Ulldart – Die komplette Saga 3 von Markus Heitz

ulldart

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1360 Seiten
20,00 €
ISBN: 978-3-492-28133-1

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Nach einer gewaltigen Schlacht ist nun doch endlich Frieden auf Ulldart eingekehrt. Doch Lodriks erste Frau Aljascha will die Herrschaft über das Reich Tarpol an sich reißen. Plötzlich scheint der Frieden gefährdet, denn an der Westküste erscheint eine mysteriöse Kriegsflotte. Und dann versucht sich auch noch Lodriks Tochter in der nekromantischen Magie und plant, ein Heer aus Seelen um sich zu versammeln. Es ist ein Amulett, das über Sieg oder Niederlage der dunklen Mächte entscheidet …
Der Sammelband beinhaltet die Bände der Trilogie „Zeit des Neuen“
Band 1: Trügerischer Friede
Band 2: Brennende Kontinente
Band 3: Fatales Vermächtnis

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Nach dem sechsten Band war eigentlich Schluss mit der Geschichte um den Kekskönig Lodric. Doch der Erfolg dieser Serie verschaffte Markus Heitz die Möglichkeit, eine anschließende (und abschließende) Trilogie um Ulldart zu verfassen, die nun im vorliegenden Sammelband komplett vorliegt. Nach einer kurzen Zusammenfassung, durch die man sich wieder sehr schnell in die Ereignisse der vorangegangenen Bände einfindet, beginnt dann also das neue Abenteuer. Und wie … 🙂
Die Stimmung und das Niveau sind genauso wie in den ersten sechs Bänden. Heitz treibt die Handlung geschickt voran, so dass man schnell vergisst, dass nach dem sechsten Buch eigentlich Schluss sein sollte.

Man sollte sich nicht von dem Titel „Zeit des Neuen“ irritieren lassen, denn Markus Heitz lässt in diesen drei neuen Folgebänden die Handlung sogar noch düsterer erscheinen als in den Bänden 4 bis 6. Viele mochten diese Entwicklung nicht, weil sie aufgrund des Titels damit gerechnet hatten, dass sich Ulldart wieder zu einer strahlenden Welt entwickelt. Aber weit gefehlt … Doch mir persönlich hat gerade diese Entwicklung gefallen, diese trostlose Atmosphäre, die sich über die Handlung legt und eine ganz eigene Stimmung erschafft. Heitz lässt sich viel Neues einfallen, kehrt aber immer wieder zu seinen Ursprüngen zurück, so dass sich diese ’neue‘ Trilogie aus meiner Sicht nahtlos an die Vorgängerbücher anschließt und die Geschichte um den Kontinent gelungen abschließt und auch abrundet. Man sieht am Ende staunend auf Tausende von Seiten zurück und fragt sich, wie Markus Heitz auf diese Unmengen an Ideen und Charakterzeichnungen kommt. Insgesamt gesehen ist die Ulldart-Saga schlichtweg episch und atemberaubend.

Aufgrund des wirklich sehr angenehmen und flüssigen Schreibstils passiert im dritten Sammelband der Saga letztendlich genau das gleiche wie bei den beiden vorherigen: Man liest die Seiten trotz des gigantischen Umfangs relativ schnell weg, weil man sich von der Handlung äußerst schlecht lösen kann. Markus Heitz schafft auch hier wieder das kleine Wunder, dass man sich in den umfangreichen Handlungssträngen und verzwickten Entwicklungen letztendlich doch nicht verstrickt und die Übersicht (und respektive dann die Lust zum Weiterlesen) verliert. Man möchte wissen, was den einzelnen Charakteren widerfährt und ertappt sich des Öfteren dabei, dass man „nur noch ein paar Seiten“ liest. Heitz kann wunderbare Welten erschaffen und vermag auch mit den abschließenden drei Bänden des Ulldart-Epos seine Leser in den Bann zu ziehen. Und erstaunlich ist, dass man nach knapp 4.700 Seiten (wenn man den gesamten Zyklus sieht) im Grunde genommen eigentlich doch nicht genug von Ulldart hat. Alleine das ist ein Zeichen von hohem Unterhaltungswert, wie ich finde.

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Fazit: Düstere Fortsetzung des Ulldart-Zyklus. Einfach magisch.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ulldart – Die komplette Saga 2 von Markus Heitz

ulldart

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1888 Seiten
22,00 €
ISBN: 978-3-492-28132-4

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Nach der Schlacht von Telmaran rechnet man in Ulldart, dass sich die alte Prophezeiung nun endgültig erfüllt. Lodrik ist weiterhin unter dem Einfluss dämonischer Kräfte und seine Verbündeten sitzen in den Gefängnissen von Tarpol. Da taucht plötzlich ein Junge auf, der allem Anschein nach Lodriks Sohn Lorin ist. Doch Lodrik seht sich nach Frieden, während die Rogogarder und Kensustrianer noch weiterhin Widerstand leisten. Eine Vereinigung der Königreiche rückt zwar in greifbare Nähe, doch im Hintergrund werden Intrigen gegen Lodrik geschmiedet.
Doch dann taucht Goran auf, Lodriks Erstgeborener, und setzt alles daran, dass sich die Prophezeiung einer Dunklen Zeit doch noch erfüllt …

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In gewohnt hohem Niveau geht die Saga um Ulldart von Markus Heitz weiter. Schon nach wenigen Seiten fühlt man sich in die Stimmung der ersten drei Bände zurückversetzt, wenngleich man anfangs leichte Schwierigkeiten hat, sich an einzelne Personen zu erinnern oder ihre Stellung in der Gesamthandlung zu finden. Aber, wie gesagt, es dauerte nicht lange und man findet sich in der Geschichte wieder zurecht und durch ein paar verstreute Rückblicke auf vergangene Ereignisse erkennt man auch schon bald wieder die Zusammenhänge. Sicherlich drängt sich da an manchen Stellen der Vergleich mit George R.R. Martins „Das Lied von Feuer und Eis“ („Game Of Thrones“) auf, aber Heitz geht einen anderen, eigenständigen Weg in seiner Welt voller Krieg und Intrigen. Auch in den vorliegenden Bänden 4 bis 6 spürt man, dass der Autor seine Geschichte durchdacht hat.

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch, dass Markus Heitz sich selbst treu bleibt und in der Ulldart-Saga keine Elfen, Zwerge, Orks oder Drachen erscheinen lässt. Es ist ein Fanatsy–Roman, der von Menschen handelt, von ihrer Suche nach Weltfrieden, aber auch ihrem Streben nach Macht, bei dem sie über Leichen gehen. Vielleicht sind es gerade die fehlenden Fantasiegeschöpfe, die dieser Reihe eine gewisse Authentizität verleiht, die man als Fan von Fantasyliteratur genießt, weil sie schlichtweg mal etwas anderes serviert. Die Charakterisierung der Protagonisten geht auch in den mittleren drei Bänden der Saga konstant weiter und man erfährt wieder einiges über die liebenswerten, aber auch hassenswerten Personen. Wie schon bei den ersten Bänden widmet Heitz seine Kapitel immer wieder einem anderen Protagonisten, so dass man schon bald in einen angenehmen Lesefluss der Geschichte gerät. Hin und wieder ertappte ich mich dabei, wie ich an die ersten beiden Teile der Geschichte zurückdachte und mir immer wieder in Erinnerung rief, welch epischen Ausmaße die eigentlich sanft beginnende Geschichte angenommen hat. Das zeigt, das Markus Heitz den Spannungsbogen langsam Band für Band höher schraubt und der Story immer gewaltigere Ausmaße verleiht. Das schafft nicht jeder Autor so konsequent.

Markus Heitz schlägt bei den mittleren drei Bänden der Saga (insgesamt neun Teil) einen weitaus düstereren Weg ein als bei den Einstiegsbüchern. Gerade das macht dem Leser aber immer wieder deutlich, wie sich die Ereignisse in Ulldart überschlagen und in Zukunft noch entwickeln werden. Denn vieles deutet immer mehr auf ein unheilvolles, episches Finale hin. Diese konsequente Schaffung einer düsteren, fast schon aussichtslosen Atmosphäre machen den vorliegenden Sammelband zu einem wahren Erlebnis für Freunde von epischer High Fantasy, den man schlecht aus der Hand legen mag, wenn man mal von dem fast zweitausend Seiten umfassenden, und daher leicht unhandlichen Wälzer absieht. 😉
Immer wieder dachte ich mir beim Lesen, dass eine solche Sammlerausgaben, wie Piper sie nun vorlegt (jeweils drei Bände in einem Sammelband) als gebundene Ausgaben eventuell besser funktioniert hätten, weil sie mehr „her gemacht“ hätten. Aber auch als broschierte Ausgabe kann man diesen zweiten Sammelband, wie schon den ersten, uneingeschränkt empfehlen.

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Fazit: Band 3 bis 6 der Ulldart-Saga in einem Band. Niveauvolle und spannende High Fantasy.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Haus der schönen Dinge von Heidi Rehn

Das Haus der schönen Dinge
Erschienen als Taschenbuch
bei Droemer Knaur
insgesamt 656 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-426-51937-0
Kategorie: Belletristik, historischer Roman
Drama/Familiengeschichte

HirschemblemQuelle: https://www.droemer-knaur.de

Mai 1987 in München. Am Rindermarkt eröffnet der jüdische Kaufmann Jacob Hirschvogl die neuen Geschäftsräume seines Kaufhauses Hirschvogl am Rindermarkt. Mittlerweile zum königlich-bayerischen Hoflieferanten ernannt, geht hiermit für Jacob ein Lebenstraum in Erfüllung. Gemeinsam mit seiner geliebten Ehefrau Thea hat er den Schritt gewagt und das von ihm gegründete Kaufhaus nach ihrer beider Vorstellungen erweitert und im Stil seiner großen Vorbilder aus New York und Paris wiedereröffnet. Auch in München will Jacob Hirschvogl den Flair der großen weiten Welt aufleben lassen und mit seinem „Haus der schönen Dinge“ den Zauber dieser wundervollen Einkaufstempel, die leuchten, funkeln und glitzern, in seiner Heimatstadt eröffnen.

Angefangen als Tuchhändler ist ihm nun dieser Schritt gelungen und das Hirschvogl am Rindermarkt erfreut sich größter Beliebtheit. Ganz nach dem Motto „Der Kunde ist König“ werden hier auch die Besucher zuvorkommend umworben, die sich die angebotenen Waren (vor allem die teuren Damen- und Herrenkonfektionen) nicht leisten können, sondern nur kommen, um zu staunen und zu träumen.

In den 1920er Jahren zieht Lily, die Tochter der Hirschvogls nach und übernimmt die Leitung des beliebten Warenhauses. Sie bringt frischen Wind in die Führungsetagen und modernisiert das Kaufhaus. Anfang der 1930er Jahre werden auf einmal die Juden in ihrer Heimat nicht mehr gern gesehen, sie werden als geldgierige Mischpoke abgetan. Nun, fast alle Kaufhäuser in München sind in jüdischer Hand. Denn die Juden sind seit vielen Generationen an der Isar, viel länger als so manch Nicht-Jude.

In erster Linie bin ich Münchner, dann Bayer und dann erst Jude“ waren einmal die Worte von Jacob Hirschvogl, doch ob das wirklich so ist, dass wird sich zeigen …


* * *

Dieser Roman war ein Trödelmarktfund. Das Cover sprach mich an und als ich dann den Klappentext las, nämlich, dass die Geschichte im „alten München“ spielt, da konnte ich es nicht liegenlassen.

Und das war gut so. Dieser Roman hat mich völlig in seinen Bann gezogen und ich habe es so genossen, das München am Ende des 19. Jahrhundert zu besuchen und durch das Hirschvogl am Rindermarkt zu schlendern. Die Autorin Heidi Rehn hat eine so reale Stimmung dieser Zeit erschaffen, dass ich wirklich dort war. Ich bin durch die Abteilungen gelaufen und habe den Zauber dieses Luxustempels in mich aufgesogen. Bin durch die Rayons spaziert und habe mich von diesem Flair einfach mitziehen lassen.

Ich liebe München und war schon oft dort. Mein Mann hat dort die ca. ersten 30 Jahre seines Lebens verbracht und wenn ich dann im Roman z.B. von Giesing las, wo meine Schwiegermama noch heute in seinem Elternhaus lebt, dann ist das erst Recht so richtig toll.

Ich habe auch sehr viel gelernt, während der Lektüre vieles nachgelesen und mir Bilder angesehen. Denn es gibt ja noch viele der Kaufhäuser oder Geschäfte, die im Roman eine Rolle spielen. Als ich vom „Kustermann“ am Rindermarkt las (in dem ich letzten Sommer noch war), musste ich doch glatt die Suchmaschine anwerfen, ob das Hirschvogl nicht doch als Fassade dort irgendwo steht. Das Ludwig Beck am Rathhauseck, auch das gibt es heute noch. Begonnen hat Beck auch schon 1861 als Knopfmacher und Posamentenmeister. Ich habe gelernt, warum der Hirmer seinen Namen hat und warum auf dem Oberpollinger 2 Koggen in den Himmel ragen. Man liest meine Begeisterung vielleicht heraus, denn es war wirklich eine wundervolle Zeitreise und das Glossar am Ende des Buches ist nicht nur hochinteressant, sondern sehr lehrreich. Auch einen alten Stadtplan gibt es hinten im Buch, auf dem man sehr gut die Lagen der Kaufhäuser sehen kann, die zum großen Teil ja eben nicht fiktiv sind.

Aber auch geschichtlich hat der Roman natürlich einiges in seiner Handlung zu bieten, was nicht schön ist, sondern dramatisch, brutal und schrecklich. Hitler übernimmt die Macht und die Judenverfolgung beginnt. Und sie trifft natürlich auch die jüdischen Kaufleute der Stadt. Sie werden beispielsweise boykottiert und ihre Geschäfte in Trümmer geschlagen, sie selbst verprügelt, abgeführt und in Lager gebracht.

Heidi Rehn hat diese lange Geschichte über drei Generationen sehr stimmungsvoll und voller Emotionen erzählt und meine Zusammenfassung reißt wirklich nur einen kleinen Teil der Handlung an, daher: lest selbst! Es ist kein historischer, kitschiger Liebesroman. Sondern eine Liebeserklärung: an die Kaufhäuser, an die „alte Zeit“, an München und die Menschen, die dort lebten und wunderschöne Dinge erschaffen haben.

Ich freue mich so auf meinen nächsten Besuch in München, da werde ich mir alle diese Orte wieder ansehen und wahrscheinlich mit anderen Augen betrachten. Komisch, noch letzten Sommer saß ich mit meiner Familie am Rindermarkt und habe die riesige Baustelle gesehen. In einer Baulücke erwuchs in Heidi Rehns Fantasie das Hirschvogl am Rindermarkt. Schade, dass es nur Fiktion ist. Aber viele der alten zauberhaften Luxuskaufhäuser gibt es heute noch zu bewundern. Z.B. Das Bon Marché in Paris, Macy’s in New York, das KaDeWe in Berlin.

Und wie es ausging für die Familie Hirschvogl, ob sie und ihr Kaufhaus das dunkle Kapitel der deutschen Geschichte überstanden haben, dass sei nicht verraten. Fakt und Fazit: Ich bin hin und weg und hätte noch 1.000 Seiten lesen können ☺

Interessante Hintergrundinformationen gibt es hier: –> Verlagseite *klick*

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Fahrräder für Utrecht von Jochen Baier

Fahrräder für Utrecht.jpg
Erschienen als Klappenbroschur
im LangenMüller Verlag
insgesamt  336 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-7844-3422-3
Kategorie: Roman

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Am Sterbebett erfährt Hauke von seinem Opa Heinrich, dass dieser während des Krieges in Utrecht stationiert und dort für die Beschlagnahmung und Registrierung der Fahrräder von Juden verantwortlich war.

Außerdem offenbart Opa Heinrich ihm, dass er ein uneheliches Kind mit einer Niederländerin hat, mit Linda, die er im Krieg einfach hat sitzen lassen.

Hauke ist nach dem Tod seiner Eltern bei seinen Großeltern aufgewachsen und empfindet eine tiefe Bindung zu ihnen. Seinen Großvater liebte er über alles, darum kommt ihm der Gedanke der Wiedergutmachung. Ob es wohl möglich ist, eine Aktion zu starten, die den Holländern ihre Fahrräder zurückbringt? Gemeinsam mit seinen zwei engsten Freunden beginnt er zu planen und versucht eine Fahrradtour von Kettwig nach Utrecht in den Niederlanden zu organisieren.

Eine Reise die nicht nur auf Zuspruch trifft und die eine ganze Reihe an Höhen und Tiefen mit sich bringt. Ob am Ende alles gut wird … ?

***

Zunächst einmal mögen die Holländer ja gar nicht, wenn sie Holländer genannt werden. Wenn dann bitte Niederländer ☺. Ich selbst habe sehr viel Verwandtschaft in den Niederlanden. Bei mir war es aber andersrum: Meine Oma aus Köln hat schon weit vor dem Krieg einen Niederländer geheiratet, was uns übrigen Nachkommen ausnahmslos die niederländische Staatsangehörigkeit beschert hat. Und natürlich war ich als Kind immer viel in den Niederlanden, um die Verwandtschaft besuchen. Von den angeblichen bösen Witzen den Deutschen gegenüber in Bezug auf die Fietsen habe ich allerdings noch nie etwas gehört.

Der Schreibstil ist sehr locker und eher umgangssprachlich gehalten. Der Autor Jochen Baier, mein Baujahr, liefert hier aber einen lockeren Road/Ruhr-Movie ab, der Spaß macht, aber natürlich auch zum Nachdenken anregt. Mit der deutschen Nazivergangenheit konfrontiert zu werden, löst bei uns immer noch Beklemmungen aus, das ist auch bei diesem Roman so.

Viele Meinungen kommen zu Tage, viele Ansichten von beiden Seiten. Aus Sicht der Niederländer und aus Sicht der Juden. Die Verlassenen kommen zu Wort und die, die verlassen. Auf der Reise nach Utrecht lernen wir eine Menge Menschen kennen und die machen echt Spaß. Egal, ob ihre Geschichten traurig sind oder nicht.

Manchmal war es mir allerdings einfach alles zu sehr Klischee, zuviel genau das, was noch mit rein musste in die Handlung. Eine türkische Kindergartenfreundin, die ja eigentlich deutsch ist (zum Thema Multi-Kulti), der langjährige Kumpel, die alte Dame, die Jüdin ist, die Schiffer aus der Ruhrorter Hafenspelunke, die soviel Herz haben (In Ruhrort gibt es übrigens kein Lokal namens Schimmi’s ☺, das weiß ich, weil ich lange dort gewohnt habe).

Aber unterm Strich ist es egal, ich habe einfach drüber weg gelesen und versucht, aus dem Buch zu ziehen, was es liefern soll: nämlich Unterhaltung mit einem guten Schuss zum Nachdenken anregend.

Ich hatte Freude bei der Lektüre. Und den Fietsen Dans, den musste ich doch glatt bei Youtube suchen ….

© Buchwelten 2018

Am Fluss der Sterne von Guy Gavriel Kay

Fluss

Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Tor Verlag
insgesamt 720 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-596-03572-4
Kategorie: Fantasy

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In Kitai herrscht Krieg.
Ren Daiyan fühlt seit seiner Geburt, dass er dazu auserkoren ist, Kitai wieder zu neuer Macht zu verhelfen. Er wird zum Geächteten, bis er schließlich zu, Führer einer mächtigen Armee aufsteigt, um dem Land Frieden zu bescheren. Doch nicht alles verläuft nach Plan, wie Daiyan es sich vorgestellt hat.

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Es fällt beileibe nicht leicht, Zugang zu Kays neuem Roman zu finden. Zu viele gleich klingende Namen erschweren den Einstieg, der noch durch eine Unmenge an Fremdwörtern und Begebenheiten überlastet wirkt und dem ein oder anderen Leser von „Normalkost“ das Weiterlesen verleiden könnte. „Am Fluss der Sterne“ ist definitiv kein Fantasyroman, wie man ihn kennt. Es handelt sich hier vielmehr fast schon um einen historisch angehauchten Roman, der zwar in einer erfundenen Welt spielt, aber ansonsten wie eine Geschichte aus der Vergangenheit Chinas wirkt. Vieles erscheint dem Leser (zumindest verhielt es sich bei mir so) anfangs sehr verwirrend und überfrachtet, so dass man der Handlung sehr schwer folgen kann, zumal man hin und wieder schon ein paar Personen, die sich, wie schon erwähnt, namentlich gleichen, verwechseln kann.  Aber durchhalten lohnt sich, denn Kay entwirft ein sehr glaubwürdiges Weltbild, in dem man sich schließlich irgendwann doch zurecht findet.

Die Charakterzeichnungen in diesem Roman sind sehr gelungen und vermitteln auf jeden Fall gewisse Tiefen, die aber durchaus noch eigenständige Interpretationen des Lesers zulassen. Die Beschreibungen der Welt Kitai ist so detailliert und glaubwürdig beschrieben, dass man des öfteren vergisst, einen Fantasy-Roman zu lesen und meint, es handele sich um einen historischen Roman nach wahren Begebenheiten. Kay entwirft eine authentische Welt, in der man sich heimisch fühlt, wenn man die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat. Es zieht sich eine melancholische Grundstimmung durch den gesamten Roman, die süchtig macht und der man sich schlecht entziehen kann. Hinzu kommt der sehr gehobene, niveauvolle Schreibstil des Autors, der dieses Gesamtbild noch unterstreicht. An manchen Stellen setzt der Autor allerdings meiner Empfindung nach voraus, dass man die Gepflogenheiten der chinesischen Kulturen besser kennt, als es tatsächlich ist. Denn einerseits zu detailverliebt, andererseits aber irgendwie zu selbstverständlich geht Kay an gewisse kulturelle Gepflogenheiten heran, als wären sie für uns Europäer so ohne weiteres zu verstehen. Das macht die Protagonisten an manchen Stellen etwas unnahbar (zumindest für uns Europäer) und lässt sie fremd wirken.

„Am Fluss der Sterne“ ist dennoch ein episches Werk, das hervorragend zu unterhalten vermag, sich aber eher auf sehr ruhige Weise fortbewegt und entwickelt. Wer klassische Fantasy im Stil von „Der Herr der Ringe“ und Konsorten erwartet, wird hier aufgrund der Parallelen mit unserer realen Welt eher enttäuscht werden, denn Kays Kitai ist definitiv nicht Mittelerde oder ein anderer ähnlicher Kontinent. Wer sich darauf einstellt, dass er eher ein klassischer Abenteuerroman mit historischen Verweisen zur wirklichen Welt geboten bekommt, wird mit einem bombastischen Szenario und authentischen Akteuren belohnt. „Am Fluss der Sterne“ bietet Abenteuer, Kriege (die allerdings nicht ausufernd beschrieben, sondern nur kurz geschildert werden), eine unkitschige Liebesgeschichte, Intrigen und jede Menge Politik und Strategie. Wer knackige, kurzweilige Fantasy mag, wird hier Schwierigkeiten haben und den größten Teil dieses Romans langatmig und auch langweilig finden. Alle anderen, die eine gut recherchierte und hervorragend geschriebene Geschichte mögen, werden sich dem Sog dieses Buches nicht entziehen können. Vor allem China-Begeisterte werden ihr helle Freude  an diesem Roman haben.
Ich persönlich fand mich anfangs, wie schon oben erwähnt, nicht wirklich in dieser Welt und aufgrund der vielen gleich klingenden Personen- und Ortsnamen überhaupt nicht zurecht. Doch das Durchhalten hat sich definitiv gelohnt. Also wenn es jemandem genauso ergehen sollte: Nicht verzagen und weitermachen … der Knoten platzt. 😉

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Fazit: Nach Anfangsschwierigkeiten wird man mit einem epischen, historischen und äußerst bildhaft verfassten Fantasyroman belohnt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Dunkel der Sterne von Peter F. Hamilton

haMILTON

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 928 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70392-5
Kategorie: Science Fiction

Der Planet Bienvenido konnte zwar endlich aus der Leere ins Universum zurückkehren; doch er ist Millionen Lichtjahre vom Commenwealth entfernt. Die Bewohner kämpfen immer noch gegen die Faller.  Doch plötzlich erscheint eine mysteriöse Gestalt auf, die sich „Kriegerengel“ nennt und den Menschen Hilfe anbietet.

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Der zweite Roman aus der „Chronik der Faller“ setzt unbedingt voraus, dass man den ersten Teil kennt, denn die komplexe Handlung wird fortgeführt. Ohne Vorwissen gerät der dicke Schmöker schnell zu einem äußerst unübersichtlichen Plot, dem man schon bald nicht mehr folgen kann. Wer aber noch ungefähr weiß, was sich im ersten Teil abgespielt hat, darf erfreut in das „neue“ Universum von Peter F. Hamilton zurückkehren.  Man muss allerdings diese Art von (Science Fiction-) Bücher mögen, denn es verlangt auch einem eingeschworenen Fan an gewissen Stellen Durchhaltevermögen ab. Hamilton geht in die Länge, wo er nur kann (außer hier am Ende) und fordert vom Leser Aufmerksamkeit und Konzentration, denn nur zu schnell kann man nämlich die Übersicht bei der Komplexität der Handlung verlieren. „Das Dunkel der Sterne“ wirkt durch die Antagonisten, die „Faller“, herrlich unverbraucht und erfrischend, die mir in dem vorliegenden zweiten Teil sogar noch besser als im ersten gefallen haben.

Peter F. Hamilton schreibt Space Operas, wie sie sich der eingefleischte Science Fiction-Fan wünscht. Da ist wirklich alles dabei, von politischen Intrigen über Weltraumschlachten und Aliens bis hin zu polizeilichen Ermittlungen und Verschwörungen. Hamilton erschafft eine bis ins letzte Detail glaubwürdige Zukunftswelt. Das mittlere Drittel dieses zweiten Teils hat mir besonders gut gefallen. Hier treffen die verschiedenen Handlungsstränge aufeinander, vermischen sich und ergeben plötzlich einen Sinn. Das war hervorragend gemacht und hat mich eher an einen „alten“ Abenteuerroman als an eine moderne Science Fiction-Geschichte erinnert. In diesem Abschnitt des sehr umfangreichen Romans kam eine sehr angenehme Atmosphäre auf,  wegen der ich unentwegt weiterlesen wollte. Gegen Ende hin wird Hamilton dann wieder etwas langatmiger und widmet sich ausgiebigen Beschreibungen von zum Beispiel technischen Details, die für den ein oder anderen (ungeduldigen) Leser etwas ermüdende Auswirkungen haben könnten. Da ich die anderen Commonwealth-Romane (noch nicht) kenne, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass sich mit diesem Wissen hier auch noch ein komplett anderes Gesamtbild ergeben könnte. Aber der Lesegenuss funktioniert auch ohne die vorhergehenden Romane aus dem Commonwealth-Zyklus, „Der Abgrund jenseits der Träume“ einmal ausgenommen.

Die Charakterzeichnungen fand ich ebenfalls sehr gelungen, allen voran der „normale“ Florian. Die Szenen, in denen er sich um ein schnell heranwachsendes Baby kümmert, sind einfach nur göttlich und machen dermaßen viel Spaß, dass man sich am Ende wünscht, es hätte noch länger gedauert. Aber auch die anderen Personen agieren glaubwürdig und wachsen einem ans Herz, oder auch nicht. „Die Chronik der Faller“ ist episch angelegt und umfasst einen riesigen Zeitraum, der unendlich viele Möglichkeiten und eigene Gedankengänge zulässt. Denn obwohl Hamilton sehr vieles genau erklärt, rotieren die Gedanken des Lesers (zumindest ging es mir so) permanent und bilden erstaunlicherweise irgendwie zusätzliche Details in dem ganzen Universum. Was ich damit sagen will, ist, dass Hamilton es bei mir geschafft hat, dass ich seine erschaffene Welt über seine Erklärungen hinaus in meiner Vorstellung weiter ausgebaut habe. Erwähnen möchte ich noch unbedingt die Verfolgungsszene mit den Polarbären, die so bildhaft beschrieben wurde, dass ich förmlich einen Film vor meinem inneren Auge sah. Dieses Geschehen wirkte sehr beeindruckend auf mich und ich denke, dass ich es nicht so schnell vergessen werdew. Peter F. Hamiltons Abschlussband der „Faller-Chronik“ schließt nahtlos an den ersten Band an. Beide Bücher ergeben ein Science Fiction-Abenteuer der Extraklasse, dessen Gesamteindruck im Nachhinein noch mehr nachwirkt als während des Lesens. So muss gute Science Fiction sein.

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Fazit: Würdige Fortsetzung von „Die Träume jenseits des Abgrunds“. Genialer Science Fiction-Pageturner.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

München von Robert Harris

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 22,00 €
ISBN: 978-3-453-27143-2
Kategorie: Thriller, Historischer Roman, Drama

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Im September 1938 treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz in München. Es geht um die Einnahme von Teilen der Tschechoslowakei durch die Deutschen, aber auch um den Weltfrieden. An der Seite des britischen Premierministers Chamberlain nimmt Hugh Legat aus dem Außenministerium an der Reise nach München teil. In München trifft Legat auf Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin, mit dem ihn eine Freundschaft aus alten Zeiten verbindet. Legat erfährt, dass von Hartmann einer geheimen Widerstandsgruppe gegen Hitler angehört und sieht sich schon bald in einer Zwickmühle, als ihm Papiere ausgehändigt werden, die einen drohenden Weltkrieg prophezeien.

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Wow, was für ein Buch! Schon nach den ersten Seiten konnte ich mich nicht mehr von der Geschichte losreißen. Und das, obwohl ich ein an Politik völlig uninteressierter Mensch bin, der logischerweise auch solcherart Bücher eigentlich gar nicht gerne liest. Aber Robert Harris hat mich schon mit vielen seiner anderen Bücher überzeugen können, und so war ich natürlich gespannt, wie er diese geschichtliche Episode, die noch dazu in meiner Heimatstadt München spielt, zu Papier gebracht hat. „München“ ist schlichtweg atemberaubend grandios geworden und vermittelt die damalige Stimmung aus meiner Sicht (ich war ja glücklicherweise nicht dabei 😉 ) sehr gut und stimmig. Harris schreibt sehr einfach, aber auch niveauvoll, so dass man von der Story vollkommen gefangen genommen wird.

Robert Harris schildert die historischen Ereignisse dermaßen kurzweilig, dass man locker doppelt so viele Seiten hätte lesen können. Die Vermischung aus historisch belegten Geschehnissen und erfundenen, fiktiven Begebenheiten ist dem Autor absolut gut und vor allem glaubwürdig gelungen. Die Hintergründe sind aufs sorgfältigste recherchiert und Harris versteht es meisterhaft, die teils trockenen, geschichtlichen Zusammenhänge, die zu dieser Konferenz geführt haben, zu einem enorm spannenden Erlebnis zu verarbeiten, dass noch lange im Gedächtnis haften bleibt. Man bekommt während des Lesens wirklich den Eindruck, die Protagonisten (ob fiktiv oder real) persönlich zu kennen, so geschickt schildert Harris diese Persönlichkeiten. Und beim ersten Erscheinen Adolf Hitlers hält man unweigerlich die Luft an, so eindringlich (und irgendwie auch bedrohlich) wurde sein Auftreten beschrieben. „München“ wirkte auf mich unglaublich intensiv und bedrohlich in seiner teils aussichtslosen Atmosphäre. Die Verhandlungen und Überlegungen der Politiker sind durchweg verständlich erklärt und machen dieses Buch auch für einen Menschen wie mich, der sich absolut nicht für Politik interessiert, zu einem wirklich atemberaubenden Abenteuer.

Bedrückender Nebeneffekt dieses historischen Romans ist die Reflektierung der aktuellen politischen Situation, die sich wohl heutzutage genauso schleichend wie in der Vergangenheit in die Köpfe einiger Menschen festsetzt. „München“ besitzt einen unglaublichen Sog, der zum einen am wunderbar flüssigen und angenehmen Schreibstil Robert Harris‘ liegt und zum anderen am für mich äußerst kurzweiligen Plot, den manch anderer aber bestimmt langatmig empfinden wird. Aus meiner Sicht war kein Satz zu viel. Im Gegenteil, wie oben schon erwähnt, hätte ich die Protagonisten und die politischen Überlegungen noch gerne ein paar hundert Seiten mehr genossen. Robert Harris lässt seine Geschichte auf knapp vierhundert Seiten an lediglich vier Tagen spielen. Gerade diese knappe Zeitspanne stellt einen enorm intensiven Handlungsstrang zu, der wie ein Film wirkt. Durch die präzisen Beschreibungen der Örtlichkeiten fällt es nicht schwer, sich in dem Roman zu verlieren und einfach mittendrin zu sein. Robert Harris hat es also tatsächlich mit diesem Roman erneut geschafft, mich für ein politisches Thema zu interessieren und sogar zu begeistern. „München“ hat mich schlichtweg süchtig gemacht.

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Fazit: Spannend, realistisch und unglaublich unterhaltsam. Höchster Suchtfaktor!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ende der Menschheit von Stephen Baxter

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
588 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-453-31845-8

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Vierzehn Jahre sind vergangen, seit die Erde von den Marsianern angegriffen wurde. Die Menschheit wiegt sich in Sicherheit, nur der Schriftsteller und Kriegsveteran Walter Jenkins rechnet mit einer erneuten Invasion vom Mars. Leider behält er recht. Doch dieses Mal scheint der Angriff der Außerirdischen weitaus geplanter zu verlaufen, als beim ersten Mal.

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Als großer Fan des Originalromans von H.G. Wells und auch Stephen Baxter war ich natürlich gespannt, wie die Fortsetzung des Kultromans ausfallen würde. Baxter scheint ja selbst ein großer Anhänger von H.G. Wells zu sein, denn bereits 1995 wagte er sich an eine Fortsetzung eines Werkes desselbigen heran: „Zeitschiffe“, die Weiterführung der „Zeitmaschine“.
Entgegen anderer Meinungen bin ich alles andere als enttäuscht über „Das Ende der Menschheit“, wenngleich Baxters „Zeitschiffe“ meiner Erinnerung nach bedeutend besser gelungen ist. Stephen Baxter hat aber auch in diesem Fall von Anfang an die Grundstimmung des originalen Romans eingefangen und setzt die Geschichte durchaus plausibel und vor allem sehr unterhaltsam fort. Der Leser trifft auf Personen, die er noch aus dem ersten Teil kennt und fühlt sich (zumindest ging es mir so) sofort wieder wohl in der Handlung. Baxter macht aus dem zweiten Angriff der Marsianer ein bombastisches Event, das ich mir schon während des Lesens permanent als Kinofilm vorstellen konnte. Da werden alte Versatzstücke von H.G. Wells mit neuen, erfrischenden Ideen vermischt, dass es eine wahre Freude ist. Baxter lässt sich mit seinem Schreibstil auf den von H.G. Wells ein und vermittelt daher eine ähnliche Stimmung wie im  Original.

Der ein oder andere wird die militärischen Vorgehensweisen ermüdend und langweilig finden, ich konnte die Handlungsweisen durchaus nachvollziehen und fand sie insgesamt auch recht spannend. Sicherlich wurde Baxter an einigen Stellen etwas ausschweifend und ging vielleicht zu sehr ins Detail, was für mich aber immer noch im vertretbaren Rahmen und vor allem stimmig war. Gerade die oftmals dokumentarische Art und Weise, in der Baxter die zweite Attacke der Marsbewohner schildert, hat mich persönlich gefesselt und auch begeistert. Denn genau diese Erzählweise brachte eine tolle Atmosphäre in den Plot, die dadurch nicht spektakulär sondern eher ruhig und zurückhaltend auf mich wirkte. Stephen Baxter versucht niemals, an das Original heranzukommen, sondern erzählt auf geradezu schlichte Weise, wie die Geschichte hätte weitergehen können. An manchen Stellen interpretiert er unaufdringlich Dinge aus der Originalgeschichte auf seine eigene Art und Weise, was ich aber nie als unangenehm empfunden habe. Einziger Kritikpunkt auf politischer Ebene war für mich die oftmals sehr negative Darstellung der Deutschen, die mir an manchen Stellen ein wenig bitter aufgestoßen ist. Ansonsten wirkte der Plot von „Das Ende der Menschheit“ für mich stimmig konstruiert und zum größten Teil im Sinne von H.G. Wells weitergeführt. Sicherlich bricht immer wieder mal Baxters eigener Stil durch, wie könnte es auch anders sein, aber er hält sich schon sehr zurück, um die Stimmung des Originals wiederzugeben.

„Das Ende der Menschheit“ ist mit Sicherheit nicht Stephen Baxters bestes Buch. Dazu musste er sich wohl einfach zu sehr zurückhalten, um nicht in seinen für ihn typischen „Weltraum-Bombast“ zu verfallen. Baxter ist es aus meiner Sicht gelungen, eine würdige Hommage an Wells‘ Klassiker zu verfassen, obwohl er sich des Öfteren in unwichtigen Details verliert. Mir persönlich hat es dennoch gefallen. Vor allem die geschickte Einbindung bekannter Personen aus dem ersten Teil und die wirklich gut konstruierte andere Entwicklung der Weltgeschichte, hervorgerufen durch den ersten Angriff der Marsianer, werteten diese Fortsetzung für mich auf. Das Ende rief bei vielen wohl Verärgerung hervor, was ich gar nicht nachvollziehen kann. Baxter wollte einfach etwas Neues erschaffen, was ihm auch gelungen ist. Und so absurd, wie viele Leser meinen, kam das Finale bei mir keineswegs an. Man sollte sich darauf einlassen, denn „Das Ende der Menschheit“ hat durchaus einige Höhepunkte und vor allem eine sehr schöne Atmosphäre, die, wie bereits erwähnt, an H.G. Wells Kultklassiker erinnert. Für mich war die Fortsetzung eine schöne Hommage an das Original, vermischt mit den gewohnten Innovationen eines Stephen Baxter, der aus meiner Sicht niemals die Intention hatte, das Original zu toppen, sondern einfach nur fortsetzen wollte. Ich fand es gut. 🙂

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Fazit: Gelungene, gut konstruierte Fortsetzung, die die Atmosphäre des Originals wiedergibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ulldart – Die komplette Saga 1 von Markus Heitz

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
1424 Seiten
20,00 €
ISBN: 978-3-492-28131-7

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Kurz vor seinem Tod äußert ein Mönch eine schreckliche Prophezeiung, in der es heißt, dass die Dunkle Zeit auf den Kontinent Ulldart zurückkehren wird. Lodrik, Sohn des Herrschers von Tarpol, ist Bestandteil dieser Weissagung, ohne dass er anfangs davon weiß. Im Alter von 15 Jahren wird er zusamen mit seinem Vertrauten Stoiko und seinem Leibwächter Waljakov von seinem Vater in die Provinz Granburg geschickt, wo er der neue Gouverneur werden und Erfahrungen in der Politik sammeln soll. Schon bald muss sich Lodrik gegen Verschwörungen, Intrigen und Betrug behaupten. Doch dann mehren sich die Zeichen, dass sich die Prophezeiung erfüllt. Als Lodrik nach dem Tod seines Vaters ins Königreich Tarpol zurückkehrt um die Herrschaft zu übernehmen, gerät Ulldart aus den Fugen. Ein Krieg zwischen den Völkern scheint plötzlich unausweichlich …

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Es dauert nicht lange, bis man sich in Markus Heitz‘ Mammutwerk, das gleichzeitig sein Romandebüt war. heimelig fühlt. Heitz schafft wunderbare Charaktere, die einem, egal ob gut oder böse, ans Herz wachsen. Zudem beschreibt der Autor seine Welt so detailliert und glaubhaft, dass man tatsächlich manchmal vergisst, dass es sich um einen Fantasyroman handelt. „Ulldart – Die komplette Saga 1“ ist ein High Fantasy-Abenteuer, wie es besser nicht sein könnte. Der erste Sammelband dieser Reihe aus dem Piper Verlag umfasst die ersten drei Bände „Schatten über Ulldart“, „Der Orden der Schwerter“ und „Das Zeichen des Dunklen Gottes“. Besonders gut gefallen hat mir, das Markus Heitz sich Zeit lässt und ganz gelassen an die bombastische Handlung herangeht. Mit jedem Band steigert er die Geschehnisse und baut eine unglaublich intensive Stimmung auf, die tatsächlich an Tolkien aber auch an Tad Williams erinnert. Heitz kann ausnehmend gut schreiben und gerade der extrem flüssige Schreibstil lässt die über 1.400 Seiten nur so dahinfliegen.

Heitz schafft es hervorragend, den Leser mit seinen Protagonisten mitleiden, -fiebern und -intrigieren zu lassen. Trotz der oftmals scheinbar wirren Entwicklungen verliert man niemals den Überblick über die Vorfälle und kann der Handlung folgen. Die Intrigen, die sich um Lodrik manifestieren, sind absolut gut durchdacht und haben zur Folge, dass man das Buch, obwohl es ziemlich schwer und unhandlich ist 😉 ) kaum aus der Hand legen will. Die Ulldart-Saga hat eindeutig enormes Suchtpotential und man mag es kaum glauben, dass es sich bei diesem Mammutwerk um Markus Heitz‘ Debüt handelt. Der Schreibstil bewegt sich, wie schon erwähnt, auf hohem Niveau und die bildhaften Beschreibungen lassen  aus dem Buch in den Gedanken des Lesers ein phantastisches Kopfkino entstehen. Erwähnenswert ist vielleicht auch, dass immer wieder ein klein wenig Humor angewandt wird, der aber nie aufdringlich oder gar peinlich wirkt, sondern sich optimal in die Story einfügt. Auch für Menschen wie mich, die eigentlich politische Machtrangeleien nicht so gerne lesen, ist „Ulldart“ uneingeschränkt empfehlenswert. Das liegt einfach daran, dass Heitz, wie eben auch Tad Williams, den Leser nicht mit unnötigen Details langweilt, sondern mit seinen Erklärungen genau auf den Punkt kommt, so dass man die Sachlage verstehen „muss“.

Die ersten drei Bände, und ich gehe stark davon aus, dass es sich bei den Folgebänden genauso verhält, gehen nahtlos ineinander über, so dass man keine eigenständigen Geschichten innerhalb eines Universums zu lesen bekommt, sondern eine durchgehende Storyline. Das macht „Ulldart“ zu einem epischen Werk, wenn man davon ausgeht, dass es sich insgesamt um neun Bände handelt. Die Entwicklung der Protagonisten ist durchwegs nachvollziehbar, wenngleich mir Lodrik ab einem gewissen Punkt nicht mehr als jugendlich vorkam, sondern eher wie ein heranreifender Mann. Beeindruckt war ich davon, wie sich der Spannungsgbogen während der drei Bücher konstant in die Höhe schraubt und die Geschichte immer epischer und bombastischer wird. Das hat schon eine Wirkung, der man sich nicht entziehen kann. Wie ein Strudel wird man von der Geschichte erfasst. „Ulldart“ erinnert mich ein bisschen an „Shadowmarch“ von Tad Williams oder entfernt sogar an „Game Of Thrones“.
Doch Markus Heitz hat einen eigenen Stil und eine eigene Geschichte zu erzählen. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn es endlich wieder weitergeht und ich zu Lodrik und seinen Freunden nach Ulldart zurückkehren darf.

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Fazit: Ganz klare Leseempfehlung für Freunde niveauvoller High Fantasy. Einfühlsam, durchdacht, spannend und extrem kurzweilig.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Rote Wand von David Pfeifer

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 288 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43876-7
Kategorie: Belletristik, Historie

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Im ersten Weltkrieg spielen sich auch Kämpfe in den Dolomiten ab, um die Grenze zwischen Nord- und Südeuropa zu verteidigen. Um ihrem Vater zu folgen, der in den Krieg gezogen ist, verkleidet sich ein Mädchen als Junge und folgt ihm. Schon bald befindet sie sich mitten unter Männern und inmitten blutiger, lebensbedrohlicher Kämpfe.

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Es dauert eine Weile, bis man sich an den journalistischen Schreibstil des Autors gewöhnt hat. Emotionslos wird in einer schnörkellosen Sprache eine Geschichte erzählt, die in „echter“ Romanform wahrscheinlich um einiges mehr berührt hätte. So aber verfolgt man die Protagonistin auf ihrer Odyssee durch eine Männer- und Bergwelt, ohne gefühlsmäßig wirklichen Anteil daran zu nehmen. Wie gesagt, man gewöhnt sich an den Schreibstil. Durch Pfeifers Beschreibungen ist man auch zweifelsohne oftmals mittendrin im Geschehen und man spürt manchmal auch die Rauheit der Berge und die Brutalität des Krieges, bekommt dies alles aber aus einem sehr großen Abstand serviert. Pfeifer bleibt fast immer auf einer sachlichen Ebene.

Nichtsdestotrotz ist David Pfeifer ein beeindruckendes Werk gelungen, das seine ganze Wirkung erst entfaltet, wenn man das Buch zu Ende gelesen hat. Vielleicht zeigt sich hier, dass der sachlich gehaltene Erzählstil doch irgendwie ein Kopfkino im Leser verursacht, das die Erlebnisse erst im Nachhinein zum Leben erwachen. Aber ich hätte mir einfach gewünscht, dass die eisige Umgebung, die gefahrvollen Klettereien, die kriegerischen Auseinandersetzungen und auch die melancholischen Gedanken des Mädchens effektvoller dargestellt werden. Wenn ich „Die Rote Wand“ zum Beispiel mit Dan Simmons‘ „Der Berg“ vergleiche, dann zieht Pfeifers Geschichte eindeutig den kürzeren, weil eben zu belanglos erzählt.

Insgesamt muss ich leider feststellen, dass „Die Rote Wand“ keinerlei Emotionen bei mir ausgelöst hat. Die Story an sich, nach einer wahren Geschichte, ist spannend und genial. Bei der Aufbereitung des Stoffes wäre allerdings weitaus mehr Potential da gewesen, als Pfeifer genutzt hat. Lesenswert ist das Buch aber allemal, da es sich eben durch einen zwar gewöhnungsbedürftigen, aber auch außergewöhnlichen Schreibstil auszeichnet, der mich so manches Mal an Andrea Maria Schenkel („Tannöd“) erinnerte. Schenkel schafft es aber durch ihre knappen und präzisen Beschreibungen zu fesseln, was man von Pfeifer eben leider nicht behaupten kann.
Recherchiert ist das Buch hervorragend und ganz am Ende beim Epilog, das muss ich zugeben, sprang ein emotionaler Funken auf mich über. 😉

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Fazit: Perfekt recherchiert, aber leider etwas emotionslos umgesetzt. Da wäre weitaus mehr Potential verfügbar gewesen.

© Wolfgang Brunner für Buchwelten