Yasemins Kiosk – Zwei Kaffee und eine Leiche – von Christiane Antons

.

582_Antons_Kiosk_rgb_511391e570_aeb219667d

Erschienen als Taschenbuch
im Grafit Verlag
insgesamt  192 Seiten
Preis: 11,00 €
ISBN 978-3-89425-582-4
Kategorie: Krimi
.

Nina Gruber, Polizistin, derzeit außer Dienst, bezieht eine Wohnung in einem schönen Mehrfamilienhaus in Bielefeld, nachdem sie bei ihrer Mutter geflüchtet ist. Sie war bei ihrer kranken Mutter wieder eingezogen, damit sie sich um diese kümmern kann, was jedoch in der Praxis einfach nicht funktioniert. Isso!

Ninas Vermieterin Doro ist herzensgut, hat jedoch auch so ihre Probleme. Dann gibt es da noch Yasemin Nowak, astreine Deutsch-Türkin, die den Kiosk im Erdgeschoss betreibt, nebenbei ein bisschen Haare schneidet, Männer datet und ein absolut lebenslustiger Wirbelwind ist. Wäre da nicht der Stalker, der versucht Yasemin das Leben schwerzumachen.

Und als Nina und Yasemin beim Entsorgen des Altpapiers eine Leiche im Altpapiercontainer finden, kennt Yasemin den Toten auch noch. Die Polizei ist damit recht schnell fertig, unsere drei Frauen aber noch lange nicht ….

 

***


Dieser Roman ist das Debüt der Autorin Christiane Antons, und hat mir einfach nur von vorne bis hinten Spaß gemacht. Ich hatte darauf gehofft, dass mich hier eine locker-leichte Krimihandlung erwartet, die mich durch die Seiten fliegen lässt und einfach einige entspannte, recht unkomplizierte Lesestunden beschert.

Das hat der relativ kurze Krimi sehr gut geschafft. Die Autorin hat hier sehr sympathische Figuren erschaffen, die mit Herz und „Schnauze“ unterwegs sind, sich nichts gefallen lassen und wirklich mutig sind. Der Verlag wirbt damit, dass es keinen Ermittler gibt, jedoch eine Leiche am Anfang und eine Lösung des Falles am Schluss. Nun, ein bisschen geschummelt ist das ja schon, denn Nina Gruber ist ja eigentlich schon Polizistin. Zwar derzeit nicht im Einsatz, dennoch hat sie natürlich ihre Erfahrungen in petto und ihre Vitamin-B(eziehungen) nutzt sie auch schamlos aus.

Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass ich einen „Grappa“- Roman von Gabriella Wollenhaupt lese. Der Stil ist doch sehr ähnlich. Ein weibliches Rauhbein, dass ist die dortige Hauptprotagonistin ja auch. Vielleicht kennt und mag die Autorin selbst die „Grappa“ gerne und hat sich ein bisschen inspirieren lassen.

Der Stil ist auf jeden Fall locker und sehr flüssig. Ja, es geht auch mal umgangssprachlich zur Sache, was jedoch in Dialogen völlig in Ordnung und auch lebensecht ist. Der Plot ist gut überlegt und auch wenn es jetzt nicht die Überraschung gab am Ende, waren die Fäden schon gut gesponnen.

Mein Fazit: Ein flotter, spritziger Krimi, der mit tollen weiblichen Figuren als Protagonistinnen echt Freude macht. Empfehle ich gerne weiter.

.

© Buchwelten 2018

P.S. Als kleine Anekdote am Rande: Als ich das Cover von der Verlagsseite runterspeicherte nannte sich die Datei ‚Antons….Kiosk…‘. Ich habe bei #grafit nachgefragt, ob denn der Kiosk ursprünglich einem Anton statt einer Yasemin gehören sollte? Nein, das Antons beziehe sich auf die Autorin 😊. Okay, soweit zu denken hatte ich dann nicht geschafft *peinlich*

Advertisements

Der Feigling von Andreas März

feigling

Erschienen als Taschenbuch
im Redrum Verlag
insgesamt  336 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-95957035-0
Kategorie: Drama, Thriller

.

In Turtle’s Sand, einer kleine, vergessenen Stadt,  kennt jeder jeden.
Jason muss wegen einer Schlägerei ins Gefängnis, woraufhin sein vierzehnjähriger Sohn Tommy vorübergehend zu seinem Onkel nach Turtle’s Sand zieht. Obwohl Tommy hier geboren ist, hat er es absolut nicht leicht, sich gegen die Jugendlichen des Ortes zu behaupten, zumal die Geschichte von seinem Vater schnell ans Tageslicht kommt.
Als der Vater dann auch noch stirbt und am Sterbebett von seinem Sohn verlangt, niemals Gewalt gegenüber anderen an den Tag zu legen, um nicht ebenfalls eines Tages im Gefängnis zu landen, macht dieser Eid Tommys Überlebenskampf in Turtle’s Sand auch nicht gerade leichter. Denn er gilt ohnehin schon als Feigling und als die Jugendlichen von dem Schwur erfahren, den Tommy gegenüber seinem sterbenden Vater geleistet hat, scheint er das perfekte Opfer für die Jugendgang von Turtle’s Sand zu sein.

.

Andreas März baut seine Geschichte geschickt auf, in dem er die Geschehnisse rückblickend von einem Ich-Erzähler, dem Onkel von Tommy, schildern lässt. Das lässt schon auf den ersten Seiten eine unglaublich tolle Stimmung entstehen, die sich dann durch das ganze weitere Buch fortsetzt. März‘ Drama ist eine Mischung aus Drama mit kleinem Westerntouch und einem Coming Of Age-Roman im Stile von Stephen Kings „Stand By Me“, Greg F. Gifunes „Sag Onkel“ oder auch Brett McBeans „Der Schmerz des Erwachens“. Andreas März besitzt einen sehr angenehm zu lesenden, flüssigen Schreibstil, der einen von der ersten Minute an in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Es sind keine hochkomplizierten und hochliterarischen Sätze, die einen erwarten, sondern eine geradlinige Erzählweise, die absolut funktioniert. Der Leser begleitet den Protagonisten in schweren, aber auch glücklichen Zeiten und nimmt am Erwachsenwerden teil. Andreas März hat mit Tommy einen tollen Charakter erschaffen. Ebenso wuchs mir der Ich-Erzähler sehr ans Herz, obwohl er eigentlich nur eine Nebenrolle spielt.

„Der Feigling“ wird teilweise sehr emotional erzählt, wirkt aber niemals überzogen oder gar kitschig. Es dauert nicht lange und man meint, man lese eine Geschichte nach wahren Begebenheiten, so eindringlich beschreibt März das Gefühlsleben des Protagonisten mit all seinen Hoffnungen und Unsicherheiten. Was mich persönlich sehr angesprochen hat, waren die nicht detailliert beschriebenen Gewaltszenen, da das Kopfkino des Lesers gefordert wurde und jeder in diese Ereignisse seine eigene persönliche Hölle hineininterpretieren konnte. Kopfkino hat so manches Mal eine weitaus größere Wirkung als detaillierte, eklige Beschreibungen. So auch bei „Der Feigling“, wo sich das Grauen zwischen den Zeilen abspielt, also eben in den Köpfen der Leser. Andreas März‘ Coming Of Age-Drama ist sehr ruhig geschrieben und wirkt trotz seiner Grausamkeiten wie ein verklärter Blick in eine Vergangenheit, die man , in diesem Falle der erzählende Onkel und auch Tommy, im Nachhinein mit einer rosaroten Brille sieht.

„Der Feigling“ ist melancholisch, nostalgisch, hart, brutal und emotional. Andreas März hat unglaubliches Talent, die Handlungsorte und Personen zu beschreiben. Erstaunlich dabei ist, dass, obwohl der Autor nie explizit ins Detail geht und nie übertrieben ausführlich in seinen Darstellungen, der Leser alles klar und deutlich vor Augen hat, als sähe er einen Film. Sämtliche Handlungen der Protagonisten, seien es nun die Guten oder die Bösen, sind nachvollziehbar und glaubwürdig, was dem Plot zusätzliche Authentizität verleiht. März hat mit seinem Roman ein beeindruckendes Werk abgeliefert, das im Gehirn haften bleibt. Man fühlt sich wohl in Turtle’s Sand, fühlt mit den Protagonisten und leidet mit dem Hauptcharakter – mehr bedarf es nicht, um „Der Feigling“ als gutes Buch bezeichnen zu können.
Am Ende des Romans wartet auf den Leser noch eine Bonus-Kurzgeschichte des Autors, die es in sich hat. „Das Schweigen der Einhörner“ wurde nicht umsonst mit dem Planet Award 2017 als „Kurzgeschichte des Jahres“ ausgezeichnet. Auch hier beweist Andreas März, dass er in kurzen Sätzen eine Stimmung (und Handlung) aufbauen kann, die sich wie der Plot eines ganzen Romans ins Gehirn des Lesers brennt. Ich freue mich schon auf das nächste Werk von Andreas März.

.

Fazit: Melancholisch, nostalgisch, hart, brutal und emotional. Ein absolut lesenswertes Coming Of Age-Drama.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Talisman von Stephen King und Peter Straub

Der Talisman

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt  960 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN: 978-3-453-87760-3
Kategorie: Horror/Fantasy

.

Jack Sawyer ist 12 Jahre alt und lebt allein mit seiner sterbenskranken Mutter Lily mehr oder weniger auf der Flucht. Jacks Vater ist von einigen Jahren verstorben und Jacks Mom, schwer an Krebs erkrankt, reist mit Jack von Ort zu Ort, um „Onkel Morgan“ zu entkommen. Morgen Sloat ist der ehemalige Partner von Jacks Vater und Freund der Familie. Er will Jacks Mom ständig dazu nötigen, irgendwelche Geschäftspapiere zu unterzeichnen, die ihm von Nutzen sind.

Nun sind sie angekommen im fast leeren Hotel Alhambra Inn and Gardens (die Saison ist vorbei, das Hotel gleicht einer Gruft) in New Hampshire. In diesem Hotel hat Lily, einst gefeierter Filmstar der B-Movies, wundervolle Zeiten verbracht. Und offensichtlich möchte sie hier nun sterben.

Jack lernt im nahegelegenen Freizeitpark am Arcadia Beach den alten Mann Speedy Parker kennen. Er ist ein schwarzer, ehemaliger Musiker, der Jack ein wahrer Freund wird. Und Speedy ist es, der Jack auf eine weite, abenteuerliche und gefährliche Reise schickt.

Er schickt ihn nach Westen, um den Talisman zu holen. Denn der würde seine Mom Lily vor dem Tod retten. Doch dazu muss sich Jack auch in die Welt begeben, von der er immer glaubte, es handele sich um Tagträume, die ihn seit seiner frühen Kindheit begleiten. Doch von Speedy erfährt er, dass es sich nicht um Tagträume handelt. Es gibt sie wirklich: die Welt der Territorien …

+++
Spoilergefahr ist eventuell vorhanden!


Stephen King und Peter Straub haben hier gemeinsam ein sehr umfangreiches Fantasy/Horror Abenteuer geliefert, das die Geschichte des Jungen Jack in bunten Farben und sogar Gerüchen schildert. Es ist dramatisch, gefährlich, sehr brutal und grob, teilweise aber auch sehr leise, absolut emotional und mitfühlend. Es werden sehr viele Themen in dieser Geschichte berührt: Liebe, Familie, Mut, Vertrauen, Freundschaft, Machthunger und Neid, Gier und Angst vor dem Versagen, nicht aufgeben und bedingungsloser Zusammenhalt unter Freunden. Ich könnte noch unzählige weitere Worte finden.

Anfangs zog sich alles etwas in die Länge und ich hatte leichte Anlaufschwierigkeiten, auch wenn die Geschichte mich von Anfang an gefesselt hat (das geht mir übrigens bei Teil 2 gerade genau so: die ersten 100 Seiten sind noch anstrengender). Doch ab dem Moment, in dem Wolf in die Handlung tritt, war ich völlig in den Bann gezogen.

Die Welten der Handlung wechseln und die Ideen sind einfach toll. Ich fühlte mich von der Stimmung und Umgebung oft an den Dunklen Turm erinnert, manches verursachte bei mir sogar ein gewisses „Potter-Feeling“.

Unterm Strich ein absolut gelungener Fantasy Roman, der durch seine krassen und teilweise sehr brutalen und heftigen Szenen durchaus Horror-Charakter hat. Teilweise meine ich zu erkennen, welche Passagen von King und welche von Straub geschrieben wurden, jedoch nicht immer.

Mein Fazit: ein ausführliches und umfangreiches Fantasy/Horror-Abenteuer mit Road-Movie-Charakter, das sicher nichts für schwache Nerven ist, aber immer wieder auch mit sehr ruhigen und intensiven Momenten belohnt.

© Buchwelten 2018

 

 

Kidnapped von Chelsea Cain

 

Erschienen als Taschenbuch
bei blanvalet
Preis: 8,99 €
ISBN: 978-3-641-15803-3
Kategorie: Science Fiction

.

Als 6-jährige wird Kathleen „Kit“ Lannigan entführt. 5 Jahre später wird das Mädchen gefunden und gerettet. Ihre Mutter schlägt nach der Rettung Profit und Ruhm aus ihrer Tochter, die jahrelang missbraucht und zur Produktion von Filmen für Pädophile benutzt wurde. Als „Beth“ erlangte sie in diesen Kreisen Berühmtheit. Noch heute, 10 Jahre später kursieren diese Filme im Internet.

Wieder ist ein kleiner Junge ist verschwunden und gemeinsam mit James, ihrem Bruder – wie Kick ( „Kit“ ) ihn selbst nennt – versucht sie, ihn aufzuspüren. Denn diese Fälle beschäftigen sie noch heute. Sie muss zwanghaft jeden Vermissten-Fall lückenlos verfolgen. Denn sie weiß ganz genau, was mit diesen Kindern geschieht. Eines Abends sitzt plötzlich ein ihr unbekannter Mann in Kicks Wohnung. John Bishop sucht professionell vermisste Kinder und ist sich absolut sicher, dass Kick ihm bei seiner Suche nach Adam Rice, dem aktuell vermissten Kind,  helfen kann. Denn sie weiß Dinge, die für Bishop von großem Vorteil sind. Doch dazu muss Kick sich auf eine dunkle Reise in ihre Kindheit begeben. Sie muss Erinnerungen hervorholen, die sie jahrelang versuchte zu verdrängen ….

***

Als jahrelanger Fan von Chelsea Cain (die Gretchen Thriller – ich habe sie hier alle rezensiert) war ich natürlich sehr neugierig auf den Start ihrer neuen Reihe. Und wieder einmal hat mich die Autorin schlagartig gefesselt. Schon lange habe ich kein Buch mehr innerhalb einer Woche gelesen.

Das Thema ist schlimm, pervers und leider aktuell und hochbrisant. Kinderpornografie, Kindesmissbrauch, Entführung und Handel. Alle diese Themen behandelt der neue Thriller der Autorin. Brutal ist er sicher auch, jedoch nicht auf die o.g. Punkte bezogen, hier spielt sich die Grausamkeit eher auf psychologischer Ebene ab. Denn Cain beschreibt keine sexuellen Handlungen an den Kindern. Sie beschreibt, wie sie „gehalten“ wurden, wie sie „klein gemacht“ wurden, wie sie ständig umzogen und die Häuser wechselten.


Ganz extrem finde ich diese Art „Bindung“, die die Autorin beschreibt, die sich zwischen Beth (der kleinen Kick) und ihrem Entführer „Daddy“/Mel aufgebaut hat und die irgendwie immer noch andauert. Er selbst hat Kick körperlich nie weh getan, er hat mit ihr gespielt und war gut zu ihr. Er hat mit ihr Ferien gemacht und Kick mochte ihn. Es klingt unglaublich und mehr erzähle ich auch nicht.

Die Kick der Gegenwart ist tough, stark und schlagfertig auf der einen Seite und auf der anderen immer noch sehr emotional und verletzlich. Die Ermittlungen, gemeinsam mit John Bishop, haben mir großen Spaß gemacht. Die Gespräche der beiden waren einfach sehr gut geschrieben und trotz der ganzen Spannung und Dramatik hat die Autorin hier eine ganz tolle Stimmung erschaffen. John Bishop erinnerte mich immer ein wenig an Jason Statham in „Transporter“ und bei Kick hatte ich immer Lisbeth Salander vor Augen, auch wenn Kick lange und wuschelige Haare hat.

Mein Fazit: Ein absolut gelungener Auftakt einer neuen Reihe, mit einer wunderbaren Protagonistin. Ein schreckliches Thema wird behandelt, aber Cain hat die Gratwanderung mit Bravour gemeistert und einen fesselnden Thriller geliefert, der sehr emotional und dennoch absolut spannend und unterhaltsam ist.

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

Killgame von Andreas Winkelmann

.

Killgame
Erschienen als Klappenbroschur
(lt. Verlagsseite Hardcover?)
im Wunderlich Verlag
insgesamt 427 Seiten
Preis:  14,99 €
ISBN: 978-3-8052-5080-1
Kategorie: Thriller

.

Ein junges Mädchen wird seit Tagen gefangen gehalten. Wo genau sie sich befindet, weiss sie selber nicht. Doch es ist dunkel, kalt und sie hat Angst. Plötzlich wird die Luke zu ihrem Verschlag geöffnet und jemand wirft ihr Kleidung nach unten. Um genau zu sein: Laufkleidung. Shorts, ein grelles Top und gute, genau passende Laufschuhe.

Natürlich denkt das Mädchen nicht lange nach und kleidet sich an. Zu lange war sie nackt. Sie steigt aus der Luke in die Freiheit. Sie bewegt sich fort von ihrem Gefängnis. Sie beginnt zu laufen. Mitten in den Wald hinein. Sie fragt sich, ob man sie entkommen lässt. Doch dann verfehlt sie der erste Pfeil nur um Haaresbreite. Sie läuft weiter, rennt um ihr Leben ….

***

Andreas Winkelmann liefert hier bereits seinen zehnten Roman ab. Für mich ist es nach „Die Zucht“ erst der zweite, den ich von ihm lese.

Der Autor verfasste einen rasanten Thriller, der den Leser in die Wälder Kanadas entführt. Dries Torwellen, ein ehemaliger Polizist und heute Expendable, arbeitet als Privatermittler. Er findet die, die niemand findet. Selbst die, die nicht gefunden werden wollen. Als seine Nichte Nia spurlos verschwindet, schwört er sich, die Tochter seiner Zwillingsschwester zu finden.

Irgendwie ist mir der Protagonist Dries bis zum Schluss nicht wirklich nahegekommen. Ich kann nicht mal erklären, warum. Er sucht unerbittlich seine Nichte, gibt nicht auf, begibt sich selbst in Gefahr. Dennoch, für mich wirkte er bis zum Ende des Romans eher kühl und unnahbar. Aber dies haben andere Charaktere dafür zum Teil wieder gutgemacht. Nia und eine Nebenfigur waren sehr gut ausgearbeitet und wirkten echt auf mich.

Die gesamte Handlung jedoch ist irgendwie nicht wirklich neu. Ich fühlte mich  u.a. sehr erinnert an zwei Romane skandinavischer Autoren, die ich gelesen habe. Einmal wäre da „Selbstauslöser“ und dann besonders „Trophäe“, den ich sogar vor gar nicht langer Zeit gelesen habe. Aber auch an „Level 9“ von David Morrell, ein bisschen an „Erebos“ und zum Schluss noch ganz besonders an „Jagdzeit“ von David Osborn lies mich die Handlung von „Killgame“ oft denken.

Die Szenerie in den Wäldern war sicher spannend, diese Textstellen dann teilweise sehr brutal und grausam geschildert. Dennoch, der rechte Kick mochte sich bei mir nicht einstellen. Hier hat mir der Vorgänger „Die Zucht“ um einiges besser gefallen. Was ich in „Killgame“ jedoch gut und interessant fand, war der afrikanische Zwillingskult, der in die Handlung eingeflochten und auch ausführlicher erläutert wurde.

Mein Fazit: Ein rasanter Thriller, der sich flott lesen lässt und sicher auch mitreisst. Jedoch ist die Handlung jetzt nichts besonders neues, den Zwillingskult vllt. mal ausgenommen.

.

Kleiner Hinweis zur Verlagsseite:

Der Verlag deklariert das Buch, welches ich bekommen habe auf der Homepage als „Hardcover“, es ist aber definitiv eine Klappenbroschur.

Es ist mir nicht möglich gewesen auf der Verlagsseite die Seitenanzahl oder ISBN Nummer zu finden, das gefällt mir leider gar nicht 😦 .

.

© Buchwelten 2016

EXIT von Hugh Howey

.

exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

.

Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

***

Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

.

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

DSCN1107

.

Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

.

© Buchwelten 2015

Alles bleibt anders von Siegfried Langer

.

alles bleibt anders

Erschienen als
Taschenbuch im
Atlantis Verlag
343 Seiten
Preis: 12,99 € oder als Kindle Edition
ISBN: 978-3936742954

.

Als Frank Miller realisiert, dass er gerade auf den Gleisen am Görlitzer Bahnhof steht, hat er Glück, dass der erwartete Zug Verspätung hat. Von seinen „Rettern“ befragt, fällt ihm gerade noch sein Vorname ein. Das war es dann auch vorerst. Er hat keine Erinnerung an seine Vergangenheit und irrt somit zunächst leicht verwirrt durch die Umgebung. Einer Eingebung folgend, begibt er sich dann in die Straße, in der er meint, gelebt zu haben. Hier trifft er sogar auf einen alten Nachbarn, der ihn kennt und ihm behilflich ist. Doch was er dort erfährt, ist nicht unbedingt positiv. Er ist vor 3 Jahren für tot erklärt worden und auf dem örtlichen Friedhof begraben.

Als hätte Frank nicht genug Probleme damit, seine Erinnerungen zurückzuerlangen, wird er auch noch verfolgt und überfallen. Doch was will dieser fremde Mann von ihm? Ob es um das seltsame ,Medaillon geht, dass er um seinen Hals hängen hat? Versehen mit Initialen, an die er sich auch nicht erinnern kann.

Man schreibt das Jahr 2008, die Hauptstadt heißt Germania und die NSDAP ist nach wie vor an der Macht. Europa, wie wir es kennen, gibt es nicht …

***

Es handelt sich hier um den Debütroman des Autors Siegfried Langer. Ich habe bereits einen Thriller des Autors gelesen und rezensiert (Vater, Mutter, Tod), jedoch gefällt mir sein Erstling zugegebenermaßen um Längen besser.

Für mich ein sehr gut geschriebener, spannender und auch fundierter Steampunkroman, der mir richtig gut gefallen hat.

Eine wunderbare Mischung aus Geschichte, Krimi und Physik. Gibt es parallele Realitäten? Was wäre, wenn es möglich wäre, in einen anderen Zeitstrang zu reisen um die Vergangenheit zu korrigieren? Kann man die Macht der NSDAP stoppen, diese dunkle Zeit vielleicht sogar komplett aus dem Geschichtsverlauf tilgen?

Sehr interessante Fragen, die hier in einem wirklich guten Schreibstil umgesetzt wurden. Die Idee und deren Umsetzung empfinde ich als sehr gelungen. Die Charaktere, die Langer geschaffen hat, sind sehr lebensecht und charakterlich gut ausgearbeitet. Frank Miller und seine Kindheitsfreundin Karen ebenso wie der Wissenschaftler Gothaer und auch der eigentliche Vorzeige-Arier Tristan, der jedoch einen Makel hat, der ihn mir so sympathisch gemacht hat.

Langer beschreibt Berlin (Germania) und auch Orte wie Oxford in einer modernen, aber auch alten Zeit. Mir haben diese Beschreibungen der Umgebung und der Gebäude sehr gefallen. Die Physik war keinesfalls verwirrend geschrieben, sondern gut und verständlich erklärt. Auch das Paradoxon kommt keinesfalls zu kurz. Den Leser erwartet hier jedoch keinesfalls eine trockene Mischung aus Geschichtsstoff und Stephen Hawking, sondern eine gut ausgeklügelte und spannende Handlung.

Ein wenig verwirrend mag sein, dass sein Protagonist in einem klar strukturieren und stengen deutschen Reich Frank Miller heißt. Mein Mann hatte hierzu den Hinweis, dass es sich um eine Hommage an den Zeichner (von u.a. Sin City) Frank Miller handeln mag.

Ich hatte besonderen Spaß an der Stelle, an der Frank und Tristan in das Berlin der heutigen Zeit kommen, also sich in unserem Zeitstrang dort aufhalten. Dieser „Kulturschock“ war wirklich toll und der anschließende Bericht der beiden an ihre Freunde ebenso gut gelungen! Diese Stellen musste ich tatsächlich gestern abend laut vorlesen 🙂

Das Buch wurde vom Verlag als Taschenbuch publiziert (ich habe die Printausgabe gelesen) und wäre die Schrift nicht so klein gewesen, hätte es mir und meinen Augen besser gefallen. Gefühlt ist der Text in einer 8er Schriftgröße gedruckt. Leider achten viele kleine Verlage darauf, Seiten einzusparen. Dafür hat das Buch jedoch nach der Lektüre keinerlei Knicke im Buchrücken, was ich wiederum positiv werte. Ich möchte auch ungern den Autor in meiner Bewertung dafür „strafen“, dass der Verlag evtl. gespart hat.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen spannenden Steampunkroman. Geschichte und Physik, das Thema Parallelwelten und die eventuelle Korrektur der Zeitlinien sind in einem sehr guten Schreibstil, einer spannenden, verzwickten Handlung und mit überzeugenden Charakteren zu einem guten Ganzen verbunden. Hier gebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung!

.

© Buchwelten 2014

Mr. Mercedes von Stephen King

.

Mr. Mercedes

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 592 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN 978-3-453-26941-5
Kategorie: Thriller

.

Ein nebliger Frühmorgen irgendwo in den USA. Viele hundert Menschen warten seit Stunden vor der Stadthalle des Ortes, wo bald die jährliche Jobbörse ihre Türen öffnen wird. Mitten in der Nacht sind die Arbeitssuchenden aufgestanden und haben sich dort eingefunden, um endlich eine Arbeit zu finden. Männer, Frauen, Junge und Alte. Alle warten sie geduldig auf Einlass.

Doch dazu wird es nicht kommen. Urplötzlich blenden Scheinwerfer im Nebel auf und bevor die Wartenden registrieren, dass es ein PKW, ein schwerer Mercedes ist, der dort mitten auf die Menge zusteuert, ist es bereits zu spät. Der Fahrer hält nicht an, ganz im Gegenteil. Bewusst und voller Absicht rast er in die Menschenmenge und bringt viele der Menschen um, andere haben etwas mehr Glück, werden „nur“ schwer verletzt und bleiben als Krüppel zurück. Der Mörder flieht und der Fall ist nach über einem Jahr noch immer nicht aufgeklärt.

Detective Kermit William Hodges ist in den Ruhestand gegangen, ohne dass es ihm gelungen ist, seinen letzten Fall aufzuklären. Er hat im Fall Mr. Mercedes ermittelt, konnte den Killer jedoch nicht aufspüren. Nun fristet er in seinem Rentnerdasein dahin. Lebt in den Tag hinein, sieht zu viel fern, isst zuviel Ungesundes und langweilt sich zu Tode. Im wahrsten Sinne des Wortes: Beinahe täglich spielt er mit seinem Revolver herum und überlegt, ob nicht einfach dem öden Dasein ein Ende setzen soll.

Nun, dabei hat Mr. Mercedes Hodges offensichtlich beobachtet, denn er schreibt ihm einen Brief, der ihm klarmachen soll, wer ihm schreibt. Außerdem soll er Hodges provozieren. Mr. Mercedes würde nichts lieber sehen, als dass der Rentnercop sich endlich das Leben nimmt. Das wäre ein großer Spaß. Doch da hat Mr. Mercedes sich schwer geirrt. Denn mit seinem langen Brief erreicht er genau das Gegenteil: er reißt Hodges aus seiner Lethargie, weckt erneut das Feuer der Jagd in ihm und gibt ihm eine Aufgabe! Hodges macht weiter. Auf eigene Faust stellt er unauffällige Ermittlungen an und versucht alles, um diesen irren Mr. Mercedes endlich zu schnappen ….

***

Ein lieber Facebook-Freund sagte kürzlich: Die ersten 100 Seiten könnte man bei Stephen King getrost überblättern, denn solang braucht er immer, um in seine Handlung hineinzufinden. Nun, hier ist es definitiv nicht so. Es geht einige Seiten ruhig an, dann wird man jedoch sofort mit Grausamkeit und Unglück konfrontiert. Leser, die sich auf der Homepage des Verlages die Leseprobe durchlesen, bekommen bereits das geboten, wovon ich hier gerade schreibe, ohne etwas zu verraten.

King schreibt in seinem gewohnten Stil des „neuen“ King, also vergleichbar mit Joyland oder eher noch Der Anschlag. Die alten Horror-Schocker Momente gibt es so nicht mehr. Was aber nicht heißt, dass King seicht geworden ist. Die Grundstimmung des Romans ist eher ruhig, was mir gut gefällt. Dennoch wurde ich absolut gefesselt und empfand die Handlung als sehr spannend und teilweise auch wirklich schlimm! Aber es wechseln sich dramatische Szenen mit ruhigeren ab, damit der Leser auch zur Ruhe kommt, mir gefällt das. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Und jeder einzelne von ihnen war sehr gut ausgearbeitet und dargestellt. Sehr glaubhafte, nette und auch böse, irre Charaktere habe ich während meiner Lektüre getroffen.

Stephen King hat einige nette Anspielungen auf seine alten Bücher und auch alt bekannte Filme verbaut, diese Hinweise erkennen Fans sogleich.

Selbst das Ende, die bei King ja oft, nennen wir es mal Geschmackssache sind, gefällt mir in diesem Falle sehr gut und ich empfinde es als gelungen und passend. Es gibt doch einige Kings, wo ich die Handlung total klasse fand und beim Ende dann eher unzufrieden war, z.B. bei Wahn oder damals ES. Den dunklen Turm nehme ich jetzt mal raus, denn da ist das Ende auch seltsam, dennoch könnte ich die komplette Reihe sofort wieder lesen, weil sie mich nicht los lässt :).

Zum Cover gibt es hier von mir ein Lob an den Verlag, es ist identisch mit dem Original. Eins zu Eins übernommen, dass finde ich sehr gut. Bei den Stephen King Romanen gehe ich nämlich immer hin, und schaue mir die Originalausgaben an. Da fällt mir gleich Wind ein, wo mir das deutsche Cover zwar auch gefällt, dass Original aber viel schöner ausgearbeitet ist.

King wäre nicht King, würde er nicht zum Roman handlungswichtige Spielereien auf seiner Homepage anbieten. So etwas macht dem Leser Freude und gibt ihm immer das Gefühl, diese Handlung sei mehr als nur eine Idee des Autors.

Mein Fazit: Volle 5 Punkte für Mr. Mercedes, der mich absolut gefesselt und mir sowohl Freude als auch Schockmomente beschert hat. In einem guten Schreibstil lässt King in das Hirn eines Killers blicken und einen dahinvegetierenden Ex-Cop wieder aufleben und ungeahnte Kräfte mobilisieren.

.

Ich danke dem Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Die Videos kann ich in dem Falle leider nur als Links anbieten 🙂

.

stephenking.com/promo/mr_mercedes/video/

http://stephenking.com/promo/mr_mercedes/book-trailer.html

.

© Buchwelten 2014

Department 19 – Die Wiederkehr von Will Hill

.

Dep 19
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Lübbe Verlag
insgesamt 668 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-431-03878-1
Kategorie: Jugendbuch  (14-17 Jahre empfohlen)

.

Nachdem Jamie Carpenter auf der Insel Lindisfarne sehr erfolgreich einen der ältesten Vampire der Welt ausgelöscht hat, sollte er sich als gefeierter Held eigentlich wohl fühlen. Doch er trauert um den Verlust seines Freundes Frankenstein, den er bei diesem Einsatz verloren hat. Kate Randall, eine junge Frau die auf der Insel extremen Mut und Kampfeinsatz gegen die Vampire bewiesen hat, stößt zu Schwarzlicht und gehört nunmehr zu Jamies Team.

Er genießt großes Vertrauen und eine beinahe väterliche Freundschaft zum Leiter von Schwarzlicht Commander Seward und wird somit in einige geheime Informationen eingeweiht, die die Wiederauferstehung von Dracula betreffen. Einer der ältesten Vampire (der Bruder des ausgelöschten Alexandru Rusmanov) hat die sterblichen Überreste des ältesten Vampirs der Welt an sich gebracht und dem Department 19 bleiben exakt 91 Tage. Dies ist die geringe Zeitspanne die Dracula benötigt, um zu seiner alten Kraft und Stärke zurückzufinden und somit zur größten Bedrohung der Menschheit zu werden.

***

Im ersten Roman um das Department 19 – Die Mission haben wir Jamie Carpenter bereits kennengelernt, seine Ausbildung begleitet und einige heftige Einsätze miterlebt. Jamie ist nun 17 Jahre alt, wirkt aber sehr viel reifer und erfahrener. Er wird auch von seinen älteren Kollegen und Vorgesetzten sehr geschätzt und nicht annähernd wie ein Teenager behandelt. Mir gefällt diese Entwicklung des Charakters sehr und ich war vom Anfang bis zum Ende dieser Fortsetzung sehr gefesselt.

Der Schreibstil ist wieder gut, der Spannungsbogen extrem gespannt. In diesem Roman spielt nicht nur die Wiederkehr Draculas (auf die ja bereits im Titel hingewiesen wird) eine Rolle, sondern es gibt noch zwei bis drei weitere wichtige Elemente der Handlung, die ich nicht vorhergesehen hatte und die mich nicht nur überrascht, sondern mir auch richtig gut gefallen haben. Ich werde hier nicht annähernd Andeutungen machen, denn sonst verrate ich sofort spannende Dinge.

Auch hier nochmal der Hinweis, dass der Autor keine weichgespülte Vampir Lovestory bietet, sondern heftige Agenten Action, in der nicht nur jede Menge Blut fließt, sondern Körper explodieren, platzen, verbrennen o.a.. Leser die kein Blut „lesen“ können, sollten gewarnt sein. Will Hill greift die alte Bram Stoker Story auf und puscht sie mit Hightech Elementen. Mich spricht diese Mischung unbedingt an. Der Verlag gibt die Leseempfehlung zwischen 14 und 17 Jahren, die meiner Meinung nach angebracht ist.

Auch optisch ist das Buch wieder sehr gelungen. Das Hardcover ist direkt bedruckt, wird also nicht von einem Schutzumschlag umschlossen. Der Einband ist optisch dem ersten Roman angeglichen und auch im inneren des Buches gibt es wieder die „alten“ Seiten, in denen Will Hill weit zurück in die Vergangenheit springt. Hier wird zum Beispiel erzählt, wie aus dem Fürsten Vlad Tepes der Vampir Dracula wurde.

Der Roman ist um beinahe 200 Seiten stärker als der erste Teil und der Preis von 16,99 € somit für mich mehr als akzeptabel.

Der dritte Band „Das Gefecht“ wird voraussichtlich am 18.07.2014 erscheinen!

.

Mein Fazit: Wieder 5 von 5 Sternen für diese sehr gute Fortsetzung von „Die Mission“, die für mich noch besser ist, als der erste Teil. Eine spannende Handlung, die mehrere überraschende und tolle Wendungen aufweist, geschrieben in einem guten Schreibstil und bestückt mit Charakteren, die gut ausgearbeitet sind. Seien es die guten oder die bösen. 

.

Rezension zum ersten Teil –> Department 19 – Die Mission

.

© Buchwelten 2014

Das Lachen und der Tod von Pieter Webeling

.


Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89667-464-7
Kategorie: Allgemeine Belletristik (Drama)

.

Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann ist Halbjude und wird in ein in Polen liegendes Vernichtungslager deportiert. Doch er ist und bleibt Komiker und so kann er sich weder auf dem Bahnsteig vor der Abfahrt in einem Viehwaggon beherrschen (Frage an einen SS-Offizier, ob es sich denn hier um den 1. Klasse Viehwaggon handelt), noch im Verlauf der „Reise“ (um ein aufkommendes Gerangel innerhalb des Waggons zu unterbinden, steigt Hoffmann auf zwei Koffer und improvisiert eine Vorstellung) und später innerhalb des Lagers.

Während der Fahrt trifft Ernst auf die schöne Helena, in die er sich auf den ersten Blick verliebt, auch wenn sie sich nie zuvor gesehen haben. Sie versprechen sich gegenseitig, einander nie zu vergessen.

Nach der Ankunft im KZ beginnt sofort die Selektion von Frauen, Kindern, Männern. Ernst wird einem Arbeitskommando zugeteilt, hat also insofern Glück, dass er nicht sofort „duschen“ muss.

Der Lageralltag ist grausam, brutal und der Tod ist allgegenwärtig. Die Gedanken an die schöne Helena sind der einzige Hoffnungsschimmer, der Ernst bleibt. Über den Barackenältesten Schlomo erfährt er, dass seine Helena noch lebt und um sporadischen, schriftlichen Kontakt zu ihr halten zu können, trifft er eine Abmachung mit Schlomo: Jeden Tag einen Lacher. Er tritt abends als Komiker in der Baracke auf, bringt seine Mitinsassen zum Lachen, damit sie nicht dem Wahnsinn verfallen oder in Hoffnungslosigkeit ertrinken.

Als der Lagerkommandant davon erfährt, schlägt er Hoffmann vor, vor der SS als Komiker aufzutreten. Nicht nur er selber soll dadurch bevorzugt behandelt werden, auch seiner Helena soll der Alltag im Lager erleichtert und angenehmer gestaltet werden. Ernst Hoffmann weigert sich, wird sogar dem Todeskommando zugewiesen, der Gruppe Lagerinsassen, die für die Vergasung der Neuankömmlinge zuständig ist. Hoffmann soll die Menschen durch seine Komik beruhigen, zum lachen bringen, im Klartext: in die Irre führen.

***

Der Autor Pieter Webeling hat hier eine Geschichte zu Papier gebracht, die sich liest, wie eine Autobiographie und nicht wie ein Roman. Er hat so genau recherchiert dass der Leser meint, der Autor selbst sei der Ich-Erzähler, der seine Geschichte wiedergibt. Die Gratwanderung zwischen Humor, Komik, Grausamkeit, Elend und Tod ist Webeling sehr gut gelungen. Dieses Thema ist eine schwere Kost und auch nach so vielen Jahrzehnten verliert es nichts von seiner Heftigkeit und seinen Gräueln.

Der Roman beschreibt das Überleben und den Tod innerhalb des KZs, die Leiden, Qualen durch Prügel, Hunger, Krankheit, jedoch ebenso den Hauch von Hoffnung und Freundschaft und ja, auch den Humor, der die Menschen vor dem Durchdrehen und Aufgeben bewahrt. Ich war absolut gefesselt von dieser Geschichte und habe während des Lesens die verschiedensten Gefühle durchlebt.

Webeling beginnt seinen Roman nach dem Krieg, mit dem ersten Auftritt seines Protagonisten in seinem Amsterdamer Theater. Somit weiß der Leser gleich zu Beginn, dass zumindest der Komiker es geschafft hat. Dann springt er zurück und erzählt die Ereignisse, die zwischen dem letzten und ersten Auftritt auf der Bühne liegen. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, schönt nichts und niemanden, beschreibt das Leben der Lagerinsassen so detailliert, dass es dem Leser erschreckend klar vor Augen steht.

Der Roman wird als gebundene Ausgabe präsentiert und von einem schlichten Cover geziert, dass treffender nicht sein kann und auch der Handlung entspricht: ein Mann in einer KZ-Pyjamahose, kombiniert mit einem Frack, Zylinder und Stock, wie Charlie Chaplin es trug. Auch der Titel könnte nicht passender sein: Das Lachen und der Tod trifft es haargenau. Der Titel wurde übrigens wörtlich aus dem niederländischen übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein fantastisch, schreckliches Buch, dass die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Komik eindeutig geschafft hat. Es schockiert, macht traurig, bringt zum weinen, jedoch auch zum schmunzeln und lässt es sogar zu, dass sich der Leser während der Lektüre freuen kann. 

.

© Buchwelten 2014