbeitsstunden bei nec.tv in der Schule, macht Ricky sich gemeinsam mit einigen Freunden auf den Weg in die Disco. Es wird gelacht und ausgiebig getanzt. Antonia, eine scheue und in sich gekehrte Klassenkameradin, die jedoch auch bei nec.tv moderiert und vor der Kamera ein viel offeneres Wesen zeigt, ist auch dort. Allerdings ist sie in Begleitung eines älteren Jungen, der offensichtlich schon zu studieren scheint. Die Clique munkelt, mehr aber auch nicht. Lediglich Ricky hat Antonia ein wenig intensiver im Blick, denn nachmittags hat sie das Mädchen in der Bibliothek vorgefunden. Antonia blutete an der Hand und flüsterte wirres Zeug vor sich her. Jetzt in der Disco scheint sie wieder gut drauf zu sein, auch sie tanzt ausgelassen neben Antonia auf der Tanzfläche.

Doch plötzlich verkrampft Antonia sich, bricht zusammen und liegt reglos zwischen all den Tanzenden. Der Großteil der Leute steht starr und glotzend da und tut nichts. Aber Ricky reagiert sofort. Sie rüttelt das leblose Mädchen und ruft um Hilfe. Ihr Klassenkamerad Marek, der schräge, durchgeknallte Kameramann mit den blauen Haaren, ist der einzige der reagiert. Gemeinsam tragen die beiden Antonia von der Tanzfläche und beginnen mit der Reanimierung. Herzmassage, Mund-zu-Nase-Beatmung. Sie geben ihr bestes, immer und immer wieder. Endlich kommen Rettungskräfte hinzu und bringen Antonia weg.

Der Schock steckt natürlich allen tief in den Knochen, sie werden noch vor der Disco von den inzwischen eingetroffenen Polizeibeamten verhört. Antonia schafft es nicht. Sie ist tot. Einfach umgefallen und von Anfang an glaubt Ricky nicht an eine natürliche Todesursache. Irgendwas ist da faul, warum war Antonia nachmittags in der Bibliothek so seltsam. Ricky fallen die Libellenflügel ein, die sie seit einigen Tagen immer wieder in der Schule findet, ob es was mit dem Unglück zu tun hat?

Als Ricky dann an der vor der Schule errichteten Gedenkstätte voller Blumen und Kerzen am Bilderrahmen mit Antonias Foto einen Libellenflügel eingeklemmt sieht ist sie sicher, dass Antonia ermordet wurde. Doch warum und durch wen bleibt herauszufinden. Und damit beginnt sie umgehend.
Sie bittet ihre Freundin Valentina um Hilfe und beginnt zu „ermitteln“. Und noch jemand steht ihr zur Seite: Marek, der schräge, durchgeknallte Kameramann mit den knallblauen Haaren. Er war es der Ricky in der Nacht bei den Wiederbelebungsmaßnahmen geholfen hat und auch er will den Hintergründen zu diesem mysteriösen Todesfall auf die Spur kommen ….

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Der Roman von Katja Brandis war Überraschungspost vom IVI-Verlag und ich war in der Tat überrascht, positiv! Das Buch machte optisch schon gleich nach dem Auspacken was her: Knallgelb und dann die Libellenflügel mit den feinen Zeichnungen, dass war schon ein Blickfänger. Wenn man die Klappenbroschur dann aufmacht, gibt es noch einmal das Muster der Flügel auf Knallpink. Der Text sprach mich auch an und machte mich neugierig, was mich erwartete wusste ich natürlich nicht. Die Autorin Katja Brandis sagte mir bislang nichts, wobei sie bereits einiges geschrieben und veröffentlicht hat.

Nun, somit bin ich unvoreingenommen an die Story herangegangen und ich muss sagen, den Roman habe ich „gefressen“. Dummerweise musste ich gestern Mittag 11 Seiten vor dem Schluss aufhören, weil ich ins Büro musste. Ich konnte das Buch wirklich schwer aus der Hand legen, weil ich so gefesselt war.

Ich war von Beginn an in der Handlung gefangen und die Protagonistin Ricky, die aus der Ich-Perspektive in der Vergangenheit erzählt ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Sie ist eine sehr gefühlvolle, ehrgeizige Person, die ihre Ziele verfolgt und nicht aufgibt, immer wieder nachhakt, auch wenn es unangenehm wird.

Der Schreibstil ist nicht einmal sonderlich gehoben oder anspruchsvoll ausformuliert, was vielleicht daran liegt, dass eben eine 17-jährige aus ihrer Sicht erzählt. Aber die Handlung war sehr fesselnd und ich war einfach mit drin. Die Geschichte ist sehr lebendig geschrieben und absolut gefühlvoll. Ricky macht sich eine Menge Gedanken und dieser Charakter ist ein sehr liebenswerter. Aber auch die weiteren wichtigen Personen, die des Marek oder Rickys Mutter, die sich im Laufe der Handlung auch ein wenig öffnet, sind gut und lebensecht.

In diesem Roman steckt eine ganze Menge, weitaus mehr als ein bisschen Teenie Ermittlungen. Es geht z.B. ganz intensiv um das Schulfernsehen nec.tv, was total professionell ist und ich eine extrem coole Sache für ein Gymnasium finde. Mich hat es ein bisschen an I-Carly erinnert, nur nicht so albern. Dann geht es um Esoterik, Wahrsagen und Musik. Diese Dinge hat die Autorin gut und ausgiebig recherchiert, dass hat sie im Nachwort schön beschrieben.

Wenn Autoren mit Musik und Liedtexten arbeiten, gefällt mir das sehr. Mein Lebensgefährte tut dies in seinen Romanen auch gerne und oft. Katja Brandis hat hier das wunderschöne Lied „Set fire to the rain“ von Adele verbaut, was mir dann immer ans Herz ging, weil ich den Song im Ohr hatte und die Szenen dazu recht traurig waren.

Mir persönlich hat ausserdem die Szene sehr gut gefallen, als Marek sich die Stöpsel in die Ohren steckte und den Song „Temple of Love“ von Sisters of Mercy aufdrehte. Hier haben wir als Leser den Text dann auch geliefert bekommen, zumindest in Auszügen, den ich aber kannte, weil ich Fan besagter Band bin. Frau Brandis ist in etwa in meinem Alter, vielleicht mag sie auch Sisters gerne hören.

Zum Ende werde ich natürlich überhaupt nichts verraten. Ich fand es jedoch stimmig und es hat die Handlung gut abgeschlossen. 

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Jugendroman, der, wenn er denn ein Thriller sein soll, ein sehr gefühlvoller seiner Art ist. Eine fesselnde Geschichte um Jugendliche, die trotz modernster Interessen sehr wohl ruhig sein können und in ihr Innerstes hören und Dinge nicht auf sich beruhen lassen wollen, sondern diesen auf den Grund gehen. 366 Seiten sind nicht unbedingt wenig, doch irgendwie sehr schnell durchgelesen.

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Ich danke dem IVI-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Lost Land – Die erste Nacht von Jonathan Maberry

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Thienemann
528 Seiten
Preis: 16,95 €
ISBN: 978-3-522-20151-3
Katergorie: Jugendbuch (ab 13 Jahre)

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Benjamin Imura, Rufname Benny, ist gerade 15 Jahre alt und lebt alleine mit seinem Bruder Tom, dem berühmt, berüchtigten Zombiejäger. Benny ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, der Freunde hat und in einer beschaulichen Kleinstadt lebt. Das allerdings eher Ungewöhnliche ist, dass diese Stadt – Mountainside – ringsum von Zäunen umgeben ist, um die Bewohner vor den lebenden Toten, den Zombies, zu beschützen, die hinter der Grenze im Leichenland leben.

In der ersten Nacht geschah es, dass die Toten zum Leben erwachten, wiederauferstanden und nun von dem Amerika, wie man es kannte, nichts mehr übrig ist. Die Bewohner in Mountainside leben ohne Strom, Handys, Fernsehen, Computer, Autos und sonstigen Luxus. Auch wenn die Möglichkeit bestünde, diese technischen Dinge wieder ans Laufen zu bekommen, die Menschen weigern sich strikt, geben sie doch der Elektrizität Mitschuld am Aufstand der Toten.

Tom Imura, Bennys Halbbruder, ist ein sogenannter Zombiejäger. Zu seiner Arbeit gehört, dafür zu sorgen, die wandelnden und ständig hungrigen Angreifer von der Stadt fernzuhalten und dadurch natürlich auch vollends zu töten. Benny hasst seinen Bruder Tom abgrundtief, gibt er ihm doch die Schuld am Verlust der Eltern. Benny war noch ein Baby, gerade einmal 18 Monate alt, als seine Mutter ihn Tom mit der Anweisung wegzulaufen überließ. Die Eltern wurden ebenso Opfer der ersten Nacht und Benny hat noch heute das Bild seiner rufenden Mum vor Augen, als sie die Jungen wegschickte. Benny gibt Tom die Schuld daran, dass er seine Eltern an die Zombies verlor und für ihn ist Tom kein Held oder der angesehene Kopfgeldjäger wie bei den anderen Bewohnern der Stadt, sondern nichts anderes als ein Feigling.

Mit 15 Jahren sind die Jugendlichen von Mountainside verpflichtet, sich einen Job zu suchen, damit ihre Verpflegungsrationen nicht gekürzt werden. Sie besuchen danach weiterhin die Schule, denn die gibt es nach wie vor, dann jedoch nur Teilzeit. Tom bietet ihm eine Lehrstelle im „Familienunternehmen“ an, doch dass ist genau dass, was Benny nicht will.

Doch die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, sein Freund hat bereits eine Arbeit als Wachposten am Zaun bekommen und Benny hat nach wie vor keinen Job. Als Tom ihm erneut anbietet, gemeinsam mit ihm ins Leichenland zu gehen und somit seinen „Beruf“ zu erlernen, sagt Benny schweren Herzens zu. Einerseits widerstrebt es ihm nach wie vor mit seinem aufgeblasenen Bruder Zombies zu jagen, doch andererseits ist es immerhin ein Job und eine gewisse Neugier – natürlich neben der Angst – für das Land hinter dem Zaun ist in Benny auch vorhanden.

Somit machen sich die Brüder auf den Weg hinaus ins Leichenland und überraschender Weise scheint Tom hier draußen ein völlig anderer Mensch zu sein, als Benny dachte. Oder nimmt Benny seinen beliebten und geachteten Bruder Tom plötzlich nur mit völlig anderen Augen wahr ….

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Ich habe das Buch eben erst beendet und somit sind die Eindrücke der Geschichte noch recht frisch in meiner Erinnerung. Zunächst vorneweg: Ich bin weder ein Fan von Zombiegeschichten, noch kenne ich die Filme, mit denen der Roman „verglichen“ wird. Dennoch hatte mich die Inhaltsangabe des Buches sofort angesprochen. Zwei Brüder, zwischen denen der Hass herrscht und die sich zwingend zusammenraufen müssen, dass war es, was mich angesprochen hat.

Ich hatte noch nicht viele Seiten des Romans gelesen, da war es ein Wort, dass sich mir ins Hirn brannte: Menschlich. Ich empfand diese Geschichte als sehr menschlich, was ich im Hinblick auf eine apokalyptische Welt, bevölkert mit zerfledderten Zombiewesen nicht unbedingt erwartet hatte. Doch genau dass ist es, was diese Geschichte ausmacht.

Jonathan Maberry hat einen Roman geschaffen, der von seinen tiefgründigen und sehr intensiven Charakteren lebt. Diese zwei Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, führen sehr intensive Gespräche, die absolut echt, gefühlvoll und teilweise sogar sehr philosophisch sind.

Ich empfand die Wandlung, die Benny vom aufsässigen Teenager zu einem reifen jungen Mann mit einer guten Einstellung, viel Mut und dennoch auch einer Menge Ängsten durchgemacht hat, nicht nur sehr fesselnd, sondern auch menschlich hochinteressant.

Sicherlich kommen auch die Zombies in der Geschichte ausreichend vor und sie sind auch ausführlichst beschrieben, was natürlich schön ekelig und stellenweise recht brutal ist. Aber dieser Roman ist meilenweit von einem stupiden Leichengemetzel entfernt. Vielmehr geht es um solch tiefsinnige Fragen wie: Waren diese Wesen nicht auch einmal Menschen? Eine Mutter, ein Vater, ein Kind, welches geliebt wurde und ein Ende in Frieden verdient hat?

Die Wege und Abenteuer, die ich mit Tom und Benny Imura bestritten habe, waren sehr fesselnd und haben mich ganz oft berührt. Wo ich wieder bei meinem ersten Eindruck angekommen wäre: Menschlichkeit.

Das Buch wird vom Thienemann Verlag in einer schönen gebunden Ausgabe präsentiert. Das rote Cover mit dem Stacheldrahtzaun gibt die Szenerie gut wieder und was ich besonders gut finde: Das Buch ist unter dem Schutzumschlag komplett, identisch bedruckt. Es macht also auch hüllenlos einen sehr guten Eindruck im Regal.
Empfohlen wird er Roman vom Verlag für Leser ab 13 Jahren, was ich als passend empfinde.Der Schreibstil ist, wenn auch gehoben und tiefsinnig, absolut verständlich. Die Kapitel sind nicht zu lang und die Handlung zieht sich überhaupt nicht.

Der 54-jährige Autor hat schon einiges geschrieben, u.a. das Drehbuch zum Film „Wolfman“. Und dass er vor vielen Jahren ein bekannter Jujitsu Kämpfer war, hat er sehr gut in seine Handlung einfließen lassen.

Geplant sind für diese Reihe vier Bände, der zweite ist bereits geschrieben. Wann er dann jedoch übersetzt ist und in Deutschland veröffentlicht wird, bleibt erst einmal abzuwarten. Ich, der totale Anti-Zombie-Fan freue mich allerdings jetzt schon sehr darauf. Ich kann es kaum erwarten zu lesen, wie die Geschichte mit Tom und Benjamin Imura im Leichenland weitergeht.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Zombie Roman, der sehr viel mehr ist, als das Umherwandern von auferstandenen Toten. Eine fesselnde Geschichte mit viel Hintergrund und Tiefsinn, die von ihren lebensechten und charakterstarken Figuren lebt. Auch dieser Roman wird von mir wieder als All-Age Roman eingestuft, meine absolute Leseempfehlung auch für Erwachsene!

Ich danke Amazon für die Bereitstellung des Rezensionsexemlars.

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INTERVIEW mit Jonathan Maberry

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© Buchwelten 2012

Der Kinderpapst von Peter Prange

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Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Leseband
im Pendo Verlag
608 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783866122765
Katergorie: Historischer Roman

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Schon Teofilos Geburt scheint ein Zeichen Gottes zu sein. Im Jahre 1021 n. Chr. wird er geboren. Im damals hohen Alter von 36 Jahren bringt Comtessa Ermelina ihren vierten Sohn zur Welt. Sie hätte ihr eigenes Leben für dieses Kind geopfert, doch Mutter und Kind überstehen die Niederkunft. Die Geburt des Kindes sieht Ermelina als Vorsehung, ihr Sohn ist ein Gesandter Gottes und von Anfang an steht für Ermelina fest, dass Gott mit ihrem kleinen Teofilo Großes plant. Sie bevorzugt ihn vor ihren drei anderen Söhnen, was diese mit geschwisterlicher Eifersucht zur Kenntnis nehmen. Vor allem der Erstgeborene Gregorio, zehn Jahre älter, ist fürchterlich wütend, dass er selbst tun und lassen kann was er will, um die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich zu ziehen, was ihm jedoch nicht gelingt.

Teofilo di Tusculo lebt eine normale Kindheit, sicherlich wird er sehr gläubig erzogen und von klein an wird er von seinem Taufpaten Giovanni Graziano unterwiesen und bekommt die Regeln Gottes gelehrt. Hier ist Teofilo von Anfang an sehr wissbegierig und liebt es die Wunder Gottes zu hinterfragen. So will er beispielsweise unbedingt wissen, wie sich Wein in Blut verwandeln kann.

Von Kindesbeinen an ist Teofilo die Hochzeit mit seiner Cousine Chiara di Sasso versprochen. Und er kann es nicht erwarten endlich alt genug zu sein, um seine große Liebe zu heiraten. Die beiden lieben sich innig, was ja zur damaligen Zeit sicher keine Voraussetzung für eine Heirat war. Doch auch die kleine Chiara liebt den Jungen mit der dunklen Haut und den wunderbaren grünen Augen über alles. Viel Zeit verbringen sie als Kinder in einem geheimen Versteck und träumen von ihrer Zukunft. Die Zeit in der sie endlich einander gehören als Mann und Frau.

Doch plötzlich verstirbt Teofilos Onkel Romano, derzeitiger Papst in Rom, Stellvertreter Gottes genannt Johannes Paul, der XIX. Und um den Stand der Tuskulaner in der römischen Gesellschaft zu wahren, setzt Teofilos Vater Alberico alles daran, wieder ein Mitglied seiner Familie auf Gottes Thron zu setzen. Und dies soll sein jüngster Sohn Teofilo sein. Der weigert sich natürlich, will er doch unbedingt seine große Liebe Chiara heiraten. Als Gottes Diener müsste er der weltlichen Liebe jedoch entsagen.

Doch Teofilo kann sich natürlich nicht durchsetzen. Ihm wird immer wieder klargemacht, dass er bereits als Auserwählter auf die Welt kam. Und so wird ein erst 12-jähriger Knabe zu Gottes Stellvertreter auf Erden, Papst Benedikt IX …

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Peter Prange hat schon einige historische Romane geschrieben, ich selber habe jedoch noch keinen gelesen. Ich sehe mich auch nicht als sonderlichen Fan dieser Romane und als gläubigen Menschen auch nicht, wobei ich als Kind eine recht religiöse Erziehung genossen habe und von daher zumindest ein gewisses Maß an Wissen über die Katholische Kirche habe (so habe ich den Spruchformeln der Messen doch noch folgen können oder sie sind mir teilweise wieder ins Gedächtnis gekommen).

Der Titel des Buches hat mich zuerst neugierig gemacht. Von einem Kinderpapst hatte ich noch nie gehört (doch es gab ihn wirklich!). Dann habe ich die Inhaltsangabe gelesen und die las sich sehr interessant und ich hoffte auf ein nicht „nur“ kirchliches Buch.

Ein Junge, der zum Papst wird, dadurch die Liebe seines Lebens lassen muss und sich durch ein zerrissenes Herz in seinem Wesen so sehr verändert, dass er „zum Teufel in Menschengestalt“ wurde, dass klang nach spannender Historie. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Dieser Roman ist fesselnd und spannend geschrieben. Prange beginnt mit einem Epilog in der heutigen Zeit, naja nicht ganz, springt dann zurück in das Jahr 1021 n. Chr.. Das Buch umfasst ein wenig mehr als 600 Seiten, die nicht locker beschrieben sind, doch es kam nicht einen Moment Langeweile auf oder die Handlung hat sich gezogen.

Nachdem ich zu Beginn ein wenig im Anhang geblättert hatte (ein Laster von mir) hatte ich ein wenig Sorge, dass ich den vielen kirchlichen Namen und Ereignissen nicht folgen könnte, doch dies war unbegründet. Denn auch wenn der Roman eine Vielzahl an Charakteren bietet, so habe ich als Leser nicht den Überblick verloren. Die wichtigen Figuren sind nicht einmal so viele und tragen immer wieder zur Handlung bei, sodass es nicht vorkam, dass ich nicht mehr wusste, wer denn wer war. Auch die – natürlich recht häufigen – christlichen und kirchlichen Szenen waren allesamt sehr gut erklärt und beschrieben. Lateinische Ausdrücke wurden innerhalb des Satzes übersetzt.

Die wichtigsten Figuren sind natürlich Teofilo, also Papst Benedikt der IX und Chiara di Sasso. Immer wieder wechseln die Handlungsstränge zwischen den Erlebnissen der beiden. Der Schreibstil ist sehr gehoben und gut ausformuliert, jedoch alles andere als staubtrocken, wie vielleicht das Thema vermuten lässt. Auch Römer und Christen zur damaligen Zeit haben normal gesprochen, gestritten oder auch geflucht.

Der Charakter seines Protagonisten ist sehr glaubwürdig und real ausgearbeitet. Diese innere Zerrissenheit, die Verzweiflung, der immer wieder aufkeimende Hass auf Gott, die Sehnsucht nach Liebe, der Versuch, seinen Gott immer wieder zu provozieren, um den rechten Weg zu finden und wieder glauben zu können, dies sind nur einige der Eigenschaften dieser Figur.

Doch auch die damalige Gottesfurcht, die Angst vor der Hölle und Strafe für begangene Sünden hat der Autor in den übrigen Charakteren sehr gut beschrieben.

Dieses Buch beinhaltet zu viel um es in eine Rezension zu packen. Lest diesen Roman selber und lasst euch bloß nicht vom Thema Kirche abschrecken. Der Roman will nicht bekehren oder die Schäfchen in die Kirche treiben. Dieser Roman zeigt auf, was Menschen sind und wie sie werden können.

Im bereits erwähnten Anhang sind sämtliche historischen Ereignisse aufgezeigt und vermerkt. Es ist erstaunlich wie Peter Prange diese Personen und Geschehnisse in seine erdachte Handlung verwoben hat und man fühlt sich nicht, als lese man einen teilweise fiktiven Roman, sondern als hätte es sich wirklich damals genau so zugetragen.

Das Buch selbst erscheint – passend zum Thema – in viel Rot und Gold und zeigt auf dem Cover lediglich ein altes Bildnis eines jungen Papstes, der unter der Tiara beinahe „versinkt“.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen historischen Roman, der obwohl mich die Inhaltsangabe neugierig gemacht hat, noch viel besser war als ich erwartet hatte. Eine spannende, fesselnde, dramatische und oft auch sehr brutale Geschichte um Liebe, Gott, Glauben, Hass und vertrackte Geschäfte unter den Adligen der damaligen Zeit. Ich kann das Buch nur empfehlen! (P.S. Googelt mal, es lohnt sich).

 

Ich danke Amazon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars..

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Hier geht es zur Homepage des Autors —>   peterprange.de

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© Buchwelten 2012 

Endlich sind sie tot! von Sebastian Stammsen

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Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
376 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-89425-412-4
Katergorie: Krimi

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So einen schrecklichen Tatort hat die Krefelder Kripo noch nie vorgefunden. In einem unscheinbaren, „normalen“ Mehrfamilienhaus hat sich das Wohnzimmer der Familie Brose in ein Schlachthaus verwandelt. Drei Mitglieder der Familie, der Vater, die Mutter und der älteste Sohn, hängen kopfüber von der Decke. Die Leichen sind übelst zugerichtet, stundenlange Folter müssen die Toten vor ihrem Ende erfahren haben.

Die Sachlage scheint überraschend einfach. Denn der jüngere Sohn der Familie, der 16-jährige Marvin, sitzt in der Diele Wohnung apathisch und völlig verstört auf einem Stuhl. Er lässt sich ohne ein Wort oder überhaupt eine Reaktion abführen. Marvin ist der Mörder, das steht fest. Doch die Frage ist, wie hat der schmächtige 16-jährige solch grausame Morde verüben können, warum hat er das getan und wie hat er es körperlich geschafft, die Opfer an die Decke zu hängen?

Kommissar Oliver Busch kommt an den Tatort und ist nicht nur wegen des vorgefundenen Schlachthauseindrucks geschockt. Vor der Türe stehen pink farbige Pumps, das heißt, sein Vorgesetzter hat „Psycho-Barbie“ Daniela Ellinger hinzugezogen. Das fehlt im gerade noch, denn auf diese Blondine mit ihren bonbonfarbenen Kostümchen hat er gar keine Lust. Und das liegt nicht nur an ihrem äußerlichen Erscheinungsbild (er kann ja nicht wissen, dass die Ellinger diese Berufskleidung als Schutzwall benutzt, den sie Abends mit allen Problemen ihrer Patienten ablegt).

Busch kann mit diesen Psychologen nichts anfangen, denn er ist der festen Überzeugen, dass diese nur darauf aus sind, psychologisch zu belegen, dass ein extremer Straftäter auf Grund einer schrecklichen Kindheit zum Mörder wurde und somit seiner gerechten Strafe entgeht.

Es gibt keinen Weg daran vorbei. Die Ellinger wird im als „Partnerin“ zur Seite gestellt, sie soll helfen, das Motiv des Mörders zu ermitteln. Dummerweise wurde sein regulärer Partner Lars auch noch kurzfristig weggerufen, was diesem wiederum beim Anblick der Leichen gar nicht schwerfiel.

Also begibt sich das ungleiche Paar, Bruce Willis Verschnitt Busch und Psycho-Barbie Ellinger, an die Arbeit. Bereits nach ersten Befragungen der Nachbarn stellt sich heraus, dass die Familie Brose über Jahre hinweg sämtliche Mitbewohner des Hauses regelrecht terrorisiert hat. Egal wen Busch und Ellinger aufsuchen, alle sind erleichtert und froh, dass diese Leute ermordet wurden und fort sind: Endlich sind sie tot! …

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Psychokrimi, dass ist das erste was mir zu diesem Roman einfällt. Es gibt Krimis, Thriller und Psychothriller. Psychokrimis gibt es nicht, vielleicht sollte dieses Genre eingeführt werden. Denn genau als solchen würde ich dieses Buch bezeichnen.

Die Handlung ist nicht nur spannend und fesselnd, und dass obwohl ja offensichtlich ist, wer die Morde begangen hat, sondern eben auch sehr psychologisch. Ausführlich wird beschrieben, wie der 16-jährige Marvin untersucht, befragt und beobachtet wird, um in sein Hirn zu schauen und herauszufinden, was geschehen ist und was der Hintergrund der Tat war.

Auch die Nebenrollen, die Bewohner des Hauses, die ja alle extremen Belästigungen ausgesetzt waren, werden sehr psychologisch umschrieben, denn bei Terror – über Jahre hinweg – leidet auch jede normale Seele .

Der Schreibstil ist nicht einmal sonderlich gehoben, sondern eher flott und einfach. Dennoch fesselt die Handlung bis zuletzt, was natürlich auch an den beiden total gegensätzlichen Protagonisten liegt. Hier hat der Autor es außerdem sehr geschickt gemacht, dass er die Kapitel nicht klassisch gewählt hat.

Er wechselt kapitelweise immer zwischen Daniela und Oliver. Jeder erzählt die Handlung aus der Ich-Perspektive, was die Gedankengänge des jeweils anderen beinhaltet. Und die sind interessant zu verfolgen. Jeder der beiden hat seine eigene Sichtweise auf den Fall und den Kollegen. Wie sich die beiden dennoch zusammenraufen (müssen) und dann zusätzlich noch recht erfolgreich miteinander arbeiten macht schon Spaß zu verfolgen.

Was mir zusätzlich noch besonders gut gefiel war die Nebenrolle des behinderten Dirk. Menschen mit geistiger Behinderung sind nicht die klassischen Charaktere eines Romans, besonders nicht in einem Krimi. Und wir alle haben ja oft Berührungsängste diesen Menschen gegenüber, was aber eigentlich völlig unbegründet ist. Der behinderte Dirk ist hier so ein liebenswerter Mensch, der sehr eifrig einer Arbeit nachgeht und sich offen und ehrlich freuen kann. Auch wie der Autor den Umgang durch seinen Kommissar Busch mit diesem behinderten jungen Mann beschrieben hat, war absolut überraschend und gut geschrieben.

Das Ende des Romans nenne ich einfach mal psychologisch wertvoll und passend, es hat mich nicht enttäuscht.

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Mein Fazit: Eine gute Gesamtbewertung von 5 Sternen für diesen Roman, der von mir als Psychokrimi bezeichnet wird. Rasend, flott, oft amüsant aber auch hintergründig und erschreckend. Opfertechnisch stellenweise sicher nichts für schwache Lesernerven, doch spannend und gut ausgearbeitet. Ich hatte ihn ihn zwei Tagen „inhaliert“.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. 

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© Buchwelten 2012

Darling Jim von Christian Mørk (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Piper Verlag
unter dem Namen „Teufelslist“
352 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  9783492258838
Kategorie: (Psycho)Thriller

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Ein tragischer Mordfall erschüttert das kleine irische Dorf Malahide (nahe Dublin). In einem unscheinbaren Haus werden die Leichen der Anfang 40-jährigen Moira Walsh und ihrer Nichten gefunden. Was sich dort ereignet hat, kann nur grob in Erfahrung gebracht werden. Moira Walsh wurde mit einer Schaufel erschlagen, schaffte es aber noch bis ins Erdgeschoß, wo sie dann aber ihren Verletzungen erlag. Die ältere Nichte befindet sich im Obergeschoß, woran sie starb, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Dann findet sich die zweite Nichte, eine jüngere in einem Raum, der eigentlich nur eine Nische zwischen Wand und Dämmung ist. Sie ist bis auf das Skelett abgemagert. Im Keller finden sich Spuren einer dritten Person. 

Auch sie muss dort festgehalten worden sein, doch von ihr fehlt jede Spur. Ihr scheint die Flucht gelungen zu sein. Bei der Durchsuchung des Hauses findet die Polizei in einer Kommode die Ausweise der Mädchen. Es handelt sich um drei Nichten von Moira Walsh. Fiona, die ältere und die jüngeren Zwillinge Róisín und Aoife.

Die drei Schwestern wurden im Ort nie gesehen und auch Moira Walsh machte nicht den Eindruck etwas zu verheimlichen, gar ihre Nichten einzusperren und zu quälen.

Der Postbote des kleinen Ortes, Desmond, macht sich schwere Vorwürfe. Denn er war nicht nur bei Postanlieferungen ab und an in Moiras Haus auf ein Tässchen Kaffee geladen, er hatte in den letzten Wochen auch gemeint Rufe und Klopfen aus dem Haus zu hören, doch er hat nicht einen Versuch unternommen, der Ursache auf den Grund nachzugehen.

Die Toten werden auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt und Desmond, der Postbote verfällt nach der Beisetzung in Depressionen und verlässt den Ort.

Die Polizei führt nicht wirklich Ermittlungen durch, das Haus wird desinfiziert und wieder bewohnbar gemacht.

Niall, der Nachfolger des Postboten Desmond ist ein junger Mann, der eine Leidenschaft hat: Er zeichnet und er möchte unbedingt Design Artist werden. Der Job als Postbote dient nur dem Geldverdienen und nach Feierabend hockt er noch lange im Postamt und zeichnet, bzw. er versucht es: Die vielen Versuche einen Wolf zu zeichnen misslingen ihm immer wieder. Vor lauter Frust wirft er ein zerknülltes Papier in Richtung Mülltonne, trifft aber nicht richtig und löst somit eine kleine Lawine an Papierbällen aus, die in der Gitterbox für unzustellbare Post landet. Er klettert hinein und will eigentlich nur den Schaden beseitigen, als er auf ein seltsames Paket stößt, dass seine Neugier weckt. Es ist nicht frankiert, darum liegt es wohl in der Gitterbox.

 Aber auf dem Paket ist ein Empfänger markiert:

Irgendjemand im Postamt in Malahide.

Bei genauerem Hinsehen findet Niall noch einen weiteren Vermerk auf dem Paket und kann nicht widerstehen. Er öffnet es und entdeckt ein altes Notizbuch. Es scheint ein Tagebuch zu sein, geschrieben von Fiona Walsh, der älteren der toten Nichten ….

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So beginnt der Autor seine Erzählung dieses genialen Thrillers. Dann „erzählt“ das Tagebuch in einer Rückblende die Geschichte von Fiona. Was sie alles niedergeschrieben hat, beinhaltet die letzten ca. 3 Jahre ihres Lebens und ich werde nicht mal annähernd verraten worum es geht 😉

Das es jedoch um einen jungen, gut aussehenden Geschichtenerzähler ( irisch: seanchaí ) geht, der den Frauen reihenweise den Kopf verdreht hat und sie durch seine Erzählungen mehr als nur in seinen Bann gezogen hat, ist bereits dem Klappentext zu entnehmen.

Der Autor schreibt in sehr guten Schreibstilen, die sich innerhalb des Romans immer wieder unterscheiden.

Wird z.B. das Tagebuch von Fiona wiedergegeben , schreibt und formuliert er natürlich ihrem Charakter entsprechend.  Die Passagen in der er die Geschichten von Jim Quick zu Papier gebracht hat, sind völlig anders. Er schreibt hier als Märchen oder Sagenerzähler.

Mich hat der Autor mit diesem Roman absolut in seinen Bann gezogen und ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht und vor allem: was geschah?

Ich habe als Leserin viele Höhen und Tiefen erlebt, schöne, hochfliegende Gefühle sowie Angst, Wut, Neid, Eifersucht und Leidenschaft. Die Mischung dieses Thrillers ist perfekt gelungen und fällt für mich absolut aus dem Rahmen.

Dabei fühlte ich mich Im ersten Moment bei „drei Schwestern“ und einem Geschichtenerzähler direkt an die „Hexen von Eastwick“ erinnert, doch dem ist nicht so. Dieser Roman ist kein Abklatsch des (immerhin genialen) Films, sondern eine eigenständige Idee, die spannend umgesetzt wurde und nicht mal an den Haaren herbeigezogen wird.

Bis zum Schluss hatte ich ein Problem mit dem Namen Aoife. Der Autor hat der Handlung entsprechend irische Namen ausgewählt und die Übrigen konnte ich auch aussprechen, doch mit diesem konnte ich nichts anfangen.

Nun, ich hätte vielleicht zu Anfang im Internet nachschauen sollen, denn nun weiss ich, dass ich die Figur mit „A-eufe“ total falsch „gesprochen“ habe. Wie die schönen irischen Namen tatsächlich klingen können Interessierte Leser sich hier sogar anhören 😉

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Aoife – gesprochen: EE-fa

Roisin – gesprochen: ro + sheen 

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Ich habe das Buch als gebundene Ausgabe mit Leseband gebraucht gekauft. Es ist aber als Taschenbuch erhältlich. Das Cover zeigt grüne Hügel mit einer Felsformation, was mich ein bisschen an Schottland erinnert. Mich hat es angesprochen, denn es wirkt nicht reißerisch und lässt nicht annähernd vermuten, was sich dahinter verbirgt.

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Mein Fazit: 5 von 5 Punkten für diesen Thriller, den ein Däne, wohnhaft in den USA in Irland spielen lässt. Für mich ist die Handlung außergewöhnlich fesselnd, u.a. weil der Autor die Erzählstile und Blickwinkel innerhalb des Romans wechselt. Es gibt eine unheimliche Vielfalt an Gefühlen in diesem Buch (u.a. bedingungslose Liebe unter Geschwistern) und was die Brutalität angeht habe ich schon krassere forensischere Thriller gelesen. Christian Mørk versteht es den Leser auf andere, seine Weise in seinen (oder Jims ?) Bann zu ziehen.

ACHTUNG: Der Verlag hat „Darling Jim“ in einer neuen Ausgabe unter dem Titel „Teufelslist“ veröffentlicht.

© Buchwelten 2012


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Gastrezension zu „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“ von Wolfgang Brunner (5/5)

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Anläßlich seiner Lesung am Welttag des Buches in einer weiterführenden Schule in Hamminkeln hat der Autor Wolfgang Brunner den Schülerinnen und Schülern einige Exemplare seines Romanes geschenkt.

Nach und nach treffen nun die ersten Reaktionen der LeserInnen ein, die sich (wie ich finde sehr gut) im erstmaligen Verfassen einer Rezension versuchen:

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Vorläufiges Cover der Zweitauflage, entworfen von Mathias V. Beckmann
Eine vollständig überarbeite
Zweitauflage wird
noch in diesem Sommer im
Candela Verlag
erscheinen
(Vorbestellungen sind bereits beim Verlag möglich)

ISBN: 978-3-942635-24-0

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Zu Anfang des Buches steigt man sofort in die Geschichte ein. Die Hauptperson Kim Schepper, ein dreizehnjähriges Mädchen, hat vor wenigen Tagen ihren Bruder bei einem Autounfall verloren und ist auf seiner Beerdigung. Sie hat ihr Schicksal noch gar nicht wirklich realisiert, da lädt ein Klassenkamerad von ihrem Bruder Tom sie zu einem Treffen auf dem Friedhof um Mitternacht ein. Kim ist erst misstrauisch und verunsichert, doch sie geht trotzdem zu dem Treffen.

Sie erfährt, dass ihr Bruder nicht tot, sondern „gering lebend“ ist, wie es die Kinder von Marubor nennen. Die machtgierige Firma „Kirkos Marubor“ hat den Kindern ein Serum verabreicht, bei dem sie die Phasen des Sterbens erforschen wollten. Doch als bei den Forschungsarbeiten etwas schief läuft, müssen die Kinder durch inszenierte Unfälle „beseitigt“ werden. Die Firma weiß nicht, dass die Kinder nicht wirklich tot sind, sie sind nur dem Tod näher als dem Leben. Kim erlebt viele Abenteuer in der Heimat der Kinder unter dem Friedhof, in der Forschungsstation und auf der Leuchtturminsel.

Zudem macht Kim einige schlaue Entdeckungen, welche den Kindern weiterhelfen auf schrecklichen Geheimnisse der Forschungsarbeiten zu stoßen. Ihr Eifer bei der Sache und die Begeisterung sind wirklich beeindruckend.

 

Mir persönlich hat die Geschichte sehr gut gefallen. Die Geschwister gehen alle sehr liebevoll miteinander um und ihre Liebe zueinander ist sehr stark. Am meisten beeindruckt haben mich die Stellen, bei denen die Kinder das „Aufhocken“ probieren. Das gering lebende Geschwisterkind setzt sich dabei auf den Rücken des anderen Geschwisterkindes. Diese Situation wurde so wunderschön beschrieben, dass man gleich sehnsüchtig wird auch so etwas zu erleben. Auch erwähnenswert ist die Kaugummi kauende Fledermaus Betty. Diese Idee ist wirklich außergewöhnlich. Die Kinder sind zusammen eine Einheit, die stark ist und einen unglaublichen Willen hat, den Menschen zu helfen.

Das merkt man auch gut an der Freundschaft die sie alle füreinander empfinden und sich gegenseitig Mut machen.

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Es ist eine schöne, rührende Geschichte über die unglaublich starke Geschwisterliebe die über alle Grenzen hinausreicht, aber sie soll auch zum Nachdenken anregen, wie W. Brunner in seinem Nachwort erwähnt. Sie zeigt, dass die heutigen Menschen viel zu viel Wert auf materielle Dinge legen und die Liebe, Familie, Geborgenheit und Freundschaft völlig vergessen. Da die Geschichte lebendig und gut verständlich geschrieben wurde eignet sie sich für Kinder, Jugendliche und Erwachsende. Sie ist absolut lesenswert und unbedingt weiterzuempfehlen!

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Diese Gastrezension wurde geschrieben von Lucie T., einer Schülerin der 10. Klasse aus Hamminkeln im Mai 2012.

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Die Rezensentin hat für den Roman 5 von 5 Sternen vergeben. .

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© Buchwelten 2012