Der Raum von Peter Clines

Der Raum von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 590 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31642-3
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Als Nate Tucker in seine neue Wohnung einzieht, bemerkt er schon nach wenigen Tagen, dass etwas nicht stimmt: Türen lassen sich nicht öffnen und seltsame grüne Kakerlaken befinden sich in der Küche. Als er dann die Wohnungen von seinen Nachbarn zu sehen bekommt, stellt er fest, dass deren Ausmaße überhaupt nicht zum gesamten Haus passen. Schon bald beginnt ein unheimlicher Albtraum, bei dem es um die Rettung der gesamten Menschheit geht …

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Wie schon bei „Der Spalt“ liefert Clines einen hervorragenden und sehr stimmungsvollen Einstieg in seine Geschichte. Man fühlt sich als Leser sofort wohl mit dem Protagonisten und begleitet diesen neugierig durch seine neue Wohnung und das dazugehörige Haus. Es wirkt alles mysteriös und erinnert desöfteren an den grandiosen Roman „Das Haus“ von Mark Z. Danielewski. Aber auch an „Sliver“ von Ira Levin.
Man fiebert mit und kann kaum erwarten, wie es weitergeht, obwohl gar nicht so sonderlich viel passiert. Aber gerade diese ruhige Atmosphäre, mit der Peter Clines beginnt, macht den besonderen Reiz solcher Geschichten aus, denen man sich schwer entziehen kann. Alles wirkt glaubhaft und realistisch, obwohl alles dennoch von einem permanenten Hauch mystischer Rätsel umwoben ist. Als sich dann die Hausbewohner kennen lernen, sieht man die Treffen und Gespräche, die auf dem Hausdach stattfinden, wie einen Film vor sich. Wie gesagt, der Anfang des Romans ist absolut gelungen.

Doch leider passiert bei „Der Raum“ genau das gleiche wie bei „Der Spalt“: In der zweiten Hälfte entwickelt sich der Plot zu einem übertriebenen Action-Kracher, der die vorhergehende Handlung mit einem Schlag unglaubwürdig wirken lässt. Das liegt aber keinesfalls an der gelungenen Hommage an einen der Altmeister der Horrorliteratur, H.P. Lovecraft, sondern eher am übertrieben aufgesetzten Spannungsbogen, der wohl wieder einmal alles bisher dagewesene übertreffen soll. Hätte Clines den ruhigen Weg, wie in der ersten Hälfte des Buches, weiter eingeschlagen, wäre ein fantastischer Mystery-Thriller zustande gekommen, der noch dazu eine wirklich gute Idee im Lovecraft’schen Sinne vorweisen kann. So aber quält man sich eher durch die actiongeladenen Spannungssequenzen der zweiten Hälfte und möchte nur noch erfahren, wie es ausgeht. Wie gesagt, der Plot an sich ist wirklich gut und ideenreich, aber die Umsetzung funktioniert leider nur in der ersten Hälfte. Schade, denn das hätte durchaus ein kultiger Pageturner werden können.

Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen, wobei auch hier auffällt, dass sich in der zweiten Hälfte bedeutend mehr umgangssprachliche „Ausrutscher“ und platte Witze verbergen als im ersten Teil. Das Ende wirkt wie der Film „Zathura“, nur bei weitem nicht so überzeugend. Zu viele Versatzstücke aus anderen Büchern oder Filmen kommen beim Finale zum Tragen und erdrücken den Kern der ursprünglichen Geschichte. „Der Raum“ ist gute, stimmungsvolle Unterhaltung in der ersten Hälfte und klamaukartiges Action-Feuerwerk in der zweiten Hälfte. Die vielen versteckten oder auch offensichtlichen Anspielungen auf H.P. Lovecraft und andere Bücher/Filme machen ungemein Spaß. Aber diese erfrischenden Einschübe hat Clines bereits auch in „Der Spalt“ praktiziert.
Peter Clines wird seine Anhänger finden, davon bin ich überzeugt, denn schreiben kann er, aber mich hat er mit dem Ende noch mehr enttäuscht wie bei „Der Spalt“. Dennoch ist ihm ein sehr rasanter und spannender Roman gelungen, der mich, wie schon bei „Der Spalt“, auf ein neues Werk neugierig macht, denn gute und fantastische Ideen hat Clines allemal.

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Fazit: Anfangs stimmungsvoll und überzeugend, endet der Plot leider in einem übertriebenen Action-Feuerwerk. Dennoch lesenswerter Mystery-Thriller.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Der Spalt von Peter Clines

Der Spalt von Peter Clines

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne-Verlag
insgesamt 526 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31705-5
Kategorie: Thriller, Science Fiction

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Einem Team von Wissenschaftlern ist es gelungen, Menschen zu teleportieren. Damit das Experiment genügend finanzielle Mittel bereitgestellt bekommt, wird Mike Erikson als Beobachter und Berater eingesetzt, um die Geldspritzen zu rechtfertigen. Je mehr Erikson sich mit dem Experiment beschäftigt, desto schlimmer werden seine Vermutung, dass durch das Portal unheimliche Dinge geschehen.

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Peter Clines Wissenschafts-Thriller beginnt tatsächlich wie ein Roman aus der Feder von Michael Crichton. Von der ersten Seite an hat mich der Plot um das Teleportations-Portal in den Bann gezogen und ich musste mich schwer beherrschten, das Buch nicht in einem Rutsch durchzulesen. Clines schafft eine hervorragende Abenteuer-Stimmung, die einen nicht mehr loslässt. Man kann es kaum erwarten, wie die Geschichte weitergeht und wie sich die Personen entwickeln. Denn auch die Charakterzeichnungen, die Clines seinen Protagonisten aufdrückt, sind interessant, liebenswert und vor allem sehr menschlich, wenngleich sie nicht sehr in die Tiefe gehen. Aber das macht gar nichts, denn der Plot treibt den infizierten Leser voran, der sowieso nicht auf solche „Kleinigkeiten“ achten würde.

Der Schreibstil ist klar, flüssig und einfach gut zu lesen. Man fühlt sich, als wäre man direkt bei den beschriebenen Ereignissen mit dabei. Hin und wieder fühlt man sich eine Folge von Akte X erinnert, oftmals dachte ich aber an „Prey – Beute“ von Michael Crichton oder David Cronenbergs Kultfilm „Die Fliege“. Peter Clines ist Filmfan und bringt oft Anspielungen auf Klassiker an, die fast jeder kennen dürfte. Gerade das macht die Protagonisten so authentisch, weil sie sich nicht in einer Fantasywelt bewegen, sondern in der Realität, wie wir sie eben auch kennen. Aber das trifft leider nur auf die ersten beiden Drittel des Romans zu.

Anscheinend wollte Clines ein furioses, actionreiches Finale hinzaubern und lässt dadurch die Handlung in ein nicht mehr allzu glaubwürdiges Szenario abfallen, auf das man besser verzichtet hätte. Es wird unheimlich, apokalyptisch und fantastisch. So manches Mal fühlte ich mich da in die Verfilmung aus dem Jahre 2002 von H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ versetzt. Die Entwicklung der Handlung war durchaus spannend und interessant, aber sie passte für mich einfach nicht zu den Anfängen der Geschichte. Klar liest sich auch im Finale „Der Spalt“ noch wie ein echter Pageturner und man sieht die beschriebenen Szenen wie einen CGI-kreierten Blockbuster vor seinem inneren Auge. Aber die Glaubwürdigkeit der ersten beiden Drittel leidet durch das aufgemotzte Finale sehr. Nichtsdestotrotz ist „Der Spalt“ ein echter Pageturner, der einen von Anfang an mitreißt und nicht mehr loslässt. Die Story wird filmreif, also sehr bildlich, beschrieben. Ich bin schon sehr auf Clines‘ neuen Roman mit dem Titel „Der Raum“ gespannt.

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Fazit: Ein Roman wie eine Achterbahnfahrt, der einen nicht mehr loslässt. Was als Wissenschaftsthriller a la Michael Crichton beginnt, entwickelt sich gegen Ende hin allerdings in eine völlig andere Richtung, nämlich zu einem Blockbuster ähnlichen Science Fiction-Fantasy-Mix mit Monstern.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten