Splitterwelten von Christoph Dittert und Michael Peinkofer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
560 Seiten
14,00 €
ISBN: 978-3-492-26960-5

Die Welt ist in unzählige Teile zersprungen. Eine Gilde von Meisterinnen wacht über diese Weltensplitter und deren vielfältigen Bewohner, unter denen sich Menschen, aber auch geheimnisvolle Tier- und Mischwesen befinden. Als eine der Meisterinnen auf einem der Eeltensplitter ermordet wird, macht sich die Gildenschülerin Kalliope zusammen mit ihrer Meisterin Cedara auf den Weg, um das Verbrechen zu untersuchen. Schon bald müssen sie feststellen, dass hinter dem Mord weitaus mehr steckt, als bisher angenommen wurde. Je mehr Kalliope in Erfahrung bringt, desto erschreckender sind die Geheimnisse, die sie aufdeckt. Es scheint, als wäre die Existenz sämtlicher Weltensplitter in großer Gefahr …

.

Wenn ich ehrlich sein soll, fiel es mir extrem schwer, in die Geschichte einzutauchen. Es dauerte wirklich eine Weile, bis ich mich zurechtfand. Aber dann plötzlich gab es einen Punkt, nach dessen Erreichen mich der Plot nicht mehr losließ und so in seinen Bann zog, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Man spürt, dass Michael Peinkofer hinter der Geschichte steht, denn man kann im Schreibstil durchaus Parallelen zu seinen „Königen“ und auch den „Orks“ erkennen. Mit einer unglaublich bildhaften Sprache werden die Abenteuer verschiedener Protagonisten geschildert, bei der man denkt, man sähe einen Film. Sehr stimmungsvolle Bilder wechseln sich mit pointierten Dialogen ab und machen den ersten Teil der „Splitterwelten“-Trilogie zu einem kurzweiligen Abenteuer, das süchtig macht.

Vielleser werden die zahlreichen „Anspielungen“ auf verschiedene Klassiker der Fantasy- und Science Fiction-Literatur bemerken, was aber der, zwar verschachtelten, aber durchaus stimmigen Handlung absolut keinen Abbruch tut. Peinkofer und sein Co-Autor Dittert schaffen sehr schnell eine interessante, abwechslungsreiche und fantastische Welt inmitten eines märchenhaften Universums. Die Geschichte der Gildenschwestern erinnerte mich desöfteren an den Sonea-Zyklus von Trudi Canavan, denn auch hier faszinieren die Schilderungen in hohem Maße, obwohl oftmals gar nicht besonders viel passiert. Es sind wohl die realistischen und glaubwürdigen Gespräche zwischen den Protagonisten, die die Seiten nur so dahinfliegen lassen. Aber auch die Tatsache, dass die unterschiedlichsten Lebewesen aufeinandertreffen, macht „Splitterwelten“ zu einem wirklich soliden Fantasyroman, der sich konsequent auf eine epische Ebene hocharbeitet. Sicherlich kennt man vieles aus anderen Romanen oder weltweiten Legenden, aber dennoch entwickelt sich eine eigenständige Geschichte aus diesen ganzen Zutaten, die schlichtweg immer mehr Lust auf mehr macht, je länger man mit den Protagonisten unterwegs ist. Schön ist auch, dass Peinkofer (und Dittert) eine Welt jenseits der allbekannten Zwerge, Drachen und Elfen zu erschaffen. Das Universum wirkt fast wie das eines Tad Williams.

Wie schon anfangs erwähnt, dauert es ein wenig, bis man sich zum einen in der Geschichte zurecht findet und zum anderen Emotionen zu den verschiedenen Figuren (und auch der Handlung) aufbaut. Und wenn es dann soweit ist, spürt man, dass der Plot von vorneherein groß angelegt ist und vielleicht auch gerade deswegen ein wenig Anlaufschwierigkeiten hat, die im Nachhinein nämlich gar keine mehr sind.  Trotz aller Versatzstücke, die man aus anderen Romanen. Filmen und Legenden kennt, hat Michael Peinkofer ein intelligentes und in sich stimmiges Handlungsgerüst aufgebaut, das neugierig auf den weiteren Verlauf macht. Gerade gegen Ende hin spitzen sich die Ereignisse zu und offenbaren eine tolle Wendung, die, wenngleich auch nicht unbedingt neu, ein vollkommen andere Dimension für den Plot eröffnet. Die Überraschung ist auf jeden Fall gelungen und lässt die Spannung auf den zweiten Teil enorm wachsen. Ich für meinen Teil mochte sowohl die Geschichte wie auch die Figuren und fühlte mich ab einem gewissen Zeitpunkt sehr wohl in der Story, zumal man wirklich aufgrund der flüssigen Schreibweise mittendrin und hautnah dabei ist. Die Charaktere sind sehr gelungen und wirken, auch bei den Tierwesen, sehr glaubhaft und sympathisch oder eben unsympathisch. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, wie es weitergeht.

.

Fazit: Ein mit diversen Anleihen aus anderen Büchern und Filmen versehenes Fantasy-Epos, das einen absolut in seinen Bann schlägt.

Meine Meinung zum zweiten Teil kann man hier nachlesen: Splitterwelten 2 – Nachtsturm

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Advertisements

Dark Matter – Der Zeitenläufer von Blake Crouch

Erschienen als Taschenbuch
im Goldmann-Verlag
insgesamt 415 Seiten
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-442-20512-7
Kategorie: Thriller

.

Jason Dessen führt ein glückliches Leben, als er eines Abends von einem Unbekannten entführt und unter Drogen gesetzt wird. Als er wieder aufwacht, scheint er in einer vollkommen anderen Welt zu sein, in der nichts mehr so ist, wie es war. Jason braucht eine Weile, bis er feststellt, dass er in einem Paralleluniversum gelandet ist, in dem er seine Frau und seinen Sohn nicht mehr in seiner Nähe hat. Verzweifelt begibt sich Jason auf die Suche nach seiner wahren Identität und seinem Leben, das er noch vor wenigen Augenblicken geführt hat.

.

Crouchs Schreibstil ist vom ersten Moment an fesselnd. Mit seiner knappen Erzählweise schafft es der Autor, den Leser sofort in seinen Bann zu ziehen. Man kann das Buch wirklich schlecht aus der Hand legen, so spannend und interessant ist es geschrieben. „Der Zeitenläufer“ ist Wissenschaftsthriller, Science Fiction-Roman und Liebesgeschichte in einem. Ein faszinierendes Spiel, das vom Leben, von der Liebe und den menschlichen Entscheidungen handelt und zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. Crouch ist eine äußerst raffinierte Geschichte gelungen, mit der er die komplizierte Vielwelten-Theorie schlüssig und nachvollziehbar ausbaut. Jede Entscheidung in unserem Leben öffnet eine neue Tür in eine Zukunft, die bei einer anderen Entscheidung immer anders ausfallen wird. Das klingt alles sehr wissenschaftlich und unbegreiflich, aber Crouch schafft es, diese unterschiedlichen Identitäten in verschiedenen Parallelwelten, so zu erklären, dass man der Handlung folgen kann.

Es gibt viele Wendungen in diesem außergewöhnlichen Roman. Durch die dialoglastige Schreib und sehr flüssige Erzählweise wirkt das Buch fast so, als würde man einen Film sehen. Die ersten hundertfünfzig bis zweihundert Seiten verströmen eine unheimlich tolle Atmosphäre, bevor sich der Plot dann in einen rasanten Thriller verändert. An manchen Stellen denkt man, Crouch würde sich in seiner konstruierten Handlung verzetteln, aber er schafft es immer wieder, dem Ganzen eine gewisse Logik zu verleihen, über die man dennoch nachdenken muss. Die Geschichte wird in der Gegenwartsform erzählt, was beim Leser den Effekt hervorruft, unmittelbar mit dabei zu sein. Auch wenn mir persönlich die Entwicklung in der zweiten Hälfte des Buches nicht mehr so zugesagt hat, wie der Anfang des Romans, so kann man von Blake Crouchs Buch durchaus von einem absolut empfehlenswerten Pageturner sprechen. Ab der Mitte wird der Plot zu einem Abenteuer, das mich manchmal an die „Matrix“-Filme erinnert hat. Das Thema Parallelwelten und Multiversum hätte man weitaus unspektakulärer und nicht so reißerisch angehen können, dann wäre ein weitaus beeindruckenderes Bild entstanden. So aber geht die Geschichte einen oft vorhersehbaren Weg mit klar definierten Unterscheidungen zwischen Gut und Böse. Ich will damit sagen, dass es eigentlich zu viel war, was da auf den Leser einprasselt. Weniger hätte auf mich eine bessere und, wie schon erwähnt, beeindruckendere Wirkung gehabt.

Am Ende wirkt die Geschichte lange nicht mehr so glaubhaft wie zu Beginn. Crouch lässt den Roman gegen Ende hin leider immer mehr zu einem literarischen Popkornkino mutieren und nimmt ihm damit auch die hervorragende Atmosphäre, die er am Anfang geschaffen hat. Dennoch ist „Der Zeitenläufer“ ein origineller Roman mit sehr guten Ansätzen, der als Film (die Filmrechte sind schon verkauft) mit Sicherheit auftrumpfen kann. Warum das Buch allerdings im Deutschen „Dark Matter“ heißt und im Original „Black Matter“ erschließt sich mir wieder einmal nicht. Wenn der Titel schon englisch-deutsch sein soll, warum hat man dann nicht gleich den Originaltitel verwendet?
Zu erwähnen ist auf jeden Fall noch das wirklich wunderschöne und genial gemachte Cover, das sich mattglänzenden auf innovative Weise um das „ganze“ Buch legt. Das ist schon ein echter Hingucker im Bücherregal.

.

Fazit: Starker Anfang und durchschnittliches Ende. Dennoch ein Buch, das man in einem Atemzug weglesen kann.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Alles bleibt anders von Siegfried Langer

.

alles bleibt anders

Erschienen als
Taschenbuch im
Atlantis Verlag
343 Seiten
Preis: 12,99 € oder als Kindle Edition
ISBN: 978-3936742954

.

Als Frank Miller realisiert, dass er gerade auf den Gleisen am Görlitzer Bahnhof steht, hat er Glück, dass der erwartete Zug Verspätung hat. Von seinen „Rettern“ befragt, fällt ihm gerade noch sein Vorname ein. Das war es dann auch vorerst. Er hat keine Erinnerung an seine Vergangenheit und irrt somit zunächst leicht verwirrt durch die Umgebung. Einer Eingebung folgend, begibt er sich dann in die Straße, in der er meint, gelebt zu haben. Hier trifft er sogar auf einen alten Nachbarn, der ihn kennt und ihm behilflich ist. Doch was er dort erfährt, ist nicht unbedingt positiv. Er ist vor 3 Jahren für tot erklärt worden und auf dem örtlichen Friedhof begraben.

Als hätte Frank nicht genug Probleme damit, seine Erinnerungen zurückzuerlangen, wird er auch noch verfolgt und überfallen. Doch was will dieser fremde Mann von ihm? Ob es um das seltsame ,Medaillon geht, dass er um seinen Hals hängen hat? Versehen mit Initialen, an die er sich auch nicht erinnern kann.

Man schreibt das Jahr 2008, die Hauptstadt heißt Germania und die NSDAP ist nach wie vor an der Macht. Europa, wie wir es kennen, gibt es nicht …

***

Es handelt sich hier um den Debütroman des Autors Siegfried Langer. Ich habe bereits einen Thriller des Autors gelesen und rezensiert (Vater, Mutter, Tod), jedoch gefällt mir sein Erstling zugegebenermaßen um Längen besser.

Für mich ein sehr gut geschriebener, spannender und auch fundierter Steampunkroman, der mir richtig gut gefallen hat.

Eine wunderbare Mischung aus Geschichte, Krimi und Physik. Gibt es parallele Realitäten? Was wäre, wenn es möglich wäre, in einen anderen Zeitstrang zu reisen um die Vergangenheit zu korrigieren? Kann man die Macht der NSDAP stoppen, diese dunkle Zeit vielleicht sogar komplett aus dem Geschichtsverlauf tilgen?

Sehr interessante Fragen, die hier in einem wirklich guten Schreibstil umgesetzt wurden. Die Idee und deren Umsetzung empfinde ich als sehr gelungen. Die Charaktere, die Langer geschaffen hat, sind sehr lebensecht und charakterlich gut ausgearbeitet. Frank Miller und seine Kindheitsfreundin Karen ebenso wie der Wissenschaftler Gothaer und auch der eigentliche Vorzeige-Arier Tristan, der jedoch einen Makel hat, der ihn mir so sympathisch gemacht hat.

Langer beschreibt Berlin (Germania) und auch Orte wie Oxford in einer modernen, aber auch alten Zeit. Mir haben diese Beschreibungen der Umgebung und der Gebäude sehr gefallen. Die Physik war keinesfalls verwirrend geschrieben, sondern gut und verständlich erklärt. Auch das Paradoxon kommt keinesfalls zu kurz. Den Leser erwartet hier jedoch keinesfalls eine trockene Mischung aus Geschichtsstoff und Stephen Hawking, sondern eine gut ausgeklügelte und spannende Handlung.

Ein wenig verwirrend mag sein, dass sein Protagonist in einem klar strukturieren und stengen deutschen Reich Frank Miller heißt. Mein Mann hatte hierzu den Hinweis, dass es sich um eine Hommage an den Zeichner (von u.a. Sin City) Frank Miller handeln mag.

Ich hatte besonderen Spaß an der Stelle, an der Frank und Tristan in das Berlin der heutigen Zeit kommen, also sich in unserem Zeitstrang dort aufhalten. Dieser „Kulturschock“ war wirklich toll und der anschließende Bericht der beiden an ihre Freunde ebenso gut gelungen! Diese Stellen musste ich tatsächlich gestern abend laut vorlesen 🙂

Das Buch wurde vom Verlag als Taschenbuch publiziert (ich habe die Printausgabe gelesen) und wäre die Schrift nicht so klein gewesen, hätte es mir und meinen Augen besser gefallen. Gefühlt ist der Text in einer 8er Schriftgröße gedruckt. Leider achten viele kleine Verlage darauf, Seiten einzusparen. Dafür hat das Buch jedoch nach der Lektüre keinerlei Knicke im Buchrücken, was ich wiederum positiv werte. Ich möchte auch ungern den Autor in meiner Bewertung dafür „strafen“, dass der Verlag evtl. gespart hat.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für diesen spannenden Steampunkroman. Geschichte und Physik, das Thema Parallelwelten und die eventuelle Korrektur der Zeitlinien sind in einem sehr guten Schreibstil, einer spannenden, verzwickten Handlung und mit überzeugenden Charakteren zu einem guten Ganzen verbunden. Hier gebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung!

.

© Buchwelten 2014