Das Arkonadia-Rätsel von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
544 Seiten
15,00 €
ISBN: 978-3-492-70426-7

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Jasper und seine Tochter Jasmin sind im Auftrag von Omni, einer Vereinigung von mächtigen Zivilisationen der Milchstraße, unterwegs zum Planeten Arkonadia. Dort taucht alle 453 Jahre ein seltsames Objekt, das Nerox, genannt wird auf und verhilft demjenigen, der es betreten kann, zu großer Macht über Arkonadia. Doch mit dem Erscheinen des Nerox geht es nicht nur um Macht über den Planeten Arkonadia, sondern das Objekt verbirgt ein Geheimnis, das eine Milliarde Jahre lang verborgen war und nun endlich gelöst werden soll.

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Wie bei jedem neuen Buch von Andreas Brandhorst schwelt im Hinterkopf der Gedanke, ob er es auch dieses Mal wieder schafft, die hohe Meßlatte, die er sich selbst mit seinen bisherigen Romanen gesetzt hat, zu erfüllen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten war mir klar, dass es ihm gelungen ist.
Auf faszinierende Weise schafft es Brandhorst erneut, seine Leser mit seiner bildhaften Erzählweise und dem hochwertigen Schreibstil in seinen Bann zu ziehen. Und wieder begegnet der aufmerksame Leser eine Vielzahl an Anspielungen der Film- und Literaturwelt, die so geschickt in die Handlung einbezogen werden, dass es eine wahre Freude ist. „Das Arkonadia-Rätsel“ schließt an die Handlung von „Omni“, dem ersten Roman aus dem Omniversum an, kann aber auch ohne weiteres als selbständiges Werk gelesen werden. Besitzt man allerdings das Vorwissen des ersten Teils, haben die Geschehnisse dennoch eine andere (bessere) Wirkung. Brandhorst bleibt sich treu, webt philosophische Überlegungen in den Plot, das man eigentlich nur begeistert sein muss. Ähnlich wie ein anderer meiner SF-Lieblingsautoren, nämlich Stephen Baxter, führt Andreas Brandhorst seine Leser an Grenzen (und sogar darüber hinaus), die manchmal das menschliche Vorstellungsvermögen überschreiten, aber trotzdem dermaßen bildlich beschrieben werden, dass diese Szenen fast schon einem literarischen Drogenrausch gleichen. Es ist wirklich unglaublich, wie dieser Autor galaktische Grenzen mit faszinierenden Ideen überschreitet – und dies auch noch nachvollziehbar erzählen und erklären kann.

Zwei Handlungsstränge vereinigen sich im Laufe des Romans. Dadurch schafft Brandhorst wieder einmal einen regelrechten Pageturner, denn ich wollte immer wissen, wie es in der anderen Geschichte weitergeht. Der Plot zeigt auch immer wieder überraschende Wendungen (vor allem gegen Ende) und schraubt die Spannungsschraube gleichmäßig im Verlauf der Handlung nach oben. Aber gerade die teils ruhige, melancholische Stimmung dieses Romans war es, die mich besonders faszinierte. „Das Arkonadia-Rätsel“ ist, wie der erste Star Trek-Kinofilm, ein beeindruckender, oftmals stiller Trip an den Rand der Milchstraße, die man nicht so schnell vergisst. Und obwohl keine Oder nur wenige) Weltraumschlachten á la Star Wars vorkommen, hat man am Ende das Gefühl, einer epischen Reise beigewohnt zu haben.

An einigen Stellen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Brandhorst sich auch einmal in Richtung Steampunk austoben wollte. Besagte Stelle erinnerte mich auch irgendwie an Stephen Kings Zyklus vom „Dunkeln Turm“. Ob das beabsichtigt ist, kann ich schwer beurteilen. Sollte es allerdings so sein, dann kann ich nur sagen „Hut ab, Herr Brandhorst.“ 🙂
An Ideenreichtum mangelt es auch dem neuen Buch aus dem Omniversum auf keiner einzigen Seite. Und auch die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren ist auf hohem Niveau durchdacht. Doch selbst den Nebenfiguren wurde erfreulicherweise „echtes“ Leben eingehaucht und hat zur Folge, das man mit ihnen mitfühlt und -fiebert.
Andreas Brandhorst schafft auch mit seinem neuen Buch, was andere Autoren zwar versuchen, aber oftmals einfach nicht in dieser Art hinbekommen: Spannung, Liebe, Philosophie, Intrigen, das Leben und der Tod in eine faszinierende Geschichte zu verpacken. Brandhorsts Romane machen süchtig. Nun muss man erst einmal wieder warten, bis neuer Lesestoff vom deutschen Meister der intelligenten, literarisch hochwertigen Science Fiction kommt.

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Fazit: Spannung und Philosophie in eine atemberaubende Handlung verpackt. Kultpotential mit Suchtgefahr.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das zweite Schiff (Rho Agenda 1) von Richard Phillips

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
432 Seiten
12,99 €
ISBN: 978-3-492-26991-9

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Im Jahr 1948 kann das amerikanische Militär in New Mexico ein abgestürztes, außerirdisches Raumschiff bergen. Über Jahrzehnte hält die Regierung diesen spektakulären Fund geheim. Bis eines Tages drei Jugendliche durch Zufall ein zweites Raumschiff entdecken und damit ein bedrohliche Hetzjagd ins Rollen bringen …

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Schon nach den ersten Seiten wird klar, dass man es bei „Rho Agenda“ mit einem klassischen Science Fiction-Roman zu tun bekommt, der technische Hard-SF mit jugendlichem Abenteuerroman verbindet. Das Konzept geht auf und man wird sofort von der bildhaft geschilderten Handlung mitgerissen. Wie bei einem typischen SF-Film aus den 80er-Jahren begleitet der Leser drei jugendliche Freunde, die durch Zufall einen spektakulären Fund machen und zuerst unschlüssig sind, wie sie sich verhalten sollen. Phillips braucht eine Weile, um dem Leser die Protagonisten nahe zu bringen, vor allem denkt man anfangs, es handelt sich vielmehr um Erwachsene als um Jugendliche. Aber das ändert sich schon bald.

Dem Verlag (und auch dem Buch) wird wohl des Öfteren vorgeworfen, es handle sich um eine Mogelpackung, da der Verlag den Roman als Buch für Erwachsene anpreist. „Bei „Das zweite Schiff“, übrigens dem ersten Teil eines Zyklus, handelt es sich in der Tat um einen Genremix aus Teenager-Abenteuer, Mystery und Science Fiction. Aber was ist so schlimm daran, dass Jugendliche die Hauptperson spielen? Und als typisches Jugendbuch würde ich dieses Werk auch nicht unbedingt bezeichnen, denn an manchen Stellen wird es schon auch einmal brutal und blutig. Ich für meinen Teil habe diese Geschichte wirklich sehr genossen, zumal sie ich, wie schon oben erwähnt, an SF-Filme wie „Explorers“, „Zathura“ oder die Serie „Roswell“ erinnert hat.
Richard Phillips‘ Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und hält, bis auf einige umgangssprachliche Ausrutscher (die allerdings auch an der Übersetzung liegen könnten), ein durchwegs ansprechendes Niveau.

Sicherlich strotzt der Plot nur so von klischeehaften Bildern der Guten und der Bösen. UFOs, FBI, Serienkiller und drei Jugendliche, die alles in den Griff kriegen, das hat schon was von Enid Blytons „Fünf Freunde“ oder Alfred Hitchcocks „Die drei ???“. Aber auch so etwas hat seine Existenzberechtigung und ist noch um Längen besser wie so manch genauso klischeebehafteter Action-Blockbuster des heutigen Kinos. Richard Phillips hat mit diesem ersten Abenteuer einen soliden Grundstein für die weitere Geschichte gelegt und, wenngleich die Charaktere nicht immer optimal ausgearbeitet wirkten, so habe ich sie auf gewisse Art und Weise ins Herz geschlossen und bin wirklich sehr gespannt, wie es weitergeht. Wir haben es bei diesem Roman also mit einer zwar seichten, aber durchaus funktionierenden Unterhaltung zu tun, die zudem auch noch spannend und sehr bildhaft erzählt wird. Ich hatte einen Riesenspaß mit dem ersten Teil der „Rho Agenda“-Serie und freue mich schon auf Teil 2 und 3. Bleibt nur zu hoffen, dass der Verlag die weiteren Bände, von denen im Original bereits zwei weitere erschienen sind, ebenfalls publiziert.

Für Science Fiction- und Abenteuerfans kann ich „Das zweite Schiff“ trotz klitzekleiner Makel nur empfehlen.

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Fazit: Äußerst spannender und absolut unterhaltsamer Science Fiction-Roman mit sympathischen, jugendlichen Protagonisten und dem charmanten Flair von 80er Jahren-Filmen.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Krähenmutter von Catherine Shepherd

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Erschienen als Taschenbuch
bei PIPER
insgesamt 288 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-492-30965-3
Kategorie: Thriller
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Laura Kern bekommt einen seltsamen Fall zugeteilt. Ein Säugling verschwindet am helllichten Tag aus einem Supermarkt. Samt seinem Kinderwagen wurde er entführt, die junge Mutter ist völlig außer sich. Der Vater des Kindes scheint etwas zwielichtig. Er schweigt, ist nicht sonderlich hilfsbereit bei den Ermittlungen und wirkt somit verdächtig. Doch plötzlich verschwindet der Vater des entführten Kindes ebenfalls und Laura und ihr Partner Max müssen sich sputen, die Ermittlungen voranzutreiben. Doch sie stehen vor einem Rätsel ….

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Diesen Thriller habe ich überraschend vom Verlag bekommen, darum kam ich auch erst recht spät dazu, ihn zu lesen. Die Inhaltsangabe klang nicht schlecht. Das Cover ist hingegen derzeitiger Standard. Schwar-weiß-rot sind sie seit einigen Jahren ja fast alle. Das diese Präsentation nicht für einen spektakulären Inhalt garantiert, wusste ich schon länger.

Fange ich mal damit an, dass ich von Catherine Shepherd bis dato weder was gelesen noch gehört hatte. Eine kleine Anfrage in einer Suchmaschine ergab, dass die Autorin eigentlich Katrin Schäfer heißt und normalerweise Zons-Krimis schreibt, die wohl recht erfolgreich sind. Ich finde es schon komisch, dass eine deutsche Autorin sich ein englisches Pseudonym zulegt, um interessanter zu wirken. So empfinde ich das zumindest.

Die Grundidee dieses Thrillers finde ich wirklich gut, auch die Haupthandlung, den Grund der Entführung, die abschließende Aufklärung. All dies ist eigentlich eine tolle Idee. Ich finde nur die Umsetzung ein wenig zu fad, zu absehbar und mit Protagonisten, mit denen ich die gesamte Handlung über nicht warm wurde. Ich muss gestehen, dass ich die Person des Max (Partner der Ermittlerin) schon irgendwie vergessen habe. Laura Kern selbst wirkte irgendwie gestelzt und unnahbar. Ihr fehlte für mich die Seele, die Tiefe.

Flott lesen lies sich der Thriller allemal. Ich war in zwei Tagen durch und das soll bei meiner Lesegeschwindigkeit mittlerweile (leider extrem runtergeschraubt) doch was heißen.

Mein Fazit: Ein Thriller der von mir, um es mit Sternen auszudrücken, leider nicht mehr als 3 von 5 erhält. Er liefert eine gute Grundidee, die mir jedoch irgendwie zu lieblos oder auch dröge niedergeschrieben wurde. Ist aber alles Geschmackssache. Also, wen die Inhaltsangabe neugierig macht, sollte selbst lesen und sich sein eigenes Bild machen.

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© Buchwelten 2017

Omni von Andreas Brandhorst

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Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 560 Seiten
Preis:  15,00  €
ISBN: 978-3-492-70359-8
Kategorie: Science Fiction

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Omni ist ein Zusammenschluss von Superzivilisationen, der Macht über die Milchstraße besitzt. Der Zehntausendjährige Aurelius, geboren auf der mittlerweile legendären Erde, arbeitet für Omni und erhält einen Auftrag, bei dem er verhindern soll, dass ein geheimnisvolles Artefakt, das an Bord eines im Hyperraum gestrandeten Raumschiffs gefunden wurde, in falsche Hände gerät. Doch es sind bereits weitere Interessierte dem Wrack auf der Spur. Der Agent Forrester und seine Tochter Zinnober zum Beispiel sollen den Fund bergen und dazu auch noch Aurelius entführen. Denn wie es scheint könnte mit seiner Hilfe das Artefakt aktiviert und zu einer mächtigen Waffe umfunktioniert werden. Schon bald sehen sich Aurelius, Forrester und Zinnober einem Komplott gegenüber, das die Zukunft der ganzen Menschheit bedrohen könnte …

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„Are you sitting comfortably?“ fällt mir bei dem neuen Roman von Andreas Brandhorst nur ein. Denn wenn man sich sein neues Werk zu Gemüte führen will, sollte man es sich tatsächlich bequem machen, weil … nun ja, die Geschichte lässt einen einfach nicht mehr los.
„Omni“ ist eine Science Fiction-Achterbahnfahrt und ein Pageturner, wie er besser nicht sein könnte. In gewohnt gehobenem und äußerst edlem Schreibstil entführt Brandhorst den Leser erneut in ein Universum voller Wunder, Gefahren und auch Emotionen. Mit einer unglaublichen Akribie entwirft der Autor Welten, die durch detaillierte Erklärungen absolut glaubwürdig wirken und den Leser genauso wie die Protagonisten faszinieren. „Omni“ ist laut Brandhorst auch eine Hommage an die wunderbare Schriftstellerin Ursula K. LeGuin und den Filmemacher George Lucas. Und in der Tat, wer sich mit dem Gesamtwerk dieser beiden Künstler beschäftigt hat, wird die diversen Anspielungen entdecken und eine wahre Freude daran haben.

Die Story und das entworfene Universum lässt Spielraum für unzählige Abenteuer, was wohl von Andreas Brandhorst auch so gedacht ist. 😉 Ich bin ziemlich sicher, dass uns noch einige Geschichten aus dem „Omni-Versum“ beschert werden. Der Plot rast nur so dahin und erinnert oftmals an Science Fiction-Filme aus den 70er und 80er Jahren. Geschickt vermischt Brandhorst ein spannendes Abenteuer mit hintergründiger Philosophie und einer bis ins Detail ausgearbeiteten Umgebung. Die Bilder, die in der Vorstellung des Lesers dabei entstehen, gleichen einem Kinoblockbuster vom Allerfeinsten und bieten noch den Vorteil, von einer echten Handlung mit Sinn getragen zu werden. Das hat was und man fragt sich unweigerlich, warum noch niemand auf die Idee gekommen ist, einen Roman von Andreas Brandhorst auf die Kinoleinwand zu bringen. „Star Wars“ und „Star Trek“ würden nämlich echte Konkurrenz bekommen.

Andreas Brandhorst hat mit seinem letzten Roman „Das Schiff“ die Meßlatte für Science Fiction Bücher (sowohl anderer Autoren als auch seiner eigenen) unglaublich hoch gesetzt, so dass ich bei „Omni“ höchstens gleichwertiges erwartet hätte. Ich wurde eines besseren belehrt, denn „Omni“ schlägt wieder einmal Brandhorsts vorherige Bücher. Auch wenn die visionäre Sichtweise unserer Zukunft und der außergewöhnlich bildhafte Schreibstil dieselben sind, perfektioniert der Autor seine Arbeit auf fast schon unheimlich Art und Weise. Andreas Brandhorst ist eindeutig der derzeit beste Science Fiction Autor aus Deutschland und könnte sich ohne weiteres einen Thron mit internationalen Größen teilen. Wie in vielen seiner Romane lädt der Schriftsteller seine Leser zum Nachdenken ein, lässt seine Protagonisten über ewiges Leben, das Älterwerden, den Sinn des Lebens und das Sterben philosophieren und den interessierten „Zuschauer“ daran teilnehmen. Bei Brandhorsts Zukunftsepen steht immer der Mensch beziehungsweise die Menschlichkeit im Vordergrund und genau das macht seine Bücher aus und hebt sie von anderen Geschichten ab, in denen Weltraumschlachten und künstliche Intelligenzen die Handlung steuern. In Brandhorsts Universen hingegen „menschelt“ es, und zwar gehörig. Immer wieder wird uns ein melancholischer Spiegel vorgehalten, in dem wir uns selbst in einer weit entfernten Zukunft zu erkennen scheinen. Und zwar mit all unseren Ängsten und Hoffnungen, die Menschen eben ausmachen. Und gleichzeitig siedelt Brandhorst diese menschlichen Sehnsüchte in atemberaubenden Abenteuern an, die gerade deswegen äußerst glaubwürdig wirken.
Ich kann es kaum erwarten, den neuen Roman von Andreas Brandhorst in Händen zu halten.
Besser kann Science Fiction nicht sein …

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Fazit: Science Fiction vom Allerfeinsten. Hochspannende, intelligente und philosophische Space Opera vom derzeit besten deutschen Science Fiction Autor.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

 

Die Star Trek Physik von Metin Tolan

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Erschienen als Hardcover
im Piper Verlag
insgesamt 352 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-05653-3
Kategorie: Science Fiction, Sachbuch

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Was steckt wirklich hinter der Kultserie „Star Trek“? Wie genau wurden die schlauen und logischen Bemerkungen von Mr. Spock und Data von den  Drehbuchautoren recherchiert? Könnte es eine Zukunft, wie in den Star Trek-Serien und -Kinofilmen wirklich geben? Metin Tolan, Professor für Experimentielle Physik, geht den Hintergründen der Serie auf physikalisch-wissenschaftlichem Weg nach.

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Es ist schon erstaunlich, wie Tolan das macht. Einerseits versteht man als Nichtphysiker so ziemlich nichts, was da steht, aber andererseits dann irgendwie doch wieder. Ähnlich wie Stephen Hawking in seinem Meisterwerk „Eine kurze Geschichte der Zeit“ erklärt der deutsche Physiker für fast jedermann verständlich (auch wenn das jetzt meinen obigen Worten widerspricht 😉 ), auf welchen physikalischen Überlegungen die Welt von Captain Kirk und seinen Nachfolgern aufbaut. Garniert werden die wissenschaftlichen Untersuchungen mit Zitaten aus den Star Trek-Serien oder -Filmen, was den Lesefluss unheimlich auflockert und auch extrem neugierig macht. Denn anhand der zitierten Begebenheiten (an die sich der ein oder andere Fan mit Sicherheit erinnern wird, so ging es zumindest mir) leitet Tolan dann seine Untersuchungen ein. Und er geht den Dingen dabei wunderbar erfrischend auf den Grund. Es wird alles genauestens erklärt und man kann, auch wenn man es nicht immer hundertprozentig versteht, absolut nachvollziehen.

Es werden so viele Dinge der Serie behandelt, die man als Zuschauer einfach so hingenommen hat, ohne zu wissen, welch ausgeklügelte Überlegungen dahinter stecken. Das ist schon wirklich erstaunlich und faszinierend (so würde es Spock wohl eher bezeichnen), mit wie viel Liebe zum Detail den Protagonisten die Worte in den Mund gelegt wurden. Mithilfe von physikalischen Grundgesetzen wie zum Beispiel der Relativitätstheorie oder aktuellsten Forschungen auf dem Gebiet der Quantenphysik beweist Tolan, wie sehr Star Trek an der Wahrheit ist oder schon bald sein könnte. Der Warp Antrieb, das Beamen, die Holodecks, die Kommunikation, die Tarnvorrichtungen der Romulaner und Klingonen und und und … das alles wird untersucht und physikalisch zerlegt. Es macht richtig Spaß, den Ergebnissen zu folgen, und ist, wenn man sich erst einmal eingelesen hat, unheimlich spannend. Es gab Momente, in denen konnte ich das Buch nicht zur Seite legen, weil ich noch unbedingt wissen wollte, was bei den Untersuchungen herauskam.

Metin Tolans Schreibstil ist eine Mischung aus wissenschaftlich notwendigen, manchmal komplizierten Erklärungen und einem flüssigen Talkrundengespräch. Diese Mixtur lässt sich unglaublich gut und unterhaltsam lesen, so dass auch einem Menschen wie mir, der sich normalerweise nicht für Physik interessiert, gar nicht auffällt, wie die Zeit  beim Lesen verrinnt. Tolan schaffte es sogar, mich in einigen Punkten für physikalische Dinge zu begeistern.
Star Trek Fans müssen bei diesem Buch zugreifen, denn alleine schon die Zitate aus den verschiedenen Serien und Filmen bringen tolle Erinnerungen zurück. Und wenn dann noch eine wissenschaftlich fundierte Erklärung der darin beschriebenen Vorgänge folgt, muss man das als Trekkie wissen.

„Die Star Trek Physik“ ist nicht unbedingt eine leichte Lektüre, man muss seinen Kopf schon ein wenig anstrengen, wenn man den Ausführungen folgen möchte, auch wenn sie oftmals sehr bildlich dargestellt und erklärt werden. Dennoch liest sich Tolans neues Buch fast schon wie ein Roman, hat man sich erst einmal an den Sachbuch-Stil gewöhnt.
Ach ja, die „Details für Besserwisser“ sind sehr sehr physikalisch, aber man sollte sie trotzdem zumindest „überfliegen“, denn auch hier verbergen sich so manch interessante Erkenntnisse.
Wer nach diesem Buch einen Star Trek Film oder eine der Serien sieht, wird wohl auf so einiges achten. Aber nicht nur innerhalb des Star Trek Universums gibt Tolan auf so manches eine gute Erklärung ab, denn vieles lässt sich logischerweise auch auf unseren Alltag anwenden und öffnet dem Leser die Augen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum sehen unsere Adern, die unter der Haut verlaufen, blau aus, wenn rotes Blut durch sie hindurch fließt?

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Fazit: Für Star Trek Fans ein unglaubliches, physikalisches Abenteuer, dass die Serien und Kinofilme in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Für alle anderen lohnt sich dieser spannende Ausflug in die Wissenschaft allerdings auch, denn Metin Tolan ist ein wirklich guter Erklärer.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Tripods – Die dreibeinigen Herrscher von John Christopher

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Erschienen als Broschur
im Piper Verlag
insgesamt 736 Seiten
Preis:  20,00  €
ISBN: 978-3-492-70349-9
Kategorie: Science Fiction, Jugendbuch, All Age

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Sie sind plötzlich da: die Tripods! Riesig, dreibeinige Maschinen aus dem All, die sich die gesamte Menschheit mit Hilfe von Kappen gefügig machen wollen, die ihre Träger zu willenlosen Marionetten machen. Will wehrt sich gegen diese Maßnahme und findet Verbündete, die sich ebenfalls nicht der Herrschaft der Außerirdischen beugen wollen. Gemeinsam versuchen sie, die Tripods zu bekämpfen …

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Schon nach den ersten Seiten wusste ich, dass es sich bei dem Tripods-Zyklus von John Christopher um einen Vorläufer der heutigen, sogenannten All Age-Romane und beliebten Dystopien handelt. Christopher schreibt zwar für Jugendliche, das merkt man an dem meistens sehr einfachen Schreibstil, vermag aber mit seinem Endzeit-Szenario auch Erwachsene zu faszinieren. Es macht wirklich Spaß, den Hauptprotagonisten Will und seine Freunde bei der Rettung der Welt zu begleiten.
Die Alien-Invasion, die beschrieben wird, ruft oftmals Bilder aus H.G. Wells „Krieg der Welten“ in Erinnerung, wirkt aber an keiner Stelle nachgemacht. Es ist die Ausgangssituation, in die der Leser hineingeworfen wird, die an Wells SF-Klassiker denken lässt.

Manchmal hätte ich mir schon einen etwas hochwertigeren Schreibstil gewünscht, denn gerade die Kontaktaufnahme mit den Aliens im zweiten Band hätte dadurch durchaus einen höheren Reiz gehabt. Aber nichtsdestotrotz stach der zweite Teil des Zyklus in meinen Augen aus den anderen Bänden heraus, weil er beim Leser fast schon menschliche Gefühle für die „Feinde“ aufkommen ließ. Das hat mir außerordentlich gut gefallen.
Die Story wird flott vorangetrieben und nie langweilig. Christopher hat einen astreinen Abenteuer-Roman geschrieben, der Jugendliche vor fünfzig Jahren wahrscheinlich um einiges mehr begeistert hat wie heute. Die ersten drei Bände wurden in den Jahren 1966 und 1967 geschrieben und waren eigentlich eine Auftragsarbeit, was man aber an keiner Stelle herausliest. Über zwanzig Jahre später hat Christopher dann eine Vorgeschichte geschrieben, die sich hervorragend in das bestehende Bild der Trilogie einfügt.

„Die Tripods“ sind unterhaltsam und verbreiten eine sehr schöne Abenteueratmosphäre, in der man sich als Leser sofort wohlfühlt. Auch schafft das Buch, dass man sich wieder an seine eigene Kindheit voller knisternder Spannung und Abenteuer zurückerinnert.
Interessant ist, dass sich Christopher nie auf spektakuläre Kampfszenen einlässt, sondern den Plot geradlinig und ohne große Schnörkel erzählt. Das mag für den ein oder anderen Leser langweilig wirken, für mich gab es aber ein stimmiges und vor allem authenthisches Bild einer Welt, wie sie nach einer solchen Invasion durch Außerirdische durchaus aussehen könnte. Christophers Epos ist nicht nur reine Science Fiction, sondern auch ein typisches „altes“ Abenteuerbuch aus einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche noch auf Bilder in ihrer Fantasie angewiesen waren und nicht alles durch Spezialeffekte in Kinofilmen vorgesetzt bekamen.
Sciencer Fiction Fans meines Alters (Jahrgang 1964) werden einige Anleihen von damaligen SF-Filmen erkennen (wie schon erwähnt „Kampf der Welten“, aber auch zum Beispiel „Logan’s Run“), aber das erhöht das Vergnügen für ältere Leser ungemein, denn auch hier fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt.
Insgesamt ist John Christophers Alien-Invasion ein absolut unterhaltsames Lesevergnügen, das ohne Verluste die vielen Jahre seit ihrem Entstehen überstanden hat. Umso erfreulicher, dass der Piper Verlag nun eine Gesamtausgabe, in der Trilogie und Vorgeschichte vereint sind, auf den Markt gebracht hat.

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Fazit: Vorläufer der heute beliebten All Age-Romane und Dystopie-Szenarien. In einfachem Schreibstil wird eine geradlinige Abenteuergeschichte für Jugendliche und Erwachsene erzählt, die absolut unterhält.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Schattenschläfer von Paul Finch (Mark Heckenburg IV)

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 480 Seiten
Preis:  9,99  €
ISBN: 978-3-492-30687-4
Kategorie: Thriller

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Mark Heckenburg hat es in ein verschlafenes Nest verschlagen. In der Nähe des Lake District verrichtet er nun seinen Dienst. Nach seinem letzten Fall hat er sich freiwillig dorthin versetzen lassen, er wollte raus aus der Stadt.

Der Winter hält Einzug und ein schwerer, dichter Nebel verschluckt den kleinen Ort, der von Bergen und Seen umgeben ist, beinahe vollständig.

Zwei junge Wanderinnen verschwinden und es weist einiges darauf hin, dass ein bekannter Killer, der vor über 10 Jahren die Ermittler beschäftigt hat, zurückgekehrt ist. Schließlich wurde damals nie die Leiche des Mörders gefunden. Nun scheint er tatsächlich wieder zuzuschlagen und er tötet seine Opfer brutal. Heck beginnt seine Suche und jagt den Killer und dabei bringt er nicht nur sich, sondern auch Menschen, die im nahestehen, in Gefahr.

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Dies ist der vierte Fall des Detective Mark Heckenburg, für mich ist er der dritte. Ein Roman der Reihe fehlt(e) mir. Zwischenzeitlich liegt er jedoch auch in meinem SUB. Danke Wolfgang ☺. Diesen Roman habe ich überraschend vom PIPER-Verlag erhalten, was mich wirklich gefreut hat. Denn die ersten zwei Roman von Paul Finch haben mir sehr gut gefallen. Ich habe alte Bekannte wiedergetroffen und auch wenn mir der Vorgänger zu diesem Fall noch fehlt, konnte ich der Handlung problemlos folgen.


Finch erzeugt eine unheimlich düstere, bedrückende Stimmung. Die Idee mit dem dichten Nebel in den Bergen ist sehr gut umgesetzt. Die Spannung ist durchgehend gegeben und der Leser verfolgt gespannt, was es mit dem seltsamen Fremden wohl auf sich hat. Die Auflösung ist gut geschrieben und nicht absehbar. Der Autor schreibt die Mordszenen sehr ausführlich und doch recht brutal. Für sehr zartbesaitete Leser sollte dies eine kleine Warnung sein. Ich war gefesselt von der Handlung und hatte wirklich Spaß, mal wieder durch einen Thriller zu „fliegen“.

Ein kleines Lob an den Verlag: Er bleibt seiner Linie treu und liefert die Taschenbücher weiterhin im gleichen Design. Der Schnitt ist farbig gestaltet, bei jedem Teil in einer anderen. Dieses mal ist es giftgrün. Ich finde es optisch sehr gut gelungen. Zu oft wechseln Verlage innerhalb einer Reihe die Optik, was ich nicht nachvollziehen kann und es dann im Regal auch noch blöd aussieht.

Mein Fazit: Ein toller weiterer Fall um Mark Heckenburg (und ja, auch Gemma Piper). In einem völlig anderen Umfeld verliert die Geschichte um den Detective nichts von seiner Spannung, ganz im Gegenteil. Hier gebe ich gerne eine Leseempfehlung für Fans von rasanten und fesselnden Thrillern.

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© Buchwelten 2016

Das Objekt von John Sandford und Ctein

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 576 Seiten
Preis:  16,99  €
ISBN: 978-3-492-70397-0
Kategorie: Science Fiction

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In der Nähe des Saturn wird durch Zufall ein Objekt entdeckt, dass sich als außerirdisches Raumschiff entpuppt. Die Vereinigten Staaten und China rüsten sich für die technische Herausforderung einer Reise zum Saturn. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und als sich die Raumschiffe beider Länder auf den Weg machen, verschwindet das Objekt wieder. Doch die Reise ins All wird von beiden Ländern nicht abgebrochen und als das erste Raumschiff der Menschheit schließlich den Saturn erreicht, macht die Crew dort eine unglaubliche Entdeckung.

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Bereits nach den ersten Seiten dachte ich, dass mich mit „Das Objekt“ ein wahnsinnig spannendes und authentisches Abenteuer erwarten würde. Mein Gefühl hat mich nicht getrogen. Ohne das Gemeinschaftswerk von Schriftsteller John Sandford und Physiker Ctein mit Romanen von beispielsweise Stephen Baxter, Arthur C. Clarke oder Gregory Benford vergleichen zu wollen, erreichen sie dennoch mit ihrer Geschichte eine gewisse ähnliche Stimmung wie obengenannte Autoren.
Die Mischung aus wissenschaftlichen Erklärungen und einer mitreißenden Story hat einen Reiz, dem man sich schwer entziehen kann. Der ein oder andere Leser mag diese Schilderungen technischer Abläufe als extrem langweilig empfinden, ich für meinen Teil wurde großartig damit unterhalten und konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.

Sandford und Ctein verstehen es, eine weltumfassende Geschichte zu inszenieren, die durchaus wahr sein könnte. Es ist etwas wirklich Großes, dass die beiden Autoren da geschaffen haben und erinnert an Erstkontakt-Romane und -Filme wie „2001“, oder „Mission To Mars“. Die Odyssee, die wir zusammen mit den Protagonisten durchführen, ist zwar voller Gefahren und Misserfolgen, nimmt uns aber mit auf eine unglaubliche, realistische Reise durch den Weltraum. Ich fühlte mich auf dem Raumschiff heimelig, mochte die Besatzung und nahm an ihrem Alltag teil, als wäre ich selbst dabei. Dieses Gefühl des Dabeiseins wurde hervorragend vermittelt. Der Plot wird in fast klassischer Art eines Weltraumabenteuers a la Heinlein verpackt, kann aber mit einem bedeutend besseren Konzept und einer innovativen Erstkontakt-Idee aufwarten. Vom Verlag wird das Buch mit „Der Marsianer“ von Andy Weir verglichen. Dieser Vergleich hinkt gewaltig, denn „Das Objekt“ verfolgt ein völlig anderes Ziel und ist auch vom Schreibstil her etwas komplett anderes.
Sandford und Ctein legen einen Hard Sci-Fi Roman ohne Weltraumduelle oder Warp-Antriebe vor, sondern gehen den Weg eines vorwiegend leisen Weltraum-Abenteuers im Stile von John Carpenters „Dark Star“ oder eben „2001“ und „2010“. Wer Action erwartet, wird enttäuscht sein und sollte die Finger von „Das Objekt“ lassen. Hier wird, wie bereits erwähnt, eine ruhige Gangart eingelegt, die aber keineswegs langweilig ist, sondern unglaublich fasziniert.

Schreibstiltechnisch wirkt das Ganze wie ein Mix aus hochwertigen Sätzen und teils umgangssprachlichem Geflachse. Aber die Mischung funktioniert und unterhält. Es ist keine wirklich epische Geschichte, aber sie ist schon sehr nahe dran. Einziger kleiner „Störfaktor“ ist die oft übertriebene pathetische Seite des Romans, wie gut denn alle Amerikaner sind. Aber wenn man das überliest, bekommt man einen wirklich gut recherchierten, wissenschaftlich detaillierten, unterhaltsamen und ideenreichen Roman serviert.
Die Charaktere sind nicht besonders gut ausgearbeitet und erfüllen so ziemlich alle Klischees, die man sich nur denken kann. Aber auch das stört nicht besonders, denn man findet trotzdem Zugang zu den Protagonisten.
Einzig das Ende der Geschichte hätte ich mir ein wenig ausgeklügelter und nicht so flach gewünscht. Da wäre es vielleicht sogar besser gewesen, das Autorenduo hätte die Geschichte einfach noch im Weltraum enden lassen.

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Fazit: Faszinierende Reise durchs All zum Saturn. Detailverliebte, hochwertig formulierte Technikbeschreibungen und eine interessante Erstkontakt-Theorie lassen einen das Buch schwer aus der Hand legen. Tolle Hard-SF.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Chrysaor von James A. Sullivan

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Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70403-8
Kategorie: Science Fiction

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Auf dem Planeten Chrysaor werden die Überreste einer uralten, anscheinend außerirdischen, Kultur entdeckt. Es handelt sich dabei um eine Station, die voller rätselhafter Maschinen steckt. Die Menschen hoffen auf einen neuen technologischen Fortschritt, sobald sie das Geheimnis des Fundes entschlüsselt haben. Der Pilot Chris soll das Geheimnis jener fremdartigen Technologie ergründen, bevor die Uranosier, ein kriegerischer Stamm von Außerirdischen, sich ihrer bemächtigen können. Chris wird verfolgt und man trachtet ihm nach dem Leben. Während seiner Reise zum Planeten Chrysaor entdeckt er immer mehr Puzzleteile, die sein Weltbild komplett verändern …

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Ich war wirklich sehr gespannt, mit welchen Werken der Piper-Verlag in seinem neuen, noch jungen Science Fiction-Programm in diesem Jahr an den Start geht. Die Inhaltsangabe von James A. Sullivans „Chrysaor“ machte mich neugierig und da ich Fan von epischen Science Fiction-Romanen von zum Beispiel Peter F. Hamilton, Stephen Baxter, Iain Banks und Andreas Brandhorst bin, konnte ich es kaum erwarten, dieses Abenteuer zu lesen.
Leider wurde meine anfängliche Euphorie bereits nach den ersten Seiten gehörig gedämpft, denn Sullivans Schreibstil sagt mir so überhaupt nicht zu. An manchen Stellen dachte ich, ich lese gerade einen unlektorierten Schreibversuch eines fünfzezhnjährigen Schülers, der sich für Science Fiction begeistert.

Sullivan, der einst Co-Autor bei Bernhard Hennens erstem Elfen Roman war, hat aus meiner Sicht kein wirkliches Gefühl für Sprache. Zu umgangssprachlich schildert er Situationen, die eigentlich einen anderen, niveauvolleren Stil verdient hätten. Dadurch verliert die geplante (und mit Sicherheit gut gemeinte) Epik jegliches Fundament und verliert sich in teils hilflosen Ausdrucksproblemen, die wie oben schon erwähnt, amateurhaft wirken. Der Plot wird zwar zügig vorangetrieben, so dass man durchaus weiterlesen will, aber durch die sprachlichen Holpersteine, die einem als Leser in den Weg gelegt werden, verliert man desöfteren dann doch die Lust. „Epische Science Fiction für alle Fans von Peter F. Hamilton“, wie  auf der Buchrückseite, ist „Chrysaor“ defintiv nicht. Bei weitem nicht, denn dieser Roman erreicht nicht einmal annähernd das Niveau eines Peter F. Hamilton und bewegt sich weitab von bombastischer Epik, wie einem durch den Text auf der Buchrückseite suggeriert wird. Ich würde James A. Sullivans ersten Science Fiction-Roman eher als seichte Unterhaltung für Jugendliche bezeichnen, die keinen besonderen Wert auf sprachliche Qualität legen.

Sullivan schafft es aus meiner Sicht auch nicht, seinen Protagonisten echte Charaktereigenschaften zu verpassen. Sehr unemotional und trocken wird die Geschichte erzählt. Die Story wirkt unausgegoren, undurchdacht und konstruiert. Die Handlungen der Personen grenzen manches Mal schon an ungewollter Komik und wirken unglaubhaft. Die Story läuft einfach nicht rund und zu viele Unpässlichkeiten stören den Lesefluss.
Ohne Frage stecken einige passable Ideen in der Geschichte, die aber leider nicht zufriedenstellend ausgearbeitet und geschildert werden. „Chrysaor“ hätte durchaus ein episches Science Fiction-Werk werden können, hätte sich der Autor mehr Mühe gegeben und die umgangssprachlichen „Patzer“ überarbeitet. So manches Mal habe ich mich gefragt, ob dieser Roman überhaupt durch ein Lektorat gegangen ist, denn auf mich wirkte das Ganze wie eine unüberarbeitete Rohfassung.
Es gibt so viele deutsche, noch unbekannte Science Fiction-Schriftsteller, die weitaus bedeutendere Werke vorlegen könnten, aber von großen Verlagen permanent abgelehnt werden. Da frage ich mich ernsthaft, wie es Sullivan mit dieser Geschichte geschafft hat.

Geschmäcker sind verschieden und ich bin sicher, dass Sullivan mit seinem Erstling im Science Fiction Genre Anhänger finden wird, die er auch begeistern kann, denn Ideen sind durchaus vorhanden. Mein Fall ist es aber leider nicht, weil eben zu unemotional, konstruiert und umgangssprachlich geschrieben.

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Fazit: Epische Science Fiction sieht anders aus. Sullivan schreibt emotionslos und ein wenig unbeholfen eine konstruierte Geschichte, die es auf keiner Seite schafft, den Leser in den Bann zu ziehen.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Das Schiff von Andreas Brandhorst

Schiff

Erschienen als Taschenbuch
bei Piper
insgesamt 544 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70358-1
Kategorie: Science Fiction

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Die Maschinen haben die Herrschaft über die Erde inne und verfolgen Spuren im ganzen All, um die Hinterlasssenschaften der Muriah, einer untergegangenen Hochkultur der Milchstraße, aufzuspüren. Dabei werden die intelligenten Maschinen von sogenannten Mindtalkern, sterblichen Menschen, unterstützt, die per Gedankenkraft durchs All reisen können. Die Mindtalker Adam und Rebecca  sind sicher, dass sie von den Maschinen betrogen werden und versuchen während ihrer Missionen die Verschwörung aufzudecken. Dabei stoßen sie auf eine weitaus größere Bedrohung für die Menschen als die, die von den Maschinen ausgeht …

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Wie macht der Mann das nur?
Diese Frage stelle ich mir bei jedem Buch von Andreas Brandhorst, das ich lese, mehrmals. So auch bei „Das Schiff“.
Immer wieder meint man, nichts zu verstehen und dennoch versteht man irgendwie alles. Das ist eine Kunst, die nur wenige Schriftsteller in dieser Art beherrschen. Brandhorst gehört eindeutig dazu.
Er nimmt uns in seinem neuesten Roman, wie bei vielen seiner Science Fiction-Geschichten, mit auf eine unglaubliche Reise durch Universen, die so manches Mal fast unsere Vorstellungskraft übersteigt. Und dieses Mal streut Andreas Brandhorst auch noch absolut tolle philosophische Gedanken ein, die sich mit dem Leben und Sterben respektive Unsterblichkeit beschäftigen. Spannung und Tiefgang halten sich in diesem Roman die Waage und man kann das Buch schwerlich aus der Hand legen.
Ein wenig düster, aber dennoch nicht deprimierend, zeichnet der Autor das Bild einer Welt, in der der Mensch von Maschinen beherrscht wird. Die glaubwürdigen Charaktere wachsen einem ans Herz und man teilt ihre Ängste, Hoffnungen und Sehnsüchte.

Brandhorst schafft es hervorragend, diese Endzeit-Stimmung einzufangen. Man sieht sich förmlich neben den Protagonisten auf windumwehten Gipfeln stehen und sieht zusammen mit ihnen über eine apokalyptische Landschaft. Dabei sinnt man über deren Leben, aber auch über das eigene, nach und wünscht sich, an jenem Ort im Buch zu sein, obwohl er im Grunde genommen eigentlich schrecklich ist.
Fast neige ich dazu, „Das Schiff“ als Brandhorsts bestes Buch zu bezeichnen. Sein Zukunftswelten sind visionär und vermitteln genau jenes Gefühl, das sich ein Science Fiction-Fan wünscht: unendliche Weiten, apokalyptische Szenarien und eine hochtechnisierte Zivilisation.
Man merkt, wie sehr Andreas Brandhorst selbst Science Fiction mag und liebevoll Bücher anderer Autoren und Filme in seine Handlung einfließen lässt, ohne je zu kopieren. Brandhorsts Universen sind eigenständig und angefüllt mit unendlich vielen, grandiosen Ideen. Andreas Brandhorst macht süchtig.

Der Autor setzt die Meßlatte für seine eigenen Bücher immer sehr hoch. Und dennoch wird man nie von seinen neuen Werken enttäuscht, sondern wie eh und jeh mitgerissen. Man kann sich Brandhorsts bildhaftem Schreibstil schwer entziehen. Ich kann nur wiederholen, dass sich Andreas Brandhorst für mich wie ein deutscher Iain Banks, Peter F. Hamilton oder Alastair Reynolds anfühlt. Visionäre Science Fiction-Romane, die den aufmerksamen Leser auf eine philosophische Ebene bringen, ohne die Spannung zu vernachlässigen. Brandhorst ist Abenteuerschreiber und Philosoph in einem.
Und wenn ich mir seine Entwicklung ansehe, so nähert er sich mit seinen letzten beiden Romanen „Ikarus“ und „Das Schiff“ immer mehr einem persönlichen Höhepunkt in seiner Karriere. Man darf gespannt sein (ich bin es sowieso), wohin uns sein neuer Roman „Omni“, der voraussichtlich noch dieses Jahr bei Piper erscheint, führt.

Andreas Brandhorst wird meiner Meinung nach mit jedem Roman noch besser, was an sich unglaublich ist, denn schon sein  Kantaki-Zyklus war phänomenal.

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Fazit: Visionär und philosophisch entführt Brandhorst den Leser in eine Zukunftswelt, die ihresgleichen sucht. Nach „Ikarus“ ein neues Meisterwerk.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Ich danke dem Piper-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.