Die schwedischen Gummistiefel von Henning Mankell

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Gummistiefel

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Zsolnay Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis: 26,00 €
ISBN: 978-3-552-05795-1
Kategorie: Roman

Fredrik Welin lebt nach wie vor allein und recht einsam auf seiner Insel im Schärengarten. Dort lebt er im vererbten Haus seiner Großeltern mehr oder weniger wie ein Einsiedler, seit ihm als brillanter Chirurg ein Kunstfehler unterlieft.

Zwar hat er vor einigen Jahren unerwarteten Besuch auf seiner Insel erhalten, als seine verflossene Liebe urplötzlich mit ihrem Rollator auf dem Eis stand und in den nachfolgenden Monaten u.a. erfahren, dass er eine erwachsene Tochter hat. Doch letztendlich ist es wie es ist. Fredrik lebt allein in seinem Haus.

Eines Abends erwacht Fredrik durch einen hellen Schein und große Hitze. Als er begreift, dass sein Haus in Flammen steht, rennt er sofort nach draußen und es bleibt ihm nicht mehr, als ein Paar ungleiche Gummistiefel, dem Wohnwagen seiner Tochter, ein Boot und ein Zelt. Er ist geschockt, vor allem als in Erfahrung gebracht wird, dass es sich offensichtlich um Brandstiftung handelt und er sogar selbst in den Verdacht gerät, das Feuer gelegt zu haben.

Die Journalistin Lisa Modin entwickelt sich für Fredrik zu einer wichtigen, aber seltsamen Freundin. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, sogar körperlich. Dann ist da nach wie vor der Postbote Jansson, mittlerweile pensioniert, und einige wenige Menschen, zu denen er auf dem Festland Kontakt hält.

Als Louise in Paris, wo sie lebt, in Schwierigkeiten gerät, da sie wegen Taschendiebstahls im Gefängnis sitzt, ruft sie ihren Vater zu Hilfe. Der macht sich auf den Weg, um seiner Tochter zur Freiheit zu verhelfen. Louise ist schwanger und letztendlich erhofft sich Fredrik auch, dass er seine Tochter ein bisschen besser kennenlernt und vielleicht auch ein wenig mehr Einblick in ihr Leben erhält.

Während seiner Reise nach Paris steht ein weiteres Haus in seiner Nachbarschaft in Flammen. Der Verdacht fällt zwar nun von ihm selbst ab, doch dennoch bleibt die unheimliche Frage offen: Wer tut sowas? Wer steckt Häuser in Brand und nimmt in Kauf, dass die Bewohner ums Leben kommen? Es kann doch nur jemand aus dem kleinen Kreis der Bewohner des Schärengarten sein ….

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Dieser Roman ist eine Fortsetzung des Romans „Die italienischen Schuhe“, den ich erst kürzlich gelesen und hier rezensiert habe (dennoch kann die Geschichte auch problemlos allein gelesen und verstanden werden). Einige Jahre sind vergangen, doch eigentlich hat sich nichts verändert. Wir kennen inzwischen die agierenden Personen gut und ich habe mich gefreut, dorthin zurückzukehren. Der Titel ergibt genauso viel Sinn wie der der Vorgeschichte, denn die schwedischen Gummistiefel spielen für den Protagonisten eine nicht unerhebliche Rolle.

Wieder habe ich Parallelen zum wirklich Leben von Henning Mankell erkannt, da ich sein vorletztes Buch „Treibsand“ auch erst kürzlich gelesen habe. Da dieses Buch von seinem realen Leben handelt, habe ich natürlich bemerkt, wenn er Figuren etwas erleben ließ und /oder Orte aufsucht, die er selbst besucht hat. Das hat mir sehr gut gefallen.

Überhaupt habe ich bei seiner Hauptfigur Fredrik Welin immer Henning Mankell selbst vor Augen. Denn er selbst schaut auf dem Autorenfoto seiner letzten Einbände auch sehr nachdenklich, melancholisch, ja, beinahe traurig in die Kamera.

Fredrik wirkt auch sehr in sich gekehrt, verschlossen und einsam. Das war Mankell vielleicht nicht, wobei er soviel in diesen Protagonisten gelegt hat, dass eigentlich ein gutes Stück selbst mit eingeflossen sein kann.

Dieser letzte Roman beschäftigt sich viel mit dem Älterwerden, was eindeutig ätzend ist und viele Gedanken nach sich zieht. Wer ist mir wichtig, was möchte ich noch (einmal) erleben? Kann ich mich noch einmal verlieben oder hingeben?

Vertrauen, Misstrauen, Freundschaft und Enttäuschung spielen genauso eine Rolle wie Wutausbrüche und Anfälle von Eifersucht und Neid. Aber natürlich hat der Roman durch die Brände auch einen guten kriminalistischen Touch, der zum Mitermitteln anregt.

Kurzum: dieser Roman ist leise, still und sehr stimmungsvoll. Dennoch gewaltig und so umfassend wie das Leben selbst. Top! Ruhe in Frieden, Henning Mankell. Ihre Gedanken, Erinnerungen und Einstellung bleiben uns wenigstens erhalten, da Sie sie für uns aufgeschrieben haben.

© Marion Brunner für Buchwelten 2018

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Die unsichtbare Brücke von Julie Orringer

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Verlag Kiepenheuer & Witsch
insgesamt 832 Seiten
Preis: 24,90 €
ISBN: 978-3-462-04300-6

Im Jahre 1837 macht sich der junge Ungar Andras Lévi auf den Weg nach Paris, um Architektur zu studieren. Schon bald lernt er die attraktive und etwas ältere Claire Morgenstern kennen, in die er sich unsterblich verliebt. Das Leben könnte nicht schöner für Andras sein, bis dann der  Krieg ausbricht und die Zukunft der Liebenden zunichte macht. Doch sie geben nicht auf und halten aneinander fest. Selbst schwerste Prüfungen vermögen ihre Liebe nicht zu zerstören, selbst ein dunkles Geheimnis aus Claires Vergangenheit wirft Andras nicht aus der Bahn. Doch keiner der beiden hat mit der brutalen Härte des Krieges gerechnet …

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Orringers Familiendrama hat mich mit seinen epischen Ausmaßen vollkommen überzeugt. Zum einen grandios recherchiert, zum anderen dermaßen gefühlvoll und einfühlsam geschrieben, dass man sich schwerlich von der Geschichte losreißen kann. Wie sich sowohl die Liebesgeschichte als auch die Entstehung des Zweiten Weltkriegs langsam entwickeln ist schon ein Meisterwerk. Oft fühlte ich mich an Thomas Manns „Buddenbrooks“, Leopold Ahlsen fantastische Familiengeschichte „Die Wiesingers“ oder auch „Ein Mann will nach oben“ von Hans Fallada erinnert. Doch Orringer geht einen vollkommen eigenständigen Weg. Mit ihrem wunderschönen Schreibstil nimmt sie den Leser schon nach wenigen Seiten mit auf eine unvergessliche Reise, die sich unbarmherzig ins Gedächtnis brennt. Es sind sowohl die verträumt zarten Liebesszenen, die einen nicht mehr loslassen, als auch die brutalen und ungerechten Passagen des Krieges, die aber immer sehr zurückhaltend und niemals aufdringlich schockierend beschrieben werden.

Orringer überlässt geschickt dem Leser das Grauen, das sie nicht beschreibt, das aber sehr wohl zwischen den Zeilen steht. Das ist grandios und lässt mich sofort wieder ins Schwärmen geraten. Die Tragödie wechselt beeindruckend zwischen unendlich großer Zufriedenheit der Protagonisten zu düsteren Kriegsschauplätzen, die einem Gänsehaut verursachen. Man spürt die Hoffnung der Personen, als sei es eine wahre Geschichte (und wenn ich das Nachwort richtig verstehe, ist an diesem Roman auch ein klein wenig Familiengeschichte der Autorin verbaut). Das Buch hat mir enorm gut gefallen und mich stark beeindruckt. Am Ende erging es mir ähnlich wie bei Tad Williams‘ „Otherland“-Saga oder Tolkiens „Der Herr der Ringe“: ich war einfach nur traurig, all die Personen und Schauplätze aus der Vergangenheit verlassen zu müssen. Zu gerne hätte ich noch mehr Zeit mit Andras und Claire verbracht …

Aber leider enden auch gute, dicke Bücher irgendwann einmal. Ich hoffe wirklich, dass Julie Orringer bald ein neues Buch auf den Markt bringt, denn dann ist es defintiv meins. 🙂

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Fazit: Episch und emotional, hoffnungsvoll und beklemmend. Eine unmögliche Liebe, die den Wirren und Schrecken des Zweiten Weltkriegs standhalten muss. Für Liebhaber von Familendramen unbedingte Leseempfehlung!

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Entdeckung des Hugo Cabret von Brian Selznick

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Erschienen als Broschur
im cbj Verlag
insgesamt 544 Seiten
Preis: 12,95 €
ISBN: 978-3-570-22118-1
Kategorie: Jugendbuch

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Hugo Cabret lebt nach dem Tod seines Vaters verborgen in den Gemäuern des Pariser Bahnhofs. Eigentlich hätte der Onkel auf den Waisenjungen aufpassen sollen, doch auch der stirbt und so hütet Hugo seine geheime Existenz und wartet alle Uhren des Bahnhofs, um den Anschein zu erwecken, sein Onkel, dem eigentlich die Aufgabe oblag, auf die Bahnhofsuhren aufzupassen, wäre noch am Leben. In seiner Freizeit versucht Hugo an einem geheimnisvollen Schreibautomaten, einem mechanischen Mann, zu basteln, an dem schon bereits sein Vater gearbeitet hatte. Hugo denkt, wenn er den Apparat zum Laufen bekommt, bekommt er vielleicht eine geheime Botschaft seines verstorbenen Vaters. Und dann wird Hugo plötzlich von einem Mädchen entdeckt. Gemeinsam finden sie auf einmal heraus, dass der Automat, der Vater des Mädchens und ein geheimnisvolles Notizbuch, das Hugo von seinem Vater bekommen hatte, miteinander zusammenhängen und einen Weg zu einem Geheimnis weisen, das in der Vergangenheit liegt …

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Brian Selznick hat mit seinem Buch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ein Experiment gewagt, das ein voller Erfolg für den Leser geworden ist. Selznick erzählt seine Geschichte nicht nur mit Worten sondern auch mit einer Vielzahl von Bildern. Diese Mischung aus Roman und Daumenkino verleiht dem Leser eine völlig neue Erfahrung in der Literatur. Man liest und sieht zwischendurch Passagen der Story sozusagen als Kinofilm. Es ist einfach wunderbar, in diese Geschichte einzutauchen.

In einem zwar einfachen, aber keinesfalls minderwertigen, Schreibstil lässt uns Selznick an der Gefühlswelt seines jungen Protagonisten teilhaben und entführt den Leser in eine Welt, in der das Kino noch etwas Außergewöhnliches und Visionäres war, das die Träume der Menschen zu bewegten Bildern machte. Melancholisch, aber niemals traurig, verschleppt uns Selznick in eine magische Welt, die wir durch seinen Text und die hervorragenden Bilder durch die Augen eines Kindes sehen. Was der Autor zwischen zwei Buchdeckeln versteckt hat, ist grandios und beeindruckend, lässt uns zu staunenden Kindern werden, die in einer eigenen Welt leben und dennoch an der der Erwachsenen teilhaben wollen.

Gerade die Einfachheit der Geschichte ist es wohl, die einen nachhaltig beeindruckt und nachdenklich beziehungsweise auf gewisse Art und Weise glücklich macht. „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ist ein durch und durch gelungenes literarisches und künstlerisches Projekt geworden, das mit Sicherheit Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern vermag. Altmodisch und gleichzeitig innovativ legt Selznick ein Buch vor, das zum Klassiker werden könnte (und hoffentlich auch wird!).

Ich werde mir auf jeden Fall noch weitere Bücher dieses Autors  und Künstlers zulegen.

Vielleicht noch eine kleine Anmerkung zur Verfilmung des Buches durch Martin Scorsese: Besser hätte man die Vision und den Geist des Buches nicht umsetzen können. Scorsese hat auch mit seinem Film ein Meisterwerk geschaffen.

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Fazit: Innovativ und in seiner bildlichen Ausdrucksweise (Sprache und Zeichnungen vermischen sich in einer einzigartigen Weise zu einer Handlung) einzigartig. Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden dieses Buch auf verschiedene Weisen lieben. „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ ist ein Roman, der im Gedächtnis haften bleibt, als hätte man einen Kinofilm gesehen. Volle Punktzahl!

© 2015  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Haus der verlorenen Düfte von Melisse J. Rose

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Erschienen als Klappenbroschur
bei Rütten & Loening (Aufbau)
insgesamt 496 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-352-00840-5
Kategorie: Erzählung

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Die Geschwister Jac und Robert L’Etoile versuchen die Parfümerie, die sich seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindet, zu retten. Ihr Vater ist schwer an Alzheimer erkrankt und hat in den letzten Jahren mehr Chaos und Durcheinander verursacht, als Parfüm zu kreieren.

Robert ist der diejenige, der die Arbeit in der Parfümerie weiterführen will und während er versucht, das Chaos in der Werkstatt zu beseitigen, findet Robert ein zerbrochenes Tongefäß, von dem ein betörender Duft ausgeht. Es scheint sich hier um ein uraltes Artefakt aus Ägypten zu handeln, dass der Vorfahr Giles L’Etoile im Jahre 1799 bei einer Grabexpedition gefunden hat. Dieses Gefäß lag im Grab zweier Liebender, die gemeinsam mumifiziert waren. Der Duft sollte ihnen offensichtlich helfen, einander im nächsten Leben wiederzufinden.

Robert will das Rätsel nicht nur lösen, sondern auch versuchen, den Duft zu entschlüsseln, denn der scheint beim Einatmen eine besondere Wirkung zu entfalten: Die Person verfällt in eine Art Trance und sieht Erinnerungen an sein vorheriges Leben.

Jac, Roberts Schwester, glaubt nicht an diesen Hokuspokus. Auch wenn sie immer schon die feinfühligere der beiden war und die besonders feine Nase der Parfümeure geerbt hat, will sie von diesen Dingen nichts wissen. Sie lebt mittlerweile in den USA und ihr Beruf ist es, Mythen aufzudecken und logisch zu erklären. Jac will unbedingt zwei der Klassiker aus dem Hause L’Etoile verkaufen, um die Parfümerie vor dem Bankrott zu retten.

Offensichtlich haben auch andere Personen Interesse an dem uralten Artefakt. Denn plötzlich verschwindet Robbie aus der Werkstatt der Parfümerie und ein toter Mann liegt darin. Jac reist aus Amerika zurück in ihre Heimat Paris. Gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Griffin, der vor dem Verschwinden Robbies mit der Übersetzung der Hieroglyphen auf dem Tongefäß beschäftigt war, versucht Jac ihren Bruder zu finden. 

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Das Buch habe ich zum Indiebookday gekauft und wurde positiv überrascht. Die Geschichte um die Parfümerie L’Etoile hat mich nicht nur in die Welt der Düfte und Rezepturen von Parfüms entführt, sondern mich ins alte Ägypten reisen lassen und mir einiges über die buddhistische Religion und deren alte Riten beigebracht.

Die Autorin beginnt mit Giles L’Etoile, der im Jahre 1799 in einer Grabkammer in Alexandria, in der der Urahn besagtes Tongefäß mit dem betörenden Duft entdeckt. An seiner Seite war niemand geringerer als Napoleon.

Dann springt sie innerhalb mehrerer Handlungsstränge hin und her (Peking, USA, Paris), die sich im Laufe des Romans jedoch immer mehr zusammenfügen und auch logisch er- und aufgeklärt werden.

In einem guten Schreibstil entführt Melisse J. Rose die Leser in die Welt der Düfte und lehrt sie vieles über die Herstellung von Parfüms. Im angehängten Glossar gibt es gute und ausführliche Erklärungen zu spezifischen Begriffen, die sich nicht nur auf Düfte beziehen, sondern auch auf Reinkarnation, Karma, u.v.m.

Auch wenn der Roman eine Liebesgeschichte beinhaltet, ist diese eigentlich eher nebensächlich. Vielmehr geht es um Rätsel und Geheimnisse der Vergangenheit. Um die Jagd nach einer Rezeptur, die Flucht vor unerbittlichen Verfolgern, den Zusammenhalt zwischen Geschwistern und natürlich immer wieder um Düfte.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für diesen Roman, der, rasant und spannend geschrieben, in eine besondere Welt der Düfte entführt und den Leser auf eine Reise ins alte Ägypten und  heutige Paris mitnimmt. 

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© Buchwelten 2013

Das geheime Prinzip der Liebe von Hélène Grémillon (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
bei Hoffmann und Campe
256 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-455-40096-0

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Der Roman erzählt die Geschichte von Camille, einer Verlegerin in Paris im Jahre 1975. Gerade ist ihre Mutter bei einem Autounfall gestorben, was sie sehr traurig macht, denn sie hatte ein sehr inniges Verhältnis zu ihr. Außerdem ist Camille schwanger und diese Zeit hätte sie natürlich gerne mit ihrer geliebten Maman geteilt.

Zwischen den vielen Kondolenzschreiben, die Camille erhält – und grösstenteils nicht einmal durchliest – findet sich ein Brief, der sich von den anderen direkt abhebt. Es ist ein langer Brief, ohne Anrede und unterzeichnet von einem gewissen Louis, einem Mann den Camille überhaupt nicht kennt.

Er erzählt ihr seine Lebensgeschichte, beginnend in frühester Kindheit, wie er im kleinen Ort N. das Mädchen Annie kennenlernt, die ihn in seinem Herzen sein gesamtes weiteres Leben begleiten soll. Camille ist gleichzeitig gefesselt, verwirrt und sehr neugierig was es mit dem Schreiben auf sich hat. Hat dies einer ihrer Autoren geschrieben um sich einen Scherz zu erlauben? Oder ist es die Anfrage für einen neuen Roman von jemandem, der sich nur durch eine ausgefallene Art und Weise, sein Manuskript einzureichen, Erfolg verspricht?

Im Abstand von eingen Wochen kommen immer neue Briefe von Louis und erzählen seine Lebens- und Liebesgeschichte zu Annie weiter. Schreibt wie Annie sich entschieden hat, für ihre Gönnerin Madame M. ein Kind für sie auszutragen, da sie selber unfruchtbar ist. Soviel hat Madame M. für Annie getan, ihre Malerei unterstützt und Annie selber will sowieso nie eigene Kinder. Er erzählt, wie Annie mit ihr nach Paris geht, seine grosse Liebe im Laufe der folgenden Kriegsjahre aus den Augen verliert und plötzlich wiederfindet.

Camille ertappt sich dabei, dass sie mittlerweile auf die Briefe des geheimnisvollen Louis wartet, weil sie wissen muss wie die Geschichte um Annie und ihn weitergeht. Ausserdem beschleicht sie eine Ahnung, dass sie selbst vielleicht ein Teil dieser vielen beschriebenen Seiten ist ….

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Ich lese ja generell Romane quer durch alle Genres und daher auch immer mal wieder gerne eine schöne Liebesgeschichte, wenn sie denn nicht trieft vor lauter gespielter Emotionen … 

Bei diesem Roman hat mich zuallererst das Cover angesprochen, daher kann ich dann gleich mit dem Erscheinungsbild des Buches anfangen. Das Cover ist schwarz-weiss und nur durch den dunkelroten Regenschirm farbig aufgelockert. Das Kopfsteinpflaster, die Schuhe der alten Zeit und die nicht erkennbaren Personen unter dem Schirm: das hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen und mich die Inhaltsangabe lesen lassen.
Die hat mich dann letztendlich überzeugt und meine Neugier war komplett geweckt, sodass ich das Buch bestellt habe.

Die Autorin hat eine ruhige, schöne Stimmung geschaffen, auch wenn die Umstände der Handlung oft auch sehr dramatisch waren. Der Schreibstil ist sehr angenehm und hat mich überzeugt. Sie hat die Gefühle ihrer Protagonisten erstaunlich gut in Worte fassen können. Hier meine ich nicht nur die Liebe, die natürlich auch eine grosse Rolle spielt, auch schlechte Gefühle und Eigenschaften wie Hass, Rachsucht, Wahnvorstellungen und extreme Verlustängste hat sie in ihrer Figur Madame M. fantastisch ausgearbeitet. Die Hintergründe für deren teilweise hinterlistiges, bösartiges Handeln und Lügen waren so verständlich und überzeugend, dass der Leser all dies sehr gut nachvollziehen konnte.

Die Handlung beginnt im Jahre 1975 nach dem Tod von Camilles Mutter. Die Passagen der Briefe von Louis bilden eigene Kapitel, die uns zurück in die Vergangenheit bringen. Hier spielt sich viel in dem kleinen malerischen Ort N. ab und da diese Kapitel sich wie Louis‘ eigene Berichte lesen, hatte ich das Gefühl in einem Tagebuch zu stöbern und fühlte mich in die damalige Zeit zurückversetzt.

Im letzten Drittel des Romans wird die Geschichte noch einmal erzählt, aber aus der Sicht einer anderen Person. Eigentlich ein einfaches Prinzip: Jede Geschichte hat zwei Seiten und das war absolut interessant umgesetzt.

Natürlich war das Ende oder die Lösung von Anfang an absehbar, doch die Autorin hat zum Schluß noch eine kleines Highligt eingebaut, das ihr gelungen war. Ich hatte es vermutet und es gefiel mir gut.

Was noch erwähnenswert ist: Die Haupthandlung der Jetztzeit um Camille ist komplett kursiv und die Passagen von Louis‘ Briefen und Berichten dann in normaler Schrift gedruckt. Anfangs fand es etwas gewöhnungsbedürftig, sind doch sonst eher die Rückblenden dann schriftbildlich vom restlichen Text abgehoben, doch nachher ging es gut.

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für eine ruhige Liebesgeschichte, die sich nicht auf eine Handlungszeit bezieht und Einblicke in das Gute und Böse der Menschen gibt. Eine angenehme Leseatmosphäre und eine Handlung in die man sich fallenlassen kann. Mir hat das Buch gefallen und ich werde gewiß weiteres von der Autorin lesen, wenn mir nach ruhiger Stimmung ist.

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Ich danke Amazon und Hoffmann und Campe für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2012