Das Phantom von Manhattan von Frederick Forsyth

PhantomErschienen als Taschenbuch
im Goldmann Verlag
240 Seiten
gebraucht auf diversen Plattformen erhältlich
ISBN: 978-3-442-45003-9

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Was wurde aus dem Phantom der Oper, welches in den Gewölben unter der l’Operà lebte und die junge Opernsängerin Christine Daaé entführte, da es sich unsterblich in die junge Frau verliebte?

Als Madame Antoinette Giry im Jahre 1906 im Sterben liegt und nach einem Notar verlangt, erzählt sie ihm, wie sie seinerzeit den Jungen Erik Mühlheim aus einem Kurisiositätenkabinett befreite und ihn zunächst in ihrem Heim aufpäppelte und dann an ihrer Arbeitsstätte, unter der Pariser Oper, versteckte. Nach dem skandalösen Vorfall um Christine Daaé verhalf sie ihm dann zur Flucht nach Amerika.

Und ihr letzter Wille ist es nun, dass der Notar Dufour einen Brief an Erik für sie zustellen soll. Und das persönlich und zwar in New York. Erik ist in New York zu großem Reichtum gekommen, ist einer der mächtigsten Männer Amerikas. Zu Gesicht bekommen hat das „Phantom von Manhattan“ jedoch bislang niemand ….

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Als ich damals Anfang 2016 das Musical „Das Phantom der Oper“ gesehen hatte, war ich so begeistert, dass ich die Geschichte lesen wollte. Ich habe dann den Roman von Gaston Leroux gelesen, der sicherlich gu,t aber doch irgendwie auch ein bisschen komisch war. Stichworte: der Perser, Stromausfall …

Mein Onkel erzählte mir dann, dass er mit meiner Tante im Musical „Das Phantom von Manhattan“ war, das einfach fantastisch sei und ihn absolut begeisterte. Ich wusste seinerzeit gar nicht, dass es eine „Fortsetzung“ des Romans gibt. Mein Mann schenkte ihn mir und ich habe ihn innerhalb der letzten 2 Tage verschlungen.

Zu allererst gibt es ein sehr ausführliches Vorwort von Frederick Forsyth, das so gut, interessant und informativ ist, das es sich allein dafür lohnt, das Buch in die Hand zu nehmen. Er zerlegt den Roman von Leroux in einer liebevollen aber klaren Art und Weise und er erzählt sehr viel über die Hintergründe der damaligen Gerüchte (die den Stoff für den Roman lieferten) den Bau und die Architektur des Opernhauses in Paris, uvm. Sehr spannend!

Wie oben im „Klappentext“ bereits erwähnt, beginnt die eigentliche Geschichte dann mit der Erzählung von Antoinette Giry, der Frau, die wir alle aus dem ersten Roman (und auch natürlich aus dem Musical) kennen. Im Roman war sie eher eine unterbelichtete „Schließerin“ der Logen im Operngebäude. Im Musical war sie die Leiterin des Corps des Ballet (der Tanztruppe) und Mutter der Tänzerin Meg.

Wir begleiten dann den Notar auf seinem Weg nach New York, erfahren wie es Erik nach seiner Ausreise nach Amerika ergangen ist. Auch hier verbaut Forsyth sehr viel Interessantes und historisch Belegtes. Ich habe alles nachgelesen und mir alte Bilder angeschaut, da ich zum einen prüfen wollte, ob er wirklich die wahre Geschichte mit seiner Fiktion verknüpft und es zum anderen einfach so spannend war, dass ich mehr wissen wollte.

Jedes Kapitel wird aus der Sicht einer anderen Person erzählt, die in die Handlung involviert ist, und so sind wir immer sehr nah dabei und es geht bisweilen recht dramatisch zu. Mehr verrate ich von der Handlung nicht, denn ich kann jedem, der „Das Phantom der Oper“ gesehen / gelesen hat nur empfehlen, diesen Roman ebenfalls zu lesen.

Die Idee zum Buch kam (natürlich) durch ein Gespräch mit Andrew Lloyd Webber auf, der dann gemeinsam mit Frederick Forsyth an dieser Handlung herumgefeilt hat.

Und eines weiß ich ganz gewiss: Dieser Roman wird ein fantastisches Musical geworden sein! Ich möchte es unbedingt ansehen. Aber zuerst: lest dieses Buch ☺

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© Marion Brunner für Buchwelten 2017

 

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Zodiac von Romina Russell

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
464 Seiten
11,00 €
ISBN: 978-3-492-28127-0

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Die 16-jährige Rhoma vom Planeten kann auf andere Weise in den Sternen lesen, wie ihre Mitschüler. Denn während die anhand genauester Berechnungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse versuchen, in die Zukunft zu sehen, sieht Rho die Vorzeichen einer schrecklichen Katastrophe, bei der unzählige Menschen sterben. Als ihre Vision wahr wird, macht sich Rho in ihrer Eigenschaft als Wächterin auf die Suche nach dem Ursprung der Bedrohung, denn es sieht aus, als wäre ganz Zodiac in Gefahr.

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Schon nach den ersten zehn Seiten merkt man „Zodiac“ an, dass es sich um einen wahren Pageturner handelt. Das liegt zum einen auf jeden Fall an dem wunderbaren, überaus flüssigen und ansprechenden Schreibstil der Autorin, zum anderen aber auch an der sehr atmosphärischen Handlung. Romina Russell entwirft ein faszinierendes Universum, in dem die Sternzeichen eine wichtige Rolle spielen. Oft fühlte ich mich an die grandiose „Sonea“-Reihe von Trudi Canavan erinnert, die in einem ähnlichen Schreibstil ihre Geschichte erzählt. Russell beschreibt die Welt, in der sich die Protagonistin und ihre Freunde befinden, sehr detailliert, so dass man sich darin sehr wohl fühlt und dementsprechend um das Schicksal aller mitfiebert. Auf den ersten Blick mag die ein oder andere Idee etwas kompliziert wirken, aber man gewöhnt sich sehr schnell an die „Fremdwörter“. Romina Russell geht an manchen Stellen auch sehr in die Tiefe und lässt den Plot fast schon in eine esoterische Richtung abgleiten. Das mag den ein oder anderen Leser stören, ich persönlich empfand diese Entwicklung als äußerst ansprechend und unterhaltsam.

Die Geschichte wird äußerst rasant erzählt, so dass es mit wirklich sehr schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen. Romina Russell baute neben einer spannenden Handlung auch noch eine Romanze ein, die sehr stimmig auf mich wirkte und fesselte. Sicherlich bietet der Plot nichts wirklich Neues als eine Story über den Kampf zwischen Gut und Böse, aber dennoch kann man sich den Geschehnissen nicht entziehen. Einige Stellen erinnerten mich an die Star Wars-Filme, wobei ich einfach einmal davon ausgehe, dass die Autorin die Filme schlichtweg mag. „Zodiac“ ist eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, die ihr Augenmerk trotz spektakulärer Szenarien in erster Linie auf die Charaktere legt. Oft habe ich gehört, dass der Einstieg in dieses Buch schwer fällt. Das kann ich jedoch nicht behaupten, wenn ich ehrlich bin. Es ist in der Tat eine komplexe Welt, die Romina Russell sich ausgedacht hat, keine Frage, aber als aufmerksamer Leser findet man sich auch in den ersten Seiten bereits gut zurecht. Und mit ein bisschen Geduld erfährt man im Verlauf des Buches wirklich auch immer mehr. 😉

Viele erfrischend neue Ideen verstecken sich in diesem Roman, der wohl als All Age klassifiziert werden kann, denn in der Tat können nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene ihren Spaß daran haben. Mich persönlich hat die Odyssee durch den Weltraum absolut angesprochen und ein grandioses Abenteuerfeeling verursacht. Gerade diese Mischung aus Science Fiction mit Raumschiffen und Weltall und einem Weltenentwurf, der mich desöfteren an Fantasyromane erinnert hat, war ausschlaggebend, dass mich „Zodiac“ vollkommen in seinen Bann gezogen hat. Romina Russel hat es außerdem geschafft, die Gefühlswelt ihrer 16jährigen Protagonistin ausgesprochen wirklichkeitsnah zu beschreiben, denn jede ihrer Handlungen war für mich absolut nachvollziehbar.
„Zodiac“ ist ein gelungener Einstieg in eine Reihe (zwei oder drei Teile?), der sich auf alle Fälle zu lesen lohnt. Starke Charaktere und eine ausgeklügelte Handlung in einer komplexen Welt machen dieses Buch zu einem echten Lesevergnügen und Pageturner. Ich freue mich schon sehr auf den Folgeband beziehungsweise die Folgebände, um zu erfahren, wie es mit Rho, ihren Freunden und dem Zodiac-Universum weitergeht.

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Fazit: Ideenreicher Einstieg in eine Romanserie um eine junge Protagonistin. Wunderbarer Genremix aus Fantasy und Science Fiction. Klare Leseempfehlung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Original von John Grisham

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 367 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-453-27153-1
Kategorie: Thriller, Belletristik

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Aus der Princeton University werden fünf handgeschriebene Originalmanuskripte des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald gestohlen, deren Wert in die Millionen geht. Es dauert nicht lange und die ersten Verdächtigen werden gefasst und verhaftet. Doch einer der Täter und mit ihm die Manuskripte bleiben verschwunden. Doch dann findet das FBI eine heiße Spur, die zu dem Buchhändler Bruce Cable führt, der unter anderem auch unbekannte und weniger erfolgreiche Schriftsteller unterstützt. Mercer Mann, eine junge Autorin, die genau in das Beuteschema Cables passt, wird vom FBI angeheuert, um den Mann auszuspionieren und in Erfahrung zu bringen, ob sich die gestohlenen Manuskripte in seinem Besitz finden.

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Grisham ist immer wieder für eine Überraschung gut. Auch wenn er in seinem neuesten Werk eine Hommage an Bücher und deren Autoren in das Gewand eines Justiz-Thrillers verpackt, so lieferte der geborene Geschichtenerzähler dieses Mal ein Buch ab, das sich von seinen meisten Romanen, mit denen er weltweit bekannt geworden ist, abhebt. Grisham erzählt nämlich in einer zwar relativ unbedeutenden Haupthandlung von der Liebe zu Büchern. Er schreibt aber auch über Autoren, die erfolglos versuchen, einen Bestseller zu schreiben, um mit ihrer Kunst endlich Geld zu verdienen. Der Leser bekommt die ernüchternde Welt von Schriftstellern serviert, die es einfach nicht schaffen, an die Spitze der Bestsellerlisten zu kommen, geschweige denn, von ihrer Arbeit zu leben. Es stecken sehr viele Wahrheiten und Erkenntnisse in den Worten, die Grisham seinen Protagonisten in den Mund legt, so dass man fast den Anschein bekommt, er hätte einiges davon am eigenen Leib erlebt. Und „Das Original“ kann sogar mit einer etwas anderen Liebesgeschichte aufwarten, die ansprechend unterhaltsam ist.

Grishams Schreibstil ist wie immer unglaublich flüssig und schnell zu lesen. Aufgrund der kurz gehaltenen Kapitel fliegt man nur so durch die Handlung, die zugegebenermaßen manchmal nicht sonderlich durchdacht wirkt. Das liegt vor allem daran, dass nach dem spektakulären Auftakt des Kunstraubes plötzlich das Augenmerk auf der Gefühlswelt der Protagonisten liegt und die Straftat immer mehr in den Hintergrund gerät. „Das Original“ ist kein typischer Grisham mit spannenden Verfolgungsjagden und unerwarteten Wendungen. Es ist, wie oben bereits erwähnt, eine Liebeserklärung an die Macht der Bücher und wie sie unser Leben, also das der Autoren, der Leser und der bibliophilen Sammler, beeinflussen. In manchmal wunderschönen Worten wird dem Hobby und der Sammelleidenschaft aller Büchernarren gehuldigt, so dass es wirklich enormen Spaß macht, der Handlung zu folgen. Der ein oder andere könnte von dem ruhigen Plot enttäuscht sein, ich fühlte mich gut aufgehoben und an manchen Stellen richtig geborgen in ihm.

Wer sich auf John Grishams Blick in die Welt der Verleger, Verlage, Autoren und Erstausgabensammler einlässt, wird mit einer scharfsichtigen, aber auch ironischen Betrachtung der diesbezüglichen Realität belohnt. Auf amüsante Weise geht Grisham auch auf die zeitgemäße Problematik von „festen“ Büchern und ebooks ein, lässt seine Protagonisten Anspielungen auf das Aussterben von echten Buchläden und die Machtübernahme durch Amazon machen. „Das Original“ ist mit Sicherheit nicht John Grishams bestes Buch, aber es zeigt, dass der Autor durchaus auch anders (was er aber nicht nur mit diesem Buch beweist) und nicht nur immer verzwickte Justizfälle schildern kann. Ich persönlich habe mich von seinen Ausführungen über Autoren und ihre Bücher absolut angesprochen gefühlt. Das liegt vielleicht daran, dass ich selbst Bücher schreibe und viele Dinge absolut bestätigen kann, hat aber bestimmt auch damit zu tun, dass ich Bücher liebe und mich mit ihnen umgebe. Wie schrieb die Süddeutsche Zeitung so schön über „Das Original“? „Eine Liebeserklärung Grishams an die Welt der Bücher und ihre Autoren.“ Diese Aussage kann ich nur bestätigen, denn genau so eine Liebeserklärung ist Grisham tatsächlich gelungen.

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Fazit: Ein Roman über die Welt der Bücher, deren Autoren, Leser und Sammler. John Grisham mal ein wenig anders.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Liliths Töchter, Adams Sohne von Georg Adamah

Erschienen als Taschenbuch
bei Redrum Books
insgesamt 372 Seiten
Preis: 14,97 €
ISBN: 978-3-959-57030-5
Kategorie: Belletristik, Thriller, Drama

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Georg verlässt seine Frau, um eine Affäre mit Susanna fortzusetzen. Seine Ehe war ohnehin auf dem Weg zum Scheitern, so dass Georg ein neues, schöneres Leben in Angriff nehmen wollte. Doch schon bald wird er von Susanna verlassen. Auf der Suche nach Liebe nimmt er viele Liebes- und Sexaffären in Kauf, obwohl er im Grunde genommen von Susanna nie loslassen kann.

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Schon nach dem Prolog wusste ich, dass Georg Adamahs „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ein Buch für mich ist. Alleine die stilistischen Mittel, die Adamah in seinem Roman anwendet, packten mich vom ersten Moment an. Ich kann gar nicht erklären, warum ich seine wilden, im ersten Moment kompliziert wirkenden, Schachtelsätze so faszinierend fand. Dieser Schreibstil ist innovativ, progressiv und einfach nur genial. Dadurch wird man im Verlaufe der Geschichte immer mehr zum Protagonisten und durchlebt seine Ängste, Hoffnungen und Leidenschaften. Man ist irgendwie hautnah dabei, wenn „Dschordsch“ sich Gedanken über die Frauen in seinem Leben macht. Alleine die Idee, die Gedankengänge des Protagonisten in die Schachtelsätze mit einzubauen, erinnerte mich an einen meiner Lieblingsschriftsteller, nämlich Samuel R. Delany. Man spürt, wie Georg hin und her gerissen und von seinen Gefühlen erdrückt wird.

Georg Adamah kann sehr gut schreiben und schafft es hervorragend, die Gefühlswelt eines Mannes zu schildern. Auch wenn es immer wieder um Oralsex geht (was ich persönlich etwas übertrieben fand, aber nicht unbedingt störend), so entlarvt Adamah doch im Verlauf der Geschichte gewisse Grundzüge des männlichen Denkens 😉
An manchen Stellen musste ich wirklich schmunzeln, wenn ich den Gedankengängen des „abservierten“, gekränkten Liebhabers folgte. Es wirkte so herrlich echt und realistisch, unverfälscht und ehrlich. Adamah würfelt die Emotionen des Protagonisten wild durcheinander. Mal leidenschaftlich, mal traurig, mal depressiv, mal zügellos … alles ist dabei. Und erfreulicherweise sind die „harten“ Sexszenen niemals übertrieben dargestellt, sondern bewegen sich immer auf einem gewissen Niveau, was eindeutig an der bildlichen Sprache des Autors liegt. Selbst eklige Szenen werden mit wunderbaren Umschreibungen „entschärft“ und wirken an keiner Stelle vulgär. Das ist ein sehr großer Pluspunkt dieses Buches, der zwar unter anderem teils extremen Sex behandelt, diesen aber niemals in einen provozierenden Vordergrund stellt, um durch Ekelmomente zu schocken. Adamah hält sich dabei immer an glaubwürdig wirkende Beschreibungen.

Gerade durch die sehr emotionale, eindringliche Beschreibung, wie sich ein Mann fühlt beziehungsweise fühlen kann, wenn er einsam und auf der Suche nach einer Partnerin ist, machten diesen Roman für mich zu einem unwiderstehlichen Pageturner, den ich in jeder freien Minute weiterlesen musste. Adamah hat ein realistisches Märchen geschrieben, das voller Poesie und kleinen Wahrheiten steckt, die im Leben eines Liebespaares geschehen. Doch es werden auch die traurigen, hinterhältigen Seiten einer solchen Beziehung dargestellt. Alles ist nachvollziehbar. Und egal, welche Szene Adamah gerade beschreibt, zwischen den Zeilen liest man Melancholie heraus, die unser aller Leben bestimmt (auch das von Frauen). Das ist dem Autor wirklich grandios gelungen.

Obwohl Adamahs außergewöhnlicher Schreibstil durch die langen Sätze kompliziert erscheinen mag, so lässt er sich dennoch absolut flüssig lesen und hinterlässt am Ende ein unvergessliches Gesamtbild im Gehirn des Lesers. „Liliths Töchter, Adams Söhne“ ist wie eine Achterbahnfahrt durch die Gefühlswelt eines Mannes. Fast möchte man das Buch als „Californication“ zwischen zwei Buchdeckeln bezeichnen, denn auch hier geschieht vieles (wie in der genannten Serie übrigens auch) nicht nur immer oberflächlich unter der Gürtellinie, sondern zeigt im Endeffekt die dramatische Tragödie eines einzelnen Menschen, der an der Liebe und dem damit verbundenen Sex zerbricht.
Ich hoffe nur, dass Georg Adamah bereits an einem neuen Roman arbeitet, denn in mir hat er definitiv einen neuen Anhänger gefunden.

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Fazit: „Californication“ in Buchform. Realistisch, wütend, traurig, erotisch, eklig, melancholisch und beeindruckend – reales Leben eines nach Liebe Suchenden eben.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Glaube.Liebe.Leichenschau – Mord am Hellweg VIII

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Erschienen als Taschenbusch
im Grafit Verlag
insgesamt 349  Seiten
Preis: 12,00 €
ISBN: 978-3-89425-474-2
Kategorie: Kriminalanthologie

Der bereits achte Teil der Mord am Hellweg-Reihe lautet Glaube.Liebe.Leichenschau.

Insgesamt 23 Schrifstteller liefern ihre Kurzgeschichte ab, die jeweils in der Region des Hellwegs handeln. Der Verlag verspricht eine abwechslungsreiche Unterhaltung mit Mord und Totschlag, Schuld und Sühne ….

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Als Stammleserin vieler Krimis des Grafit Verlages habe ich diesmal auch die Anthologie Mord am Hellweg VIII ausgesucht. Bekannte, namhafte Autoren wie Horst Eckert, Sebastiak Fitzek, Arno Strobel, Elisabeth Herrmann und Rainer Wittkamp haben hier mitgewirkt. Aber außerdem noch eine ganze Reihe an Schreibern, die mir persönlich noch nichts sagten. Gerade das hat mich neugierig gemacht.

Zwischen 15 und 20 Seiten sind die Geschichten lang und so fliegt man natürlich als Leser relativ flott durch dieses Buch. Der Vorteil einer Anthologie und Kurzgeschichten ist, dass man immer mal wieder eine Geschichte lesen kann, wenn die Lesezeit nicht so ergiebig ausfällt. Der Nachteil ist, dass, wenn man eben doch mehr Zeit hat und einige Geschichten hintereinander wegliest, man schnell wieder die ein oder andere Handlung aus seinem Hirn radiert. So ging es mir ab und an auch. Geschichten, die mir zwar ganz gut gefielen, aber dennoch irgendwie nicht haften geblieben sind.

Andere wiederum schon. Hier einige kleine Beispiele und Stichpunkte:

Rainer Wittkamps „Das Iserlohner Reinheitsgelübde“ nahm eine Wendung, die unvorhersehbar war und gut rüberkam.

In „Als Allah nach Herdecke kam“ von Christa von Bernutz kommen sowohl die tragische Aktualität der Handlung sowie ein guter Spritzer herrlicher Humor nicht zu kurz. Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich musste nicht selten schmunzeln. Eine Autorin, die ich mir merke.

Der österreichische Humor in „Danke Kamen – und sorry für den Toten“ von Georg Haderer hat auch wirklich Spaß gemacht.

Das Mädchen vom Wittener Kreuz“ von Matthias Wittekindt hat mich berührt und betroffen gemacht. Eine Geschichte, die einen schalen Nachgeschmack hinterlassen hat.

In „Kein Fall für Hunter“ hat Judith Merchant den Hauptprotagonisten eines bekannten Autorenkollegen zum Leben erwachen lassen. Da ich diese Reihe nicht kenne, hat es bei mir ein bisschen gebraucht, bis ich es kapiert hatte. Gelungen ist diese Geschichte aber sehr.

Sehr gefühlvoll und sanft, ja, teilweise erotisch liest sich die Geschichte „Atmen in Bad Sassendorf“ von Christian Sebastian Henn. Trotz Krimihandlung bringt der Autor hier eine wundervolle Stimmung in seinen Zeilen unter.

Auch die Geschichten der bekannten Herren wie Horst Eckert und Sebstian Fitzek gefielen mir gut. Bei der Story „UNNAtürlich“ von Sebastian Fitzek liefert der Autor seine altbekannten Wendungen, mit denen ich nie rechne, obwohl es sie doch immer wieder gibt. Diese kleinen Verzwickungen haben aber auch großen Spaß gemacht. WhatsApp hat bekanntlich so seine Tücken ….

Horst Eckert war für mich sehr interessant, weil er hier mit „Der Heiler von Hagen“ eine irgendwie so ganz andere Art von Geschichte liefert, als ich sie sonst von ihm kenne. Hat er gut gemacht. Er kann auch ohne Vincent Veih spannendes erzählen.

Elisabeth Herrmann präsentiert in „Letzer Ausstieg Ahlen“ zwei ganz entzückende, alte Damen, die nicht auf den Mund gefallen sind. Eine spritzige Handlung mit Witz.

Ich könnte noch seitenlang weitermachen, ich denke, dass meine Begeisterung ganz gut herauszulesen ist …

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Mein Fazit: Eine tolle, rasante, böse und humorvolle Anthologie bestückt mit kleinen aber sehr feinen Kriminalgeschichten von bekannten und weniger bekannten Autoren. Hier gebe ich sehr gerne eine klare Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2016

Geschichten hinter der Liebe von Gigi Louisoder

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Erschienen als Taschenbuch
im Edition Paashaas Verlag EPV
insgesamt 160 Seiten
Preis:  9,90  €
ISBN: 978-3945725436
Kategorie: Kurzgeschichten Liebe/Erotik

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Zunächst vorab: Nein, ich mag keine Kurzgeschichten, aber genau solchen Lesern empfiehlt Gigi Louisoder ja diesen Kurzgeschichtenband auf ihrem Buchrücken. Von daher musste ich zugreifen.

Nein, der wahre Grund ist, dass ich Gigi Louisoder mittlerweile mehrmals auf der Mülheimer Lesebühne gesehen habe, wo sie aus ihren Werken vorlas, und sie mich einfach total begeistert hat.

Gigi Louisoder kann sehr gut vortragen, bringt ihre Texte mit einer tollen Betonung, Mimik und in einer ganz tollen Stimmung rüber. Darum konnte ich nicht anders, als mir einen Band zu kaufen.

Bei diesen Geschichten geht es um die „Geschichten hinter der Liebe“ oder vielleicht besser gesagt, nach der Liebe oder sogar um Sex ohne die Liebe? Wie auch immer, die Autorin beschreibt in einem tollen, immer leicht bösartigen (aber stets mit einem Lächeln im Mundwinkel) Schreibstil, wie die Liebe den Bach runter gehen kann und solche Beziehungen dann enden können. Und dies im Wechsel aus Sicht eines Mannes oder einer Frau.

Gigi Louisoder nimmt in ihren Texten niemals ein Blatt vor dem Mund, schreckt nicht annähernd vor der Beschreibung von sexuellen Praktiken zurück. Sie schreibt einfach wie es ist und das macht sie sehr gut.

Zwei Texte heben sich für mich aus allen anderen hervor. In einer Geschichte geht es um den Besuch einer Mutter bei ihrem Sohn, genau diesen Vortrag habe ich live erlebt, und in der zweiten spricht eine Mutter zu ihrem (zunächst ungeborenen) Kind. Letztere ist für mich die beste Story des gesamten Bandes. Sie rührt sehr an und verursachte mir einen Kloß im Hals.

Die übrigen Geschichten sind humorvoll, bösartig, kurzweilig und amüsant. Mir persönlich sind diese Beziehungsgeschichten allerdings immer ein bisschen zu negativ behaftet, lediglich eine einzige Geschichte erfährt dann doch noch eine gute Wendung 😉

Dennoch bin ich sehr angetan von diesem Band, denn er zeigt mir schließlich, dass ich glücklicherweise keine dieser beschriebenen Beziehungen führe und auch nicht vorhabe, meine in eine solche abdriften zu lassen.

Natürlich bin ich auch in der Lage, die Kurzgeschichten mit dem zwinkernden Auge der Autorin zu lesen und zu verstehen.


Von daher als Fazit: Tolle Kurzgeschichten, richtig gut geschrieben und absolut empfehlenswert. Und wer die Möglichkeit hat, die Autorin auf einer Lesung zu erleben, sollte unbedingt hingehen! Es lohnt sich.

© Buchwelten 2016

Das Licht der letzten Tage von Emily St. John Mandel

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-06022-6
Kategorie: Endzeitdrama

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Die Welt wird von einer Pandemie, der Georgischen Grippe, heimgesucht. Innerhalb kürzester Zeit erkranken und sterben die Menschen. Einige wenige scheinen immun zu sein und überleben das Fiasko. Sie finden sich zusammen, leben in kleinen Siedlungen und bewahren das Erbe an die „alte“ Welt so gut es geht.

Eine Gruppe von Schauspielern und Musikern, die sogenannte „Fahrende Symphonie“, reist durch Amerika und begeistert die verbliebenen Menschen mit ihren Auftritten. Unter Ihnen ist die junge Kristin. Sie ist eine der Schauspielerinnen der Symphonie und sie stand bereits als Kind auf der Bühne. Kristin war als kleines Mädchen dabei, als der berühmte Schauspieler Arthur Leander während seiner Darbietung als König Lear im 4. Akt verstirbt. Ihm ist der Untergang der Welt knapp erspart geblieben.

Und auch wenn dieser Roman die Geschichte des Ende der Welts wie wir sie kennen erzählt, so dreht sich doch eigentlich alles um ihn, Arthur Leander.

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Das Licht der letzten Tage ist ein Endzeitdrama oder eine Dystopie, obwohl es irgendwie auch eigentlich keines von beidem ist. Anders kann man diesen Roman nicht beschreiben.

Die Autorin hält sich während der Handlung mehr in der Vergangenheit auf und erzählt das Leben des Schauspielers Arthur Leander in seinen unterschiedlichsten Lebensstationen. Wir lernen Freunde, Ehefrauen und Kinder kennen. Treffen auf Weggefährten und Bekannte. Erleben seinen Tod direkt zu Beginn des Romans und schlittern durch diese schnelle, bösartige Pandemie in die Jetztzeit. Und ganz langsam aber sicher verknüpfen sich die Fäden, finden sich die Figuren der unterschiedlichsten Zeiten zusammen und ergeben ein gesamtes Bild.

Emily St. John Mandel hat hier einen wunderbar ruhigen, liebevollen und poetischen Roman erschaffen, der vergessen lässt, dass die Welt ja eigentlich komplett zerstört ist.

Die Autorin gibt ihren Figuren eine Echtheit und Tiefe, dass sie dem Leser während der Handlung ans Herz wachsen und man fühlt sich einfach wohl mit ihnen.

Mir hat dieser stille Roman sehr gut gefallen, die Sprache ist sehr schön und gehoben. Die Beschreibungen der Orte und einzelnen Szenen erfolgt detailgenau, sodass ich alles „gesehen“ habe. Genauso soll Lesen sein, Buchstaben sollen einen Film erzeugen und das hat die Autorin hier wunderbar geschafft. Interessant ist auch, dass die Endzeitstimmung eigentlich gar keine Rolle spielt. Ja, es hat eine Pandemie beinahe alles Leben ausgelöscht, dennoch ist das eher nebensächlich.

Was mich ein bisschen enttäuscht ist lediglich auf die Qualität des Buches zurückzuführen. Das Buch ist trotz vorsichtigem Lesen bei mir völlig schief und verbogen. Der Buchrücken ist durchgebogen und das sieht im Regal absolut unschön aus. Es wundert mich ein bisschen, denn ich habe eine Menge Bücher des Verlages zu Hause und die sind eigentlich von besserer Qualität.

Mein Fazit: Eine wunderschöne, ruhige und stimmungsvolle Geschichte, die durch liebevoll gestaltete Charaktere getragen wird. Eine Dystopie eben, die keine ist 🙂

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© Buchwelten 2015

Die Frau des Zeitreisenden von Audrey Niffenegger

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Erschienen als Taschenbuch
im Fischer Verlag
insgesamt 543 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-596-16390-8
Kategorie: Drama, Liebesroman

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Durch einen Gendefekt ist Henry dazu verdammt, von der Gegenwart in die Zukunft und Vergangenheit zu reisen. Er lernt Clare kennen und lieben, muss sich aber immer wieder eine Zeitlang von ihr verabschieden, wenn er zwischen den Zeiten umhergeschleudert wird. Das Liebespaar trifft sich immer wieder, sei es in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Auch als sie in der Gegenwart heiraten, wird Henry seine Zeitreisen nicht los. Und Clare wartet geduldig in ihrer Zeit, bis er wieder zurückkommt …

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Niffeneggers bezaubernde, aber teils verwirrende Liebesgeschichte, lässt sich schwer aus der Hand legen. Liebe und Zeitreise sind Zutaten, die eine dramatische Entwicklungen erahnen lassen. Und genauso verhält es sich auch, wenn Henry chaotisch durch die Zeiten hüpft, um seine Liebe Clare in verschiedenen Altersstufen zu treffen. Mal amüsant, mal traurig und melancholisch und oft auch anzüglich erzählt die Autorin in einem schönen Schreibstil von einer Liebe, die über alle Zeiten hinweg andauert.
Dieses Konzept hat mich anfangs argwöhnisch gemacht, besteht doch für die Autorin die Gefahr, in die Falle der widersprüchlichen und unlogischen Paradoxen zu tappen. Und, was soll ich sagen? Sie tappt natürlich hinein und zieht in ihrer Geschichte einen Rattenschwanz von Logik-Fehlern hinter sich her. Aber … Niffenegger nimmt diese „Fehler“ einfach als gegeben hin und ignoriert sie, schreibt munter weiter und lässt dadurch den Leser ebenfalls vergessen, was möglich sein kann und was nicht. Der Protagonist trifft sich zum Beispiel immer wieder selbst. Und das macht einen so unglaublichen Spaß, dass man gerne das dazugehörige Paradoxon zur Seite schiebt und die Treffen der beiden Ichs einfach nur genießt.

Die Mischung aus Humor, nicht wirklich kitschiger Liebesgeschichte und einem Schuss Science Fiction funktioniert und hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Gerade die Einfachheit der Geschichte ist es, die mir gefallen hat, denn es passiert nichts Weltbewegendes während der Jahrzehnte währenden Treffen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Leser nimmt einfach nur am Leben zweier Menschen teil, die sich lieben.

Die Charaktere hätten durchaus noch besser ausgearbeitet werden können, denn an manchen Stellen kommen sie einem dann doch relativ leer voll. Aber das macht Niffenegger in ihrem herzerweichenden und hochemotionalen Ende wieder wett. Da kamen schon ein paar Tränchen, als ich die letzten Seiten des Buches las. Das war einfach nur wunderschön, traurig und melancholisch – einfach Klasse.
Wer wissen will, wie mir die Verfilmung gefallen hat, kann das auf „Film-Besprechungen“ nachlesen —> KLICK MICH!

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Fazit: Niffenegger setzte sich über die gängigen Paradoxen von Zeitreise-Romanen hinweg und zaubert eine emotionale und unterhaltsame Liebesgeschichte mit Kultcharakter.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Hilflos von Barbara Gowdy

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei Kunstmann
insgesamt 336 Seiten
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-88897-462-5
Kategorie: Drama, Thriller

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Bei einem Stromausfall verschwindet die neunjährige Rachel spurlos. Die Mutter und Freunde helfen der Polizei bei der Suche, nichtsahnend, dass sich das Mädchen gar nicht einmal so weit entfernt von ihnen befindet. Rachel wurde von Ron und Nancy entführt, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein eigenes Kind. Und Ron verspürt manchmal eine wahnsinnige Sehnsucht und Liebe gegenüber dem Mädchen, dass er sie nicht mehr hergeben möchte …

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Barbara Gowdy hat ein intensives Drama geschrieben, das sehr mitnimmt und emotional aufwühlt. Alleine die Tatsache, dass Gowdy versucht, eine Kindesentführung aus Sicht des Entführers, der Entführten und der betroffenen Mutter zu schildern, macht diesen Roman lesenswert. Denn die Autorin schafft es tatsächlich, jede Seite „verständlich“  und nachvollziehbar zu machen. Auf sehr ruhige Art wird eine Geschichte erzählt, die im Grunde genommen nur von einer Sache erzählt, nämlich der Macht der Liebe. Es ist eine Gratwanderung, die Gowdy hier entlang geht, ohne dabei auf eine Seite abzustürzen.
So schrecklich die Thematik auch ist, so einfühlsam und empathisch wird die Geschichte erzählt, dass sie so manches Mal sogar den Schrecken vergessen lässt und Hoffnung auf eine bessere Welt aussät. Immer wieder hofft man, dass der Entführer seinen Gelüsten nicht nachgibt. Wie diese innere Zerrissenheit des Mannes beschrieben wird, ist schon sehr realistisch und sensibel.

Eindringlich, nachvollziehbar und tiefgründig beschreibt Gowdy, was in einem Mann vorgeht, der Liebe und Begehren zu einem Mädchen nicht ganz unterscheiden kann. Andererseits spürt man die Verzweiflung der Mutter und die Anspannung, die solch ein Vorfall im Freundeskreis auslöst. Die Unsicherheit des entführten Mädchens wird so grandios in Szene gesetzt , als erhielte man tatsächlich Einblick in die Gefühlswelt eines solchen Opfers.
Barbara Gowdy hat sich in ihrem sechsten Roman einem schwierigen Thema gewidmet und hat dies aus meiner Sicht mit Bravour gemeistert. Ich konnte mich schwer von der Geschichte losreißen. Das Ende hat mich nachdenklich gemacht.
Gowdy versucht, sich in die Psychologie eines solchen Straftäters einzudenken und ich finde, das ist ihr sehr gut gelungen. Ihr geht es in ihrem Roman weniger um eine effektgeladene Krimigeschichte, als vielmehr um ein Psychogramm von Entführer und Entführter.
Wer sich auf das Thema einlassen kann, wird mit einer spannenden, aber dennoch sehr ruhigen Geschichte belohnt, die es in sich hat.

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Fazit: Einfühlsam und ruhig erzählt Barbara Gowdy die Geschichte einer Kindesentführung und versucht dabei, die Psychologie des Täters zu durchleuchten.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die erfundene Geliebte von Didier Decoin

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Erschienen als Taschenbuch
im Droemer Knaur Verlag
insgesamt 303 Seiten
Preis: — € / vergriffen
ISBN: 978-3426600252
Kategorie: Drama, Liebesroman

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Im Jahr 1912 gewinnt der Werftarbeiter Horty bei einem Sportwettbewerb die Teilnahme am Stapellauf der Titanic. Dort trifft er auf das schöne Zimmermädchen Marie, in die er sich hoffnungslos verliebt, und die am nächsten Tag auf der Titanic ihre Arbeitsstelle antritt. Sie verbringen einen Abend gemeinsam in einem Hotelzimmer. Obwohl nichts zwischen ihnen passiert ist, erfindet Horty eine feurige Liebesgeschichte, die er in seiner Stammkneipe jeden Abend zum Besten gibt. Hortys Liebesromanze wird über die Grenzen seiner Heimat bekannt und bald geht er mit seiner erfundenen Geschichte auf Tour. Als dann die Titanic sinkt, gewinnt seine Liebesgeschichte eine völlig neue Bedeutung …

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Didier Decoins Geschichte ist ein Gesellschaftsroman, der den Leser ins Zeitalter des beginnenden Zwanzigsten Jahrhunderts entführt. Ausschlaggebend für mich, den Roman zu kaufen, war die Tatsache, dass in dem Roman der Stapellauf und Untergang der Titanic eine Rolle spielt. Als Titanic-Begeisterter kam ich also nicht umhin, dieses Buch zu lesen.

Decoin hat eine wirklich schöne Liebesgeschichte erfunden, in die sich das historische Ereignis des Titanic-Unglücks hervorragend einfügt. Ohne aufdringlich zu wirken, erzählt der Autor, was er über das gigantische Schiff recherchiert hat, richtet aber sein Hauptaugenmerk auf seine Protagonisten. Die Mischung aus historischer Richtigkeit und erfundener Fiktion ist Decoin absolut gut gelungen und es war nicht nur die fast permanente „Anwesenheit“ der Titanic, die mich begeisterte, sondern auch die tragische Liebesgeschichte, die darum herumgesponnen wurde.

Kein einziges Mal kam Langeweile auf, denn die dichte Atmosphäre um den tragischen Helden Horty nahm mich in Besitz und ich wollte wissen, wie es mit ihm weitergeht beziehungsweise endet. Und da wäre ich dann auch schon beim einzigen klitzekleinen Manko des Romans: Das Ende war ab einer gewissen Zeit einfach absehbar. Aber das war an sich gar nicht weiter schlimm, denn im Grunde genommen habe ich es eigentlich ja auch erwartet und wäre enttäuscht gewesen, wenn es nicht so passiert wäre.

Für Titanic-Fans absolut empfehlenswert, wenngleich sich die Geschichte des Ozeanriesen im Hintergrund abspielt. Dennoch ist die Titanic irgendwie immer allgegenwärtig. Und die außergewöhnliche Liebesgeschichte, die man dazu serviert bekommt, ist auch nicht ohne.

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Fazit: Außergewöhnliche Liebesgeschichte vor dem Hintergrund des Titanicstapellaufs und -unglücks. Schöne Darstellung jener Epoche.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten