Die Ernte des Bösen von Robert Galbraith

Die Ernte des Boesen von Robert Galbraith
Erschienen als gebundene Ausgabe (mit Leseband)
bei blanvalet
insgesamt 672 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-7645-0574-5
Kategorie: Kriminalroman

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Robin Ellacot bekommt auf ihrer Arbeitsstelle, der Detektei von Cormoran Strike, ein Paket zustellt, das schockierend und brutal ist. Es ist ein abgetrenntes Frauenbein. Natürlich ist auch Ihr Chef, Cormoran Strike, nicht begeistert. Ihm fallen jedoch auf Anhieb gleich drei Personen ein, denen er diese Art der Zustellung zutraut. Und alle drei sind sie gefährlich und zu derartigen Grausamkeiten fähig.

Die Polizei, mit der Strike in Kontakt steht, fixiert ihre Ermittlungen stur in eine Richtung. Cormoran ist aber der Meinung, dass man alle von ihm benannten Verdächtigen überprüfen sollte.


Darum geht Strike und Robin Ellacot, die ja seit langem mehr als seine einfache Sekretärin ist, neben ihren eigentlich Aufträgen selbständig ihren Ermittlungen nach. Immer tiefer dringen sie ein in die dunklen und gefährlichen Umfelder der drei Männer und dabei ziehen die zwei nicht nur den Unmut der Polizei auf sich, sondern bringen sich selbst auch mehr und mehr in missliche Umstände …

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Das ist der dritte Teil der Cormoran Strike-Reihe, den die Autorin J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Auch wenn ihre Tarnung ja relativ schnell aufgeflogen ist, schreibt sie nach wie vor unter dem männlichen Deckmantel weiter, den sie, wie sie selbst sagt, als „ihre persönliche Spielwiese“ bezeichnet.

Und wieder einmal kann ich nur sagen: Glückwunsch, sehr gut gemacht. Die beiden Charaktere Cormoran Strike und Robin Ellacot machen so unglaublichen Spaß, dass die knapp 700 Seiten mit einem Fingerschnipser durchgelesen sind. Galbraith hat hier zwei so unterschiedliche, liebenswerte und sich wunderbar ergänzende Figuren geschaffen. In ihrem dritten Teil gehen die beiden natürlich ganz anders miteinander um als im ersten Band. Sie sind sich nähergekommen, so gut das eben bei dem Brummbär Strike so geht und die Stimmung unter diesem Duo der besonderen Art ist einfach toll. Nein, nicht immer friedlich und lieb. Bei weitem nicht. Aber auf das Zwischenmenschliche möchte ich auch nicht näher eingehen, denn dass macht die Romane zum Großteil mit aus, darum einfach selbst lesen ☺. Und es gibt auch immer wieder neue und schräge Vögel als Nebenfiguren, die Galbraith sehr gut darzustellen vermag.

Die Handlung ist wunderbar verzwickt und gut erdacht und der Leser grübelt fleißig mit, kommt aber doch nicht drauf. Zu geschickt legt die Autorin hier ihre Spuren und Fäden aus. Und es ist wieder stellenweise heftig und unschön, also nicht immer was für zarte Nerven. Wobei die letzten Potters ja auch recht heftige Szenen zu bieten hatten. Dennoch, Leser, die es nicht gerne blutig und etwas heftiger mögen, sollen gewarnt sein.

Die Ermittlung des Mordes ist der eine Strang, der zweite sind natürlich die private Seiten der beiden Protagonisten, die außerhalb der Ermittlungsarbeit ihre eigenen Leben mit sämtlichen Problemen und Glücksmomenten zu bieten haben. Auch diese Teile der Geschichte machen Freude und sind sehr gut und auch emotional geschrieben.

Austoben konnte sich Robert Galbraith wieder im Hinblick auf „sein London“. Da kennt er sich aus und das merkt man an den deutlichen liebevollen und detaillierten Beschreibungen auch hier wieder.

Auch wenn die Romane hier in London spielen, habe ich immer irgendwie ein Stimmungsgefühl wie in den Mr. Mercedes Romanen von Stephen King. Ich kann nicht einmal genau erklären warum, doch es ist so. Leser die beides kennen, können mir ja mal sagen, ob es ihnen auch so ergeht.

Mein Fazit: Ein großartiger dritter Teil der Reihe um den Detektiv mit der Beinprothese und seiner rotblonden, schlagfertigen und liebenswerten Assistentin Robin Ellacot. Spannend, mitreißend und in einem tollen Stil wird der Leser auf knappen 700 Seiten in einem stimmungsvollen Krimi gefangen und erfährt zudem noch vieles über die Vergangenheiten der beiden Hauptpersonen. Daumen hoch!

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Rezension zu  Teil 1 – „Der Ruf des Kuckucks“

Rezension zu Teil 2 – „Der Seidenspinner“ 

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Gefrorener Schrei von Tana French

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Erschienen als Taschenbuch
bei S. Fischer Verlage
656 Seiten
16,99 €
ISBN: 978-3-651-02447-2
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Eine junge Frau wird tot in ihrem Cottage aufgefunden. Es sieht alles nach einer eindeutigen Beziehungstat aus. Das Opfer wurde geschlagen, schlug unglücklich mit dem Hinterkopf auf und starb.

Der Fall kommt gegen Ende der Nachtschicht rein und so erhalten die Detectives Antoinette Conway und Stephen Moran den Einsatz, persönlich übergeben vom Chef. Der erfahrene Kollege Breslin soll ihnen jedoch an die Seite gestellt werden, da er „gut mit Zeugen kann“.


Conway und Moran fahren zum Tatort und beginnen ihre Ermittlungen. Durch ein paar kleine Tricks können sie sich den Kollegen noch ein bisschen vom Hals schaffen und alleine arbeiten. Es stimmt, alles sieht nach einer klaren Beziehungstat aus, doch warum scheint dann jemand aus dem eigenen Dezernat Interesse daran zu haben, die Ermittlungen zu behindern oder gar in eine gewisse Richtung lenken zu wollen.

Da Conway sowieso überall nur noch Feinde sieht und einen Komplott gegen ihre – zugegeben nicht einfache – Person sieht, setzt sie alles daran, ihre eigenen Ermittlungen durchzuziehen. Und Moran ist der einzige, der noch zu ihr steht ….

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Ich war immer großer Fan der Romane von Tana French, da ich ihren besonderen Schreibstil sehr gerne mag. Sie hatte immer eine besondere Gabe, Szenen, Momente und Situationen so bildhaft und poetisch greifbar zu beschreiben, dass es mich umgehauen hat. Irgendwie wollte sich dieses Gefühl bei diesem Roman aber nicht (mehr) einstellen. Einmal, zu Beginn von Kapitel 6 war es glaube ich, hat French einen Moment im Soko-Raum beschrieben, der ein bisschen das alte Gefühl der glitzernden Poesie heraufbeschworen hat.

Aber die Geschichte zieht sich gerade anfangs unheimlich in die Länge und ihre Protagonistin Antoinette Conway ist so verstockt und sieht überall Feinde, dass sie mir – gerade zu Beginn – nur noch auf die Nerven ging. Der Charakter ihres Partners, Stephen Moran hat hier so einiges wieder ausgeglichen, und auch die Nebenfiguren hat Tana French auch wieder sehr gut beschrieben und charakterisiert.

Dennoch, alles war unheimlich lang und ausufernd und beinahe künstlich in die Länge gezogen. Jede Unterhaltung, jedes Verhör, sie nahmen kein Ende. Dieses mal empfand ich die Lektüre als zäh und teilweise wirklich anstrengend.

Das bezieht sich allerdings nicht auf die Handlung, die Geschichte selbst. Denn den Plot hat Tana French wieder sehr gut ausgeklügelt und wunderbar verzwickt gestaltet. Lediglich die Umsetzung war anders, als ich es bisher kannte. Wieder schreibt die Autorin aus der Ich-Perspektive, was hier bedeutet, dass eine ständig genervte, gefrustete und alle gegen sich sehende Ermittlerin erzählt und agiert.

Dies ist auch das erste Mal, dass ein Ermittler-Duo ihre Tätigkeit im Nachfolgeband wiederholt. Bisher hatte Tana French es immer so gehandhabt, dass eine Nebenfigur aus ihrem aktuellen Roman im Nachfolger die Hauptrolle erhielt.

Mein Fazit: Eine Handlung mit einer tollen Idee und auch guten Figuren. Lediglich die Hauptprotagonistin ging mir teilweise richtig auf die Nerven. Ein spannender Plot, der aber leider teilweise sehr langatmig und zäh war. Für mich bislang ihr schlechtester Roman.

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© Marion Brunner für Buchwelten 2017

Die Nacht der tausend Lichter von Silke Ziegler

.Erschienen als Taschenbuch
im grafit Verlag
insgesamt 285 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN:  978-3-89425-488-9
Kategorie: Kriminalroman

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Sina Engel arbeitet als Kommissarin in ihrer Heimatstadt Weinheim an der Bergstraße. Derzeit hat sie es alles andere als leicht. Sie ist hochschwanger und hat kurz vor Bekanntwerden der Schwangerschaft ihren Verlobten und Kollegen Carlo verloren. Nun wird Sina das gemeinsame Kind, das seinen Vater niemals kennenlernen wird, alleine großziehen.

Als hätte Sina mit diesem privaten Umstand nicht genug zu tun, muss sie ihre letzten Arbeitswochen bei knappen 40 Grad Sommerhitze damit zubringen, den „Kerweschlitzer“ aufzuspüren. Ein Mörder hat in den vergangen 2 Jahre auf dem großen Volksfest in Weinheim, genannt „Kerwe“, 2 Frauen brutal abgeschlachtet. Natürlich hat die Bevölkerung Angst, dass dies in diesem Jahr wieder geschieht und Sina will dies zum einen unbedingt verhindern und zum anderen natürlich die Ermittlungen vor ihrem Mutterschutz beenden.

Ihr Vorgesetzter stellt Sina als Unterstützung einen Partner zur Seite, der niemand geringerer ist, als der ehemalige Partner ihre verstorbenen/ermordeten Verlobten. Sina ist natürlich alles andere als begeistert und ob sie die beiden zusammenraufen muss sich wohl zeigen ….

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Es ist nicht der erste Roman der Autorin Silke Ziegler, jedoch der erste den ich von ihr gelesen habe. Da ich eigentlich in diesem Jahr nichts angefordert hatte beim Grafit Verlag, wurde mir der Roman überraschenderweise geschickt und ich hatte den Eindruck, dass ich der Handlung auch folgen könne, wenn ich die Vorgänger nicht kenne.

Mir hat der Roman gut gefallen, er war spannend und hat mich auch gefesselt und ich war sehr flott durch die Geschichte geflogen. Der Verlauf der Handlung war eigentlich nicht absehbar und das Finale ist Silke Ziegler gut gelungen. Für mich hatte es zwar ein wenig von einer gewollten, hochdramatischen Schlussszene eines Films. Aber trotzdem war der Schluss okay.

Ab und an war mir Sina Engel ein bisschen zu jammerig und naiv, auch im Hinblick auf ihre Ermittlungstaktiken, was mir dann nicht so gefiel. Denn sie sollte ja trotz Babybauch und Schwangerschaft als bissige und toughe Kommissarin rüberkommen, die sich nicht in die Quere kommen lassen will.

Ab und an kamen dann auch leicht kitschige Momente zustande, die mir persönlich zu seicht und übertrieben waren. Aber das ist immer Geschmackssache und kann natürlich mit den Hormonen in der Schwangerschaft zusammenhängen :-). Auch wurden viele Hintergrundinformationen zum offenbar sehr schönen Weinheim verbaut, was natürlich dann immer im Zuge einer wörtlichen Rede geschah und manchmal ein bisschen zu viel war, da es wirkte, als wolle die erbrachte Recherche unbedingt untergebracht werden.

Aber dennoch: Ich hatte großes Vergnügen bei der Lektüre und die Autorin hat es gut hinbekommen, bis zum Schluss nicht zu viel preiszugeben. Der Schreibstil ist gut und sauber ausformuliert und die Charaktere waren gut beschrieben und dargestellt.

Mein Fazit: Ein guter Krimi, spannend und brutal auf der einen Seite. Auf der anderen manchmal (für mich) zu seicht und kitschig, was aber anderen gut gefallen mag.

© Buchwelten 2017

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Mehr über die Autorin gibt es auf Ihrer Homepage: Die Autorin Silke Ziegler

oder bei Facebook:  Silke Ziegler (Autorin)

Das Auge von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67703-6
Kategorie: Thriller, Krimi

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Melanie hat immer wieder Visionen, in denen sie schreckliche Ereignisse vorherzusehen scheint. Dieses Mal ist sie nicht sicher, ob ihrem Vater oder ihrer Schwester etwas zustößt oder bereits zugestoßen ist. Zusammen mit ihrem Freund Brodie fährt sie zu ihrem Elternhaus, um festzustellen, dass ihr Vater bei einem Autounfall schwer verletzt worden ist. Doch auch ihre Schwester Pen fühlt sich nicht in Sicherheit, weil sie immer wieder von einem Unbekannten telefonisch sexuell belästigt wird. Melanie vermutet, dass hinter dem Unfall ihre Stiefmutter Joyce steckt und stellt auf eigene Faust Ermittlungen an.

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Immer noch macht der Heyne-Verlag uns Laymon-Fans eine große Freude und bringt nach und nach nun auch die älteren Werke des Kultautors im Heyne Hardcore Programm auf den Markt. So jetzt auch geschehen mit „Das Auge“, einem Thriller, der im Original bereits 1992 erschienen ist. Und auch wenn die meisten Fans von Laymon immer wieder behaupten, dass nur seine ersten, ins Deutsche übersetzten Romane wirklich gut sind, so empfinde ich das vollkommen anders. Die Werke, die nun auf den Markt kommen, runden das Gesamtbild dieses Mannes für mich viel mehr ab und zeigen, dass Laymon auch in der Lage war, relativ ruhige Geschichten zu erzählen, die nicht nur übertrieben brutal und sexbeladen sind. Das hat er bereits mit dem vor kurzem erschienenen „Das Ufer“ bewiesen, bei dem es sich ebenfalls um eine eher gemäßigte Story handelt. Ich für meinen Teil muss sagen, dass mir auch diese Art von Laymon-Romanen sehr gut gefällt.

Im vorliegenden Buch beschränkt sich Richard Laymon auf drei Haupt- und drei Nebencharaktere. Jeder, der schon einmal ein Buch von Laymon gelesen hat, weiß, dass sich seine Charaktere eher im unteren Mittelmaß bewegen und niemals eine tiefgründige Basis haben, sondern im Gegenteil meist treudoof-naiv wirken. Aber vielleicht ist es genau dieser Umstand, der die Bücher des Amerikaners zu kultigen und  kultverdächtigen Pageturnern macht, die immer wieder an die Plots ähnlich funktionierender Horrorfilme aus den 80er Jahren erinnern. Die Protagonisten verhalten sich unentwegt „dämlich“ und machen Dinge in gefährlichen Situationen, die kein durchschnittlich intelligenter Mensch machen würde, und denken permanent an Sex. Sind nicht dies genau die Zutaten jener oben erwähnen Horrofilme, die meist oft ebenfalls Kultstatus genießen wie Laymons Bücher? Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Richard Laymon schreibt kurz und knackig und fesselt den Leser durch seine unkomplizierten Handlungen, die durch die bildhaften Beschreibungen wie Filme anmuten. Gerade der saloppe Schreibstil und die immer wiederkehrenden Sexmomente in seinen Büchern machen Laymons Geschichten immer wieder zu einem unglaublich kurzweiligen Leseerlebnis.

Die Qualität von Richard Laymons Büchern schwankt immer wieder mal. Wenn ich zum Beispiel an die abstruse, an den Haaren herbeigezogene Handlung von „Der Pfahl“ denke, muss ich fast schon darüber lachen. Dennoch zeigen seine Bücher immer wieder die gleiche Wirkung, egal ob sie „schlecht“ oder „gut“ sind: Man fühlt sich trotz allen Logikfehlern und den bereits erwähnten naiven Handlungsweisen der Protagonisten unglaublich gut unterhalten und an „Heftchenromane“ wie seinerzeit „John Sinclair“ oder „Gespenster-Krimi“ erinnert. Genauso verhält es sich auch bei „Das Auge“, wobei hier eindeutig mehr Augenmerk auf Thriller- und Krimi-, als auf Horrorelemente gerichtet wurde. Laymon ist wahrlich kein großer Literat, aber ein ganz passabler und manchmal sogar begnadeter Geschichtenerzähler. Seine Storys bleiben einfach im Gedächtnis haften und das alleine zeigt, dass er schreiben kann. Laymon verwendet in seinen Büchern immer wieder viel wörtliche Rede, wodurch das Buch im Nachhinein (aber auch schon während des Lesens) immer wie ein Film wirkt. Schön ist auch, dass gegen Ende des Romans eine Wendung beziehungsweise sogar zwei Wendungen kommen, die man eigentlich in dieser Art nicht so erwartet hätte.
Für mich wieder eine „Neuentdeckung“ im Laymon-Universum, die mich überzeugt hat und wieder eine etwas andere Seite des Autors darstellt, die mir uneingeschränkt gefällt.
Eine kurze Anmerkung noch, die zwar nichts mit dem Werk an sich zu tun hat, aber an das Lektorat des Heyne-Verlages gerichtet ist: „seid“ und „seit“ zu verwechseln ist für das Lektorat eines großen Verlagshauses kein Aushängeschild. 😦 So geschehen auf Seite 331, Zeile 7: „Melanie… seid eure Mutter tot ist, haben meine jüngere Tochter und ich so unsere Probleme miteinander gehabt.“

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Fazit: Kurzweilige, ruhige, aber dennoch sehr spannende Geschichte um Visionen, einen perversen Telefonanrufer und verbotene Liebe. Eine Familiengeschichte mit Thriller-, Horror- Sexelementen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Kinder von Wulf Dorn

Erschienen als Broschur
im Heyne Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-453-27094-7
Kategorie: Thriller

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Mitten auf einer einsamen Bergstraße wird eine völlig verstörte Frau aus einem Unfallfahrzeug geborgen. Ihr Name lautet Laura Schrader und im Kofferraum des Unglückswagens findet man die Leiche eines Kindes. Als der Polizeipsychologe Robert Winter mit dem Opfer spricht, erfährt er von einer grausigen Wahrheit, die er zuerst nicht glauben will. Doch Laura Schrader ist nicht, wie von allen vermutet wird, verrückt, sondern schildert eine Wahrheit, die erschreckender nicht sein kann.

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Wulf Dorn schafft es schon auf den ersten Seiten, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Dieses Mal entführt Dorn den Leser in ein Psycho-Abenteuer, das es bei genauerem Nachdenken wirklich in sich hat. Wenngleich der Plot an manchen Stellen vorhersehbar wirkt, so schafft Dorn doch immer wieder eine interessante Wendung, mit der man nicht rechnet. Die Geschichte wirkt von vorne bis hinten durchkonzipiert und hätte an manchen Stellen vielleicht ein wenig Spontanität verdient, um sie glaubwürdiger und vor allem unvorhergesehener zu machen. Dennoch ist „Die Kinder“ ein rasantes und geheimnisvolles Rätsel, das einen mitreißt und nicht mehr loslässt. Als ich die ersten Seiten gelesen habe, dachte ich allerdings zuerst, die Geschichte nähme einen völlig anderen Verlauf, als es letztendlich dann geschah.

Wulf Dorn lässt die Hauptgeschichte von seiner Protagonistin Laura Schrader erzählen. Dieser geschickte Schachzug ist es auch, der den gesamten Roman mit einer unglaublich intensiven Stimmung ausstattet. Sicherlich passieren durch genau diese Erzählweise kleine Logikfehler, denn der Rückblick (eigentlich ja von Laura erzählt) beinhaltet plötzlich auch Geschehnisse, an denen Laura gar nicht beteiligt war.  Aber da sollte man einfach darüber hinwegsehen, um sich die tolle Atmosphäre nicht selbst kaputt zu machen.
Der Auftritt der „bösen“ Kindern hat mich desöfteren an Stephen Kings „Kinder des Zorns“ („Children Of The Corn“) und „Das Dorf der Verdammten“ („Village Of The Damned“) erinnert, aber Dorn geht auf alle Fälle einen eigenen Weg, der eben lediglich ein paar Bilder der genannten Filme / Geschichten in Kopf des Lesers erscheinen lässt. Wulf Dorn übt in seinem neuen Roman eine Art Gesellschaftskritik aus, die auf den ersten Blick nicht ganz so überzeugend wirkt, wie sie sollte. Aber hat man das Buch erst einmal aus der Hand gelegt und denkt in Ruhe noch einmal über das Ganze nach, so kommt die Botschaft durchaus an. Wulf Dorn verpackt sie schlichtweg in einen unterhaltsamen und spannenden Roman und verzichtet auf Besserwisserei. Er weist lediglich auf Missstände wie Kindesmissbrauch und Verantwortungslosigkeit gegenüber unserer Umwelt hin.

„Die Kinder“ beginnt wie ein Thriller oder Krimi und entwickelt sich im Verlauf des Buches zu einem Mystery-Horror-Plot, der durchaus auch zu gruseln vermag. Gewürzt mit ein paar esoterischen Zutaten liest sich die Geschichte, obwohl übersinnlich und mysteriös, dennoch auch irgendwie glaubwürdig und auch bis zu einem gewissen Maß nachvollziehbar. Aber ich bin auch der Meinung, dass gerade solcherart Handlungen, wie Wulf Dorn sie sich hier ausgedacht hat, nicht immer unbedingt zu hundert Prozent Hand und Fuß haben müssen. Es ist ja schließlich ein Mystery-Thriller. Der flüssige Schreibstil lässt ein absolut schnelles Leseerlebnis zu.
Sicherlich hätte man der Handlung und auch den Charakteren jeweils ein wenig mehr Tiefgang verleihen können, aber ich bin nicht sicher, ob dies der Geschichte auch wirklich gut getan hätte und nicht die absolut kurzweilige Rasanz dadurch verloren gegangen wäre. Wulf Dorn beschreitet mit „Die Kinder“ einen neuen Weg, als er es mit seinen bisherigen Werken getan hat. Ich persönlich mag auch diese Art, zeigt sie doch, dass Wulf Dorn nicht einfach nur statisch seine Erfolge wiederholt, sondern auch Vielfältigkeit zeigt.
Und auch wenn nicht alles hundertprozentig „rund“ wirkt, so beschert einem „Die Kinder“ ein wunderbares, spannendes und kurzweiliges Lesevergnügen.

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Fazit: Spannend und atmosphärisch erzählter Mystery-Thriller mit einer sozialkritischen Botschaft.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Murder Park von Jonas Winner

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 414 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-42176-9
Kategorie: Thriller

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„Zodiac Island“ war vor 20 Jahren ein sehr beliebter und erfolgreicher Freizeitpark. Doch dann werden drei Frauen ermordet und der Park schließt. Jetzt wird eine neue Vergnügungsstätte geplant, in der es um genau jenen Serienkiller geht. Die Verantwortlichen wollen mit den Ängsten der Besucher spielen und geben dem Abenteuerpark den Namen „Murder Park“. Paul Greenblatt, dessen Mutter vor zwanzig Jahren dem Mörder zum Opfer gefallen ist, und elf weitere Personen sollen für ein Wochenende die Anlage, die sich auf einer einsamen Insel befindet, testen.
Es dauert nicht lange und der erste Mord geschieht. Gefangen auf der Insel, denn die Fähre legt erst nach drei Tagen wieder an, beginnen die Testpersonen sich gegenseitig zu misstrauen. Jeder könnte das nächste Opfer sein.
Paul Greenblatt muss sich zudem noch seiner Vergangenheit stellen, denn alles deutet darauf hin, dass die Morde nach dem gleichen Schema verlaufen wie vor zwanzig Jahren.

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Schon nach den ersten Seiten spürt man, dass da eine sehr atmosphärische Geschichte auf einen zukommt. Winner vermittelt ein Feeling, wie man es sonst nur bei Filmen kennt. Mich erinnerte der Einstieg an „Jurasssic Park“ oder auch „Shutter Island“. Die Stimmung gleicht manchmal letzterem, wobei Winner das wirklich Bedrückende, wie es Dennis Lehane in seinem Kultbuch geschafft hat, nicht ganz so hin bekommt. Dennoch wird man in ein Szenario hineingeworfen, wie es besser nicht sein könnte. Brutale Morde, rätselhafte Geschehnisse und eine atemberaubende Kulisse machen „Murder Park“ zu einem stimmigen, kurzweiligen und spannenden Lesevergnügen.
Man merkt, dass Jonas Wimmer auch Drehbücher verfasst und sich mit der Thematik des Films beschäftigt, denn der Plot verlangt geradezu nach einer Verfilmung. Vor allem der Schauplatz wird derart bildlich beschrieben, dass man tatsächlich desöfteren denkt, man sieht einen Film.

Winner charakterisiert die zwölf Protagonisten geschickt, in dem er zwischen den Kapiteln Interviews einschiebt, die ein wenig Licht auf die Vergangenheit der jeweiligen Personen werfen. Man lernt die Hintergründe kennen, wie die Person mit dem alten „Zodiac Island“ und dem neuen „Murder Park“ in Verbindung stehen. Durch die relativ kurz gehaltenen Kapitel fliegt man förmlich durch die Handlung, weil man an jedem Kapitelende wissen will, wie es weitergeht. „Murder Park“ ist eine Mischung aus Krimi und Thriller mit ein wenig mystischem Einschlag. Was mir vor allem außerordentlich gut gefallen hat, war die Person des Paul Greenblatt. Winner spielt mit dem Leser, lässt ihn an den wirren Gedankengängen des Mannes teilhaben, der nicht nur um sein Leben kämpft, sondern auch seine eigene Vergangenheit bewältigen muss. Das wird sehr glaubhaft geschildert. Vor allem Winners sehr flüssiger Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen. An manchen Stellen hatte ich persönlich, gerade am Anfang, Schwierigkeiten, die vielen Personen auseinander zu halten. Aber das gibt sich im Laufe des Romans.

Was mir persönlich ein wenig gefehlt hat, war die Beschreibung des Parks an sich. Da hätte ich mir einfach gewünscht, dass mehr von den Attraktionen und Ideen, die diesen „Murder Park“ ausmachen sollen, beschrieben werden. Da wird meiner Meinung nach zu wenig Augenmerk darauf gerichtet. Denn genau solche „Bilder“ hätten den Roman weitaus atmosphärischer wirken lassen, als er ohnehin schon ist.
Winner führt den Leser auf einige falsche Fährten. Oft meint man, den Plot zu durchschauen und wird dann wieder eines besseren belehrt. Auch wenn das Ende ein wenig konstruiert wirkt, so ist es doch auf jeden Fall überraschend und auch gut.
Das gegenseitige Misstrauen zwischen den Protagonisten wurde von Winner sehr gut rüber gebracht. Man ertappt sich selbst dabei, wie man verschiedenen Personen mal mehr und mal weniger glaubt und selbst miträtselt, wer hinter den Morden steckt.
Alles in allem ein wirklich spannender Thriller, der aber leider an manchen Stellen etwas übertrieben und konstruiert auf mich wirkte. Aber das ist wohl immer Geschmackssache und hat mir auch definitiv das Lesevergnügen nicht genommen. Wer solcherart Geschichten nicht hinterfragt, bekommt zweifelsohne einen spannenden und sehr bildhaften Thriller serviert. Wer Handlungen gerne hinterfragt, sollte einfach versuchen, sich auf den Plot einzulassen. Man wird nämlich trotz kleiner Schwächen mit sehr stimmungsvollen Bildern belohnt.

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Fazit: Spannender und atmosphärischer Thriller, der zwar manchmal konstruiert wirkt, aber dennoch absoluten Unterhaltunsgwert besitzt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die sieben Farben des Blutes von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 479 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0344-5
Kategorie: Krimi, Thriller

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Drei Frauen wurden in Berlin bereits ermordet, als die Staatsanwältin Helena Faber auf den Fall angesetzt wird. Der Täter nennt sich selbst „Dionysos“ und möchte die Frauen, die er umbringt, „heilen“. Als Helena ins Visier des Mörders gerät, spitzt sich die Situation immer mehr zu …

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Es dauert keine fünf Seiten und man ist von Uwe Wilhelms Thriller infiziert. In einem sehr schönen, absolut flüssigen Schreibstil wirft der Autor den Leser mitten ins Geschehen, so dass man sofort die Welt um sich herum vergisst. Wilhelms Beschreibungen sind filmreif (kein Wunder, denn der Mann schreibt Drehbücher und hat auch bereits sehr viele geschrieben) und sehr stimmungsvoll. Die Charakterisierung der Protagonistin ist sehr detailliert, was mich wirklich sehr begeistert hat. Helena Faber wird so erfrischend und echt in Szene gesetzt, dass es eine wahre Freude ist, nicht nur den Kriminalfall, sondern auch ihr Privatleben mit zwei zickenden, pubertierenden Töchtern, zu verfolgen.

Der Plot ist sehr gut und stimmig aufgebaut. Wilhelm scheut sich auch nicht davor, einige Szenen auch einmal etwas brutaler zu gestalten, wobei er meiner Meinung nach nie die Grenze übertritt und in unnötige Trash-Brutalität abdriftet. Während des ganzen Romans wird durchgehend ein hohes Niveau eingehalten. Erstaunlicherweise nimmt auch die vorzeitige Entlarvung des Täters im letzten Drittel dem Werk nichts von seiner Spannung. Einige LeserInnen werden eine bestimmte Entwicklung der Protagonistin mit Sicherheit unglaubwürdig empfinden. Doch selbst wenn es so wäre und die „Erkrankung“ an den Haaren herbeigezogen wirkt, sollte man sich dennoch unbedingt darauf einlassen, denn auch dieser Handlungsstrang ist sehr effektiv und unterhaltsam. Ich fand diesen „Werdegang“ jedenfalls aus emotionaler Sicht oftmals sehr gut gelungen.

Ein großes Plus des Romans sind die wörtlichen Reden. Sie wirken einfach so natürlich und echt, dass es einem, wie oben schon erwähnt, wie ein Film vorkommt. Die Dialoge sind schlichtweg grandios und man kann sich diesem Lesefluss deshalb nur sehr schwer entziehen, weshalb ich „Die sieben Farben des Blutes“ durchaus als echten Pageturner bezeichnen möchte. Selten beginnt man, die Motive des Täters ein wenig zu hinterfragen, weil sie irgendwie dann doch nicht ganz „rund“ wirken, aber das tut der Spannung und dem hohen Unterhaltungswert dieses Thrillers absolut keinen Abbruch.
Viele sind anscheinend vom Ende enttäuscht, ich nicht. Es ist ein erschreckendes Ende, über das man sich Gedanken macht. Was passiert da? Geht die Geschichte tatsächlich weiter? Oder ist dieses Ende unausweichlich grausam? Uwe Wilhelm lässt den Leser einfach hängen und genau das mögen viele nicht. Mir jagten die letzten Sätze, vor allem der letzte, einen Schauer über den Rücken. Ich las den letzten Absatz ein paar Mal, weil ich es nicht glauben konnte und vielleicht auch nicht begreifen wollte, was da angedeutet wird. Wilhelm ist ein packender Thriller mit sehr glaubwürdigen und authentischen Charakteren gelungen, der förmlich nach einer Verfilmung schreit. In diesem Falle sollte der Autor auch das Drehbuch verfassen, um die sehr schöne Atmosphäre der eigenen Vorlage einzufangen. Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Roman dieses Schriftstellers. Auf der Homepage von Uwe Wilhelm heißt es auf jeden Fall: „Mit „Die sieben Farben des Blutes“ beginnt meine erste Trilogie um die heldenhafte Helena Faber.“
Wer ebenso begeistert wie ich von „Die sieben Farben des Blutes“ ist, sollte sich auch den Namen Lucas Grimm merken, denn unter diesem Pseudonym schreibt Uwe Wilhelm ebenfalls spannende Thriller.
Infos über den Autor und seine Werke findet man auf seiner Homepage.

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Fazit: Spannend, extrem rasant und mit einer unglaublich authentischen Protagonistin.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Junktown von Matthias Oden

Erschienen als Taschenbuch
bei Heyne
insgesamt 400 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31821-2
Kategorie: Science Fiction, Krimi

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In einer Welt, in der der Konsum von Drogen gesetzlich vorgeschrieben ist, wird Inspektor Solomon Cain in Junktown zu einem Mord-Tatort gerufen. Das Opfer ist ein höheres Maschinenwesen mit Gefühlen, eine sogenannte Gebärmutter, die für den Staat Geburten austrägt. Während Cains Ermittlungen stellt sich heraus, dass es nicht nur ein „einfacher“ Mord war, sondern eine Tat, die sich aus Vertuschungen zu einem sensationellen Skandal entwickelt. Bald ist Cain ein einsamer Kämpfer gegen einen mächtigen Gegner …

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Zugegebenermaßen dauerte es etwas, bis ich mich in den Debütroman von Matthias Oden eingefunden hatte. Obwohl sein Schreibstil klar und flüssig ist, musste ich mich dennoch irgendwie daran gewöhnen und mich mit ihm vertraut machen. Jede Menge Fremdbegriffe, mit denen man zuerst einmal nichts anfangen kann, werden einem auf jeder Seite präsentiert und verunsichern etwas. Da mag der ein oder andere ungeduldige Leser vielleicht sogar resigniert aufgeben, weil er zu wenig von dem Ganzen versteht. Doch wenn man die ersten Seiten hinter sich gelassen hat, wird man mit einem tollen, ideenreichen Krimi-Plot in Science Fiction-Atmosphäre belohnt. Odens Roman wirkt wie eine Mischung aus Philip K. Dicks „Blade Runner“ , George Orwells „1984“ und einem Schuss Film Noir. Eine wirklich außergewöhnliche und stimmungsvolle Atmosphäre zieht sich durch den kompletten Roman und verleitet oft zum Weiterlesen, obwohl man schon längst hätte aufhören wollen.

Am faszinierendsten an „Junktown“ fand ich allerdings den originellen und unersättlichen Einfallsreichtum, der sich auf fast jeder Seite eröffnet. Alleine die Ideen zu erfassen gleicht einem unglaublichen Abenteuer, das Oden dann noch geschickt in eine äußerst glaubwürdige und nachvollziehbare Handlung verwebt. Die Maschinenwesen erinnerten mich, wie gesagt, ein wenig an „Blade Runner“, aber Matthias Oden geht definitiv einen eigenen Weg und erschafft eine Zukunftsvision, in der man sich verlieren kann, wenn man sich darauf einlässt beziehungsweise einlassen kann.  „Junktown“ ist auch definitiv politisch, vieles ist offensichtlich, anderes zwischen der Zeilen versteckt. Wer sich mit Politik auskennt, wird einiges entdecken. Erfreulicherweise ist aber die Geschichte auch  für diejenigen Leser, die sich nicht besonders für Politik interessieren, absolut spannend und nachvollziehbar.

Mathias Oden hat eine zukünftige Welt entworfen, die gar nicht so sehr abwegig wirkt. Drogenkonsum als Pflicht mag unwahrscheinlich klingen, aber durch solch eine Vorgehensweise hätte die Regierung absolute Kontrolle über ihre Bürger. Das wäre doch selbst für die heutigen Politiker mehr als erstrebenswert, oder? Es macht einfach unglaublich Spaß, den Ermittlungen des Inspektors zu folgen und sich in dem detailliert entworfenen Weltbild einer Zukunft zurechtzufinden. Der Plot hätte durchaus noch ein wenig mehr Gesellschaftskritik vertragen, aber letztendlich hätte der Autor dann den Kreis einer interessierten Leserschaft massiv eingeschränkt. So verträgt sich ein spannender Plot aber mit sarkastischen, politischen Beanstandungen hervorragend.

Was dem Autor auch absolut gut gelungen ist, ist die Charakterzeichnung und die Gefühlswelt einer Mensch-Maschine. Neben der Krimihandlung webt Oden auch eine Liebesgeschichte mit ein, die mir persönlich absolut gefallen hat, so dass ich mir in der Tat mehr davon gewünscht hätte. Zum einen hat dieser Beziehungsstrang die Handlung ein wenig aufgelockert, zum anderen hat er der erfundenen Zukunftswelt auch die nötige Authentizität verliehen, denn Sex mit Maschinen könnte in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft tatsächlich zur Realität werden.
Viele der außergewöhnlichen Ideen werden nur mit einem einzigen Satz angesprochen und regen den Leser dazu an, darüber nachzudenken, was sich denn  dahinter verbirgt. Für den ein oder anderen mag das zu wenig sein, für mich brachten genau diese Stellen  meine Fantasie und mein Kopfkino zum Einsatz. Da wird nicht lange erklärt, sondern zum Beispiel einfach nur der Begriff „Spermabad“ in den Raum geworfen und der Leser kann sich selbst ein Bild davon machen, wie so eine Institution aussieht. Ich finde, man muss nicht alles vorgesetzt und detailliert beschrieben haben, sondern kann auch mal selbst seine Fantasie spielen lassen. In dieser Hinsicht hat Matthias Oden es aus meiner Sicht richtig gemacht.

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Fazit: Matthias Oden entwirft mit „Junktown“ ein fast trostloses Zukunftsbild. Düster, dreckig und innovativ wird ein spektakulärer Mordfall beschrieben, dessen Atmosphäre im Kopf haften bleibt.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Ende aller Geheimnisse von Stefan Keller (Heidi Kamembas erster Fall)

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978-3-499-27249-3
Erschienen als Taschenbuch
bei  rororo
333 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-499-27249-3
Kategorie: Krimi

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Heidi Kamemba tritt ihren ersten Tag bei der Kripo in Düsseldorf an. Sie ist nicht nur die Neue, sondern sie ist DIE Neue. Denn: Sie ist farbig. Sie ist die erste schwarze Kriminalkommissarin Deutschlands. Aber sie ist ehrgeizig, voller Tatendrang, war eine der besten in ihrer Ausbildung und sie hat nicht vor, sich wegen ihrer Hautfarbe runtermachen oder minderwertig behandeln zu lassen.

Nun denn, Heidi wird dem Team von HK Bruno Westphalen zugeteilt. Was an sich schon nicht so verlockend ist, da ihr Vorgänger sich vor nicht allzu langer Zeit das Leben nahm und seine Kollegen nach wie vor trauern und der Neuen sehr skeptisch gegenübertreten.

In ihrem ersten Fall bekommt Heidi es mit einer Leiche zu tun, die in einem Waldstück total verkohlt aufgefunden wird. Hinweise oder gar Spuren gibt es so gut wie keine. Heidi hat es leider nicht leicht, denn ihre Kollegen erweisen sich nicht nur als nicht sonderlich hilfsbereit, sondern sogar als abweisend und distanziert. Da Heidi unbedingt wissen will, was mit ihrem Vorgänger geschah und warum ihre Kollegen so verschlossen und abweisend sind, ermittelt sie nicht nur in dem Mordfall. Sie versucht herauszubekommen, was damals mit Becker geschah und was die Kollegen im Team wussten oder gar damit zu tun hatten ….

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Hmmm, ist so mein erster Gedanke, wenn ich meine Meinung in Worte fassen soll. Ich bin nicht so wirklich sicher, ob mir der Krimi nun gut gefiel oder eher nicht. Ich würde mich auf „mittel“ festlegen. Stefan Keller ist kein unerfahrener Neuling, sondern hat schon einiges geschrieben und auch beruflich viel mit Schreiben und Literatur zu tun. Seine Grundidee, eine farbige Ermittlerin ins Leben zu rufen, die es auch (oder gerade wieder) in der heutigen Zeit sehr schwer hat, finde ich sehr gut. Seine Protagonistin ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, das interessiert aber trotzdem erstmal nicht, als sie ihren neuen Kollegen und dem Vorgesetzten gegenübersteht. Erstmal ist sie anders, kann gar nicht gut sein, wird gemustert und blöd angeschaut.
Das erinnerte mich an ein Erlebnis aus meinem eigenen Berufsleben, denn wir hatten im letzten Jahr eine farbige Referendarin in unserem Betrieb. Hier geboren und aufgewachsen und lustig, lieb und sehr deutsch 🙂 Ich weiss nicht, ob es in den diversen Behördenstationen während ihrer Ausbildung Probleme hatte, sie machte nicht den Eindruck.

Die Handlung hat Keller in zwei Stränge aufgeteilt. Einmal die Mordermittlung an sich und dann Heidis Recherchen, was den Mord an ihrem Vorgänger angeht. Die Story war spannend und hat mir ganz gut gefallen, aber irgendwie wurde ich bis zum Schluss nicht so wirklich warm mit den Personen. Auch mit Heidi selbst nicht. Wenn ich jetzt schreibe, sie war mir als Protagonistin einen Hauch zu farblos, dann klingt das im Hinblick auf ihre Hautfarbe womöglich blöd. Aber so war es. Ich fand sie nett, ja. Sie ist taff, ja. Aber irgendwie hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Als es an die Auflösung ging, war mir das Ende des eigentlichen Mordfalls ein bisschen zu vage und teils auch nicht so logisch und genau gelöst. Ich hatte das Gefühl, dass hier ein Finale gleich einem dramatischen Polit-Thriller erschaffen werden sollte, was jedoch nicht so ganz gelungen ist. Die Lösung des zweiten roten Fadens hat bei mir noch so einige Punkte offen gelassen, die mich das Buch letztendlich ein bisschen unbefriedigt haben schliessen lassen.

Fazit: Alles in allem sicher ein guter Krimi, jedoch hoffe ich, dass der Autor im zweiten Fall von Heidi Kamemba ein bisschen draufpackt und die Handlung fesselnder und interessanter, sowie die Figuren ein bisschen tiefer und echter gestaltet.

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© Buchwelten 2017

Die Sippe von Marc-Oliver Bischoff

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
317 Seiten

Preis:  12,00  €
ISBN: 978-3-89425-478-0
Kategorie: Krimi / Thriller
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Katharina Hoffmann, Krankenschwester, in länger andauernder Affäre mit einem Arzt, bekommt an einem Abend nach Jahren einen Anruf ihrer Schwester Sara, den sie jedoch nicht annimmt. Seit einigen Jahren ist die Beziehung der beiden untereinander ein wenig unterkühlt und zum Zeitpunkt des Anrufs ist Katharina gerade mit „ihrem Arzt“ anderweitig beschäftigt.

Kurze Zeit später wird Katharina beinahe Opfer eines Überfalls, kommt aber glücklicherweise noch heile davon. Als sie die Nachricht ihrer Schwester abhört, bekommt sie eine Gänsehaut. Als sie Sara zurückrufen will, kann sie sie nicht erreichen. Nicht mobil, nicht auf dem Festnetz, die Mutter hat auch nichts von ihrer zweiten Tochter gehört.

Katharina fährt nach Rostock, wo ihre Schwester lebt und als Gerichtsvollzieherin arbeitet. Ihre Wohnung ist verlassen, es sieht aber nicht aus, als wäre Sara verreist. Katharina sucht und fragt und dann führt ein Hinweis auf ihren letzten beruflichen Einsatz nach Grantzow. Ein kleiner Ort unweit von Rostock. Katharina fährt los und macht sich auf die Suche …..

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Dies ist der vierte Roman von Marc-Oliver Bischoff. Mir gefiel sein Debüt „Tödliche Fortsetzung“ gut. Der zweite Roman „Die Voliére“ gefiel mir besser, der dritte Roman „Golanhöhen“ stand dem in nichts nach. Sein Debüt war recht krass und blutig, dies wurde in den weiteren Roman bereits etwas entschärft. Hier in diesem vorliegenden Roman geht es in dieser Hinsicht sanft zu. Marc-Oliver Bischoff schrieb selbst in einem Facebook-Kommentar, dass er findet, er sei hier wirklich unblutig gewesen. Stimmt völlig, nimmt der Spannung und Dramatik allerdings überhaupt nichts.

Bischoff führt uns Leser in ein kleines, beschauliches Dorf. Die Idylle ist zu perfekt. Nett hergerichtete alte Häuser und Höfe, Bewohner die untereinander sehr hilfsbereit sind und überhaupt nichts mit der Moderne am Hut haben. Die Höfe produzieren ihre Nahrung selbst, es gibt eine Papiermanufaktur und eine Dorfschmiede. Katharina stutzt jedoch ein wenig, als sie die Schulkinder sieht, die aus der Dorfschule treten. Die Jungs in Hemd und Kniebundhosen, die Mädchen im Kleid und mit geflochtenen Zöpfen.

Katharina versucht dort etwas über ihre Schwester zu erfahren, doch immer wenn sie darauf zu sprechen kommt, machen die Bewohner dicht. Durch einen Vorfall scheint sie jedoch dort festgehalten zu werden und sie kommt nicht weg. Unwohl fühlt sie sich aber auch nicht, was ich als Leser sogar irgendwie total nachvollziehen konnte. Diese Reise in die alte Zeit hatte schon was und ich glaube, dass hier in der Realität die Gefahr liegt.

Der Verlag sagt, dies sei der politischste Roman des Autors, was zutrifft, auch wenn die Idylle der Handlung dies zunächst überhaupt nicht spüren lässt. Die Handlung ist spannend, teilweise sehr schön und angenehm, stellenweise dann doch wieder erschreckend und dramatisch. Ein kleiner Teil der Handlung hat mich immer etwas genervt, eine Figur, die aber dennoch wichtig war und reingeschrieben werden musste, trotzdem. Das hat dem Gesamtbild des Krimis aber keinen Abbruch getan.

In diesem Roman sind die bisherigen Protagonisten des Autors nicht mit dabei, sein Ermittlerteam Gideon Richter und Nora Winter haben hier Pause, dies noch als Hinweis für Fans dieses Duos.

Ich fand es wirklich interessant und auch erschreckend, was sich in den kleinen Dörfern der ehemaligen DDR so abspielt. Auch wenn ich kein fernsehe, so bekomme ich natürlich mit, was in der Welt geschieht. Ich lese über die AFD und auch von sogenannten Reichsbürgern, die Regeln und Gesetze unserer Republik nicht akzeptieren. Das sich jedoch nach und nach immer mehr solcher Gemeinschaften (Sippen) bilden und ansiedeln und klammheimlich die aussterbenden kleinen Orte besiedeln, das habe ich so nicht mitbekommen und das löst doch leichte Beklemmungen aus.

Mein Fazit: Ein ruhiger Krimi, der idyllisch, malerisch und hübsch auf der einen Seite und gefährlich, brutal und erschreckend auf der anderen ist. Der hübsche Schein kann mehr als trügen und politische Hintergründe finden sich offensichtlich vermehrt und extrem in schönen Dörfern, die Heimatfilmgefühle auslösen. Meine klare Leseempfehlung.

P.S.
Marc-Oliver Bischoff hat nicht in der Anthologie „Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII mitgewirkt 🙂 *räusper*

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 © Buchwelten 2017