Die Tiefe der Zeit von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
532 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-70427-4

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Der Krieg zwischen den außerirdischen Crul und der Menschheit dauert bereits mehrere tausend Jahre an. Der Soldat Jarl bekommt von seinem Talisman, einem geheimnisvollen Artefakt, das er seit seiner Geburt besitzt, Geschichten von einem mystischen Planeten namens Erde erzählt, auf dem sich angeblich eine Waffe befindet, die den Krieg zwischen Crul und Menschen beenden kann. Jarl macht sich auf die Suche nach der Erde …

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Der Meister des philosophischen Science Fiction Romans ist zurück. Nach dem Wissenschafts-Thriller „Das Erwachen“, der Andreas Brandhorst einmal von einer ganz anderen Seite gezeigt hat, kehrt er nun zu seinen Wurzeln zurück. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein typischer Brandhorst, der dennoch gewisse Neuerungen in sich verbirgt. Denn dieses Mal lässt uns der Autor auch an Weltraumschlachten teilhaben, die zwar nicht wie in Star Wars ausarten, sondern dezent im Hintergrund verlaufen und nicht den Hauptanteil der Geschichte bestreiten. Andreas Brandhorst schafft es wie nur wenige seiner Kollegen, die Leser über Grenzen hinaus und an den Rand des Universums mitzunehmen, ihn zum Nachdenken zu bewegen und der Geschichte somit immer einen besonderen, eben philosophischen, Reiz zu verschaffen. Wie in vielen seiner Bücher geht es auch in „Die Tiefe der Zeit“ um das Leben und den Tod, um menschliche Emotionen und Gedankengänge über das Älterwerden. Thema ist auch wieder die Unsterblichkeit respektive ewiges Leben. Andreas Brandhorst schafft es immer wieder, die Leser in den Bann zu ziehen, so dass sie von der Geschichte einfach nicht mehr loslassen können. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein Abenteuer, wie man es von Brandhorst erwartet und auch ohne Einschränkungen wieder serviert bekommt.

In gewohnt hohem sprachlichem Niveau entwirft Andreas Brandhorst ein Zukunftsbild, das einem während des Lesens so manches Mal die Gegenwart vergessen lässt. Interessant finde ich, dass, obwohl sich „Die Tiefe der Zeit“ letztendlich nahtlos in Brandhorsts Science Fiction-Bibliografie einfügt, der Autor dennoch einen anderen, neuen Weg einschlägt. Es ist gar nicht einmal so leicht zu erklären, inwiefern dies geschieht, aber der Plot wirkt gegenüber den vorangegangenen Romanen, anders. Das mag zum einen an den oben erwähnten Weltraumschlachten liegen, findet aber meiner Meinung nach seinen Ursprung in der überaus „filmtauglichen“ Erzählweise. Während Andreas Brandhorst in seinen vorhergehenden Romanen mehr Wert auf gedankliche „Bilder“ setzt, schildert er in „Die Tiefe der Zeit“ die Geschichte geradliniger. Was aber nicht heißen soll, dass genau die Brandhorst-typsischen „Gedankenbilder“ hier fehlen, denn die Schilderung des „Ozeans der Zeit“ ist zum Beispiel grandios und atemberaubend gelungen und wirkt noch lange nach. „Die Tiefe der Zeit“ ist also typisch Andreas Brandhorst mit einem Schuss mehr „Publikumstauglichkeit“, wenn ich eine Erklärung abliefern müsste.

Andreas Brandhorst beweist mit seinem neuen Roman wieder einmal, dass er einer der ganz großen Autoren, wenn nicht der größte (zumindest im deutschen Sektor) im Science Fiction-Bereich ist, der es mit internationalen Größen aufnehmen kann oder sie sogar in gewisser Hinsicht übertrumpft. „Die Tiefe der Zeit“ ist ein epischer, bombastischer „Literatur-Blockbuster“, der süchtig macht und nach mehr verlangt. Wie es Andreas Brandhorsts Bücher so an sich haben, denkt man anfangs, sie wären dick genug, bis man ab der Hälfte feststellt, dass die Seiten nur so dahinfliegen und man sich wünscht, der Roman hätte mindestens den doppelten Umfang. 😉
Brandhorst macht uns auch in diesem Buch bewusst, dass ein einzelner Mensch innerhalb eines großen galaktischen Zusammenhangs  durch seine Handlungen Bedeutung erlangen kann. Dieser Minimalismus eines Einzelnen innerhalb eines epischen Konstrukts macht die Handlung unweigerlich zu einem beeindruckenden Erlebnis. „Die Tiefe der Zeit“ ist großes Kopfkino, das bombastische Breitwandbilder in Kombination mit einfühlsamer Philosophie zeigt. Andreas Brandhorst zeigt Bombast, menschliche Emotion und Einsamkeit. Mit dieser Kombination erschafft er eine unwiderstehliche und vor allem faszinierende Geschichte. Mehr davon bitte, Herr Brandhorst.

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Fazit: Episch, bombastisch und dennoch menschlich emotional. Brandhorst ist der Meister der philosophischen Science Fiction.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Armada von Ernest Cline

armada

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-596-29660-6
Kategorie: Science Fiction

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Zack Lightman ist einer der besten Spieler im Computerspiel „Armada“. Dort wird die Erde von einer außerirdischen Spezies angegriffen und Lightmann muss zusammen mit anderen Spielern unsere Welt retten. Doch dann taucht eines Tages plötzlich ein echtes Raumschiff über seiner Heimatstadt auf und aus dem Computerspiel wird Ernst. Denn es stellt sich heraus, dass „Armada“ lediglich als Spiel getarnt ist und die Spieler in Wahrheit eine Armee bilden, die die Hoffnung der gesamten Menschheit darstellen.

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Ernest Cline geht mit seinem zweiten Roman nach „Ready Player One“ kein Risiko ein und bewegt sich auf den gleichen Pfaden wie bei seinem Debüt. Was sich aber im ersten Moment wie eine uninspirierte und gar kopierte Geschichte nach Schema F des Vorgängers anhört, entpuppt sich dann aber doch sehr schnell zu einem zweiten Volltreffer im Bereich der Science Fiction, der wieder auf unzähligen Anspielungen auf Filme der 80er und 90er Jahre aufbaut. Der Lesegenuss von „Armada“ gestaltet sich ähnlich flott wie der von „Ready Player One“. Man fliegt nur so durch die Seiten, weil man von dem flüssigen, humorvollen Schreibstil schlichtweg mitgerissen wird. Ernest Cline schafft es hervorragend, seine Leser grandios und kurzweilig zu unterhalten. Und wenn man ein „Kind der 80er“ ist und / oder sich für Filme und Musik aus dieser Zeit interessiert, kann man sich dem Sog von Clines‘ Romanen sowieso nicht entziehen.

Ernest Cline zeichnet seine Charaktere ähnlich „menschlich“ und glaubhaft wie in „Ready Player One“, so dass man wirklich sehr nahe  am Protagonisten die Handlung miterlebt. Es sind vor allem die Gedankengänge seiner Hauptperson, die den Leser direkt ansprechen und damit äußerst sympathisch machen. Cline versäumt es auch nicht, in seinem neuen Roman hin und wieder Gesellschaftskritik einzubauen, die durchaus nachvollziehbar ist. „Armada“ ist erneut ein wilder Trip durch die Welt von Computerspiel-, Film- und Musiknerds, der unheimlich Spaß macht. Man sollte „Ready Player One“ aber nie als Vergleich heranziehen und diesen Roman einfach als eigenständiges Werk ansehen, denn zu viele Parallelen im Storyaufbau sind zu verzeichnen, die schnell ein nicht allzu gutes Licht und ein daraus resultierendes Urteil im Kopf des Lesers erscheinen lassen. Viele der unterhaltsamen Anspielungen auf die Welt der 80er Jahre wirken „kopiert“ und lediglich auf eine andere Handlung als „Ready Player One“umgeschrieben, so dass man leicht meinen könnte, „Armada“ wäre als Nachfolgeroman lediglich schnell heruntergeschrieben worden. Ich für meine Person empfinde das überhaupt nicht so, sondern halte „Armada“ für einen völlig legitimen Nachfolger des Erfolges „Ready Player One“, der einfach nur im selben Stil verfasst wurde.

Ähnlich wie beim Vorgängerroman sieht man während des Lesens die Handlung als eine Art Film vor sich. Und es ist in der Tat so, dass sich auch „Armada“ für eine Verfilmung anbieten würde und als Film womöglich sogar besser als die Romanvorlage funktionieren würde. So ähnlich ging es mir übrigens auch bei den Büchern und Filmen von „Maze Runner“, die mir als Buch nur bedingt und als Film sehr gut gefallen haben. Ernest Cline bleibt auf alle Fälle seinem Konzept treu und liefert mit seinem zweiten Buch genau das ab, was seine Fans erwartet haben: kurzweilige Popkorn-Literatur, die schon als Buch einen Kinoblockbuster auf der Gedankenleinwand des Lesers erscheinen lassen. Seine Bücher sind Pageturner erster Klasse, die durch den im Moment auch noch absolut in Mode gekommenen 80er Jahre-Flair einfach nur magisch verzaubern. Clines‘ Bücher könnten es sogar schaffen, nichtlesende Jugendliche endlich wieder zum Lesen zu bringen, denn er behandelt Themen, die diese Zielgruppe begeistern: Videospiele und Filme. Und diese Zutaten, vermischt mit einem lockeren, flüssigen und leicht lesbaren Schreibstil, ergeben fantastische Unterhaltungsliteratur, die nicht nur Jugendliche, sondern auch (junggebliebene) Erwachsene in ihren Bann zu ziehen vermag. Ich freu mich schon auf das dritte Werk des vielversprechenden „Nerds“.

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Fazit: Kurzweilig und genauso unterhaltsam wie der Vorgänger „Ready Player One“.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Dunkel der Sterne von Peter F. Hamilton

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 928 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70392-5
Kategorie: Science Fiction

Der Planet Bienvenido konnte zwar endlich aus der Leere ins Universum zurückkehren; doch er ist Millionen Lichtjahre vom Commenwealth entfernt. Die Bewohner kämpfen immer noch gegen die Faller.  Doch plötzlich erscheint eine mysteriöse Gestalt auf, die sich „Kriegerengel“ nennt und den Menschen Hilfe anbietet.

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Der zweite Roman aus der „Chronik der Faller“ setzt unbedingt voraus, dass man den ersten Teil kennt, denn die komplexe Handlung wird fortgeführt. Ohne Vorwissen gerät der dicke Schmöker schnell zu einem äußerst unübersichtlichen Plot, dem man schon bald nicht mehr folgen kann. Wer aber noch ungefähr weiß, was sich im ersten Teil abgespielt hat, darf erfreut in das „neue“ Universum von Peter F. Hamilton zurückkehren.  Man muss allerdings diese Art von (Science Fiction-) Bücher mögen, denn es verlangt auch einem eingeschworenen Fan an gewissen Stellen Durchhaltevermögen ab. Hamilton geht in die Länge, wo er nur kann (außer hier am Ende) und fordert vom Leser Aufmerksamkeit und Konzentration, denn nur zu schnell kann man nämlich die Übersicht bei der Komplexität der Handlung verlieren. „Das Dunkel der Sterne“ wirkt durch die Antagonisten, die „Faller“, herrlich unverbraucht und erfrischend, die mir in dem vorliegenden zweiten Teil sogar noch besser als im ersten gefallen haben.

Peter F. Hamilton schreibt Space Operas, wie sie sich der eingefleischte Science Fiction-Fan wünscht. Da ist wirklich alles dabei, von politischen Intrigen über Weltraumschlachten und Aliens bis hin zu polizeilichen Ermittlungen und Verschwörungen. Hamilton erschafft eine bis ins letzte Detail glaubwürdige Zukunftswelt. Das mittlere Drittel dieses zweiten Teils hat mir besonders gut gefallen. Hier treffen die verschiedenen Handlungsstränge aufeinander, vermischen sich und ergeben plötzlich einen Sinn. Das war hervorragend gemacht und hat mich eher an einen „alten“ Abenteuerroman als an eine moderne Science Fiction-Geschichte erinnert. In diesem Abschnitt des sehr umfangreichen Romans kam eine sehr angenehme Atmosphäre auf,  wegen der ich unentwegt weiterlesen wollte. Gegen Ende hin wird Hamilton dann wieder etwas langatmiger und widmet sich ausgiebigen Beschreibungen von zum Beispiel technischen Details, die für den ein oder anderen (ungeduldigen) Leser etwas ermüdende Auswirkungen haben könnten. Da ich die anderen Commonwealth-Romane (noch nicht) kenne, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich mit diesem Wissen hier auch noch ein komplett anderes Gesamtbild ergeben könnte. Aber der Lesegenuss funktioniert auch ohne die vorhergehenden Romane aus dem Commonwealth-Zyklus, „Der Abgrund jenseits der Träume“ einmal ausgenommen.

Die Charakterzeichnungen fand ich ebenfalls sehr gelungen, allen voran der „normale“ Florian. Die Szenen, in denen er sich um ein schnell heranwachsendes Baby kümmert, sind einfach nur göttlich und machen dermaßen viel Spaß, dass man sich am Ende wünscht, es hätte noch länger gedauert. Aber auch die anderen Personen agieren glaubwürdig und wachsen einem ans Herz, oder auch nicht. „Die Chronik der Faller“ ist episch angelegt und umfasst einen riesigen Zeitraum, der unendlich viele Möglichkeiten und eigene Gedankengänge zulässt. Denn obwohl Hamilton sehr vieles genau erklärt, rotieren die Gedanken des Lesers (zumindest ging es mir so) permanent und bilden erstaunlicherweise irgendwie zusätzliche Details in dem ganzen Universum. Was ich damit sagen will, ist, dass Hamilton es bei mir geschafft hat, dass ich seine erschaffene Welt über seine Erklärungen hinaus in meiner Vorstellung weiter ausgebaut habe. Erwähnen möchte ich noch unbedingt die Verfolgungsszene mit den Polarbären, die so bildhaft beschrieben wurde, dass ich förmlich einen Film vor meinem inneren Auge sah. Dieses Geschehen wirkte sehr beeindruckend auf mich und ich denke, dass ich es nicht so schnell vergessen werdew. Peter F. Hamiltons Abschlussband der „Faller-Chronik“ schließt nahtlos an den ersten Band an. Beide Bücher ergeben ein Science Fiction-Abenteuer der Extraklasse, dessen Gesamteindruck im Nachhinein noch mehr nachwirkt als während des Lesens. So muss gute Science Fiction sein.

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Fazit: Würdige Fortsetzung von „Die Träume jenseits des Abgrunds“. Genialer Science Fiction-Pageturner.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Sphären von Pierre Bordage

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
443 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-453-31848-9

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In der Nähe eines kleinen Ortes in Frankreich erscheint eines Tages eine riesige Kugel, die von den Menschen „Sphäre“ oder „Weiße Dame“ genannt wird. Wenig später erscheinen auf der ganzen Welt solche Kugeln, bis die Erde nahezu übersät mit ihnen ist. Und dann beginnen die ersten Kinder zu verschwinden. Auf geheimnisvolle Art und Weise werden Kinder, die maximal 4 Jahre alt sind, von den „Sphären“ verschluckt. Das Militär versucht, die riesigen Kugel  mit Bomben zu zerstören, aber erfolglos. Während immer mehr Kinder verschwinden, rätseln Wissenschaftler und Menschen, ob es sich um eine Invasion von Außerirdischen handelt und suchen nach einer Lösung, um weitere Kinder nicht länger in Gefahr zu bringen.

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Es ist schon eine sehr stimmungsvolle Ausgangssituation, die Pierre Bordage in seinem neuen Roman bereits auf den ersten Seiten schafft. Man erinnert sich unwillkürlich an „Arrival“ oder auch „Unglaubliche Begegnung der dritten Art“, und wenn man zwischen den Zeilen liest, verheimlicht Bordage diese Anleihen auch gar nicht, sondern verneigt sich mit seiner Story eher vor diesen Vorbildern. „Die Sphären“ ist eine Mischung aus Science Fiction und Dystopie, deren Handlung sich über viele Jahre hin erstreckt. Aufgrund der relativ wenigen Seiten erhält der Plot allerdings nicht das epische Ausmaß, das man sich davon erwartet. Bordage überspringt Jahre, geht nicht näher auf die Weiterentwicklung der Bedrohung durch die „Feinde“ oder der Charaktere ein, sondern widmet sich schlicht und ergreifend der konstanten Fortführung der Story.
Bordage widmet sich aber nicht nur einer Person und erzählt deren Geschichte, sondern „kümmert“ sich gleich um mehrere. Das mag den ein oder anderen Leser überfordern, der eine geradlinige Erzählweise erwartet, bildet aber in der Endkonsequenz ein sehr rundes Bild der gesamten Ereignisse.

Schnelleser (und auch unaufmerksame Leser) werden definitiv Schwierigkeiten mit den ganzen Personen, Namen und Zeitsprüngen haben. Aufmerksame Leser hingegen, die sich auch noch auf die Jahre dauernde Handlung einlassen können, werden mit einem wirklich guten Plot belohnt, der auch sehr viele Emotionen enthält. Bordages Szenario regt zum Nachdenken an, gerade was die „Behandlung“ ungeborenen Lebens und das von kleinen Kindern betrifft. Wenn man selbst in so einer Lage ist (oder einmal war) und ein Elternteil ist, kann man die Zwiespältigkeit dieser Überlegungen, wenn es um das Wohl der ganzen Menschheit geht, durchaus nachvollziehen. Der Dystopie-Charakter der Geschichte wird vom SF-Anteil zwar überdeckt, schwelt aber permanent im Hintergrund, so dass sich eine stimmungsvolle, bedrohliche und düstere Stimmung über das gesamte Werk legt. Ich persönlich mochte den Plot und das ganze Drumherum, das an manchen Stellen auch schon einmal philosophisch und esoterisch wurde.

Pierre Bordages Schreibstil ist einfach, aber keineswegs niveaulos. Bis auf wenige Ausnahmen, in denen Bordage seine Protagonisten sehr naiv handeln (und auch reden lässt), werden in einer bildhaften Sprache die beschriebenen Situationen oftmals zu einem hervorragenden Kopfkino für den Leser. „Die Sphären“ ist ein ruhiges Buch, das in erster Linie von seinen vielen magischen Momenten lebt und nicht unbedingt von den Tiefen der Charaktere. Bordage beschreibt ein episches Geschehen, das mich in seiner Gesamtheit oftmals an Stephen Baxters Visionen erinnerte, von Bordage aber in seiner Tiefgründigkeit, bombastischen Wucht und erzählerischen Finesse nicht erreicht wird. Doch es ist schließlich kein Buch von Baxter, also kann man „Die Sphären“ durchaus als gelungene, düstere Zukunftsvision ansehen, die mit einem wunderbaren, für mich zufriedenstellenden Ende aufwartet.
Pierre Bordage widmet sich in „Die Sphären“ eindeutig weniger den technischen und wissenschaftlichen Seiten eines SF-Romans, sondern behandelt in erster Linie menschliche Themen wie Spiritualität oder politische und religiöse Machtspiele, die das „Fußvolk“ unterdrücken und ungerecht behandeln. Ein Buch, das mir mit Sicherheit trotz einiger Schwächen aufgrund seiner spannenden Handlungsstruktur im Gedächtnis bleiben wird.

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Fazit: Spannend und stimmungsvoller Genremix aus Science Fiction, Dystopie und menschlichem Drama.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die neunte Stadt von J. Patrick Black

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 792 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-31788-8
Kategorie: Science Fiction

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Vor unzähligen Jahren wurde die Erde von kriegerischen Aliens angegriffen. Die Menschen verteidigen sich mittels einer geheimnisvollen Begabung, die sie erstaunlicherweise durch die Außerirdischen bekamen. Es handelt sich dabei um eine geistige Kraft, die es ihnen ermöglicht, auf einer höheren Ebene gegen die Feinde zu kämpfen. Als die entscheidende Schlacht bevorsteht, sind es nur ein paar junge Heldinnen und Helden, die das Schicksal der gesamten Menschheit in die Hände nehmen.

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Eines vorweg: Man sollte diesem Buch auf jeden Fall eine Chance geben, denn es dauert tatsächlich etwa 200 Seiten, bis sich die Story einem so richtig erschließt. Der Klappentext trifft zwar die Geschichte auf den Punkt, aber erst nach gut einem Drittel des Romans erreicht man die Stelle, an der die Aliens und der Krieg zwischen ihnen und der Menschheit zum Tragen kommt. Ich will damit sagen, dass man die ersten 200 Seiten einfach durchhalten sollte, denn dann nimmt „Die neunte Stadt“ so richtig Fahrt auf und wird (zumindest weitestgehend) zu jenem Science Fiction-Epos, das man anhand der Inhaltsangabe erwartet hat.
Leider verhält es sich genauso bei den Charakteren. Auch hier musste erst eine Weile verstreichen, bis ich mich mit den verschiedenartigen Protagonisten „anfreunden“ konnte. Doch genug gemeckert: „Die neunte Stadt“ sprüht oftmals vor tollen Ideen, die einfach unglaublich Spaß machen. In der zweiten Hälfte kommt, wie gesagt, auch der Krieg zwischen der Menschheit und den Aliens zur Geltung und macht die Anfangsschwierigkeiten wett. Vor allem das mittlere Drittel des Romans ist das aus meiner Sicht interessanteste. Denn dort wird von den Kampfmaschinen der Menschen erzählt, die eine geistige Verbindung mit ihren Bedienern eingehen. So manches Mal hat mich das an Guillermo del Torros fantastischen SF-Film „Pacific Rim“ erinnert. Es war eine wirkliche Freude, diesen Mittelteil zu lesen.

Im letzten Drittel widmet sich Black dann dem eigentlichen Kriegsgeschehen und lässt die Leser hautnah an verschiedenartigen Auseinandersetzungen teilnehmen. Der Autor schildert diese Kriegsattacken sehr detailliert und bildhaft, dennoch hatte ich an manchen Stellen den Überblick verloren, wo genau sich diese Scharmützel abspielten: auf dem Boden oder im All. Diese Aufteilung in drei „Bücher“ lässt das Gesamtwerk letztendlich auch irgendwie „unfertig“ oder unausgereift wirken. Was wie eine Fantasy-Saga auf anderen Welten anfängt, wird in der Schilderung von Kampfvorbereitungen fortgeführt, um schließlich in einem epischen Krieg im Weltall zu enden. Der Plot hätte auf jeden Fall mehr Wirkung gehabt, wären diese drei Teile von Anfang an miteinander verschmolzen worden. So aber wirkt die Story durchkonstruiert und wie eine Abarbeitung vorgefertigter Plots. Fast könnte man meinen, es handle sich um drei Romane, die alle zufällig im gleichen Universum und zur gleichen Zeit spielen. Was für den ein oder anderen ebenfalls als störend empfunden werden könnte, ist die Schilderung ALLER Protagonisten in der Ich-Form. Das wirkt an manchen Stellen verwirrend, was wiederum zum Resultat hat, dass man sich mit den Protagonisten nicht besonders gut identifizieren kann, weil ja alle „Ich“ sind. Aber ich will den Roman keineswegs schlecht machen, denn das ist er definitiv nicht. Aber er hätte eben durchaus besser werden können. Blacks Schreibstil ist angenehm und sehr flüssig zu lesen. An manchen Stellen kommen sehr schöne philosophische Gedanken zum Tragen, die das Werk eindringlicher wirken lassen.

Insgesamt hat J. Patrick Black einen durchaus annehmbaren, erfrischenden Science Fiction-Roman mit seinem Debütroman abgeliefert. Sein bildhafter Schreibstil lässt den Leser unmittelbar in die Handlung eintauchen und auch im Kopfkino fantastische Bilder entstehen. Nach einem eher trägen, aber nicht unbedingt uninteressanten Einstieg im ersten Drittel wird man mit einem fast schon filmreifen Mittelteil belohnt, der auf eine fulminante Weiterentwicklung hoffen lässt. Anfangs klappt das auch noch ganz gut mit den dramatischen und durchaus einfallsreichen Kriegsschilderungen, doch leider beginnen diese sich diese oftmals in die Länge gezogenen Szenen irgendwann zu langweilen, so dass man wirklich das Ende des Buches  fast schon herbeisehnt. Insgesamt 200 Seiten weniger hätten dem Buch wahrscheinlich gut getan. Nichtsdestotrotz spannende und gut geschriebene Unterhaltung, die an manchen Stellen auch episch und bombastisch wirkt.

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Fazit: Alien-Invasion mit epischen Ausmaßen, aber leider auch einigen Schwächen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten