Vollendet – Der Aufstand von Neal Shusterman (Teil II)

.

Vollendet
Erschienen als Hardcover
bei S. Fischer Verlage
insgesamt  Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: ISBN: 978-3-7373-6718-9
Kategorie: Young Adult

Nachdem der Admiral die Führung des Friedhofs an Connor abgegeben hat, muss dieser sich täglich beweisen. Risa, die nach dem Unglück im Camp im Rollstuhl sitzt, versucht ihm zu helfen wo sie kann. Sie leitet die Sanitätsabteilung, dennoch fürchtet sie ständig Connor eher eine Last zu sein.

Lev versucht ein neues Leben zu beginnen, wird in ein Haus ehemaliger Zehntopfer gebracht und durch die Leiter dort als eine Art Gott hochgejubelt. Als ehemaliges Zehntopfer und DER Klatscher, der nicht geklatscht hat, betet ihn dort jeder regelrecht an. Damit kommt Lev allerdings gar nicht zurecht. Als dort das Mädchen Miracolina auftaucht, findet Lev endlich eine Ansprechpartnerin, die ihm gefällt. Allerdings hat er es nicht leicht, sich ihr überhaupt zu nähern. Denn Miracolina ist mit ihrer Rettung kurz vor dem Zehntopfergang gar nicht einverstanden und reagiert aggressiv und wütend.

Als ein gestorchter Junge namens Starkey kurz vor der Umwandlung durch Connor und seine Leute gerettet und zum Friedhof gebracht wird, ist für ihn sofort klar, dass er ganz langsam, still und heimlich Connor den Rang ablaufen will. Er sieht sich als den neuen Anführer des Friedhofs und wird alles tun, dieses Ziel zu erreichen …..

***


Der zweite Teil der Vollendet-Reihe schließt nahtlos an den ersten Teil an und der Leser trifft alle bekannten Personen wieder und lernt neue kennen. Ich hatte keine Probleme, mich wieder in die Handlung einzufinden und die Stimmung hat mich gleich wieder in ihren Bann gezogen.

Der Spannungsbogen ist gut gesponnen und durch die verschiedenen Handlungsorte wird die Geschichte nicht langatmig oder zäh.

Mir hat die Erschaffung einer weiteren, sehr besonderen Person, absolut gefallen, auf die ich aber gar nicht näher eingehen möchte, denn dass würde einen Teil der Handlung verraten, der die Geschichte wirklich bereichert. Das Problem, was ist richtig, was ist falsch, was ist ethisch tragbar und was nicht, all dies kommt durch diese Figur sehr gut heraus und sorgt für Brisanz.

Neal Shusterman hat mit seiner Vollendet-Reihe ja eine sehr gute Grundidee umgesetzt, nämlich: Ein Mensch darf rückwirkend bis zu seinem 16 Lebensjahr abgetrieben werden. Das bedeutet, Eltern können z.B. schwierige pubertierende Teenager loswerden, indem sie sie umwandeln lassen. Das bedeutet, der Körper des Umzuwandelnden wird zerlegt und sämtliche Teile werden transplantiert und somit am Leben erhalten. Doch die große Frage ist ja: Was passiert mit der Seele?

Wenn das Leser meiner Rezension neugierig gemacht hat, können sie gerne die Rezension zum ersten Teil einmal lesen und dann vielleicht entscheiden, ob sie Lust haben, sich der Reihe mal zu widmen?

Mein Fazit: Ein sehr gut gelungener Teil II der Vollendet-Trilogie, der die Geschichte weitererzählt und sie um weitere Figuren bereichert, die sicher im dritten und letzten Band eine große Rolle spielen. Ich freue mich darauf!

Buchtrailer zu Vollendet – Der Aufstand

Trailer zum Making of des Hörbuchs:

 .

© Buchwelten 2015

EXIT von Hugh Howey

.

exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

.

Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

***

Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

.

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

DSCN1107

.

Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

.

© Buchwelten 2015

Revival von Stephen King

Revival

Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26963-7

Jamie Morton ist 6 Jahre alt und lebt in einer glücklichen amerikanischen Familie bestehend aus seinen Eltern, seinen drei älteren Brüdern und seiner Schwester Claire. Jamie spielt gerade vor dem Haus auf der Straße mit seinen geliebten Spielzeugsoldaten, als er das erste Mal auf den neuen Reverend der Stadt, Charles Jacobs, trifft. Dieser ist selbst noch recht jung mit seinen 25 Jahren, als er die Pfarrerstelle antritt. Mit dabei seine junge Frau Patsy und der kleine Sohn Morrie (das Klettchen). Der Reverend und seine Familie sind bei allen sehr beliebt. Die Kinder gehen gern in die Jugendgruppe, wo Reverend Jacobs auch immer sein Hobby, die Elektrizität, zur Schau stellt und die Kinder und Jugendlichen zum Staunen bringt.

Als ein schrecklicher Unfall Jacobs seine Liebsten nimmt, fällt er quasi vom Glauben ab und in seiner letzten Predigt, verflucht er Gott bis aufs letzte und der Rauswurf aus der Gemeinde ist unvermeidlich. Jacobs verlässt die Stadt und Jamie verabschiedet sich als einziger von ihm.


Jamie ist mittlerweile Mitte 30, war Musiker in diversen Bands und ist schwer heroinsüchtig, als er auf einem Jahrmarkt in Tulsa erneut auf seinen alten Freund Jacobs trifft. Der verdient sich mittlerweile seinen Lebensunterhalt mit der Elektrizität. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und fasziniert seine Zuschauer mit besonderen Blitzportraits. Jamie bleibt eine Weile bei ihm, wird von seinem alten Freund sogar von seiner schweren Sucht geheilt. Dennoch ist Jacobs Jamie nicht geheuer. Irgendetwas hat der ehemalige Reverend an sich, dass Jamie Angst einflösst …

***

Eigentlich erzählt dieses Buch nur die Lebensgeschichte von Jamie Morton, den wir als kleinen Jungen kennenlernen. Dann erlebt der Leser mit, wie er sich als Teenager mit der Gitarre seines großen Bruders das Spiel beibringt (der ganze Scheiß fängt mit einem E an!), Jamie im Laufe seines Erwachsenwerdens mit Bands umherzieht, er Verluste einstecken muss, selbst schwer abstürzt, wieder auf die Füsse kommt und dann ein besseres Leben beginnt.

Für viele Leser mag das total langweilig sein, mich hat es absolut gefesselt. Mir ist Jamie im Laufe seiner Jahre/der Handlung sehr ans Herz gewachsen. Das Jamie im Laufe der Geschichte immer wieder auf Charles Jacobs trifft, ist seltsamerweise nicht verwunderlich,  irgendwie scheinen die beiden miteinander verbunden zu sein. King hat nicht nur das Wesen seines Protagonisten, sondern auch den Charakter des Reverend sehr gut ausgearbeitet. Auch wenn er mit den Jahren immer düsterer, unheimlicher, verrückter und besessener wird, so bleibt er irgendwie auch immer der nette Kerl, der mit Mitte 20 Jamies Herz erobert hat, weil er einfach nett zu ihm war. Und nach dem schrecklichen Vorfall, der mich selbst total geschockt hat (der übrigens in der typischen „alten“ King-Grausamkeit geschrieben ist), fand ich seine Reaktion überhaupt nicht abwegig. Auch wenn diese Worte schon sehr blasphemisch daherkommen, sind sie sehr nachvollziehbar. 

Stephen King liefert hier eine Story, die mich ein wenig an LOVE erinnert hat und die sehr viel Einfluß von Lovecraft haben soll. Das kann ich nun nicht wirklich beurteilen, da ich seine Geschichten nie gelesen habe. Ich kenne sie nur vom Erzählen, den Covern und den Klappentexten unserer Lovecrafts in der Bibliothek hier. Ich habe bei einer Bloggerkollegin gelesen, dass man vorher „Briefe aus Jerusalem“ aus Nachtschicht lesen sollte und das habe ich getan. Bis auf eine kleine Gemeinsamkeit war aber nicht viel an Verbindung herauszulesen.

Alles in allem fand ich diesen Roman sehr gefühlvoll, teils sehr traurig und schockierend. Vor allem die familiären Momente haben mir sehr gut gefallen und mich dann stellenweise mitgenommen. Jamie wird älter, seine Brüder werden älter und als er dann nach vielen Jahren in seinem Heimatort wieder die Gitarre in die Hand nimmt und spielt, wo alles begann, war auch das eine sehr emotionale Szene.

Mein Fazit: Ein King, der für viele langweilig und langatmig ist. Für mich war er gefühlvoll, dramatisch, düster, schockierend und schön 🙂

Ich danke dem HEYNE Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

© Buchwelten 2015

Das Lachen und der Tod von Pieter Webeling

.


Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89667-464-7
Kategorie: Allgemeine Belletristik (Drama)

.

Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann ist Halbjude und wird in ein in Polen liegendes Vernichtungslager deportiert. Doch er ist und bleibt Komiker und so kann er sich weder auf dem Bahnsteig vor der Abfahrt in einem Viehwaggon beherrschen (Frage an einen SS-Offizier, ob es sich denn hier um den 1. Klasse Viehwaggon handelt), noch im Verlauf der „Reise“ (um ein aufkommendes Gerangel innerhalb des Waggons zu unterbinden, steigt Hoffmann auf zwei Koffer und improvisiert eine Vorstellung) und später innerhalb des Lagers.

Während der Fahrt trifft Ernst auf die schöne Helena, in die er sich auf den ersten Blick verliebt, auch wenn sie sich nie zuvor gesehen haben. Sie versprechen sich gegenseitig, einander nie zu vergessen.

Nach der Ankunft im KZ beginnt sofort die Selektion von Frauen, Kindern, Männern. Ernst wird einem Arbeitskommando zugeteilt, hat also insofern Glück, dass er nicht sofort „duschen“ muss.

Der Lageralltag ist grausam, brutal und der Tod ist allgegenwärtig. Die Gedanken an die schöne Helena sind der einzige Hoffnungsschimmer, der Ernst bleibt. Über den Barackenältesten Schlomo erfährt er, dass seine Helena noch lebt und um sporadischen, schriftlichen Kontakt zu ihr halten zu können, trifft er eine Abmachung mit Schlomo: Jeden Tag einen Lacher. Er tritt abends als Komiker in der Baracke auf, bringt seine Mitinsassen zum Lachen, damit sie nicht dem Wahnsinn verfallen oder in Hoffnungslosigkeit ertrinken.

Als der Lagerkommandant davon erfährt, schlägt er Hoffmann vor, vor der SS als Komiker aufzutreten. Nicht nur er selber soll dadurch bevorzugt behandelt werden, auch seiner Helena soll der Alltag im Lager erleichtert und angenehmer gestaltet werden. Ernst Hoffmann weigert sich, wird sogar dem Todeskommando zugewiesen, der Gruppe Lagerinsassen, die für die Vergasung der Neuankömmlinge zuständig ist. Hoffmann soll die Menschen durch seine Komik beruhigen, zum lachen bringen, im Klartext: in die Irre führen.

***

Der Autor Pieter Webeling hat hier eine Geschichte zu Papier gebracht, die sich liest, wie eine Autobiographie und nicht wie ein Roman. Er hat so genau recherchiert dass der Leser meint, der Autor selbst sei der Ich-Erzähler, der seine Geschichte wiedergibt. Die Gratwanderung zwischen Humor, Komik, Grausamkeit, Elend und Tod ist Webeling sehr gut gelungen. Dieses Thema ist eine schwere Kost und auch nach so vielen Jahrzehnten verliert es nichts von seiner Heftigkeit und seinen Gräueln.

Der Roman beschreibt das Überleben und den Tod innerhalb des KZs, die Leiden, Qualen durch Prügel, Hunger, Krankheit, jedoch ebenso den Hauch von Hoffnung und Freundschaft und ja, auch den Humor, der die Menschen vor dem Durchdrehen und Aufgeben bewahrt. Ich war absolut gefesselt von dieser Geschichte und habe während des Lesens die verschiedensten Gefühle durchlebt.

Webeling beginnt seinen Roman nach dem Krieg, mit dem ersten Auftritt seines Protagonisten in seinem Amsterdamer Theater. Somit weiß der Leser gleich zu Beginn, dass zumindest der Komiker es geschafft hat. Dann springt er zurück und erzählt die Ereignisse, die zwischen dem letzten und ersten Auftritt auf der Bühne liegen. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, schönt nichts und niemanden, beschreibt das Leben der Lagerinsassen so detailliert, dass es dem Leser erschreckend klar vor Augen steht.

Der Roman wird als gebundene Ausgabe präsentiert und von einem schlichten Cover geziert, dass treffender nicht sein kann und auch der Handlung entspricht: ein Mann in einer KZ-Pyjamahose, kombiniert mit einem Frack, Zylinder und Stock, wie Charlie Chaplin es trug. Auch der Titel könnte nicht passender sein: Das Lachen und der Tod trifft es haargenau. Der Titel wurde übrigens wörtlich aus dem niederländischen übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein fantastisch, schreckliches Buch, dass die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Komik eindeutig geschafft hat. Es schockiert, macht traurig, bringt zum weinen, jedoch auch zum schmunzeln und lässt es sogar zu, dass sich der Leser während der Lektüre freuen kann. 

.

© Buchwelten 2014

Gesetz der Rache von Kristen Simmons

.

Erschienen als Klappenbroschur
bei ivi (Piper Verlag)
insgesamt 448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70305-5
Kategorie: Jugendbuch

.

Ember und Chase haben es geschafft sich dem Widerstand anzuschließen. Offiziell für tot erklärt, setzen sie sich nun gemeinsam mit den Rebellen, der großen „Familie,“ für „die Sache“ ein.

Als plötzlich von einem Heckenschützen, dem Sniper, die Rede ist, verbreitet sich Unruhe in der Gemeinschaft. Dieser Schütze erschießt Soldaten der MM – der Moralmiliz – auf öffentlichen Plätzen, unter den Augen der Zivilisten. Die Kämpfer des Widerstandes vermuten natürlich, dass der Sniper einer von Ihnen ist, doch dessen Identität kennen auch sie nicht.

Dann erscheint plötzlich ein aktuelles Fahndungsplakat des FBR – Federal Bureau of Reformation – auf dem unter den Hauptverdächtigen in Bezug auf die Anschläge Ember Miller aufgeführt ist:

Ember Miller, verhaftet wegen Artikel 5

 Bekannt als „Heckenschütze“. Gesucht wegen Mords und vielfachen Hochverrats.

Die Verdächtige ist bewaffnet und äußerst gefährlich.

 Code 1: Bei Sichtkontakt sofortige Eliminierung.

 Ember und Chase sind geschockt. Wer hat sie verraten? Warum soll Ember die Heckenschützin sein? Sie, die nicht einmal eine Waffe halten kann und das Wayland Inn, die Zentrale des Widerstandes, seit ihrer Ankunft nicht einmal verlassen hat?

Dennoch, die beiden sind wieder auf sich allein gestellt. Sie müssen den Schutz der Gruppe verlassen und selbständig um ihre Freiheit kämpfen …

***

Da es sich hier um die Fortsetzung von „Artikel 5“ handelt (ich hatte keine Ahnung, dass es eine Fortsetzung geben wird), habe ich auch diesmal in meiner Zusammenfassung des Inhalts eigentlich gar nichts verraten. Zumindest nicht ein Detail, welches die Handlung des ersten Teils ausmacht. Denn ich gehe einfach mal davon aus, dass es viele Leser dieser Rezension gibt, die Artikel 5 noch nicht gelesen haben. Daher möchte ich doch keinem die Spannung nehmen.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den ersten Roman an und auch hier schreibt Kristen Simmons wieder in einem angenehmen guten und schön lesbaren Schreibstil. Die Verzweiflung, der Mut, die Hoffnung, der ewige Kampf um die Freiheit, all dies wurde wieder sehr gut rübergebracht. In der Handlung sind zwischen den Büchern nur einige Wochen vergangen, dennoch ist die Protagonistin Ember sehr gereift. Sie wirkt selbstsicherer, ist tougher und wirkt längst nicht mehr wie ein Teenager.

Ember und Chase durchleben auf ihrem Weg Unmengen an Gefahren, dennoch gibt es auch viele ruhige, angenehme und schöne Momente in der Handlung, die sehr zart, liebe- und gefühlvoll beschrieben sind. Also eine gelungene Mischung aus rasanten und dramatischen Szenen sowie ruhigen Momenten, die den Leser zwischendurch zur Ruhe kommen lassen.

Das Cover wird vom Verlag eigentlich fast identisch wie zu „Artikel 5“ präsentiert. Gedeckte Farben, ein blauer Schriftzug, wieder ist das Mädchen mit den strahlend blauen Augen zu sehen. Mir gefällt es gut, zumal sich die beiden Bücher nun optisch hervorragend nebeneinander im Regal blicken lassen können.

.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die gelungene Fortsetzung von „Artikel 5“. Die Autorin liefert eine gute Mischung aus Dramatik, Freundschaft, Hoffnung und Mut, geschrieben in einem guten Schreibstil. Der Leser trifft auf bekannte und interessante Charaktere und wird sich ganz gewiss von der Handlung fesseln lassen.

.

Ich danke dem Piper Verlag / ivi für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

© Buchwelten 2013

Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte von Peter Heller

.


Erschienen als
gebundene Ausgabe
im
Eichborn Verlag
320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-8479-0519-6

.

Zuerst kam die tödliche Grippe, dann kam die Blutkrankheit. Einige wenige haben diese Todeswelle überlebt, Big Hig ist einer von ihnen. Und sein Hund Jaspar, der hat es auch geschafft. Hig, einfach nur Hig, lebt nicht mehr in seinem ehemaligen Haus, dort würden ihn die Erinnerungen an sein altes Leben nur quälen. Er lebt in einem verlassenen Flugzeughangar, gemeinsam mit seinem Hund und seiner geliebten Cessna. Zum schlafen geht er – Sommer wie Winter – unter den freien Himmel, weiß man doch nie, ob noch irgendwelche Plünderer auftauchen.

Hig hat lediglich eine weitere menschliche Person in seiner Nachbarschaft: Bangley. Ein eigensinniger Waffennarr, der Hig eigentlich die meiste Zeit unheimlich ist, jedoch sind sie ein eingespieltes Team und da sie nur einander haben, arrangieren sie sich. 

Hig fliegt täglich mit seiner Cessna raus und macht seine Kontrollflüge. Flugzeugbenzin gibt es unendlich viel und er braucht diese Flüge einfach. Immer noch, nach 9 Jahren, hört er den Funkverkehr ab, in der Hoffnung, irgendwann eine menschliche Stimme zu vernehmen. In etwas weiterer Umgeben leben einige weitere Überlebende, allerdings sind diese Familien mit der Blutkrankheit infiziert. Hig fliegt dennoch regelmäßig zu ihnen rüber und schaut, ob sie Lebensmittel oder ähnliches benötigen. Wenn nötig, fliegt er zu ihnen. Dass sie dabei einen gewissen Sicherheitsabstand wahren, haben sie sehr gut organisiert. Big Hig hat keine Angst, sich anzustecken. Bangley hat für diese Hilfsbereitschaft seines Nachbarn keinerlei Verständnis, doch Hig lässt sich nicht reinreden. Er zieht seinen kleinen Beitrag der letzten Menschlichkeit stur durch!

Als Hig auf einmal ein Funksignal empfängt, ist Higs Abenteuergeist und Neugier so sehr geweckt, so dass er sich auf eine Reise begibt …

***

Hig ist ein sehr gefühlvoller, nachdenklicher Mann, der mit Mitte 40 von sich sagt, dass er alt ist. Seine geliebte Frau hat er durch die Grippe verloren. Er ist einsam, viel in seinen Gedanken verloren und versucht mit seinem Leben zurechtzukommen. Dieser Charakter ist ein sehr angenehmer, der mir gleich sympathisch war. Auch Bangley, der unter seiner harten Schale einen weichen Kern hat, gefällt mir.

Der Autor erzählt die Geschichte aus der Ich-Perspektive und in der Gegenwart. Eine Erzählweise, die mir persönlich nicht wirklich gefällt. Immer wieder springt er jedoch in die Vergangenheit, wenn er zurückdenkt an vergangene Tage.

Auch gibt es in dem Roman keine wörtlichen Rede, wenn die Personen miteinander „sprechen“, sind diese Stellen indirekt.

Peter Heller hat hier eine gefühlvolle und abenteuerliche Geschichte erzählt, die für mich aber eher schleppend und anstrengend zu lesen war, was vermutlich an dem besonderen, außergewöhnlichen Erzählstil gelegen hat. Mir hat er nicht so ganz zugesagt, so dass ich mich einfach etwas schwer tat und nicht entspannt durch die Handlung „fliegen“ konnte.

Das Buch präsentiert der Eichborn Verlag als schöne gebundene Ausgabe, welches ein schönes, ansprechendes Cover ziert. Mir gefällt es sehr gut.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für „Big Hig“, eine schöne, ruhige, abenteuerliche Geschichte über Freundschaft, dass Überleben und das Vermissen und die Sehnsucht. Geschrieben in einem eigenwilligen, außergewöhnlichen Schreibstil, der mir persönlich leider nicht so liegt.

.

.

.

© Buchwelten 2013

Joyland von Stephen King

.


Erschienen als
gebundene Ausgabe
im
HEYNE Verlag
352 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-453-26872-2

.

Man schreibt den Sommer 1973 und Devin Jones will – bevor er zum College geht – den Sommer nutzen, um Geld zu verdienen. Dazu bewirbt er sich in JOYLAND, einem kleinen, nicht wirklich modernen, Freizeitpark an der Küste von North Carolina. Devin bekommt den Job, eigentlich ohne große Schwierigkeiten, irgendwie hat der junge Mann etwas an sich, dass die Menschen mögen. Dev ist relativ schnell überall sehr beliebt. Leider sieht das seine Freundin Wendy etwas anders, denn sie gibt ihm kurz vor der Abreise den Laufpass. Für Devin bedeutet dies ein gebrochenes Herz, was bekanntlich in jungen Jahren sehr schmerzhaft ist.

Doch Devin versucht sein Bestes, um darüber hinwegzukommen. Er bekommt ein schnuckeliges, kleines Zimmer zur Miete, gelegen in einem schönen Haus, direkt am Strand. Die Vermieterin ist eine angenehme, nette Frau, die eine Menge über JOYLAND zu berichten weiß. Außerdem kann Devin von dort aus jeden Tag am Strand entlang zu seinem Arbeitsplatz laufen. Er genießt diese Fußmärsche sehr. Das Meer mit seinen Gerüchen und Klängen hilft ihm, seinen Kopf klar zu bekommen.

Devin lernt in diesem Sommer eine Menge neuer Menschen kennen, die ihm größtenteils alle sehr schnell ans Herz wachsen. Da sind seine Kollegen Erin und Tom, die im gleichen Strandhaus wohnen wie er. Es entwickelt sich eine tiefe Freundschaft, die lange Jahre währt. Dann sind da noch der keine Junge im Rollstuhl, sein Hund und seine unnahbar scheinende, schöne Mutter, die Dev jeden Tag am Strand sitzen sieht, wenn er zur Arbeit geht und von dort zurückkommt. Diese außergewöhnliche, kleine Familie soll Devin in diesem Sommer näher kennenlernen und auch hier entwickelt sich eine besondere Freundschaft.

Devin fühlt sich nach seinem Sommer in JOYLAND so wohl, dass er beschließt länger zu bleiben. Er bekommt eine Festanstellung und ist somit kein Hilfsarbeiter mehr, sondern einer von ihnen. Devin hat sich in JOYLAND verändert. Er ist selbstbewusster geworden, stärker, mutiger und offener. Er hat das Gefühl, dort hinzugehören, mag den „Slang“ des Rummels, die sonderbare Geheimsprache der Mitarbeiter. Er verabschiedet sich von Erin und Tom, die nach diesem Sommer ihre Zeit auf dem College verbringen.

Da ist er nun. Der neue, andere Devin, der in JOYLAND geblieben ist, weil er den Flair dort trotz aller harter Arbeit liebt. Und außerdem ist da noch etwas in JOYLAND: ein Geheimnis, ein Gerücht, dem er unbedingt auf den Grund gehen will. Im Horror House, der Geisterbahn, soll es spuken. Dort soll ein Mädchen umgebracht worden sein und ihr Geist soll dort nach wie vor verweilen. Erin ist im aus der Ferne behilflich Informationen über das ermordete Mädchen zu erhalten. Und mit seinen Nachforschungen bringt Devin sich in Gefahr, ohne dass er es bemerkt …

***


Bereits „Der Anschlag“ von Stephen King wurde hochgelobt, ich habe ihn noch nicht gelesen, kann es daher nicht beurteilen. Allerdings ist JOYLAND ein Buch, dass mich vom Anfang bis zum Ende (die bei Stephen King ja oft „unbefriedigend“ sind) gepackt hat.

Dieser Roman hält durchweg eine wunderbare, ruhige, fesselnde Stimmung. Wie Stephen King die Atmosphäre des Freizeitparks und den Menschen darin rüberbringt, ist sehr gut gelungen. Auch die besondere Eigenschaft des Meeres, mit seinen Geräuschen und Gerüchen ist sehr greifbar und toll dargestellt.

Ich fühlte mich manches mal in der Stimmung an „Wahn“ erinnert, auch dort lernt der Protagonist jemanden am Strand kennen, allerdings war es dort ein alter Mann und das Ende war etwas komisch. Hier ist es ein kleiner, todkranker Junge, der gleichzeitig voller Leben strotzt, dass es dem Leser das Herz erweicht! King Leser kennen evtl. „Der Dunkle Turm“ und den Charakter von Jake, er ist mir in ähnlicher Weise direkt sehr lieb gewesen.

Vom Flair der 70er Jahre her, liest sich der Roman wie ein „alter King“, wobei für mich der „neue King“, der nach seinem Unfall, viel gefühlvoller schreibt, ohne dabei die mystische und knisternde Spannung vergessen zu lassen, die Stephen King nun einmal ausmacht. Er schreibt nicht in einem sonderlich gehobenen Schreibstil, dass hat er nie, doch er versteht es die Leser zu packen. Immer wieder, immer noch. Ich habe einige kleine autobiografische Aussagen gefunden, die mir auffielen, weil ich „Vom Leben und Schreiben“ von ihm gelesen habe.

Das Buch präsentiert der HEYNE Verlag als gebundene Ausgabe mit einem sehr passenden Cover: einer Leuchtreklame im amerikanischen Stil. Wobei sich hier, wie eigentlich bei allen seinen Werken, ein Blick auf die Homepage des Autors lohnt. Das Originalcover zeigt nämlich Erin, die als „Hollywood Girl“ mit ihrer riesigen Pressekamera in JOYLAND arbeitet, ein tolles Bild. Außerdem gibt es dort eine Karte/Lageplan von JOYLAND, den ich gerne schon während der Lektüre entdeckt hätte. Der Roman ist für einen King relativ „dünn“, wobei eine Geschichte immer so lang sein sollte, wie sie dauert. Und die Seiten reichen für diese Story allemal aus. „Das Mädchen“ war beispielsweise auch ein dünnerer Roman, der dennoch einfach klasse war. 

.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für JOYLAND. Ein Sommer, ein Abenteuer auf dem Rummel, einem Ort mit seinem eigenen Flair, der Geheimnisse birgt, verletzte Seelen heilen und einen jungen Mann verändern kann. Stephen King liefert eine sehr stimmungsvolle Geschichte, die fesselt, kurzweilig ist und an der noch nicht einmal am Schluss irgendetwas auszusetzen ist. Einfach toll und gelungen!

Ich danke HEYNE für die Bereistellung des Rezensionsexemplares.

.

.

© Buchwelten 2013

Artikel 5 von Kristen Simmons

.


Erschienen als Klappenbroschur
bei ivi (Piper Verlag)
insgesamt 432 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70286-7
Kategorie: Jugendbuch

.

Das Amerika in der Zukunft ist hart, streng und grausam. Zum Wohle der Menschheit wurden vom Federal Bureau of Reformation, kurz: FBR, von den Bürgern heimlich „Moralmiliz“ genannt, die Moralstatuten der Vereinigten Staaten erlassen.

Und jeder Bürger der gegen diese Artikel verstößt wird hart bestraft. Dies spürt die 17-jährige Ember am eigenen Leib, als sie und ihre Mutter verhaftet werden. Sie haben gegen Artikel 5 verstoßen, der besagt:

Als vollwertiger Staatsbürger wird nun anerkannt, wer als Kind eines verheirateten Paares auf die Welt kommt.

Ember lebt mit Ihrer Mum allein, bisher haben sie unauffällig gelebt und sind nicht aufgefallen. Als plötzlich die Moralmiliz vor ihrer Tür steht, sind Mutter und Tochter total geschockt. Wer hat sie verraten? Ember geht sehr schnell auf, wem sie diesen „Überfall“ zu verdanken haben. Einer der Soldaten ist niemand geringerer als Chase. Embers Nachbar und bester Freund seit Kindertagen, dem sie schlimmerweise auch ihr Herz geschenkt hat. Der Chase der an diesem Abend vor ihrer Türe mit den anderen Soldaten auftaucht, ist nicht mehr der Junge, den sie kannte und liebte. Eiskalt und gefühlslos wirkt er, als er Ems Mutter abführt. Ember selbst wird in ein Erziehungsheim verfrachtet, wo alle Kinder und Jugendlichen untergebracht werden, die, wie sie gegen Artikel 5 verstoßen.

Wohin ihre Mutter gebracht wird sagt ihr niemand. Doch Ember hat sich vorgenommen, dass sie fliehen muss. Sie will ihre Mutter finden, sie ist alles was ihr noch bleibt, die letzte Person, die sie liebt und die sie braucht. Und es gibt nur einen Weg: sie braucht die Hilfe von Chase. Auch wenn er es war, der sie und ihre Mutter verraten hat und sie ins Unglück gestürzt hat …

 ***

Ich bin durch die Inhaltsangabe auf diesen Roman aufmerksam geworden, die mich gleich angesprochen hat. Der Text versprach keine typische Dystopie, dennoch ein interessantes Thema im Jugendbuchbereich.

Ich wurde nicht enttäuscht. Die Autorin schreit in einem angenehmen Schreibstil, der gut lesbar und leicht verständlich ist. Die Charaktere der Protagonisten hat sie gut dargestellt. Die Hilflosigkeit, Hoffnung und Wut von Ember sind sehr gut ausgearbeitet. Ebenso die Widersprüche ihrer eigenen Gefühle Chase gegenüber. Einerseits ist sie vorsichtig, enttäuscht und misstrauisch. Andererseits versucht sie immer wieder Vertrauen zu finden und in ihm den Chase zu sehen, der er vorher einmal war. Wie sich dies innerhalb der Geschichte entwickelt, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Stellenweise ist die Geschichte recht heftig aber diese Szenen passen immer gut in den jeweiligen Handlungsmoment. Die Entwicklung der Handlung ist sehr gut aufgebaut, fesselt und ist nicht langatmig.

Das Cover ist schlicht und in dunklen Farbtönen gehalten, mit einem türkisfarbenen Schriftzug. Es zeigt ein sommersprossiges Mädchen, was für mich nicht Ember, sondern eher deren beste Freundin Beth darstellt. Mir gefällt es gut, es spricht an.

Es gibt für mich einen kleinen Makel, der mich dazu führt, dem Buch insgesamt „nur“ 4,5 von 5 Sternen zu vergeben. Wobei hier von guten 4,5 Sternen die Rede ist. Den Grund für den Abzug kann ich leider wegen eventueller Spoiler-Gefahr nicht näher ausführen.

 .

Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für dieses Jugendbuch, dass keine typische Dystopie oder Science Fiction ist, auch wenn die Story in der Zukunft handelt. Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise, die gefährlich, dramatisch und fesselnd ist. Ob Ember ihr Ziel erreicht, muss der Leser, der nun neugierig geworden ist, selber verfolgen.

 .

Ich danke ivi / Piper für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

© Buchwelten 2013

Splitterfasernackt von Lilly Lindner

.


Erschienen als Klappenbroschur
bei Droemer
insgesamt 400 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-426-22606-3
Kategorie: Autobiographie

.

Im Alter von 6 Jahren wird Lilly Lindner das erste Mal von Ihrem Nachbarn missbraucht. Ihren Eltern gegenüber schweigt sie, sie würden ihr doch nicht glauben. Nehmen sie ihre Tochter doch sowieso nicht wahr.

Als der Mann eines Tages wegzieht, hat er Lilly mehrmals geschunden und ihre Seele ist zerstört. Lilly beginnt zu hungern, denn sie ist sicher, wenn sie nur wenig genug wiegt, dann bleibt fast nichts mehr von ihr übrig.

Nach einigen Heimaufenthalten und einer Weile in einer psychiatrischen Klinik, in die Lilly sich auf eigenen Wunsch hat einweisen lassen, zieht Lilly mit 17 Jahren in eine eigene Wohnung. Sie hungert weiter, essen kann sie längst nicht mehr. Und wenn sie doch einmal ein wenig isst, dann zwingen Ana und Mia in ihrem Kopf sie dazu, das wenige gleich wieder zu erbrechen. Denn leicht geht doch alles viel leichter …

Lilly entschließt sich in einem Berliner Edelbordell zu arbeiten, weil sie denkt, dass ihr Körper ihr schon so lange nicht mehr gehört. Vielleicht schafft sie es so, wieder zu sich selbst zu finden?

***

„Die Geschichte einer gestohlenen Kindheit und eines im Innersten verletzten Mädchens“.

Ein provozierendes Buch von ungeheurer sprachlicher Wucht“, so sagt es der Klappentext. Solche reißerischen Sätze werden oft in Kurzbeschreibungen verwendet, um die Leser zum Kauf zu animieren. Nun, provozierend würde ich diese wirkliche Geschichte nicht nennen, eher erschütternd. Jedoch ist die „sprachliche Wucht“ wirklich gegeben.

Ich bin zufällig auf dieses Buch gestoßen, als ich in der Buchhandlung gestöbert habe. Ich habe noch nie eine Autobiographie gelesen, schon gar keine eines Missbrauchsopfers. Warum habe ich das Buch gekauft? Ich kann es nicht beantworten. Vielleicht war das nette liebliche Gesicht Lillys auf dem Cover der Grund. Oder auch, weil ich beruflich leider öfters mit solchen schlimmen Fällen konfrontiert werde?

Es wird nicht möglich sein, mit einer Rezension diesem Buch so voller Grausamkeit und doch soviel Gefühl gerecht zu werden. Wir erleben als Leser die schlimmste seelische Pein, die Lilly durchlebt, aber auch Momente voll tiefer Freundschaft durch die wenigen Menschen an Lillys Seite, die sie akzeptieren, wie sie ist und natürlich versuchen, ihr zu helfen.

Es ist gleichzeitig seltsam und absolut verständlich wenn Lilly schreibt, dass sie sich gerade im Bordell bei den anderen Mädchen geborgen fühlt. Dass dies die erste Familie ist, die sie kennenlernt. Die Art, wie Lilly über ihre Erlebnisse dort schreibt, ist überhaupt nicht abstoßend.

Ich habe bei der Lektüre des Buches nicht einen Moment das Gefühl gehabt, dass die Autorin durch die Veröffentlichung versucht aus dem erlebten Leid Geld zu machen. Lilly Lindner hat dieses Buch geschrieben, um zu überleben. Dies war ihre einzige Möglichkeit mit dem Geschehenen annähernd umzugehen. Nackt, klar und glaubhaft bringt sie ihre Gedanken zu Papier.

Lilly Linder wurde im Laufe ihrer „Karriere“ oft gesagt, dass sie zuviel Grips für dieses Gewerbe habe, dass sie zu intelligent sei. Das ist sie. Der Leser bekommt ihre Intelligenz mit jedem Wort zu spüren, ihr sprachlicher Ausdruck ist sehr gut.

Hier möchte ich eine kleine Textstelle zitieren:

Ich erzähle … vom Schreiben und davon, wie es sich anfühlt, umgeben von rauschenden Wörtern vor einem Laptop gefangen zu sein, und zu schreiben und zu schreiben ohne aufzublicken, ohne zu merken, wie die Zeit dahinrast, wie es dunkel wird und dunkler, und dann wieder hell. Wie es ist, wenn nichts anderes auf der Welt einem so wichtig erscheint, wie die richtigen Worte zu finden, um ein Gefühl zu malen, ein Bild zu schreiben, einen Ausdruck so laut oder leise zu formulieren, dass er genauso zwischen den Zeilen hervortritt, dass er dort gehört wird wo er bleiben möchte. Wie es ist, von Hoffnung zu erzählen, ohne dabei nach verflossenen Liebschaften zu klingen, einen Sonnenuntergang nicht mit den Worten Orange und Rot zu beschreiben, eine Träne nicht einfach nur salzig sein zu lassen und einen Augenblick, der nie wieder kommen wird, so zu umfassen, dass man ihn immer sehen kann, auch wenn er gar nicht stattgefunden hat.“

Mich hat Lillys Geschichte emotional sehr berührt und ich konnte das Buch schwer aus der Hand legen, denn ich musste unbedingt wissen, ob sie es geschafft hat, Ana und Mia loszuwerden.

Als ich das Buch beendet hatte und dann bei Facebook ihre Fanseite fand, da wusste ich, dass Lilly Lindner noch da ist. Es gibt sie noch. Und das ist immerhin ein kleiner Sieg. Ich habe mich gefreut. Ob sie es letztendlich schaffen wird, ihre Seele zu heilen bleibt fraglich. Ich wünsche es dieser starken, schwachen jungen Frau von ganzem Herzen.

.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für eine wahre Geschichte, die eigentlich so erschütternd ist, dass man sie niemals positiv bewerten dürfte. Ich beziehe mich hier nicht auf das Erlebte der Autorin, sondern auf die erwähnte sprachliche Wucht, die absolut gegeben ist. 

White Horse von Alex Adams (4/5)

.


Erschienen als
Klappenbroschur
im PIPER Verlag
448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-4927-0252-2
Kategorie: Endzeitdrama/Fantasy

.

Zoe ist Putzfrau – oder auch Reinigungskraft – bei einem großen Medizinkonzern. Sie schrubbt die Böden, kümmert sich um die Versuchstiere und mag ihren Job. Zoe ist bei weitem nicht dumm, sondern hat diese Arbeit nur angenommen um sich bei einem sicheren Einkommen in Ruhe Gedanken zu machen, ob und was sie evtl. später einmal studieren möchte.

Außerdem ist Zoe aber auch eine geliebte Tochter, Schwester und sie hat Freunde in ihrer Umgebung. Einen kleinen Sicherheitswahn hat sie auch. Ihre Wohnung ist durch extreme Alarmsysteme gesichert, die gut ausgeklügelt sind. So ein bisschen wie Fort Knox.

Um so erstaunlicher ist, dass eines Tages mitten in ihrem Wohnzimmer ein seltsames Gefäß auf dem Boden steht. Einfach so. Nichts ist gestohlen, nichts ist zerstört worden. Da steht nun plötzlich dieses versiegelte Teil zwischen Sofa und Fernseher auf dem Teppich.

Zoe ist verwirrt und neugierig, macht aber keine Anstalten, sich das Gefäß näher anzusehen.

Stattdessen sucht sie sich einen Therapeuten. Sie möchte über dieses aufgetauchte Problem mit einem Fachmann sprechen, ist jedoch nicht ganz ehrlich. Sie sagt bereits in ihrer erster Sitzung, dass sie von diesem Gefäß träumt und dieser Traum sie nicht loslässt.

Die Sitzungen tun Zoe gut, sie baut ein angenehmes Verhältnis zu dem Therapeuten auf, das Gefäß rührt sie dennoch nicht an. Sie lebt weiterhin ihren Alltag, geht zur Arbeit, trifft ihre Freunde und Nachbarn.

Doch dann beginnen sich die Dinge zu ändern: Die Menschen in ihrer Umgebung werden krank, ein üblicher Brech-Durchfall befällt sie und noch etwas ist seltsam. Sämtliche Katzen, die im Appartementblock leben, verschwinden.

Zoe fragt sich, was passiert ist und ob evtl. dieses unscheinbare aber störende Gefäß in Ihrer Wohnung damit zu tun hat?

***

Zunächst war ich ein wenig skeptisch, das gebe ich zu. Der Text auf dem Buchrücken hat an Inhalt nicht viel hergegeben, aber dennoch neugierig gemacht. Mir war klar, dass mich in etwa ein Endzeitdrama erwartet und das trifft auch zu.

Die Kapitel springen immer zwischen „Damals“ (vor der Katastrophe) und „Jetzt“ (die Zeit, in der Zoe um ihr Überleben kämpft). Das gestaltet das Lesen als sehr kurzweilig und rasant. Wobei diese beiden Zeitspannen innerhalb des Romans immer mehr zusammenrücken.

Der Schreibstil war gut, stellenweise sehr gehoben, ausführlich und bildhaft. Hier eine kleine Textstelle (S.330)

.

Flammen lecken über einen Lastwagen auf der anderen Seite des Lagers, küssen das Metall mit der Zärtlichkeit eines Liebhabers. Höher und höher züngeln sie, bis die Nacht explodiert. Das Licht hinterlässt grelle Flecken auf meiner Netzhaut, als sich der Feuerball entfaltet, eine Blume, deren Blütenblätter sich aufspreizen, weiter … immer weiter … und dann zurücksinken an den Ort ihrer Entstehung.“

Eine Stelle, die hängengeblieben ist, denn die gefiel mir sehr gut.

:

Natürlich sind die Erwartungen bei Aussagen auf dem Buchrücken, die u.a. mit Stephen King vergleichen, entsprechend hoch. Hier muss ich sagen, an die Stimmung von Kings „The Stand“ kommt das Buch für mich nicht ran.

Hierzu wurde ich bis zuletzt mit der Protagonistin nicht wirklich warm, auch wenn sie sympathisch war und ein herzensguter Mensch, der letzte Kick kam für mich nicht ganz rüber.

Für mich hat sich die Story aber ab der Hälfte verbessert, die Auflösung des Ganzen und auch das Ende sind Geschmackssache. Ich fand den Schluss an sich nicht so brillant. Aber das empfindet nun mal jeder Leser anders. Es gibt auch viele geniale Kings – um bei dem Vergleich zu bleiben – die ein eher schwaches Ende haben.

Trotzdem hat mir der Roman gut gefallen und ich habe Zoe gerne begleitet auf ihrem schweren Weg. Eine düstere Stimmung kommt sehr wohl auf schlimmerweise kann so eine Katastrophe in unserer heutigen Zeit sicherlich wirklich – in ähnlicher Weise – eintreffen.

Das Cover ist sehr gut gelungen. Ein verlassener Ort, mitten darin steht Zoe erschöpft im Regen. Die Farben sind dunkel und düster gehalten. Es passt sehr gut zur Geschichte und ist ansprechend.

Alex Adams ist übrigens eine Frau und dieser Roman ist ihr Debüt und „White Horse“ der Auftakt einer Trilogie.

.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein dunkles Endzeitdrama, in dem dennoch die Gefühle und Menschlichkeit eine große Rolle spielen, das rasant geschrieben und abwechslungsreich ist. Ein uralter Hintergrund dient als Ursprung der Story und die Umsetzung ist gelungen und nicht mal abwegig. Der Schluss für mich eher weniger überzeugend, aber sicherlich Ansichtssache.

.

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

.

.

© Buchwelten 2012