Liliths Töchter, Adams Sohne von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
insgesamt 372 Seiten
Preis: 14,97 €
ISBN: 978-3-959-57030-5
Kategorie: Belletristik, Thriller, Drama

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Georg verlässt seine Frau, um eine Affäre mit Susanna fortzusetzen. Seine Ehe war ohnehin auf dem Weg zum Scheitern, so dass Georg ein neues, schöneres Leben in Angriff nehmen wollte. Doch schon bald wird er von Susanna verlassen. Auf der Suche nach Liebe nimmt er viele Liebes- und Sexaffären in Kauf, obwohl er im Grunde genommen von Susanna nie loslassen kann.

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Schon nach dem Prolog wusste ich, dass Georg Adamahs „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ein Buch für mich ist. Alleine die stilistischen Mittel, die Adamah in seinem Roman anwendet, packten mich vom ersten Moment an. Ich kann gar nicht erklären, warum ich seine wilden, im ersten Moment kompliziert wirkenden, Schachtelsätze so faszinierend fand. Dieser Schreibstil ist innovativ, progressiv und einfach nur genial. Dadurch wird man im Verlaufe der Geschichte immer mehr zum Protagonisten und durchlebt seine Ängste, Hoffnungen und Leidenschaften. Man ist irgendwie hautnah dabei, wenn „Dschordsch“ sich Gedanken über die Frauen in seinem Leben macht. Alleine die Idee, die Gedankengänge des Protagonisten in die Schachtelsätze mit einzubauen, erinnerte mich an einen meiner Lieblingsschriftsteller, nämlich Samuel R. Delany. Man spürt, wie Georg hin und her gerissen und von seinen Gefühlen erdrückt wird.

Georg Adamah kann sehr gut schreiben und schafft es hervorragend, die Gefühlswelt eines Mannes zu schildern. Auch wenn es immer wieder um Oralsex geht (was ich persönlich etwas übertrieben fand, aber nicht unbedingt störend), so entlarvt Adamah doch im Verlauf der Geschichte gewisse Grundzüge des männlichen Denkens 😉
An manchen Stellen musste ich wirklich schmunzeln, wenn ich den Gedankengängen des „abservierten“, gekränkten Liebhabers folgte. Es wirkte so herrlich echt und realistisch, unverfälscht und ehrlich. Adamah würfelt die Emotionen des Protagonisten wild durcheinander. Mal leidenschaftlich, mal traurig, mal depressiv, mal zügellos … alles ist dabei. Und erfreulicherweise sind die „harten“ Sexszenen niemals übertrieben dargestellt, sondern bewegen sich immer auf einem gewissen Niveau, was eindeutig an der bildlichen Sprache des Autors liegt. Selbst eklige Szenen werden mit wunderbaren Umschreibungen „entschärft“ und wirken an keiner Stelle vulgär. Das ist ein sehr großer Pluspunkt dieses Buches, der zwar unter anderem teils extremen Sex behandelt, diesen aber niemals in einen provozierenden Vordergrund stellt, um durch Ekelmomente zu schocken. Adamah hält sich dabei immer an glaubwürdig wirkende Beschreibungen.

Gerade durch die sehr emotionale, eindringliche Beschreibung, wie sich ein Mann fühlt beziehungsweise fühlen kann, wenn er einsam und auf der Suche nach einer Partnerin ist, machten diesen Roman für mich zu einem unwiderstehlichen Pageturner, den ich in jeder freien Minute weiterlesen musste. Adamah hat ein realistisches Märchen geschrieben, das voller Poesie und kleinen Wahrheiten steckt, die im Leben eines Liebespaares geschehen. Doch es werden auch die traurigen, hinterhältigen Seiten einer solchen Beziehung dargestellt. Alles ist nachvollziehbar. Und egal, welche Szene Adamah gerade beschreibt, zwischen den Zeilen liest man Melancholie heraus, die unser aller Leben bestimmt (auch das von Frauen). Das ist dem Autor wirklich grandios gelungen.

Obwohl Adamahs außergewöhnlicher Schreibstil durch die langen Sätze kompliziert erscheinen mag, so lässt er sich dennoch absolut flüssig lesen und hinterlässt am Ende ein unvergessliches Gesamtbild im Gehirn des Lesers. „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ist wie eine Achterbahnfahrt durch die Gefühlswelt eines Mannes. Fast möchte man das Buch als „Californication“ zwischen zwei Buchdeckeln bezeichnen, denn auch hier geschieht vieles (wie in der genannten Serie übrigens auch) nicht nur immer oberflächlich unter der Gürtellinie, sondern zeigt im Endeffekt die dramatische Tragödie eines einzelnen Menschen, der an der Liebe und dem damit verbundenen Sex zerbricht.
Ich hoffe nur, dass Georg Adamah bereits an einem neuen Roman arbeitet, denn in mir hat er definitiv einen neuen Anhänger gefunden.

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Fazit: „Californication“ in Buchform. Realistisch, wütend, traurig, erotisch, eklig, melancholisch und beeindruckend – reales Leben eines nach Liebe Suchenden eben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII

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Erschienen als Taschenbusch
im Grafit Verlag
insgesamt 349  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-474-2
Kategorie: Kriminalanthologie

Der bereits achte Teil der Mord am Hellweg-Reihe lautet Glaube.Liebe.Leichenschau.

Insgesamt 23 Schrifstteller liefern ihre Kurzgeschichte ab, die jeweils in der Region des Hellwegs handeln. Der Verlag verspricht eine abwechslungsreiche Unterhaltung mit Mord und Totschlag, Schuld und Sühne ….

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Als Stammleserin vieler Krimis des Grafit Verlages habe ich diesmal auch die Anthologie Mord am Hellweg VIII ausgesucht. Bekannte, namhafte Autoren wie Horst Eckert, Sebastiak Fitzek, Arno Strobel, Elisabeth Herrmann und Rainer Wittkamp haben hier mitgewirkt. Aber außerdem noch eine ganze Reihe an Schreibern, die mir persönlich noch nichts sagten. Gerade das hat mich neugierig gemacht.

Zwischen 15 und 20 Seiten sind die Geschichten lang und so fliegt man natürlich als Leser relativ flott durch dieses Buch. Der Vorteil einer Anthologie und Kurzgeschichten ist, dass man immer mal wieder eine Geschichte lesen kann, wenn die Lesezeit nicht so ergiebig ausfällt. Der Nachteil ist, dass, wenn man eben doch mehr Zeit hat und einige Geschichten hintereinander wegliest, man schnell wieder die ein oder andere Handlung aus seinem Hirn radiert. So ging es mir ab und an auch. Geschichten, die mir zwar ganz gut gefielen, aber dennoch irgendwie nicht haften geblieben sind.

Andere wiederum schon. Hier einige kleine Beispiele und Stichpunkte:

Rainer Wittkamps „Das Iserlohner Reinheitsgelübde“ nahm eine Wendung, die unvorhersehbar war und gut rüberkam.

In „Als Allah nach Herdecke kam“ von Christa von Bernutz kommen sowohl die tragische Aktualität der Handlung sowie ein guter Spritzer herrlicher Humor nicht zu kurz. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich musste nicht selten schmunzeln. Eine Autorin, die ich mir merke.

Der österreichische Humor in „Danke Kamen – und sorry für den Toten“ von Georg Haderer hat auch wirklich Spaß gemacht.

Das Mädchen vom Wittener Kreuz“ von Matthias Wittekindt hat mich berührt und betroffen gemacht. Eine Geschichte, die einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat.

In „Kein Fall für Hunter“ hat Judith Merchant den Hauptprotagonisten eines bekannten Autorenkollegen zum Leben erwachen lassen. Da ich diese Reihe nicht kenne, hat es bei mir ein bisschen gebraucht, bis ich es kapiert hatte. Gelungen ist diese Geschichte aber sehr.

Sehr gefühlvoll und sanft, ja, teilweise erotisch liest sich die Geschichte „Atmen in Bad Sassendorf“ von Christian Sebastian Henn. Trotz Krimihandlung bringt der Autor hier eine wundervolle Stimmung in seinen Zeilen unter.

Auch die Geschichten der bekannten Herren wie Horst Eckert und Sebstian Fitzek gefielen mir gut. Bei der Story „UNNAtürlich“ von Sebastian Fitzek liefert der Autor seine altbekannten Wendungen, mit denen ich nie rechne, obwohl es sie doch immer wieder gibt. Diese kleinen Verzwickungen haben aber auch großen Spaß gemacht. WhatsApp hat bekanntlich so seine Tücken ….

Horst Eckert war für mich sehr interessant, weil er hier mit „Der Heiler von Hagen“ eine irgendwie so ganz andere Art von Geschichte liefert, als ich sie sonst von ihm kenne. Hat er gut gemacht. Er kann auch ohne Vincent Veih spannendes erzählen.

Elisabeth Herrmann präsentiert in „Letzer Ausstieg Ahlen“ zwei ganz entzückende, alte Damen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Eine spritzige Handlung mit Witz.

Ich könnte noch seitenlang weitermachen, ich denke, dass meine Begeisterung ganz gut herauszulesen ist …

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Mein Fazit: Eine tolle, rasante, böse und humorvolle Anthologie bestückt mit kleinen aber sehr feinen Kriminalgeschichten von bekannten und weniger bekannten Autoren. Hier gebe ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2016

Geschichten hinter der Liebe von Gigi Louisoder

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Erschienen als Taschenbuch
im Edition Paashaas Verlag EPV
insgesamt 160 Seiten
Preis:  9,90  €
ISBN: 978-3945725436
Kategorie: Kurzgeschichten Liebe/Erotik

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Zunächst vorab: Nein, ich mag keine Kurzgeschichten, aber genau solchen Lesern empfiehlt Gigi Louisoder ja diesen Kurzgeschichtenband auf ihrem Buchrücken. Von daher musste ich zugreifen.

Nein, der wahre Grund ist, dass ich Gigi Louisoder mittlerweile mehrmals auf der Mülheimer Lesebühne gesehen habe, wo sie aus ihren Werken vorlas, und sie mich einfach total begeistert hat.

Gigi Louisoder kann sehr gut vortragen, bringt ihre Texte mit einer tollen Betonung, Mimik und in einer ganz tollen Stimmung rüber. Darum konnte ich nicht anders, als mir einen Band zu kaufen.

Bei diesen Geschichten geht es um die „Geschichten hinter der Liebe“ oder vielleicht besser gesagt, nach der Liebe oder sogar um Sex ohne die Liebe? Wie auch immer, die Autorin beschreibt in einem tollen, immer leicht bösartigen (aber stets mit einem Lächeln im Mundwinkel) Schreibstil, wie die Liebe den Bach runter gehen kann und solche Beziehungen dann enden können. Und dies im Wechsel aus Sicht eines Mannes oder einer Frau.

Gigi Louisoder nimmt in ihren Texten niemals ein Blatt vor dem Mund, schreckt nicht annähernd vor der Beschreibung von sexuellen Praktiken zurück. Sie schreibt einfach wie es ist und das macht sie sehr gut.

Zwei Texte heben sich für mich aus allen anderen hervor. In einer Geschichte geht es um den Besuch einer Mutter bei ihrem Sohn, genau diesen Vortrag habe ich live erlebt, und in der zweiten spricht eine Mutter zu ihrem (zunächst ungeborenen) Kind. Letztere ist für mich die beste Story des gesamten Bandes. Sie rührt sehr an und verursachte mir einen Kloß im Hals.

Die übrigen Geschichten sind humorvoll, bösartig, kurzweilig und amüsant. Mir persönlich sind diese Beziehungsgeschichten allerdings immer ein bisschen zu negativ behaftet, lediglich eine einzige Geschichte erfährt dann doch noch eine gute Wendung 😉

Dennoch bin ich sehr angetan von diesem Band, denn er zeigt mir schließlich, dass ich glücklicherweise keine dieser beschriebenen Beziehungen führe und auch nicht vorhabe, meine in eine solche abdriften zu lassen.

Natürlich bin ich auch in der Lage, die Kurzgeschichten mit dem zwinkernden Auge der Autorin zu lesen und zu verstehen.


Von daher als Fazit: Tolle Kurzgeschichten, richtig gut geschrieben und absolut empfehlenswert. Und wer die Möglichkeit hat, die Autorin auf einer Lesung zu erleben, sollte unbedingt hingehen! Es lohnt sich.

© Buchwelten 2016

Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-06022-6
Kategorie: Endzeitdrama

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Die Welt wird von einer Pandemie, der Georgischen Grippe, heimgesucht. Innerhalb kürzester Zeit erkranken und sterben die Menschen. Einige wenige scheinen immun zu sein und überleben das Fiasko. Sie finden sich zusammen, leben in kleinen Siedlungen und bewahren das Erbe an die „alte“ Welt so gut es geht.

Eine Gruppe von Schauspielern und Musikern, die sogenannte „Fahrende Symphonie“, reist durch Amerika und begeistert die verbliebenen Menschen mit ihren Auftritten. Unter Ihnen ist die junge Kristin. Sie ist eine der Schauspielerinnen der Symphonie und sie stand bereits als Kind auf der Bühne. Kristin war als kleines Mädchen dabei, als der berühmte Schauspieler Arthur Leander während seiner Darbietung als König Lear im 4. Akt verstirbt. Ihm ist der Untergang der Welt knapp erspart geblieben.

Und auch wenn dieser Roman die Geschichte des Ende der Welts wie wir sie kennen erzählt, so dreht sich doch eigentlich alles um ihn, Arthur Leander.

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Das Licht der letzten Tage ist ein Endzeitdrama oder eine Dystopie, obwohl es irgendwie auch eigentlich keines von beidem ist. Anders kann man diesen Roman nicht beschreiben.

Die Autorin hält sich während der Handlung mehr in der Vergangenheit auf und erzählt das Leben des Schauspielers Arthur Leander in seinen unterschiedlichsten Lebensstationen. Wir lernen Freunde, Ehefrauen und Kinder kennen. Treffen auf Weggefährten und Bekannte. Erleben seinen Tod direkt zu Beginn des Romans und schlittern durch diese schnelle, bösartige Pandemie in die Jetztzeit. Und ganz langsam aber sicher verknüpfen sich die Fäden, finden sich die Figuren der unterschiedlichsten Zeiten zusammen und ergeben ein gesamtes Bild.

Emily St. John Mandel hat hier einen wunderbar ruhigen, liebevollen und poetischen Roman erschaffen, der vergessen lässt, dass die Welt ja eigentlich komplett zerstört ist.

Die Autorin gibt ihren Figuren eine Echtheit und Tiefe, dass sie dem Leser während der Handlung ans Herz wachsen und man fühlt sich einfach wohl mit ihnen.

Mir hat dieser stille Roman sehr gut gefallen, die Sprache ist sehr schön und gehoben. Die Beschreibungen der Orte und einzelnen Szenen erfolgt detailgenau, sodass ich alles „gesehen“ habe. Genauso soll Lesen sein, Buchstaben sollen einen Film erzeugen und das hat die Autorin hier wunderbar geschafft. Interessant ist auch, dass die Endzeitstimmung eigentlich gar keine Rolle spielt. Ja, es hat eine Pandemie beinahe alles Leben ausgelöscht, dennoch ist das eher nebensächlich.

Was mich ein bisschen enttäuscht ist lediglich auf die Qualität des Buches zurückzuführen. Das Buch ist trotz vorsichtigem Lesen bei mir völlig schief und verbogen. Der Buchrücken ist durchgebogen und das sieht im Regal absolut unschön aus. Es wundert mich ein bisschen, denn ich habe eine Menge Bücher des Verlages zu Hause und die sind eigentlich von besserer Qualität.

Mein Fazit: Eine wunderschöne, ruhige und stimmungsvolle Geschichte, die durch liebevoll gestaltete Charaktere getragen wird. Eine Dystopie eben, die keine ist 🙂

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© Buchwelten 2015

Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger

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Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Verlag
insgesamt 543 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-596-16390-8
Kategorie: Drama, Liebesroman

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Durch einen Gendefekt ist Henry dazu verdammt, von der Gegenwart in die Zukunft und Vergangenheit zu reisen. Er lernt Clare kennen und lieben, muss sich aber immer wieder eine Zeitlang von ihr verabschieden, wenn er zwischen den Zeiten umhergeschleudert wird. Das Liebespaar trifft sich immer wieder, sei es in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Auch als sie in der Gegenwart heiraten, wird Henry seine Zeitreisen nicht los. Und Clare wartet geduldig in ihrer Zeit, bis er wieder zurückkommt …

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Niffeneggers bezaubernde, aber teils verwirrende Liebesgeschichte, lässt sich schwer aus der Hand legen. Liebe und Zeitreise sind Zutaten, die eine dramatische Entwicklungen erahnen lassen. Und genauso verhält es sich auch, wenn Henry chaotisch durch die Zeiten hüpft, um seine Liebe Clare in verschiedenen Altersstufen zu treffen. Mal amüsant, mal traurig und melancholisch und oft auch anzüglich erzählt die Autorin in einem schönen Schreibstil von einer Liebe, die über alle Zeiten hinweg andauert.
Dieses Konzept hat mich anfangs argwöhnisch gemacht, besteht doch für die Autorin die Gefahr, in die Falle der widersprüchlichen und unlogischen Paradoxen zu tappen. Und, was soll ich sagen? Sie tappt natürlich hinein und zieht in ihrer Geschichte einen Rattenschwanz von Logik-Fehlern hinter sich her. Aber … Niffenegger nimmt diese „Fehler“ einfach als gegeben hin und ignoriert sie, schreibt munter weiter und lässt dadurch den Leser ebenfalls vergessen, was möglich sein kann und was nicht. Der Protagonist trifft sich zum Beispiel immer wieder selbst. Und das macht einen so unglaublichen Spaß, dass man gerne das dazugehörige Paradoxon zur Seite schiebt und die Treffen der beiden Ichs einfach nur genießt.

Die Mischung aus Humor, nicht wirklich kitschiger Liebesgeschichte und einem Schuss Science Fiction funktioniert und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Gerade die Einfachheit der Geschichte ist es, die mir gefallen hat, denn es passiert nichts Weltbewegendes während der Jahrzehnte währenden Treffen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Leser nimmt einfach nur am Leben zweier Menschen teil, die sich lieben.

Die Charaktere hätten durchaus noch besser ausgearbeitet werden können, denn an manchen Stellen kommen sie einem dann doch relativ leer voll. Aber das macht Niffenegger in ihrem herzerweichenden und hochemotionalen Ende wieder wett. Da kamen schon ein paar Tränchen, als ich die letzten Seiten des Buches las. Das war einfach nur wunderschön, traurig und melancholisch – einfach Klasse.
Wer wissen will, wie mir die Verfilmung gefallen hat, kann das auf „Film-Besprechungen“ nachlesen —> KLICK MICH!

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Fazit: Niffenegger setzte sich über die gängigen Paradoxen von Zeitreise-Romanen hinweg und zaubert eine emotionale und unterhaltsame Liebesgeschichte mit Kultcharakter.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Hilflos von Barbara Gowdy

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Kunstmann
insgesamt 336 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-88897-462-5
Kategorie: Drama, Thriller

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Bei einem Stromausfall verschwindet die neunjährige Rachel spurlos. Die Mutter und Freunde helfen der Polizei bei der Suche, nichtsahnend, dass sich das Mädchen gar nicht einmal so weit entfernt von ihnen befindet. Rachel wurde von Ron und Nancy entführt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein eigenes Kind. Und Ron verspürt manchmal eine wahnsinnige Sehnsucht und Liebe gegenüber dem Mädchen, dass er sie nicht mehr hergeben möchte …

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Barbara Gowdy hat ein intensives Drama geschrieben, das sehr mitnimmt und emotional aufwühlt. Alleine die Tatsache, dass Gowdy versucht, eine Kindesentführung aus Sicht des Entführers, der Entführten und der betroffenen Mutter zu schildern, macht diesen Roman lesenswert. Denn die Autorin schafft es tatsächlich, jede Seite „verständlich“  und nachvollziehbar zu machen. Auf sehr ruhige Art wird eine Geschichte erzählt, die im Grunde genommen nur von einer Sache erzählt, nämlich der Macht der Liebe. Es ist eine Gratwanderung, die Gowdy hier entlang geht, ohne dabei auf eine Seite abzustürzen.
So schrecklich die Thematik auch ist, so einfühlsam und empathisch wird die Geschichte erzählt, dass sie so manches Mal sogar den Schrecken vergessen lässt und Hoffnung auf eine bessere Welt aussät. Immer wieder hofft man, dass der Entführer seinen Gelüsten nicht nachgibt. Wie diese innere Zerrissenheit des Mannes beschrieben wird, ist schon sehr realistisch und sensibel.

Eindringlich, nachvollziehbar und tiefgründig beschreibt Gowdy, was in einem Mann vorgeht, der Liebe und Begehren zu einem Mädchen nicht ganz unterscheiden kann. Andererseits spürt man die Verzweiflung der Mutter und die Anspannung, die solch ein Vorfall im Freundeskreis auslöst. Die Unsicherheit des entführten Mädchens wird so grandios in Szene gesetzt , als erhielte man tatsächlich Einblick in die Gefühlswelt eines solchen Opfers.
Barbara Gowdy hat sich in ihrem sechsten Roman einem schwierigen Thema gewidmet und hat dies aus meiner Sicht mit Bravour gemeistert. Ich konnte mich schwer von der Geschichte losreißen. Das Ende hat mich nachdenklich gemacht.
Gowdy versucht, sich in die Psychologie eines solchen Straftäters einzudenken und ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen. Ihr geht es in ihrem Roman weniger um eine effektgeladene Krimigeschichte, als vielmehr um ein Psychogramm von Entführer und Entführter.
Wer sich auf das Thema einlassen kann, wird mit einer spannenden, aber dennoch sehr ruhigen Geschichte belohnt, die es in sich hat.

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Fazit: Einfühlsam und ruhig erzählt Barbara Gowdy die Geschichte einer Kindesentführung und versucht dabei, die Psychologie des Täters zu durchleuchten.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die erfundene Geliebte von Didier Decoin

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Erschienen als Taschenbuch
im Droemer Knaur Verlag
insgesamt 303 Seiten
Preis: — € / vergriffen
ISBN: 978-3426600252
Kategorie: Drama, Liebesroman

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Im Jahr 1912 gewinnt der Werftarbeiter Horty bei einem Sportwettbewerb die Teilnahme am Stapellauf der Titanic. Dort trifft er auf das schöne Zimmermädchen Marie, in die er sich hoffnungslos verliebt, und die am nächsten Tag auf der Titanic ihre Arbeitsstelle antritt. Sie verbringen einen Abend gemeinsam in einem Hotelzimmer. Obwohl nichts zwischen ihnen passiert ist, erfindet Horty eine feurige Liebesgeschichte, die er in seiner Stammkneipe jeden Abend zum Besten gibt. Hortys Liebesromanze wird über die Grenzen seiner Heimat bekannt und bald geht er mit seiner erfundenen Geschichte auf Tour. Als dann die Titanic sinkt, gewinnt seine Liebesgeschichte eine völlig neue Bedeutung …

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Didier Decoins Geschichte ist ein Gesellschaftsroman, der den Leser ins Zeitalter des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts entführt. Ausschlaggebend für mich, den Roman zu kaufen, war die Tatsache, dass in dem Roman der Stapellauf und Untergang der Titanic eine Rolle spielt. Als Titanic-Begeisterter kam ich also nicht umhin, dieses Buch zu lesen.

Decoin hat eine wirklich schöne Liebesgeschichte erfunden, in die sich das historische Ereignis des Titanic-Unglücks hervorragend einfügt. Ohne aufdringlich zu wirken, erzählt der Autor, was er über das gigantische Schiff recherchiert hat, richtet aber sein Hauptaugenmerk auf seine Protagonisten. Die Mischung aus historischer Richtigkeit und erfundener Fiktion ist Decoin absolut gut gelungen und es war nicht nur die fast permanente „Anwesenheit“ der Titanic, die mich begeisterte, sondern auch die tragische Liebesgeschichte, die darum herumgesponnen wurde.

Kein einziges Mal kam Langeweile auf, denn die dichte Atmosphäre um den tragischen Helden Horty nahm mich in Besitz und ich wollte wissen, wie es mit ihm weitergeht beziehungsweise endet. Und da wäre ich dann auch schon beim einzigen klitzekleinen Manko des Romans: Das Ende war ab einer gewissen Zeit einfach absehbar. Aber das war an sich gar nicht weiter schlimm, denn im Grunde genommen habe ich es eigentlich ja auch erwartet und wäre enttäuscht gewesen, wenn es nicht so passiert wäre.

Für Titanic-Fans absolut empfehlenswert, wenngleich sich die Geschichte des Ozeanriesen im Hintergrund abspielt. Dennoch ist die Titanic irgendwie immer allgegenwärtig. Und die außergewöhnliche Liebesgeschichte, die man dazu serviert bekommt, ist auch nicht ohne.

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Fazit: Außergewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Titanicstapellaufs und -unglücks. Schöne Darstellung jener Epoche.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Mord im Viertel von Cord Buch

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Mord im Viertel
Erschienen als Taschenbuch
im Verlag edition oberkassel
insgesamt ca. 200 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN 978-3-943121-63-6
Kategorie: Krimi

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Nele arbeitet als freie Journalistin, ist schon um die 50 Jahre alt und führt ein eher untypisches Leben. Sie teilt Ihre Wohnung mit Tjark, den man wohl als ihren festen Freund bezeichnen kann, hat aber auch immer mal Liebhaber, denn sie hat die Lebenseinstellung, dass man die Liebe und die Menschen nehmen soll, wie sie kommen und sich nicht nur für eine Person aufsparen kann/muss/soll. Tjark teilt diese Lebenseinstellung und so führen sie eine Beziehung, die sich derzeit auf Grund von Tjarks Beruf leider aktiv auf das Wochenende beschränkt.

Ihr Sohn Cairo ist schon 20 Jahre alt und führt sein eigenes Leben. Als dieser eines Abends im Zusammenhang mit den Protesten gegen eine geplante Luxussanierung im Viertel Neles ehemaligen Freund von vor 30 Jahren anschleppt, staunen beide nicht schlecht. Nele ist sicher, dass Joes (das ist der Name des Ex) Erscheinen in Verbindung mit der Widerstandsbewegung steht, denn Joe war vor einigen Jahrzehnten sehr radikal und dies war mitunter ein Grund zur Trennung.

Nele vermutet politische Hintergründe in der geplanten Sanierung und plötzlich geschieht der erste Mord: Der Immobilienhai, mit dem Nele eigentlich zum Interview verabredet war, wird kurz vor dem Termin erschossen aufgefunden. Nele bekommt bei ihren Recherchen unerwartete Unterstützung des Computerfachmanns Ben, der in ihrem Zeitungsprojekt für die Wartung der Rechner verantwortlich ist. Er offenbart sich als gewandter Hacker und ist Nele nur zu gerne behilflich. Zumal er sich auch körperlich von ihr angezogen fühlt.

Nach einem Brandanschlag auf den Infostand des Sanierungsprojektes, gerät ihr Sohn Cairo unter Verdacht. Und nachdem ein weiterer Mord in Neles nahem Umfeld geschieht, zieht auch sie das Interesse der ermittelnden Beamten immer mehr auf sich. In was ist Nele da nur hineingeschlittert? Hat das plötzliche Auftauchen von Joe damit zu tun? Nele weiss, dass sie nicht aufhören darf zu recherchieren. Sie muss erfahren wer und welche Gründe hinter den brutalen Morden stecken …

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Mord im Viertel ist der Debütroman von Cord Buch und den möchte ich doch als gelungen bezeichnen. Er schreibt in einem sehr guten, gehobenen Schreibstil, der mich sehr angesprochen hat. Hier gibt es einige Ausnahmen, auf die ich später noch einmal eingehen werde.

Er beginnt jedes Kapitel mit einer Traumsequenz und gerade diese Sätze haben mich sehr angesprochen. Die Handlung ist gut und schlüssig und erinnert mich mit ihrem doch politischen Hintergrund ein bisschen an die Horst Eckert Romane. Das Interessante für mich war, dass – obwohl hier ein Krimi vorliegt – die Ermittler und Kommissare eine absolute Nebenrolle spielen. Sie tauchen immer mal wieder auf, die wichtigen Charaktere des Buches sind diese allerdings in keinem Fall. Die sind Nele und ihre Freunde, Liebhaber und Bekannten.

Ob mir Nele so richtig ans Herz gewachsen ist, kann ich nicht wirklich beurteilen. Sie lebt sicherlich ein absolut unkonventionelles Leben, was auch gut ist und ihr gegönnt sei. Allerdings ist mir ihr Denken und Handeln sehr oft lediglich vom Sex gesteuert oder verblendet. Und diese Stellen haben mir teilweise dann auch nicht gefallen. Ich mag gerne erotische Szenen lesen, jedoch ist mir hier der Schreibstil in manchen Passagen schon in die pornografische Beschreibung abgerutscht, die mich persönlich überhaupt nicht anspricht. Gegen Ende des Romans hat sich dies dann etwas relativiert und da war mir Nele dann auch sympathischer.

Der Autor nennt die Großstadt in der sein Roman spielt, nie wirklich beim Namen. Wegen der Nähe zum Meer habe ich mir gedacht, dass es sich um Hamburg handelt. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut. Ich habe für mich recht früh abgesehen, wer der Mörder war, dass muss aber ja nicht bei jedem so sein.

Was mich ein wenig stört ist, dass der Verlag den Roman in einer absolut kleinen Schrift abgedruckt hat, was das Lesen doch recht anstrengend macht. Mir hätte eine etwas grössere Schrift und ein lockerer Seitenaufbau viel besser gefallen, auch wenn der Roman dadurch mehr Seite vorgewiesen hätte.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen Hamburger Szenekrimi, der in einem sehr guten Schreibstil die Themen Politik, Protest, Geldmacherei, Sex, Beziehung und einiges mehr zwischen zwei Buchdeckeln bietet. Es ist immer wieder interessant, welche Schätzchen sich in kleineren Nischenverlagen finden.

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Ich danke der edition oberkassel für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Das Lachen und der Tod von Pieter Webeling

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89667-464-7
Kategorie: Allgemeine Belletristik (Drama)

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Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann ist Halbjude und wird in ein in Polen liegendes Vernichtungslager deportiert. Doch er ist und bleibt Komiker und so kann er sich weder auf dem Bahnsteig vor der Abfahrt in einem Viehwaggon beherrschen (Frage an einen SS-Offizier, ob es sich denn hier um den 1. Klasse Viehwaggon handelt), noch im Verlauf der „Reise“ (um ein aufkommendes Gerangel innerhalb des Waggons zu unterbinden, steigt Hoffmann auf zwei Koffer und improvisiert eine Vorstellung) und später innerhalb des Lagers.

Während der Fahrt trifft Ernst auf die schöne Helena, in die er sich auf den ersten Blick verliebt, auch wenn sie sich nie zuvor gesehen haben. Sie versprechen sich gegenseitig, einander nie zu vergessen.

Nach der Ankunft im KZ beginnt sofort die Selektion von Frauen, Kindern, Männern. Ernst wird einem Arbeitskommando zugeteilt, hat also insofern Glück, dass er nicht sofort „duschen“ muss.

Der Lageralltag ist grausam, brutal und der Tod ist allgegenwärtig. Die Gedanken an die schöne Helena sind der einzige Hoffnungsschimmer, der Ernst bleibt. Über den Barackenältesten Schlomo erfährt er, dass seine Helena noch lebt und um sporadischen, schriftlichen Kontakt zu ihr halten zu können, trifft er eine Abmachung mit Schlomo: Jeden Tag einen Lacher. Er tritt abends als Komiker in der Baracke auf, bringt seine Mitinsassen zum Lachen, damit sie nicht dem Wahnsinn verfallen oder in Hoffnungslosigkeit ertrinken.

Als der Lagerkommandant davon erfährt, schlägt er Hoffmann vor, vor der SS als Komiker aufzutreten. Nicht nur er selber soll dadurch bevorzugt behandelt werden, auch seiner Helena soll der Alltag im Lager erleichtert und angenehmer gestaltet werden. Ernst Hoffmann weigert sich, wird sogar dem Todeskommando zugewiesen, der Gruppe Lagerinsassen, die für die Vergasung der Neuankömmlinge zuständig ist. Hoffmann soll die Menschen durch seine Komik beruhigen, zum lachen bringen, im Klartext: in die Irre führen.

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Der Autor Pieter Webeling hat hier eine Geschichte zu Papier gebracht, die sich liest, wie eine Autobiographie und nicht wie ein Roman. Er hat so genau recherchiert dass der Leser meint, der Autor selbst sei der Ich-Erzähler, der seine Geschichte wiedergibt. Die Gratwanderung zwischen Humor, Komik, Grausamkeit, Elend und Tod ist Webeling sehr gut gelungen. Dieses Thema ist eine schwere Kost und auch nach so vielen Jahrzehnten verliert es nichts von seiner Heftigkeit und seinen Gräueln.

Der Roman beschreibt das Überleben und den Tod innerhalb des KZs, die Leiden, Qualen durch Prügel, Hunger, Krankheit, jedoch ebenso den Hauch von Hoffnung und Freundschaft und ja, auch den Humor, der die Menschen vor dem Durchdrehen und Aufgeben bewahrt. Ich war absolut gefesselt von dieser Geschichte und habe während des Lesens die verschiedensten Gefühle durchlebt.

Webeling beginnt seinen Roman nach dem Krieg, mit dem ersten Auftritt seines Protagonisten in seinem Amsterdamer Theater. Somit weiß der Leser gleich zu Beginn, dass zumindest der Komiker es geschafft hat. Dann springt er zurück und erzählt die Ereignisse, die zwischen dem letzten und ersten Auftritt auf der Bühne liegen. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, schönt nichts und niemanden, beschreibt das Leben der Lagerinsassen so detailliert, dass es dem Leser erschreckend klar vor Augen steht.

Der Roman wird als gebundene Ausgabe präsentiert und von einem schlichten Cover geziert, dass treffender nicht sein kann und auch der Handlung entspricht: ein Mann in einer KZ-Pyjamahose, kombiniert mit einem Frack, Zylinder und Stock, wie Charlie Chaplin es trug. Auch der Titel könnte nicht passender sein: Das Lachen und der Tod trifft es haargenau. Der Titel wurde übrigens wörtlich aus dem niederländischen übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein fantastisch, schreckliches Buch, dass die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Komik eindeutig geschafft hat. Es schockiert, macht traurig, bringt zum weinen, jedoch auch zum schmunzeln und lässt es sogar zu, dass sich der Leser während der Lektüre freuen kann. 

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© Buchwelten 2014

Lost Land – Der Aufbruch (II) von Jonathan Maberry

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Thienemann Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-522-20176-6
Kategorie: Jugendbuch

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Benny Imura ist bei seinem großen Bruder Tom in die Lehre gegangen und bekommt alles beigebracht, um ein guter Zombiejäger/Zombiebefrieder zu werden. Die Brüder sind sich näher gekommen, Benny hat seinen Hass Tom gegenüber abgelegt und gemeinsam mit Nix und Lilah (DEM verlorenen Mädchen) bereiten sie sich gemeinsam auf den Aufbruch vor.

Sie werden die Sicherheit des Ortes Mountainside hinter sich lassen und durch das Leichenland wandern, um sich auf die Suche nach dem Jet zu begeben, den sie alle am Himmel gesehen haben. Sie werden nicht nur besagte Sicherheit hinter sich lassen, sondern auch ihre Freunde. Nix kann es kaum erwarten, sie hält nichts mehr in der Stadt, in der sie zuletzt ihre geliebte Mutter verloren hat.

Doch bereits kurz nach dem Aufbruch wird die Gruppe auf harte Proben gestellt. Benny, Nix und Chong, Bennys bester Freund, der eigentlich nur für eine Nacht mitgeht, um sich den Abschied zu erleichtern, werden von den grausamen Kopfgeldjägern gefangen genommen, die ein neues Gameland im Leichenland errichtet haben. Dort sollen die Jugendlichen in Zombiegruben wie Gladiatoren gegen die Untoten kämpfen.

Alte Weggefährten, auf die Tom und seine Begleiter im Leichenland gebaut haben, sind verschwunden, fielen den Untoten zum Opfer und die Gruppe muss all ihr erlerntes Kriegerpotential anwenden, um mit dem Leben davon zu kommen ….

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Jonathan Maberry knüpft in seiner Handlung nahtlos an den ersten Teil seiner Lost Land Reihe an. Sofort fühlte ich mich in der Handlung wieder zu Hause, waren mir die bekannten Charaktere vertraut. Benny und seine Freunde sind innerhalb der letzten Monate gereift, wirken erwachsener, überlegter, auch wenn sie sich natürlich immer noch wie Teenager benehmen können, wenn sie „dürfen“. Trotz aller Gefahren und Kämpfe lachen und albern sie gemeinsam herum, machen sich Gedanken über die Gefühle einer ersten Liebe, mit allen Höhen und Tiefen.

Auch hier in diesem zweiten Teil geht es wieder um die Menschlichkeit, die Handlung beschreibt nicht nur ein wildes Untotengemetzel, sondern zeigt immer wieder auf, dass es sich bei den umherwandernden Wesen einst um Menschen aus Fleisch und Blut gehandelt hat. Die Gruppe empfindet oft Mitleid mit den Wesen, die sie endgültig ausschalten müssen, um ihr eigenes Leben zu retten.

Die Gespräche der Jugendlichen untereinander oder zwischen Tom und seinem Bruder sind sehr tiefgründig. Der Schreibstil ist erneut sehr gehoben und hat mich angesprochen. Ich habe die Landschaften vor meinem geistigen Auge gesehen, war bei der Geschichte dabei. Der Autor beschreibt zum Beispiel einen Blick von Benny und Nix auf ein abgebranntes Feld voller Zombieleichen und schafft es dennoch, diesem Anblick etwas schönes abzugewinnen, den schrecklichen Anblick des Schauplatzes weichen zu lassen.

Der Spannungsbogen ist gut gespannt und hat mich durch die Handlung fliegen lassen, Langeweile und zähe Momente kamen nicht auf. Dennoch lässt der Autor den Leser bei allem Chaos und zwischen den gefährlichen Momenten auch zur Ruhe kommen.

Ich würde mir nach wie vor keinen Zombiefilm anschauen, weil es mich da zu sehr gruselt, gelesen gefällt mir die Story allerdings sehr gut, auch wenn der Autor gerne ausführlich und genau beschreibt, wie diese Wesen aussehen. Romero Fans werden auf Ihre Kosten kommen!

Der Verlag präsentiert diesen zweiten Teil wieder als gebundene Ausgabe, hat allerdings bei diesem Buch daran gespart, dass das Cover unter dem Schutzumschlag wieder farblich bedruckt ist. Schade eigentlich, denn es gibt sicherlich viele Leser, die die Bücher gerne ohne die schützende Hülle ins Regal stellen. Hier hat der erste Teil eindeutig optisch mehr her gemacht.

Innerhalb der Buchdeckel sind die Kapitel in einer guten Länge aufgeteilt, zu Beginn eines jeden Kapitels ist Stacheldraht zu sehen. Diese kleine Spielerei wurde übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diese gelungene Fortsetzung eines Jugendbuches mit Anspruch, dass sicherlich erneut vielen Erwachsene gefällt. Geschrieben in einem guten, fesselnden Schreibstil, bestückt mit charakterstarken Figuren, liefert die Handlung einen sehr menschlichen, kritischen Blick auf das Verhalten von Menschen, sei es im positiven oder auch negativen Sinne. Und ja, es gibt jede Menge untoter Wesen, die mich aber auch nicht abschrecken, wobei ich Zombies eigentlich gar nicht mag 🙂 Ich freue mich schon jetzt auf den Folgeroman. 

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