Buchheim von Yves Buchheim (unter Mitwirkung von Franz Kotteder)

Buchheim von Yves Buchheim

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Heyne Verlag
insgesamt  368 Seiten
Preis: 24,00 €
ISBN: 978-3-453-453-20197-2
Kategorie: Biografie

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Yves Buchheim, der einzige Sohn des berühmten Lothar-Günther Buchheim, erzählt die Lebensgeschichte seines Vaters, aber auch seine eigene und die seiner Familie.

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Yves Buchheim gelang hier in Zusammenarbeit mit Franz Kotteder, einem Reporter und Redakteur der Süddeutschen Zeitung, eine unglaubliche intensive und, zumindest aus meiner Sicht, sehr emotionale Biografie des Schriftstellers, Malers und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim. Wohl jeder kennt seinen Kriegsroman „Das Boot“. Und wenn nicht als Buch, dann zumindest als Film von Wolfgang Petersen. Yves Buchheim schildert eindrucksvoll und enorm kurzweilig nicht nur das Leben seines Vaters, sondern auch das seiner Mutter. Der Leser bekommt Einblick in die Familiengeschichte der Buchheims und begleitet den Sohn (Yves Buchheim) auf (s)einer Reise in die Vergangenheit, die einiges zutage bringt, was man bis dato von Lothar-Günther Buchheim eher nicht wusste. Die Biografie des bekannten, und nach außen hin oft sympathisch wirkenden Buchheim, liest sich spannend und unterhaltend wie ein Roman, von dem man sich (zumindest erging es mir so) nicht mehr losreißen kann. Vor allem die „Vorgeschichte“ der Familie und des Menschen Lothar-Günther Buchheim, bis er mit „Das Boot“ Weltruhm erlangte, ist unglaublich interessant und beeindruckend. Yves rechnet mit dem Vater, der im Grunde genommen niemals richtiger Vater war und wohl auch nicht sein konnte, zwar ab und erschüttert den „Mythos Buchheim“, baut aber im selben Moment irgendwie eine andere Art von Mythos wieder auf, in dem er den Menschen schildert, wie ihn die Öffentlichkeit nur selten erlebte. „Buchheim“ liest sich wie die Aufarbeitung einer „verunglückten“ Vater-Sohn.-Beziehung.

Ich habe sämtliche Romane von L.-G. Buchheim gelesen und war sehr beeindruckt von seiner ruhigen und auch väterlich wirkenden Art, die er zum Beispiel in Interviews zum besten gab. Liest man die Biografie, die sein Sohn verfasst hat, so sieht man einen anderen Menschen hinter der öffentlich zur Schau gestellten Maske, die aber dennoch auch sehr interessante Facetten zeigt. Buchheim wird in diesem Buch als Mensch gezeigt, so wie er war: selbstverliebt, aggressiv und, wenn ich das zwischen den Zeilen richtig gelesen habe, immer auf der Suche nach Liebe, die er selbst nicht imstande war, zu geben. Die tragische Familiengeschichte (und somit auch L.-G. Buchheims eigene Lebensgeschichte) lässt wahrscheinlich nur erahnen, was in diesem Menschen vorging, wenn er seine Wutausbrüche nicht unter Kontrolle bekam. Wenn ich mir die Schilderungen von Yves Buchheim so durch den Kopf gehen lasse, erscheint mir sein Vater wie eine verlorene Seele, die nach Liebe und Anerkennung gestrebt hat und „ausrastete“, wenn diese Unternehmungen nicht von Erfolg gekrönt waren.

„Buchheim“ ist ein ehrliches Buch. Ein schonungsloser Bericht über einen schonungslosen Menschen, der „über Leichen“ ging, um das zu erreichen, was er erreichen wollte. Sicherlich wirft diese Biografie ein völlig anderes Bild auf den „rauen Seebären“, der die Schrecken des Krieges erlebt und in seinen Büchern verarbeitet hat, als man es bis dato hatte. Und Sohn Yves ist in vielerlei Hinsicht wirklich bemitleidenswert, wenn man die Schilderungen seiner Kindheit liest und erfährt, wie sein Vater mit ihm umgegangen (beziehungsweise nicht umgegangen) ist. Aber Yves sucht auch nach guten Eigenschaften seines Erzeugers und vermittelt somit ein Bild von ihm, das L.-G. Buchheim nicht gänzlich unsympathisch macht, sondern eher Mitleid heraufbeschwört. Aufsehenerregend finde ich die auf jeden Fall die Kunstwerke-Beschaffungsmethoden und die Steuerhinterziehungs-Machenschaften, die Buchheim ohne Skrupel durchgeführt hat. Aber so war wahrscheinlich auch die damalige Zeit (Nachkriegszeit) und die „Einstellung“ von Menschen, die den Krieg mit- und überlebt haben. Yves Buchheim hat mein Bild von Lothar-Günther Buchheim leicht, aber nicht vollständig zerstört, sondern mir wertvolle Puzzleteile geliefert, um den Menschen und dessen Handlungen teilweise nachvollziehen zu können. L.-G. Buchheim erscheint mir nach diesem Buch eher wie ein im Grunde genommen sehr einsamer Mann, der auf der verzweifelten Suche nach Emotionen war, derer er selbst nicht fähig war und der seine Kriegserlebnisse nicht verarbeiten und dadurch keine zwischenmenschlichen Beziehungen  führen konnte. Yves Buchheim und Franz Kotteder ist eine sehr informative und eindringliche Biografie gelungen, die aus meiner Sicht gut und gerne die doppelte Seitenanzahl hätte haben können. Ich werde „Buchheim“ definitiv noch ein zweites Mal lesen.

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Fazit: Informative, aufsehenerregende, intensive und emotionale Biografie von Lothar-Günther Buchheim. Unbedingte Leseempfehlung.

© 2018 Wolfgang Brunner für Buchwelten

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Ein angesehener Mann von Abir Mukherjee

Ein angesehener Mann von Abir Mukherjee

Erschienen als Taschenbuch
im Heyne Verlag
insgesamt 512 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-453-42173-8
Kategorie: Krimi, historischer Roman

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In Kalkutta wird ein bekannter Politiker, ein „angesehenen Mann“, ermordet. Der englische Ermittler Sam Wyndham, der gerade aus dem ersten Weltkrieg heimgekehrt ist und sich erst einmal an Kalkutta und seine Einwohner gewöhnen muss, soll den Fall übernehmen. Seine Nachforschungen führen ihn durch die geheimnisvolle Welt Kalkuttas, in der Machtkämpfe, Intrigen und Drogen eine große Rolle spielen.

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Abir Mukherjees Debütroman ist ein süchtig machender, sehr atmosphärischer Krimi, der im Kalkutta des Jahres 1919 spielt. Es ist der Beginn einer Krimireihe um den äußerst sympathischen Ermittler Sam Wyndham. Es dauerte keine zehn Seiten und ich war von der Beschreibung des alten Kalkutta dermaßen fasziniert, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Unglaublich dicht und bildhaft beschreibt Mukherjee die fremde Umgebung und lässt den Leser die drückende Hitze und die Fremdartigkeit der Kultur hautnah miterleben. Oftmals erinnerte mich der sehr angenehme und flüssige Schreibstil des Autors an die Bücher von J.K. Rowling, die sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasst hat. Die Seiten fliegen nur so dahin und erstaunlicherweise wird es niemals langweilig, obwohl wirklich relativ wenig passiert. „Ein angesehener Mann“ ist beileibe kein actionreicher Roman, sondern ein sehr ruhiger Kriminalfall, der mehr auf den Handlungsort und seine Protagonisten, als auf den Fall selbst eingeht. Dennoch verbirgt sich dahinter ein wahrer Pageturner, der süchtig macht.

Mukherjee hat einen genialen Einstieg in seine Krimiserie abgeliefert, die mich nachhaltig beeindruckt. Unglaublich greifbar hat er eine vergangene Zeit aufleben lassen und den Mordfall sehr glaubwürdig in die historischen Begebenheiten eingebaut. Die Auflösung des Falls hat mich an einige Werke von Agatha Christie erinnert und ich denke, dass Fans dieser Autorin auch bei „Ein angesehener Mann“ ihre helle Freude haben. Eingebettet in einen Rahmen aus fremder Kultur und schonungsloser Politik lässt Mukherjee den Leser an einer anstrengenden Ermittlung teilhaben, die oftmals auf der Stelle zu stehen bleiben scheint. Aber genau diese (für manch einen wohl langweilige) Tatsache verleiht dem Plot eine unglaubliche Authentizität, die (mich zumindest) vollkommen begeistert. Allzu gerne hätte ich Sam Wyndham und seinen treuen Begleiter Surrender-not Banerjee noch ein paar Seiten länger begleitet, so wohl fühlte ich mich in der Umgebung. Sehr gut werden außerdem die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit geschildert, so dass vieles absolut nachvollziehbar erscheint, selbst wenn man sich mit solcherart politischer Verstrickungen und Machtverhältnisse nicht auskennt. Interessanterweise sind diese Begebenheiten auch für Menschen wie mich, die sich für Politik überhaupt nicht interessieren, spannend und unterhaltsam, denn man bekommt einen sehr schönen (und eben informativen) Einblick in die damaligen Verhältnisse, der an keiner Stelle langatmig wirkt.

Der Protagonist Sam Wyndham wirkt von Anfang an sehr sympathisch, was vor allem daran liegt, dass er ganz „normal“ ist. Ein Mensch mit Stärken und Schwächen, kein Superermittler, sondern ein Mann, der oft ratlos ist und nicht mehr weiter weiß, aber nicht aufgibt. Der Mann an seiner Seite, Surrender-not Banerjee, kann genau so viele Sympathiepunkte vorweisen und stellt eine perfekte Ergänzung dar. Es macht großen Spaß, die beiden bei ihren Ermittlungen und Überlegungen zu begleiten. Erstaunlicherweise schafft es Munkherjee bis zum Ende, die Spannung aufrechtzuerhalten und mit seiner Auflösung am Ende zu überraschen. Gerade auf den letzten Seiten fügt der Autor sämtliche Fäden zu einem logischen Gerüst zusammen, das den Mordfall nachvollziehbar macht und auch noch ein paar Überraschungen bereit hält.
Für mich war „Ein angesehener Mann“ die Krimi-Überraschung des Jahres, die mit einem atmosphärisch dichten Schauplatz und einem sehr sympathischen Ermittler-Duo aufwartet. Ganz klare Leseempfehlung für Freunde von historischen Kriminalromanen und Fans von Agatha Christie und/oder Robert Galbraith. Ich freue mich schon sehr auf das zweite Abenteuer von Sam Wyndham, das voraussichtlich im Juli 2018 erscheinen wird und den Titel „Ein notwendiges Übel“ trägt.

Zu erwähnen ist vielleicht noch, dass das Cover ein echter Eyecatcher ist. Ich habe das sehr ansprechende Titeklbild während des Lesens desöfteren betrachtet und mich in dieser Welt noch mehr verlieren können. Erfreulicherweise wird das Design beim zweiten Band beibehalten, so dass man als Büchersammler Hoffnung hat, eines Tages eine schön gleich aussehende Sammlung von Sam Wyndham-Büchern im Regal stehen zu haben. 😉

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Fazit: Atmosphärisch dichter, historischer Krimi-Pageturner mit einem überaus sympathischen Ermittler-Duo. Macht süchtig!

© 2017 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Der Todesmeister von Thomas Elbel

Der Todesmeister von Thomas Elbel
Erschienen als Taschenbuch
bei blanvalet
insgesamt 512 Seiten
Preis: 9,99 €
ISBN: 978-3-7341-0414-5
Kategorie: Thriller

Er fängt sie. Er filmt sie. Er foltert sie. Er ist der Meister des Todes.

An der Berliner Oberbaumbrücke wird die grausam zugerichtete Leiche eines jungen Mädchens aus dem Wasser geholt. Lange kann sie nicht im Wasser gewesen sein, dafür ist die Leiche noch zu „frisch“. Und das Mädchen ist nicht irgendein Mädchen. Sie ist die Nichte des Berliner Justizsenators. Die Ermittlungen führen ins Internet, wo grausame Foltervideos auftauchen, die zeigen, dass das Mädchen nicht das einzige Opfer sein kann.

Viktor (von) Puppe, auf eigenen Wunsch frisch versetzt vom LKA ins Kriminalkommissariat, wird sofort in die Ermittlungsarbeit mit einbezogen. Gemeinsam mit seinen Kollegen ermittelt er auf Hochtouren, doch von weiter oben werden die Kommissare ausgebremst. Da soll wohl das ein oder andere gar nicht aufgedeckt werden ….


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Vor ziemlich exakt 6 Jahren habe ich meine erste Rezension zum Debütroman von Thomas Elbel geschrieben. ASYLON war als Erstling in der Science Fiction angesiedelt und bei Piper erschienen. Auch der Nachfolger ELYSION erschien noch dort. Danach wollte man ihn bei Piper wohl nicht mehr. Warum? SciFi verkauft sich nicht? Die Zielgruppe fehlt? Keine Ahnung, ist auch Quatsch aber egal. Denn Thomas Elbel hat deshalb nicht aufgehört zu schreiben. Seinen dritten Roman MEGAPOLIS hat er dann als Selfpublisher auf den Markt gebracht. Ich habe sie alle gelesen und rezensiert und ich mochte Elbels Schreibe immer gern. Auch wenn sie ab und an im Sprachgebrauch nicht so mein Fall war.

Nun hat er hier seinen ersten Thriller, wohl auf dringendes Anraten seines Agenten, geliefert und bei blanvalet ein neues Zuhause gefunden.

Ich habe eine zwar lektorierte, aber unkorrigierte, Fassung als Leseexemplar bekommen und ich hoffe nur, dass die unzähligen, teilweise sehr amüsanten Fehler noch alle vom Korrektorat gefunden und verbessert werden. ☺

Die Handlung ist sehr gut erdacht, der Spannungsfaden gut und straff gespannt und auch wenn es heftig und grausam ist, richtig gut! Leider ist unsere Welt so schrecklich und alles das gibt es im wahren Leben (leider) mittlerweile viel zu oft. Ich kam dem Täter nicht auf die Spur, obwohl ich natürlich kräftig mitgegrübelt und ermittelt habe. Der Schauplatz Berlin ist natürlich toll und die Beschreibungen sehr gut. Man merkt schon auch, dass der Autor dort lebt, und das gern.

Achtung – Eventuelle Spoilergefahr!:

Was mir nicht so gut gefallen hat, ist die teilweise wieder sehr überzogene, flapsige und extrem umgangssprachliche Sprache einiger Figuren. Es soll alles so unbedingt lustig, modern, cool und multikulti sein, dass es mir zuviel ist. (Ich meine nicht die Jugendsprache der entsprechenden Figuren, sondern die Sprache der erwachsenen Protagonisten).

Da ist auf der einen Seiten der gut erzogene Viktor (von) Puppe, der (natürlich) eine düstere Vergangenheit hat. Der trifft bei der Polizei auf zwei Kollegen, die beide unterschiedlicher, ausländischer Herkunft sind. Wenn der männliche Part den Mund aufmacht, kommen nur dumme und saucoole Sprüche heraus. Der weibliche Part ist eine alleinerziehende Türkin, die die Männer „gefressen“ hat und wenn sie dann auch noch deutsch und zu hilfsbereit sind, geht ihr ständig die Hutschnur hoch.

Dann gibt es natürlich noch den bösen Chef, der immer kurz angebunden und streng ist, obwohl er ja angeblich ganz anders ist. Auch die Rolle der schönen Nymphomanin ist vergeben. Hier wurden für meinen Geschmack zu viele Klischees zwingend zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Und das schmälert meine Begeisterung unterm Strich dann auch um einen Stern.

Insgesamt aber dennoch ein sehr gelungener Thriller, der spannend und rasant ist. Wie bereits erwähnt, stellenweise grausam und brutal, also nichts für zartbesaitete Leser. Lieber Thomas Elbel, der Genrewechsel ist gelungen ;-). Mehr davon.

© Marion Brunner_Buchwelten 2017

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Geschichte eines Verschwindens von Hisham Matar

Geschichte

Erschienen als gebundene Ausgabe
im Luchterhand Verlag
insgesamt 192 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-630-87245-2
Kategorie: Drama, Zeitgenössische Literatur

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Der zwölfjährige Nuri el-Alfi lebt nach dem Tod seiner Mutter zusammen mit seinem Vater weiterhin in Kairo. Immer wieder machen sie gemeinsam Urlaub in einem Hotel in Alexandria, wo sie eines Tages die junge Mona kennen und lieben lernen. Beide verlieben sich auf unterschiedliche Weise in die gleiche Frau. Das Schicksal führt den Vater mit Mona zusammen und alles scheint in geordneten Bahnen zu verlaufen. Bis eines Tages Nuris Vater, der gegen die Regierung arbeitet, entführt wird und unauffindbar ist.

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Der vorliegende Roman war letztendlich etwas völlig anderes, als ich erwartet hatte. Ich dachte, dass bedeutend mehr Augenmerk auf die politische Situation gerichtet wird, wurde aber schon nach den ersten Seiten angenehem überrascht. Es ist eher eine Geschichte im Stil von Philip Roth oder John Irving, die einem da in einem wunderbaren (ohne weiteres mit den beiden genannten Autoren vergleichbaren) Schreibstil präsentiert wird.
Man leidet mit dem jungen Protagonsiten, hofft und träumt mit ihm und fühlt sich an seine eigene Kindheit, in der alles noch verklärt schön, aber dennoch voller Komplikationen war, erinnert. Matar schildert die Welt aus der Sicht eines heranwachsenden Jungen, der sich in der Entwicklungsphase zwischen Knabe und Mann befindet und nicht so recht weiß, wo er hingehört.

Wie oben schon erwähnt, ist Matars Schreibstil zwischen Irving und Roth anzusiedeln, und auch seine Erzählweise kommt der von beiden sehr nahe. Eine Mischung aus melancholischen Kindheitserinnerungen und elegischen Rückblenden in ein Leben, das man auch selbst einmal geführt hat, berührt den Leser und schafft es, ihn vollkommen in seinen Bann zu ziehen.

Der für mich bis zu diesem Werk unbekannte Hisham Matar hat mich vollkommen überzeugt und sein Erstling „Im Land der Männer“ ist bereits bestellt und an mich unterwegs.
Matar ist als Kind selbst Opfer politischer Verfolgungen gewesen, dennoch stellt er diese Tatsache nie in den Vordergrund,  sondern lässt uns in erster Linie am Gefühlsleben seiner Protagonisten teilnehmen. Genau das ist es auch, was mich an diesem Buch so beeindruckt hat. Die Politik, auch wenn sie eine wichtige Rolle in der Handlung spielt, ist „Beiwerk“. in Matars Buch geht es vordergründig um die Menschen und ihre Ängste und Hoffnungen.

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Fazit: Einfühlsam und melancholisch erzählt der lybische Autor Matar die herzergreifende Geschichte eines Jungen, dessen erste Liebe, den Verlust des Vaters und den schwierigen Übergang vom Kind zum Mann. Volle Punktzahl.

© 2015 Wolfgang Brunner für Buchwelten

Mord im Viertel von Cord Buch

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Mord im Viertel
Erschienen als Taschenbuch
im Verlag edition oberkassel
insgesamt ca. 200 Seiten
Preis: 11,99 €
ISBN 978-3-943121-63-6
Kategorie: Krimi

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Nele arbeitet als freie Journalistin, ist schon um die 50 Jahre alt und führt ein eher untypisches Leben. Sie teilt Ihre Wohnung mit Tjark, den man wohl als ihren festen Freund bezeichnen kann, hat aber auch immer mal Liebhaber, denn sie hat die Lebenseinstellung, dass man die Liebe und die Menschen nehmen soll, wie sie kommen und sich nicht nur für eine Person aufsparen kann/muss/soll. Tjark teilt diese Lebenseinstellung und so führen sie eine Beziehung, die sich derzeit auf Grund von Tjarks Beruf leider aktiv auf das Wochenende beschränkt.

Ihr Sohn Cairo ist schon 20 Jahre alt und führt sein eigenes Leben. Als dieser eines Abends im Zusammenhang mit den Protesten gegen eine geplante Luxussanierung im Viertel Neles ehemaligen Freund von vor 30 Jahren anschleppt, staunen beide nicht schlecht. Nele ist sicher, dass Joes (das ist der Name des Ex) Erscheinen in Verbindung mit der Widerstandsbewegung steht, denn Joe war vor einigen Jahrzehnten sehr radikal und dies war mitunter ein Grund zur Trennung.

Nele vermutet politische Hintergründe in der geplanten Sanierung und plötzlich geschieht der erste Mord: Der Immobilienhai, mit dem Nele eigentlich zum Interview verabredet war, wird kurz vor dem Termin erschossen aufgefunden. Nele bekommt bei ihren Recherchen unerwartete Unterstützung des Computerfachmanns Ben, der in ihrem Zeitungsprojekt für die Wartung der Rechner verantwortlich ist. Er offenbart sich als gewandter Hacker und ist Nele nur zu gerne behilflich. Zumal er sich auch körperlich von ihr angezogen fühlt.

Nach einem Brandanschlag auf den Infostand des Sanierungsprojektes, gerät ihr Sohn Cairo unter Verdacht. Und nachdem ein weiterer Mord in Neles nahem Umfeld geschieht, zieht auch sie das Interesse der ermittelnden Beamten immer mehr auf sich. In was ist Nele da nur hineingeschlittert? Hat das plötzliche Auftauchen von Joe damit zu tun? Nele weiss, dass sie nicht aufhören darf zu recherchieren. Sie muss erfahren wer und welche Gründe hinter den brutalen Morden stecken …

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Mord im Viertel ist der Debütroman von Cord Buch und den möchte ich doch als gelungen bezeichnen. Er schreibt in einem sehr guten, gehobenen Schreibstil, der mich sehr angesprochen hat. Hier gibt es einige Ausnahmen, auf die ich später noch einmal eingehen werde.

Er beginnt jedes Kapitel mit einer Traumsequenz und gerade diese Sätze haben mich sehr angesprochen. Die Handlung ist gut und schlüssig und erinnert mich mit ihrem doch politischen Hintergrund ein bisschen an die Horst Eckert Romane. Das Interessante für mich war, dass – obwohl hier ein Krimi vorliegt – die Ermittler und Kommissare eine absolute Nebenrolle spielen. Sie tauchen immer mal wieder auf, die wichtigen Charaktere des Buches sind diese allerdings in keinem Fall. Die sind Nele und ihre Freunde, Liebhaber und Bekannten.

Ob mir Nele so richtig ans Herz gewachsen ist, kann ich nicht wirklich beurteilen. Sie lebt sicherlich ein absolut unkonventionelles Leben, was auch gut ist und ihr gegönnt sei. Allerdings ist mir ihr Denken und Handeln sehr oft lediglich vom Sex gesteuert oder verblendet. Und diese Stellen haben mir teilweise dann auch nicht gefallen. Ich mag gerne erotische Szenen lesen, jedoch ist mir hier der Schreibstil in manchen Passagen schon in die pornografische Beschreibung abgerutscht, die mich persönlich überhaupt nicht anspricht. Gegen Ende des Romans hat sich dies dann etwas relativiert und da war mir Nele dann auch sympathischer.

Der Autor nennt die Großstadt in der sein Roman spielt, nie wirklich beim Namen. Wegen der Nähe zum Meer habe ich mir gedacht, dass es sich um Hamburg handelt. Der Spannungsbogen war gut aufgebaut. Ich habe für mich recht früh abgesehen, wer der Mörder war, dass muss aber ja nicht bei jedem so sein.

Was mich ein wenig stört ist, dass der Verlag den Roman in einer absolut kleinen Schrift abgedruckt hat, was das Lesen doch recht anstrengend macht. Mir hätte eine etwas grössere Schrift und ein lockerer Seitenaufbau viel besser gefallen, auch wenn der Roman dadurch mehr Seite vorgewiesen hätte.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen Hamburger Szenekrimi, der in einem sehr guten Schreibstil die Themen Politik, Protest, Geldmacherei, Sex, Beziehung und einiges mehr zwischen zwei Buchdeckeln bietet. Es ist immer wieder interessant, welche Schätzchen sich in kleineren Nischenverlagen finden.

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Ich danke der edition oberkassel für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2014

Boy Nobody von Allen Zadoff

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Bloomoom Verlag
insgesamt 336 Seiten
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-8458-0005-9
Kategorie: Jugendbuch

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Ein Teenager, 16 Jahre alt, genannt Boy Nobody, ist ein Soldat, zumindest nennt er sich selbst so. Das macht es für ihn einfacher. Im Alter von 12 Jahren haben sie ihn in ihr „Programm“ aufgenommen. Ihm blieb keine andere Wahl. Doch, der Tod. Nach einer intensiven Ausbildung ist er einer der besten. Er erledigt seine Aufträge sicher, fehlerfrei, schnell und unauffällig.

Er erschleicht sich das Vertrauen einer Person, meist aus dem Umfeld der Zielperson, dann räumt er das Objekt aus dem Weg. Ohne Spuren zu hinterlassen. Und schon ist er auch wieder weg. Vom „Programm“ in eine andere Stadt geschleust, mit einer neuen Identität ausgestattet, wartet er auf den nächsten Auftrag, den er von seinem „Vater“ oder der „Mutter“ über ein hochverschlüsseltes Smartphone als Eltern-Sohn-Sms getarnt oder per Email erhält.

Doch dieser Auftrag ist anders, kompliziert. Boy Nobody bekommt nur ein extrem knappes Zeitfenster gesteckt. 5 Tage. 5 Tage in denen er als neuer Schüler auftauchen, sich dem Zielobjekt nähern und es eliminieren muss. Normalerweise stehen im mehrere Wochen oder Monate zur Verfügung. 

Als sich die erste Möglichkeit zur Ausführung des Auftrages egibt, zögert er. Ein Fehler, was passiert mit ihm? Er zögert nie, zeigt keine Gefühle, doch nun … beginnt er sich zu verlieben ….

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Ich hatte das Buch in einer Zeit von 4,5 Lesestunden durch. Das lag wohl vor allem an den wirklich kurzen Kapiteln (mal 2,5, dann mal 4 oder mehr aber teilweise auch nur 1,5 Buchseiten), an der relativ großen Schrift und den recht luftig bedruckten Seiten.

Der Autor schreibt aus der Ich-Perspektive in der Vergangenheit. Mit diesem Schreibstil kam ich gut zurecht. Nicht so gut kam ich mit den sehr kurzen, knappen Sätzen klar. Das las sich für mich alles so zackig und teilweise zu abgehackt. Da der Protagonist sehr viel allein unterwegs ist oder nachdenkt, sind diese Szenen alle in dieser Art geschrieben. Als nach und nach mehr Gespräche und somit wörtliche Reden in die Handlung einflossen, habe ich mich wohler gefühlt, denn hier waren die Sätze (Gespräche) dann „normaler“, ausführlicher formuliert.

Ansonsten hat mir das Buch gut gefallen. Die Handlung war fesselnd, die Idee gefällt mir gut. Der Autor hat viel der modernen, technischen Finessen der heutigen Zeit verbaut. Z.B. verschlüsselte Apps auf I-Phones, versteckte Infos in gefakten Facebook-Profilen oder einfachen SMS, die aber völlig andere Inhalte bieten, als sie den Anschein haben.

Boy Nobody ist ein netter Kerl, der sehr nachdenklich ist und versucht die Hintergründe seiner Situation zu erforschen. Er ist bei weitem nicht so kalt wie er tut, dies ist seine Überlebenschance, hat er doch alles verloren, was ihm lieb und wichtig war.

Die Handlung liest sich teilweise wie ein High-School Roman, dann wieder wie ein knallharter Thriller, der auch politische Themen beinhaltet. Hier schreckt der Autor dann auch nicht vor heftigen Kampfszenen zurück, die er ausführlich beschreibt. Aber auch Themen wie Mobbing an der Schule und Zivilcourage werden behandelt, ebenso die verwirrenden Momente einer beginnenden ersten Liebe.

Das Buch wird vom Verlag in einer gebundenen Ausgabe präsentiert, die ein ansprechendes Cover umhüllt. Dunkle Farben, ein Fadenkreuz (okay, Thema verfehlt, Boy Nobody benutzt keine Waffen!) und im Hintergrund ist eine vage Skyline erkennbar. Aber auch unter dem Schutzumschlag kann sich das Buch sehen lassen. Knallrote Buchdeckel, der Rücken ist farbig bedruckt.

Der Roman ist ein erster Teil, in der hinteren Schutzklappe ist zu lesen, dass der Autor bereits an Teil 2 arbeitet. Wieviele Teile es insgesamt werden sollen, weiß ich aber noch nicht.

Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für ein Jugendbuch mit Thriller Niveau, dass sich sehr flott und auch spannend liest. Der Autor verbindet viele Elemente in seiner Handlung, die mir gefallen haben. Ich persönlich konnte mich jedoch mit dem kurzen, knappen Schreibstil in den Erzählphasen nicht so wirklich anfreunden. Ich mag die Sätze lieber länger, verschachtelter und ausführlicher. Aber das ist bekanntlich alles Geschmackssache 🙂

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Ich danke Amazon für die Bereitstellun des Rezensionsexemplars..

© Buchwelten 2013

Schwarzlicht von Horst Eckert

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Erschienen als gebundene Ausgabe
im Wunderlich Verlag
insgesamt 384 Seiten
Preis:  19,95 €
ISBN:  978-3-8052-5057-3
Kategorie: Thriller

erscheint am: 20. September 2013

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Vincent Veih, der sportliche Ermittler, wird vorübergehend zum Leiter des KK11 befördert, da Ela Bach relativ kurzfristig ihren Posten verlässt, um sich beruflich zu verändern.

Veih bekommt es gleich mit einem hochgradig heiklen Fall zu tun: Knapp eine Woche vor der Wahl wird der Ministerpräsident von NRW tot in einem Pool aufgefunden. Der Pool liegt in einem Edelpenthouse eines sehr einflussreichen Bürgers. Offensichtlich pflegten die beiden Männer eine recht enge Freundschaft.

Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Unfall hin. Es scheint, als hätte der Ministerpräsident nach zuviel Alkoholkonsum die Kontrolle verloren, sei ausgerutscht und dann in den Pool gefallen.

Doch wenn alles so einfach wäre, dann bräuchte es keine hartnäckigen Ermittler. Veih ist so ein Mensch, auch wenn er von allen Seiten Steine in den Weg geworfen bekommt.

Veih hat es allein wegen seines familiären Hintergrundes nicht einfach in seinem Job. Seine Mutter ist eine ehemalige RAF-Terroristin, die nach einer langer Haftstrafe wieder auf freiem Fuß ist und nun anderweitig von sich reden macht. Sein Großvater war im zweiten Weltkrieg aktiv an der Ermordung von Juden beteiligt.

Die Wahl rückt immer näher, Vorgesetzte, Parteiangehörige, die Regierung selbst, alle wollen das lästige Thema um den Tod des Ministerpräsidenten schnell vom Tisch haben. Doch Veih lässt sich nicht einfach ausbooten und kaltstellen, er ermittelt auf seinen eigenen Wegen weiter und zwar solange, bis er den Tod um den Ministerpräsidenten aufgedeckt hat. Dabei stößt er auch eine Reihe interessanter und aufschlussreicher Verbindungen, mit denen er so nicht gerechnet hat ….

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Der erste Eckert, der im neuen Verlag Wunderlich/Rowohlt erschienen ist. Das Buch wird als gebundene Ausgabe mit Leseband (!) präsentiert und ist schlicht und einfach in schwarz gehalten, bedruckt mit einem unreisserischen Schriftzug, auf einem dezenten Cover. Mir gefällt die Optik gut, es gleicht sich auch gut den anderen Romanen des Autors an, die nun bekanntlich vorher im grafit Verlag erschienen sind. Die Schlichtheit ist ähnlich, nur dass der knallgelbe grafit-Kasten nicht mehr da ist. Das Buch passt sich jedenfals seinen Vorgängern im Bücherregal gut an. 

Der Text auf der Rückseite besteht nur aus einigen Schlagwörtern, die sehr neugierig machen. Erst im Klappentext des Schutzumschlages gibt es eine kurze Inhaltsangabe im fließenden Text.

Die Handlung war wieder einmal von Anfang an sehr fesselnd und ich bin nur so durch den Roman geflogen. Ich habe eine Reihe alter Bekannter getroffen, die Schauplätze sind Eckert Fans auch bekannt (z.B. die Festung).

Mir hat der Charakter des neuen Ermittlers gut gefallen, ein Mensch, der mit dunklen familiären Hintergründen lebt und es auf Grund dessen nicht unbedingt einfach hat. Er ist dennoch ein offener und ehrlicher Mensch, der mir sympathisch war. Kein Großkotz, kein arroganter Schnösel, einfach ein Mensch, der versucht eine gute Arbeit zu machen und sehr menschlich wirkt.

Ich fand diesen neuen Eckert weniger politisch anstrengend als die vorherigen Bücher, die Handlung ist nicht so hochkompliziert, dass man bei jeder Zeile hochkonzentriert sein muss. Man kann die Lesestunden entspannt genießen, ist dennoch gefesselt und behält jederzeit den Überblick, auch wenn der Autor sehr viele verschiedene Themen aufgegriffen hat und die Handlungsstränge vielseitig sind.

Mein Fazit: 5 von 5 Sternen für den neuen Roman von Horst Eckert. Eine spannende Handlung in bekannter Umgebung, bestückt mit guten, interessanten und vielschichtigen Charakteren. Für mich war es ein fesselndes, kurzweiliges Lesevergnügen.

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Ich danke dem Wunderlich/Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2013

Töte Deinen Nächsten von Michael Herzig (4/5)

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Erschienen als
gebundene Ausgabe
im  grafit Verlag
287 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN:  978-3-89425-668-5

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Die Züricher Stadtpolizistin Johanna di Napoli ist eine eher außergewöhnliche Ermittlerin. Eigenwillig, nicht immer umgänglich und die Vorschriften nimmt sie auch nicht so genau, wenn es ihrer Ansicht nach zu einem Ermittlungserfolg führt. Dies ist zuletzt geschehen, bei der Verhaftung einer umstrittenen Größe des Rotlichtmileus. Ihr Einsatz ist erfolgreich verlaufen, allerdings unter Androhung von Folter, was ihr ein Disziplinarverfahren einbringt und ausserdem noch eine Menge böses Blut, auch unter den Kollegen. Lediglich der selbst ungeliebte Kollege Köbi hält ihr die Treue und Freundschaft und steht Jo immer wieder zur Seite.

Privat läuft es auch nicht so prickelnd bei der Ermittlerin. Johanna trinkt zu oft und zuviel und verwickelt sich in One-Night-Stands, an die sie sich am Morgen danach nicht mehr erinnern kann.

Als Strafarbeit oder auch Beschäftigungstherapie erhält Johanna den Auftrag sich um Deutsche zu kümmern, die in der Schweiz leben und unter fremdenfeindlichen Hintergründen bedroht werden.
So findet z.B. ein Professor sein Auto mit Schmierereien vor und eine Pflegerin bekommt massive Drohbriefe. Der Hass auf die billigen Einwanderer scheint recht gross und dem soll di Napoli nachgehen.
Als während eines Staatsbesuchs der deutsche Politiker Holger Schmitz erschossen und der neben ihm stehende Professor Thorsten Kühne verletzt wird, spitzen sich die Dinge zu. Denn Thorsten Kühne ist einer der Deutschen, die die Ermittlerin wegen der Bedrohungen aufgesucht hat …

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Dieser Roman ist bereits der Dritte um die Ermittlerin Johanna di Napoli. Für mich war es der Erste. Und wieder einmal hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten mich an den Charakter zu gewöhnen oder in die Handlung einzusteigen. Es ist immer wieder angenehm, wenn solche Ermittler-Reihen auch völlig unabhängig gelesen werden können.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, der Schreibstil war angenehm, locker und flüssig zu lesen. Die Ermittlerin di Napilo mit ihren besonderen Ecken und Kanten, Ellebogen und nicht wenigen Macken und Fehlern war mir sehr sympathisch. Ich mag „unperfekte“ Figuren, sie wirken auf mich real und echt. Wobei ich zugeben muss, dass der Name mich anfangs an eine arrogante „Tussi“ hat denken lassen. Doch hier wurde ich eindeutig eines besseren belehrt!

Auch die Verknüpfungen innerhalb der Handlung, die sich nach und nach eröffenden Verbindungen zwischen den verschiedenen Personen und Taten haben mir gefallen, nicht unkompliziert aber dennoch nicht verwirrend. Und das wo ich bei Polit-Thrillern anfangs immer eher etwas skeptisch bin. Doch einen solchen hat Herzig auch nicht vorgelegt. Sicher geht es auch um politische Verbindungen, doch nicht in der Hauptsache. Es geht um ein bisschen Spionage, Russenmaffia, Rotlichtmilieu, eine langjährige Freundschaft, Erpressung, Verrat, Hass und vieles mehr. Und zwischendrin eine Ermittlerin die mit ihren Ellebogen gegen den Ruf der „Quotenfrau jenseits aller Regeln“ zu kämpfen hat.

Ein guter Roman, der fesselt, dessen Handlung sich gut aufbaut und die Spannung halten kann. Lediglich das Ende hat mir nicht so gut gefallen, wobei die ja immer eine absolute Geschmackssache sind. Mir war der eine Teil zu dick aufgetragen und der zweite ein bisschen zu kitschig. Deswegen habe ich für mich hier einen Punkt in Abzug gebracht.

Das Buch wird in einer gebundenen Ausgabe angeboten, die ich immer gerne mag. Wobei der Verlag die Seiten hier sehr eng beschriftet. Die Ränder sind sehr schmal und das ist auf den ersten Blick etwas überfrachtet, hat mich aber nicht ermüdet. Das Cover ist schlicht und eher unscheinbar. Was der schwarze Teil im unteren Bildrand bedeutet, weiss ich nicht so genau. Eine Waffe oder eine Strechlimousine? Ist aber eigentlich auch nicht so wichtig, denn passen würde beides 🙂

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Mein Fazit: 4 von 5 Sternen für einen Thriller, der fesselt und sich flott und flüssig lesen lässt. Bestückt mit guten Figuren, die ihre Macken haben und der garantiert kein trockener Polit-Thriller ist.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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© Buchwelten 2012

Schwarzer Schwan von Horst Eckert ( 5/5 )

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Erschienen als
gebundene Ausgabe im
grafit Verlag
383 Seiten
Preis: 19,99 €
ISBN: 978-3-89425-667-8

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Hannah Kaul arbeitet bei der RheinBank und ist kurz vor dem Deal, der ihrer Karriere einen gehörigen Schub verschaffen soll. Ein Milliardenkredit soll einem grossen Unternehmen gewährt werden und die Konditionen hat Hannah ausgehandelt. Monatelang hat sie hierfür gearbeitet, doch kurz vor dem Abschluß läßt der Vorstand den Deal platzen. Hannah ist sauer und enttäuscht. Sie geniesst erst einmal einige freie Tage mit ihrer Nichte Leonie, ihrem Patenkind, dass für einige Zeit bei ihr wohnt, da ihre Mutter eine Reise mit ihrem neuen Lover unternimmt.

Dominik Roth ist Ermittler im Betrugsdezernat und langweilt sich täglich mit illegalen Internetlotterien. Nach dem Mord an der Lobbyistin Paula, die am Aachener Platz erschossen wird, fordert plötzlich und unerwartet Anna Winkler, Ermittlerin der Mordkommission seine Unterstützung an. Er steht auf der „Reserveliste“ der MoKo und endlich bekommt er seine Chance. Als dann auf dem Parkplatz des Aquazoo noch eine Brandleiche in einem VW Polo entdeckt wird, scheinen sich die Ereignisse zu überschlagen.

Als hätten die Düsseldorfer Ermittler hiermit nicht genug zu tun, verschwindet plötzlich Hannah Kauls Nichte Leonie. Sie ist ein zuverlässiger Teenager, kommt aber nicht zur vereinbarten Zeit bei ihrer Tante an. Als Hannah dann noch erfahren muss, dass sie observiert wurde (oder wird?) ist sie überzeugt davon, dass ihre Nichte entführt wurde.
Aber warum? Was ist der Grund, hat dies alles mit dem geplatzten Deal der RheinBank zu tun … ?

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Horst Eckert hat einen Schreibstil, der fesselt vom ersten bis zum letzten Buchstaben. Auch wenn ich mich eigentlich mit politischen Handlungen schwer tue, hat der Autor wieder dafür gesorgt, mich dieses Buch in einem Rutsch durchlesen zu lassen.
Er schafft es, die politischen Gegebenheiten, die sehr wohl wichtig für die Handlung sind, so geschickt in die Handlungsstränge zu verweben, dass sie mir nicht „unangenehm“ auffallen.

Die Geschichte wird in mehreren Handlungssträngen erzählt. Da gibt es die Bankerin Hannah in Düsseldorf auf der einen Seite, die Politiker und Finanzgurus der Banken auf der anderen. Dann gibt es weiterhin ein ganz stinknormales Pärchen, dass sich als Praktikanten versucht in der Graphikbranche zu etablieren und natürlich noch das Team um den Ermittler Dominik Roth.

Als dies verknüpft sich nach und nach immer mehr, gibt einen Sinn und erzeugt eine Lesesucht. Aktueller vom Zeitgeschehen geht es kaum. Die Kraftwerkkatastrophe in Japan spielt genauso eine Rolle, wie das Rettungspaket für Griechenland.
Bekannte Namen aus der Politik werden in die Handlung verknüpft und die Handlung springt immer zwischen Berlin und Düsseldorf hin und her. Die Kapitel sind „gemein“ kurz gehalten, so dass ich immer wieder mehr gelesen habe, als geplant.

Der Begriff schwarzer Schwan wird der „Mutti“ persönlich erklärt, somit weiss auch der Leser um den Titel des Thrillers Bescheid. Die Protagonisten waren echt und interessant charakterisiert und das, wo die Figuren aus den unterschiedlichsten Bereichen und Schichten stammen. Auch die Gefühle kommen bei Horst Eckert – trotz aller Brisanz – nicht zu kurz und die kleinen erotischen Passagen sind dem Autor ebenso sehr gut gelungen.

Mir persönlich hat natürlich sehr gut gefallen, dass ich die Orte in Düsseldorf und Umgebung selber gut kenne und die beschriebenen Strecken im Geiste mitfahren konnte und auch die Szenen in Berlin haben mir als Liebhaber der Hauptstadt großen Spass gemacht. Der Einblick in die Politik und die Machenschaften der Grossen Banker war für mich normalen Bürger hochinteressant und gut verständlich.

Mein Fazit: 5 von 5 Punkten für diesen fesselnden, spannenden, sehr gut geschriebenen Politthriller, der das aktuelle Geschehen in unserem Land aufgreift und Einblicke in mir unbekannte Welten gewährt hat.

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Ich danke dem grafit Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011

Jeder Tag endet mit dem Tod von Michael Schröder (4/5)

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Erhältlich als Taschenbuch im EPIDU Verlag
Preis: 14,90 €
ISBN-Nr.: 978-3942 584081

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Der Roman erzählt die Geschichte des Kriminalkommissars Elmar Kreuzer, der seinen Dienst in Karlsruhe leistet und eines Tages von der 13-jährigen Lisa König in seinem Büro aufgesucht wird. Dabei hat sie einen Zeitungsartikel ( in dem er selber als der Polizist hochgelobt wird, der niemals aufgibt) und eine Ermittlungsakte. Diese hat sie der Polizei aus Ihrer Heimatstadt entwendet, weil sie mit deren Arbeit nicht einverstanden ist und darum die Hilfe von Kreuzer erbittet. Lisas Vater ist drei Monate zuvor – angeblich bei einem Einbruch in seinem Hause – zu Tode gekommen. Doch Lisa glaubt nicht daran. Für sie ist dieser Fall nicht „rund“, wie sie selber es nennt. Es wurde nicht richtig ermittelt, Spuren nicht berücksichtigt, etc. Sie hat das Gefühl, dass ihr Vater ermordet wurde und die Polizei und der Verwaltungsapparat aus Eisenheim dies unter den Teppich kehren.
Darum ist sie auf eigene Initiative bis nach Karlsruhe gefahren um Kreuzer zu überzeugen und auf ihre Seite zu ziehen. Dies schafft sie erstaunlich schnell. Kreuzer ist dem traurigen, mutigen Charme des Mädchens sofort erlegen und ein schneller Blick in die Ermittlungsakte, während Lisa die Toilette besucht, reicht aus um seine Ermittlerneugier zu wecken.
Er begleitet Lisa in seine Heimatstadt und nimmt sich vor, den dortigen Beamten ein wenig auf den Zahn zu fühlen um Lisas Vermutungen nachzugehen und evtl. sogar zu bestätigen.
Dort angekommen endet dieser Tag für ihn mit dem Tod und das von diesem Moment an täglich. Denn er erwacht immer wieder am Morgen des 06.10.2006 in seinem Hotelzimmer, er ist in einer Zeitschleife gefangen. Wie kommt er da heraus…. ?

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Ich beginne mit dem Erscheinungsbild des Buches. Das Cover ist mit den Farben schwarz, rot und weiss nicht zu bunt gehalten. Die Spirale und die Uhr auf der Vorderseite passen gut zum Thema des Romanes. Die Inhaltsangabe ist zentriert geschrieben und somit wirkt das Erscheinungsbild aufgeräumt, was mir gut gefällt.
Die Folie des Taschenbuches löst sich leider auch hier nach Ende der Lektüre bereits an den Rändern ab, der Buchrücken weist leichte Knicke auf. Wobei ich sehr pfleglich mit Büchern umgehe und diese nicht auseinanderbiege, während ich lese.
Die Seiten sind schön und übersichtlich aufgebaut. Eine Seite umfasst 33 Zeilen in einer ziemlich kleinen Schrift. Die etwas grösseren Zeilenabstände und angenehmen Ränder lockern allerdings angenehm auf und machen das Lesen somit  nicht zu anstrengend. Die Kapitel sind recht lang gehalten aber nicht zu lang. Ich habe nie die Lust verloren und mich auch dabei erwischt, ein Kapitel mehr zu lesen als ich es vorher geplant hatte.

Etwas schade finde ich, dass es weder ein Nachwort des Autors, noch eine kleine Information über diesen im Buch gibt. Ein kleiner Abschnitt „Über den Autor“, evtl. mit einem Foto und Hinweise auf weitere Werke hätten mir sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist angenehm, die Handlung liest sich locker. Die Sätze sind meist recht kurz gehalten. Sie gibt es öfters als verschachtelte Kommasätze, was bei Krimis aber nicht unüblich ist. Teilweise sind die Sätze sehr schön und auch gehoben formuliert und dann wieder sehr umgangssprachlich. Mit gezogener Pistole in der Luft „rumfuchteln“ finde ich z.B. ein bisschen zu locker. Genauso wie dauernd „Scheisse“ o.ä. zu lesen. Dann gibt es aber – wie gesagt – wieder Sätze, die sehr schön sind:

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„Verrückt hin und verrückt her, am Ende blieb die Neugierde, erhob sich als Sieger über Zweifel, Angst und besseres Wissen.“

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Solche Sätze mag ich und davon gibt es auch einige. Also gleichen solche Formulierungen die umgangssprachlichen „Ausrutscher“ für mich wieder aus.

Der Spannungsbogen ist gut gelungen, auch wenn man ständig den selben Tag erlebt, es ist keiner wie der vorherige und man fiebert mit dem Protagonisten wahrlich mit. Die Figur des Elmar Kreuzer ist mir von Anfang an sympathisch, lässt er sich doch oft von Gefühlen leiten, hört auf sein Bauchgefühl, kombiniert aber gleichzeitig auch haarscharf. Mit der Figur der Lisa wurde ich erst im letzten Drittel richtig warm, was eigentlich nicht ausbleibt. Denn Anfangs tritt sich immer nur kurz auf und erst später wird der Kontakt zu ihr intensiver. Dann wächst aber auch sie dem Leser ans Herz.
Das Ende hat mir einerseits richtig gut gefallen aber andererseits hätte ich mir doch noch einen klitzekleinen Epilog gewünscht… ;-).

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Fazit: Ein wirklich lesenswerter Krimi, der Spaß macht und durch die EPIDU-Community zu Recht gewählt wurde.
Der Roman erhät von mir 4 von 5 Punkten. Die Handlung ist gut, der Schreibstil angenehm, die Qualität des Buches ist jedoch noch verbesserungswürdig.

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Mein Dank geht an die Bloggerseite Blogg-dein-Buch.de und dem EPIDU – Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

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© Buchwelten 2011