Der Untergang der Hölle von Jeffrey Thomas

Unterganghölle

Erschienen als Taschenbuch
im Festa-Verlag
377 Seiten
13,95 €
ISBN: 9783-86552-247-4

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Vee erwacht nach einem über hundert Jahre währenden Schlaf und findet sich nackt in einen Steinblock eingemauert. Es dauert nicht lange und sie stellt mit Hilfe eines sprechenden Knochengewehrs fest, dass sie sich in der Hölle befindet und in einen Krieg zwischen Engeln und Dämonen verwickelt ist. Auch ihr Vater scheint bei dieser höllischen Auseinandersetzung die Hände mit im Spiel zu haben. Vee macht sich auf den Weg durch eine apokalyptische Welt, um das Geheimnis ihrer Identität zu ergründen.

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 Wie schon in „Tagebuch aus der Hölle“ findet die Handlung des vorliegenden Romans ebenfalls in einer apokalyptischen Hölle statt, die Jeffrey Thomas sehr bildreich darstellt. Da fühlt man sich schon manchmal an die visionären Welten eines Clive Barker erinnert, wobei der Schreibstil von Thomas leider die Qualitäten Barkers nicht erreicht. Vor allem der Anfang von „Der Untergang der Hölle“ macht richtig Spaß, weil man mit der Protagonistin miträtselt, wo und warum sie sich in einer derart prekären Lage befindet. Auch die Idee der sprechenden, manchmal etwas vorlauten Schusswaffe aus Knochen hat mir gefallen, wenngleich gegen Ende der Geschichte so manch „dummer Spruch“ aus dem Gewehrmund kommt, den Thomas wohl besser hätte weggelassen. Aber da sind die Geschmäcker ja verschieden und ich kann mir durchaus vorstellen, dass gerade diese lustigen Einschübe manch einem Leser ein Grinsen auf die Mundwinkel zaubern. Mir persönlich wäre eine dramatischere und weniger kabarettistische Vorgehensweise lieber gewesen.

Die Welt, die Jeffrey Thomas in seinem neuen Roman beschreibt, ist, wie gesagt, sehr bildreich geschildert und lässt einen live dabei sein. „Tagebuch aus der  Hölle“ war aber aus meiner Sicht realistischer (und dadurch auch besser) und vor allem, viel blasphemischer. Da haben mir die vielen „kirchenfeindlichen“ Anspielungen weitaus besser gefallen, als im vorliegenden Buch.

Leider entgleitet Thomas zum Ende des Romans die sprachliche Gewandheit und oft kam es mir vor, als lese ich ein „John Sinclair“-Romanheft. Da waren mir ein paar Passagen leider zu platt und einfach gestrickt. Insgesamt macht aber auch der zweite Ausflug in Jeffrey Thomas‘ „Hölle“ wieder ungemein Spaß. Vor allem die Zusatzgeschichte „Die verlorene Familie“ (ein Bonus wie auf einer DVD oder BluRay) hat mir so richtig gut gefallen. Toll, dass der Festa-Verlag dieses „Schmankerl“ in der deutschen Ausgabe mit veröffentlich hat.

Das Cover ist, wie beim Festa-Verlag gewohnt, enorm ansprechend und optimal gestaltet. Der Festa-Verlag ist einer der wenigen Verlage, bei denen ich die Bücher alleine schon wegen der Cover mag. Die sind einfach absolute Eye-Catcher. 😉

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Fazit: Jeffrey Thomas‘ zweiter Ausflug in die Hölle kann leider nicht so überzeugen, wie der Vorgänger „Tagebuch aus der Hölle“, vermag aber dennoch den Leser geschickt in eine apokalyptische, dystopische Welt entführen, die sehr bildlich dargestellt wird.

© 2014 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Tagebuch aus der Hölle von Jeffrey Thomas

Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 264 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-865-552096-8
Katergorie: Thriller, Horror

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Ein Mann begeht Selbstmord. Er denkt, alles wäre ab dem Moment vorbei, in dem er sich mit einem Gewehr den Schädel wegpustet. Doch weit gefehlt!

Er erwacht in der Hölle, die nicht dem entspricht, was der Mann sich immer darunter vorgestellt hat, obwohl er nie an sie glaubte. Alle Menschen, außer bibelfeste Christen, müssen dort ihr Dasein fristen.

All diese Ungläubigen werden von Dämonen auf brutalste Arten gefoltert, um ihre Sünden (nämlich ihre Ungläubigkeit an den Schöpfer) zu büßen. Es gibt Universitäten, an denen religiöser Kram gelehrt wird, Folterfabriken und Angriffe von Engeln, die aus den Sphären des Himmels in die Hölle hinabsteigen, um sich einen Spaß daraus zu machen, die armen Seelen der Ungläubigen mit abartigen „Spielen“ zu drangsalieren.

Der Mann besitzt ein in Menschenhaut gebundenes Buch, das er, außer für seine Uni-Einträge, als Tagebuch benutzt und seine Erlebnisse niederschreibt. Er hofft, dass er diese eines Tages in die Welt der Lebenden bringen kann.

Als der Mann dann eines Tages eine schwerverletzte Dämonin, also eine seiner Peinigerinnen, trifft und sie rettet, löst er damit unbeabsichtigt eine Kettenreaktion aus. Die Hölle verändert sich, als Engel und Dämonen einen Krieg beginnen.

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Schon als Jugendlicher begeisterte mich die Thematik eines Lebens nach dem Tod und ich habe bereits viele Werke (Sachbücher und Belletristik) darüber gelesen. Jeffrey Thomas greift das Thema anders auf und das hat mir gefallen. Auch wenn die Story leider zum Ende hin ein wenig abflacht und irgendwie klischeehaft auf mich wirkte, überzeugte mich Thomas‘ Hölle.

Der Schreibstil ist an vielen Stellen gehoben und ausdrucksstark. Hin und wieder gleitet Thomas in einen umgangssprachlichen Jargon, der aber keinesfalls störend wirkt.

Insgesamt kann der Autor mit einigen gelungenen Ideen aufwarten, die der Hölle, entgegen der Vorstellungen, wie man sie aufgrund Dantes Inferno immer hatte, einen fast schon „coolen Touch“ geben. Gerade die erste Hälfte macht ungemein Spaß, weil man wirklich gespannt ist, was sich Jeffrey Thomas noch alles ausgedacht hat.

Unbedingt erwähnt werden müssen die Illustrationen von Erik Wilson, die das Buch perfekt abrunden und dem Werk einen Hauch von Clive Barkers Weltenschöpfungen verleihen. Selten haben mir Illustrationen so überzeugend eine Romanhandlung nahegebracht. Die Bilder sind grandios und machen das Buch zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis.

Wie immer bei Festa, lassen sowohl Titelbild wie auch der Einband in Lederoptik keine Wünsche offen. Toll ist, dass im Festa-Verlag immer wieder solche „Schätze“ wie dieser Roman, die kein anderer Verlag auf den Markt bringen würde, erscheinen. 

Ob es sich bei „Tagebuch aus der Hölle“ wirklich um einen „blasphemischen Roman“ handelt, wie Schriftstellerkollege F. Paul Wilson behauptet, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich halte nicht viel von Religionen und fühlte mich daher kein einziges Mal angegriffen. Da ich aber weder Christ bin, noch einer anderen Religion angehöre, weiß ich dank Jeffrey Thomas jetzt schon, was mich erwartet. 🙂

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Fazit: 4 von 5 Sternen für eine andere Interpretation der Hölle. Trotz der Grausamkeiten vermittelt der Autor eine fast schon reizvolle Welt, die uns nach dem Sterben erwartet. Jeffrey Thomas‘ Ideen sind oft genial und sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Meinen traf der Autor meistens und ich bin gespannt, was er uns noch bescheren wird.

Ich danke dem Festa-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

© Cryptanus für Buchwelten 2013