Der Raum von Peter Clines

Der Raum von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31642-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Als Nate Tucker in seine neue Wohnung einzieht, bemerkt er schon nach wenigen Tagen, dass etwas nicht stimmt: Türen lassen sich nicht öffnen und seltsame grüne Kakerlaken befinden sich in der Küche. Als er dann die Wohnungen von seinen Nachbarn zu sehen bekommt, stellt er fest, dass deren Ausmaße überhaupt nicht zum gesamten Haus passen. Schon bald beginnt ein unheimlicher Albtraum, bei dem es um die Rettung der gesamten Menschheit geht …

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Wie schon bei „Der Spalt“ liefert Clines einen hervorragenden und sehr stimmungsvollen Einstieg in seine Geschichte. Man fühlt sich als Leser sofort wohl mit dem Protagonisten und begleitet diesen neugierig durch seine neue Wohnung und das dazugehörige Haus. Es wirkt alles mysteriös und erinnert desöfteren an den grandiosen Roman „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski. Aber auch an „Sliver“ von Ira Levin.
Man fiebert mit und kann kaum erwarten, wie es weitergeht, obwohl gar nicht so sonderlich viel passiert. Aber gerade diese ruhige Atmosphäre, mit der Peter Clines beginnt, macht den besonderen Reiz solcher Geschichten aus, denen man sich schwer entziehen kann. Alles wirkt glaubhaft und realistisch, obwohl alles dennoch von einem permanenten Hauch mystischer Rätsel umwoben ist. Als sich dann die Hausbewohner kennen lernen, sieht man die Treffen und Gespräche, die auf dem Hausdach stattfinden, wie einen Film vor sich. Wie gesagt, der Anfang des Romans ist absolut gelungen.

Doch leider passiert bei „Der Raum“ genau das gleiche wie bei „Der Spalt“: In der zweiten Hälfte entwickelt sich der Plot zu einem übertriebenen Action-Kracher, der die vorhergehende Handlung mit einem Schlag unglaubwürdig wirken lässt. Das liegt aber keinesfalls an der gelungenen Hommage an einen der Altmeister der Horrorliteratur, H.P. Lovecraft, sondern eher am übertrieben aufgesetzten Spannungsbogen, der wohl wieder einmal alles bisher dagewesene übertreffen soll. Hätte Clines den ruhigen Weg, wie in der ersten Hälfte des Buches, weiter eingeschlagen, wäre ein fantastischer Mystery-Thriller zustande gekommen, der noch dazu eine wirklich gute Idee im Lovecraft’schen Sinne vorweisen kann. So aber quält man sich eher durch die actiongeladenen Spannungssequenzen der zweiten Hälfte und möchte nur noch erfahren, wie es ausgeht. Wie gesagt, der Plot an sich ist wirklich gut und ideenreich, aber die Umsetzung funktioniert leider nur in der ersten Hälfte. Schade, denn das hätte durchaus ein kultiger Pageturner werden können.

Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen, wobei auch hier auffällt, dass sich in der zweiten Hälfte bedeutend mehr umgangssprachliche „Ausrutscher“ und platte Witze verbergen als im ersten Teil. Das Ende wirkt wie der Film „Zathura“, nur bei weitem nicht so überzeugend. Zu viele Versatzstücke aus anderen Büchern oder Filmen kommen beim Finale zum Tragen und erdrücken den Kern der ursprünglichen Geschichte. „Der Raum“ ist gute, stimmungsvolle Unterhaltung in der ersten Hälfte und klamaukartiges Action-Feuerwerk in der zweiten Hälfte. Die vielen versteckten oder auch offensichtlichen Anspielungen auf H.P. Lovecraft und andere Bücher/Filme machen ungemein Spaß. Aber diese erfrischenden Einschübe hat Clines bereits auch in „Der Spalt“ praktiziert.
Peter Clines wird seine Anhänger finden, davon bin ich überzeugt, denn schreiben kann er, aber mich hat er mit dem Ende noch mehr enttäuscht wie bei „Der Spalt“. Dennoch ist ihm ein sehr rasanter und spannender Roman gelungen, der mich, wie schon bei „Der Spalt“, auf ein neues Werk neugierig macht, denn gute und fantastische Ideen hat Clines allemal.

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Fazit: Anfangs stimmungsvoll und überzeugend, endet der Plot leider in einem übertriebenen Action-Feuerwerk. Dennoch lesenswerter Mystery-Thriller.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

House Of Rain von Greg F. Gifune

Houserain

Erschienen als Taschenbuch
im Luzifer Verlag
insgesamt 128 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-95835-103-5
Kategorie: Mystery, Thriller, Horror

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Gordon Cole ist altgeworden. Und er ist einsam. Als es zu regnen beginnt, durchstreift er die Stadt und versucht, seine Vergangenheit zu bewältigen. Den Tod seiner Frau, die Begegnung mit einer mysteriösen, weiblichen Kneipenbekanntschaft und andere dunkle Geheimnisse …

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Es macht immer wieder unglaublichen Spaß, Gifunes melancholische und düstere Geschichten zu lesen. So ist es auch bei dieser Novelle um einen alternden Mann, der sich seiner Vergangenheit stellen muss und dies auch tut. Das Szenario, in dem Gifune seine Geschichte spielen lässt, erinnert an einen Film noir der 40er und 50er Jahre. Eine verregnete Stadt mit nassen Straßen und ein Protagonist, der sich pessimistisch seiner Vergangenheit stellt. Und dennoch schafft es Gifune immer wieder, in seinen tristen Welten Hoffnungen zu verströmen.
Der hochwertige Schreibstil lässt sich wunderbar lesen und nimmt einen vom ersten Satz an gefangen. Gifunes Geheimnis sind seine nicht immer geradlinigen Plots, die den Leser schon desöfteren dazu zwingen, ein wenig nachzudenken und selbst zu interpretieren.
Gifune macht das Horror- und Mysterygenre massentauglich, entführt seine Leser auf hypnotische Weise in das Innere eines Menschen und lässt einen an den Überlegungen, Sehnsüchten und Hoffnungen teilhaben.

Poetisch und verträumt wird die traurige Geschichte eines gebrochenen Mannes erzählt und man kann sich ohne weiteres in das Seelenleben des Protagonisten hineinversetzen und mit ihm fühlen. Es sind keine Zombies und Monster, die hier schockieren, sondern die Gedanken und Verhaltensweisen eines Menschen. Man fliegt durch die Story, fiebert mit und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Emotional und aufwühlend führt uns Gifune durch eine düstere, aussichtslos wirkende Welt, in der viele Fragen unbeantwortet bleiben und darauf warten, vom Leser selbst gelöst und interpretiert zu werden. Gifunes Bücher haben eine unnachahmliche Atmosphäre, die teils deprimiert und beklemmend wirkt, andererseits aber auch eine gewisse Lebenserfahrung verströmt, der man sich nicht entziehen kann. Jeder Leser, der sich auf diese Art von Geschichte einlassen kann, wird einen Nutzen daraus ziehen.

Für mich liefert Greg F. Gifune wieder einmal den Beweis, dass Horror absolut salonfähig sein kann und mehr bedeutet, als bluttriefende Splatterorgien. Für mich einer der besten, atmosphärischsten Schriftsteller, der aus meiner Sicht fast schon ein eigenes Genre kreiert hat: Melancholie-Horror! 🙂
Gifune arbeitet auf wenigen Seiten ein ganzes Leben mit seinen Höhen und Tiefen auf, dringt in den Kopf eines Trauernden ein, der sich überlegt, was das Leben ihm geboten  hat und ihm im Alter noch bieten kann. „House Of Rain“ ist ein kleines Meisterwerk, das man sich öfter zu Gemüte führen kann. Dunkler, poetischer, mystischer Horror. Bleibt nur zu hoffen, dass der Luzifer Verlag weiterhin das Veröffentlichen von Gifunes Werken ins Deutsche weiterführt, der Festa Verlag hat es ja leider eingestellt.  Gifune muss man gelesen haben und seine Geschichten machen süchtig. Ich kann gar nicht sagen, welches seiner Bücher mein Lieblingsbuch ist. Jedes ist für sich eine Perle, die man nicht mehr so schnell vergisst.

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Fazit: Wundervoll poetisch und emotional werden die Gedankengänge eines trauernden, alten Mannes erzählt, der nach dem Sinn des Lebens im ALter sucht. Grandios.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Puppe von Mo Hayder

die puppe

Erschienen als Broschur
bei Goldmann
insgesamt 416 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-442-31306-8
Kategorie: Krimi, Thriller

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Als eine Patientin in einer psychiatrischen Klinik in Bristol aufgefunden wird, schenkt der zuständige Pfleger AJ den Gerüchten, es würde sich um einen Geist handeln, keine Beachtung. Wenig später wird der psychisch schwer gestörte Isaac Handel, der seine Eltern auf brutale Weise ermordet hat, entlassen. In AJ festigt sich der Verdacht, dass Handel eventuell hinter dem Todesfall stecken könnte. AJ nimmt Kontakt mit Jack Caffery auf …

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Auch der sechste Fall um Ermittler Jack Caffery steht seinen Vorgängern in nichts nach. Spannend und fesselnd erzählt, führt Mo Hayder den Leser allerdings dieses Mal nicht an den Tatort eines brutalen Verbrechens, sondern in die Mauern einer psychiatrischen Heilanstalt. Eine Mischung aus Mystery und Krimi, die hervorragend funktioniert. Die Zusammenhänge der verschiedenen Fäden, die Hayder spinnt, erschließen sich dem Leser erst nach einer gewissen Zeit. Aber bis dahin ist man längst schon wieder in der Welt von Caffery versunken und lässt sich von der Geschichte mitreissen.

Ich kann nicht behaupten, dass mir dieser Teil nicht so gut wie die anderen Bände der Reihe gefallen hat. Mo Hayder geht in ihrer Handlung einfach einen neuen Weg und bringt etwas Mystery in die Story, was mir persönlich gut gefallen hat. Und immer wieder wartet man natürlich, was bei der Geschichte hinter den Kulissen, also in Cafferys und Marleys Privatleben so passiert. Auch hier enttäuscht die Autorin nicht und treibt die Nebenhandlung der Thriller-Reihe voran.

Zu Anfang fühlte ich mich ein wenig an Lars von Triers Miniserie „Hospital der Geister“ erinnert, aber schon bald geht Mo Hayder wieder ihren gewohnten, eigenständigen Weg. Dass immer wieder auf die vorherigen Bücher der Serie eingegangen wird, gefällt mir total gut, verschafft es dadurch doch immer wieder im Leser ein „heimeliges“ Gefühl und das Bewusstsein, sich an die anderen Fälle einfach nur mal wieder kurz zurückzuerinnern.

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Fazit: Überzeugender sechster Caffery-Fall, der das Niveau der Vorgänger ohne Vorbehalte halten kann.

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Abgrundtief von Dean Koontz (Odd Thomas 6)

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Oddie 6
Erschienen als Taschenbuch
bei HEYNE
insgesamt 432 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-43765-4
Kategorie: Thriller

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Das Glöckchen um Odd Thomas Hals, das er von Annamaria geschenkt bekommen hat, bimmelt. Dies bedeutet „Gefahr“ und Odd weiß sofort, es ist Zeit für ihn aufzubrechen um seiner – nicht immer geliebten – Berufung zu folgen.

Schnell findet Odd heraus, dass das Böse von dem seltsam aufgetakelten Cowboy mit dem hochglanzpolierten Hightech-Truck ausgeht. Bereits bei der ersten Begegnung kommt Odd nur knapp mit dem Leben davon. Aber Odd hat eine dramatische Vision, die ihn umgehend veranlasst, die Verfolgung des Cowboys aufzunehmen. Auf seiner Reise, diesmal mit einer hinreißenden alten Lady, die eine riesige Stretchlimousine steuert, kommt Odd einer gefährlichen Sekte auf die Spur, die grausame Taten plant. Dies will Odd natürlich unbedingt verhindern …

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An einem Grill stand der sympathische Grillkoch Odd Thomas schon lange nicht mehr. Seine Heimatstadt Pico Mundo, in der er vor 19 Monaten seine große Liebe Stormy Lewellyn verloren hat, hat er bereits vor 3 Bänden verlassen. Seitdem zieht Odd durch das Land. Angezogen von seinem Magnetismus, spürt er das Böse auf, welches er verhindern will – oder besser gesagt: muss. Mittlerweile wird Odd schon zum dritten Mal von der sonderbaren Annamaria begleitet, welche in diesem Band allerdings eher eine passive Rolle spielt.

In diesem sechsten Odd Thomas Roman hat Odd eine neue Begleitung. Eine alte Lady, Mrs. Fischer, Besitzerin einer riesigen Stretchlimousine, die gerade ihren ca. 90-jährigen Chauffeuer der Ewigkeit übergeben musste, ist dieses mal an Oddies Seite. Diese Kombination hat mir riesigen Spaß gemacht. Irgendwie war es ein Roadmovie mit dem Flair von Miss Daisy und ihr Chauffeur, wobei hier die Lady meist selber fährt. Diese alte Dame ist so fit, schlagfertig, lieb und geheimnisvoll wissend, dass sie mir – und auch Odd – umgehend ans Herz gewachsen ist. Ich bin auch eigentlich sicher, dass die Leser sie im siebten Band „Saint Odd“ wieder treffen.

Odd Thomas Fans wissen, dass der nette Grillkoch die Toten sehen kann, sie ihn oft um Hilfe bitten, in den letzten Bänden aber auch oft hilfreich zur Seite standen. Im letzten Roman war es Frank Sinatra, der wunderbare Poltergeist-Einsätze hatte. Bereits am Ende des Vorgängers tauchte der „neue „Geist auf, der in diesem Teil eine große Rolle spielt. Hier komme ich dann sogleich zu Änderung/Neuheit Nr. 1. Achtung! Mögliche Spoiler-Gefahr! Der Geist (ein bekannter  Filmregisseur) spricht! Odd hat das genauso überrascht wie mich, es hat die Handlung aber keineswegs ab- sondern vielmehr sehr aufgewertet. Denn das Leben des Mannes hat Dean Koontz  offenbar gut recherchiert. Die zweite Änderung gegenüber den Vorgängern (Achtung! Kleine Spoiler-Gefahr!): Keine Bodachs! Bodachs sind die schwarzen fliessenden Wesen, die Odd sehen kann und die immer dann versammelt auftreten, wenn ein Unglück mit vielen Toten bevorsteht. Auch diese Seltsamkeit ist nicht nur mir, sondern auch dem Protagonisten aufgefallen.

Wie bereits im fünften Teil hat Dean Koontz physikalische Feinheiten verbaut, die mir wieder einmal sehr gut gefallen haben. Spannend, unheimlich und verwirrend fesselnd würde ich diese Stellen der Handlung beschreiben. Mir hat es gut gefallen.

Odd Thomas 4 „Meer der Finsternis“ war für mich bislang der schlechteste der Reihe, der fünfte Roman „Schwarze Fluten“ gefiel mir dann wieder um einiges besser und dieser sechste Teil der Reihe ist für mich der beste Odd Thomas seit den Anfängen. Ich hatte meine wahre Freude an der Lektüre, konnte es nicht erwarten weiterzulesen und diese Kombination zwischen Odd, Mrs. Fischer und besagtem Geist war einfach richtig gut gelungen!

Diesesmal präsentiert der Verlag den Roman direkt und nur als Taschenbuch, was ich etwas schade finde. Denn ich habe die bisherige Reihe als gebundene Ausgaben im Regal stehen. Hier habe ich keine Möglichkeit etwas mehr zu investieren, um meine Sammlung optisch gleichzuhalten. Schade. Allerdings fällt auf dem Cover dieses mal das hässliche Krabbeltier weg, was ich in meiner letzten Rezension noch angemäkelt habe (fast alle Koontz haben diese Insekten auf dem Buchdeckel). Das aktuelle Cover zeigt eine Wüstenstraße, einige verlassene Häuser und einen Mann, der offensichtlich Odd Thomas ist. Das wiederum gefällt mir sehr gut!

Mein Fazit: Volle Sternenzahl für den besten Odd Thomas seit langem. Fesselnd, spannend, flott und frech wie eh und je. Koontz liefert einige Änderungen, die allerdings die Story aufwerten. Der sechste Odd Thomas ist eine Mischung aus Roadmovie, Miss Daisy und ihr Chauffeur, Grusel, Horror und Mystery. Sehr gerne gebe ich eine Leseempfehlung.

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© Buchwelten 2015

Phoenix von Jan Aalbach

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 508 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-492-26964-3
Kategorie: Thriller
Erscheinungstermin: März 2014

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Der Meisterkoch Elias Meerbaum wird von einem undurchsichtigen Milliardär angeheuert, eine Substanz, die sogenannte „Asche des Phoenix“, zu finden, die ewiges Leben verspricht.
Zuerst ist Meerbaum mehr als skeptisch, doch als er plötzlich selbst in eine lebensbedrohende Situation kommt, nimmt er den Auftrag an. Eine uralte Rezeptur, verschlüsselt in einem Gedicht, enthält die Zutaten und die genaue Zubereitung der Substanz.
Um an die benötigten Bestandteile zur Herstellung der Essenz zu kommen, begibt  sich Meerbaum mit der charmanten Ärztin Xi auf eine Reise, die ihn um die ganze Welt führt.

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„Phoenix“ ist Jan Aalbachs Debütroman und die Inhaltsangabe macht enorm neugierig, suggeriert sie doch einen mystischen Abenteuerroman, obwohl der Verlag das Buch unter der Rubrik „Thriller“ veröffentlicht hat.
Als allererstes sei darauf hingewiesen, dass es sich bei „Phoenix“ nicht um einen Thriller, sondern eher um einen fantastischen Abenteuerroman handelt.

Aalbach hat hervorragend recherchiert, das ist keine Frage, auch wenn das im Roman angewandte Wissen teilweise überfrachtet wirkt. Dennoch ist dem Autor ein rasantes Abenteuer gelungen, das auf weiten Strecken an die „Indiana Jones“- und „Lara Croft“-Filme erinnert. Geheimnisvolle Höhlen und rätselhafte Seen sind nur einige der Schauplätze, die den Leser erwarten.

Bis zur Hälfte hat mir das Buch auch ganz gut gefallen, auch wenn ich bis dahin schon ein paar Mal über flapsige Ausdrücke hinweggelesen habe.
In der zweiten Hälfte des Romans wurden diese umgangssprachlichen Wendungen aber meinem Empfinden nach immer mehr und das hat mir persönlich dann leider nicht mehr so gut gefallen und mir teilweise sogar die Spannung genommen.
Aber ich denke, dass diese Schreibweise einfach nur Geschmackssache ist und bei vielen Lesern mit Sicherheit ankommt, da sie die Handlung auflockert und mit teils gelungenen Witzen garniert.

Insgesamt wird dem Leser ein unterhaltsames und gut lesbares Adventure geboten, das die meiste Zeit großen Spaß macht. Hätte der Autor die Geschichte weniger „witzig“ gestaltet, wäre ein für mich bedeutend besseres Buch entstanden. Aber, wie gesagt, die Geschmäcker sind da mit Sicherheit verschieden.
Was mich allerdings wirklich gestört hat, war, dass eine wieder zum Leben erwachte Königsmumie, gegen die die Protagonisten kämpfen mussten, salopp „Dusty“ genannt wurde. Das war für mich ein echter Spannungs- bzw. Drama-Killer.

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Mein Fazit: Mystischer Fantasy-Abenteuerroman im Stil der „Indiana Jones“-Filme, der einen guten Start hinlegt und gegen Ende leider immer flacher auf mich wirkte. Für die erste Hälfte gäbe ich gerne vier Sterne, für die zweite allerdings nur zwei, so dass in der Endwertung eine glatte 3-Sterne-Rezension daraus wird.
Aalbach hat enorm gut recherchiert, was dem Buch auf jeden Fall Qualität verleiht, aber er hat meiner Meinung nach das Potential einer wirklich guten Idee durch den teilweise flapsigen Schreibstil nicht ausgeschöpft.

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Ich danke dem Piper-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Doctor Sleep von Stephen King

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im HEYNE Verlag
insgesamt 704 Seiten
Preis: 22,99 €
ISBN: 978-3-453-26855-5
Kategorie: Mystery / Horror, King halt 🙂

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Daniel Torrance, früher genannt Danny, hat das Grauen, welches er im Overlook Hotel in Colorado erlebt hat, überlebt. Er ist zwischenzeitlich erwachsen geworden und er ist ein Trinker, alkoholkrank wie sein Vater. Zum einen hat er das „Säufer-Gen“ wohl offensichtlich von Jack Torrance geerbt, zum anderen trinkt er um sein Shining ruhig zu stellen, es quasi zu ersäufen.

Aber Dan will nicht mehr trinken, ein für ihn einschneidendes Erlebnis bringt ihn endlich zur Vernunft. Und er will endlich zur Ruhe kommen. Nach Jahren der ruhelosen Wanderschaft kommt er an einen Ort, an dem er sich wohl fühlt. Er beginnt an den Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen, gewinnt Freunde und arbeitet in einem Hospiz, wo seine Anwesenheit sehr geschätzt wird. Dort nennt man ihn Doctor Sleep, denn Dan Torrance hat irgendetwas an sich, dass den Sterbenden hilft, ihre letzte Reise anzutreten. Dieses „etwas“ hat mit seinem Shining zu tun, dass nun, wo er nicht mehr trinkt, wieder aktiver wird.

Auf den amerikanischen Highways reist die Sekte „Der Wahre Knoten“ durch die Lande. Sie sind stets auf der Suche nach dem, was sie ihr Lebenselixier nennen. Dem Steam. Dieser Steam wird gewonnen aus dem letzten Lebenshauch von Kindern, die das Shining besitzen. Die Mitglieder der Sekte sehen aus wie Rentner, die mit ihren Mobilheimen auf Reisen sind, sie erwecken keinerlei Aufsehen. Das macht sie so gefährlich. Und, sie sind nahezu unsterblich.

Das kleine Mädchen Abra Stone wird mit einem übermäßigen Shining geboren, bereits als Säugling und Kleinkind hat es Kräfte, die ihre Eltern oft beunruhigen. Natürlich wird „Der Wahre Knoten“ auf das Mädchen aufmerksam. Sie müssen dieses Kind mit der unendlichen Menge an Steam haben. Eine gnadenlose Jagd beginnt. Doch erstens ist Abra sehr mutig und stark und zweitens ist sie nicht allein. Sie verbündet sich mit Dan Torrance, mit dem sie bereits im Alter von zwei Monaten Kontakt aufgenommen hat. Gemeinsam versuchen sie Abra zu retten und außerdem den „wahren Knoten“ auszurotten …

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Ich hatte das Buch begonnen und nach knappen 20 Seiten wieder zur Seite gelegt um noch einmal Shining zu lesen. Ich hatte es zwar Ende der 80er gelesen, doch ich hatte zuviel vergessen. Und ich habe mich richtig entschieden. Denn Doctor Sleep knüpft eigentlich nahtlos an Shining an und zu Beginn ist der Protagonist sogar noch ein Junge. Auch während der Handlung kommt Shining immer wieder ins Spiel, seien es Personen, Wesen oder Orte, bzw. bestimmte Situationen. Vorab noch einmal Shining zu lesen, kann ich jedem nur empfehlen. Hierzu möchte ich ein kleines Zitat von Stephen King aus dem Nachwort bringen:

„Falls ihr den (Kubrik)-Film gesehen, den Roman jedoch nicht gelesen habt, denkt bitte daran, dass Doctor Sleep auf Letzterem fußt, der meiner Meinung nach die wahre Geschichte der Familie Torrance erzählt.“

Und aus dem Grund war ich bereits sehr kritisch, als ich auch nur den ersten Satz des inneren Klappentextes gelesen habe. Da steht „Nur mühevoll kann Dan Torrance die Schrecken verarbeiten, die er als Dreirad fahrendes Kleinkind im Hotel Overlook erlitten hat“. Denn: im Roman ist Danny nicht ein einziges Mal auf einem Dreirad gefahren. Das war einzig und allein eine filmische Umsetzung von Stanley Kubrik (sicher eine sehr gute) hat mit dem Roman aber nichts zu tun. Ich habe mir nach Shining die dreiteilige Fernsehverfilmung von Shining angesehen, bei der Stephen King selber das Drehbuch geschrieben hat. Bei weitem weniger superlative Effekte, doch sehr viel näher an der Romanvorlage. Doch das nur nebenbei :).

Ebenso hat mich die Gewinnung des Steam von sterbenden Kindern im ersten Moment sehr an die Dementoren der Potter-Romane erinnert. Dann war ich nicht sicher, ob Stephen King es schafft, diese besondere Stimmung, die im Overlook Hotel geherrscht hat, wieder aufleben zu lassen.

Ich habe recht schnell gemerkt, dass all diese Punkte nicht relevant sind. Die Geschichte, mit der Stephen King hier die Fortsetzung von Shining geschaffen hat, ist absolut fesselnd, in einem sehr guten Schreibstil geschrieben und steht Shining in nichts nach. Es sind viele Jahre vergangen und der Mann, der die Fortsetzung geschrieben hat, ist ein anderer als der, der Shining schrieb. King hat damals selber noch getrunken. Für mich hat das Buch Suchtfaktor und ich konnte es sehr schwer aus der Hand legen. Er verknüpft sehr viele Dinge in der Handlung: z.B. den Zusammenhalt/das Zusammenspiel zwischen Alt und Jung, Mut, Kraft, Übersinnliches und auch sehr viel Gefühl. Dramatische Momente werden immer wieder von ruhigen Phasen abgewechselt, es gibt Momente, da hatte ich einen dicken Kloß im Hals.

Es passiert nicht oft, dass ich ein Buch, wenn ich am Ende angelangt bin, gleich noch einmal von vorne beginnen könnte. Doch hier war es so. Der erwachsene Dan(ny) ist mir sehr ans Herz gewachsen. Auch die Figur der Abra ist sehr gut und charakterstark ausgearbeitet. Und ebenso die Nebenfiguren, die allesamt eine wichtige Rolle spielen, sind einfach tolle Menschen.

Sogar das Ende, die bei Stephen King für mich immer so eine Sache sind, hat mir gut gefallen. Es war stimmig und hat nicht das „was-war- das-jetzt-Gefühl“ ausgelöst, wie ich es beispielsweise bei ES oder WAHN empfunden habe.

Das Cover zeigt eine rote Metallflasche, aus der Steam austritt. Es ist dem Original Cover sehr ähnlich, wobei mir das noch viel besser gefällt, weil man hier auf den zweiten Blick noch etwas sieht, dass zur Handlung gehört.

Hier war ich dann gleich zu Besuch auf Stephen Kings Website, denn ein Blick auf die Original Cover sind bei ihm immer lohnenswert.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für die Fortsetzung von Shining, die absolut gelungen ist, wieder eine klasse Stimmung erzeugt und absolut fesselnd ist. Der Autor ist mit „Bangigkeit“ an die Arbeit gegangen, denn der Maßstab war sehr hoch. Es ist ihm gelungen, diesen zu erfüllen. Vom Anfang bis zum Ende. Unbedingt lesen! Am besten lest vorher noch einmal Shining, auch ein klasse Buch! Hatte ich beinahe vergessen. 

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Ich danke dem HEYNE-Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Originalcover.

© Buchwelten 2013

Phil Rickman – Sündenflut und mehr über die Merrily Watkins Mystery ….

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Erschienen als Taschenbuch
im Rowohlt Verlag / rororo
insgesamt 576 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-499-25339-3
Kategorie: Mystery / Krimi

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Weihnachten steht vor der Tür und in Ledwardine steigt der Fluss stetig weiter an. Immer mehr Straßen werden gesperrt und bald wird der Ort eine Insel sein.

Nach wie vor brennt der Streit um die archäologische Grabung, die den geplanten Neubau von Luxusvillen auf einem historischen Hügel gefährden könnte.

In Hereford gibt es einen prominenten Todesfall und Hinweise dafür, dass der Mord in Zusammenhang mit weiteren historischen Funden der Umgebung zu tun hat.

Derweil hat ein Schriftsteller gemeinsam mit seiner Frau in Ledwardine eine Scheune gemietet, denn er hält es für sicherer nach Erscheinen seines Romans zunächst einmal unter anderem Namen in dem kleinen Ort unterzutauchen. Als der Schriftsteller, der überzeugter Atheist ist, feststellen muss, dass etwas Übersinnliches offensichtlich gegen seinen Aufenthalt in Ledwardine ist, wäre dies eigentich ein klassischer Fall, der nach Merrily Watkins ruft. Nur, dass dieser nichts mit Pfarrern zu tun haben will. Wieder einmal überschlagen sich die Ereignisse und Merrily, die immer allem und allen gerecht werden möchte, steckt natürlich mittendrin …

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Alle Leser, die die Merrily Watkins Mystery Reihe kennen, können eigentlich direkt nach unten, bis zu meinem „Fazit“ scrollen. Allen anderen möchte ich an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung (Spoilerfrei) der 10 Bände liefern, die mich sehr begeistert haben.

Ich bin nur durch Zufall auf diese Reihe gestoßen. Den ersten Teil „Frucht der Sünde“ habe ich auf einem Büchermarkt von einer Verkäuferin geschenkt bekommen, mit den Worten „ich habe es als Leseexemplar bekommen, war ganz gut“. Als ich dann vor geraumer Zeit mein Buchregal nach Lesestoff durchstöbert habe, griff ich nach dem Roman, weil ich derzeit die krassen Thriller nicht lesen mag und ich die Mischung Krimi/Mystery sehr ansprechend fand. Mir hat dann dieser erste Band so gut gefallen, dass ich mir nach und nach alle bisher erhältlichen deutschen Veröffentlichungen besorgen musste.

Bereits im ersten Roman lernt der Leser Charaktere kennen, die ihn die gesamten Bücher lang begleiten.

Merrily Watkins, weibliche Pfarrerin der englischen Kirche, kommt mit 34 Jahren in den kleinen Ort Ledwardine, das Dorf der Apfelgärten. Sie bringt ihre – damals noch 15-jährige – Tochter Jane mit, mit der sie das viel zu große Pfarrhaus bezieht. Merrily ist Witwe. Ihr Ehemann, ein korrupter Anwalt, ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, mit im Auto seine Sekretärin/Geliebte. Merrily ist aber nicht „nur“ eine weibliche Pfarrerin, sondern auch die Diözesanexorzistin, modern genannt: Beraterin für spirituelle Grenzfragen! Außerdem hat sie das leidige Laster zu rauchen und völlig unchristilich zu fluchen.

Jane, Merrilys Tochter, ein pubertierender Teenager, dem der Job ihrer Mum mehr als peinlich ist. Sie ist schlau, neugierig und allem spirituellem gegenüber offen. Sie ist ein besonderer, nicht einfacher aber herzensguter, Helfercharakter, der sich im Laufe der folgenden Romane weiterentwickelt.

Dann sind da unter anderem noch der Musiker Laurence (Lol) Robinson, der als junger Mann fälschlich der Vergewaltigung an einer Minderjährigen beschuldigt wurde, eine Weile in der Psychiatrie war und nach und nach seinen Weg zurück ins Leben findet.

Gomer Parry, der raue „Alte“, der ohne seine Bagger, denen er Namen gegeben hat, nicht leben kann. Gomer Parrys Landwirtschaftsdienste: Das ist sein Leben. Ein Mann, der herzensgut ist, immer gerade heraus und trotz seines Alters im Leben nicht ans Altwerden oder den Ruhestand denkt.

Francis (Frannie) Bliss, Detective. Immer wieder kreuzen sich seine und Merrilys Wege. Der eine nimmt immer wieder die Hilfe des anderen in Anspruch, es entwickelt sich beinahe so etwas wie eine Freundschaft

Dann kommen mit jedem Band neue Figuren hinzu, die uns dann wiederum in den Folgebänden wiederholt begegnen. z.B. Der Roma-Charmeur Al Bosswell, der göttliche Gitarren baut. Oder Prof Levin, der Musikproduzent aus Knights Frome, der grossen Anteil daran hat, dass Lol wieder Songs schreibt und sogar Livegigs spielt. Dann ist da noch die Nebenrolle der Athena White. Eine alte, sehr wache, absolut belesene und schräge Lady, die im Altenheim „The Glades“ lebt. Sie tut, als wäre sie eine senile alte Damen, hat aber hinter ihren Türen Unmengen an interessanter Lektüre gebunkert, die sich mit der Geisterweilt, spirituellen Dingen und Hexerei befassen. Sie ist immer mal wieder eine große und sehr amüsante Unterstützung bei der Auflösung gewisser Rätsel.


Neben den Charakteren macht diese Reihe die wunderbare, mystische, landschaftlich sehr geheimnissvolle Umgebung Herefordshires aus. Die Stimmung, die Phil Rickman immer wieder erschafft, fesselt von Anfang an. Er vermischt übersinnliche Elemente mit einer kriminalistischen Handlung, die eher schleichend daher kommt und dann verknüpfen sich, ohne dass der Leser es eigentlich merkt, plötzlich alle losen Enden. Er erschafft Gruselmomente, verbaut immer viel wahres historisches und vermischt all dies sehr geschickt. Edward Elgar, Thomas Traherne, Sir Arthur Connan Doyle und Alfred Watkins: Dies sind einige der realen historischen Figuren, die in der Reihe aufgegriffen werden.

Für mich ist diese Reihe absolut lesenswert und daher musste ich mir in diesem Fall ein wenig mehr von der Seele schreiben, als bei einer einfachen Rezension.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den 10. Merrily Watkins Mystery. Der Roman hat mich wieder gefesselt, binnen zwei Tagen durch die Handlung fliegen lassen und in einer Szene sogar zum Heulen gebracht. Mir sind die Figuren und die Umgebung so sehr ans Herz gewachsen, dass ich die 10 Bände hintereinander weggelesen habe und nun ungeduldig auf April 2014 warte. Denn dann wird der nächste Band im Rowohlt/rororo Verlag erscheinen!

Die Reihenfolge der Merrily Watkins Reihe:

1.  Frucht der Sünde
2.  Mittwinternacht
3.  Die fünfte Kirche
4.  Der Turm der Seelen
5.  Der Himmel über dem Bösen
6.  Die Nacht der Jägerin
7.  Das Lächeln der Toten
8.  Ein dunkler Gesang
9.  Das Gespinst des Bösen
10. Sündenflut

Links:

Phil Rickmann bei Rowohlt

Phil Rickman UK

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© Buchwelten 2013

Ligeia von John Everson

 

Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 407 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-86552-188-0
Kategorie: Horror, Thriller

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Abend für Abend spaziert Evan am Strand entlang und denkt darüber nach, wie sein weiteres Leben verlaufen wird, nachdem er seinen Sohn bei einem Unfall verloren hat. Evan und seine Frau Sarah durchleben eine schreckliche Zeit der Trauer, an der ihre Ehe zu zerbrechen droht. Sarah sucht Vergessen, in dem sie sich betrinkt, und Evan weint heimlich bei seinen Strandspaziergängen. Eines Tages trifft er auf eine geheimnisvolle, nackte Frau, die aus dem Meer steigt und ihn durch einen hypnotischen Gesang verzaubert.

Evan weiß nicht, wie ihm geschieht, als sich sein sexueller Trieb sozusagen verselbständigt und er mit der mysteriösen Unbekannten direkt am Strand schläft. Wie eine Droge ergreift die bildschöne Ligeia von seinen Gedanken Besitz und läßt ihn während der kommenden Tage, und vor allem Nächte, nicht mehr in Ruhe.
Zwanghaft sucht Evan jeden Abend die Stelle am Strand auf, um mit der Frau zu kopulieren, während sich Sarah wegen dem Verlust ihres Sohnes betrinkt.

Als Evan versucht, aus der Affäre auszubrechen, erkennt er erst, in welche Gefahr er sich begeben hat, als er sich auf Ligeia eingelassen hat.
Allem Anschein nach handelt es sich bei ihr nämlich um eine uralte Legende, eine Sirene, die schon vor über hundert Jahren ihr Unwesen auf dem Meer getrieben hat und einzig und allein darauf aus ist, ihre Opfer nach einer gewissen Zeit bei lebendigem Leib zu fressen.

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In unbestimmten Abständen gerät man an ein Buch, das einen vollkommen überrascht, indem es etwas anderes bietet, als man erwartet hat. „Ligeia“ von John Everson ist so ein Buch. Und, bis auf das leider etwas schwache Finale (dazu aber später), für mich im Bereich Horror eine der großen Neuentdeckungen für das Jahr 2013.

Everson schreibt flüssig und es macht ungeheuren Spaß, die Geschichte des Protagonisten zu verfolgen. Ich fühlte die Trauer wegen seines Sohnes, seine Schwäche und sein schlechtes Gewissen bezüglich der Affäre mit Ligeia, aber auch die unerschütterliche Liebe zu Sarah. Die Zerrissenheit zwischen trautem Eheleben, das Evan wieder auf die Reihe kriegen will, und dem Abenteuer eines Seitensprungs, der Begierde nach Ligeia, der er durch ihren hypnotischen Gesang einer Sirene nicht entgehen kann, ist so intensiv zwischen den Zeilen zu lesen, dass die Geschehnisse absolut glaubhaft wirken.

Leider driftet Everson am Ende in ein klischeehaftes Mainstream-Showdown-Ende, das die einfühlsame und dennoch sehr spannende Geschichte meines Erachtens überhaupt nicht gebraucht hätte. Aber vielleicht sind da die Geschmäcker zu verschieden und vielen ist das Buch zu langweilig, so dass sie die actionlastige Schlussszene willkommen heißen. Ich für meinen Teil hätte mir ein ruhiges, der ganzen Atmosphäre des restlichen Buches angepasstes Ende gewünscht.
Allerdings bügelt Everson mit dem Epilog wieder so einiges aus. Auch wenn dieser Anhang ganz am Schluss nicht allzu lang ist, führt er doch wieder zur Grundstimmung der Geschichte zurück.

Fazit: Einfühlsamer, atmosphärisch dichter Horror-Thriller, in dem am Ende leider die Stimmung ein wenig kippt. Insgesamt ein stimmiger, gekonnt geschriebener Roman, der mich teils an die Bücher von Greg F. Gifune denken ließ, aber auch an Genre-Klassiker des Horrorfilms wie z.B. „Tot & begraben“ oder „The Fog“ erinnnert. Ganz klare Empfehlung für Freunde von gehobenem, stimmungsvollem Horror. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

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© Cryptanus für Buchwelten 2013

Die Einsamkeit des Todbringers von Greg F. Gifune

Erschienen als Taschenbuch
bei Festa-Verlag
insgesamt 252 Seiten
Preis: 13,95 €
ISBN: 978-3-865-552098-2
Katergorie: Thriller

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Dignon Malley ist ein Einzelgänger, der zurückgezogen mit seinem Kater Mr. Tibbs in einer namenlosen Stadt lebt und von seinen Kindheitserinnerungen gepeinigt wird.

Hin und wieder trifft er sich mit seinem schwulen Bruder, ansonsten beschäftigt er sich mit seinen Gedanken.

Eines Tages erwirbt Malley in einem Antiquariat ein Buch mit dem Titel Mystische Wesen in einer sterblichen Welt. Als er am Abend darin blättert, findet er eine Telefonnummer und den Namen Bree Harper auf der ersten Seite. Immer wieder denkt er an die Frau und widersteht der Versuchung, die angegebene Nummer zu wählen. Er kann nicht erklären, wieso ihn der Gedanke an Bree Harper nicht mehr loslässt, bis er sich schließlich entschließt, die Unbekannte einfach anzurufen.

Er lernt die hübsche, aber rätselhafte Bree kennen und bemerkt, dass er sich in sie verliebt. Mit der Zeit wird ihm allerdings immer klarer, dass es kein Zufall war, dass er Mystische Wesen in einer sterblichen Welt fand.

Fast scheint es, als hätte Bree etwas mit den im Buch erwähnten mystischen Wesen zu tun. Und irgendwie bekommt Malley das Gefühl nicht los, das sie sogar mit seiner eigenen Vergangenheit in Verbindung steht.

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Greg F. Gifune ist, laut Brian Keene, einer der absolut besten Erzähler der Dark-Fiction. Dem kann ich mich guten Gewissens anschließen. Gifunes Schreibstil ist sehr gehoben und zieht den Leser bereits ab der ersten Seite in Bann. Die melancholische, keineswegs störende, Atmosphäre zieht sich konsequent durch den Roman und ließ mich immer wieder an einen Film von David Lynch denken. (Der könnte Die Einsamkeit des Todbringers übrigens meiner Meinung nach kongenial verfilmen.)

Gifune zeichnet seine Figuren, es sind nicht viele in diesem Roman, liebevoll und stattet sie mit allerhand merkwürdigen, aber durchaus nachvollziehbaren und sympathisch wirkenden, Eigenschaften aus.

Malleys Verhalten wirkt an keiner Stelle konstruiert oder falsch. Die Gedanken dieses Einzelgängers sind stimmig und fesseln.

Gifunes teils philosophischen Aussagen über die Einsamkeit und Liebe eines Menschen sind grandios und haben mich manchen Satz mehrmals lesen lassen, so gut haben mir diese Formulierungen und Gedanken gefallen.

Die Einsamkeit des Todbringers ist ein hypnotisierendes Buch über Einsamkeit, Liebe, Ängste und Hoffnungen.

Erst zum Ende kommen Mystik- und Thrillerelemente ins Spiel. Ansonsten erzählt Gifune die Leidensgeschichte eines verlassenen Mannes, der auf der Suche nach Liebe ist und seine Kindheitserinnerungen bewältigen will.

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Fazit: Ich vergebe 5 von 5 Sternen für eine fesselnde Geschichte über die Liebe und das Leben. Kafkaesk wird ein von Einsamkeit und Kindheitstrauma geprägtes Leben geschildert, das einen beim Lesen berührt und bestens geeignet für eine Verfilmung durch David Lynch wäre. Gifune ist ein großer Erzähler.

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© Cryptanus für Buchwelten 2013

ENDE von David Monteagudo (4,5/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe mit Leseband
bei rowohlt
352 Seiten
Preis: 19,95 €
ISBN:  978-3-498-04520-3

Erscheint am 16.01.2012

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Nach einem viertel Jahrhundert treffen sich neun Freunde einer ehemaligen Clique wieder. Genau 25 Jahre zuvor, an exakt dem gleichen Datum, haben sie sich das in einer Herberge in den Bergen beim nächtlichen Betrachten des Sternenhimmels versprochen und fest vorgenommen. Nieves, mittlerweile Mutter von zwei erwachsenen Kindern, hat die Organisation übernommen und schafft es auch tatsächlich, die ehemaligen Freunde alle zu überzeugen an der Wiedersehensparty teilzunehmen.

Sie kommen wieder zu der alten Herberge, für abends ist eine Party vorgesehen. In der Nacht wollen sie wieder gemeinsam den fantastischen Sternenhimmel bewundern und für nächsten Tag ist eine gemeinsame Wanderung durch die Schlucht geplant.

Einige der Freunde kommen allein, andere mit ihrem neuen/derzeitigen Partner. Ein Pärchen hat sich innerhalb der ehemaligen Clique gebildet. Die Anreise gestaltet sich etwas umständlich, denn sie müssen alle ihre Autos etwa einen Kilometer vor der Herberge parken und den restlichen Weg zu Fuss zurücklegen. Dann kann der gemeinsame Abend endlich beginnen

Es wird gegessen, geredet, getrunken, Musik gehört (eine speziell für diesen Abend erstellte CD mit allen Lieblingssongs der einzelnen Freunde zur damaligen Zeit) und auch diskutiert.

Plötzlich fällt der Strom aus, die Handys funktionieren nicht mehr und auch die Autos lassen sich nicht mehr starten. Zunächst macht sich die Gruppe nicht allzu große Gedanken, denn der Himmel ist aufgerissen und ein phänomenaler Sternenhimmel präsentiert sich. Sie sind überwältigt von diesem Anblick, kein blinkendes Flugzeug stört das Firmament,  lediglich so viele Sterne sind zu sehen, dass es beinahe unheimlich auf die Freunde wirkt. Plötzlich bemerken sie, dass einer fehlt. Rafa ist verschwunden. Sie vermuten er wäre nach der heftigen Debatte (noch vor dem Stromausfall) vor Wut nach Hause gefahren.

Am nächsten Morgen macht sich die Gruppe auf den Weg durch die Schlucht ins nächstgelegene Dorf um zu sehen, ob dort der Strom funktioniert. Auf dem Weg durch die Schlucht ist Cova auf einmal verschwunden. Von einer Sekunde auf die nächste hat sie sich einfach in Luft aufgelöst. Was geschieht hier? Die Angst nimmt überhand, soll das hier das Ende sein … ?

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Der Roman ist in der Gegenwart geschrieben, jedoch in der dritten Person. Zunächst erfahren wir kapitelweise etwas über die jeweiligen Charaktere, die teilweise gemeinsam mit ihren neuen Partnern die Einladung zum Wiedersehen in der Herberge erhalten.

Es sind die unterschiedlichsten Menschen und ihre Reaktionen auf diese Einladung sind sehr interessant. Auch die Charaktere selber hat der Autor in ihren jeweiligen Persönlichkeiten sehr gut dargestellt. Einige haben sich überhaupt nicht verändert, sind noch genauso ungehalten und „unmöglich“ wie als Teenager. Andere wiederum haben sich entwickelt und sind tatsächlich reifer und erwachsener geworden. Die Situation des Wiedersehens hat der Autor ebenso sehr gut beschrieben, wie auch die Ängste und Vorahnungen der Personen im Laufe ihrer Wanderung.

Mein erster Gedanke nach dem Buch war: Und das soll es jetzt gewesen sein? 3 Sterne wollte ich spontan vergeben. Ich muss sagen, ich habe das Buch (im ersten Moment) sehr unzufrieden beendet, denn ich hätte mir am Schluß einfach ein bisschen mehr gewünscht. Irgendetwas, egal in welche Richtung. Aber genau das wollte Monteagudo den Lesern eben nicht geben.

Der Autor hat es geschafft mich zum Nachdenken zu bringen: Habe ich was verpasst? Muss ich eine Stelle nochmal lesen (was ich in der Tat gemacht habe)? Und das ist für mich der Grund warum ich diesem Debüt nun doch 4 Sterne gebe. Es beschäftigt mich auch nachdem ich das Buch beendet habe immer noch. Ich denke immer wieder darüber nach und das werde ich wohl auch in einigen Wochen noch …

Mich haben die spanischen Namen etwas verwirrt, denn aus ihrem Klang konnte ich nicht erkennen, ob es ein Mann oder eine Frau ist und ich hatte etwas Mühe mich an sie zu gewöhnen.

Der Schreibstil ist nicht extrem hochwertig, er ist gut und einfach. Der Autor schreibt sehr viel in der wörtlichen Rede und da einige der Freunde in ihrem Charakter und der Ausdrucksweise in den 80ern stehen geblieben sind, reden einige Figuren auch dementsprechend umgangssprachlich und blödes Zeug daher.

Die Ängste, die im Laufe der Handlung und Wanderung immer stärker werden, aber auch den Spannungsbogen hat der Autor gut zu Papier gebracht. Es war sehr interessant wie die jeweiligen Personen in den entsprechenden Situationen reagiert oder auch nicht reagiert haben.

Das Buch erscheint als gebundene Ausgabe mit einem Leseband, was ich sehr gerne mag. Das Cover ist schlicht und einer gedeckten Farbe gehalten und zeigt alles was es braucht. Einsamkeit und Einöde. Optisch ist es sehr schön geworden. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und auch die Schriftgröße ist sehr angenehm.

Ich hätte mir noch ein Nachwort gewünscht, dass ein bisschen Aufschluß über die Idee und etwas Einblick die Entstehung des Romans gibt, aber ein solches gibt es leider nicht.

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Mein Fazit: 4,5 von 5 Sternen für einen spannenden Roman um eine Clique, die sich nach Ewigkeiten wiedersieht. Ein Mystery Erlebnis mit nachhaltiger Wirkung, dass absolut zum Nachdenken anregt.

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© Buchwelten 16.01.2012

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