Die Schwestern vom Ku’damm von Brigitte Riebe

.

 

Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Leseband
im Rowohlt Verlag – WUNDERLICH
insgesamt  432 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN:
978-3-8052-0337-1
Kategorie: Roman

Kriegsende in Berlin. 1945 liegt die Stadt in Trümmern. Das Kaufhaus der Familie Thalheim ist nach einem Bombentreffer bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Die Villa der Familie von den Russen beschlagnahmt. Der Vater wurde im Krieg versehrt, der Bruder ist in Gefangenschaft in Russland.

Aber der Überlebenswille und Kampfgeist der Thalheim-Frauen ist groß. Allen voran Rike Thalheim – älteste von 3 Töchtern – will das Kaufhaus wieder aufbauen und setzt alles daran, dass dieser Traum Erfüllung geht.

Nach dem Krieg dürsten die Menschen wieder nach schönen Dingen. Nachdem der kalte Winter überstanden, die Währungsreform vollzogen und die Blockade vorbei ist, scheint es aufwärts zu gehen.

Doch neben allem Geschäftlichen hat Rike mit einem Geheimnis zu kämpfen, dass sie selbst unter großen Druck setzt.

***

Die Geschichte um die Thalheim Familie beginnt noch zu Zeiten des Krieges. Da sind die drei Töchter Rike, Silivie und Florentine. Die zweite Frau von Friedrich Thalheim Claire, Florentines Mutter und Miriam, eine alte Freundin aus Zeiten vor dem Krieg. Dies sind in groben Zügen die Hauptprotagonisten dieses ersten Teils der Nachkriegs-Trilogie um die Kaufhaus-Familie Thalheim.

Das Kaufhaus am Ku’damm ist fiktiv, sonstige Ereignisse und Vorkommnisse in der Handlung sind geschichtlich korrekt und die Autorin hat ihre erdachte Familiengeschichte sehr gekonnt und perfekt in die wahren Vorkommnisse verbaut.

Das Elend des Krieges, die Entbehrungen und Zerstörung, die Angst und der Hunger, dass alles hat mich doch gefesselt und war interessant und dramatisch zugleich. Wenn man liest, wie die Menschen damals aus Nichts etwas gezaubert und versucht haben, von ganz unten wieder etwas aufzubauen, dann kann man nur „den Hut ziehen“, wie sie dies alles bewerkstelligt haben. Kleiderkollektionen aus Lumpen zu nähen, eine Modenschau vor den Loren der Trümmerfrauen abzuhalten, all diese Dinge waren richtig toll erzählt.

Auch die Hintergründe der Familie und deren Komplikationen und Geheimnisse gefielen mir gut. Die Figuren haben die unterschiedlichsten Charaktere, was alles sehr abwechslungsreich gestaltet. Mit der Hauptprotagonistin Rike bin ich irgendwie bis zum Schluss jedoch nicht wirklich warm geworden. Ich kann nicht mal genau erklären, warum.
Sie wirkte stets kühl und irgendwie distanziert, wobei gut beschrieben war, warum.

Aber Stil und Sprache des Romans sind sehr gut. Die Dialoge der Schwestern untereinander, und auch insgesamt, sind sehr offen und man merkt, dass die Menschen auch damals sehr wohl ihre Umgangssprache hatten. Das hat mir sehr gut gefallen.

Der Leser erhält auch einen guten Einblick die Stadt Berlin von damals, ebenso die damalige Situation überhaupt. Wie lange Berlin doch schon geteilt war, bevor eine Mauer errichtet wurde, dass hat man z. B. so nicht wahrgenommen.

Das Buch ist sehr gut recherchiert und im Anhang ist eine ausführliche Aufstellung über die Ereignisse. Ich habe des Öfteren nach hinten geblättert und nachgelesen.

Außerdem regte mich das Buch an, Suchmaschinen anzuwerfen und nach alten Fotos zu stöbern. Und ich sage immer: Wenn das passiert, dann hat mich das Buch gepackt.

Fazit: Eine sehr fesselnde und abwechslungsreiche Geschichte über den Krieg, das Leben darin und während der Nachkriegszeit. Über eine Familie, die sich nicht unterkriegen lässt. Ja auch ein großes Stück Frauenpower wird hier geboten. Ich freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung.

 

© Marion Brunner_Buchwelten 2019

Werbung

Starkstrom von Jan Zweyer

.

576_Zweyer_Starkstrom_rgb_2458111aad_74dfd64462
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 282 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN:  978-3-89425-576-3
Kategorie: Kriminalroman

.

Um den Flüchtlingsstrom einzudämmen hat sich Zentraleuropa hinter einem Zaun verschanzt. Der soll es Flüchtenden unmöglich machen, in die „gelobten Länder“ einzureisen. Denn Europa will diese Flüchtlinge nicht. Die Menschen warten geballt in Transitzentren auf ihr Schicksal. Die, die offiziell einreisen und einen Asylantrag stellen dürfen, werden durch ein Lotterieverfahren ausgewählt.

Die Firma, die den Zaun unterhält und bewacht (von der Regierung beauftragt) soll es schaffen, den Zaun noch undurchdringlicher zu machen, denn immer noch versuchen Flüchtlinge auf illegalem Weg einzureisen. Die einfachste und günstigste Lösung scheint ein Bluff: Es wird behauptet, dass der Zaun nun unter Starkstrom stehe. Als es dann aber genau dadurch ein Todesopfer gibt, wird die Regierung natürlich erheblichem Druck und Erklärungsnöten ausgesetzt.

Unterdessen begeben sich 2 junge Männer aus dem Senegal auf ihre Reise/Flucht nach Europa. Sie haben den Schritt gewagt und sich für teures Geld in die Hände einer Schlepperbande begeben …

***

Ganz klar, ein Thema, das neugierig macht, kann es doch aktueller gar nicht sein. Genau aus diesem Grund habe ich das Buch ausgewählt. Der Flüchtlingsstrom hält nicht an, immer mehr Menschen fliehen nach Europa. Ob aus Kriegsgebieten oder wie oben erwähnt aus Afrika, wo die Dürre die Menschen nach und nach dahinsiechen lässt.

Alle haben wir in den Medien von Schlepperbanden gehört und Bilder von Flüchtlingen gesehen, die neben zerborstenen Booten im Mittelmeer treiben und mit Glück lebend geborgen werden.

Der Roman „Starkstrom“ spielt in der Zukunft, jedoch nur einige Jahre. Der Autor Jan Zweyer beschreibt hier schon „unsere Welt“, in der wir hier und jetzt leben.

Und auch wenn mir der Roman zu großen Teilen gefallen hat, so hat er mich nicht zu 100 % überzeugt. Die Passagen, die im Senegal spielen, in denen der Leser die beiden Flüchtlinge begleitet, die auf die Schlepper hoffen, die haben mir sehr gut gefallen. Auch die Hintergründe und Verwicklungen waren interessant, erschreckend und leider auch sehr überzeugend.

Dennoch, sobald die Handlung sich in der Politik und dem Großkonzern abspielte, haben mich die Charaktere nicht wirklich überzeugt und ich kam teilweise mit den Namen bis zuletzt oft durcheinander. Die Figuren erschienen alle so gleich und durchsichtig, ich kann es gar nicht genau erklären. Dann waren wiederum Personen miteinander verbunden, wo ich dann schon dachte: dieser Zufall ist etwas an den Haaren herbeigezogen.

Unterm Strich war der Roman auf der einen Seite sicher gut recherchiert und auch erschreckend real. Auf der anderen Seite war er etwas wirr und machte auf mich den Eindruck, als wollte der Autor einem bekannten deutschen Politthriller- Autor nacheifern. Das ist ihm aber leider nicht gelungen.

Fazit: Ich bin ein wenig zweigeteilt, aber lest selbst und macht euch euer eigenes Bild. Für mich hat der Roman leider nicht ganz meine Erwartungen erfüllt.

.

© Marion Brunner_Buchwelten 2018