Wir sind Götter von Dennis E. Taylor

götter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31921-9
Kategorie: Science Fiction

.

Die Evakuierung  der Menschheit ist in vollem Gange und die ersten Planeten sind bereits besiedelt. Bob Johansson, einst Mensch und mittlerweile sich selbst reproduzierende KI kümmern sich um das Überleben der Menschheit. Alles läuft nahezu perfekt mit der Kolonialisierung im Weltall, bis sich eine außerirdische Bedrohung nähert und nach Rohstoffen sucht. Bob und seine unzähligen Klone bereiten sich auf einen Kampf vor.

.

Mit „Wir sind Götter“ setzt Dennis E. Tayler seine Trilogie um Bob Johansson, einer künstlichen Intelligenz, fort. Obwohl es schon ein wenig her ist, dass ich den ersten Teil aus dem „Bobiversum“ gelesen habe, kam ich bereits nach den ersten Seiten wieder absolut in die Handlung. Taylor setzt seine Geschichte konsequent fort und was sich im ersten Teil, der den Titel „Ich bin viele“ trägt nur abzeichnet, wird hier im zweiten Teil richtiggehend episch ausgearbeitet. „Wir sind Götter“ entwickelt die Trilogie zu einer Art Space Opera. Allerdings nicht so, wie man es als  Science Fiction-Leser gewohnt ist, sondern es geht in eine vollkommen andere Richtung. Der Plot stellt sich nämlich erst bei genauerem Nachdenken als episch heraus. Bob hat sich mittlerweile sehr oft geklont und man könnte durchaus meinen, dass man während des Lesens die Übersicht verliert. Aber irgendwie schafft es der Autor, dass es nicht allzu verwirrend wird. Taylor setzt auch in diesem zweiten Teil  einen speziellen Humor ein, der sich durch das ganze Buch zieht. Vor allem das Star Trek-Universum muss für viele Anspielungen herhalten. Ich fühlte mich grandios unterhalten und habe mich an mehreren Stellen köstlich amüsiert.

Die Entwicklung des Plots war für mich erst einmal nicht ganz vorhersehbar, sodass ich bis zur Hälfte des Buches wirklich gespannt war, wie es weitergeht. „Wir sind Götter“ ist eindeutig ein spezieller Roman, der sich vom gängigen Science-Fiction-Abenteuern abhebt. Was mir wirklich besonders gut gefallen hat, war, wie auch schon im ersten Teil, die Beschreibung der verschiedenen Charaktere der Künstlichen Intelligenzen, die ja im Grunde genommen nur eine einzige Person sind. Ich bin wirklich schon sehr gespannt, wie Taylor seine Handlung im dritten Teil vorwärts treibt. „Alle diese Welten“ heißt der finale Band, der noch in diesem Jahr bei Heyne erscheinen soll. So wie sich am Ende der Plot abzeichnet, könnte sich im dritten Band tatsächlich eine wirklich epische Space Opera entwickeln, die dem Gesamtwerk dann eine ganz besondere Note verleiht.

Was mit dem ersten Band relativ langsam beginnt, entwickelt sich nun im zweiten Band zu einem furiosen Weltraumabenteuer, das mir vor allem durch seine Komplexität sehr gefallen hat. Sollte Taylor den Spannungsbogen genauso fortführen beziehungsweise erhöhen wie zwischen Band 1 und 2, so könnte ich mir durchaus vorstellen, dass der dritte Teil bombastisch werden könnte. Taylor hat es tatsächlich geschafft, zumindest für mich, eine Art Kultroman zu schreiben, denn die Handlung und seine Charaktere beschäftigen mich auch noch lange, nachdem ich das Buch zugeschlagen hatte. Der Plot dieses Weltraumabenteuer erinnert mich teilweise ein wenig an die Romane von alten Meistern, wie etwa Larry Niven, um wenigstens einen zu nennen. Bob Johansson, der eigentliche Protagonist, hat mich auf alle Fälle nachhaltig beeindruckt und ich bin sicher, dass Taylor nach dieser Trilogie noch weitere innovative Abenteuergeschichten schreiben wird. Auch Freunde von Peter F Hamilton dürften an dieser Trilogie ihre wahre Freude haben.

.

Fazit: Komplex und dennoch in hohem Maße unterhaltend und auch witzig.

©2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Werbeanzeigen

Habitat von Peter Cawdron

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  350 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31963-9
Kategorie: Science Fiction

.

Die Menschheit hat es geschafft und den Mars kolonisiert. Die erste Siedlung in Form eines Habitats nennt sich „Endeavor“ und wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Wissenschaftler, Techniker und Astronauten arbeiten und forschen, bis plötzlich die Funksignale von der Erde verstummen. Vollkommen auf sich allein gestellt  rätseln sie darüber, was auf der Erde geschehen sein könnte. Denn ohne Hilfe der Erdbewohner würde bald ein Überlebenskampf auf dem Mars beginnen  …
.

Ähnlich wie Andy Weir in seinem atemberaubenden Debütroman „Der Marsianer“ entführt uns Peter Cawdron mit „Habitat“ in eine Zukunft, die gar nicht so weit entfernt scheint. Wissenschaftlich fundiert und äußerst spannend entwirft der Autor eine Welt, in der man sich trotz aller Schrecken die dort passieren, auf gewisse Art und Weise wohl und heimelig fühlt. Dem Autor gelingt es von der ersten Seite an, den Leser zu fesseln und in die Geschichte hineinzuziehen. Obwohl nicht wirklich viel passiert, kann man das Buch schwer aus der Hand legen, denn der flüssige Schreibstil und die Flut an Informationen schaffen es, dass man die Welt um sich herum vollkommen vergisst und unbedingt wissen will, wie es den Protagonisten ergeht. Mit einer Ausgangssituation, die man zwar aus diversen Science-Fiction-Filmen und -Büchern schon kennt, schleudert Cawdron seine Leser in ein wahres Pageturner-Szenario. Cawdron hat hervorragend recherchiert und man nimmt ihm alles, was (noch) nicht Wirklichkeit geworden ist, absolut ab.

Selbstredend, dass man sich bei diesem Handlungsort natürlich sofort an „Der Marsianer“ erinnert, doch der Autor geht einen Schritt weiter und widmet sich in seinem Roman nicht nur einem einzelnen Menschen, der auf dem Mars zu überleben versucht, sondern schildert die Probleme einer ganzen Gruppe von Menschen, die aus verschiedenen Ländern der Welt stammen. Es ist wirklich mit äußerstem Geschick beschrieben, wie sich die einzelnen Nationalitäten ins Gehege geraten. Cawdron stellt in seinem Roman den Menschen in den Mittelpunkt, obwohl es in „Habitat“ auch sehr viel, um nicht zu sagen eigentlich hauptsächlich, um künstliche Intelligenz geht. Die Entwicklung des Plots ist absolut atemberaubend und, wie oben schon erwähnt, obwohl nicht viel passiert, kann man sich dem Sog dieses Buches schlichtweg nicht entziehen.
Auf den ein oder anderen mag die erste Hälfte des Buches langatmig wirken, für mich war dieser langsame Einstieg ein optimales Stilmittel, um eben jene atemberaubende Spannung zu schaffen, die die zweite Hälfte des Buches dann einnimmt.

Das einzige klitzekleine Manko, dass dieser Roman für mich hatte, war, dass er im Präsens geschrieben wurde. Daran musste ich mich während der ersten Seiten erst einmal gewöhnen. Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, ist gerade die Schilderung in der Gegenwartsform ausschlaggebend für die Intensität der Geschichte. Ich hätte mir durchaus vorstellen können, dass die Story noch hundert oder mehr Seiten länger hätte dauern können, denn dann wären vielleicht die Charakterzeichnungen tiefer gehender und deutlicher geworden und der Leser hätte noch mehr Anteil an ihrem Schicksal genommen. So ist es aber leider so, dass einem trotz der unglaublichen Spannung und tollen Atmosphäre  die Personen relativ egal sind.  Man hätte den Plot durchaus mehr ausweiten und sogar eine Trilogie machen können, finde ich. Denn dann wäre auch das interessante Leben auf dem Mars nicht zu kurz gekommen. Und die zwischenmenschlichen Beziehungen hätten viel intensiver beschrieben und eindringlicher beschrieben werden können. Aber im Grunde genommen ist meine Kritik diesbezüglich ein Jammern auf hohem Niveau, denn „Habitat“ hat mich hervorragend unterhalten und ich freue mich schon sehr auf ein (hoffentlich) weiteres Werk des Autors.

.

Fazit: Spannendes, sehr authentisches Marsabenteuer.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

The End von Eric Wrede

wredeWrede

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag 
insgesamt  190 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-453-27181-4
Kategorie: Sachbuch, Lebenshilfe

.

Wir alle müssen irgendwann sterben. Aber wie geht Sterben? Und wie funktioniert das Beerdigen und Trauern richtig? Eric Wrede geht mit seinem Bestattungsunternehmen vollkommen neue Wege, erklärt und begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg jenseits aller bekannten Konventionen.

.

Eric Wredes „Buch über den Tod“ bringt eigentlich nichts Neues. Wie sollte es auch? Denn über dieses Thema wurde schon viel geschrieben. Allerdings unterscheiden sich Fredes Überlegungen zum Sterben und Tod letztendlich dann doch irgendwie von allen anderen Werken, die ich kenne. Denn der junge Bestatter geht mit seinem Bestattungsunternehmen „lebensnah“ und auch seinen persönlichen Einstellungen einen ganz eigenen und innovativen Weg in Sachen Bestattung, der vielen Menschen (unter anderem auch mir) extrem gefallen dürfte. Das ist etwas an diesem Buch, das mich vollkommen überzeugt hat. Rede räumt mit den gängigen Konventionen zu diesem Thema auf und schafft Klarheit in vielen Dingen, die mit den Toten, den Trauernden und hinter den Kulissen eines Bestattungsunternehmens passieren. Ich selbst habe mich über einige Jahrzehnte mit diesem Thema beschäftigt und muss sagen, dass der Autor einen sehr schönen Weg gewählt hat, um den Menschen dieses Tabuthema unserer Zeit (und vor allem auch unseres Landes) nahe zu bringen. Er verklärt nichts und nimmt das Thema sehr ernst, aber dennoch auch mit einer gewissen Portion Humor. Und genau diese Mischung macht es aus, so dass man tatsächlich beim Lesen dieses Buches ein wenig Angst vor dem Tod verliert bzw. sich Gedanken um das eigene Ableben macht. Genau das war wahrscheinlich auch Fredes Anliegen. Mission erfolgreich abgeschlossen.

Interessanterweise liest man zwischen den manchmal kühl und distanziert wirkenden Zeilen eine unglaublich menschliche Wärme. Ich würde es schon fast als kleines Wunder bezeichnen, wie hier mit der Thematik Sterben und Tod umgegangen wird.
Es bleibt vieles haften, wenn man das Buch zur Seite gelegt hat. Eric Wrede gibt mit seinem Buch eine einzigartige Hilfestellung zum Umgang mit dem Tod eines Nahestehenden, aber auch mit dem eigenen (unweigerlich irgendwann bevorstehenden) Tod. Unaufdringlich und informativ, aber niemals die Menschlichkeit vergessend, erklärt der junge Autor, was mit einem selbst und den Angehörigen passiert, wenn das Leben endet. Das ist eine äußerst beeindruckende Arbeit, vor der ich meinen Hut ziehe. Und obwohl es um den Tod geht, stecken in diesem Buch auch sehr viele lebensbejahende Dinge, die man sich zu Herzen nehmen sollte. Eric Wrede holt mit seinen Worten den Ursprung des Trauerns und einen angstfreien Umgang mit dem Tod in unsere Herzen zurück, vorausgesetzt natürlich, man lässt sich darauf ein.

Ein bisschen habe ich mich während des Lesens immer wieder an die herzensgute und allzu menschliche Familie Fisher aus der grandiosen Fernsehserie „Six Feet Under“ erinnert. Auch dort wurde der natürliche Umgang mit dem Tod (der ja auch ’nur‘ natürlich ist) forciert. Ähnlich verhält es sich mit „The End“ – man liest, merkt sich Dinge und denkt schließlich darüber nach. Wrede macht mit seinem Buch auch den Beruf des Bestattungsunternehmers wieder sympathisch und glaubwürdig, zumindest, wenn man sich so wie Wrede gegenüber Trauernden verhält. Alleine deswegen sollte man dieses Buch gelesen haben. Und obwohl ich bereits Unmengen an Literatur zu diesem Thema gelesen (und studiert) habe, so brachte mir Eric Wrede mit seinen Aus- und Überlegungen wieder neue Aspekte nahe. Ich bin froh, dieses Buch gelesen zu haben und wer weiß, ob ich dem Bestattungsinstitut „lebensnah“ nicht einmal einen Besuch abstatte, wenn ich mal wieder in Berlin bin. 😉

.

Fazit: Neue Denkanstöße zu einem der ältesten Themen der Welt: dem Tod. Menschlich, informativ und auch humorvoll. Sollte man gelesen haben.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Eiswelt von Jasper Fforde

eiswelt

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 654 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31969-1
Kategorie: Fantasy, Science Fiction, Belletristik

.

In einer Parallelwelt, die der unseren in vielen Belangen gleicht, versinkt die Menschheit während der Wintermonate unter Schnee und Eis. Die Menschen ziehen sich in Türme zurück, wo sie Winterschlaf halten. Und die Winterkonsuln wachen über den Schlaf der Menschen, während sich draußen in der dunklen Welt Ungeheuer herumtreiben. Der junge Charlie wird zu einem dieser Konsule ernannt und muss seinen ersten Winter im Wachzustand überdauern. Doch schon bald entwickelt sich ein Dienstantritt zu einem wahren Albtraum, denn tatsächlich schläft nicht alles im Winter …

.

Aufgrund des Klappentextes bin ich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Roman herangegangen. Das Szenario las sich wirklich gut und, wenn ich ehrlich bin, ging das Ganze auch wirklich ziemlich gut los. Der Einstieg in diesen Roman hat mir sehr gut gefallen und ich war anfangs sehr neugierig, wie sich der Plot weiterentwickeln würde. Fforde hat sehr außergewöhnliche Ideen, die sehr unterhaltsam sind. Wie gesagt, der Einstieg hat mir sehr gefallen und ich rechnete natürlich damit, dass mich diese Atmosphäre bis ans Ende des Buches begleiten würde. Leider entwickelte sich der Roman jedoch im Verlaufe der Handlung immer mehr zu einem langatmigen Werk, durch dass ich mich ab der Hälfte etwa fast schon durchquälen musste.

Ich kann nicht einmal genau sagen, woran es lag, denn die Handlung und die Ideen haben mich auch bis zum Ende nach wie vor gut unterhalten. Es lag womöglich am nicht wirklich flüssig zu lesenden Schreibstil des Autors, der mich immer wieder ungeduldig werden ließ. Bei manchen Kapiteln konnte ich gar nicht abwarten, bis es endlich zu Ende war und ein eventueller Szenenwechsel wieder etwas mehr Schwung in die Handlung bringen würde. Letztendlich plätschert der Plot nämlich einfach so dahin. Man gewöhnt sich an den außergewöhnlichen Schauplatz und findet nichts Interessantes mehr daran.

Meine Begeisterung hält sich daher im Rahmen. Was mir anfangs noch gefallen hat, hat mich am Schluss eigentlich nur noch gestört und ich wollte endlich zum Ende kommen. Der Schreibstil des Autors ist weitestgehend auch noch sehr zähflüssig, sodass man sich an manchen Stellen ertappt fühlt,  die Sätze lediglich nur noch zu überfliegen, um überhaupt vorwärts zu kommen. Das ist an sich sehr schade, denn der Roman hätte weitaus mehr Spaß gemacht, wäre er um rund die Hälfte kürzer gewesen. Es wird einfach zu viel  erklärt und in die Länge gezogen, was letztendlich dazu führt, dass man sich langweilt und nicht mehr wirklich konzentriert liest. Gerade diese Langatmigkeit und die ausufernden Beschreibungen sind es, die den Lesespaß sehr dämpfen. Was am Anfang interessant begann, entwickelt sich also zum Ende hin immer mehr zu einem zähen Brei, den man irgendwie so schnell wie möglich hinter sich bringen will.

Ich kann nicht genau beschreiben, was mich an diesem Buch letztendlich so gestört hat. Fakt ist, dass ich ab der Hälfte des Buches nicht mehr konzentriert gelesen habe, dadurch auch die Übersicht über die verschiedenen Personen und den Plot verloren und mich auch teilweise gelangweilt habe. Das ist eigentlich schade, denn, wie gesagt, die außergewöhnlichen Ideen des Autors und auch das Szenario haben mich dennoch angesprochen, was irgendwie einen Widerspruch zu meinem Gesamteindruck darstellt. Trotz meiner mittelmäßigen Begeisterung kann ich aber durchaus sagen, dass sich der Roman auf eine gewisse Art und Weise im Gehirn festsetzt. Es ist wirklich verwunderlich, dass ich viele Szenen im Gedächtnis behalten habe und mich daran erinnere, obwohl mir der Roman im Gesamten nicht wirklich gefallen hat. Ich persönlich habe auf jeden Fall mehr erwartet, als mir letztendlich geboten wurde.

.

Fazit: Trotz toller Ideen sehr langatmig.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Terra von T.S. Orgel

terra

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 508 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31967-7
Kategorie: Science Fiction

.

In der Zukunft ist die Erde ist ein ökologisches Wrack und die Menschen haben den Mond mittlerweile bevölkert. Die Bewohnbarkeit des Mars hat höchste Priorität.
Jak ist Mechaniker und transportiert an Bord eines vollautomatischen Raumfrachters Rohstoffe vom Mars zur Erde. Eines Tages entdeckt er, das sich zwischen den zwei Millionen Tonnen Erz ein Container befindet, in dem Bomben lagern. Er kontaktiert seine Schwester Sal, die als Marshal auf dem Mond stationiert ist. Sie kommen einer riesigen Verschwörung auf die Spur und ein Wettlauf um die Zukunft der Menschheit beginnt …

.

„Terra“ ist mein erstes Buch der Gebrüder Orgel und ich muss sagen, dass sie mich mit ihrem flüssigen Schreibstil und ihrer besonderen Art von Humor schon nach den ersten Seiten überzeugt haben. Der Plot wirkt glaubwürdig, wenngleich er an ein paar Stellen etwas weit hergeholt wirken mag, und nimmt den Leser mit auf eine spannende Reise durchs Weltall. Abseits von Weltraumschlachten inszenieren die beiden Autoren ein Szenario, das erschreckend ist und bei genauerer Betrachtung auch epische Ausmaße annimmt. Die Charaktere der Protagonisten sind sehr authentisch beschrieben und man meint schon bald, sie auf gewisse Art und Weise zu kennen. Die Gebrüder Orgel haben ihren Einstieg ins Science Fiction-Genre souverän geschafft. Interessant ist nämlich, dass, obwohl im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert, man das Buch schwer aus der Hand legen kann.

Jak erinnerte mich oft an Han Solo aus Star Wars, was unter Umständen sogar von den beiden Autoren so beabsichtigt war. Und das ist auch schon der Stichpunkt für einen großen Pluspunkt des Romans, der mir persönlich total zugesagt hat und die beiden Autorenbrüder absolut sympathisch macht: Es handelt sich dabei um die zahlreichen Anspielungen einer SF-Popkultur vergangener Jahrzehnte. Nicht nur das erwähnte Star Wars-Franchise, sondern auch „Star Trek“ oder „Blade Runner“, um nur ein paar zu nennen, finden sich zwischen den Zeilen, so dass es eine wahre Freude ist. Aber nicht nur SF-Zitate finden in diesem Roman Platz, auch Klassiker der Literatur wie „Moby Dick“ lassen sich darin finden.
Der Schauplatz des einsamen Frachters, in dem sich Jak aufhält, wirkt wie ein Crossover aus „Space Truckers“ (mit Dennis Hopper) und „Outland“ (mit Sean Connery). Ich hatte gerade bei diesem Aspekt des Romans wahnsinnigen Spaß und habe es förmlich genossen, mir Gedanken darüber zu machen, an welches Buch oder welchen Film die beiden Autoren gerade dachten, als sie die entsprechende Szene niederschrieben. Das hat schon fast Kultcharakter.

Sicherlich erfinden die Gebrüder Orgel das Science Fiction-Genre nicht neu, aber sie spielen geschickt mit gängigen Klischees und neuen Ansätzen, was die Zukunft der Erde und die Entwicklung der Menschheit angeht. Vor allem die (witzigen) Beschreibungen der Künstlichen Intelligenzen machen „Terra“ zu einem überaus unterhaltsamen, aber auch streckenweise amüsanten Abenteuer.  Und obwohl die Autoren hin und wieder technische Erklärungen abliefern, wirken diese niemals ermüdend oder unverständlich. Im Gegenteil, sie passen sich dem Tempo der Haupthandlung an und werden da, wo es passt, eingeworfen, um das Geschehen verständlicher zu machen. Ich hatte zu keiner Zeit irgendwelche Probleme, der Handlung zu folgen oder irgendetwas nicht zu verstehen. Da gibt es andere „Kaliber“ im SF-Bereich, die bedeutend schwieriger zu lesen sind.
Noch ein kurzes Wort zur Aufmachung des Buches: Das Titelbild ist geradezu hypnotisch und veranlasst den Leser (zumindest war es bei mir so 😉 ) immer wieder mal zwischendurch einen Blick darauf zu werfen. Es ist wirklich äußerst gelungen, wenngleich es nicht hundertprozentig zur Handlung passt. Aber es fängt definitiv die Stimmung des Werks ein. Hinzu kommt, dass die Seiten am Rand gelb eingefärbt sind, was dem Buch ein besonderes Aussehen verleiht. Insgesamt ein absolut gelungener Einstieg ins SF-Genre. Ich werde mit Sicherheit noch weitere Bücher von T.S. Orgel lesen, da sie mich mit ihrem Schreibstil begeistert haben.
.

Fazit: Stimmungsvoller SF-Roman von T.S. Orgel, der absolut überzeugt.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Midnight, Texas – Nachtschicht von Charlaine Harris

Midnight Texas - Nachtschicht von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31916-5
Kategorie: Thriller, Horror

.

Auf der Kreuzung in Midnight, Texas, begehen verschiedene Personen plötzlich Selbstmord. Was anfangs wie ein mysteriöses Rätsel aussieht, entwickelt sich bald zu einem ausgeklügelten Plan, der von einer bösen Macht stammt. Die Bewohner von Midnight stellen sich dem Kampf …

.

Schade, schade schade …
Was mit dem ersten Band äußerst vielversprechend begann und mit dem zweiten Teil zumindest eine annehmbare Fortführung der Geschichte um das Städtchen Midnight fand, endet (zumindest aus meiner Sicht) mit dem finalen Band in einem unglaublichen Desaster. Es dauerte nicht lange und war mir gar nicht mehr so sicher, ob dieses Buch von der gleichen Autorin wie „True Blood“ verfasst wurde. An vielen Stellen wirkte es vollkommen unausgegoren und uninspiriert auf mich. Es kam mir oftmals vor, als hätte eine Schülerin als Strafarbeit einen Aufsatz schreiben müssen. Charlaine Harris hat wohl eine Storyline verfasst und die dann stur und ohne jedwede Abweichung „abgearbeitet“. Manchmal musste ich sogar lächeln und fragte mich, wie so eine Manuskript an einen Verlag kommen konnte. „Nachtschicht“ wirkt leblos, ideenlos und unbeholfen. Der Plot ist dermaßen konstruiert, dass es fast schon wehtut und hätte ich nicht die ersten beiden Bände gelesen (und das durchaus auch gerne), so hätte ich den finalen Band bereits nach weniger als hundert Seiten abgebrochen.

Habe ich schon während der ersten beiden Teile keinen besonderen Bezug zu den Protagonisten bekommen, so verliert Harris im vorliegenden dritten Teil vollends die Kontrolle über ihre Personen. In keinem steckt Leben, es wird alles nur oberflächlich und ohne echte Seele beschrieben, so dass einem die einzelnen Gedankengänge und Schicksale absolut nicht nahe gehen. Ich konnte hier absolut keine Beziehung zu den einzelnen Personen aufbauen. Die Dialoge und die fadenscheinigen, an den Haaren herbeigezogenen Erklärungen für die Selbstmorde empfand ich schon nach kurzer Zeit extremst nervig. Interessant war auch, dass immer irgendetwas zufällig passierte. Fast schien es, als wäre der Zufall der einzige Strohhalm, der der Autorin einfiel, um unlogische Vorgänge zumindest durch einen Zufall erklären zu können. Das Szenario der Stadt Midnight und deren Bewohner hätte durchaus Potential gehabt. Vor allem nach den ersten beiden Bänden, die mir wirklich noch gefallen und ein kurzweiliges Lesevergnüngen bereitet haben, waren meine Erwartungen wohl einfach zu hoch. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass das Niveau dieser Saga mit jedem Band steigen würde und nicht immer tiefer nach unten sinkt.

Selbst wenn ich wollte, ich kann diesem dritten Teil nicht mehr als drei Sterne vergeben, wobei selbst das fast schon geschönt ist. Ich finde es wirklich schade, dass ich Midnight, das ich immer gerne zwischen den Buchdeckeln betreten habe, nun äußerst unzufrieden und auch enttäuscht verlassen muss. Aber die Plattheit der Charaktere hat mich bei „Nachtschicht“ nur noch aufgeregt und ich fand die meisten Entwicklungen der Story schlichtweg nur noch lächerlich. Ich bekomme leider den Eindruck nicht los, dass Charlaine Harris entweder die Ideen ausgegangen sind oder sie selbst auf ein weiteres Abenteuer in Midnight einfach keine Lust mehr hatte. Habe ich mich nach Band 2 der Reihe noch auf die Verfilmung gefreut, so kann ich nach „Genuß“ des dritten Teils nicht einmal mehr eine kleine Vorfreude verzeichnen.
Wie gesagt, Potential auf eine atmosphärische Story wär da gewesen, wurde aber im vorliegenden finalen Teil durch den plumpen, fast schon amateurhaften Schreibstil und die uninspirierte Handlung zunichte gemacht.

.

Fazit: Unbefriedigender und sehr simpel verfasster Abschlussband der Midnight-Saga. Das Potential wurde letztendlich allumfassend verschenkt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Am Abgrund von Michael Grumley

Am Abgrund von Michael Grumley

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  524 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31889-2
Kategorie: Thriller, Science Fiction

.

Mitten im Arktischen Ozean wird auf einer einsamen Insel eine geheimnisvolle Kammer entdeckt, in der sich mysteriöse Samenkapseln befinden. Genauere Untersuchungen ergeben, dass es sich dabei um etwas Außerirdisches handeln muss. Ermittler John Clay und die Meeresbiologin Alison Shaw wollen zusammen mit Freunden, Helfern und natürlich den Delphinen Sally und Dirk das Geheimnis enträtseln. Und sie stoßen dabei auf unglaubliche Erkenntnisse, die sie an der gängigen Theorie der Evolution zweifeln lassen …

.

Es geht also weiter mit Alison Shaw und den sprechenden Delphinen Sally und Dirk. Nach „Breakthrough“ und „In der Tiefe“ liegt nun der dritte Teil der Serie vor, der wissenschaftliche Aspekte und spannende Abenteuer geschickt vermischt. Die Handlung schließt nahtlos an das Ende des zweiten Teils an, so dass man nicht lange braucht, um wieder mitten im Geschehen zu sein. Michael Grumley widmet sich in diesem Band leider wieder mehr politischen Geschehnissen und richtet sein Augenmerk auf Spionage und dergleichen. Mir fehlten da schlichtweg die weitaus besseren Szenen, in denen es um die „sprechenden“ Tiere und die wissenschaftlichen Belange ging. Denn dann las sich das Buch wieder, wie schon bei den vorherigen Teilen, wie ein Abenteuer aus der Feder eines Michael Crichton. Die Agentenstory hingegen zog sich, zumindest aus meiner Sicht, immer etwas in die Länge, so dass ich es kaum erwarten konnte, wieder zurück zu Alison Shaw und ihren Delphinen zurückkehren zu können.

„Am Abgrund“ kann, wie bereits Band 2, das Niveau und den Spannungsbogen des ersten Teils nicht halten, was aber nicht bedeutet, dass das Buch schlecht ist. Grumley musste die Handlung mehr ausdehnen, um auch noch Folgebücher füllen zu können, denn er hat bereits die Teile 4 und 5 veröffentlicht. Insgesamt ergibt sich dennoch nach Abschluss des dritten Bandes ein rundes Gesamtbild, das den Leser zufriedenstellt. Ich war allerdings etwas irritiert, als am Ende des vorliegenden Bandes plötzlich von einer Person namens Palin die Rede, die die ganze Zeit nie erwähnt wurde. Ganz schwach klingelte es bei mir, als ich den Namen las und ich konnte mich dann auch glücklicherweise wieder erinnern, um wen es sich dabei handelte. Da hätte Grumley bereits auf den ersten Seiten des dritten Bandes den Faden bezüglich dieser Person wieder aufnehmen sollen, um den Handlungsstrang verständlicher zu machen. Denn man hatte tatsächlich vergessen, dass es Palin gab. 😉

Wie schon in den ersten beiden Bänden konnten die Beschreibungen und Szenen bei mir absolut punkten, in denen es um die Kommunikation mit Tieren ging. Diese Stellen waren sehr stimmungsvoll und verschafften mir immer wieder aufs Neue eine heimelige Atmosphäre, in der ich mich sehr wohl fühlte. Da hätte ich mir einfach mehr davon gewünscht, um den wissenschaftlichen Abenteuercharakter des Plots mehr herauszuheben. Aber Grumley hat sich wohl für den actionreicheren Weg entschieden, der zwar auch nicht schlecht ist, aber auf mich nicht innovativ genug wirkte. Da hätte der Gesamthandlung  und  -stimmung mit Sicherheit eine etwas ruhigere Gangart gut getan. Aber da sind die Geschmäcker wohl einfach zu verschieden und Grumley wollte sich wahrscheinlich auf die sichere Seite begeben und dem Publikum auch Action bieten. „Am Abgrund“ bietet auf jeden Fall solide und spannende Unterhaltung in bester Pageturner-Manier, denn man kann das Buch einfach schlecht aus der Hand legen. Das liegt zum einen am wirklich sehr flüssigen Schreibstil und zum anderen an den relativ kurz gehaltenen Kapiteln, so dass man sich immer wieder dabei erwischt, „nur noch ein weiteres Kapitel“ zu lesen. 🙂
Ich hoffe wirklich sehr, dass Heyne die Breakthrough – Reihe weiter fortsetzt, denn die Protagonisten, die Delphine und die Gorilla-Dame Dulce sind mir im Laufe der drei Bücher sehr ans Herz gewachsen.

.

Fazit: Spannender dritter Teil der Breakthrough-Reihe, der eindeutig mehr auf Action setzt als die Vorgänger-Bände.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Orbs von Nicholas Sansbury Smith

Orbs von Nicholas Sansbury Smith

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31953-0
Kategorie: Science Fiction

.

Im Jahr 2061 wird die Erde immer unbewohnbarer, so dass die Menschheit Pläne schmiedet, sich auf dem Mars eine neue Heimat zu suchen. Dr. Sophie Winston lässt mit ihrem Team in einem Biosphären-Habitat in den Rocky Mountains einschließen, um die Mission vorzubereiten. Doch schon nach ein paar Tagen zwingt sie ein Notfall, die Türen des Habitats wieder öffnen. Dr. Winston und ihre Mitarbeiter erwartet eine schreckliche Realität, denn Menschen und Tiere sind ebenso verschwunden wie die Wasserreservoirs des Planeten. Und überall schweben mysteriöse Kugeln in der Luft, die höchstwahrscheinlich die Ursache der Katastrophe sind  …

.

Schon die Ausgangssituation der neuen Reihe von Nicholas Sansbury Smith ist sehr stimmungsvoll und lässt schon auf den ersten Seiten eine ungemeine Spannung entstehen. „Orbs“ ist der Einstieg in eine neue Romanserie des Autors, der bereits mit seinem siebenbändigen, im Festa Verlag erschienenen Reihe „The Extinction Cycle“ eine dystopische Welt erschuf. Mit „Orbs“ wendet er sich thematisch aber eher der Science Fiction zu, wobei auch hier der Horrorfaktor nicht zu kurz kommt. Smith hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf, sondern wirft den Leser sofort und ohne Umschweife in eine deprimierende Zukunftswelt. Seine ‚wissenschaftlichen‘ Ausführungen erinnerten mich so manches Mal an Michael Crichton und verleihen dem Plot eine sehr glaubwürdige Seite. Wie in einem Film begleitet der Leser die Protagonisten und fiebert mit ihnen mit, wenn sie in die einsame und von Aliens bevölkerte Welt treten.

Klar ist die Story nicht neu und man fühlt sich des öfteren an bekannte und weniger bekannte Bücher und Filme erinnert, aber Smith besitzt einen sehr flüssigen Schreibstil, der über darüber hinwegsehen lässt, dass man solch eine Geschichte schon woanders gelesen hat. Wichtig war für mich auch die Atmosphäre, die der Autor mit seiner Dystopie geschaffen hat. Und die ist wirklich richtig, richtig gut und lässt einen die Seiten nur so verschlingen. Die manchmal ruhigen Sequenzen wechseln sich hervorragend mit actionlastigen Szenen ab, so dass niemals Langeweile aufkommt. Sicherlich sind die Charaktere oftmals stereotyp gehalten, aber das hat mich keineswegs gestört, denn es geht in erster Linie um den spannenden Plot und die verlassene Welt, die Smith hier aufgebaut hat. Die Bedrohung durch die Außerirdischen wird auch sehr intensiv und authentisch dargestellt, so dass man beim Lesen hin und wieder eine leichte Gänsehaut verspürt, wenn man sich überlegt, dass eine solche Konfrontation zwischen der Menschheit und einer außerirdischen Intelligenz durchaus genau so stattfinden könnte.

Schade finde ich persönlich wieder einmal, dass von Verlagsseite nicht darauf hingewiesen wird, dass es sich um den ersten Teil einer Reihe handelt. Ähnlich wie bei „Arkane: Das Haus der Drachen“ von Pierre Bordage (bei dem übrigens ebenfalls nicht auf eine bevorstehende Reihe hingewiesen wurde 😦 ) merkt man aber schnell, dass es sich bei „Orbs“ nicht um einen abgeschlossenen Roman handeln kann. Zu episch ist der Plot aufgebaut, als dass er nach 400 Seiten ein Ende finden könnte. Ich habe mich in der Endzeit-Welt von Nicholas Sansbury Smith sehr wohl gefühlt, wenn man das bei solch einer erschreckenden Bedrohung überhaupt sagen kann, und freue mich schon sehr, wenn die Geschichte um Dr. Winston weitergeht. Smith lässt seine Leser sehr neugierig zurück, wenn er seinen Einstiegsroman zu Ende bringt. Das Finale ist zwar nicht unbedingt unbefriedigend, weil es nicht wirklich einen Cliffhanger darstellt, aber man ist dennoch sehr ungeduldig auf die Fortführung der Geschichte, wenn man das Buch zuschlägt. Aus meiner Sicht eine unbedingte Leseempfehlung für Menschen, die dystopische und atmosphärische Science Fiction-Romane mögen. Wie oben schon erwähnt, erinnert mich auch der leicht wissenschaftlich angehauchte und sehr flüssig zu lesende Schreibstil an Michael Crichton.

.

Fazit: Stimmmungsvolle, düstere und spannende Science Fiction-Dystopie. Erster Teil einer Reihe.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Im Turm von Josiah Bancroft

Im Turm von Josiah Bancroft

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 448 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31950-9
Kategorie: Fantasy

.

Der Lehrer Thomas Senlin wollte zusammen mit seiner Frau das Weltwunder, den Turm zu Babel, besuchen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft, wird das Paar getrennt. Senlin macht sich auf die Suche nach seiner verschwundenen Frau und muss feststellen, dass ihm nichts anderes übrigbleibt, als den Turm zu betreten. Im Inneren des gewaltigen Bauwerks erwarten ihn außergewöhnliche Welten, die sich mit jeder Etage verändern und neue Wunder hervorbringen. Mit jedem Stockwerk, das sich Senlin emporarbeitet, erwarten ihn neue Abenteuer. Und er hat keine Ahnung, wie hoch er gehen muss, um seine Frau zu finden, denn niemand weiß, wie hoch dieser Turm ist …

.

„Im Turm“ fängt sehr stimmungsvoll an und lässt die Erwartungshaltung des Lesers schon nach den ersten Seiten in die Höhe schnellen. Bancroft schreibt sehr bildhaft und man ist sofort mittendrin im Geschehen. Alleine schon die Ausgangssituation, in die der Autor den Leser wirft, lässt Großes und Episches ahnen. Und in der Tat, je mehr Seiten man von diesem beeindruckenden Debüt liest, desto epischer wird die Geschichte – zumindest im Kopf des Lesers, denn leider versäumt Bancroft des öfteren, etwas genauer auf die verschiedenen Stockwerke / Welten einzugehen, so dass vieles dem Kopfkino des Lesers überlassen bleibt. Was eigentlich nicht schlimm ist, sondern für die Fähigkeiten des Autors spricht, wenn es sich so verhält. Aber bei manchen Begebenheiten hätte ich mir mehr Details gewünscht. Das tut aber dem Unterhaltungswert des Romans dennoch keinen Abbruch.

Manchmal fühlte ich mich tatsächlich an den Film „Snowpiercer“ erinnert, wo ein Zug durch eine apokalypische Welt rast und sich in jedem Waggon sozusagen eine eigene, kleine Welt befindet. „Im Turm“ arbeitet mit der gleichen Grundidee und entführt sowohl den Protagonisten wie auch den Leser in eine Fülle verschiedener Welten, die jeweils ein Stockwerk des gigantischen Bauwerks einnehmen. Da es sich um einen Debütroman handelt, muss auf jeden Fall der sehr angenehme und niveauvolle Schreibstil erwähnt werden, der alleine schon das Buch lesenswert macht. Hinzu kommen die außergewöhnliche Ideen, mit denen Bancroft aufwarten kann. „Im Turm“ ist der erste Teil einer Trilogie und man merkt während des Lesens, dass der Autor seine Handlung gemächlich (was nicht negativ zu werten ist) aufbaut. Der Roman hat eindeutig Potential nach oben und ich bin mir ziemlich sicher, dass Josiah Bancroft seinen Plot genau geplant hat, um mit jedem Band eine Steigerung in der Story zu schaffen.

„Im Turm“ mit Tolkiens „Der Hobbit“ zu vergleichen finde ich etwas unpassend. Außer dem Abenteuercharakter der Geschichte haben die beiden Handlungen herzlich wenig zu tun. Bancrofts Debüt spielt in einem völlig anderen Universum, das in vielen Belangen sogar unserer Realität gleicht und definitiv nicht an eine „Mittelerde“-Stimmung heranreicht. Aber das ist es auch, was den Fantasyroman in meinen Augen so außergewöhnlich macht, denn Bancroft geht einen eigenen, neuen Weg. Er hat zwar einen Fantasyroman geschrieben, aber dennoch in einigen Belangen Bezüge zu unserer wirklichen Welt geschaffen. Wie anfangs schon erwähnt, denke (und hoffe) ich, dass in dem manchmal zäh wirkenden Aufbau Absicht steckt, um in den Folgebänden das verfügbare Potential dieser Story weiter auszuschöpfen. „Im Turm“ wird ein Roman sein, der erst nach dem Lesen seine volle Wirkung im Gehirn bei manchen Lesern entfalten wird, weil die Bilder einfach hängenbleiben. Ich fand den Einstieg der Trilogie auf jeden Fall sehr erfrischend und freue mich schon auf die letzten Teile. Man spürt schon ein leichtes, erwartungsvolles Kitzeln im Bauch, wenn man die Karte des Turms im Buch ansieht und sich vorstellt, was in den weiteren Stockwerken noch alles auf den Protagonisten zukommt. Das Cover ist absolut toll gelungen und ein echter Hingucker. Schade finde ich, dass (wieder einmal, wie leider mittlerweile im Verlagswesen üblich) keinerlei Hinweis vermerkt ist, dass es sich um keinen eigenständigen, abgeschlossenen Roman handelt, sondern um den ersten Teil einer Trilogie. Wahrscheinlich will man damit erreichen, dass das Buch schon jetzt gekauft wird und die Leser nicht so lange warten, bis der komplette Zyklus erschienen ist (was für mich schon auch nachvollziehbar wäre). Aber ein Hinweis wäre dennoch schön gewesen, damit der Leser weiß, auf was er sich da einlässt.

.

Fazit: Beeindruckendes und noch ausbaufähiges Erstlingswerk, das den Beginn eines großen Abenteuers darstellt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein notwendiges Übel von Abir Mukherjee

Ein notwendiges Uebel von Abir Mukherjee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 494 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43920-7
Kategorie: Krimi, historischer Roman

.

Ein Jahr nach seiner Ankunft in Britisch-Indien und seinem ersten Fall wird der Sam Wyndham erneut mit einer Mission betraut: Der Thronfolger von Sambalpur ist ermordet worden und die Regierung hat großes Interesse an der Ergreifung des Täters. Sam und sein indischer Freund und Sergeant Surrender-not reisen ins Reich des ermordeten Maharadschas und decken mühsam die Hintergründe des Mordes im undurchschaubaren Machtgefüge von Sambalpur auf …

.

Sam Wyndham kehrt zurück. Und, man möchte es kaum glauben, sogar noch besser als im ersten Teil „Ein angesehener Mann“ der Reihe.  Erneut entführt Mukherjee seine Leser in ein fremdes Land und beeindruckt durch seine hervorragenden Kenntnisse, was die Eigenheiten dieses Landes und jener Zeit betrifft. Der zweite Teil der Sam Wyndham-Reihe macht, genauso wie der erste, schlichtweg süchtig und man muss sich zwingen, das Buch aus der Hand zu legen. Zu den wirklich beindruckenden Hintergrundinformationen gesellt sich ein flüssiger, hochwertiger und äußerst angenehmer Schreibstil, der sein übriges dazu tut, dass an immer weiterlesen möchte Mukherjee besitzt außerdem einen ungewöhnlichen Humor, der einem immer wieder zum Schmunzeln bringt. „Ein notwendiges Übel“ ist Historienroman, Krimi und Thriller in einem. An manchen Stellen schimmert sogar ein ganz klein wenig eine zarte Liebesgeschichte hervor.

Und auch hier zeigt sich der Ermittler Sam Wyndham von seiner herrlich erfrischenden Seite, in dem er nämlich absolut nicht dem gängigen Klischee eines Ermittlers entspricht, sondern Schwächen zeigt. Auch die Ausflüge in „seine“ Opiumwelt finden hier im zweiten Teil genauso Beachtung wie schon im ersten. Doch trotz der unkonventionellen Beschreibung der beiden Ermittler liest sich Abir Mukherjees zweites Buch an vielen Stellen wie ein klassischer Krimi im Stil von Agatha Christie. Der verzwickte Plot lässt einen miträtseln und selbst Überlegungen anstellen. Mukherjee hat die Handlung sehr geschickt aufgebaut und lenkt den Leser immer wieder in eine andere Richtung, so dass in keiner (Lese-) Minute Langeweile aufkommt. Man wird von der Handlung wirklich mitgerissen, so rasant geht sie voran.
Vor allem auch aus handwerklicher Sicht lässt Abir Mukherjee keine Wünsche offen. Er beschreibt souverän die Geschehnisse und macht dies auch so bildhaft, dass man meint, unmittelbar dabei zu sein.

Auch als Laie sind die politischen Rangeleien und Verstrickungen einigermaßen gut erklärt, dass man ihnen zumindest folgen kann. Und selbst wenn man als Leser an solchen Intrigen nicht interessiert ist, richtet Mukherjee sein Augenmerk dazwischen immer wieder auf andere Dinge, so dass man niemals genervt das Buch zur Seite legt. Das liegt aber auch an der nahezu perfekten Ausdrucksweise des Autors, der einen sämtliche Dinge, die langatmig sein könnten, vergessen lässt. Die historischen und/oder politischen Aspekte sind jedoch gegenüber der Krimihandlung sehr ausgewogen gehalten und wirken dadurch weder konstruiert noch explizit ausufernd. Genau genommen ist es genau die richtige Mischung, die Mukherjee hier anwendet: Auf der einen Seite unterhält er den Leser, der „nur“ unterhalten werden will, auf der anderen Seite informiert auch diejenigen Leser, die neben der Unterhaltung auch ein Stück Geschichte miterleben wollen. Auch hier möchte ich gern das Wort „perfekt“ verwenden.
Als Fan bleibt mir nur zu hoffen, dass Abir Mukherjee mit seiner Sam Wyndham-Reihe weitermacht – oder zumindest seine schriftstellerische Tätigkeit nicht einstellt. 😉

.

Fazit: Fast besser als der Vorgänger. Witzig, spannend, informativ und äußerst stimmungsvoll.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten