Die sieben Kreise der Hölle von Uwe Wilhelm

Die sieben Kreise der Hoelle von Uwe Wilhelm

Erschienen als Taschenbuch
bei Blanvalet
insgesamt 4746Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0345-2
Kategorie: Krimi, Thriller

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Die Staatsanwältin Helena Faber hat ihren letzten Fall noch nicht wirtklich abgeschlossen, als sie ein neuer Albtraum erwartet: Ihre beiden Töchter wurden entführt. Es scheint, als bestehe eine Verbindung zum Dionysos-Fall, in dem Faber ermittelte. Eine Jagd beginnt, die Helena in eine schreckliche Welt führt, in der Menschenhandel und Kindesmissbrauch an der Tagesordnung ist. Und der Gedanke, dass sich Helenas Kinder in der Gewalt genau dieser Menschen befindet, treibt sie zum Wahnsinn …

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Was für ein Buch! Ähnlich wie im ersten Teil „Die sieben Farben des Blutes“ geht Uwe Wilhelm auch bei der Fortsetzung  seiner Trilogie um die Staatsanwältin Helena Faber von Anfang an in die vollen. Teil 2 beginnt, wo Teil 1 endet und man erliegt dem unglaublichen Sog von Wilhelms spannendem Schreibstil erneut nach nur wenigen Sätzen. Da wird keine Zeit mit Erklärungen und Rückblenden verschwendet – der Leser wird sofort ins kalte Wasser geworfen. Ähnlich wie die Protagonisten, die nämlich selbst nicht weiß, wo ihr der Kopf steht bei all den Geschehnissen, die um sie herum passieren. „Die sieben Kreise der Hölle“ übertrifft selbst den ersten Teil der Reihe, und der hat mich schon mehr als fasziniert und begeistert. Uwe Wilhelm schreibt seinen Plot konsequent fort, verwandelt die taffe Helena Faber in eine hilflose und verzweifelte Mutter, die aber dennoch mit aller Macht versucht, alles in den Griff zu bekommen. Rasant und atemberaubend zieht die Handlung an einem vorüber und man vergisst teilweise, dass man ein Buch in der Hand hält, denn Wilhelms Schilderungen sind dermaßen filmreif, dass sich die Buchstaben in bewegte Bilder verwandeln.

Thematisch begibt sich Uwe Wilhelm dieses Mal wortwörtlich in eine Hölle, die den Leser umso mehr erschreckt, weil sie mit viel Hintergrundwissen sehr detailliert und nachvollziehbar geschildert wird. Kindesentführung, -misshandlung und Menschenhandel werden hier behandelt, dass es einem eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagt. Verbunden mit dem unglaublich schnellen Erzählstil kommt man kaum zum Atemholen, so spannend wird der Plot serviert. Uwe Wilhelm hat einen Thriller geschaffen, der nachwirkt und den Leser beschäftigt. Wilhelm bedient mit seiner Thriller-Reihe zwar das Mainstream-Publikum, bewegt sich aber mit seinen Werken definitiv außerhalb der gängigen Klischees im Thriller-Genre. Er packt Tabuthemen an. Aber nicht nur das, er schildert sie auch wirklich schonungslos und brutal, überschreitet manchmal sogar Grenzen und kann dadurch absolut überzeugen. Ich kann gar nicht mehr aufzählen, wie oft ich mir während des Lesens gedacht habe: „Wow, was für ein Hammerbuch!“
Wer Berlin kennt, wird zusätzlich noch seine wahre Freude haben, wenn die Protagonisten durch Stadtteile hetzen, die man durch die detaillierten Beschreibungen (Straßennamen) ganz klar vor Augen hat. „Die sieben Kreise der Hölle“ macht unglaublich Spaß, was, wie schon beim ersten Teil, auch an den wunderbaren und authentischen Dialogen liegt. Wilhelm legt seinen Protagonisten nämlich Worte in den Mund, die die meisten von uns ebenfalls genau so sagen würden.

Der zweite Teil der Helena Faber-Trilogie baut auf dem ersten Teil auf, so dass man wirklich mit Teil 1 beginnen sollte. Interessant ist dadurch nämlich auch die Entwicklung der Charaktere. Viele Entwicklungen im Plot sind nicht vorhersehbar und machen das Buch extrem spannend. Beim Ende fühlte ich mich an eine gewisse Filmreihe erinnert, empfand dies aber, sofern ich mit meiner Vermutung richtig liege, eher als eine Verbeugung seitens des Autors. Insgesamt führt „Die sieben Kreise der Hölle“ konsequent den Geist von „Die sieben Farben des Blutes“ weiter, verbindet die beiden (im Grunde genommen eigenständingen) Geschichten zu einem einzigen Plot, der, gesamt gesehen, absolute Logik zeigt. Das Ende ist, wie ich es nicht anders erwartet habe, eine grandioser Cliffhanger, der den Leser wie einen begossenen Pudel zurücklässt. Einerseits hat die Geschichte zwar ein Ende gefunden, andererseits lassen die Entwicklungen der ersten beiden Teile auf ein bombastisches Finale hoffen. Ich bin überzeugt, dass Uwe Wilhelm meine Hoffnungen erfüllen wird, denn schon mit dem vorliegenden zweiten Teil hat er eindeutig bewiesen, dass eine Steigerung gegenüber dem ersten Teil machbar war. Für mich zeigt „Die sieben Kreise der Hölle“, dass Thriller auch mal abseits des Mainstreams möglich sind und sogar bei weitem besser unterhalten als Werke, die nach einem bestimmten Schema verfasst werden. Wilhelm hat eine Protagonistin erschaffen, die manchmal sympathisch und manchmal weniger sympathisch wirkt. Glaubwürdiger kann man eine Heldin nicht machen. Daumen hoch für diesen Wahnsinns-Thriller.

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Fazit: Noch spannender als Teil 1. Temporeicher geht fast nicht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Einkreisung von Caleb Carr

Die Einkreisung von Caleb Carr

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 734 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-50398-4
Kategorie: Thriller, Krimi

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Im New York des Jahres 1896 ermitteln Polizeichef Theodore Roosevelt und der Wissenschaftler Dr. Kreisler zusammen mit dem Zeitungsreporter John Moore und der Polizeisekretärin Sara Howard in einem grauenvollen Mordfall. Es handelt sich dabei um eine Mordserie, die die Stadt erschüttert. Mittels eines detaillierten Psychogramms des Mörders gelingt es Dr. Kreisler, den Kreis der Verdächtigen Schritt für Schritt  einzuengen und dem Serienkiller immer näher zu kommen.

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Es dauert nicht lange und man ist mittendrin im Geschehen. Vor allem in der grandios geschilderten, damaligen Zeit, in der dieser extrem spannende Psychothriller spielt. Caleb Carr gelingt es mühelos, die Stimmung des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts einzufangen und man fühlt sich bereits nach wenigen Seiten heimisch im alten New York mit all seinen zwielichtigen Stadtteilen und unheimlichen Gassen. Es ist wirklich atemberaubend detailgetreu geschildert, wie die Ermittlungen vorangehen und mit welcher Hingabe sich die Protagonisten ihrer Aufgabe widmen. An manchen Stellen dachte ich, es handle sich bei „Die Einkreisung“ um einen Roman des hervorragenden Dan Simmons, der bei seinen letzten Büchern in ähnlicher Weise historische Tatsachen mit fiktiven Elementen vermischte („Terror“, „Drood“ oder „Der Berg“). Carr hat einen dermaßen flüssigen Schreibstil, dass man über seine teils langatmig ausufernden Beschreibungen mit einer Leichtigkeit hinweg liest und dabei noch unglaublichen Spaß hat.

Ich sah durchgehend die Ermittlungsarbeiten und die Ereignisse als Film vor meinem inneren Auge, was eindeutig für die bildhafte Schreibweise des Autors spricht. Und nun ist dieser großartige Roman auch als Serie verfilmt worden, da kann man nur gespannt sein, wie die Umsetzung gelang. „Die Einkreisung“, im Original „The Alienist“, ist ein unglaublich stimmungsvoller Roman, der von den Beschreibungen der alten Zeit lebt und den damit verbundenen, erschwerten Ermittlungsarbeiten. Die Vorgehensweise der Detektive und die psychologischen Überlegungen des Wissenschaftlers machen unglaublich Spaß und sind in jedem Satz absolut nachvollziehbar. Es mag sein, dass sich der Plot gegen Ende hin tatsächlich etwas in die Länge zieht, wie von vielen Lesern kritisiert, aber gerade das „Sich Zeit lassen“ im Finale rundet für mich die komplette Geschichte ab und bringt keinen abrupten Cut, wie das leider bei vielen Büchern dieser Art der Fall ist. Caleb Carr beschreibt in seinem Roman die Ursprünge des Profilings, wie wir es heute kennen. Die Sisyphusarbeit, mit der man sich zur damaligen Zeit an die Auflösung eines solch spektakulären Falls machte, ist sehr authentisch beschrieben.

Caleb Carrs Psychogramm eines Mörders und die damit verbundenen Ermittlungsarbeiten ist für mich ein absolutes Genre-Highlight, das ich nicht so schnell vergessen werde. Gerade die ausführlichen Beschreibungen, die vielen als Längen vorkommen, machen die Atmosphäre des Romans aus. Es ist ein Fall zum Mitdenken, der den Leser hier erwartet. Einige Szenen können durchaus als brutal und blutig bezeichnet werden, aber das Hauptaugenmerk richtet Caleb Carr definitiv auf die psychologische Seite eines solchen Täters. Das Buch ist durchgehend enorm stimmungsvoll, was zur Folge hat, dass man sich auf jeder Seite absolut ins Jahr 1896 zurückversetzt fühlt. Die Protagonisten erinnerten mich an manchen Stellen ein wenig an Arthur Conan Doyles Helden Holmes und Watson,  so dass auch hier eine gewisse Nostalgiekomponente erreicht wird, die sich durch den ganzen Roman zieht. Carr erweckt auf hohem literarischen Niveau eine vergangene Epoche wieder zum Leben und lässt den Leser an einem faszinierenden Kriminalfall in atmosphärischer Kulisse teilhaben. „Die Einkreisung“ ist ein ruhiges Buch, das weitestgehend auf temporeiche Action verzichtet und sich mehr auf die Protagonisten und deren Ermittlungsarbeiten konzentriert. Gerade diese Ruhe macht Caleb Carrs Roman für mich zu einem beeindruckenden, bildgewaltigen Ausnahmebuch unter den unzähligen Thriller, die blutrünstige Morde in den Vordergrund stellen. Obwohl „Die Einkreisung“ erst aus dem Jahr 1994 stammt, erscheint das Buch einem wie der Inbegriff des Serienkiller-Romans, was wahrscheinlich an der außergewöhnlich guten Schilderung der alten Zeit liegt, die dem Leser vorspiegelt, es würde sich auch um einen entsprechend „alten“ Roman handeln.
„Die Einkreisung“ sollte man unbedingt gelesen haben. Ich bin schon sehr auf die Serienumsetzung gespannt.

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Fazit:  Ruhiger, atmosphärisch dichter Thriller um einen Serienkiller, der in einer beeindruckend geschilderten Vergangenheit spielt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Grappa und die acht Todsünden von Gabriella Wollenhaupt

GrappaErschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 221 Seiten
Preis: 8,50 €
ISBN: ISBN 978-3-89425-267-0
Kategorie: Krimi

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Es werden 7 Leichen in einer Villa gefunden, drappiert und hergerichtet wie beim Abendmahl. Natürlich ist Grappa so ziemlich die erste, die davon Wind bekommt. Es stellt sich recht schnell heraus, dass jedem Toten eine der sieben Todsünden zugesprochen wird, denn der Mörder nimmt zu Grappa Kontakt auf.

Dieser wird unterdessen eine junge Blondine an die Seite gestellt, die im Verlag lernen möchte. Zunächst ist Grappa alles andere als begeistert von dem Blondchen, doch recht schnell mag Grappa das Mädel dann doch gut leiden. Sie ist zwar blond, aber alles andere als doof.

Und dann gibt es da noch einen adoptierten Kater, einen neuen Nachbarn und einen attraktiven Typen mittleren Alters, der Grappa umwirbt.

Also, eigentlich alles beim Alten. Richtig gut was los in Grappas Leben ….

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Und wieder ein Grappa der älteren Generation, diesmal aus dem Jahr 2002. Dieser Titel ist im Grafit Verlag sogar noch neu als Printausgabe erhältlich.

Für einen Grappa-Krimi war dieser Roman sogar relativ lang und er war so richtig schön verzwickt. Im Zuge meiner eigenen Ermittlungen kam ich zwischendurch auf 3 oder 4 Tatverdächtige und die Auflösung des Falls war sehr gut gelungen. Gabriella Wollenhaupt hat in diesem Teil die Fäden schon weit gesponnen und ausgeworfen, es war spannend bis zum Schluss.

Zum Charakter der Protagonistin muss ich ja eigentlich nicht mehr viel sagen. Ich habe mich ja in meinen bisherigen Rezensionen schon zur Genüge über sie ausgelassen. Im Verlag hat der Fotograf mal wieder gewechselt, gut drauf ist der aber auch.

Diesmal gibt es zum Thema die Religion, denn die 7 Todsünden sind ja ziemlich biblisch. Grappa zeigt in diesem Teil auch relativ viel Gefühl (also nette) sowohl für die kleine Blondine, als auch für den adoptierten Eberhard, mit dem sie sich sogar recht angeregt unterhält. Das hat ein bisschen was von Francis (Akif Pirincci), macht aber viel Freude.

Ich kann es nur wiederholen. Ich mag die Krimis um die Journalistin sehr gerne. Denn sie verbinden immer wieder brisante Themen, die real und greifbar sind mit einer tollen Protagonistin, die überhaupt nicht typisch ist, sondern eben einfach Grappa!

© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Midnight, Texas – Geisterstunde von Charlaine Harris

Midnight Texas – Geisterstunde von Charlaine Harris

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31915-8
Kategorie: Thriller, Horror

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Der Hellseher Manfred hat in Dallas einen Auftrag bekommen. Dabei trifft er auf die schöne Olivia, die ebenfalls aus seiner neuen Heimatstadt Midnight stammt. Kurze Zeit später wird ein Ehepaar tot aufgefunden, mit dem sich Olivia noch wenige Augenblick vorher amüsierte. Und dann kommt auch noch Manfreds Kundin zu Tode. Als die Polizei Manfred immer mehr unangenehme Fragen stellt und die Presse ihn in Midnight aufsucht, zweifelt der Hellseher an seiner Entscheidung, nach Midnight gezogen zu sein. Und dann taucht auch noch ein Junge in der Stadt auf, der zehnmal so schnell altert, wie es normale Menschen tun. Manfred ist mehr denn je sicher, dass in Midnight irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht.

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Der zweite Teil von Charlaine Harris‘ neuer Romanreihe schließt nahtlos an den ersten Teil an. Es dauert nicht lange und man fühlt sich wieder „daheim“ und wohl in der Gesellschaft all jener Menschen und „Gestalten““, die sich in Midnight aufhalten. Harris‘ verlegt den Handlungsstrang erst einmal nach Dallas und verlässt Midnight. Aber der Roman ist dennoch eine Rückkehr in diese geheimnisvolle und verrückte Welt, die immer noch an manchen Stellen ein wenig an die „True Blood“-Reihe erinnert.  Irgendwie kam es mir dieses Mal aber vor, als lege die Autorin mehr Wert auf Thriller- und Krimi-Elemente, was aber nicht weiter stört. Im zweiten Teil erfährt der Leser nun etwas mehr über die geheimnisvolle Olivia, was den Plot an sich erfrischt. Dennoch geraten die anderen Bewohner des mysteriösen Städtchens Midnight nicht in den Hintergrund, sondern sind permanent mit dabei. Harris baut neue Personen mit in die Handlung, nimmt Veränderungen (Neuerungen) am Stadtbild vor und lässt dadurch niemals Langeweile aufkommen. „Midnight, Texas – Geisterstunde“ liest sich ungemein flott und kurzweilig. Das liegt in erster Linie an dem sehr flüssigen Schreibstil, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt, zum anderen aber auch an der sympathischen Beschreibung der Protagonisten und deren Handlungen.

Die Fortführung des Plots ist Harris auf jeden Fall gelungen und sie konnte mich mit den Entwicklungen in Midnight überzeugen. Hin und wieder haben sich ein paar Mängel eingeschlichen, was die Konstruktion der Geschichte betrifft, denn manche Dinge wirkten auf mich etwas an den Haaren herbeigezogen und schlichtweg zu einfach gelöst. Aber das mag nur für mich zutreffen und wird den ein oder anderen bestimmt nicht stören (oder gar auffallen 😉 ).
„Midnight, Texas – Geisterstunde“ erscheint mir wie eine wilde Mischung aus Thriller und Krimi mit Mystery- und Horrorelementen. Charlaine Harris bleibt sich somit ihrem Stil treu, in dem sie sämtliche Konventionen einfach über den Haufen wirft und schreibt, was sie sich denkt. Das macht diese Serie genauso erfrischend und abgedreht, wie es bereits „True Blood“ getan hat. Fans werden also wieder Freude an diesem Roman haben. Ich hatte während des Lesens permanent im Hinterkopf, dass die Bücher verfilmt wurden, so dass ich tatsächlich bewegte Bilder vor meinem inneren Auge hatte. Dabei handelte es sich aber nicht um das sogenannte Kopfkino, das ich bei jedem Buch habe, sondern ich sah eine Verfilmung vor mir. Ich denke auch, dass die Filme sogar mehr Wirkung zeigen, als es die Bücher schaffen, denn die Handlung von „Midnight, Texas“ ist optimal für den Bildschirm geeignet.

Aber auch im zweiten Teil der Reihe hatte ich Schwierigkeiten, mir die Protagonisten als junge Leute vorzustellen. Ich sah unentwegt Frauen und Männer in mittlerem Alter vor mir. Das liegt mit Sicherheit daran, dass ihnen bestimmte Verhaltensweisen zugeschrieben werden, die in meinen Augen nicht auf junge Leute zutreffen. Ich kann es nicht näher erklären, aber ich sehe die Protagonisten durch die Bank in einem anderen (höheren) Alter. Gegen Ende hin entwickelt sich der Roman dann wieder in die Richtung, die man erwartet hat: Fremdartige, mystische Wesen, die sich in unseren Alltag einschleichen. Die Entwicklung erinnerte mich dann schon wieder viel mehr an „True Blood“ und hat mir sehr gut gefallen. Auch das kann ich mir als Serie absolut gut vorstellen.
„Midnight, Texas“ ist trotz vieler Parallelen zu „True Blood“ dennoch irgendwie anders. Besonders gefallen hat mir noch, dass Harris Anspielungen auf ihre anderen Buchreihen („True Blood“ wurde schon genannt, aber auch die Buchreihe um Lily Bard) eingebaut hat. Das lässt Erinnerungen wach werden und trägt vielleicht sogar dazu bei, „Midnight, Texas“ besser zu machen, als es eigentlich ist. Denn eines ist für mich (leider) gewiss: „Midnight, Texas“ wirkt an manchen Stellen ein wenig uninspiriert und unausgegoren. Ich will damit nicht sagen, dass mir die neue Serie nicht gefällt, ganz und gar nicht, aber „True Blood“ war definitiv stimmungsvoller und vor allem innovativer, was den abgedrehten Genremix betrifft. Auf alle Fälle schafft es die Autorin, mich auf den dritten Teil mit dem Titel „Nachtschicht“ neugierig zu machen. 🙂
Und auf die Verfilmung bin ich ebenfalls sehr, sehr gespannt.

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Fazit: Gelungener zweiter Teil der Mystery-Horror-Serie, der anfangs eher in Richtung Krimi geht.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Grappa in der Schlangengrube von Gabriella Wollenhaupt

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Grappa
Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
11,00 €
ISBN:  978-3-89425-579-4
Kategorie: Krimi
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Im Rahmen eines Resozialisierungsprojekts wird der zweifache Mörder Mischa Ashley nach 17 Jahren Haft entlassen und soll im Verlagshaus des „Bierstädter Tageblatts“ eine Stelle erhalten. Titel des Projektes Wiedereingliederung: „Die zweite Chance“.

In der Haft hat Mischa Ashley nicht nur sein Abitur nachgeholt, er hat auch das Schreiben begonnen. Hat Texte und einen Roman geschrieben und alle finden das total toll. Der charismatische Typ sieht gut aus, hat offensichtlich Charme und ist mittlerweile sanft wie ein Lamm.

Nun, in der Redaktion kommt er nicht überall so gut an, die „Geister“ scheiden sich enorm. Die weiblichen Kolleginnen sind fast alle hin und weg und seiner Ausstrahlung erlegen. Nicht so die männlichen Kollegen, die sind eher bissig und mehr als skeptisch. Und dann ist da noch Grappa. Sie wird Ashley als Mentorin an die Seite gegeben, soll ihm helfen und eine schützende Hand über ihm haben.

Doch Grappa ist alles andere als begeistert. Ihr ist der Typ mit seinem extremen Narzissmus mehr als suspekt. Und das bekommt er auch zu spüren. Nicht nur von Grappa. Auch in der Öffentlichkeit reagieren sehr viele Bürgen negativ auf das Projekt. Ganz nach dem Motto: Einmal Mörder, immer Mörder. Punkt.

Dann geschieht ein Mord in der Stadt. Und das Opfer ist eine reiche Dame mittleren Alters, die Mischa Ashley finanziell enorm unterstützt hat …

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Das ist Grappa Nr. 28, ich kenne die spezielle Protagonistin erst seit Nr. 22 aber ich finde sie einfach klasse. Ich lese diese Krimis von Gabriella Wollenhaupt so gerne. Sie sind flott, rasant, mit viel (schwarzem Humor) und jeder Menge Biss.

Das schöne an diesen Krimis ist, dass wir hier keine klassischen Ermittler haben, sondern eine Journalistin, die ihre Kontakte hat, weil sie u.a. in einer privaten Beziehung zu „ihrem Polizisten“ Friedemann Kleist steht. Aber auch das ist keine klassische Beziehung, nicht mal eine typische Fern- oder Teilzeitbeziehung. Auch das macht den Charme dieser Krimireihe aus.

Für mich ist es immer ein bisschen wie „nach Hause kommen“, wenn ich einen neuen Grappa lese. Man trifft Bekannte wieder, liebgewonnene Charaktere wie die Bäckerin Frau Anneliese Schmitz, „Bärchen“ Biber, den Fotografen Wayne Pöppelbaum oder auch Kollegin Wurbel-Simonis.

Ich schlage das Buch auf und denke, okay, dann beginnt mal eine neue Woche im Tageblatt und schon ist man auch reingeplumpst in die Handlung.

Die Themen, die Wollenhaupt behandelt sind aber alles andere als humorvoll, sondern (leider) immer brandaktuell und auch sehr ernst und absolut real. Hier wird das Thema Resozialisierung behandelt, ein Thema, dass natürlich nicht leicht ist. Jeder Mensch hat ein Problem damit, einem Menschen eine zweite Chance zu geben, wenn man weiss, dass der einen Menschen brutal ermordet hat. Wie soll man dem in die Augen schauen oder gar vertrauen? Geht das? Kann ein ehemaliger Mörder wirklich komplett „geheilt“ werden und danach einer Arbeit nachgehen, mit Kollegen, die ihn einfach akzeptieren, ja, sogar mögen?

Wie man sieht, kein leichtes Thema und auch keine leichte Kost, die hier in diese flotte Handlung verpackt und behandelt wird. Ich habe auch einiges gelernt in Bezug auf den Verkauf von Werken aus gewissen Genres und das Phänomen, warum sich manche Frauen zu besonderen Männern hingezogen fühlen.

Durch die kurzen Kapitel liest sich das Buch wieder unheimlich schnell. Szene auf Szene fliegt der Leser durch die Handlung, ist mittendrin im Geschehen und fiebert mit.

Leider ist es so, wie Maria Grappa sagt: Wenn ich was schreibe, dann wird das aber kurz. Ich würde gerne viel längere Grappa-Krimis lesen. Denn ehe man sich versieht, ist der Spaß vorbei und man muss ein Jahr warten.

Mein Fazit: Wieder absolut gelungen. Ein aktuelles und wichtiges Thema wird hier in klassischer Grappa-Manier behandelt. Mit Biss, Grips, (bösem) Humor und jeder Menge Gegenwind geht Grappa auch hier wieder ihren Weg.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Opfermoor von Susanne Jansson

Opfermoor von Susanne Jansson

Erschienen als Taschenbuch
im C. Bertelsmann Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 15,00 €
ISBN: 978-3-570-10336-4
Kategorie: Thriller, Krimi

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Natalie ist Biologin und kehr in ihren Heimatort zurück, um dort für ein neues Projekt Bodenproben zu sammeln. Sie lernt den sympathischen Johannes kennen und beginnt, sich in ihn zu verlieben. Doch dann wird Johannes brutal zusammengeschlagen. Wenig später findet man eine Leiche im Moor. Schon bald stellen die Ermittler fest, dass es nicht die einzige Leiche ist, die im Moor versenkt wurde. Natalie entdeckt Zusammenhänge zwischen der Gegenwart und ihrer eigenen Vergangenheit, die sie bis jetzt immer erfolgreich verdrängt hat. Besteht da etwa ein Zusammenhang zwischen ihrer Jugend und den aktuellen Leichenfunden?

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Schon zu Beginn spürt man, dass man es bei „Opfermoor“ mit einem sehr stimmungsvollen Roman zu tun hat. Janssons Thrillerdebüt zeichnet sich durch eine sehr dichte Atmosphäre aus, der man sich nicht entziehen kann. Und auch wenn die Charaktere sehr gut gezeichnet sind, übernimmt im Kopf des Lesers irgendwie das Moor die eigentliche Hauptrolle in diesem sehr ruhigen, aber nicht minder spannenden Krimi.  „Opfermoor“ erfindet das Krimi- und/oder Thrillergenre keineswegs neu und die Autorin arbeitet mit altbekannten Zutaten. Dennoch hebt sich dieser Roman von anderen Werken des Genres ab, weil er nämlich eine wunderbare, mystische und faszinierende Stimmung verbreitet, die im Gedächtnis haften bleibt. Die Landschaft, in der sich die Handlung abspielt, wird nicht einmal bis ins kleinste Detail beschrieben, aber dennoch meint man, mittendrin zu sein und die Umgebung persönlich zu kennen.

Interessant ist, dass im Grunde genommen nicht wirklich viel passiert, der Leser aber immer weiter lesen möchte (und dies in den meisten Fällen wohl auch tut). Zum einen liegt es definitiv an der hypnotisierenden und düsteren Atmosphäre, die durchgehend herrscht, aber auch an den kurzen Kapiteln, die einen immer wieder zum Weiterlesen animieren. Janssons Thriller ist ein Pageturner, allerdings nicht von der Sorte „actionlastiger Blockbuster“, sondern er fällt eher in die Kategorie „Philosophisch-poetischer Mystery-Thriller“. Susanne Jansson verbaut neben der Krimihandlung auch eine zarte Liebesgeschichte und einen verhaltenen Mystery-Touch, der den Plot perfekt abrundet. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an alte Gruselfilme aus der schwarz-weißen Fernsehzeit erinnert, die eine ähnliche Atmosphäre verströmten. Gerade die unaufdringliche Liebesgeschichte, die eigentlich eine Nebensache ist, war es, die mich in gleichem Maße in den Bann gezogen hat, wie die Tragödie der Moorleichen. Janssons Charaktere wirken manchmal glaubhaft verschroben, wie sie da in der Einsamkeit am Rande eines mysteriösen Moors leben und verleihen der Handlung dadurch eine hohe Authentizität. Bisweilen fühlte man sich an die ruhigen Romane von Henning Mankell erinnert, wobei Susanne Jansson einen absolut eigenen Stil vorweisen kann.

Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Intensität die Autorin das Moor und den Schauplatz beschreibt. Man spürt die feuchte Luft, sieht den Nebel vor sich und vermeint an manchen Stellen sogar, die Geräusche der Natur zu hören. Desweiteren wird auch bei den Gesprächen eine nahezu poetische Atmosphäre versprüht, die ein wenig an den fantastischen Roman „Schnee, der auf Zedern fällt“ von David Guterson erinnert. Das Cover des Romans gibt genau diese wundervolle Stimmung perfekt wieder, so dass man wirklich genau das bekommt, was man durch die Abbildung erwartet. „Opfermoor“ ist ein wirklich tolles Debüt, das gerade in seiner unspektakulären Schlichtheit auf ganzer Linie überzeugen kann. Bei der Auflösung, die nebenbei bemerkt, überraschend war, hätte ich mir allerdings eine ausführlichere Art und Weise gewünscht. Das ging mir dann irgendwie doch zu schnell, tat aber dem Gesamteindruck dann glücklicherweise keinen Abbruch. Ich bin schon sehr gespannt, was uns von Susanne Jansson in Zukunft noch erwartet. Wünschenswert wäre, wenn sie sich weiterhin an die Ruhe und Stille, die sie in ihrem vorliegenden Erstlingswerk versprüht, halten würde. Denn durch diesen zurückhaltenden Stil würde sie sich eindeutig aus der Vielzahl an Krimis und Thrillern hervorheben.

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Fazit: Wunderbar ruhiges, atmosphärisches und manchmal sogar poetisches Thrillerdebüt.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Höllenjazz in New Orleans von Ray Celestin

Höllenjazz

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
510 Seiten
16,00 €
ISBN: 978-3-492-06086-8
Kategorie: Thriller, Krimi

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Im New Orleans des Jahres 1919 geht ein mysteriöser »Axeman-Mörder« um und versetzt die Stadt in Angst und Schrecken. Detective Michael Talbot wird auf den Fall angesetzt, ohne zu wissen, dass sich der ehemalige Polizist Luca D’Andrea und auch Ida, Sekretärin einer Detektei, auf die Suche nach dem Täter begeben. Ida hat sogar ihren besten Freund, den Musiker  Louis Armstrong, an ihrer Seite. Alle drei Ermittler stoßen auf unterschiedliche Spuren, die sie auf die Identität des Killers führen könnten.

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Was für ein tolles Debüt! Ray Celestin hat einen unglaublich flüssigen Schreibstil und ein sehr gutes Gefühl für Spannung. Schon nach den ersten Seiten stellt sich zweifelsohne heraus, dass es sich bei seinem Debüt „Höllenjazz in New Orleans“ um einen Pageturner handelt, den man nicht so schnell aus der Hand legen mag. Die Vermischung aus absolut gut recherchierten Tatsachen und fiktiven Handlungssträngen ist Celestin perfekt gelungen, so dass man schon bald nicht mehr zwischen Realität und Erfundenem zu unterscheiden vermag. Der Plot und die Figuren sind sehr realistisch und vor allem glaubwürdig geschildert, so dass es eine wahre Freude ist, sie bei ihren Ermittlungen und Abenteuern zu begleiten. Ein besonderes „Schmankerl“ ist die Mitwirkung der Musikerlegende Louis Armstrong. Der Jazztrompeter, zu jener Zeit noch unbekannt, ist unfreiwilligerweise bei den Ermittlungen  mit dabei.

„Höllenjazz in New Orleans“ ist kein reiner historischer Krimi, wie man sie kennt, sondern geht einen anderen Weg. Hier werden vorrangig fiktive Personen und Ereignisse mit historischen Begebenheiten vermischt und nicht umgekehrt, wo ein Plot rund um die geschichtlichen Tatsachen aufgebaut wird. Celestins Debütroman wirkte daher auf mich absolut erfrischend und unverbraucht und ich hatte großen Spaß, den Protagonisten zu folgen. Ein weiterer toller Schachzug ist die Einführung von drei (!!!) Ermittlern, die alle selbständig und auf verschiedene Weise an die Untersuchung der Morde herangehen. Ray Celestin hat sich bemüht, sämtliche Spekulationen, die es über den tatsächlichen Axemann-Mörder gibt, in seinem Roman aufzuarbeiten und zumindest anzuschneiden. Das hat mir sehr gut gefallen und, obwohl die Morde in der Realität nicht aufgeklärt werden konnten, liefert Celestin augenscheinlich eine Erklärung – oder och nicht? Gerade dieses „Herauswinden“ hat mich überzeugt, denn auf gewisse Art und Weise lässt der Autor dann das Ende doch wieder irgendwie offen, wie es wohl auch im wirklichen Leben war.

Was mich ebenfalls in den Bann gezogen hat, waren die detaillierten Beschreibungen der damaligen Zeit. Man war wirklich mittendrin in dieser Epoche und konnte sich alles absolut plastisch vorstellen. Ray Celestin hat viele historische Ereignisse in seinem Roman vermischt, aber nie die Übersicht und den Fall des Axeman-Mörders aus den Augen verloren. Gerade diese Vielseitigkeit in der Beschreibung von Menschen und Orten macht „Höllenjazz in New Orleans“ zum einen zu einem echten Pageturner und zum anderen zu einem echten Leseereignis, das man nicht so schnell vergisst. Ich fühlte mich in dem „alten“ New Orleans so richtig wohl und heimelig und konnte es immer kaum erwarten, dorthin zurückzukehren. Die meisten Personen wuchsen mir so richtig ans Herz.
Erfreulicherweise hat Celestin das Finale dann in einer Art und Weise verfasst, die mir absolut gefallen hat. Oftmals ist es ja so, dass Thriller (oder auch Krimis) auf einen Showdown hinarbeiten, der Schema F entspricht und schon hundertmal dagewesen ist. Und auch wenn es sich hier ähnlich verhält und ein Showdown natürlich stattfindet, so hob er sich in meinen Augen von den standardisierten Thriller-Enden schlichtweg ab.
Und wie geschickt Ray Celestin dann auf seine im Frühjahr 2019 bei Piper erscheinende Fortsetzung „Todesblues in Chicago“ hingearbeitet hat, ist wirklich grandios. Ich freue mich sehr auf diesen zweiten Teil.

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Fazit: Ein Debüt, das überzeugt und begeistert.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ein eindeutiger Fall von Andreas Hoppert

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt 316 Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-575-6
Kategorie: Krimi

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Marc Hagen, zwar Rechtsanwalt, jedoch ohne Kanzlei, Anstellung oder gar Mandanten, überlegt nicht lange, als er gefragt wird, ob er eine Pflichtverteidigung übernehmen möchte, da der eigentliche Strafverteidiger kurzfristig verstarb. Natürlich sagt er zu. Er ist froh, mal wieder einen Fall zu übernehmen, denn seine Kanzlei hatte er ja nun nicht freiwillig geschlossen. Und die Tagesbetreuung seiner Ziehtochter im Teenageralter erfüllt ihn einerseits überhaupt nicht und ist anderseits auch überflüssig. Denn wie erwähnt ist Lizzy ja kein kleines Mädchen mehr.

Der Fall, den Marc Hagen übernehmen soll, scheint eindeutig und absolut klar. Der Angeklagte soll seine Tochter Monja ermordet haben. Die Indizien sprechen alle dafür. Dass die Mutter des verstorbenen Mädchens ausgerechnet Marcs Jugendliebe ist, ist natürlich ein Zufall der besonderen Art.

Marc bekommt die Ermittlungsakten und liest sich ein. Doch je weiter Marc Hagen gräbt und mit dem vermeintlichen Täter spricht, desto größer werden die Zweifel des Anwalts. Denn so klar und eindeutig scheint dieser Fall auf den zweiten Blick absolut nicht zu sein.

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Dies ist mein dritter Roman von Andreas Hoppert und ich lese ihn sehr gerne. Dass er Jurist ist und als Richter arbeitet, liest man unbedingt heraus. Okay, er arbeitet als Richter am Sozialgericht und nicht als Richter in Strafprozessen, doch Spaß hat er an diesem Bereich alle mal.

Hoppert hat mit seinem Marc Hagen einen sehr netten, charakterstarken Protagonisten geschaffen, der nicht aufgibt und sehr echt rüberkommt. Sei es in seinem Umgang mit der Ziehtochter, seiner Lebensgefährtin, die „die Kohle nach Hause bringt“ (und ihn das auch spüren lässt) oder mit seinem Mandanten.

Ich hatte meinen größten Spaß jedoch vor Gericht, als Marc Hagen einen Zeugen komplett zerlegt hat. Ich saß während dieser ausgesprochen langen Szene mit einem staunenden Dauergrinsen hinter meinem Buch. Denn Hoppert beschert seine Überraschungen nicht nur den Figuren im Buch, sondern auch dem Leser in diesem Moment.

Er hält den Spannungsbogen stramm und wirft immer wieder neue Wendungen ein, was die Handlung auch sehr kurzweilig hält. Die Menschlichkeit des Rechtsanwalts macht viel aus, zum Beispiel sein Umgang mit Lizzy, der Mutter des Opfers, der so echt und natürlich rüberkommt. Dann anderseits der ausgebuffte, sehr starke Jurist, als der er, vor allem vor Gericht, auftritt. Diese sehr gute Mischung sorgt für ein absolutes Lesevergnügen.

Fazit: „Ein eindeutiger Fall“ ist ein besonderer Fall mit vielen Wendungen, tollen Überraschungen und macht einfach nur Spaß.

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© Marion Brunner_Buchwelten 2018

Das Ende von Richard Laymon

Das Ende von Richard Laymon

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-67714-2
Kategorie: Thriller, Horror

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An der sogenannten „Schleife“, einer Flussbiegung, wird die kopflose Leiche einer Frau gefunden. Rusty Hodges, Sheriff von Sierra County, und Deputy Mary Hodges machen sich auf die Suche nach dem Mörder, der noch immer sein Unwesen zu treiben scheint …

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Wenn man den Klappentext zu dieser deutschen Erstausgabe eines Romans von Richard Laymon aus dem Jahr 1999 liest, erwartet man definitiv ein Horror-Slasher-Roman. Aber leider (oder glücklicherweise?) ist dem nicht so. Ich für meinen Teil war freudig überrascht, als ich bemerkte, welche Richtung „Das Ende“ einnahm, denn ich muss gestehen, dass ich Laymons in Deutschland bisher unveröffentlichten Werke immer mehr mochte wie seine harten und blutigen Horrorstorys. „Das Ende“ ist unspektakulär und bei weitem nicht so übertrieben blutig wie manch anderes Werk Laymons, aber dafür umso mehr atmosphärisch. Es sind anscheinend immer die unscheinbareren und nicht dem Massengeschmack entsprechenden Romane von Richard Laymon, die mich persönlich mehr ansprechen. Wie gesagt, so verhält es sich auch mit diesem Buch. Eines muss jedoch gesagt werden: Klappentext und Titel des Buches haben absolut nichts mit der vorliegenden Geschichte zu tun.

„Das Ende“ reiht sich wie viele der letzten Veröffentlichungen eher in die Rubrik „ruhiger Laymon“ ein. Es ist weniger Horror, der den Leser hier erwartet, sondern ein handfester Thriller, der im von Laymon gewohnt flüssigen Schreibstil verfasst wurde, so dass man den Roman kaum aus der Hand legen kann (und auch wird) und förmlich durch die Handlung fliegt, bis man auch schon ans temporeiche Finale gelangt. Laymons Charaktere sind nicht wirklich gut ausgearbeitet, was mir persönlich aber den Spaß am Plot keinesfalls verwehrt. Die Personen sind austauschbar, könnten in jedem anderen Roman von Richard Laymon die Hauptrolle spielen und besitzen wenig Tiefe und Persönlichkeit. Aber für die rasante Handlung reicht es allemal und Laymon wollte wohl schlichtweg seine Geschichte erzählen und keine Charakterstudien abliefern. Die kurzen Kapitel tun ihr übriges dazu, um die Story voranzutreiben. Romane von Richard Laymon sind keine literarischen Höhenflüge, sondern einfach nur spannende Geschichten, die, ähnlich wie eine Achterbahnfahrt, grandios unterhalten und einen mitreißen. Und genauso verhält es sich mit „Das Ende“. Ein kurzweiliges, spannendes und atmosphärisches Kleinod einfacher Unterhaltungsbelletristik. Laymon hält sich hier definitiv zurück, was Splatter- und/oder Sexszenen angeht und steigt dadurch in meiner Achtung, denn hier zeigt er, dass er auch anders kann und auch eine geradlinige Geschichte erzählen kann, die für den einen oder anderen vielleicht langweilig wirken mag, auf mich aber einen sehr „heimeligen“ Thrillercharakter besitzt, der mich in seinen Bann gezogen hat.

Es wäre kein Laymon, wenn nicht auch Brüste und sexuelle Anspielungen vorkommen würden. Dennoch zügelte sich der Autor, wie gerade erwähnt, bei „Das Ende“ und konzentrierte sich eher auf die Thrillerelemente. Immer wieder interessant ist, dass es Laymon schafft, selbst durch seinen einfachen Schreibstil eine Art Film vor dem inneren Auge des Lesers ablaufen zu lassen. Dies ist auch hier wieder der Fall. Am Ende der Lektüre meint man, man hätte das Ganze als Film auf der Leinwand gesehen. Der typische Laymon-Flair zieht sich, obwohl es sich eben nicht um einen Horrorroman handelt, durch das ganze Buch und es macht unglaublich Spaß, den Ermittlungen des Sheriffs und des Deputys zu folgen. Am Ende kann Laymon auch noch mit ein paar Wendungen und Überraschungen auftrumpfen, die aber Thriller-Leser der heutigen Zeit eher weniger hinter dem Ofen hervorlocken können. Aber man darf auch nicht vergessen, dass der vorliegende Roman fast schon zwanzig Jahre „auf dem Buckel“ hat. Ich für meinen Teil habe „Das Ende“ auf jeder Seite genossen und freue mich schon, wenn Heyne die Publikation von Laymons älteren Werke fortsetzt.

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Fazit: Laymon goes Thriller. Richard Laymon zeigt wieder einmal, dass er auch anders kann.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Yasemins Kiosk – Zwei Kaffee und eine Leiche – von Christiane Antons

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Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt  192 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN 978-3-89425-582-4
Kategorie: Krimi
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Nina Gruber, Polizistin, derzeit außer Dienst, bezieht eine Wohnung in einem schönen Mehrfamilienhaus in Bielefeld, nachdem sie bei ihrer Mutter geflüchtet ist. Sie war bei ihrer kranken Mutter wieder eingezogen, damit sie sich um diese kümmern kann, was jedoch in der Praxis einfach nicht funktioniert. Isso!

Ninas Vermieterin Doro ist herzensgut, hat jedoch auch so ihre Probleme. Dann gibt es da noch Yasemin Nowak, astreine Deutsch-Türkin, die den Kiosk im Erdgeschoss betreibt, nebenbei ein bisschen Haare schneidet, Männer datet und ein absolut lebenslustiger Wirbelwind ist. Wäre da nicht der Stalker, der versucht Yasemin das Leben schwerzumachen.

Und als Nina und Yasemin beim Entsorgen des Altpapiers eine Leiche im Altpapiercontainer finden, kennt Yasemin den Toten auch noch. Die Polizei ist damit recht schnell fertig, unsere drei Frauen aber noch lange nicht ….

 

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Dieser Roman ist das Debüt der Autorin Christiane Antons, und hat mir einfach nur von vorne bis hinten Spaß gemacht. Ich hatte darauf gehofft, dass mich hier eine locker-leichte Krimihandlung erwartet, die mich durch die Seiten fliegen lässt und einfach einige entspannte, recht unkomplizierte Lesestunden beschert.

Das hat der relativ kurze Krimi sehr gut geschafft. Die Autorin hat hier sehr sympathische Figuren erschaffen, die mit Herz und „Schnauze“ unterwegs sind, sich nichts gefallen lassen und wirklich mutig sind. Der Verlag wirbt damit, dass es keinen Ermittler gibt, jedoch eine Leiche am Anfang und eine Lösung des Falles am Schluss. Nun, ein bisschen geschummelt ist das ja schon, denn Nina Gruber ist ja eigentlich schon Polizistin. Zwar derzeit nicht im Einsatz, dennoch hat sie natürlich ihre Erfahrungen in petto und ihre Vitamin-B(eziehungen) nutzt sie auch schamlos aus.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass ich einen „Grappa“- Roman von Gabriella Wollenhaupt lese. Der Stil ist doch sehr ähnlich. Ein weibliches Rauhbein, dass ist die dortige Hauptprotagonistin ja auch. Vielleicht kennt und mag die Autorin selbst die „Grappa“ gerne und hat sich ein bisschen inspirieren lassen.

Der Stil ist auf jeden Fall locker und sehr flüssig. Ja, es geht auch mal umgangssprachlich zur Sache, was jedoch in Dialogen völlig in Ordnung und auch lebensecht ist. Der Plot ist gut überlegt und auch wenn es jetzt nicht die Überraschung gab am Ende, waren die Fäden schon gut gesponnen.

Mein Fazit: Ein flotter, spritziger Krimi, der mit tollen weiblichen Figuren als Protagonistinnen echt Freude macht. Empfehle ich gerne weiter.

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© Buchwelten 2018

P.S. Als kleine Anekdote am Rande: Als ich das Cover von der Verlagsseite runterspeicherte nannte sich die Datei ‚Antons….Kiosk…‘. Ich habe bei #grafit nachgefragt, ob denn der Kiosk ursprünglich einem Anton statt einer Yasemin gehören sollte? Nein, das Antons beziehe sich auf die Autorin 😊. Okay, soweit zu denken hatte ich dann nicht geschafft *peinlich*