Galaxias von Stephen Baxter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 651 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-32248-6
Kategorie: Science Fiction

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Stephen Baxters neuester Roman mit dem Titel „Galaxias“ mag für den ein oder anderen Fan anfangs langatmig und relativ unspektakulär wirken. Das liegt daran, dass Baxter eine interessante Ausgangssituation verwendet, um diese dann mittels vieler Gespräche aufarbeitet, in denen sich eine drohende Gefahr für die Menschheit herauskristallisiert. „Galaxias“ ist kein Science-Fiction-Roman, der im Weltall spielt, sondern in erster Linie auf der Erde handelt. Der Leser begleitet verschiedene Personen bei ihrer Aufgabe, ein unheimliches Phänomen zu enträtseln. Dies passiert mittels vieler Gespräche auf politischer und wissenschaftlicher Ebene was natürlich für den ein oder anderen tatsächlich etwas langatmig wirken könnte. Mir persönlich hat dieses Vorgehen allerdings sehr gefallen, weil es die außergewöhnliche Situation authentischer machte. So wie man es von Baxter gewohnt ist, wird das Verschwinden der Sonne, so gut und verständlich wie es geht, auf wissenschaftliche Art und Weise erklärt. Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig und aus meiner Sicht eben alles andere als langweilig. Sicherlich hätten die Charaktere noch etwas vertieft werden können, aber das empfand ich als gar nicht so schlimm, weil es ja vielmehr um das Entschlüsseln des Mysteriums ging. Zumindest aus meiner Sicht empfand ich dieses Vorgehen als absolut nicht störend.

„Galaxias“ erinnerte mich so manches Mal an die Science-Fiction-Romane der 1970er-Jahre, die eine Gefahr aus dem Weltraum behandelten und den Kampf der Menschheit ums Überleben beschrieben. Baxter gibt der Handlung durch seine wissenschaftlichen Ansätze einen interessanten Rahmen, der durchaus plausibel erscheint. Ich könnte mir dieses Buch durchaus als äußerst spannenden Film vorstellen. Und dann, wenn man nach mehreren hundert Seiten denkt, dies wäre zwar ein typischer Roman von Steven Baxter, der allerdings nicht auf epische Weise endet, wird man eines Besseren belehrt. Denn „Galaxias“ nimmt gerade auf den letzten Seiten noch gewaltig an Fahrt auf und zeigt eine Prämisse, die für Baxters Romane typisch ist: bombastisch, episch und über die Grenzen hinausgehend. Gerade das Ende hat mich als großen Baxter-Fan wieder äußerst zufrieden gestimmt, weil es Bilder vor meinem inneren Auge entstehen ließ, die ich von seinen Romanen gewohnt bin. „Galaxias“ endet episch, zumindest aus meiner Sicht, und bleibt genau aus diesem Grund, wie alle Bücher von Steven Baxter, in meinem Gedächtnis haften. Wo Baxter draufsteht ist letztendlich auch Baxter drin. Ich freue mich schon jetzt auf das neue Abenteuer dieses außergewöhnlichen Autors.
Die volle Punktzahl erreicht der Roman allerdings nicht ganz, da es eindeutig bessere Geschichten von Stephen Baxter gibt.

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Fazit: Eine faszinierende Ausgangssituation entwickelt sich zu einem Epos.

©2023 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ganz gewöhnliche Monster von J.M. Miro

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 796 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-32232-5
Kategorie: All Age, Mystery, Abenteuer

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Dr. Berghast lässt Kinder , die eine besondere Gabe besitzen, auf der ganzen einsammeln, um sie auf seinem Anwesen, dem Cairndale-Institut, zu versammeln. Was die Kinder nicht wissen: Sie sind Teil eines Plans und besitzen nicht nur außergewöhnliche Fähigkeiten, sondern sind auch dazu imstande, eine geheimnisvolle Welt zu öffnen, die in das Reich der Toten führt …

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Der Klappentext machte mich bei diesem Buch unglaublich neugierig und ich wurde in keiner Weise enttäuscht. Miros Roman ist ein All – Age – Roman, der wie eine wilde Mischung aus Büchern und Filmen wie „Harry Potter“, „Die Insel der besonderen Kinder“, „Oliver Twist“, „Stranger Things“ und „X – Men“ wirkt. An manchen Stellen sind diese Vergleiche sehr offensichtlich, sodass ich manchmal überlegte, dem Gesamtwerk einen Stern Abzug zu geben. Aber letztendlich werden diese Anspielungen, womöglich sollten sie auch liebevolle Hommagen darstellen, so geschickt von Miro in die eigenständige Handlung eingearbeitet, dass es eben nicht wie eine plumpe Kopie wirkt. „Ganz gewöhnliche Monster“ ist ein Abenteuer, wie man es sich von einem solchen Buch wünscht: faszinierend, spannend, fesselnd und auf hohem Niveau geschrieben. Gerade der Schreibstil hat mich enorm begeistert und gepackt. Miro schreibt sehr hochwertig und kann gut mit Worten umgehen.

Vielen mag die Geschichte zu langatmig erzählt sein, ich hingegen empfand gerade diese langsame, ruhige Vorgehensweise als äußerst angenehm, zumal man wissen sollte, dass es sich bei dem vorliegenden Roman um den ersten Teil einer geplanten Serie (Trilogie?) handelt. Man spürt bereits am Anfang, dass da etwas Großes, Episches auf einen zukommt. Das vorliegende Buch muss als Einführung in die Geschichte angesehen werden. Es bringt uns die Charaktere und die Welt näher, bevor es mit einem aufsehenerregenden Finale für die Fortführung im zweiten Band vorbaut. Gerade das Ende ist Miro phänomenal gelungen und lässt ein Gefühl nach Abenteuer in einem wachsen, wie es noch aus meiner Kindheit kenne.

Irgendwie wirkte „Ganz gewöhnliche Monster“ auf mich wie eine Erwachsenen-Version von Harry Potter, obwohl sich die Handlung deutlich unterscheidet. Aber die Atmosphäre schlägt gleich zu Anfang einen düsteren Weg ein, wie man ihn bei Potter erst von den letzten Bänden kennt. Gerade die Welt jenseits eines Portals, die Miro zwar in seinem ersten Buch bereits beschreibt, die aber offensichtlich in Band 2 eine weitaus größere Rolle spielt, ist mystisch und verspricht, extrem spannend und faszinierend zu werden.
Ich habe dieses Buch jedenfalls trotz seines gigantischen Umfangs von fast 800 Seiten genossen und kann das Erscheinen von Band 2 kaum erwarten.
Wer komplexe, mystische Geschichten mag, die sich Zeit lassen, dürfte hier seine helle Freude haben. Einziger Wermutstropfen sind die doch immer wieder vorkommenden Rechtschreibfehler, die zwar beim Umfang des Buches nicht wirklich gravierend, nichtsdestotrotz störend sind.

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Fazit: Ruhiger Einstieg in eine epische All-Age-Abenteuergeschichte.

©2023 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Wissenschaft von Avatar von Stephen Baxter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 334 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-453-31399-6
Kategorie: Sachbuch, Science Fiction

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Ein faszinierendes Begleitbuch auf wissenschaftlicher Basis zu James Camersons „Avatar“-Filmen.

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James Camerons „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ dürfte wohl so ziemlich jedem ein Begriff sein. Dieser große Erfolg in Verbindung mit einem der besten Science-Fiction-Autoren unserer Zeit kann nur zu einem interessanten Ergebnis führen. Sicherlich muss man ein wenig für die von Cameron kreierte Welt übrigen haben, um echten Spaß an dieser wissenschaftlichen Abhandlung über Pandora und seine Bevölkerung zu haben. Aber wenn dieses Interesse vorhanden ist, erwartet einen ein faszinierender Ausflug ins Universum und in eine mögliche fremde Welt.
Man merkt, dass Baxter nicht nur Wissenschaftler sondern auch Romanautor ist, denn seine Reise wirkt wie eine Art Roman, auf der die Leser allerhand interessante Dinge über die Hintergründe des Films, aber auch über das Leben an sich und die unendlichen Möglichkeiten des Universums erfährt. „Die Wissenschaft von Avatar“ ist unglaublich spannend und man hat oftmals Bilder aus Camerons Welterfolg im Kopf, wenn Baxter darüber spricht und Dinge aus dem Film erklärt, die näher an der Wahrheit liegen als man bislang dachte. „Avatar“ ist äußert durchdacht und orientiert sich an der Realität oder zumindest an nicht ganz unwahrscheinlichen Phänomenen.

Es ist tatsächlich so, dass man Camerons Filme mit etwas anderen Augen sieht, wenn man dieses Buch gelesen hat. Baxter ist Fan von „Avatar“, das merkt man natürlich. Aber seine Ausführungen, Camerons filmische Welt auf wissenschaftlicher Basis ein Stück weit realistisch werden zu lassen, ist wirklich genial. Vieles ist absolut nachvollziehbar und bekommt Sinn. Und Baxters Buch ist definitiv nicht zu wissenschaftlich, um es nicht zu verstehen, aber auch nicht zu simpel, um nicht glaubwürdig zu sein.
Man kann James Cameron und seinem Team definitiv nicht nachsagen, dass sie nicht genügend recherchiert hätten, um ihrer fantastischen Welt einen nicht geringen Hauch Realismus einzuhauchen. Wie gesagt, nach dieser Lektüre sehe ich die beiden bislang erschienenen „Avatar“ – Filme mit anderen Augen. Und das macht den Spaß eindeutig noch größer. Daher ein riesiges Dankeschön an Stephen Baxter für das Näherbringen von Pandora, seinen Geschöpfen, der Kultur und den faszinierenden Bewohnern.

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Fazit: Toller, wissenschaftlicher Ausflug in die Welt von Camerons Blockbuster.

Monument 14 von Emmy Laybourne

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 888 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-453-32192-2
Kategorie: All Age, Abenteuer, Science Fiction

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Während eines Tsunamis geraten zwei Schulbusse außer Kontrolle und rasen in ein Einkaufszentrum. Durch die Naturkatastrophe entweicht aus einer nahegelegenen Chemiefabrik eine giftige Substanz, die verheerende Auswirkungen auf die Überlebenden hat. Die Schüler verschanzen sich im Einkaufszentrum und schon bald beginnt für sie ein erbitterter Kampf ums Überleben.

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Eines muss man sich vor Augen halten, wenn man diese Saga liest: Es handelt sich um ein Jugendbuch, im besten Fall um sogenannte All-Age-Romane. Nicht dass diese Tatsache bedeutet, dass die Geschichte schlecht wäre, aber in diesem Fall wirkt es wirklich wie ein Jugendbuch (ähnlich wie im Fall „Maze Runner“). Anders als beispielsweise „The Hunger Games“ wird in „Monument 14“ eine einfache Geschichte in einem einfachen Schreibstil erzählt, die schlichtweg „nur“ unterhält und ansonsten keinerlei literarische Qualitäten wie gehobene Ausdrucksweise, beeindruckender Satzbau etc. vorweisen kann. Aber ich denke, wer sich auf diese Bücher einlässt, weiß, was ihn erwartet, und kann sich entsprechend darauf einlassen.

Autorin Emmy Laybourne hält sich eindeutig an die Konventionen eines dystopischen Jugendromans und erfindet deshalb das Rad nicht unbedingt neu. Die Ausgangssituation hat durchaus ihren Reiz und hätte sich zu einem „Zombie im Kaufhaus“ für Jugendliche entwickeln können, was aber dann letztendlich nicht der Fall war. Layburne verlagert ihre Geschichte nach außerhalb, erzählt Dinge, die jeder von uns (wahrscheinlich sogar auch schon Kinder und Jugendliche er Zielgruppe) in Dutzenden von Filmen (und auch Büchern) gesehen und gelesen haben. Das heißt nicht, dass die Handlung uninteressant oder gar langweilig wird, aber ich persönlich hätte mir etwas Größeres, Epischeres erwartet. Die Charaktere entwickeln sich zwar, handeln aber oftmals ein wenig unglaubwürdig und „zu erwachsen“, was mich tatsächlich hin und wieder auch gestört hat. Ähnlich wie bei „Maze Runner“ könnte ich mir allerdings auch in diesem Fall durchaus vorstellen, dass das Ganze hervorragend als Film funktionieren würde.

Positiv ist, dass die Kinder viele verschiedene Persönlichkeiten besitzen und daher eine schöne Dynamik innerhalb der Gruppe zustande kommt. Wie gesagt, die Idee der Ausgangssituation ist wirklich gut, aber Laybourne hat an einigen Stellen Schwierigkeiten, diese logisch und vor allem auf spannende Art und Weise umzusetzen, da wäre tatsächlich noch mehr Potential vorhanden gewesen. Aber genug der Jammerei, „Monument 14“ stellt dennoch einen großartigen Beitrag in der Jugendliteratur der Sparte „Dystopie“ dar und ich bin sicher, dass die Zielgruppe große Freude daran hat, diese Helden auf ihrer unglaublichen und gefährlichen Reise zu begleiten. Ich hatte jedenfalls auch als Erwachsener großen Spaß mit dieser Saga, wenngleich ich einige Kritikpunkte fand. Unbedingt erwähnenswert ist, dass dieser Sammelband nicht nur die drei Teile der Saga enthält, sondern auch die Kurzgeschichte „Jakes Geheimnis“ beinhaltet, die zwischen Band 1 und 2 angesiedelt ist. Gerade diese kurze Episode hat mir ausnahmslos sehr gut gefallen und die gesamte Handlung auf eine ganz gewisse Art und Weise bereichert. „Lesefaule Kinder“ werden mit dieser Trilogie auf jeden Fall ihre helle Freude haben.

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Fazit: Kurzweilige und spannende Dystopie mit einigen Schwachstellen.

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Verdächtige von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 411 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-27316-0
Kategorie: Thriller

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Die Tochter eines ermordeten Anwalts wendet sich an Lacey Stoltz von der Gerichtsaufsichtsbehörde, weil sie denkt, den Mörder zu kennen. Der Anwalt war nämlich nicht das einzige Opfer. Das brisante an diesem Fall: Der Killer ist ein bekannter Richter, der sich großer Beliebtheit erfreut. Lacey nimmt den Fall an und begibt sich zusammen mit der Frau auf eine Spurensuche, die weit in die Vergangenheit zurückreicht und sich über viele Staatsgrenzen hinweg erstreckt.

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Ein neuer Grisham erscheint und ich muss ihn sofort lesen. 😉
Lacey Stoltz ist ein Name, den man als Grisham-Fan sofort wieder erkennt: Sie spielte eine der Hauptrollen in „Bestechung“ und kehrt hier noch einmal zurück. Grisham versteht es einfach, den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zu ziehen. Sein Schreibstil ist so angenehm und flüssig zu lesen, dass man innerhalb von Sekunden in der Story drinsteckt und sich nicht mehr davon lösen möchte. Der vorliegende Roman reiht sich nahtlos in die Erfolgsstory Grishams ein, auch wenn es eine Fraktion von Lesern gibt, die seine neueren Werke permanent kritisieren und ihnen Ideenlosigkeit vorwerfen. Grisham ist und bleibt dennoch für mich einer der Größten und gerade in seinen neuen Büchern verhält es sich ähnlich wie bei Stephen King: Zwischen den Zeilen steckt oftmals eine gewisse Melancholie (ein Hinweis aufs Älterwerden?), die einen magischen Reiz auf mich ausübt.

Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, wie John Grisham es schafft, mich mit einer eigentlich einfach gestrickten Story so dermaßen in den Bann zu ziehen, dass ich das Buch am liebsten in einem Durchgang lesen würde. Seine Dialoge sind so authentisch, dass man unmittelbar in die Handlung eintaucht und mittendrin ist. So auch hier, wo wir den Ermittlungen der Frau und Lacey folgen, und auch immer wieder den verdächtigen Richter begleiten. Grishams Romane sind allesamt filmreif, vermitteln eine unglaublich dichte Atmosphäre und zeigen liebenswerte (oder eben auch hassenswerte) Charaktere. Jedes seiner Bücher besitzt einen ganz eigenen Reiz. „Der Verdächtige“ erreichte aus meiner Sicht zwar nicht die Genialität von „Der Polizist“, besitzt aber dennoch einen sehr hohen Unterhaltungswert und wird an keiner Stelle langweilig geschweige denn langatmig. Ganz im Gegenteil …

„Bestechung“ muss man nicht gelesen haben, denn diese Geschichte mit Lacey Stoltz funktioniert auch ohne jegliches Vorwissen. Was relevant wäre, ist gut genug erklärt. Die 400 Seiten lesen sich weg, als wären es gerade einmal die Hälfte. Gerade „Der Polizist“ und Der Verdächtige“ kommen mir vor, als würde sich Grisham wieder „back to the roots“ begeben. Als Leser der ersten Stunde finde ich die Entwicklung, die Grisham während all dieser Jahre durchgemacht hat, absolut toll. Mir gefallen ohne Ausnahme alle seiner Bücher und ich freue mich schon jetzt, was er uns als nächstes unterbreitet. Mit John Grisham kann man aus meiner Sicht nichts falsch machen, wenn man gut geschriebene, spannende Unterhaltungsliteratur sucht.

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Fazit: Kurzweilig und spannend – eben ein echter Grisham!

©2022 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Behemoth von T.S. Orgel

Behemoth von T S Orgel

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 574 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-32113-7
Kategorie: Science Fiction

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Nachdem die Erde unbewohnbar geworden ist, entsenden die Menschen drei gigantische Raumschiffe, die sich auf den Weg zum nächsten bewohnbaren Planeten machen. Jahrzehnte sind die drei Schiffe unterwegs und entwickeln im Laufe dieser langen Reise eigene Kulturen. Sie treffen auf ein Raumschiffwrack, das im All treibt und plötzlich entbrennt ein Konflikt zwischen den drei Schiffen, denn wer die Ressourcen dieses Wracks unter Kontrolle bekommt, kann dieses zur weiteren Reise zu einer neuen Existenz gewinnen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass das verlassene Schiff ein Geheimnis birgt …

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Für mich steht nach diesem Roman eines fest: Mit Science Fiction packen mich die beiden um einiges mehr als mit ihren Fantasyromanen. Ich kann nicht einmalgenau erklären, warum das so ist, aber sowohl mit „Terra“ als auch dem vorliegenden „Behemoth“ haben sie eine Atmosphäre erschaffen, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Interessant war für mich, dass ich „Behemoth“ eigentlich nach dem ersten Kapitel abbrechen wollte, weil ich überhaupt nicht in die Handlung reinkam und alles wirr und unlogisch klang. Glücklicherweise habe ich dann dennoch weitergelesen und wurde mit einem epischen Abenteuer belohnt, dass mir bis zum Finale gefallen und mich überzeugt hat. Die Orgel-Brüder haben eine Stimmung geschaffen, die mich immer wieder an alte und auch neue Science-Fiction-Filme erinnert haben. Ein wenig „Lautlos im Weltraum“, „2001“ und auch „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ vermischen sich zu einem absolut eigenständigen Abenteuer, das ich mir übrigens sehr gut als Film vorstellen könnte.

Der Schreibstil ist sehr flüssig, was dazu führt, dass man das Buch schwer aus der Hand legen kann.
Eines muss ich allerdings noch loswerden: Nach dem ersten Kapitel war ich kurzzeitig versucht, das Buch gar nicht weiterzulesen, denn der Einstieg fühlte sich für mich sehr chaotisch an, sodass ich eigentlich nach den ersten Seiten bereits die Lust verlor. Glücklicherweise habe ich mich dazu durchgerungen, weiterzulesen, denn dann hätte ich ein sehr stimmungsvolles SF-Abenteuer versäumt. Vor allem die Stelle, als die Behemoth betreten wurde, empfand ich als extrem gelungen und spannend. Wie in einem Film begleitet der Leser die Protagonisten und kann kaum abwarten, was geschieht. Diese Szenen waren sehr bildhaft dargestellt, sodass man hautnah mit dabei ist. Was mir auch gefallen hat, waren die unterschiedlichen Charaktere, die sehr gewissenhaft ausgearbeitet sind. Die beiden Autoren schaffen es auf jeden Fall, den Leser mit auf eine unvergessliche Reise mitzunehmen. Die Handlung ist in seiner Ausgangssituation episch, kümmert sich aber während der Geschichte auch immer wieder einmal um kleinere Begebenheiten, sodass ein in sich schlüssiges Gesamtbild herauskommt, dass in der Tat eine Space Opera ist.

Oftmals erkennt man Anspielungen auf SF-Fernsehserien und Kinofilme, an die man sich während des Lesens dann selbst gerne erinnert. Man bekommt den Eindruck nicht los, dass die Gebrüder Orgel auch sehr gerne Filme dieses Genres ansehen und diese Verbeugungen sehr liebevoll in ihre Geschichten einbinden. Wer also nicht nur gerne Science-Fiction-Bücher liest, sondern auch an derartigen Filmen Gefallen findet, wird die ein oder andere Hommage entdecken. Insgesamt bleibt mir auch am Ende noch einmal zu sagen, dass mir die SF-Romane von T.S. Orgel besser gefallen als ihre Fantasywerke. Ich bin schon gespannt, in welchem Genre ihr neuer Roman spielen wird.

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Fazit: Spannende und atmosphärische Space Opera, die sehr gut unterhält.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Später von Stephen King

Erschienen als gebundene Ausgabe mit Leseband
im Heyne-Verlag
insgesamt 304 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN:  978-3-453-27335-1
Kategorie: Horrorroman

Jamie Conklin ist der Sohn der Literaturagentin/Lektorin Tia Conklin. Gemeinsam mit seiner Mum lebt er in Manhattan in einer sehr guten Wohngegend. Das Geschäft von Jamies Mum läuft sehr gut, auch nachdem sie die Agentur inzwischen lange allein führt. Ihr Bruder, der damalige Geschäftsgründer ist früh an Alzheimer erkrankt.

Jamie und seine Mum kann man wohl als perfektes Zweiergespann bezeichnen. Sie haben eine tolle Mutter-Sohn-Beziehung und sind gern zusammen. Jamies Mum Tia ist auch die einzige Person, die um Jamies Geheimnis weiß: Jamie sieht Tote. Er sieht kürzlich verstorbene Menschen und kann mit ihnen sprechen. Aber nur wenn er sie anspricht bzw. Fragen stellt. Dann antworten sie. Und zwar wahrheitsgemäß. Tote können nicht lügen. Nach einigen Tagen verschwinden sie dann langsam. Ihre Stimme wird leiser, wie durch Watte und dann sind sie weg. Wohin auch immer.

Als plötzlich der beste Autor der Agentur stirbt droht dieser der totale finanzielle Ruin. Der letzte abschließende Band sollte die Kasse auffüllen, doch mehr als die ersten 30 Seiten hat er nicht geschafft. Doch da ist ja bekanntlich Jamies Gabe. Tia fährt gemeinsam mit Jamie zum Wohnsitz des Autors, in der Hoffnung, dass Jamie seinen Geist dort trifft (man weiß nie so genau, wo sie sich aufhalten, bis sie entschwinden). Und ja, er ist tatsächlich an seinem Arbeitsplatz und Jamie fragt ihn nach der Handlung des Romans. Doch natürlich hat die Sache mit den Toten auch einen Haken. Sonst wäre es ja kein Horrorroman … 😉

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Als ich den Klappentext las, dachte ich zuerst, dass Stephen King auf seine alten Tage noch seinen Kollegen Dean Koontz kopiert und einen Charakter wie Odd Thomas aufs Papier bringt. Der sympathische Grillkoch hat es schließlich über viele Jahre mit Toten zu tun gehabt. Doch nein, Jamies Gabe ist dann doch etwas anders als die von Odd.

Jamie erzählt die Geschichte selbst und ist noch ein Grundschuljunge, als er damit beginnt. Dementsprechend „einfach“ ist der Schreibstil. Allerdings nicht einfach einfach, sondern absolut liebenswert und kindgerecht. Einfach wie durch die Augen eines Kindes gesehen. In der Zeit stirbt die Ehefrau des Nachbarn Prof. Burkett. Jamie spricht mit ihr, weil Mr. Burkett nach dem Tod völlig verzweifelt die Ringe seiner Frau sucht. Die verstorbene Mrs. Burkett sagt es Jamie schließlich. Sie liegen an einem total verrückten Ort und die Begründung, die die tote Mrs. Burkett darin findet, geht dem Leser nicht mehr so schnell aus dem Kopf (Mrs. Burkett erlitt einen Schlaganfall). Sie sagt: Wahrscheinlich sind meine Gedanken da schon in meinem Blut ertrunken.

Die Beziehung, die sich zwischen Jamie und dem Professor entwickelt, erinnert mich ein wenig an die Kurzgeschichte aus „Blutige Nachrichten“ mit dem Titel Mr. Harrigans Telefon. Mr. Burkett in diesem Buch hier ist allerdings charakterlich ganz anders, viel liebenswürdiger und nicht so schroff, doch meine ich einfach das Miteinander zwischen Jung und Alt. Der Respekt von beiden Seiten zueinander und die Freude am Zusammensein. Wahrscheinlich ein Thema, das Stephen King nun im Alter auch beschäftigt. Ich finde diese Freundschaft sehr schön.

Es geht noch um soviel mehr in diesem doch relativ dünnen Roman: Homosexualität, Drogen, Sucht, Liebe, Neid, Bombenanschläge, einige wirklich ekelige Leichen und ebenso um das absolute, richtige Böse. Viel mehr mag ich eigentlich nicht verraten, denn das würde natürlich die Spannung stehlen.

Fakt ist, dass mir der Roman sehr gut gefallen hat und ich mir gewünscht hätte, Jamie und Tia noch ein wenig länger zu begleiten. Es ist eine sehr gute, abwechslungsreiche Geschichte mit ganz viel drin. Beginnend vorher und endend … Später ☺.

© Marion Brunner_Buchwelten

Der Himmel auf Erden von Jeffrey Archer

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-453-47166-5
Kategorie: Belletristik, Kurzgeschichten

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Fünfzehn Kurzgeschichten, von denen einige auf wahren Begebenheiten basieren.

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Die Kurzgeschichtensammlung „Der Himmel auf Erden“ war mein erstes Buch von Jeffrey Archer und ich muss sagen, dass er mich sofort in seinen Bann ziehen konnte. Sein gehobener, aber niemals schwer zu lesender Schreibstil hat es mir sofort angetan, so dass ich das vorliegende Buch nahezu in einem Rusch durchgelesen habe. Archer hat sich bei einigen Geschichten von realen Ereignissen inspirieren lassen, was dem Lesegenuss noch einen zusätzlich Bonus verleiht. Ich habe mich jedenfalls in jeder seiner Kurzgeschichten wohlgefühlt und freue mich nun schon darauf, noch weitere Werke dieses Autors zu lesen. Archer schafft es vor allem, ein sehr bildhafte Atmosphäre zu schaffen. Selbst bei diesen kurzen Geschichten meint man im Nachhinein, man hätte eine Novelle gelesen, denn die Beschreibungen sind detailliert auf den Punkt gebracht.

Nach der ersten Kürzestgeschichte „Einzigartig“, bei der Archer lediglich 100 Worte benutzte, um sie zu erzählen, kommt gleich eine ideenreiche Story mit dem Titel „Beichte“, die mich so manches Mal an einen Plot von John Grisham erinnert hat.
Das darauffolgende Stück „Ansicht von Auvers-sur-Oise“ ist eine Kriminalgeschichte im Geiste von Sherlock Holmes, wenn ich den Vergleich heranziehen darf.
„Ein Gentleman und Gelehrter“ setzt sich für die Anerkennung von Frauen in wissenschaftlichen und literarischen Berufen ein und ist äußerst unterhaltsam verfasst.
„In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt“ stellt eher eine dramatische Liebesgeschichte dar, die mit einer guten Wendung auftrumpfen kann.
Die darauf folgende Geschichte „Der Parkwächter“ wurde von wahren Ereignissen angeregt, erinnert ein wenig an Hans Fallada und hinterlässt den Leser mit einem zufriedenen Schmunzeln auf den Lippen.
„Eine verlorene Stunde“, ebenfalls auf einem realen Vorfall basierend, hat mich zutiefst beeindruckt. Und auch wenn diese Story sehr kurz gehalten ist, so ist sie eine derjenigen, die mir so bildhaft im Gedächtnis geblieben ist, dass ich meinte, einen Kurzfilm gesehen zu haben.
„Auf dem Weg nach Damaskus“ schließlich führt uns Archer in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, das einem am Ende einen Schauer über den Rücken jagt.


„Der Betrogene“ gleicht fast einem Märchen mit einer Moral am Ende und „Der Urlaub ihres Lebens“ könnte einfallsreicher und witziger sein. Wie eine Tragikomödie schildert Archer hier das trickreiche Leben eines Ehepaares und präsentiert sogar drei (!!!) verschiedene Enden.
„Verdoppeln oder aufhören“ handelt von einem Glücksspieler und erinnert mit seiner Moral am Ende ebenfalls an ein modernes Märchen.
„Der Senior-Vizepräsident“ könnte durchaus auch wieder aus der Feder von John Grisham stammen und hat mir mit seiner Thematik und der bildhaften Erzählweise außerordentlich gut gefallen.
„Eine glücklich verlorene Seitenwahl“ geht es um einen Mann, der den Schrecken des Krieges erleben muss.
„Wer hat den Bürgermeister umgebracht“ ist eine skurrile Geschichte um ein Dorf, die ich mir gut als Film im Stile von „Lang lebe Ned Devine!“ vorstellen könnte.
Mit „Der perfekte Mord“ schließt Jeffrey Archer seine Kurzgeschichtensammlung wieder mit einer 100-Wörter-Geschichte ab.

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Fazit: Unterhaltsame Kurzgeschichtensammlung, die in einem tollen Schreibstil verfasst sind. Absolut kurzweiliges Lesevergnügen.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Vergeltung von Robert Harris

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 368 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27209-5
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Im November 1944 steht das Deutsche Reich vor der Niederlage. Es werden die modernsten Waffen eingesetzt – die V2-Rakete, um England zu bombardieren. Rudi Graf übernimmt die technische Aufsicht über diese Abschüsse.
Kay Caton-Walsh, eine Offizierin der britischen Luftwaffe, entkommt einem dieser V2-Angriffe nur knapp und meldet sie sich daraufhin freiwillig zu einer lebensgefährlichen Mission. Zusammen mit anderen Frauen wird sie nach Belgien gebracht, wo sie die mobilen Startplätze der deutschen V2-Raketen ausfindig machen und zerstören soll.
Weder Kay noch Rudi ahnen, dass sie das Schicksal eines Tages aufeinandertreffen lässt.

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Wie schon in „München“ widmet sich Robert Harris auch in diesem Buch wieder einem wichtigen Thema der Vergangenheit. Die Einarbeitung von historischen Begebenheiten in eine fiktive Geschichte beherrscht Harris hervorragend. Er reißt einen mit seinen Roman von Anfang an mit und lässt seine Protagonisten in einem Licht erscheinen, als wären sie tatsächlich am Leben und dabei gewesen. So auch in „Vergeltung“, einem Roman über die V2-Raketen, der zeigt, wie sinnlos eigentlich ein Krieg und wie wichtig Menschlichkeit ist. „Vergeltung“ erzählt zwei Handlungsstränge parallel, die sich am Ende miteinander verbinden. Ich mochte beide Geschichten gerne und da diese sich immer kapitelweise abwechselten, fühlte ich mich in jedem Handlungsstrang wohl und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Obwohl „Vergeltung“ komischerweise gar nicht wirklich spannend ist (ich meine damit in Sachen „Action“), konnte ich das Buch dennoch schwer zur Seite legen. Das ist auch eines der Phänomene, die ich immer wieder bei den Büchern von Robert Harris bemerke: Selbst wenn gar keine wirkliche Spannung aufkommt, werde ich von der Geschichte selbst in hohem Maße eingenommen und bin begeistert. Was mir bei diesem Buch besonders aufgefallen ist, waren die sehr oft vorkommenden historischen Beschreibungen, die mich persönlich zwar nicht gestört haben, aber bei vielen eine Art Langatmigkeit heraufbeschwören könnte. Interessant sind diese Passagen allemal, zumal sie die Handlung äußerst glaubhaft und nachvollziehbar machen und einen Aspekt der Kriegsführung beleuchten, mit dem seltener konfrontiert wird.

Robert Harris’ Schreibstil ist gewohnt hochwertig und flüssig zu lesen. Er schafft es einfach immer wieder, den Leser für sich zu gewinnen und mit auf eine außergewöhnliche Reise zu nehmen.
Vor allem die „Liebesgeschichte“ im Strang um die britische Offizierin und das Ende des Romans haben es mir angetan. Bei beiden wäre noch durchaus mehr Potential vorhanden gewesen, vor allem das Ende wirkte etwas abrupt und schnell. Da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn letztendlich reiht sich auch der neue Roman von Robert Harris in dessen hervorragende Bibliografie ein und lässt darauf hoffen, dass der Autor noch viele Werke dieser Art abliefert. Mit seinen letzten Roman und dem vorliegenden „Vergeltung“ zeigt er jedenfalls, dass er noch immer schreiben und unterhalten kann.

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Fazit: Interessanter Kriegsroman über die V2-Raketen mit tollen Protagonisten.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Bowie – Ein illustriertes Leben von Maria Hesse und Fran Ruiz

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 166 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27302-3
Kategorie: Biografie

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Eine auf ungewöhnliche Art und Weise verfasste Biografie über einen der größten Künstler unserer Zeit.

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Es ist unglaublich, mit welcher Leichtigkeit dieses Buch einen schnappt und nicht mehr loslässt. Die Bilder von Maria Hesse ergänzen den auf den Punkt gebrachten Text von Fran Ruiz auf die denkbar beste Weise, die man sich nur vorstellen kann. Und das selbst, wenn man die abstrakte Art und Weise der Bilder vielleicht gar nicht so mag. Ich für meine Person habe mich in diese grandiose Symbiose zwischen Text und Bild von der ersten Seite an verliebt. Ruiz bringt das bekannte (und unbekannte) Leben des Ausnahmekünstlers David Bowie auf geniale Weise zu einem Gesamtergebnis, das sich anfühlt, als wäre man tatsächlich bei sämtlichen Stationen aus Bowies Leben mit dabei. Sicherlich fehlen viele Dinge, aber dennoch bekommt man einen Überblick über David Bowie, der seinesgleichen sucht. Denn obwohl die Beschreibungen kurz sind, stellen sie wichtige Passagen zusammen, bei denen man einen unvergesslichen Eindruck über das Leben des Musikers und Künstlers David Bowie bekommt.

Im Nachhinein denkt man, man hätte einen Film gesehen, so genial und einprägsam ist hier das Zusammenspiel zwischen Text und Illustrationen. Für Bowie-Fans ist dieses Buch ein Muss, für alle anderen ist es eine wichtige Zusammenfassung, um die verschiedenartigen Musikrichtungen des Musiker zu verstehen. Als jahrzehntelanger Bowie-Fan brachte es dieses Buch tatsächlich zustande, dass ich mich wieder genau so fühlt habe, wie zu jener Zeit, als ich die ersten Alben Bowies in meinem Zimmer hörte. Ich will damit sagen, dass ich zwischen den Zeilen auch jede Menge Emotionen und Melancholie verbergen, die einen beim Lesen überfallen. An manchen Stellen meint man sogar, den echten Bowie zu „hören“, wie er seine, für Außenstehende seltsame anmutende, Lebenseinstellungen und sein Innenleben beschreibt.

Man merkt sicherlich schon, dass ich aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskomme. Eines ist gewiss: Ich werde dieses Buch mit Sicherheit nicht nur noch einmal, sondern mehrmals lesen, oder zumindest immer wieder einmal durchblättern, denn es ist tatsächlich etwas Besonderes, an das man immer wieder gerne denkt. Fran Ruiz und Maria Hesse haben David Bowie mit dieser „Biografie“ ein künstlerisches (und auch gefühlvolles) Denkmal gesetzt, das ihm mit Sicherheit gefallen hätte. „Bowie – Ein illustriertes Leben“ ist keine Standardbiografie, sondern ein kleines Kunstwerk, das innerhalb der Bowie-Biografien aufgrund seiner speziellen Machart und Erzählweise ganz für sich alleine steht. Dieses Buch sollte man gelesen und gesehen haben, denn es ist ein außergewöhnliches Leseerlebnis.

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Fazit: Ein Muss für Bowie-Fans. Außergewöhnliche „Biografie“, die absolut fasziniert.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten