Die neunte Stadt von J. Patrick Black

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 792 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31788-8
Kategorie: Science Fiction

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Vor unzähligen Jahren wurde die Erde von kriegerischen Aliens angegriffen. Die Menschen verteidigen sich mittels einer geheimnisvollen Begabung, die sie erstaunlicherweise durch die Außerirdischen bekamen. Es handelt sich dabei um eine geistige Kraft, die es ihnen ermöglicht, auf einer höheren Ebene gegen die Feinde zu kämpfen. Als die entscheidende Schlacht bevorsteht, sind es nur ein paar junge Heldinnen und Helden, die das Schicksal der gesamten Menschheit in die Hände nehmen.

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Eines vorweg: Man sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben, denn es dauert tatsächlich etwa 200 Seiten, bis sich die Story einem so richtig erschließt. Der Klappentext trifft zwar die Geschichte auf den Punkt, aber erst nach gut einem Drittel des Romans erreicht man die Stelle, an der die Aliens und der Krieg zwischen ihnen und der Menschheit zum Tragen kommt. Ich will damit sagen, dass man die ersten 200 Seiten einfach durchhalten sollte, denn dann nimmt „Die neunte Stadt“ so richtig Fahrt auf und wird (zumindest weitestgehend) zu jenem Science Fiction-Epos, das man anhand der Inhaltsangabe erwartet hat.
Leider verhält es sich genauso bei den Charakteren. Auch hier musste erst eine Weile verstreichen, bis ich mich mit den verschiedenartigen Protagonisten „anfreunden“ konnte. Doch genug gemeckert: „Die neunte Stadt“ sprüht oftmals vor tollen Ideen, die einfach unglaublich Spaß machen. In der zweiten Hälfte kommt, wie gesagt, auch der Krieg zwischen der Menschheit und den Aliens zur Geltung und macht die Anfangsschwierigkeiten wett. Vor allem das mittlere Drittel des Romans ist das aus meiner Sicht interessanteste. Denn dort wird von den Kampfmaschinen der Menschen erzählt, die eine geistige Verbindung mit ihren Bedienern eingehen. So manches Mal hat mich das an Guillermo del Torros fantastischen SF-Film „Pacific Rim“ erinnert. Es war eine wirkliche Freude, diesen Mittelteil zu lesen.

Im letzten Drittel widmet sich Black dann dem eigentlichen Kriegsgeschehen und lässt die Leser hautnah an verschiedenartigen Auseinandersetzungen teilnehmen. Der Autor schildert diese Kriegsattacken sehr detailliert und bildhaft, dennoch hatte ich an manchen Stellen den Überblick verloren, wo genau sich diese Scharmützel abspielten: auf dem Boden oder im All. Diese Aufteilung in drei „Bücher“ lässt das Gesamtwerk letztendlich auch irgendwie „unfertig“ oder unausgereift wirken. Was wie eine Fantasy-Saga auf anderen Welten anfängt, wird in der Schilderung von Kampfvorbereitungen fortgeführt, um schließlich in einem epischen Krieg im Weltall zu enden. Der Plot hätte auf jeden Fall mehr Wirkung gehabt, wären diese drei Teile von Anfang an miteinander verschmolzen worden. So aber wirkt die Story durchkonstruiert und wie eine Abarbeitung vorgefertigter Plots. Fast könnte man meinen, es handle sich um drei Romane, die alle zufällig im gleichen Universum und zur gleichen Zeit spielen. Was für den ein oder anderen ebenfalls als störend empfunden werden könnte, ist die Schilderung ALLER Protagonisten in der Ich-Form. Das wirkt an manchen Stellen verwirrend, was wiederum zum Resultat hat, dass man sich mit den Protagonisten nicht besonders gut identifizieren kann, weil ja alle „Ich“ sind. Aber ich will den Roman keineswegs schlecht machen, denn das ist er definitiv nicht. Aber er hätte eben durchaus besser werden können. Blacks Schreibstil ist angenehm und sehr flüssig zu lesen. An manchen Stellen kommen sehr schöne philosophische Gedanken zum Tragen, die das Werk eindringlicher wirken lassen.

Insgesamt hat J. Patrick Black einen durchaus annehmbaren, erfrischenden Science Fiction-Roman mit seinem Debütroman abgeliefert. Sein bildhafter Schreibstil lässt den Leser unmittelbar in die Handlung eintauchen und auch im Kopfkino fantastische Bilder entstehen. Nach einem eher trägen, aber nicht unbedingt uninteressanten Einstieg im ersten Drittel wird man mit einem fast schon filmreifen Mittelteil belohnt, der auf eine fulminante Weiterentwicklung hoffen lässt. Anfangs klappt das auch noch ganz gut mit den dramatischen und durchaus einfallsreichen Kriegsschilderungen, doch leider beginnen diese sich diese oftmals in die Länge gezogenen Szenen irgendwann zu langweilen, so dass man wirklich das Ende des Buches  fast schon herbeisehnt. Insgesamt 200 Seiten weniger hätten dem Buch wahrscheinlich gut getan. Nichtsdestotrotz spannende und gut geschriebene Unterhaltung, die an manchen Stellen auch episch und bombastisch wirkt.

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Fazit: Alien-Invasion mit epischen Ausmaßen, aber leider auch einigen Schwächen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Schicksal von Michael Schröder

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Schicksal
Erschienen als Taschenbuch
bei Create Space / Amazon
insgesamt 496 Seiten
Preis:  13,90  €
ISBN: 978-1516971916
Kategorie: Drama / Belletristik

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Vincent Randani ist ein Journalist (kein Reporter!), der sich durch seine gut recherchierten und gehaltvollen Geschichten einen Namen gemacht hat. Nun möchte er die Geschichte der bekannten Stararchitektin Cora Schwarz erzählen, doch an die kommt seit Monaten keiner ran. Schwarz liegt, perfekt von der Außenwelt abgeschottet, in einer Klinik. Viele seiner „Kollegen“ haben es bereits versucht, zu ihr vorzudringen und ihr eine Story zu entlocken. Randani schafft es. Durch einen eigentlich relativ simplen Schachzug gelingt es ihm, mit ihr zu sprechen und sie sogar davon zu überzeugen, dass sie ihm das gewünschte Interview gibt.

Randani besucht Cora Schwarz nun täglich und sie beginnt ihm ihre Geschichte zu erzählen. Und das von Anfang an. Cora fesselt Randani mit ihren Erzählungen, beginnend in ihrer Kindheit, und zwischen den beiden entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft. Für Randani ist dies genauso aufregend, spannend, wie auch verwirrend. Denn eigentlich hatte er etwas völlig anderes erwartet und auch geplant …..


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Dies ist mein dritter Roman des Autors Michael Schröder. Der erste „Jeder Tag endet mit dem Tod“ ist im Epidu-Verlag erschienen. Der zweite Roman, den ich von ihm las war „131 Briefe“, erschienen im Titus-Verlag, der diesem hier vorgelegten Werk entfernt ähnelt. Diesen Roman hat Schröder nun als Self-Publisher im Amazon Verlag Create Space veröffentlicht. Was habe ich kürzlich gelesen: Create Space sagt „Ja“, wenn andere Verlage „Nein“ sagen. Ich kenne einige Autoren, die mittlerweile diesen Weg der Veröffentlichung wählen. Und die Print-Ausgaben von Create Space können sich sehr wohl sehen lassen. Schröder hat als Einband die „matte“ Version gewählt, die durch das irgendwie gummierte Cover sehr gut in der Hand liegt. Die Ränder und Kapitelabschnitte sind sehr gut gelungen. Lediglich einige Zeilen wurden durch den Blocksatz etwas gezerrt und es sind doch einige Rechtschreibfehler vorhanden. Aber das tut der Qualität der Handlung und des Lesevergnügens absolut keinen Abbruch.

Schröder erzählt in einem guten und sehr flüssigen Stil die Geschichte einer Kindheit. Sie handelt von Freundschaft, Mut, Abenteuern, Zivilcourage und Aufopferung. Da der Autor und ich offensichtlich in etwa gleich alt sind, habe ich mich direkt in meiner eigenen Kindheit wiedergefunden. Draußen auf Spielplätzen, mit dem Rad wilde Ausflüge unternehmend und gemeinsam mit der „Bande“ einfach unterwegs sein, Spaß haben und auch mal Blödsinn machen. Dies ist der erste Strang der Handlung, der zweite spielt meist im Krankenzimmer, in dem die erwachsene Cora gemeinsam mit Randani sitzt.

Schröder hat mich mit seiner Geschichte sehr gefesselt und ich habe mich jeden Tag gefreut, weiterzulesen und wieder auf Cora und ihre Freunde zu treffen, wieder bei ihnen zu sein und zu erfahren: was geschah dann? Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, denn das würde unweigerlich zu Spoilern führen und das wäre zu schade. Denn die Wendungen, die die Geschichte bis ganz zum Schluss mit sich bringt, sind überraschend und nicht absehbar. Eines kann ich verraten. Es dauert sehr lange, bis der Leser erfährt, warum Cora Schwarz sich überhaupt in diesem Krankenhaus befindet. Was hat sie? Welche Krankheit ist die Ursache? War es überhaupt eine Krankheit? Eine gute Idee, die Michael Schröder auch wirklich gut umgesetzt hat.

Seine Protagonisten sind sehr gut dargestellt und wachsen einem allesamt sehr ans Herz. Ich habe mich mit ihnen gefreut und mit ihnen gelitten. Für sie gehofft und um sie gebangt. So soll es sein, nicht wahr?

Zwei kleine Anmerkungen habe ich jedoch noch ☺ In unserer Kindheit in den 70ern haben wir, zumindest hier in NRW, (noch) nicht „abgefahren“ und/oder „Alter“ gesagt. Da war es eher „astrein“ und „Blödmann“. Und zweitens habe ich manchmal das Gefühl gehabt, dass hier das Schicksal eines Protagonisten einfach zu überfrachtet dargestellt wurde. Klar, schlimme Dinge passieren, dem einen mehr und dem anderen weniger. Dies war hier jedoch manchmal so extrem, dass es beinahe unglaubwürdig wirkte. .

Fazit: Mich hat der Roman um den Journalisten Randani und Cora Schwarz sehr gefesselt. Ich hatte große Freude an der Reise in (m)eine Kindheit und gebe gerne eine Leseempfehlung für diesen kurzweiligen Roman um das Schicksal eines – oder eher mehrerer – Leben.

© Buchwelten 2015

Department 19 – Das Gefecht von Will Hill

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Dep 19 GefechtErschienen als gebundene Ausgabe
im Lübbe Verlag
insgesamt 685 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-7857-6112-0
Kategorie: Jugendbuch/Junge Erwachsene
(ab 14 Jahre)

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Noch 52 Tage bis zur Stunde Null,  jenem Zeitpunkt, bis der regenierte Graf Dracula seine alte Stärke wieder komplett zurückerlangt hat. Dies ist er Tag, an dem offensichtlich der alles entscheidende Kampf zwischen Gut und Böse, Mensch und Vampiren, stattfinden wird.

Nach dem dramatischen Angriff der Vampire auf Schwarzlicht muss sich das Department 19 neu organisieren. Jamie Carpenter gehört der Sondereinheit Stunde Null an, welches derzeit damit beschäftigt ist, die weltweit ausgebrochenen Insassen aus Hochsicherheitgefängnissen zu finden, zu fangen und zu eliminieren. Die Schwerverbrecher sind nämlich nicht nur geflohene Verbrecher, sondern frisch verwandelte Vampire, die aber so schnell und stark sind, wie sie es kurz nach der Verwandlung nicht sein dürften.

Valentin Rusmanov, einer der ältesten Vampire und ehemaliger Gefährte von Dracula, der eine Zelle im Ring bei Schwarzlicht belegt, bietet seine Hilfe an, denn er ist zum Department 19 gewechselt, um gegen seinen ehemaligen Herrn und seinen Bruder zu kämpfen. Doch ihm wird nach wie vor kein Vertrauen entgegengebracht- Da hilft es auch nicht, dass bekannt wird, dass er sich gerne einmal mit seiner Zellennachbarin auf einen Tee trifft. Die ist keine geringere als Jamies Mutter, Marie Carpenter, unfreiwillige Vampirin und ebenso Bewohnerin von Schwarzlicht.

Kate Randall, Matt Browing und auch Larissa, allesamt enge Freunde von Jamie, sind mit wichtigen Aufgaben betraut, die es zu lösen und bewältigen gilt. Viel steht auf dem Spiel und sie alle geben ihr bestes …

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Zuviel möchte ich zum Inhalt nicht erzählen, denn ich weiß ja nicht, ob die Leser dieser Rezension die ersten Teile kennen oder nicht. Falls ja, wissen sie, von was ich schreibe, falls nein, brauchen sie eben nicht mehr zu erfahren :-).

In diesem dritten Teil von Department 19 geht es wieder richtig heftig zur Sache. Die Handlung ist nichts für zarte Gemüter. Und die Altersempfehlung ab 14 ist sicherlich angebracht. Als Film hätten die heftigen Szenen der Story keine „FSK 14“ erhalten, da bin ich sicher.

Will Hill erzählt in mehreren Handlungssträngen die Geschichte um die bekannten Protagonisten und lässt es an Spannung und Dramatik nicht fehlen. Es gibt einige neue (aber bekannte) Figuren, die der Autor hier aktiv in die Handlung hat einfliessen lassen und dieser Handlungsstrag gefiel mir sehr. Wie gesagt, es fließt viel Blut, es ist stellenweise wirklich heftig brutal, weil die Fleischfetzen und andere ekelige Teile nur so fliegen. Aber trotz aller Dramatik: Es gibt auch immer wieder schöne und angenehme Ruhemomente, die den Leser zwischendurch mal Luft holen lassen.

Mir hat der dritte Teil um das Department 19 wieder so gut gefallen, dass ich mich direkt im Anschluss an die Lektüre auf der Homepage des Autors schlau gemacht habe, ob es einen weiteren (und letzten) Teil geben wird. Denn meinem Mann sagte man in der Buchhandlung, dies sei der letze. Das konnte für mich aber irgendwie nicht passen und ich wurde bestätigt. Es gibt einen letzten Teil, der im Englischen gerade erschienen ist. Titel „Zero Hour“, also „Stunde Null“. Ich weiß nicht, wann er in Deutschland erscheint, ich hoffe vielleicht noch in diesem Jahr.

Mein Fazit: Ein heftiger, spannender, dramatischer, guter dritter Teil, der mich wieder einmal sehr gefesselt hat. Will Hill entführt uns in gewohnt gutem Schreibstil erneut ins Department 19 und läßt uns an den Kämpfen gegen das Böse teilhaben. 5 von 5 Sternen vergebe ich guten Gewissens 🙂

Hier geht es bei Interesse zu meinen Rezensionen zu den zwei ersten Teilen der Reihe:

1. Department 19 – Die Mission

2. Department 19 – Die Wiederkehr

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© Buchwelten 2015

 

Roter Mond von Benjamin Percy

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im penhaligon Verlag
insgesamt 640  Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-7645-3123-2
Kategorie: Fantasy / SciFi Thriller
Erscheinungstermin: 24. März 2014

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Die jugendliche Claire Forrester erlebt ein ganz normales Teenager-Dasein mit „langweiligen Eltern“. Zumindest lebte sie in diesem Glauben, bis zu jenem Abend, an dem Agenten der Regierung die Türe ihres Hauses eintreten und ihre Eltern umbringen. Claire ergreift die Flucht und sie kann sich den Übergriff nur damit erklären, dass sie eine Lykanerin ist, ein Mensch, der außerdem das Wesen eines Wolfes in sich trägt. Die meisten Lykaner leben ein ruhiges, normales Leben, gehen ihren Jobs nach und unterdrücken das Virus durch Medikamente. Allerdings gibt es auch jene mit Beziehungen, die das Medikament nicht nehmen, dennoch „gute“ Blutproen vorweisen können und aber weiterhin einen „klaren“ Kopf haben, denn Volpexx macht u.a. träge und dösig.

Für Patrick Gamble steht ein Wandel an. Seit frühester Kindheit beim Vater aufgewachsen, muss er nun zu seiner Mutter umziehen, die er kaum kennt. In seiner frühesten Kindheit hat sie ihre Familie verlassen und Patrick hat keinerlei Beziehung zu ihr. Dennoch, der Umzug ist unausweichlich, sein Vater muss beruflich in die Republik. Ein Stück Land in dem die Lykaner leben und das durch die Regierung überwacht wird, weil es dort außerdem ein reiches Uranvorkommen gibt. Patrick, ein schüchterner junger Mann, steht urplötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Flug, der ihn zu seiner Mutter bringen soll, wird Opfer eines grausamen Terroraktes. Und Patrick ist der einzige Überlebende in diesem, von einem Lykaner überfallenen, Flugzeug.

Chase Williams, Gouverneur und Frauenheld, will politisch weiter hoch hinaus. Die Gefahr durch die Lykaner, den Widerständlern in deren Reihen, nutzt er geschickt aus, um seinen steilen Weg nach oben bis auf die oberste Stufe zu erklimmen. Dummerweise wird er plötzlich selbst infiziert und Chase Williams setzt alles daran, sein dunkles Geheimnis zu hüten …

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Die Inhaltsangabe sowie die Worte zweier meiner Lieblingsautoren Stephen King und John Irving zu diesem Roman, haben mich auf dieses Buch neugierig gemacht. Es schien sich außerdem nicht um eine typische Werwolf-Story zu handeln, daher war ich mehr als gespannt.

Die erdachte Story und der Schreibstil von Benjamin Percy gefielen mir sehr gut und haben mich angesprochen. Die Grundidee der Handlung ist gut und die Protagonisten sind völlig unterschiedliche Personen, deren Charaktere gut ausgearbeitet sind. Nach und nach kommen immer mehr Zusammenhänge heraus, die Handlungsstränge verknüpfen und kreuzen sich. Im Laufe der Erzählung werden Claire und Patrick auf Grund ihrer Erlebnisse um einiges reifer, was mir gut gefiel. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis für vielleicht etwas zartbesaitete Leser: Es geht oft hefitg, brutal und blutig zur Sache. Wer kein Blut lesen kann, sollte dies berücksichtigen. Für mich passen diese Szenen aber sehr gut in die Handlung und müssen auch sein, um die Dramatik rüberzubringen.

Dass die Protagonisten junge Erwachsene (Young Adults) sind, die teilweise heftig ums Überleben kämpfen und auf der Suche nach etwas extrem Wichtigem sind (was, mag ich nicht verraten), hat mich oftmals an „Partials“ von Dan Wells erinnert, auch wenn die Handlung an sich eine völlig andere ist. Aber auch die innere Zerissenheit der Hauptfiguren hier hat mich diesen Vergleich ziehen lassen

Jedoch empfand ich den letzten Teil des Romans, das Ende, leider als zu schnell. Die Auflösung der verschiedenen Handungsstränge, die über Kapitel hinweg dramatisch, wichtig und fesselnd waren, wurden plötzlich innerhalb von einigen Absätzen aufgelöst und abgehakt. Das finde ich persönlich schade.

Der Verlag präsentiert den Roman in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband, mit einem (natürlich) roten Cover. Es spricht mich an und passt natürlich perfekt zum Titel des Romans.  Die Kapitel sind nicht zu lang, so dass ich als Leserin flott durch die Seiten gelesen habe.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen spannenden, packenden Werwolf Roman. Der Autor liefert eine gute Handlung in einer fesselnden Stimmung. Teilweise recht heftig beschrieben, was aber gut zur Story passt. Lediglich das – mir – zu schnell abgehandelte Ende lassen mich einen Punktabzug vornehmen.

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Ich danke penhaligon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Kim Schepper und die Kinder von Marubor von Wolfgang Brunner (komplett neu überarbeitete Zweitauflage) – 5/5

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9783942635240
Erschienen als Taschenbuch
im Candela Verlag
400 Seiten
Preis: 14,90 €
ISBN: 978-3-942635-24-0
Katergorie: Jugendbuch/All-Age

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Das Mädchen mit den schulterlangen braunen Haaren und den dunklen Totenkopf Sneakers, das dort am Grab ihres zwei Jahre jüngeren Bruders steht, ist die 13-jährige Kim Schepper. Bereits fünf Jahre zuvor musste sie schon einmal einen geliebten Menschen verabschieden, damals war es ihr Vater, der zu Grabe getragen wurde. Und nun wurde Tom durch einen Unfall getötet und sie ist mit ihrer Mutter allein. Sie trauert für sich, denn sie findet Beerdigungen bescheuert, sie hasst es wie ein kleines Kind behandelt zu werden, dass keine Ahnung vom Leben und vom Tod hat. Doch was wissen die Erwachsenen schon?

Kim schreckt auf, als sie plötzlich von einem Jungen namens Julian angesprochen wird. Er ging in die gleiche Klasse wie ihr Bruder Tom und er übermittelt ihr ohne Umschweife eine etwas außergewöhnliche Einladung: Kim soll um Mitternacht auf den Friedhof kommen, zum Grab ihres Bruders und sie soll etwas sehr Persönliches von Tom mitbringen. Kim ist etwas verwundert, was Julian von ihr will und sie hakt nach. Doch der Junge spricht in Rätseln. Er berichtet von geheimen Experimenten, an denen ihr Bruder teilgenommen hat und das Tom gar nicht „richtig“ tot sei. Als Kim versucht noch etwas mehr an Informationen von Julian zu gelangen, sagt er, sie solle einfach zur verabredeten Zeit auf dem Friedhof erscheinen, dann würde sie verstehen. Sie würden die anderen Kinder von Marubor treffen und eines davon sei seine Schwester, seine tote Schwester ..

Nach der Beerdigung ist Kim entsprechend aufgewühlt und auch verwirrt wegen der Äußerungen des Jungen der sie angesprochen hat. Natürlich ist es der 13-jährigen unheimlich, mitten in der Nacht auf den Friedhof zu gehen. Dann weiß sie nicht einmal, ob sie es schafft aus der Wohnung zu schleichen, ohne das ihre Mutter etwas bemerkt.

Doch die Neugier siegt. Kim muss wissen, was es mit dem Geheimnis um diese Experimente an ihrem Bruder und anderen Kindern auf sich hat. Also packt sie einen Rucksack, schnappt sich eine Taschenlampe, einen handgeschriebenen Zettel von Tom, den er ihr vor zwei Wochen gegeben hat und macht sich auf den Weg zum Grab …

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Zunächst eine kleine Anmerkung vorneweg. Es ist sicherlich bekannt, dass der Autor von „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“, Wolfgang Brunner, mein Lebensgefährte ist. Und genau aus diesem Grunde rezensiere ich sonst prinzipiell keinen seiner Romane. Auch wenn ich mir bei seinen Werken eine durchaus objektive Meinung zutraue, die ich schließlich auch immer in den Entstehungs- und Überarbeitungsphasen der Romane kundtue, hätten meine Rezensionen in seinem Fall immer den Beigeschmack als „Schleichwerbung“ oder „Sonderpromotion“ aufgefasst zu werden. Bei der „neuen“ Kim mache ich aber aus dem Grund eine Ausnahme, dass für mich diese völlig überarbeitete Zweitauflage absolut neu war. Ich kenne die „alte“ Kim in der Rohfassung und in der Endfassung kurz vor Druck. Als diese dann 2009 veröffentlicht wurde, habe ich sie als fertiges Buch auch nicht gelesen. Aus der Überarbeitung für die Zweitauflage habe ich mich komplett herausgehalten und nicht eine Zeile gelesen, daher war ich auch sehr neugierig auf das Endergebnis.

Zunächst einmal hat sich die Aufmachung des Romans sehr positiv verändert. Entgegen der recht einfachen Erscheinung der ersten Auflage, wird die neue Kim mit einem Cover präsentiert, dass ein absoluter Eyecatcher ist. Der junge Grafikdesigner, der mit Kim Schepper nun bereits das dritte Cover für Wolfgang Brunner gestaltete, hat einen Einband geschaffen, der perfekt zur Geschichte um Kim Schepper passt. Das dunkle Grau als Hintergrund und das Reagenzglas mit dem grünen Serum (Marubor) darin, sehen sehr gut aus. Das erste Cover ist bereits so konzipiert, dass die vier weiteren Teile um die Kim daran angeglichen werden und zuletzt ein ansprechendes Ganzes im Bücherregal ergeben.

Für das übrige Erscheinungsbild des Buches ist der Candela Verlag verantwortlich, dem ich gerne mein Lob ausspreche. Ich habe bereits zwei Bücher für den Verlag rezensiert, wobei ich seinerzeit die Taschenbuchausgabe doch stark kritisiert hatte.

Doch nun ist der Einband fest und nicht mehr zu weich. Die Schrift ist keine Standardschrift und sieht optisch sehr gut und vor allem satt aus. Was mir besonders gut gefällt, ist das Bild der Aufhocker, das an jedem Kapitelanfang eingedruckt ist.

Auch wenn natürlich die Grundhandlung der Kim die gleiche ist, liest sich die Neuauflage rasanter und knackiger. Hier bemerkt man schon ein intensives Lektorat, dass das Buch aufgewertet hat.

Der Autor schreibt stets in einem gehobenen, sehr gut ausformulierten und oft auch philosophischen Schreibstil. Da sich Wolfgang Brunner nicht auf ein Genre festlegen lässt, kann man die Stile der Romane auch schlecht miteinander vergleichen, doch den typischen Brunner-Stil kann man erkennen. Und auch wenn hier mitunter keine leichte Kost verarbeitet wurde, hat der Autor den Text sehr gut verständlich für die jugendliche Zielgruppe ausgearbeitet.

Die Handlung beginnt mit der Beerdigung natürlich zunächst einmal sehr traurig, doch ist Kim Schepper keineswegs ein Todes- oder Düsterbuch. Im Gegenteil. Kim Schepper ist eine Mischung aus Abenteuer, Fantasy und dem realen Leben. Es werden Themen wie Konsumwahn, ständiges Streben nach Macht und Gier behandelt. Doch auch Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Zusammenhalt sind in dem Roman sehr wichtig. Etwa ab der Hälfte des Buches kommt der zweite Handlungsstrang um die „Bösen“ dazu und die Handlung springt dann auch innerhalb der Kapitel ziwschen den Szenen, mitunter mit „gemeinen“ Cliffhangern.

Die Kinder stehen in diesem Roman an erster Stelle, denen sicherlich auch Erwachsene zur Seite stehen. Doch diese wollen die Kinder keineswegs bevormunden, sondern erkennen ihre Kraft und Stärke und unterstützen diese lediglich bei ihrem Kampf gegen die Verschwörung des Bösen.

Eine gewisse Aufmerksamkeit gehört bei der Lektüre von Kim Schepper schon dazu. Denn auch wenn es lustige Momente gibt und Ausgefallenes wie eine sprechende, kaugummikauende Fledermaus oder ein Schiff auf der Wiese als Wohnhaus, so ist der Inhalt und die Aussage des Werkes sehr episch. Dinge wie der Kampf der Erde, die Eigenschaft der Seelen oder das unsichtbare Band der Geschwisterliebe werden behandelt und sollten um des Verstehens willen nicht überflogen werden.

Die Geschichte um Kim Schepper geht weiter, der zweite Teil der Reihe „Kim Schepper und der Aufstand der Schatten“ erscheint im Jahre 2013, wann konkret wird noch mitgeteilt werden.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Zweitauflage von Kim Schepper und die Kinder von Marubor, die mir richtig Spaß gemacht hat. Eine Geschichte von Liebe, Freundschaft, Abenteuer und dem Kampf gegen das Böse, in der die Kinder die wichtigsten Personen sind. Die „neue Kim“ hat mich oft zum Lachen gebracht und auch zu Tränen gerührt. Ein Roman mit einem ernsten und kritischen Hintergrund, der sich nun rasanter liest und der mit einem tollen neuen Cover und einer schönen, ausgefallenen Aufmachung zwischen den Buchdeckeln vom Candela Verlag präsentiert wird.

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Ein ca. 35-minütiges Video-Interview mit Ötzgen Senol von buchvorstellung-online.de zur neuen Auflage von „Kim Schepper und die Kinder von Marubor“

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© Buchwelten 2012

Der Kinderpapst von Peter Prange

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Erschienen als gebundene Ausgabe
mit Leseband
im Pendo Verlag
608 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783866122765
Katergorie: Historischer Roman

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Schon Teofilos Geburt scheint ein Zeichen Gottes zu sein. Im Jahre 1021 n. Chr. wird er geboren. Im damals hohen Alter von 36 Jahren bringt Comtessa Ermelina ihren vierten Sohn zur Welt. Sie hätte ihr eigenes Leben für dieses Kind geopfert, doch Mutter und Kind überstehen die Niederkunft. Die Geburt des Kindes sieht Ermelina als Vorsehung, ihr Sohn ist ein Gesandter Gottes und von Anfang an steht für Ermelina fest, dass Gott mit ihrem kleinen Teofilo Großes plant. Sie bevorzugt ihn vor ihren drei anderen Söhnen, was diese mit geschwisterlicher Eifersucht zur Kenntnis nehmen. Vor allem der Erstgeborene Gregorio, zehn Jahre älter, ist fürchterlich wütend, dass er selbst tun und lassen kann was er will, um die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich zu ziehen, was ihm jedoch nicht gelingt.

Teofilo di Tusculo lebt eine normale Kindheit, sicherlich wird er sehr gläubig erzogen und von klein an wird er von seinem Taufpaten Giovanni Graziano unterwiesen und bekommt die Regeln Gottes gelehrt. Hier ist Teofilo von Anfang an sehr wissbegierig und liebt es die Wunder Gottes zu hinterfragen. So will er beispielsweise unbedingt wissen, wie sich Wein in Blut verwandeln kann.

Von Kindesbeinen an ist Teofilo die Hochzeit mit seiner Cousine Chiara di Sasso versprochen. Und er kann es nicht erwarten endlich alt genug zu sein, um seine große Liebe zu heiraten. Die beiden lieben sich innig, was ja zur damaligen Zeit sicher keine Voraussetzung für eine Heirat war. Doch auch die kleine Chiara liebt den Jungen mit der dunklen Haut und den wunderbaren grünen Augen über alles. Viel Zeit verbringen sie als Kinder in einem geheimen Versteck und träumen von ihrer Zukunft. Die Zeit in der sie endlich einander gehören als Mann und Frau.

Doch plötzlich verstirbt Teofilos Onkel Romano, derzeitiger Papst in Rom, Stellvertreter Gottes genannt Johannes Paul, der XIX. Und um den Stand der Tuskulaner in der römischen Gesellschaft zu wahren, setzt Teofilos Vater Alberico alles daran, wieder ein Mitglied seiner Familie auf Gottes Thron zu setzen. Und dies soll sein jüngster Sohn Teofilo sein. Der weigert sich natürlich, will er doch unbedingt seine große Liebe Chiara heiraten. Als Gottes Diener müsste er der weltlichen Liebe jedoch entsagen.

Doch Teofilo kann sich natürlich nicht durchsetzen. Ihm wird immer wieder klargemacht, dass er bereits als Auserwählter auf die Welt kam. Und so wird ein erst 12-jähriger Knabe zu Gottes Stellvertreter auf Erden, Papst Benedikt IX …

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Peter Prange hat schon einige historische Romane geschrieben, ich selber habe jedoch noch keinen gelesen. Ich sehe mich auch nicht als sonderlichen Fan dieser Romane und als gläubigen Menschen auch nicht, wobei ich als Kind eine recht religiöse Erziehung genossen habe und von daher zumindest ein gewisses Maß an Wissen über die Katholische Kirche habe (so habe ich den Spruchformeln der Messen doch noch folgen können oder sie sind mir teilweise wieder ins Gedächtnis gekommen).

Der Titel des Buches hat mich zuerst neugierig gemacht. Von einem Kinderpapst hatte ich noch nie gehört (doch es gab ihn wirklich!). Dann habe ich die Inhaltsangabe gelesen und die las sich sehr interessant und ich hoffte auf ein nicht „nur“ kirchliches Buch.

Ein Junge, der zum Papst wird, dadurch die Liebe seines Lebens lassen muss und sich durch ein zerrissenes Herz in seinem Wesen so sehr verändert, dass er „zum Teufel in Menschengestalt“ wurde, dass klang nach spannender Historie. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Dieser Roman ist fesselnd und spannend geschrieben. Prange beginnt mit einem Epilog in der heutigen Zeit, naja nicht ganz, springt dann zurück in das Jahr 1021 n. Chr.. Das Buch umfasst ein wenig mehr als 600 Seiten, die nicht locker beschrieben sind, doch es kam nicht einen Moment Langeweile auf oder die Handlung hat sich gezogen.

Nachdem ich zu Beginn ein wenig im Anhang geblättert hatte (ein Laster von mir) hatte ich ein wenig Sorge, dass ich den vielen kirchlichen Namen und Ereignissen nicht folgen könnte, doch dies war unbegründet. Denn auch wenn der Roman eine Vielzahl an Charakteren bietet, so habe ich als Leser nicht den Überblick verloren. Die wichtigen Figuren sind nicht einmal so viele und tragen immer wieder zur Handlung bei, sodass es nicht vorkam, dass ich nicht mehr wusste, wer denn wer war. Auch die – natürlich recht häufigen – christlichen und kirchlichen Szenen waren allesamt sehr gut erklärt und beschrieben. Lateinische Ausdrücke wurden innerhalb des Satzes übersetzt.

Die wichtigsten Figuren sind natürlich Teofilo, also Papst Benedikt der IX und Chiara di Sasso. Immer wieder wechseln die Handlungsstränge zwischen den Erlebnissen der beiden. Der Schreibstil ist sehr gehoben und gut ausformuliert, jedoch alles andere als staubtrocken, wie vielleicht das Thema vermuten lässt. Auch Römer und Christen zur damaligen Zeit haben normal gesprochen, gestritten oder auch geflucht.

Der Charakter seines Protagonisten ist sehr glaubwürdig und real ausgearbeitet. Diese innere Zerrissenheit, die Verzweiflung, der immer wieder aufkeimende Hass auf Gott, die Sehnsucht nach Liebe, der Versuch, seinen Gott immer wieder zu provozieren, um den rechten Weg zu finden und wieder glauben zu können, dies sind nur einige der Eigenschaften dieser Figur.

Doch auch die damalige Gottesfurcht, die Angst vor der Hölle und Strafe für begangene Sünden hat der Autor in den übrigen Charakteren sehr gut beschrieben.

Dieses Buch beinhaltet zu viel um es in eine Rezension zu packen. Lest diesen Roman selber und lasst euch bloß nicht vom Thema Kirche abschrecken. Der Roman will nicht bekehren oder die Schäfchen in die Kirche treiben. Dieser Roman zeigt auf, was Menschen sind und wie sie werden können.

Im bereits erwähnten Anhang sind sämtliche historischen Ereignisse aufgezeigt und vermerkt. Es ist erstaunlich wie Peter Prange diese Personen und Geschehnisse in seine erdachte Handlung verwoben hat und man fühlt sich nicht, als lese man einen teilweise fiktiven Roman, sondern als hätte es sich wirklich damals genau so zugetragen.

Das Buch selbst erscheint – passend zum Thema – in viel Rot und Gold und zeigt auf dem Cover lediglich ein altes Bildnis eines jungen Papstes, der unter der Tiara beinahe „versinkt“.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen historischen Roman, der obwohl mich die Inhaltsangabe neugierig gemacht hat, noch viel besser war als ich erwartet hatte. Eine spannende, fesselnde, dramatische und oft auch sehr brutale Geschichte um Liebe, Gott, Glauben, Hass und vertrackte Geschäfte unter den Adligen der damaligen Zeit. Ich kann das Buch nur empfehlen! (P.S. Googelt mal, es lohnt sich).

 

Ich danke Amazon für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars..

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Hier geht es zur Homepage des Autors —>   peterprange.de

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© Buchwelten 2012 

Weltendämmerung – Die zerbrochene Welt – Berith Trilogie III von Ralf Isau (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
im PIPER Verlag
480 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 9783492702355
Kategorie: Fantasy

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Taramis ist im Kreise seiner Familie und engsten Freunde auf seiner Heimatscholle Barnea. Genauer gesagt steht Taramis mit seinem Freund dem Kirrie Jagur vor dem Haus, während seine Frau Shúria im Inneren unter Schmerzen und lauten Schreien ihr zweites Kind auf die Welt bringt.

Doch Taramis ist nicht einmal in diesem wichtigen Moment Ruhe vergönnt, denn es erfolgt urplötzlich ein Angriff auf Taramis Anwesen. Durch den Nebel greifen die Wesen an, die Taramis als das Volk der Kesalonier erkennt.

Dem Nebelwächter ist es sofort klar, dass hinter diesem Angriff niemand anderer stecken kann, als sein ärgster Feind der Antischkönig Gaal.

Taramis hatte es bereits vermutet, dass er ihn im letzten Kampf auf der Insel Peor nicht endgültig besiegt hat, denn die Leiche Gaals wurde schließlich niemals gefunden. Und da Taramis ein vorausschauender Mann ist, hat er sein Haus und das umliegende Land natürlich durch Fallen und diverse andere Schutzmaßnahmen geschützt. Somit gelingt es Taramis zunächst den überraschenden Angriff abzuwenden.

Doch kaum hat seine Tochter Aïschah das Licht der Welt erblickt, muss Taramis seine Familie erneut verlassen. Gaal, der König von Dagonis hat wieder einen großen Plan geschmiedet, um die Gesamtherrschaft über die Scherbenwelt im Äther endgültig an sich zu reißen. Dass er hierbei über Leichen geht, ist bereits bekannt. Doch Gaal schreckt nicht einmal vor den Göttern zurück.

Eine dunkle Wolke breitet sich über die Schollen Beriths aus, niemand weiß woher sie kommt, niemand weiß was genau sie bewirkt. Fest steht jedoch, sie ist gefährlich und Taramis muss gemeinsam mit seinen Gefährten erneut in den Krieg ziehen.

Er muss für seine Familie und ganz Berith kämpfen. Er muss endlich der drohenden Gefahr durch Gaal ein Ende setzen und zwar endgültig. Also begibt sich Taramis mit seinem Feuerstab Ez auf eine weitere, hoffentlich letzte gefährliche Reise um den machtgierigen Fischkopf zu töten ….

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Nachdem ich die ersten zwei Teile der „zerbrochenen Welt“ bereits gelesen hatte, habe ich mich natürlich sehr auf den finalen Band um den Krieger Taramis gefreut.

Ralf Isau hat mit dieser Trilogie wieder eine bunte, wesensreiche Fantasywelt geschaffen, die alles bietet, was ein spannendes Buch ausmacht. Sehr ideenreiche Geschöpfe hat er zum Leben erweckt, unterschiedliche Charaktere, die sehr gut ausgearbeitet sind. Seien es die Guten oder auch die Bösen.

Natürlich trifft man in diesem letzten Teil auf alte Bekannte die bereits in den ersten zwei Bänden zu Taramis Gefährten gehörten. Doch es kamen in diesem letzten Teil noch einmal neue, sehr wichtige Figuren hinzu. Auch Inselbewohner, die bislang keine Rolle spielten, sind in diesem Finalteil der Handlung hinzugewachsen.

Der Autor schafft es wunderbar, dramatische und kriegerische Szenen dennoch auch immer mit viel Gefühl auszuarbeiten. Auch lustige Augenblicke kommen innerhalb dieser eigentlich schrecklichen Momente vor, sei es nur durch eine kleine „typische“ Aussage des Zwergs (NEIN – Kirrie!) Jagur. Übrigens eine Figur, die mir im Laufe der drei Teile sehr ans Herz gewachsen ist.

Was mir an der „zerbrochen Welt“ so gut gefällt, ist nicht nur die Vielfältigkeit der Bewohner der Scherbenwelt (Menschen, Wesen, Tiere, Pflanzen Fortbewegungsschwaller, etc.), sondern auch der Zusammenhalt derer untereinander.

Bewohner verschiedener Schollen sind da genauso geachtet und gleichberechtigt, wie auch männliche und weibliche KriegerInnen. Innerhalb der Geschichte hat jeder einen wichtigen Teil inne und es wird kein Unterschied gemacht zwischen dem angeblich starken und schwachen Geschlecht. Das hier alle miteinander nur etwas ausrichten können ist in dieser Trilogie sehr gut beschrieben. Und dazu gehört dann zusätzlich noch das Zusammenspiel zwischen Menschen und den Tieren.

In diesem Teil gibt es wieder im hinteren Teil das sehr ausführliche Register über alle Bewohner und Wesen der Scherbenwelt, das sehr hilfreich ist und das ich auch immer wieder zur Hilfe genommen habe. Denn es gehört schon aufmerksames Lesen und Konzentration dazu, die vielen verschiedenen und oft ähnlich klingenden Namen auseinanderzuhalten. Auch dann, wenn man die beiden ersten Bücher der Trilogie gelesen hat. Allein dieses Lexikon ist der Wahnsinn, so etwas muss man sich erst einmal ausdenken. Denn es liest sich so, als würden tatsächlich existierende Lebewesen und Personen beschrieben. Es ist sehr professionell gestaltet.

In diesem letzten Teil kommt dann noch eine von Ralf Isau selbst gestaltete Weltenkarte hinzu, die bei der langen Reise von Taramis und seinen Begleitern eine gute Übersicht bietet.

Der Schreibstil ist – wie gewohnt – gehoben und sehr gut formuliert. Das Ende hat mir sehr gut gefallen. Ich werde nicht daran denken auch nur den kleinsten Hinweis zu geben.

Eine kleine Anmerkung noch an Ralf Isau selbst: Meine liebste, neue Figur in diesem Band war/ist Kaya. Ein wunderbares Wesen, von seiner Erscheinung und vom Charakter her.

Das war sie dann, meine Reise durch die zerbrochene Welt von Berith. Mit diesem Teil ist die Trilogie zu Ende gegangen und somit werde ich nicht mehr durch den Äther schwallen, was eigentlich sehr schade ist. Ich habe mich sehr wohl gefühlt und Taramis gerne auf seinen Abenteuern begleitet.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen gelungenen Abschluss der Trilogie um die zerbrochene Welt. Trotz drohender Finsternis, heftigen Kämpfen und Gefahr, hat Ralf Isau erneut eine bunte, wesensreiche Geschichte voller Abenteuer, Liebe, Freundschaft und Gefühl geliefert. Ich kann die Berith-Trilogie allen Liebhabern von ausgefallener Fantasy nur sehr empfehlen. Die Scherbenwelt ist unbedingt eine Reise wert. Allerdings braucht ihr Schwaller mit Luftkapseln … wenn ihr nicht zufällig zusätzlich mit Kiemen ausgestattet seid … 🙂

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

 

Wer Interesse hat meine Rezensionen zu den ersten beiden Teilen der Berith Reihe zu lesen:

Rezension zu „Die zerbrochene Welt – Berith I“

Rezension zu „Feueropfer – Die zerbrochene Welt – Berith II“

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© Buchwelten 2012

Der Sohn der Amazone von Stefanie Philipp (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
bei Amazon
378 Seiten
Preis: 11,50 €
ISBN:  978-1477612163
Kategorie: historischer Roman

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Raván, Amazone der freien Steppenfrauen erwartet ihr zweites Kind. Das besondere an den freien Frauen ist jedoch, als Nachwuchs werden ausschließlich Töchter geduldet. Sollte ein Junge – ein Welpe – geboren werden, dann wird er der Mutter fortgenommen und der großen Mutter geopfert. Die freien Frauen töten keine Kinder, sie opfern sie.


Welpen werden in der Gemeinschaft der Frauen nicht geduldet, denn sie wachsen heran zu den Menschenwölfen, den ärgsten Feinden der freien Frauen. Sie misshandeln und töten Frauen und da die Angst zu groß ist, werden auch die kleinen Jungs, die Welpen, auf Grund des Stückchens Fleisch zwischen ihren Beinen nicht in die Gemeinschaft aufgenommen.

Raván ist gerade gemeinsam mit ihrer ersten Tochter Hastee auf dem Heimweg von einem Tauschhandel, als durch einen unglücklichen Unfall die Wehen vorzeitig einsetzen. Ihre Tochter ist verletzt und das Unwetter erschwert die Geburt ungemein. Wie groß ist der Schock für Raván als sie entdeckt, dass ihr viel zu früh geborenes Kind ein Welpe ist! Noch schlimmer, sie ist fern der heimischen Weidegründe und somit ist auch die vorstehende Mutter nicht da, die ihr den Welpen abnehmen könnte und zum Opferaltar bringen, wie es ihr Glaube vorschreibt.

Raván sieht sich gezwungen den Welpen zunächst zu nähren, zumindest so lange bis sie wieder im eigenen Lager ist. Denn die Amazonen lassen auch einen Welpen nicht absichtlich sterben.

Doch mit dem Stillen an ihrer Brust nimmt das Unglück ihren Lauf. Raván beginnt eine mütterliche Bindung zu dem Neugeborenen aufzubauen. Sie sieht in ihm ihr Kind, keinen Menschenwolf. Sie kann nicht verstehen, dass so ein schutzloses, kleines Wesen einmal zu einem groben, brutalen Frauenschänder heranwachsen soll.

Als ihre Tochter Hastee endlich wieder soweit genesen ist, dass sie reiten kann, macht sich die kleine Gruppe wieder auf den Weg zurück in das Lager. Dort angekommen übergibt Raván den Säugling der vorstehenden Mutter der Familie Banou.
Diese ist außerdem Raváns Mutter, doch sie hat nicht annähernd Verständnis dafür, dass ihre Tochter den Welpen genährt hat, nur um ihn am Leben zu erhalten. Sofort macht sich Banou bereit, den Welpen zum Opferaltar zu bringen und ihn der großen Mutter zu übergeben.

Und dies fällt nicht nur Raván sehr schwer, auch Hastee – ihre ältere Tochter – ist völlig entsetzt, denn Raván hatte ihr verschwiegen, dass es sich bei dem Neugeborenen um einen Welpen handelt …

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Ich bin durch Zufall auf diesen Roman gestoßen, als ich zu Gast bei der „Mülheimer Lesebühne“ der Lesung von Stefanie Philipp lauschen durfte. Die Autorin hat es sofort geschafft mich mit der Handlung, dem besonderen Schreibstil und ihrer perfekten Art des Vorlesens in ihren Bann zu ziehen.

Dieser Roman ist weder Frauenroman, noch ein klassischer historischer Roman. Er ist einfach etwas komplett anderes. Leider war zu diesem Zeitpunkt der Roman nur als Ebook oder Kindle-Version erhältlich.

Doch glücklicherweise fand das nicht nur ich sehr bedauerlich, sondern auf weiteren Lesungen wurde Stefanie Philipp immer wieder gefragt, warum der Roman nicht als klassisches Buch erhältlich sei.
Die Autorin hat den Roman dann in Eigenregie als Taschenbuch drucken lassen, ohne direkten Verlag. Das alles war erst einmal nicht wichtig. Hauptsache der Roman war/ist in gedruckter Form erhältlich. Zum Glück, kann ich nur sagen. Denn ich bin sicher, dass nun viele Besucher ihrer Lesungen bereits den Roman im Regal stehen haben.

Die Handlung des Romans ist hochinteressant und vor allem sehr gut umgesetzt. Denn, so wie ich aus dem Anhang erfahren habe, gibt es soviel nicht zu recherchieren über die Steppenfrauen oder Amazonen. Wie Stefanie Philipp diese Geschichte ausgesponnen hat, hat mich vom Anfang bis zum Ende mitgerissen.

Ein Buch voller Liebe, Gewalt, Kraft, Ausdauer, Versteckspielereien, Hass und sonstiger Gefühle, jedoch nicht annähernd kitschig. Im Gegenteil, der Roman ist sehr dramatisch und rasant. Langeweile kommt nicht eine Minute lang auf.

Der Schreibstil ist sehr gehoben, ausführlich und ausschweifend. So wie die Steppe, die Berge, die Lager, die Kämpfe und Charaktere der freien Frauen beschrieben sind, war ich gefangen in dieser Welt.

Es gibt soviele besondere Lebensarten dieser Amazonen, die hoch interessant sind, begonnen bei der Segnung/Empfängnis, bis hin zur ihrer Art zu kämpfen.

Der Roman ist nun  als einfaches Taschenbuch erschienen. Das Cover ist schlicht, gefällt mir dennoch gut. Die Seiten des Buches sind weiß und die eingerückten Zeilen sind etwas extrem. Beides mag ich persönlich nicht so sehr. Doch dies sind Dinge über die ich in diesem Fall gerne hinwegsehe.

Denn wichtig ist, dass dieses Taschenbuch zwischen den Buchdeckeln seine besondere Geschichte erzählt und nun auch die Leser erreicht, die keinen Kindle oder E-Book Reader besitzen.

Und wieder einmal der Beweis: tolle Geschichten finden sich (leider) nicht (nur) in den Bestseller-Listen oder Buchläden. Hier ist eine weitere Autorin, die eine wunderbare Arbeit geleistet hat. Plus ein(e) Schrifsteller(in) der ich – wie vielen anderen auch – Durchhaltevermögen und vor allem Erfolg wünsche.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Roman, den ich keinem wirklichen Genre zuordnen kann. Er liefert alles was eine gute Geschichte ausmacht und sie fesselt von der ersten bis zur letzten Seite. Eine Geschichte um eine starke Frau, die ihren eigenen Weg geht, koste es was es wolle. Meine ganz klare Leseempfehlung. 

 

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Ich danke der Autorin Stefanie Philipp für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Darling Jim von Christian Mørk (5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Piper Verlag
unter dem Namen „Teufelslist“
352 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN:  9783492258838
Kategorie: (Psycho)Thriller

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Ein tragischer Mordfall erschüttert das kleine irische Dorf Malahide (nahe Dublin). In einem unscheinbaren Haus werden die Leichen der Anfang 40-jährigen Moira Walsh und ihrer Nichten gefunden. Was sich dort ereignet hat, kann nur grob in Erfahrung gebracht werden. Moira Walsh wurde mit einer Schaufel erschlagen, schaffte es aber noch bis ins Erdgeschoß, wo sie dann aber ihren Verletzungen erlag. Die ältere Nichte befindet sich im Obergeschoß, woran sie starb, ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Dann findet sich die zweite Nichte, eine jüngere in einem Raum, der eigentlich nur eine Nische zwischen Wand und Dämmung ist. Sie ist bis auf das Skelett abgemagert. Im Keller finden sich Spuren einer dritten Person. 

Auch sie muss dort festgehalten worden sein, doch von ihr fehlt jede Spur. Ihr scheint die Flucht gelungen zu sein. Bei der Durchsuchung des Hauses findet die Polizei in einer Kommode die Ausweise der Mädchen. Es handelt sich um drei Nichten von Moira Walsh. Fiona, die ältere und die jüngeren Zwillinge Róisín und Aoife.

Die drei Schwestern wurden im Ort nie gesehen und auch Moira Walsh machte nicht den Eindruck etwas zu verheimlichen, gar ihre Nichten einzusperren und zu quälen.

Der Postbote des kleinen Ortes, Desmond, macht sich schwere Vorwürfe. Denn er war nicht nur bei Postanlieferungen ab und an in Moiras Haus auf ein Tässchen Kaffee geladen, er hatte in den letzten Wochen auch gemeint Rufe und Klopfen aus dem Haus zu hören, doch er hat nicht einen Versuch unternommen, der Ursache auf den Grund nachzugehen.

Die Toten werden auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt und Desmond, der Postbote verfällt nach der Beisetzung in Depressionen und verlässt den Ort.

Die Polizei führt nicht wirklich Ermittlungen durch, das Haus wird desinfiziert und wieder bewohnbar gemacht.

Niall, der Nachfolger des Postboten Desmond ist ein junger Mann, der eine Leidenschaft hat: Er zeichnet und er möchte unbedingt Design Artist werden. Der Job als Postbote dient nur dem Geldverdienen und nach Feierabend hockt er noch lange im Postamt und zeichnet, bzw. er versucht es: Die vielen Versuche einen Wolf zu zeichnen misslingen ihm immer wieder. Vor lauter Frust wirft er ein zerknülltes Papier in Richtung Mülltonne, trifft aber nicht richtig und löst somit eine kleine Lawine an Papierbällen aus, die in der Gitterbox für unzustellbare Post landet. Er klettert hinein und will eigentlich nur den Schaden beseitigen, als er auf ein seltsames Paket stößt, dass seine Neugier weckt. Es ist nicht frankiert, darum liegt es wohl in der Gitterbox.

 Aber auf dem Paket ist ein Empfänger markiert:

Irgendjemand im Postamt in Malahide.

Bei genauerem Hinsehen findet Niall noch einen weiteren Vermerk auf dem Paket und kann nicht widerstehen. Er öffnet es und entdeckt ein altes Notizbuch. Es scheint ein Tagebuch zu sein, geschrieben von Fiona Walsh, der älteren der toten Nichten ….

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So beginnt der Autor seine Erzählung dieses genialen Thrillers. Dann „erzählt“ das Tagebuch in einer Rückblende die Geschichte von Fiona. Was sie alles niedergeschrieben hat, beinhaltet die letzten ca. 3 Jahre ihres Lebens und ich werde nicht mal annähernd verraten worum es geht 😉

Das es jedoch um einen jungen, gut aussehenden Geschichtenerzähler ( irisch: seanchaí ) geht, der den Frauen reihenweise den Kopf verdreht hat und sie durch seine Erzählungen mehr als nur in seinen Bann gezogen hat, ist bereits dem Klappentext zu entnehmen.

Der Autor schreibt in sehr guten Schreibstilen, die sich innerhalb des Romans immer wieder unterscheiden.

Wird z.B. das Tagebuch von Fiona wiedergegeben , schreibt und formuliert er natürlich ihrem Charakter entsprechend.  Die Passagen in der er die Geschichten von Jim Quick zu Papier gebracht hat, sind völlig anders. Er schreibt hier als Märchen oder Sagenerzähler.

Mich hat der Autor mit diesem Roman absolut in seinen Bann gezogen und ich wollte unbedingt wissen wie es weitergeht und vor allem: was geschah?

Ich habe als Leserin viele Höhen und Tiefen erlebt, schöne, hochfliegende Gefühle sowie Angst, Wut, Neid, Eifersucht und Leidenschaft. Die Mischung dieses Thrillers ist perfekt gelungen und fällt für mich absolut aus dem Rahmen.

Dabei fühlte ich mich Im ersten Moment bei „drei Schwestern“ und einem Geschichtenerzähler direkt an die „Hexen von Eastwick“ erinnert, doch dem ist nicht so. Dieser Roman ist kein Abklatsch des (immerhin genialen) Films, sondern eine eigenständige Idee, die spannend umgesetzt wurde und nicht mal an den Haaren herbeigezogen wird.

Bis zum Schluss hatte ich ein Problem mit dem Namen Aoife. Der Autor hat der Handlung entsprechend irische Namen ausgewählt und die Übrigen konnte ich auch aussprechen, doch mit diesem konnte ich nichts anfangen.

Nun, ich hätte vielleicht zu Anfang im Internet nachschauen sollen, denn nun weiss ich, dass ich die Figur mit „A-eufe“ total falsch „gesprochen“ habe. Wie die schönen irischen Namen tatsächlich klingen können Interessierte Leser sich hier sogar anhören 😉

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Aoife – gesprochen: EE-fa

Roisin – gesprochen: ro + sheen 

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Ich habe das Buch als gebundene Ausgabe mit Leseband gebraucht gekauft. Es ist aber als Taschenbuch erhältlich. Das Cover zeigt grüne Hügel mit einer Felsformation, was mich ein bisschen an Schottland erinnert. Mich hat es angesprochen, denn es wirkt nicht reißerisch und lässt nicht annähernd vermuten, was sich dahinter verbirgt.

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Mein Fazit: 5 von 5 Punkten für diesen Thriller, den ein Däne, wohnhaft in den USA in Irland spielen lässt. Für mich ist die Handlung außergewöhnlich fesselnd, u.a. weil der Autor die Erzählstile und Blickwinkel innerhalb des Romans wechselt. Es gibt eine unheimliche Vielfalt an Gefühlen in diesem Buch (u.a. bedingungslose Liebe unter Geschwistern) und was die Brutalität angeht habe ich schon krassere forensischere Thriller gelesen. Christian Mørk versteht es den Leser auf andere, seine Weise in seinen (oder Jims ?) Bann zu ziehen.

ACHTUNG: Der Verlag hat „Darling Jim“ in einer neuen Ausgabe unter dem Titel „Teufelslist“ veröffentlicht.

© Buchwelten 2012


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Buchwelten im Gespräch mit Michael Zandt

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Mit „HAPU – Teufel im Leib“ hat der Autor Michael Zandt seinen Debütroman veröffentlicht. Er ist im Candela Verlag als Taschenbuch erschienen und erzählt die Geschichte von HAPU, einer jungen Asartu-Frau. Asartu sind Nachfahren des Teufels, die unter uns Menschen leben.

Heute stelle ich Michael Zandt einige Fragen zu seiner Arbeit, seinen Ideen und seinen Plänen für die Zukunft.

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Meine erste Frage bezieht sich auf deinen Debütroman „HAPU-Teufel im Leib“. Wie ist die Idee dazu entstanden? Warum sind es gerade die Nachfahren des Teufels geworden, die Du unter uns Menschen weilen lässt?

Die Asartu sind, wenn man so mag, der „teuflische“ Gegenentwurf zum von Gott geschaffenen Menschen. Abgesehen von ihrem ernährungsphysiologischen Makel und ihrem Äußeren aber unterscheiden sie sich kaum von uns.

Mich hat die Frage interessiert, wie wir wohl mit Wesen umgehen würden, die zwar die Mehrzahl unserer Träume, Sehnsüchte und Ängste teilen, sich aber, trotz ihrer Bemühungen, nur sehr bedingt in eine Gesellschaft wie die unsere integrieren lassen.

Wie lange hast Du an dem Roman gearbeitet und wie schwer war der Weg einen Verlag zu suchen und dann zu finden?

Von der Idee bis zum fertigen Manuskript, hat es etwa ein Jahr gedauert. Schreiben ist bei mir eine Frage der Tagesform. Es gibt Zeiten, in denen ich recht viel, und Phasen in denen ich kaum eine Zeile zustande bringe.

Was die Verlagssuche angeht: Zuerst habe ich mein Glück bei einer auf unterhaltende Belletristik spezialisierten Literaturagentur versucht. Die beiden Damen dort haben mich nicht lange zappeln lassen und mir noch am selben Tag eine freundliche Standardabsage geschickt. Danach habe ich mich an einen Publikumsverlag gewandt. Der zuständige Lektor dort wollte mir zwar ein gewisses Talent nicht absprechen, bescheinigte mir aber gleichzeitig mit Hapu einen, dem potentiellen Leser, nur schwer vermittelbaren Charakter geschaffen zu haben.

Jedenfalls: Kleinere Verlage waren glücklicherweise für „Hapu“ zu interessieren. Nach einigen Irrungen und Wirrungen (ein Verlag ging in die Insolvenz, ein anderer stellte über Nacht alle Projekte ein) fand Hapu ihren Platz schließlich im Candela-Verlag.

Waren für HAPU viele Recherchen nötig? Wenn ja, wie sah diese Arbeit aus?

Wenn ich schreibe, laufen Wikipedia und Google im Hintergrund. Wann starb der Freiherr von Stein? Wie ist die politische Situation in Somalia? Wo ist in Köln der Straßenstrich? Alles Fragen, die mir das Netz heute viel schneller und zielführender beantworten kann als ein Lexikon.

Ich habe im Wesentlichen also über das Internet recherchiert. Daneben habe ich „Sinuhe der Ägypter“ von Mika Waltari gelesen um ein wenig Atmosphäre zu „atmen“.

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Liest du privat selber viel? Wenn ja, welche Autoren und Genres bevorzugst du hierbei?

Am meisten beeindruckt mich derzeit die russische Phantastik. Vladimir Sorokin zum Beispiel. Den Österreicher Thomas Glavinic und den Amerikaner Stuart O’Nan schätze ich ebenfalls sehr. Weiter finden sich derzeit Franz Kafka, Markus Orths, Cormack McCarthy und Samuel Pepys auf meinem Büchertisch. Von den klassischen „Phantasten“ schätze ich besonders die Werke von E.A. Poe und Leo Perutz.

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Wie wichtig ist Dir die Musik. Findest Du auch darin Inspiration oder Anregungen für Deine Schreiberei? Begleitet sie Dich vielleicht sogar während Deiner Arbeit?

Ich liebe Musik, kann sie aber, wann immer ich mich konzentrieren möchte, leider nicht gebrauchen. Ich kann meine Aufmerksamkeit nur schwer teilen. Ich gehöre zu der Sorte Männer, die schon dann das Radio ausmachen muss, wenn sie nur rückwärts einparken möchte.

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Auf der Verlagsseite gibt es leider keine Vita über Dich. Ich konnte herausfinden, dass du verheiratet und Vater zweier Kinder bist. Wie steht deine Familie zu deinem Schreiben? Lässt sich das vereinbaren und sind sie evtl. sogar begeisterte Testleser?

Phantastik ist zwar nicht unbedingt das Genre indem meine Frau sich zuhause fühlt, doch ist sie mir trotzdem eine unverzichtbare Testleserin. Sie weist mich auf logische Fehler hin und verbessert meine Zeichensetzung regelmäßig soweit, dass ich mich meiner mangelnden Orthographietalente wegen dem Lektor, bzw. der Lektorin gegenüber nicht zu schämen brauche.

Ich denke mir, dass Du noch einem Vollzeitjob nachgehst. Was ist Dein Beruf und wann findest Du die Zeit zum schreiben?

Ich schlafe selten länger als fünf oder sechs Stunden und nutze zum Schreiben daher gerne die morgendliche Stille. Ja, ich habe einen Vollzeitjob. Ich bin diplomierter Verwaltungswirt und unter anderem für die Verteilung von Kindergartenplätzen zuständig.

Wie wichtig ist für dich als Autor das Internet? Nutzt Du es intensiv oder ist es eher ein notwendiges Übel?

Das Netz ist die einfachste und günstigste Möglichkeit sich rasch und umfassend zu informieren. Daher finde ich es auch wichtig Bewegungen wie „Stop Acta“ zu unterstützen. Das Netz hilft nicht nur mir als Autor, sondern der Verbreitung von Wissen überhaupt. Deshalb sollte es unreglementiert und frei sein.

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Nun meine Standardfrage an meine Gesprächspartner: gibt es ein Ritual und/oder ein Maskottchen, dass dich beim Schreiben begleitet?

Zwar bin ich für kindlich-pathetische Anwandlungen mitunter durchaus empfänglich, aber wenn ich je ein Maskottchen besäßen hätte, wäre es vermutlich inzwischen in dem auf meinem Schreibtisch herrschenden Durcheinander aus Büchern, Aktenordnern und Briefen verloren gegangen.

Ich weiß, dass Du derzeit an der Fortsetzung zu HAPU, der Asartu, arbeitest. Wann können wir mit dem zweiten Teil rechnen? Und wird es eventuell auch mal ein Buch von Dir zu lesen geben, dass in einem anderen Genre angesiedelt ist? Einen Krimi oder eine Liebesgeschichte zum Beispiel?

Die Fortsetzung von „Hapu“ wird den Namen „Das schwarze Kollektiv“ tragen und im neuen „Art Skript Phantastik“-Verlag erscheinen. Vorab: Ich bewundere den Mut der jungen Dame, das Wagnis „Verlagsgründung“ einzugehen, und sich dann auch noch auf meine bescheidenen Talente stützen zu wollen. Ob das gut gehen wird, weiß ich nicht, aber ich werde in jedem Fall versuchen, die Erwartungen der frisch gebackenen Verlagschefin nicht zu enttäuschen.

Ob ich das Genre der Phantastik je verlassen werde? Wozu? Um einen Krimi zu schreiben? Da gibt es fraglos Bessere. Leute die einfach wissen, wie so ein Ding gestrickt sein muss um die Leute herzrasend bei der Stange zu halten. Davon einmal abgesehen, wüsste ich nichts zum Thema zu sagen, was nicht auch Columbo schon gesagt hätte.

Gut erzählte Liebesgeschichten dagegen mag ich. Aber dafür muss ich nicht das Genre wechseln.

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Ich danke Michael Zandt für das Gespräch und wünsche ihm alles Gute für seine weitere schriftstellerische Zukunft.

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Michael Zandt gibt es auch bei Facebook

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© Buchwelten im Februar 2012