Wenn Engel fallen von Tracy Chevalier

engel fallen

Erschienen als gebundene Ausgabe
bei List
insgesamt 384 Seiten
Preis: ? € – vergriffen
ISBN: 3-471-77253-7
Kategorie: Historischer Roman

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Maude und Lavinia werden beste Freundinnen, als sie sich auf dem Friedhof bei den nebeneinanderliegenden Familiengräbern begegnen. Die Eltern der Mädchen sind nicht sehr begeistert von der Freundschaft, noch dazu, wo sich die beiden Mädchen mit dem Sohn des Friedhofswärters anfreunden. Als dann Maudes Mutter aus ihren gesellschaftlichen Zwängen ausbricht, eine Affähre beginnt und sich mit Frauenrechtlerinnen anfreundet, beginnen die Fassaden beider Familien plötzlich zu bröckeln. Ihre Wege und Schiscksale verflechten sich immer mehr …

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Tracy Chevaliers historisches Familiendrama wird von einer melancholischen Grundstimmung getragen, die sich durch den ganzen Roman zieht. Man taucht bereits in den ersten Seiten in die Geschichte ein und fühlt sich selbst, als wäre man mit den beiden Mädchen befreundet. Chevalier beschreibt herrlich, wie sich die Freundschaft der beiden entwickelt, obwohl deren Familien nicht wirklich begeistert davon sind.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und bildhaft. Da sieht man dann schon so manches Mal einen echten Film vor seinem inneren Auge, wenn sich die Mädchen auf dem Friedhof treffen. Fast schon nostalgisch erzählt Chevalier die ergreifende Geschichte um eine Mädchenfreundschaft und das Erwachsenenwerden und vermittelt den Eindruck, als wäre sie selbst in jener Zeit mit dabei gewesen. Die düstere Atmosphäre, die diese Geschichte verströmt, und das dramatische Ende hat mich so manches Mal an Ricky Moodys Drama „Der Eissturm“ denken lassen. Einfühlsam und wunderbar leise nimmt uns die Autorin mit auf eine Reise in ein London des angehenden zwanzigsten Jahrhunderts, in der noch andere Probleme als heutzutage von den Menschen zu bewältigen waren.

Tracy Chaveliers Milieustudie geht einem nahe. Man freut sich mit den Protagonisten, leidet und trauert aber auch mit ihnen. Die Tragödie, die hinter den Familiengeschichten steckt, ist vollkommen glaubhaft und nachvollziehbar und es gibt keine Handlungen seitens der Personen, die konstruiert wirken.
Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass sämtliche Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert wurde. Jeder Protagonist hatte ein eigenes Kapitel und erzählte seine Version der Geschehnisse. Das war für mich unglaublich glaubwürdig und abwechslungsreich. Ich konnte mich tatsächlich in die Gedanken der verschiedenen Charaktere hineinversetzen. Und alle Kapitel ergaben dann am Ende ein Gesamtbild. Das fand ich persönlich hervorragend gemacht.

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Fazit: Melancholisch und leise wird eine Tragödie erzählt, die im London Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts spielt. Chevaliers bildhafter Schreibstil lässt den Leser tief in die Geschichte eintauchen. Absolute Empfehlung.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Der Vogelmann von Mo Hayder

vogelmann

Erschienen als Taschenbuch
bei Goldmann
insgesamt 416 Seiten
Preis: 9,95 €
ISBN: 978-3-442-45173-9
Kategorie: Krimi, Thriller

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In der Nähe der Themse werden fünf Frauen tot aufgefunden. Die Bevölkerung ist schockiert und Inspektor Jack Caffery beginnt mit den Ermittlungen. Immer mehr erschütternde Tatsachen kommen ans Licht, als die Leichen untersucht werden. Schon bald hat der Täter den Spitznamen „Der Vogelmann“, aber Caffery verrät der Öffentlichkeit den Grund nicht. Endlich fasst das Ermittlungsteam einen Verdächtigen und denkt, die Morde seien aufgeklärt. Doch dann geschieht ein weiterer Mord …

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Es dauert nicht lange, bis man von Mo Hayders Erstling in den Bann gezogen wird. Das liegt mit Sicherheit zum einen an der von Anfang an sehr düsteren Stimmung, die unheimlich und dennoch auch irgendwie heimelig wirkt. Zum anderen hat Hayder mit Jack Caffery einen sehr charakteristischen und (mir) sympathischen Ermittler geschaffen, den ich von Anfang an mochte.
Ähnlich wie bei Mankells „Wallander“-Reihe gefällt mir auch bei den „Caffery“-Büchern die Nebenhandlung, also das Privatleben des Ermittlers. Seine Beziehung wird so nachvollziehbar geschildert, dass es eine wahre Freude ist, obwohl die Ereignisse nicht unbedingt erstrebenswert sind. Aber dieses private Bild des Hauptprotagonisten lässt einen ganz anders bei dem Mordfall mitfiebern, das hat schon eine ganz eigene Klasse.

Mo Hayders Schreibstil schwankt zwischen gehobenen und relativ einfachen Sätzen, die aber der Geschichte dadurch eine unheimliche Rasanz verleihen, bei der man sehr schwer das Buch aus der Hand legen kann. Die forensischen Einwürfe und die oftmals brutal dargestellten Verbrechen lassen so manches Mal tatsächlich an Thomas Harris‘ „Hannibal Lecter“-Romane denken, aber Hayders Debüt wirkt auf keinen Fall kopiert.

Die Schauplätze, das Privatleben Cafferys und die detailliert beschriebenen Morde machen „Der Vogelmann“ zu einem echten Pageturner, der mich streckenweise mit seinen Ideen so richtig begeistert hat. Der erste Band macht auf jeden Fall Lust auf mehr und ich bin wirklich gespannt, wie sich das Leben des Protagonisten weiterentwickelt. Ansätze für einen interessanten Verlauf zeigt „Der Vogelmann“ in dieser Hinsicht auf jeden Fall.

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Fazit: Brutales und düsteres Debüt, das sehr vielversprechend auf die weiteren Teile um Jack Caffery hoffen lässt. Ein sehr ausgereifter Schreibstil unterstreicht die Geschichte und die forensischen Details machen das Verbrechen äußerst glaubhaft.

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© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Drood von Dan Simmons

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DroodErschienen als Taschenbuch
bei HEYNE
insgesamt 976 Seiten
Preis: 10,99 €
ISBN:  978-3-453-40806-7
Kategorie: Historischer Roman

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Am 09. Juni 1865 rast der Tidal Train auf eine Baustelle zu, die Gleise wurden teilweise zur Reparatur entfernt, und es kommt unweigerlich zum Unglück. Der Zug entgleist und stürzt von der Eisenbahnbrücke in die Tiefe. Einzig ein Erster-Klasse-Wagon bleibt halb in den Gleisen hängen. In diesem Waggon sitzt niemand anderer als der damals schon sehr berühmte und angesehene Schriftsteller Charles Dickens. In seiner Begleitung die junge Schauspielerin Ellen Ternan und ihre Mutter. Mit der jungen Frau pflegt der berühmte Autor ein heimliches Verhältnis.

Charles Dickens klettert sogleich aus dem verunfallten Waggon und versucht, verletzte Passagiere zu retten und erste Hilfe zu leisten. Am Unglücksort trifft er auf einen äußerst mysteriösen Mann, der eine schwarzen Umhang und einen recht altmodischen Zylinder trägt. Das Gesicht des Mannes (?) ist auf unheimliche Weise entstellt: Die Nase fehlt fast gänzlich, die Augen sind lidlos und die Zähne eher spitze Dornen. Dickens unterhält sich während der Bergungsarbeiten mit dem seltsamen Mann, versucht zu erfahren wer er ist, wo er herkommt und wohin er reisen wollte. Der Mann stellt sich Dickens schlicht und einfach als DROOD vor und verschwindet auf genauso unheimliche Weise urplötzlich, wie er aufgetaucht ist. Er löst sich quasi in Luft auf. Dickens ist fest davon überzeugt, dass dieser DROOD kein Mensch, sondern der Tod in personifizierter Form ist.

Dieses Zugunglück verändert Charles Dickens auf drastische Weise. Hat er nicht nur fortan panische Ängste vor Zugfahrten und anderen Fortbewegungsmitteln, so ist er auch besessen davon, dieses unheimliche Wesen DROOD aufzuspüren. Dickens setzt alles daran DROOD zu finden, dazu begibt er sich in die dunkelsten Ecken der Stadt London, steigt sogar hinab in die düstere und sehr gefährliche Unterwelt der Stadt.

Immer mit an seiner Seite ist Wilkie Collins, Dickens‘ Kollege, Mitarbeiter, Ko-Autor, guter Freund und Rivale. Collins ist überzeugt davon, dass das Zugunglück seinen Freund Charles Dickens in den Wahnsinn getrieben hat. Er begleitet ihn dennoch auf seiner unerbittlichen Suche in die Unterstadt und muss feststellen, dass Dickens, der lebensfrohe, lustige und immer angenehme Mann anscheinend auch über eine dunkle Seite verfügt ….

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Nach „Terror“ ist dies der zweite historische Roman von Dan Simmons, den ich gelesen habe. Da mich „Terror“ sehr begeistert hat, hatte ich entsprechende Erwartungen an diesen Roman. Die knapp 1000 Seiten konnten mich nicht im geringsten abschrecken, denn ich fühle mich in langen, ausführlichen Handlungen, die fesseln, sehr wohl. Bei „Terror“ ist seinerzeit im Grunde nicht viel passiert, gab es doch nur Schnee, Eis, Kälte und Tod. Und dennoch geschah so vieles.

DROOD ist von der Handlung nicht mit „Terror“ vergleichbar. Vom Schreibstil und der guten, zeitpunktgenauen und sehr biographischen Recherche wiederum doch. Dan Simmons versteht es, so geschickt wahre Begebenheiten mit seiner fiktionalen Handlung so geschickt zu verweben, dass man als Leser glaubt, es hat sich alles genauso abgespielt.

In dem vorliegenden Roman ist der Erzähler der oben erwähnte Schriftsteller Wilkie Collins. Über Jahrzehnte war er nicht nur ein enger Freund Charles Dickens und seiner Familie, er war ebenso sein Partner, Mitarbeiter und auch ewiger Rivale. Die Art, wie Simmons den Autor Wilkie Collins die Geschichte erzählen lässt, hat mich total in den Bann gezogen. Der Stil ist sprachlich der damaligen Zeit so perfekt angepasst, dass ich das Gefühl hatte, genau in dieser Epoche dabei zu sein und gemeinsam mit den Figuren durch die Londoner Unterstadt zu wandeln oder durch den Garten von Charles Dickens‘ Anwesen.

Bereits in „Terror“ hat mich Dan Simmons dazu verleitet, mich über die Geschehnisse und die Personen der damaligen Expedition schlau zu machen. Genauso war es hier wieder. Nach einigen Seiten nahm ich zunächst einen Roman von Charles Dickens aus dem Regal, um mir die Illustrationen und den Schreibstil anzusehen. Danach griff ich zu den Romanen von Wilkie Collins in unserer Bibliothek. Beim Blättern in „Die Frau in Weiß“ sprangen mir zuerst die Worte „Sie, geneigter Leser“ ins Auge. Eindeutig Wilkie Collins Worte, die Dan Simmons geschrieben hat. Ich hatte während der gesamten Geschichte nie das Gefühl, ich lese einen Roman von Dan Simmons. Ich glaubte tatsächlich die Aufzeichnung von Wilkie Collins zu lesen.

Die Story wird zwischenzeitlich ein wenig abgedreht, driftet ab in spirituelle Welten und Gedanken, verwirrt auch daher ab und an einmal. Das ist sicherlich Geschmackssache. Natürlich gehörte dies zur Handlung und es war auch sehr gut aufgebaut. Mich persönlich hat aber die seltsame Geschichte um DROOD nicht so sehr gefesselt, wie das Mit- und Gegeneinander von Wilkie Collins und Charles Dickens. Ich habe diese beiden Schriftsteller innerhalb dieser knapp 1000 Seiten so gut kennengelernt, dass mich die weiteren Ereignisse um diese beiden sehr viel mehr interessiert haben. Schließlich bekam ich in dem Roman auch genaue Biographien über beide Männer geliefert.

Ich werde auf jeden Fall in der nächsten Zeit einen Roman von Wilkie Collins lesen, denn er ist mir noch viel mehr als Charles Dickens ans Herz gewachsen. Als „Erfinder“ der Kriminal- und Thrillergeschichten war er seinerzeit gar nicht so gefeiert, wie es Dickens mit seiner Schreibe war. Aber gerade diese Dinge, die ich gelernt habe, machen mich mehr als neugierig.

Mein Fazit: Wieder einmal ein absolut empfehlenswerter historischer Roman von Dan Simmons. Er schafft es wirklich meisterhaft, wahre historische Begebenheit mit realen Personen in einer erdachten Handlung zu verknüpfen, so dass der Leser ihm die Geschichte als absolut real und glaubhaft abnimmt. Leser, die sich in langen, ausführlichen und sehr umfangreichen Handlungen nicht so zu Hause fühlen, werden über etwaige Längen schimpfen. Leser hingegen, die sich gerne in diesen Romanen fallen lassen, werden ihr pures Vergnügen haben!

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P.S. Ich habe nicht die o.g. Taschenbuchausgabe, sondern den gebundenen Roman gelesen. Im hinteren Teil gibt es ein Werkeverzeichnis der beiden Autoren sowie eine Aufstellung der mitwirkenden Personen.
Was mir sehr gefallen hat: Im inneren vorderen Buchdeckel gibt es Bilder, Zeitungsausschnitte, etc. über Charles Dicken, zwischen den hinteren Buchdeckeln das Gleiche mit Wilkie Collins. Ich glaube nicht, dass die Taschenbuchausgabe diese schönen Bilderseiten hat.

© Buchwelten 2015

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Hinten – Wilkie Collins

 

 

 

 

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Vorne – Charles Dickens

Der Seidenspinner von Robert Galbraith

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Der Seidenspinner

Erschienen als gebundene Ausgabe
im blanvalet Verlag
672 Seiten
19,99 €
ISBN: 978-3-7645-0515-8

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Nach dem Fall Lula Landry geht es mit der Detektei von Cormoran Strike immerhin bergauf. Er erhält lukrative Aufträge, seine Büro- und Ermittlungshelferin Robin, die ihm quasi der Himmel geschickt hat, bleibt ihm erhalten und er hat mittlerweile sogar wieder eine Wohnung, sodass er nicht mehr im Büro nächtigen muss. Die Wohnung befindet sich praktischerweise über dem Büro, nicht komfortabel, aber ausreichend und penibel in Ordnung, ganz der alte Soldat eben.

Als die Ehefrau des Autors Owen Quine Strike in seinem Büro aufsucht und um Hilfe bittet, ist sich Cormoran im Nachhinein nicht sicher, warum er den Fall überhaupt angenommen hat. Irgendwie tut ihm diese unscheinbare, mausgraue Autorengattin leid, die sich um ihren Mann sorgt, obwohl er schon mehrfach für einige Tage abgetaucht war. Diesmal sei es anders, behauptet sie. Als Strike seine Ermittlungen aufnimmt, stößt er recht schnell auf interessante und vor allem brisante Informationen. In seinem neusten Werk hat Owen Quine so ziemlich alle Bekannten, Kollegen und Geschäftspartner aufs schärfste verunglimpft. Motive, Quine zum Schweigen zu bringen, haben somit einige Personen in seinem Umfeld.

Quine wird tatsächlich brutal ermordet aufgefunden und es dauert nicht lange, bis sich die ermittelnden Polizisten auf eine Hauptverdächtige konzentrieren. Die Presse schaut den Ermittlern wie immer auf die Finger, somit müssen schnelle Ergebnisse präsentiert werden. Da hilft auch die alte Freundschaft zwischen Cormoran Strike und dem leitenden Kommissar Anstis nicht, um diesen zu überzeugen, auch in einer anderen Richtung zu suchen. Denn Strike ist sich absolut sicher, dass die Hauptverdächtige der Polizei unschuldig ist. Er setzt wieder einmal alles daran, einen vertrackten Fall zu lösen. Und erneut steht im dabei Robin Ellacot tatkräftig, mit eleganter, frischer Schläue und einer Menge gutem Gespür und Gefühl zur Seite.

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Auch der zweite Fall um Cormoran Strike hat mir vom Anfang bis zum Schluss wieder richtig gut gefallen. Der Fall war erneut spannend, fesselnd, kniffelig und voller guter Details aufgebaut. Das Miträtseln hat Spaß gemacht, ich habe natürlich ständig irgendwelche Personen verdächtigt. Aber genau so soll es ja auch sein, bei einem guten Krimi.

Warum J.K. Rowling nach wie vor unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht, wo sie doch nun auch endlich für ihre Erwachsenenbücher hochgelobt wird, weiß ich nicht. Denn die Enttarnung ist ja nun schon lange vollzogen Vielleicht fühlt sie sich selbst einfach anders, wenn sie unter seinem Namen arbeitet, mag sein. Ich selbst habe die „Potters“ schon sehr gerne gelesen, vor allem die letzteren und ich bin wahrscheinlich eine der wenigen Leser, denen auch der „plötzliche Todesfall“ sehr gut gefallen hat. Ein „sozialkritisches Desaster“ war der Roman für mich garantiert nicht. Im Gegenteil. Aber die Meinungen gehen nun mal auseinander.

Mit Cormoran Strike hat die Autorin nicht nur eine sympathische, sondern auch eher untypische Figur erschaffen. Ein recht unschöner ehemaliger Angehöriger der Army, kriegsversehrt und unehelicher Sohn eines Superstars, der eine Unterbeinprothese trägt und, von seiner langjährigen, temperamentvollen Modelschönheit verlassen, ein eher einsames Leben lebt. Mit Robin Ellacot hat sie ein wunderbar heiteres, ehrgeiziges und liebenswertes Gegenstück erschaffen, das nicht nur Strike den Alltag erhellt. Mir machen die Passagen, in denen Robin dabei ist immer viel Freude.

Der Spiegel schreibt, dass man bei den Romanen eine Menge über Londons öffentlichen Nahverkehr lernt. 🙂 Stimmt, aber nicht nur das. Rowling/Galbraith hat überhaupt eine sehr gute Gabe fürs Detail. Das bezieht sich auf besuchte Orte, wie Pubs, die dem Leser als absolut urig und un-touristisch beschrieben werden. Wohngegenden und Häuser, genauso aber, wenn es um die haargenaue, grausame Beschreibung des ermordeten Autoren geht. Das ist nicht seicht, sondern blutig und krass.

Mein Fazit: 5 Sterne für den zweiten Fall von Cormoran Strike, dem hoffentlich noch eine Menge folgen werden. Ein spannender und nicht absehbar aufgebauter Kriminalfall, der nicht durch ein klassisches Ermittlerteam, sondern durch einen eher Anti-Mainstream-Helden mit einer aufgeweckten Schreibkraft an seiner Seite bearbeitet wird. Sehr gute Charaktere agieren in einer realen Umgebung, die den Leser mitten drin sein lassen. Hier gebe ich gerne ein weiteres Mal eine Leseempfehlung.


Ich danke dem blanvalet Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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© Buchwelten 2014

Der Ruf des Kuckucks von Robert Galbraith

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ruf des kuckucks#Erschienen als gebundene Ausgabe
im blanvalet Verlag
640 Seiten
22,99 €
ISBN: 978-3-7645-0510-3

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Cormoran Strike, ein ehemaliger Soldat in Afghanistan, ist nach einer schweren Verletzung, die ihn sein halbes Bein gekostet hat, aus der Armee ausgeschieden und arbeitet nun eher schlecht als recht als Privatdetektiv. Der Laden läuft mies, er ist völlig überschuldet und zu guter Letzt hat er sich von seiner Lebensgefährtin getrennt und muss nun auch noch in seinem Büro übernachten.

Robin Ellacot, fünfundzwanzig Jahre jung, frisch und überglücklich verlobt, lebt noch nicht lange in London und hält sich derzeit noch mit Aushilfsjobs in einer Zeitarbeitsfirma über Wasser. Sie wird Cormoran Strike als Aushilfe für zwei Wochen zugeteilt und der ist völlig überrumpelt, als Robin ihren ersten Arbeitstag bei ihm antreten möchte.

Das berühmte Topmodel Lula Landry stürzt in einer bitterkalten Januarnacht vom Balkon ihrer Penthouse Wohnung in den Tod. Die Polizei ist schnell mit ihren Ermittlungen fertig und tut den Todesfall als Selbstmord ab. Schließlich ist bekannt, dass Lula psychisch labil war, und da sie sich kurz vor ihrem Tod wieder einmal mit ihrem Freund gestritten hat, sind die Gründe für ihren Sturz in den Tod natürlich glasklar gegeben. Ihr Bruder ist da anderer Meinung. Er ist davon überzeugt, dass Lula vom Balkon gestoßen wurde. Er beauftragt Cormoran Strike, sich dem Fall erneut anzunehmen und den wahren Tod seiner Schwester aufzudecken. Da er Cormoran dafür ein angenehmes Honorar in Aussicht stellt, nimmt dieser den Auftrag nach einem ausführlichen Erstgespräch schließlich an. Vielleicht schafft er nicht nur, den Todesfall aufzuklären, sondern zugleich noch durch den Verdienst seine Existenz als Detektiv zu retten …

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Zuallererst einmal der Hinweis, dass sich hinter dem Autor Robert Galbraith niemand anderes verbirgt als J.K. Rowling. Die Autorin hatte sich wohl nach dem Verriss der Kritiker für ihren ersten Erwachsenenroman „Ein plötzlicher Todesfall“ dazu entschieden, ihre nachfolgenden Romane unter einem Pseudonym zu schreiben. Nun, Sinn eines solchen ist es ja eigentlich, dass der wahre Autor im Verdeckten bleibt, dies hat bei Rowling allerdings offensichtlich nicht funktioniert. Denn gleich auf dem hinteren Buchumschlag ist vermerkt, wer sich hinter dem Pseudonym verbirgt. Meiner Meinung nach hätte sich Rowling das Pseudonym gar nicht zulegen müssen, denn mir hat schon ihr erster Erwachsenenroman sehr gut gefallen. Warum soll sich ein Autor/eine Autorin in eine Schublade stecken lassen? Durfte sie nicht einmal etwas Neues versuchen? Sollte sie ihren Fans zuliebe die Potter Reihe bis Teil was-weiß-ich fortführen? Die Potter-Reihe ist sehr gut, mit jedem Teil sogar besser, aber sie ist nun mal fertig.

Jetzt schreibt Rowling andere Romane und die schreibt sie auch sehr gut. Mir hat – wie gesagt – der Erstling schon sehr gut gefallen und genau wie darin, hat J.K. Rowling auch in diesem Roman wieder die unterschiedlichsten Figuren erschaffen und deren eigene, besondere Charaktereigenschaften sehr real und lebensecht ausgearbeitet.
Der Detektiv Cormoran Strike ist ein sympathischer Kerl, auch wenn er absolut nicht dem Frauentyp entspricht. Aber er verfügt über einen sehr wachen Verstand, ist bissig, hartnäckig, aber auch gefühlvoll und ehrlich. Seine Aushilfssekretärin Robin ist mir mit ihrer frischen und sehr flotten Art auch sehr ans Herz gewachsen. Mit welcher Spontanität und auch Souveränität sie die unterschiedlichsten Situationen meistert, ist bemerkenswert und oft auch sehr humorvoll.

Die Handlung an sich hat die Autorin sehr gut aufgebaut. Im Laufe der Story hatte ich alle möglichen Leute im Verdacht und immer wieder kamen interessante Wendungen auf, die absolut keine Langeweile aufkommen ließen. Mit dem Ende hatte ich eigentlich so nicht gerechnet, was ich wiederum auch sehr gut finde.

Ich kann nicht einmal sagen, welcher der beiden Erwachsenenromane mir von ihr besser gefällt, da man sie nicht wirklich miteinander vergleichen kann. Mit „Der Ruf des Kuckucks“ (der übrigens wörtlich aus dem englischen übersetzt ist) hat die Autorin einen guten englischen Krimi in der Welt der Promis geliefert, der viele Einblicke hinter die Fassaden der Reichen und Schönen liefert. In „Ein plötzlicher Todesfall“ gibt es ja keine Krimihandlung, er beschreibt einfach das Leben und die unterschiedlichen sozialen Schichten und deren Verknüpfungen in einer Kleinstadt.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für einen sehr originellen, abwechslungsreichen und flotten Krimi, der, gespickt mit sehr greifbaren Charakteren, richtig Spaß macht. Es gibt nicht das typische Ermittlerteam, sondern einen ärmlichen Privatdetektiv und seine Aushilfssekretärin (erinnerte mich ein bisschen an „Das Model und der Schnüffler“ mit Bruce Willis und Cybill Shepherd). Ich freue mich, dass es hier bald eine Fortsetzung gibt.

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Rezension auf Buchwelten zu —> „Ein plötzlicher Todesfall“

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© Buchwelten 2014

Silber – Das erste Buch der Träume von Kerstin Gier

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Fischer Verlag (FJB)
insgesamt 411 Seiten
Preis: 18,99 €
ISBN: 978-3-8414-2105-0
Kategorie: Jugendbuch

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Olivia, Rufname Liv, Silber lebt ein bislang eher unbeständiges Leben. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Mia, dem Kindermädchen Lottie, dem Mischlingshund Princess Buttercup (kurz: Butter) und natürlich ihrer Mutter Ann ist es die 15-jährige gewöhnt nirgends lange zu Hause zu sein, sondern ständig umzuziehen. Dies hat mit dem Beruf von Livs Mutter zu tun, doch dass soll sich nun ändern.

Gerade frisch in London eingetroffen offenbart Livs Mutter ihren „Mäusen“, dass sie nicht, wie geplant in ein schnuckeliges Cottage ziehen, sondern in das Haus ihres neuen Lebensgefährten mitten in London. Dieser Mann, Ernest, hat ebenso zwei Kinder. Zwillinge um genau zu sein. Grayson und Florence. Sie sind natürlich genauso „begeistert“ von den Plänen ihres Vaters, wie Liv und Mia.

Das aber wirklich aufregendste was Liv nach ihrem Umzug passiert, sind ihre Träume. Und zwar nicht irgendwelche, einfachen Träume. Sie trifft in ihnen Personen, die sie noch nie gesehen hat, besucht Orte, die sie ebenfalls noch nie aufgesucht hat und läuft über einen Korridor, der mit Unmengen von Türen gesäumt sind, die sich alle unterscheiden.

Als Liv dann in der Schule auf genau die Jungs aus ihren Träumen trifft, ist sie nicht nur verwirrt, sondern auch mehr als neugierig. Denn Liv liebt alles was spannend, aufregend und rätselhaft ist.

Als sich dann noch herausstellt, dass die Jungs mit ihr gemeinsam träumen, sich also an die nächtlichen Treffen erinnern und Liv dann auch noch um Hilfe bitten, kann sie einfach nicht widerstehen …

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Silber ist der erste Band der neuen Trilogie von Kerstin Gier für das jugendliche Publikum. Nach der sehr erfolgreichen Edelstein-Trilogie, war/ist der Anspruch der Leser sicherlich relativ hoch. Da ich von eben der Reihe sehr begeistert war, war natürlich auch ich sehr neugierig und gespannt auf den ersten Roman der neuen Reihe.

Die Idee der Geschichte gefällt mir gut, der Schreibstil ist jedoch einfacher gehalten, als in der letzten Reihe. Die Zielgruppe sind in erster Linie die jugendlichen Leser, der Stil ist hier aber oft eher auf Kinderbuchniveau gehalten. Es gibt z.B. Passagen im Buch, in denen sich das Kindermädchen der Protagonistin verguckt und dann spricht sie in verdrehten Worten, sie sagt etwa statt Blaubeer-Muffins – Maubeer-Bluffins, oder so. Das finde ich einmal recht lustig, mehrfach wiederholt aber eher übertrieben. Dann habe ich eine Stelle gelesen, wo Liv etwas sagte und dann folge eine Aussage wie ‚das geschah in echt‘ und in übernächsten Satz folgte dann erneut ‚auch wie in echt‘. Das ist nicht wörtlich wiedergegeben, aber ähnlich steht es geschrieben. Diese Formulierungen trugen u.a. dazu bei, dass mich der neue Roman nicht so packen konnte, wie die Vorgänger, die mich absolut gefesselt haben.

‚Silber‘ ist eine nette Geschichte, die sich auch wieder flott und schnell lesen lässt, irgendwie den Vorgängern sehr ähnlich ist, dennoch eben anders. Ich kann es schwer erklären.

Die Aufmachung des Buches ist sehr verspielt. Das Cover ist ähnlich gestaltet, wie die der Edelstein-Reihe, sehr verschnörkelt, mädchenhaft und hübsch anzusehen. Hier gefällt mir, dass das Buch auch unter dem Schutzumschlag schön bedruckt ist und auch ohne ‚Hülle‘ optisch was hermacht. In diesem Roman zieren jedoch zusätzlich noch Blütenranken diverse Buchseiten.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für den neuen Jugendbuchroman von Kerstin Gier, der mir zwar gefiel und auch nett zu lesen war, mich dennoch nicht so packen konnte, wie die Vorgänger.

Ein kleiner Vergleich fällt mir ein, der sich nicht auf die Handlung, sondern wirklich nur auf das Level des Schreibstils bezieht:  J. K. Rowling hat bei den Potters auch in einem ganz einfachen Schreibstil begonnen und sich dann ab Band 3 vom Niveau extrem gesteigert. Ich würde also die Edelstein-Trilogie mit den späteren Potters vergleichen, Silber dafür eher mit den zwei ersten Teilen.

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© Buchwelten 2014

Das Vermächtnis der Montignacs von John Boyne

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Erschienen als Taschenbuch
bei PIPER
insgesamt 512 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-492-30154-1
Kategorie: Historische Familiengeschichte

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London im Jahre 1936. Der erst kürzlich auf den Thron gestiegene König Edward VIII. hat eine Affäre mit einer geschiedenen Amerikanerin. Es gibt eine Reihe Personen auf Regierungsebene, die seine Abdankung erzwingen wollen, obwohl der Monarch beim Volk beliebt ist.

Owen Montignac, der Neffe des kürzlich verstorbenen Peter Montignac ist nicht nur Geschäftsführer einer bekannten Londoner Galerie, er ist außerdem ein Spieler. Und dies hat ihn in eine missliche Lage gebracht. Er schuldet dem Londoner Spielbankbesitzer Nicholas Delfy knappe 50.000 £ und die will er natürlich wiederhaben. Und zwar bald. Owen bekommt ein eindeutiges Ultimatum gesetzt: Innerhalb eines Monats hat er einen Abschlag von 10.000 £ zurückzuzahlen und den Rest muss er bis Weihnachten liefern, sonst wird Delfy Owen körperlichen Schaden zufügen (lassen).

Owen wartet nun sehnsüchtig auf das Erbe seines Onkels. Zwar ist er nicht das leibliche Kind des Verstorbenen, doch er ist seit seinem fünften Lebensjahr in London bei der Familie aufgewachsen. Nach dem Tod seines Vaters (der ältere Bruder von Peter Montignac), der der Liebe wegen nach Frankreich gegangen war, hat sein Onkel Owen  aus Frankreich holen lassen und ihn in die Familie aufgenommen.

Und da die Montignacs eine Tradition wahren, nämlich das Erbe nur an männliche Nachkommen weiterzugeben, zweifelt Owen nicht einen Moment daran, dass das Vermächtnis der Montignacs in seine Hände gelangt.

Doch er irrt sich. Sein Onkel hat mit der Tradition gebrochen und die Erbin des gesamten Vermögens ist Stella Montignac, die leibliche Tochter des Verstorbenen und die Owens Cousine.

Somit steht Owen nicht nur mit leeren Händen da. Er muss um sein Leben bangen, denn wie soll er nun binnen weniger Monate einen Betrag von 50.000 £ auftreiben, um die Spielschulden bei Nicholas Delfy zu begleichen? Owen sucht händeringend nach einer Lösung und dabei schreckt er nicht vor kriminellen Handlungen zurück.

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John Boyne, vielen Lesern bekannt durch sein Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ hat mit diesem Roman eine wunderbare Erzählung geliefert. Die historische Geschichte hat kriminalistischen Einfluss, ist fesselnd, stilistisch ausgefeilt und anspruchsvoll geschrieben. Die Wortwahl, Sprache und Ausdruck sind gehoben. Den einfachen, schlichten Schreibstil des „Jungen im gestreiften Pyjama“ findet man hier keinesfalls.

Das Konzept der Handlung sowie der Aufbau sind gut ausgearbeitet. Die Hintergründe und Verwicklungen verständlich und spannend.

Der Autor erzählt in verschiedenen Erzählsträngen, wechselt innerhalb des Romans zu anderen Personen, von denen der Leser erst einmal nicht weiß, wie sie in die Handlung gehören. Doch all dies fügt sich perfekt zusammen und wird gut und logisch aufgelöst. Die Charaktere seiner Protagonisten hat Boyne glaubhaft dargestellt und sie wirken lebensecht. Hier gibt es einen sehr netten Nebencharakter zu erwähnen, der als Buchrezensent für die Londoner Times arbeitet. Der Einblick in seine Arbeitsweise ist doch interessant und vor allem amüsant. Ich selber gehe jedenfalls anders vor als er 🙂 .

Während der einzelnen Kapitel fügt der Autor durch Gedankengänge seiner Figuren immer wieder Rückblenden ein, die in die Kindheit von Stella und Owen Montignac zurückreichen. Diese Sprünge haben mir gut gefallen, führten jedoch auch dazu, dass ich einige Entwicklungen der Story zu leicht absehen konnte und letztendlich ein Überraschungseffekt ausblieb.

Das Buch umfasst ca. 500 Seiten und wird als Taschenbuch verkauft. Das sepiafarbene Cover zeigt das Themseufer und die Towerbridge London. Mich hat die Aufmachung sofort an die Einbände der Romane von Carlos Ruiz Zafón (z.B. Schatten des Windes) erinnert. Man möchte im ersten Moment denken, die Coverwahl sei somit einfallslos und abgekupfert. Doch gab es nicht auch eine Phase, in der sämtliche Thriller ausschließlich in weißen Einbänden mit roter und schwarzer Schrift erschienen?

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen spannenden und fesselnden Roman von John Boyne, der in einem sehr guten Stil geschrieben ist und somit auch sprachlich Spaß macht. Auch wenn mir einiges zu absehbar war, gebe ich hier gerne meine Leseempfehlung für eine Reise ins London der 1930er Jahre.

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© Buchwelten 2013

Die Masken des Morpheus von Ralf Isau

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Erschienen als gebundene Ausgabe
bei cbj
insgesamt 544 Seiten
Preis: 17,99 €
ISBN: 978-3-570-13835-9
Kategorie: Jugendbuch ab 12 Jahre

Erscheinungstermin: 18. März 2013

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Der 17 jährige Arian Pratt ist Seiltänzer und ein begnadeter Puppenspieler in London im Jahre 1973. Der ansehnliche junge Mann hat ein Seil zwischen zwei Bäumen auf dem Rasen vor der Westminster Abbey gespannt um Publikum für die abendliche Zirkusvorstellung zu locken, als ein seltsamer alter Mann auf ihn zukommt und ihn anspricht. Arian ist dieser Kerl nicht geheuer und versucht höflich auf Distanz zu gehen. Doch leider lässt der sich nicht abwimmeln und bei einer plötzliche Berührung der Hände geschieht etwas, dass Arians Leben von diesem Moment an völlig auf den Kopf stellt: Arian findet sich urplötzlich in dem Körper des alten Mannes wieder und der andere flieht mit seiner fleischlichen Hülle.

Arian versucht natürlich sofort dem zwielichtigen Kerl zu folgen, will er doch seinen Körper zurück. Aber ehe er Zeit hat, all das Geschehene in der Schnelle zu verarbeiten, wird er auch schon von dunklen Gestalten verfolgt, die offenbar für den bekanntesten Verbrecher Londons arbeiten.
Während seiner Jagd, die ja nun zeitgleich eine Flucht ist, lernt Arian die schöne Mira kennen. Nach anfänglichem Misstrauen freunden sich die beiden an. Mira ist es, die Arian darüber aufklärt was mit ihm geschehen ist. Er ist ein Swapper, ein Körpertauscher, er kann also durch Berührungen nackter Haut die Körper mit anderen Menschen wechseln. Mira ist ebenfalls eine Swapperin, sie bringt Arian bei mit dieser Gabe umzugehen und erklärt ihm außerdem eine Reihe wichtiger Hintergründe.

Mira ist Französin, im gleichen Alter wie Arian und derzeit in London, weil sie die Mörder ihrer Eltern aufspüren will. Auch Arian hat seine Eltern als Säugling durch einen Mord verloren, der Leiter des bekannten Zirkus von London ist lediglich sein Adoptivvater.
Gemeinsam mit Mira macht sich Arian auf die Suche: natürlich nach seinem eigenen Körper, den er unbedingt zurückhaben will, aber auch um herauszufinden, wer er eigentlich ist und was genau mit seinen Eltern geschah. Dazu müssen sie Mister M. finden, den mächtigsten Seelendieb überhaupt. Sein wirklicher Name ist Morpheus und er trägt viele Masken, nein, Körper und das macht die Sache beinahe unmöglich ….

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Mit seinem neusten fantastischen Roman für jugendliche Leser hat Ralf Isau erneut eine spannende, fesselnde und abenteuerliche Geschichte geliefert. Sehr kurzweilig und rasant erzählt der Autor die Suche von Arian und Mira und lässt sie sich mutig von einer Gefahr in die nächste begeben. Hierbei wechselt er örtlich nicht nur zwischen London und Frankreich zur Zeit der gefährlichen französischen Revolution. Auch nach Deutschland führt ihre Reise, auf der Suche nach Morpheus.
Hier hat Ralf Isau die Sage um die Loreley, den bekannten schwarzen Fels am Rhein, sehr gut in die Handlung verbaut und die erwähnten Festungen/Burgen sind real. Auch ich bin an Burg Katz und Maus auf dem Fußweg zur Loreley schon vorbeigelaufen. Die Idee, wirkliche historische Ereignisse und Bauwerke in die Geschichte mit einzubauen, wertet die Handlung auf und läßt den Leser dadurch nicht dass Gefühl haben, sich eigentlich in einer fantastischen Geschichte zu befinden.

Ich war während des Romans hautnah bei den brutalen Hinrichtungen durch die Guillotine in Frankreich dabei, fand mich in stinkenden Kerkern wieder und lernte sogar die Gründerin von Madame Toussauds Wachsfigurenkabinett kennen. Dies sind nur einige wirkliche historische Figuren, die Ralf Isau in seiner Handlung verknüpft hat. Eine Auflistung dieser Personen liefert der Autor im Anhang des Romans.

Der Schreibstil ist der typische Isau, angenehm lesbar, gut ausformuliert, rasant und wie immer sehr bildhaft. Aber durch die vielen Kämpfe und dramatischen Situationen geht es mitunter auch recht grob und brutal zu. Natürlich spreche ich hier nicht von Splatterelementen, dennoch sollte der Leser schon Blut „sehen“ können.

Das Buch wird vom Verlag in einer schönen gebundenen Ausgabe präsentiert, leider wurde ein Lesebändchen eingespart :). Das geprägte Cover finde ich gut gelungen und der ausgefallene Ballon springt ins Auge. Ja, er hat auch mit der Handlung zu tun. Die große gelbe Fläche, in der der Titel des Romans erscheint, hat mich auf den ersten Blick jedoch eher an ein Ortseingangsschild erinnert. Der Titel „Die Masken des Morpheus“ ist zwar ein wenig länger, als der ursprünglich angedachte, gefällt mir aber gut.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den neuen Jugendroman von Ralf Isau. Erneut liefert der Autor eine einfallsreiche, spannende Geschichte. Ein großes, dramatisches Abenteuer, gespickt mit vielen wahren Begebenheiten, die wie immer gut recherchiert sind. Ich habe mit den sehr sympathischen Protagonisten mitgefiebert und hatte den Roman innerhalb kurzer Zeit verschlungen.

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Ich danke cbj für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2013

Diana Gabaldon – Die Fackeln der Freiheit (5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im blanvalet Verlag
576 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-7645-0177-8
Kategorie: Belletristik

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London im Jahre 1760. Lord John erhält ein höchst brisantes Dokumentenpaket seines verstorbenen Freundes Charles Carruthers. Es beschreibt die diversen Vergehen des Majors Gerald Siverly innerhalb der britischen Armee. Diese Vorwürfe beginnen bei Diebstahl und Korruption, gehen weiter über das Versagen zur Verhinderung einer Meuterei, bis hin zu Mord und zuletzt Hochverrat.

Desweiteren findet sich in den Unterlagen ein Gedicht, das in dem irischen Gälisch Gaeilge verfasst ist. Dieses Gedicht kann weder Lord John, noch sein Bruder Hal übersetzen. Doch Hals Frau Minnie, die sich mit derart Dokumenten ein wenig auskennt und einen Blick darauf wirft, kann wenigstens den Hinweis auf die Sprache geben.

Lord John zeigt diese Unterlagen seinem Bruder Hal, dem Herzog von Pardloe und der ist alles andere als begeistert von diesen Dokumenten. Er will den sich derzeit in Irland befindlichen Major nach England zurückholen lassen, damit er vor ein ordentliches Kriegsgericht gestellt wird. Der Major soll für seine üblen Vergehen gegen die englische Krone büßen.

Ohne seinen Bruder im Vorfeld darüber zu informieren, beschließt Hal, Jamie Fraser aus Helwater holen zu lassen. Dort verbüßt der wegen Hochverrat verurteilte Schotte Fraser seine Strafe unter dem Eid des Ehrenwortes. Dafür hatte seiner seinerzeit Lord John selbst gesorgt, denn als Verwalter des Gefängnisses Ardsmuir hatte er eine Beziehung zu Fraser aufgebaut, die einer Freundschaft doch recht nahe kam.

Jamie fühlt sich in Helwater eigentlich recht wohl. Kann er doch seine Arbeit bei den Pferden verrichten und außerdem seinem unehelichen Sohn William immerhin ab und zu nahe sein. Natürlich weiß niemand, dass Jamie der wahre Vater des zukünftigen Grafen von Ellesmere ist. Der kleine William ist nun beinahe drei Jahre alt und hat seine Begeisterung für Pferde entdeckt, so kommt es, dass er sich immer öfter bei den Tieren und somit in Frasers Nähe aufhält.

Als zwei englische Soldaten Jamie in Helwater abholen und nach London bringen, weiß er nicht was ihn dort erwartet. Man klärt ihn über das Ziel dieser Reise nicht auf. Das ändert sich, kurz nach seinem Eintreffen in London. Lord John und der Herzog von Pardloe legen ihm das irische Gedicht vor, welches er übersetzen soll. Er kann es nicht hundertprozentig, doch das irische Gälisch ist dem schottischen recht ähnlich, so kann er es immerhin sinngemäß.

Und natürlich versteht Jamie Fraser auch sofort den Inhalt dieses Gedichts. „Die wilde Jagd“ ist nichts anderes als eine verschlüsselte Note, die die jakobitischen Verschwörer zu einem erneuten Aufstand gegen die englische Krone aufruft.

Als Lord John Jamie darüber informiert, dass dieser mit ihm nach Irland reisen wird um den korrupten Major Siverly zu stellen und mit dem Wissen über das Gedicht der „Wilden Jagd“ zu konfrontieren, gerät er in ein heftiges Dilemma. Wenn er sich weigert, kann es passieren, dass er nicht wieder nach Helwater zurückkehren kann, um dort seinem Sohn William Nahe zu sein. Wenn er Lord John unterstützt, dann verrät er seine alten Kameraden.

Es führt kein Weg daran vorbei. Jamie und Lord John begeben sich auf die Reise nach Irland und es scheint plötzlich, als könne diese das angerissene Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern die einst bestand, vielleicht wieder festigen.

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Ich bin ein absolut geständiger Fan der Romane von Diana Gabaldon. Hier spreche ich nicht nur von den „großen“ Romanen der Highland-Saga, sondern auch von den bisherigen Romanen um den smarten englischen Soldaten Lord John.

Die Romane der Autorin haben absolut nichts mit einer kitschigen, triefigen Liebesgeschichte gemein, wie es eventuelle Autoren liefern, die auf den „Schottland-Zug“ aufgesprungen sind. Wie viele „Küss-Mich-Highlander“ Cover habe ich den Buchläden gesehen, die sicherlich nichts mit den ausführlichen Werken von Diana Gabaldon gemeinsam haben.

Lord John war ursprünglich nur eine Nebenfigur der Highland-Saga, die aber auf Grund ihrer Tiefe und Liebenswürdigkeit die eigene Reihe absolut verdient hat. Und ich empfinde diese dünneren Werke um Lord John auch keinesfalls als Lückenfüller, sondern genieße es ungemein dessen Abenteuern und Erlebnissen beizuwohnen.

Das interessante und brisante an dieser Figur ist sicherlich ihre sexuelle Neigung. Lord John ist nicht nur ein treuer Diener der englischen Krone und ein Soldat mit Leib und Seele aus gutem Hause. Er ist homosexuell und fühlt sich zudem noch sehr zu dem Schotten James Fraser hingezogen.

Ich hatte es bereits in meiner Rezension zu „Die Sünde der Brüder“ geschrieben. Es ist einfach fantastisch zu lesen wie die Autorin es (als Frau) schafft  diese Figur zu beleben. Es gibt auch in diesem Roman wieder sehr erotische Szenen und Momente. Und diese sind demnach folglich homosexueller Natur. Die Autorin beschreibt sie in einer so sinnlichen, stillen Art, dass die Buchseiten knistern. Ich spreche hier nicht von ausufernden Sexszenen, die abartig oder abstoßend sind, sondern von schöner Sinnlichkeit.

Aber diese Momente machen natürlich nicht das gesamte Buch aus. Es ist wieder einmal sehr politisch und historisch gut recherchiert. Es geht um Ehre, Glaube, Kampf und Verrat. Die Autorin hat fiktive Figuren mit realen kombiniert. Hierzu gibt es im Anhang noch interessante Zusatzinformationen.

Zu Beginn des Buches musste ich mich kurz in der Zeit orientieren. Denn dieser Lord John Roman handelt vom Jahr her im dritten Teil der Highland-Saga (Ferne Ufer).

Also waren wir Leser bei der Lektüre des letzten Bandes der Highland-Saga (Echo der Hoffnung) bereits viele Jahre im Voraus. Doch es fiel mir nicht schwer, mich zurechtzufinden und ich hatte ein Gefühl des „Nach-Hause-Kommens“.

Dieser Roman beschreibt einen Zeitraum, der in der Highland Saga nicht vorkommt, man erfährt viel zusätzliches über das, was Jamie erlebt und mich hat es in keiner Weise gestört, dass Claire nicht dabei ist.

Der Schreibstil war wie gewohnt besonders gut und gehoben. Die Autorin schreibt sehr ausführlich, in langen, verschachtelten Sätzen. Schauplätze und Orte sind so detailgetreu und ausgiebig beschrieben, dass es mir als Leser nicht schwerfällt, sich komplett in der Handlung fallen zu lassen. An dieser Stelle noch einmal ein Lob an die Übersetzerin Barbara Schnell, die bis auf die ersten zwei Teile alle Bücher von Diana Gabaldon übersetzt hat und mit Sicherheit Mammutarbeit leistet.

Dieser Roman ist für einen Lord-John Roman relativ dick, doch ich war – je näher ich zum Ende kam – doch traurig, dass es schon wieder vorbei ist. Ich wäre gerne noch ein bisschen länger bei den Menschen zwischen den Buchdeckeln geblieben.

Doch als kleines Trostpflaster gibt es neben der ausführlichen Danksagung der Autorin und ihren zusätzlichen Anmerkungen noch einen Vorgeschmack auf den neuen Band der Highland-Saga.

Das Buch wird vom blanvalet-Verlag in einer gebundenen Ausgabe mit Leseband präsentiert und ist im typischen, schlichten Design den anderen Roman der Autorin angepasst. Ein orangefarbenes Cover, dass von einem alten Symbol geziert wird. So sehen alle Bücher nebeneinander im Buchregal absolut stimmig aus.

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Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen Lord-John Roman, der alles andere als ein Lückenfüller ist. Spannung, Humor und auch Sinnlichkeit hat er zu bieten. Auf knappen 500 Seiten kann der Leser Lord John und James Fraser begleiten und es ist mir nicht annähernd langweilig geworden.

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Ich danke dem blanvalet-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012

Sa(r)g niemals nie von Dan Wells (3/5)

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Sarg niemals nie …

Erschienen als
Paperback in Rough Cut
bei  Piper
320 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN:  9783492268837

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Frederick Whithers – nicht wie im Klappentext beschrieben Oliver Beard, denn als diesen will Frederick sich nur ausgeben – sitzt wegen Fälschung im Gefängnis. Das  hat er er seiner Freundin Gwen zu verdanken, denn sie hat ihn verraten, weil sie das gleiche will wie er: das Erbe des verstorbenen alten Beard. Um an ihn zu gelangen muss Frederick seinen Plan umsetzen und das geht nur, wenn er es irgendwie schafft, aus dem Gefängnis zu entkommen. Als sein Mitinsasse an Schwindsucht stirbt, überlegt sich Frederick blitzschnell einen klugen Schachzug: er überzeugt den Totengräber, gegen spätere entsprechende Entlohnung, ihn in den Sarg zu legen, aus dem Gefängnis zu schaffen und anschließend zu beerdigen. Dann soll der Totengräber Frederick wieder ausbuddeln und er kann sich endlich darum kümmern sein angestrebtes Erbe anzutreten.

Frederick wird auf dem Friedhof ausgebuddelt, jedoch nicht von dem Totengräber, sondern von fünf seltsamen Vampiren, die in Frederick ihren Erhabenen sehen. Sie lassen sich absolut nicht überzeugen, dass Frederick weder ein Vampir, noch überhaupt ein Toter ist.

Sie hängen ihm wie ein Klotz am Bein und Frederick hat nun gleich mehrere Probleme am Hals. Gwen, seine gierige Freundin will immer noch das Erbe für sich, die Vampire lassen nicht locker und der wahre Vampirgraf ist ebenso hinter ihm her. Wie soll es Frederick nun in all dem Chaos nur nach London schaffen, um an das heiss ersehnte Erbe zu gelangen?

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Wieder einmal hatte ich mich sehr auf den neuen Dan Wells gefreut, doch für mich kommt er mit den beiden letzten Büchern nicht mehr an die Serienkiller-Trilogie ran. Vorneweg: ich finde es wirklich gut, dass der Autor etwas anderes schreiben will, sich in verschiedenen Genres versuchen möchte und sich in keine Schublade stecken lässt. Ich mag es sehr, wenn Autoren so denken, handeln und schreiben.

Doch aus den drei ersten Roman weiss ich, dass Dan Wells schreiben kann und er hatte einen guten Schreibstil, der mich gefesselt hat. Von diesem Schreibstil ist hier nichts zu spüren. Er schreibt fast von der ersten bis zur letzten Seite durchgehend in der wörtlichen Rede. Ein (komischer) Wortwechsel jagt den nächsten und für mich ist diese Handlung eine pausenlose Aneinanderreihung von Situationskomik. Ich empfand diesen Roman als geschriebenen Slapstick-Film, der mir dann letztendlich zu Comedy überfrachtet war.

Sicher, der Autor hat das Vampirgenre ein bisschen auf die Schippe nehmen wollen, dass ist sicherlich auch gelungen, doch ich empfand es als etwas übertrieben. Was mir hingegen gut gefiel war, dass er bekannte Figuren aus der Literatur um die Zeit der Handlung (das Jahr 1817) aktiv in seinem Roman verwoben hat. Seine Nebenfiguren sind Mary Shelly, der Dichter John Keats und Jane Austen.

Gelesen hatte ich das Buch wieder in 2 halben Tagen, denn die Seiten im Rough-Cut – dieses Design behält der Verlag bei – sind nicht wirklich voll geschrieben, sodass die 320 Seiten wohl nur ca. 160 „echte“ Buchseiten sind.

Leser die beim neuen Dan Wells ein Spannungsbuch, Thriller oder Krimi erwarten, werden vielleicht enttäuscht sein. Denn von den Serienkiller Werken hat der Autor mehr als nur Abstand genommen. Wer gerne absolut Lustiges, Humorvolles liest der ist hier gut bedient.

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Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für den neuen Dan Wells, ein Roman voller Slapstick und sicherlich auch an manchen Stellen lustig zu lesen. Mir persönlich zu übertrieben und kein erkennbarer Dan Wells mehr. Doch der Autor hat er einige literarische Grössen verbaut, was ihm tatsächlich gut gelungen ist.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012