Von Frauen, Fremden und Phantomen von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
Independently published
insgesamt 238 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-1700693594
Kategorie: Drama, Liebe, zeitgenössische Belletristik

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Kurzgeschichten, die lose miteinander verbunden sind und zeigen, wie Liebe, Sehnsucht, Rache, Begierde, Freundschaft und Verrat im Leben „funktionieren“.

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Ein neues Buch von Georg Adamah? Klar war ich neugierig, was sich der Autor von „Die Sonne über dem südlichen Wendekreis“ (in einer früheren Version auch unter dem Titel „Liliths Töchter, Adams Söhne“ erschienen) ausgedacht hat. „Von Frauen, Fremden und Phantomen“ wird als Fragment eines Romans bezeichnet. Besser könnte man die Geschichte(n) gar nicht bezeichnen, denn man bekommt durchaus einen Roman geboten, der sich allerdings erst durch verschiedene Kurzgeschichten zu einem Ganzen verwandelt. Wie schon beim obengenannten „Die Sonne über dem südlichen Wendekreis“ macht das vorliegenden Buch ungemein Spaß, zumal es auch noch jede Menge (Lebens-)Wahrheiten verbirgt, die einen daran erinnern, wie man sich selbst oft verhält. Man erkennt sich also immer wieder.
Adamah hält sich, wie bereits in seinem ersten Roman, nicht wirklich an die gängigen Konventionen in der Literaturwelt. Und das ist auch gut so, denn sowohl vom Aufbau als auch von der sprachlichen Innovation kenne ich wenige Romane, die derartig verfasst sind. Die wörtliche Rede ist nicht entsprechend gekennzeichnet, so dass man schon aufmerksam lesen muss, um das Geschriebene in all seinen Facetten zu verstehen. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, fällt es natürlich leichter.

Der Aufbau der Geschichte(n) hat mich erneut fasziniert. Es liest sich kompliziert und dennoch so unglaublich flüssig. Es ist eine Kunst, so zu schreiben, ohne dass der Leser den Faden verliert und alles in jedem Detail versteht. Georg Adamah kann sehr gut schreiben und man vergisst seinen ganz besonderen, eigenen Stil nie wieder. Ich habe mich in den Storys teilweise richtiggehend verloren, weil sie von Melancholie bis über Hass und Verrat alles beinhalten und in einem das Gefühl wecken, man liest eine emotionale Biografie. Vor allem die Gefühle sind bei Adamah groß geschrieben und werden sehr authentisch und nachvollziehbar beschrieben. Dass sich der Autor sozusagen als Hauptperson einbringt, mag für den ein oder anderen etwas seltsam wirken, wenn man aber den Sarkasmus darin erkennt, macht es zum einen Sinn und zum anderen eben enormen Spaß. Oft habe ich mich dabei ertappt, dass ich während des Lesens schmunzeln musste. Auch dieses Herangehensweise vermittelt den Eindruck, man hätte es mit einer Art Lebensgeschichte des Autors zu tun. „Von Frauen, Fremden und Phantomen“ ist für mich ein ganz besonderes Buch, weil es mich auf eine sehr eindrucksvolle Reise mitnimmt, die direkt aus dem Leben gegriffen scheint. Niemals langweilig, immer intensiv und ehrlich. Ein Buch, das man bestimmt immer wieder gerne in die Hand nimmt und darin schmökert.

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Fazit: Unterhaltung auf hohem Niveau. Witzig, melancholisch, ehrlich. So muss ein Buch sein.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Monster, Monster überall von Jürgen Höreth

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 228 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror, Science Fiction

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Kurzgeschichten, die Horror und Science Fiction abdecken und manchmal sogar mit lovecraftschen Elementen aufwarten.
Folgende Geschichten sind im Buch vertreten:
Mr. Painless – Kalle, Emrah und drei Russen (Schmerzlos)
Fernab in den Höhlen der schmelzenden Augen
Der Vier-Tages-Held
Brak Ul Gorr
Dread 4
Aus altem Schrot und Korn
Wer ist das Monster im Keller
Das Arschloch-Journal
Vom Leid durch das Zwielicht sehen zu können
Wölfe

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Diese Kurzgeschichtensammlung war das erste Buch, das ich von Jürgen Höreth gelesen habe. Ich wusste also nicht, was mich erwartete und wurde angenehm überrascht, obwohl ich anfangs mit einer Schreibweise (und einem Sprachstil) konfrontiert wurde, mit dem ich eigentlich gar nichts anfangen kann: Salopp, direkt, teilweise umgangssprachlich mit einem besonderen Humor. Doch Höreth konnte mich sehr schnell überzeugen, dass er zum einen sehr gut schreiben kann und zum anderen außergewöhnliche und verrückte Ideen hat, die den Leser sofort für sich gewinnen. Ich ertappte mich tatsächlich ein paar Mal dabei, wie sich ein Schmunzeln auf meine Lippen zauberte, während ich die Storys las. Höreth schreibt vor allem auch sehr bildhaft, was zum Großteil auch an den sehr natürlich verfassten Dialogen mit dem trockenen Humor liegt, so dass man die Protagonisten und Antagonisten irgendwie stets vor seinem inneren Auge als Film sieht.

Die erste Geschichte mit dem Titel „Mr. Painless – Kalle, Emrah und drei Russen (Schmerzlos)“ zeigt eine witzig inszenierte Folterung, in der zwei Helden, nämlich Kalle und Emrah, vorkommen, die noch eine wichtige Rolle in Jürgen Höreths Schriftstellerkarriere spielen.
„Fernab in den Höhlen der schmelzenden Augen“ spielt gekonnt mit Motiven aus dem Lovecraft-Universum, geht aber definitiv einen eigenen (Höreth-)Weg.
„Der Vier-Tages-Held“ wendet sich einer anderen Liebe des Autors zu, nämlich dem Superhelden-Comic, zu und vermittelt eine ganz besondere Atmosphäre.
„Brak Ul Gorr“ wirkt wie ein Science-Fiction-Kurzfilm und zeigt, dass der Autor auch dieses Genre beherrscht. Fans dieses Genres finden ein paar Anleihen aus Literatur und Film in dieser Kurzgeschichte, die ebenfalls großen Spaß macht.
„Dread 4“ ist ein Genremix, der sich aber hauptsächlich im Bereich des Westerns aufhält. Diese Geschichte zählt eindeutig zu meinen Lieblingen aus dieser Sammlung, weil sie eine ganz hervorragende Atmosphäre aufbaut, in der ich mich während des Lesens vollkommen verlieren konnte.
„Aus altem Schrot und Korn“ gefällt mir am besten, was wahrscheinlich an dem wirklich grandiosen Humor liegt, der sich durch die ganze Story zieht.
„Wer ist das Monster im Keller“ behandelt ein ernstes Thema, bei dem mir dann die Wendung am Ende der Geschichte außerordentlich gut gefallen und mich zum Nachdenken gebracht hat.
„Das Arschloch-Journal“ ist sehr kurzweilig geschrieben und konnte mich gerade aufgrund des nicht unbedingt konventionellen Erzählstils absolut überzeugen.
„Vom Leid durch das Zwielicht sehen zu können“ war für mich eine eher durchschnittliche Geschichte, die am wenigsten den oben erwähnten Touch von Jürgen Höreth besitzt. Dennoch natürlich lesenswert.
Und auch „Wölfe“ behandelt ein besonderes Thema, das der Autor sehr gut in Szene gesetzt hat und in aller Härte und Deutlichkeit ausformuliert hat. „Wölfe“ wurde eigens für diese Sammlung verfasst.

Bleibt am Ende noch zu sagen, dass der KOVD Verlag auch mit diesem Buch wieder seiner Linie treu geblieben ist und, neben dem interessanten Inhalt, auch ein optisch äußerst reizvolles Exemplar auf den Markt gebracht hat. Der Seitenschmuck und die hervorragenden Illustrationen von Jürgen Höreth machen dieses Buch zu einem außergewöhnlichen Lesegenuss. Mehr davon …

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Fazit: Interessante Kurzgeschichten in einer tollen Ausgabe. Diverse Genre werden abgedeckt und versprechen kurzweiligen Lesegenuss.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Himmel auf Erden von Jeffrey Archer

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 18,00 €
ISBN: 978-3-453-47166-5
Kategorie: Belletristik, Kurzgeschichten

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Fünfzehn Kurzgeschichten, von denen einige auf wahren Begebenheiten basieren.

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Die Kurzgeschichtensammlung „Der Himmel auf Erden“ war mein erstes Buch von Jeffrey Archer und ich muss sagen, dass er mich sofort in seinen Bann ziehen konnte. Sein gehobener, aber niemals schwer zu lesender Schreibstil hat es mir sofort angetan, so dass ich das vorliegende Buch nahezu in einem Rusch durchgelesen habe. Archer hat sich bei einigen Geschichten von realen Ereignissen inspirieren lassen, was dem Lesegenuss noch einen zusätzlich Bonus verleiht. Ich habe mich jedenfalls in jeder seiner Kurzgeschichten wohlgefühlt und freue mich nun schon darauf, noch weitere Werke dieses Autors zu lesen. Archer schafft es vor allem, ein sehr bildhafte Atmosphäre zu schaffen. Selbst bei diesen kurzen Geschichten meint man im Nachhinein, man hätte eine Novelle gelesen, denn die Beschreibungen sind detailliert auf den Punkt gebracht.

Nach der ersten Kürzestgeschichte „Einzigartig“, bei der Archer lediglich 100 Worte benutzte, um sie zu erzählen, kommt gleich eine ideenreiche Story mit dem Titel „Beichte“, die mich so manches Mal an einen Plot von John Grisham erinnert hat.
Das darauffolgende Stück „Ansicht von Auvers-sur-Oise“ ist eine Kriminalgeschichte im Geiste von Sherlock Holmes, wenn ich den Vergleich heranziehen darf.
„Ein Gentleman und Gelehrter“ setzt sich für die Anerkennung von Frauen in wissenschaftlichen und literarischen Berufen ein und ist äußerst unterhaltsam verfasst.
„In der Liebe und im Krieg ist alles erlaubt“ stellt eher eine dramatische Liebesgeschichte dar, die mit einer guten Wendung auftrumpfen kann.
Die darauf folgende Geschichte „Der Parkwächter“ wurde von wahren Ereignissen angeregt, erinnert ein wenig an Hans Fallada und hinterlässt den Leser mit einem zufriedenen Schmunzeln auf den Lippen.
„Eine verlorene Stunde“, ebenfalls auf einem realen Vorfall basierend, hat mich zutiefst beeindruckt. Und auch wenn diese Story sehr kurz gehalten ist, so ist sie eine derjenigen, die mir so bildhaft im Gedächtnis geblieben ist, dass ich meinte, einen Kurzfilm gesehen zu haben.
„Auf dem Weg nach Damaskus“ schließlich führt uns Archer in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte, das einem am Ende einen Schauer über den Rücken jagt.


„Der Betrogene“ gleicht fast einem Märchen mit einer Moral am Ende und „Der Urlaub ihres Lebens“ könnte einfallsreicher und witziger sein. Wie eine Tragikomödie schildert Archer hier das trickreiche Leben eines Ehepaares und präsentiert sogar drei (!!!) verschiedene Enden.
„Verdoppeln oder aufhören“ handelt von einem Glücksspieler und erinnert mit seiner Moral am Ende ebenfalls an ein modernes Märchen.
„Der Senior-Vizepräsident“ könnte durchaus auch wieder aus der Feder von John Grisham stammen und hat mir mit seiner Thematik und der bildhaften Erzählweise außerordentlich gut gefallen.
„Eine glücklich verlorene Seitenwahl“ geht es um einen Mann, der den Schrecken des Krieges erleben muss.
„Wer hat den Bürgermeister umgebracht“ ist eine skurrile Geschichte um ein Dorf, die ich mir gut als Film im Stile von „Lang lebe Ned Devine!“ vorstellen könnte.
Mit „Der perfekte Mord“ schließt Jeffrey Archer seine Kurzgeschichtensammlung wieder mit einer 100-Wörter-Geschichte ab.

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Fazit: Unterhaltsame Kurzgeschichtensammlung, die in einem tollen Schreibstil verfasst sind. Absolut kurzweiliges Lesevergnügen.

©2021 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schauer der Vorwelt von Tobias Bachmann

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 368 Seiten
Preis: 15,99 €
ISBN: Privatdruck – ohne ISBN
Kategorie: Horror, Mystery

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13 Kurzgeschichten im Geiste von H.P. Lovecraft

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Tobias Bachmann hat mich bereits mit seinem Roman „Das Spiel der Ornamente“ (ebenfalls im KOVD Verlag erschienen) durch seinen angenehmen und gehobenen Schreibstil überzeugen können. Nicht anders verhält es sich bei der vorliegenden Kurzgeschichtensammlung, die sich durchgehend mit Storys im Geiste von H.P. Lovecraft befassen. Bachmann schafft es auch hier von den ersten Zeilen an, eine wahnsinnige Atmosphäre aufzubauen, die einen komplett gefangen nimmt. Während des Lesens sieht man tatsächlich vor seinem geistigen Auge die Abenteuer, die beschrieben werden und fühlt sich tatsächlich in die Welt von Lovecraft geschleudert.

Die Einleitung „Lovecraft und ich“, die eigens für diesen Band verfasst wurde, gibt einen kurzen, aber interessanten Einblick in die „Beziehung“ zwischen Tobias Bachmann und seinem literarischen Idol.
Die erste Geschichte „Kadath“ erzählt vom Zusammentreffen zweier Männer, die sich auf ganz besondere Weise ergänzen. Die Stimmung ist einfach toll und lässt vor allem die eigenen Gedanken spielen.
„Der Hausvermesser“ bewegt sich weitaus mehr in Richtung Fantasy und erinnerte mich manches Mal an den herrlich genialen Roman „Das Haus“ von Mark Z. Danielewsky.
„Ein sauberer Abgang“ ist eine One-Man-Show, die zum Nachdenken anregt und eine sehr schöne Stimmung verbreitet.
„Der Handleser“ ist eine Story, wie sie auch von Stephen King hätte stammen können. Dennoch trägt sich unverkennbar Lovecraft-Anleihen und auch philosophische Gedanken.
„Das grüne Licht im Giebelfenster“ ist von der Atmosphäre her eine meiner Lieblingsgeschichten in diesem Band und Lovecraft respektive Bachmann at it’s best.
„Der Brunnen“ trägt eine Stimmung in sich, die mich an alte Horrorfilme aus den Hammer-Studios erinnert. Eine kleine, feine Gruselgeschichte.
„Kaleidoskop der Seele“ ist das Psychogramm eines Mannes, der Vergangenheit und Gegenwart nicht länger unterscheiden kann und sich in dessen Wirbeln verstrickt.
Mit „Incunabula“ nähert sich Tobias Bachmann dann neben Lovecraft auch noch den Autoren E.A. Poe und Robert E. Howard. Es ist eine Abenteuergeschichte, die den Leser in ihren Bann zieht und in eine mystische Welt entführt.
„Wanderer, kommst du nach Cat …“ ist ein Bericht, wie er auch aus der Feder eines Robert Louis Stevenson stammen könnte. Bachmann vereint diese klassische Erzählweise geschickt mit den Visionen Lovecrafts.
„Grønn“ zählt für mich auch zu den Highlights dieses Erzählbandes. Ich war mittendrin in dieser Geschichte und konnte eine Zeitlang die Realität um mich herum vergessen.
„Metamorphose“ ist, wie auch „Incunabula“ eine Abenteuergeschichte mit einer tollen Atmosphäre, an die man sich gerne erinnert.
Die Erzählung „De Profundis“ geht einen ähnlichen Weg wie „Grønn“, bevor der Band mit „Ohne Ende“ einen Abschluss findet, der wieder eine klassische Lovecraft-Vision behandelt.

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Fazit: Grandiose Kurzgeschichtensammlung, die dem Geiste Lovecrafts uneingeschränkt folgt.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Dhormenghruul von Malte S. Sembten

Malte-S-Sembten---DHORMENGH

Erschienen als gebundene Ausgabe
im KOVD Verlag
insgesamt 288 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: keine – Privatdruck
Kategorie: Horror, Mystery

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Der Band enthält zehn Erzählungen von Malte S. Sembten:
Dhormenghruul, languerous@barron.feu, Brandopfer, Memory-TX, Ali, Das Hexenhaus, Books on Demand, Jagdausflug, Der Blutfalter und Die rote Kammer.

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Ich hatte keine Ahnung, was mich bei diesem Buch erwarten würde. Allein das Coverbild hat es mir allerdings auf den ersten Blick schon angetan und die Tatsache, dass sich einige der Erzählungen im Universum von Lovecraft und Poe abspielten. Nun gut, um es kurz zu machen: Ich bin schlichtweg begeistert von Malte S. Sembtens Geschichten, die eine unglaublich intensive Atmosphäre verströmen und sich überwiegend auf hohem literarischem Niveau bewegen. Alleine die Titelgeschichte geht mir, seitdem ich sie gelesen habe, nicht mehr aus dem Kopf und ich sehe die Ereignisse noch immer klar und deutlich vor meinem geistigen Auge, als hätte ich nicht ein Buch gelesen, sondern einen Film gesehen. Das Titelbild und die wenigen Illustrationen innerhalb des Buches von Björn Craig tun ein übriges dazu, dass man „Dormenghruul“ nicht mehr so schnell vergisst.

Sembten, der leider viel zu früh verstorben ist, zeigt in seiner Auswahl ein unglaublich vielfältiges Programm und bewegt sich von klassischem Horror über modernen Grusel und Krimi bis hin zu gut durchdachten Science-Fiction-Storys. Gerade was die Recherchen betrifft, kann man vor dem Autor nur seinen virtuellen Hut ziehen. Was er schreibt und erzählt, hat Hand und Fuß. Seine erdachten Geschichten fügen sich in reale Begebenheiten ein, dass es eine wahre Freude ist, wenn man ein paar Dinge im Internet nachforscht. „Dormenghruul“ ist eine Kurzgeschichtensammlung von unglaublich dichter Atmosphäre, die sich durch sämtliche Geschichten zieht. Es ist unüberlesbar, dass Sembten in Lovecraft und Poe (aber nicht nur da) seine literarischen Vorbilder sieht, was sich vor allem in einem sehr gehobenen und flüssig zu lesenden Schreibstil auszeichnet. Aber Sembten geht definitiv einen eigenen Weg, und der ist von enormer Wucht.

Von den zehn Geschichten ist die titelgebende meine absolute Lieblingsstory. Ich wünschte, es gäbe um „Dormenghruul“ einen Roman. Oftmals fühlte ich mich, neben Lovecraft und Poe, auch an den Meister des phantastischen Romans, Bram Stoker, erinnert, der in seinem „Dracula“ eine ähnliche Stimmung heraufbeschwor.
Aber auch die anderen Geschichten sind allererste Sahne und zeigen auf beeindruckende Art und Weise, dass man nicht hunderte von Seiten benötigt, um eine gute Geschichte zu erzählen. Sembten schafft es innerhalb weniger Seiten, eine Sogkraft zu entwickeln, der man sich nicht entziehen kann.
Zum Inhalt kommt noch die liebevolle Ausgabe des KOVD-Verlags, die  zeigt, dass jemand dahintersteckt, der Bücher liebt. „Dormenghruul“ ist ein Eyecatcher, den man immer wieder mal gerne in die Hand nimmt, um darin zu blättern (und sich das geniale Covermotiv von Björn Craig anzusehen, das übrigens hervorragend zum Inhalt passt). Für mich waren die Erzählungen von Malte S. Sembten eine große Entdeckung, die ich leider nicht mehr zu Lebzeiten des Autors machen konnte.

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Fazit: Atmosphärisch, mystisch und gruselig. Zehn kleine Meisterwerke der Kurzgeschichte.

©2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Et Os Fabulas Sanguinis (Anthologie)

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Erschienen als Taschenbuch
im Eigenverlag
164 Seiten
10,00 €
ISBN: 978-1-694744-58-8
Kategorie: Anthologie, Horror, Hardcore

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Drei junge Autoren entführen den Leser mit acht Geschichten in eine abscheuliche Welt aus Blut und Gewalt.

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Acht Geschichten, die (nicht nur wegen des genialen Covers) an die Fernsehserie „Geschichten aus der Gruft“ erinnern. Nun gut, sagen wir mal so, der Aufbau und die Atmosphäre der Geschichten erinnert daran, der Inhalt in einigen Aspekten dann eher nicht. 🙂 Im Klartext soll das heißen, dass nicht jeder Leser mit dem, was er da serviert bekommt, auch klar kommt. Denn man muss diese Art Hardcore-Horror schon mögen, um zumindest einigermaßen Gefallen daran zu finden. Splatter und auch pornografische Einlagen finden sich nämlich in fast jeder der Geschichten aus „Et Os Fabilas Sanguinis“, so dass es mit Sicherheit den ein oder anderen Leser gibt, der angewidert das Gesicht verzieht, wenn er irgendwelche unanständigen Wortkreationen oder Beschreibungen oder extrem gewaltsame Handlungen zu lesen bekommt. Aber genau das macht diese Anthologie wiederum aus, denn sie wendet sich schlichtweg an das etwas andere Publikum. Das wiederum soll aber nicht heißen, dass die beiden Autoren Marcel Hill und Dominik Heit zusammen mit ihrer Autorin Alida Gersonde nicht auch den klassischen Horror bedienen. Es ist eine perfekte Mischung aus beidem, sofern man an ersterem, wie gesagt, Gefallen findet.

Der Schreibstil der drei Mitwirkenden ist überwiegend einfach gehalten, aber man kann den Autoren durchaus fantasievolle und auch filmreife Ideen zusprechen, die nach Beendigung der Lektüre sogar noch weitaus interessanter wirken als während des Lesens. Das spricht für die Aussagekraft der drei Verfasser, die es nämlich schaffen, dass die Geschichten allesamt in Erinnerung bleiben.
Ich hatte auf alle Fälle großen Spaß mit den Geschichten und fühlte mich hervorragend unterhalten, zumal sich die Plots in ihrem Gesamtbild größtenteils abseits des Mainstreams bewegen und  allein schon deswegen Aufmerksamkeit verdienen.

Werfen wir noch kurz einen Blick auf die Autoren im Einzelnen: Dominik Heist ist derjenige, der sich überwiegend im Mittelfeld bezüglich Gore- und Sexgehalt des Dreiergespanns bewegt. Seine Geschichten sind stimmungsvoll und trotz mancher Härte noch weitestgehend publikumstauglich. Anders sieht es da bei Marcel Hill aus: Er geht mit seinen Stories in die Vollen und nimmt kein Blatt vor den Mund, egal ob es um Sexpraktiken oder Brutalitäten geht. Wie oben bereits erwähnt, solche Geschichten sind nicht jedermanns Geschmack und wirken oftmals sogar verstörend oder abstoßend, wenn man sich nicht darauf einlassen kann. Dieses Genre beherrscht Hill allerdings absolut, wobei ich mir manchmal tatsächlich an der ein oder anderen Stelle doch eine weniger vulgäre Ausdrucksweise gewünscht hätte. Aber hier sind die Geschmäcker (glücklicherweise) verschieden.
Alida Gersonde hält sich am meisten diesbezüglich zurück und schafft mit ihrer atmosphärischen Geschichte einen wirklich wunderbaren Abschluss dieser Anthologie. Es steckt viel Potential in allen drei Autoren, das auf alle Fälle sogar noch ausbaufähig ist.
Erwähnenswert ist unbedingt noch das sehr ansprechende und gut formulierte Vorwort von Christopher Derayes, das ungemein hilft, die Geschichten zu „verstehen“.
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Fazit: Stimmungsvoll, brutal, derb und unterhaltsam.

© 2020 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Insel von Steen Langstrup

Die Insel von Steen Langstrup

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  316 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43957-3
Kategorie: Thriller

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Noa Simon Poulsen befindet sich auf einer einsamen tropischen Insel. Eigentlich das Paradies, läge nicht die Leiche seiner Freundin neben ihm. Noa erinnert sich an die Ereignisse, die zum Tod seiner Freundin geführt haben, zurück, als er in polizeiliche Gewahrsam genommen und des Mordes angeklagt wird. Aber keiner glaubt seine Geschichte, die er erzählt …

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„Die Insel“ ist mein erstes Buch von Steen Langstrup. Ich muss ehrlich sagen, dass ich gar nicht mit so einem Roman gerechnet habe. Ich war mehr als angenehm überrascht, als ich die Geschichte las und noch mehr faszinierten mich die drei Kurzgeschichten im Anhang. Aber eines nach dem anderen. Zuerst einmal geht es um den Roman „Die Insel“:

Viele haben wahrscheinlich mit einem reinen Horror-Roman gerechnet und nicht mit einem Psychothriller, der sich hinter diesem Titel verbirgt. Der Autor lässt die Geschichte von seinem Protagonisten erzählen, was aus meiner Sicht schon eine unglaublich intensive Atmosphäre verschaffte. Gerade die Zwischenteile, in denen der Protagonist mit seiner Strafverteidigerin spricht, haben mir ausnehmend gut gefallen. In Rückblicken wird dann die eigentliche Geschichte erzählt, die anfangs noch ein wenig zögernd ins Laufen kommt, aber zunehmend spannender wird. Es mag auf viele Leser langweilig wirken, wenn Noa von seinem Aufenthalt auf der Insel und der neben ihm liegenden Leiche seiner Freundin erzählt. Aber genau dadurch kommt eine absolut glaubwürdige Atmosphäre auf.

Wie sich der Plot dann letztendlich entwickelt, einschließlich der Auflösung (eigentlich sind es ja sogar zwei!) hat mir sehr gefallen. Man sah plötzlich die Ereignisse aus einem vollkommen anderen Blickwinkel und konnte Handlungsweisen auf einmal nachvollziehen. Im Grunde genommen ist dieser Thriller dadurch tatsächlich zu einem Horrortrip geworden, nur ohne Monster und Blut. Steen Langstrup hat aus einer vollkommen unspektakulären Ausgangssituation, die allerdings sehr stimmungsvoll ist, einen wirklich atemberaubenden Trip in die Seele eines Menschen erschaffen. „Die Insel“ hebt sich von gängigen Büchern dieses Genre ein wenig ab, was es wahrscheinlich auch leider nicht für den Mainstream tauglich macht. Ich mochte die ausgefallene Schreibweise auf jeden Fall und werde mir den Debütroman auf alle Fälle auch noch besorgen. Gespannt bin ich auch, was der Autor als nächstes liefern wird.

Doch unabhängig von dem guten Roman komme ich nun zu den drei Kurzgeschichte, die wahrscheinlich aufgrund der Kürze des Hauptromans vom Verlag noch als Bonus veröffentlicht wurden. Ich muss gestehen, dass mir diese drei Stories sogar noch besser als der Roman gefallen haben. Vor allem eine Geschichte, die den Titel „Iss mich, trink mich“ trägt, hat mich vollends überzeugt. Langstrup beschreibt in dieser Geschichte auf einer Seite das wahre Gesicht der Menschheit, welche Wertvorstellungen und Wünsche sie an das Leben haben. Das ist so grandios, dass ich diese Stelle ein paar Mal lesen musste und sie mir immer noch im Kopf herumschwirrt. So etwas Geniales habe ich selten gelesen. Hut ab, Steen Langstrup, für diese Erkenntnisse, die eigentlich jeder Mensch weiß, sie aber dennoch konsequent in seinem Leben ignoriert. Zumindest die meisten.
Insgesamt habe ich mit Steen Langstrup auf jeden Fall einen Autor gefunden, der mich hervorragend unterhalten hat und der auch eine gewisse Menschen- und Lebenskenntnis besitzt, die mich anspricht. „Die Insel“ wird definitiv nicht das letzte Buch von diesem Autor sein.

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Fazit: Sehr spannende und stimmungsvolle Geschichte. Die drei Bonusgeschichten sind einfach nur genial.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Obelisk von Stephen Baxter

obelisk

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  512 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN: 978-3-453-31945-5
Kategorie: Science Fiction

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In verschiedenartigen Kurzgeschichten beweist Stephen Baxter erneut, dass er ein Meister im Science Fiction-Genre ist.

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Stephen Baxter ist immer noch einer der führenden Science Fiction Autoren unserer Zeit. Wer sich für ausufernde und innovative Zukunftsgeschichten interessiert, kommt an diesem Erzählband (und auch den anderen Werken Baxters) einfach nicht vorbei. In dieser Sammlung vereinen sich Storys, die in einer neuen Welt spielen, aber auch welche, die in bereits existierenden Universen Baxters, wie zum Beispiel den beiden Werken „Ultima“ und „Proxima“ oder der zusammen mit Terry Pratchett entworfenen „Lange Erde“-Serie. Baxter ist ehrgeizig. Und das liest man auch in seinen Kurzgeschichten heraus, die trotz ihrer Kürze dennoch oftmals epischen Charakter besitzen. Siebzehn Geschichten, die sich in diesem Band vereinen und am Ende ein beeindruckendes, faszinierendes und manchmal auch erschreckendes Bild unserer Zukunft im Gedächtnis hinterlassen. Stephen Baxter beweist, dass er einer der ganz Großen ist. Die Geschichten könnten verschiedenartiger nicht sein und man sollte sich zum Lesen Zeit lassen, denn es stecken sehr viele Überlegungen darin, die einen zum Nachdenken bewegen (sollten).

Die Vielfalt, mit der Baxter seine Leser in fremde Welten entführt, ist unglaublich und man muss zwischen den einzelnen Storys schon immer wieder mal ein wenig Abstand gewinnen. Denn zu absurd wirken sonst die Ausflüge von fremden Planeten in ein viktorianisches England des neunzehnten Jahrhunderts. Diese wilden Wechsel zwischen den Handlungsorten zeigen allerdings auch die reichhaltige Palette, die der Autor seinen Lesern und Fans bieten kann. „Obelisk“ ist ein bunter Ausflug in die Welt der Science Fiction, die auf höchstem Niveau unterhält.  Es gibt so viele mannigfaltige Geschichten in diesem Buch, so dass man getrost sagen kann, dass so ziemlich für jeden Geschmack etwas dabei. Da gibt es zum Beispiel einen Schüler, der aus Versehen auf dem Mars strandet.  Oder ein Autorennen, bei dem ein ganz besonderer Einsatz zum Tragen kommt. Der Leser erlebt die Eindrücke des ersten Menschen, der auf dem Mars umhergeht oder durch die Zeit reisende außerirdische Ratten. Stephen Baxters Ideenreichtum scheint unerschöpflich.

Es ist ein besonderes Buch, das der Heyne Verlag hier präsentiert, denn für viele Leser mag die Anordnung der Geschichten etwas wirr und unglücklich erscheinen, da sie kreuz und quer auf den Schnellleser wirken. Wie oben schon erwähnt, muss man sich bei diesen Geschichten aber eben Zeit nehmen und sich vor allem darauf einlassen. Wer Baxter kennt, weiß um seine Gedankengänge und kann die vielfältige Zusammenstellung durchaus verkraften. Der unaufmerksame Leser könnte sich in genau diesem unübersichtlichen Sammelsurium aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verirren und die Lust an diesen fantastischen Geschichten verlieren. Man sollte unbedingt berücksichtigen, dass jede einzelne Geschichte einen ganz eigenen Ausgangspunkt und ein eigenes Ziel verfolgt. Nur so ist ein Genuss gewährleistet. Baxter berührt den Leser tief in seinem Inneren und lässt uns klein erscheinen, wie er es auch des Öfteren in seinen anderen Werken mit uns macht. 😉

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Fazit: Beeindruckende Geschichtensammlung, die jedoch nichts für zwischendurch ist und Aufmerksamkeit erfordert.

©2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Zerbrechliche Dinge von Neil Gaiman

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Erschienen als Broschur
im Eichborn Verlag
insgesamt 412 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-8479-0655-1
Kategorie: Mystery, Belletristik

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Die verschiedenartigsten Geschichten und Gedichte verbinden sich am Ende auf nahezu magische Weise zu einem faszinierenden Gesamtbild.

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Neil Gaimans Bücher sind nicht einfach. Wer andere Werke des Autors kennt, weiß, auf was er sich einlässt beziehungsweise einlassen muss. Bei „Zerbrechliche Dinge“ ist es nicht anders. Diese Sammlung aus Kurzgeschichten und Gedichten stellt einen wunderbaren Überblick über das Schaffen Gaimans dar. Durch das Vorwort erfährt der Leser einiges über die Entstehung der einzelnen Geschichten, was dazu führt, dass man die Stories plötzlich unter einem besonderen Blickwinkel liest. Gerade die Mischung aus Kurzgeschichten und Gedichten macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Denn am Ende ergeben diese ganzen Beiträge auf wundersame Weise auf eine spezielle Art und Weise ein beeindruckendes Gesamtbild.

Wie schon erwähnt muss man sich auf Gaimans Geschichten einlassen können, um sie auch zu verstehen. Viel zu viel steht oftmals zwischen den Zeilen und man muss auch schon einmal etwas nachdenken, um den philosophischen Gedanken des Autors folgen zu können. Nachdem ich mit großer Begeisterung zuletzt „American Gods“ und die Quasi-Fortsetzung „Anansi Boys“ von Neil Gaiman gelesen habe, war ich natürlich gespannt auf „Zerbrechliche Dinge“. Die in diesem Buch gesammelten Geschichten entstanden in verschiedenen Zeitabschnitten. Umso erstaunlicher ist es, wie sich diese über Jahrzehnte verfassten Stories letztendlich doch irgendwie miteinander verbinden. Gaimen ist und bleibt ein Zauberer der Worte. Und auch wenn diese Sammlung eine Herausforderung für Einstiegsleser in Gaimans Schaffen bedeutet, so stellt sie dennoch einen ganz guten Überblick über das Gesamtwerk dar. Ich persönlich würde als Einstiegsbuch von Neil Gaiman eher „Coraline“ empfehlen, aber „Zerbrechliche Dinge“ eignet sich dennoch ebenfalls. Denn gerade die vielfältigen Geschichten und Gedichte zeigen, wie vielseitig Gaiman sein kann. Das im Eichborn Verlag erschienene Buch liest sich, wie man es von Gaiman gewohnt ist, sehr flüssig.

„Zerbrechliche Dinge“ ist eines jener Bücher, das man gerne noch ein zweites oder gar drittes Mal in die Hand nimmt, um es noch einmal zu lesen. Auch ist es eine dieser Anthologien, in die man immer wieder mal hineinblättert und bei einer Geschichte hängenbleibt. um sie entweder zum Teil oder sogar nochmals ganz zu lesen. Der Untertitel „Geschichten und Wunder“ passt hervorragend zu dieser Geschichtensammlung, denn wenn man am Ende angelangt ist, empfindet man die Abenteuer, die man gerade durchlebt hat, tatsächlich wie eine Art kleines Wunder, über die man auch noch nach der Lektüre nachdenkt. „Zerbrechliche Dinge“ ist Neil Gaiman pur und in seiner ganzen Vielfalt und seinem philosophischen Ideenreichtum, den man vom Autor gewohnt ist, einzigartig. Ich vergebe für dieses tolle Buch die volle Punktzahl und freue mich schon auf die nächsten Werke dieses außergewöhnlichen Schriftstellers.

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Fazit: Ideenreich, philosophisch und einfach nur wunderbar.

©2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der verrückte Stan von Richard Laymon

9783865527059

Erschienen als Taschenbuch
im FESTA Verlag
506 Seiten
14,99 €
ISBN: 978-3-86552-705-9
Kategorie: Horror, Kurzgeschichten

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23 Geschichichten aus der Feder des Kultautors Richard Laymon.
– Die Seejungfrau
– Blarney
– Dracusons Chauffeurin
– Pannenhelfer
– Stickman
– Der verrückte Stan
– Der Verehrer
– Gutenachtgeschichten
– Dinker’s Pond
– Schlechte Nachrichten
– Speisesaal
– Schnitt!
– Die Annonce
– Die Anhalterin
– Am Set von Vampire Night
– Der Junge, der Twilight Zone liebte
– Der Job
– Zehn Mücken, dass du’s nicht machst
– Choppie
– Hammerhead
– Der Henker
– Die lebenden Toten
– Doppeldate
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Wie schon in „Unerbittliche Geschichten“ (ebenfalls im Festa-Verlag erschienen) weiß Richard Laymon auch mit diesen Kurzgeschichten wieder größtenteils zu überzeugen. Sicherlich bleiben nicht alle Stories gleichermaßen im Gedächtnis haften, aber den Großteil davon behält man definitiv in Erinnerung. Die Qualität der einzelnen Geschichten schwankt zwischen annehmbar und hervorragend, so dass sich eine Beurteilung des hier vorliegenden Gesamtwerks leider schlecht vornehmen lässt. Aber auch wenn die ein oder andere Story einen nicht umhaut, so spiegeln sie dennoch das Universum wider, in dem sich der Schriftsteller Richard Laymon Zeit seines Lebens aufgehalten hat. Und wenn man die Geschichten unter diesem Aspekt sieht, bekommen sie gleich einen ganz anderen Stellenwert – zumindest verhielt es sich bei mir so. Ich habe das Buch jedenfalls durchgehend genossen und hatte definitiv Spaß dabei. Nun aber noch kurz zu den einzelnen Geschichten:

Den typischen Laymon-Flair findet man fast in allen Geschichten. „Die Seejungfrau“ erinnerte mich zum Beispiel an die Atmosphäre der „Freitag, der 13.“-Filme. „Blarney“ mit der gruseligen Burg als Schauplatz hatte dann eher den Touch einer Kurzgeschichte aus der Feder von Bram Stoker. Ebenso wie „Dracusons Chauffeurin“, was aller Wahrscheinlichkeit nach auch so beabsichtigt ist. „Pannenhelfer“ ist eine eher unbedeutende Story, die man aus einer Vielzahl von Filmen kennt. Dennoch liest sie sich sehr gut und bietet auch noch ein unerwartetes Ende. „Stickman“ reiht sich ebenfalls in die Art von Geschichten ein, die man einfach von der Handlung her schon irgendwie kennt. Das heißt aber nicht, dass diese Erzählungen nicht gut sind, sie bieten schlichtweg nichts Neues. Die titelgebende Geschichte „Der verrückte Stan“  hat mir persönlich wieder sehr gut gefallen und brachte die Stimmung der 80er Jahre Horrorfilme ein wenig zurück (was ich sowieso sehr mag 😉 ). „Der Verehrer“ ist schon bald wieder aus dem Gedächtnis verschwunden, so unbedeutend ist der Plot. Ebenso verhält es sich leider mit den nachfolgenden „Gutenachtgeschichten“ und „Dinker’s Pond“ – es bleibt nichts davon wirklich hängen. „Schlechte Nachrichten“ hingegen schildert eine Endzeitvision, die es in sich hat und an die man sich dann auch wirklich nach Beendigung des Buches erinnert. „Speisesaal“ ist stimmungsvoll und gleitet immer mehr in einen abstrusen Trip ab, der an die Filme von David Lynch oder Ken Russell erinnert. Ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack, aber für Laymon teilweise innovativ und experimentierfreudig. „Schnitt!“ hat mir dann wieder unheimlich Spaß gemacht, zumal sich Laymon hier vor Alfred Hitchcock verneigt. „Die Annonce“ ist ein wilder, erotischer Sextrip, der zwar kurz ist, es aber nichtsdestoweniger in sich hat. „Die Anhalterin“ entspricht dem Film „Hitcher – Der Highwaykiller“ in literarischer Form – nett zu lesen, aber wieder nichts Neues. „Am Set von Vampire Night“ dürfte für viele extrem langweilig sein, ich als Filmfan hatte meine wahre Freude daran (wie anscheinend Richard Laymon selbst auch 😉 ).
„Der Junge, der Twilight Zone liebte“ ist eine liebevolle Huldigung an die Kultserie mit einem für mich sehr coolen Ende. „Der Job“ ist eigentlich nicht der Rede wert, wohingegen „Zehn Mücken, dass Du’s nicht machst“ wieder einmal die Atmosphäre alter Horrorfilme verströmt. „Choppie“ ist eine nette kleine Lagerfeuergeschichte und im Gegensatz zu „Hammerhead“ seicht. Letztere besticht durch eine eindrucksvolle Erzählweise. „Der Henker“ und „Die lebenden Toten“ haben mir gut gefallen, aber auch sie , vor allem die letztere der beiden, vergisst man schnell wieder. „Doppeldate“ beendet diesen Sammelband an Kurzgeschichten und stellt für mich den Höhepunkt dar. Erfreulicherweise ist sie auch die längste Geschichte. Hier spürt man wieder den typischen Laymon-Flair.

Insgesamt gesehen handelt es sich bei „Der verrückte Stan“ zwar um eine eher durchschnittliche Kurzgeschichtensammlung, die aber dennoch absolut zu unterhalten vermag. Festa sei Dank haben diese Storys eine Veröffentlichung erfahren, die den Laymon-Fan absolut glücklich stimmt. Und, obwohl nicht alle Geschichten Highlights waren, werde ich dieses Buch definitiv noch einmal lesen. Trotz Schwächen und aller Kritik gibt es von mir dennoch eine ausdrückliche Leseempfehlung, zumal es den Kosmos des unvergesslichen Richard Laymon absolut erweitert.

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Fazit: Lesenswerter Ausflug in den Kurzgeschichten-Kosmos von Richard Laymon. Trotz manch schwacher Story empfehlenswert, für Fans sowieso.

© 2019 Wolfgang Brunner für Buchwelten