Die Rote Wand von David Pfeifer

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 288 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43876-7
Kategorie: Belletristik, Historie

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Im ersten Weltkrieg spielen sich auch Kämpfe in den Dolomiten ab, um die Grenze zwischen Nord- und Südeuropa zu verteidigen. Um ihrem Vater zu folgen, der in den Krieg gezogen ist, verkleidet sich ein Mädchen als Junge und folgt ihm. Schon bald befindet sie sich mitten unter Männern und inmitten blutiger, lebensbedrohlicher Kämpfe.

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Es dauert eine Weile, bis man sich an den journalistischen Schreibstil des Autors gewöhnt hat. Emotionslos wird in einer schnörkellosen Sprache eine Geschichte erzählt, die in „echter“ Romanform wahrscheinlich um einiges mehr berührt hätte. So aber verfolgt man die Protagonistin auf ihrer Odyssee durch eine Männer- und Bergwelt, ohne gefühlsmäßig wirklichen Anteil daran zu nehmen. Wie gesagt, man gewöhnt sich an den Schreibstil. Durch Pfeifers Beschreibungen ist man auch zweifelsohne oftmals mittendrin im Geschehen und man spürt manchmal auch die Rauheit der Berge und die Brutalität des Krieges, bekommt dies alles aber aus einem sehr großen Abstand serviert. Pfeifer bleibt fast immer auf einer sachlichen Ebene.

Nichtsdestotrotz ist David Pfeifer ein beeindruckendes Werk gelungen, das seine ganze Wirkung erst entfaltet, wenn man das Buch zu Ende gelesen hat. Vielleicht zeigt sich hier, dass der sachlich gehaltene Erzählstil doch irgendwie ein Kopfkino im Leser verursacht, das die Erlebnisse erst im Nachhinein zum Leben erwachen. Aber ich hätte mir einfach gewünscht, dass die eisige Umgebung, die gefahrvollen Klettereien, die kriegerischen Auseinandersetzungen und auch die melancholischen Gedanken des Mädchens effektvoller dargestellt werden. Wenn ich „Die Rote Wand“ zum Beispiel mit Dan Simmons‘ „Der Berg“ vergleiche, dann zieht Pfeifers Geschichte eindeutig den kürzeren, weil eben zu belanglos erzählt.

Insgesamt muss ich leider feststellen, dass „Die Rote Wand“ keinerlei Emotionen bei mir ausgelöst hat. Die Story an sich, nach einer wahren Geschichte, ist spannend und genial. Bei der Aufbereitung des Stoffes wäre allerdings weitaus mehr Potential da gewesen, als Pfeifer genutzt hat. Lesenswert ist das Buch aber allemal, da es sich eben durch einen zwar gewöhnungsbedürftigen, aber auch außergewöhnlichen Schreibstil auszeichnet, der mich so manches Mal an Andrea Maria Schenkel („Tannöd“) erinnerte. Schenkel schafft es aber durch ihre knappen und präzisen Beschreibungen zu fesseln, was man von Pfeifer eben leider nicht behaupten kann.
Recherchiert ist das Buch hervorragend und ganz am Ende beim Epilog, das muss ich zugeben, sprang ein emotionaler Funken auf mich über. 😉

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Fazit: Perfekt recherchiert, aber leider etwas emotionslos umgesetzt. Da wäre weitaus mehr Potential verfügbar gewesen.

© Wolfgang Brunner für Buchwelten

Jagdtrip von Jack Ketchum

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 364 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67706-7
Kategorie: Thriller

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Lee Moravian ist Vietnam-Veteran. Durch den Krieg hat er ein Trauma, wird von quälenden Erinnerungen heimgesucht und ist sofort auf Abwehrstellung, wenn eine Auseinandersetzung droht. Aus diesem Grund zieht er es vor, alleine in einer Hütte im Wald zu leben, denn er weiß, was er anrichten kann, wenn es mit ihm durchgeht.
Als eine Gruppe Camper in sein Revier eindringen, kann Lee nicht lange zurückhalten, was tief in ihm schlummert. Denn er sieht nicht die realen Menschen,  die in „seinem“ Wald sind, sondern Vietnamesen, die ihm nach dem Leben trachten. Lee beginnt, sich gegen die Eindringlinge zu wehren.

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Jack Ketchums Romane gelten als blutig, brutal und schonungslos. Seine Kannibalen-Reihe wurde sogar als pornographisch bezeichnet, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann, aber na gut. Nichtsdestotrotz sind Ketchums Romane tatsächlich beängstigend und wirken vor allem so brutal, weil sie sehr nahe an der Wirklichkeit sind.
Manch einer von Ketchums Fans wird „Jagdtrip“ daher eher als ruhig und nicht blutig (hart) genug ansehen. Doch hinter der einfachen Story verbirgt sich mehr als man denkt. Ketchum hat einen einsamen, verängstigten und dennoch kaltblütigen „Rambo“ erschaffen, der an seiner Vergangenheit so sehr zu nagen hat, dass er die Realität fast vergisst.

Auf gewisse Art und Weise einfühlsam erzählt Ketchum Lees Geschichte, wie er sich in einer Welt außerhalb des Vietnamkrieges fühlt und welche (Verfolgungs-) Ängste ihn plagen. Sicherlich ist „Jagdtrip“ ein etwas anderer Ketchum, wie übrigens „Scar“ auch, aber er funktioniert einwandfrei. Jack Ketchums Schreibstil ist knapp, aber präzise. Man ist mittendrin im Geschehen und das macht dieses Buch auch, zumindest war es bei mir so, zu einem echten Pageturner. Die Story ist simpel und im Prinzip auch vorhersehbar. Aber das macht gar nichts, denn die Atmosphäre und die Charakterzeichnungen zählen in diesem Fall.  Auch wenn es nicht Jack Ketchums bestes Buch ist, so wird aber das schwierige Thema von Vietnam-Veteranen mit Kriegstrauma sehr gut und, wie oben schon erwähnt, auch sehr einfühlsam und glaubwürdig behandelt.

Gerade weil Jack Ketchum mit diesem Roman beweist, dass er nicht nur blutige, brutale Horrorgeschichten schreiben kann, sondern auch einen Thriller mit Drama-Touch, macht mir diesen Roman sympathisch. Das Ende geht dann zwar sehr schnell, aber nicht unbedingt zu schnell und wirkt in seiner Konsequenz, die mich übrigens ein wenig an das Lebensende von Ernest Hemingway erinnerte, nach. Vielleicht handelt es sich bei dieser Anspielung auf Hemingway sogar um Absicht. 😉
Der Plot zeigt auf jeden Fall, wie brutal und unsinnig Krieg ist und vor allem, was er später aus den Menschen macht, die sich gezwungenermaßen daran beteiligen mussten. Nicht nur die Soldaten selbst, sondern auch ihre Ehen zerbrechen an den Kriegen. Mir persönlich hat dieses Kriegsdrama wirklich gut gefallen und zeigt vor allem durch den stimmungsvollen Handlungsort (der Wald) eine nachhaltige Wirkung. Ketchum zeigt in etwa ähnlicher Weise Kritik am Vietnamkrieg wie Filme á la „Jacob’s Ladder“ oder „Geboren am 04. Juli“.
Jack Ketchums „Jagdtrip“ konnte mich auf jeden Fall durch seine klare und wirkungsvolle Sprache und die tiefergehenden Charakterzeichnungen der Protagonisten überzeugen.
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Fazit: Eindringlich in seiner Aussage, spannend geschrieben und erschütternd in der Konsequenz.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Erntemond von Rudolf Marko

erntemond

Erschienen als Taschenbuch
bei S. Fischer Verlag846 Seiten
Preis:  26,99  €
ISBN: 978-3-596-31262-7
Kategorie: Belletristik, Dystopie
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Chas Meary reist nach Megumaage, ein Land am nördlichen Ende der Welt. Dort lebte einst seine früh verstorbene Frau und Chas erhofft sich, ihr noch einmal nahe zu sein, wenn er ihre Vergangenheit kennt. Ein Jahr lang lebt und arbeitet er in der abgeschiedenen Siedlung und lernt die Menschen dort kennen und lieben. Schon nach kurzer Zeit bemerkt er, dass die wichtigen Dinge im Leben nicht in der zivilisierten Welt der Großstädte, sondern in der Natur und im Spirituellen existieren.

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Es beginnt alles wie ein ruhiger Abenteuerroman, der einen sofort in den Bann zieht. Rudolf Markos Sprache und Schreibstil ist unglaublich intensiv, faszinierend und bildhaft. Es dauert nicht lange und man identifiziert sich mit dem Ich-Erzähler, erlebt all die Geschehnisse hautnah mit und lernt die unterschiedlichsten Personen des Ortes kennen. „Erntemond“ liest sich in der ersten Hälfte wie ein nostalgischer Rückblick in eine Vergangenheit, in der alles noch gut und schön war, und in der sich die Menschen aufs Wesentliche in ihrem Leben konzentrierten: Glück, Liebe, Arbeit und Zufriedenheit.
Markos Buch ist, wenn man sich darauf einlassen kann, wie ein Sog, der einen ergreift und nicht mehr loslässt. Man „lebt“ förmlich in jener fast heilen Welt, in der aber schreckliche Dinge geschehen. Der Schreibstil des Autors lässt keine Wünsche offen, erinnerte mich in seinen oftmals sehr detailgetreuen Beschreibungen an Diana Gabaldons Highlandsaga.

In der zweiten Hälfte des Romans wird es dann immer mystischer und auch dystopischer. Es stellt sich heraus, dass Marko seine Leser an der Nase herumgeführt hat.  Schleichend nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung an, die sämtliche vorangegangenen Geschehnisse plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ich habe noch nie solch einen genialen Genremix gelesen, der eine quasi Science Fiction-Geschichte in Form eines wunderschönen Heimat-, Abenteuer- und Liebesromans erzählt. Hinzu kommt, dass Marko noch einen Schuss Mystery in die Handlung einbaut, der das Gesamtwerk zu einem philosophischen Ausflug in die Menschlichkeit macht.

Man fühlt sich daheim, wenn man dem Protagonisten und seinen neuen Freunden bei seinen alltäglichen Arbeiten und den außergewöhnlichen Gesprächen beiwohnt. Man besinnt sich während des Lesens auf sein eigenes Leben und die Wertigkeit von materiellen Dingen, geht in sich und denkt darüber nach, sein Leben nicht mit Unwichtigem zu verschwenden. Rudolf Marko ist ein unglaublich intensives, hypnotisierendes und nachdenkliches Porträt eines Mannes und unserer Zivilisation gelungen, das nachhaltig im Gedächtnis bleibt und einem erscheint, als hätte man alles am eigenen Leib erfahren. Kaum hat man das Buch wieder aufgeschlagen, verlässt man die Realität und kehrt in eine Welt zurück, von der man sich so manches Mal wünschen würde, sie wäre unsere Wirklichkeit.
Rudolf Marko hat mich mit seinem Debüt-Roman vollkommen überzeugt und dadurch einen neuen Fan gewonnen, der die weiteren Romane des Autors auf jeden Fall lesen wird.

Wie schon erwähnt, handelt es sich bei „Erntemond“ um eines der außergewöhnlichsten Bücher, die ich kenne. Das liegt höchstwahrscheinlich zum einen an dem undurchsichtigen Genre, in dem es angesiedelt ist, und zum anderen an der wunderbaren Sprache, mit der es erzählt wird. Nostalgischer Heimatroman mit Abenteuerflair und einigen Tropfen Mystik á la „Twin Peaks“. „Erntemond“ macht süchtig.

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Fazit: Unglaublich stimmungsvolles, melancholisches Abenteuer in einer Zukunft, die mehr denn je den Ursprüngen der Menschheit gleicht. Vorsicht: Suchtgefahr!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Lachen und der Tod von Pieter Webeling

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89667-464-7
Kategorie: Allgemeine Belletristik (Drama)

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Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann ist Halbjude und wird in ein in Polen liegendes Vernichtungslager deportiert. Doch er ist und bleibt Komiker und so kann er sich weder auf dem Bahnsteig vor der Abfahrt in einem Viehwaggon beherrschen (Frage an einen SS-Offizier, ob es sich denn hier um den 1. Klasse Viehwaggon handelt), noch im Verlauf der „Reise“ (um ein aufkommendes Gerangel innerhalb des Waggons zu unterbinden, steigt Hoffmann auf zwei Koffer und improvisiert eine Vorstellung) und später innerhalb des Lagers.

Während der Fahrt trifft Ernst auf die schöne Helena, in die er sich auf den ersten Blick verliebt, auch wenn sie sich nie zuvor gesehen haben. Sie versprechen sich gegenseitig, einander nie zu vergessen.

Nach der Ankunft im KZ beginnt sofort die Selektion von Frauen, Kindern, Männern. Ernst wird einem Arbeitskommando zugeteilt, hat also insofern Glück, dass er nicht sofort „duschen“ muss.

Der Lageralltag ist grausam, brutal und der Tod ist allgegenwärtig. Die Gedanken an die schöne Helena sind der einzige Hoffnungsschimmer, der Ernst bleibt. Über den Barackenältesten Schlomo erfährt er, dass seine Helena noch lebt und um sporadischen, schriftlichen Kontakt zu ihr halten zu können, trifft er eine Abmachung mit Schlomo: Jeden Tag einen Lacher. Er tritt abends als Komiker in der Baracke auf, bringt seine Mitinsassen zum Lachen, damit sie nicht dem Wahnsinn verfallen oder in Hoffnungslosigkeit ertrinken.

Als der Lagerkommandant davon erfährt, schlägt er Hoffmann vor, vor der SS als Komiker aufzutreten. Nicht nur er selber soll dadurch bevorzugt behandelt werden, auch seiner Helena soll der Alltag im Lager erleichtert und angenehmer gestaltet werden. Ernst Hoffmann weigert sich, wird sogar dem Todeskommando zugewiesen, der Gruppe Lagerinsassen, die für die Vergasung der Neuankömmlinge zuständig ist. Hoffmann soll die Menschen durch seine Komik beruhigen, zum lachen bringen, im Klartext: in die Irre führen.

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Der Autor Pieter Webeling hat hier eine Geschichte zu Papier gebracht, die sich liest, wie eine Autobiographie und nicht wie ein Roman. Er hat so genau recherchiert dass der Leser meint, der Autor selbst sei der Ich-Erzähler, der seine Geschichte wiedergibt. Die Gratwanderung zwischen Humor, Komik, Grausamkeit, Elend und Tod ist Webeling sehr gut gelungen. Dieses Thema ist eine schwere Kost und auch nach so vielen Jahrzehnten verliert es nichts von seiner Heftigkeit und seinen Gräueln.

Der Roman beschreibt das Überleben und den Tod innerhalb des KZs, die Leiden, Qualen durch Prügel, Hunger, Krankheit, jedoch ebenso den Hauch von Hoffnung und Freundschaft und ja, auch den Humor, der die Menschen vor dem Durchdrehen und Aufgeben bewahrt. Ich war absolut gefesselt von dieser Geschichte und habe während des Lesens die verschiedensten Gefühle durchlebt.

Webeling beginnt seinen Roman nach dem Krieg, mit dem ersten Auftritt seines Protagonisten in seinem Amsterdamer Theater. Somit weiß der Leser gleich zu Beginn, dass zumindest der Komiker es geschafft hat. Dann springt er zurück und erzählt die Ereignisse, die zwischen dem letzten und ersten Auftritt auf der Bühne liegen. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, schönt nichts und niemanden, beschreibt das Leben der Lagerinsassen so detailliert, dass es dem Leser erschreckend klar vor Augen steht.

Der Roman wird als gebundene Ausgabe präsentiert und von einem schlichten Cover geziert, dass treffender nicht sein kann und auch der Handlung entspricht: ein Mann in einer KZ-Pyjamahose, kombiniert mit einem Frack, Zylinder und Stock, wie Charlie Chaplin es trug. Auch der Titel könnte nicht passender sein: Das Lachen und der Tod trifft es haargenau. Der Titel wurde übrigens wörtlich aus dem niederländischen übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein fantastisch, schreckliches Buch, dass die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Komik eindeutig geschafft hat. Es schockiert, macht traurig, bringt zum weinen, jedoch auch zum schmunzeln und lässt es sogar zu, dass sich der Leser während der Lektüre freuen kann. 

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© Buchwelten 2014

Aufbruch – Partials 1 von Dan Wells

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PArtials 1

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei ivi (Piper)
insgesamt 512 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70277-5
Kategorie: Jugenbuch, Fantasy, Sci-Fi, Dystopie

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Die Partials, seinerzeit von den Menschen erschaffene künstliche Intelligenzen, sollten als perfekte Soldaten den Krieg gewinnen. Das taten sie, doch dann haben sich die Partials aufgelehnt und sich gegen ihre Schöpfer gestellt, denn sie wollten der erlittenen Unterdrückung entkommen.

Die Menschen starben in Massen durch einen Supervirus, nur einige wenige haben den Gau durch Immunität überstanden. Sie leben in einer kleinen Gemeinschaft auf Long Island. Doch die Menschheit ist in Gefahr, denn die etwa 40.000 Überlebenden können sich nicht fortpflanzen. Jedes neugeborene Baby stirbt innerhalb weniger Tage nach seiner Geburt. Der Senat erlässt ein Zukunftsgesetz, nachdem alle Mädchen ab 18 Jahren schwanger werden müssen. Man erhofft sich so, dass auf diese Art endlich ein Kind überlebt und/oder sie einen Impfstoff entwickeln können. Ein Heilmittel muss dringend gefunden werden, denn sonst ist der Untergang der Spezies Mensch absehbar.

Die Partials, Wesen die optisch von den Menschen nicht zu unterscheiden sind, leben nicht weit entfernt. Sie halten sich in Manhattan auf und mittlerweile sind 11 Jahre vergangen, in denen sie die Menschen nicht mehr angegriffen haben.

Kira Walker ist 17 Jahre alt und arbeitet als Praktikantin auf der Entbindungsstation und sie kann es nicht mehr ertragen, täglich die Neugeborenen sterben zu sehen. Sie ist hoch intelligent und zeigt große Kenntnis in der Virologie. Kira will ein Heilmittel finden und dazu nimmt sie jede Gefahr in Kauf. Als sie dem Senat den Vorschlag macht, nach Manhattan zu gehen, um sich einen Partial zu schnappen, stößt sie auf totale Ablehnung. Zu groß ist die Angst vor den übermenschlichen Gegnern. Doch Kira sieht die einzige Möglichkeit, die Menschheit zu retten, genau darin: einen Partial zu untersuchen. Somit begibt sie sich mit einigen Freunden auf den Weg nach Manhattan ….

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Dan Wells, bekanntgeworden durch die Serienkiller Romane um den sympathischen John Cleaver liefert mit „Aufbruch“ den ersten Teil einer Jugendbuch Trilogie.

Seine beiden letzten Werke kamen für mich als Fan an die der John Cleaver Reihe leider nicht mehr heran. Die Handlung zu „Du stirbst zuerst“ ist nicht wirklich in meinem Gedächtnis haften geblieben und „Sa(r)g niemals nie“ war mir persönlich zu sehr Slapstick und Klamauk.

Umso neugieriger war ich natürlich auf Partials 1, der als erster Roman in gebundener Ausgabe (mit Leseband!) bei ivi erscheint und nicht mehr als Rough Cut Paperback, wobei diese Ausgaben optisch sehr gut wirken.

Der Roman umfasst knappe 500 Seiten, die in diesen Fall auch tatsächlich vollgeschrieben sind. Dennoch fliegt es sich nur so durch die spannende, fesselnde und abwechslungsreiche Handlung.

Für mich ist Dan Wells mit diesem ersten Teil der Reihe wieder zurück zu seinen Anfängen gegangen und hat eine Geschichte geschrieben, die mich als Leserin gefangen hat. Die Charaktere sind mir schnell ans Herz gewachsen, die Protagonistin Kira ist eine gleichzeitig mutige, starke, sensible und sehr feinfühlige Figur. Aber auch die Nebenrollen sind gut ausgearbeitet und lebensecht.

Die Partials stellt der Autor keinesfalls als tötende Killermaschinen dar, was die Inhaltsangabe vielleicht vermuten lässt. Dies wertet die Handlung auf und macht sie interessant. Der Spannungsbogen ist straff gespannt, wobei der Leser auch immer wieder Ruhemomente geboten bekommt.

Was die Beschreibung und Erklärungen der medizinischen Begriffe angeht, die innerhalb der Forschungsarbeiten aufkommen, könnte es sein, dass die jugendlichen Leser etwas überfordert sind, wobei Dan Wells die Virentypen und -arten in einfachen Bezeichnungen darstellt.

Auch wenn dieser Roman der erste Teil einer Reihe ist, schließt die Handlung in sich ab, so gut es eben geht. Es gibt aber kein bösartiges, total offenes Ende, dass den Leser quält, der nun zwingend mindestens ein Jahr auf die Fortsetzung warten muss.

Der Covereinband ist komplett in Rottönen gehalten, was wohl die postapokalyptische Atmosphäre unterstreichen soll. Er zeigt die Skyline von Manhattan und ein junges Mädchen, dass offenbar die Protagonistin darstellt. Ich finde die Gestaltung schlicht und ansprechend. Was mich positiv überrascht ist, dass das Cover fast identisch ist, mit dem amerikanischen Originalcover

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den Auftakt der Partials Trilogie. Endlich wieder ein Roman von Dan Wells, dem ich die volle Punktzahl geben möchte. Eine spannende Geschichte, die gute Charaktere mit einer gelungen Handlung verbindet., geschrieben ein einem leicht lesbaren Schreibstil. Ich habe den Roman schwer zur Seite legen können, weil ich so gefesselt war, wie seinerzeit von den John Cleaver Romanen.

 

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Der Weg ins Dunkel von Patrick Woodhead

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Erschienen als Taschenbuch
bei rororo
insgesamt 416Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-25867-1
Katergorie: Thriller

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Im Herzen des Kongo, im tiefen Ituri Wald, ist der junge britische Arzt Joshua Milton seit Monaten spurlos verschwunden. Er war bei einem Einsatz der „Ärzte ohne Grenzen“ dort stationiert und nun ist er nicht mehr auffindbar. Der Kongo ist ein gefährliches Gebiet, kämpfen dort doch verschiedene afrikanische Milizen, die waffentechnisch erschreckend gut ausgerüstet sind.

Joshuas enger Freund seit Jugendtagen, Luca, ehemalig ein Weltklassebergsteiger, wird zur Hilfe gerufen und gebeten, Joshua zu suchen. Luca ist derzeit als einfacher Träger im Himalaja unterwegs, denn der Verlust eines Freundes während einer Bergtour hat ihn in tiefe Depressionen gestürzt. Er sieht sich selbst nicht mehr als Bergsteiger, sondern als Versager und gibt sich die Schuld am Tod seines Freundes. Doch als ihn die Information erreicht, dass sein seit der Kindheit engster Freund  vermisst wird, begibt er sich auf den Weg in den Kongo. Joshua und Luca sind beinahe aufgewachsen wie Brüder und er verspürt den Ehrgeiz ihn zu finden.

Begleitet und unterstützt wird er von der Geologin und Pilotin Beatrix Makuru. Sie arbeitet für eine Minengesellschaft und wird in den Kongo gerufen, weil unerklärliche Explosionen in letzter Zeit einige Minen der Firma an der Bergung der wichtigen Rohstoffe hindern. Es scheint Beatrix Makuru, kurz Bear, als seien die Explosionen keine Unfälle, wie von den dortigen Vorarbeiten behauptet, sondern vorsätzlich ausgelöste. Diese Umstände will Bear in der Mine im Ituri Wald überprüfen. Außerdem gelangte der Geologin durch Zufall ein bisher absolut unbekanntes Mineral in die Hände, ein Gestein, welches mit einer hauchfeinen roten Ader durchzogen ist. Auch diesem Rätsel will sie dort näher kommen.

So kommt es dazu, dass sich die Wege von Beatrice und Luca kreuzen, denn sie nimmt ihn als Passagier ihn ihrer Cessna mit in das schwarze Herz des Kongo. Und kaum sind sie dort angekommen, bekommen sie zu spüren, dass sie dort nicht erwünscht sind. Es beginnt eine rasante Flucht durch den Dschungel, ein Kampf ums Überleben. Aller Gefahren zum Trotz verlieren sie die Hintergründe der Reise nicht aus den Augen und voller Mut und mit dem Einsatz ihres Lebens, versuchen sie Joshua zu finden und das Rätsel um das neuartige Mineral zu lösen …

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Die obige Beschreibung ist auch in etwa das, was der Klappentext des Buches an Inhalt wiedergibt, in Wirklichkeit ist dies allerdings nur ein kleiner Teil. Denn die eigentliche Suche des verschollenen Arztes ist zunächst eher ein unbedeutenderer Handlungsstrang, der nur nebenbei behandelt wird.

Die ersten 6 oder 7 Kapitel sind jeweils komplett eigenständige Handlungsteile, die mit den Personen, die dadurch immer hinzu kommen, etwas anstrengend und auch verwirrend erscheinen. Denn es dauert eine ganze Weile bis man die Zusammenhänge versteht und einen gewissen Durchblick erhält.

Es gibt Sprünge von Afrika bis China, Figuren und Passagen mit den unterschiedlichsten Interessen, so scheint es zumindest anfangs. Erst nach der Hälfte des Buches reduzieren sich die verschiedenen Stränge, da sie nach und nach zusammengeführt werden und für den Leser dann verständlich wirken und Sinn ergeben.

Mir war dies alles ein bisschen zu viel des Guten und zu überfrachtet. Zumal der Hintergrund des Romans eher politisch und weltmachtbezogen ist, was die Inhaltsangabe und auch die Leseprobe nicht vermuten lies.

Der Schreibstil ist einfach aber gut. Die Schönheit des Dschungels und des Landes Afrika hat der Autor, der selber ein Abenteurer ist, sehr gut beschrieben und rübergebracht. Auch die Unruhen des Landes und das Elend der Einheimischen hat er gut dargelegt. Es geht mitunter sehr brutal und heftig zu, allzu schwache Nerven sollte man hier nicht haben.

Das eigentliche Thema, die Suche des Arztes empfand ich als eher nebensächlich und erst am Schluss recht schnell abgehandelt.

Das Buch präsentiert der Verlag als Taschenbuch mit einem düsteren Cover, welches einen Dschungel und die Silhouette eines Menschen zeigt. Es passt zum Thema und gefällt mir gut.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sterne für einen Thriller der eigentlich völlig andere Themen beinhaltet, als die Inhaltsangabe vermuten lässt. Zunächst etwas verwirrend und überfrachtet, ab der Hälfte aber sehr schlüssig, stimmig und auch spannend zu lesen.

Ich danke rororo für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Das schwarze Kollektiv von Michael Zandt (3/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im ASP Verlag
264 Seiten
Preis: 11,80  €
ISBN:  978-3981509236
Kategorie: Dark Fantasy 18+

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Ariko, ein jugendliches Waisenkind wurde früh zum Militär eingezogen. Eigentlich fühlt er sich in der christlich, geregelten Welt der Soldaten sehr wohl.

Als der Krieg gegen die Waldbewohner Hameshi ausbricht, muss der Soldat Ariko mit zum Einsatz in den Wäldern. Und dort erfährt Ariko die Wunder der Natur, fühlt sich plötzlich zum Volk der Waldwesen gerufen, denn die Art wie sie im Einklang mit der sie umgebenden Welt leben, die sagt ihm viel mehr zu, als die kalte Welt des Militärs.

Als sich Ariko unsterblich in die schöne, feindliche Kriegerin Lamis’jala verliebt wechselt Ariko die Seiten. Er kämpft von nun auf der Seite der Waldmenschen, versucht das Militär aus deren heimischen Wäldern zu vertreiben.

Ein schwerer Kampf, der viele Opfer auf beiden Seiten fordert. Kann Ariko den Hameshi helfen, diesen Krieg um die Wälder zu gewinnen? Mit Pfeil und Bogen und den Mächten der roten Mutter ankämpfen gegen Panzer, Lafetten und sonstige scharfe Waffen?

Zusätzlich kämpft der junge Ariko noch um die Liebe Lamis’jalas. Auch dies ist nicht einfach. Denn trotz seines Wechsels auf die Seite der Hameshi wird er von ihnen noch lange nicht als einer ihresgleichen anerkannt …

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Ich habe den Debütroman von Michael Zandt „HAPU – Der Teufel im Leib“ gelesen und auch in der Rezension zu diesem Roman schon erwähnt, dass ich ab und an etwas verwirrt war, von den vielen Namen, Arten und Unterarten der Dämonen und Götter.

Nun, das war hier auch der Fall, sogar noch etwas extremer. Habe ich bei HAPU zuletzt den Zusammenhang zwischen Asartu, Sepuku und Angrubar immerhin kapiert, so wurde es mir in diesem Roman noch erheblich schwerer gemacht. Hier zu folgen ist schon sehr anstrengend. Denn es gibt diesbezüglich in diesem Roman noch einiges mehr an „Input“ 

Dieser Roman gilt als Fortsetzung zu „HAPU“, doch dieser Charakter, der mir sehr sympathisch war (sie ist eine Nachfahrin Satans, die unter uns Menschen lebt), kommt in exakt 2 Szenen vor. Unter anderen in der ersten Szene des Romans.

Sicherlich hat sich der Autor auch wieder richtig gute Dinge ausgedacht und zu Papier gebracht. Die Art der Hameshi, wie sie mit der Natur umgehen und in dieser leben, hat er sehr ausführlich und anschaulich beschrieben. Die Techniken der Verständigung und die des Kampfes ebenso.

Der Schreibstil ist erneut einfach aber dennoch gut. Es gab wieder sehr viele blutige und brutale Szenen, in denen Verletzungen ausführlichst beschrieben wurden. Leser, die nicht so gerne „Blut sehen“, die mögen gewarnt sein.

Dieser zweite Roman des Autors ist in einem neuen Verlag, wieder als Taschenbuch, erschienen. Hat sich für mich die Qualität der Blätter verbessert (beiges, weiches Papier, statt weiße Seiten), so empfinde ich das Cover als viel zu dunkel.

Ein dunkler Hintergrund passt sicherlich zum Thema, doch man kann den Buchtitel nur sehr schwer und den Verlag gar nicht lesen. Wenn der Roman im Buchregal steht, sieht mein Auge nur einen fast schwarzen Buchrücken.
Es wurde jedoch, trotz neuem Verlag, darauf geachtet, dass die Buchgrösse der beiden Romane identisch ist. 

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Die Kapitel sind innerhalb dieser immer wieder unterteilt und lassen sich recht schnell lesen. Die Seiten sind jedoch sehr voll beschrieben, die Ränder links und rechts sind schmal gehalten. 

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für den zweiten Roman von Michael Zandt, der eine Fortsetzung, aber irgendwie auch keine ist. Wer sich auf die Figur HAPU freut, der könnte enttäuscht sein. Aber es gibt dennoch eine besondere Welt zu  entdecken, mitunter ist Roman jedoch sehr brutal und auch verwirrend. Die Grundidee ist aber eine gute und der Schreibstil ebenso. Daher vergebe ich trotz aller negativen Einflüsse dennoch 3 Sterne.

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Ich danke dem Art Skript Phantastik Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares. 

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© Buchwelten 2012

Neben der Spur von Ella Theiss (3,5/5)

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Erschienen als
Taschenbuch
im Grafit Verlag
256 Seiten
Preis: 8,99 €
ISBN:  978-3-89425-402-5

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Karo Rosenkranz ist eine junge Journalistin, die bei einem Lokalblatt arbeitet und ihr wird die Berichterstattung über den 100sten Geburtstag des Senior Chefs der Biosuppenfirma Hepp, Hermann Hepp, übertragen. Klingt nicht besonders aufregend, doch da Karo als freie Mitarbeiterin arbeitet, ist sie natürlich finanziell auf jeden Artikel angewiesen und macht sich auf den Weg.

Als sie am Stammsitz der Firma Hepp ankommt, erwartet sie ein Aufgebot an Polizei, Rettungswagen und ein komplett abgesperrtes Firmengelände. Durch einen kleinen Trick, vermischt mit weiblichem Charme gelingt es Karo doch auf das Betriebsgelände zu gelangen. Nun wird es spannend, denn dort ist ein Sprengsatz explodiert, zu Schaden kamen allerdings nur eine Anzahl von Suppenhühnern. Hühner in einer vegetarischen Biosuppenfirma? Wie passt denn das zusammen fragt sich Karo und ihre Neugierde ist geweckt. Durch den ganzen Trubel auf dem Gelände gelingt es Karo sich in das Wohnhaus zu schleichen und dort kurz auf den Senior zu treffen. Der liegt dösend im Bett und faselt von Kriegserlebnissen.

Zu Hause angekommen recherchiert Karo im Internet über die Firma Hepp, besonders über den 100-jährigen Hermann (denn der soll angeblich nie im Krieg gewesen sein). Dabei stolpert sie eher zufällig über eine Stellenausschreibung. Gesucht wird eine Medienvertreterin und Karo bewirbt sich, eigentlich zum Spaß. Denkt sich, dass es sicher mehr zu erfahren gibt, wenn sie intern im Konzern arbeiten kann und das Gehalt kann sie auch gut gebrauchen.
Sie bekommt die Stelle und ist somit für ihre Recherchearbeiten über die Ungereimtheiten des alten Hepp an der Quelle und erfährt noch einiges mehr. Nämlich das der junge Valentin Hepp, der Firmenerbe des Konzerns, angeblich verreist ist, dieser aber dennoch unter Verdacht steht, den Anschlag angezettelt zu haben. Denn Valentin ist ein überzeugter Tierschützer.

Karo wittert natürlich eine tolle Story, steckt ihre neugierige Nase in so ziemlich jede Ecke des Betriebs und auch als es plötzlich beginnt gefährlich zu werden, sieht sie dies nicht … oder will es nicht sehen …

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Ein locker, flockiger Krimi ist „Neben der Spur“. Der Schreibstil von Ella Theiss ist sehr umgangssprachlich, frech und hat mich eher an Frauenromane á la Hera Lind erinnert. Dies ist eigentlich nicht wirklich mein Fall, denn ist lese eigentlich eher lieber gehobene und anspruchsvollere Schreibstile. Doch die Handlung des Romans war recht interessant gestrickt und die Hintergründe, die im Laufe der Geschichte zu Tage rückten, haben dies dann wieder wettgemacht.

Die Einblicke in einen Lebensmittelkonzern und die Herstellung von Suppenwürze waren gut und auch fundiert beschrieben. Die Protagonistin Karo war jung, frech aber dennoch schlau und sehr aufmerksam. Wie sie mit dem alten Hepp umgegangen ist, war mir sehr sympathisch. Dessen Figur war übrigens auch sehr nett und gut ausgearbeitet.

Was die kriminalistische Handlung des Romans angeht, war diese eher einfach gestrickt und nicht besonders anspruchsvoll. Dennoch hat der Roman ein amüsantes, flottes Lesevergnügen bereitet.

Das Erscheinungsbild des Werkes ist im typischen, schlichten Stil der Taschenbücher des Grafit-Verlages gehalten, den ich mag. Kapitel gibt es eigentlich nicht, dafür mehrere Teile die in sich mit Absätzen unterteilt sind, sodass Lesepausen problemlos möglich waren, ohne aus der Handlung zu rutschen.

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Mein Fazit: 3,5 von 5 Sternen für diesen netten, einfachen Krimi. Nicht schwierig und eher in umgangssprachlichem Text geschrieben. Eine angenehme Sommerlektüre, die nicht zuviel an Anspruch abverlangt.

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Ich danke dem Grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Finsterau von Andrea Maria Schenkel (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Hoffmann und Campe
124 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN:  978-3-45540381-7

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Finsterau ist ein Dörfchen in Bayern im Jahre 1944. Afra, Tochter des armen Ehepaares Zauners, kehrt nach Hause zurück. Sie ist schwanger von einem Franzosen und ihre letzte Schankstelle hat sie verloren, weil man sie als Schlampe sah, die sich jedem an den Hals schmeißt.

Was bleibt Afra anderes übrig als zurück nach Hause zu gehen? An den Ort, den sie vor vielen Jahren verlassen hat und von dem sie so froh war, die ärmliche Enge und die Gottesfurcht ihrer Eltern hinter sich zu lassen.

Albert wird geboren und für die Eltern Zauner ist es schwer. Das Dorf zerfetzt sich die Münder über die liederliche Tochter, die mit einem ledigen Kind auf dem Hof hockt und nicht einmal in aller Ehrfurcht die Messe besucht. Die Armut macht es nicht leichter, sie haben nun zwei weitere Mäuler zu stopfen und es lebt sich eher schlecht als recht.

Der Vater wird immer öfter urplötzlich wütend und es entstehen Streitereien zwischen ihm und seiner Tochter. Er vergisst immer öfter Dinge und er glaubt an eine Verschwörung zwischen Frau und Tochter, die absichtlich Dinge verlegen, um ihm einzureden, dass er senil wird. Die Mutter ist bemüht zwischen Vater und Tochter zu vermitteln, kann aber auch nicht immer auf dem Hof sein.

Eines Morgens fährt die Mutter wegen einiger Besorgungen mit dem Fahrrad ins Dorf, der Vater ist auf der nahegelegenen Weide und mäht das Gras. Afra bleibt mit dem kleinen Albert zu Hause und kümmert sich um die Wäsche.

Dann ist Afra tot, erschlagen liegt sie da auf dem Sofa, der kleine Albert schwerverletzt auf dem Boden neben ihr und mit im Raum der Vater. Der stammelt nur noch wirres Zeug und ist absolut apathisch und teilnahmslos. Was ist geschehen in Finsterau? Eine Tochter und ein Enkelkind erschlagen vom eigenen Vater/Großvater?

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Nachdem ich TANNÖD von Andrea Maria Schenkel kenne, wusste ich in etwa was mich erwartet. Die Autorin kann perfekt eine düstere, böse und auch besondere Stimmung erschaffen. Das ist ihr hier auch wieder gelungen. Der Schreibstil war erneut sehr gut und das Bayrisch absolut echt und auch für mich „nicht Bayern“ gut und verständlich zu lesen.

Der Aufbau der Handlung scheint aber im Grunde immer der gleiche zu sein. Der Leser wird in die Vergangenheit geführt, zum Zeitpunkt des Geschehens, immer aus der Sicht einer anderen Person beschrieben. Dann gibt es Sprünge zu Protokollen und Verhören mit Beteiligten des Falles 18 Jahre später.

Die Kriminalfälle von Andrea Maria Schenkel lesen sich immer sehr schnell und leider sind die Bücher auch immer extrem kurz gehalten. Sicherlich schafft es die Autorin immer sehr viel in diese wenigen Buchseiten zu verpacken. Viele Hintergründe, Erklärungen und Einblicke in die menschlichen Gedanken und Psychen. Aber ich finde es dann schade, diese besondere Stimmung so schnell wieder verlassen zu müssen.

Mit knappen 125 Seiten und sehr kurzen Kapiteln bedeutet dies in etwa ein Lesevergnügen von zwei Stunden. Ich würde mir hier wünschen, dass sich Frau Schenkel einmal an eine längere Geschichte begibt. Ich bin sicher, dass sie es kann.

Hoffmann und Campe hat den Roman in einer sehr schönen gebundenen Ausgabe veröffentlicht, die mit der alten Holztüre auf dem Cover direkt das dunkle Flair dieser Handlung wiedergibt.

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Mein Fazit: 4 von 5 Punkten für einen weiteren tragischen Mordfall in der dunklen Vergangenheit im bayrischen Wald. Geschrieben in einem guten, fesselnden Schreibstil der leider nur viel zu schnell vorbei ist.

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Ich danke Amazon und Hoffmann und Campe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

HAPU Teufel im Leib von Michael Zandt (4/5)

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Erschienen als
Taschenbuch  im
Candela Verlag
273 Seiten
Preis: 11,80 €
ISBN: 978-3-942635-19-6

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Hapu ist eine grazile, attraktive junge Frau von Anfang zwanzig. Eigentlich anderen Frauen in ihrem Alter nicht unähnlich. Sie hat einen Job, der ihr Spaß macht und mit dem sie sich identifiziert, liebt es Motorrad zu fahren, ist Fan der Stuttgarter Kickers und lebt mit ihrer besten Freundin Hati zusammen in einer Wohnung. Sie quatschen, hören Musik, lesen gemeinsam, trinken mal gerne einen über den Durst. Aber Hapu ist kein Mensch, sie ist eine Asartu.

Die Asartu sind Nachfahren Luzifers, geschaffen nach seinem Ebenbild. Sie leben unter uns Menschen und unterscheiden sich eigentlich nicht sonderlich von uns. Von der verlängerten Wirbelsäule (Asartu haben einen Schwanz, den sie allerdings nicht offensichtlich zur Schau stellen), den Fangzähnen im sonst schneeweißen Gebiss einmal abgesehen. Und ab und an benötigen die Asartu Menschenfleisch um ihren Enzymhaushalt im Gleichgewicht zu halten.

Dies bekommen sie im Krankenhaus zugewiesen, von Menschen die sich als Spender bereit erklären und den Asartu kurz vor ihrem Tode unter Narkose als Mahlzeit dargeboten werden.

Doch in unserer Welt leben nicht nur Menschen und Asartu, auch Dämonen sind unter uns und wir können sie nicht erkennen, sie sehen aus wie du und ich, doch ab und an zeigen sie ihr Wahres Ich und das nicht ohne Grund.

Als Hapu gegen diese Dämonen kämpft (der Gewalt war sie nie abgeneigt und sie versteht es ihre körperlichen Kräfte zum Einsatz zu bringen) spürt Hapu das dort mehr in ihr ist, ein zweites Wesen lebt in ihrem Körper. Diese Seele beschert Hapu nicht nur zusätzliche Kräfte, die magisch wirken. Hapu erfährt, dass sie eine Sepuku ist. Sie ist eine der 12 Töchter der Angrubar. Mit dieser Göttin hat Luzifer diese 12 weiblichen Nachfahren gezeugt. 


Doch was soll Hapu mit dieser Erkenntnis nun anfangen und wer lehrt sie ihre Kräfte zu nutzen und vor allem, was ist ihre Aufgabe?

Sie wird es erfahren und einen Weg einschlagen, der ihr bisheriges Leben völlig aus der Bahn wirft …

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Zunächst einmal wusste ich nicht wirklich was mit erwartet. Der Autor selber hat mich kontaktiert und mir eine erste Leseprobe zukommen lassen. Mit der konnte ihr ehrlich gesagt nicht viel anfangen (wie ich heute las, war es eine Stelle kurz vor dem Ende, die ich nur im Zusammenhang der Handlung verstehen konnte).

Dann bekam ich eine weitere Leseprobe und die sprach mit dann mehr an. Ich konnte kurz die Protagonistin Hapu kennenlernen und ich wurde neugierig.

Der Roman beginnt auf einem Schiff und schwenkt dann aber um und erzählt Hapus Geschichte in einer Rückblende.

Der Schreibstil war nicht außergewöhnlich gehoben und nicht sonderlich anspruchsvoll, dennoch aber sehr angenehm zu lesen und flüssig ausformuliert.

Hapu selber ist ein sehr direkter, frecher, dreister Charakter, der sehr umgangssprachlich und auch oft schroff spricht. Dennoch war sie mir sehr sympathisch. Mir ist dieses grazile Wesen doch recht schnell ans Herz gewachsen, zeigt sie oft auch sehr weiche und warmherzige Seiten.

Die Geschichte siedle ich im Fantasy Bereich an, wobei es nicht wirklich in dieses Genre passt. Es waren oft sehr blutige, heftige und krasse Szenen dabei, die nicht für allzu schwache Lesernerven geeignet sein mögen. Für mich passten sie aber gut in die Handlung.

Oft musste ich auch schmunzeln, wenn z.B. ein uralter Priester, der sich selber verstümmelt hat um seine Entbehrungen zu unterstreichen erklärt, dass sein Sinn des weiterlebens darin besteht, die letzten zwei Pokémon noch fangen zu wollen und aus seiner Kutte einen Nintendo DS befördert 😉

Ab und zu haben mich die vielen, sehr komplizierten Namen etwas verwirrt aber das habe ich dann einfach zu hingenommen und dem Verständnis der Handlung hat es keinen Abbruch getan. Auch wer nun gerade der Ur-Urahn von welcher Gottheit o.ä. war, empfand ich manches mal als etwas undurchsichtig. Hier fühlte ich manchmal etwas überfrachtet.

Mir hat die Geschichte dennoch sehr gefallen, ich war positiv überrascht und die Idee die Nachfahren des Teufels offensichtlich unter uns Menschen hier in der Jetztzeit leben zu lassen war schon eine gute, die der Autor auch interessant und spannend umgesetzt hat.

Es gab neben brutalen Kampfszenen auch sehr schöne ruhige und auch mal erotische Passagen. Die Mischung hat Michael Zandt hier gut hinbekommen.

Zuletzt noch einige Worte zum Buch an sich. Es ist als Taschenbuch veröffentlicht und das schlichte Cover gefällt mir gut. Es ist in einem warmen (blut)roten Ton gehalten und weist nicht viel Schnickschnack auf. Der Klappentext ist kurz, knapp und zentriert geschrieben. Er reicht völlig aus um neugierig zu machen und sieht ordentlich aus.

Leider sind der Buchdeckel und Rücken aus einer sehr weichen, wabbeligen Pappe, dass gefällt mir nicht sehr gut. Weiße Seiten mag ich persönlich auch nicht. Dann empfand ich es als störend und überflüssig, dass auf jeder Seite am unteren Rand: „Michael Zandt – Hapu Teufel im Leib“ eingedruckt ist.

Ich weiß doch auch so, welches Buch ich gerade lese … Die Kapitel waren innerhalb derer durch Sternchen unterteilt, was das Lesen angenehm gestaltet aber die Sterne hätten etwas kleiner ausgereicht und sicherlich dezenter gewirkt.


Das erste Kapitel beginnt auf einer linken Seite, dass hat für mich leider immer den Eindruck von „Seiten sparen“. Die Illustrationen gefallen mir relativ gut, sind aber eigentlich überflüssig. Da hätte man besser die Seitenaufteilung etwas großzügiger gestalten können.

Fehler habe ich nur einen kleinen gefunden (S. 219 – 1. Absatz). Dafür fehlt sehr oft das Leerzeichen hinter einem Punkt. Also wenn der nächste Satz beginnt. Und ein letztes habe ich noch bemerkt: zum Ende hin ist es öfter vorgekommen, dass die Schriftgröße innerhalb der Seite um eine Größe kleiner wurde. War z.B. die Schrift in 12, ging es dann auf einmal in 11 weiter.

Dies sind alles keine dramatischen und schlimmen Dinge, ich finde aber solche Hinweise (vor allem auch an die Verlage) nicht unwichtig. Denn ich denke, es gibt einige Leser, die ebenso auf diese Dinge achten.

Hierin begründet sich auch mein Punktabzug.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein Debüt, dass absolut keine klassische Fantasy ist. Ein „anderer“ Roman, oft „laut“ aber auch mal leise und durchaus lesenswert.

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Ich danke dem Candela Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares und wünsche Michael Zandt alles Gute für seine schriftstellerische Zukunft :-).

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© Buchwelten 08.01.2012