Zodiac von Romina Russell

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
464 Seiten
11,00 €
ISBN: 978-3-492-28127-0

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Die 16-jährige Rhoma vom Planeten kann auf andere Weise in den Sternen lesen, wie ihre Mitschüler. Denn während die anhand genauester Berechnungen und wissenschaftlicher Erkenntnisse versuchen, in die Zukunft zu sehen, sieht Rho die Vorzeichen einer schrecklichen Katastrophe, bei der unzählige Menschen sterben. Als ihre Vision wahr wird, macht sich Rho in ihrer Eigenschaft als Wächterin auf die Suche nach dem Ursprung der Bedrohung, denn es sieht aus, als wäre ganz Zodiac in Gefahr.

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Schon nach den ersten zehn Seiten merkt man „Zodiac“ an, dass es sich um einen wahren Pageturner handelt. Das liegt zum einen auf jeden Fall an dem wunderbaren, überaus flüssigen und ansprechenden Schreibstil der Autorin, zum anderen aber auch an der sehr atmosphärischen Handlung. Romina Russell entwirft ein faszinierendes Universum, in dem die Sternzeichen eine wichtige Rolle spielen. Oft fühlte ich mich an die grandiose „Sonea“-Reihe von Trudi Canavan erinnert, die in einem ähnlichen Schreibstil ihre Geschichte erzählt. Russell beschreibt die Welt, in der sich die Protagonistin und ihre Freunde befinden, sehr detailliert, so dass man sich darin sehr wohl fühlt und dementsprechend um das Schicksal aller mitfiebert. Auf den ersten Blick mag die ein oder andere Idee etwas kompliziert wirken, aber man gewöhnt sich sehr schnell an die „Fremdwörter“. Romina Russell geht an manchen Stellen auch sehr in die Tiefe und lässt den Plot fast schon in eine esoterische Richtung abgleiten. Das mag den ein oder anderen Leser stören, ich persönlich empfand diese Entwicklung als äußerst ansprechend und unterhaltsam.

Die Geschichte wird äußerst rasant erzählt, so dass es mit wirklich sehr schwer fiel, das Buch aus der Hand zu legen. Romina Russell baute neben einer spannenden Handlung auch noch eine Romanze ein, die sehr stimmig auf mich wirkte und fesselte. Sicherlich bietet der Plot nichts wirklich Neues als eine Story über den Kampf zwischen Gut und Böse, aber dennoch kann man sich den Geschehnissen nicht entziehen. Einige Stellen erinnerten mich an die Star Wars-Filme, wobei ich einfach einmal davon ausgehe, dass die Autorin die Filme schlichtweg mag. „Zodiac“ ist eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, die ihr Augenmerk trotz spektakulärer Szenarien in erster Linie auf die Charaktere legt. Oft habe ich gehört, dass der Einstieg in dieses Buch schwer fällt. Das kann ich jedoch nicht behaupten, wenn ich ehrlich bin. Es ist in der Tat eine komplexe Welt, die Romina Russell sich ausgedacht hat, keine Frage, aber als aufmerksamer Leser findet man sich auch in den ersten Seiten bereits gut zurecht. Und mit ein bisschen Geduld erfährt man im Verlauf des Buches wirklich auch immer mehr. 😉

Viele erfrischend neue Ideen verstecken sich in diesem Roman, der wohl als All Age klassifiziert werden kann, denn in der Tat können nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene ihren Spaß daran haben. Mich persönlich hat die Odyssee durch den Weltraum absolut angesprochen und ein grandioses Abenteuerfeeling verursacht. Gerade diese Mischung aus Science Fiction mit Raumschiffen und Weltall und einem Weltenentwurf, der mich desöfteren an Fantasyromane erinnert hat, war ausschlaggebend, dass mich „Zodiac“ vollkommen in seinen Bann gezogen hat. Romina Russel hat es außerdem geschafft, die Gefühlswelt ihrer 16jährigen Protagonistin ausgesprochen wirklichkeitsnah zu beschreiben, denn jede ihrer Handlungen war für mich absolut nachvollziehbar.
„Zodiac“ ist ein gelungener Einstieg in eine Reihe (zwei oder drei Teile?), der sich auf alle Fälle zu lesen lohnt. Starke Charaktere und eine ausgeklügelte Handlung in einer komplexen Welt machen dieses Buch zu einem echten Lesevergnügen und Pageturner. Ich freue mich schon sehr auf den Folgeband beziehungsweise die Folgebände, um zu erfahren, wie es mit Rho, ihren Freunden und dem Zodiac-Universum weitergeht.

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Fazit: Ideenreicher Einstieg in eine Romanserie um eine junge Protagonistin. Wunderbarer Genremix aus Fantasy und Science Fiction. Klare Leseempfehlung.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Die Könige von Michael Peinkofer

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
510 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-492-28001-3

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Der Krieg unter den Völkern von Erdwelt ist vorbei. Menschen und Orks sind besiegt und die Zwerge sind an der Macht. Doch es gibt sowohl bei den Zwergen als auch bei den Menschen Rebellen, die sich ihrem Schicksal nicht ergeben wollen. Daghan von Ansun, Sohn des Königs von Ansun, und Aryanwen, seine Geliebte, die gegen ihren Willen mit dem König von Tirgaslan vermählt wurde, sind auf der Seite der Rebellen. Doch es sind nicht nur die Zwerge, die die Völker von Erdwelt tyrannisieren. Eine weitaus bedrohlichere Macht erscheint und will die Herrschaft über Erdwelt an sich reißen …

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Nach dem erfolgreichen „Orks“-Zyklus kehrt Michael Peinkofer nach Erdwelt zurück. Im vorliegenden ersten Band der neuen „Könige“Trilogie wendet er sich allerdings mehr den Menschen und Zwergen, als den Orks zu. Man trifft dennoch auf die beiden trotteligen, aber sympathischen Orks Rammar und Balbock, die zwar nicht die Hauptrolle, aber dennoch eine wichtige Rolle spielen.
Hauptprotagonisten sind das Liebespaar Daghan von Ansun, kurz Dag genannt, und Aryanwen. Es dauert eine Weile, bis sie sich wieder in den Armen liegen, aber bis dahin kommt auf keiner Sekunde Langeweile auf.

Michael Peinkofers Schreibstil ist derart flüssig zu lesen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Es ist ein sehr niveauvoller Schreibstil, in dem die Geschichte erzählt wird, der aber nie kompliziert, sondern eher einfach wirkt. Das hat zur Folge, dass man sich gezwungen fühlt, in einem fort weiterzulesen.
„Die Könige“ ist gegenüber den Ork-Romanen ein wenig düsterer geworden, was mir persönlich aber sehr gut gefallen hat. Peinkofers Trilogie bietet so ziemlich alles, was man von einem guten High Fantasy-Roman erwarten kann: Böse Intrigen, sympathische, tapfere Helden, atemberaubende Landschaften und Orte, Liebe und Emotionen. An manchen Stellen kam für mich ein „Herr der Ringe“-Gefühl auf, ohne dass ich Peinkofer unterstellen muss, er hätte plump kopiert. Peinkofer hat seinen eigenen Stil, der unglaublich bildhaft und unterhaltend wirkt. Oft fühlte ich mich auch an die fantastischen Romane von David Eddings erinnert, aber auch hier hat Michael Peinkofer absolut einen eigenen Weg gefunden.

Unerwartete Wendungen wechseln sich mit emotionalen Szenen ab. Politische Intrigen, die durchaus nachvollziehbar und durchdacht sind, enden in dramatischen Kämpfen, die darauf hindeuten, dass da noch etwas weitaus Größeres und Bombastischeres in den Folgebänden auf die Leser zukommt. Peinkofer baut einen sehr komplexen Plot auf, was mir außerordentlich gut gefallen hat. Auch die immer wiederkehrenden Szenenwechsel, die das Buch zu einem regelrechten Pageturner machen,  fand ich geschickt eingesetzt. Erwähnenswert ist auch die sehr schönen Charakterzeichnungen der Figuren, was zur Folge hat, dass einem die Personen sehr ans Herz wachsen. Oder im Falle der Bösen eben nicht 😉
Wie oben erwähnt, wird die düstere Grundstimmung aber immer wieder durch einen sehr eigenwilligen, aber extrem guten, Humor der Orks durchbrochen. Mann sieht die beiden Ork-Tollpatsche förmlich vor sich und kann sich des öfteren ein Grinsen während des Lesens nicht verkneifen. Das macht das Buch noch sympathischer, als es ohnehin schon ist.
Obwohl „Die Könige“ auf den Zyklus um die Orks aufbaut, kann man sich als „Erdwelt-Neuling“ getrost an das Buch heranwagen, denn alles, was erklärungsbedürftig ist, wird auch erklärt, so dass man wirklich alles versteht. Erdwelt-Fans werden von einem neuen Kapitel entzückt sein, Neulinge werden sich dem Bann dieser Welt nicht entziehen können und gierig auf die noch ungelesenen Werke von Michael Peinkofer sein. Das neue Erdwelt-Abenteuer besitzt großes Suchtpotential und man möchte am Ende des ersten Teils sofort zum zweiten Teil greifen. Und das soll schon was heißen, oder?

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Fazit: Spannendes und komplexes High Fantasy-Abenteuer, das süchtig macht. Die Bücher im Erdwelt-Universum sind jetzt schon Klassiker.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Bluescreen von Dan Wells

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 368 Seiten
Preis:  12,99  €
ISBN: 978-3-492-28021-1
Kategorie: Science Fiction

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Los Angeles 2050. Fast alle Menschen sind durch ein Implantat im Kopf, einem sogenannten Djinni, 24 Stunden am Tag online. So auch die junge Marisa, die im Stadtteil Mirador wohnt und mit ihren Freunden mehr Zeit in virtuellen Welten verbringt als in der Realität.  Als die Jugendlichen auf eine virtuelle Droge namens Bluescreen stoßen, decken sie eine unglaubliche Verschwörung auf …

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In Dan Wells neuem Roman wird eine Zukunft aufgezeigt, die höchstwahrscheinlich gar nicht mehr so weit entfernt ist. Ich wage zu behaupten, dass wir nicht, wie im Roman angegeben, bis zum Jahr 2050 warten müssen, um eine Menschheit anzutreffen, die größtenteils durch Implantate 24 Stunden online ist.
Wells entwirft ein sehr glaubwürdiges Szenario, das mich anfangs sehr stark an Tad Williams‘ grandioses „Otherland“-Epos erinnert hat. „Bluescreen“ erreicht allerdings die Komplexität und den Ideenreichtum der „Otherland“-Reihe nicht, begibt sich aber im Verlaufe der Handlung sowieso auf ein völlig anderes, eigenständiges Terrain.  Wells schafft es durch seinen überaus gut lesbaren Schreibstil, den Leser von Anfang an gefangen zu nehmen und für die Geschichte zu interessieren.
Die technischen Errungenschaften, die sich Dan Wells ausgedacht hat, können allesamt überzeugen, weil sie sehr realitätsnah beschrieben werden und ich keine Logikfehler entdecken konnte.

Die Charakterisierung der Hauptpersonen ist Wells nur teilweise gelungen. Von der Hauptprotagonistin Marisa einmal abgesehen, erhalten die restlichen Figuren nicht wirklich Tiefe, was aber daran liegen kann, dass es sich bei „Bluescreen“ um den Auftakt einer neuen Reihe handelt und der Autor eine nähere Charakterzeichnung in den Folgebänden durchaus noch nachholen könnte. Nichtsdestotrotz sind „Guten“ sehr sympathisch dargestellt und wachsen einem trotz der genannten „Gesichtslosigkeit“ irgendwie ans Herz. Dennoch reißt der Plot mit und lässt durch die oftmals ausdrucksstarke Beschreibung im Kopf des Lesers Bilder wie in einem Science Fiction-Film erscheinen. „Bluescreen“ ist ein dystopisches Science Fiction-Abenteuer, das jugendliche und erwachsene Leser gleichermaßen begeistern wird. Gekonnt meistert Wells die Grenze zwischen einem Jugendbuch und einem ernstzunehmenden Science Fiction-Szenario, so dass man sein neues Werk auf jeden Fall als typischen All Age-Roman bezeichnen kann.

So drastisch und gefährlich Wells die Gefahren einer steten Online-Präsenz auch darstellt, so möglich erscheinen sie einem dennoch, wenn man den technischen Fortschritt der letzten Jahre beobachtet. All die Gefahren, die auf die Protagonisten in „Bluescreen“ einprasseln, könnten bald schon in genau dieser Art und Weise geschehen. Dan Wells schlägt mit seiner neuen Reihe einen komplett anderen Weg als in seinen John Cleaver-, aber einen ähnlichen wie in seinen Partials-Romanen, ein. Das leicht dystopisch angehauchte Abenteuer wirkt erfrischend und unverbraucht, obwohl es irgendwie gar nicht so sehr vor innovativen Ideen sprüht.  Aber das macht gar nichts, denn man kann das Buch trotzdem schwer aus der Hand legen. Der Endkampf dauert mir, ehrlich gesagt, ein wenig zu lange. Aber das ist wohl Geschmackssache. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht.

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Fazit: Dan Wells Auftakt zur neuen „Mirador“-Reihe kann ein sehr realistisches und überzeugendes Zukunftsbild vorweisen und unterhält grandios und vor allem spannend.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Die Maschine von Andrew Bannister

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 414 Seiten
Preis:  16,99  €
ISBN: 978-3-492-70409-0
Kategorie: Science Fiction

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Vor Millionen von Jahren wurde die Spin-Galaxie von gottgleichen Erbauern erschaffen, eine gigantische Ansammlung aus Planeten und Sternen. Ein Krieg hat fast alle Welten des Spin zerstört.
Viklun Haas, Oberbefehlshaber der Hegemonie, will seine Herrschaft ausbauen und sämtliche Rebellen vernichten. Unter ihnen befindet sich auch seine Tochter Fleare, die auf einem Planeten ein uraltes Artefakt entdeckt, das eine Maschine der Schöpfer des Universums ist. Ein Kampf um dieses Artefakt entbrennt …

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Es dauerte, ehrlich gesagt, eine Weile, bis ich mich in Bannisters Debütroman eingefunden hatte. In erster Linie lag das wohl am gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der ein episches Science Fiction-Abenteuer in eher flapsiger Tonart erzählt. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Freund von solch humoristisch angehauchten Geschichten, die eigentlich ernst und bombastisch sein sollten. Aber Bannister hat es zumindest in der ersten Hälfte seines Romans geschafft, mich durch innovative und gut durchdachte Ideen zu überzeugen.
Leider habe ich in den ersten beiden Dritteln keine wirkliche Beziehung zur Hauptprotagonistin und den Nebendarstellern aufbauen können. Die Charaktere wurden irgendwie zu wenig beschrieben und konnten dadurch an Liebenswertigkeit nicht punkten. Dennoch ließ sich das Buch irgendwie schwer aus der Hand legen, weil man doch immer wissen wollte, wie es weitergeht.

Bannisters Weltentwurf stellt nichts Neues dar, macht aber durch teils eigenwillige Beschreibungen neugierig und kann durchaus überzeugen, im Gegensatz zur bereits erwähnten Ausarbeitung der Charaktere. In seinen besten Momenten, vor allem im letzten Drittel, nähert sich „Die Maschine“ ein wenig den Aussagen, die auf dem Buchrücken zu lesen ist: „“Eines der zehn wichtigsten Bücher des Jahres 2016!“, geschrieben von SFX oder „Eine Space Opera mit einem finsteren Gegner, der Darth Vader wie ein Anfänger aussehen lässt!“, geschrieben von SFFWorld.
Den Feind in Bannisters Buch mit Darth Vader zu vergleichen ist allerdings mehr als weit hergeholt, dazu reichen die epischen Ausmaße im ersten Teil der geplanten Trilogie bei weitem nicht. Allerdings hat Bannister eine sehr liebenswürdige „Kreatur“, sozusagen einen Geist, namens Muz erschaffen, der mich von allen Beteiligten am meisten überzeugt hat und den ich bereits nach wenigen Seiten ins Herz geschlossen hatte.

Andrew Bannister wollte mit „Die Maschine“ etwas großes erschaffen, kann aber die Spitzenautoren der Science Fiction nicht erreichen, was aber keinesfalls heißen soll, dass sein Debütroman schlecht ist. Ganz im Gegenteil: „Die Maschine“ geht auf gewisse Art und Weise sogar neue Wege und kann, sofern man sich auf den Stil des Autors einlassen kann, durchaus unterhalten.
Gerade im letzten Drittel läuft Bannister zu einer Hochform auf, die man aufgrund der ersten beiden Drittel gar nicht mehr erwartet hätte. Wären die ersten beiden Drittel in genau jenem Stil und Tempo verfasst, hätte Andrew Bannister mich begeistern können. So aber teilt sich der Roman in mittelmäßige und über dem Durchschnitt liegende Teile auf.  Eines steht auf jeden Fall fest: Sowohl die Story als auch die entworfene Galaxie lassen den Leser nicht los und bleiben im Gedächtnis haften.
Größter Kritikpunkt ist für mich auf jeden Fall die oft benutzte flapsige und manchmal auch vulgäre Sprache, die für eine Space Opera diesen Ausmaßes schlichtweg unpassend und störend ist. Da wäre weniger auf alle Fälle mehr gewesen und hätte dem Roman einen höheren Platz in meiner Science Fiction-Rangliste verschafft. Gespannt bin ich trotzdem, wie es weitergeht und ich bin vor allem sicher, dass sich das Handwerk des Autors in der Fortsetzung verbessern wird. Denn bereits im letzten Drittel seines Debüts hat er bewiesen, dass er durchaus das Potential dazu hat, handfeste, gute Science Fiction zu schreiben.

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Fazit: Interessanter Debütroman mit einem gut durchdachten Weltentwurf, der allerdings von der Presse mehr Lob erhalten hat, als er eigentlich verdient hätte.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Wolfgang Brunner im Gespräch mit Andreas Brandhorst

Wolfgang Brunner im Gespräch mit Andreas Brandhorst

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Andreas Brandhorst wurde im Mai 1956 im norddeutschen Sielhorst geboren und begann bereits im Jahr 1975, Heftromane im Bereich Fantasy- und Science-Fiction zu schreiben. Nachdem er sich 1984 mit seiner Familie in Italien niederließ, übersetzte er hauptsächlich, u.a. Terry Pratchetts Scheibenweltromane. Anfang der 2000er-Jahre verlagerte Brandhorst den Schwerpunkt seiner Tätigkeit wieder auf das eigene Schreiben und erzielte mit seiner aus »Diamant«, »Der Metamorph« und »Der Zeitkrieg« bestehenden Kantaki-Trilogie einen großen Erfolg. Mit den visionären Zukunftsvisionen der nachfolgenden Romane verschaffte sich Andreas Brandhorst eine stets anwachsende Fangemeinde und zählt heute zu den erfolgreichsten Science Fiction-Schriftstellern Deutschlands. 2016 wurde sein Roman „Das Schiff“ mit dem Deutschen Science Fiction Preis (DSFP) und dem Kurd-Laßwitz-Preis ausgezeichnet. Buchwelten freut sich sehr, dass der Preisträger ein paar Fragen über seine Arbeit und seine Person beantwortet hat.

1. In Deinen Romanen entwickelst Du unglaublich visionäre Zukunftsbilder. Alles wirkt stimmig, so dass bei mir der Eindruck entsteht, dass die Vorbereitungen solcher Welten vielleicht sogar länger dauern als das Schreiben der eigentlichen Geschichte. Wie darf man sich Deine Vor- und Hauptarbeiten vorstellen?

Antwort: Ich plane die Welten, die Universen, natürlich sehr genau, bevor ich mit dem Schreiben beginne, und anschließend ist es oft so wie mit einem Eisberg: Was im Roman von dem Weltenentwurf erscheint, ist nur die Spitze; ein großer Teil bleibt unter der Wasseroberfläche verborgen. Das verleiht der Bühne, auf der die Ereignisse stattfinden, und ihren Kulissen zusätzliche Authentizität, denn der Autor weiß mehr über seine Welt, als er preisgibt, und das merkt der Leser. Derartige Vorbereitungen können tatsächlich sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, aber die Hauptarbeit ist und bleibt das Schreiben des Romans. Vielleicht sollte ich noch hinzufügen: Je gründlicher man bei den Vorbereitungen ist, je genauer man sich dabei alles überlegt, desto leichter ist nachher das Schreiben der Geschichte.


2. Ich komme um meine Lieblingsfrage einfach nicht herum: Wer sind Deine literarischen oder auch nicht literarischen Vorbilder?

Antwort: Ich habe keine Vorbilder. Ich schreibe die Geschichten, die mir selbst als Leser gefallen würden, ohne mich dabei an irgendwelchen Vorbildern zu orientieren. Andererseits gibt es natürlich Autoren, denen ich großen Respekt zolle, deren Romane mich bewegen und berühren, mich vielleicht auch inspirieren. Im Bereich der Science Fiction wären das zum Beispiel Dan Simmons, dessen »Hyperion« ich für genial halte, oder auch Robert Charles Wilson, der mit »Spin« Großartiges geleistet hat.

3. Könntest Du Dir vorstellen, auch einmal einen Roman außerhalb des Sciene Fiction-Genre zu schreiben? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, was würde uns erwarten?

Antwort: Ich habe bereits drei Romane geschrieben, die nicht der Science Fiction zuzuordnen sind: »Äon«, »Die Stadt« und »Seelenfänger«. Derzeit arbeite ich an einem weiteren Non-SF-Roman, der im Herbst 2017 in der Belletristik-Reihe bei Piper erscheinen wird und in dem es um künstliche Intelligenz geht. Ein weiterer Non-SF-Roman wird voraussichtlich 2018 erscheinen. Die Science Fiction fasziniert und begeistert mich. Aber ich finde es auch sehr interessant, außerhalb von ihr zu schreiben und Geschichten zu erzählen, die viel näher bei unserer Gegenwart sind.

4. Was liest Andreas Brandhorst privat? Welche Musik hörst Du und welche Filme (oder auch Serien) siehst Du?

Antwort: Seit einigen Jahren lese ich weniger Science Fiction und dafür mehr allgemeine Literatur, Romane »über das Leben«, könnte man sagen. 🙂 Ein Roman, der mich sehr beeindruckt hat, war »Stoner« von John Williams. Sehr gern lese ich die Werke der italienischen Schriftstellerin Margaret Mazzantini (in der ausgezeichneten deutschen Übersetzung von Karin Krieger; ich lese immer nur auf Deutsch, obwohl ich nach 30 Jahren in Italien mit dem Italienischen vertraut bin): »Das schönste Wort der Welt« (im Original »Venuto al mondo«, »Zur Welt gekommen«; dieser Titel trifft den Inhalt weitaus besser) ist ein wahres Meisterwerk, ebenso wie »Geh nicht fort« oder »Herrlichkeit«. Angetan haben mir es auch die Romane von Nina George (»Das Lavendelzimmer«, »Das Traumbuch«), Joe R. Lansdales »Ein feiner dunkler Riss« und alle auf Deutsch erschienenen Romane von Marie-Sabine Roger. Was Musik betrifft: Ich höre beim Schreiben oft laut Heavy Metal, zum Beispiel Metallica oder Korn. Und Filme: Schwer beeindruckt und im Herzen berührt war ich von »Interstellar«. Ich mag das italienische Autorenkino (zum Beispiel von Ferzan Özpetek, tolle Filme, die tiefen Einblick in das italienische Leben geben), aber auch Filme wie »Einer nach dem anderen« aus Norwegen; mein Geschmack ist da ziemlich breit gestreut.

5. Wenn bemannte Raumfahrt in andere Galaxien möglich wäre, was würdest Du tun? Der Erde verbunden bleiben oder Dich auf ein ungewisses Abenteuer einlassen?

Antwort: Keine Frage: Ich würde sofort aufbrechen, in der Hoffnung, die vielen Wunder des Universums zu sehen, mit eigenen Augen. Ich würde auch losfliegen, wenn ich wüsste, dass es keine Rückkehr gäbe.

6. In Deinen Geschichten steckt oft sehr viel Philosophie. Bei Deinen letzten Romanen kam mir immer wieder der Gedanke, Dich als „Michael Ende der Science Fiction“ zu bezeichnen. Hast Du Dich denn mit Philosophen, wie z.B. Rudolf Steiner, beschäftigt oder woher kommt diese philosophische Ader?

Antwort: Ich bin in den letzten Jahren sehr, sehr nachdenklich geworden. Das hängt mit dem Verlauf meines Lebens zusammen, mit den Sackgassen, in die ich manchmal geraten bin, aber auch mit dem Alter. Wenn man ein bestimmtes Alter erreicht, wird einem klar, dass der Weg vor einem kürzer ist (und immer kürzer wird) als der hinter einem. Dann stellt man sich Fragen wie: Habe ich richtig gelebt? Habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen? Und was soll ich mit den Jahren anfangen, die mir noch bleiben? Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht über solche und andere Fragen nachdenke, und das schlägt sich natürlich auch in der Art meines Schreibens nieder. So gibt es in meinen Romanen selten Personen, die einfach nur schlecht und gut sind. Wie im wirklichen Leben tragen sie Eigenschaften von beiden Seiten in sich. Und natürlich agieren sie nicht einfach nur, sondern machen sich auch Gedanken …

7. Gibt es ein Buch oder eine bestimmte Stelle aus einem Buch, wodurch Dein Leben beeinflusst wurde?

Antwort: Es ist erstaunlich, aber ich habe einige E-Mails von Lesern bekommen, in denen sie mir schrieben, dass ein bestimmter Roman von mir ihre Denkweise verändert hätte. Ich glaube, das ist eins der größten Komplimente, die man einem Autor machen kann. Was mich betrifft: Ich habe als Kind, Anfang der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, ein Buch gelesen, das mich nachhaltig beeinflusst und Bücher in den Mittelpunkt meines Lebens gerückt hat: »Was die Schildkröte erzählte« von Maria Kahle. Ich habe es erst vor kurzer Zeit mithilfe einer Facebook-Freundin wiedergefunden und bei Recherchen erfahren, dass die Autorin leider der NS-Ideologie recht nahe stand, was der Knabe Andreas damals natürlich nicht wusste. Er war nur sehr angetan von der Schildkröte, die unter dem Bett eines schlafenden Jungen lag und ihm im Traum ihre Geschichten erzählte. Dieses Buch war es, das mich damals lehrte, was Lesen bedeutet: die Erkundung neuer Welten.

8. Kannst/magst/darfst Du verraten, wie Deine Pläne für das „Omniversum“ aussehen?

Antwort: Nach »Omni« wird es weitere Romane geben, die im Omniversum angesiedelt sind. Der erste von ihnen mit dem Titel »Das Arkonadia-Rätsel« erscheint am 2. Mai 2017 bei Piper. Wichtig ist: Alle diese Romane sind in sich abgeschlossen, vergleichbar vielleicht mit den Kultur-Romanen von Banks. Das heißt, es sind keine Fortsetzungsgeschichten mit einem gemeinen Cliffhanger am Ende. 🙂 Man kann sie jeden für sich allein genommen lesen.

9. 5 Namen, 5 spontane Antworten. Was fällt Dir ein bei:

– Stephen Baxter

– Philip K. Dick

– Larry Niven

– J.R.R. Tolkien

– Harry Potter?

Antwort: Dazu sage ich: Vier Autoren und eine Romanfigur, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwei Namen ragen für mich heraus, was die anderen aber nicht schmälern soll: Tolkien als Übervater der Fantasy und Philip K. Dick als jemand, der nicht nur die Science Fiction insbesondere in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat – viele seiner Bücher gelten heute auch als Klassiker der amerikanischen Literatur.

10. Zuletzt würde mich interessieren, ob es bei Deiner Arbeit besondere Rituale und/oder ein Maskottchen gibt, das Du während des Schreibens in Deiner Nähe brauchst?

Antwort: Nein, besondere Rituale, die ich unbedingt für das Schreiben brauche, gibt es nicht, sieht man einmal davon ab, dass ich jeden Tag sehr früh aufstehe, um circa 6:30 Uhr, und die erste Stunde meines Arbeitstages, von sieben bis ungefähr acht, oft damit verbringe, Anfragen von Lesern per E-Mail oder Facebook-Messenger zu beantworen. Das ist in letzter Zeit immer mehr geworden, worüber ich mich freue. Wichtig ist mir auch das Laufen. Ich laufe jeden Tag und bei jedem Wetter mindestens eine Stunde: Der Geist entspannt sich, während der Körper arbeitet, und dabei kommen mir oft die besten Ideen.

Ich danke Dir sehr für die Beantwortung meiner Fragen, gratuliere Dir noch nachträglich zum Gewinn des Deutschen Science Fiction Preises und des Kurd-Laßwitz-Preises für »Das Schiff« und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

Ach ja, und ich freue mich schon jetzt auf Deinen neuen Roman.

© 2016 Wolfgang Brunner / Andreas Brandhorst

Die letzten und die ersten Menschen von Olaf Stapledon

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis:  25,00  €
ISBN: 978-3-492-70632-8
Kategorie: Science Fiction

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Wie sieht die Zukunft der Menschheit aus? Gibt es in zwei Milliarden Jahren die menschliche Zivilisation überhaupt noch? Und, wenn ja, wie und wo leben die Menschen dann?

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Zuerst einmal muss ich auf die überaus ansprechende Neuausgabe dieses SF-Klassikers im Piper-Verlag eingehen: Der Umschlag des Buches ist trüb-transparent und sein Aufdruck ergänzt sich dadurch hervorragend mit dem Bild auf der eigentlichen Buchvorderseite. Buch- und Coverbild ergeben somit das sichtbare, absolut gelungene Titelbild. Alleine optisch ist dieser Science Fiction-Meilenstein also schon ein echter Hingucker und sollte in keiner SF-Sammlung fehlen.
Auf den Buchinnenklappen sind die Originalskizzen der Zeitleisten von Stapledon abgebildet, was ebenfalls einen sehr hochwertigen Blickfang abgibt. Insgesamt hat sich der Verlag wirklich sehr große Mühe für diese Sammlerausgabe gegeben und verdient daher ein dickes Lob.

Nun zum Roman: Stapledons Zukunftsepos hat über achtzig Jahre „auf dem Buckel“ und man kann es manchmal gar nicht glauben, wie weitsichtig und philosophisch er seine Visionen entwirft. Das Buch liest sich meistens wie eine Art Geschichtsbuch, trocken und voller Informationen. Aber wer nun meint, „Die letzten und die ersten Menschen“ wäre ein Sachbuch, täuscht sich, denn hat man sich erst einmal an den (aus meiner Sicht sehr hochwertigen) Schreibstil gewöhnt, wird man von den Schilderungen mitgerissen. Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, über hunderte von Seiten eine detailliert ausgearbeitete Zukunft in menschlicher, politischer, religiöser und sexueller Hinsicht zu verfolgen. Ich selbst hatte nur an einer einzigen Stelle einen „Hänger“, der mir zu langatmig erschien, ansonsten empfand ich diese perfekt ausgearbeitete Zukunftsvision extrem spannend.
Vor allem das Ende in seiner höchst philosophischen und teils auch esoterischen Auslegung hat mich sehr angesprochen und war für mich auch vollkommen nachvollziehbar.

Stapledons Roman umfasst Äonen und erinnerte mich vom Gesamteindruck (nicht vom Schreibstil oder den Ideen) an Stephen Baxter, der es ebenfalls schafft, den Leser auf eine Reise über Millionen von Jahren mitzunehmen. Aber anders als Baxter vermittelt Stapledon den Eindruck, eine wissenschaftliche Abhandlung über die Zukunft der Menschheit geschrieben zu haben. Dennoch wirken seine Visionen innovativ und wissenschaftlich durchdacht. Für den Roman wurden anscheinend lediglich die Informationen, die im Jahr seines Entstehens vorlagen, „hochgerechnet“ und in ein plausibles Gewand hineingearbeitet. „Die letzten und die ersten Menschen“ ist ein unglaublich ausuferndes Porträt der menschlichen Rasse, die an manchen Stellen in geistige Sphären vordringt, die höchst philosophisch und wunderschön erscheinen. Ich konnte gerade diese Entwicklung des Menschen absolut nachvollziehen, denn hinter unserer Existenz wird mit Sicherheit solch eine geistige Gemeinschaft stecken, davon bin auch ich überzeugt. Vielleicht liegt es gerade an dieser Übereinstimmung mit dem Autor, die für mich diesen Roman zu einem wunderbaren Erlebnis gemacht hat.

Olaf Stapledon hat ein komplexes Weltbild der Zukunft erschaffen, analysierte Gesellschaftsstrukturen und deren Entwicklungen sehr nachvollziehbar und hat mit seinem Roman ein kleines Meisterwerk erschaffen. Wer populäre Science Fiction mit Weltraumabenteuern und Raumschiff-Schlachten mag, wird an diesem Buch schwer Gefallen finden. Wer sich jedoch für ein gut konstruiertes Zukunftsbild interessiert, das sich fast schon wie ein historisches Lehrbuch liest, wird begeistert sein, wenngleich an manchen Stellen Durchhaltevermögen erforderlich ist. Und eines sollte man auch noch wissen, bevor man sich an Olaf Stapletons fast schon bahnbrechendes Werk einlässt: Es gibt keine(n) Protagonisten, den man begeleitet. Es gibt lediglich den Erzähler aus der Zukunft, der die Ereignisse fast emotionslos schildert.

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Fazit: Komplex und gut konstruiertes Zukunftsbild der Menschheit, das, wenngleich erfunden, dennoch nachvollziehbar echt sein könnte. Fernab von Weltraumschlachten wird hier ein Sf-Roman in einer einem Sachbuch ähnlichen Form vorgelegt.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Nur über deine Leiche von Dan Wells – Serienkiller IV

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Dan Wells
Erschienen als
broschierte Ausgabe
im Rough Cut bei
PIPER
384 Seiten
Preis: 12,99 €
ISBN: 978-3-492-28024-2

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John Cleaver, 18 Jahre alt, kann Dämonen sehen. Zwischenzeitlich hat er auch bereits einige von Ihnen erfolgreich vernichtet. Inzwischen arbeitet er eigentlich für das FBI, das längst weiss, dass uralte böse Mächte unter den Menschen weilen und immer wieder morden. Doch nach dem Desaster vor Fort Bruce, bei dem John zwar erfolgreich, aber unter etwas widrigen und sehr extremen Umständen, den Dämonen Rack ausgeschaltet hat, befindet er sich auf der Flucht.

Gemeinsam mit Brooke (und Niemand und den vielen tausend anderen Seelen, die ihr Körper beherbergt) ist er unterwegs, um weitere Verwelkte aufzuspüren und auszuschalten. Hilfreich sind hierbei die Erinnerungen der verstorbenen Mädchen in Brookes Körper. Hier finden sich immer wieder Hinweise oder zumindest Bruchstücke darauf, wo sie den nächsten Verwelkten aufspüren können.

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Ich bin oder war Fan der Serienkiller-Reihe von Dan Wells vom ersten Moment an. Dieser junge und eigentlich total irre und verkorkste Protagonist John war mir vom ersten Moment an ans Herz gewachsen. Jedoch war ich vom vierten Teil eher enttäuscht als erfreut. Der Schauplatz hat gewechselt von Clayton, dem kleinen Ort, wo John über dem Bestattungsinstitut seiner Mutter gelebt hat und was eigentlich für mich den besonderen Flair dieser Romane mit ausgemacht hat. Im vierten Teil war John dann bereits für das FBI tätig und die vielen Namen der Verwelkten und unendlichen Persönlichkeiten, die Brooke innewohnen, haben mich oft mehr genervt als begeistert. Dennoch war ich natürlich neugierig auf den fünften Teil der Reihe. Ob es nun der letzte ist, bleibt abzuwarten. Ich denke es eher nicht, auch wenn die Romane ursprünglich als Trilogie geplant waren.

Die erste Hälfte des Buches gefiel mir erneut nicht so besonders gut. Das Roadmovie mit lustigen Buchstabensuchspielen und dem dauernd wechselnden Selbst von Brooke hat mich auch hier eher nicht begeistert. Ein bisschen rausgerissen hat es dann für mich, dass eine wichtige und bekannte Figur in Brookes Körper zum Vorschein kam und letztlich auch wieder zeitweise die Handlung aktiv bereichert hat.

Ab der zweiten Hälfte des Buches gefiel es mir dann wieder viel besser und es kam sogar wieder an die drei sehr guten ersten Teile heran. Vielleicht lag es daran, dass die Handlung sich wieder auf einen kleinen Ort beschränkt hat, in dem ein Dämon sein Unwesen treibt und kaltblütig mordet. John befindet sich plötzlich in einem Umfeld ähnlich dem von Clayton wieder und die beiden kommen auch wieder mit Gleichaltrigen in Kontakt. Die Stimmung des verschlafenen Nestes, welches von Gräueltaten heimgesucht wird hat mir dann wieder sehr gut gefallen. Auch die Idee, nach welcher Art und Weise der Dämon handelt, hat mich überzeugt. Eine gute Idee – hier hat das Lesen mir wieder richtig Spaß gemacht.

Alles in allem denke ich jedoch, dass man es bei der Trilogie hätte lassen sollen. Denn man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist und da ist schon was wahres dran. Ja, die Leser wollten natürlich mehr, ich selbst hatte mich ja auch gefreut, als ich hörte, dass es weitergeht. Aber Fortsetzungen sind nicht immer gut oder sinnvoll. Wie gesagt, ich denke schon es geht weiter um John Cleaver. Ob ich selbst noch einmal Lust auf einen weiteren Teil habe kann ich noch nicht sagen. Derzeit tendiere ich zu einem Nein.

Optisch bleibt der Verlag seiner Linie treu und liefert den Roman wieder im ausgefallenen und optisch total ansprechenden Rough Cut. Das finde ich sehr gut, denn es kommt ja auch vor, dass Verlage selbst innerhalb einer Reihe einfach mal so das Design ändern.

Mein Fazit: Der fünfte Teil der Serienkiller-Reihe hat sich für mich in der ersten Hälfte sehr gezogen und ab und an leider beinahe genervt. In der zweiten Hälfte konnte er mich wieder fesseln und hat zurückgefunden zur Stimmung der ersten drei Teile.

Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2016

EXIT von Hugh Howey

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exitErschienen als gebundene Ausgabe
im PIPER Verlag
insgesamt 464 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-492-05648-9
Kategorie: Science Fiction

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Achtung! Für absolute Nichtkenner der SILO-Reihe besteht evtl. Spoilergefahr!

Juliette – Jules – Nichols ist mittlerweile Herrscherin von SILO 18. Zurückgekehrt von der Reinigung, wird ihr von vielen Silobewohnern erheblicher Respekt, von anderen aber auch Angst, Verunsicherung und Missmut entgegengebracht. Jules weiß dies natürlich genau, geht aber ihren Weg, denn sie hat ein Versprechen gegeben. Silo hat Solo (Jimmy) und den Kindern aus dem verlassenen, abgeschalteten Silo 17 versichert, dass sie zurückkommt, um sie zu retten. Dazu demontiert sie einen entdeckten Bohrer, der in einem versteckten Raum hinter der Mechanik gefunden wurde, und beginnt zu graben.

In SILO 1 stellt sich heraus, dass Senator Thurman nicht tot und somit Donnys Stellung mehr als gefährdet ist. Denn Thurmans eigene Tochter Anna hatte es eingefädelt, dass Donald die Rolle ihres Vaters übernimmt, um den miesen Machenschaften der Menschen der alten Welt endlich ein Ende zu bereiten und allen Menschen, die unter der Erde leben müssen, zu einem wahren, lebenswerten Leben zu verhelfen.

Doch die Herrscher von SILO 1 geben sich nicht damit ab, dass es Widerständler gibt. Sie gehen den drastischen Weg und gefährden damit die Leben von unzähligen Menschen  …

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Mit EXIT liefert Hugh Howey den dritten und letzten Teil seiner SILO-Trilogie. Der Geschichte um Menschen, die in Silos unter der Erde leben. Der Großteil dieser Menschen wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen und stirbt dort. Dort befinden sie komplette Welten, die Bewohner wissen nicht, wie es außerhalb ihrer Welten aussieht, ein Überleben ist dort nicht möglich. Dies wird ihnen zumindest immer wieder nahegebracht. Lediglich in SILO 1 gibt es Menschen der alten Welt und unter ihnen gibt es einige, die sich erinnern und sich nicht mit dem Schicksal abgeben wollen, nie wieder die wahre Welt zu sehen.

Hugh Howey hat mit seiner Trilogie eine sehr spannende und fesselnde Science Fiction – Dystopie geliefert, die im Original komplett beim Amazon Verlag Create Space erschienen ist. Dass seine Geschichte solch einen Erfolg feiert, hat den Autor selbst überrascht. Der Piper Verlag (Randomhouse) hat alle drei Teile jeweils in schönen gebundenen Ausgaben veröffentlicht, wobei der erste Band sogar optisch noch mit einem hübschen, gelben Schnitt gedruckt wurde. Hieran wurde leider bei den Nachfolgern gespart. Dennoch machen sich die drei Romane nebeneinander sehr schön im Bücherregal, denn optisch sind sie dennoch gut angeglichen.

Handelte SILO von den Bewohnern in Silo 18, lieferte der zweite Teil LEVEL dann einen Prequel zum ersten Band und der Autor ließ hier die Leser die Geschichte von ihren Anfängen an erleben. Ausgelegte Fäden haben sich bereits innerhalb der Handlung verknüpft. Und mit seinem dritten und letzten Teil geht er weiter. Die Geschichten laufen aufeinander zu, Schicksale verbinden sich. Auch sein finaler Roman der Reihe war wieder sehr fesselnd, spannend und teilweise nervenaufreibend. Sprachlich ist der Stil recht einfach und schlicht gehalten, dennoch ist die Stimmung atmosphärisch und packend.

Howey zeigt dem Leser in seiner Geschichte wie größenwahnsinnig die Menschen sein können. Wie eigennützig und berechnend. Wie verlogen und brutal. Er zeigt aber auch, dass es Menschen gibt, die mutig sind und voller Hoffnung, die sich wagen einen Weg einzuschlagen, der nicht vorhersehbar ist.

Mir hat die gesamte Reihe großen Spaß gemacht und ich war schon traurig, dass ich nach ca. 1.200 Seiten Abschied nehmen musste von Charakteren, die mir während der Handlung ans Herz gewachsen sind.

Mein Fazit: Die Reihe ist eine spannende Mischung aus Science Fiction und Dystopie. Die Idee der Handlung gefällt mir sehr gut, ist vielleicht aber nicht neu, wie es eventuell der ein oder andere Filmfreak zu berichten weiß. Spannend, rasant, beklemmend und stark beschreibt der Autor hier das Leben und Sterben, das Kämpfen und Hoffen der Bewohner der SILOs. Ich gebe nur zu gerne eine Leseempfehlung!

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Wer Lust hat die Rezensionen zu den beiden ersten Teilen der Trilogie zu lesen, der klicke auf die untenstehenden Links:

Rezension zu Teil 1 – SILO

Rezension zu Teil 2 – Level

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© Buchwelten 2015

Rattenfänger von Paul Finch

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faul finchErschienen als Taschenbuch
(mit orangem Schnitt)
im PIPER Verlag
480 Seiten
9,99 €
ISBN: 978-3-492-30579-2
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Mark „Heck“ Heckenburg steht vor einer Herausforderung als eine Mordserie beginnt, die an Grausamkeit kaum zu übertreffen ist:

Am Weihnachtsfeiertag wird ein toter Mann aufgefunden, ein junges Paar ermordet – oder eher hingerichtet – am Valentinstag, der nächste Mord geschieht an Ostern. Gibt es hier einen Zusammenhang? Da die Morde an Feiertagen verübt wurden, liegt die Vermutung eines religiösen Fanatikers nahe. Keine einfache Aufgabe für das Dezernat für Serienverbrechen. Plötzlich scheint eine DNA Spur der entscheidende Hinweis zu sein. Doch Heck glaubt nicht an solch eine einfache Lösung. Dafür sind die Morde viel zu ausgeklügelt und perfekt arrangiert. Heck findet die Spur viel interessanter, die er in einem nie veröffentlichten Manuskript findet. Denn hier sind die verübten Morde relativ detailgetreu niedergeschrieben …

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Rattenfänger“ ist nach „Mädchenjäger“ der zweite Fall um Detektive Mark Heckenburg. Gleich vorweg, den ersten Teil kenne ich nicht, dennoch habe ich mir diesen Thriller ausgesucht, weil er mich sehr angesprochen und neugierig gemacht hat. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Paul Finch hat hier einen sehr guten, spannenden, fundierten Thriller geliefert, der mich vom Anfang bis zum Ende gefesselt hat. Der Spannungsbogen ist sehr gut gespannt, der Schreibstil absolut gut und angenehm. Die Figuren sind mir sehr sympathisch, allen voran der Ermittler Mark „Heck“ Heckenburg, in dem nach eigener Aussage des Autors eine Menge Charaktereigenschaften seines Vaters zu finden sind. Dies hat der sehr sympathische Autor in seinem ausführlichen Nachwort beschrieben. Sein Vater war selbst Autor und Drehbuchautor. Paul Finch selbst hat allerdings viele Jahre als Polizist und Journalist gearbeitet, weshalb er die Einblicke in beide Arbeitsbereiche wahrscheinlich so glaubhaft und real rüberbringen kann.

Finch schreibt nicht seicht, die Morde sind blutig, heftig und sehr detailliert beschrieben. Allerdings nicht reißerisch oder übertrieben. Er beschreibt nicht nur die grausamen Anblicke von Tatorten und deren Fotos, sondern auch die unmittelbaren Reaktionen darauf durch die beteiligten Kollegen sehr gut und glaubhaft. Immer wieder nimmt die Handlung neue Wendungen an, die den Handlungsbogen straff halten.

Was ich auch positiv hervorheben möchte, sind die diversen Verfolgungsjagden, die der Autor so real und rasant geschrieben hat, dass ich meinte, ich schaue einen Film und lese kein Buch. Ich habe mich dabei erwischt, dass ich mein Lesetempo an das der jeweiligen Verfolgungsszene angepasst habe. Als würde die Figur schneller rennen können, wenn ich schneller lese. Ich denke, man versteht was ich meine. So etwas geschieht mir nicht oft.

Der Roman, der im Original „Sacrifice“ (Opfer) heißt, ist für mich nicht so passend ins Deutsche übersetzt, aber nun gut, dass erlebt man leider öfter. Anstatt man einfach den englischen Titel beibehält, wird ein deutscher gesucht, der nichts mehr mit der Handlung zu tun hat. Aber immer noch besser, als ein deutscher Titel, der auch englisch ist und trotzdem „übersetzt“ wurde 🙂 Gibt es ja alles. Sehr schön und ausgefallen ist der Schnitt, den der Verlag in knalligem Orange hat das Buch zieren lassen. Auch wenn es ab und zu ein bisschen bröselt, es ist ein toller Hingucker.

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Mein Fazit: Ein erstklassiger Thriller, der rasant, ausgeklügelt, dramatisch und oft auch sehr brutal ist. Absolut fesselnd und ausgestattet mit sehr guten, angenehmen Charakteren macht er Lust auf mehr. Mir zunächst einmal auf den ersten Roman „Mädchenjäger“.

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© Buchwelten 2014

LEVEL von Hugh Howey

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Level

Erschienen als gebundene Ausgabe
(mit Lesebändchen)
im PIPER Verlag
432 Seiten
19,99 €
ISBN: 978-3-492-05647-2

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Donald ist eigentlich Architekt, schafft es jedoch mit Senator Thurmans Hilfe als Abgeordneter in den Senat. Er ist natürlich sehr stolz auf diesen Erfolg, und als der Senator ihn mit der Planung und dem Bau eines gigantischen unterirdischen Silos beauftragt, zweifelt er keinen Moment am genannten Nutzen des Teils. Das Silo muss angeblich als zusätzliche Schutzmaßnahme neben einem geplanten Endlager für radioaktive Brennstäbe erbaut werden.

Als es dann am Tage der Einweihung der Anlage zur Katastrophe kommt, flüchten sich die Menschen in die erbauten Silos, auch Donald gelingt die Flucht in eines der unterirdischen Wohnanlagen. Mit dem Wechsel des Lebens von der überirdischen Welt, die durch den Kollaps unbewohnbar geworden ist, in die unterirdische, beginnt nicht nur für Donald ein Leben, wie man es sich nicht annähernd vorstellen kann.

Macht, Intrigen, Rebellion und Aufstände beherrschen das Leben in den Silos und nach und nach kommt Troy, der Leiter des Silo 1 dahinter, dass sein eigenes Schicksal mit dem der mächtigen Gründer der Silos verbunden ist ….

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Level ist der zweite Teil der Silo-Reihe, der jedoch keine Fortsetzung, sondern ein Prequel ist, somit also die Vorgeschichte zu SILO erzählt. Wusste man in SILO nicht wirklich, in welchem Jahr die Geschichte spielt, so sind hier in LEVEL die Jahreszahlen benannt. Und Hugh Howey springt zwischen den Jahren hin und her, sodass ich mir ab der Hälfte des Buches etwa einen Spickzettel zugelegt habe, damit ich nicht den Überblick verliere. Denn auch zwischen zwei Zeitsprüngen hat der Autor gerne nochmal eine Rückblende eingebaut.

Der Autor beginnt den ersten Teil mit der Zeit vor dem Bau und dem anschließenden Bau der Silos, und springt dann immer wieder in eine Zeit, in der die Menschheit schon geraume Zeit dort unten lebt.

Dann eröffnet Howey im Laufe der Handlung immer wieder neue Handlungsstränge, die sich schlussendlich auch verbinden, wobei ich einen Handlungsstrang für die „Auflösung“ nicht unbedingt als wichtig erachtet habe, aber nun gut. Deshalb war er nicht weniger interessant 🙂

Hugh Howey hat den Spannungsbogen gut gespannt und seine Charaktere wieder gut ausgearbeitet. Ich kam in Laufe der Geschichte recht schnell auf die anstehenden „Auflösungen“, allerdings empfand ich sie nicht als zu absehbar. Als aufmerksamer Leser, der sich noch gut an den ersten Teil SILO erinnern kann, kann man aber gut folgen. Von daher war für mich das Ende auch nicht wirklich überraschend. Ich muss jedoch gestehen, dass ich während der Lektüre SILO mindestens viermal in der Hand hatte, um mir Figuren aus dem ersten Buch noch einmal anzuschauen und mir meine Vermutungen zu bestätigen.

PIPER präsentiert den Roman wieder als gebundene Ausgabe mit Lesebändchen. Dass der Verlag aber in diesem zweiten Teil an einem schönen Hingucker des Erstlings SILO gespart hat, verstehe ich nicht wirklich und finde es auch schade. Denn bei Silo war der Schnitt ringsherum passend zum Cover in knallgelb gefärbt. In diesem Teil hätte ein türkis oder ähnliches sehr gut gepasst, der Schnitt wurde in LEVEL aber gar nicht farbig gefertigt.

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Mein Fazit: 5 Sterne für einen gelungenen Teil 2, der eher ein Prequel und keine Fortsetzung ist, sich jedoch im Laufe der Handlung an SILO heranarbeitet. Ausgestattet mit einem guten Handlungsbogen und charakterstarken Figuren, gefällt er mir sogar besser als Teil 1. Ein fesselndes, dystopisches Science Fiction Abenteuer.

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Ich danke dem PIPER Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

(Quellen der Videos: Piper.de)

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Rezension auf Buchwelten zu SILO

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© Buchwelten 2014