Das Arkonadia-Rätsel von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
544 Seiten
15,00 €
ISBN: 978-3-492-70426-7

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Jasper und seine Tochter Jasmin sind im Auftrag von Omni, einer Vereinigung von mächtigen Zivilisationen der Milchstraße, unterwegs zum Planeten Arkonadia. Dort taucht alle 453 Jahre ein seltsames Objekt, das Nerox, genannt wird auf und verhilft demjenigen, der es betreten kann, zu großer Macht über Arkonadia. Doch mit dem Erscheinen des Nerox geht es nicht nur um Macht über den Planeten Arkonadia, sondern das Objekt verbirgt ein Geheimnis, das eine Milliarde Jahre lang verborgen war und nun endlich gelöst werden soll.

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Wie bei jedem neuen Buch von Andreas Brandhorst schwelt im Hinterkopf der Gedanke, ob er es auch dieses Mal wieder schafft, die hohe Meßlatte, die er sich selbst mit seinen bisherigen Romanen gesetzt hat, zu erfüllen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten war mir klar, dass es ihm gelungen ist.
Auf faszinierende Weise schafft es Brandhorst erneut, seine Leser mit seiner bildhaften Erzählweise und dem hochwertigen Schreibstil in seinen Bann zu ziehen. Und wieder begegnet der aufmerksame Leser eine Vielzahl an Anspielungen der Film- und Literaturwelt, die so geschickt in die Handlung einbezogen werden, dass es eine wahre Freude ist. „Das Arkonadia-Rätsel“ schließt an die Handlung von „Omni“, dem ersten Roman aus dem Omniversum an, kann aber auch ohne weiteres als selbständiges Werk gelesen werden. Besitzt man allerdings das Vorwissen des ersten Teils, haben die Geschehnisse dennoch eine andere (bessere) Wirkung. Brandhorst bleibt sich treu, webt philosophische Überlegungen in den Plot, das man eigentlich nur begeistert sein muss. Ähnlich wie ein anderer meiner SF-Lieblingsautoren, nämlich Stephen Baxter, führt Andreas Brandhorst seine Leser an Grenzen (und sogar darüber hinaus), die manchmal das menschliche Vorstellungsvermögen überschreiten, aber trotzdem dermaßen bildlich beschrieben werden, dass diese Szenen fast schon einem literarischen Drogenrausch gleichen. Es ist wirklich unglaublich, wie dieser Autor galaktische Grenzen mit faszinierenden Ideen überschreitet – und dies auch noch nachvollziehbar erzählen und erklären kann.

Zwei Handlungsstränge vereinigen sich im Laufe des Romans. Dadurch schafft Brandhorst wieder einmal einen regelrechten Pageturner, denn ich wollte immer wissen, wie es in der anderen Geschichte weitergeht. Der Plot zeigt auch immer wieder überraschende Wendungen (vor allem gegen Ende) und schraubt die Spannungsschraube gleichmäßig im Verlauf der Handlung nach oben. Aber gerade die teils ruhige, melancholische Stimmung dieses Romans war es, die mich besonders faszinierte. „Das Arkonadia-Rätsel“ ist, wie der erste Star Trek-Kinofilm, ein beeindruckender, oftmals stiller Trip an den Rand der Milchstraße, die man nicht so schnell vergisst. Und obwohl keine Oder nur wenige) Weltraumschlachten á la Star Wars vorkommen, hat man am Ende das Gefühl, einer epischen Reise beigewohnt zu haben.

An einigen Stellen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Brandhorst sich auch einmal in Richtung Steampunk austoben wollte. Besagte Stelle erinnerte mich auch irgendwie an Stephen Kings Zyklus vom „Dunkeln Turm“. Ob das beabsichtigt ist, kann ich schwer beurteilen. Sollte es allerdings so sein, dann kann ich nur sagen „Hut ab, Herr Brandhorst.“ 🙂
An Ideenreichtum mangelt es auch dem neuen Buch aus dem Omniversum auf keiner einzigen Seite. Und auch die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren ist auf hohem Niveau durchdacht. Doch selbst den Nebenfiguren wurde erfreulicherweise „echtes“ Leben eingehaucht und hat zur Folge, das man mit ihnen mitfühlt und -fiebert.
Andreas Brandhorst schafft auch mit seinem neuen Buch, was andere Autoren zwar versuchen, aber oftmals einfach nicht in dieser Art hinbekommen: Spannung, Liebe, Philosophie, Intrigen, das Leben und der Tod in eine faszinierende Geschichte zu verpacken. Brandhorsts Romane machen süchtig. Nun muss man erst einmal wieder warten, bis neuer Lesestoff vom deutschen Meister der intelligenten, literarisch hochwertigen Science Fiction kommt.

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Fazit: Spannung und Philosophie in eine atemberaubende Handlung verpackt. Kultpotential mit Suchtgefahr.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Omni von Andreas Brandhorst

omni

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 560 Seiten
Preis:  15,00  €
ISBN: 978-3-492-70359-8
Kategorie: Science Fiction

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Omni ist ein Zusammenschluss von Superzivilisationen, der Macht über die Milchstraße besitzt. Der Zehntausendjährige Aurelius, geboren auf der mittlerweile legendären Erde, arbeitet für Omni und erhält einen Auftrag, bei dem er verhindern soll, dass ein geheimnisvolles Artefakt, das an Bord eines im Hyperraum gestrandeten Raumschiffs gefunden wurde, in falsche Hände gerät. Doch es sind bereits weitere Interessierte dem Wrack auf der Spur. Der Agent Forrester und seine Tochter Zinnober zum Beispiel sollen den Fund bergen und dazu auch noch Aurelius entführen. Denn wie es scheint könnte mit seiner Hilfe das Artefakt aktiviert und zu einer mächtigen Waffe umfunktioniert werden. Schon bald sehen sich Aurelius, Forrester und Zinnober einem Komplott gegenüber, das die Zukunft der ganzen Menschheit bedrohen könnte …

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„Are you sitting comfortably?“ fällt mir bei dem neuen Roman von Andreas Brandhorst nur ein. Denn wenn man sich sein neues Werk zu Gemüte führen will, sollte man es sich tatsächlich bequem machen, weil … nun ja, die Geschichte lässt einen einfach nicht mehr los.
„Omni“ ist eine Science Fiction-Achterbahnfahrt und ein Pageturner, wie er besser nicht sein könnte. In gewohnt gehobenem und äußerst edlem Schreibstil entführt Brandhorst den Leser erneut in ein Universum voller Wunder, Gefahren und auch Emotionen. Mit einer unglaublichen Akribie entwirft der Autor Welten, die durch detaillierte Erklärungen absolut glaubwürdig wirken und den Leser genauso wie die Protagonisten faszinieren. „Omni“ ist laut Brandhorst auch eine Hommage an die wunderbare Schriftstellerin Ursula K. LeGuin und den Filmemacher George Lucas. Und in der Tat, wer sich mit dem Gesamtwerk dieser beiden Künstler beschäftigt hat, wird die diversen Anspielungen entdecken und eine wahre Freude daran haben.

Die Story und das entworfene Universum lässt Spielraum für unzählige Abenteuer, was wohl von Andreas Brandhorst auch so gedacht ist. 😉 Ich bin ziemlich sicher, dass uns noch einige Geschichten aus dem „Omni-Versum“ beschert werden. Der Plot rast nur so dahin und erinnert oftmals an Science Fiction-Filme aus den 70er und 80er Jahren. Geschickt vermischt Brandhorst ein spannendes Abenteuer mit hintergründiger Philosophie und einer bis ins Detail ausgearbeiteten Umgebung. Die Bilder, die in der Vorstellung des Lesers dabei entstehen, gleichen einem Kinoblockbuster vom Allerfeinsten und bieten noch den Vorteil, von einer echten Handlung mit Sinn getragen zu werden. Das hat was und man fragt sich unweigerlich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, einen Roman von Andreas Brandhorst auf die Kinoleinwand zu bringen. „Star Wars“ und „Star Trek“ würden nämlich echte Konkurrenz bekommen.

Andreas Brandhorst hat mit seinem letzten Roman „Das Schiff“ die Meßlatte für Science Fiction Bücher (sowohl anderer Autoren als auch seiner eigenen) unglaublich hoch gesetzt, so dass ich bei „Omni“ höchstens gleichwertiges erwartet hätte. Ich wurde eines besseren belehrt, denn „Omni“ schlägt wieder einmal Brandhorsts vorherige Bücher. Auch wenn die visionäre Sichtweise unserer Zukunft und der außergewöhnlich bildhafte Schreibstil dieselben sind, perfektioniert der Autor seine Arbeit auf fast schon unheimlich Art und Weise. Andreas Brandhorst ist eindeutig der derzeit beste Science Fiction Autor aus Deutschland und könnte sich ohne weiteres einen Thron mit internationalen Größen teilen. Wie in vielen seiner Romane lädt der Schriftsteller seine Leser zum Nachdenken ein, lässt seine Protagonisten über ewiges Leben, das Älterwerden, den Sinn des Lebens und das Sterben philosophieren und den interessierten „Zuschauer“ daran teilnehmen. Bei Brandhorsts Zukunftsepen steht immer der Mensch beziehungsweise die Menschlichkeit im Vordergrund und genau das macht seine Bücher aus und hebt sie von anderen Geschichten ab, in denen Weltraumschlachten und künstliche Intelligenzen die Handlung steuern. In Brandhorsts Universen hingegen „menschelt“ es, und zwar gehörig. Immer wieder wird uns ein melancholischer Spiegel vorgehalten, in dem wir uns selbst in einer weit entfernten Zukunft zu erkennen scheinen. Und zwar mit all unseren Ängsten und Hoffnungen, die Menschen eben ausmachen. Und gleichzeitig siedelt Brandhorst diese menschlichen Sehnsüchte in atemberaubenden Abenteuern an, die gerade deswegen äußerst glaubwürdig wirken.
Ich kann es kaum erwarten, den neuen Roman von Andreas Brandhorst in Händen zu halten.
Besser kann Science Fiction nicht sein …

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Fazit: Science Fiction vom Allerfeinsten. Hochspannende, intelligente und philosophische Space Opera vom derzeit besten deutschen Science Fiction Autor.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Das Schiff von Andreas Brandhorst

Schiff

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 544 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70358-1
Kategorie: Science Fiction

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Die Maschinen haben die Herrschaft über die Erde inne und verfolgen Spuren im ganzen All, um die Hinterlasssenschaften der Muriah, einer untergegangenen Hochkultur der Milchstraße, aufzuspüren. Dabei werden die intelligenten Maschinen von sogenannten Mindtalkern, sterblichen Menschen, unterstützt, die per Gedankenkraft durchs All reisen können. Die Mindtalker Adam und Rebecca  sind sicher, dass sie von den Maschinen betrogen werden und versuchen während ihrer Missionen die Verschwörung aufzudecken. Dabei stoßen sie auf eine weitaus größere Bedrohung für die Menschen als die, die von den Maschinen ausgeht …

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Wie macht der Mann das nur?
Diese Frage stelle ich mir bei jedem Buch von Andreas Brandhorst, das ich lese, mehrmals. So auch bei „Das Schiff“.
Immer wieder meint man, nichts zu verstehen und dennoch versteht man irgendwie alles. Das ist eine Kunst, die nur wenige Schriftsteller in dieser Art beherrschen. Brandhorst gehört eindeutig dazu.
Er nimmt uns in seinem neuesten Roman, wie bei vielen seiner Science Fiction-Geschichten, mit auf eine unglaubliche Reise durch Universen, die so manches Mal fast unsere Vorstellungskraft übersteigt. Und dieses Mal streut Andreas Brandhorst auch noch absolut tolle philosophische Gedanken ein, die sich mit dem Leben und Sterben respektive Unsterblichkeit beschäftigen. Spannung und Tiefgang halten sich in diesem Roman die Waage und man kann das Buch schwerlich aus der Hand legen.
Ein wenig düster, aber dennoch nicht deprimierend, zeichnet der Autor das Bild einer Welt, in der der Mensch von Maschinen beherrscht wird. Die glaubwürdigen Charaktere wachsen einem ans Herz und man teilt ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte.

Brandhorst schafft es hervorragend, diese Endzeit-Stimmung einzufangen. Man sieht sich förmlich neben den Protagonisten auf windumwehten Gipfeln stehen und sieht zusammen mit ihnen über eine apokalyptische Landschaft. Dabei sinnt man über deren Leben, aber auch über das eigene, nach und wünscht sich, an jenem Ort im Buch zu sein, obwohl er im Grunde genommen eigentlich schrecklich ist.
Fast neige ich dazu, „Das Schiff“ als Brandhorsts bestes Buch zu bezeichnen. Sein Zukunftswelten sind visionär und vermitteln genau jenes Gefühl, das sich ein Science Fiction-Fan wünscht: unendliche Weiten, apokalyptische Szenarien und eine hochtechnisierte Zivilisation.
Man merkt, wie sehr Andreas Brandhorst selbst Science Fiction mag und liebevoll Bücher anderer Autoren und Filme in seine Handlung einfließen lässt, ohne je zu kopieren. Brandhorsts Universen sind eigenständig und angefüllt mit unendlich vielen, grandiosen Ideen. Andreas Brandhorst macht süchtig.

Der Autor setzt die Meßlatte für seine eigenen Bücher immer sehr hoch. Und dennoch wird man nie von seinen neuen Werken enttäuscht, sondern wie eh und jeh mitgerissen. Man kann sich Brandhorsts bildhaftem Schreibstil schwer entziehen. Ich kann nur wiederholen, dass sich Andreas Brandhorst für mich wie ein deutscher Iain Banks, Peter F. Hamilton oder Alastair Reynolds anfühlt. Visionäre Science Fiction-Romane, die den aufmerksamen Leser auf eine philosophische Ebene bringen, ohne die Spannung zu vernachlässigen. Brandhorst ist Abenteuerschreiber und Philosoph in einem.
Und wenn ich mir seine Entwicklung ansehe, so nähert er sich mit seinen letzten beiden Romanen „Ikarus“ und „Das Schiff“ immer mehr einem persönlichen Höhepunkt in seiner Karriere. Man darf gespannt sein (ich bin es sowieso), wohin uns sein neuer Roman „Omni“, der voraussichtlich noch dieses Jahr bei Piper erscheint, führt.

Andreas Brandhorst wird meiner Meinung nach mit jedem Roman noch besser, was an sich unglaublich ist, denn schon sein  Kantaki-Zyklus war phänomenal.

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Fazit: Visionär und philosophisch entführt Brandhorst den Leser in eine Zukunftswelt, die ihresgleichen sucht. Nach „Ikarus“ ein neues Meisterwerk.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ich danke dem Piper-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.