Killgame von Andreas Winkelmann

.

Killgame
Erschienen als Klappenbroschur
(lt. Verlagsseite Hardcover?)
im Wunderlich Verlag
insgesamt 427 Seiten
Preis:  14,99 €
ISBN: 978-3-8052-5080-1
Kategorie: Thriller

.

Ein junges Mädchen wird seit Tagen gefangen gehalten. Wo genau sie sich befindet, weiss sie selber nicht. Doch es ist dunkel, kalt und sie hat Angst. Plötzlich wird die Luke zu ihrem Verschlag geöffnet und jemand wirft ihr Kleidung nach unten. Um genau zu sein: Laufkleidung. Shorts, ein grelles Top und gute, genau passende Laufschuhe.

Natürlich denkt das Mädchen nicht lange nach und kleidet sich an. Zu lange war sie nackt. Sie steigt aus der Luke in die Freiheit. Sie bewegt sich fort von ihrem Gefängnis. Sie beginnt zu laufen. Mitten in den Wald hinein. Sie fragt sich, ob man sie entkommen lässt. Doch dann verfehlt sie der erste Pfeil nur um Haaresbreite. Sie läuft weiter, rennt um ihr Leben ….

***

Andreas Winkelmann liefert hier bereits seinen zehnten Roman ab. Für mich ist es nach „Die Zucht“ erst der zweite, den ich von ihm lese.

Der Autor verfasste einen rasanten Thriller, der den Leser in die Wälder Kanadas entführt. Dries Torwellen, ein ehemaliger Polizist und heute Expendable, arbeitet als Privatermittler. Er findet die, die niemand findet. Selbst die, die nicht gefunden werden wollen. Als seine Nichte Nia spurlos verschwindet, schwört er sich, die Tochter seiner Zwillingsschwester zu finden.

Irgendwie ist mir der Protagonist Dries bis zum Schluss nicht wirklich nahegekommen. Ich kann nicht mal erklären, warum. Er sucht unerbittlich seine Nichte, gibt nicht auf, begibt sich selbst in Gefahr. Dennoch, für mich wirkte er bis zum Ende des Romans eher kühl und unnahbar. Aber dies haben andere Charaktere dafür zum Teil wieder gutgemacht. Nia und eine Nebenfigur waren sehr gut ausgearbeitet und wirkten echt auf mich.

Die gesamte Handlung jedoch ist irgendwie nicht wirklich neu. Ich fühlte mich  u.a. sehr erinnert an zwei Romane skandinavischer Autoren, die ich gelesen habe. Einmal wäre da „Selbstauslöser“ und dann besonders „Trophäe“, den ich sogar vor gar nicht langer Zeit gelesen habe. Aber auch an „Level 9“ von David Morrell, ein bisschen an „Erebos“ und zum Schluss noch ganz besonders an „Jagdzeit“ von David Osborn lies mich die Handlung von „Killgame“ oft denken.

Die Szenerie in den Wäldern war sicher spannend, diese Textstellen dann teilweise sehr brutal und grausam geschildert. Dennoch, der rechte Kick mochte sich bei mir nicht einstellen. Hier hat mir der Vorgänger „Die Zucht“ um einiges besser gefallen. Was ich in „Killgame“ jedoch gut und interessant fand, war der afrikanische Zwillingskult, der in die Handlung eingeflochten und auch ausführlicher erläutert wurde.

Mein Fazit: Ein rasanter Thriller, der sich flott lesen lässt und sicher auch mitreisst. Jedoch ist die Handlung jetzt nichts besonders neues, den Zwillingskult vllt. mal ausgenommen.

.

Kleiner Hinweis zur Verlagsseite:

Der Verlag deklariert das Buch, welches ich bekommen habe auf der Homepage als „Hardcover“, es ist aber definitiv eine Klappenbroschur.

Es ist mir nicht möglich gewesen auf der Verlagsseite die Seitenanzahl oder ISBN Nummer zu finden, das gefällt mir leider gar nicht 😦 .

.

© Buchwelten 2016

EXIT von Hugh Howey

.

exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

.

Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

***

Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

.

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

DSCN1107

.

Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

.

© Buchwelten 2015

Alles bleibt anders von Siegfried Langer

.

alles bleibt anders

Erschienen als
Taschenbuch im
Atlantis Verlag
343 Seiten
Preis: 12,99 € oder als Kindle Edition
ISBN: 978-3936742954

.

Als Frank Miller realisiert, dass er gerade auf den Gleisen am Görlitzer Bahnhof steht, hat er Glück, dass der erwartete Zug Verspätung hat. Von seinen „Rettern“ befragt, fällt ihm gerade noch sein Vorname ein. Das war es dann auch vorerst. Er hat keine Erinnerung an seine Vergangenheit und irrt somit zunächst leicht verwirrt durch die Umgebung. Einer Eingebung folgend, begibt er sich dann in die Straße, in der er meint, gelebt zu haben. Hier trifft er sogar auf einen alten Nachbarn, der ihn kennt und ihm behilflich ist. Doch was er dort erfährt, ist nicht unbedingt positiv. Er ist vor 3 Jahren für tot erklärt worden und auf dem örtlichen Friedhof begraben.

Als hätte Frank nicht genug Probleme damit, seine Erinnerungen zurückzuerlangen, wird er auch noch verfolgt und überfallen. Doch was will dieser fremde Mann von ihm? Ob es um das seltsame ,Medaillon geht, dass er um seinen Hals hängen hat? Versehen mit Initialen, an die er sich auch nicht erinnern kann.

Man schreibt das Jahr 2008, die Hauptstadt heißt Germania und die NSDAP ist nach wie vor an der Macht. Europa, wie wir es kennen, gibt es nicht …

***

Es handelt sich hier um den Debütroman des Autors Siegfried Langer. Ich habe bereits einen Thriller des Autors gelesen und rezensiert (Vater, Mutter, Tod), jedoch gefällt mir sein Erstling zugegebenermaßen um Längen besser.

Für mich ein sehr gut geschriebener, spannender und auch fundierter Steampunkroman, der mir richtig gut gefallen hat.

Eine wunderbare Mischung aus Geschichte, Krimi und Physik. Gibt es parallele Realitäten? Was wäre, wenn es möglich wäre, in einen anderen Zeitstrang zu reisen um die Vergangenheit zu korrigieren? Kann man die Macht der NSDAP stoppen, diese dunkle Zeit vielleicht sogar komplett aus dem Geschichtsverlauf tilgen?

Sehr interessante Fragen, die hier in einem wirklich guten Schreibstil umgesetzt wurden. Die Idee und deren Umsetzung empfinde ich als sehr gelungen. Die Charaktere, die Langer geschaffen hat, sind sehr lebensecht und charakterlich gut ausgearbeitet. Frank Miller und seine Kindheitsfreundin Karen ebenso wie der Wissenschaftler Gothaer und auch der eigentliche Vorzeige-Arier Tristan, der jedoch einen Makel hat, der ihn mir so sympathisch gemacht hat.

Langer beschreibt Berlin (Germania) und auch Orte wie Oxford in einer modernen, aber auch alten Zeit. Mir haben diese Beschreibungen der Umgebung und der Gebäude sehr gefallen. Die Physik war keinesfalls verwirrend geschrieben, sondern gut und verständlich erklärt. Auch das Paradoxon kommt keinesfalls zu kurz. Den Leser erwartet hier jedoch keinesfalls eine trockene Mischung aus Geschichtsstoff und Stephen Hawking, sondern eine gut ausgeklügelte und spannende Handlung.

Ein wenig verwirrend mag sein, dass sein Protagonist in einem klar strukturieren und stengen deutschen Reich Frank Miller heißt. Mein Mann hatte hierzu den Hinweis, dass es sich um eine Hommage an den Zeichner (von u.a. Sin City) Frank Miller handeln mag.

Ich hatte besonderen Spaß an der Stelle, an der Frank und Tristan in das Berlin der heutigen Zeit kommen, also sich in unserem Zeitstrang dort aufhalten. Dieser „Kulturschock“ war wirklich toll und der anschließende Bericht der beiden an ihre Freunde ebenso gut gelungen! Diese Stellen musste ich tatsächlich gestern abend laut vorlesen 🙂

Das Buch wurde vom Verlag als Taschenbuch publiziert (ich habe die Printausgabe gelesen) und wäre die Schrift nicht so klein gewesen, hätte es mir und meinen Augen besser gefallen. Gefühlt ist der Text in einer 8er Schriftgröße gedruckt. Leider achten viele kleine Verlage darauf, Seiten einzusparen. Dafür hat das Buch jedoch nach der Lektüre keinerlei Knicke im Buchrücken, was ich wiederum positiv werte. Ich möchte auch ungern den Autor in meiner Bewertung dafür „strafen“, dass der Verlag evtl. gespart hat.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen spannenden Steampunkroman. Geschichte und Physik, das Thema Parallelwelten und die eventuelle Korrektur der Zeitlinien sind in einem sehr guten Schreibstil, einer spannenden, verzwickten Handlung und mit überzeugenden Charakteren zu einem guten Ganzen verbunden. Hier gebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung!

.

© Buchwelten 2014

Mr. Mercedes von Stephen King

.

Mr. Mercedes

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt 592 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN 978-3-453-26941-5
Kategorie: Thriller

.

Ein nebliger Frühmorgen irgendwo in den USA. Viele hundert Menschen warten seit Stunden vor der Stadthalle des Ortes, wo bald die jährliche Jobbörse ihre Türen öffnen wird. Mitten in der Nacht sind die Arbeitssuchenden aufgestanden und haben sich dort eingefunden, um endlich eine Arbeit zu finden. Männer, Frauen, Junge und Alte. Alle warten sie geduldig auf Einlass.

Doch dazu wird es nicht kommen. Urplötzlich blenden Scheinwerfer im Nebel auf und bevor die Wartenden registrieren, dass es ein PKW, ein schwerer Mercedes ist, der dort mitten auf die Menge zusteuert, ist es bereits zu spät. Der Fahrer hält nicht an, ganz im Gegenteil. Bewusst und voller Absicht rast er in die Menschenmenge und bringt viele der Menschen um, andere haben etwas mehr Glück, werden „nur“ schwer verletzt und bleiben als Krüppel zurück. Der Mörder flieht und der Fall ist nach über einem Jahr noch immer nicht aufgeklärt.

Detective Kermit William Hodges ist in den Ruhestand gegangen, ohne dass es ihm gelungen ist, seinen letzten Fall aufzuklären. Er hat im Fall Mr. Mercedes ermittelt, konnte den Killer jedoch nicht aufspüren. Nun fristet er in seinem Rentnerdasein dahin. Lebt in den Tag hinein, sieht zu viel fern, isst zuviel Ungesundes und langweilt sich zu Tode. Im wahrsten Sinne des Wortes: Beinahe täglich spielt er mit seinem Revolver herum und überlegt, ob nicht einfach dem öden Dasein ein Ende setzen soll.

Nun, dabei hat Mr. Mercedes Hodges offensichtlich beobachtet, denn er schreibt ihm einen Brief, der ihm klarmachen soll, wer ihm schreibt. Außerdem soll er Hodges provozieren. Mr. Mercedes würde nichts lieber sehen, als dass der Rentnercop sich endlich das Leben nimmt. Das wäre ein großer Spaß. Doch da hat Mr. Mercedes sich schwer geirrt. Denn mit seinem langen Brief erreicht er genau das Gegenteil: er reißt Hodges aus seiner Lethargie, weckt erneut das Feuer der Jagd in ihm und gibt ihm eine Aufgabe! Hodges macht weiter. Auf eigene Faust stellt er unauffällige Ermittlungen an und versucht alles, um diesen irren Mr. Mercedes endlich zu schnappen ….

***

Ein lieber Facebook-Freund sagte kürzlich: Die ersten 100 Seiten könnte man bei Stephen King getrost überblättern, denn solang braucht er immer, um in seine Handlung hineinzufinden. Nun, hier ist es definitiv nicht so. Es geht einige Seiten ruhig an, dann wird man jedoch sofort mit Grausamkeit und Unglück konfrontiert. Leser, die sich auf der Homepage des Verlages die Leseprobe durchlesen, bekommen bereits das geboten, wovon ich hier gerade schreibe, ohne etwas zu verraten.

King schreibt in seinem gewohnten Stil des „neuen“ King, also vergleichbar mit Joyland oder eher noch Der Anschlag. Die alten Horror-Schocker Momente gibt es so nicht mehr. Was aber nicht heißt, dass King seicht geworden ist. Die Grundstimmung des Romans ist eher ruhig, was mir gut gefällt. Dennoch wurde ich absolut gefesselt und empfand die Handlung als sehr spannend und teilweise auch wirklich schlimm! Aber es wechseln sich dramatische Szenen mit ruhigeren ab, damit der Leser auch zur Ruhe kommt, mir gefällt das. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Und jeder einzelne von ihnen war sehr gut ausgearbeitet und dargestellt. Sehr glaubhafte, nette und auch böse, irre Charaktere habe ich während meiner Lektüre getroffen.

Stephen King hat einige nette Anspielungen auf seine alten Bücher und auch alt bekannte Filme verbaut, diese Hinweise erkennen Fans sogleich.

Selbst das Ende, die bei King ja oft, nennen wir es mal Geschmackssache sind, gefällt mir in diesem Falle sehr gut und ich empfinde es als gelungen und passend. Es gibt doch einige Kings, wo ich die Handlung total klasse fand und beim Ende dann eher unzufrieden war, z.B. bei Wahn oder damals ES. Den dunklen Turm nehme ich jetzt mal raus, denn da ist das Ende auch seltsam, dennoch könnte ich die komplette Reihe sofort wieder lesen, weil sie mich nicht los lässt :).

Zum Cover gibt es hier von mir ein Lob an den Verlag, es ist identisch mit dem Original. Eins zu Eins übernommen, dass finde ich sehr gut. Bei den Stephen King Romanen gehe ich nämlich immer hin, und schaue mir die Originalausgaben an. Da fällt mir gleich Wind ein, wo mir das deutsche Cover zwar auch gefällt, dass Original aber viel schöner ausgearbeitet ist.

King wäre nicht King, würde er nicht zum Roman handlungswichtige Spielereien auf seiner Homepage anbieten. So etwas macht dem Leser Freude und gibt ihm immer das Gefühl, diese Handlung sei mehr als nur eine Idee des Autors.

Mein Fazit: Volle 5 Punkte für Mr. Mercedes, der mich absolut gefesselt und mir sowohl Freude als auch Schockmomente beschert hat. In einem guten Schreibstil lässt King in das Hirn eines Killers blicken und einen dahinvegetierenden Ex-Cop wieder aufleben und ungeahnte Kräfte mobilisieren.

.

Ich danke dem Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Die Videos kann ich in dem Falle leider nur als Links anbieten 🙂

.

stephenking.com/promo/mr_mercedes/video/

http://stephenking.com/promo/mr_mercedes/book-trailer.html

.

© Buchwelten 2014

Department 19 – Die Wiederkehr von Will Hill

.

Dep 19
Erschienen als gebundene Ausgabe
im Lübbe Verlag
insgesamt 668 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-431-03878-1
Kategorie: Jugendbuch  (14-17 Jahre empfohlen)

.

Nachdem Jamie Carpenter auf der Insel Lindisfarne sehr erfolgreich einen der ältesten Vampire der Welt ausgelöscht hat, sollte er sich als gefeierter Held eigentlich wohl fühlen. Doch er trauert um den Verlust seines Freundes Frankenstein, den er bei diesem Einsatz verloren hat. Kate Randall, eine junge Frau die auf der Insel extremen Mut und Kampfeinsatz gegen die Vampire bewiesen hat, stößt zu Schwarzlicht und gehört nunmehr zu Jamies Team.

Er genießt großes Vertrauen und eine beinahe väterliche Freundschaft zum Leiter von Schwarzlicht Commander Seward und wird somit in einige geheime Informationen eingeweiht, die die Wiederauferstehung von Dracula betreffen. Einer der ältesten Vampire (der Bruder des ausgelöschten Alexandru Rusmanov) hat die sterblichen Überreste des ältesten Vampirs der Welt an sich gebracht und dem Department 19 bleiben exakt 91 Tage. Dies ist die geringe Zeitspanne die Dracula benötigt, um zu seiner alten Kraft und Stärke zurückzufinden und somit zur größten Bedrohung der Menschheit zu werden.

***

Im ersten Roman um das Department 19 – Die Mission haben wir Jamie Carpenter bereits kennengelernt, seine Ausbildung begleitet und einige heftige Einsätze miterlebt. Jamie ist nun 17 Jahre alt, wirkt aber sehr viel reifer und erfahrener. Er wird auch von seinen älteren Kollegen und Vorgesetzten sehr geschätzt und nicht annähernd wie ein Teenager behandelt. Mir gefällt diese Entwicklung des Charakters sehr und ich war vom Anfang bis zum Ende dieser Fortsetzung sehr gefesselt.

Der Schreibstil ist wieder gut, der Spannungsbogen extrem gespannt. In diesem Roman spielt nicht nur die Wiederkehr Draculas (auf die ja bereits im Titel hingewiesen wird) eine Rolle, sondern es gibt noch zwei bis drei weitere wichtige Elemente der Handlung, die ich nicht vorhergesehen hatte und die mich nicht nur überrascht, sondern mir auch richtig gut gefallen haben. Ich werde hier nicht annähernd Andeutungen machen, denn sonst verrate ich sofort spannende Dinge.

Auch hier nochmal der Hinweis, dass der Autor keine weichgespülte Vampir Lovestory bietet, sondern heftige Agenten Action, in der nicht nur jede Menge Blut fließt, sondern Körper explodieren, platzen, verbrennen o.a.. Leser die kein Blut „lesen“ können, sollten gewarnt sein. Will Hill greift die alte Bram Stoker Story auf und puscht sie mit Hightech Elementen. Mich spricht diese Mischung unbedingt an. Der Verlag gibt die Leseempfehlung zwischen 14 und 17 Jahren, die meiner Meinung nach angebracht ist.

Auch optisch ist das Buch wieder sehr gelungen. Das Hardcover ist direkt bedruckt, wird also nicht von einem Schutzumschlag umschlossen. Der Einband ist optisch dem ersten Roman angeglichen und auch im inneren des Buches gibt es wieder die „alten“ Seiten, in denen Will Hill weit zurück in die Vergangenheit springt. Hier wird zum Beispiel erzählt, wie aus dem Fürsten Vlad Tepes der Vampir Dracula wurde.

Der Roman ist um beinahe 200 Seiten stärker als der erste Teil und der Preis von 16,99 € somit für mich mehr als akzeptabel.

Der dritte Band „Das Gefecht“ wird voraussichtlich am 18.07.2014 erscheinen!

.

Mein Fazit: Wieder 5 von 5 Sternen für diese sehr gute Fortsetzung von „Die Mission“, die für mich noch besser ist, als der erste Teil. Eine spannende Handlung, die mehrere überraschende und tolle Wendungen aufweist, geschrieben in einem guten Schreibstil und bestückt mit Charakteren, die gut ausgearbeitet sind. Seien es die guten oder die bösen. 

.

Rezension zum ersten Teil –> Department 19 – Die Mission

.

© Buchwelten 2014

Das Lachen und der Tod von Pieter Webeling

.


Erschienen als gebundene Ausgabe
im Blessing Verlag
insgesamt 320 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89667-464-7
Kategorie: Allgemeine Belletristik (Drama)

.

Der niederländische Komiker Ernst Hoffmann ist Halbjude und wird in ein in Polen liegendes Vernichtungslager deportiert. Doch er ist und bleibt Komiker und so kann er sich weder auf dem Bahnsteig vor der Abfahrt in einem Viehwaggon beherrschen (Frage an einen SS-Offizier, ob es sich denn hier um den 1. Klasse Viehwaggon handelt), noch im Verlauf der „Reise“ (um ein aufkommendes Gerangel innerhalb des Waggons zu unterbinden, steigt Hoffmann auf zwei Koffer und improvisiert eine Vorstellung) und später innerhalb des Lagers.

Während der Fahrt trifft Ernst auf die schöne Helena, in die er sich auf den ersten Blick verliebt, auch wenn sie sich nie zuvor gesehen haben. Sie versprechen sich gegenseitig, einander nie zu vergessen.

Nach der Ankunft im KZ beginnt sofort die Selektion von Frauen, Kindern, Männern. Ernst wird einem Arbeitskommando zugeteilt, hat also insofern Glück, dass er nicht sofort „duschen“ muss.

Der Lageralltag ist grausam, brutal und der Tod ist allgegenwärtig. Die Gedanken an die schöne Helena sind der einzige Hoffnungsschimmer, der Ernst bleibt. Über den Barackenältesten Schlomo erfährt er, dass seine Helena noch lebt und um sporadischen, schriftlichen Kontakt zu ihr halten zu können, trifft er eine Abmachung mit Schlomo: Jeden Tag einen Lacher. Er tritt abends als Komiker in der Baracke auf, bringt seine Mitinsassen zum Lachen, damit sie nicht dem Wahnsinn verfallen oder in Hoffnungslosigkeit ertrinken.

Als der Lagerkommandant davon erfährt, schlägt er Hoffmann vor, vor der SS als Komiker aufzutreten. Nicht nur er selber soll dadurch bevorzugt behandelt werden, auch seiner Helena soll der Alltag im Lager erleichtert und angenehmer gestaltet werden. Ernst Hoffmann weigert sich, wird sogar dem Todeskommando zugewiesen, der Gruppe Lagerinsassen, die für die Vergasung der Neuankömmlinge zuständig ist. Hoffmann soll die Menschen durch seine Komik beruhigen, zum lachen bringen, im Klartext: in die Irre führen.

***

Der Autor Pieter Webeling hat hier eine Geschichte zu Papier gebracht, die sich liest, wie eine Autobiographie und nicht wie ein Roman. Er hat so genau recherchiert dass der Leser meint, der Autor selbst sei der Ich-Erzähler, der seine Geschichte wiedergibt. Die Gratwanderung zwischen Humor, Komik, Grausamkeit, Elend und Tod ist Webeling sehr gut gelungen. Dieses Thema ist eine schwere Kost und auch nach so vielen Jahrzehnten verliert es nichts von seiner Heftigkeit und seinen Gräueln.

Der Roman beschreibt das Überleben und den Tod innerhalb des KZs, die Leiden, Qualen durch Prügel, Hunger, Krankheit, jedoch ebenso den Hauch von Hoffnung und Freundschaft und ja, auch den Humor, der die Menschen vor dem Durchdrehen und Aufgeben bewahrt. Ich war absolut gefesselt von dieser Geschichte und habe während des Lesens die verschiedensten Gefühle durchlebt.

Webeling beginnt seinen Roman nach dem Krieg, mit dem ersten Auftritt seines Protagonisten in seinem Amsterdamer Theater. Somit weiß der Leser gleich zu Beginn, dass zumindest der Komiker es geschafft hat. Dann springt er zurück und erzählt die Ereignisse, die zwischen dem letzten und ersten Auftritt auf der Bühne liegen. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund, schönt nichts und niemanden, beschreibt das Leben der Lagerinsassen so detailliert, dass es dem Leser erschreckend klar vor Augen steht.

Der Roman wird als gebundene Ausgabe präsentiert und von einem schlichten Cover geziert, dass treffender nicht sein kann und auch der Handlung entspricht: ein Mann in einer KZ-Pyjamahose, kombiniert mit einem Frack, Zylinder und Stock, wie Charlie Chaplin es trug. Auch der Titel könnte nicht passender sein: Das Lachen und der Tod trifft es haargenau. Der Titel wurde übrigens wörtlich aus dem niederländischen übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für ein fantastisch, schreckliches Buch, dass die Gratwanderung zwischen Grausamkeit und Komik eindeutig geschafft hat. Es schockiert, macht traurig, bringt zum weinen, jedoch auch zum schmunzeln und lässt es sogar zu, dass sich der Leser während der Lektüre freuen kann. 

.

© Buchwelten 2014

Lost Land – Der Aufbruch (II) von Jonathan Maberry

.

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Thienemann Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN: 978-3-522-20176-6
Kategorie: Jugendbuch

.

Benny Imura ist bei seinem großen Bruder Tom in die Lehre gegangen und bekommt alles beigebracht, um ein guter Zombiejäger/Zombiebefrieder zu werden. Die Brüder sind sich näher gekommen, Benny hat seinen Hass Tom gegenüber abgelegt und gemeinsam mit Nix und Lilah (DEM verlorenen Mädchen) bereiten sie sich gemeinsam auf den Aufbruch vor.

Sie werden die Sicherheit des Ortes Mountainside hinter sich lassen und durch das Leichenland wandern, um sich auf die Suche nach dem Jet zu begeben, den sie alle am Himmel gesehen haben. Sie werden nicht nur besagte Sicherheit hinter sich lassen, sondern auch ihre Freunde. Nix kann es kaum erwarten, sie hält nichts mehr in der Stadt, in der sie zuletzt ihre geliebte Mutter verloren hat.

Doch bereits kurz nach dem Aufbruch wird die Gruppe auf harte Proben gestellt. Benny, Nix und Chong, Bennys bester Freund, der eigentlich nur für eine Nacht mitgeht, um sich den Abschied zu erleichtern, werden von den grausamen Kopfgeldjägern gefangen genommen, die ein neues Gameland im Leichenland errichtet haben. Dort sollen die Jugendlichen in Zombiegruben wie Gladiatoren gegen die Untoten kämpfen.

Alte Weggefährten, auf die Tom und seine Begleiter im Leichenland gebaut haben, sind verschwunden, fielen den Untoten zum Opfer und die Gruppe muss all ihr erlerntes Kriegerpotential anwenden, um mit dem Leben davon zu kommen ….

***

Jonathan Maberry knüpft in seiner Handlung nahtlos an den ersten Teil seiner Lost Land Reihe an. Sofort fühlte ich mich in der Handlung wieder zu Hause, waren mir die bekannten Charaktere vertraut. Benny und seine Freunde sind innerhalb der letzten Monate gereift, wirken erwachsener, überlegter, auch wenn sie sich natürlich immer noch wie Teenager benehmen können, wenn sie „dürfen“. Trotz aller Gefahren und Kämpfe lachen und albern sie gemeinsam herum, machen sich Gedanken über die Gefühle einer ersten Liebe, mit allen Höhen und Tiefen.

Auch hier in diesem zweiten Teil geht es wieder um die Menschlichkeit, die Handlung beschreibt nicht nur ein wildes Untotengemetzel, sondern zeigt immer wieder auf, dass es sich bei den umherwandernden Wesen einst um Menschen aus Fleisch und Blut gehandelt hat. Die Gruppe empfindet oft Mitleid mit den Wesen, die sie endgültig ausschalten müssen, um ihr eigenes Leben zu retten.

Die Gespräche der Jugendlichen untereinander oder zwischen Tom und seinem Bruder sind sehr tiefgründig. Der Schreibstil ist erneut sehr gehoben und hat mich angesprochen. Ich habe die Landschaften vor meinem geistigen Auge gesehen, war bei der Geschichte dabei. Der Autor beschreibt zum Beispiel einen Blick von Benny und Nix auf ein abgebranntes Feld voller Zombieleichen und schafft es dennoch, diesem Anblick etwas schönes abzugewinnen, den schrecklichen Anblick des Schauplatzes weichen zu lassen.

Der Spannungsbogen ist gut gespannt und hat mich durch die Handlung fliegen lassen, Langeweile und zähe Momente kamen nicht auf. Dennoch lässt der Autor den Leser bei allem Chaos und zwischen den gefährlichen Momenten auch zur Ruhe kommen.

Ich würde mir nach wie vor keinen Zombiefilm anschauen, weil es mich da zu sehr gruselt, gelesen gefällt mir die Story allerdings sehr gut, auch wenn der Autor gerne ausführlich und genau beschreibt, wie diese Wesen aussehen. Romero Fans werden auf Ihre Kosten kommen!

Der Verlag präsentiert diesen zweiten Teil wieder als gebundene Ausgabe, hat allerdings bei diesem Buch daran gespart, dass das Cover unter dem Schutzumschlag wieder farblich bedruckt ist. Schade eigentlich, denn es gibt sicherlich viele Leser, die die Bücher gerne ohne die schützende Hülle ins Regal stellen. Hier hat der erste Teil eindeutig optisch mehr her gemacht.

Innerhalb der Buchdeckel sind die Kapitel in einer guten Länge aufgeteilt, zu Beginn eines jeden Kapitels ist Stacheldraht zu sehen. Diese kleine Spielerei wurde übernommen.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diese gelungene Fortsetzung eines Jugendbuches mit Anspruch, dass sicherlich erneut vielen Erwachsene gefällt. Geschrieben in einem guten, fesselnden Schreibstil, bestückt mit charakterstarken Figuren, liefert die Handlung einen sehr menschlichen, kritischen Blick auf das Verhalten von Menschen, sei es im positiven oder auch negativen Sinne. Und ja, es gibt jede Menge untoter Wesen, die mich aber auch nicht abschrecken, wobei ich Zombies eigentlich gar nicht mag 🙂 Ich freue mich schon jetzt auf den Folgeroman. 

.

© Buchwelten 2014

Silber – Das erste Buch der Träume von Kerstin Gier

.


Erschienen als gebundene Ausgabe
im Fischer Verlag (FJB)
insgesamt 411 Seiten
Preis: 18,99 €
ISBN: 978-3-8414-2105-0
Kategorie: Jugendbuch

.

Olivia, Rufname Liv, Silber lebt ein bislang eher unbeständiges Leben. Gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Mia, dem Kindermädchen Lottie, dem Mischlingshund Princess Buttercup (kurz: Butter) und natürlich ihrer Mutter Ann ist es die 15-jährige gewöhnt nirgends lange zu Hause zu sein, sondern ständig umzuziehen. Dies hat mit dem Beruf von Livs Mutter zu tun, doch dass soll sich nun ändern.

Gerade frisch in London eingetroffen offenbart Livs Mutter ihren „Mäusen“, dass sie nicht, wie geplant in ein schnuckeliges Cottage ziehen, sondern in das Haus ihres neuen Lebensgefährten mitten in London. Dieser Mann, Ernest, hat ebenso zwei Kinder. Zwillinge um genau zu sein. Grayson und Florence. Sie sind natürlich genauso „begeistert“ von den Plänen ihres Vaters, wie Liv und Mia.

Das aber wirklich aufregendste was Liv nach ihrem Umzug passiert, sind ihre Träume. Und zwar nicht irgendwelche, einfachen Träume. Sie trifft in ihnen Personen, die sie noch nie gesehen hat, besucht Orte, die sie ebenfalls noch nie aufgesucht hat und läuft über einen Korridor, der mit Unmengen von Türen gesäumt sind, die sich alle unterscheiden.

Als Liv dann in der Schule auf genau die Jungs aus ihren Träumen trifft, ist sie nicht nur verwirrt, sondern auch mehr als neugierig. Denn Liv liebt alles was spannend, aufregend und rätselhaft ist.

Als sich dann noch herausstellt, dass die Jungs mit ihr gemeinsam träumen, sich also an die nächtlichen Treffen erinnern und Liv dann auch noch um Hilfe bitten, kann sie einfach nicht widerstehen …

***

Silber ist der erste Band der neuen Trilogie von Kerstin Gier für das jugendliche Publikum. Nach der sehr erfolgreichen Edelstein-Trilogie, war/ist der Anspruch der Leser sicherlich relativ hoch. Da ich von eben der Reihe sehr begeistert war, war natürlich auch ich sehr neugierig und gespannt auf den ersten Roman der neuen Reihe.

Die Idee der Geschichte gefällt mir gut, der Schreibstil ist jedoch einfacher gehalten, als in der letzten Reihe. Die Zielgruppe sind in erster Linie die jugendlichen Leser, der Stil ist hier aber oft eher auf Kinderbuchniveau gehalten. Es gibt z.B. Passagen im Buch, in denen sich das Kindermädchen der Protagonistin verguckt und dann spricht sie in verdrehten Worten, sie sagt etwa statt Blaubeer-Muffins – Maubeer-Bluffins, oder so. Das finde ich einmal recht lustig, mehrfach wiederholt aber eher übertrieben. Dann habe ich eine Stelle gelesen, wo Liv etwas sagte und dann folge eine Aussage wie ‚das geschah in echt‘ und in übernächsten Satz folgte dann erneut ‚auch wie in echt‘. Das ist nicht wörtlich wiedergegeben, aber ähnlich steht es geschrieben. Diese Formulierungen trugen u.a. dazu bei, dass mich der neue Roman nicht so packen konnte, wie die Vorgänger, die mich absolut gefesselt haben.

‚Silber‘ ist eine nette Geschichte, die sich auch wieder flott und schnell lesen lässt, irgendwie den Vorgängern sehr ähnlich ist, dennoch eben anders. Ich kann es schwer erklären.

Die Aufmachung des Buches ist sehr verspielt. Das Cover ist ähnlich gestaltet, wie die der Edelstein-Reihe, sehr verschnörkelt, mädchenhaft und hübsch anzusehen. Hier gefällt mir, dass das Buch auch unter dem Schutzumschlag schön bedruckt ist und auch ohne ‚Hülle‘ optisch was hermacht. In diesem Roman zieren jedoch zusätzlich noch Blütenranken diverse Buchseiten.

.

Mein Fazit: 3 von 5 Sternen für den neuen Jugendbuchroman von Kerstin Gier, der mir zwar gefiel und auch nett zu lesen war, mich dennoch nicht so packen konnte, wie die Vorgänger.

Ein kleiner Vergleich fällt mir ein, der sich nicht auf die Handlung, sondern wirklich nur auf das Level des Schreibstils bezieht:  J. K. Rowling hat bei den Potters auch in einem ganz einfachen Schreibstil begonnen und sich dann ab Band 3 vom Niveau extrem gesteigert. Ich würde also die Edelstein-Trilogie mit den späteren Potters vergleichen, Silber dafür eher mit den zwei ersten Teilen.

.

© Buchwelten 2014

Doctor Sleep von Stephen King

.

Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 704 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26855-5
Kategorie: Mystery / Horror, King halt 🙂

.

Daniel Torrance, früher genannt Danny, hat das Grauen, welches er im Overlook Hotel in Colorado erlebt hat, überlebt. Er ist zwischenzeitlich erwachsen geworden und er ist ein Trinker, alkoholkrank wie sein Vater. Zum einen hat er das „Säufer-Gen“ wohl offensichtlich von Jack Torrance geerbt, zum anderen trinkt er um sein Shining ruhig zu stellen, es quasi zu ersäufen.

Aber Dan will nicht mehr trinken, ein für ihn einschneidendes Erlebnis bringt ihn endlich zur Vernunft. Und er will endlich zur Ruhe kommen. Nach Jahren der ruhelosen Wanderschaft kommt er an einen Ort, an dem er sich wohl fühlt. Er beginnt an den Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen, gewinnt Freunde und arbeitet in einem Hospiz, wo seine Anwesenheit sehr geschätzt wird. Dort nennt man ihn Doctor Sleep, denn Dan Torrance hat irgendetwas an sich, dass den Sterbenden hilft, ihre letzte Reise anzutreten. Dieses „etwas“ hat mit seinem Shining zu tun, dass nun, wo er nicht mehr trinkt, wieder aktiver wird.

Auf den amerikanischen Highways reist die Sekte „Der Wahre Knoten“ durch die Lande. Sie sind stets auf der Suche nach dem, was sie ihr Lebenselixier nennen. Dem Steam. Dieser Steam wird gewonnen aus dem letzten Lebenshauch von Kindern, die das Shining besitzen. Die Mitglieder der Sekte sehen aus wie Rentner, die mit ihren Mobilheimen auf Reisen sind, sie erwecken keinerlei Aufsehen. Das macht sie so gefährlich. Und, sie sind nahezu unsterblich.

Das kleine Mädchen Abra Stone wird mit einem übermäßigen Shining geboren, bereits als Säugling und Kleinkind hat es Kräfte, die ihre Eltern oft beunruhigen. Natürlich wird „Der Wahre Knoten“ auf das Mädchen aufmerksam. Sie müssen dieses Kind mit der unendlichen Menge an Steam haben. Eine gnadenlose Jagd beginnt. Doch erstens ist Abra sehr mutig und stark und zweitens ist sie nicht allein. Sie verbündet sich mit Dan Torrance, mit dem sie bereits im Alter von zwei Monaten Kontakt aufgenommen hat. Gemeinsam versuchen sie Abra zu retten und außerdem den „wahren Knoten“ auszurotten …

***

Ich hatte das Buch begonnen und nach knappen 20 Seiten wieder zur Seite gelegt um noch einmal Shining zu lesen. Ich hatte es zwar Ende der 80er gelesen, doch ich hatte zuviel vergessen. Und ich habe mich richtig entschieden. Denn Doctor Sleep knüpft eigentlich nahtlos an Shining an und zu Beginn ist der Protagonist sogar noch ein Junge. Auch während der Handlung kommt Shining immer wieder ins Spiel, seien es Personen, Wesen oder Orte, bzw. bestimmte Situationen. Vorab noch einmal Shining zu lesen, kann ich jedem nur empfehlen. Hierzu möchte ich ein kleines Zitat von Stephen King aus dem Nachwort bringen:

„Falls ihr den (Kubrik)-Film gesehen, den Roman jedoch nicht gelesen habt, denkt bitte daran, dass Doctor Sleep auf Letzterem fußt, der meiner Meinung nach die wahre Geschichte der Familie Torrance erzählt.“

Und aus dem Grund war ich bereits sehr kritisch, als ich auch nur den ersten Satz des inneren Klappentextes gelesen habe. Da steht „Nur mühevoll kann Dan Torrance die Schrecken verarbeiten, die er als Dreirad fahrendes Kleinkind im Hotel Overlook erlitten hat“. Denn: im Roman ist Danny nicht ein einziges Mal auf einem Dreirad gefahren. Das war einzig und allein eine filmische Umsetzung von Stanley Kubrik (sicher eine sehr gute) hat mit dem Roman aber nichts zu tun. Ich habe mir nach Shining die dreiteilige Fernsehverfilmung von Shining angesehen, bei der Stephen King selber das Drehbuch geschrieben hat. Bei weitem weniger superlative Effekte, doch sehr viel näher an der Romanvorlage. Doch das nur nebenbei :).

Ebenso hat mich die Gewinnung des Steam von sterbenden Kindern im ersten Moment sehr an die Dementoren der Potter-Romane erinnert. Dann war ich nicht sicher, ob Stephen King es schafft, diese besondere Stimmung, die im Overlook Hotel geherrscht hat, wieder aufleben zu lassen.

Ich habe recht schnell gemerkt, dass all diese Punkte nicht relevant sind. Die Geschichte, mit der Stephen King hier die Fortsetzung von Shining geschaffen hat, ist absolut fesselnd, in einem sehr guten Schreibstil geschrieben und steht Shining in nichts nach. Es sind viele Jahre vergangen und der Mann, der die Fortsetzung geschrieben hat, ist ein anderer als der, der Shining schrieb. King hat damals selber noch getrunken. Für mich hat das Buch Suchtfaktor und ich konnte es sehr schwer aus der Hand legen. Er verknüpft sehr viele Dinge in der Handlung: z.B. den Zusammenhalt/das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung, Mut, Kraft, Übersinnliches und auch sehr viel Gefühl. Dramatische Momente werden immer wieder von ruhigen Phasen abgewechselt, es gibt Momente, da hatte ich einen dicken Kloß im Hals.

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch, wenn ich am Ende angelangt bin, gleich noch einmal von vorne beginnen könnte. Doch hier war es so. Der erwachsene Dan(ny) ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auch die Figur der Abra ist sehr gut und charakterstark ausgearbeitet. Und ebenso die Nebenfiguren, die allesamt eine wichtige Rolle spielen, sind einfach tolle Menschen.

Sogar das Ende, die bei Stephen King für mich immer so eine Sache sind, hat mir gut gefallen. Es war stimmig und hat nicht das „was-war- das-jetzt-Gefühl“ ausgelöst, wie ich es beispielsweise bei ES oder WAHN empfunden habe.

Das Cover zeigt eine rote Metallflasche, aus der Steam austritt. Es ist dem Original Cover sehr ähnlich, wobei mir das noch viel besser gefällt, weil man hier auf den zweiten Blick noch etwas sieht, dass zur Handlung gehört.

Hier war ich dann gleich zu Besuch auf Stephen Kings Website, denn ein Blick auf die Original Cover sind bei ihm immer lohnenswert.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Fortsetzung von Shining, die absolut gelungen ist, wieder eine klasse Stimmung erzeugt und absolut fesselnd ist. Der Autor ist mit „Bangigkeit“ an die Arbeit gegangen, denn der Maßstab war sehr hoch. Es ist ihm gelungen, diesen zu erfüllen. Vom Anfang bis zum Ende. Unbedingt lesen! Am besten lest vorher noch einmal Shining, auch ein klasse Buch! Hatte ich beinahe vergessen. 

.

Ich danke dem HEYNE-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.


Originalcover.

© Buchwelten 2013

Gesetz der Rache von Kristen Simmons

.

Erschienen als Klappenbroschur
bei ivi (Piper Verlag)
insgesamt 448 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70305-5
Kategorie: Jugendbuch

.

Ember und Chase haben es geschafft sich dem Widerstand anzuschließen. Offiziell für tot erklärt, setzen sie sich nun gemeinsam mit den Rebellen, der großen „Familie,“ für „die Sache“ ein.

Als plötzlich von einem Heckenschützen, dem Sniper, die Rede ist, verbreitet sich Unruhe in der Gemeinschaft. Dieser Schütze erschießt Soldaten der MM – der Moralmiliz – auf öffentlichen Plätzen, unter den Augen der Zivilisten. Die Kämpfer des Widerstandes vermuten natürlich, dass der Sniper einer von Ihnen ist, doch dessen Identität kennen auch sie nicht.

Dann erscheint plötzlich ein aktuelles Fahndungsplakat des FBR – Federal Bureau of Reformation – auf dem unter den Hauptverdächtigen in Bezug auf die Anschläge Ember Miller aufgeführt ist:

Ember Miller, verhaftet wegen Artikel 5

 Bekannt als „Heckenschütze“. Gesucht wegen Mords und vielfachen Hochverrats.

Die Verdächtige ist bewaffnet und äußerst gefährlich.

 Code 1: Bei Sichtkontakt sofortige Eliminierung.

 Ember und Chase sind geschockt. Wer hat sie verraten? Warum soll Ember die Heckenschützin sein? Sie, die nicht einmal eine Waffe halten kann und das Wayland Inn, die Zentrale des Widerstandes, seit ihrer Ankunft nicht einmal verlassen hat?

Dennoch, die beiden sind wieder auf sich allein gestellt. Sie müssen den Schutz der Gruppe verlassen und selbständig um ihre Freiheit kämpfen …

***

Da es sich hier um die Fortsetzung von „Artikel 5“ handelt (ich hatte keine Ahnung, dass es eine Fortsetzung geben wird), habe ich auch diesmal in meiner Zusammenfassung des Inhalts eigentlich gar nichts verraten. Zumindest nicht ein Detail, welches die Handlung des ersten Teils ausmacht. Denn ich gehe einfach mal davon aus, dass es viele Leser dieser Rezension gibt, die Artikel 5 noch nicht gelesen haben. Daher möchte ich doch keinem die Spannung nehmen.

Die Geschichte knüpft nahtlos an den ersten Roman an und auch hier schreibt Kristen Simmons wieder in einem angenehmen guten und schön lesbaren Schreibstil. Die Verzweiflung, der Mut, die Hoffnung, der ewige Kampf um die Freiheit, all dies wurde wieder sehr gut rübergebracht. In der Handlung sind zwischen den Büchern nur einige Wochen vergangen, dennoch ist die Protagonistin Ember sehr gereift. Sie wirkt selbstsicherer, ist tougher und wirkt längst nicht mehr wie ein Teenager.

Ember und Chase durchleben auf ihrem Weg Unmengen an Gefahren, dennoch gibt es auch viele ruhige, angenehme und schöne Momente in der Handlung, die sehr zart, liebe- und gefühlvoll beschrieben sind. Also eine gelungene Mischung aus rasanten und dramatischen Szenen sowie ruhigen Momenten, die den Leser zwischendurch zur Ruhe kommen lassen.

Das Cover wird vom Verlag eigentlich fast identisch wie zu „Artikel 5“ präsentiert. Gedeckte Farben, ein blauer Schriftzug, wieder ist das Mädchen mit den strahlend blauen Augen zu sehen. Mir gefällt es gut, zumal sich die beiden Bücher nun optisch hervorragend nebeneinander im Regal blicken lassen können.

.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die gelungene Fortsetzung von „Artikel 5“. Die Autorin liefert eine gute Mischung aus Dramatik, Freundschaft, Hoffnung und Mut, geschrieben in einem guten Schreibstil. Der Leser trifft auf bekannte und interessante Charaktere und wird sich ganz gewiss von der Handlung fesseln lassen.

.

Ich danke dem Piper Verlag / ivi für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

.

© Buchwelten 2013