Planetenjäger von George R.R. Martin & Gardner Dozois & Daniel Abraham

Erschienen als Taschenbuch
im Penhaligon Verlag
insgesamt 350 Seiten
Preis: 14,99 €
ISBN: 978-3-7645-3172-0
Kategorie: Science Fiction

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Nachdem er einen wichtigen Politiker auf dem Kolonieplaneten Sáo Paulo getötet hat, flieht Ramon Espejos mit seinem Transporter in die Wildnis. Er hofft, dass die Polizei nach einer Weile die Suche nach ihm aufgibt. Durch einen Unfall trifft Ramon unglücklicherweise auf eine bisher unbekannte Alienrasse, die im Verborgenen bleiben will. Ramon wird von den Aliens gefangen genommen und gezwungen, einen weiteren entflohenen Gefangenen zu verfolgen, damit dieser nicht von der Existenz des unbekannten Volkes berichten kann. Ramon erklärt sich bereit, denn er verspricht sich, während der Jagd, wieder selbst flüchten zu können.

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Wer nur nach dem, übrigens sehr gelungenen und interessanten, Cover geht, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein, dass nicht das zwischen den Buchdeckeln steckt, was einem das Raumschiff auf dem Titelbild suggeriert. „Planetenjäger“ ist zwar Science Fiction, aber nicht von der Art Weltraumschlachten und schießenden Guten und Bösen. Martin als Hauptautor geht eine vollkommen andere Richtung, die mich anfangs sehr oft an Wolfgang Petersens „Enemy Mine“. Auch hier gehen ein Mensch und ein Außerirdischer eine unfreiwillige „Freundschaft“ ein. So ähnlich beginnt der Plot von „Planetenjäger“, entwickelt sich dann aber im weiteren Verlauf zu einer völlig anderen Geschichte.
Während die erste Hälfte einem Abenteuerroman gleicht, geschieht im zweiten Teil eine wirklich unerwartete Wendung, die dem Roman einen vollkommen anderen Aspekt verleiht. Gerade diese Wendung macht „Planetenjäger“ dann erst so richtig interessant und an manchen Stellen geradezu philosophisch. Eines ist sicher, die Situation, die dadurch entsteht, regt den Leser auch noch nach dem Genuss der Lektüre zum Nachdenken an.

Das Autorentrio siedelt sein Actionabenteuer zwar auf einem fremden Planeten an, lässt aber Raumschiffe im Großen und Ganzen außen vor und widmet sich dem Konflikt zwischen Menschen und Alien. Ein bisschen „District 9“ wurde ebenso verbaut wie der bereits oben erwähnte „Enemy Mine“. Aber eben genau diese Kombination, verbunden mit einem relativ sympathischen Helden ergibt ein faszinierendes Bild. Ramon ist zwar irgendwie ein Macho,  besitzt aber dennoch auf gewisse Art und Weise Charisma. Das hat zur Folge, dass der Protagonist auf jeden Fall glaubwürdig rüberkommt.  Für mich war dieser Roman wieder einmal der Beweis, dass Science Fiction eben auch außerhalb epischer Schlachten im Weltraum funktionieren kann. George R.R. Martins Ausflug ins Science Fiction-Genre vermittelt manchmal das Bild alter Abenteuerromane oder SF-Filme wie zum Beispiel „Robinson Crusoe auf dem Mars“. Unspektakulär treiben die Autoren die Geschichte voran und warten mit vielen Wendungen auf, die die Story niemals langweilig werden lassen.

Die Beschreibungen der Alienrassen und auch das Leben auf einem fremden Planeten in einer Kolonie klingen absolut authentisch und werden auch sehr bildhaft dargestellt. Für mich war „Planetenjäger“ ein außergewöhnliches SF-Abenteuer, das mich durchwegs begeistert hat. Sicherlich hätte man einiges noch detaillierter beschreiben können (was mir persönlich gefallen hätte), aber da höre ich auch schon wieder die Gegenstimmen, die jammern, dass alles viel zu langatmig geworden ist. Mir hat die Menschenjagd sehr gut gefallen und Martin hat mich mit diesem Werk vollkommen überzeugt, dass er auch gute und intelligente Science Fiction schreiben kann. Vor allem die Auseinandersetzung des Protagonisten mit dem eigenen Ich hat mir sehr gut gefallen.
Wer einen etwas außergewöhnlichen Science Fiction Roman der ruhigeren Art sucht, ist mit „Planetenjäger“ sicherlich gut bedient. Star Wars und Hard-SF-Fans werden bestimmt gelangweilt sei, obwohl es auch an Actionszenen nicht mangelt. Aber hier spielt einfach nun mal der Mensch (und das Alien) die Hauptrolle. 😉

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Fazit: Keine Weltraumschlachten, sondern eine unspektakuläre Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Ein etwas „anderer“ SF-Roman.

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Das Arkonadia-Rätsel von Andreas Brandhorst

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
544 Seiten
15,00 €
ISBN: 978-3-492-70426-7

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Jasper und seine Tochter Jasmin sind im Auftrag von Omni, einer Vereinigung von mächtigen Zivilisationen der Milchstraße, unterwegs zum Planeten Arkonadia. Dort taucht alle 453 Jahre ein seltsames Objekt, das Nerox, genannt wird auf und verhilft demjenigen, der es betreten kann, zu großer Macht über Arkonadia. Doch mit dem Erscheinen des Nerox geht es nicht nur um Macht über den Planeten Arkonadia, sondern das Objekt verbirgt ein Geheimnis, das eine Milliarde Jahre lang verborgen war und nun endlich gelöst werden soll.

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Wie bei jedem neuen Buch von Andreas Brandhorst schwelt im Hinterkopf der Gedanke, ob er es auch dieses Mal wieder schafft, die hohe Meßlatte, die er sich selbst mit seinen bisherigen Romanen gesetzt hat, zu erfüllen. Schon nach den ersten fünfzig Seiten war mir klar, dass es ihm gelungen ist.
Auf faszinierende Weise schafft es Brandhorst erneut, seine Leser mit seiner bildhaften Erzählweise und dem hochwertigen Schreibstil in seinen Bann zu ziehen. Und wieder begegnet der aufmerksame Leser eine Vielzahl an Anspielungen der Film- und Literaturwelt, die so geschickt in die Handlung einbezogen werden, dass es eine wahre Freude ist. „Das Arkonadia-Rätsel“ schließt an die Handlung von „Omni“, dem ersten Roman aus dem Omniversum an, kann aber auch ohne weiteres als selbständiges Werk gelesen werden. Besitzt man allerdings das Vorwissen des ersten Teils, haben die Geschehnisse dennoch eine andere (bessere) Wirkung. Brandhorst bleibt sich treu, webt philosophische Überlegungen in den Plot, das man eigentlich nur begeistert sein muss. Ähnlich wie ein anderer meiner SF-Lieblingsautoren, nämlich Stephen Baxter, führt Andreas Brandhorst seine Leser an Grenzen (und sogar darüber hinaus), die manchmal das menschliche Vorstellungsvermögen überschreiten, aber trotzdem dermaßen bildlich beschrieben werden, dass diese Szenen fast schon einem literarischen Drogenrausch gleichen. Es ist wirklich unglaublich, wie dieser Autor galaktische Grenzen mit faszinierenden Ideen überschreitet – und dies auch noch nachvollziehbar erzählen und erklären kann.

Zwei Handlungsstränge vereinigen sich im Laufe des Romans. Dadurch schafft Brandhorst wieder einmal einen regelrechten Pageturner, denn ich wollte immer wissen, wie es in der anderen Geschichte weitergeht. Der Plot zeigt auch immer wieder überraschende Wendungen (vor allem gegen Ende) und schraubt die Spannungsschraube gleichmäßig im Verlauf der Handlung nach oben. Aber gerade die teils ruhige, melancholische Stimmung dieses Romans war es, die mich besonders faszinierte. „Das Arkonadia-Rätsel“ ist, wie der erste Star Trek-Kinofilm, ein beeindruckender, oftmals stiller Trip an den Rand der Milchstraße, die man nicht so schnell vergisst. Und obwohl keine Oder nur wenige) Weltraumschlachten á la Star Wars vorkommen, hat man am Ende das Gefühl, einer epischen Reise beigewohnt zu haben.

An einigen Stellen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Brandhorst sich auch einmal in Richtung Steampunk austoben wollte. Besagte Stelle erinnerte mich auch irgendwie an Stephen Kings Zyklus vom „Dunkeln Turm“. Ob das beabsichtigt ist, kann ich schwer beurteilen. Sollte es allerdings so sein, dann kann ich nur sagen „Hut ab, Herr Brandhorst.“ 🙂
An Ideenreichtum mangelt es auch dem neuen Buch aus dem Omniversum auf keiner einzigen Seite. Und auch die Charakterentwicklung der beiden Hauptfiguren ist auf hohem Niveau durchdacht. Doch selbst den Nebenfiguren wurde erfreulicherweise „echtes“ Leben eingehaucht und hat zur Folge, das man mit ihnen mitfühlt und -fiebert.
Andreas Brandhorst schafft auch mit seinem neuen Buch, was andere Autoren zwar versuchen, aber oftmals einfach nicht in dieser Art hinbekommen: Spannung, Liebe, Philosophie, Intrigen, das Leben und der Tod in eine faszinierende Geschichte zu verpacken. Brandhorsts Romane machen süchtig. Nun muss man erst einmal wieder warten, bis neuer Lesestoff vom deutschen Meister der intelligenten, literarisch hochwertigen Science Fiction kommt.

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Fazit: Spannung und Philosophie in eine atemberaubende Handlung verpackt. Kultpotential mit Suchtgefahr.

© 2017  Wolfgang Brunner für Buchwelten

Chrysaor von James A. Sullivan

chrysaor

Erschienen als Taschenbuch
im Piper Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis:  14,99  €
ISBN: 978-3-492-70403-8
Kategorie: Science Fiction

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Auf dem Planeten Chrysaor werden die Überreste einer uralten, anscheinend außerirdischen, Kultur entdeckt. Es handelt sich dabei um eine Station, die voller rätselhafter Maschinen steckt. Die Menschen hoffen auf einen neuen technologischen Fortschritt, sobald sie das Geheimnis des Fundes entschlüsselt haben. Der Pilot Chris soll das Geheimnis jener fremdartigen Technologie ergründen, bevor die Uranosier, ein kriegerischer Stamm von Außerirdischen, sich ihrer bemächtigen können. Chris wird verfolgt und man trachtet ihm nach dem Leben. Während seiner Reise zum Planeten Chrysaor entdeckt er immer mehr Puzzleteile, die sein Weltbild komplett verändern …

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Ich war wirklich sehr gespannt, mit welchen Werken der Piper-Verlag in seinem neuen, noch jungen Science Fiction-Programm in diesem Jahr an den Start geht. Die Inhaltsangabe von James A. Sullivans „Chrysaor“ machte mich neugierig und da ich Fan von epischen Science Fiction-Romanen von zum Beispiel Peter F. Hamilton, Stephen Baxter, Iain Banks und Andreas Brandhorst bin, konnte ich es kaum erwarten, dieses Abenteuer zu lesen.
Leider wurde meine anfängliche Euphorie bereits nach den ersten Seiten gehörig gedämpft, denn Sullivans Schreibstil sagt mir so überhaupt nicht zu. An manchen Stellen dachte ich, ich lese gerade einen unlektorierten Schreibversuch eines fünfzezhnjährigen Schülers, der sich für Science Fiction begeistert.

Sullivan, der einst Co-Autor bei Bernhard Hennens erstem Elfen Roman war, hat aus meiner Sicht kein wirkliches Gefühl für Sprache. Zu umgangssprachlich schildert er Situationen, die eigentlich einen anderen, niveauvolleren Stil verdient hätten. Dadurch verliert die geplante (und mit Sicherheit gut gemeinte) Epik jegliches Fundament und verliert sich in teils hilflosen Ausdrucksproblemen, die wie oben schon erwähnt, amateurhaft wirken. Der Plot wird zwar zügig vorangetrieben, so dass man durchaus weiterlesen will, aber durch die sprachlichen Holpersteine, die einem als Leser in den Weg gelegt werden, verliert man desöfteren dann doch die Lust. „Epische Science Fiction für alle Fans von Peter F. Hamilton“, wie  auf der Buchrückseite, ist „Chrysaor“ defintiv nicht. Bei weitem nicht, denn dieser Roman erreicht nicht einmal annähernd das Niveau eines Peter F. Hamilton und bewegt sich weitab von bombastischer Epik, wie einem durch den Text auf der Buchrückseite suggeriert wird. Ich würde James A. Sullivans ersten Science Fiction-Roman eher als seichte Unterhaltung für Jugendliche bezeichnen, die keinen besonderen Wert auf sprachliche Qualität legen.

Sullivan schafft es aus meiner Sicht auch nicht, seinen Protagonisten echte Charaktereigenschaften zu verpassen. Sehr unemotional und trocken wird die Geschichte erzählt. Die Story wirkt unausgegoren, undurchdacht und konstruiert. Die Handlungen der Personen grenzen manches Mal schon an ungewollter Komik und wirken unglaubhaft. Die Story läuft einfach nicht rund und zu viele Unpässlichkeiten stören den Lesefluss.
Ohne Frage stecken einige passable Ideen in der Geschichte, die aber leider nicht zufriedenstellend ausgearbeitet und geschildert werden. „Chrysaor“ hätte durchaus ein episches Science Fiction-Werk werden können, hätte sich der Autor mehr Mühe gegeben und die umgangssprachlichen „Patzer“ überarbeitet. So manches Mal habe ich mich gefragt, ob dieser Roman überhaupt durch ein Lektorat gegangen ist, denn auf mich wirkte das Ganze wie eine unüberarbeitete Rohfassung.
Es gibt so viele deutsche, noch unbekannte Science Fiction-Schriftsteller, die weitaus bedeutendere Werke vorlegen könnten, aber von großen Verlagen permanent abgelehnt werden. Da frage ich mich ernsthaft, wie es Sullivan mit dieser Geschichte geschafft hat.

Geschmäcker sind verschieden und ich bin sicher, dass Sullivan mit seinem Erstling im Science Fiction Genre Anhänger finden wird, die er auch begeistern kann, denn Ideen sind durchaus vorhanden. Mein Fall ist es aber leider nicht, weil eben zu unemotional, konstruiert und umgangssprachlich geschrieben.

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Fazit: Epische Science Fiction sieht anders aus. Sullivan schreibt emotionslos und ein wenig unbeholfen eine konstruierte Geschichte, die es auf keiner Seite schafft, den Leser in den Bann zu ziehen.

© 2016 Wolfgang Brunner für Buchwelten